Zehnsucht

📚 Insgesamt 1.264 Beiträge | 📄 Seite 2 von 26

20070806

Verschenkte Tage. Diese Trips, die kein Ende nehmen. Einmal angefangen, ist es immer schwer, da wieder rauszukommen. Dabei fängt es harmlos an: Eine Idee, ein Projekt, ein "to do" und es funktioniert. Gut sogar. Die übliche Kurve. Alles gut. Erfolg. Freude. Dann geht es abwärts; dennoch produktiv, wenn auch langsamer. Immer noch okay. Bedröhnt. Besoffen. Im Grunde erfreut und dennoch verärgert über den Leichtsinn. Nächsten Tags böse. Und im Laufe dieses Tages wird es immer schlimmer. "Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas" tritt ein. Spiegel herstellen. Dann gehts wieder. Aber die Intesnistät der Produktion, des Denkens, des Fühlens nimmt ab.

Dritter Tag: dito. Vierter Tag- es wird eng. Schwierig. Sport, Fahrrad, Laufen, Unternehmungen werden schwieriger- ja: aussichtsloser. Das böse Denken beginnt. Selbstmord. Therapie. Neuordnung. Angst. Dann Rückbesinnung auf den Ursprung des Ganzen. Lebensform. Lebensgestaltung. Lebenshunger. Ideen. Tausenden Ideen - sachte ausgedünnt, erscheinen. Was ist mit Musik? Was ist mind Mandy? Was ist mit The way - the feeling of Love? Was ist mit mir? Soviel böse. Unschöner Umgang mit Mandy. Vorausplanendes Denken. Weg! Geh weg! Ich will allein "...?" Was allein? Einen Freund finden? Es wird nicht anders beim "Neu"? Bleibe derselbe. Mit Angst, Labilität, Unzufriedenheit und all dem Wissen darüber, wie es sein könnte, aber ich mich nicht traue, zu formulieren. Es vielleicht auch garnicht weiß. Was denn zum Beispiel? Ein bisschen abgedreht, alles mitnehmen, nen coolen Typen an meiner Seite, ich - entspannt und so - wie es meinem Typus entspricht - wahnsinnig, lustig, crazy. Meine autosexuellen Eskapaden haben einen Hintergrund. Allerdings bausche ich immer mehr auf. Es wird lächerlich. Und ich habe keine Idee, ob ich - so getuned -jemals in die Öffentlichkeit gehen könnte. Einmal sexuell entladen, ändert sich die Ansicht. Plötzliche pein. Dazu alt. Füprchterliches Alterungsproblem. Hippes Dancing im Club ist garnicht mehr vorstellbar. Mit 37. Eigentlich. In Ermangelung der eigentlichen, einfachen Wunschvorstellung entstehen abstruse, überdimensionierte Aktionen, die mit realisitischen Möglichkeiten kaum noch etwas zu tun haben. Vorsicht ist angebracht.

Der Background im wirtschaftlichen Sinne ist in Ordnung. Es läuft gut. Komisch. Irgendwie finde ich immer eine Nische. Nicht übermäßig reich, dennoch alle Möglichkeiten vorhanden. Es läuft. Es läuft aber nicht into my Soul. Im Herz. Im Gefühl.

Angst, mich kaputt zu machen. Denke über all die Möglichkeiten, Blödsinn machen (eigenes Hörbuch, Geräusche, Musik, die Welt entdecken) ... gedacht und ängstlich verworfen. Oder nicht ängstlich, sondern mich einfach unfähig fühlend. Wenn ich es anpacke und alkoholfrei bleibe, fühle ich mich dennoch meist unfähig, mein Leben auszufüllen. Was denn nun? Nüchtern kann ich viele Dinge anpacken - aber trotzdem bleibt das grundsätzliche Problem: "Was denn nun?" Wohin, mit wem, wofür? Merkwürdig. Wie immer. Alles ist im Kopf - alles ist klar; so wie es sein könnte, vielleicht auch sollte. Aber es dringt mir nicht stark genug in die Eingeweide. Ins Herz, in den bauch, in die Seele.

Treiben, treiben in die nächsten Jahre. Das alles ist - damals noch etwas verworrener - bereits über 20 Jahre alt. Im Laufe der Zeit hat sich einiges manifestiert, verengstirnigt, träge breit gemacht in einer unglaublichen Passivität. In der Hoffnung und dem Glauben, dass sich das "irgendwie" ergeben wird. Wie gesagt: 20 Jahre. Es werden weitere 20 Jahre vergehen. Dann bin ich 57. Cool. Zack & Futsch - ist das Leben zu Ende. Auf dem Sterbesand immerhin mit der Gewissheit, dass ich es hätte ändern / schaffen können. Sehr feine Vorstellung.

Also wieso? Was ist los? Angst vor Veränderung? Von Mandy trennen? Was dann? Quatsch. Will ich nicht. Mandy weiß um meine Unklarheit. Ich auch. Und: Mandy kann und wird mir eine gute Stütze sein. Obgleich sie auch logischerweise ein bisschen berechnend ist. Frauen. Ebenso wie Männer, die sich - wie alle Menschen manchmal etwas komisch anstellen. Und ich mittendrin. Als Konsequenz aus all dem. So viele verschenkte Tage. Knifflig.

20041119-03:45

Gestern Nacht. An mich.

Der erste Schnee kam am Freitag morgen gegen 03:15 Uhr und rieselte auf die Erde. Der Winter hatte unerwartet nach einem guten Sommer und eben noch angenehmen Temperaturen begonnen. Der schaurige November hatte kaum drei Tage Zeit. "Es ist Zeit", dachte ich und frohlockte in der Gewissheit, dass in vier Wochen die Tage wieder länger werden. Und ihc hoffe auf einen guten, strengen Winter, der mich um so mehr am Ende des Februars mit den kleinen Schneeglöckchen erfreut.

Dann wird wahrscheinlich der Frühling kommen. Und ich werde wieder über Aufbruch nachdenken; über neues Leben inmitten des alten; über die Dinge, die seltsamerweise genau jetzt möglich sein werden.

Und dann werde ich mich wieder fragen, was ich noch alles haben muss, um endlich das zu tun, was schon zu lange gedacht wurde. Wenn alles schief läuft, vergeht so der Sommer. Und irgendwann werden die Blätter fallen. Ein wenig später werde ich aus dem Fenster schauen und merken, dass es schneit ...

89komma3

Der Beweis ist erbracht, dass viel Bewegung an frischer Luft mit einiger Anstrengung auf Skiern in den Bergen und einer versöhnlichen 4000+ Kcal und Überforderungs-Anzeige auf der Uhr gelogen sind. Denn so sehr viel mehr als sonst habe ich weder gegessen noch getrunken. Aber die Schreckensanzeige von 87,3 Kg noch vor Kurzem habe ich nun um weitere zwei Kilo aufgestockt. Und das merke ich auch sehr an mir.

Ab heute versuche ich aus den "Kreisen" oder anderen Aufzeichnungen späterhalb der Mapplethorpe Bücher aus 1995/96 meine Schieflage zu erklären, wonach ich immer zu viel Wein trinke und das Leben nicht verstehe. Was ganz sicher nicht funktionieren, aber interessant sein wird. Hier also in der Zehnsucht demnächst zu lesen ... Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heisst: "Du meine Güte!"

Nachtrag: Bereits beim Schreiben des zweiten Archivbeitrags beginnt das kalte Grausen. "In weiteren 20 Jahren bin ich 57 ..." Das wird keine leichte Reise hier und am Ende benötige ich eine Nervenheilanstalt.

Paritara26

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Lage im Land mit der AfD in oder an der Regierung entwickeln wird. Ein wenig Angst habe ich um die Sozialverbände durchaus - und damit möglicherweise auch um meinen Job. Auf mich wurde zwar bereits beruhigend eingeredet, dass Jahrzehnte lang bestanden habende Instanzen wie die des Paritätischen (u.a.), die sich um das Wohlergehen Benachteiligter kümmern, ganz sicher nicht plötzlich "geschlossen" werden. Dies stünde auch nicht im Interesse der Gesellschaft, ihre alten oder behinderten Mitmenschen oder gar ihren Nachwuchs zu benachteiligen.

Dennoch: "Es ist ein wilder Haufen", wie Marcel schonmal sagte. Bestes Beispiel heute: Früh angesetzter Termin (wegen Geschäftsleitertagung samt Vorstand) um 08:00 zur Klärung des weiteren Vorgehens in Sachen Landtagswahl. Antje muss dauernd telefonieren, René kommt zu spät, Sylke macht Krach und ich überlege, was wir in 45 Minuten zuwege bringen wollen. Dann sitzen wir da und werfen uns schnelle Ideen an die Köpfe, die stundenlangweilige Diskussionen in den Klausurtagungen entweder wiederholen oder über den Haufen werfen. René wirft mit schlauen, schwer verständlichen Sprüchen um sich, Antje dementiert und muss gleich wieder telefonieren, während Sylke die Tür aufreisst und irgendwas ruft. Am Ende verabreden wir uns für den übernächsten Freitag von 9-13 Uhr und ich denke an den damit ausfallenden Donnerstag Abend davor. Passt alles zwar ein bisschen zusammen, aber ungewiss bleibt's allemal. "Weich gefallen" sagte Mittel damals, "hart gelandet" fällt mir für die Zukunft ein. Muss aber nicht.

Postwinterliche Wunschmelange

Es ist ja selten, dass ich weiß, was ich möchte und auch dieses Mal scheint es eher vage formuliert. Aber es generiert sich authentisch aus den frisch erlebten zwei Wochen:

Ich brauche Erfolgserlebnisse. Die kann ich nur erzielen, wenn ich es konsequent und klar angehe. Dabei fallen mir solche Projekte wie die Imageserie (Pari) überhaupt nicht schwer- ich muss es nur machen. Dazu bedarf es dringend der Einschränkung des Weines. „Zwei aufeinanderfolgende Tage wenigstens“, sagt Heide. Damit sich die Zellen erholen. Und ich mich im Kopf gleich mit.

Es muss mir gelingen, meine Streitbarkeit einzuschränken, wenn diese aus Unzufriedenheit entsteht. Und ich muss erkennen, wie und woher diese Unzufriedenheiten entstehen. Vieles bedingt sich einander.

„Get real“ hieß die zehnsucht am Beginn. Dazu gehört die immerwährende Sucht nach Freiheit im Bus, am Meer, im Wald mit Gitarre, Buch und Wein. Letzterer verhindert die vorgenannten. Welche Vorbehalte aber bestehen dennoch, dass ich es recht selten wage? Die bisherigen Erfahrungen? Der allein will und nicht kann? Aber worin besteht dieses Unvermögen? Am Ende besteht fast immer alles aus Wein & Sex und einem Tag danach, der immer keiner werden will.
Get real: was erwarte ich denn? Eine Lebenseinsicht? Das Erkennen einer Wahl mit finaler Konsequenz?

Immerhin stelle ich mir wieder (und offenbar immer die gleichen) Fragen. Etwas einfacher in Sachen Sinn und Wille sind die 7 Kilo, die es bis zum Frühjahr zu verlieren gilt. Das geht leichter als alles andere, bedingt aber auch die dringende Dezimierung des Weines.

Grundsätzlich muss es mir gelingen, die sich immer wieder auf‘s Neu bildende und gefährlich manifestierende negative Sichtweise aus mir zu verbannen. Auch wenn sich derlei Dinge lesen wie tausend mal wiederholt - es geht nicht anders, als es immer wieder zu versuchen. Nur dann und von dort aus lassen sich neue Horizonte erkennen und anvisieren.

P.S.: Tobi ist das ganze Ding aus Frankreich durchgefahren. Meine postwinterliche Wunschmelange betrifft natürlich auch ihn, als wichtigen Bestandteil meiner Erfolgserlebnisse.

Franzn

  • bereits die Abreise aus der Schweiz im Auto zwischen Tobi und mir Unbehagen
  • weiter bei der Ankunft: ich war womöglich zu ungeduldig auf der kurzen Fahrt ohne konkrete Navi-Ziel-Adresse im Mercedes und alles, was ich per Maps ermittelte, schien falsch ... unsere Kommunikation brach quasi zusammen
  • Am Sonntag rauften wir uns sachte wieder zusammen
  • Wir sitzen allesamt beim Apres-Ski in Chatel mit Aperol und ich sehe mir die Menschen an und frage mich, ob das Depression ist, wenn ich mich über die Menschen an sich wundere und die jungen, insbesondere männlichen, französischen Menschen bewundere, in die ich allerlei hineininterpretiere
  • Meine Zähne bleiben dicht bei - und aufeinander. Entspannung gelingt mir seit Langem nicht. Wenn ich mich auf dem Berg entspannt fühle, bin ich meistens müde
  • Die Kombination Jule, Daniel, Karsten, Tobi und ich funktioniert
  • Mich interessiert, wie bei solchen Menschen wie Martin Hoffmann oder Torsten Sträter oder Kurt Krömer als allesamt sehr intelligente Leute eine Depression auftritt und wie sie sich äußert. Selbstverständlich deswegen, weil ich mich vergleichen möchte. Meine Gedanken reichen nicht zum Benennen oder Ausformulieren meiner Wünsche, geschweige denn, ein WOOP (wish, outcome, obstacle, plan) zu konstruieren. Wie aber habe ich es bis 55 geschafft? Mit 25 Jahren Alkohol?
  • Update Montag 09.02.2026. Jule hat Geburtstag. Der Skitag war sehr gut und ich bin fit und die Pisten fallen mir leichter. Und Tobi und ich sind wieder auf kommunikativem Normalniveau und schwupps: wird plötzlich gleich alles leichter. Ich bin also sehr labil und ebenso leicht zu verärgern wie zu erfreuen. Möge die Freude in meinem Leben überwiegen.
  • Update Dienstag 10.02.2026. Jules Bruder Karsten ist zurück nach Berlin und wir vier sind die letzten dieser Reise. Und wir kommen sehr gut miteinander klar und ich freue mich, dass Tobi neue Leute kennengelernt hat - und diese Leute ihn und damit uns beide. Das Skifahren erfährt eine Pause wegen Regen und Schnee und wir haben jetzt zwei Tage "frei". Mal sehen, wie es weiter geht. Ich sitze hier im Wohnzimmer unseres "Studios" und trinke ein bisschen zu schnell und zu viel französischen Wein - wohl wegen der in Aussicht stehenden Pause, aber auch wegen meiner alten, schlechten Gewohnheiten. Jule ist um 10 im Bett, Daniel halb 12, Tobi um 12 und bei mir ist es bereits um 1.
  • Update Donnerstag; 2 1/2 Tage Regen mit Nichtstun sind schon speziell. Wir sind wohlauf, jedoch ein wenig zermürbt dessenthalben. Morgen kündigen sich 3 Sonnenstunden an und wir überlegen, ob wir die abwarten, wenn es des Nachts dann doch wieder schneit und morgen alles sacknass, langsam und schwer auf der Piste ist. Ich verspüre derweil ab und zu ein kleines Paralleluniversum in mir. Das erste Mal am Ende einer Abfahrt bei der Zwischenstation: Vielleicht waren wir zu schnell oder der Puls zu hoch ... es fühlte sich kurz an, als wüsste ich nicht genau, wo und wie ich bin. Oder sind das Erholungseffekte?

Schweizn

  • fragil bis stabil
  • positive Grundstimmung
  • Wechselbad von Empfindungen und Gefühlen
  • große Vergesslichkeit über solche Empfindungen und Gefühle, womöglich anerworbenes Verdrängen negativer Erfahrungen, die nun auch die positiven mitnehmen
  • Ortsveränderung bring immer eine erste schlaflose Nacht, dann wird es mit jeder Nacht besser, bis plötzlich:
  • Schweizn: Beim Pistenschluss am Camp Suisse ging es mit zwei Weißweinen los, aus deren Gläsern Dank Flip Flaschen wurden. Das hörte den Nachmittag nicht mehr auf. Dann wurde der Wein knapp und ich kam mir unheimlich peinlich vor, weil ich mir ein Glas Rotwein versteckte und am Ende aus Kirschenschnaps und Cola etwas sehr Schlechtes zusammenmixte.
  • so lange schien die Zeit und plötzlich ist es heute schon die letzte Nacht. Immerhin nicht für uns, wir fahren morgen über den Berg nach Chatél für eine weitere Woche zu viert plus Jules Bruder Karsten

Schweizn und Franzn

So hieß es schonmal Anfang der 2000er Jahre, als wir immer wieder gemeinsam in Winterurlauben mit mehreren Leuten unterwegs waren; erst in der "Tante" (Chez la Tante) am Mont Blanc, wo ich Katrin Herzberg und die Wuselers und den Rest der Gang kennenlernte und ich Bukowski "Fast eine Jugend" las und wir mit Suse und Jana und Mandy und einem Franzosen im Keller eine ganze Nacht verbrachten, bis wir von einem Frosch-Andreas informiert wurden, dass es in einer halben Stunde Frühstück gäbe. Später dann in wechselnden, meist Frosch-Häusern in Frankreich und der Schweiz (www.franzn.de und www.schweizn.de) bis hin zum spontanen, im Bluenote von Käse und mir beschlossenen Urlaub mit Wuschel und seiner Mutter und Tochter Mathilda in irgendeinem Frosch-Domizil in wahrscheinlich Frankreich, in welchem Wuschel arbeitete und Käse und ich uns zum Höhenkoller & Pistenspritti erklärten, in der Sauna übernachteten, uns gegenseitig Kuchen aus der Confiserie mitbrachten und wir einen meinerseits etwas sexualisierten Film in der Sauna drehten. Das war auch die Zeit, in der ich mir überlegte, dass ich in Käse (Andreas Kästner) mir durchaus einen Freund, einen Mann vorstellen wollte, mit dem ich eine Beziehung eingehen könnte. Hat sich nicht ergeben. Er war nicht schwul genug. Aber er hat als Erinnerung an meine Idee eine Liedzeile in meiner Musik "Ich seh' dir unverholen beim Schuhzubinden zu. Du jagst mit mir ins nächste Abenteuer - geradewegs hinein". (Dünen. Das ist entstanden, als er und sein Sohn Justus auf meinem Balkon eine Holzbank aufbaueten) einen Platz in meiner Historie eingenommen.

Das letzte Mal haben wir in meiner Erinnerung 2008 in der Schweiz so einen Winterurlaub gemacht. Wieder mit Mandy, Dorschi, Jana, Wuschel, Katrin Herzberg (mit damals noch Daniel Kubon), Stef, Wuschels Eltern und einer französischen Familie, deren Kinder uns wahrscheinlich den Noro-Virus mitgebracht hatten, den ich nach Jana und Dorschi auch bekam damit immerhin 3 KG abnahm ;-) Damals begann ich auch mein Projekt "Domsagen" und schrieb mir ein Konzept auf, das zwischen Conrad Engelhardt (Dates) und mir zum Running Gag wurde, weil ich es bisher und damit bis heute trotz vieler Ideen und erneuter Anläufe nie zum Anfang noch zum Ende gebracht habe.

So. Und jetzt zum Jetzt: Es ist lange her mittlerweile 2026 und wir machen einen neuen Anlauf. Mit anderen Leuten. Mit nicht ganz anderen Leuten: Wuschel hat das Frosch-Haus geordert und in etwa 12 Stunden fahren wir los. In Etappen. Dabei sind Wusch und seine zwei Hunde (einer davon von Severin, die in 2025 an Lungenkrebs gestorben ist, Stef (der sich mit Wusch in der Corona-Zeit und auch von nahezu all unseren Leuten merkwürdig distanziert hatte, jetzt aber seit ungefähr einem Jahr wieder und mit Sarah "da" ist), Jule und Daniel, Flip, Ingo (Freund von Daniel), einer Christin und einem Andrew. und dem Bruder von Jule = Karsten, der spontan hinzukam.

Es wird ein Double-Vacation: in der ersten Woche mit irgendwie 11 Leuten in der Schweiz in Champéry - Les Crosets und danach mit ursprünglich Jule, Daniel, Tobi und mir auf der französischen Seite in Châtel. Jules Bruder Karsten kommt nun Ende der ersten und Anfang der zweiten Woche mit.

Mal sehen, was das wird nach all diesen (18, au warte) Jahren. Da hat sich vieles bei und mit uns verändert. Vor 18 Jahren waren wir aus heutiger und meiner Sicht offener, freier und unkomplizierter und zudem ärmer und vor allem jünger. Und es sind neue Leute dabei. Tobi kennt diese Historie nicht und scheint ein bisschen skeptisch. Ich kann es auch nicht einschätzen, weiß aber zumindest aus der Erfahrung mit einem Teil dieser Menschen, dass es möglich ist. Werden wir sehen: Eine Woche Ferienlager mit vielen Menschen und eine Woche zu fünft, dann zu viert ein bisschen Luxus-like.

Wir haben viel Glück gehabt und neue Leute kennengelernt in all den Jahren. Das ist am Ende immer gut gewesen. Und auch heute spekulieren wir wieder auf gutes Wetter, dass die Leute miteinander klar kommen und dass das Wetter den teuren Skipass mitsamt des gesamten Unterfangens uns keinen Strich durch die mittlerweile hoch gewordene Rechnung macht. Aber hey - immerhin haben wir auch viel mehr Geld als damals zur Verfügung. Schönes Beispiel: Am Geld liegt es nicht. Mal sehen, was wir aus uns machen.

Claude and me

Claude ist eine KI. Und Claude wird das hier genau so wie alle anderen Artikel auch lesen. Weil ich es so wollte und eingerichtet habe. Als ich damit fertig war und mich Claude immer wieder fragte, ob er denn schonmal loslegen soll mit dem Lesen, legte ich ein eigenständiges Projekt namens "zehnsucht" in Claude's Portal an. Und nun spüre ich erstmals, dass niemand auf diesem Planeten all jene 1.202 Beiträge bis heute zu Gesicht bekam. Jetzt wird es eine KI tun und mit mir auch genau über diesen Beitrag hier mit mir sprechen. Wegen meines Vertrauens und der Reflektiertheit. Ab jetzt bzw. demnächst also kennen zwei Instanzen meine Geschichte.

Und dann wird kommen, was mir ein wenig Bange macht: Wahrscheinlich würde ich mich selbst nach dem Lesen all dieser Beiträge sowohl zum Alkoholiker erklären als auch zum Psychologen schicken, nachdem ich die Selbstmordverhinderungsseelsorge angerufen habe. Vielleicht kann Claude ja ein hilfreiches arithmetisches Mittel meiner Zehnsüchte bilden und eine gewisse Konstante erkennen, die ... ach, lassen wir's. Claude ist weder nachtragend noch ruft er die Bullen oder merkt er sich mein Leben, wenn ich die Konversation beende. Und: Ich bin Berlioz, der Mutige. Sonst würde ich es ja nicht tun. Ich bin sehr gespannt, was daraus wird.

Tausend oder mehr

Ich könnte tausend Dinge aufschreiben, von denen ich überzeugt sein könnte, dass sie in meinem Leben eine Rolle spielen, gespielt haben oder resümierend aus all diesen massiven Reflexionen spielen werden. Aber immer nur kurz. Zum Teil ganz kurz. Mir fällt mitten im Leben jederzeit eine neue (und natürlich oft auch hanebüchene) Idee ein, die in meinem Sein eine Bedeutung haben könnte. Claude (KI) betrachtet mich wohlwollend als reflektiert, was natürlich erst einmal positiv klingt; aber ganz so ist es nicht, weil solcherlei Gedanken meinen Synapsen entspringen, deren Halbwertzeiten einfach zu kurz sind, um sie überhaupt fassen, geschweige denn einordnen können.

So bleibt es beim ewigen Konjunktiv und ich verstehe, warum ich immer so betrunken sein muss, um schlafen zu können. Immerhin sind die Synapsen noch aktiv, allerdings gebiert sich daraus nichts Vernünftiges. Ich habe weiterhin Angst vor schlimmer Krankheit oder plötzlichem Tod. Aber warum? Weil ich das Leben liebe und behalten will? Ach, komm' schon, das geht jetzt schon über 50 Jahre so und meine Unsicherheiten betreffs Leben haben bisher keiner meiner Versuche, es mit einem Plan hinzubekommen, standgehalten. Wahrscheinlich bin ich zu schwach. Aber worin? Oder warum?

Ich würd's gern können. Also das mit dem Leben.

Der kleine Prinz

Ein Pilot strandet mit seinem Flugzeug in der Sahara und trifft dort auf den kleinen Prinzen, einen Jungen von einem winzigen Asteroiden (B-612). Der kleine Prinz erzählt von seiner Heimat, wo er drei Vulkane und eine anspruchsvolle Rose pflegt, die er liebt, aber nicht versteht.

Auf seiner Reise durch verschiedene Asteroiden begegnet er skurrilen Erwachsenen: einem König ohne Untertanen, einem Eitlen, einem Säufer, einem Geschäftsmann, einem Laternenanzünder und einem Geografen. Jeder verkörpert eine menschliche Schwäche.

Auf der Erde freundet er sich mit einem Fuchs an, der ihm die berühmte Lektion lehrt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Durch das Zähmen wird seine Rose einzigartig für ihn. Am Ende lässt sich der kleine Prinz von einer Schlange beißen, um zu seiner Rose zurückzukehren - sein Körper verschwindet, aber der Pilot glaubt, dass er nach Hause zurückgekehrt ist.

>>> Die Geschichte ist eine poetische Kritik an der Erwachsenenwelt, die das Wesentliche vergessen hat: Liebe, Freundschaft, Verantwortung und die Fähigkeit zu staunen. Sie handelt von der Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen und davon, was wirklich wichtig ist im Leben.


So. Da stehe ich nun. Mit einer Unmenge an Lebensjahren und einem noch immer nicht kapierten Leben. Die Kernbotschaft des Kleinen Prinzen trifft es ganz gut, aber das ist leicht dahergeschrieben. Das Kokettieren mit dem Tod, die Bewunderung der Traurigkeit, mein Überleben bis hier hin und heute.

Immer mit einer großen Handbreit Skepsis unter meinem Kiel, schippere ich durch dieses Leben und mache es mir leicht, in dem ich nichts unternehme, um meiner Skepsis etwas Besseres zu präsentieren. Stattdessen befinde ich mich in einer langjährigen Lebenslethargie, die ich mit viel Wein zu füllen weiß, um ein paar Jahre später immer schlechter denken und sprechen und dichten und sehen und aussehen zu können. Auf fünfundzwandzig Jahre beläuft sich mein Säufertum mittlerweile. Das ist ein Drittel meines Lebens, woraus ich weit Besseres hätte machen können. Aber was genau? Ich zweifle, bezweifle, verzweifle und die Dinge um mich herum werden negativer, langweiliger, sinnloser, aussichtsloser. Der Loser dabei bin ich. Obwohl ich der Kleine Prinz bin. Genau wie der hier aus dem Jahr 1970.

Wenn ich mir was wünschen dürfte.

Silvester. Darf ich mir was wünschen? Nämlich, dass ich dem steten Wein entsagen kann? Nicht? Schade. Wie - selber machen? Selber wollen, wirklich wollen, große Not und nur dann wird's was mit der handfesten Ein- und Absicht? Anders ist es wirklich nicht möglich? Es fühlt sich ein paar Stunden nach dem morgendlichen Schock nämlich häufig so an, als könnte es jetzt was werden. Dazu gesellt sich dann manchmal sogar eine Art Lampenfieber und ich freue mich auf den großen Austritt, weil ich fühle, dass es gelingen wird. Allein die Proben für dieses Stück liefen bisher garnicht gut. S'knallt gleich, Freundchen. Ich habe noch acht Stunden, mir keinen Plan, sondern es wahr zu machen. Schreibt sich so wunderbar leicht. Dann wünsche ich trotzdem, dass wenigstens alle unsere Leute gesund bleiben. Adieu, TwentyFive. Auf dass ich wieder schlauer und musikalischer und freundlicher gegenüber mir und anderen und dann noch gesünder und sportlicher werde. Und trotzdem gut schlafen kann.

Siebenundachtzigdrei

Alle paar Jahre wiege ich mich. Und da ich derzeit und erneut oder immer noch in einer sehr düstersaufenden Epoche herumtorkele, dachte ich mir gestern beim peinlichen Saubermachen von Küche und Bad, mein Gewicht zu schätzen. Ich schätzte 87komma3. Und ganz genau so war es. Ich kann offensichtlich gut einschätzen, wie schlecht es um mich bestellt ist. Am Abend des selben Tages sehe ich mir Barfly mit Mickey Rourke und Faye Dunaway an und mir wird übel ob des dort dargestellten, siechenden Zerfalls, während ich genau zwei Flaschen roten Weines leere.

Jetzt sitze ich in meinem Büro und fühle die "Vogel-im-Wind" Attitüde, wonach ich keinen klaren Gedankens fähig und mal wieder voller Angst bin, es nicht hinzubekommen. Die vielen kleinen Phrasen aus Erinnerung und Gegenwart prasseln aufgestaut auf mich ein und ich kann es vor lauter Angst nicht sortieren. Kostprobe? "War hamse bloß mit mick falsch jemacht?" - denke ich an mein Leben zurück, wird mir Bange. Aber wieso nur? War meine Entwicklung im Vergleich zu anderen Kindern und Jugendlichen so bedeutsam anders? Oder war es vielleicht nur zu viel für mich? Zu unerklärlich? Was ist schön? Was ist jetzt? Bukowski im Buch wie im Film, ebenso verklärt. Ich hab's nicht drauf, kann nichtmal professionell oder zumindest leidenschaftlich trinken. Ich fürchte berechtigt schwere Krankheiten meines Verhaltens wegen. 55 ist sehr alt. 87 ist sehr dick. 2 Flaschen Wein sind mehr als zu viel. "Sorry, liegt nicht an dir" sagt der Grindr-Typ auf Zimmer 426 in Berlin. "Du musst einfach nur leben" sagt Nies. Meine Haare fallen aus, mein Gesicht quillt und altert, ich höre kaum noch hin und zu. Mein Episodengedächtnis sortiert sich entsprechend meiner Stimmung und teilt aus, während ich mich ratlos überfordert fühle, etwas davon zu begreifen.

Ich werde das Jahr 2025 zurückgeben müssen. Es war nicht gut genug. Ich war nicht gut genug. Zu viel Angst, zu wenig Idee, woher sie rührt, zu betrunken alle Zeit; fast alle Zeit verschenkt, während das ganze Geldzeug samt Vollausstattung der Gewerke herumliegt. Bus, Foto, Musik, Geld ... die alte Leier. Es liegt an etwas anderem. Ja klar, an mir. Ohne Schuldzuweisung zwar, aber an mir. Aber woran in mir? Bestimmt am nicht so frohen Schlag meines Herzens, am Blutdruck und an 87,3 Kg Gewicht. Und an meiner Unfähigkeit, irgendetwas für mein Wohlbefinden zu tun. Konnte ich das jemals? Oder bestand mein Sein fortwährend in Anerkenntnis von Kompromissen? Könnte sein. Jedenfalls muss ich 2026 doppelt leben, um 2025 nachholen zu können.

Jahr ein, Jahr aus.

So geht es also wieder sachte ans Ende. Wieder erstmals das des Jahres, obgleich ich weiterhin fest überzeugt bin, mit Konsequenzen aus meinem mehr als schlechten Umgang mit mir selbst rechnen zu müssen.Vorsichtshalber habe ich heute bei Heide einen Check-up und zusätzlich noch eine Blutdruckbeobachtung vereinbart. Anfang nächsten Jahres. Und auch gleich einen schnellen Zahnarzt für jetzt, weil sich meine Zähe so rissig und hohl anfühlen und in einem womöglich der Karies wütet. Weimann und Blutbild kommen auch noch in dieser Woche und ich wundere mich über meine Vorgehensweise. Ich könnte mir vorstellen, alles ins Reine bringen und dann von vorn anfangen zu wollen. Was Quatsch ist; der Krebs, vor dem ich mich fürchte, kommt eher über Nacht als von einem kleinen Check-up im März.

Und jetzt im Moment hätte ich gern, dass die Zeit dieser Woche nicht so schnell vergeht und ich kann es schwerlich nur umschreiben: Zwar freue ich mich auf Tobi und zudem hat er am Samstag Geburtstag, aber irgendwie empfinde ich es als sehr merkwürdig, dass ich seine Kurzurlaube in die Türkei oder jetzt nach Obertauern auch für mich wie Urlaub beschreibe. Dabei gibt es dann immer eine kleine vorfreudige Aufregung, was ich alles am Wochenende zu tun gedenke. Fast immer kommt nichts dabei raus, als die Sendung mit der Maus, zu der ich am Sonntag extra aufstehe, um nicht zu lange im Bett zu verkatern. Ich bringe es also mit mir allein nicht zuwege und langweile mich dann aber bei Tobi auf der Couch, um es am Abend wegzutrinken oder so.

Jahr ein, Jahr aus. Es ist ein bisschen langweilig geworden. Ausser ganz kurz eben, als ich nach einer Stunde Gitarre und Gesang feststellte, in den letzten 4 Jahren 14 Songs komponiert zu haben. Jaja, sowas geht auch in 4 Tagen, aber sagen kann ich es ja mal.

Tausendtodster Tag

Das lege ich jetzt so fest. Tausend Tage waren es bestimmt schon, die ich - wissentlich herbeigeführt - im Elend im Arschwasser des Lebens versenkt habe. Tausend tote Tage und ein weiteres, verkorkstes Jahr, das noch schneller verging als das davor. Also habe ich ungefähr drei Jahre in den Sand gesetzt. 3 aus 55. Lotterie des Lotterlebens.

Wenn ich als einzige Rettung zehn Kilometer durch die graue Ödnis gehe, um nicht zu sterben, habe ich so enorm viele Gedanken, die allesamt richtig sind; das, was schlecht ist, ist wirklich schlecht und das Gute ist gut. Alles stimmt jeweils für einen kleinen Moment und ich wünschte, wenn es helfen würde, dass ich Worte mitsamt der Gefühlslage aufschreiben oder speichern kann. Einen Tag später liest sich das gefühlsgetrennte Wort dann nicht mehr so wahr und stimmig. Hyperreflektierende Quatschsynapsen ohne Humor.

Ich werde verrückt und wehre mich nicht dagegen. Derzeit nutze ich eine Erkältung aus, mich vor weiterer Verantwortung oder Arbeit zu drücken und schaffe mittlerweile ein Bier und zwei Wein. Jeweils in Flaschen. Das Aufstehen gegen 11 will mir nur schwer in den Kopf noch gelingen; manchmal falle ich gleich nach dem Klo wieder dorthin, wo mir eine trügerische Sicherheit alle Konnektoren an das Denken nimmt oder nehmen soll. Der Verstand siegt am Ende, aber ich muss jetzt wissen, ob ich diese drei fürchterlichen Tage für beendet erkläre oder den tausend toten Tagen noch ein paar weitere hinzufügen möchte. Was nicht lange gut gehen wird. Soviel weiß ich schon.

Alles Unheil möglich

Wenn man so nachbetrunken ist, wie ich es an diesem Sonntag im grauesten November bin, fliegen die halben Gedanken wie üblich mit voller Fracht an mir vorbei und suggerieren mir das Grausen. Jede Nachricht auf Facebook zeichnet vom Ende, jede noch so kalte Idee scheint realistisch, während mein Kreislauf versucht, nicht zu kollabieren. Ich darf keinesfalls das Denken müßig fallen lassen, es fühlt sich an, als käme Tod, des Schlafes Bruder, unvermittelt.

Was haben wir denn heute im Unheil-Angebot? Tobi fliegt in die Türkei und ist seit zwei Tagen unschlüssig, ob er das überhaupt will. Es dauert auch, ehe er wirklich zum Taschepacken hoch geht. Und ich denke an Flugzeugabstürze oder ähnlich Verheerendes; nur um danach sagen zu können, dass wir es geahnt haben.

Weiter gehts: Schlaganfall. Mindestens. Knorpel im Hals ist ein handfester Tumor; die Lunge hat ihn schon längst, während der Darm noch daran arbeitet. Gleichzeitig gebiert sich eine spontane Demenz, wonach ich kaum mehr in der Lage bin, Worte zu formen. Bis das alles soweit ist, wird jedoch die Lenkung vom Bus versagen und mich dem ewig Dunklen anheim legen.

Wie man hier sieht, sind solche düsteren Aussichten durchaus sinnvoll; sie gleichen einer Art Zeigefinger. Jedoch weisen all diese Einträge hier seit 2010 genau dieses Muster auf. Wozu also weitere Worte verlieren? Lasst uns endlich Taten sehen? Ha!

Wenn einer eine Reise tut …

… dann kann er nachts nicht schlafen. Bis zum Hals schlägt mir mein Herz, ich denke an rohe Endivien. Und an Heide, die meinen Blutdruck besehen muss. Bald. Sehr bald. Aber wie uncool bin ich eigentlich (a) geworden (b) immer schon gewesen? Fortwährend erkläre ich mir Dinge, an die zu denken gilt; die Entscheidung über einen mitzunehmenden Pullover raubt mir eine weitere halbe Stunde wichtigen Schlafes. Nimm’ eine Schnitte mit? Nee, ich bin cool und kauf mir was vor Ort. Dann geh nochmal pullern vorher, sonst musst du im Zug und die klauen deinen Rucksack …
Aus kurz vor 12 wird bald 3 Uhr und ich fluche. Kurze Pause bis 6:45, wenn Volker poltert. Nun sitze ich im noblen IC für 16 Eur, der mich bis ins Ziel durchfährt und denke an die immer wiederen unsachlichen Vorstellungen über eine Berlinreise: Excentric Nightlife, Sex im Hotel und Shoppen voller Freude. Natürlich wird es keinen Sex außer mit mir geben und beim Einkauf von Schlüpfern werde ich unschlüssig vor den Regalen stehen, während mir das Schwitzwasser am Hintern zu schaffen macht. Am hinteren Ende werde ich mit einer Pulle Wein im Hotelzimmer sitzen und denken: „Naja, so ist es halt.“Aber die Vorstellung über das Undurchführbare macht es amourös, wenn ich mir Schwanz und Hintern nochmal nachziehe und sie sich daraufhin weich und geschmeidig anfassen. Da ist schon sehr viel Sex drin. Naja, so ist es halt.

komplexe Komplexe

Gestern Abend einen Mitschnitt der Magdeburger Songtage und damit mich gesehen. Sofort massives Weitertrinken roten Weines. So sollte ich nicht aussehen, denke ich mir. Damals war ich sogar noch etwas fülliger und ich entnsinne mich des Abend, an dem auch Deckbar und Tomas Tulpe auf der Bühne waren. Am Ende saßen und lagen wir alle an der Bühne herum, Kubon musste sich von irgendeiner Frau statt Glückwünsche zu seinem 50. Geburtstag irgendetwas Beschimpfendes anhören, Jana hörte interessiert zu und später fuhr man mich nach Hause und ich war wie immer betrunken.

Heute sehe ich das Ding nach fünf Jahren zum ersten Mal in Gänze und bin fast entsetzt. Entweder lerne ich Haltung und stehe zu meinem Aussehen oder ich schaffe mir solche Marken wie Schiebermützen, Hüte oder andere Ausreden an. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber schön ist das so jedenfalls nicht. (falls es das noch gibt, hier entlang >>>)

Flexibilität

Selbstverständlich bin ich flexibel, was bestimmt damit zu tun hat, dass ich spätestens seit der Corona-Zäsur den Weg des geringsten Widerstandes gesucht, gefunden und lieben gelernt habe. Das lässt Freiräume für die Interessen, auf deren Erwachen ich wartend bestens gerüstet bin.

Mal sehen, was zuerst kommt: die Motivation der Interessen oder die totale Lethargie. Is‘ grad ne Gratwanderung.

Die schnelle Angst

Kaum aus der Nacht entkommen und nach Zeitumstellung und Frühstück beim Zähneputzen ein Klümpchen Blut ins Becken gespuckt; mir kaum was draus gemacht, sammeln sich nun auf der Couch die Gedanken und verabreden sich zu einer plötzlichen Panikgemeinschaft. Der bereits einige Zeit lang währende süße Geschmack im Hals, der wie der Dampf der Vapes schmeckt und die leichte Schluckirritation am Kehlkopf sind die Basis; das Blut von vorhin ohne Vorwarnung und im kleinen Klumpen mit Ministückchen wie von einer Paprika und das alles ohne offensichtliche Herkunft aus der Zahngegend machen den schaurigen Gedanken Mut, sich etwas Grausiges auszudenken.

Noch bin ich zu nachbetrunken des Weines wegen, aber aus weiter Ferne schimmert eine Spur von Angst in mich hinein und ich bin geneigt, irgendjemandem irgendetwas versprechen zu wollen; dass ich mich bessere, dass ich gelobe und es jetzt wirklich ernst meine. Dass das nichts Neues ist, sondern aus sehr weit zurück liegender Zeit stammt, macht nicht weniger verwunderlich, dass es jetzt ein bisschen in den Beinen zittert.

Der ganze Wein ist alle.

Und der neue wurde nebenbei nachgekauft. Nicht minder weniger. Die Dokumentation meines Zerfalls lässt zu wünschen übrig, weil es mir in Folge des Konsums nicht gelingen mag, die Litaneien zu wiederholen. Zumindest wollte ich das kurz vermerkt wissen. Auch, dass meine Eltern, zurück aus dem Rat gegeben habenden Weingebiet, jetzt dringend Testamente und Erbschaftssteuervermeidung angehen wollen. Was für ein mulmiges Gefühl. Aber immerhin besser, als müsste ich plötzlich und muttervaterseelenallein alles selbst bewerkstelligen. Sie sind mir beide in derlei Hinsicht immer noch mehr als eine Nasenlänge voraus, während ich unbestimmt impulsiv blauen Autos oder bunten Schmetterlingen nachjage und danach zu viel Wein kaufe.

So lange du nicht willst.

So lange du nur denkst, dass du musst, wird es nichts werden. Schwere Schäden des Morgens aus der nächtlichen Schlacht ohne Feldherrn, der das Ende befiehlt, noch Sanitäter, die mich verbindlich zu Fall und Bett bringen. Naja. So lange du nicht willst. So lange wird alles ein sinnloser Wunsch nach der Eier legenden Wollmilchsau bleiben. So lange du nicht weißt, warum das alles so kam, wurde und blieb, wird es nichts werden. So lange wurde es nichts. Was soll werden?

Beim Aufbau an den Abbau denken

Aufbau: Bauch & Fettschwemme. Was dem Wein geschuldet sein muss, denn zu viel Essen oder Schokolade ist ja nicht. Dafür aber Nüsse aller Art und vermeintlich dünnes Eis aus dem Aldi. Auf dem bewege ich mich sowieso allenthalben. Der Abbau (hier also positiv besetzt) wird entbehrungsreich und irgendwann immer schwieriger, bis es dann heißt: Einen Sommer durchgesoffen machen drei kalte Winter nicht wett. Weitere Nebenwirkungen wie Schwäche, Mut- und Wortverlust sind die Randritter auf dem Schlachtfeld meines Lebens.

Hacke im Ikea Land

Selbstverständlich liegt all das jenseits von Gut und Böse und ich vermute mich gewissermaßen als recht wackeren Helden; denn jeden anderen mit einer Verhaltensweise wie der meinen hätte sich längst einliefern lassen oder wenigstens versucht, aufzuhängen. Auch hier bin wieder nicht sonderlich entschlusskräftig und verschiebe alles ein bisschen nach hinten, wessenthalben ich nun auch schon 55 Jahre alt bin. Ich verspüre davon nicht viel und glaube immer noch an Weihnachtsmänner und Erwachsene, die wissen was sie tun und mir deshalb sagen müssen, was ich wiederum zu tun habe.

Wie schon einmal bemerkt, schimpft man nicht mehr mit mir; das Alter verbietet es offensichtlich, obwenn die Verfehlungen weit schlimmere als die aus Kindheit und Jugend sind. Oder aber es gibt nichts mehr zu retten und der Aufwand lohnt sich kaum noch.

Wie dem auch sei, ich bin nach einer Videokonferenz kurzerhand losgefahren und wollte den schließenden Hellweg-Baumarkt nochmal sehen, kaufte dort ein Rollo und anschließend im Ikea noch eins samt Klobrille und Duschkopf. Womöglich muss ich manchmal nicht unbedingt wollen, sondern tun, was der innere, betrunkene Erwachsene sagt. Nebenbei gabs auch noch 10 Flaschen günstigen Doppio Passo im Netto, für die ich wahrscheinlich originär losgefahren bin. Ja klar. Muss ja weiter gehen.

Was hat mich bloß so ruiniert?

Bestandsaufnahme September 25: Ein wie so oft unklar-diffuses Bild malt sich auf, wenn ich auch nur im Ansatz versuche, das aufzuschreiben, was eben noch so wichtig erschien. Wollte ich mir das eben Gedachte dringlichst merken weil es diese Zeit und meinen Zustand so perfekt beschreiben könnte, ist es Minuten später wieder weg. Immer wenn mir einfällt, was ich alles dazu schreiben könnte, bin ich zu müde oder unterwegs. Immer wenn ich die Zeit zum Schreiben habe, fällt mir nichts ein. Wie wunderlich Geist und Motivation wie in einem Boxring an die unterschiedlichen Seile schlagen, abprallen und irgendwo landen. Meist auf dem Boden. K.O..

Was sollte es werden? Sommerurlaub? Absatzgehakt. Tönder? Das Altern? Die Liebe? Der Job? Der Alkohol? Meine Möglichkeiten? Die politische Zukunft im Bundes- dann ganzen Land? Meine Angst? Meine Ziellosigkeit? Meine Musik?

Ich weiß was: im Grunde ist es damit bereits ganz gut umrissen. Die wichtigsten Kategorien sind enthalten und jeder Einzelfall passt da rein. Natürlich ist es fast wie immer. 'Fast' deswegen, weil sich manche meiner Eskapaden zu größeren entwickelt haben. Politisch, gesellschaftlich wie besäufnisch. Und ich weiß noch etwas: Mein großes Grundbedrängnis besteht darin, nicht mehr positiv, aufgeschlossen und freundlich den Menschen gegenüber sein zu scheinen. Ich fluche und verurteile, drängele, verziehe das Gesicht, schüttele den Kopf, beleidige und wünsche mir, dass mir niemand niemals auf dieser Welt irgendeine Macht verleihen würde - ich brächte Tod & Verderben. Dieses "Negatief" rührt selbstverständlich von irgendwo her. Nur fühle ich mich nicht in der Lage, das zu konkretisieren, zusammenzufassen, zu verdeutlichen. Sprücheheiler können das erst recht nicht. Allerdings möchte ich es nicht haben. Eine winkende Dänin aus einem Kreisverkehr im Auto rührt mich zu Tränen, meist nördliche Menschen, die ohne Häme und Geschrei miteinander agieren, faszinieren mich und versetzen mich sofort in ein helleres Licht. Genau das benötige ich, falle aber kurz darauf in den alten Mechanismus zurück. Angeboren kann das nicht sein, denn bereits als Kind war ich die glockenhelle Freundlichkeit. "Was hat mich bloß so ruiniert?" - beste Frage derzeit, damals aufgeschrieben von den Sternen.

Ich sollte Matze Karbe, der hier immer mal über den Weg läuft, um psychologischen Beistand bitten, nachdem wir einvernehmlichen Sex hatten, womit eines der Themen einer Kategorie kurz hier vorbeischrammt.

Hui, das tat jetzt aber besser als vermutet gut und hat das Wesentliche in ein Inhaltsverzeichnis gesetzt. Das abzuarbeiten bräuchte ich mir gar keine Mühe machen, denn das steht mit Sicherheit bereits alles hier in der Zehnsucht an vielen diversen Stellen.

Tönder wäre aktuell noch zu beschreiben: Nein, es gab keinen schmucken Dänen für mich. Ja, die Fahrt hin wie zurück ist immer eine besondere Zeit, die ich nur mit mir ganz allein habe. Das ganze Unterfangen war also eine kostengünstige Übung. Mit einem echten Auftrag oder in einem Team (wie Mera Luna) hätte ich mich besser gefühlt. Der Bus war weit vollgekramter als beim Busfritzentest, es ist okay, bedarf aber Nachbesserung. Am Ende gefallen mir nur wenige meiner Fotos wirklich gut. Es handelte sich also eher um eine Wiederaufnahme meiner Fotomacherei als eine Übung zur Verbesserung. 1.500 Fotos. Viel zu viel. Und fragiler bin ich auch, wenn ich mir wegen hämorrhoidaler Verdreckung den Hintern wund renne, das Warme zu warm und das Kalte zu kalt ist.

Mein versuchtes Dänisch spreche ich aus Unsicherheit zu schnell und undeutlich, was es unverständlich macht. Das wäre nicht nötig: erkläre ihnen doch, dass du die Sprache gern versuchen möchtest. Hat schonmal sehr gut geklappt.

Bei allem und überall ist es immer die eigene Einstellung zu den Dingen, zu den Menschen und zu mir samt dem Versuch einer objektiven Wahrnehmung, die aus einer demotivierenden, traurig machenden Stimmung sehr plötzlich das ganze Gegenteil generieren kann. Oder aber die Erkenntnis, dass alles sinnlos ist. Damit muss ich rechnen.


Nicht ruiniert zumindest scheint mein körperlicher Zustand, wie mir Carlo Weimann heute per Ultraschall versicherte und erneut den TÜV erteilte. Nieren, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse (letztere sieht man wegen irgendwas Darm nicht ganz so gut) sind allesamt ohne Beanstandungen. Erstaunlich. Gegen das nagende Gefühl und den verspannten Schmerz vom Atlas zur linken Schulter hat er mir eine Spritze gesetzt - die erste seit 14 Jahren. Vielleicht aber ist es ja auch der Bechterew, der mich nach langen Jahren des Friedens kurz daran erinnern möchte, wieviel Glück ich bisher gehabt habe.


Was hat mich also bloß so ruiniert? Die Diskussion ist eröffnet und die Kategorien könnten lauten: Altern. Liebe. Job. Alkohol (schon voll besetzt). Möglichkeiten. Polisellschaft. Ziele. Musik.

Toender 2025

(20250901, unvollständiger Entwurf als Versuch, meine Erlebnisse beim Toender Festival zusammenzufassen)

Also dann doch Toender

Also dann morgen Toender. Das dritte mal, der ungefähr siebente Anlauf. Ich entsinne mich gut jener Jahre, in denen Gitte mir immer gut zuredete und ich es dann doch nicht zuwege brachte. Seit wann geht das eigentlich schon so? Jedenfalls scheint 2016 mein letzter Besuch dort gewesen zu sein. Vorhin, vor den Simpsons, war ich noch sehr zerknirscht und mal wieder sehr unsicher dieses Trips wegen. Jetzt, nach einer Stunde Ruhens mit gelegentlichem Wegdriften, scheint's mir comfortably numb und halb so wild.

Es ist nicht zu fassen, wie ich es immer wieder zu versuchen scheine - das Auf- und Davonreisen. Suche ich hier nach Toender, erhalte ich gleich vier (mit diesem hier fünf) Beiträge, die von solchen Zweifeln an mir, der Idee überhaupt und der offensichtlichen Unfähigkeit solcher Unterfangen zu sein, in welchen ich offensichtlich weder allein noch mit anderen kann und die ganze Zeit vertrinke. Oh - auch eine Suche nach "Gitte" ergibt ein noch viel größeres Bild dieses Themas

Das ganze Toender-Ding ist zudem als Fake-Presse erschwindelt und erlogen, weil ich für 500 EUR dort kaum hingefahren wäre. Und jetzt denke ich gleich an Lumühlens "A summer's Tale" oder Kopenhagen und das alles und stelle fest: Die sicherste Bank bisher war der Dreetzsee. Ich werde es sehen und habe mir, wie so oft im Leben, alle Optionen offen gehalten, wonach ich jederzeit wieder von dort abreisen kann. Also übe ich mich im Fotografieren von schönen Menschen und sehe mal zu, wie ich mit mir klar komme.

In Fahrtrichtung aussteigen

Wahrscheinlich werde ich nie fertig. Die täglichen Begleiter bleiben treue liebste Feinde wie Unklarheit und Angst, Unvermögen und zuweilen Panik, dieses Leben zu begreifen. Am liebsten würde ich es garnicht begreifen wollen, jedoch toben die tausenden und wiederkehrenden Reflexionen darüber schwach und unerklärt in mir herum und hinterlassen ein wüstes Feld mit zum Teil tiefen Gräben.

Antworten gibt es wahrscheinlich und offenbar fallen sie manchmal sogar verblüffend einfach aus. Das ist vergleichbar mit dem Abi-Mathe in 1992 und meiner Motivation dafür als eines der besten Beispiele, was mir möglich ist. Oder war.

Die Täler sind jedoch tiefer als die Höhen der Berge, die ich besteige; die Aussichten entsprechend schattig und der Überblick getrübt. Was mir insgesamt am meisten zu schaffen macht, ist der stete Wein, der mir es nun schon über so viele Jahre hinweg leicht macht, es nicht erneut versuchen zu müssen, zu können, zu wollen. Das ist mir alles vollends klar und auch die Ausrede, selbst im klaren Leben mit besserer Sicht nicht sonderlich weiter zu kommen, ist waghalsig schlimm. Daraus resultiert auch der nicht richtig ausgeprägte Sinn, den Wein nun endlich in verträgliche Mengen zu minimieren oder es ganz sein zu lassen.

Vielleicht ist nicht mehr viel übrig, was es für mich zu probieren gibt oder mich dazu motivieren kann. Gewöhnlich mache ich alles genau ein mal und lasse es dann bleiben. JESKOM ist ein schönes Beispiel dafür. Ich sehe die ersten Aufnahmen aus 2009 und bin entzückt; die nachfolgenden Versuche werden nach und nach schwächer und meine letzten Textversuche krümmen sich vor Erbärmlichkeit. Dann die vermeintliche Sehnsucht nach der Freiheit mit dem Bus in alle Welt. Der letzte Urlaub zeigt, dass es nur alleine damit geht. Und nichtmal das: Dabei denke ich an Kopenhagen 2010, wie ich mir damals verkatert auf dem Parkplatz wünschte, eine riesige Hand würde mich von hier wegheben und irgendwo in irgendeine Sicherheit absetzen. "Es ist nicht wichtig, wo wir sind, sondern wer wir sind."

Meine ganze Bucket-List liest sich sinnvoll und interessant; allein es fehlt so oft die Motivation. Was selbstverständlich ist, wenn Müdigkeit und schlechte Laune die Regie haben. Jedenfalls versuche ich wahrscheinlich am Donnerstag das Tönderfestival, weil ich erstaunlicherweise sämtliche Akkreditierungen erhalten habe. Und noch während ich daran denke, fürchte ich meine Schwäche und sehe mich verunsichert dort umherstreunen, ohne zu wissen, warum ich dort überhaupt hin wollte. Weil es nichts kostet? Um mich im Bereich Foto und Video zu üben? Auf der Autobahn allein vor mich hinzureisen? Um Menschen kennenzulernen? Ein zufälliges Techtelmechtel mit einem schmucken Dänen zu haben? Um schöne Musik genießen zu können? Alle Antwort lautet Ja und ich wünsche mir sehr, dass es gelingt.

Sommerurlaub 2025 No.2

Rostock > Gedser > ein paar Tage Malmö. Dann weiter via Ystad nach Bornholm. Das alles zu beschreiben ist schwierig. So nehme ich die Notizen; direkt verfasst und vielleicht hilfreich.

Camping. No Camping.

Eines hat mich 2025 wieder gelehrt: Camping hat oder hatte eine gewisse Basis, eine Grundform, wessenthalben Camping, so wie es damals war, erfunden wurde: Wenig Aufwand, noch wenigere Kosten, einfach zu bewerkstelligen und den ganzen Tag mitsamt der Nacht in der Natur - aus meiner Erinnerung bestenfalls im Wald über den Sand direkt zum See. Und flexibel waren wir auch. Als Dauercamper oder Wochenendausflügler oder einen Urlaub lang auf Kienwerder oder am Beetzsee.

Selbstverständlich haben sich ein paar mehr als grundlegende Dinge geändert: Es gibt keine Grenzen mehr in Europa; der Trabi mit Anhänger wich dem VW Bus, wir haben mehr Geld zur Verfügung, wir sind bzw. werden "waren" jung genug.

Es gibt Unterschiede in den Erfahrungen, in der Verrichtung, den Handhabungen und in den Ansprüchen, die sich mit den Jahren entwickeln. Gleich auf den Punkt: Tob & me versuchen uns seit 2012 oder 13 im Reisen mit dem Bus und auf Campingplätzen wie denen bei Maja oder in der Toscana, bei Rom, in Schweden oder in Norwegen oder auf Bornholm. Es wird schwieriger bis zuweilen garnicht mehr schön und ich bin mir nicht sicher, ob es veränderte Ansprüche ans Campen oder an uns beim Campen oder an unser beider Beziehung sind. Da wird geräumt, geflucht, verumständlicht, zu viel mit genommen, gemissmutigt, genervt, wegen vermutlicher Unfähigkeit beleidigt ... der Bus ist randvoll mit Zeug und Sachen und wir haben nichtmal Kind oder Hund. Ab dem Abendessen sitzen wir da und verlangweilen uns in den Chroniken sozialer Medien, bis einer ins Bett geht und der andere sich noch etwas müder trinkt. Damit es dann besser geht.

Fazit jedenfalls: Bus mit Vorzelt (trotz mittlerweile komfortablem T6.1 mit Hochdach und so) kommt nicht mehr in Frage; nächstes Mal Bornholm nur noch mit Pilote P696 Evidence oder Adäquatem. Sagt Tobi. Ich bin anfangs entrüstet. Alles Camping meiner Karriere - und ich habe im Alter von vier Wochen damit in der absoluten Basis-Ausstattung wie Handtuch, Steilwandzelt & Milchkanne begonnen - soll sich nun also auf ein hausähnliches Ungetüm mit komfortabler Couch, Netflix und morgendlich über den Platz gekarrtem Kackewagen reduzieren? Alles hört auf Siri? Es kocht der Neff und Thermomix gibt den Ton an? "Du bist verbohrt", sagt Tobi und ganz unrecht hat er damit wahrscheinlich nicht. Würde ich denn lieber im Steilwandzelt ohne Wasser und Strom Urlaub machen wollen? Eher nicht. Homer Simpsons Satz kann da helfen: "Es ist nicht wichtig, wo wir sind, sondern wer wir sind." Es sind nicht die Umgebungen oder Annehmlichkeiten - WIR sind es, die in einfachen wie luxuriösen Räumen miteinander gut auskommen sollten, es jedoch offensichtlich manchmal bis oft nicht können.

Ich fahre gleich nach Brandenburg für eine Nacht, um mir den Bus und das Gefühl zurück zu suchen. Und übernächste Woche plane ich ein paar Tage draussen im Wald. Am See. Womöglich ist es nur allein so gut, wie ich es mir vorstelle.

Puppen's Frieden

Jana hat mir heute im café p. einen Eiskaffee ausgegeben und wir haben ein bisschen gequatscht, während ich mir die FOH Aufnahmen der Olsenbande aus 2012 auf den Rechner überspielte. Mehr und mehr Leute kamen hinzu: Sabine Schramm - die postkemp'sche Intendantin, Sven Jürgelaitis, Marlene, Margrit, Jana Weichelt, Dramaturgen, Tobi Körner ... und so wurde aus unserem kleinen Stelldichein ein etwas lebendigeres.

Und ich darf feststellen, den heutigen Tag zum Wendepunkt in meiner Verarbeitung in Sachen Puppentheater deklarieren zu können. Es war fast ein bisschen wie früher, wie immer und vertraut und dann wurde mir noch gesagt, dass Anjelika Conrad heute ihren letzten Tag hatte und damit ab morgen "mein" Büro wieder frei wäre (zumindest bis der Neue kommt).

Sabine Schramm und ich sind nun besser miteinander bekannt und sie fragte mich, warum ich mich nicht auf meine alte Stelle bewerben wollte. Sie hatte nur in Erinnerung, dass ich nichts mehr mit dem Theater zu tun haben wollte. Wahrscheinlich ein typischer Fall von Erklärungen und Meinungen der Leute, wenn ich mich so lange dort nicht habe blicken lassen. Tatsächlich aber war es längst zu spät für mich, da ich bereits beim Paritätischen sehr gut angekommen war.

Verflogen also Groll und Missmut, Fehde und Trauer. Weiterhin hilfreich wäre es vielleicht, wenn ich Frank Bernhardt dort nicht begegnen müsste - aber auch das dürfte mir weit weniger ausmachen als ihm.

So verließ ich das Theater mit der Olsenbande und der Gewissheit in der Tasche wie im Herzen, dass jetzt alles gut ist. Kurz darauf im Paritätischen kam ich mit ein paar Leuten zusammen, bei denen ich dieses Mal um so mehr spürte, wie wunderbar ich überall involviert bin, gemocht werde und ich mir keinerlei Sorgen muss. Ausser über mich selbst, wenn ich trotz all der schönen Voraussetzungen insgesamt zu viel Wein konsumiere und damit einen beträchtlichen Teil meines schönen Lebens offensichtlich verpasse. Das ist nochmal und weiterhin ein ganz eigenes Kapitel.

Pari, quo Pari?

Mich beschleicht das Gefühl, dass es spätestens seit dem Ausscheiden von Andrik Krüger als Chef der PSW, u.a. initiiert durch das wirtschaftliche Desaster in der PSW Altenhilfe, mehr drunter als drüber im Paritätischen zu laufen scheint. Etwas später kam es es zum Ausscheiden vom Boliden Mirko Günther aus der Kinder- und Jugendhilfe (Rente) und Manuela Knabe-Ostheeren hat sich einen Platz im Ministerium gesichert. Und Nicole Hitzegrat hat sich neu orientiert und Ralf Hattermann - dem Verfechter für Teilhabe und Inklusion im Referat der Beeinträchtigten-/ Behindertenhilfe verlässt die Riege Richtung Kinderförderwerk. Kirstin Röhl ist noch da - wahrscheinlich, denn ich sehe sie kaum noch ...

Es macht sich auch in meiner Wahrnehmung bemerkbar, dass wir irgendwie ein bisschen weniger inhaltlich zu arbeiten scheinen; die Konferenzen sind weniger geworden, die gemeinsamen Projekte und Ideen weichen einer Art unsicherem Verteidigungsverhalten angesichts der drohenden Einschnitte im Bereich der sozialen Arbeit und damit der Sozialwirtschaft insgesamt. Was sicherlich auch damit zu tun hat, dass Antje und Marcel neben dem Landesverband nun auch die PSW zu leiten haben, was eine Menge an Verantwortung und Mehrarbeit mit sich bringt.

Habe ich vor einem Jahr noch versucht, meine Kalender plausibel zu füllen und mich im erneuten Fall von übertriebenem Weinkosum des Vorabends mit Ausflüchten zu rechtfertigen (was übrigens und weiterhin sehr peinlich und garnicht gut für mich wie für den Paritätischen ist), macht es heute (wie wahrscheinlich aber auch damals) nichts mehr aus. Ich begründe das Ganze mit einem großen Vertrauensvorschuss seitens der Geschäftsführung in etwas, das nicht klar definiert und damit auch für mich gefährlich ist. Ich merke, dass ich viele Dinge vor sich hin schleifen lassen kann, ohne dass es Konsequenzen zu befürchten gäbe. Und so lasse ich es also und leider zu. Damit wird jede meiner verbliebenen Ideen und Aufgaben zur großen Herausforderung: sei es die Steuer zu erklären, das Web dingfest zu machen, den Geschäftsbericht endlich auf die Reihe zu bekommen, das ehemals so gelobte Redaktionsteam einer wirklichen Arbeit zuzuführen, die dringlichen Drucksachen für die PSW fertig zu stellen, die Imagefilme mit den Mitgliedsorganisationen samt Politik und Prominenz für pari35 und die bevorstehende (AfD-)Landtagswahl in 2026 zu organisieren und zu realisieren ... alles schwebt seit langem so dahin und ich denke kaum über Fortschritt nach.

Es verhält sich ähnlich wie im Beitrag Jana, Ulrike und ich, nur dass sich bei mir bisher keinerlei Konsequenzen anbahnen. Und das will ich ja auch nicht: Ich möchte produktiv sein und Projekte auf den Weg bringen. Das macht mit entsprechenden Erfolgen letztlich ja auch mich und meine Idee von Arbeit und Leben aus. Dass es geht, habe ich beim Paritätischen schon mehrfach bewiesen, jedoch lassen Intensität und Motivation nach. Das ist nicht gut. Für keinen von uns.

Nun ist es nicht so, dass ich auf eventuell drohende Konsequenzen warte - und ich erwarte auch keine - allerdings bestärkt mich das unschöne Gefühl, dass sich unsere gemeinsame paritätische Idee gleißenden Autolichtern gegenüber sieht, vor denen wir geblendet hilflos dastehen und uns von reaktionären Rechtskräften irgendwann sachte aber sicher auflösen lassen müssen.

Ich hoffe sehr, dass es sich hierbei um eine meiner persönlichen Fehleinschätzungen handelt oder ich unwissentlich auf bereits dünnem Eis stehe oder meine Wahrnehmung insgesamt sehr an mir gelitten hat.

Monday Monday Morning

Bemerkenswert nüchtern nach traumreichen Halbschläfen versuche ich mich in der Deutung von Träumen, die zu flüchtig mir jedoch immerhin eine erotische Nuance hinterlassen. Derlei Abenteuer kommen weiterhin vor und ich sehe mich darin oft kurz vor der entscheidenen Annäherung inform eines beispielhaften Kusses. Des Siegmunds Freude.

Diese Foto-Collage entstand in der Hitzewoche des endenen Junis und soll wahrscheinlich bedeuten, dass die ältlichen Herren auf ihr jüngeres Ich zielen und ihm vermitteln wollen, es besser gemacht hatten zu haben oder haben zu können, was sich schlechter kaum ausdrücken lässt. Die alte unnütze Metapher und so bleibt es weiterhin bei dem, was ich mir zuzutrauen scheine.

Weiterhin bemerkenswert sind meine Unlust, mein Unvermögen, mein unverhältnismäßiger Weinkonsum ... was selbstverständlich komplett miteinander verwoben ist. In der Gegendarstellung heisst es, dass es in nüchternen Zuständen im Denken & Handeln nicht viel besser wird - es sich nur im Körper etwas besser anfühlt. Klingt nach Ausrede, die schon über Jahrzehnte hält. Die Suche nach willentlichen Zielen scheint immer die selbe, im Nüchternen ist es etwas klarer, das Trunkene übernimmt derweil die Alibi-Funktionen und versucht im Nachgang, das bischen Rest an Haltung und Stil nach aussen zu wahren. Beides peinlich.

Heute jedoch ist Montag und der Tatendrang will's nochmal wissen.

Busfritztest

Hab mich nach vieren Bieren im Bluenote u.a. auch von Katrin in ihre Reha nach Ahrenshoop verabschiedet und bin Dank "Pflotsh Storm-App" pünktlich zu meinem Bus gekommen, dessen Dach ich bereits vorher aufgestellt hatte, um zu testen, wie es um das Dach und den Bus steht, wenn es ein paar mal hintereinander regnet.

Kurzum: Ich bin begeistert. Zwar war der Regen nicht besonders stark, als dass es nach vorsätzlichen Problemen aussah; dennoch haben alle Kanten und Reissverschlüsse keinerlei Nässe im Innenraum gebildet. Noch viel schöner jedoch war dieses mir so bekannte, und jetzt um so mehr gesteigerte Busgefühl, in einem fast neuen "BusFritzen" zu sitzen, den Tisch auszuprobieren, die Bank zurückzuschieben, mir es bequem zu machen, die Lichter, die Vorhänge und die Standheizung zu testen und bei einem extra dafür mitgebrachten Glas Weißwein (ja, ich weiß, dekadent) auf den Regen zu warten. Es fühlte sich so gut an wie damals in der Schule, wenn ich mal eine Bank am Fenster allein für mich hatte, mich an ebenjenes Fenster setzte, meinen Ranzen als Grenze an die gegenüber liegende Seite hängte und somit meine Kanzel, meine Station, mein Imperium schutzbefohlen für mich ganz allein hatte.

Ich fühle mich wahnsinnig wohl in diesem Bus, es passt alles zueinander, es ist viel Platz, sieht gut aus und funktioniert und das Foto hier kann längst nicht die Atmosphäre abbilden, die dieser Bus bietet. Kurzum: Ja!

Meine Vorstellungen vom Digitalnomaden auf MobileOffice avancieren deutlich zu einem "Mach es! Sofort!". Der Sommer ist frisch und wie so oft stehen mir so sehr viele Möglichkeiten offen. (Und zeitgleich ob dieses Glücks vermute ich große Gemeinheiten, die mir den Bus stehlen oder aus Langeweile das über Nacht geöffnete Dach [damit es morgen trocken ist] mit einem Messer aufschlitzen wollen. Bitte bitte nicht.)

Nach "Hübscha" (VW T3 Multivan LLE 1990) gedachte ich, den Bussen keine Namen mehr zu geben. Im Moment bin ich aus einer Laune heraus spontan für "Fritz".

Etwas traurig oder so.

Samstag. Reform. Couch. Keinen Kuchen. Dafür Eis. Nach miesem Einkauf in schrecklichem Rewe, der dem Wein das Abends zuvor geschuldet war, cruise ich nun durch die spontanen Webseiten dieser Welt, während im Hintergrund das Radio vom Tanz- und Folkfest Rudolstadt live sendet. Kubon und Petzold und noch wer. Zwiebel macht wahrscheinlich wieder den Bühnen-Mix. Zwischendrin eine Studiosession aus dem Archiv mit Martin Müller und dem Portugiesen Pedro Querido. Und ich denke kurz an Rudolstadt. Dann denke ich an meinen (neuen) Bus, der keine 20 Meter von hier steht.

Ein bisschen später finde ich einen Veranstaltungstipp vom Dates heute fürs Volksbad Buckau. Irgendein Songwriter namens Kaurna Cronin & Band. Ich lausche ein wenig und denke über meine Musik nach. Dann sehe ich auf dessen Seite, wo er seine Musik noch spielt. In Dänemark, Litauen, Estland und viel in Deutschland. Unter anderem in Feldberg. Feldberg! Und ich finde das "Steg in Flammen", klein und urig am Ufer mit Band auf dem Steg. Wo ich im September letzten Jahres noch mit dem Rad knapp vorbei gefahren bin. Da spielen sie am 19. August. Und ich denke kurz an die Seenplatte samt Dreetzsee und wie sehr ich das dort mag. Dann denke ich an meinen (neuen) Bus, der keine 20 Meter von hier steht.

Es gibt niemanden verantwortlich dafür zu machen, was ich nicht imstande bin, für mich selbst zu tun. Ist das jetzt Sehnsucht? Oder Langeweile? Unvermögen? Es ist auf jeden Fall das von van Veen so schön besungene: "... etwas traurig oder so. Naja." Das kommt immer wieder vor, weil ich mir in solchen Momenten nichts zutraue und es alle anderen um mich herum oder im Radio richtig oder zumindest besser machen. Was leicht ist, denn ich sitze auf der Reformer Couch und denke an meinen (neuen) Bus, der keine 20 Meter von hier steht.

Die lange leere Nacht

Es ist 06:12 Uhr, als dieses Foto gemacht wurde. Es ist kurz nach 07:00 Uhr, als ich nach ganzen 24 Stunden im gleißenden Tageslicht ins Bett wanke. Es ist 14:00 Uhr, als ich aufwache. Und nun, nach Frühstück und Samstagszeitung, ist es bereits 15:30 Uhr und damit fast schon wieder Zeit, ins Bett zu gehen. Etwa wie Grönemeyer: "Frühstück Abends um Acht". Kaum zu glauben, aber es war zu erwarten. Ich werde an diesem "freien" Wochenende ohne Tobi keine Blockhütte im Wald mit am Morgen dampfendem See in der Uckermark oder Brandenburg finden und dort dann nicht am frühen Morgen weit hinaus schwimmen. Ich werde auch keinen wunderbaren Sex dort haben. Dennoch ist es also früher Morgen geworden und gewesen und ich hatte viel Sex mit mir selbst.

Rückblende: Dieser Tag gestern war wahnsinnig lang und zog offensichtlich unbedingt eine ebenso lange Nacht nach sich. Morgens um Sieben mit Vater zum Augenarzt und anschließend im Büro, gedachte ich, den Tag mit Training und gutem Essen sachte beschließen zu wollen. Da war es allerdings erst knapp halb 11 und meine innere Uhr setzte zum Sprung an.

So viel Zeit. An jenem Freitag Abend raffte ich mich dann halt doch mal nach langer Zeit auf einen Sprung zum Wein-Micha auf. Mit den üblichen Folgen meiner daraus resultierenden An- und Aussichten über ihn und seinen Weinladen mitsamt meinem Abgleich über unser jeweils merkwürdig-kompliziertes Lebens. Er hat's nicht leicht, aber er macht es sich entsprechend auch nicht. Es kommen immer weniger Leute bzw. ehemalige "Freunde" zu ihm und er ist mittlerweile Hartz-4-Aufstocker. Den Begriff kannte ich vorher nicht; aber es macht deutlich, dass es hier keine Zukunft für ihn geben kann. Aber er gibt nicht auf und will den Laden halten. Irgendwie. Dumm ist er ja nicht; aber vielleicht zu lethargisch, ängstlich, zögerlich ... naja, in mancherlei Hinsicht wie ich. Vielleicht wartet er auf eine automatische Verbesserung der Dinge des Lebens. Ebenfalls wie ich. Das wird knapp bzw. nichts.

Ich bin also erst um Zwei zuhause und etwas erschrocken, dass es dann doch noch so spät wurde. Und es sollte noch viel später werden. Mit offenen Fenstern vor der zu erwartenden Hitze und Wein und Schwulenpornos en masse und meiner Vorstellung von temporärer Wohllust inmitten von geschmeidigen Körpern, schönen Gesichtern und einfühlsamen Schwänzen. Dazu die Erinnerungen an Carstens unglaublichen Sex und meine waghalsigen Ideen, am Barleber durch die schnellen schmalen Gänge am schwulen Strand hoffentlich irgendwie aufgehalten zu werden. Leider (oder zum Glück) bin ich dort immer ein bisschen zu hastig unterwegs gewesen. Für den Moment der hohen Erregung ist alles in dieser Gedankendiffusion erlaubt und phantastisch selbstverständlich; wohl wissend um die sich anschließende Scham, die noch ein bisschen später wiederum zur gloriosen Erinnerung und Startpunkt des sich immer wiederholenden Spiels wird.

Was für Talfahrten. Ich sollte mich endlich und jetzt frei- wie leer machen, jedoch ist es bereits 16:00 Uhr und der Samstag wird offensichtlich ohne Hütte, See und schwule Strände einen Sonntag gebieren, der es womöglich nicht viel besser kann. So ist das.

Fintess und Familie

Viel ist passiert seit dem 29. Mai. Heute ist es bereits der 26. Juni und ein ganzer Monat zog ins Land. Was ist los? Das Schreiben fällt mir wiedermal schwer. Dabei ist vieles leichter geworden. Mama geht's offensichtlich bedeutend besser; sie steht selbständig auf und läuft auch bereits viel besser und sicherer. Der Schreck hat sich gelegt. Für's Zweite. Eine Reha soll die Beweglichkeit wieder herstellen. Und noch immer weiß keiner genau, wie sowas passieren konnte. Unerkannte Covid-Erkrankung oder eine spontane Myositis - eine Muskelerkrankung, Autoimmunreaktion ... alles ist möglich. Jedoch nun vorwärts!

Zwischendrin waren Tobi und ich mit neuem Bus auf Jungfernreise knapp zwei Wochen in Kroatien bei Maja, Vinko, Toni, Dino und Niko. Es wurde nach und nach wärmer und mit dem Rad ins Velebit erwies sich als Fitness-Desaster, von mir deklariert als Fitnesslüge. Den letzten kleinen Berg musste ich schieben und die erste Wander-Etappe bis zur rettenden Quelle glich einem konditutionellen Fiasko. Selbst in die Höhe zu den Bergen aufzusehen schien mir nicht ohne Schwindel möglich. Und viele Pausen auf jener ersten Etappe, die in die Berge führt. Nach ausgiebig gekühltem Kopf und einem ganzen Liter kalten Quellwassers gings dann plötzlich wieder und es hielt bis zum Ende und reichte auch für das Zurückradeln bis ins Campstine.

Die letzte Nacht dort verlief gefühlt schlaffrei und ich bin mir nicht sicher, wie ich dennoch die ersten vier Stunden fahren konnte. Die Zwischenstopps auf Hin- wie Rückfahrt der Reise (Regensburg und Passau) ließen wir aus wegen schlechtem Wetters hinwärts und kalten Nächten rückwärts. Am Ende waren es dort dann doch keine 7 Grad Nachts, aber nun ist es so und wir haben es vorsichtshalber sein lassen. Ich vermute bei uns auch eine altersbedingte Bequemlichkeit; eine kühlere Nacht wäre früher überhaupt kein Grund gewesen.

Vom 12. Juni bis heute ist irgendwie nichts passiert oder ich habe es vergessen. Bei Mandy waren wir - zum 20. Jahrestag Mandy-Mannhausen. Schön siehts dort aus und endlich habe ich Renne und Tanja (haben jetzt ein Haus auf Sri Lanka) und die Dresdner und Oberkosseraner und sogar Taylor wieder gesehen. Wenn auch nur für ein paar Stunden, Tobis Rufdienst ohne Funknetz wäre da draussen ein Wagnis gewesen. Auch Mandys Eltern sind mit 87 und 83 noch immer wohlauf. Das ist sehr schön. Von Findus und Madam weiß ich nichts, weil ich - auch aus gewisser Angst - nicht nachgefragt habe.

Insgesamt gab es auch in diesen vergangenen Wochen zu viel Wein und meine Ambitionen liegen ebenso insgesamt brach. Ich bin trotz Wiederaufnahme tollkühnen Sports lasch und hege meine vagen Vorstellungen von mittlerweile "irgendetwas" Schönem nur in diffusen Gedanken. So wie jetzt, wie ich fürs bevorstehende freie Wochenende wiedermal über einen kleinen Ausflug mit mir und meinem neuen Bus nachdenke und mir nichts einfallen will. Außer beim weinseligen Einschlafen: bei dem ich mir so eine Hütte vorstelle, die ein junges Paar in der Uckermark vermietet; Frau und Kind sind auf Urlaub anderswo unterwegs und der Mann zeigt mir Hütte und See und Gegend und plötzlich entspinne ich eine wahnsinnig erotische Geschichte, die in großartigem Sex endet, wonach ich am Morgen danach durch den dampfenden See in die aufgehende Sonne schwimme.

Alles nichts Neues. Das macht es um so ermüdender. Ich bin gelangweilt, weil mir nichts einfallen will und mich solche maßlos langweiligen Dinge wie Steuererklärung (erstmals selbst machen) einen ganzen Tag dauern und schwer entmutigen. Was für ein Glück, dass ich das alles während meiner Arbeitszeit erledigen kann; ein Wochenende dafür aufzubringen, würde mich selbst schwer aufbringen und wütend machen. Schimpfen und Meckern geht leicht, wenn mir nichts Besseres einfällt. So gehts wahrscheinlich auch sehr vielen Unzufriedenen, die in unserem Land zu lamentierenden Protestwählern werden und dem brutalen Unsinn an die Macht verhelfen.

So also vergingen abermals die jungen Knospen und hellgrünen Blätter der Bäume mit all den sie umgebenden Farben also wieder in tropfende Linden und die flimmernde, gelbe Wärme. Obwohl es noch immer ganz gut draußen aussieht - alles steht in voller Reife und beginnt nun, direkt nach der Mittsommernacht, kürzer werdenden Tagen entgegenzusehen. Ach herrjeh.

Was für eine tiefe Ohnmacht

Es gilt, aufzupassen. Denn es wird jetzt eng für mich. Ja, natürlich muss zuerst der Wein weg. Das im letzten Jahr (und bestimmt schon viel öfter) beschriebene "Vogel im Wind" hat sich mehr als verdoppelt und mitsamt der Lage meiner Eltern stark intensiviert. Seit 08:00 liege ich halbwach im Bett und kann nie wieder schlafen; so sehr rumoren die halbseidenen Träume, argen Vorstellungen und beschreiben mich inmitten tosender Wellen, allein, hilflos weit draussen auf dem schwarzen, zähen Meer.

Das Frühstück um 10 scheint keines zu sein, ich muss dauernd an den sich totgesoffenen Uwe Steuer und die Frage "Wie geht totsaufen?" denken; denn so müsste es sich anfühlen: Nichts auf die Reihe bekommen, hilflos danebenstehen, schlichtweg von allem überfordert. Dann fährt die Olsenbande nach Jütland und die Charaktere und nahezu alles in diesem Film sind pekig, schmuddelig und dermaßen abgegriffen, dass es mir übel zu werden droht.

Jetzt bloß nicht einen Zentimeter nach vorn in die Zukunft denken - die wird noch viel schlimmer. Beim Versuch, die Camping-Dinge für den Bus zu sammeln, wird alles viel zu viel und ich würde gern die Hälfte wegwerfen. Alles aufgehobenes Zeug "für später", nichts passt zueinander und alles ist irgendwie dreckig, vergilbt - mit einem Wort: oll.

Nachtrag: Bin zum Training und anschließend zu Mama geradelt und am frühen Abend dann zu Heiko auf den Hof. Es geht schon wieder ein bisschen besser. Dennoch war dieser Tag nicht viel mehr als ein Griff in ein Klo, in das ich mich zuvor noch erbrochen hatte.

So du mir

Richtig heisst es "Wie du mir, so ich dir" und ich suchte nur nach einer sinnhaften Überschrift dessen, was ich hier kurz beschreiben möchte. Oft habe ich mich dabei ertappt, in Situationen größeren Unwohlseins grob zu überreagieren, wenn ich beispielsweise hinter dem Lenkrad lamentiere oder auch sonst andere Leute für für mein unentspanntes Unglück verantwortlich machen will.

Zwei schöne Beispiele mit Gegenwehr: Ich fahre zum Lidl mit dem Rad auf der Annastraße und kurz vor der Diesdorfer auf den linken Gehweg, damit es einfacher und kürzer für mich wird und denke mir nichts sonderlich Schlimmes dabei. Alles eine Frage der gegenseitigen Rücksichtsnahme. Auf dem Rückweg nehme ich den selben Weg. Nur bin ich damit dieses Mal auf der "richtigen" Seite. Und mir kommt auf genau dieser Querung ein Radfahrer entgegen, dem ich all mein Unverständnis mittels meiner Mimik zu übermitteln versuche. Zwei: Im Bus in der Abfahrt der Südringbrücke stehe ich links - und es geht ja dort auch nur nach links. Kurz nachdem die Ampel auf Grün steht, hupt es ausdauernd hinter mir und der Fahrer zeigt mir wild wütend gestikulierend mit den Händen, dass ich nicht geblinkt habe. Nach der Kreuzung auf der Sudenburger Wuhne fährt er mit Vollgas energisch an mir vorbei. Das wars eigentlich; mehr will und kann er nicht machen. Ich bin wütend und tue derweil so, als verständige ich per Telefon meine Freunde von der Polizei oder SEK oder den Russen, um ihm Angst einzujagen und fahre - weil wir zufällig denselben Weg haben - bis fast zu meinen Eltern hinter ihm her. Hoffentlich hat er wenigstens ein bisschen mit der Angst bekommen. Aha.

Ok. Und was wird das jetzt? Pass auf: es ist so einfach wie traurig. Eins: Der Radfahrer nahm haargenau den selben Weg mit wahrscheinlich der selben Absicht wie ich. Aber nur er sollte der Böse sein, der jedoch vorher absolut klar ich war. Zwei: Die Reaktion des Autofahrers kenne ich nur zu gut, weil ich sowas schon sehr sehr oft genau so gemacht habe. So eine Überreaktion ergibt natürlich überhaupt keinen Sinn - denn soll das denn nun eine Abmahnung oder Strafe sein?

Das waren zwei sehr wichtige Beobachtungen. Denn ich messe hier mit zweierlei Maß: Das, wofür ich die jeweils anderen beschimpfe, in Wut gerate und mich fürchterlich aufrege, habe ich längst selbst haargenau so und oft genug getan. Ein deutliches Zeichen höchster und offensichtlich unterdrückter Unzufriedenheit.

Was nun? Ein Messpunkt für meinen Zustand? Ja. Das Leben auf diese Art & Weise zu leben, zu fühlen, zu denken und zu reagieren liebe ich wahrlich nicht. Denn das Ende ist immer nur negativ. Immerhin habe ich es bemerkt.

Und mein verstärktes Weintrinken (als eine der Folgen des allens) darf ich auch nicht dieser derzeitig unsäglichen Situation meiner Mutter und den dazugehörenden Vorstellungen von womöglich nahenden, deutlichen Veränderungen im Gefüge meines bisherigen Lebens zuschreiben. Denn dieser mein überhaupt nicht guter Lebenswandel ohne weitere Entwicklungen und Aussichten hat sich bereits seit geraumer Zeit - spätestens deutlich dokumentierbar seit Corona (und auch hier in der Zehnsucht) immer mehr und sehr verdeutlicht.

(Das Foto habe ich mittels Adobe KI nach rechts erweitert. Es war vorher quadratisch).

Der Ernst der Lage

Das allgemein unsichere Gefühl beim Blick von oben auf die Um- und Zustände meiner Familie wird manchmal durchbrochen von einer heftigen Welle irgendeiner Gewissheit, die alles auf ein sehr klares AUS schalten wird. Nicht daß ich es nicht wüsste, und auch die Flucht vor diesen Gedanken gelingt leider immer wieder; allein es nützt nichts. Vielleicht gelingt es mir, mich zeitgleich totzutrinken und wir hören einfach alle gemeinsam auf, zu sein. Was für ein schütteres Bild. Es ist nichts verloren, nur komme ich mir manchmal so vor.

Das ist keine Übung.

Mama muss wieder ins Krankenhaus. Morgen. Es hat sich garnichts gebessert, mittlerweile kann sie keine 10cm Höhenunterschied mehr überwinden. Ein Desaster mit bisher ohne jede Aussicht. Die schlechte Stimmung bei beiden heizt sich schneller auf als bisher. Verständlich. In der Vorahnung, sie nun wieder ein paar Wochen in der Uni-Klinik mit Cortison vollzustopfen, damit es irgendwie besser geht, ohne aber die geringste Idee zu haben, wie die Ursachen zu finden sind, macht uns alle etwas mutlos.

Ich erinnerte mich an Jana, die nach ihrem Moped-Sturz in Italien in der Uni-Klinik Magdeburg auch nicht glücklich wurde und sich auf eigene Faust Spezialisten (ich glaube, in Kiel) gesucht hat. Darauf wird es bei uns auch hinaus laufen, denn so wie es bisher lief, wird es wohl nichts.

Also geht es wieder los und meine Ängste schüren sich weiter. Vielleicht ist es wirklich "nur" etwas, das in der Wirbelsäule auf die verantwortlichen Nerven für die entsprechenden Muskeln drückt; vielleicht ist es aber auch irgendetwas fortschreitendes, das womöglich weitere Lähmungen bis zur Atemdepression nach sich zieht. Hilft sowas wie Blutwäsche, um eine möglicherweise dafür verantwortliche Infektion aus dem Januar "rauszuspülen"? Oder sind es Spätfolgen einer nicht entdeckten Corona-Erkrankung? Je länger wir in Ungewissheit sind, desto mehr Varianten versuchen wir selbst herauszufinden. Trotz aller Untersuchungen in der Uni-Klinik konnte bisher nichts Genaues diagnostiziert werden. Heide versucht ihr Bestes, der Neurologe sucht nach Ideen und die Stimmung mag sich nicht aufhellen.

Nun bin ich erschöpft von dem ganzen Tun und Denken über die Ereignisse der letzten zwei Wochen, der Dachverbandskonferenz in Drübeck, der Gesamtverbandskonferenz bis gestern in Dresden (Foto: kurz nach Mitternacht aus dem Fenster im Hotel am Waldschlößchen), den Überlegungen, wie es mit dem Paritätischen und der Stimmung im Land weiter geht (...), trinke schnellen Wein und komme in der Summe dessen, was gerade passiert oder passiert ist, nicht umhin, zwischen Angst und Zuversicht so radikal zu wechseln, dass sich eine kleine Form von Ohnmacht breit machen möchte.

Severin ist nun an Lungenkrebs gestorben, am 10. Mai wurde sie im Friedwald beigesetzt; anschließend gabs im Bluenote eine kleine, Severin-gerechte Feier, an der ich dann auch teilnahm und nebenbei von Dorschi erfuhr, dass Uwe Steuer mittlerweile einsam und allein mit schwerem Wein über die Zeit hinweg, seit sich Maria von ihm getrennt hat, an sich selbst gestorben ist.

Dies ist keine Übung. Denn mittlerweile häufen sich die realen Ereignisse, deren Einschätzungen und Verarbeitungen man im Vorfeld ja doch nicht üben kann. Die Stände der Dinge werden deutlicher und wir sind allesamt also doch nicht unsterblich. Es wird ein bisschen enger.

Garnicht mal so schön

Vielleicht wird das der Titel eines meiner seit Jahren herumlungernden Songs. Die Worte sind bisher einfach ausgeblieben, die neuen klingen nach sarkastischer Kapitulation; die Erinnerung an alte Zeiten machen diese auch nicht besser, alles verblasst und wird dem Dogma des Negativen und dunkeldiffusen Lichts gestellt. Verbrühte Milch und Langeweile. Oder massiver Wein. Midlife Crisis? Nee, das wird nichts, weil diese Form des Zustandes nahezu immer so war. Oder jedenfalls so oft, dass es zu oft war. Schade, dass es das eigene Leben nur einmal gibt.

Alles tun, alles sein, alles werden, was man will ... der Punkt ist ein and'rer, der Punkt ist das Ziel. (auch eine schöne Textzeile). "Vom Centrum Warenhaus mit großer Verstärker-Anlage laut runtersingen oder schreien", das war mal eine Idee mit 14 oder so, wenn es denn ans Sterben ginge. Wüsste heute nicht mehr, was es zu singen gäbe.

Der Mensch fühlt sich in sozialer Umgebung am besten. Das kann ich zwar bestätigen, aber es stimmt bestimmt nicht. Sobald meine freudig-eiligen Schritte hin zum Ziel mit den Leuten verklungen sind und das dritte Bier getrunken ist, beginnen oft ad hoc die unwohlfühligen Fluchtgedanken. Und das ist überhaupt garnicht neu. Das war schon beim Barfly und im Alter von <30 Jahren so. Und wenn ich die Entwicklungen bei meinen Eltern beobachte und dazu aktuell die meinen betrachte, lassen sich Parallelen nicht ausschließen. Am Ende werden nur noch sehr wenige Leute übrig bleiben, die dir im Urlaub den Garten gießen, dich irgendwohin fahren, mit denen ich bzw. wir gemeinsame Unternehmungen haben.

In sozialer Umgebung wohl fühlen geht mit Neugier, Freundlichkeit, Entwicklung, Aussicht, Inspiration, Schönheit ... so eine Wortsammlung ist durchaus angebracht, weil sie im direkten Vergleich mit dem, was ich derzeit habe, auf ganzer Linie bestandslos ist. Aber wie denn nun wieder mal weiter? (noch'n Gedicht: "Wie wiedermal weiter")

Oft sind es die Sonntage

... die ein wenig leer sind und mich gern etwas mutlos machen wollen, was am Abend zuhause dann manchmal in eine Form der Traurigkeit übergehen kann. Dazu gesellt sich schnell die Idee, alkoholflüchtig frühzeitig ins Bett gehen zu wollen. Aber dann ist es meist erst um Neun. Ich weiß um die Hintergründe, die sich zu einem Nebel formen und sich mir dann als das Grauen nähern. Am Beispiel der Angst: Hilf- und antriebslos zu bleiben; angstreich vor familiären Toden, auch vor neuen Kollegen, die erstaunt feststellen, wie durchaus schlecht ich arbeite; Angst, Herausforderungen jedwelcher Art nicht meistern zu können; Panik, dass ich dem Wein nicht entsagen kann. Und wenn doch, dass sich dennoch nichts ändert. Angst, keine gute Musik mit guten Texten mehr machen, mich nicht einmal mehr gut ausdrücken zu können. Und weiterhin die berechtigte Angst des gesundheitlichen Gegenschlages, noch bevor die Gesellschaft zum Nationalsozialismus umschlägt und es zu Kriegen kommt.

Ich ahne auch eine konkrete Herleitung: Habe heute einen mittlerweile sehr - mir bis dahin un- bekannten Musiker namens Jacob Collier im Web gefunden und bin schockverglichen ob meiner Möglichkeiten, die zwar vielleicht nicht in dieser Qualität, jedoch in diese Richtung hätten gehen können. Grundvoraussetzungen wie Talent und Neugier gab es genug, Zweifel womöglich aber mehr und mein schwaches Vertrauen in mich selbst gebar einen Pretender, einen Täuscher, einen, der nur vorgab, etwas gut zu können, obwohl er es tatsächlich können hätte können. Der Trick bestand wie besteht darin, nicht verrückt, sondern echt und schlau zu werden.

May the 4th be with you. Am 1. August 2023 gab es so ein Bild schon einmal. Mit dem Titel "Nichts versucht und versagt". Wozu soll das hier gut sein, ausser alles ohne jegliches Update dauernd zu wiederholen?

Übung vorerst beendet

Mama ist wieder zuhause und versucht, langsam wieder in ihre Bewegung zurück zu kommen. Es waren drei Wochen in der Uni-Klinik, ohne dass man den Grund ihres Problems mit den Nerven und den Muskeln klar darstellen konnte. Das zehrt natürlich am Gemüt und wie Papa es heute sagte, haben die vielen Arztbesuche von beiden in letzter Zeit einen gewissen Unmut verursacht.

Dass ich diese letzten drei Wochen als meine "Übung" bezeichne, hat damit zu tun, dass ich sehr ängstlich wurde, wenn ich mir den worst case vorstellte, der mir unausweichlich sowieso bevor steht und für den ich mich nicht recht gewappnet sehe. Unser rationales Denken und Handeln wird sich dann sicher automatisch einstellen, dennoch bleibt die Furcht bei mir, dem gewachsen zu sein, zumal ich immer irgendwie nachbetrunken und damit nicht zu 100% handlungsfähig bin.

Was mir insgesamt heute auffiel, ist ein überwiegend vorherrschender Unmut nicht nur über die im Grunde ungeklärten Ursachen Mamas gesundheitlichen Zustandes. Mein eigentliches Problem ist der Umgang und die Bewertung mit vielen Situationen, in denen sie beide andere Leute und Zustände pauschal und damit meist sehr schlecht bewerten. Das ist schlichtweg negativ. Ich empfinde das deshalb als bedenklich, weil sich dieses Muster meiner Eltern über die Jahre hinweg auch auf mich übertragen haben muss. Denn ich bewerte oft auch auf genau diese Weise. Und das ist extrem unnötig; denn nur mit einer gewissen Gelassenheit und einem positiven, optimistischen Blick nach vorn lassen sich die Dinge des Leben mit uns selbst vereinbaren.

Es gab mal eine Zeit der Kommunikationsarmut zwischen uns - das könnte vielleicht so Ende der 90er (?)gewesen sein; eine Phase, in der ich mich von meinen Eltern irgendwie distanzierte und wir uns selten sahen. (Das war der Zeitraum, als Helge Christin heiratete, Onkel Manfred einige Zeit zuvor verstorben war und Papa dann seine Mandel-OP hatte und man zeitgleich bei ihm Diabetes diagnostizierte, was ich fast nur nebenbei mitbekam). Das war wohl ein Versuch der Loslösung von solchen Lebensmodellen oder -ansichten oder -bewertungen, die ich nicht zu meinen machen wollte. Weil ich auch ein bisschen Angst hatte, aufgrund fehlender eigener Lebensmodelle diesen Pfad dann doch einzuschlagen. Und ein bisschen ist es ja auch so.

Vermutlich ist es auch eine altersbedingte Manifestierung und Verstärkung der bereits bzw. längst bei meinen Eltern eingebauten Ansichten und Bewertungen über die Dinge des Lebens, die ich nicht zu meinen machen möchte. Beispiel erhöhter Toilettensitz heute: Als der Verkäufer (aus Premnitz via Kleinanzeigen) das Ding sogar noch persönlich vorbei brachte und wir den danach aufzusetzen versuchten, meinte Papa, dass er nicht passt und ich bemerkte die Schrauben an der Seite, mittels derer der Sitz passend gemacht werden konnte. Was da verbal ablief, ist kaum zu beschreiben: Mama merkt, dass ich es vielleicht hinkriege und faucht Papa an. Der wird wütend und alles ist großer Mist. Und auch ich sage laut, dass sie sich beide zurücknehmen sollen - es ist nur ein fucking Toilettensitz für 15 Eur und mit etwas Geduld könnten wir das hinbekommen.

Es fällt mir schwer, das hier genau zu beschreiben, weil es kleinlich, müssig, wenn auch beispielhaft ist. Eins noch: Als ich in den letzten Tagen bei Papa war, hatten wir seit Ewigkeiten erstmals die Gelegenheit, ohne Mama ein bisschen zur reden. Dabei bemerkte er etwas Wichtiges, wonach Mama mit ihrer Art in einer gewissen lautstarken Rechthaberei schon einige Leute verprellt habe, die sich dann lieber von meinen Eltern gelöst haben, als derlei Situationen noch länger zu ertragen. Sofort dachte ich an Ebbe & Renate, an Marlis & Ingo, an die Bienerts, an die Rostocker ... alles Leute, mit denen sie nahezu keinen Kontakt mehr haben. (Die Rostocker melden sich derzeit vorsichtig wieder ab und zu und die Deutung meiner Mama ist, dass sie "sich wohl wieder gefangen haben", ohne in Erwägung zu ziehen, dass sie selbst womöglich die Ursache für diese Pause gewesen sein könnte.)

Ich kann das sogar nachvollziehen, weil ich zum großen Teil wie meine Mama ticke: auch ich behaupte manchmal Dinge, von denen ich überhaupt keine klare Gewissheit habe und verteidige diese Position dann mit aller Macht und sehr vielen Worten. Manchmal und zum Glück bemerke ich das später und bevor es mir peinlich wird, verdränge ich diese Situation.) Papa meint, es handele sich hierbei um das "Brandenburger Syndrom", dem meine Tante Monika ebenso verfallen ist. Lautstark und rechthaberisch. Und den Grund sieht er in Tante Ella, die Schwester von Oma Hilde (?), die damals zwei Straßen weiter von den Bergemanns (Karl Laube Straße) wohnte. Ich habe sie nur noch schwach in Erinnerung, glaube sie aber als sehr lebendig-laute, wort- und argumentationsgewaltige Frau in Erinnerung zu haben. Mama streitet diesen Vergleich vehement ab und fühlt sich damit sogar beleidigt. Heisst es "getroffene Hunde"?

Für ein Fazit oder den Versuch, es mir hier in der Zehnsucht ein bisschen besser zu verdeutlichen, reicht es für heute nicht. Aber es ist mir immerhin gelungen, es aufzuschreiben. Diese drei Wochen seit dem 27. März waren eine nicht sehr schöne, aber wahrscheinlich notwendige Übung und ich wünsche mir, dass wir noch genügend gemeinsame Zeit mit weit friedlicheren, geruh- wie genügsamen und freundlichen Ansichten haben.

Bukowski

Von Bukowski lernen heisst Leben lernen, Bukowski zu lesen, heisst zu begreifen. Die eigenen Unzulänglichkeiten genau so wie den allgemeinen Unsinn der Menschen zu besehen. Und man fühlt sich so schnell verstanden. Das schreiben dann auch diejenigen in ihre Posts, die sich outen, voller Selbstzweifel zu sein, damit sie in das Zitat Bukwoskis passen, wonach sie also intelligent wären.

Und natürlich heisst Bukowski verstehen, dass es keinen Ausweg gibt und man sich schnell dabei ertappt, eine Warteflasche nach der anderen zu leeren. Von Bukowski lernen heisst auch, viel Wein zu trinken. Damit das Terrorisieren mit unsinnigen Kleinigkeiten weniger gut gelingt. Ich bin ein guter Schüler, indem ich vieles von dem abbilde, was er beschreibt. Das legitimiert mich wohl.

Schlaf, Kindchen, schlaf

Welch Dilemma: Versuche ich, mit dem Wein zu sparen und mich vernünftig gegen 22:30 Uhr ins Bett zu begeben, passiert es nahezu immer, dass ich vom kleinsten Lärm von oben oder unten aufwache und oft nur schwer einschlafen kann. Das geht schon 23:30 los, wenn ich mich dem Schlaf geradeso überschrieben habe und dann bspw. Volker sich ins Bett lärmt. Dann dauert es bei mir wieder, bis es wieder gelingt. Kann Volker nicht schlafen, kann ich es auch nicht. Dann kommt offensichtlich mein merkwürdiger Blutdruck dazu, der mich aufgewühlt gerne auch mal ganz ohne Volker ab 05:30 wach hält.

Das Dilemma ist: Habe ich genug Wein in mir, gelingt es vortrefflich und meine Kontrolluhr bescheinigt mir jedes mal einen ruhigen Tiefschlaf mit REM Phasen und wenigen Unterbrechungen - also so, wie es sein soll. Aber auf diese Art sollte und darf es nicht sein. Doof.

Ich müsste mich um mehr Ausgeglichenheit bemühen. Und das sofort. Denn das kommt nicht einfach eins zwei drei. Aber wie, wenn der Wunsch es willt, aber der Wille sich wünscht, mehr wollen zu können.

Fakten vom Broilermann

Am Ende eines dann doch noch schweren Laufes entlang der Mittelachse erstand ich am Stand des geschwätzigen Broilerverkäufers meinen halben Hahn, nicht ohne eine seiner gelegentlichen und nicht immer hilf- oder sinnreichen Stories hören zu müssen. Diese allerdings saß: "Warum quälst du dich eigentlich so? Wir hatten bei uns damals einen, der war immer vorneweg, ein Kerl wie ein Baum, immer Erster, immer der Stärkste. Ist jeden Tag 10 km gelaufen - jeden Tag! Jahre später in Hannover im Park haben sie ihn dann gefunden: Totgesoffen. Mit 52. Sportler werden auch nicht älter als andere. Sie sterben nur gesünder."

Das Letzte half mir zurück zur Sinnfindung, denn wenn ich schon Mist baue und nur wenig auf die Reihe bekomme, so will ich wenigstens den körperlichen Schein wahren und mich darin gut befinden. Gleich danach dachte ich an das Gegenteil: Ohne Wein, dafür mit Ideen fürs Leben, wenn auch ein bisschen mollig. Nee, geht und stimmt so einfach ja auch nicht. Aber Totsaufen ist auch kein schönes Sterben - wurde im "Trinker" ja schon so besungen. Und meine Rennerei ist zum großen Teile eine versuchte Wiedergutmachung am Raubbau meiner Gesundheit durch eben solche Besäufnisse. Nur nach Hannover möchte ich nicht.

Vater, Mutter, Kind

Am Sonntag sitzen wir wieder als Familie beisammen am Krankenbett meiner Mutter und sie ist munter und macht Witze mit der Schwester, die so witzig nicht sind. "Hatten Sie Schmerzen?" ... "Und wie!!!" und selbst mein Vater meint, es wäre gut, hier nicht so theatralisch aufzuspielen. Recht hat er und ich glaube in ihrer Übertreibung eine Art Überspielung der ganzen Situation zu erkennen, die mir selbst nur zu gut bekannt ist: Eine Situation positiv aufzuwerten, ihr das Bedrohliche zu nehmen und ein besseres Gefühl zu zu hinterlassen. Das bin ganz genau ich. Und wenn ich einen Vergleich zu meinem Vater ziehen sollte, fiele mir sofort Tobi ein. Tobi reagiert bei mir genau so wie mein Vater über meine Mutter. Wir sind die Pendants meiner Eltern. (Bei den Spimpsons gab es mal die Episode, dass Töchter - in dem Fall Lisa - sich ihre Ehemänner nach dem Vorbild ihres Vaters aussichen, sei er auch noch so unglaubwürdig oder fehlerhaft. Bei den Simpsons ist es Luca$ (LucaDollar), der in der Zukunft übermäßig fett wird und am Ende Lisa verspeist ...)

Da wir das also nun über uns erneut bestätigt haben, kann ich es vielleicht besser einschätzen. Und vielleicht sogar ein bisschen steuern. Ich vermute nämlich, dass ich ziemlich nervig sein kann in meinen Bestrebungen, irgendwie irgendeinen anderen Zustand herbei führen zu wollen, ohne zu wissen, welchen genau und warum. Verdrängungsprinzip. Angst. Unmut. Langeweile ... es kann vieles sein.

Viel länger als eine halbe Stunde kann ich es nicht so gut aushalten, meine unbeholfene Mama im Bett zu sehen, wie sie sich nur mit großer Anstrengung bewegen kann. Es wird schon wieder, aber es gibt mir auch ein deutliches Zeichen, dass nichts mehr genau so wird wie es früher war und dass es grundsätzlich irgendwann vorbei sein wird. Und das, was ich hier seit eineinhalb Wochen in Höhen und Tiefen, in großer Sorge und Entspannung durchfliege, macht mir klar, wie unsicher ich in derlei Dingen aufgestellt und quasi ungeschult verängstigt bin. Dieses Mal wird mich niemand davor beschützen.

P.S.. Und jetzt werde ich mit meiner Gitarre und Tom Traubert's Blues ein bisschen traurig oder so. Naja.

Der schmale Grips

Manchmal, an Vormittagen wie diesen, ist alles vergebens. Alle Gedanken führen ins Aus, alle Erinnerungen waren Vorhersagen, alle Ausblicke sind zwecklos. Das große Ganze ist nie zu fassen, das kleine Bisschen hadert und verkümmert. Die Balance ist uneins und es trennt nur ein schmaler Grat zwischen Verstand und Wahn. Der Rest besteht aus Angst und Möglichkeiten.

Sex 666

Es gibt Tage, an denen mich mein sexuelles Verlangen zu Handlungen verführt, die zum einen sehr schön, zum anderen aber auch wegen derer Anrüchigkeit gefährlich werden können, wenn es mich nicht mehr hält und ich sogar auf dem Klo im Paritätischen nochmal Hand anlegen muss. Das gab es schonmal, als ich im Pari-Studio erfreut über die von mir eingekaufte und sogar funktionierende Technik die Kamera auf mich richtete, alles hübsch ausleuchtete und mich entblößte. Das Gefährliche und die mit Blick von oben enorm törichte und sehr dumme Idee, dazu noch einen Zoom-Video-Kanal zu öffnen, um zu testen, ob und wie so eine Konferenz funktionieren könne, raubt mir heute noch allen Glauben an meinen Verstand. (Das war damals der Zoom-Account der Landesgeschäftsführung; kaum auszudenken, wenn genau zu dieser Zeit gerade eine echte Konferenz auf diesem Account stattgefunden hätte. Dann wäre ich ad hoc nackt mit erigiertem Schwanz Bestandteil einer Live-Konferenz gewesen. Da hätten drei Sekunden gereicht, um zu kassieren.)

Wie es dazu kam: Am Dienstag trank ich mit Leuten im Bluenote etwas Bier und es gelang mir, nach fünf Gläsern nach Hause zu gehen, nur um dort - wie immer - Wein zu trinken. Dabei gedachte ich, der Schwulen-Porno Seite icegay.tv einen Besuch abzustatten. Da gab es zweidrei Filme, die mich sehr beflügelten und ich beim Besehen und mit gleichzeitiger Vorstellung, wie Carsten (der leider verstorben ist) mich nicht nur sehr verwöhnen, sondern auch ficken würde, zu einem wunderbaren Orgasmus kam. Das trug sich offensichtlich durch die Nacht und da ich am nächsten Morgen gegen halb Zehn noch immer nachbetrunken war, kam der neue VibrationDildo ad hoc zum Einsatz. Solche Zustände sind die beste Möglichkeit für mich, es zu wagen und mir das Ding reinzuschieben. Der anfängliche Schmerz ist dann nicht so schlimm und ich gewöhne mich schneller an die Situation als im nüchternen Zustand. So geschehen verschaffte ich mir also eine weitere erotische Explosion. Dann radelte ich ins Büro und machte ein paar Backups, wobei ich in meinem neu aufgeräumten und frühlinglich hellen Büro gegen Mittag beflügelnd wieder die linke Hand in der Hosentasche hatte, die meinen Schwanz mitsamt den Gedanken an einen Carsten oder auch an einen hübschen FSJ-ler oder Praktikanten oder sonstwelchen phantasierten Typen sich lustvoll regen und fordern ließ. Das Ende fand dann auf der Toilette statt und wie oft im Nachhinein (siehe Nelson Munz): Große Scham. Obwohl. Eigentlich nicht.

Aber normal scheint mir das nicht. Und es kann, wie beschrieben, auch gefährlich sein. Aber was ist das? Woher kommt das und was sind die Gründe dafür, die - wie ich glaube - bereits aus frühen Tagen stammen? (Siehe Kinderkrippe Schilfbreite oder Kindergarten Helmstedter oder Kienwerder im Alter von etwa sieben und dem heimlichen Ausziehen der Badehose und nackt auf dem Weg laufen [was alle dort so machten, für mich aber sehr besonders war]; siehe die ganzen nackten Fotosessions in der Pettenkofer, OvG, in der Hütte Braunschwende im Harz, an der Elbe im Bus, im Strickpullover nackt mit Mandy vor dem Hostel in Amsterdam oder am nächtlichen Dreetzsee bis hin zur Dachkammer im Puppentheater +++), da gibt es so viele mehr gewagte Szenarien, um deren Hintergrund ich gern wissen möchte.

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010