Zehnsucht

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Kurz vor Herbst

Ich bin traurig, jetzt zuhause nach unserem zweiten Urlaub in diesem Jahr, betrunken, aufgeregt und planlos. Und weiterhin betrunken. Ich habe viel aufzuschreiben und fürchte mich davor. Weiterhin.

Wowerwas bin ich?

Was mache ich? Was erlebe ich und wie geht es mir? Ein erneuter Beitrag darüber, dass ich seit langer Zeit sehr müssig bin, die Zehnsucht mit meinen Gedanken, meinem Leben zu füllen. Daher hier ein zusammenfassender Anreiz, worüber es baldigst zu schreiben gilt, bevor sich die Erinnerungen verklären:

Wir fahren am Sonntag für zwei Wochen in den Süden. Zu Maja und dann aufs Boot. Vielleicht gereicht mir diese lose, ruhige Zeit, aufzuschreiben, was mich umtreibt, umgetrieben und möglicherweise auch daran bisher gehindert hat, es zu tun. Scheint ja gewisse Skrupel zu geben.

Tag ein, Tag aus

Seit Wochen gedenke ich, aufzuschreiben, was mir seit unserem Urlaub im Juni (Amsterdam, Brügge, Paris, Mosel) durch den Kopf geht; was ich mir währenddessen in Notizen festgehalten habe. Geht nicht. Es bedarf offensichtlich weiterer Reflexion betreffs der Dinge zwischen Tobi und mir und uns und allem.

Stattdessen pausiert offensichtlich alles ein wenig - insbesondere in meinem Job bei der Parität, wo alles sehr gemächlich und entspannt läuft. Folge ist, dass ich versuche, soviel Sport wie möglich zu machen, meinen Körper und damit meinen Sex zu bauen und abends ins Bluenote zu gehen, ein paar Bier dort zu trinken und mich zuhause in meiner Einzelsäuferzelle mit Gewürztraminer oder anderen Weinen zu Ende zu bringen. Der nächste Tag startet matt (und doch voller Sex und Yoga), ein bisschen arbeiten und wenn möglich: Sport, bevor am Abend genau das Selbe wieder passiert. In solchen Momenten denke ich mir, wie genial doch solche Zustände voller Möglichkeiten sein müssten, wenn ich sie mir selbst nicht permanent verbauen würde. Erinnert mich ein wenig an Kulturserver. Aber nur ein bisschen. Denn der Job ist schon ziemlich cool.

Immerhin habe ich drei neue Songs geschrieben. Es ist warm, es ist Sommerloch. Und es ist tatsächlich nicht unbequem. Aber viel mehr passiert auch nicht. Hätte Wäre Könnte ... same procedure. Das Leben ist bequem, aber auch ein bisschen fad. Ich bin der Vermeider jeglichen Aufwandes und versuche, meine Baustellen flach zu halten. So sieht's momentan aus.

Carsten Groneberg ist tot

Immer wieder mit meinen (sexuellen) Gedanken an ihn - an meinen ersten aufrichtigen schwulen Kuss nach dem Café 39108 (das hiess später Feiner Dame), in welchem wir erstmal zusammen saßen und er mir, heimlich meine Schenkel streichelnd und mich damit enorm erregend, erstmals überdeutlich bewusst machte, wie sehr ich auf Männer genau dieser Form (zumindest sexuell) fixiert bin - habe ich ihm heute also eine WhatsApp schicken wollen, um zu fragen, wies es ihm geht und warum er auf Planet Romeo nicht mehr zu finden ist.

Weil er aber weder auf Romeo noch per WhatsApp zu erreichen war, habe ich nach ihm im Web gesucht. Heraus kam, dass er gestorben ist. Im Juni 2022. Ich bin baff. Weil ich nicht weiss, warum. Und weil jetzt auch (au weia, böse) alle weiteren Vorstellungen gemeinsamen Sexes mit ihm ebenso gestorben sind. Was wirklich sehr schade ist.

Unsere Zeit im Dezember 2010, unser Sex und die Filme, die ich dabei mit uns gemacht habe; sind die vorletzte Erinnerung an ihn. Die letzte Erinnerung war mein Besuch bei ihm und unser Sex im Juni 2020, von dem ich heute noch schwärme. Weil wir so aneinander waren, dass ich meinen Orgasmus im Hochgefühl des körperlichen Ineinanders kaum mehr ausmachen konnte. Und ich hatte mir Zeit unserer Gemeinsamkeit immer gewünscht (und wir haben es auch zwei Mal versucht - beim zweiten Mal war es sehr viel besser), dass er in mich eindringen möge, um mir jenes Gefühl zu verschaffen, das ich noch heute mit Fingern und Dildos nachzuvollziehen versuche.

Es hat mit uns nicht sein wollen - er war ein Mensch, von dem ich Mario Sack erzählte: "Ich weiss, was er sagen will, aber er kann es nicht" (das war am Tag des Umzuges von Anke Grünbeck nach Genthin); was im Grunde bedeutet, dass wir beide im Sex aus meiner bisherigen Erfahrung zwar das Grösste waren, es aber nicht zu einer Beziehung im Geiste reichte.

Und jetzt ist er tot.

little personal apocalypse

Nur ein kleiner Vorgeschmack einer möglichen Apokalypse: Draussen sind es gestern und heute 40 Grad, selbst jetzt noch 30; es herrscht politische Fehde mit der Androhung auf striktes Energiesparen im Winter, weil Gas, Öl und Strom sich enorm verteuern und sich im Falle einer Entspannung nie wieder auf das bisherige Maß zurückschrauben werden. Putin treibt seinen Ukraine Krieg weiter und keiner weiß, was das für alle für Folgen haben wird. Die Inflation greift erstmals merklich. Auch wenn ich reich genug bin, das zu überstehen, bin ich mir nicht sicher, wohin alles in Allem führen wird.

Derweil kühlen wir uns oft im Bluenote mit Bier, was ich leider anschließend immer mit rotem Wein zuhause zu Ende bringe und mich damit nächsten Tags viel tiefer im Eimer wiederfinde. Letzter Sport war am Sonntag und ist derzeit ausgesetzt, die Fenster sind noch immer geschlossen, weil es drinnen immerhin noch kühler als draussen ist. Am Barleber II laufen die älteren Schwulen durch die Pfade der hinteren Kurve und ich finde es gedanklich anregend aber unmöglich, zu erleben. Erinnert mich an Kindeszeiten, in welchen ich nackt über Kienwerder oder im Hort durch die Schule lief - damals noch nicht wissend, dass das sehr mit Sex zu tun hat.

Es wird irgendwie alles wieder normalisieren, aber für den kleinen Moment kann ich mir mit den Umständen von aussen und meinen eigenen dazu eine gewisse Katastrophie ganz gut vorstellen.

Lostings

This is an attempt in English. I am down, I am lazy, I lost lots of my interests. I am drinking too much, spending too much time for nothing. I try to improve my English but it is not real. I try to play on my new guitar but it sounds not good. I think about all these things I could do but I have no power to do it. It is a kind of boring time, of wasting time, lost time. Einen Lichtblick gibt es aber: mein Englisch scheint zu funktionieren.

Long Bank Covid

Ich scheue mich, aufzuschreiben, was unseren gemeinsamen Urlaub betrifft. Zum einen, weil ich nicht fit bin, zum Weiteren, weil ich dabei sehr genau sein muss, um nichts zu verklären oder möglicherweise falsch einzuordnen. Und vielleicht dabei etwas entdecke, was mir nicht gefällt, wovor ich Angst habe. Und weil ich platt bin. Long Covid mit Heuschnupfen, zuviel Wein und vielleicht etwas zu große Ambitionen in Sachen Sport. Kieser - 50km Rad - Kieser und morgen Schwimmen. Das alles mache ich wahrscheinlich in der Hoffnung, das wieder gut zu machen, was ich mir mit zuviel Alkohol an den Abenden zufüge. So.

Erinnerung

... an mich, den ganzen Brocken der vielen Ereignisse der letzten Wochen hier zu vermelden, nachdem es nun den Status der subjektiven Schnellschussarena verlassen und sich eine etwas objektivere Sicht erworben hat. Doch das währt nicht lang und wechselt schnell ins Lager der Verklärung. Hab' wohl ein wenig Angst davor, mich damit zu konfrontieren.

Anamnese 22

In Fällen schwächeren Seins häufen sich gelegentlich meine hypochondrischen Überlegungen, wonach ich also der ach so Gebeutelte bin, dessen Wunder darin bestehen, überhaupt noch am Leben zu sein und dessen Wunden sich nicht schließen wollen. Schwindelerregende Mutmaßungen übertreffen sich in ihrer hochstaplerischen Brillanz. Ein paar Beispiele? Es beginnt spätestens mit Einsetzen der Pubertät, wonach ich meine Orientierung nirgends beratschlagt, begleitet oder wenigstens ausprobiert bekam. Es herrschten Ziel- und Orientierungslosigkeit, weil meine wenigen und zaghaften Vorstellungen über ein mir entsprechendes Leben offensichtlich - zumindest implizierend - irgendwie verboten oder schlichtweg schlecht waren. Dabei wollte ich nichtmal irgendwelche Landesgrenzen, nur meine eigenen überwinden. Schlecht für die Entwicklung. Langes sehnendes Siechtum mit großer Verunsicherung, gekonnter Überspielung und frühe Flucht in den Alkohol, die mich den Anschluss an die mich umgebende, bis dahin nicht einschätzbare Erwachsenenwelt mehr oder weniger vollziehen ließ. Ich lehnte es ab, war dagegen, wusste aber nicht genau, wogegen bzw. mich dessen mittels Alternativen zu erwehren.

Dann kommt eine ganze Zeit Ähnlichkeit mit gelegentlichem Aufbegehren ohne Aussicht auf Erfolg. Heute, 30 Jahre später, und um das Bogenmaß klein zu halten, habe ich gefühlte Ablebeerscheinungen, die sich in mindestens drei schweren, zu erwartenden Krankheiten wie Speiseröhre, Prostata und irgendwas mit Lunge oder Herz, die schon in frühem Alter des Leistungsschwimmens ein leicht piekendes Geräusch in meiner Brust hinterließen, äußern. Nicht zu vergessen den Morbus Bechterew, der mir nach dem anfänglich vergnüglichen Kitzeln über meinen Hintern dann ab Mitte der 90er für lange Zeit heftige Schmerzen bescherte, jenem später erst diagnostizierten Bechterew, mit dem eine kürzere Lebenserwartung möglich, wenn auch nur wenig belegt ist. Die Demenz ist auf dem Weg und ich erkläre mir die offensichtlichen Dinge gern nochmal selbst. Vielleicht ist es auch ein Trick, der nur meine geistigen Aktivitäten auf Trab halten will. Am besten lässt sich das beim Radfahren beobachten, wobei ich mir verschiedene, sehr banale Punkte meines Weges erkläre, die ich längst schon weiss. Vergleichbar mit dem zermürbenden Stef-Prinzip. Zum langen Ende meines Unverstandes gesellte sich die seit 1993 Einzug haltende Schwerhörigkeit, die mich fast um den sozialen Verstand brachte, bevor ich mir ab 2008 mittels Hörgeräten helfen ließ. Und die Haare schwinden. Mitsamt meiner Zuversicht, Neugier, Aufmerksamkeit, Liebe.

Aus vielen dieser manifestierten Positionen lassen sich die aktuellen Symptome ableiten, wonach eine imaginierte Sexsucht mit permabendlicher Alkoholzufuhr und nachtäglichem, teils übertriebenem Sportausgleichsversuch zu merkwürdigen Konstellationen führt, die mich wieder an den Anfang dieses Artikels bringen und so etwas aufschreiben lassen. Das habe ich immerhin ziemlich gut gemacht.

Samstag Nacht

... und du hast nur deine Lieder. Die Zehnsucht kommt wie-hieder ... Welche Sehnsucht ist es denn? Wonach? Nach dem großen Ganzen und dem Allen, oder? Die Wohnung ist aufgeräumt und sauber, Grundlage für etwas mehr freie Sicht. Wir fahren - bisher völlig unaufgeregt und ambitionsarm - in einer Woche nach Amsterdam und dann Paris und an die Mosel. Falls der Bus es schafft. Falls wir es schaffen. Wir haben uns zur Zeit nicht viel zu sagen, alles etwas dünn, mitsamt der Haut. Die Bäuche noch nicht. Ich habe ein sehr langes Wochenende seit Donnerstag Abend, das geht noch bis morgen. Nun kann ich also tun, was ich will und weiss nichts. Der Dauerkater meiner letzten Tage lässt mich hypochondrisch an Ex denken und was ich an seiner Stelle wohl mit dieser seiner finalen Entscheidung tun würde. Es ist das Warten auf irgendein Ende, ein schnelles oder ewiges, ein warmes, ein siechendes, ein mit Medikamenten vollgepfropftes oder zum Selbstmord verleitendes? Mich macht das befangen und labil genug bin ich ja, mich so derart gehen zu lassen. High Sports & Deep Alc - eine garnicht gute Mischung. Immerhin ein bisschen unterwegs mit mir und dann abends auch mit anderen. Seit gestern nach Weinladen und Halma und anschließendem Bluenote reicht es allerdings irgendwie.

Was mach' ich denn nun mit meinem schönen Leben?

Das Maß ist voll

Schwere wahre Worte. Ich bin mindestens genau so voll mit gestrigem Wein. Weil ich nichts mehr anzufangen wusste mit mir und meiner - unserer Zeit, so dass ich es nur darauf anlegte, genug Wein zu trinken, um dann halb drei betäubt ins Bett zu wanken. Um heute lust- und gefühlt sinnlos aufzuwachen. So ist jetzt auch die Stimmung und ich couche hier den ganzen Tag durch das Nichts. Und schlecht ist es mir auch. Grenzübertritt. Und es wird immer mehr. Das Maß ist voller Unwillen, Ziel- und Meinungsschwankungen, wilden Aktionen mit nachfolgendem Desinteresse und grober Tatenlosigkeit. Wenn Tobi nach seinen massiven Arbeitszeiten so eine allumfassende Ruhe braucht, muss ich was auch immer irgendwie allein machen. Aber ich kann doch nicht allein von selbst ... Müssen muss ich aber, denn so geht's nicht. Wenn das Maß überläuft, gibts Sauereien und die sind nicht nötig. Alles andere aber doch.

Blues Jackets

Auch wenn ich dagegen war, muss ich doch eingestehen, dass es gut tat, so viele Leute wiedergesehen zu haben. Sowohl in als auch außerhalb der Band. Meine Hose und das ehemal so weite Hemd passten nur mit letzter Anstrengung. Die Show war schweisstreibend, aber sehr gut besucht. Nur hatte ich für die vielen Bekannten dort weder Kraft noch Lust. Was schade ist aber nur schwer zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Schlimm war es an einem Punkt, als Ex seinen roten Schal fein säuberlich zusammengelegt neben mir auf den Tisch legt und sinngemäß meinte, dass er ihn jetzt und hiermit abgeben wollte. Seitdem bin ich irgendwie gelähmt. Das fing bereits an, als wir zuhause ankamen, Tobi dann ins Bett ging und ich darüber nachdachte und unsäglich traurig wurde. Dann hatte ich eine Idee: ich möchte jeden kurz besuchen und ein Foto mit seinem Schal machen und diese Collage dann Ex übergeben.

Seit heute hat sich die garnicht so neue Angst dazugesellt: Angst vor dem Tod. Meinem und den mir nahestehenden. Es fühlt sich plötzlich so nah, so deutlich, so real an. Bei Jörg und Jana aufm Hof noch Stü, Bianca, Frau Müller und Co auf eine Stunde besucht. Jetzt ist Saturday Night und ich habe nichts, was ich zu tun in der Lage wäre. Lowry (der Mann aus NYC, den ich gestern kennenlernen konnte)spielt genau jetzt im Bluenote, im Turmpark ist Bluesdings, Hannes, Regina und Lotta sind wahrscheinlich jetzt bei Mandy ... alles da und nichts hier. Fühlt sich so lebensverlustig an und hat mit allem zu tun.

Die Einschläge

Tag 1 zu viel Wein, Tag 2 Kompensation durch zu viel Sport, Tag 3 mit latenter Traurigkeit. Und einer speziellen Wahrnehmung aus aktuellem Anlass. Die Leute sterben. Die Einschläge kommen näher. Kommen sie sporadisch in bestimmten Abständen ja immer mal wieder. Kommt drauf an, wie sensibel ich darauf reagiere. Heute reicht bereits eine Zeitungsanzeige von Rüdiger Krause, den ich so gut wie nicht kenne, der auf Facebook einer verstorben Freundin gedenkt, die 1970 geboren wurde. Klick!, macht es da in meinem Kopf. Und im Herzen. Und ich denke an meine Eltern. Und an mich mit meinem garnicht guten Lebenswandel, der sich von Glas zu Flasche und Woche zu Monat übers Jahr und anderen Langeweilen hangelt, die abzulegen ich mich schwerlich in der Lage sehe. Aber warum? Wegen der nie gestellten Ziele und derer konsequent logischen Nichterfüllbarkeit? Schon möglich.

Der Tod beispielt sich immer wieder mal an mir vorbei, bis zu dem Tag, an dem er auf mich aufmerksam wird. Erinnert mich an "Schwarze Fahnen", was ich in 1995, also vor 26 Jahren schrieb.

Don’t write drunken

Ich hatte den gestrigen Beitrag ob seiner Tragweite und Bedeutung samt meiner Trunkenheit nicht schreiben wollen, es dann aber doch getan. Weil es so brandnahe Eindrücke waren. Nun ist es halt so und hier aus aktuellem Anlass ein paar Fotos.

Havelberg, Bluesjackets & Tod

Gewaltige Vorgabe im Titel. (später Abend nach 5 Bieren im Bluenote und aktuellem Rotwein) Ich versuche es kurz zu machen: Paritätische Dachverbands-Klausur in Havelberg im artHotel am Mittwoch / Donnerstag (11./12.05.). Ich durfte bereits am Dienstag (bezahlt) anreisen und landete am Abend nach einer Landfahrt über Burg (wobei ich ein bisschen sehr an Carsten denken musste), Genthin bis Havelberg bei Sylke. Bisschen das Seminar eingerichtet und mit ihr quatschend zwei Bier getrunken, einen Wein mit aufs Zimmer genommen und mich daraufhin ein bisschen sexuell gefühlt. Weil es ein bisschen besonders war: Am Vorabend des Geschehens da zu sein mit eigenem Zimmer und Blick auf Natur und Havel, nach Dusche nackt draussen stehen, an mir entlang zu streicheln und sich mir was vorzustellen, was in echt viel besser wäre. Die Nacht war wie so oft in fremden Hotels schlecht. Es gelang mir nicht, mich im seidigen Bett wohlig räkelnd gut zu schlafen. Dazu polterte es zur Mitternacht und zur frühen Stunde über mir. Also wie zuhause.

Die Klausur begann nächsten Tags nach einem reichhaltigen Frühstück um 10:00 mitsamt meiner Müdigkeit. Aber es fühlt sich weiterhin gut an inmitten dieses großen, seichten paritätischen Tümpels aus nicht so leicht zu begreifenden Notwendigkeiten und Themen, denen allesamt ein gewisser Hauch von Luxus anheim liegt. Oder wie (Stefan) Mittel (städt) in 2021 sagte: "Da bist du ja weich gelandet." Und ich kann es: ich kann mich erfolgreich darstellen, indem ich meine Erfahrungen teile, die im Vergleich zur Arbeit des Paritätischen merkwürdigerweise durchweg deutlicher und klarer in Planung und Handlung sind. Was mich selbst wundert. Nunja, das mag viele andere Hintergründe haben und es ist hier nicht der Platz, das abzubilden. Muss ich nachholen. Der Abend nach einer Stadtführung durch Havelberg (bei der ich es am liebsten dem Urlauber gleichgetan hätte, der in der Havel schwamm, statt gelangweilt zuzuhören) mündete in einem weiteren reichhaltigen Essen (von dem es am nächsten Tag noch viel mehr geben sollte) und einigen Getränken, bei denen ich es tatsächlich schaffte, nicht zu übertreiben. Der Rest war schlimmer, aber erträglicher Schlager und ich bemerkte meine temporäre Abneigung gegenüber diesem Konstrukt. Eine Parallele zum Kroatien-Boot zur Partynacht, bei der ich aufgefordert wurde, doch mal lustig zu sein und zu tanzen. Ich weiss, dass ich das womöglich sogar könnte, aber in Fällen größeren, mein eigenes Leben in Frage stellenden Unwohlseins werde ich schnell zum Antitypen.

Am nächsten Tag sollte ich die aktuelle Kampagne #echtGUT des Paritätischen vorstellen. Und verdammt: Ich hatte keine Ahnung, keine Vorbereitung, obwohl ich vorher wusste, dass ich das tun sollte. Für sowas wird man normalerweise und folgerichtig gefeuert. Dennoch gelang es mir, innerhalb kurzer Zeit ad hoc die wesentlichen Punkte fix zu recherchieren und so vorzutragen, dass es allen Beteiligten ein anerkennendes Lob abrang. Verrückt. Am Ende war die Klausur für alle "sehr schön". Für mich war es eine weitere Erfahrung.

Der lange Weg übers Land brachte mich ermattet nach Hause und ich döste eine Weile auf der Couch, bis ich dann zur Bluesjackets-Probe musste. Meine Abneigung gegenüber dieser blödsinnigen Re:union wich meiner Gewohnheit. Und während der Probe und auch danach (vor der ich mir vornahm, professionell zu sein, weil ich zugesagt hatte) war es garnicht mal so übel. Wird 'ne gute Show. Alles okay.

Bin dann ins Bluenote auf vorgenommene einzwei Bier und ich traf sie natürlich alle wieder: vom Wein-Micha über Daniel, Heiko und den irgendwann einschlafenden Sebb, den (merkwürdigerweise Donnerstags-) Skatbrüdern ... und dann auch Kubon. Jetzt wird's kurz und heftig:

Dietmar Ex Hörold befindet sich im Endstadium einer Darmkrebserkrankung, von der er nicht weiss, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Die letzte Bluesjackets-Show wird es für ihn (und uns alle) auf jeden Fall sein; es wird aber auch der letzte Sommer für ihn sein. Mit 66 Jahren. Da hört das Leben auf. Als wäre das nicht genug, erklärt mir Wein-Micha, dass Corina, die Freundin / Frau von Katrin Maaß an ihrem Scheiss Zungenkrebs bereits im letzten Jahr (2021) gestorben ist.

So. Der Tag ist zu Ende. Ich bin es auch. Und habe es gerade so noch geschafft, diesen Artikel zu Ende zu schreiben. Weil ich - natürlich - noch eine Flasche Wein aufgemacht hatte und nun hinüber bin. Die Einschläge kommen näher.

HRK - der Wahrheit die Ehre

... wenn du nicht wiederkommst ... was durchaus passieren kann. Seit dem Januar 2019 nun im Mai 2022 erneut Heinz Rudolf Kunze im AMO gesehen. Diesmal ohne Pressekarte, sondern für 'nen 50er. Wein-Micha und Heiko Zintl dabei. Mahatma aka Sven Nahrstedt wieder getroffen. Letzterer war Ausschlag gebender Punkt, mich dann doch dafür zu entscheiden. Um ihn mal wieder zu sehen. Er scheint es gut gepackt zu haben in Leipzig und wirkt entsprechend entspannt.

Kunze ist jetzt 65 und er ist erstaunlich gut drauf. Na gut, es ist erst seine zweite Show auf der Tour "Der Wahrheit die Ehre" (oder ist es möglicherweise die 8. von wahrscheinlich über 20? Schwer zu ermitteln). Stimme und Kondition passen. Ich wollte ihn auch deshalb nochmal sehen, weil er mich eine geraume Zeit meines Lebens begleitet hat - angefangen vom Album Ausnahmezustand in ca. 1986. Mit Texten, die mir damals so unklar wie wahrscheinlich zu intellektuell erschienen. Heute nicht mehr. Ich habe ihn verstanden.

Da steht er also mit seinem Leipziger Management und seiner Band und macht es gut. Und doch komme ich nicht umhin, seinen "Rock" mit Ausnahme der Texte als ein wenig gleichmäßig und sich in allen Titeln sehr ähnelnd in der Struktur zu beschreiben. Surprise-Intro, Strophe mit Aha-Effekt samt Refrain und dann Gitarrensolo. Durchweg bei fast allen Songs. Ein Prinzip, dass es manchmal etwas beliebig macht. Aber hey - ich war nochmal dabei. Und das sollte dann auch reichen. Obwohl ich behaupten muss, ähnlich wie das Publikum dort im AMO ja auch mitgealtert zu sein. Kurzum, meine Unentschlossenheit betreffs diese Konzertbesuches letztlich ins Aktive umgestaltet zu haben, war die richtige Entscheidung.

Zeit

Die Zeit vergeht, ich fühl' mich spät. In Körper, Geist und Illusion ruft es schon
nach Zerfall und schwerem Mut. Was ist gut und was wird sein?
Same procedure, zu viel Nein, zu sehr schade um die Zeit
die die meine war, so lang.
Immerhin scheint nichts verloren im Moment, noch nicht, doch dann
macht es Klick und so ein Leben stirbt in Gram, oder fängt an,
mir zu gereichen, gut zu sein,
wenn ich nur wüsste was ich will - aber das reimt sich nicht.

Das macht aber nichts, denn ich werde untergehen, wenn ich so weiter mache. Aus meiner Idee, die Zeit zwischen 20:30 bis 22:30 Uhr ohne Alkohol zu verbringen, um anschließend nüchtern ins Bett zu gehen, wurde heute nichts, weil ich exakt nach dieser Zeitangabe angefangen habe, den anfangs nicht so gut schmeckenden Wein dann doch durch einen Rotwein zu ersetzen, den dann vollends auszutrinken und jenen vormals nicht so gut schmeckenden Pinot Noir aus dem Aldi hinterherzuschieben. Tadaa!

Sex, Tod & Kontrollverlust

Ist es der Frühling? Mein verbessertes Körpergefühl? Ist es der schier endlose Fluss ewigen Weines? Oder eine allgemeine Zwangsstörung mit einhergehendem Verlust meiner Wahrnehmung über das, was man allgemein als normal bezeichnen müsste? Alles andere als normal scheinen mir meine flüchtigen Gedanken und Handlungen, wenn ich vor und nach dem Hangover mit dem liebgewonnenen Wort "manipulieren" am liebsten immer und überall an mir sexuell tätig werde. Derlei anrüchige Aktionen, die, ein bisschen verbunden mit der Angst, erwischt zu werden, offensichtlich einen besonderen Reiz auf mich ausüben, gab es bereits in der Kindheit. Jetzt aber kommt die nachdrückliche Gewissheit hinzu, dass es nicht mehr verboten oder schlimm ist, schwul zu sein und sich gewisser Konstellationen zwar fast nur, aber nicht immer nur in Gedanken hingeben zu können, dürfen und sogar sollen.

Das scheint mir ein wenig zwanghaft. Und zudem wird es schlimm, wenn ich mir mit dieser Attitüde ständig erigiert zudem noch zu einer Flasche Wein verhelfe. Kurzfristig verschafft es großartige Erleichterung, mittelfristig eine gewisse Peinlichkeit, wenn ich mich im Spiegel in der Vorstellung meiner "Boys" betrachte. Das langfristige Ergebnis ist das unausweichliche Desaster, das Ende, der Tod. Weil es keinen Sinn macht.

Von all den Pornos ist nahezu nichts real, meine Idee von real live, real love funktioniert so ja nicht und vor allem folgt nach dem Shot die deutliche Ernüchterung, wonach sich meine imaginären Sexpartner (Carsten, Otschi, Berlin, etc.) bitte recht schnell in Luft auflösen mögen. Der Sex ist das eine, meine gewisse Beliebigkeit im Sein das Andere und die mit beidem einhergehende Labilität samt deutlichem Alkoholmissbrauch die schwerwiegendste Seite.

Immer nicht dabei

Pool in den Mai. Vorher über die Sohlener Berge mit dem Rad. Also ich allein. Mit kurzen, aber anrüchigen Fotos. Wäre nicht abgeneigt, Sex mit mir zu haben. Weil ich welchen brauche und ich mich ganz gut kenne. Bei Tobi fühlt es sich an, als wäre er auf diesem Gebiet nicht mehr sonderlich interessiert; es ist ja schon knapp bei den Zärtlichkeiten. Was soll daraus werden?

Bei Mandy waren wir am Samstag also nicht dabei. Tobi wäre auch mitgekommen. Aber man kann ja nicht alles auf einmal ... Heute war der Erste Mai. Homi grillt - ich könnte hingehen. Aber lieber nicht, jedoch jedenfalls möchte ich doch. Das fasst es gut zusammen. Same procedure: Ich trauere meiner Tatenlosigkeit bzw. Inaktivität nach; bin ich aber dann vor Ort, wird es oft schnell langweilig, was ich mir wiederum nicht eingestehen will. Es ist also eine Art Lebensgefühl, das ich vermisse. Hatten wir hier doch des Öfteren und gerade erst: gemeinsame Unternehmungen, Aktionen, auch Abenteuer, geistige Austausche und Wissensmehrung, Horizonterweiterung ... kurz: LEBEN. Gefühlt immer nicht dabei.

contra ambivalentinstabil

Eine Gegendarstellung: Beim Kieser Training gestern fragte ich höflich und vorsichtig eine am Fenster in ihren Trainingsplan schreibende, alte Dame, ob sie noch an die neben ihr befindliche D5 wolle oder bereits fertig sei. Das ist von den drei vorhandenen meine Standardmaschine. Sie lächelte mich an uns sagte: "Ich habe alles heute schon geschafft - es ist alles für Sie frei." Das war, wenn wahrscheinlich auch nichts Besonderes, eine so einfache, kleine und unkomplizierte Konversation auf höflich-freundlicher Basis, dass ich das schon als kommunikativen Höhepunkt werten musste. Kaum zwei Minuten später kam dieselbe Dame aus den Restrooms, winke mir zu und rief: "Sport frei!". Mit blieb nichts als mich zu bedanken und für einen kleinen Moment ein sehr herzliches, warmes Gefühl zu verspüren. Ich kenne so etwas aus vielen anderen, sehr kleinen Situationen, die mir aus meiner temporär-traurigen Patsche halfen. Es ist wie das merkwürdige Aufhellen eines ganzen Universums, wenn du an der Kasse freundlich zum Kassierer bist und er/sie zurücklächelt. Ganz am Ende, die Dame war bereits umgezogen und schickte sich an, zu gehen, da winkte sie mir im Vorbeigehen erneut zu und sagte: "Auf Wiedersehen." Ein Tag wie am Meer.

Ambivalentinstabil

Es reicht bereits, morgens direkt nach dem Aufstehen von Tobi nicht in den Arm genommen zu werden, um meine positive Grundstimmung kippen zu lassen. Ungestreichelte Dünnhäutig, die alles andere danach in jenes gefährliche Licht einer Sichtweise rückt, die absolut niemandem - am wenigsten mir selber nützt. Dazu gesellt sich dieses unrühmliche Gefühl einer Sichtweise, die alles in den negativen Schatten stellt: Die Menschen werden sich selbst erledigen; es gibt keine konkrete Wahrheit, weil jeder irgendwas zu lamentieren hat; überall Versagen, Ohnmacht und Boshaftigkeit. Und natürlich Dummheit. Und ich mittendrin und dabei. Das wird richtig billig und in besseren Zeiten schwer nachvollziehbar: Ich wünsche mir, dass Michme voll auf- und die Fresse fliegt, dass das Puppentheater eine schlechte öffentliche Wahrnehmung hat und meiner Eltern Nachbarn die schlimmsten Google-Bewertungen für ihre Zahnarzt-Praxis bekommen (und sehe heimlich gleich mal nach, welche strafunbewehrten Möglichkeiten es dafür [zu kaufen] gibt). Zeitgleich ärgere ich mich über meinen Neid auf diejenigen, die Dinge tun oder unterwegs oder sonstwie (gemeinsam) aktiv sind: sei es in Hamburg auf einen Ausflug, auf einem Boot auf der Havel, auf Radtouren (warte, ich guck schnell Facebook:) Fotos oder Musik machen, Grillen, mit Kindern schwimmen oder zum Fußball gehen ... jedenfalls auf diejenigen, die eine Idee zu haben scheinen.

Und dann algorithmiert mir Facebook, dass ich mich an dieses Foto hier bestimmt gern erinnere. Ich sehe es mir an und ein tiefgrauböses Gefühl von ganz unten schwillt herauf und verkündet, dass nicht nur meine Jugend damals schon und heute sogar viel sichtbarer ungenutzt vorbei zu sein, sondern auch alles andere im schlimmsten Strudel des Selbstmitleids garkeinen Sinn mehr zu haben scheint. In solchen Momenten liegt bei mir eine konkrete Hilflosigkeit vor. Die lässt sich dann nur noch abmildern, in dem ich aufstehe und etwas Vernünftiges mache. Das hilft. Manchmal.

keine 48 Stunden später

Der Sonntag nach dem imposanten Bluenote-Samstag mit 4steps und den vielen, lang nicht gesehenen Menschen ... an dem ich nach genügend Bluenote-Bieren (siehe vorheriger Beitrag) und einer weiteren Flasche Wein zuhause erst gegen 06:00 Uhr im Hellen ins Bett ging, offerierte mir, mich gegen kurz vor 22 Uhr ins Bett zu begeben, um etwa 10 Minuten zu lesen und anschliessend schlafen zu wollen. Was trotz meiner Mattigkeit so nicht gleich gelingen wollte. Herzklopfen. Bumm Bumm. Ich wartete auf das Trampeln über mir, aber offensichtlich gelang mir rechtzeitig das Einschlafen. Gegen 06:xx wachte ich auf, wollte es aber ob der ungewohnten Zeit nicht wahr haben und liess mich vom Tablet 07:30 Uhr wecken.

Der Tag wurde und blieb müde für mich; die Dachverbandskonferenz (DVK) habe ich dennoch gut bestanden und nach meinem Krafttraining gabs am Abend dann einen Film im Moritzhof, (Aktionswochen Inklusion Magdeburg mit paritätischer Beteiligung), der inklusive seines Nachgespräches mit Lars Johannsen als Moderator und (pass auf: jetzt kommts:) Katrin Gellrich als Moritzhof-Chefin und Sandy Gärtner als Projektleiterin (und der Kulturbeigeordneten Hinz-Stieler und Jörg Möbius) leider etwas langweilig war und ich hoffte, endlich ein Foto von allen machen zu können. Habe ich dann auch gemacht uns stelle nebenbei fest, wie interessant sich das alles entwickelt hat.

Ich raste gegen halb 11 nach Hause und trank ein Bier. Und rauchte eine Zigarette. Daraufhin gab's den Weisswein, der noch im Kühlschrank stand. Und jetzt ist es der Rotwein, der auch noch zufällig da stand mich in diesem Augenblick so betrunken macht, dass ich morgen meinen Termin mit dem IT-Chef absagen werden muss. Und sehe mir sexbesoffen irgendwelche Pornos an, die mich nicht anmachen wollen.

Keine 48 Stunden später also ist die Lobhudelei auf den Alkoholverzicht beendet. Und es ist zudem interessant zu beobachten, wie ich nach so einem müden Tag, nach so einer langweiligen Episode (mit paritätischer Beteiligung, aufgrund dessen ich dort war), auf die ich im Vorfeld schon nicht sonderlich erpicht war (Vorahnung?) nach also so einem Tag sofort wieder alle verfügbaren Weinregister ziehe.

Unabhängig von allem Geschehen stelle ich weiterhin hier mein deutliches Problem inklusive Alkoholabhängigkeit fest. Und ich bin bereits betrunken genug, dem hier Geschriebenen keinen schönen Abschluss verleihen zu können Nichts Neues, gell?

Die so sehr lange Nacht

Es ist Sonntag Mittag und ich versuche, wach zu werden. Eine unendliche Nacht liegt hinter mir und es war bereits hell, als ich schlafen ging. So etwas gab es im Frühling wissentlich das letzte Mal, als ich vermutlich einen meiner Geburtstage zuhause weiter feierte und Stefs Bruder Norbert und Sarah in meinem sonnendurchfluteten Wohnzimmer tanzten. Letztere machte mir gestern den Abschied vorm Bluenote etwas kompliziert, als sie mir etwas aufgedreht erklärte, dass sie schon sehr lange keinen Alkohol mehr trinke und sehr genau registriere, dass ich sie offensichtlich ablehnend behandle. Oh, was habe ich mich herauszuwinden versucht. Aber im Grunde hatte sie ja Recht. Es gab nichts mit ihr zu bereden, auch nicht über irgendwas mit Leben und wie es so geht. Stef habe ich ebenso lange nicht gesehen, er scheint mir der alte. Aber es gab noch so viel mehr zu sehen an diesem lauen Abend:

4steps hatten eine Show im Bluenote und es versammelte sich ein beträchtlicher Teil derer, die lange in der Versenkung herumlungerten. Jörg und Jana waren aus meiner Erinnerung erstmals gemeinsam da, Homi meinte, dass er seine Sozialkontakte auf solche Art durchaus wieder auffrischen sollte, Canapé-Jule macht nach 30 Jahren jetzt erstmals montags zu, Piet Letz erklärte mir, dass er 65 Jahre alt ist, in Westerhüsen lebt und dass Wolfgang Krebs seine Susi auf Unterhalt verklagt, weil er ja nun schon eine Weile kein Geld mehr verdient. Matti Engel tanzte sich frei wie immer durch den Funk und jetzt weiss ich, dass sein Wohnmobil "Orion" von Mercedes heisst, nie einen Ölwechsel hatte und ziemlich selten ist. Von Dorschi nichts Neues außer irgendwas mit Urlaubsideen, jedoch Daggi hat ihre Magdalena als nunmehr sehr dickes und nicht mehr Kind als psychisches Wrack vor sich, die sich die Arme aufgeschnitten hat, vier mal in der Psycho in Haldensleben und Bernburg war, derzeit arbeitsunfähig und wie geschrieben, sehr dick und verletzt ist. Markus und Anke sehen glücklich aus, Ronald hatte das Set mit letzter Kraft geschafft, während der Lehrer aus Wolmirstedt (Thilo?) uns Ronalds kalte Finger erklärte. Rachmaninow ist laut Ronald damit nicht möglich. Mohi ist und bleibt Mensch und Musiker der ganz besonderen Art.

Meine Nacht sollte sich so gegen 01:00 dort beenden, als plötzlich die Wuselers noch in den Laden stürmten. Doch ich war mit meiner Flucht vor der aufgebrachten Sarah beschäftigt und damit bereits raus. Zuhause wurde es dann unbeabsichtigt superspät bis hell, als die Uhr gegen Sechs schlug. Was war passiert?

Es ist die schwer zu erklärende und auf legalem Wege offensichtlich nicht erfüllbare Sexsucht, die mich Cadinots pronografische Filme hat ansehen lassen, ohne mir selbst den eigentlich dringend nötigen Shot zu verpassen, damit es endlich ein Ende nimmt. Meine Traumwelt in einer Melange aus Jungs von früher (Ferienlager Ken Rogrün?) über gewisse Schulfreunde bis hin zu (vor allem) Carsten und dazu jene phantastischen, immer schon sehr vermissten Körper in den Filmen hat mich wie in einer Seifenblase gefangengegeilt und nicht mehr loslassen wollen, während der ganze Wein in mich hineinfloss, der mich jetzt und hier an einem Sonntag um halb Drei ob meiner allgemeinen Zukunft erschaudern lässt.

Ich sollte zumindest frühstücken.

Manipuliert

Einem sexistisch veranlagten Michme gleich ist es entweder der Frühling oder längst an der Zeit, meine Imperien der Lust auszuleben. "Er manipulierte an seinem Geschlechtsteil." Großartige Beschreibung. Aber auch großartiges Gefühl. Und es häuft sich, manchmal auch zwei mal täglich und auch etwas anrüchig an Orten, die normalerweise dafür nicht in Frage kommen. Irgendwo am Rand eines unbeobachteten Feldes oder mit offenen Fenstern und sonniglicher frischer Luft - besonders beim morgendlichen Yoga sind die Vorstellungen, zu nehmen und genommen zu werden, recht intensiv. Die Wortwahl ist etwas spröde, es geht hier nicht um Rollenverteilungen, sondern um pure (Herbeiführung der) Lust.

Genau diese Lust, mit der ich mich womöglich leider über meine Jahre im Coming-of-Age (was besser gleich ein Coming-of-Out hätte sein sollen) erst sehr langsam anzufreunden getraute. "Vielleicht mal umarmen und streicheln, ja, aber küssen, nee." Später wurde daraus ein 'in den Mund nehmen' und es dauerte sehr lange, bis das vollständige Einverständnis jeglichen sexuellen Verlangens vorlag. Dennoch gibt es, schade schade, keine Vorwürfe: so war die Zeit, so war meine Umgebung und heute darf ich tun, was ich will. Und so radle ich jetzt trainieren und dann durch die Gegend und manipuliere vielleicht ja irgendwo an mir herum.

Kurz und gut

Ja natürlich: es ist zu viel des Guten: ich betreibe jeden Tag entweder Krafttraining oder fahre mit dem Rad unendliche Meilen oder schwimme 1200m oder kombiniere solche Aktionen sogar an einem Tag. Das ist überfordernd und gefährlich, aber ehrlich: Gestern nach 50km Rad und abends Schwimmen und Sauna und einem Bier zuhause habe ich lange nicht so gut geschlafen wie in der letzten Nacht. Es wacht sich auch viel entspannter auf. Der Rest ist mentales Training, wenn ich auf den Straßen dann doch zu schnell genervt rechts überhole. Muss ja nicht sein. Grundsätzlich aber stelle ich erneut fest, dass eine entspannte Sichtweise insgesamt durchaus (wieder) möglich ist.

Osterdienstag

Trotz schwachschlafender Nacht mit zweifelnden Gedanken an die Redaktionssitzung, die ich zu leiten und von der ich keine richtige Vorstellung (weil Panne) hatte, ist es ziemlich gut gelaufen. Weil ich offensichtlich einen guten Plan hatte, der bei allen Teilnehmenden gut ankam. Lob sozusagen. Und ich: froh. Geht also. Trotz müde. Und dann? Früher Abend, 17:30 zum Friseur. Simpsons und dann Blue Note. Glücklicherweise nur 4 kleine Jever, weil Wein-Micha gegen 22:00 Uhr los wollte. Was für ein Glück für mich. Bin also mitgegangen. Es war genau so, wie in den vorherigen Beiträgen beschrieben: Hochgefühl, loszugehen und im Blue Note Leute zu treffen. Dann der seichte Abgang. Erst schön, interessant, dann informativ, dann beliebig. So war es dann auch: Michael Fügener, Sebb, die üblich etwas nervende Frau Doktor (mir fällt ihr Name nicht ein), der ebenso langweilende, aber für einen kurzen Abtausch taugende Anselm, dazu kaum Tuba und (fuck, der Name will mir auch hier einfach nicht einfallen, ha:) Paule.

Nunja, frühzeitig entkommen, es ist noch nicht halb11 (klingt nach vernünftigem ins Bett gehen), zuhause zwei Weisswein und jetzt den Rest roten "Saint Laurent" und bemerke dabei, wie ich absacke und den Themen im TV bei 37Grad über heftige Selbstoptimierer und anschließend einer Sendung über Obdachlosigkeit nur noch vage folgen und meiner dabei versuchten Meinung über diese Themen kaum noch Raum geben kann.

Ich bin Panne. Ich sollte längst zu Douglas Adam's Rupert ins Bett. Mache es aber nicht. Trinke noch einen Wein. Genau das ist die Sucht, die lange schon so unbegreiflich ist und mir Angst macht.

(Aah: Frau Doktor heisst Ulrike Theissen. Es bereitet mir Sorgen, das manche Namen wie auch Begriffe mir seit geraumer Zeit häufig entfallen. Hatte ich auch bei der Redaktionssitzung, wobei mir der Begriff Maskottchen oder Motivation einfach nicht einfallen wollten)

Was:

Aua. Das erste stand damals am Bahnhof gesprüht an eine Wand. Die zweite Gegen-Frage leite ich mir daraus ab. Der Rest in Herman van Veen, heisst eigentlich "Wer" und ist sehr traurig. Ich bin es auch. Das Licht ist vielleicht nicht gelöscht, aber so oft so schwach, dass kaum zu sehen ist, wohin es geht. Nach einem meiner betrunkendsten Kieser-Trainings aller Zeiten (never more!) fuhr ich gestern 40 km durch die Sonne und das Land. Auch das brachte Whisky & Wein bei Sigi & Michi des Vortags nicht zum Schweigen. Aber eine schlimme (und damit hilfreich-gute) Erkenntnis habe ich gemacht:

Meine permanent verfehlten Versuche, die mich umgebende Welt geradezu misanthropisch zu beschimpfen und das hier aufzuschreiben, sind eines enorm billigen Ursprungs. Alles hat Schuld an meiner Misere, die Menschen sind zum großen Teil bekloppt. Schlag' nach bei Facebook. Oder bei RTL. Egal, es geht auch direkt vor der Haustür. Ein Großteil der Menschen ist mit Leichtigkeit sofort schlecht. Und dumm. Kurzum: Negativ, furchtbar negativ. Es ist der Gleichmut, der mir abhanden kam. Ich bin laut & launisch, bewerte alles so sehr negativ und komme damit auf keinen weiteren Zweig.

Wie aber wird man zu so etwas Merkwürdigem, genauer: Aussichtlosem? Einer Spirale gleich Richtung abwärts gibt es dabei kein Halten mehr. Aber wie denn nun kam ich dorthin? Jetzt kommen all diese Fragen oben auf's Tableau: Warum wird das Licht knapp, fühle ich mich selbst ausgebremst, sind Antrieb und Motivation falsch abgebogen oder wurden gefangen genommen? Und das offensichtlich schon ziemlich lange. Nicht der Alkohol hat zu diesen Umständen geführt; der sorgt nur dafür, dass es so bleibt. Mich aus dem Elend zu erlösen ... okay, was aber, wenn ich ziellos wieder beim selben Punkt lande, wonach mir mein vages und schlecht erklärtes Universum nicht gelingen oder sich mir nicht offenbaren will und ich voller Zweifel, Angst und Unverständnis keine ausreichende Motivation finde?

Gleichmut, Gelassenheit, auch hier bereits mit Demut beschrieben; ein freundliches, entspanntes Herangehen an die Dinge des Lebens ... wo liegt das Problem? Synapsenkollaps schreit nach Schnaps, nichts hat dann Bestand außer das Siechtum. Und der Schnaps hat sich längst den stärkeren Arm besorgt, das beobachte ich seit Jahren mit Argwohn und Dummheit. Wie und wo finde ich den Pfad, auf dem zu Spazieren mir ... ich finde keinen Vergleich. Wann war's denn so schön, dass ich genau das wiederhaben möchte? Oder wie soll es denn sein? Und wer soll das hier weiterschreiben und in Form bis zu einer Lösung bringen? Irgendwas wurde irgendwann möglichwerweise mit irgendwem bei und in mir verursacht. Vielleicht war es auch ein sehr langsamer Prozess, vielleicht war es die pure Angst des permanenten Selbstzweifels, die mein Dagegenstemmen mit der Zeit aussichtsloser machte. Vielleicht war es meine immer wieder in mir auflächelnde Mittelmäßigkeit, die zu verdrängen ich längst nicht mehr in der Lage - und was nebenbei bemerkt auch garnicht notwendig - war. Oder vielleicht waren es und ich schon immer so veranlagt.

Der mitwill und nicht kann

... oder: Das Leben ist zum größten Teile zu viel Wein und Langeweile.

Damals hiess in einem Song "... der allein will und nicht kann". Das trifft noch immer zu. Schlimmer oder anders doof ist hingegen so ein Moment wie dieser, in welchem ich nun also hier allein vor mich hin sitze und durch die Vermeldungen "der anderen" von den dingen lese, die ich hättewärekönnte machen können. Canapé-Jule und ihre Mannschaft morgens um 7 mit Reisebus dem FCM auf Auswärtsspiel gefahren; Marcel selbst auch; Sebb ebenso. Jeweils in derer Clique. 4:5 gewonnen. Muss ein großes Ding gewesen sein bei 3000 Magdeburger Fans. Nanu- will ich jetzt zum Fußball? Nein. Nicht unbedingt. Aber da passiert was, da fahren Leute zusammen irgendwohin, erleben was. Und feiern jetzt wahrscheinlich irgendwo gemeinsam. Andere sitzen am Meer oder gehen wandern in den Harz oder essen gemeinsam in ... Beispiele gibt es zuhauf. Ich sage zu Tobi gern: Wir brauchen mehr Abenteuer!

Am liebsten schriebe ich hier und jetzt eine Art erbärmlichen Hilferuf: "Darf ich irgendwohin bitte mitkommen und mitmachen?". Das ziemlich Merkwürdige ist, dass, kaum bin ich da, nach einer gewissen Zeit mein Interesse schwindet. Das kennen wir von früher: Exlibris. Yeah - Barfly, cool! Nichts wie hin! Kaum eine Stunde später wurde es bereits langweilig und am liebsten wäre ich wieder nach Hause oder zumindest weggegangen.

Was für ein paradoxes Dilemma! Uns gehen die sozialen Kontakte verloren. Mir gehen sie verloren. Nahezu alle spontanen wie auch verabredbaren Aktionen sind vorbei. Ausser BlueNote gibts da nichts mehr. Kein oder wenig Interesse, keine Aktion und oft erfundene Ausreden, aber ordentlich Nachwehmut. Der Bluesjackets re:union für eine Nacht am 20. Mai 22 stehe ich sehr ablehnend, geradezu schrullig gegenüber. Die damals fortwährenden Versuche von Thomas Lange, mich zu besuchen, um was Essen zu gehen oder sowas, schlug ich permanent aus. Es langweilte mich. Oder wollte ich keine Termine und andere Leute? Jörg & Jana laden uns dauernd zum Frühstück ein - es hat tatsächlich noch nie geklappt, weil ich/wir nicht wollten!? Was ist davon zu halten bzw. daraus zu schließen? Ich möchte gemeinsam mit anderen Menschen neue oder überhaupt Dinge erleben; aber wenn möglich, nur kurz?

Die Kehrseite waren meine eigenen Erkundungen am dänischen Meer, in der Harzer Hütte, im Bus durch das Land, Dreetzsee, Kopenhagen ... im Resümee auch nicht gerade das großartigste Unterfangen. Okay, meine Abende mit Wein, Sex, Gesang, Kerzen und stiller Einkehr in die Welt meiner Gedanken waren da noch ziemlich gut, die jeweils folgenden Tage im Hangover weniger. Lost in Space. Der allein will und nicht kann. Und der Brief an meinen Freund. Hat so nicht geklappt, oder?

Flashback: Unsere gemeinsamen Schwedenreisen war noch gut, ja! Das hat gefetzt. Oder mit Dorschi und Jana bis nach Frankreich oder paarmal Prag und sogar Polen und Jamaica. (Dabei fällt mir auf, dass Mandy und ich immer bei den beiden eingeklagt haben, dass wir solche Touren so selten machen. Ich kann mir aus heutiger Draufsicht ganz gut vorstellen, dass sie uns nicht bei allem dabei haben wollten.) Oder auch die Touren mit solchen gemischten Haufen aus Stef, Wuschel, Katrin, Käse, Wuselers, Wuschel-Eltern, Suse, Jana, Dorschi, Mario, den Franzosen, Glenn auf Besuch (...) nach Frankreich oder in die Schweiz in die Chalets von Frosch-Reisen. (Schönes Beispiel: Chez la Tante).

Synapsencollaps. Jetzt und hier: Kinderlose Spinner, keinen Antrieb, keine Ideen, alles schon erlebt, reich an Material - arm an Idealen, Enttäuschungen versus verklärtem Blick auf "früher", Jugend ist vorbei - Körper & Geist setzen sich zur Ruhe, was "soll" ich jetzt noch machen bzw. habe ich noch Ziele? Wenn ja, welche? Sich manifestierender Altersstarrsinn, allgemeine Müdigkeit, körperlicher Verfall (zum Teil selbst forciert), Alkohol und Unfähigkeit, Wortschatz im Keller

Status quo mit Tucholsky in neu: "Das Leben ist zum größten Teile zu viel Wein und Langeweile." (Die Ehe war zum jrößten Teile vabrühte Milch un Langeweile. Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.)


P.S.: Gegen halb10 wurde ich dann bei Rene´und Michi auf Whisky & Wein eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mittels eines Bieres und zweier Gläser Wein schon etwas angegangen, gegen halb2 dafür dann vollständig zu. Immerhin blieb ich also gestern nicht allein. Und eben bemerkte ich, wie meine starken Abneigungen mittels Hangover gegenüber so vielem anderen die besten Aussichten haben, all meine Sichtweisen und Einstellungen ins schwer negative Abseits zu stellen: Facebook Kubon mit einem nächtlichen Eintrag über sein Bluesfestival, den man schlechter nicht formulieren kann: "Unser Blues am Turm Open Air am 20.5/21.05 rückt immer näher mit dabei am 21.5. Die Pretty Things Legende Dick Taylor mit ..." und dazu das hier: "Sag niemals Nie ! In den späten 90er und frühen 2000er waren die Blues Jackets die Rhythmen Blues and Soul Show in Deutschland. Festivals, unzählige Straßenkilometer und eine Unzahl an gefeierten Auftritten in der ganzen Republik ..."

So, und nun? Nun lese ich das und rege mich furchtbar drüber auf. Kann der nichtmal einen Satz vernünftig schreiben? Und was soll Rhytmen Blues sein? ... Warum rege ich mich drüber auf? Weil ich leider im Moment zu nichts anderem in der Lage bin. Das erklärt einiges in meiner Problemzone. Und das ist mehr als schrullig und sogar vergleichbar mit Montags-Spaziergängern und anderen Idioten.

Unisanthropie-Ostern

Fast schauderts mich, die immer und ewig wiederkehrende Trauer-Power beschreiben zu müssen. Aber es ist an dir, Zehnsucht, das weiterhin standhaft auszuhalten. Vielleicht gibt es irgendwann hier einen intelligenten Mechanismus, der mir - sobald in den Strings meiner aktuellen Desasterbits erkannt - sofort vermeldet, wie oft, wann und in welchem Zusammenhang wir "das bereits hatten" und mir dann ebenfalls meine selbst gezogenen Schlüsse zur Verbesserung bzw. Vermeidung dieser Dilemmen aufzeigt.

Das lässt mich ob der heiseren Ironie fast schon wieder etwas lächeln. Und ja - ich lese derzeit Douglas Adams' letztes Buch Rupert. Also jetzt: Es ist Oster-Sonntag, das Wetter ist phantastisch, ich bin soeben von Tobi zurück. Der muss morgen arbeiten. Also Zeit für mich? Wir lungern herum, Tobis Idee eines spontanen Dresdens am Freitag bis Sonntag stand mein tief sitzender Husten entgegen, der mich Angst auf eine erneute Infektion machen wollte. War's dann nicht. Das ist alles so oll und wir lungern herum. Keine Osterfeuer, keine Idee, keinen Willen. Ich lese stundenlang auf der Couch irgendwelche Schlagzeilen der Welt und Posts und versuche mich in irgendwelchen Dingen schlau zu machen, was seit Jahren nicht oder nicht richtig funktioniert. Ich starre an die Decke, weiss nicht mehr weiter und hätte Lust, mich ins Nichts aufzulösen. Stattdessen trinke ich so lange Wein, bis ich nicht mehr schuld daran bin, es nicht begreifen zu können.

Aus meiner Unfähigkeit heraus und meist dann im desolaten Hangover beginne ich dann auch "draussen", die Menschen abzulehnen (daher das Wortspiel mit der Misanthropie). Weil ich mich in einer Hilflosigkeit sehe, selbst nichts hinzubekommen. Und dann ist es leicht, mein Weltbild, meine unerfüllten Vorstellungen von gemeinsamem, erfüllten Leben an anderen festzumachen, die im "richtigen Moment" nur Stuss von sich geben, überheblich oder allwissend daherkommen und im schlimmsten Fall irgendwelche Klein- bis Großkriege führen.

Das wird hier nichts - ich merke beim Schreiben, dass ich nicht sortieren, einordnen, deutlich machen kann. Es bleibt eine Traurigkeit, die, sobald sie sich zu legen versucht, sofort von sehr sehr vielen gleichzeitigen Gedanken an nahezu alles, was mir zum Leben einfällt, bombardiert wird. Die Folge ist erneute Resignation. Circle of Schlecht.

Und spätestens jetzt müsste die AI wieder anspringen, wenn ich mir sage, dass mein erster Befehl den Alkohol beiseite legen und ich gleichzeitig beginnen muss, mir eine Basis zu bauen, die frei von Angst (auch vor mir selbst) ist, mit der ich selbstbewusst, neugierig, besonnen und optimistisch weiter leben kann. Gab es einen solchen Zustand eigentlich überhaupt schonmal? Als Kind vielleicht. Wann, warum und wohin kam der abhanden?

Es ist Sonntag. Jesus ist verschwunden.

Arsch, Sport, Bier

Letzteres ist gerade eben ausgetrunken im Bluenote. Bei Micha im Weinladen vorgeglüht. Wie immer zu viel. Beim Wein zuhause reicht es noch für zwei weitere Meldungen für heute: Erstmals beim Proktologen wegen meiner lange schon störenden Irritationen am After. Wegen Hämorrhoiden, gelegentlichem Blut im Stuhl und allgemeiner nervenden Puckerei. Damals, ungefähr im Jahr 2000 hatte ich bereits eine kleine Untersuchung dessenthalben, inklusive Darmspiegelung. Alles irgendwie harmlos. Aber eben doch vorhanden.

Heute, 22 Jahre später etwas konkreter: Es sind ein paar Hämorrhoiden vorhanden, die auch gleich vor Ort verödet wurden. Und in acht Wochen gucken wir weiter, was zu tun sei. Ich hänge hier meine Zusammenfassung an, das macht es schneller und einfacher. Kurzum, ich bin froh, dieses etwas merkwürdigerweise pikant klingende Thema angegangen zu sein. Vielleicht im Kopf, vielleicht im Arsch - es fühlt sich jetzt beides schon besser an.

Zweites Thema: Fahrrad gefahren, 35 Km, bekannte Strecke, Südost-Wind. Ist selten. Betont langsam ohne Weltrekord-Allüren. Am Ende zeigen mir die App und mein hoch roter Kopf, dass es hart an der Grenze war: Fast durchgängig red level. High Pulse und sogar der maximale Puls wurde auf 184 hochgesetzt. Aber langsamer fahren käme einem Wandern gleich. Sowas hatte ich schonmal kurz vor meiner Corona Infektion, wonach ich schneller gegangen als gelaufen bin. Was ist da los?

Baby, mit 52 machst du nicht mehr wett, was du nach deiner Sportkarriere spätestens ab deinem Alter von 20 Jahren hast sausen lassen. Zwischenstationen waren die Bluesjackets mit Full-Power auf der Bühne, die mich mitsamt den alkoholischen Eskapaden fast umgebracht haben. Das geht jetzt um so weniger. Allein das Saufen ist geblieben.

So, Arsch erstmal gerettet, Sport muss ich besser machen und Bier muss kürzer. Klare Anweisung?

Über die Demut

Bei all den Dingen, die ich denke, daraufhin sage und mache, hängt die Art & Weise dessen immer davon ab, wie ich mich in meinem Umfeld sehe und fühle. Was? Haach, schwieriger Einstieg. Manchmal benehme ich mich einfach nicht gut. Gerade dann, wenn ich unzufrieden bin und meine Umgebung dafür verantwortlich machen möchte. Die kann ja nur bedingt (aber immerhin) etwas dafür. Wenn ich dann also anfange zu poltern und ungerecht laut und mitunter launisch und boshaft agiere und reagiere, ist Ungemach vorprogrammiert. Das passiert mir manchmal mit und bei Tobias, aber auch in anderer Umgebung.

In ganz anderen Momenten, in denen es mir an den Kragen geht (beste Beispiele sind Unfälle oder grobe Gefahr, die sich unmittelbar vor mir aufbaut und solchen Situationen, denen ich oft unbewaffnet und sehr ängstlich gegenüberstehe), entsteht dann so eine Art Demutsgefühl, wonach ich mein vorher lauthals geäussertes Unbehagen samt unsachlichen Schuldzuweisungen bedaure. Das sind solche Momente, in denen mir bedingungslos geholfen oder Mut zugesprochen wird und ich meine unschönen Episoden dagegengestellt sehe und mir dabei immer wieder einfällt, dass ich ein guter Mensch bleiben möchte.

Und wenn ich etwas ändern möchte oder unzufrieden bin, täte ich besser daran, es etwas sachlicher und zurückhaltender als nur emotional anzugehen - denn negative Konstitutionen sind nie ein guter Einstieg in eine gute Aussicht. Ich habe so eine Demut des Öfteren gespürt und musste das mal loswerden. Denn dieses mein manchmaliges Gezetere erinnert mich sehr unschön an all jene Leute, die bspw. in social channels dummes Zeug von sich geben und ich bin dann keinen Deut besser.

Notes from Blue Note

Auf ein Bier in Michas Weinladen; die Weltlage besprochen. Das übliche Desaster und das weitere übliche Desaster später, wonach er offensichtlich (u.a.) wirtschaftlich nicht so recht klar kommt. Weil er aus meiner Sicht nicht frei und klar genug in Kopf und Herz ist, das Wesentliche vom Altbackenen zu sondieren. Aber es ist auch nicht mein Problem. Ideen und Ratschläge anderer schlagen bei ihm nicht an und er wird Zeit seines Geschäfts- und anderen Lebens irgendwelche Kontoauszüge kopieren und mit uralter Sichtweise und Technik ...

So, im Blue Note neben vielen anderen Kubon getroffen, der eigentlich gerade gehen wollte, bis wir aneinander bei weiteren Bieren festhingen und gequatscht haben. Ich stelle mit Erleichterung fest, dass meine ängstliche und vorsichtige Attitüde ihm gegenüber gefallen ist. Wir reden klarer über uns und unser Leben. Nicht im Innersten, aber in der Peripherie. Und über die plötzliche BluesJackets Re:union am 20. Mai 2022, deren eigentlicher Sinn sich mir nicht ergeben möchte, ich aber beschlossen habe, es entweder abzulehnen oder der anstehenden Freude aller anderen wegen mit- und im letzteren Fall kein großes Aufhebens darüber zu machen. Schließlich hängt es ja an mir als Frontmann. Okay. Wir sind durch damit und ich mach's also mit. Punktum. Wahrscheinlich wird's am Ende ja wieder schön. Auch des Alkohols wegen.

Viel wichtiger und auch ein bisschen schlimmer wurde es, als wir uns über uns und die uns umgebenden Leute unterhalten haben: Köhli hat neulich einen Herzinfarkt vorbeugenden Stent verpasst bekommen, Stü hat bereits zwei davon (das wusste ich bereits von der Schlüsselbeinbruch-Party von Kubon und Kristina im September 21) und neu ist seit zwei Wochen die Diagnose bei Stü, dass er Parkinson hat. Nicht das Schüttel-Parkinson, aber offensichtlich so eines, die Burn-Out like sich in enormer Antriebslosigkeit, Motivationsfehlern, körperliche Verkrümmung bis hin zur Idee des Aufgebens seiner Buchhandlung deutlich bemerkbar macht. Er ist jetzt 57 Jahre alt. Kubon selber schildert mir seine eigene "Herzdurchfahrt", wonach eine vordere Klappe(?) okay und die hintere(?) etwas problematisch sein sollen und er sich jetzt lieber auf Nordic Walking verlegt, weil er beim Joggen den Auslöser seiner hohen Herzfrequenz auf seine Kopfarbeit vermutet. Und Roger (der mir die Bühne beim JESKOM-Debüt 2009 mitgebaut hat und nicht nur beim Weihnachtssingen ein großartiger DJ war) liegt wahrscheinlich auch mit einem Herzinfarkt flach.

Die Einschläge kommen deutlich näher und so betrachtet riecht es allenthalben ein wenig nach Siechtum und Tod. Und nun?

Dann haben Kubon und ich noch ein wenig übers Radiomachen und seinen Job dort beim MDR Kultur geplaudert und ich habe fast schon wieder ein wenig Lust bekommen, darüber nachzudenken, ob das nicht doch was für mich wäre. Ich weiss jetzt ein bisschen mehr über die Redaktionsarbeit, über die Sendungsvorbereitung für die Moderation (nur 3 Stunden vorher!) und die Verfahrensweisen einer Produktion. Das Thema Radio ist und bleibt interessant, auch wenn ich mich weiterhin nicht für gebildet genug dafür sehe.

Es ist spät geworden und ich fühle mich (bin) so betrunken wie sicher, dass ich beim Paritätischen einen offensichtlich guten Job mache. Das haben mir die letzten beiden Tage (und auch vorher) und die Reaktionen der Leute dort gezeigt. Ich bin angekommen und koste es offensichtlich aus, indem ich so betrunken wie jetzt merke, was für eine riesige Portion Glück ich habe, morgen auf eigene Faust ausschlafen zu können. (Warnung: das ist kein Merkmal für meine Zukunft.)

Schnelle Umkehr

Es darf nicht ungeschrieben bleiben, dass es die eben noch erwähnten positiven Effekte durchaus gibt. So wie es heute war. Zwar zog sich die Nacht etwas mühselig, der Morgen wollte mich nicht schön machen und auch die Sonne schien nicht, und dennoch hat es mit der PSW Zeit Videoshow funktioniert und ich wurde trotz der Anstrengung immer positiver und erfreuter. So wie vorausgesagt: Es helfen gute Vorbereitung und Zuversicht. Und schon klappt's. Es lohnt der Mühe, die im Nachgang keine so große mehr zu sein scheint. Die Traurigkeit scheint vorerst einer hoffnungsvollen Zuversicht gewichen. Dies nur schnell zum Beweis, dass es mir möglich ist, mir zu helfen und dass der Blickwinkel dabei nicht unbedeutend ist.

Urlaub in Reform

Skiurlaub sollte es werden, aber Wetter und Kondition nach Corona waren Ausrede genug. Wir sind nicht mehr so spontan, eher darauf bedacht, dass alle Umstände stimmen. Das ist nicht gut. Derweil beließen wir es und uns in Reform beim Wohnzimmer streichen, Gartencentereinkauf, Garten machen (Tobi) und Außenkameras installieren. Ich könnte es trist nennen, bin allerdings selbst nicht in der Lage, es anders zu machen. Der oft zitierte Brief an meinen Freund: "... bisschen hippen Typen mit flippigen Ideen und ausgesprochen freundlichem Hang zur Kreativität. Als jemanden, den ich nicht mitnehmen muss und der mich im Gegensatz dazu eher anspornt und aufmuntert als mir meine Unzulänglichkeiten aufzuzeigen." möchte mir als Grundlage dienen, mein seichtes, trübes Dahinleben zu begründen.

Und zur rechten Zeit tauchen auch meine unbeliebten Begleiterscheinungen auf, wonach ich antriebslos und damit einhergehend ohne rechte Motivation die Dinge nicht auf die Reihe kriege. Ob Steuererklärung oder die PSW Zeit Videoshow morgen / übermorgen technisch mit den Laptops klar zu kriegen; überhaupt meine Gedanken ordnen oder wenigstens einen kleinen Teil davon sachlich klären zu können. Ja, es stimmt: da sind zwei Jahre Corona, da ist der Ukraine-Krieg, meine Infektion selbst und der viele viele Wein, der es nicht besser macht, aber mich laut meiner Uhr wenigstens besser schlafen lassen soll. Das mag beeinflussend, jedoch nicht grundlegend verantwortlich sein.

Müde bin ich. Ein bisschen teilnahmslos und weder mit Illusionen noch schönen Träumen ausgestattet. Und seit gestern unter der zusammenfassenden Voraussetzung vorgenannter Dinge traurig. Konkret ab dem Punkt, als Katrin Gellrich schrieb:

Lieber freund, mir fiel beim wiedereinräumen der schränke ein büchlein in die hand, in dem ich schönheiten meiner magdeburg-anfangszeit aufbewahrte. Darunter (und dominierend) mails von dir, die von beruflichen banalitäten (wenngleich auch diese poetisiert) in wunderhafte persönliche sympathiebekundungen übergingen. Mir wird ganz wehmütig ums herz und ich frage mich, wem du wohl heute solch unnachahmliche worte widmest- und wer jemals wieder mir? Ach. Die zeit, die zeit.

und ich antwortete:

Meiner tief schlummernden, positiven Grundeinstellung hin zum Leben wird manchmal eine Art Freigang gewährt, wenn Mensch & Zeit zur richtigen Stelle sind. Ich bin mir oft garnicht so sehr bewusst darüber, kann mir aber gut vorstellen, dass du ein so inspirierendes Quell für mich warst, das mir angstfrei für eine Weile den Weg aus meinen unsicheren Sümpfen freigespült hat. Ich teile an genau dieser Stelle deine Wehmut, weil ich gerade feststelle, dass solche Worte und Sympathien zu lange schon fehlen. Vielleicht schreibe ich mir mal selbst.

Seitdem bin ich schwach. Und muss mich aufrappeln. Erneut und immer wieder. Anders geht es doch nicht, wenn ich nicht einer jener grantenden, unentspannten Meckerer bis hin zu solch misanthropisch veranlagten Pessimisten werden will, vor denen ich mich stets zu warnen suchte; die ich missbilligend betrachtete und nun feststelle, wie leicht es sich dahin verkommen lässt, wenn ich nicht aufpasse. Ich habe mich erwischt, wie ich mir durchaus vorstellen konnte, schmerzfrei und ungeplant einfach morgen früh nicht aufzuwachen. Und auch danach nicht mehr. Das macht mich genau jetzt sehr traurig und ich fange mich in der Gewissheit, dass es schnell auch wieder anders wird, wenn ein kleiner, selbst gemachter Erfolg mit etwas Sonne alles sofort wieder leicht macht. Was für eine Mühe das manchmal ist.

Tod zur Sommerzeit

Nach sehr langer Zeit des letzten unfreiwilligen Sterbens geschah es heute Nacht wieder. Pünktlich zur Umstellung auf die Sommerzeit lag ich unterm Dach in Reform und wurde hingerichtet. Das Gefühl in so einem Moment steckt mir noch immer in Mark & Bein. Zuerst waren es so etwas wie In-Ear-Kopfhörer und zusätzlichen Pads an den Schläfen und irgendein Konsortium machte mir deutlich, dass es jetzt zu Ende gehe und ich vielleicht noch kurz innehalten wolle. Die Panik ergriff mich und wie ich mich umsah, bemerkte ich niemanden in meiner Nähe oder in Sichtweite. "Beim Sterben ist jeder allein" - und ich suchte verzweifelt nach einem Gesicht, nach einem Wort, einem Blick, einer Geste. Nichts, garnichts war an meinem Ende bei mir. Und dann kam der Moment, von dem ich wusste, dass es jeden Augenblick zu einer fürchterlichen Explosion in mir kommen würde. Die offensichtliche Ohnmacht war unbeschreiblich. Höchst verunsichert und in Panik dachte ich noch daran, alles herunterzureissen und weit fort zu laufen; allein mir fehlte der Grund dafür. Der Überlebenswille war zwar sehr stark ausgeprägt, aber sich der grausigen Zeremonie zu entziehen war doch bestimmt nicht erlaubt.

Diese übermächtige Traurigkeit inmitten einer großen Hilf- und Aussichtslosigkeit ist so schwer zu beschrieben wie auszuhalten. Dann klickte und stach es heftig an meiner linken Schläfe, ich zuckte zusammen, wachte auf und war wahnsinnig froh, dass es (wahrscheinlich) nur ein Traum war. Danach wieder einzuschlafen gelang erst sehr spät unter Beimischung weiterer, sehr kruder Träume. Und das Bläserensemble beim MDR Kultur Gottesdienst machte mich mit "Bridge over troubled water" sehr kurz sehr traurig ob dieses unerhörten Vorfalls der letzten Nacht.

Long Covid

Der Mittwoch (23.03.) brachte es dann zutage: Dies war das Ende einer Viruserkrankung, die aus späterer Sicht wahrscheinlich nur eine von vielen zukünftigen gewesen sein könnte. So wie die Grippe Influenza irgendwann zur Normalität wurde. Drei Erkenntnisse:

Virus over

Heute um 09:30 Uhr meinte der (etwas professionellere) Test, dass es vorbei wäre. Wao. Ich hoffe, dass es morgen so bleibt und gehe dann zum Freitesten in eine Apotheke. Der Husten ist geblieben; tagsüber wird es besser, abends kommt erfahrungsgemäß immer der Bescheid, dass ich noch nicht fertig damit bin. Dann wird es ein bisschen oller in allem und auch der Schnupfen kommt als Anflug dazu. Aber nunja, Tabak & Wein in Mengen waren die letzten Tage auch nicht sonderlich hilfreich. So. Aufraffen, hinstellen, gut überlegen und besonnen handeln. 10 km gewandert. Jawohl Sir.

Virus 1, 2 und 3

Drei auf einen Streich: Ich habe ein Virus (Corona), das mein Immunsystem auf Hochtouren bringt. Um gegen das Virus anzugehen und mich gemäß dem Prinzip meines Selbsterhaltungstriebs überleben zu lassen. So wie bei einer Grippe oder eines Schubs beim Bechterew oder ... jedenfalls ein Virus, gegen das sich mein Körper stemmen und alle Ressourcen dafür aufbringen muss. Feine Erkenntnis, was? Aaah, die Ironie tourt gleich ein bisschen mit. Ich rauche und trinke blödsinnige Mengen an Alkohol. Beide Komponenten darf ich getrost als Virus 2 und 3 eingliedern, denn sie schwächen mein Immunsystem und sind keinesfalls förderlich für eine Heilung. Im Gegenteil. Ich darf also davon ausgehen, dass ich meine Heilung wissentlich behindere. Ein Feldversuch, deren Konsequenzen ich mir direkt auf Lunge, Herz und Leber zu schreiben habe.

Wollen wir noch wissen, warum ich so handele? Ja. Wollen wir. Können wir aber nicht.

Rotwein

Was für ein weicher roter Wein! Großartig! Zum Merken. (Was hat das jetzt mit get real zu tun? Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Zerfall?) Ja.

Versorgung & Corona

Der Titel ist nicht sonderlich gut, mir fällt es nicht ein, wie es benennen wollte. Was ich meine: Da ich ja seit einer Woche nicht raus und damit nicht einkaufen kann, habe ich es erstmals gespürt, wie es sich anfühlt, wenn es um meine theoretisch unsichere Versorgung geht. Natürlich vorrangig: Habe ich genug Wein? Grundnahrungsmittel? Da war sogar Zahnpasta im Spiel, deren Tube sich dem Ende neigte. Plötzlich wusste ich um die merkwürdige Vorstellung, sich vorsorglich eindecken zu wollen. Obwohl es ja ein leichtes wäre, meine Mom oder Nachbarn anzutickern, die mir sofort das Notwendige besorgen könnten. Das mit dem Wein ist mir allerdings peinlich. Und damit zu einem weiteren Thema:

Habe mit Mario heute telefoniert (by the way: es gab heute sehr viele Nachrichten und Anrufe zu meinem Geburtstag. Und weisste was? Sowas fetzt! Wie so'n kleines Facebook-Prinzip: So viele Leute denken an mich und lassen mich das wissen. Meine Follower sind noch immer ziemlich zahlreich. Und insbesondere in meiner aktuellen Situation tut das sehr gut.)

Mario also erzählte mir, wie es ihn, Gardis und Frieda im November mit der Delta Variante erwischt hatte. Fünf ganze Wochen waren es für Mario. Und anschliessende drei Monate, in denen er zu beinahe nichts fähig war. Antriebslos, Lustlos ... alles, was einen Aufwand von fünf Minuten überstieg, war aussichtslos. Kann ich mal sehen, wie es auch hätte gehen können. Sein "Kollege" blieb sogar nach der ersten Infektion, die ihn querschnittsgelähmt machte, bei seiner querdenkenden Anti-Haltung, bis ihn eine zweite Infektion fast ersticken liess. Und er blieb bei seiner Meinung. O-ha.

Was ich damit zum Ausdruck bringen will: Diese Antriebslosigkeit bei mir beobachte ich schon seit einigen Jahren und ein bisschen Angst habe ich weiterhin, dass Corona hier ja nur eine Interimsbegründung ist, an der ich keinesfalls festhalten sollte. Meine Frage nach meinem Leben, meinem Universum und allem ist ebenso unsachlich formuliert, wie ich danach handele. Der Rest ist Wein.

Und ja: ich habe aufgrund der freundlichen Lieferungen von Tobi, meinen Eltern und meinem heimlichen Naturata-Einkauf derzeit noch genug im Haus. Leider? Naja, nee. Das ist ein anderes, weit profunderes Thema. Ich darf vermelden, dass mir die vielen und zum Teil sehr schönen Gespräche und Nachrichten heute eine Menge Freude samt Mut geschaffen haben. Keine Panik!

Zweiundfünfzig

Zähl‘ mal bis 52. So viel Zeit. Mein Foto sieht anders aus als das von 40 oder 42. Geradezu erbärmlich. Meine Corona Infektion trägt hier eine Mitschuld, die aber kaum mehr als 10% ausmachen dürfte. Obwohl: guck mal hier. Dennoch ich bin gealtert in einem sichtbaren Maß, das mir keine schönen Augen macht. Tobias und ich haben eben über eine Stunde via Facetime meinen Geburtstag 'gefeiert'. „Dior Sport“ heisst mein neuer Duft, meine Polar-Uhr hat ein neues Armband und zwei AirTags mitsamt Schlüsselring werden meinen Bus im Auge behalten, während ein lilaweisser Blumenstrauß heute meinen Tisch schmückt.
Ich fühle mich alt, aber im Moment immerhin nicht verloren. Denn ich habe meinen Tobias. Und die Idee zu mehr gemeinsamen Abenteuern mit uns und Freunden. Alles längst schonmal dagewesen, hat es sich verändert in den Jahren. Mal sehen, wie es weitergeht.

Be fifty two

Also gut, dann in krank. Und in traurig. Aber nicht des Virusses wegen, eher in der Vorstellung dessen, was ich im gegensätzlichen Fall auch bloß NICHT getan hätte. Das kann schnell voreilig und hanebüchen dahingeschrieben sein. Es bleibt das mulmige Gefühl der Mittelmäßigkeit mitsamt dem vagen Erkennen von nicht so guten Situationen, um allerdings keinen weisen Schluss daraus ziehen und entsprechend handeln zu können.

Vor zwölf Jahren stand ich mit Ines in der Küche und kochte Chili. Um die Mitternachtsstunde machte ich ein sogar schönes Foto von mir und schrieb in die Zehnsucht. "Keine Angst, keine Schmerzen" hieß es darin. Heute? Angst ist schon manchmal dabei, es nicht hinzukriegen, nicht zu begreifen, das Leben. Aber das ist auch nichts Neues. Damit mache ich es mir zu einfach, wenn ich mein ungünstiges Verhalten begründen will. Und in der Tat, ich muss mehr als sehr gut aufpassen; es droht die beliebige Belanglosigkeit mit heruntergelassenen Jalousien und einem dahinplätschernden Leben, dessen Wave-Sound vom Wein verursacht wird

Der traurige Saubermann

Weiterhin positiv. Die Idee des Freitestens nach 7 Tagen schwindet. Sebb hatte bereits nach drei Tagen nichts mehr gemerkt und sich freigeschossen. Mir geht es wie am ersten Tag. Abends manchmal oller. Habe den Wein wieder für mich entdeckt. Wein-Micha schickte Dirk los und ich trank zwei Flaschen. Was für ein Mist. Aber vielleicht hilft's ja. Dachte ich. Und so stehen nun also mein Geburtstag und bisschen was Paritätisches auf der Kippe. Versuchen wir es morgen früh nochmal.

Womöglich hätte mir mehr Ruhe gut getan? Wie läuft das bei einer Viruserkrankung? Wie bei einer Erkältung? Ich habe seit genau einer Woche genau das gleiche Gefühl: Brust etwas eingeengt, ab und zu etwas Husten, leichte Schlaffheit und hoffentlich nur eingebildete Atemnot, wenn ich voll in Aktion oder auf der Treppe bin. Derweil rumpeln die polnischen Handwerker auf ihre arbeitsame Art die Wohnung in der Parterre vollständig auf neu. Von 06:15 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends. Das geht auf's Gemüt, denn es ist mitunter sehr laut.

Ich habe meine Wohnung aufgeräumt und sauber gemacht. Alle Zimmer (ausser Studio) sind in Topform. Ich bin schon mit dem Rad durch die Bude geradelt. Geht prima. Bereits gestern Abend wurde ich merkwürdig traurig. Aber warum? Ein Trauerschauerschub, der vielleicht vorausahnte, dass es länger dauert mit einer Quarantäne, die wirklich merkwürdig ist. Ich vermisse nicht das BlueNote oder so, aber vielleicht das Bewegen draussen in der frühlinglichen Sonne? Das Eingesperrtsein? (Ich war heimlich bereits zweimal beim Bäcker und heute früh im Naturata.) Wahrscheinlich ist es eher das Große Ganze, was mir immer wieder mein totales Versagen weismachen möchte, wonach ich meinen Träumen weder getraut noch meinen Wünschen gefolgt bin und nun so da stehe und diese Attacken aushalten und hoffentlich nicht zu viel trinken muss.

So. Das fühlt sich also nicht so an, als wäre morgen alles gut. Okay, dann lassen wir den 52. > be52! eben sausen und verlegen ihn in die Urlaubswoche. Oder ins Weltall.

Corona positiv Tag 2

Klingt je heroisch hier, die einzelnen Tage bis zum hoffentlichen Freitesten aufzuschreiben. So wild scheint das alles nicht zu sein und wahrscheinlich wird's am Ende sehr viele Leute einmal erwischt haben. Vielleicht aber bietet mir die Woche Gelegenheit zur inneren Einkehr. Ich darf ja nichtmal raus. Also keine weitere Ausrede beim Versuch, mein derzeitiges Leben ein bisschen zu sortieren. "Denn ich spüre immer stärker, dass ich mich verlier'" (van Veen). Alles ist laut, oft unbeherrscht, es herrscht (wiedermal) Krieg, diesmal nur näher ran mit spürbaren Folgen; Social Media erscheint mir seit mindestens zwei Jahren (also seit Corona) dermaßen dummgepusht, keine Meinung hat wirklich Bestand, alle mit allen gegen alles. Menschen entlarven sich, andere hypersensibilisieren ihr Universum als Selbstdarsteller, jede Behauptung scheint entweder zum Krieg oder zu plötzlicher Gemeinschaftsbetroffenheit zu führen; man versucht sich durch Applaudieren auf Balkonen zu trösten, schreibt schwelgerische Beiträge in der Hoffnung, damit irgendetwas zu ändern und von weiter oben sehe ich einen Planeten, auf dem sehr merkwürdige Dinge mit sehr verkleideten Menschen geschehen. Und ich kann es nicht für mich sortieren und substituiere die Zeit mit dem Vertrinken von alkoholischen Getränken. (P.S.: PCR Test Brandenburger Straße gemacht. Meine Güte, war das voll da.)

Corona positiv Tag 1

Nun hat es mich also auch erwischt: Der nach der Mitternachtssauna vom Donnerstag und dem anschließenden Bier zuhause bemerkte kleine Pieks im Hals entwickelte sich am Freitag zum Husten mit Druck auf den Bronchien. Der trug sich am Freitag weiter, ein Antigentest blieb negativ; die Nacht zum Samstag war okay und der Samstag führte so weiter. Beim Kaffee vorhin dann ein erneuter Test mit dem Schreck eines hauchdünnen roten Streifens beim "T". Der sofort folgende Test mit Tobis professionellerem Test erbrachte noch vor dem obligatorischen "C" das "T", womit es also sehr deutlich wurde. Kleine plötzliche Panik. Huch? Was nun? Alles zusammengeräumt und Essen aufgeteilt, zum Bördepark für einen erneuten Test und wieder positiv. Jetzt bin ich zuhause und muss das erstmal kapieren: Es ist ja "nur" ein schmaler Husten. Aber kein üblicher, grippaler Infekt, wie Tobi mir gerade erklärte, sondern ein viraler Befall. So wie bei einer Virus-Grippe. Kein Spaß also. Dann lasse ich das über meine persönliche Saturday-Night mal wirken und hoffe, dass es sich morgen eher wie ein abklingender Husten anfühlt, statt in die Vollen vorzupreschen und mich flach zu legen mit allen möglichen Long-Covid-Konsequenzen. Die nämlich sind es, die mir im Moment ein bisschen Panik verschaffen. Na dann gucken wir uns das mal an. Und warten darauf, dass Tobi sich hoffentlich nicht mit angesteckt hat.

Deejay-Hack

Hackepeter war da und hat sich über ein Plugin oder sonstwie in die Zehnsucht hineingeschmuggelt, um dort gemeine Dinge zu tun. leider bin ich insgesamt ein bisschen zu doof, das ganze Konstrukt zu durchschauen. Deshalb muss ich die Zehnsucht nochmal bauen. Bis bald also

Halfway

Kurz besonnen, (gestern) nicht betrunken, dafür müde. Einen guten Tag erlebt. Mein Büro zum kleinen Studio um/aufgeräumt, mit den Leuten gesprochen und mich trotz Müdigkeit (06:45 Uhr) erstaunlich fähig gefühlt. Und mein neues Equipment ausprobiert. Siehe Foto. Scheint tatsächlich so, als dass ich Wochen lang im Hangover so einen Tag ohne Hangover als etwas Großartiges empfinde. Ich kann es allerdings nicht länger beschreiben, denn am selben Tag (also jetzt) sitze ich bei Tobi (der ist schon im Bett) und hab genügend Weißwein in mir. Wollte es immerhin bemerkt haben, dass sowas vielleicht ein ... ach komm, das ist doch Bullshit. Weisste selber, oder?

Die Litanei der Lethargie

So sieht sie sie aus - meine Lethargie. Immer wieder. Abends. Immer abends. Der kritische Zeitpunkt liegt immer zwischen 20:30 und 22:00 Uhr. Das Foto ist gestellt, trifft es aber.

Fotest aus Protest

Glaubst du, die Russen wollen Krieg? Vielleicht ist es ja nur einer, der den Krieg will. Ich bin heute ein bisschen willenlos. Obwohl die Sonne scheint. Eine Flasche Weißwein ist immer zu viel.

Zehnsucht goes Niesfisch

Die Zehnsucht ist zum Niesfisch umgezogen und letztere gilt ab jetzt als das neue Zuhause. Womit die zehnsucht.de vollständig an Mandy abgegeben wird und ich unter niesfisch.de/zehnsucht22 all das Bisherige umgezogen und in ein neues, schmuckes Layout mit frischem Design eingebaut habe. Dennoch trägt  die Zehnsucht weiterhin ihren Titel. Letztlich macht es ja nichts aus und ich bin froh, dass ich trotz anfänglicher Skepsis "meine" zehnsucht.de Domain nun doch aufgebe. Wahrscheinlich wäre es für Mandy zu aufwändig, all ihre Accounts und Anmeldungen nun auf eine andere E-Mail ziehen zu müssen. Und Frauke will ich mit ihrer coalmineranch.de und Thomas mit seinem wegenstedt.de gleich mit versorgen und ich bin das los. NEU in der Zehnsucht ist der Magazin-Look auf der Startseite. Erst wenn ich direkt auf einen Artikel gehe, kann ich Beiträge und Inhalte suchen oder nach Kategorien sortieren. Gewöhnungssache. Das Theme gibt es in dieser Hive-Lite-Version mit nachträglichen PHP-/und CSS-Anpassungen nicht anders her. Die Vollversion kostet 100 EUR und kann nicht sonderlich viel mehr. Für mich ein Training, aber begreifen tu ich es ja doch nicht. NEU ausserdem (naja, nicht ganz so neu) sei hiermit empfohlen, jeweils Beitragsbilder einzubauen. Da lässt sich mein Verfall auch besser verfolgen. Und auch das Benutzen von Schlagworten wären noch eine Idee. Dazu sieht das Druckbild eines Beitrages ziemlich schick aus und der Rest wird sich über die nächste Zeit finden. Welcome.

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010