Zehnsucht

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Dekonstruktion

Das große Labilirium, welches mich von einem Zustand in einen anderen wirft, was die negativen Sequenzen schlimmer wirken lässt als sie sind und die positiven beiläufig erfreut annimmt, bringt nun immerhin ein paar Ideen mit auf den Weg. Eine Art Abgesang in Form eines Schauermärchen mit Realitätssinn. Vorweg: Alles ist gut gegangen, die Rückfahrt aus Kroatien gelang, auch wenn Körper & Geist sich heftig zu wehren versuchten. So waren wir also 7:23 Uhr nach einer Mittsommernacht und dem vollen Erdbeermond zuhause. Fast schon romantisch. Aber nun:

Ich habe mir eine Art Jetlag zugelegt, wonach ich mir Sonntag wie Dienstag mittels vorabendlicher Unvernunft zu entsprechendem Unwohlsein verholfen und darüber nachgedacht habe, wie lange das hier eigentlich schon so geht? Und weil ich mir wenig in der Erinnerung behalten kann oder will, stelle ich erneut erstaunt fest, dass es schon immer so war. Nur dass es in den letzten Jahren noch mehr wurde. Und wie mir scheint, von allein nicht aus meinem Leben verschwinden wird.

So werde ich nach und nach älter und warte irgendwie noch immer auf die Initialzündung, die ich nur im Gefühl erahnen, jedoch keineswegs beschreiben kann. Mit Weltfrieden ist da auch nicht viel zu machen. Und genau da beginnt auch die nächste Dekonstruktion: Deutschland wird in den nächsten Jahren seine Regierungen wählen und die bisherigen, aufatmungsknappen Bestandsergebnisse sind mehr als in Gefahr. Die Landesverbände Ost des Paritätischen sehen in der Videokonferenz ratlos aus, die Umfragewerte bei den mehr als rechten Parteien sind erschreckend hoch und die Folgen auszumalen. Wenn uns der Westen da nicht raushaut, werden wir eine Hasstiradenpartei ohne Konstrukt und Plan in den Entscheidungsgremien - zumindest in den Landesregierungen haben. Es dürfte zu Abschiebungen kommen, ganze Sozialsysteme könnten dekonstruiert und bspw. auch Sozialverbände zugemacht werden. Damit bin ich auch schon beim Punkt. Bei meinem persönlichen.

Was'n dann? Nun habe ich mich gerade erst aus den dämlichen Dogmen befreit und bin in einem weichen Kuschelfell gelandet, welches mir so viele Streichelfreiheiten gibt, die ich bereitwillig in vollen Züge auskoste - und schon läuft es Gefahr ... naja, für die Auflösung eines 100 Jahre alten Sozialverbandes braucht es vielleicht ein bisschen mehr Anstrengung und die Informationslage ist mittlerweile mit der aus den 30er Jahren nicht mehr zu vergleichen; da werden andere Mechanismen entstehen und herhalten müssen; allerdings hat die Geschichte gezeigt, dass nahezu alles möglich ist.

Nur ich fühle mich manchmal unmöglich. Zumal ich kaum glaubhaft geradeaus denken kann und ich mich in des Zufalls seichter Sänfte träge wiegen lasse.

Vergeben und vergessen

Im Augenblick der großen Unklarheit, Unsicherheit, Müdigkeit und der Gewissheit, dass der Plan nach Hause sich ändern muss und wird … durchzieht ein furchtsam Schleier das Gebälk von Mut und Zuversicht.
Das alles wird vergeben und vergessen sein, noch ehe Judas drei mal kräht. Bis dahin jedoch sei vermerkt, dass diese gefühlte Hilflosigkeit alles andere als charmant ist und eine chaotische Spur sich beständig abwechselnder Zustände, Bewertungen, sogar Schwindel und trostlose See tief in jenes Bewusstsein gräbt, das diesen Zustand in kurzer Zeit längst überwunden haben wird.

Rundwuchtige Unsummen

Das zusammenzufassen oder zu sortieren, scheint mir aussichtslos. Ist es schlimm? Naja, wahrscheinlich nicht. Ist es wie immer? Ja. Möchtest du es anders haben? Ja. Und wie? Tja, da liegt der Hund begraben. Ich weiß es nicht.
Menschen auf Schiffen und in Städten fallen mir schnell zur Last und ich wär so gern allein am Meer. Wo es mir dann jedoch schnell langweilig wird. Am besten sind immer die Reisen zum jeweiligen Ort des Geschehens.

Kawa

Du hast soviel Spaß, Trost und Energie in dir
und trotz der ständigen Entladungen
im eisigen Leben kannst du
von alledem noch etwas geben.

Soviel Gleichnis bei Aufruhr und Stille
bei Freuden über den kleinen Reim
Lachen über scheinbar Nichtiges
Erkennen eines kleinen Schatzes schon im Keim.

Dieselbe Sicht, das gleiche Wort
Staunen über etwas Vorbeihuschendes
Du machst den Alltag zur Wundertüte
lass die anderen im Mief - und fort.

Danke Dir!
Tom Kawa
21.2.1995
wäre in sechs Tagen 54 Jahre alt geworden.

Pfingstlos 24

Der Dauerkater drückt mir auf die Brust bis zum Hals, die Lust- und Tatenlosigkeit sind enorm, die Reformer Couch bleibt weiterhin Dauerasyl, es passiert nicht viel. Der Pool ist jetzt da. Immerhin. Der Rest ist Einkaufen, Saubermachen, Essen kochen, Wein trinken. Tobi bleibt vernünftig - ich trinke den Rest aus. Einst war Reform die temporäre Heil- oder zumindest Besserungsanstalt; das vermag sie nun auch nicht mehr.

Jetzt ist Pfingstsonntag, Tobi hat morgen Dienst und ich habe mir wie so oft 'irgendwas' Schönes für morgen vorgenommen. Laufen? Radfahren, Drohne fliegen und nachmittag mit Daniel in Salbke Bluenote-Bänke lasieren und für den Sommer fit streichen. Derweil habe ich mich wider besseren Wissens mit Wein eingedeckt.

Sollte das Ganze Rumsaufen als eine Art Experiment gedacht gewesen sein, muss das abgebrochen werden. Das erwähne ich hier nicht zum ersten Mal. Die Stimmung schwankt, der Wille ist schwach oder weg; zudem wird es peinlich und die Ausreden beim Paritätischen mit Heuschnupfen und Westfriedhofwassertrinken machen mir zwar deutlich, wie kreativ ich immerhin dabei (und auch bei den Dingen, die ich immerhin dort anbieten und damit die Leute ins freudiges Erstaunen setzen kann) noch bin - aber das hat keinerlei Aussicht auf Zukunft. Derweil knirschen die Zähne, auf denen ich sehr verkrampft herumkaue.

Ich kann keine Termine mehr machen, weil ich fürchte, sie nicht einhalten zu können; ich sehe manchmal die einzige Lösung darin, sofort ins Bett zu gehen - und sei es um 20:00 Uhr. Ich habe furchtbare Angst, dass meine Eltern oder auch nur einer von beiden sterben könnte; auch habe ich Angst vor den Tendenzen in unserer Gesellschaft und der Dummheit der Menschen - mich eingeschlossen, mit denen - glaubt man den Abbildungen in den sozialen Medien oder auf der Straße bei entsprechenden Demos - kein Staat zu machen sein wird. Mein vage beschriebenes und nicht greifbares Gefühl, wie so ein Leben mit Leuten und Liebe für mich und die, die da mitmachen könnten, aussehen könnte, bringt mich auch keinen Schritt näher an eine Plan- und Handlungsidee zur Erlangung so eines optimalen Zustandes.

Die Gegenangst der Alkoholentsagung ist die selbe Ausrede, nur andersrum: Dass ich in diesem Leben nicht sonderlich weiter komme, weiterhin allein will und nicht kann und aber auch zusammen will und es auch nicht kann und damit hier immer das Gleiche schreiben muss. "Alles anders" wie Auswandern und den schönen Dingen im TV hinterherromantisieren fällt mir wegen Realitätsferne auch nicht ein und die Lust ist los, sich einen neuen Freund zu suchen. Vielleicht sollte ich mich bewerben.

Lose Wurst

Dass diesem spätabendlichen Eintrag zuvor viel Wein anheim gelegt wurde, mag ersichtlich, aber nicht verwunderlich sein. Ärgerlich allemal. Wie immer. Und wie so oft danach will mir partout nichts ein- oder gefallen, was denn anzufangen wäre ab jetzt. Die Spirale bildet sich aus der langen Sicht auf die Dinge, die ich nicht in Gedanken zu fassen weiss. 'Ich hänge lose in der Zeit' hat Tamara Danz gesungen. Die hatte allen Grund mit Blick auf ihr Ende. Ich habe diesen Blick bisher nur in geheimer Furcht vor der Trostlosigkeit und kann das gesamte Konstrukt auch kaum mehr in Worte fassen. Derweil scheine ich mich hoffnungslos zu vergeuden mit all meinem Leben, meinen Möglichkeiten, meinen massiven Wirrungen.

Es klein anzufangen einzukreisen und aufzuräumen ohne jeglichen Alkohol wäre ein erster Schritt. Seit langem ist alles nur Couch, Vermeidung, einhergehend mit Unzufriedenheit. Es langweilt mich so sehr vieles. Der, der zusammen, gemeinsam will, der allein will (und beides nicht kann), der nicht weiss, was er will, der nicht kann, nur daß ich weiss, wie mühselig und übel das alles jeweils und zusammen ist. Auch ein Wohnmobil wird uns nach einer möglichen, anfänglichen Euphorie nicht viel weiter bringen. NYC und Miami im Dezember sind fast schon Mühe statt Freude. Der Rest ist sauber machen und Gießen (sorry Tobi) oder meinungs- wie tatenlos im heimischen Weinhaus präkaputt für den nächsten Tag machen.

Ich genieße nur den Wein, jeder andere Genuss bleibt sehr oft außen vor. Vorfreude aufs Bluenote (der Leute wegen) verfliegt wie damals beim Barfly recht schnell. Die Bluesjackets - die genau JETZT auf die Minute 30 Jahre geworden sind / wären, waren gewiss noch eine Zeit der Erlebnisse in unseren 20ern. Welche am Ende immer im Alkohol strandeten, aber immerhin viel gemeinsamen Stoff zum Erzählen für später einbrachten. Vage Illusionen wie Nächte an Stränden ohne Fragen nach Sinn oder Radtouren in die Mongolei, berühmt werden, Handstand üben oder Dinge, die ich nur aus Filmen oder Liedern kenne, scheinen allesamt haltlos, imaginäres Glückszeug. Wenn alles so bleibt wie jetzt, besteht alles aus irgendwelchem Arbeiten, Geld haben, irgendwas kaufen, Ski- und sonstwohin fahren und ab und zu Leute auf Feierlichkeiten treffen, deren Gesellschaft mir eher not- und aufwendig als wirklich erfreulich scheint. Mir scheint da etwas viel Tieferes zu unbehagen, wenn ich darüber nachdenke, dass sehr viele derlei Unternehmungen im Alkohol enden.

Die lose Wurst (ich) langweilt und fürchtet sich, kein re:new, kein Update aufzuspielen, um die lethargischen Löcher zu verlassen. 'Wohin auch?' lautet einer meiner Songs. 'Versucht und versagt und kein Ziel weit und breit'. Das einzige Jeskom-Album aus 2011 bringt in seinen 12+1 Songs inhaltlich nahezu alles zusammen, was mich bis heute umtreibt. (Jana Fechner bezeichnete meine vorgetragenen Texte damals auf der Gitarre in der gemeinsamen Bude der frischen Liebe von Katrin Gellrich und Tobias Körner als sehr bedenklich. [Ich sollte mir das nochmal anhören oder nachlesen]). Und es wird sachte, aber deutlich knapper. Was denn nun? Ich bin tatsächlich ratlos. Mit Ausnahme des Alkoholstopps - der deutlichen Vorsprung schaffen kann. Aber wohin dann springen? Meine Erfahrungen helfen mir da nicht besonders.

Mir scheint so manches Mal das Leben zu schwer, zu kompliziert, zu heillos zu durcheinander. Liebe zum Leben generiert sich für mich am besten durch Motivation. Mit Hilfe von Leidenschaft, Beständigkeit ... naja: und so weiter. Es ist alles nicht neu und die Versuche der Erklärung hier ähneln sich schon sehr. Und ich bin müde. Zu müde.

Wechseljahreszeit

Der Mai, der blühende Mai ... nicht reingetanzt, eher reingeschwitzt. Seit ein paar Tagen schwitze ich des Nachts. Teilweise wie verrückt, nur ohne Fieber. Und ich träume entsprechend wild drauf los. Die Stories hätte ich gern aufgeschrieben, aber nach den ersten Wehen des jeweils erwachenden Morgens samt mir und dem Nachdunst schwinden wie üblich die Intensität und damit die Erinnerung an diese zum Teil groß angelegten Träume.

Dann beim Laufen in erstmals über 20 Grad habe ich mich sehr in der Temperatur und meiner Kleidung verschätzt und dabei übelst samt Leistungseinbruch verschwitzt. In der folgenden Nacht passives Schwitzen inklusive weiteren Traumromanes. Davor auch schon. Heute beim Krafttraining ebenfalls ungemochte Hitze, die eigentlich noch garkeine ist: 23 Grad oder so. Der Rest des Tages verlief weiterhin schwitzend und während ich Tobi am Abend nur eine kleine Fußmassage verpasse, läuft es bereits wieder aus allen Poren.

Kurzum: Das wäre eine Idee, um Wechseljahre zu beschreiben. Ich wechsele. Aber was? Das Universum? Wäre zumindest eine Idee. Den Sex? Bisher sind nur marginale Effekte einer möglicherweise schwindenden Lust zu verspüren. Nicht eindeutig nachweisbar. Mein Wunschdenken betreffs Frühling24 hatte ich ja bereits geäussert: Bitte langsam! Geht aber nicht: draußen ist alles bereits nach vollendet voller Blüte in sattem, immerhin zumindest noch hellem Grün.

Nächste Woche wird's wieder sachlicher bei 17 Grad und ich wundere mich genau jetzt, was das hier mit dem eigentlichen Grund der Zehnsucht zu tun hat. Das hier sind keine Bastei-Heftchen für Wetterprognosen; aber auch sonst nehme ich mich derzeit nicht all zu ernst, was kurzfristig helfen, aber nichts beschreiben würde, was mich umtreibt.

Die Inhalte bzw. Plots meiner Träume wären hilfreich; jedoch die Idee, es gleich morgens halbwegs Steno-like aufzuschreiben, ist sehr schwierig und müßig. Genau wie ich. In meinen vermeintlichen Wechseljahren. Elon, komm' schon: gib mir einen DreamChip und hinterlege mir in der Cloud eine AI Sequence mit den Pictures und Stories und später vielleicht auch den Erklärungen dafür.

P.S.: Ansonsten gesundheitlich alles bestens. Sagen Weimann, mein Blutbild und Körpergefühl. Immerhin.

Vaters Spruch

Über viele Wochen habe ich meine Eltern nicht gesehen, eine gefühlt sehr lange Zeit. Wenn ich es recht überlege, sehen wir uns nur zum gemeinsamen Essen oder wenn mal jemand Geburtstag hat. Und diese gemeinsamen Geburtstage werden ziemlich selten. Und meinen habe ich auch ausfallen lassen und ich sprach noch davon, dass ich den ja nachholen könne. Da meinte mein Vater, dass wir uns mit solchen Dingen nicht zu lange Zeit lassen sollten, weil man ja nicht weiß, wie lange uns dazu noch Gelegenheit bliebe.

Das sind solche Momente, die mir sehr schnell sehr heftige Gedanken einbringen können. Zumal die ja nicht neu sind und ich große Panik vor dieser Unausweichlichkeit habe. Im Zusammenspiel mit meinen diffusen Labilitäten aufgrund so hohen Alkoholkonsums entsteht so nach und nach ein Gesamtbild, das mich schaudern und mit Blick auf die Zukunft hilflos zurück lässt.

Es bleibt immer länger hell draußen und der Frühling macht eine kurze kalte Pause. Was mich freut, damit mir alles nicht so schnell vorkommt und es nicht so eilig vorbei zu gehen scheint. Ein Gleichnis in Betracht des hier Geschriebenen. Ich fühle mich zu oft zu schwach ohne besondere Aussichten, die uns zur Verfügung stehende und damit gemeinsame Zeit besser, schöner, neugieriger, interessierter und intensiver zu nutzen. Was jetzt nicht gelingt, kann später zu Selbstvorwürfen führen. Ich würde nur gern wissen, was ich wie machen könnte, möchte und daraufhin müsste.

Wie gewonnen.

Kaum belobigt, schon folgt die äußerst zweifelhafte Belohnung in Form mehreren Weines mit anschließendem Desasterfeitag. Vorgestern vorsichtig wegen Elena-Records und gestern dann nach Tobis Abgang kurz nach Null nochmal Desaster und der windige Sonntag bestand bis eben aus enormem Jammern vieler müder Katzen, die mich nun hier zuhause sitzen und schwer denken und schlimm fühlen zu lassen: Denn auf dem Weg hier her überkam mich eine kleine, aber deutliche Panik: Ich muss Bier und im besten Fall etwas Wein zuhause haben. Neinnein, nicht um es auszutrinken, nur um es zu haben. Das vollständige Ende kenne ich bereits während dieses Gedankens. Und das macht mir Bange, weil es mindestens eine psychische Abhängigkeit deutlich beweist. Wenn jetzt dabei noch ein leichtes Zittern käme, wäre alles aus ... bzw. an. #Blaulicht.

Diese Angst ist gut und hoffentlich hilfreich. Denn selbst die Gewissheit, morgen klar sein zu müssen, es aber wahrscheinlich nicht zu können, stellt jedwelche weiteren Ausreden vom Platz ins Aus, aus dem Stadion, aus der Stadt, aus der Welt.

Ein Ziel ist ausser Sicht. Auch das eines Urlaubes im September. Das WIE wäre nicht das Problem, wenn ich wüsste, WAS? Weit weg? Städte? Afrika? Nordpol? Darß & Drewitz? Meitzendorf? Irgendein Interesse? Alles zu anstrengend? Nichts, das mir genügen, mich begeistern könnte? Ach herrjeh, das alles schliesst sich in einem Kreis, dem ich Anspruch abzuringen versuche, es aber nicht schaffe und mich weiter abwärts drehe, bis selbst die Worte zur Beschreibung meines Dilemmas fehlen.

Der Gelang

Ein Tag, der sich viel positiver entwickelte, als ursprünglich angenommen. Vieles ist mir über den Tag in allen Bereichen und gut gelungen und es zog sich bis jetzt hin. Das schien bemerkt zu werden - selbst Marcel meinte im Spaß, meine gute Laune stimme ihn gewissermaßen bedenklich. Hinter soviel freudigem Mut könne durchaus größeres Unheil stecken. Was mich sogleich dazu brachte, über eine Form letztmaligen Aufbäumens nachzudenken, bevor ich adHoc zu Staub zerfalle.

Gut, dass ich auch und endlich mal über die positiven Seiten berichten kann. Gute Aussicht mit besserer Ansicht. Dennoch war eine Flasche Heuriger - grüner Veltliner im Spiel. Je leichter der Wein, desto besser für mich. Noch leichter wäre eine halbe davon und ganz viel besser nur ein Glas.

Comfortably Numb

Ein ganzes Ostern auf dem Darß, mit Rad und Drohne und Tobi. Am Wochenende danach - also jetzt - in Dresden. Mit der Anästhesie-Theater-Clique. Zwei mal Semper-Oper und langsamstes Rumlaufen in den ersten sommerlichen Temperaturen. Jetzt ist es wieder Sonntag und wie so manchmal habe ich ein leicht bedrücktes Gefühl. Woher es kommt, vermag ich nicht zu sagen. Eine allgemeine laue Stimmung, die vielleicht mit den verheissungsvollen Temperaturen und einem sehr vagen Aufbruchsgefühl, zusammen mit ein paar weiteren diffusen Lähmungserscheinungen inklusive einer leichten Müdigkeit zusammenhängt.

Ich glaube, ich mag Opern nicht. Oder ich habe noch nicht die richtige erlebt, die mich zumindest kurz oder ein bisschen berührt. Oder Set & Setting passen nicht. Oder nie. Wenn mich in egal welcher Kunst das Thema, das Spiel, die Bühne, die Spieler, das Licht, die Musik, das Publikum oder sonstwas begeistern oder zumindest berühren, empfinde ich es für mich als immerhin gelungen. Das hat bei Opern bisher nicht, oder nur manchmal zum Ende geklappt. Wobei ich nicht weiss, ob ich dabei das Gesamtwerk oder nur die Freude über dessen Ende gemeint habe.

Wahre Begeisterungsstürme gab es bei mir bisher selten. Ad hoc erinnere ich mich an Deep Purple mit Perfect Strangers in Halle in den 90ern mit Kawa und Thomas Lange und Mandy. Oder Klaus Hoffmann mit seinem Jacques Brel Programm im Schiller Theater Berlin mit Schüssel und Wolfram ++. Gibt ganz bestimmt noch mehr davon in meiner History.

Symphonien halten mich auch nur bedingt bei der Stange. Wenn sie so kurz sind wie die gestrigen in der Semperoper von Max Reger mit Mozart-Varianten und einem anschließenden Don Quijote von Richard Strauss, gehts ganz gut. Und im eleganten Anzug samt Klapperschuhen machen wir echt was her und besonders Tobi ist eine imposante Erscheinung. Ein bisschen Weltduft schnuppern und mich dabei dennoch ein wenig darauf freuen, es auch wieder ausziehen zu können. Vielleicht sollte ich mich daran gewöhnen? Fühlt sich immerhin elegant an, was ich gern ab und an mal sein möchte. Und ziemlich teuer ist das Ganze. Ziemlich dolle sogar. Aber Geld ist ja im Grunde vorhanden und wir sind im last third. Bin es nur nicht gewohnt, für ein kleines Glas Wein neun Euro zu bezahlen. Oder in der Oper fast zwölf. Naja, das hat ja Tobi bezahlt ...

Vielleicht kann ich es damit erklären, dass ich mir nicht erklären kann, womit und worin ich mich denn vollständig wohlfühlen würde. Das große ganze Wohlbefinden ohne Fragen an die Umstände ... der reine wohlige Fluss des einfachen Geschehens - welcher wäre das? "Comfortable Numb" von Pink Floyd scheint mir hier eine vielleicht gut getroffene Erklärung zu geben. Angenehm betäubt - wenn ich es richtig deute, erklärt mir, dass ich die intensiven Energien nicht mehr spüre; dass ich mich in meinem Fall gehen und mit Wein befüllen lasse, statt mich auf das Morgen zu freuen. Und manchmal ist es nur "numb" und nichtmal angenehm.

When the music's over

Viel zu viel scheint hier over zu sein. Overdrunken. Overkill. Over the top of bad things. Jetzt ist es die Musik, von der mir einfällt, dass ich seit tatsächlich Jahren nur Fragmente mit mir herumtrage, die es zu keinem Song bringen. Und 2023 haben wir nichtmal gespielt. So long, and Thank's for all the fish?

Marcus Wiebusch von Kettcar sagt: "Songwriting, das muss man mal klar sagen, auch wenn es vielleicht ein bisschen martialisch klingt, ist ab einem gewissen Punkt für mich eine Qual. Ich bin kein Genie, das einfach so „Sommer ’89“ oder „Der Tag wird kommen“ raushaut. Ich muss mich quälen, ich muss hart überlegen, man geht mit den Gedanken abends ins Bett und wacht morgens damit auf. Und man steht natürlich unter Druck – alle warten. Die Band wartet. Die Fans warten."

Ich warte auch. Und wenn nicht zwischenzeitlich immer mal wieder so ein elementarer Gedanke an meinen plötzlich- und baldigen Tod oder eine übelste Krankheit käme, würde noch weniger in dieser Richtung passieren. Draussen ist es noch immer hell. Jetzt kommt der Rest des Frühlings, bevor es morgen November wird. Dorschi ist heute 60 geworden und Jörg oder Mohi habe ich in diesem Jahr noch nichtmal gesehen. Der Fisch ist gegessen, der Drops gelutscht?

Frühling's over

Die Mischung wird es nicht bleiben können: Abends mindestens die Flasche Wein und am nächsten Tag per - für mich - massivem Laufen oder Rad wie heute alles entschuldigen zu wollen. Der Körper hat hier jeweils zweimal hart zu tun. Und der wird die Reißleine mitsamt jenen Konsequenzen ziehen, die ich bestimmt nicht haben möchte. Denn ich habe schon Alterstraurigkeit, ausfallende Haare, Negativismus und Ödnis in einem fortwährend andauernden Kreislauf. Das morgendliche Gefühl der tiefen Ohnmacht und der absoluten Läuterung mitsamt allen Versprechungen auf sofortige Besserung, auf sofortigen Alkoholstopp ... kann ich nur sehr schwer und nur an solchen Morgenden beschreiben. Das sitzt so ernst so tief und entschlossen, dass ich mir Glauben schenken möchte. Nun ist nach dem Sport nicht gleich vor dem Wein, aber irgendwann kehrt wieder ein besseres Gefühl zurück und verlangt nach dem selben Procedere. Und der Verstand versäuft sich mit, so dass er keinen Einspruch mehr wagt.

Frühling is over: Spätestens wenn ich die ersten zögerlichen Knospen wähne, ist der Gedanke mittlerweile schnell zur Stelle, dass der Frühling und seine hellgrünen Stimmungsmacher so gut wie verblüht seien, auch wenn sie noch garnicht da sind. Wie immer ist es die Vorfreude auf etwas, dass, sobald da, bereits weniger Bestand hat. Auf Wiedersehen sagt sich schnell. Nur eben nicht an den richtigen Stellen.

vom Vakuum

Noch eben habe ich Tobis Leben so beschrieben, als dass aus dem trostlosen Süden nichts weiter als Arbeit & Schlafen zu vermelden sei. Selbstverständlich abgesehen von derlei Ausflügen wie denen der nächsten Tage, wobach wir auf den Darß ins Dorinth fahren und am nächsten Wochenende mit mehreren Leuten nach Dresden in die Semperoper & Co..

Aber darum geht es nicht so sehr im Moment, denn ich wollte beschreiben, wie sehr lustlos ich werde. Der Bus klappert sich Batterie ladend über die Autobahn nach Hause und ich denke, dass es Zeit für einen moderneren Bus wäre, merke aber, dass ich weder motiviert noch vor allem bereit für soviel Geld bin. Die Mär vom Bus ist lange her. Nichts fällt mir ein, das ich mir gern kaufen oder anschaffen oder herstellen möchte. Mir fällt auch nichts ein, wenn es ums Losfahren in ferne Länder oder ins Abenteuer nach nebenan gehen sollte. Das betrifft ebenso das Besuchen von anderen Menschen wie denen der Familie, Freunden, sonstwas. Nichts. Nichtmal für einen Restaurantbesuch auf meinen Geburtstag mit meinen Eltern reicht es. Die konnten mir noch nichtmal in echt gratulieren. Sogar unsere Opernbesuche betrachte ich als eher beiläufig und im Falle der Auflösung als nicht weiter schlimm.

Das kriechende, Fortschritt haltende Alter, gepaart mit vielst zu hohem Alkoholkgebrauch basteln mir ein motivationsarmes Gemüt zusammen, dass sich desinteressiert in einer Art Vakuum selbstgefällig dem Nichts zu überlassen droht.

Ich gehe heute (Saturday-Night) nicht ins Bluenote zur Kubon'schen Bluesband und weiss jetzt schon, dass sich meine Restfreude auf morgen und den ersten Frühjahrsputz in meiner Bude aufgrund weissen Weines verkleinern wird. Ein wenig leide ich an mir selbst, doch es nützt ja nichts, wenn ich mich bei den sich mir bietenden Möglichkeiten dann langweile. Eine schleichende Gewohnheit, nach der am Ende nur noch Arbeit & Schlafen Bestand haben? Oder hat sich mein rasenttheoretisches Leben mit all dem schnellen Überalldenken und seinen Äonen Synapsenkollapsen mittlerweile erschöpft? Wäre zumindest eine Ausrede.

studio54

Und schon ist es so weit. Aus endlich 18 und forever 21 (das es damals noch nicht gab) wurden you are expired 30 und schließlich 42. Nun ist es das studio54, mit dessen damaliger Anrüchigkeit ich nur meine amourösen Gedanken teilen kann. Viel wichtiger hingegen ist der Blick auf das vergangene Jahr, in welchem die negative bis aggressive Stimmung der Menschen weiter stieg, die Demokratie mehr und mehr gefährdet und massive Permanent-Rekorde in den Temperaturen, Trockenperioden bis Dürren, heftigen Fluten, Stürmen und übelste Gletscherschmelzen zu verzeichnen waren; Meeresspiegel und die Zahl der weltweiten Flüchtlinge stiegen, Brände und Kriege in mindestens Ukraine und Gaza wüteten; Idioten wie FCK Putin und der erneut drohende FCK Trump zur Gefährdung unserer Weltordnung inklusive der Möglichkeit des völligen Unterganges der Menschheit beitragen.

Möglicherweise bin ich auch etwas aufmerksamer diesen Dingen gegenüber geworden, andererseits trinke ich aber auch jeden Abend eine Flasche Wein, während ich mich nächsten Tags mit 12-km-Läufen, 50-km-Radtouren und Krafttraining bei mir zu entschuldigen versuche. Oder um nüchtern zu werden. Und die Tage verschwenden sich oft nur so dahin, dass ich kaum hinterherkomme, mir das Besondere an der Zahl 60 auszudenken, bevor auch das plötzlich da ist.

edit: Zum Morgen nach schlafarmer Nacht so viele Kollegen mit Wein, Schokolade, Jahreslos, herzlichen Glückwünschen, Gesängen und Sonne draußen (!) stelle ich fest, dass es durchaus fetzen kann, an eines Morgens Frühe halbwegs klar das Leben zu bemerken. Und jetzt gibts frisches Frühstück mit meinem Tob.

Old men at the market

Zwei alte Männer vor mir im Netto an der Kasse, nachdem sie jeweils die Auswahl ihrer Produkte bedächtig über lange Zeit entschieden haben und an der Kasse nach Kleingeld suchen, um der jungen Kassiererin zu imponieren. Ich sehe mich ganz knapp hinter ihnen, leicht umnebelt und ebenso knapp in der Übersichtlichkeit des eigenen Tuns. Bis (und falls) ich es geschafft habe, den Wein sein zu lassen, werde ich wohl in diesem Zustand deren Alter erreicht haben um ihn dann als legitim deklarieren zu können. Im Westen meines Wesens nichts Neues.

Anke nach acht Jahren

So lange ist das her? Habe mich heute (15.03.24) mit Anke Grünbeck auf einen Walk & Wind-Eis-Beutel an der Elbe getroffen. So lange Zeit. Acht Jahre wahrscheinlich. Weil wir uns auf der Magdeburger Demo Gegen den Rechtsruck zufällig getroffen und daraufhin verabredet hatten. Und das war sehr schön, weil ich feststellte, dass wir im Großen & Ganzen die Selben geblieben sind. Anke mit ein paar wenigen silbrigen Fäden im Haar und ich mit weniger Haar samt Hörgerät. Wie wir so redeten und schlenderten, kam es mir garnicht wie acht Jahre, eher wie acht Wochen, vielleicht Monate vor. Und das war beruhigend schön.

Was ist schön? Fresse!

Ich bemerke knapper werdende Aufmerksamkeitsphasen. Was eben auf dem Rad im Vorbei noch eine Überleg ... weg. Daraus resultiert eine scheinbar wachsende Menge an Informationenseinheiten mit Synapsensprengung und einhergehendem Kontrollverlust samt Unzufriedenheit. Das hat alles mit massivem Alkoholkonsum zu tun, dem ich zutraue, sich aus seiner psychologischen Umarmung per 20:00 Uhr auf den Körper zu verlegen, der dann wahrscheinlich zittern und schreien würde. Schade bei der ganzen Angelegenheit ist, dass aufgrund fehlender Kontrollmöglichkeiten und psychologischer Abhängigkeit nur eine Steigerung dieses problematischen Zustandes ersichtlich wird, dem nur mit Komplettverzicht begegnet werden kann. Alles auf Null.

Herr Doktor, Sie sehen hier die Bridge over troubled water, von welchem nicht klar ist, was genau da troubled. Fresse!

Den Bach runter

Rote Hilfs-Ampel. Leipziger-/ Hellestraße. Gegenüber läuft eine Fußgängerin bei Rot rüber. Kein Verkehr. Außer dem Auto gegenüber, dass gerade Grün bekommt und sich beeilt, so heftig wie möglich die Hupe zu drücken und so schnell es geht, loszufahren. Die Fußgängerin ist längst rüber. Aggression.

Sehr kleines Beispiel, aber deutlich in meiner Wahrnehmung, wie die Menschen spätestens seit Corona miteinander umgehen. Finstere Gesichter, zum Sprung bereit, lautstarke Argumentationen, Drohungen und derlei Gebärden und Beschwerden bis hin zur Gewalt. Entfremdung, Argwohn, Missgunst, Neid, Hass.

Die Gesellschaft verhärtet. Überall. Oder nur in meiner Wahrnehmung? In der Zeitung die Leserbriefe - CMD+Q; in den von Brecht einst geforderten Rückkanälen in den Medien zum großen Teil nur Häme und Hass; generiert aus Unwissenheit, eigener Unzufriedenheit. Wabernde Konfusion. Was wird das?

Das Schlimmste ist, dass ich mich darindabei ertappe, es bei mir selbst oft nicht mehr ausschließen zu können. Ich bin der Sheriff der Radwege, der die in falscher Richtung Fahrenden strafend gefährden möchte. Schade, dass ich keine Hupe habe. Ich sehne mich fürderhin nach einem positiven Geräusch.

///edit: Ich möchte mich im Nachhinein von diesem Artikel ein bisschen distanzieren, weil er im Grunde zwar das beschreibt, was ich auszudrücken versuchte, mir allerdings nicht der vollumfängliche Gedanken- und Wortschatz zur Verfügung stand, da bereits die zweite Flasche Wein geöffnet war. Was das eigentliche Problem bestens beschreibt.

Inventur24

Eine Ansage : Hol' den Hammer raus! : Alles, was ich mir angeschafft habe in der Hoffnung, damit die großen Dinge zu machen, die nie oder bisher nur in kleinen Episoden angefangen wurden und dann liegen blieben. Allein im Bereich Foto, Licht, Audiotechnik ... liegt soviel ungenutztes und damit zum Teil nagelneues Zeug rum.

Dazu die Idee, meine ganz frühen Aufnahmen zu restaurieren. Zwei CDs und ein paar Kassetten liegen da noch und können mit Hilfe der mittlerweile großartigen Technologien aufgefrischt werden. Und wer weiß, was mir dabei und dazu noch alles einfällt. Warum? Wegen der Inspiration, die mir seit Langem abhanden gekommen zu sein scheint. Und ein re:new meiner gesamten Wohnung wäre dabei im Sinne eines Frühjahrsputzes auch nicht schlecht. Die Erfahrung sagt: Das fühlt sich sehr gut an. Und es wird dauern, weil ich mich in Gedanken der Erinnerungen verlieren werde. Und sei es Nostalgie. Aber es verhilft zu frischen Gedanken. Und die sind nötig. Ich schlafe neben den Weingläsern ein.

Die Sterne

Nach den ersten Gläsern etwas für die Zehnsucht schreiben? Geht nicht. Nach dem letzten Glas? Geht und will auch schon längst nicht mehr. Nächsten Tags im wimmernden Zwielicht? Chancenlos wegen groben Unmutes. In klarer Nüchternheit? Was sollte ich da aufschreiben? Aha! Nach dem Contersport - also jetzt - geht's. Was aber auch bloß wenig Sinn macht ob seiner Wiederholungen. Wie gerne würde ich immer alles aufschreiben, was aber recht eintönig werden dürfte. Es wird doch immer nur gemeckert:

Außer Bluenote gibts kaum noch Begegnungen. Auch keine Musik mehr. Wo sind eigentlich Jörg und Jana? Oder besser: Wer? Was macht Kubon außer alles besser als ich? Wo ist Ronald? Kann man mit 57 an Alkohol sterben oder geht das schneller?

Das lässt sich im Moment leicht aufschreiben, denn ich höre seit geraumer Zeit immer mal wieder das wirklich sehr interessante Album "Grandezza" von den Sternen. Das ist alte Musik aus Hamburg, die mir nie aufgefallen war und die ich nur mal auf einem Festival A summers tale fotografiert, aber nie gehört habe.

Aber jetzt. Gute Musik, schöne Stimme und sehr sinnige Texte. Zwar im Zeilenwiederholprinzip und damit aus heutiger Sicht Klischee, aber damals eben nicht. Die Worte von Frank Spilker sind sehr geradeaus und machen mir Lust, es mal wieder selbst zu probieren. Ansonsten wird hier doch nur gemeckert und passieren tut nichts. Außer dass ich mich nach 12 km Rumrennen meiner Endorphine erfreue bis sie unter den Tisch gesoffen werden. So siehts aus, Baby. Ich habe heute leider kein Foto für dich.

Frank Hengstmann

Großes Thema, weil große Geschichte. Auch meine. Opa Erich - Erich Hengstmann war nach Onkel Ingo mein erster Ansprechpartner in Sachen Kunst. Damals Ungefähr 1982/83, als ich nach meiner elendig langen Sport-Karriere im Alter von 12 oder 13 Jahren endlich das fand, was mir gut tat. Und also begab es sich und ich mich auf der Suche nach etwas Besserem und auf Anraten unserer damaligen Gartennachbarn, den Bienerts und derer Tochter Nicole, ins AMO Kulturhaus und wurde dort Mitglied der "Zwiebelchen" - einem Kinderkabarett.

Das ist ein Kapitel, dass ich nicht jetzt, aber gern später im Ganzen aufschreiben möchte und ich kürze es hier ab, als dass es noch immer um Frank Hengstmann, den Sohn von (Opa) Erich geht, der offenbar seinem Scheiss Krebs in Bälde erliegen wird. Auf der Suche nach Erich und Frank Hengstmann fand ich ein Interview der damaligen Reihe der Hochschule Magdeburg-Stendal "Inter-Vista", in welchem Frank Hengstmann vor acht Jahren Folgendes vermerken ließ:

Gibt es irgendetwas, wovor Du Angst hast?
Krank zu werden, ja. Davor habe ich richtig Angst. Ich bin im Januar 60 Jahre geworden. Und toi, toi, toi. Ich rauche, ich trinke mal ein Glas Wein, mal zwei. Ich treibe keinen Sport, Gott sei Dank. Aber ich gehe jeden Tag in die Sauna. Und ich fühle mich gut.

Ich übe mich ja gern im Vergleichen, obwenn das hier ein bisschen fehl am Platz scheint. Jaja. Dennoch habe ich mich vorhin dabei erwischt, meine Lebenszeit von Franks' 68 zu meinen bald 54 runter zu subtrahieren, wonach mir 14 Jahre blieben. Auch wegen des Rauchens und dem Wein. Und ich vermute mich noch schlimmer wegen meiner Mengen und der Häufigkeit. Nicht besonders schlau, ja, ich weiss. Aber ich treibe immerhin Sport. Merkste selber, oder?

edit: Frank Hengstmann ist am 02. Dezember an seinem Fucking Krebs verstorben

Fitness und der VO2max

Insofern man solchen Tests mit einer Armbanduhr und unter Einbeziehung der Stats und der Trainingshistorie Glauben schenken darf, bin ich quasi Spitzensportler. Die Skala reicht von 24-27 (schwach, Tobi) über 37-41 (gut) und ab 47 (excellent).

Quo Pari - Arbeit & Struktur

Seit dem 03. Februar 2020 bin ich also Bestandteil des Paritätischen Sachsen-Anhalt. Ursprünglich als Ersatz für einen Projektflüchtling, dessen Projekt aber aus europäischen Finanzierungsgründen unbedingt bis zum Ende durchgebracht werden musste - bin ich seit 01. August 2021 der "Pressesprecher" des Landesverbandes Sachsen-Anhalt. Großer Titel. Was dahinter?

Das hier soll kein Resumé werden, allenfalls eine Zustandsbeschreibung nach einer montäglichen Beratung, die sich "Stab" nennt. Zusammengefasst: Ich weiß es nicht genau. Manchmal erscheint mir das Konstrukt unseres Landesverbandes (also Dachverband und damit keine direkte soziale Arbeit am Menschen bzw. einer Dienstleistung) zwar durchaus politisch ge/wichtig und die inhaltliche Arbeit der Referate mit ihren Fachinformationen an die Mitgliedsorganisationen ist absolut legitim. Jedoch sehe und erlebe ich auch jene hanebüchen anmutenden und breiigen Konstellationen, die sozialen Einrichtungen wahrscheinlich eigen ist und an die ich mich gewöhnen musste und weiterhin muss. Das ist schwer zu erklären und ich übertreibe das mal so: viele Arbeitskreise mit vielen Worten, viel Aufwand für manchmal wenig Wirkung, eine gewisse Behäbigkeit, Behutsamkeit, Bedächtigkeit gepaart mit dem Willen, es 'nun aber anzugehen', es richtig zu machen, moderner und den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Woraus sich wieder Arbeitskreise bilden können.

Bei der Freiwilligenagentur, bei der ich 2019/20 einen zusätzlichen 10-Stunden-Auffang-Job hatte (Danke Birgit!), lief es im Workflow oft ähnlich und in den Videokonferenzen wurde eher über Feiertage als konkrete Anweisungen samt Ausführungen und derer Ergebnisse sinniert. Vielleicht stimmt das aber auch nicht und ich messe es nur an den mir gestellten Aufgaben. Ich möchte da nicht ungerecht werden und versuche es an meinem persönlichen Beispiel zu beschreiben:

Kaum hatte ich glücklich den Job ergattert, kam Corona vorbei und legte samt der damals etwas nachlässigen, aber führungsrollenbewussten Geschäftsführerin Anja Naumann alles lahm. Was mich auf die Feldwege zum Laufen und Radfahren brachte. Immerhin. Aber auch zum vermehrt benutzten Alkohol. Warum? Weil es ging. Das klingt ein bisschen billig, aber so war's. Und ist es weiterhin. Denn steter Tropfen formt den Deejay. Und das meint nicht nur den Wein, sondern auch mein Tun und Erleben und Begreifen in meinen großen Freiheiten des selbstbestimmten Lebens und Arbeitens. Es ist zu komplex für mich, es fällt mir schwer, es richtig zu beschreiben, was durchaus an genau diesem Tun, Erleben und den steten Tropfen liegen dürfte.

Ich produziere einen kurzen Dok-Film mit sozialpolitischer Attitüde, versehe ihn mit meiner eigenen subtilen Emotion; gewinne die Aufmerksamkeit der Presse und die hohe Anerkennung im Paritätischen. Und alle so: Ooooh! Ich realisiere Geschäftsberichte samt Foto, Grafik, Satz und Druck. Und alle so: Aaaah! Ich baue ein Studio auf, realisiere LIVE-Übertragungen oder Videobotschaften der Geschäftsführenden oder schneide Special-Olympics-Filme zu emotionalen Herzgreiflichkeiten zusammen, kann die Webpräsentation am Leben halten und eine neue konzipieren ... das geht noch ein bisschen so weiter und die staunenden Beifallsbekundungen für mich sind allesamt bis hin zum Vorstand hoch erfreulich.

Dann, bei solchen Stabsbesprechungen wie heute, bemerke ich die folgerichtigen Bedarfe nach mehr Inhalten, Aktionen und weit gestreuter Aufmerksamkeit bspw. im Web und stimme (insbesondere Marcel) zu. Jedoch sind die Vorstellungen von "Live-Interviews mit Moderator im Studio" oder "PodCasts" zwar legitim, machen aber nur Sinn, wenn wir genau wissen, was inhaltlich dabei rauskommen soll und ob oder wie weit wir damit auch Aufmerksamkeit und vor allem Interesse erreichen. DAS wiederum sollte meine Aufgabe sein, der gegenüber ich mich plötzlich fast überfordert sehe, weil ich es einfach nicht mehr gewohnt bin. Steter Tropfen. Genau wie meine persönlichen verwaisten To-Do-Listen fast immer den Haken der Erfüllung missen. Steter Tropfen. Neue Songs werden auch immer nur "angedacht" und suchen beim steten Rumschleppen mittlerweile jahrelang nach sich selbst. Steter Tropfen.

Konsequenzen oder Ärger sind nicht direkt zu erwarten - den Druck mache ich mir erfreulicherweise aber selbst, weil ich mich insofern vernünftig wähne, als dass ich meine Defizite selbst erkenne und der Meinung bin, reell (anständig, echt, ehrlich) sein zu müssen. Das freut mich allerdings.

Den jungen Menschen von Hotel Rimini scheint das nicht unbekannt zu sein:

Und wieder nichts geleistet, wieder nichts getan,
Ich lieg im Bett und leide wie ein toter Schwan
Lecke meine Wunden, die gar keine sind
Drehe meine Runden und leg mich wieder hin
Gib mir Arbeit, gib mir Arbeit und Struktur
Zu viel Freizeit und Ameisen im Flur.

Aber wehe, jetzt kommt einer und sagt: "So, jetzt geht's los!"

Zielkurvenphilosophie

Was hier vielversprechend und positiv betitelt scheint, ist es nicht. Es ist das ganze Gegenteil. Auch eine Philosophie ist es nicht, es ist brutale Realität eines nahenden Unterganges. Mit Zielkurve ist vielmehr das sinnbildliche Ende des Laufes eines Lebens gemeint. Wie kurz zuvor beschrieben "Davon kann man sterben", hat sich das Rennen eher sogar noch verschärft. Auch das Reha-Zentrum Tobi versagt mittlerweile und ich sehe mich jeden Tag einer sehr unsachlichen und instabilen Konstellation meinerselbst gegenüber. Das samstagliche Winckelgassen-Manöver mit Bier, Wodka und anschließendem Wein zog sich bis tief in die Nacht und mir war klar, dass der Sonntag nur ein elendiger Siechtag mit anschließendem Entzug folgen müsste. Tat er auch. Nur ohne Entzug, sondern dem entsetzlichen Gegenteil, so dass ich heute in der Frühe einen gemeinen Schachzug auf dem Server der Parität unternahm, um die Website abzuschießen, damit ich nicht schwer verkatert im Büro auftauchen musste, sondern eher zum Retter des weblichen Universums wurde. Zwischendrin musste ich mich immer wieder hinlegen, da ich mich wie in einer Narkose fühlte. Irgendwann gegen 11 schaffte ich es dann doch noch ins Büro.

Jetzt wird es brenzlig, denn meine Tricks und Machenschaften gelangen in ein grenzwertiges Stadium. Das muss man doch irgendwann merken, oder? Was sich hier wie ein Experiment liest, wie weit ich also versuchsweise gehen und es ausufern lassen könnte, wandelt sich in eine Art gefährliche Gewissheit. Nämlich der, es nicht mehr lassen zu können. Die Flasche öffnet sich ab 20:00 Uhr und dauert samt ihrer Kumpels ungefähr vier Stunden. 'Davon kann man sterben', das glaube ich sehr wohl, denn es fühlt sich so an. Nichtmal Laufen oder Training wollte ich mir heute zumuten. Jetzt muss irgendwas passieren. Was Gutes.

Sonntagsloch

Nach einem durchsessenen Wochenende auf der Reformer Couch und mit Rückblick auf eine sehr weissweinige Woche ist es also wiedermal so weit: Ein etwas trauriges Sonntagsloch tut sich auf und bei "Damals war's" sitze ich nun auf der anderen Couch und traue mir kaum mehr etwas zu. Dazu schürt sich meine Angst, dass ich kaum mehr in der Lage bin, jenem Wein zu entsagen - also es schlichtweg nicht mehr sein lassen zu können, so dass nur die Hoffnung bleibt, den nächsten Morgen nicht zu verkatert auszusehen. Auch auf etwas weiter gefasste Sicht ergibt sich auf Anhieb nichts Gescheites ausser der üblich länger werdenden To-Do-Liste derer Dinge, die ich schon immer mal oder endlich machen wollte. Alles wird geschoben und hat keinen richtigen Reiz.

Nicht mehr viel schieben wird voraussichtlich Frank Hengstmann können, der sich jetzt ins Goldene Buch der Stadt Magdeburg eintragen durfte. Bevor es zu spät ist. Denn er ist kaum mehr zu erkennen mit seiner Krebs-Erkrankung. Ich habe zu ihm Kontakt aufgenommen und wir kommunizierten erstmals intensiver und dabei gleich so viel, wie in den letzten 40 Jahren zusammen nicht.

Kein schönes Beispiel und das sollte mir außerdem zur Mahnung gereichen. Aber wie? Womit? Was nützt es, einem wissentlich nahenden Tod entfliehen zu wollen, wenn ich nicht weiß, womit? In Momenten wie jetzt sehe ich dazu die ganze Weltlage mit meinem Achtelwissen und fühle eine gewisse Aussichtslosigkeit. Nun spielt sogar Krieg eine viel greifbarere Rolle als damals während des kalten Krieges, den wir als Kinder auch nicht kapiert haben.

Mir ist insgesamt ziemlich oft und mit pochendem Herzen ein wenig schwindlig und ich schreibe es der Sauferei und einer sich weiter verengenden Halsschlagader zu. Wohl wissend, wie, und auch hier schon sehr oft beschrieben, könnte ich zumindest meine Stimmung mit einer gewissen Disziplin wieder aufhellen; doch ebenso deutlich sind die massiven Rückfälle der vielen Jahre zuvor. So eine Ziellosigkeit kann auf Dauer zermürben. Vielleicht habe ich auch einfach ein bisschen zu viel Geld bzw. keine wirtschaftlichen Sorgen mehr, womit also auch diese Säule des pflichtigen Selbsterhaltes weggebrochen ist. Naja, an diesen Kragen ging es mir dessenthalben eigentlich nie so richtig - ich habe es immer verstanden, so zu wirtschaften, dass ich klar kam und sogar Reserven hatte. Sparen auf Gewohnheit. Wozu auch schicke neue Busse kaufen, mit denen ich nicht um die Welt fahre? Scheinwunschkonsum gepaart mit Zielarmut schien mir zu offensichtlich und in der Vorahnung immer schon zu karg dafür.

(Nachtrag: 23.11.2025, weil ich zufällig diesen Beitrag hier lese: Genau so könnte / kann / muss ich es noch heute wieder aufschreiben. Mit Ausnahme des Busses, den ich mir trotz der Zielarmut im November 2024 gekauft habe.)

Davon kann man sterben.

Und ich wüsste auch schon, wie. Diese Woche war kein Experiment, es geschah alles von allein. Demzufolge dräut sich alles in mir - ein Permanent-Hangover, der ein bisschen nach Tod schmeckt. Sitze ich also am Tisch und ertaste meine linke Halsschlagader, kann es sehr schnell gehen, dass wegen Sauerstoffmangel im Gehirn eine Bewusstlosigkeit droht. Und so fühlt sich das dann auch ohne Pulsader abzudrücken an. Und gefährlich dazu. In solchen Momenten muss ich mich innerlich gerade hinsetzen und alls auf Anfang und Normal setzen, weil ich anderenfalls befürchte, in diesen Sog hingerissen zu werden, der dann mindestens mit Bewusstlosigkeit oder dem Tod endet.

Nun sagt man dem Menschen zwar nach, dass er viel aushält, aber ich würde nicht drauf wetten. So also ließe sich bestimmt sterben. Einzige Soforthilfe ist der Sport. So wie gerade das Krafttraining. Endorphine tralala und dann gehts in bessere Aussichten, da ab heute betreutes Trinken gilt. Aber auch nur bis Sonntag. Damals waren die Wochenenden versoffen, jetzt - nee, andersrum ist es auch nicht; es ist alles versoffen. Ich muss das los werden. Bin aber auch schon zu weit drin, als dass ich mir ein vernünftig-schönes Ziel formulieren könnte, dem ich freudig nacheifern kann. Niveau on low Budget Base.

Auch davon kann man sterben und ich weiss ja nun auch, wie.

Wochentagebuch eines Trinkers

Faktencheck: Samstag beim Einkaufen für Tobi und mich und die kommende Woche im Norma dazu zwei Flaschen diesen relativ leichten (11%) Weiß-Weines gekauft und im Bus belassen. Für später. Für mich. Und Tobi hat es nebenbei kommentiert, in der Ahnung, dass ich das genau so das gemacht haben könnte. Ja, er kennt mich ziemlich gut. Am Mittwoch fuhr ich (siehe vorherigen Beitrag) dreiviertelbetrunken durch die Gegend und danach wieder in diesen Norma, um 10 weitere Flaschen diesen Weines zu kaufen. Zehn! "Haben ist besser als brauchen" stimmt nicht. Es ist mittlerweile immer "brauchen". Also habe ich seit Sonntag bis heute - Donnerstag - im Durchschnitt ungefähr jeden Tag eine Flasche Greevensteiner Bier und ein bis zwei Literflaschen jenen Weines getrunken. Und dabei jeweils 10 Zigaretten geraucht.

Chronik einer Besoffnis

Es ist mir fast ein bisschen peinlich und ich brauchte vier Anläufe, um es jetzt doch zusammenzufassen. Im Fernsehen läuft eine Doku über einen Tatortreiniger ohne Tatort, welcher Wohnungen von Verstorbenen aufräumt. Im Osten. Authentisch. Scheint's mir. Ich bin derweil sehr mit Weißwein angefüllt. So wie gestern. Und vorgestern. Wie üblich Entschuldigungssport mittels Krafttraining und Laufen. Heute allerdings gings nicht mehr. Kraft und Wille versagten mir ... (Worte fehlen wegen Betrunknis).

Und dann bin ich heute tagsüber mit meinem Bus auf der Autobahn rund um Magdeburg gefahren, um den Bus aufzuwärmen und die Batterie zu füllen. Und um Wein zu kaufen. Au warte. Und das war knifflig, denn meine Konzentration war wie ich selbst schwach und ich hatte zwischendrin Angst, ob ich das auf der Autobahn überstehe und hoffentlich bei 120 Km/h keinen Unfall baue.

Am Nachmittag Laufen. Schon wieder. Gestern 10, heute 12 Km. Mit heftigem Versagen heute ab der Hälfte. Es ging einfach nicht mehr. Später dann die Versuchs-Vorstellung, wie es denn jetzt mit einem Bier wäre. Oder einer Zigarette. Beides mit deutlichem Nein. (Wegen Feststellung, ob ich bereits am Tag Alkohol benötige und damit ein noch deutlicherer Alkoholiker wäre) Gelang bis um 8. Vorher noch ein bisschen Arbeit am Tobi-Tisch mit der Idee, mal meine Halsschlagader anzudrücken, dabei merkwürdigerweise keinen Puls zu spüren und innerhalb weniger Sekunden wegen fehlender Blutversorgung im Kopf fast abzuklappen. Kurze Panik. So schnell geht das? Oder sind es die Ablagerungen darin, die sowas so schnell ermöglichen? "Drück' auf den Knopf links am Hals und du bist weg."

Jetzt - gegen Null Uhr ist es so, dass ich also ein sehr durstiges Bier trank und danach sachte mit Wein begann. Oh - jener Wein, den ich auf meiner Bustour am Ende vom Norma in der Menge von 10 Flaschen (haben ist besser als brauchen ... aber brauchen wiegt mehr) kaufte und am Abend also begonnen habe, zu trinken,. Ausrede ist: Er hat nur 11% und ist damit eine Art Mädchenabend-Wein. Mag cool sein, aber nicht, wenn man wie ich 1,5 Flaschen davon trinkt. Es handelt sich um Literflaschen. Und auch jetzt habe ich also eine Flasche Bier, eine halbe und ein eine ganze Flasche jenen Weines getrunken und dumm im Web nach irgendwas Interessantem gesucht und nicht gefunden.

Und weil mich das Schreiben dieses Textes doch ein bisschen angestrengt hat, genehme ich mir noch ein kleines Glas aus der extra und zusätzlich tiefgekühlten weiteren Flasche jenes bill'gen weißen Weins und weiss, dass es morgen mal wieder nicht gut um mich stehen wird. Sogar garnicht gut. Aber mein Job lässt das offensichtlich irgendwie zu. So viel Freiheit - ungenutzt.

Es war zu erahnen und es ist genau so passiert. Im Grunde bräuchte ich ab 20:00 Uhr eine Betäubung, die mich ins Bett bringt, damit so ein Besoffnis nicht passiert. Hui, da bin ich aber froh, das Ding hier hier noch einigermaßen verfasst haben zu können. Knapp.

Zusammengefasst: Gestern (egal welchen Datums) zuviel von jenem Wein gesoffen, heute platt und Home-Office angemeldet, 12 KM laufen fürs Klarwerden versucht & versagt, Abends 3 Eier auf Zwiebel und Knäcke, danach Walnüsse, gegen 20:00 Uhr ein sehr durstiges Bier, anschließend jenen Weißwein ohne wirklichen Durst darauf probiert, dann aber fortgesetzt. Jetzt ist es 00:30 Uhr und es sind ca. 1,5+ Liter Wein geworden und ich habe an diesen Abend keine großartigen Erinnerungen.

Lauf, Junge, lauf

Die ersten kleinen Knospen an den Bäumen zeigen sich für den nahenden Frühling gewappnet. Es ist erst der 6. Februar und doch schon wünsche ich mir eine Verlangsamung der Zeit, damit das mittlerweile über 50 Jahre gewohnte Procedere nicht so schnell vorbei geht. Denn das tut es: Alles schon so oft erlebt, alles größtenteils im gleichen Schritt & Tritt mit kleiner werdenden Groß-Ereignissen, wenigen Besonderheiten und einer Präferenz für den Einzug haltenden Frühling. Weil ich sowas wie dänisches Wetter mag: Sonne schon warm, aber noch frisch und alles regt sich und wendet sich Neuem zu. Wie ein Osterspaziergang, den ich gern mit angenehmen, liebenden Menschen absolvieren möchte. Aufbruch! Besser machen! Wenn es zum Beginn der Simpsons kurz nach Sechs nicht mehr dunkel draußen ist, dann ist es soweit. Und dann geht alles ganz schnell und das erste zarte Grün färbt sich alsbald dunkelgrün, dann goldig und fällt dann wieder matschnass zu Boden.

Die Jahre vergehen und ich mache mir von Zeit zu Zeit Sorgen, ob ich mir genügend Gelegenheiten der Freude verschaffe; der Erlebnisse, Erfahrungen, dem Neuen ... oder ob es sich irgendwie beliebig dahinschlingert in der Hoffnung, von größeren Schicksalsschlägen verschont zu bleiben. Was illusorisch ist.

Die Schwarzen Fahnen sind vom Wind zerrissen und mir gereicht das als längst erkanntes Gleichnis meines unsteten Seins, dem ich mangels gekonnter Symbiose aus Willen und Verstand oft zu wenig entgegensetzen kann. Hinter einer dieser verschlossenen Türen trinkt der Sensenmann den Wein bei Kerzenlicht. Womöglich bin ich ja selbst der Sensenmann. Der immerhin mit Sport wie Krafttraining und Laufen und ab Frühling Radfahren versucht, wenigstens körperlich eine gesunde Grundlage zu schaffen, damit Körper und Geist irgendwann in eine funktionierende WG ziehen können. Lauf, Junge, lauf!

Vom grünen Licht

Es ist eigentlich mehr warm-gelb, aber ich mag es so wie das grüne Licht, von dem Wenzel so schwer zu heilen war. Ein sanftes Licht, das sich stillschweigend zum rechten Zeitpunkt einschaltet und mich geleitet auf die Toilette, in das morgendliche Bad, während draußen die dunkle Winternacht den Tag warten lässt. Es ist friedlich. Und das ist so sehr gut, dass ich nicht umhin komme, dieses Licht so sehr zu mögen. Weil es mich beruhigt. Sogar sinnbildlich.

So eines Lichtes in mir sollte ich mich vergewissern können, wenn ich mich mal wieder öffentlich "empört" zeige, so dass alle Welt ob der mir widerfahrenden Ungerechtigkeit das Recht natürlich sofort meiner armen Kreatur beipflichtet. Habe ich bestimmt von meiner Mutter. Und Tobi sagt mir das auch immer mal gern, wenn ich so bin. Was wichtig ist; denn was soll dieses Theater denn? Fühle ich mich dadurch befreiter? Diese meine Ein- und Vorstellung, dass man mich ganz bestimmt beobachtet, ist so uralt wie sinnlos. Was für ein Theater. Und ich bediene es immerfort, in dem ich meine Verhaltensmuster darauf anpasse. Aber - siehe hier irgendwo: "Nein, es guckt keiner." (Page-Titel: Verzerrte Wahrnehmung) das ist so ein altern Hut.

Alta Badia war schön: viel unterwegs, auch viel Sonne, viel müde bereits vor 23 Uhr. Ein schönes Müde. Und vor allem ohne Nervereien und Meckereien meinerseits. Das erscheint mir mittlerweile wichtig zu erwähnen. Ein schleichender Prozess. Auch Kunze (HRK) im AMO vor zwei Tagen scheint mürrischer, pessimistischer und macht seine Musik dazu immer langsamer, fast schon etwas träge und längst nicht so wie auf dem Album. Er rettet es durch eine Best-Hits-Show gegen Ende, aber so richtig Fahrt nimmt er nicht mehr auf und mich nicht mehr mit. Ist aber nicht schlimm. Schlimm wäre, wenn sich meine Vermutung bestätigen würde, dass meinerseits sämtliches Geschehen nur noch einer Bewertung unterzogen wird und es nur in den allerseltensten Fällen ein positives Resümee gibt. Der zornige / grimmige alte Mann.

Ganz allgemein stelle ich erneut fest, dass solche Tage, die ich aufgrund von Terminen früh und nüchtern beginne, mir sehr gut tun, mir gelingen, mich (und damit auch andere) erfreuen und mir eine bessere Sicht auf mein Dasein ermöglichen. Merkste selber, wa?

Rosenkohl und Stoßgebete

Nichts, was neu wäre. Ich laufe um mein Leben. Gebt mir "Arbeit & Struktur" - ein Buch und jetzt auch von Hotel Rimini besungen. Letzterem schließe ich mich an. Ich verloddere offensichtlich, wenn die Leinen lose sind und ich mir selbst überlassen bin. Nahezu alle Freiheiten und Möglichkeiten liegen ausgebreitet vor mir; je mehr Freiheit, desto mehr Muße. Was heissen könnte, das meine ureigene Intention genau darauf zielt. Es ist aber nicht gut. Und das ist nicht nur zu spüren, sondern mittlerweile ganz sicher auch zu sehen. mein Niveau sinkt in allen Abteilungen: Ich höre schlechter, sehe weniger, die Haare werden dünn und gehen aus, die Konzentration hat weder Eile noch Ziel, mein Brachland mitsamt dem materiellen Vorrat würde mich als jungen Menschen ob der Möglichkeiten sehr begeistern.

Draussen wütet der dreckige rechte Müll und die Menschen sind unzufrieden. Mit und bei allem, was irgendwie geht. Und man wird unsachlich, dumm, bisweilen dreist sogar und kräht und meckert in einer Haudrauf-Mentalität, dass es mir Angst macht. Weil ich zuweilen auch manchmal so fühle. Nur dass ich meine Unzufriedenheit selbst verursache, davon weiss und keinen dafür verantwortlich machen kann, darf, sollte. Oder nutze ich nur die falschen Kanäle und Umgebungen?

Ich sehne mich mal wieder und immer wieder und immer noch nach einem positiven Geräusch.

Was zu erwarten war und wird

Ich ahne üble Strafe für mein liederliches Verhalten. Allerdings nicht im sträflichen Sinne einer pädagogischen Maßnahme, sondern als ein endgültiges Ergebnis. Bauchspeicheldrüsenkrebs zum Beispiel. Oder Lungenkrebs. Irgendwas mit Krebs. Oder eine handfeste Störung im Herz-Kreislauf-System. Falls das alles nichts fruchtet, dann ein schwerer Verkehrsunfall. Mit allseits schwerwiegenden Folgen bzw. meinem Ende.

Das rührt wahrscheinlich aus meiner "Erziehung" und der Wertegenerierung, wonach unlauteterem Verhalten umgehend die Strafe auf dem Fuße zu folgen hat - oder irgendeine Gerechtigkeit bzw. logische Schlussfolge unausweichlich wird. Das Gute siegt, das Böse wird zweifelsohne untergehen.

Und jeder Morgen, an dem ich so aufwache wie heute trägt zum Strafmaß bzw. den zu erwartenden Konsequenzen bei. Dann sehe ich die Todesannoncen in der Zeitung und errechne der Verstorbenen Alter, vergleiche mich, erspinne Hintergrundgeschichten und wann ich wohl in der ausgeprägten Gefahrenzone ankomme. Parallel kommen Gedanken an die Ungleichverteilung, wonach die Gesündesten durchaus frühzeitig versterben können, während die Ruchlosen übelst alt werden. Das ist weder romantisch noch sonstwie sinnreich.

Die Rechnung mit den Risikofaktoren, der eigenen (sozialen, emotionalen, psychischen) Aufstellung, meiner Umgebung und der unklaren Terme ist dennoch eine sehr einfache; allein mir fehlt der Wille, mich auf etwas zu freuen, dessenthalben ich alkoholarm und frühzeitig zu Bett ginge, um einem Sonntag wie dem heutigen voller Taten- und Erlebnisdrang alles abzuverleben. Zu erleben und zu tun gäbe es viel, doch wo ist die Freude darauf? Das ist das Problem. Dieses Jahr hier wird wird die Vollendung meines 54. annonciert. Und gefühlt bewegt sich der rote Zeiger bei Weitem nicht mehr in Nähe der Mitte der Skala.

P.S.: Junge, das kann ja auch nichts werden mit dem Willen, mit den Ideen, mit der Lust, wenn du permanent Panne bist. Und das geht auch nicht mit zweidrei Tagen Pause. Es bedarf der Klarheit und einer gekonnten Überlegung, wohin, mit wem und dir. "Der allein will und nicht kann" ist nur die halbe Wahrheit. Das ließe sich auch umkehren. Und auch dann taugt es lange nicht für eine Ausrede. Bedenklich ist nur, dass diese Zu- und Umstände schon so lange währen. Auch die während der alkoholarmen Zeiten. Das WIND-Album in den Texten durchzuhören oder zu -lesen wäre durchaus Teil einer persönlichen Reha, da wurde Vieles auf den Punkt gebracht.

Womöglich wurde dein Leben auch von so vielen Enttäuschungen, die du (nicht) erfolgreich überspielt hast, geprägt. Und nun kommen die Einzelquittungen zusammen und raufen dir die Kraft.

Finale 23

Na, mal sehen. Selbst Grönemeyer auf 3sat hat mich ob der wogenden Menge sehr vieler singender Menschen schon bewegt. Was ist nur dran am Ende eines Jahres, dass sich das ganz tief im Innern hockende Dingchen mit aller Hoffnung aller Welt bewaffnet und solche Menschen wie mich anknabbern möchte? Edit: Hat es am Ende dann aber doch nicht.

Ich wünsche mir Gelassenheit, Gleichmut und eine entspannte Sicht auf jene scheinbar negativen, zahnbeissenden Situationen, die andere bei mir auslösen und die so oft überhaupt nicht nötig sind, weil sie zudem nichts ändern. Und die ich zuweilen ja auch bei mir selbst beobachte und entsprechend auslöse, nahezu herbeiführe. Teufelskreisbezirksvorsitzender. Das bin ich. Will ich aber nicht mehr sein.

Zusammengefasst: "Ich kann nicht meckern", also sollte ich es auch lassen. Keine Beschwerden, keine impulsive, grimmige Meckereien, Wertungen und haltlose Argumente gegenüber Menschen und Situationen. Sicher ist nicht alles immer schön und richtig, aber in meinem derzeitigen Zustand gerät sehr Vieles in Gefahr, mir zur Falle, zum Eigentor zu gereichen. In 2023 sprach mich Anja Schaubs mal im Bluenote scharf an, ich solle sie nicht wie ein "Dummchen" behandeln. Das steht hier glaube ich auch irgendwo geschrieben. Dabei fielen mir sogar einige Menschen ein, die ich sehr ungerecht, abwertend und schlichtweg gemein behandelt hatte. Das hat mich getroffen und seitdem achte ich sehr darauf, Anderen gegenüber anständig zu sein. Auch wenn mir deren Handlungen oder Worte möglicherweise manchmal fragwürdig erscheinen mögen, habe ich doch nicht das Recht, sie abwertend zu behandeln. (Es sei denn, es handelt sich um vollständige Idioten.) So war ich doch bisher auch nicht - also müssen ja solche Verhaltensweisen wie auch die der Meckerei irgendwoher kommen. Dabei erinnere ich mich, als Kind wie auch als Jugendlicher immer sehr zuvorkommend und höflich gewesen zu sein. Was also ist da passiert? Und wann? Und warum? Zumindest ist diese Erkenntnis keine neue. Und auch das steht hier schon mehrfach beschrieben.

Die Nachwirkung von Alkohol verstärkt diese schlechte Stimmung mit meinen noch schlechteren Re-/Aktionen. Den Alkohol wegzulassen ist auf jeden Fall die erste Option. Aber das ist nur die Medizin - die Ursache muss ja irgendwo ausfindig zu machen sein. Mir scheint's mein ewig selbes Leid zu sein, das längst schon erörtert, aber noch nie mit einer Idee der Lösung versehen wurde. Manchmal vermute ich schlichtweg Dummheit. Oder freundlicher: Die fehlende Fähigkeit, eine Problemlage sachlich (also objektiv) von außen zu beobachten, einzuschätzen, darin mich und meine möglichen Handlungsfelder zu erkennen und daraufhin Pläne zu schmieden und sie auch umzusetzen. Hui, das war's!

Beliebige Beleidigungen

Bei meinen eben absolvierten 12,34 Kilometern Laufen fiel mir was auf und ein: Ich sollte kurz beiseite treten und mich aufs Gründlichste beleidigen, weil ich mich nicht wehren kann und es ertragen muss. Und weil es viel deutlicher als vorsichtige Umschreibung des Wesentlichen ist.

  1. du grimmiger, alter Mann
  2. du bist genau wie die, die du wegen ihrer fragwürdigen Ansichten verurteilst und machst sie zudem für dein „Unglück“ verantwortlich
  3. du willst gern irgendwie anders, besser sein, bist es damit aber um kein Haar
  4. du talentierter Lallo und Synapsenloser
  5. du bist ein spätschwuler Frühestmerker
  6. du bist ein enorm feiger Schisser, hast Angst vor fast allem und derer Konsequenzen
  7. und traust dir dadurch nichts zu
  8. du fühlst genau, was eigentlich los und real ist, bist aber Meister im Vertuschen und Umdeuten, so dass die knallharte Lüge zu deiner Wahrheit wird
  9. du bist oft voller Neid auf das, was andere haben - du aber nicht brauchst
  10. du bist eifersüchtig auf die, die machen, was du längst schon machen wolltest - es aber nicht zu können scheinst, weil du es nicht anfängst
  11. du regst dich auf, schimpfst, lamentierst, beschwerst dich, wirst ungerecht, vorverurteilst, wirst geradezu gemein, wenn du so Scheisse drauf bist wie du manchmal drauf bist
  12. du weißt, dass deine spätabendlichen Alkoholmassen genau diese Stimmungen nächsten Tags enorm verstärken
  13. du säufst trotzdem weiter in der wissentlich unwirklichen Hoffnung, dass alles irgendwie von allein ins Lot kommt
  14. du machst das alles auf diese Art & Weise schon ziemlich lange, mindestens seit 20 Jahren mit starker Steigerung in den letzten 5 Jahren
  15. du bist manchmal so labil, dass ich kotzen könnte vor Lachen, weil es so billig ist

Das war nicht schlecht, muss ich mich glatt mal für loben. Vielleicht lassen sich hier ein paar der angeführten Punkte näher erläutern. #getreal

Schwundsachen

Ich laufe, ich saufe, ich raufe und rauche und brauche: Eine Idee. Einen wunderbaren Gedanken. Peter Pan in Hook und E.T. schaffen es immer noch, trotz all dem Kitsch Rührung bei mir zu verursachen. Damals war alles so bedeutungsvoll und wichtig. Das ist heute alles fast weg. Tobi ist so realistisch, dass ich mich darauf eingelassen habe. Es wird weniger geträumt, geschwelgt und romantisiert. Nicht unbedingt schlimm, dennoch komme ich nicht umhin, es manchmal ein bisschen zu vermissen. Eine Idee brauche ich dennoch. Es schwinden die Haare (!), die Lust an Sex und Abenteuer, die Stunden guten Schlafes, die Lieder, die Freunde, die Erinnerungen, die Ideen & Aktionen ... die Ambitionen.

Wahrscheinlich ist es zudem auch der massive Gebrauch weissen Weines, der mich stumpf werden lässt. Beim Laufen höre ich Fury und Catt und The Killers und lösche das alles gleich wieder. Antriebsmüde geht das Jahr in seine letzten Züge. Wie so oft, oder? Ich wäre gern ein bisschen interessierter, aktiver, schlauer, horizontversessen und vor allem positiver in meinen Ansichten. Denn oft muss ich feststellen, dass mich unsachliche Kleinigkeiten aufregen wollen. Beispiel? Da parkt einer halb auf dem abgesenkten Fußweg und ich rege mich darüber auf. Dann stelle ich mir vor, dass der Mann einer alten Dame oder womöglich seiner Mutter ihre Medikamente, was zu Essen oder ein Geschenk ihres Enkels überbringt (...) und schon werde ich reumütig, weil ich mich mies in meiner Zornigkeit fühle. Es ist nicht nötig, die Hintergründe zu wissen, es ist wichtig, mich all diesen Situationen gegenüber gleichmütig (Zitat von Michel am Telefon vor über 12 Jahren) zu finden. Kennste: Beim Laufen in den letzten Zügen meiner Kraft macht mir eine Fußgängerin Platz und lächelt. Und "schwupps" fange ich fast an zu heulen. So siehts aus.

Hier die Empfehlung, den vollständigen Alkoholstopp anzumahnen, scheint so ewig schon vorzuhalten und insbesondere angesichts der letzten zweidrei Jahre offensichtlich noch immer nicht greifen zu wollen. Aber warum nicht? Was braucht es dazu noch? Im kommenden Jahr werde ich Clubanwärter der "27", nur eben doppelt so alt. Ja, ist sehr lustig.

Edvard Munch

Der Norweger litt unter Agoraphobie und Depression mit Verfolgungswahn und Suizidgedanken. Zudem war er alkoholabhängig und betrieb Medikamentenmissbrauch mit Schlaf- und Aufputschmitteln. Er war oft gereizt, unausgeglichen und stand unter großer Spannung, die sich manchmal auf unschöne Weise entlud.

Jetzt weiß ich alles. Alles Autobiografie. Er hat bis zu seinem 45. Lebensjahr sehr getrunken, dann einen Zusammenbruch erlitten und nach acht Monaten Sanatorium war er frei und lebte weitere 35 Jahre nüchtern. Und malte. Schrei weiter!

Sport ist tot

Aber warum nur? Draussen ist es grau und kalt, scharfe Winde wehen und ich versacke in einer weiteren Lethargie, die mich weder Radfahren noch laufen lässt. Selbst Krafttraining findet mit Mühe nur noch einmal in der Woche statt, Schwimmen schon garnicht. Die Erfahrung weiss, dass ich derartigen Pausen nur mit mühsamer Motivation entgegnen kann. Dazu gehört der Wein in die Ecke für später gestellt und wieder allgemeines Interesse am Leben zu entwickeln. Is' schon schlimm, wenn mir so viele Freiheiten gegeben sind, deren sich daraus ergebene Möglichkeiten ich nicht zu nutzen weiß. Oder kann. Winterschlaf mit Wein und Drögerei? Bitte nicht.

Hundert Puls und Tausend Grad

Sonntag. Eine wirrige Woche. Vorweg: Wie immer meist zu viel Wein. Im Zaum gehalten wegen einer Klausur des Paritätischen am Donnerstag und Freitag. Den Anfang der Woche weiterhin mit Husten ohne richtigem Kranksein als Vorwand für mein Erscheinungsbild nach eben jenem zu vielem/n Wein deklariert. Den Weihnachtsmarkt am Bluenote konnte ich dieses Mal wegen der Klausur nicht mit aufbauen. Dazu kam am Mittwoch der Bus, dessen Batterie bei 2° bereits nicht mehr ansprang und er mir seine Batterie versagte. Norberts "Bestek" half dann, so dass ich wenigstens am Freitag inklusive Winterreifen nach Reform fahren konnte.

Dort baute ich am Freitag am Weihnachtsfilm Film der IB weiter, während Tobi zur Anästhesie-Weihnachtsfeier bei Josy im Fürstenwall war und nach nur einer Flasche (++?) Wein nach Mitternacht sternhagelvoll zurück kam. Das war ziemlich lustig. Ich hatte bereits eine Flasche Wein hinter mir, aber es ging mir gut und als Tobi im Bett war, versuchte ich mich weiter am Film und trank weiter weissen Wein.

Am nächsten Morgen tauchte Tobi in meinem Bett unterm Dach auf und wir waren verrückt. Er wie ich noch nachbetrunken; er: es nicht gewohnt, ich: mit 5 Stunden zu wenig Schlaf. Und so trieben wir Schabernack bis wir frühstückten und uns gegen frühen Nachmittag nochmals ins Bett begaben.

Samstag Abend war nichts mit mir und dem TV anzufangen. Was eine gute Gelegenheit gewesen wäre, den Film fertig oder Musik zu machen - aber ich wollte und konnte partout nicht. Stattdessen gab es erneut und zu viel Wein in Langeweile und der quälenden Gewissheit, den Sonntag für den Film draufgeben zu müssen. Kein Training, kein Wandern übers Winterfeld. Also Film Postproduktion. Und es war wie immer: Wenn ich etwas lange vor mit her schiebe, weil sich ein Gedanke breit macht, dass es intensiv und kompliziert werden würde, bewahrheitet sich das. Aber es nützte nichts, der Film soll am Montag präsentiert werden. Ist immerhin (und wie immer) gut geworden, wenn auch nicht ganz ohne Fehler in Sachen Stil, Schnitt und Geometrie.

Nichts gegessen an diesem Sonntag. So also die Idee, nach dem Film auf dem frisch eröffneten Weihnachtsmarkt eine Wurst zu essen. Ich schlottere. Vor Kälte, vor Aufregung über die Fertigstellung dieses Films. Den ganzen Tag nur am Rechner. Kalt und weiterhin durchkatert. Egal. Hin dort. Wahnsinnig voll und damit aussichtslos, eine Wurst zu bekommen. Also Bier. Nach dem zweiten bereits betrunken. Dazu Rauchen. Kurz zuvor noch unvorstellbar - jetzt möglich. Wuschel getroffen. Und mon tres chere Cousine und hernach auch Jael. Meine Fresse - sieht der gut aus. Aus dem kleinen Buben wird nahezu ein Model. Cool.

Dann gabs doch noch eine Bulette, die mich wahrscheinlich rettete. Insgesamt dazu zwei kleine, ein großes Bier und zwei Glühwein mittels der üblich generös zugeteilten Gutscheine vom Wein-Micha. Und ich bin durch. Kalt wars. Zuhause - also vorhin - wurde es mit Ausnahme der Füße plötzlich heiss. Und selbst nach einer Stunde hab ich immer noch 100 Puls und mir ist immer noch heiss und die Füße bekomme ich nur mit Strümpfen auf Heizungen warm. Jetzt, so kurz vor Zehn pegelt sich alles langsam wieder ein.

Und ich frage mich, was dieser Eintrag hier eigentlich soll. Eine kleine Zwischenstandsmeldung aus dem Allerlei? Eine Randnotiz? Ja, wahrscheinlich. Immerhin. Uhr sagt: 84 Puls. Und der Weißwein ist auch schon gut dabei, weil meine Geschäftsführerin sich für morgen persönlich bei mir krank gemeldet hat, womit ich morgen früh also nicht unbedingt los muss. Und Dienstag auch nicht. So viele Möglichkeiten, so viel ungenutzte Zeit meinerseits. Die allererste Anweisung ist immer die selbe: Komm' klar und lass die Massen an Wein weg! (So ausgedrückt möchte ich mir offensichtlich immer noch eine Hintertür offen halten, um dem Alkohol nicht vollends entsagen zu müssen, weil ich es wahrscheinlich nicht möchte, womöglich aber muss.)

Soziale Arbeit ist wert:voll

Mitgliederversammlung 2023. Achat Hotel Magdeburg. Leider bin ich noch immer im Erkältungsmodus. Drei Tage komme - bleiben - gehen. Heute war der letzte Bleiben-Tag und reichte mir damit nicht zum Fitsein. Von Sport oder Training ist erst recht keine Rede. Aber ein Erfolgserlebnis war es für mich schon, wenn ich überall meinen erfundenen Slogan: "Soziale Arbeit ist wert:voll. Machen wir. Zusammen!" auf den von mir gebauten Grafiken, Layouts und Print-/Werbesachen sehe; wenn Bundesvorsitzender und Vorstandsvorsitzender sich permanent darauf beziehen und meine Intentionen dafür sogar richtig deuten; und wenn dann die Leute von meinem zusammengerauften Film über die Special Olympic World Sommer Games ergriffen und von meinen Fotos im Allgemeinen begeistert sind und ich dazu noch namentlich erwähnt und bedankt werde ... dann stelle ich fest: Das war alles ich. Dieses Selbstlob sei mir mehr als gestattet und ich stelle hinzu fest, dass die richtige Umgebung mich zu Hochleistungen anspornt und mir so vieles so gut gelingt. Das alles kann ich.

Und wenn ich nicht soviel Wein trinken würde, wäre sicher noch mehr drin. Womöglich hat mich die Erfahrung jedoch gelehrt, nicht zu viel in den Aah- und Ooh- Topf zu werfen, so dass jedes weitere Element meines Tuns und Handelns beim Paritätischen zu einer weiteren Glanzleistung werden kann statt zur Normalität zu gehören. So. Das tat mir jetzt richtig gut und ich bin sehr erfreut.

Wer wollte hier Krank?

Aha! Vorahnung oder Zufall: Die schwere Brust mit wartendem Husten wohnt mir inne und ich sieche ein wenig. Was aber außerdem dem Wein geschuldet ist. Ich nutze es aus und verlege mich auf Rotwein. Und selbst wenn ich morgen im Büro auftauchen sollte, um ein paar Dinge zu erledigen und abzuholen für die große Mitgliederversammlung am Donnerstag (heute ist Dienstag), ist mein wüstes Aussehen legitimiert. Alle glauben mir die Ursachen, die zwar stimmen, aber mitbegleitet sind vom schweren Alkoholkonsum. Könnte ich als "cool" betrachten, ist es aber im ganzen Großen überhaupt nicht. Es sind Ausreden, vornehmlich gegenüber mir selbst.

Ich fürchte mich gegenüber den Mengen, die damals (1990) in einer Flasche Sekt noch zum Totalausfall führten und heute per zweier Flaschen Wein gut trainiert zum halbwegs Klarkommen gereichen. Das ist alles Humbug. Und vor allem nicht gut. Eine leichte Panik schleicht sich ein, dass ich es nicht lassen, nicht mehr regulieren und damit reduzieren kann. Das typische Bild eines wachsenden Alkoholikers.

edit: zwei Flaschen Doppio Passo geleert. Keine weiteren Fragen.

Du kannst hier noch sitzen, aber der Wein ist weg

Ähnlich dem damals im Studium erörterten amerikanischen Modell, in sechs Wochen rauchfrei zu werden und sich nach und nach seinen Gewohnheiten zu entziehen, welche hauptsächlich zur Sucht beitragen (Orte, Tabakstärken, Mengen usw.) fällt mir ad hoc so etwas Ähnliches hier in Reform um zwei Uhr Saturday Nachts auf, wenn es um meinen unsinnigen Alkoholkonsum geht. Die erste Idee hieß: Wenn du nichts Sinnvolles mehr zustande bringst und nur noch zeitringend unsinnig im Web cruist (wie bis eben) - dann ist es vorbei. Lass' es und geh' ins Bett. Oder ebenso gut - der Titel trifft es auf den Punkt: Du kannst hier noch sitzen, aber es gibt nichts mehr zu trinken. Außer vielleicht Wasser oder Pfefferminztee aus dem Kübel meiner Ferienlager. Damit ist die Freiheit gesichert und du kannst tun, was du willst. Nur der Wein ist fort.

Sehr schnell wird mir auffallen, dass es so ja keinen Spaß mehr macht. Und die Frage nach der Uhrzeit, nach welcher ich so früh doch noch nicht ins Bett gehen kann, ist ebenso einfach geklärt: Du musst ja nicht ins Bett gehen und dort lesen; du kannst es auch auf deiner geliebten Couch. Oder auch ganz was anderes tun, insofern es dir zusagt. Das ist natürlich ein bisschen kompliziert, am Sonntag- oder sonstwelchen Abend gegen 20:00 Uhr noch etwas auf die Beine stellen zu wollen. Aber die Überlegung ist sehr sehr gut.

Wir waren heute im Moritzhof bei Distelmeyer; Ronald kam dazu und es war ein gutes Konzert. Distelmeyer ist ein grandioser Handwerker in Sachen Musik und Gesang. Die Texte überstreckten sich auf mehrere Dekaden seiner Zeit aus Blumfeld und seinen eigenen und nun neuen Songs und tragen gewissermaßen einen gemeinsamen Duktus in sich. Tobi befand es immerhin als ok.

Und nun habe ich 02:20 Uhr noch eine Flasche Wein aufgemacht und überlege noch auf eine letzte Zigarette, während Tobi seit 00:00 konkret direkt und sinnvollerweise schläft. Und ich sollte mal ein bisschen mehr aufpassen auf das, was ich mit meiner Zukunft anzufangen gedenke.

Update: Letzte Zigarette ist geraucht, ich habe mir das hier nochmal durchgelesen und finde, dass ich hier zwar nichts Neues oder Bahnbrechendes herausgefunden- es aber immerhin mal auf einen handlungsanweisenden Punkt gebracht habe. Fazit: Mach' es!

Tante Inge

Mist, ich habe es versäumt, heute ein Foto zu machen: von meinen Eltern samt Tante Monika und mir. Die kam nämlich heute auf Besuch und sie wünschte sich so sehr, ihren "Lieblingsneffen" zu sehen. Das war mir natürlich ein Bedürfnis und so radelte ich zum gemeinsamen Essen zu meinen Eltern. Sie hat eine halbe Platte Donauwellen für mich gebacken, die ich mir morgen sehr beglückt abholen werde.

Während des Essens ging es unter anderem auch um Tante Inge. Meine Tante Inge, die immer unterwegs war, immer "auf Achse". Sie lebt mit ihren 84 Jahren seit langer Zeit allein mitsamt Rollator in ihrer Wohnung, die sie nicht aufgeben möchte. Auch wenn sie mehrmals in der Woche stürzt und dann oft für lange Zeit liegen bleibt, weil sie sich irgendwas verletzt hat. Das ist nicht gut. Aber es ist ihre Gewohnheit, die sich nicht aufgeben möchte: Der Kopf funktioniert mitsamt ihrem freiheitlichen Denken (das ich sehr bewundere) noch immer, allein der Körper macht schlapp. Jetzt ist sie in Brandenburg im Pflegeheim in der Nähe vom Marienbad und ich glaube meine Tante Monika so verstanden zu haben, dass sie ihren 85. Geburtstag in zwei Wochen mit etwas Glück trotz Lungenentzündung noch erleben wird. Das fühlte sich für mich an wie eine sehr behutsame Ankündigung auf ... ja.

Nach dem Essen ging es sofort weiter mit den für mich sehr ermüdenden und üblichen Diskussionen und Kontroversen über die schiefe Weltlage, unsinnige Politik und Amazon und QVC mit Versandkosten und Schnäppchen in einer Vehemenz, die ich zwar gewohnt, aber auf lange Dauer nicht bereit war und bin, zu ertragen. Stattdessen übertrug ich meiner Mama und ihrer Schwester Monika die Weltherrschaft für den Rest des Tages, reparierte mit meinem Vater das Rücklicht meines Fahrrades und machte mich davon.

Zwei Dinge dazu:

Tante Inge geht es nicht gut und ich vermute, dass es nach langer Zeit in der Familie bald wieder einen Todesfall geben wird, der nur der Anfang eines Reigens sein wird, in die sich die mittlerweile alle 75++ jährigen unserer Familie einreihen werden. Das macht mir ein bisschen Panik.

Und mir fällt auf, wie ich damals in 1990 auf einem Foto (in Helges Kinderzimmer, in welchem ich mit meinem braunen Pullover, blond gefärbten Haaren und dem neuen Kawai-Keyboard) sehr coming-of-age genervt gegenüber diesen für mir unsinnig erscheinenden Diskussionen über sehr vage Konstellationen zu sehen bin und sich dass bis heute nicht geändert - eher sogar verstärkt hat. Damals wusste ich nicht so richtig, warum. Heute auch nicht. Aber das ist ein anderes Thema. (An diesem Punkt empfehle ich weiterhin, nicht, wie jetzt, betrunken aufzuschreiben, was später mal im Rückblick wichtig sein könnte. Okay?)

Lust auf Krank & Kur

Mit Blick aufs Ganze mit all den kleinen und größeren Ungereimtheiten kommt mir die Idee in den Sinn, mit einer sanften Erkältung mal eine Woche ganz und für mich zuhause zu sein. Und Musik und sauber zu machen. Besser noch wäre meine Entnahme aus dem Hier und Jetzt in eine Reha wie damals in Brandis. Dieses Mal sind es andere, leichtere Voraussetzungen als in 2017 und es wäre es nicht mehr wichtig, ob die Sonne in mein Zimmer scheint. Alkohol- und rauchfrei den ganzen Tag Bewegung und am frühen Abend viel Lesen und Musik und gut schlafen - das ist eine gute Idee für drei Wochen im Frühling. Vielleicht am Meer?

Burg

Am 15.11.2023 war ich im Auftrag des Paritätischen in Burg, um ein Pressefoto zur Gründung der Landesarmutskonferenz (!) zu machen. Den Ausflug nutzte ich, um "alte Bekannte" aufzusuchen: Zum Einen das Lehrlingswohnheim an der Niegripper Chaussee, das auf Google-Maps noch aussah, als wäre es die verfallene Ruine meiner Zeit dort im Jahr 1986-1988. Flashback Memories. Schule. Ausbildung. Thomas Sohr++. Das wollte ich mir ansehen. Die Google-Fotos waren längst nicht mehr aktuell. Dort steht jetzt ein modernes Seniorenwohnheim. Tja. Na gut. Ok.

Zum Anderen dann die Kanalstraße 3, in welcher Carsten Groneberg wohnte. Ich wollte es zumindest noch einmal sehen. Was ich sah, war ein nahezu entkernter Bungalow, in welchem ein alter Mann sich anschickte, den Rest zu erledigen. Es war vermutlich Carstens Vater und ich traute mich nicht, hinzugehen und ihn nach Carsten und seinem Tod zu befragen. Merkwürdig war es allerdings schon. Es ist ja nicht so, dass Carsten eine besonders bedeutende Rolle in meinem Leben gespielt hat - allerdings war er der erste Kurzzeit-Freund in meinem Leben, den ich aufgrund meiner frisch aufgeräumten und damit bekennenden Sexualität konkret deswegen kennengelernt und mit ihm meine bisher wahrscheinlich besten sexuellen Erlebnisse hatte. Nun ist er tot und seine kleine Laube besteht nur noch aus blanken Mauern.

So vergehen die Zeit und mit ihr die Schauplätze, die nicht mehr auffindbar sind.

Leistungseinbruch

Was sind das nur immer für Ambitionen, die als Entschuldigung für desolates Trinkverhalten herhalten müssen? Montag Krafttraining, Dienstag 12 km Laufen, Mittwoch 50+ Km Rad. Bei letzterem drohte Ungemach. Ich wusste vom Südwestwind, der mich nach der Trogbrücke zermürben würde und ging es langsam an. Es ging herausragend bis dorthin, von dort aus schlich das körperliche Ende gleich einem kriechenden Tod in Bein und Kopf. Am Ende kam ich kaum den Johannisberg hoch und im Lidl auf der Suche nach Essen wurde mir schummrig und ich war kurzzeitig mächtig besorgt. Am Ende schlief ich mich durch die Simpsons bis zur späteren weissen Flasche kühlen Weines. Pause. Sofort.

Universum Teil Tausend

Im Bluenote versackt. Erst mit Sebb, mit dem es wie so oft später langweilig wurde und dann mit Wein-Micha, der sich nach langer Zeit und wahrscheinlich wegen der Weihnachtsmarkt-Plakate im Bluenote einfand. Die Dienstags-Runde: Jabo, Käse, Stoffi und xxx waren auch wieder da, ebenso die Skatrunde mit einem Zwiebel, der nicht mitspielen konnte, weil er sich beim Beach-Volleyball im Urlaub mindestens einen Finger der rechten Hand temporär ruiniert hat.

Und dann sind Micha und ich nach langer Zeit mal wieder ins Gespräch gekommen. Es hat sich erneut gezeigt, dass es oft nur dann gut wird, wenn es ein konkretes Thema gibt, worüber wir uns was ausdenken und spinnen können. Es ging um meine ungeplante Ausstellung im Bluenote, die ich schnapsheimlich mal ins Auge gefasst hatte: Große MESH Plakate von Koryphäen und Wegbegleitern unseres Lebens im Genre Film, Musik, Literatur und vielleicht auch Politik. In CLP-Größe und schwarz-weiss, gemalt von Olog Klubkov, der hoffentlich noch im Puppentheater weilt und den ich fragen möchte, ob er das machen würde.

Angefangen hatte die Idee beim Betrachten meines Louis de Funès Mesh, das im Wohnzimmer bei mir und im Aufgang von Tobi hängt. Ist ein schönes Format und sieht sehr gut aus. So haben Micha und ich also nach weiteren Ideen, nach Persönlichkeiten, Charakteren gesucht, die für so eine Ausstellung in Frage kommen könnten. Da sind sehr viele Namen zusammengekommen und die Idee von Micha, in Bierdeckelgröße eine Randnotiz hinzuzufügen, die über die jeweiligen Charaktere wenig Bekanntes bzw. Anekdoten preisgeben, hat mir sehr gefallen. Und dazu hatte ich die Idee, unter den Bildern fünf weisse Punkte anzubringen, die je nach Verkaufszahl rot aufgefüllt werden. Also X von 5 verfügbar.

Kurzum: Hier hat sich meine Idee zu so einer Ausstellung weiter entwickeln und reifen können. Das fetzt. So verstehe ich einen Kneipenabend, wenn neue Iden entstehen, aus denen sich etwas machen lässt. Im weiteren Verlauf unseres Abends mit der Frage, was man machen darf, soll, kann, könnte, muss (...) fiel mir ad hoc das Bild vom Euclid-Weltraumteleskop ein, das heute durch die Nachrichten stob.

Bierselig kam ich auf die Idee, dass wir in Anbetracht unserer enormen Unbegreiflichkeit gegenüber dieser phantastischen Wucht von Einblicken in das Universum - wie die heute vom Euclid-Weltraumteleskop veröffentlichten - die uns verdeutlichen, wie enorm nullnixbedeutend wir möglicherweise sind, durchaus etwas gelassener auf die Dinge unseres Seins blicken könnten. Fast jeder hier in diesem Bild zu sehende Punkt ist eine Galaxie. Diese besteht wiederum aus Millionen oder Milliarden Sternen. Oder Planeten. Oder sonstwas. Und das Universum braucht Platz und weitet sich beständig aus. Irgendwohin. Hier hat mein Vorstellungsvermögen schon längst aufgehört, sich Mühe zu geben.

Vielleicht bin ich auch deswegen Fan von solchen freundlichen Literaten und Filmemachern wie Douglas Adams, Monty Phyton, Simpsons, philosophierenden Kubricks und Konsorten. Es hilft ein bisschen beim Leben, der begleitenden Ironie und manchmal auch beim drohenden Sarkasmus. Auch wenn das letztlich nicht sonderlich schön ist. Ich bin betrunken. Und suche nach bestätigenden Ausreden. Aber der Abend war dennoch schön.

Zeit des Erwachens

Ein großartiger Film aus dem Jahr 1990 mit Robin Williams, Robert de Niro ++ mit folgender Story: (Spoiler: Ich vergleiche mich mit den darin beschrieben Patienten mit dem Unterschied, dass ich für meinen Zustand zumindest gewissermaßen selbst verantwortlich bin und ihn ändern kann. Können sollte. Können muss.)

Die New Yorker Bronx 1969, ein Viertel im Aufschwung. Nachdem er lange Jahre geforscht hat, bewirbt sich der Arzt Dr. Malcolm Sayer (Robin Williams) für eine Stelle als praktischer Arzt am Bainbridge Hospital. Das Bainbridge Hospital ist ein Krankenhaus für chronisch kranke Menschen, von denen es viele nie wieder verlassen werden.

Auch nicht die Gruppe von fünfzehn Patienten, die völlig teilnahmslos und katatonisch dort verwahrt wird. Alle waren in ihrer Jugend in den zwanziger Jahren an einer Gehirnhaut-Entzündung erkrankt, die schwere Spätfolgen hatte. Die Symptome zeigten sich erst viele Jahre nach der Erkrankung. Die Betroffenen konnten plötzlich nichts mehr alleine machen.

Doch Malcolm kann nicht glauben, dass der Geist in den teilnahmslosen Körpern erloschen ist. Er sucht nach Methoden, die Patienten ins Leben zurückzuführen. Zu seinen Patienten gehört auch Leonard Lowe (Robert De Niro). Als Malcolm von einem Medikament namens L Dopa hört, möchte er es für seine katatonischen Patienten anwenden.

L Dopa ist ein synthetisches Dopamin, das ursprünglich zur Behandlung von Folgen der Parkinson-Krankheit entwickelt wurde. Malcolm holt sich von Leonards alter Mutter (Ruth Nelson) die schriftliche Zustimmung, Leonard mit L Dopa behandeln zu dürfen. Und ein Wunder geschieht: Leonard bewegt sich, spricht, kann alleine essen, trinken und auf die Toilette gehen. Er kann wieder am Leben teilnehmen.

Guter Mann

Gestern, Sonntag, auf dem Weg von Reform nach Hause fiel mir die Kippe beim Rauswerfen in die Fahrertür und mir wurde bange, ob der Bus jetzt abbrennen würde. Zudem stand nächsten Tags - also heute - die Live-Show im Paritätischen an, mit der ich im Vorfeld einige technische Probleme hatte und die drei Tage Zeit für die Vorbereitung und Behebung dieser Probleme aufgrund von Hangovern nicht richtig nutzen konnte (!) Zudem war eine Dachverbandskonferenz anberaumt, welcher ich bedingt durch die Live-Show (PSW-ZEIT) nicht bzw. nur zum Teil beiwohnen konnte. Eine große Unsicherheit machte sich in mir breit und mein zittriges Gefühl, dass mir die Dinge entgleiten, machte sich in mir breit und lang und hoch. Dazu schwelten weitere Dimensionen aus Zeit und unbestimmbarer, alkoholverursachter Unsicherheit in mir, die mir Bange machten.

Faktisch halb so schlimm, könnte man meinen, aber in mir wuchs die Angst eines gewissen Versagens. Versagen auf allen Ebenen. Die Dinge nicht auf die Reihe zu bekommen, weil ich zu dunstig bin, zu unklar, zu unbestimmt und aufgrund meiner Um- und Zustände zu dumm.

So fuhr ich am Samstag Mittag nochmal in die Parität und holte mir einen Teil des Studio-Equipments nach Reform, um das Problem zu lösen. Das gelang mir dann sogar auch und ich hoffte inständig, dass es am Montag - also heute - auch so funktionieren würde.

Tat es! Ja! Sogar erstaunlich und sehr gut. Auch an der Konferenz nahm ich zu Beginn und dann auch nach der Show teil und erfuhr eine erfreuliche Menge Bestätigung, weil ich in vielen Bereichen eine Rolle spielte und gewissermaßen einer der Garanten für den Erfolg der jeweiligen Missionen war. Da wurde mir sehr wohl ums Herz und erneut bewusst, dass ich durchaus und offensichtlich weiterhin in der Lage bin, die mich umgebenden und zum Teil selbst gestellten Anforderungen und Aufgaben zu meistern. Das ist mein Anspruch. Das zeichnet mich wahrscheinlich aus. Guter Mann!

Die Kippe in der Bustür hatte ich, nachdem ich mich vorher schlau gemacht hatte, wie das Innenleben so einer Tür aussieht, noch am Sonntagabend irgendwie und mit Wasser durch den Fensterspalt wahrscheinlich gelöscht. Bin aus Angst noch zweimal runtergegangen zum Nachsehen. Der Bus ist bis heute nicht abgebrannt. Yeah!

Kurzum: Am Ende des heutigen Tages darf ich heilfroh sein, dass in mir irgendein Mechanismus eingebaut wurde, der mich auffordert es so gut wie möglich zu machen, nicht aufzugeben, dranzubleiben. Auch wenn diejenigen Umstände - die ich selbst zu verantworten habe - oft nicht die besten sind. Guter Mann.

Elotrans

Ich bin Trans. Elotrans. "Wenn man sich mal wieder die Rüstung weggerömert hat". So steht / stand es in den Amazon-Bewertungen in über 3000 Rezensionen (das war der Link). Ein jämmerlicher Versuch, den nächsten verkaterten Morgen erträglich zu machen. Es ist heute angekommen, ich hab's noch nicht probiert und finde es jetzt schon weder höflich noch anständig. Denn: sollte es helfen, wäre das ein weiterer Schritt in meinen persönlichen Missbrauch, der die Schwelle zur vollständigen Abhängigkeit ebnen könnte.

Auch habe ich heute vormittag etwas bemerkt: Wenn es mal wieder zu heftig war, fühlt es sich insofern gut an, als dass ich voller Gewissheit bin, dem Alkohol jetzt sofort und für immer entsagen zu können. "Jetzt habe ich die Initialzündung - durch meine Wehen, die Unerträglichkeit, das Gefühl der Abscheu. Jetzt ist Schluss. Nichts leichter, als jetzt". Das hält sich den ganzen Tag. Und ich rauche auch nicht. Kommt mir überhaupt nicht in den Sinn. Mit Kraft- oder Rad- oder Lauftraining kriege ich mich dann auch wieder auf ein besseres Niveau. Wie als eine Entschuldigung. Und dann geht es auch wieder besser. (jetzt ist es November und meine Lauf- oder Radfahraktionen werden sehr viel seltener. Doof.)

Doch am Abend wird es knapp. Einst gebar sich mir die gute Idee, dass es ohne Sport keinen Alkohol am Abend geben wird. Hat sich leider nicht bewährt. Insofern wird das hier zum Tagebuch eines Trinkers.

Ich hoffe sehr, dass Elotrans nicht sonderlich helfen wird. Es sei denn, ich habe wirklich Durchfall.

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010