Zehnsucht

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Aus dem Tagebuch eines Trinkers

Gab's schonmal, oder? Ich beisse weiterhin an meinen Zähnen herum, bin schon wieder beim Ende der zweiten Flasche Weißwein, kann mich weder konzentrieren noch irgendeinen klugen Gedanken fassen. Im Tagebuch eines Trinkers sehe ich von mir gezeichnete Haken von damals. Wahrscheinlich hatte mir das für meine Beschreibung meines Zustandes zugesagt. Leider habe ich den Untertitel übersehen: "Das letzte Jahr". In dieser Fiktion hat er sich am Ende vergiftet, weil Alkohol allein nicht mehr geholfen hatte.

Dennoch lese ich darin von Überlegungen über Quantenphysik und Mathematik und Bach und Geschichte ... die ich allesamt gern als intelligenter Trinker, der am System scheitert, gewissermaßen als meinen Hintergrund verzeichnen würde; aber es stimmt nicht. Ich bin doofer als gedacht. Oder bin zumindest nur mit derlei Wissens-Themen tangiert oder gestreift worden. Am Ende weiss und kann ich garnicht so viel über das Leben, das Universum und den ganzen Rest berichten. Hätte ich womöglich gern gehabt und habe mich solchen Leuten wie Kawa oder Roland Bach gern angeschlossen. Aber ich habe mich verleugnet.

Blender, Pretender. Ich bin ziemlich schwach. Und meine Geschichte, mein Leben, mein Denken und Sein mitsamt der mir nicht zugetrauten Erlebnisse holen mich ein in der Kurve der Sättigung. Damit meine ich auch meinen Job, in welchem ich zwar noch immer bewundert und gelobt und gut bezahlt und zu halten versucht werde, ich aber heimlich und wie so oft ein Gefühl des Versagens hege - denn im Vergleich zu den Anforderungen und Querelen des cholerischen Intendanten samt seines künstlicherischen Mannes damals im Puppenhaus ist es hier eine Art von Leichtigkeit, die es mir einfacher macht, so viel Wein zu trinken und mich nicht auf die Reihe zu bekommen. #Zukunft? #Idee? #Leben?

Morgen wird um 08:00 Uhr Manuela Knabe-Ostheeren im Landesverband mit Überraschungs-Bam! verabschiedet und ich wollte dabei sein. Kann ich vergessen. Zwei Flaschen spanischer Wein sind geleert und der Rest-Riesling macht sich auf den Heimweg in mich. Schade um auch diese Verpassung. Den Rest des Tages versuche ich nüchtern zu werden, um dann am Abend bei "Magdeburg singt - eine Stadt für alle" Fotos zu machen. Weil es dieses Mal besonders ist: vor genau 80 Jahren wurde Magdeburg zerbombt und ich bin der Freiwilligenagentur und Birgit Bursee und diesem Projekt besonders verbunden, weil es mich zudem bereits bei den ersten Malen so sehr geführt hat, als die ganzen Menschen gemeinsam Lieder sangen und meinem Gefühl für ein halbwegs mögliches Miteinander eine Form gaben. Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsident Haseloff sind auch da. Weil alles zusammenpasst: Zerstörung Magdeburg in 1945 und dazu der 20.12.2024 mit dem verstörten Saudi-Arabischen Menschen, der mit seinem Auto durch den Weihnachtsmarkt gerast ist, sechs Menschen getötet und um die 500 Leute verletzt hat.

Auch Thomas Lange und Barbara werden da sein - die beiden habe ich nach langer Zeit (letzter Kontakt: Thomas 60. Geburtstag in Wegenstedt in 2022? mit Tobi; kurz und leider wenig persönlich) beim Kieser Training wieder getroffen und nun scheint da eine erneute Verbindung zu entstehen. Das ist gut.

Habe mir soeben den letzten Rest Riesling aus dem Kühlschrank geholt und stelle hiermit und für die weiteren Beiträge wie auch die Nachwelt vermerkend fest, dass ich mir am Montag mit sechs Bieren im Blue Note samt anschließendem Wein zuhause, am Dienstag mit zwei unglaublich schlechten und billigen ein-Liter-Flaschen Weißwein und heute am Mittwoch mit der Idee, es besser zu machen, zwei Flaschen spanischen Weißweines und dem Rest des am Montag vernunftshalber im Kühlschrank belassenen Rieslinges ordentlich die so genannte Kante gegeben habe.

Um auf das Tagebuch eines Trinkers zurück zu kommen: In meiner Wohnung ist seit der Verpflanzung der abgesägten Palme von Tobi, die sich seitdem bei mir im neuen Topf mit neuer Erde prima entwickelt, eine Kolonie von Trauermücken aufgetaucht, die ich nun zu bekämpfen versuche. Auch wenn mir die Bezeichnung "Trauermücken" sehr gefällt. Mit gelben Klebdingern und Strumpfhosen, die ich mir lieber selbst anziehe ... so! reicht jetzt. Ich bin ganz fürchterlich betrunken. Was ich für den Moment knapp befürworte, aber weiterhin sehr sehr anfeinde. Anfeinden muss.

Zweierlei Flaschen

Gekauft für "Besser Haben als Brauchen". Wie immer. Billiger Wein. Dennoch ausgetrunken. Beide Flaschen. Jeweils einen Liter. Zehn Zigaretten. Wirklich? Ja. Und? "Pardauz".

Nachtrag nächsten Tags: Es ist unglaublich. Das einfache Glas des guten Geschmacks wegen reicht bei Weitem schon längst nicht mehr; es muss so viel sein, dass sich mein Bewusstsein bekümmert zurückzieht und still verharrt, bis am folgenden Morgen sein Verwandter - der Todesstern - seine Bahn durch mein Universum zieht und eine Spur der Verwüstung aus Desorientieruntg, Sex, schwindliger Schweberei, nochmal Sex und unrühmlichen Versuchen, nach aussen wie mir selbst gegenüber eine Normalität vozutäuschen. Dann fahre ich doch noch los Richtung Büro. Mit dem Bus. Echt? Das geht? Und nur, um zum Obi zu fahren für Quarzsand und gelbe Blumenklebersticker. Und um die leeren Flaschen los zu werden. Das trifft den Punkt "Tiefe Scham" aus dem Tagebuch eines Trinkers ganz gut. Womit der Autor Eugen Egner bestimmt autobiografisch geschrieben haben dürfte. So wie ich hier.

Trinkertod

Ich habe weiterhin berechtigte Angst vor dem Totalausfall, dem Systemversagen, vor dem Horror-Crash, vor der Meldung aus einem Krankenhaus, einer Ärztin ... vor einer unumkehrbaren Nachricht. Vor so einer, die zum Beispiel lauten könnte: In diesem Stadium vielleicht noch drei, vier Monate. Oder ich stürze mit dem Bus einen Abhang hinunter. Oder meine Mutter stirbt. Oder mein Vater. Das werden sie. Das werde auch ich. Nur könnte ich mir weiterhin vorstellen, dass es mich eiskalt und rasend schnell erwischt. Jetzt bloß nicht schreiben, dass ich es ahne. Das wird später zum Karma mit Omen erklärt.

Laut Gerechtigkeitsverteilungstabelle kann aus dem Mittelwert meiner Unverträglichkeiten in Sachen Leben, Seele und Synapsen mit resultierendem Alkohol-Eskapismus nur ein negatives Ergebnis ermittelt werden, wonach ich also in Bälde unbewegt zu verwesen beginne.

Jetlag & Amerika

Wir haben uns beide arrangiert: Zuerst in der Erkenntnis, eine merkwürdige Form von Jetlag nach unserer Reise noch immer zu erleben, obwohl genau jetzt bereits eine Woche vorüber ist. Tobi merkt es, indem er länger als gewohnt schläft; ich merke es, indem ich mich nach unserer Rückkehr in der Nacht nach Mutters Geburtstag wie auch bei und nach der Silvesterparty und die Tage danach mit sehr viel nachholendem Wein ermüdet habe und sogar bis 13:00 Uhr, ansonsten 11:00 Uhr geschlafen habe und mich für nichts begeistern konnte, obwohl sogar ein neuer Bus auf mich wartet. Kälte, Regen, Wind und eine gewisse Lethargie trafen auf mich, während Tobi auf ähnliche Weise seinem Silvester-Dienst (und dem morgigen) entgegensah.

Außerdem konnten wir beide uns (ein bisschen zu spät) verständigen, dass wir derselben gewissen Belanglosigkeit anheim gefallen sind, was diesen Urlaub betraf. Das war also bisher der teuerste und sogar langweiligste Urlaub unserer gemeinsamen Zeit? Aber warum? Weil wir zu viel rumgelaufen und in NYC die "Highlights" abgerannt sind und es nicht mehr so großartig wie bspw. in 2015 empfunden haben? Wahrscheinlich ja. Weil wir somit auch weniger geniessen und die Zeit Zeit sein lassen konnten. Weil die Strecke nach Key West sich als nicht so verheissungsvoll herausgestellt hatte? Aber das stimmt wahrscheinlich nicht ganz. Worauf haben wir denn gehofft und gewartet? Dass uns am Straßenrand die große Poesie und Romantik ereilt und auf Schildern angepriesen wird? Das gibt es nirgendwo. Nochmal: Es ist nicht wichtig, wo wir sind, sondern wer wir sind. (Homer Simpson).

Das stellt ja auch vieles von dem, was wir in Zukunft machen wollen, in Frage. Ski fahren ist leicht - da gibts nichts anderes. Glück gehabt. Was aber wäre in Guatemala? Schweden? Mexiko oder Chicago? Was sind unsere Interessen? Wie war das in Italien und der Toskana? Bei Maja? Auf den Schiffen? Jana und Jörg fahren dauernd irgendwohin (da reicht bereits der Harz oder womöglich irgendeine spröde Wiese) und posten romantische, zum Teil auch schöne Bilder. Und wollen mich und uns auch immer gern mitnehmen. Ich will meistens nicht. Und Tobi noch weniger. Können wir sowas überhaupt? Was ist schön? Die selbe alte, blöde Frage.

Auf nach Hadmersleben? Für 50 Euro.

Fotografieren

Ich kann keine gute Fotos machen. Und wenn, dann gelingen sie mir nur entweder durch Zufall oder aus der enormen Masse an Fotos oder wenn ich es richtig gut vorbereitet habe. Das ist mir während unserer Reise in die USA wieder aufgefallen. Ich hab's nichtmal vollbracht, Tobi zum Zeitpunkt seines Fünfzigsten richtig in Szene zu setzen, um ein bleibendes Bild zu schaffen. Da steht ein dicker Mann im Festtagshemd im Foyer des Empire State Buildings und sieht schrecklich schlecht aus. Das tut mir weh. Nach dem Löschen der langweiligen Fotos sind für die USA immer noch 949 Fotos übrig geblieben, von denen mindestens drei Viertel nicht gut sind.

Ich hätte gern vielleicht nur 30 Fotos, die dann aber allesamt richtig gut sind und die Situation vor Ort hochwertig wiedergeben. Alles andere ist olle Schnappschusserei. Die Aufnahmen bei M'era Luna hatten das Glück, dass ich im Graben direkt vor der Bühne mit 200mm stand oder dass die Leute auf dem Festival gut aussahen. Für die Erstellung eines richtig guten Fotos fehlt mir offensichtlich das bessere Wissen über Layout, Licht, den technischen Blick. Ästhetisch klappt es ja manchmal. Immerhin. Auch wenn ich im Puppentheater für meine Shots hoch gelobt wurde (was aufgrund der dilletantischen Fotos bis dahin - und mit Ausnahme der Fotos von Vicky Kühne einfach war), habe ich das Gefühl, es nicht richtig zu machen. Tausend Fotos für 14 Tage Amerika - und davon nur wenige gut: das fetzt nicht. Darüber hatte ich bereits während unseres Aufenthaltes dort nachgedacht. Aber es ist einfach ein zu redundantes Rumgeknipse geworden. In der Hoffnung, im Nachhinein das "richtige" getroffen zu haben. Am Ende bleibt das ewig mühselige Sortieren und Kaschieren, um etwas halbwegs Schönes für die Erinnerung archivieren zu können. Das mag womöglich vielen so gehen, ich aber möchte das nicht.

Das hätte ich gern anders. Und ich wusste auch immer schon, wie: Losgehen und aus all den bisherigen Tutorials und Workshops das Wesentliche mitnehmen und es probieren. Es lernen. Wie alt ist diese Idee? Seit der Nikon Coolpix 990 im Jahr 2000 mindestens. Also 25 Jahre her. Wie immer aber bleibt es bei dem Versuch und der Rest ist semiprofessionelles Gehabe, welches überhaupt nicht stimmt.

Was mich schon wieder auf die Idee bringt, die mich interessierenden Dinge in meinem Leben richtig machen zu wollen, den überschüssigen, aufwändigen Rest wegzulassen. Das ist insbesondere beim Thema Musik aber auch ziemlich knifflig. Vielleicht ist es besser, sowas nicht allein zu probieren. Jedoch hakt es auch da wieder, wenn ich "allein will und nicht kann".

Vorhaben

Grips & Fresse. Vorurteile sein lassen, abwarten, beobachten. Kucken statt Kotzen. Tee trinken. Gras statt Wein. Der Realität etwas mehr Raum geben. Freundlich bleiben. Den Gründen eigener Unzufriedenheit sofort auf den Grund gehen, es ändern und sich mir zum Freund machen. Der Rest passiert automatisch. Wie zum Beispiel Musik. Und ggf. Menschen.

Der Sinn des Lebens? Nun, es ist wirklich nichts Besonderes: Seien sie nett zu Ihren Nachbarn, vermeiden sie fettes Essen, lesen sie ein paar gute Bücher, machen sie Spaziergänge und versuchen sie in Frieden und Harmonie mit Menschen jeden Glaubens und jeder Nation zu leben. (Monty Python 1983)

NYC & Miami Beach

Ich bin gevielteilt. Die ganzen Empfindungen wechseln so schnell hintereinander und fordern Spielraum für Interpretationen, wofür die Zeit nicht reicht. Die meisten davon sind nicht schön. Ich bin nicht schön. Aber erkältet. Seit kurz vor der Reise. Ich dachte, es hat sich in 3-4 Tagen erledigt. Hat es nicht. Heute ist der 26.12. und  es ist noch immer nicht ganz fertig.

Egal, das dürfte nur ein Teil dessen sein, was mich so zaudern lässt, diese Reise als schön empfunden haben zu können. Im Moment trinke ich ein Gin Tonic und ein Bier in der Tavern Bar und bin sofort sehr betrunken. So wie den ganzen (nüchternen) Tag stehe ich merkwürdig neben mir. Parallelwelten. Wie in einer Art Trance oder unter Drogen durchlebe ich zeitgleich zwei Zustände. Irreal. Wie im Schlaf mitsamt Traum, um zwischenzeitlich kurz zu erwachen und zu hoffen, gleich wieder weiterschlafen zu können. Autofahren über die dicken amerikanischen Highways geht erstaunlich leicht dabei. Trotzdem wie im Autoscooter ohne Angst vor Gefahr. Könnte was mit Verrücktwerden zu tun haben.

Was ist los? Was ist passiert? Homer: Es ist nicht wichtig, wo wir sind, sondern wer wir sind. Mein Zusatz: und wie wir sind.

Ich benehme mich vermutlich schlecht gegenüber Tobi und vermute, es liegt wie so oft daran, dass ich mehr will. Mehr als anständig und geruhsam durch diese Welt hier oder anderswo schlendern, nur wenig wagen und ebenso wenig ausprobieren. Es erinnert mich wie so oft an meinen Brief an meinen Freund. Der sich dahin gehend nicht erfüllt hat.

Womöglich tue ich ihm in vielen Dingen Unrecht und am ollsten ist, dass ich das hier tippe, während wir zusammen im Croydon in Miami Beach auf dem Bett bei einer sehr schlimmen Dolly Parton X-mas Show aus 2022 sitzen, statt es uns zu erzählen.

(aber hier muss ich jetzt pausieren, denn heute läuft erstmals seit USA der Wein bei mir und ich möchte versuchen, es sachlich zu halten, was auch nüchtern sehr schwer ist, wenn meine Reflektionen wie Blitze durch die Gemengelage meiner Gefühle zischen.)

… zum Ende hin wird alles plötzlich gelöster, fast schon so, wie es eigentlich die ganze Zeit sein hätte sein sollen. Das kenne ich von manchen unserer längeren Wochenenden, an deren Ende wir beide merkwürdigerweise immer etwas fröhlicher scheinen bzw. sind. Das ist aber falsch herum, oder?

Ich komme hier nicht weiter und belasse es bei der Beschreibung der kaltnassen Füße in New York, der latenten Langeweile und meine sieben Schritte, die ich merkwürdigerweise immer voraus gehe.
(Beitrag begonnen am 26.12.24 in Miami und beendet am 01.01. auf der Couch)

I didn't have a Cheesecake in New York City. Any requests?

Experiment im Flug

Das ist interessant: wir sitzen im Flugzeug von Miami nach London. Acht Stunden und wir wissen, worauf wir uns einlassen. Nun gut, die Lieblingssitzplätze waren beim Online Check-in nicht mehr zu haben. War zu erwarten, weil die im Vorfeld extra verkauft werden. Nicht schlimm;  die beiden, die uns zugedacht waren, sind auch okay. Immerhin ist es die extended economy mit schnellerem Boarding und mehr Beinfreiheit. Vor uns sind zwei Reihen merkwürdigerweise frei, auch wenn sie beim Check-In nicht verfügbar waren. Um so besser, also kann ich mich nach dem Start dort niederlassen und wir beide haben jeder mehr Platz.

Soweit zum Intro. Jetzt gehts los: ein älterer Mann wird von seinem besorgten Sohn oder Schwiegersohn aus der Economy nach vorn in "unsere" Abteilung gebracht. Es gehe ihm nicht gut und er brauche einen bequemeren Platz oder sowas. Wir ahnen den Fortgang und die Bedeutung der Geschichte? Sehen wir es uns an: So sitzen beide also in der freien Reihe vor mir. Okay, vielleicht geht es dem Mann ja wirklich schlecht. Nun kommt noch eine Frau dazu. Tochter oder Schwiegertochter. Ach so, offensichtlich wichtig hierbei: es handelt sich um Englisch sprechende Menschen südländischer (?) Herkunft. Auch sie scheint sehr besorgt und setzt sich vorsichtshalber auf den dritten Platz jener Reihe. Irgendwann wird die Besorgnis deren Schlaf überlassen und meine Sorge ist, dass sie ihren Sitz zurück klappt. Wegen eben dieser Bein-Freiheit bin ich ja eins nach vorn gerutscht. Macht sie nicht. Noch nicht. Dafür kommt jetzt eine weitere Frau, um Erkundigungen bei Frau Eins einzuholen und den Schlaf sein zu lassen.

Alles in allem nichts Besonderes, wenn ich nicht merkwürdigen Gedanken anheim fallen würde: Deren Monitore mit Filmen, Flight-Stats etc. funktionieren. Meine nicht. Einer meiner zweiten Gedanken ist "Familienzusammenführung". Die zweite Frau hat keinen Platz in der extended Economy ergattern können. Wollte sie das überhaupt? Dennoch scheint meine Ruhe betrüblich beeinträchtigt.

Jetzt kommt eine freundliche Stewardess und fragt, ob zwei links von mir - wo ich meine Tasche aus irgendeiner Voraussicht platziert habe - jemand sitze. Ich verneine, räume die Tasche weg und sie erzählt mir, dass es einen Passagier gebe, dem es nicht so gut gehe und der etwas Freiraum brauche. Meine spontane Antwort kam geradezu geschossen: " I hope, it's not a trick.". Hui, wo kam der denn her? Sie versichert mir, dass kein weiterer Passagier neben mir platziert würde und natürlich ist es okay.

Dann kommt er: ein etwas dicklicher Ami oder Engländer, der sich gleich Platz verschafft und mir zudem verrät, dass er in der Mitte sitzen wird. Wird er nicht. Und das sage ich ihm deutlich. Also fügt er sich, setzt sich auf den äusseren Platz, macht sich Musik und TV an und lässt es sich besser gehen. Vorsicht Polemik!

Wahrscheinlich ist sowas allgegenwärtige Praxis auf diesen Flügen, jedoch komme ich nicht umhin, dem Ganzen mit gewissem Argwohn zu begegnen. Auf das Wesentliche reduziert, säßen Tobi und ich auf E und F in einer Reihe zusammen mit einer schlanken Dame und hätten nichts zu bemerken, egal wer vor oder hinter uns sitzt. Ich luxuriose sogar in einer freien Reihe ganz für mich und sogar ohne Vorderleute, die mir den Beinraum knapp machen würden. Dann kommen aber doch Leute und scheinen mir diese Freiheit gefühlt zu nehmen bzw. einzuschränken. (Wie zum Beweis verschafft sich Schwieger/Sohn auf dem Mittelsitz vor mir jetzt vollständig Platz mit der Lehne ganz nach hinten. Wenn das die Frau jetzt auch machen würde, riefe ich laut in das schlafende Flugzeug: "Siehste!") Ich bin also geneigt, dem proklamierten Unwohlsein des älteren Herren keinen Glauben schenken zu wollen und dafür in Richtung Schmarotzerei zu tendieren. Ganz dünnes Eis, aber jetzt weiss ich, wie sowas also durchaus entstehen könnte. Wahnsinnig gefährlich.

Alles in allem eine interessante Beobachtung. Leider jedoch an mir. Und der größte Ärger ist: auf diesem fucking Tablet lässt es sich so gut wie nicht schreiben. So, wer ist hier jetzt womit genau unzufrieden?

28.12.2024 gegen 21:42 Uhr auf 12.000 m Höhe in wahrscheinlich einer anderen Zeitzone, die hier überhaupt keine Rolle spielt, habe ich dann doch nicht "Siehste!" gerufen, als Frau Eins dann tatsächlich doch noch ihren Sitz zurückklappte und ich jedoch entrüstet mit meinen Knien an ihrer Lehne rüttelte, um ihr mitzuteilen, dass ich ganz furchtbar leide. Sollte sie die zweite Stufe wagen ... ach naja, es und ich werden dadurch nicht besser. 

Siechtum und Zerfall

Sehr gern möchte ich diese Zeilen später wieder lesen und versuchen, mich an den Zeitpunkt und die Situation jetzt und hier zu erinnern und heilfroh sein, es überstanden zu haben. Große Worte, ich weiß, aber das elendige Gefühl ist enorm und setzt sich zusammen aus jahrelangem Alkoholübermaß inklusive dem (ewig) gestrigen, dem natürlichen Alterungsprozess, der einhergehend mit dem vielen Wein eine schnelle Entwicklung mit teilweise stark gefühlter Hilflosigkeit zeigt. Wenn ich dann überlege, dass wir morgen nach New York reisen, stelle ich mir vor, dass wir abstürzen oder die Koffer zerstört oder wir entführt oder erschossen werden ... also alles Horrorszenarien, die mein Kopf sich auf meiner aktuellen Basis gerechtfertigt ausmalt. Die Rettungszentrale sendet schnell einen fetten Erkältungs-Husten in der letztmöglichen Hoffnung, mich vom Wein fernzuhalten. Und so weiß ich nicht, was welcher Ursache geschuldet ist und hoffe, morgen einen Großteil davon los geworden zu sein. Männergrippensymptomatik. So vieles fühlt sich schwer und knapp an, alles ist vakant und waghalsig, tapsig und unbeholfen - eine Form von Zerfall, dem dringlich Einhalt geboten werden muss.

Das könnte klappen, morgen genau um diese Zeit sind wir Richtung London in der Luft und danach weitere 10++ Stunden unterwegs und ich habe große Hoffnung auf verschwindende Erkältungssymptome und mehr Erleben als Ersaufen. Damit das hier keine Todesanzeige wird.

Noch ne Woche Hammerschlag

Alles Ausreden, ich weiß. Diesmal muss der Weihnachtsmarkt herhalten, der gestern zu Ende ging. Glühwein, Bier, Glühwein, Bier und zuhause die unstoppable Gier nach Wein. Und immer wieder der Blick auf bevorstehende Ereignisse, die mich ganz sicher davon abhalten. Nächstes wäre New York am Sonntag. Ist noch ganricht richtig bei mir angekommen und doch dabei ein so großes Ding.

Derweil wütet eine riesige Panik hyperchondrisch in mir herum, wonach es also absolut gerechtfertigt sei, die übelste Krankheiten oder Schlaganfälle oder spontanes Aussetzen aller Körperfunktionen zu erleiden. Das rührt wohl aus den alten Angst-Mustern von Tat & Bestrafung. Ich hätte gern Tat & Lob implementiert, es liesse sich leichter damit umgehen. Und es könnte eines Tages dazu führen, in den Beitragskategorien endlich mal nicht "alc" auswählen zu müssen. Hier ist nämlich gerade alles alc. Und indem ich es aufschreibe, versuche ich die Schwere der Schuld aufzuteilen. Die Absolution des Tagebuches. Schöner Titel.

Wir haben gestern mit Canapé-Jule und Jens Radtke festgestellt, dass es sehr hilfreich ist, älter zu werden, weil die Gelassenheit steigt, die Wahrheit überwiegt und die Freunde weniger und dafür besser werden. Was will ich damit hier sagen? Ich sehe wirklich ziemlich gut und sportlich aus und manchmal ist da so viel Sex dabei, dass ich selbstverliebt der einzige zu sein scheine, der mit genügen könnte und ich wie immer im unklaren Universum weiterfische. Mal im Trüben, mal im Hellen.

Jetzt sind wir an der Reihe

Was für eine Woche das gewesen ist - so durchsetzt mit vielen Eindrücken. Begonnen mit dem Abschied von Tante Inge in Lehnin mit dem Lied "Wenn alle Brünnlein fließen" und meinem Cousin, der beim Rauchen draußen folgerichtig bemerkte, dass so sachte nun wir an der Reihe sind, unsere Eltern eines Tages zu verlieren und ich bei mir dachte, dass also nach uns allen nichts mehr kommen wird.

Ines verlor Ulrike, Helge verlor alle Ehen samt Kindern; auch Marek ist in dieser Hinsicht nicht weiter gekommen und ich bin schwul und kinderlos. Aus. Das Spiel ist aus - so wird es dann heissen.

Jetzt noch schnell gut leben ... ja. Wenn das so einfach wäre. Am einfachsten wäre der Verzicht auf den Alkohol mit gleichzeitiger Sinndreingabe, das Leben mehr als nur zu wollen.

Dienstag in Wolfsburg den Millionärsbus gekauft, Mittwoch nach Berlin, Donnerstag zurück zu Tobi; Samstag Musical "Fast normal". Alles in alles mit immer und jedem Mal zu viel Wein. Der und das ist es immer: zu viel.

Der Neue

Und plötzlich geht alles ganz schnell. Gestern noch auf der sehr schönen Beerdigung meiner Tante Inge in Lehnin und heute bereits einem der dort gesagten Worte gefolgt, meine Leben zu leben und die Dinge zu tun, die ich möchte, gleich welchen Sinns sie sind. Ob Haben besser als Brauchen ist, ob 50.000 EUR mein Leben verändern - es spielt keine Rolle, so lange es mir zum Guten gereicht. Und jetzt ist es eben so und am Freitag habe ich einen nahezu nagelneuen Bus, der zwei Mal in Schweden auf Urlaub unterwegs war und sich den Rest im Wolfsburger Land aufhielt. Und der Philipp samt dem Ablauf des ganzen Geschäfts waren so viel angenehmer als damals bei den windigen Brüdern aus Vorsfelde.

Nun sei's drum, du hast noch keinen Namen und wirst vielleicht auch keinen erhalten, aber ich bin aufs Neue bereit, die Welt samt ihrer Möglichkeiten mit dir und Tobi zu erkunden.

Panik-Addons

Es spielt wahrscheinlich alles zusammen und hier ist es, was unwesentlich scheint, in meinem Delirium über für Angst & Bange sorgt. Morgen beerdigen wir Tante Inge, am Dienstag muss ich das Redaktionsteam leiten, am Mittwoch nach Berlin fahren (und so eine Story gibts hier) und Berlin wird weniger bis garnicht aufregend, obwohl die Stadt alles bereit hält. Und einen VW Bus nördlich von Wolfsburg habe ich ausfindig gemacht: noch 2.000 zu teuer, aber ansonsten Sahneschnitte. Und den Weihnachtsfilm für die IB muss ich nun endlich beginnen, er liegt schon zwei Wochen rum, weil ich Angst habe, dass die Takes zu viele Fokusfehler haben. Und dann fliegen wir nach New York und Tobi hat Geburtstag. Und ich bleibe bei Tobias, der eine Woche Urlaub hat. Und wiedermal diese beängstigende Frage: Was traue ich mir eigentlich noch zu?

Im Großen Ganzen nichts Unbewerkstellbares, aber in mir dräut sich weiter ein panisches Gefühl, wonach ich all das als zu aufregend einschätzen und es am Ende nicht hinkriegen werde. Lampenfieber, Versagensangst, Überfrachtung. Am Ende hat es bisher jedoch immer geklappt. Es ist auch die Furcht, dem Wein zu sehr zu entsprechen. Das wird der Grund sein, dessen Ursache verborgen lauert.

Panik Modus

Immer wieder kommt es mir so vor, als gelänge es mir im Großen und Ganzen dann doch nicht. Alles ist zu viel, alles übersteigt meine Fähigkeiten und ich kann weder lenken noch koordinieren. Diese tief sitzende Panik ist nicht unbegründet; ich führe sie regelmäßig ja selbst herbei oder unterstütze diese Gefahr durch massiven Alkoholkonsum. Und dieser jämmerliche Zustand aus Versagensangst und der Unmöglichkeit, mir die Zukunft überstehbar vorzustellen, schafft es sogar, mich weiter hinein zu ziehen, statt mir den Warnhinweis deutlich vor Augen zu führen.

Weil es immer wieder gut ausgeht, weil es nie die wirklich großen Konsequenzen hat, weil ich immer haarscharf am Desaster vorbei schramme. Der schmale Grat der Ambivalenz hat ganz sicher spontane Überraschungen im Gepäck. Sei es ein Schlag- oder sonst ein Anfall oder irgendwas Hypochondrisches, das plötzlich dann doch real wird. Ich weiß, das geht wieder vorbei oder mildert sich und macht den Weg für Weißwein frei. Eine Aussicht auf Freude hat es jedoch nicht.

Ich habe ein iPhone 16 Pro und damit meine Kamerasorgen für NYC und Miami gelöst. Gekauft im halbschweren Delirium, wohl wissend, dass ich diesen Schabernack später mit meinem Zustand begründen kann. Vielleicht sollte ich auf diese Art auch einen Bus kaufen. Nun ja.

Die Panik wird offensichtlich aus meinem Überlebenswillen automatisch generiert, hat Ursachen, hoffentlich Bestand genug und am Ende auch Sinn.

Micha Cohnert Chat zur Nacht

Bluenote. Trotz gestrigem erheblichen Weinkonsums mit entsprechenden Folgen samt "Mobile-Office" und Wiedergutmach-Training bei Kieser. Jetzt: Gesamt sechs Bier. Micha kam dazu. Ein weiterer Micha (Fügener) erzählte von seiner Japan Reise. Noch ein Micha mit Carlsberg-Flasche traf ein und der letzte Micha namens Keks vervollständigte die Reihe. Und dann kamen Jule (Canapé) und Daniel etwas später und ich mit hohem Puls bei 90 und wahrscheinlich hochrotem Kopf. Insgesamt großes Unwohlsein.

Wein-Micha wollte nach unseren sechs Bieren noch nicht nach Hause und stattdessen bei sich im Laden noch Wein trinken. Ich wollte nicht mit. Zuhause aber mit vielem Wein (und jetzt amtlich betrunken) dann dieser und hier abgebildete / aus WhatsApp reinkopierte Chat mit ihm, den wir im Nachhinein auch persönlich haben hätten können (yeah!); ich es aber im Chat als besser empfunden habe. Hier die ganze Kommunikation dieses Abends:

[05.11.24, 20:26:51] Micha Cohnert: Bist du zufällig im bluenote?

[05.11.24, 20:28:36] Езком: Yassir
[05.11.24, 20:31:11] Езком: Aber nicht all zu lang. Also eile!

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[05.11.24, 23:10:06] Езком: Sorry fürs nicht mitkommen auf nen Wein; wäre zwar gut gewesen, um von dir und deinen Erlebnissen zu hören, jedoch ich bin ein bisschen durch’n Wind. Mitsamt Puls. Holen wir nach.

[05.11.24, 23:26:42] Micha Cohnert: Alles gut! War mir heute "zuviel Urlaub" in der Note. Meine Gedanken waren woanders (Eltern & co) Ist aber okay. Schade, dass wir nicht über irgendwelchen Blödsinn reden konnten. Wie Du sagst, holen wir nach. 

Ich freue mich auf nächste Woche, da kommt meine Yvonne am Donnerstag zu mir. Am Freitag fahre ich sie nach Wernigerode zu einem Wellness Wochenende mit den Mädels aus ihrer Familie. Ich hätte euch gerne bekannt gemacht. Aber leider ist die Zeit zu kurz. Ich hoffe, irgendwann klappt es. Es wäre mir sehr wichtig. Ich glaube, ihr würdet euch sehr gut verstehen.

[05.11.24, 23:30:59] Езком: Da hast du Recht: mit Mr. Fügener sind alle anderen Themen erstmal vom Tisch. Und dann wurde es zu voll. Ich vermute, du und deine Schwester habt ganz schön zu tun und zu knabbern insbesondere mit dem Zustand eures Vaters. Das ist bestimmt keiner sonderlich schöne Zeit. Wünsche dir genügend Kraft für das alles und hoffentlich ein bisschen Sonnenlicht und mit Yvonne.

[05.11.24, 23:37:21] Micha Cohnert: Was soll ich sagen, natürlich macht man alles was nur geht, wir lieben unsere Eltern. Aber es raubt auch viel Kraft und vor allem Nerven. Aber man tut alles  was nur irgendwie geht. Das Problem sind jetzt beide, Mama und Papa. Wir versuchen unter viel Mühe eine Struktur in den Alltag für und mit den Eltern zu bekommen. Das gelingt einen Tag "gut", den anderen Tag überhaupt nicht. Wir arbeiten daran.

[05.11.24, 23:39:58] Micha Cohnert: Ich hätte nie Dam gerechnet, das es uns beide so "überrollt". Also von jetzt auf gleich. Vielleicht will man es auch nicht kommen sehen. Aber jetzt ist es halt so.

[05.11.24, 23:42:01] Езком: Es wird euch zusammenschweissen, einander näher bringen und euch die Realität begreifen lassen wie auch zu meistern. Es bedarf dazu eines großen Maßes an Kraft und ich mag mir kaum vorstellen, wie heftig sowas sein kann. Und du hast Recht: „Jetzt ist es halt so.“

[05.11.24, 23:47:45] Micha Cohnert: Yvonne, obwohl sie soweit weg ist und sie ist ja halt leider auch gebunden. Sie ist so sehr für mich da! Jeden Moment, wo sie alleine ist und mit mir ungestört reden kann, ruft sie mich an. Sie schreibt mir immer. Sie ist toll! Sie gibt mir die Kraft die ich brauche. Ich war noch nie mit so einer tollen Frau zusammen. Klingt vielleicht komisch, weil wir ja nicht wirklich zusammen sind. Verrückte Welt, ich habe es mir nicht ausgesucht, aber sie macht mich glücklich und schickt mir halt soviel Kraft.

[05.11.24, 23:52:54] Езком: Pass’ gut auf, dass du zwischen der Schönheit der Hoffnung, der Zuversicht wie auch einer möglichen Aussichtslosigkeit weise zu wählen weißt. Ich kann dir sehr gut nachfühlen und weiß auch um die Gefahr wie auch einer möglichen Option, wonach sich alles ja auch wenden könnte. Ach menno, das ist so romantisch wie tragisch zugleich. Also wie das Leben selbst.

[06.11.24, 00:05:45] Micha Cohnert: Jesko, natürlich hast Du Recht, mit deinen Aussagen. Ich weiß es. Es geht nun schon seit zehn Jahren so zwischen Yvonne und mir. Natürlich habe ich diese Hoffnung, aber ich bin auch fünfzig und zum Glück auch nicht mehr weltfremd. Falls es irgendwann doch was wird, Jesko, ich wäre im siebten Himmel. Aber durch meine Lebenserfahrungen, ich genieße jeden Augenblick mit ihr. Jedes Mal wird es intensiver und das ist nicht nur meine Wahrnehmung. Ich fahre im Februar zu ihr. Sie hat alles schon gebucht. Es ging von ihr aus! Ich passe auf mich auf, versprochen! Ich male auch noch keine Bilder mit großen Herzen. Falls überhaupt, ist es ein langer Prozess. Jesko, aber sie wäre es und für mich gibt es keine besser Frau. Sie ist einfach da!

[06.11.24, 00:16:43] Езком: Was für eine wunderbare Gefühlsbeschreibung. Das ist gut, hilfreich und zuweilen sogar heilend. Denn ein gewisses Maß an Aussicht im Leben ist es, das uns an demselben hält. Lass es laufen und bleib’ stark genug, all das zu begreifen, zu begehren, zu beweinen und am Ende all dessen, was dich gerade so beutelt, als Lebenserfahrung mit auf den Weg Richtung aussichtsreicher Zukunft zu nehmen. Große Worte, ich weiß, aber eines Tages wirst du womöglich dastehen und sagen: JA!

[06.11.24, 00:21:56] Micha Cohnert: Ich bin froh, meine Gedanken mit dir teilen zu können. Weißt du, ich würde so gerne mit ihr "angeben". Das ist sie, die Frau an meiner Seite. Lernt sie kennen und entdeckt, warum ich sie liebe. 
Ich danke dir für deine gut gewählten Worte. Deine Worte bedeuten mir sehr viel und du fühlst mit mir. 
Dankeschön. Deine Gedanken hab ich heute gebraucht!

[06.11.24, 00:34:49] Езком: „Angeben“ kann ich gut nachvollziehen, wird aber garnicht nötig sein. Denn DU bist es, der sie liebt, da haben andere vorerst überhaupt keinen Anteil dran. Das machst du selbst. Hat bestimmt auch ein bisschen mit deinem Selbstbewusstsein zu tun. Kenne ich in gewissen Auszügen auch von mir. Kannst du ja für den Fall des genialen Falles immer noch nachholen 😉  
Wohlan denn, es gibt viel zu tun, zu denken, zu lieben, zu begehren, zu hoffen, zu sortieren, zu begreifen und nochmal: zu tun. Und du wirst das hinbekommen.

[06.11.24, 00:35:41] Micha Cohnert: Ich habe den Augenblick für mich jetzt auf der Terrasse gebraucht, genau wie deine Zeilen. 
Ich gehe jetzt nach Hause und versuche zu schlafen.
Bis bald, mein Freund 
Vielleicht ist es dir nicht bewusst, aber du und deine Gedanken sind mir sehr wichtig!

[06.11.24, 00:36:24] Micha Cohnert: Danke!

[06.11.24, 00:42:35] Езком: Schön vorsichtig auf dem nassen Laub! Ausrutschen ist erLaubt (haha, very witzig), aber aufstehen lohnt allemal. Mach’s gut und bleibe zuversichtlich!

[06.11.24, 00:43:54] Micha Cohnert: Ich pass auf 👀 
Das mach ich!

[06.11.24, 00:44:10] Micha Cohnert: Guten Nacht ✨

[06.11.24, 00:48:32] Micha Cohnert: Sorry, ich habe nicht nachgefragt, warum bis du durch den Wind gewesen?

[06.11.24, 00:57:41] Езком: Zuviel late night Arbeit nebst Wein vorabends und heute zu schweres Wiedergutmachungskrafttraining. Keine sonderlich gute Mischung.

[06.11.24, 01:00:33] Micha Cohnert: Ach man... Ich hoffe, es geht dir morgen besser.

[06.11.24, 01:01:13] Езком: Draußen siehts wahnsinnig gut aus. Nebel in den Gassen und echter Herbst. Gut für sämtliche Gedanken jederlei Art. Wirst du gleich sehen. Großartig.

[06.11.24, 01:04:54] Micha Cohnert: Ich sehe es. Bin immer noch auf der Terrasse. Bin nicht am Merlot vorbei gekommen. Aber gleich!
Weißt du was in der letzten Stunde schön war? Es ist die perfekte Ruhe. Nur ganz leise fällt Blatt für Blatt von den Bäumen. Sonst ist nichts zu hören.

[06.11.24, 01:10:41] Езком: Das ist es! Mehr braucht es nicht. Für den Moment. Und es ist ein Sinnbild für unser Leben. Genau so sieht es nämlich aus. Jetzt könnte ich noch mit „Carpe Diem“ kommen, aber das lasse ich besser mal.

[06.11.24, 01:15:09] Micha Cohnert: Ja. Mehr braucht es nicht. Einfach den einen Moment genießen und wahrzunehmen. Einfach das Leben zu nehmen wie es ist und in Bäume zu sehen und zu warten, wie ein Blatt zu Boden fällt.

[06.11.24, 01:22:40] Езком: Was für ein Gleichnis! Nur dass nach dem Herbst unseres Lebens kein weiterer Frühling kommen wird. Ach herrjeh, jetzt bloß nicht verrückt werden. Belassen wir es bei den Blättern, denen wir in ein paar Monaten im frischhellen Grün wieder neue Hoffnung anheim legen werden.

[06.11.24, 01:22:51] Micha Cohnert: Ich denke gerade an deine Songs und wie sehr ich es vermisse dich jetzt zu hören.  Irgendwie sehe ich mich gerade in einer deiner Songs. Sie sind so dran an Gefühlen und im Leben.

[06.11.24, 01:24:17] Езком: Gibts da einen bestimmten Song, an den du gerade denkst?

[06.11.24, 01:25:24] Micha Cohnert: Ja! Es dauert nicht mehr lange und es wird wieder heller. Anderthalb Monate noch, dann kehrt jedes Leben zurück.

[06.11.24, 01:28:11] Езком: Ach naja, Leben gibts auch im Herbst wie im Winter. Nur anders. Egal. Wie heisst der Song?

[06.11.24, 01:31:30] Micha Cohnert: Für dich tut es mir leid, aber die "Taschenuhr" holt mich immer immer wieder ab. Ich stehe hinter dem Tresen in holgers Garten und muss mich umdrehen, weil der Song mich so anfasst. Deine Stimme und Dein Text... Ein guter "Bekannter" von uns, HRK wäre auch schwer begeistert!

[06.11.24, 01:34:58] Micha Cohnert: Du kannst es einfach, du holst die Menschen ab. Ich wünschte dir mehr zutrauen zu dir selbst. Ich bin immer noch der Überzeugung, du solltest Kontakt zu unserem "Held' aufnehmen. Trau dich!

[06.11.24, 01:39:28] Езком: Ja, das war ein guter Song, der quasi LIVE entstanden ist, als ich mit Freunden unterwegs an der Ostsee war und wir aus dem Jetzt und unseren Erinnerungen erzählten. Den Rest gab Dänemark dazu und ich hab in 20 Minuten das Ding auf meinem Balkon geschrieben und mich heulfreudig darüber gefreut. Immer noch einer meiner Lieblingssongs. Ist aber meiner Meinung nach kein Kunze passables Ding.

[06.11.24, 01:49:32] Micha Cohnert: Ich sehe Dich immer noch mit deinen Kunstwerken, als Vorband bei ihm auf Tour. Du kannst das! Ihm würde es gefallen, da bin ich mir ganz sicher! Meine Gedanken spinnen gerade weiter, eigentlich müssten wir uns jetzt sehen um einen Plan zu machen. Sein Label passt auch zu dir. Verdammt! Jesko, lass uns Pläne machen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Es ist die Zeit! Was soll passieren? Ein nein? Gut, dann ist das so. Falscher Tag. Aber was ist, wenn der Tag, der richtige ist? Trau dich! Du kannst es! HRK hat genau viele Selbstzweifel wie du, aber er stellt sich auf die große Bühne und er wird dafür belohnt. 
Jesko, mach es!

[06.11.24, 01:55:33] Езком: Okay, ich werde das mal neu überlegen. Jetzt aber muss ich mich in die Nacht empfehlen; es ist wahnsinnig spät, aber auch wahnsinnig gut. Wir spinnen weiter an diesen Ideen, wenn es etwas heller ist. Einverstanden?

[06.11.24, 01:56:22] Micha Cohnert: Einverstanden!

[06.11.24, 01:59:44] Езком: Dann uns allen eine gute Nacht. Oder wie es im grandiosen Film „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ so schön heißt: „Gute Nacht ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland“. Wir sind beides.

[06.11.24, 02:02:30] Micha Cohnert: Ich lächle und ich wünsche es dir zurück. 🙏🏼

[06.11.24, 02:04:16] Езком: Ahoi, Micha.

[06.11.24, 02:04:47] Micha Cohnert: Ahoi Jesko

Die Tänzer im Licht

Ja, ich bin angegriffen. Und unausgeschlafen. Und natürlich übermannt des Weines wegen vom Vorabend. Und insgesamt nicht sonderlich erfreut alldessenthalben. Aber ich habe ein zärtliches Gefühl. In meiner Erinnerung gab es so ein Gefühl schon öfter, besonders auffällig war es beim Tönderfestival nach The Great Malarkey oder beim Filmdreh für die Lebenshilfe in Quedlinburg.

Es ist wahrscheinlich das stärkste Gefühl, das ich produzieren kann. Heute früh um 8 gab es eine Demo auf dem Domplatz, an der auch ich einen gewissen Anteil habe: Überall auf Fahnen, Schildern und T-Shirts prangt meine Grafik, das große Banner an der Bühne und an der Spitze des Zuges trägt meine Handschrift. Doch das ist es nicht. Es ist dieses enorm starke Gefühl, wenn ich die vielen Menschen sehe, die mit oder ohne Behinderung gemeinsam und in einem merkwürdigen, nahezu beiläufigen Frieden beieinander stehen. Und da ist es, mein zärtliches Gefühl für jeden Nichtsnutz, jeden Kerl, jede Frau und jeden Menschen, wenn er nur vollkommen wehrlos lieben kann.

Während ich die vielen Fotos mache, muss ich mich immer mal zwischendurch verdrücken und aufpassen, dass ich nicht anfange, hemmungslos zu heulen, was das Zeug hält. Beim Klick auf den Auslöser rinnen mir die Tränen durch die Finger und ich bin so wahnsinnig wunderbar wehrlos. Mittlerweile stehe ich sogar auf der Bühne, mache Fotos, zweitausend Leute sehen mich und bin mir nicht sicher, ob ich verheult aussehe. Alles schwimmt ein bisschen und hat für einen Moment das Universum gewechselt und mir kann überhaupt nichts passieren.

Und wieder schweife ich darüber ab, wie das wohl wäre, wenn wir uns alle ein bisschen besser vertragen, kennenlernen und miteinander umgehen könnten. Ich habe ein zärtliches Gefühl für jeden auf diesem Domplatz, auch für mich. Diese Sucht nach Harmonie kann ob der Realität mein Untergang sein, indem ich mich einfach einer gegenüber stehenden Seite anpasse und zynisch polternd, gehässig, böse und gemein gegen alles auflehne, ärgere und meine Kraft verschwende und den Möglichkeiten für etwas Besseres keine Chancen einräume. In Auszügen kann ich das bereits ganz gut.

Die Tränen trocknen und die große Welle der Gefühle wird brechen; doch musste ich es hier vermerken, weil das Gefühl so sehr stark ist, dass ich es weder unterdrücken kann noch mich ihm verweigern will.

Meine Tante Inge aus Brandenburg

Meine liebe Tante Inge ist heute früh mit 85 Jahren gestorben. (Foto vom 08.06.2024 um 20:00 Uhr bei Papas Geburtstagsfeier)

Zwei Flaschen Wein

Es ist kaum zu glauben und noch schwerer zu begreifen: Nach dem gestrigen Desaster habe ich heute die Arbeit wie sinnvolle Gedanken sausen lassen. Das Einzige, das mir zu gelingen scheint, ist: Texte in Fragmenten zu schmieden, die zwar zusammenhanglos, aber immerhin phrasenmöglich sind. Nach einem Kiesertraining mit beträchtlichen Kreislaufproblemen kaufte ich mir neben Schinken und Käse natürlich zwei Flaschen Wein, um mir beweisen zu wollen, dass ich nach solch desaströsen Tagen jetzt aber bestimmt standhalten kann. Einzwei Gläser Wein zwischen 8 und 10 und dann ins Bett, um morgen endlich anzufangen mit dem, was so lange liegen blieb.

Stattdessen sammle ich nun Kontakt-Libraries aus dem Netz, in der Hoffnung, damit in Sachen Musik voran zu kommen. Und "merkste selber" wird zu einem meiner Lieblings-Slogans. Die zweite Flasche Wein ist in Bälde (oh: gleich) erledigt. Gute Arbeit. Und das seit mittlerweile zwei Wochen geplante Video-Tutorial für den Paritätischen wird mir morgen also wieder nicht gelingen. Au warte. Morgen früh laufe ich zur Tanke und hole mir eine Flasche Schnaps. Passt doch, oder?

Eine Flasche Wein

(vorab: ich bin betrunken und schreibe hier nur in Fragmenten) "Eine Flasche Wein am Abend." Zuviel? Ja. Es gibt einen Bericht im TV über einen Journalisten namens Lorenz Gallmetzer. Fand ich gut. Sehenswert. Denn seine Story ähnelt meiner. Denn meine eine Flasche sind mittlerweile zwei. Plus Vorspiel.

Weiter: Reflektion. Wie mir von Katrin Gellrich bescheinigt, habe ich ständig damit zu tun. Das fand sie gut. Ich mittlerweile nicht. Hätte es gern einfacher. Permanente Reflektion ohne wissentliches Weiterkommen ist ein Killer. Alles wiederholt sich.

Ich versuche seit zwei Wochen ein Video-Tutorial über die angepasste CI des Paritätischen zu machen. Mehrfach getestet, aber nie in der Lage gewesen, es aufzunehmen. Warum? Weil ich immer zu versoffen aussehe. Und mich auch so fühle. Und es also bin. Jana Schirmacher: Kielstein.

Konsequenzen: Vorerst keine. Beim Paritätischen gibts immer eine erklärliche Lücke. Die ist mir selbst bereits peinlich. Ich hätte mich selbst längst rausgeworfen. Mein Wortschatz beträgt 27.298 Worte laut irgend einem Test im Web von vorhin. Also kann ich ja doch noch Radio-Moderator werden, wie ich es mir 1990 mal vorgestellt und gewünscht hatte. Mittlerweile wünsche ich mir nichts mehr. Weil ich immer betrunken bin. Drumherum lauert der Wohlstand. Also zumindest: versorgt.

Wie jetzt, nach einer lauen Woche mit Einheitsfeiertag, die ich vom letzten bis zum heutigen Sonntag mit jeweils mehr als einer Flasche Wein verbracht habe. Und das war nicht die erste Woche. Und auch nicht der erste Monat. Und ...

Es wird knapp (schon wieder oder immer noch?): Jeder neuer Tag verspricht mir, dass aus diesem Elend und meinem Unbehagen jetzt nur noch etwas Besseres, Sinnvolles folgen kann, muss und wird und ich vernünftig werde. Um am selben Abend das Gleiche nochmal zu tun. Wie auch am nächsten. Und übernächsten. Merkste selber, oder?

Immerhin kann ich es eingrenzen: Die Zeit zwischen 20 und 22 Uhr ist die Gefahrenzone. Auch ohne Bluenote. Vielleicht sollte ich in dieser Zeit Nachtläufe machen, meditieren, Musik machen, ins Bett gehen oder die Saunaswingers mit Schwimmen am besten täglich aktivieren, um danach mit maximal einem Bier ermüdet gegen 22:30 ins Bett zu fallen, um morgens frisch und motiviert eine Idee für mein weiteres Leben zu haben.

Was für eine schöne Vorstellung. Aber mal ernsthaft: Kannst du damit deine mittlerweile über 30 Jahre andauernden Alkohol-Eskapaden überwinden? Guck mal hier in der Zehnsucht nach (und im besten Fall mitsamt der Nachträge aus den Mapplethorpe Büchern 1995/95 und den "Kreisen"). Da braut sich eine Menge zusammen.

Dritter Oktober

Vor 34 Jahren saß ich in der Pablo-Picasso-Straße mit einem Tonbandgerät von Oli Rießler und einem grauen Plastikmikrophon und versuchte, Songs zu schreiben und aufzunehmen, während meine Eltern in Brandenburg weilten - ich also die Wohnung für mich hatte. Draußen skandierten irgendwelche Typen mit "Helmut, Helmut" vorbei und schrie aus dem aufgerissenen Fenster: "Ruhe da draußen!"

"Ruhe", weil ich Aufnahmen machen wollte, "Ruhe", weil ich nicht einverstanden war mit dem Lauf der Dinge, die heute vor 34 Jahren zwei deutsche Teile auf diese Art wieder zu einem machte. "A little song for our little world" entstand damals. Um ihn 27 Jahre später am selben Tag nochmal aufzunehmen. In Brandis während meiner Reha, über die ich mit Erstaunen hier, in der Zehnsucht dokumentiert, lese und mich fragen muss, wie das alles aus mir werden konnte und musste.

Entweder habe ich mich arrangiert oder bin angenehm betäubt, habe vielleicht aufgegeben oder liege seit Jahren schon unbemerkt im Wachkoma.

Junoweg

Martina hat zu ihrem Ausstand geladen. Ins Haus nebenan. Junoweg 212. Und hatte damit, bevor sie nach Berlin zieht und ihrer Tochter Katarina (Kata) nebst ihrem Patrick und dem baldigen Kind (Ende Dezember) das Haus überlässt, genau das Richtige getan: nämlich Ihre Freunde, Kolleginnen und vor allem die Bewohner des Junowegs an einen gemeinsamen Abend in ihrem Haus zu versammeln, um nicht nur ihren Abschied zu feiern, sondern die Leute hier zuammen zu bringen.

Großartig. Denn genau so sollten Freund- und Nachbarschaften bestehen: indem man, wenn auch nur für ein paar Stunden mit- und beieinander ist, sich kennenlernt, anfängliche schüchtern-kommunikative Barrieren samt derer Floskeln überwindet und damit für die Zukunft keine Möglichkeit mehr hat, es beim höflichen, quasipersönlichen Grüßen im Vorbei zu belassen. Das hat Martina an diesem Abend perfekt hinbekommen, sie war eine großartige Gastgeberin und natürlich haben diverse Getränke das gesamte Konstrukt ein bisschen erleichtert, beflügelt und damit merkwürdigerweise auch ein wenig in einen Stein gemeisselt, aus dem sich keiner mehr herausreden kann.

Wir kennen jetzt alle Nachbarn im Junoweg mit Namen und derer Geschichten, wissen also jetzt, dass Kata (Katarina) und Patrick ihr Kind im Dezember bekommen und Tobis neue Nachbarn werden, dass Nancy und Niko beide im Maritim gearbeitet haben (Nancy 20 Jahre an der Bar mit all den guten und schlechten Stories, jetzt mit neuem Job in einem Medicenter MVZ im Allee-Center; Niko wieder und weiterhin im Maritim als Koch), und was Rainer mit seinem Brunnen gemacht hat und wie er hier angekommen ist; außerdem: wie es um die jeweiligen Nachbarn bestellt ist; dass Martinas jüngere Tochter Anna und Marvin im Stadtfeld in der Matthisonstraße wohnen und daß Marvin mit seinen 24 Jahren seinen Bachelor im Wirtschafts-/Tourismus- Bereich gemacht und jetzt neben seinem Vollzeitjob den Master im selben Fach macht [und nebenbei Tobi mit Ouzo neben dem Wein sehr betrunken gemacht hat] ...

Vielleicht wendet sich das unpersönlich stille Neureform insbesondere in dieser kleinen Straße damit ja ein wenig. Und wie wir überlegten, wie viele von den alten Leuten hier versterben und wie viele solcher junger Menschen wie Kata oder Nancy und Niko hier einziehen werden, gibt es Grund zur Hoffnung, dass hier in Bälde die Straßen und Fußwege mit Kreide bemalt, die Türen geöffnet, Streiche gespielt und Kinder kurz mal beim Nachbarn abgegeben werden können. Das wäre was für mich.

Erstaunlich heute Abend war auch, wie Tobi sehr offen vor allen Anderen damit umging, dass ich sein Mann bin. Das war ein bisschen neu für mich; das hat er selten so offen gezeigt. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass das hier sein Lebensraum ist und dass seine Nachbarn Bescheid wissen sollten, wie es um diese Konstellation, dass hier immer so ein Typ mit seinem VW-Bus am Wochenende auftaucht, bestellt ist. Damit das klar ist. Und mit so einem wie dem heutigen Abend konnte vieles aufgeräumt und auf einfachem wie kurzem Weg klar werden. Martinas Abschiedsparty hat an diesem Abend eine Menge bewirkt und im besten Fall anfangen lassen. Chapeau!

Sportwahn

Seit Beginn der Corona-Affäre im März 2020 begann ich meine Idee der sportlichen Aktivitäten in ganz kleinem Rahmen, indem ich in Alltagsklamotten draussen auf länger werdenden Pfaden herumspazierte und anschließend aufs Rad wechselte. Ich wähnte mich in sicheren Umständen, hatte ich doch seit einiger Zeit beim Paritätischen einen Interims-Job namens TRES, bei dem ich mit 30 Stunden und zudem mit 10-Stunden bei der Freiwilligenagentur gut aufgestellt war. (Was sich steuerlich zwar später als uncool herausstellte ... aber egal.) Im / Seit August 2021 wurde ich vollständig beim Paritätischen angestellt und es geht mit gut damit.

Seit 2020 also versuchte ich mich in der Bewegung. Zuerst das Wandern durch den Winter entlang der Moto-Cross Strecke, Diesdorf und dem "Achtsamkeits-Jakobsweg" mit dicken Händen am Ende, später dann das Walking, danach das Radfahren, bei dem ich all jene Wege entdeckte, die auch heute noch nutze. (Nachzuverfolgen ab 19.07.2021 auf https://flow.polar.com/ mit polar@2und40.com und *00).

Und meine sportlichen Aktivitäten haben sich seitdem kontinuierlich gesteigert. Ich begann irgendwann im Februar 2022 eine Art Jogging und schwamm (schon weit vorher) beim Mitternachtsschwimmen mit Homi jeweils um die 1200 bis 1500 Meter. Irgendwie bin ich erstaunlicherweise (außer beim Schwimmen) dran geblieben. Wahrscheinlich, weil ich meinen dicker werden Leib nicht mehr mochte. Und es hat sich als gut erwiesen:

Es kamen morgendliches Yoga (also eher die Übungen aus meiner Reha) dazu, das Kiesertraining hatte ich fester in meine Trainings ein bis zwei Mal pro Woche einbezogen und es kamen Radtouren hinzu, die nach und nach größere Ausmaße annahmen. Letztere wurden beflügelt durch mein neues Stevens Fahrrad, mit dem ich wesentlich besser als mit dem 20 Jahre alten Giant unterwegs sein konnte. Das führte dann von einer (small - middle- big) Tour von 12km über 35km bis zur Trogbrückentour über 53km. Das alles habe ich auch nach Corona beibehalten und intensiviert. Dazu habe ich mit den Milka-Schokoladentafeln aufgehört und kam irgendwann auf die Idee, das wunderbare Bäcker Ebel Brot durch Roggen-Knäcke zu ersetzen und von der Butter zu Bertoli oder Frischkäse zu wechseln.

Fazit: Meine Körperlichkeit hat sich seitdem sehr zum Positiven verändert. Ich fühlte mich nicht mehr so aufgeschwemmt, war nun beweglicher und empfand dazu ein ungemein schönes und sichtbares Körpergefühl, das ich trotz 50+ gemeinhin als "sexy" bezeichnen würde. Mitsamt den anrüchigen Folgen eines sexuellen Hochgefühls, das ich jedoch weiterhin nur mit und an mir selbst ausübte. (Als später eine Hämorrhoiden-Korrektur hinzukam, wurde es noch schöner.)

Eine Menge Zeit ist vergangen seitdem, die Trainings wurden sogar noch häufiger, wenn auch auch nicht effektiver. Was merkwürdig ist und wahrscheinlich daran liegt, dass es sich bei all meinen Aktivitäten nicht um echtes Training mit Idee und Plan, sondern um reine Aktivität mit einem gewissen Hang zum Wahn handelt.

Warum? Tja, das hat wiederum gewissermaßen auch mit meinem Alkoholkonsum zu tun. Wahrscheinlich als eine Art Wiedergutmachung. Ich habe mich bereits beim Kiesertraining in den 2000er Jahren in den Maschinen oft auf die Leuchtstoffröhren sehen und fragen lassen, ob das gut ist, was ich hier mache. MIt dem Training versuchte ich also sehr oft, meinen Kater wegzutrainieren. Seit den 2000ern! Das hat sich nicht besonders geändert. Naja, vielleicht doch: aber zum Schlimmeren hin.

Nun will ich nicht alles auf meinen absurden Alkoholkonsum schieben, aber ich bemerke schon deutlich, dass die wenigsten meiner sportlichen Aktivitäten aus vollständiger Nüchternheit heraus entstanden.

Zwischenzeitlich hatte ich mal folgende Idee: "Wenn du heute Abend ins Bluenote oder zum Wein-Micha gehen oder dir zuhause selbst einen überhelfen möchtest, dann nur, wenn du vorher(!) etwas dafür getan hast." Hui, das klingt ein bisschen kaputt, und auf Dauer auch nach einer schlechten Idee. Die Folge ist, dass ich zwar immerhin [gut] enorm viel Sport treibe, im Anschluss aber wie als eine Art Belohnung [schlecht] mit mir umgehe. Auf Dauer wird das nicht halten.

Und wenn ich mir die letzten Wochen (derzeitiges Datum) ansehe, war ich enorm viel unterwegs. An der Ostsee, danach am Dreetzsee und und jetzt: In der vergangenen Woche bin ich nahezu jeden Tag unterwegs gewesen. Am Sonntag sogar 80km mit dem Rad. Mit Baden im AWG See.

Nunja, ich habe mich an den Sport gewöhnt, auch wenn Laufen immer noch das schwierige Element ist und mir fast zur Abneigung gereicht. Genau wie das Bluenote, wenn ich nicht so richtig fit - also müde bin, ich aber gern der Leute wegen dorthin möchte und es mir erst ab dem 4. Bier gelingt, mich etwas besser zu fühlen. (Same procedure at Barfly im Exlibris in den 90ern, bei dem dieses Empfinden genau das Selbe war. Ausrufezeichen.) Um nach dem 7. Bier dann zuhause mittlerweile noch eine ganze Flasche Wein zu tilgen.

"Lauf davon" ist ein Song von Danger Dan, welcher mit diesem Thema zwar nichts zu tun hat, mich aber immer wieder während des Laufens an eine Story erinnerte, wonach irgend so ein Typ seinen Alkoholismus mit Laufen überwinde konnte und er später preis gab, dass ihm das Laufen das Leben - weg vom Alkohol - gerettet hatte.

Verdammt, Laufen wird es bei mir wahrscheinlich nicht. Aber es hat den Anschein, als würde ich so etwas Ähnliches probieren zu wollen. Mein Job lässt das merkwürdigerweise zu - ich bin frei und muss mich nicht erklären. Ganz im Gegenteil zum Puppentheater, als diese leidige Zeiterfassung eingeführt wurde. Zuviel Freiheit?

Es ist mittlerweile Dienstag 00:50 Uhr und ich bin ordentlich weinvoll genug, um den Dienstag Vormittag des angekündigten Regens wegen zum Mobile Office zu erklären, um mit hoffentlich genügend Ambitionen am Nachmittags zum Training zu gehen.

Wäre ich mein Arbeitgeber, hätte ich mich längst zum Gespräch gebeten oder mir im schlimmeren Fall angeboten, meinen Job zu verlassen. Erinnert mich an Jana und ihren Werdegang.

lonely drunken saturday night

Saturday Night. Lonesome. Am Abend bei meinen Eltern mit Tobi und Bärbel und Uwe, aber ohne Katrin, Steffen und die Kinder, von denen ich dachte, dass sie mit eingeladen wären und es auch eine Woche zuvor seitens Katrin bei der Geburtstagsparty (bei der das bestellte Spanferkel aufgrund einiger Kommunikationsprobleme mit dem Lieferanten aus der Gegend ausblieb und Steffen nach nach unserer beider Abreise gegen 20:00 Uhr trotz aller Gäste aus Dresden und Elena in's Bett ging) auch so klang, saßen wir also zu nur, aber immerhin sechst beim Grill im Grünen. Tobi hat am Sonntag Dienst, weshalb ich also einen jener lonesome lonely Saturday Nights vor mir habe / hatte und eben genau diesen mit schwerer Lustlosigkeit mit Wein zu füllen versuchen musste. (Musste?)

Jetzt wird's doof, denn ich habe mir eine Tour mit dem Fahrrad ausgemalt und / oder meine Winterbox rausgestellt, um einen ganzen Tag lang für derlei Dinge Zeit zu haben. Indes stelle ich für fest, dass ich nicht nur den Rest der im Kühlschrank angefangen belassenen Flasche Wein, sondern auch eine weitere, extra im Eisfach fix runtergekühlten und nun eine weitere Flasche weissen Weines vertilge, ohne recht Lust drauf verspürt gehabt zu haben, aber es nicht besser zu können. Und tadaa: ist es wieder und wie immer, dass ich en endlos langweilige Samstag-Abend TV-Shows bis hin zu Inas Nacht und der Heute Show und jetzt Jurassic Park (02:30 Uhr) ansehe, das hier schreibe und ich auf meinen Abschuss warte.

Was ich schreiben will: Ich habe es nicht vermocht, diesen Samstag zu einen geruhsamen Ende zu bringen, um mich morgen auf spätsommerliche, windlose 24 Grad voller freiheitlicher Möglichkeiten aufs Rad, über's Land, zu neuen Ideen zu schwingen; stattdessen giert es mich nach neuerlichem Wein und ich weiß bereits jetzt, dass ich es nach nahezu drei (3!) Flaschen Wein im besten Fall zur Sendung mit der Maus schaffen werde.

Das zudem außerdem Ollste dabei ist die Anzahl der Zigaretten: Aus null tagsüber werden fünfzehn zur Nacht. Wenn das reicht.

Da wo man singt

Woher kommt meine merkwürdig überwältigende Traurigkeit, wenn ich solchen Demos wie heute beiwohne? Es war nur eine halbe Stunde und es ging um Kitas und Personal und das hatte weniger mit dem Entstehen meines solchen Zustandes zu tun. Zugegeben: die gestrigen vielen acht Biere und die Flasche Wein (!) verliehen mir heute einen Zustand, der mich weder zurechnungsfähig noch irgendwie wirklich ernsthaft bei der Sache scheinen ließ; aber das Gefühl, das ich sehr gut vom "Magdeburg singt" für eine weltoffene Stadt auf dem Alten Markt kenne, war erneut nahezu überwältigend und schoß mir die Tränen hinter die sorgsam aufgesetzte Sonnenbrille.

Ist es der Moment der Gemeinsamkeit? Der Einheit? Das Eingedenken mit sich selbst inklusive positiver Ausstrahlung, Höflichkeit, Lächeln und meiner Interpretation eines liebevollen Miteinanders? In solchen Momenten rückt die Gesellschaft samt derer Menschen auf merkwürdige Weise zusammen und ich spüre etwas sehr Tiefes in mir, das sich nach solchen Momenten so sehr sehnt und möchte, dass diese Momente zur Normalität werden. Womit sie dann vielleicht wieder weniger schön werden; aber solche Gedanken zeigen bereits meine große Unaufgeräumtheit, die ich offensichtlich zu übertrinken gedenke.

In diesen 30 Minuten herrschte vollständiger Frieden in mir und jedes Kind auf den Schultern derer, die sich bemühen, es richtig zu machen, jeder sich um seine Frisur sorgende Teenager oder die dicke Kindergärtnerin mit Trommel und Trillerpfeife rührten mich so sehr, dass es ir sogar noch jetzt beim Schreiben schwer fällt, nicht verrückt zu werden.

Jana, Ulrike und ich

"Don't Worry, weglaufen geht nicht" läuft auf arte mit Joachim Phoenix und es geht um einen handfesten Trinker. Während mir das Zusehen betreffs des Themas ein bisschen unangenehm ist, schreibt mir Jana Schirmacher, dass sie heute ihren zweiteren Geburstatg feiert, mit dem sie mittlerweile 10 Jahre trocken ist.

Draußen geht der Vollmond über den stadtfeldlichen Himmel und ich habe mir Wein aufgemacht. Wie immer. Und nutze die passende Gelegenheit, zu beschreiben, wie Jana mir ihre Story vom Alkoholismus erzählt hat. Das war an dem Sonntag als wir für die IB eine Telefonansage aufnahmen, bevor ich nächsten Tags zum Dreetzsee aufbrach. Sie war bis vor 10 Jahren sehr intensiv dran am Thema, trank nahezu wie besessen und erzählte mir frei heraus, wie sich das alles abgespielt hatte. Hatte sie nur zwei Flaschen Wein im Haus, wurde sie nervös und rannte für zwei weitere Flaschen extra nochmal los. Und es gab nicht nur Wein; auch Wodka, Whisky und derlei Zeug waren im Spiel. Sie trank, bis sie ausgelassen vorm Spiegel tanzte, vernachlässigte Vieles - sowohl ihren Sohn Janni als auch ihr Arbeit. Bei dem Mann mit dem Stirnband (Roland Bartnik) in Schleibnitz fühlte sie sich nur wie eine ins Beet gesetzte Pflanze oder weitere Funktion. Und sie trank nicht nur abends, sondern bereits tagsüber, versteckte sich mit dem Auto in Nebenstraßen, wenn sie die Polizei bemerkte.

Bis es ihr eines Tages gelang, das Problem anzugehen, nachdem ihr Arbeitgeber nach vielem Hin-, Weg- und Nachsehen sie sehr direkt darauf ansprach, weil ihr Verhalten Dimensionen annahmen, die in der Bank nicht mehr hingenommen werden konnten. Erste Station Kielstein. Mit ambulanten Treffen über eine Reihe von Wochen und Monaten bis hin zur ebenso handfesten Anti-Alkoholikerin bis heute. Soweit und ungefähr zu ihren Schilderungen.

Ich war sehr interessiert und teilte ihr gleichsam mit, dass ich mir mittlerweile große Sorgen mache, was mich und das selbe Thema betrifft. Noch immer bin ich heilfroh, dass ich tagsüber überhaupt keine alkoholischen Bedarfe und im speziellen Fall "nur" ein Problem-Zeitfenster habe, welches von 20 bis 22:30 Uhr dauert. Alles, was ich in diesem Zeitraum nicht zu trinken beginne, bringt mich nüchtern und gefahrenbefreit ins Bett.

Nächste Station war am Montag nach dem Dreetzsee, als ich bei Wein-Micha und Ulrike - der aus dem Rheinland zugezogenen und historisch koryphierten Museumsfrau, die immer zu viel und zu lang erzählt - zusammen saß und sie (diesmal meines Interesses wegen nicht zu viel und zu lang, dafür aber ausreichen angetrunken) von sich erzählte, wie sie bis vor nicht langer Zeit ein ähnliches Problem hatte: Ihr für mich wichtigster Satz lautete: "Ich habe drei Jahre lang wirklich schlechte Arbeit abgeliefert." Der saß, denn das spüre ich in größer werdenden Teilen auch bei mir. Ich komme damit durch, weil ich imstande bin, viel zu überspielen und zwischenzeitlich dennoch ein paar gut gelungene Dinge zu bewerkstelligen, dennoch spüre ich, dass sich die Grenze zu verschieben droht. Es gab bereits solche Situationen (wie in einer PSW-Zeit Sendung, die ich beinahe nicht imstande gewesen war, technisch zu realisieren, weil ich mich nicht ausreichend vorbereitet hatte und glaubte, es laufe wie immer. Bis ich bemerkte, dass wir zwischenzeitlich eine andere Aufnahme gemacht hatten und die technische Konstellation nun eine andere war.) Diese deutliche Panik machte mir auch den Grund dafür klar.

Ulrike hat sich mit ihrer Chefin zusammengerauft und ist heute auf einem Level, das sie nüchtern bleiben, aber auch entscheiden lässt, wann sie sich "amtlich betrinken" möchte. Das lässt sich der Kontrolle für mich wegen schwer sondieren und ich muss aber bemerken, dass ich mit ihrer Version eher liebäugele, als es wie Jana ganz sein zu lassen. Das jedoch bedarf einer sehr gekonnten Ein- wie Aufstellung und Arbeit an mir. Denn eines ist klar: Mein Status Quo lässt nicht zu, es einfach so weiterlaufen zu lassen.

Im Film auf arte spricht gerade jemand in einer Alkoholikergruppe darüber, dass er jetzt 30 Tage trocken ist und ich habe keine Erinnerung daran, es auch nur nur mal drei Tage geschafft zu haben. Weisste Bescheid. Seit Jahren weiss ich Bescheid.

Die Tage im Norden

Vier Tage am Meer, vier Tage am Dreetzsee; die ersten mit Tobi, die zweiten allein. Zuerst in der Ostseewoge, danach im Bus. Septembermood. Das Foto dient der Abbildung meiner derzeitigen körperlichen Verfassung. Mir geht es gut und auch wenn ich wahrscheinlich nie über eine ausgewogene, durchweg positive Grundeinstellung verfügen werde, so gab es doch einige solcher Momente, von denen ich gern sehr viel mehr hätte.

Graal-Müritz und die Ostseewoge zeichnen ein schönes Bild einer möglichen rentnerlichen Zukunft. Weite Wege durch Wald, Heide und entlang am Strand, mit dem Rad wie zu Fuß. Links Warnemünde und Rostock, rechts der Darß. Huch - habe ich das jetzt ernsthaft genau so erwähnt? Versuche ich einem gewissen Realismus entgegenzusehen? Das Meer ist immer etwas mehr als alles andere, wenn es um ein Gefühl von Freiheit und Wärme geht, selbst mit anfangs dänischem, ebenso geliebtem Wetter.

In der darauf folgenden Woche wurde auf Tobis Dach eine Fotovoltaik-Anlage installiert und ich wusste die Zeit besser zu nutzen und besuchte nach 11 Jahren den Dreetzssee. Eine gute Entscheidung mit vielen Kilometern durch Wald, Feld und wunderbarer Landschaft und einem kleinen, größenwahnsinnigen Hochgefühl in den Tiefen der Weiten, als ich mich mit dem Rad auf die zum Teil durchaus beschwerlichen und damit grandiosen Reisen durch die Uckermark machte. Am Abend mit Buch und Wein unter den Sternen, am Morgen in den Dreetzsee. Es gab weniger Sex mit mir als vermutet und auch die verlegenen Versuche in der Suche auf Grindr sollten wohl eher der Anregung als einem wirklichen Zustandekommen von Stelldicheinen dienen.

Auf dem Weg nach Hause am Busbahnhof Berlin nach einem Bus Ausschau gehalten; ich bin offensichtlich der Meinung, mir nochmal einen frischen Bus zuzulegen, auch wenn der alte es tropfend und klappernd noch recht gut kann und mit 180.000 km noch in der Blüte seiner Maschine lebt.

So wars im Norden. Im Jahr 2024.

Kreislaufläufer mit neuer Couch

Irgendetwas treibt mich im Inneren um und mein Kreislauf verspielt sich in kleinen Eskapaden. Das erstere ist ist Neues, das zweite sehr wohl. Ich habe mein Blutdruckmessgerät wieder rausgekramt, um zu sehen, ob mein Gefühl mich nicht trügt. Das Gerät selbst trügt natürlich auch ein wenig, wenn zwei aufeinanderfolgende Messungen am Abend erst 150:90 und dann 137:72 ergeben. Beide Werte sind jedoch sehr ungewöhnlich für mich und nicht schön. Und das geht seit ungefähr fünf Tagen so. Das wechselt sich auch regelmäßig ab - sowohl morgens wie auch abends. Dabei ist es morgens üblicherweise besser. Alles schwankt zwischen normal und weit drunter bis exorbitant drüber. Zudem bin ich ziemlich müde und es fühlt sich oft so an, als wäre ich betrunken und bereit fürs Bett. Das betrunkene Gefühl kommt nicht von Ungefähr, denn es ist weiterhin nicht nur zu viel Alkohol, sondern auch wahrscheinlich mehr geworden bzw. gibt es keine Abende mehr ohne Wein.

Womöglich ist das eine folgerichtige Antwort meines Organismus auf diese meine Eskapaden, die nun mein Kreislauf übernommen hat. Derweil warten zwei Wochen Urlaub auf uns, von denen wir keine Idee haben, wie wir ihn zu genießen gedenken.

Eine neue Couch - nach 20 Jahren. In der Ritze gesamt 12,95 sehr alte Euros gefunden, den Rest über den Balkon geworfen und zur Kippe gebracht. Nach langer Zeit wieder ein frischer Geruch und ein neuer Style im großen Wohnzimmer. Gefällt mir gut und duftet ein wenig nach weiteren solcher Ideen.

re:new. up:date. Ausruhen, Aufwachen, Losgehen. Mit Ideen und Motivation. Ich kenne solche Tiefdruckgebiete von mir. Nur scheinen mir dieses Mal meine Umgebung oder andere Menschen nicht daran schuld zu sein. Ich kann niemanden dafür verantwortlich machen, denn die äußeren Bedingungen lassen sich gut an.

Heute vor dem Spiel des SCM (Hummel-Cup) brach auf dem Gelände ein Mensch zusammen und wurde anschließend in einen Rettungswagen geschoben, während ein Gerät um seinen Brustkorb mittels eines Bolzens zwei Mal pro Sekunde auf seinen Brustkorb hämmerte und seinen ganzen Körper wabern ließ. Es sah aus, als wäre es bereits vorbei mit diesem Menschen. Dieses Bild ist ein gelungener Abschluss meines Beitrags hier.

Parilari-Ho

Mit einer kleinen Müdigkeit lässt sich dramatischer beschreiben, was mir erstmals einen kleinen Abriss in Sachen Parität abringt. "Weich gelandet", so Mittel damals. Und das eben in der kleinen Runde bei ALu führt mir vor Augen, wie scheinbar hilfos manche Situationen sind. Da wurde ein teurer Systemiker (Björn Schmitz) eingekauft, der über zwei Tage in auswärtigen Workshops halbwegs lustige Experimente zum Selbstverständnis an und mit Leuten durchführt, die sich das gern gefallen lassen. Ich will das nicht bemängeln, jedoch kenne ich dieses Prinzip aus viel früheren Zeiten.

Und nun also sitzen fünf Damen und ich am Tisch und sollen diese eine Arbeitsgruppe "Marke /ÖA" selbständig fortführen und ich bin manchmal unschlüssig, was es werden soll. Wir reden über "Kernaussagen" und "wofür wir stehen" und wie wir "sichtbarer" werden und daß auf der Webseite genau diese Werte fehlen (wo diese Webseite doch die allererste Visitenkarte des Verbandes ist).

Ivonne Löffler lacht wirklich sehr laut und macht zudem Töne, die mindestens von einer Maschine kommen müssen; Antje steht zwischendrin ein paar mal auf und verlässt telefonierend den Raum, weil ihre Katze operiert wurde und jana meint, unsere Website sieht total überaltet aus.

Nun ist das alles nicht so schlimm, jedoch empfand ich es als eine Art hilflos schwankende Crew, die nicht so richtig weiß, wohin und wie zu steuern sei mit einem Schiff, das keines ist. So läuft das bestimmt bei vielen ähnlichen Organisationen häufig ab und ich kann das meist auch gut ertragen. Außer manchmal. So wie heute. Dann scheint mir das alles ein wenig schwammig und sogar beliebig, bis dazu ein kleiner Aufschrei kommt, der uns mit Podcasts ohne Ziel, Videos ohne Zuschauer und weiteren Slogans zur Selbstbestätigung des Daseins sichtbar machen soll.

Zehnkampf, Sex und ziemlich zart

You are Fake-News, um auf das Beitragsbild zurückzukommen. Es ist alles ein bisschen KI und Neural Engine, zu trauem ist längst keinem Image mehr. Aber es stimmt mich amourös beim Ausprobieren und der Modifikation zu möglichen Wunschabbildern.

Sei's drum. Zwei Dinge: Das erste ist einfach zu erklären: Wenn ich müde bin, ist das meist eine gute Voraussetzung für eine entspannte, milde Haltung. Habe gerade meinen Pass abgeholt und sogar die Neustadt konnte mich mit Ausnahme eines erschrecklich kläffenden Hundes nicht davon abhalten, geruhsam, freundlich und sehr friedlich zu sein. Ein schöner Zustand, den ich gern behalten würde. Nur müde wäre ich auf lange Sicht weniger gern. Dennn die Müdigkeit hält bis zum Abend, an dem sie plötzlich verschwindet, um mir genügend Raum für Bier und Wein zu verschaffen. Das wiederum lässt mich schnell, aber nicht lange einschlafen, bevor ich mich in der Frühe an mir selbst vergehe.

Sex is a returning sexy thing. Nur mal so nach langer Zeit wieder bei Grindr vorbeigeschliddert und gleich einen 38-jährigen schmalen Sozialpädagogen zum Chatten gefunden, dessen Prioritäten jedoch nicht auf schnellen Sex abzielen, sondern auf Bekanntschaft, Freunde und ggf. Freund+. Aah- das kennen wir noch von Ronald. Aber gut. Der eigentliche Nebeneffekt ist der plötzlich wiedererwachte, verschärfte Blick auf den Sex außerhalb meinerselbst, der sich insbesondere beim plötzlichen Auftauchen eines offensichtlich Franzosen im Bluenote so deutlich bemerkbar machte, dass ich ihn im Wissen um die Herzlichkeit der Franzosen nach dem sechsten Bier zum Abschied umarmte. Und was das für eine Umarmung war. Kein Klopfen oder freundliches Tätscheln - nein: es war die gefühlvolle Kraft aller Finger, die mich derart festhielten, daß die Zeit gefühlt für ein oder zwei Tage still stand. Danach war es an der Zeit für die Flucht. Denn ich bin nicht sonderlich mutig. Aber ich bin ein Zehnkämpfer. Bitte? Also los:

Derzeit sind die Olympischen Spiele in Paris und es macht ab und an Spaß, sich an den Sportarten entlangzuhangeln. Und dann fiel mir etwas ein: Ich habe häufig an mir bemängelt, dass ich in vielen Gassen der Möglichkeiten rastlos unterwegs bin, jedoch nie eine Sache zu Hundert Prozent richtig kann. Wie ein Bäcker, Korbmacher oder Schreiner. Andere redeten mir immer gut zu, dass es reiz- und sinnvoll und man auf solche Multitalente in der Gesellschaft angewiesen sei. Ich hatte auch das immer nur halbherzig angenommen, gestern aber beschlossen, dass meine selbst gefundene Antwort in den Sportarten eines Zehnkämpfers absolut richtig und gerechtfertigt ist. Keine seiner Disziplinen reicht an die der Meister ihres Faches, aber er kann 10 Sportarten: Laufen, Springen, Werfen, Schwimmen ... und auch das in einer guten, wenn auch nicht weltrekordlichen Geschwindigkeit. Da nimm'! Nimm' hin! Und glaube es. Denn es stimmt. Du hast nicht das Beste mit dem Schlimmsten verwechselt. Höre auf zu weinen! Und dann höre auf mit dem Wein! Und nimm' das hier als Songtext! Beweg' dich! Ausrufezeichen.

Und sportlich bin ich weiter auf gutem Niveau. Mindestens drei, oft vier mal in einer Woche fahre ich mit dem Rad im Sprint und auf Umwegen zu den Seen, setze mich in die Kraftmaschinen und laufe mit Musik über das Land. Und es fühlt sich ganz gut an, auch wenn das Laufen noch immer und wieder beschwerlich scheint, so bin ich doch auf gutem Weg und sehe entsprechend aus. Das verstärkt Mut, Haltung und Selbstbewusstein. Für fast alles. Insbesondere Franzosen oder so.

Kurzkonter

Nicht die nicht durchs Dorf laufende Meute kleiner Jungen, aber eine mögliche Mutmacher-Episode möchte ich hier festhalten: Dem dünnen, doch nicht wenigen Wein des gestrigen Abend entkam ich halbwegs gekonnt und hatte Zeit beim Aufstehen und Frühstücken und ins Büro zu radeln, wo mir die Idee kam, den Kopfarbeitfriseur Martin anzurufen, der mit den Worten "Du kannst sofort kommen" einen freundlichen Lichtblick verschaffte. Durch den noch immer nicht zu warmen Vormittag also dorthin und auf dem Rückweg bei Norbert vorbei, deren neuen Bus auf Fotos besehen. Dann weiter durch die erfrischende Sommerluft mit der Idee, nachher vielleicht an den Barleber zu radeln und Schwimmen zu gehen. Heute Abend gibts dann Bratkartoffeln und die andere Meute großer Jungen und Mädchen mit Biergläsern.

Nur mal nebenbei bemerkt, dass es durchaus erquicklich sein kann, auch ohne Ziel ein paar gute Dinge zu bemerken und mitzunehmen.

#edit: Bin tatsächlich mit dem Rad durch den immer noch trostlosen August-Bebel-Damm an den Barleber Half-Gay-Beach zum Anbaden gefahren. Ein ganz klein bisschen amourös war es schon; rechts neben mir ein etwas älterer Typ mit Cockring, links zwei Typen, von denen mir einer fast ein wenig interessant erschien. Jedoch spielt sich das alles nur in Gedanken ab.

Im Gegensatz zu damals in meinen Zwanzigern und Dreissigern am Neustädter See. Da habe ich es zumindest mal probiert. Und es war es so: von der Pettenkofer zum See mit einem kurzen, wichsenden Sex mit einem ungefähr gleichaltrigen Typen in den Büschen am Ufer (Mitte 90er) > oder dem Typen im Auto, als es stark regnete, wir im Auto wichsten und der mich samt Fahrrad noch nach Hause fuhr (das war schon Winckelmannstraße, also ab 2003) > oder dem anderen, selbst ernannten Psychologen aus Schönebeck, der mich lieber bei mir zuhause ganz für sich haben wollte, was ich nicht wollte und der mit mir daraufhin in meinem Bus "nur ein bisschen spielen" wollte und mir seine Finger in den Hintern schob und mich eine ganz andere Erfahrung spüren ließ. (das war zu OvG-Zeiten 1999 bis 2002 - alles also jeweils eine lange Zeit dazwischen)

Also gut, es gab dann Bratkartoffeln und Müdigkeit und hernach eine BlueNote Runde bei Jule mit Volker, Heiko, Zwiebel, Daniel, Micha, Doni, später noch Leuten wie Sarah, Stef und halbwegs bekannten Gesichtern. Jule fliegt nun in den Urlaub und das gibt mir Gelegenheit, ausser vielleicht nächsten Dienstag mal ein bisschen Kneipenpause zu machen und es zeitgleich zuhause nicht zu übertreiben. Oder es besser noch: ganz sein zu lassen und was ganz Anderes zu tun. Heute hier, morgen dort.

Julis Sommernächte

Die Romantik ist aus und kleine Jungen streifen auch nicht durch irgendwelche abendlich nach warmen Kühen duftende Dörfer. Der Stand der Realität ist weiterhin der hier: Jeder Abend ist betrunken, nur selten halten mich wenige Termine davon ab. Und auch dann bleibe ich nicht frei vom Wein. Am nächsten Tag versuche ich mit sportlichen Aktivitäten gegenzusteuern und weiß um den Unsinn, den ich immerhin noch vor mir verteidigen kann. Denn guck mal, wie ich aussehe. Der Paritätische macht alles mit und fordert nichts Konkretes ausser "Was kannst du uns raten?" Das macht mich wiederum etwas ratlos. Und ich fürchte weiterhin und wieder um mein Leben. Erst gestern verstarb Susanne Bard mit 61. Die kannte ich nur vom Namen und den Kammerspielen und dass sie Gesangsunterricht gab. Irgendein Krebs. Bei mir dann womöglich Bauchspeicheldrüsenkrebs. Gesicherte Risikofaktoren wie Rauchen und sehr hoher Alkoholkonsum sind erfüllt. Leider habe ich auch keine Zustandsbeschreibung, wie ich es denn gern hätte. Ich langweile mich manchmal und leidlich vor mir selbst, bei Tobi oder auch mit den Leuten hier, wenn wir länger als drei Stunden beisammen sind.

Wieder keine Nacht, die wir mit Reden zugebracht und wieder machte keiner den Anfang und wieder stand keiner auf und wieder schlossen wir uns nicht den andern an. Und meine Musik bleibt etüden- und stümperhaft seit Jahren auf den Saiten und in meinem Gedächtnis. Der Sommer zieht sich durchs Land, ist schön wie lange nicht und ich warte hier auf bessere Herbste. Oder sonst irgendwas.

Eins zu Eintausend

Um halbwegs zielführend zu bleiben, beginne ich positiv: Es gibt diese Momente, in denen die massive Invasion meiner törichten und nutzlosen Gedanken schwach scheint und in einer Art Zäsur verharrt. Womöglich um Anlauf für die nächste desolate Desorientierung zu nehmen, die offensichtlich keine zu sein scheint. Denn die Voraussetzungen für die jeweils vorliegenden Zustände sind zumindest an ihrer Oberfläche schnell erklärt.

Kurze Zwischenmeldung aus der Regie: "Hallo, ich bin Leonard Nimoy. Die folgende Geschichte der Außerirdischen ist wirklich wahr, und mit wahr meine ich, erlogen. Es ist alles erlogen, aber es sind unterhaltsame Lügen, und ist das letztendlich nicht die echte Wahrheit? Die Antwort lautet: Nein."

Um stabil, entspannt und erfreut, interessiert und frohen Mutes zu sein, bedarf es einer relativ leicht herzustellenden Konstellation, die postalkoholfrei oder -arm ist, keine konkret bevorstehende Ängste aufweist und dazu ein entspanntes, offenherziges Gegenüber ohne Befehls- oder andere Gewalt hat. Die Zwischenmeldung aus der Regie ließ bereits vermuten, dass ich größtenteils nie in der Lage bin, den jeweiligen Zustand richtig zu beschreiben. Im aktuen Moment des Geschehens bekomme ich es noch auf die Reihe, dann wird's verdränglich knapp - aber immer mit den selben Themen. Denn: geht's mir gut, gibts nicht viel darüber zu sagen; geht's mir schlecht, ist die ganze Welt darin verwoben und natürlich mit schuld an der Situation. Darüber habe ich bereits hunderte Bücher gelesen und jedes Mal einverständlich alles komplett begriffen - vom Kopf ins Herz und dann in den Bauch und den ganzen pseudoreisserischen Quatsch von diffusen Handlungsmöglichkeiten. Sorge dich nicht, fuck you! Im negativen Zustand bin ich ungleich kreativer, denn es gibt so unglaublich viel zu denken und versuchen, es zu überblicken oder gar zu begreifen. Und die Gruften der Gründe sind in deutlicher Überzahl und bodenlos tief.

Katrin Gellrich schrieb am Ende unserer gemeinsamen Laufbahn etwa so: "Die Kunst ist es, im Leben zufrieden zu sein [...] und wie ich dich sehe, kannst du das sehr wohl auch sein." Kann ich. Manchmal.

Die Komplexität unseres und insbesondere meines Daseins in der Wechselwirkung zum Universum raubt mir den Verstand. "Du wirst verrückt" hat Tobi jüngst gesagt. Das glaube ich gern. So viel Unzufriedenheit um mich herum, so viel schlechtes Benehmen und dazu eine gehörig offensichtliche Portion massiver Dummheit machen mich sehr unglücklich, weil es keinerlei Lösung gibt. Außer vielleicht neue Demagogen samt neuen Desastern zu wählen ... naja. Ich schließe mich selbst dabei nicht aus, versuche es jedoch immer wieder zu begreifen. Das nützt alles nichts - ich habe nicht genug Wissen und Informationen und halte mich aus nicht nur politischen Diskussionen gern raus und verspüre dazu jene immerwährende Unzufriedenheit - wie gestern erst bei meinen Eltern. Und die hat mich schon immer nicht sonderlich erfreut. Weil es nichts ändert. Es wird geschimpft, geflucht und sich enorm aufgeregt über den Zustand einer Welt, deren Bestandteil wir allesamt selbst sind, es jedoch nicht auf die Reihe bekommen oder ändern werden.

Das von van Veen besungene "positive Geräusch" verstummt im Verhältnis 1: 1000 und ich weiß mir nicht zu helfen. "Der Revoluzzer bleibt draußen" - eine neue Tob'sche Befehlszeile, die mich erst amüsiert und mir dann klar gemacht hat, wie das gern bei mir funktionieren möchte, aber nicht kann: Wie oben beschrieben, bemerke ich sehr wohl Unausgewogenheiten, Misszustände ... eben negative Situationen und Zustände, weiß aber nicht, was ich dem und wie entgegensetzen könnte, weil mir die Argumentation fehlt. Stattdessen winde ich mich mit zum Ausdruck gebrachtem Unverständnis und Ablehnung = grundsätzlich gegenredendem Revoluzzertum, was nicht selten in noch schlechtere Situationen gipfelt. Meine Bestrebungen nach Harmonie funktionieren nicht, weil ich sie weder ausdrücken noch herleiten kann. Stattdessen fange ich lieber an zu "maulen" (was für ein Wort!) und richte damit weiteren Schaden an. Immer alles negativ. Eins zu Eintausend.

Eine Gelassenheit, einen von Michel einst benannten "Gleichmut" zu erzielen und so freundlich wie schlau eine negative Situation ins Positive begleiten, ist die Eigenschaft eines guten Mediators. Und so einer wäre ich gern. Zumindest erstmal für mich selbst. Eins zu Eintausend.

Das Foto ist wahrscheinlich aus 1994 im Volksbad. Aus einer Zeit also, in der ich cool werden wollte. Und berühmt. Und nie älter als 27. Oder wenigstens schwul und mutig.

SocialWinckelPalais

Die geplante Winckelgassen-Hof-Party für heute wurde von Siggi bei den Nachbarn von gegenüber abgesagt. Weil Volker Beinbruch hat. Ich habe Volker heute Bier und Brot besorgt, schlug jedoch sein Angebot auf Balkonbier aus. Zu warm. Und keine rechte Lust. Und nun bemerke ich, dass wir alle, keine 10 Meter voneinander entfernt, jeweils einzeln das Fußball EM Spiel Deutschland Dänemark im Fernsehen gucken. Lustig. Am Ende steht es 2:0. Für Deutschland. Haargenau jjjetzt.

Trugschlussnachtrag

Was so wichtig wie erneut und immer wieder nachzutragen, anzumerken, beizupflichten und zu dokumentieren ist: Es gab nur eine Flasche Bier und ein Glas Wein, dann war der Vorrat erschöpft. Ich bemühte mich also um Gemächlichkeit. Es gelang auch. Mit leider etwas zu vielen Zigaretten und einem langweiligen Fußballspiel (irgendwas mit England-Slowenien). Geschuldet war es wie so oft dem Vortag und - wie ebenso so oft - einem vereinbarten Termin am nächsten. Diesmal im Studio zur erneuten Aufnahme eines Gesundheitsfilms für Mitarbeiter.

Jetzt die Anmerkung: Alles gelang nahezu perfekt, ich habe zudem an diesem Tag viele gute Gedanken gehabt und Dinge getan und kann mich selbst jetzt noch an die Namen der beiden Simpsons-Folgen erinnern, die ich heute morgen in der Zeitung las. DAS ... ist gut. DAS ... hat fast immer eine sehr blödsinnige Belohnung zur Folge. Und der Wein steht bereits kühl. Der Trugschluss dabei ist, es heute "schaffen" - also nicht übertreiben zu wollen.

#edit: selbstverständlich war es ein Trugschluss. Und ich muss schon sagen, dass die folgerichtige Niedergeschlagenheit und Aussichtslosigkeit eine enorme Angst bewirkt. Alle, nahezu alle anderen Menschen haben irgendetwas auf dem Plan. Ich nicht. Ich übe mich nur in sinnloser Revolution. Das wird das nächste Thema sein. Falls ich das noch schaffe.

Dekonstruktion

Das große Labilirium, welches mich von einem Zustand in einen anderen wirft, was die negativen Sequenzen schlimmer wirken lässt als sie sind und die positiven beiläufig erfreut annimmt, bringt nun immerhin ein paar Ideen mit auf den Weg. Eine Art Abgesang in Form eines Schauermärchen mit Realitätssinn. Vorweg: Alles ist gut gegangen, die Rückfahrt aus Kroatien gelang, auch wenn Körper & Geist sich heftig zu wehren versuchten. So waren wir also 7:23 Uhr nach einer Mittsommernacht und dem vollen Erdbeermond zuhause. Fast schon romantisch. Aber nun:

Ich habe mir eine Art Jetlag zugelegt, wonach ich mir Sonntag wie Dienstag mittels vorabendlicher Unvernunft zu entsprechendem Unwohlsein verholfen und darüber nachgedacht habe, wie lange das hier eigentlich schon so geht? Und weil ich mir wenig in der Erinnerung behalten kann oder will, stelle ich erneut erstaunt fest, dass es schon immer so war. Nur dass es in den letzten Jahren noch mehr wurde. Und wie mir scheint, von allein nicht aus meinem Leben verschwinden wird.

So werde ich nach und nach älter und warte irgendwie noch immer auf die Initialzündung, die ich nur im Gefühl erahnen, jedoch keineswegs beschreiben kann. Mit Weltfrieden ist da auch nicht viel zu machen. Und genau da beginnt auch die nächste Dekonstruktion: Deutschland wird in den nächsten Jahren seine Regierungen wählen und die bisherigen, aufatmungsknappen Bestandsergebnisse sind mehr als in Gefahr. Die Landesverbände Ost des Paritätischen sehen in der Videokonferenz ratlos aus, die Umfragewerte bei den mehr als rechten Parteien sind erschreckend hoch und die Folgen auszumalen. Wenn uns der Westen da nicht raushaut, werden wir eine Hasstiradenpartei ohne Konstrukt und Plan in den Entscheidungsgremien - zumindest in den Landesregierungen haben. Es dürfte zu Abschiebungen kommen, ganze Sozialsysteme könnten dekonstruiert und bspw. auch Sozialverbände zugemacht werden. Damit bin ich auch schon beim Punkt. Bei meinem persönlichen.

Was'n dann? Nun habe ich mich gerade erst aus den dämlichen Dogmen befreit und bin in einem weichen Kuschelfell gelandet, welches mir so viele Streichelfreiheiten gibt, die ich bereitwillig in vollen Züge auskoste - und schon läuft es Gefahr ... naja, für die Auflösung eines 100 Jahre alten Sozialverbandes braucht es vielleicht ein bisschen mehr Anstrengung und die Informationslage ist mittlerweile mit der aus den 30er Jahren nicht mehr zu vergleichen; da werden andere Mechanismen entstehen und herhalten müssen; allerdings hat die Geschichte gezeigt, dass nahezu alles möglich ist.

Nur ich fühle mich manchmal unmöglich. Zumal ich kaum glaubhaft geradeaus denken kann und ich mich in des Zufalls seichter Sänfte träge wiegen lasse.

Vergeben und vergessen

Im Augenblick der großen Unklarheit, Unsicherheit, Müdigkeit und der Gewissheit, dass der Plan nach Hause sich ändern muss und wird … durchzieht ein furchtsam Schleier das Gebälk von Mut und Zuversicht.
Das alles wird vergeben und vergessen sein, noch ehe Judas drei mal kräht. Bis dahin jedoch sei vermerkt, dass diese gefühlte Hilflosigkeit alles andere als charmant ist und eine chaotische Spur sich beständig abwechselnder Zustände, Bewertungen, sogar Schwindel und trostlose See tief in jenes Bewusstsein gräbt, das diesen Zustand in kurzer Zeit längst überwunden haben wird.

Rundwuchtige Unsummen

Das zusammenzufassen oder zu sortieren, scheint mir aussichtslos. Ist es schlimm? Naja, wahrscheinlich nicht. Ist es wie immer? Ja. Möchtest du es anders haben? Ja. Und wie? Tja, da liegt der Hund begraben. Ich weiß es nicht.
Menschen auf Schiffen und in Städten fallen mir schnell zur Last und ich wär so gern allein am Meer. Wo es mir dann jedoch schnell langweilig wird. Am besten sind immer die Reisen zum jeweiligen Ort des Geschehens.

Kawa

Du hast soviel Spaß, Trost und Energie in dir
und trotz der ständigen Entladungen
im eisigen Leben kannst du
von alledem noch etwas geben.

Soviel Gleichnis bei Aufruhr und Stille
bei Freuden über den kleinen Reim
Lachen über scheinbar Nichtiges
Erkennen eines kleinen Schatzes schon im Keim.

Dieselbe Sicht, das gleiche Wort
Staunen über etwas Vorbeihuschendes
Du machst den Alltag zur Wundertüte
lass die anderen im Mief - und fort.

Danke Dir!
Tom Kawa
21.2.1995
wäre in sechs Tagen 54 Jahre alt geworden.

Pfingstlos 24

Der Dauerkater drückt mir auf die Brust bis zum Hals, die Lust- und Tatenlosigkeit sind enorm, die Reformer Couch bleibt weiterhin Dauerasyl, es passiert nicht viel. Der Pool ist jetzt da. Immerhin. Der Rest ist Einkaufen, Saubermachen, Essen kochen, Wein trinken. Tobi bleibt vernünftig - ich trinke den Rest aus. Einst war Reform die temporäre Heil- oder zumindest Besserungsanstalt; das vermag sie nun auch nicht mehr.

Jetzt ist Pfingstsonntag, Tobi hat morgen Dienst und ich habe mir wie so oft 'irgendwas' Schönes für morgen vorgenommen. Laufen? Radfahren, Drohne fliegen und nachmittag mit Daniel in Salbke Bluenote-Bänke lasieren und für den Sommer fit streichen. Derweil habe ich mich wider besseren Wissens mit Wein eingedeckt.

Sollte das Ganze Rumsaufen als eine Art Experiment gedacht gewesen sein, muss das abgebrochen werden. Das erwähne ich hier nicht zum ersten Mal. Die Stimmung schwankt, der Wille ist schwach oder weg; zudem wird es peinlich und die Ausreden beim Paritätischen mit Heuschnupfen und Westfriedhofwassertrinken machen mir zwar deutlich, wie kreativ ich immerhin dabei (und auch bei den Dingen, die ich immerhin dort anbieten und damit die Leute ins freudiges Erstaunen setzen kann) noch bin - aber das hat keinerlei Aussicht auf Zukunft. Derweil knirschen die Zähne, auf denen ich sehr verkrampft herumkaue.

Ich kann keine Termine mehr machen, weil ich fürchte, sie nicht einhalten zu können; ich sehe manchmal die einzige Lösung darin, sofort ins Bett zu gehen - und sei es um 20:00 Uhr. Ich habe furchtbare Angst, dass meine Eltern oder auch nur einer von beiden sterben könnte; auch habe ich Angst vor den Tendenzen in unserer Gesellschaft und der Dummheit der Menschen - mich eingeschlossen, mit denen - glaubt man den Abbildungen in den sozialen Medien oder auf der Straße bei entsprechenden Demos - kein Staat zu machen sein wird. Mein vage beschriebenes und nicht greifbares Gefühl, wie so ein Leben mit Leuten und Liebe für mich und die, die da mitmachen könnten, aussehen könnte, bringt mich auch keinen Schritt näher an eine Plan- und Handlungsidee zur Erlangung so eines optimalen Zustandes.

Die Gegenangst der Alkoholentsagung ist die selbe Ausrede, nur andersrum: Dass ich in diesem Leben nicht sonderlich weiter komme, weiterhin allein will und nicht kann und aber auch zusammen will und es auch nicht kann und damit hier immer das Gleiche schreiben muss. "Alles anders" wie Auswandern und den schönen Dingen im TV hinterherromantisieren fällt mir wegen Realitätsferne auch nicht ein und die Lust ist los, sich einen neuen Freund zu suchen. Vielleicht sollte ich mich bewerben.

Lose Wurst

Dass diesem spätabendlichen Eintrag zuvor viel Wein anheim gelegt wurde, mag ersichtlich, aber nicht verwunderlich sein. Ärgerlich allemal. Wie immer. Und wie so oft danach will mir partout nichts ein- oder gefallen, was denn anzufangen wäre ab jetzt. Die Spirale bildet sich aus der langen Sicht auf die Dinge, die ich nicht in Gedanken zu fassen weiss. 'Ich hänge lose in der Zeit' hat Tamara Danz gesungen. Die hatte allen Grund mit Blick auf ihr Ende. Ich habe diesen Blick bisher nur in geheimer Furcht vor der Trostlosigkeit und kann das gesamte Konstrukt auch kaum mehr in Worte fassen. Derweil scheine ich mich hoffnungslos zu vergeuden mit all meinem Leben, meinen Möglichkeiten, meinen massiven Wirrungen.

Es klein anzufangen einzukreisen und aufzuräumen ohne jeglichen Alkohol wäre ein erster Schritt. Seit langem ist alles nur Couch, Vermeidung, einhergehend mit Unzufriedenheit. Es langweilt mich so sehr vieles. Der, der zusammen, gemeinsam will, der allein will (und beides nicht kann), der nicht weiss, was er will, der nicht kann, nur daß ich weiss, wie mühselig und übel das alles jeweils und zusammen ist. Auch ein Wohnmobil wird uns nach einer möglichen, anfänglichen Euphorie nicht viel weiter bringen. NYC und Miami im Dezember sind fast schon Mühe statt Freude. Der Rest ist sauber machen und Gießen (sorry Tobi) oder meinungs- wie tatenlos im heimischen Weinhaus präkaputt für den nächsten Tag machen.

Ich genieße nur den Wein, jeder andere Genuss bleibt sehr oft außen vor. Vorfreude aufs Bluenote (der Leute wegen) verfliegt wie damals beim Barfly recht schnell. Die Bluesjackets - die genau JETZT auf die Minute 30 Jahre geworden sind / wären, waren gewiss noch eine Zeit der Erlebnisse in unseren 20ern. Welche am Ende immer im Alkohol strandeten, aber immerhin viel gemeinsamen Stoff zum Erzählen für später einbrachten. Vage Illusionen wie Nächte an Stränden ohne Fragen nach Sinn oder Radtouren in die Mongolei, berühmt werden, Handstand üben oder Dinge, die ich nur aus Filmen oder Liedern kenne, scheinen allesamt haltlos, imaginäres Glückszeug. Wenn alles so bleibt wie jetzt, besteht alles aus irgendwelchem Arbeiten, Geld haben, irgendwas kaufen, Ski- und sonstwohin fahren und ab und zu Leute auf Feierlichkeiten treffen, deren Gesellschaft mir eher not- und aufwendig als wirklich erfreulich scheint. Mir scheint da etwas viel Tieferes zu unbehagen, wenn ich darüber nachdenke, dass sehr viele derlei Unternehmungen im Alkohol enden.

Die lose Wurst (ich) langweilt und fürchtet sich, kein re:new, kein Update aufzuspielen, um die lethargischen Löcher zu verlassen. 'Wohin auch?' lautet einer meiner Songs. 'Versucht und versagt und kein Ziel weit und breit'. Das einzige Jeskom-Album aus 2011 bringt in seinen 12+1 Songs inhaltlich nahezu alles zusammen, was mich bis heute umtreibt. (Jana Fechner bezeichnete meine vorgetragenen Texte damals auf der Gitarre in der gemeinsamen Bude der frischen Liebe von Katrin Gellrich und Tobias Körner als sehr bedenklich. [Ich sollte mir das nochmal anhören oder nachlesen]). Und es wird sachte, aber deutlich knapper. Was denn nun? Ich bin tatsächlich ratlos. Mit Ausnahme des Alkoholstopps - der deutlichen Vorsprung schaffen kann. Aber wohin dann springen? Meine Erfahrungen helfen mir da nicht besonders.

Mir scheint so manches Mal das Leben zu schwer, zu kompliziert, zu heillos zu durcheinander. Liebe zum Leben generiert sich für mich am besten durch Motivation. Mit Hilfe von Leidenschaft, Beständigkeit ... naja: und so weiter. Es ist alles nicht neu und die Versuche der Erklärung hier ähneln sich schon sehr. Und ich bin müde. Zu müde.

Wechseljahreszeit

Der Mai, der blühende Mai ... nicht reingetanzt, eher reingeschwitzt. Seit ein paar Tagen schwitze ich des Nachts. Teilweise wie verrückt, nur ohne Fieber. Und ich träume entsprechend wild drauf los. Die Stories hätte ich gern aufgeschrieben, aber nach den ersten Wehen des jeweils erwachenden Morgens samt mir und dem Nachdunst schwinden wie üblich die Intensität und damit die Erinnerung an diese zum Teil groß angelegten Träume.

Dann beim Laufen in erstmals über 20 Grad habe ich mich sehr in der Temperatur und meiner Kleidung verschätzt und dabei übelst samt Leistungseinbruch verschwitzt. In der folgenden Nacht passives Schwitzen inklusive weiteren Traumromanes. Davor auch schon. Heute beim Krafttraining ebenfalls ungemochte Hitze, die eigentlich noch garkeine ist: 23 Grad oder so. Der Rest des Tages verlief weiterhin schwitzend und während ich Tobi am Abend nur eine kleine Fußmassage verpasse, läuft es bereits wieder aus allen Poren.

Kurzum: Das wäre eine Idee, um Wechseljahre zu beschreiben. Ich wechsele. Aber was? Das Universum? Wäre zumindest eine Idee. Den Sex? Bisher sind nur marginale Effekte einer möglicherweise schwindenden Lust zu verspüren. Nicht eindeutig nachweisbar. Mein Wunschdenken betreffs Frühling24 hatte ich ja bereits geäussert: Bitte langsam! Geht aber nicht: draußen ist alles bereits nach vollendet voller Blüte in sattem, immerhin zumindest noch hellem Grün.

Nächste Woche wird's wieder sachlicher bei 17 Grad und ich wundere mich genau jetzt, was das hier mit dem eigentlichen Grund der Zehnsucht zu tun hat. Das hier sind keine Bastei-Heftchen für Wetterprognosen; aber auch sonst nehme ich mich derzeit nicht all zu ernst, was kurzfristig helfen, aber nichts beschreiben würde, was mich umtreibt.

Die Inhalte bzw. Plots meiner Träume wären hilfreich; jedoch die Idee, es gleich morgens halbwegs Steno-like aufzuschreiben, ist sehr schwierig und müßig. Genau wie ich. In meinen vermeintlichen Wechseljahren. Elon, komm' schon: gib mir einen DreamChip und hinterlege mir in der Cloud eine AI Sequence mit den Pictures und Stories und später vielleicht auch den Erklärungen dafür.

P.S.: Ansonsten gesundheitlich alles bestens. Sagen Weimann, mein Blutbild und Körpergefühl. Immerhin.

Vaters Spruch

Über viele Wochen habe ich meine Eltern nicht gesehen, eine gefühlt sehr lange Zeit. Wenn ich es recht überlege, sehen wir uns nur zum gemeinsamen Essen oder wenn mal jemand Geburtstag hat. Und diese gemeinsamen Geburtstage werden ziemlich selten. Und meinen habe ich auch ausfallen lassen und ich sprach noch davon, dass ich den ja nachholen könne. Da meinte mein Vater, dass wir uns mit solchen Dingen nicht zu lange Zeit lassen sollten, weil man ja nicht weiß, wie lange uns dazu noch Gelegenheit bliebe.

Das sind solche Momente, die mir sehr schnell sehr heftige Gedanken einbringen können. Zumal die ja nicht neu sind und ich große Panik vor dieser Unausweichlichkeit habe. Im Zusammenspiel mit meinen diffusen Labilitäten aufgrund so hohen Alkoholkonsums entsteht so nach und nach ein Gesamtbild, das mich schaudern und mit Blick auf die Zukunft hilflos zurück lässt.

Es bleibt immer länger hell draußen und der Frühling macht eine kurze kalte Pause. Was mich freut, damit mir alles nicht so schnell vorkommt und es nicht so eilig vorbei zu gehen scheint. Ein Gleichnis in Betracht des hier Geschriebenen. Ich fühle mich zu oft zu schwach ohne besondere Aussichten, die uns zur Verfügung stehende und damit gemeinsame Zeit besser, schöner, neugieriger, interessierter und intensiver zu nutzen. Was jetzt nicht gelingt, kann später zu Selbstvorwürfen führen. Ich würde nur gern wissen, was ich wie machen könnte, möchte und daraufhin müsste.

Wie gewonnen.

Kaum belobigt, schon folgt die äußerst zweifelhafte Belohnung in Form mehreren Weines mit anschließendem Desasterfeitag. Vorgestern vorsichtig wegen Elena-Records und gestern dann nach Tobis Abgang kurz nach Null nochmal Desaster und der windige Sonntag bestand bis eben aus enormem Jammern vieler müder Katzen, die mich nun hier zuhause sitzen und schwer denken und schlimm fühlen zu lassen: Denn auf dem Weg hier her überkam mich eine kleine, aber deutliche Panik: Ich muss Bier und im besten Fall etwas Wein zuhause haben. Neinnein, nicht um es auszutrinken, nur um es zu haben. Das vollständige Ende kenne ich bereits während dieses Gedankens. Und das macht mir Bange, weil es mindestens eine psychische Abhängigkeit deutlich beweist. Wenn jetzt dabei noch ein leichtes Zittern käme, wäre alles aus ... bzw. an. #Blaulicht.

Diese Angst ist gut und hoffentlich hilfreich. Denn selbst die Gewissheit, morgen klar sein zu müssen, es aber wahrscheinlich nicht zu können, stellt jedwelche weiteren Ausreden vom Platz ins Aus, aus dem Stadion, aus der Stadt, aus der Welt.

Ein Ziel ist ausser Sicht. Auch das eines Urlaubes im September. Das WIE wäre nicht das Problem, wenn ich wüsste, WAS? Weit weg? Städte? Afrika? Nordpol? Darß & Drewitz? Meitzendorf? Irgendein Interesse? Alles zu anstrengend? Nichts, das mir genügen, mich begeistern könnte? Ach herrjeh, das alles schliesst sich in einem Kreis, dem ich Anspruch abzuringen versuche, es aber nicht schaffe und mich weiter abwärts drehe, bis selbst die Worte zur Beschreibung meines Dilemmas fehlen.

Der Gelang

Ein Tag, der sich viel positiver entwickelte, als ursprünglich angenommen. Vieles ist mir über den Tag in allen Bereichen und gut gelungen und es zog sich bis jetzt hin. Das schien bemerkt zu werden - selbst Marcel meinte im Spaß, meine gute Laune stimme ihn gewissermaßen bedenklich. Hinter soviel freudigem Mut könne durchaus größeres Unheil stecken. Was mich sogleich dazu brachte, über eine Form letztmaligen Aufbäumens nachzudenken, bevor ich adHoc zu Staub zerfalle.

Gut, dass ich auch und endlich mal über die positiven Seiten berichten kann. Gute Aussicht mit besserer Ansicht. Dennoch war eine Flasche Heuriger - grüner Veltliner im Spiel. Je leichter der Wein, desto besser für mich. Noch leichter wäre eine halbe davon und ganz viel besser nur ein Glas.

Comfortably Numb

Ein ganzes Ostern auf dem Darß, mit Rad und Drohne und Tobi. Am Wochenende danach - also jetzt - in Dresden. Mit der Anästhesie-Theater-Clique. Zwei mal Semper-Oper und langsamstes Rumlaufen in den ersten sommerlichen Temperaturen. Jetzt ist es wieder Sonntag und wie so manchmal habe ich ein leicht bedrücktes Gefühl. Woher es kommt, vermag ich nicht zu sagen. Eine allgemeine laue Stimmung, die vielleicht mit den verheissungsvollen Temperaturen und einem sehr vagen Aufbruchsgefühl, zusammen mit ein paar weiteren diffusen Lähmungserscheinungen inklusive einer leichten Müdigkeit zusammenhängt.

Ich glaube, ich mag Opern nicht. Oder ich habe noch nicht die richtige erlebt, die mich zumindest kurz oder ein bisschen berührt. Oder Set & Setting passen nicht. Oder nie. Wenn mich in egal welcher Kunst das Thema, das Spiel, die Bühne, die Spieler, das Licht, die Musik, das Publikum oder sonstwas begeistern oder zumindest berühren, empfinde ich es für mich als immerhin gelungen. Das hat bei Opern bisher nicht, oder nur manchmal zum Ende geklappt. Wobei ich nicht weiss, ob ich dabei das Gesamtwerk oder nur die Freude über dessen Ende gemeint habe.

Wahre Begeisterungsstürme gab es bei mir bisher selten. Ad hoc erinnere ich mich an Deep Purple mit Perfect Strangers in Halle in den 90ern mit Kawa und Thomas Lange und Mandy. Oder Klaus Hoffmann mit seinem Jacques Brel Programm im Schiller Theater Berlin mit Schüssel und Wolfram ++. Gibt ganz bestimmt noch mehr davon in meiner History.

Symphonien halten mich auch nur bedingt bei der Stange. Wenn sie so kurz sind wie die gestrigen in der Semperoper von Max Reger mit Mozart-Varianten und einem anschließenden Don Quijote von Richard Strauss, gehts ganz gut. Und im eleganten Anzug samt Klapperschuhen machen wir echt was her und besonders Tobi ist eine imposante Erscheinung. Ein bisschen Weltduft schnuppern und mich dabei dennoch ein wenig darauf freuen, es auch wieder ausziehen zu können. Vielleicht sollte ich mich daran gewöhnen? Fühlt sich immerhin elegant an, was ich gern ab und an mal sein möchte. Und ziemlich teuer ist das Ganze. Ziemlich dolle sogar. Aber Geld ist ja im Grunde vorhanden und wir sind im last third. Bin es nur nicht gewohnt, für ein kleines Glas Wein neun Euro zu bezahlen. Oder in der Oper fast zwölf. Naja, das hat ja Tobi bezahlt ...

Vielleicht kann ich es damit erklären, dass ich mir nicht erklären kann, womit und worin ich mich denn vollständig wohlfühlen würde. Das große ganze Wohlbefinden ohne Fragen an die Umstände ... der reine wohlige Fluss des einfachen Geschehens - welcher wäre das? "Comfortable Numb" von Pink Floyd scheint mir hier eine vielleicht gut getroffene Erklärung zu geben. Angenehm betäubt - wenn ich es richtig deute, erklärt mir, dass ich die intensiven Energien nicht mehr spüre; dass ich mich in meinem Fall gehen und mit Wein befüllen lasse, statt mich auf das Morgen zu freuen. Und manchmal ist es nur "numb" und nichtmal angenehm.

When the music's over

Viel zu viel scheint hier over zu sein. Overdrunken. Overkill. Over the top of bad things. Jetzt ist es die Musik, von der mir einfällt, dass ich seit tatsächlich Jahren nur Fragmente mit mir herumtrage, die es zu keinem Song bringen. Und 2023 haben wir nichtmal gespielt. So long, and Thank's for all the fish?

Marcus Wiebusch von Kettcar sagt: "Songwriting, das muss man mal klar sagen, auch wenn es vielleicht ein bisschen martialisch klingt, ist ab einem gewissen Punkt für mich eine Qual. Ich bin kein Genie, das einfach so „Sommer ’89“ oder „Der Tag wird kommen“ raushaut. Ich muss mich quälen, ich muss hart überlegen, man geht mit den Gedanken abends ins Bett und wacht morgens damit auf. Und man steht natürlich unter Druck – alle warten. Die Band wartet. Die Fans warten."

Ich warte auch. Und wenn nicht zwischenzeitlich immer mal wieder so ein elementarer Gedanke an meinen plötzlich- und baldigen Tod oder eine übelste Krankheit käme, würde noch weniger in dieser Richtung passieren. Draussen ist es noch immer hell. Jetzt kommt der Rest des Frühlings, bevor es morgen November wird. Dorschi ist heute 60 geworden und Jörg oder Mohi habe ich in diesem Jahr noch nichtmal gesehen. Der Fisch ist gegessen, der Drops gelutscht?

Frühling's over

Die Mischung wird es nicht bleiben können: Abends mindestens die Flasche Wein und am nächsten Tag per - für mich - massivem Laufen oder Rad wie heute alles entschuldigen zu wollen. Der Körper hat hier jeweils zweimal hart zu tun. Und der wird die Reißleine mitsamt jenen Konsequenzen ziehen, die ich bestimmt nicht haben möchte. Denn ich habe schon Alterstraurigkeit, ausfallende Haare, Negativismus und Ödnis in einem fortwährend andauernden Kreislauf. Das morgendliche Gefühl der tiefen Ohnmacht und der absoluten Läuterung mitsamt allen Versprechungen auf sofortige Besserung, auf sofortigen Alkoholstopp ... kann ich nur sehr schwer und nur an solchen Morgenden beschreiben. Das sitzt so ernst so tief und entschlossen, dass ich mir Glauben schenken möchte. Nun ist nach dem Sport nicht gleich vor dem Wein, aber irgendwann kehrt wieder ein besseres Gefühl zurück und verlangt nach dem selben Procedere. Und der Verstand versäuft sich mit, so dass er keinen Einspruch mehr wagt.

Frühling is over: Spätestens wenn ich die ersten zögerlichen Knospen wähne, ist der Gedanke mittlerweile schnell zur Stelle, dass der Frühling und seine hellgrünen Stimmungsmacher so gut wie verblüht seien, auch wenn sie noch garnicht da sind. Wie immer ist es die Vorfreude auf etwas, dass, sobald da, bereits weniger Bestand hat. Auf Wiedersehen sagt sich schnell. Nur eben nicht an den richtigen Stellen.

vom Vakuum

Noch eben habe ich Tobis Leben so beschrieben, als dass aus dem trostlosen Süden nichts weiter als Arbeit & Schlafen zu vermelden sei. Selbstverständlich abgesehen von derlei Ausflügen wie denen der nächsten Tage, wobach wir auf den Darß ins Dorinth fahren und am nächsten Wochenende mit mehreren Leuten nach Dresden in die Semperoper & Co..

Aber darum geht es nicht so sehr im Moment, denn ich wollte beschreiben, wie sehr lustlos ich werde. Der Bus klappert sich Batterie ladend über die Autobahn nach Hause und ich denke, dass es Zeit für einen moderneren Bus wäre, merke aber, dass ich weder motiviert noch vor allem bereit für soviel Geld bin. Die Mär vom Bus ist lange her. Nichts fällt mir ein, das ich mir gern kaufen oder anschaffen oder herstellen möchte. Mir fällt auch nichts ein, wenn es ums Losfahren in ferne Länder oder ins Abenteuer nach nebenan gehen sollte. Das betrifft ebenso das Besuchen von anderen Menschen wie denen der Familie, Freunden, sonstwas. Nichts. Nichtmal für einen Restaurantbesuch auf meinen Geburtstag mit meinen Eltern reicht es. Die konnten mir noch nichtmal in echt gratulieren. Sogar unsere Opernbesuche betrachte ich als eher beiläufig und im Falle der Auflösung als nicht weiter schlimm.

Das kriechende, Fortschritt haltende Alter, gepaart mit vielst zu hohem Alkoholkgebrauch basteln mir ein motivationsarmes Gemüt zusammen, dass sich desinteressiert in einer Art Vakuum selbstgefällig dem Nichts zu überlassen droht.

Ich gehe heute (Saturday-Night) nicht ins Bluenote zur Kubon'schen Bluesband und weiss jetzt schon, dass sich meine Restfreude auf morgen und den ersten Frühjahrsputz in meiner Bude aufgrund weissen Weines verkleinern wird. Ein wenig leide ich an mir selbst, doch es nützt ja nichts, wenn ich mich bei den sich mir bietenden Möglichkeiten dann langweile. Eine schleichende Gewohnheit, nach der am Ende nur noch Arbeit & Schlafen Bestand haben? Oder hat sich mein rasenttheoretisches Leben mit all dem schnellen Überalldenken und seinen Äonen Synapsenkollapsen mittlerweile erschöpft? Wäre zumindest eine Ausrede.

studio54

Und schon ist es so weit. Aus endlich 18 und forever 21 (das es damals noch nicht gab) wurden you are expired 30 und schließlich 42. Nun ist es das studio54, mit dessen damaliger Anrüchigkeit ich nur meine amourösen Gedanken teilen kann. Viel wichtiger hingegen ist der Blick auf das vergangene Jahr, in welchem die negative bis aggressive Stimmung der Menschen weiter stieg, die Demokratie mehr und mehr gefährdet und massive Permanent-Rekorde in den Temperaturen, Trockenperioden bis Dürren, heftigen Fluten, Stürmen und übelste Gletscherschmelzen zu verzeichnen waren; Meeresspiegel und die Zahl der weltweiten Flüchtlinge stiegen, Brände und Kriege in mindestens Ukraine und Gaza wüteten; Idioten wie FCK Putin und der erneut drohende FCK Trump zur Gefährdung unserer Weltordnung inklusive der Möglichkeit des völligen Unterganges der Menschheit beitragen.

Möglicherweise bin ich auch etwas aufmerksamer diesen Dingen gegenüber geworden, andererseits trinke ich aber auch jeden Abend eine Flasche Wein, während ich mich nächsten Tags mit 12-km-Läufen, 50-km-Radtouren und Krafttraining bei mir zu entschuldigen versuche. Oder um nüchtern zu werden. Und die Tage verschwenden sich oft nur so dahin, dass ich kaum hinterherkomme, mir das Besondere an der Zahl 60 auszudenken, bevor auch das plötzlich da ist.

edit: Zum Morgen nach schlafarmer Nacht so viele Kollegen mit Wein, Schokolade, Jahreslos, herzlichen Glückwünschen, Gesängen und Sonne draußen (!) stelle ich fest, dass es durchaus fetzen kann, an eines Morgens Frühe halbwegs klar das Leben zu bemerken. Und jetzt gibts frisches Frühstück mit meinem Tob.

Old men at the market

Zwei alte Männer vor mir im Netto an der Kasse, nachdem sie jeweils die Auswahl ihrer Produkte bedächtig über lange Zeit entschieden haben und an der Kasse nach Kleingeld suchen, um der jungen Kassiererin zu imponieren. Ich sehe mich ganz knapp hinter ihnen, leicht umnebelt und ebenso knapp in der Übersichtlichkeit des eigenen Tuns. Bis (und falls) ich es geschafft habe, den Wein sein zu lassen, werde ich wohl in diesem Zustand deren Alter erreicht haben um ihn dann als legitim deklarieren zu können. Im Westen meines Wesens nichts Neues.

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010