Fünfundfünfzig. Die fetten Partys sind vorbei. Wir haben uns mit Sarah und Stef heute im Bluenote erinnert, wie das bei meinem Vierzigsten in 2010 war: Ebenfalls im Bluenote hatte ich damals (wahrscheinlich mit Jörg und Ronald) ein kleines Jeskomclub-Konzert gespielt. Fünfzehn Jahre ist das her. Also 2010. Und es waren so viele Leute da. Neben meinen Eltern auch Ines, Helge und Biene, Marek und eine große Menge von Leuten, die ich heute noch zu meinem Bekannten- und Freundeskreis zählen darf. Sehr viel über diesen Abend habe ich offensichtlich in der Zehnsucht nicht geschrieben. Hier und hier vielleicht ein bisschen. Und wir haben uns heute an so viel mehr erinnert, als hier aufgeschrieben wurde. Eine Gelegenheit, es jetzt aus der Erinnerung nachzuholen:
Im Bluenote ein Kontingent von 1000 Euro mit Wuschel und Katrin festgemacht und es nachträglich erhöht, weil so viel Leute auftauchten - auch die, die nicht mit meinem Geburtstag zu tun hatten. Egal. Das dicke C war auch da (der hier noch eine weitere Rolle spielen wird) und der in der Freundin meiner Cousine Ines seine Cousine wiedererkannte. Dann meine Geschenke-Idee: dass mir all meine Gäste keine Geschenke, sondern Ideen für mein Weiterleben mitbringen sollten. Da waren Gudio Käpernik und Janet, die mir 40 chinesische Glückskekse brachten; Kubon und Christina, die mir jeweils eine CD mit 40 Songs zusammenstellten, von denen sie dachten, dass sie auf mich passen könnten (und das taten sie); Tom Michme und Zwiebel, die mir eine 40-Minuten-CD-Produktion im Heartdisco Studio schenkten; Gören, der mir 40 CD-Rohlinge für meine zukünftigen musikalischen Ideen mitbrachte; Ines, die mir Carnegies "Sorge dich nicht, lebe" anheim legen wollte oder Helge und Biene, die mir eine Pinnwand mit 40 wahrscheinlich guten Gedanken präsentierten ... von derlei Geschenk-Ideen gab es bestimmt noch weitere, an die ich mich im Moment nicht erinnern kann.
Es war ein großer Abend und ich ging mit meiner frischen Nikon umher und bat alle Leute im Selfie mit mir, so böse wie möglich dreinzuschauen. Zwiebel hatte es ziemlich gut drauf gehabt und ich erinnere mich, wie ich heimlich dachte, dass ich mich in ihn verlieben könne, wenn er nur den Spirit von Ronald hätte. Au warte, was für eine Melange damals.
Der Abend ging also irgendwann im Bluenote zu Ende und die Party lebte erneut auf, als wir bei mir zuhause waren. Dabei waren in meiner Erinnerung Ines (mit der ich am Vorabend den großen Topf Chili con Carne gekocht und zu ihrer Erheiterung Kaffeepulver hineingestreut hatte - und ich ein Foto von mir um Null Uhr machte, als sie zu Bett gegangen war), Marek, das dicke C., Sarah, Norbert (der Bruder von Stef) ... und vielleicht noch einzwei anderen, an die ich mich im Moment nicht erinnere.
Norbert hatte dann im morgendlichen Sonnenlicht mit Sarah in meinem Wohnzimmer getanzt und ich malte mir in diesem Moment aus, dass er es gern mit ihr aufnehmen bzw. sie irgendwohin mitnehmen wollte. Egal. Der Tag begann in heller Sonne, ich riss das Fenster auf und rief irgendetwas Glückliches in die Luft, Ines war bereits im Bett, Marek ging dann auch und am Ende blieben nur noch das dicke C. und ich übrig. Was sich in den letzten Stunden angebahnt hatte, wurde nun konkret: Er zog mich aus, legte mich auf mich Couch und fing an, mir den Hintern (ui, das ist oll, aber war so:) Hintern zu lecken. Sagt man das so? Jedenfalls dachte ich daran, dass diese Idee nach all den Stunden diese langen Tages womöglich nicht sonderlich ästhetisch oder schmackhaft sein könnte; ließ es aber geschehen. Dann fanden sich seine Finger in mir und ich musste in meinem Werden über die schwule Liebe samt deren Sex erneut feststellen, dass es womöglich cool, aber nicht das Richtige ist. Nunja, er schlief mittendrin neben mir ein und ich gedachte mir aus aus diesem gemeinsamen Bild zumindest noch einen Orgasmus zu verschaffen. Es kam dann auch so (sic!) - aber es war womöglich auch der sehr langen Nacht geschuldet, dass ich es zwar als endlich richtig schwules sexuelles Erlebnis "geil" fand, letztlich aber erneut feststellte, dass es nicht reicht.
Am - wahrscheinlich frühen Nachmittag - standen wir alle da, frühstückten; Carsten (das dicke C) hielt mir grinsend meinen am Boden liegenden grauen Slip am Mittelfinger entgegen (und das gefiel mir in der Vorstellung all dessen und mehr davon sehr) und der große, lange Tag mitsamt all der Erinnerungen des Abends mit den 80 Leuten im Bluenote und der anschließenden Nacht schlich sich davon. Wie schön, dass wir uns heute nochmal daran erinnert haben und ich das hier nachtragen konnte.
Heute also zum Fünfundfünfzigsten gab es keine Party. Zumindest keine besondere. Als ich Fünfzig wurde, kam Corona / Covid19 fast auf den Tag genau ins System und verhinderte alle Pläne (die auch so nicht sonderlich von Party-Ideen ausgeprägt waren). Und so blieb es. Bis heute. Genau wie mit meiner Musik und Jeskom oder überhaupt irgendwelchen Anstrengungen. Ich hab mich durchgesoffen und dabei erstaunlich gut erhalten in Job und Zeit und Geld und dem ganzen Quatsch.
Statistik 2025 mit also 55 Jahren: Es ist gemein, das hier aufzulisten, denn auch ich bedenke sehr oft nicht mehr anderer Leute Geburtstage. Freunde kommen, Freunde gehen; zumindest werden die wenigsten zu Fremdem. Die Verhältnisse ändern sich, die Konstellationen verschieben sich. Wir haben weniger gemeinsam, weil wir keine gemeinsamen Ziele mehr haben. Zumindest nicht mehr solche, die uns zusammenraufen und etwas Neues entstehen lassen.
Derweil klauben wir uns aus alten verblichenen Kalendern die Geburtstagsdaten ehemaliger oder noch bestehender Gesinnungsgenossen und vermelden Glück, Gesundheit und Weltfrieden und "man müsste mal wieder...", die gerne auch bei Entschuldigungen über das verpasste Datum herhalten.
Geburtstagsstatistik also? Bitteschön (in irgendwelcher Reihenfolge):
- Anke Grünbeck
- Michel Redlich
- Jule Schönbrunn
- Susi Haselhuhn
- Tobias
- Mama & Papa
- Bärbel & Uwe
- Steffen & Katrin & Martha & Alma
- Helge & Biene
- Tante Monika
- Thomas Lange
- Mandy
- Marek
- Anke Hansen
- Heiko Zintl
- Micha Homi Hohmann
- Birgit Bursee
- Katrin Gellrich
- Mittel Stefan Mittelstädt
- Ronald Hensel
- Prasnikars
- Sabine Bienert
- Varinia
- Norbert Haselhuhn
- im Nachgang Köhli (zum 3. Mal in Folge einen Tag zu spät, wie er selbst belustigt vermerkte)
- und Andrea Bismark ( die den Frühling um einen Tag verschob)
- und Kati
- und dann die teils mitgehangenen Typen im Bluenote via Stef, Sarah, Daniel, Volker, Jule, Steffi, Sebb und so.
Wie ich sehe, bin ich unvergessen. Naja, vielleicht ist das auch ein bisschen hanebüchen. Aber vielleicht kommen ja zwei Drittel davon zu meiner Beerdigung, wenn es jetzt soweit sein sollte.