Zehnsucht

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Wundversorgung

Zur Ruhigstellung und Entgiftung lohnt es sich, eine periphere Versorgung sicherzustellen, die wiederum sicher stellt, dass die guten Absichten nicht gleich wieder den schlechten Eigenschaften anheim fallen. Das geht ganz gut mit einer ordentlichen Erkältung, die seit Freitag schwelt, Samstag ausbrach, über den Sonntag erstreckte und die sich nur durch den Schnupfen vom üblichen Hangover zu unterscheiden scheint. Die Nacht zum Montag erbärmlich und traumreich, die Coronatests negativ und nun sitze ich als einer der ersten des Tages kurz nach 07:00 im Büro und alle so: Nanu!

Ich versuche es also auf die belustigende Art, um dem Ganzen den Schrecken zu nehmen; wohl wissend, dass es nach all den missbräuchlichen Jahrzehnten nur den kompletten Verzicht geben kann. Ein schwer wiegendes Eingeständnis, das besonders in den Hangovern als einzige Ausfahrt mehr als deutlich wird.

Sport unfrei! Wenigstens, bis es wieder besser geht. Und noch ein wahrscheinlich nicht besonders schlauer Tipp, wenn es im Eigentlichen um die vollständige Entsagung geht: Jener leichte, feinherbe Riesling Gewürztraminer lässt sich prima mit mind 1/3 Soda versehen, bleibt somit nahezu unschädlich und schmeckt sogar ganz hilfreich gut.

Wir müssen das Experiment abbrechen

Es läuft aus dem Ruder, wir verlieren die Kontrolle, am Ende verlieren wir ihn! Weg vom Tisch, weg vom Wein, weg vom Muster, das sich eingebrannt, manifestiert hat, das aber möglich war und keine Konsequenzen zu haben schien. (Letzteres ist vage und sehr vakant.) Die allerdings stehen nun kurz bevor. Es lässt sich mit dem Klimawandel vergleichen: Seit Jahrzehnten ist es kurz immer vor 12 und dann, eines unbeholfenen Tages ist plötzlich die Zeit um und alles vorbei.

Das Experiment widmete sich der Frage, wie lange so ein Verhalten auszuhalten ist, das sich ständig intensiviert, das permanent wachsende Ausmaße annimmt und die Abstände der alkoholischen Eskapaden immer kürzer werden lässt. Der Zeitraum der Beobachtung zog sich enorm in die Länge und begann sicher nicht erst mit einer Flasche Sekt zur Fußballweltmeisterschaft 1990.

Es ist aber leider nicht mehr zu kontrollieren und selbst der Versuch, die eigens angeschafften Getränke nicht anzufassen, taugen nichts mehr. Stattdessen knüpft sich jedes mal die Angst auf die Kalendereinträge, bei denen Nüchternheit durchaus gegeben ist. Wären diese Termine nicht, könnte es längst ganz vorbei sein.

Wir müssen das Experiment abbrechen.

Immerhin

Ein auf einem Zettel aufgeschriebener Satz nach dem letzten Eintrag lautete: "Versprechen an mich: Ich werde mich nur dann selbstmorden, wenn ich vollkommen klar und nüchtern bin." Immerhin.

Sturz aus halber Höhe

Klingt wie Halt auf freier Strecke - was ein Film von Andreas Dresen ist, in dessen Verlauf ein ganz normaler Mann langsam an seinem Hirntumor verstirbt. Ein unaufhaltsames, deutlich tödliches Leiden, zu welchem ich keine bedeutungsvollen Parallelstricke knüpfen möchte. Doch mein Sturz aus halber Höhe ist typisch und ich muss es beschreiben:

Ein frühlingliches Oster-Wochenende samt Freitagsfisch und einer sonntäglichen Radtour ohne Wind aber mit Hangover, der sich so gewohnt so nach Desaster anfühlt. Immer wieder erholt es sich und mich, doch ist der Weg so weit und beschwerlich. Tobi hat ein neues E-Bike und ich gelegentlich hilfreichen Windschatten. 60 KM und die Überraschungsparty bei Norbi in Königsborn, Schnurstracksfahrt nach Reform zum Pflichtfilm "Das Leben des Brian". Immer noch hervorragend, dennoch ein wenig nachlassend, wenn man ihn mehr als zehn mal gesehen hat. Montag Osterlamm bei den Eltern und da irgendwo mittendrin muss etwas passiert sein. Ein fast unmerklicher Stimmungsknick, als ich beim Thema Handy und DSL und Vertraglichkeiten mein Wissen preisgab, dem jedoch widersprochen werden wollte. Später stellte sich heraus, dass ich richtig lag - aber das ist so hanebüchen wie sinnlos. Allein die Radfahrt zurück beim starkem Gegenwind, bergauf mit vollem Bauch und einem Tobi, der mehrfach davonstob und mich zurück ließ. Und plötzlich fiel mir Sabine ein, die mir damals erzählte, wie Marcel in derer beiden Kommunikationsackgasse mit Rad voraus ihr einfach davon fuhr und sie hinterherstrampeln ließ. Genau das Selbe passierte also gestern am Ostermontag: Ein leichte Irritation im Kommunikationsgefüge mit anschließendem "Rachefeldzug".

Am Ende lag ich am frühen Abend müde auf der Fernsehcouch und versuchte, etwas Sinnvolles zu denken, zu tun oder wenigstens im TV zu finden. Beim MDR und dem Schlager-Abschied für Jürgen Drews überkam mich fast das große Erbrechen, dem ich mit einer Dusche zu entgegnen versuchte. Es wurde schlimmer, ich begann weissen Wein zu trinken und gelangte nach sinnlosem Zappen zu Fabian und dem Gang vor die Hunde von Erich Kästner. Jetzt im Nachhinein passt der Titel perfekt. Der Gläser weissen Weines Zahl ließ sich später kaum mehr zählen, dem Film selbst konnte ich (akustisch und daraufhin inhaltlich) wenig folgen und ich verlor mich also seit frühem Abend in der mir sehr bekannten Ohnmacht: Einer Melange aus Müdigkeit, Müßigkeit, absolut keinem Plan und keiner Idee, aber zu früh und noch hell draussen, um ins Bett zu gehen. Und dann kam irgendwann die übliche Gewissheit, dass der Goo längst überschritten und jegliche andere Idee, ausser der, sofort abzubrechen und ins Bett zu gehen, sinn- und aussichtslos ist. Inklusive der absehbaren Folgen für den nächsten Tag. Und der findet gerade statt: Ich sitze in meinem Büro und überlege mir aus einem Zehnsuchtsentwurf vom Samstag, was außer dem totalen Verzicht auf Alkoholitäten zu tun sei. Hier der lose Entwurf dieser diversen Worte:

Einmal alles bitte ... meine ziellose, ewige Suche nach irgendetwas Unbekanntem wie der Glückseligkeit. Ich habe so Vieles zwar probiert und war anfangs immer sehr motiviert und kreativ, nichts davon aber schöpfte ich bis zum Ende aus, es blieben wie immer nur Versuche aus Neugier und initialisierendem Interesse. Über die Jahre hinweg wurden die Ansätze dafür allerdings schwächer. Viele mich möglicherweise interessierendeThemen scheinen probiert, für die weiteren bin ich entweder zu müde oder zu hangover oder zu beides.

Diese Haltung überträgt, integriert und manifestiert sich in meine Lebensweise - in viele meiner Aktivitäten. Die Ergebnisse sind oft schwach, oft nichtmal befriedigend; andere wiederum dann großartig und wenn's am Schönsten ist ... Es folgen Erschöpfung und Müdigkeit; im weiteren Sinn eine Art Aussichtslosigkeit, wenn ich die Theorie zugrunde lege, alle möglichen Bereiche so lange auszuprobieren, bis ich das Richtige für mich gefunden habe. Wenn Zeit, Raum und Geist zufällig zueinander passen.

"Einmal alles bitte" sollte womöglich auch als Ansatz und Aufruf dienen, wenigstens die extrem banalen Dinge der Steuererklärung und Sortierung meiner Bettwäschen als auch die möglicherweise profund wichtigen Dinge wie JESKOM endlich anzugehen und - zumindest im banalen Bereich - einmal im Ganzen und damit fertig zu machen.

Alles zuviel und nur im Ansatz hier dokumentierbar. Die massive Fülle von flüchtigen, aber sehr bedeutsam erscheinenden Gedanken hat sich noch nie bezwingen lassen, der Exorzismus namens Wein lähmt immerhin, schafft aber daraufhin um so heftiger wiederkehrende Dämonen. Die Worte werden knapp, Shane MacGowan hat sich von Johnny Depp filmportraitieren lassen: Deutlicher kann man nicht darstellen, was massiver Alkohol anzurichten in der Lage ist. Die Vorboten machen sich bei mir bereits durchaus bemerkbar.

Das ganze Desaster hat sich über Jahre generiert aus einem Kreis, der sich anfangs aus Angst vor meiner Mittelmäßigkeit, fehlendem Sebstvertrauen mit folgendem Orientierungs-, Motivations- und Handlungsverlust gebildet und den Alkohol als Medikament für den Kontrollverlust eingeladen hat. Auf den Punkt gebracht.

Dranbleiben

In dieser Woche haben meine sportlichen Ambitionen etwas gelitten. Gelaufen bin ich garnicht. Heute wäre eine gute Möglichkeit gewesen, von der mich der Dunst des gestrigen Bierweines (siehe Beispielfoto) und ein vorhergesagter Regen, der so garnicht eintraf, schändlich abhielten. Und im großen Ganzen muss ich eingestehen, dass mich eine große Furcht umgarnt, dem abendlichen Alkohol nicht richtig widerstehen zu können. Es wird knapp. Ich werde knapp.

Sozialgeplapper

Böse Headline. Bin aber auch nicht ganz so wach, wie es sich nach dieser weichen Nacht im paradiesischen Bett mit Blick auf Ruhe angefühlt hatte. Die Träume waren spezifisch und hatten allesamt mit der Gay-Massage, die mir nachher um 14:00 angedeihen wird, zu tun. Demnach war ich einen Tag zu früh und sollte in derer beiden Wohnung (Guido, André) erstmal ins Bett gehen und irgendwann morgens kam dann einer von beiden und ich dachte, das jetzt die Massage beginne. Aber es war verworren und ich immernoch einen Tag zu früh. Stattdessen klingelte Tobi irgendwann an der Tür mit der Frage, wann wir denn aus NYC(?) abreisen und ob er dann jetzt allein fahren soll. Dystopische Szenen aus Schirachs "Verbrechen", mein Schamgefühl der eingekauften "Zärtlichen Massage" wegen, die Flucht aus der Gefahr und irgendwas mit Geld.

Ein heilloses Durcheinander, in das sich noch viele weitere Szenerien einwoben. Und immer wenn ich aufwachte, war es warm und sehr weich und ich fuhr sanft an meinem Körper entlang und alles fühlte sich sehr schön an. Das unterbrach das zwar immer meinen Schlaf der ganzen Nacht, doch der Blick durch die feingewobenen Gardinen in einen dunstigen Mini-Innenhof hüllte alles in eine wohlfühlige Ruhe.

Nun sitze ich hier am zweiten Tag des Workshops der Landesverbände in Berlin Oranienburger Straße mit Leuten, die sich über die Umsetzung eines bereits beschlossenen, leicht geänderten grafischen Erscheinungsbild des Paritätischen in Sachen Logo und Schrift und Briefpapier unterhalten. Gestern waren mir die Leute alle so neu und fremd und meine Unsicherheit spielte mir gemeine Ängste zu - heute ist alles kategorisiert: Das hier ist Berlin, die Leute sind mir jetzt auch bekannter, die Angst gewichen und das ganze Unternehmen dient wahrscheinlich eher einer gemeinsamschaftlichen An- und Aussicht in Präsenz. Alle plappern irgendwas mit Komma, Kunst und Kernstörgefühl und das Ganze durcheinander, was mich ein bisschen nervt. Scheint auch alles nur teilscheinweise wichtig zu sein. Jedoch ist so ein Zustand immer noch besser als der vorherige und ich sollte nicht überheblich werden, sondern eher bedenken, auf welch schmalem Grat ich insgesamt unterwegs bin.

Hilflos ein Vogel im Wind

… der spürt, dass kein Sturm beginnt. Die Orientierungslosigkeit und Unsicherheit sind enorm. Auf dem Weg nach Berlin zu Menschen, die ich nicht kenne mit Themen, von denen ich knapp die Hälfte verstehe. Das wäre nicht das Schlimmste und eher sogar interessant, jedoch ist mein Zustand so Panne, dass ich mich vor allem und jedem fürchte. Jedes Geräusch schreckt mich halbdämmernd auf und stört, jeder Gedanke an das Leben kommt mit dem an den Tod daher. An den meinen, den meiner Eltern und den von anderen.

Mein Zustand ist mit dem von Kopenhagen in 2010 vergleichbar, als ich im Bus auf dem Parkplatz saß und mir einen „Entnehmer“ wünschte, der mich jetzt von hier hoch hinaus aus der Welt nehmen und in irgendein Zuhause schlafen legen würde. Und wenn ich aufwache, werde ich getröstet und ermutigt, motiviert und erneut auf einen diesmal besseren Weg geschickt.

Am Ende ging damals alles gut und wird es wahrscheinlich auch heute, in Allem aber steckt ein parasitärer Wurm, der mir mittlerweile die Worte stiehlt, die guten Gedanken, den Sinn und die Sicht für das Schöne nimmt und mich mit Ärger, Angst und Ziellosigkeit füttert. Sogar der Sarkasmus mag nicht mehr, wenn‘s immer das Selbe ist. Jedoch der Zug, in dem ich sitze, ist nagelneu.

edit / P.S.: Es wurde am Ende dann doch und wie immer wieder gut. Auch wenn mir in Berlin anfangs noch immer der Wind der unbeholfenen Unsicherheit ins Gesicht wehte und ich erst nach und nach wach wurde, dann aber gewissermaßen Oberhand gewann und nun im geräumigen Hotelzimmer Wein aus dem Spätverkauf trinke und mich sehr urban fühle, weil ich mich und die Stadt gemeistert habe. Naja.

B52 is over

Oft bis immer, je nach Jahreszahl bedenklich häufiger, das Gefühl eines kleinen besonderen Momentes, der nicht frei von Traurigkeit ist. Mir wäre Sentimentalität lieber. Oder Romantik. Oder reine Rührung. Silvester macht das auch oft so. Hier scheint eine Art heimlicher, interner Zähler am Werk. Dreiundfünfzig ist eine Primazahl. Und die Sonne guckt zuweilen vorbei. Gut.

Verstehen

Nja, hilft jetzt auch nicht so richtig weiter, hat aber was. Genau. Gerne.

Siehste-Tagebücher entdeckt

Dem Argwohn und der Missgunst, dem Neid, was andere besitzen oder können und der Eifersucht, dass ich nicht das mache, was andere nicht besser können und noch so vielem mehr lässt sich nicht nur nach und nach immer leichter anheim fallen, ich kann es sogar intensivieren, wenn die Stellschreckschraube des Bewusstseins sich tiefer und tiefer eingräbt, während das erschreckte Kind verwirrt diesem Unsinn zusieht und wahrscheinlich bis zum Ende dagegen ankämpfen würde, wenn es wüsste, wie.

(Shane MacGowan Doku auf arte gesehen.)

Aua

Im Bauch. Unten rechts. Es drückt. Unbekannt. Beim Trinken von Wein. Lamberti. Kam mittendrin. Beim Trinken von zuviel Wein. Den ich in dieser Menge nicht getrunken haben wollte. Zwei Flaschen. Warum? Zu spät, es zu erklären. Es tut weh. Unten rechts. Google spricht von Blind- oder anderem Darmsachen. Beim Aufschreiben wird's sachte etwas besser. Ich bin verängstigt. Zu Recht. In Allem.

deejay, deo und panik

Deejay braucht Deo. Es geht nicht mit SoCal only. Das duftet, aber schützt nicht vor old spice from Achselhöhle. Und dagegen bin ich nicht gefeit in einem Noch-Winter, in welchem ich fast immer beharrlich Fahrrad fahre ... und schwitze. Und dann schwitze ich ein bisschen wegen eines paritätischen Pressegespräches, das auf einen Tag festgelegt wurde, an dem ich bereits Urlaub hatte. Unschöne Parallelerinnerungen ans Puppenhaus. (remember: "Das sind deine Presseleute, dann sage ich dir den Urlaub ab." Und NYC hätte nie stattgefunden und ich hätte den Intendanten am liebsten getötet.) Nunja, es ist also noch immer in mir drin - das mit der Panik, etwas falsch gemacht, unterlassen oder vergessen oder schlichtweg versoffen zu haben. Das ist ja auch nicht unbelegt. Danke für meine Offenheit.

Und es klärt sich ja gerade alles und die Arbeit ist professionell. Und sehr höflich. Na bitte.

Viertelmarathon

Knapp 11 Kilometer komplett am Stück gelaufen. Ein viertel Marathon! Und alles im gelben Bereich. Ein Viertel Wein wäre auch ziemlich hilfreich. Roter Bereich! Jetzt ist es Abend und ein bisschen Erschöpfung macht sich breit. Es gibt einiges zu tun und ich muss mich sputen. Ich empfehle mir Schonung in Sachen Selbstmißbrauch. Das Wochenende steht mir vollends zur Verfügung und ich will mal sehen, ob die Vorfreude hoffentlich nicht doch wieder ein drei Tage Hangover umschlägt. Fest steht, dass es geht! In beide Richtungen. Aber nur eine ist die gute. Grüner Bereich.

Zahnbürstenglück

Es ist so einfach. Meine HappyBrush Zahnbürste verweigerte unglücklich ihren Dienst, ich aber hatte noch sieben Aufsteckbürsten übrig und wollte als sparerprobter Messi nicht alles wegwerfen, was dereinst teuer war, zumal die Bürsten nicht auf ein neueres Modell passten. Die eBay Kleinanzeigen brachten mir eine unbenutzte Version aus 2020 oder so, über die ich mich sehr freute.

Am nächsten Abend war sie kaputt und ein allgemeines Ärgernis (am besten gleich über alles) machte sich unbehaglich breit. Und blieb beharrlich heimtückisch lauernd. Dann las ich etwas über Tiefenentladung nach langem Rumliegen, wonach man sowas mindestens 48h lang aufladen sollte. Nach 24h blieb sie weiterhin stumm. Ach so, das sind keine 48h? Nach 48h ging sie plötzlich. Bis heute. Und ich war getröstet, beruhigt, fast schon glücklich. Das Leben hatte einfach wieder Sinn und alles schien möglich. 48 Stunden. Genau so lange hielt das bei mir. Die HappyBrush macht seitdem einfach ohne mich glücklich weiter.

#edit (April): Ein paar Tage später war sie plötzlich wieder kaputt. Und ich dachte über das hier Geschriebene nach und wusste nicht so recht, es einzuordnen, weil mal wieder alles zu diffus wurde. Bis ich auf die Idee kam, am Schaft der Bürste zu wackeln und zu ziehen. Tadaa: Und da ging sie wieder und mir wurde erneut klar, dass mit dem Universum etwas nicht stimmen kann. Mir inklusive.

dünn & drunk

Mein undefinierter und rein auf Gefühl basierender Trainings- und Ernährungsplan vermisst Früchte, trägt sie aber immerhin. Ich bin jetzt bei morgendlichen 81,5 Kg, bin sehr beweglich und fühle mich in meinem Körper sehr wohl. Die Hauptsache. Dann bin ich mir nicht sicher, inwiefern das Verhältnis von Laufen und Kraftsport und baldigem wieder Radfahren und der entsprechend notwendigen Nahrung ausgewogen oder überhaupt richtig ist. Anstatt mich konkret damit zu befassen, überlasse ich alles meinem Gefühl. Die Einrede besteht im Verbrennen von Fett mit gleichzeitiger Umwandlung bzw. Aufbau von Muskelmasse, wessenthalben ich also garnicht zunehmen, sondern nur "umwandeln" muss. Ob das klappt oder stimmt, weiss ich nicht. Wenigstens führe ich mir vor und nach einem Krafttraining wieder deutlich mehr Proteine und Kohlehydrate zu.

Alles in allem zwar gut für mich, aber ansonsten weiterhin sehr peinlich: Genau diese Typen habe ich verlacht und bemitleidet, wie sie schnaufend und keuchend einem drohenden Infarkt oder einsetzenden Alter zu entfliehen versuchen. Deshalb meide ich öffentliche Wege und verziehe mich an den Stadtrand, wo ich nicht gesehen werden oder von anderen Joggern gegrüßt werden muss.

Beim Lebens-Experiment Alkohol bin ich weiterhin nicht weiter. Vier kleinen Bluenote-Bieren folgen zwei kleine Rotwein zuhause und der nächste Tag ist immer noch schlimm. Ich hoffe insgeheim auf eine gewisse Altersschwäche, wonach - wie übrigens bei der Schokolade (!) - der Suchtfaktor abnimmt und der Stoff keine große Rolle mehr spielt. Bei der damaligen Schokolade, die sehr zu 95 Kg beigetragen haben dürfte, hat das aus freiem Willen geklappt. Und wenn keine da ist, macht es nichts aus. Anders beim Alkohol. Wenn mir aber 4+2 schon nicht mehr bekömmlich sind, könnte das ja auch darauf hinweisen, dass der Kopfkörper auf Reduzierung aus ist. Was mir alles in allem sehr behilflich sein dürfte. Ich träume noch ein bisschen weiter und finde wahrscheinlich heimlich die Balance, derer es bedarf, mich an der Lust zum Leben zu halten.

Aschermittwoch

Naja. Das kennen und suchen wir hier in der Zehnsucht gern. 40 Tage Wüste oder 7 Wochen ohne. Wie immer alles unbedeutend in Bezug auf das gesamte Leben, mittlerweile aber erscheint es medizinisch sinnvoll, wenigstens den kalten Entzug mal probiert zu haben.

Die Frage nach dem, was ich mir noch / weiterhin / hoffentlich / nie wieder zutraue, bedrängt mich ein etwas. So oft so viel und instabil, verunsichert und desillusioniert wabere ich schon zu lange auf flachen Wellen ohne Ufersicht. Das Universum bzw. eigentlich nur der Mensch und sein Gebaren darin sind mir zu komplex; ich fühle mich angesichts meiner unprofunden Wissens- und oft überschätzten Gefühlslage kaum in der Lage, sinnvolle Zusammenhänge oder Konstrukte herzustellen, mit und in denen ich gut leben kann. Die Vorstellung über dieses Unvermögen trinke ich vorsichtshalber beiseite, um per Teil-Ohnmacht zumindest die Gefühlswüste zu halten. Aber auch das ist lösungsverhindernder Unsinn.

So. Naja. Alle TÜVs sind erteilt - jetzt auch beim Bus. Und nun? Wenn man Zeit seines Lebens nie so recht gelernt hat, wie oder was man mittels selbst gesteckter Teilziele entdecken, entwickeln und werden möchte, weil vielleicht zudem der Mut dazu fehlte, dann kann das irgendwann eng werden. Zumindest in den vielen Vergleichen, die man besser von vornherein ausschließen sollte.

Das Leben wird beliebig. Dann wird es sentimental beim Zusehen, wie einer dem anderen über die Rolltreppe hilft, wie Kinder aus tiefster Emphatie und ohne Vorbehalt reagieren; wenn mich emotional überrumpeln lasse und dazu Nick Cave's Ghosteen spielt und mir alles in Allem klar wird, dass ich weder am Ende noch zu doof für das Leben bin. Dafür wahrscheinlich aber irgendetwas anderes. Und dann, dann wird es plötzlich doch zu Ende sein. Huch.

Eugen Onegin, der überflüssige Mensch

Mir ist ein wenig schummrig. Und gleichzeitig fühle ich mich aufgeregt. Und ängstlich. In solchen Orten wie Opernhaus (Eugen Onegin) oder Orten, an denen ich kaum jemanden bis garkeinen kenne fühle ich mich oft deplatziert und weiss kaum, wie ich mich verhalten oder hinstellen, hingucken soll. Zudem verstehe ich oft kaum etwas und in solchen Momenten (die sich ja immer zum Guten wenden und ich kannte ja auch ein paar Leute), könnte ich mir insgesamt vorstellen, asozial zu werden. Vielleicht das falsche Wort - ich meine, mich in (fremder) Gesellschaft oft nicht wohlzufühlen, mich nicht auszukennen, am liebsten flüchten zu wollen. Ist aber auch tagesformabhängig. Und im Opernhaus war ich müde, slow down, schwach. Ich muss das üben und bspw. die anderen Landesverbände besuchen.

Meine kleine Aufregung rührt aus meinem ängstlichen Verständnis über meine Verhältnisse und deren Wandlungen in den letzten mindestens zwei Jahren. Das geht weder so weiter bzw. keinesfalls gut aus. Und das fürchtet und regt mich ein bisschen auf. Wie wäre es mit einer eine Basisaufstellung aus den Gedanken des Beitrages "therapy!"? Darin habe ich immerhin meine Grundvermutungen über meine Entwicklungen und den Stand heute. Am akutesten fürchte ich mich vor meinen Enthemmungen zwischen 21 und 23 Uhr, aber das sind weiterhin nur die Auswirkungen, nicht die Gründe. Na? Mal schnell eine gründliche Psychologische Selbststudie klar machen? Wäre ziemlich lustig, irgendetwas plötzlich zu begreifen und mein Leben sofort entsprechend in meine bestmögliche Richtung lenken zu können. Und es natürlich sofort zu tun.

Raus aus der Angst, der Müdigkeit, der Ziellosigkeit.

therapy! drei Jahre rum.

Overloaded im Bereich Alkohol und in den Avancen beim Sport. Was heute beim Laufen nicht mehr ging, steht unter flow.polar.com mit polar@2und40.com oder in der App. Nur soviel: Vollständige Überforderung, daher mehr Gehen als Laufen. Wahrscheinlich fast schon kontraproduktiv. Und dicke Hände gabs dazu. Anschließend Badewanne. Dann die erneute Lust des Tages auf anale Stimulation samt Manipulation und Explosion. Sowas passiert meist und leider nur in postalkoholischen Dunstphasen. Zum Alkohol:

Die Gefahren samt großem Dilemma sind diese hier: Das heftige Wimmern verheisst Aussicht auf Besserung. Schwüre werden geschworen und Eide verfasst. Der Abend hingegen glaubt, mittels leichtem Spiegel die erste Zigarette besser vertragen und nachher womöglich besser schlafen zu können. Damit ist der Grundstein gelegt. Es macht Sinn, vorher nicht im Bluenote gewesen zu sein und damit also wenigstens vier Biere verhindert zu haben. Dennoch: die Geschwindigkeit für eine Flasche weißen und vermutlich schlechten Weines ist beträchtlich. Die darauffolgenden Gläser aus anderen Flaschen beeilen sich ebenso. Der Verstand möchte nicht nüchtern oder ein bisschen betrunken bleiben. Er will nach Hause. Ich fasse mich kurz:

Drei Jahre Corona, direkt nach meinem Einstieg in den Paritätischen, haben mir Geld, Zeit, Ruhm & Anerkennung gebracht. Das wendet sich nun mit jedem Tag, an dem wir alle uns öfter sehen und ich merke sehr deutlich, dass ich sehr so aussehe wie ich mich fühle. Und Husten, Schnupfen, Heiserkeit halten nicht lange als Versteck. Es gibt offenbar auch kein Potentiometer zur Regulierung der Mengen. Oder der Ansichten. Nur so einen schwarzen Schalter mit ON/OFF. Lauf' davon! Sofort. Unverzüglich. Im Foto meine vermuteten, sehr tiefen Gründe aus langer Zeit: Sex, Selbstwert, unklare Sichtverhältnisse in Bezug auf Mensch > Leben > Gesellschaft. Alkohol geht leicht. Und ich damit vor die Hunde. Wao!

Frühlingsbefehl

Es ist soweit: die Simpsons beginnen und es gibt noch einen abendlichen Silberstreif am Horizont. Jetzt aufpassen, gut sein, Frühling werden, wachsen, verändern und machen statt warten und bleiben. Je nach dem. Auf dass der Blätter Braun erheblich länger braucht, mich alternd zu wehmütigen.

Versagt

Ich kopiere am besten den Text meines eben versuchten Kiesertrainings hier rein, das sollte ausreichen für ein kurzes Stimmungsstatement. Das mit dem dicken Mädchen tut mir leid, es apokalypsiert jedoch in solch schwachen Momenten mein Weltempfinden hypercompuglobal und mein eigenes Desaster schreit mich an. Es ist Aschermittwoch. [edit:] nee doch nicht.

OmG. Versagen auf ganzer Linie! Böser Wein, böse neue App, böser alter Mann, der mich in der Umkleide wegen meiner Nähe schimpfte, manche Menschen beim hinterher dringend benötigten Asia-Imbiss dolle dick. Insgesamt nicht so gut.

TÜV erteilt

Hier ein positives Geräusch: Kurz-Check bei Carlo Weimann. Mit dem Ergebnis, dass Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse laut Ultraschall ok sind und mir der TÜV erteilt wurde. Hatte bereits ein wenig Bedenken meines Betragens wegen. Will es und mich jetzt aber schnell bessern. Jaja.

Arbeit stinkt

Gleich mehrere Ereignisse prasselten heute in der Parität auf mich ein. So zum Beispiel meine Kalenderfreigabe, die für Erstaunen sorgte: Haben nahezu alle Referenten einen bunt, aber prall gefüllten Arbeitskalender, stehen bei mir nur sporadische Einträge und das lässt den Eindruck zu, als habe ich nicht viel zu tun. (Jetzt ehrlich sein!) Die Freigabe macht mich nun transparenter und erfordert größere Anstrengungen in Bezug auf meine Termine bzw. Aktivitäten im Allgemeinen. Gedacht als erleichterte Buchungsmöglichkeit, drängt sich mir jedoch eine Kontrollbefürchtung auf.

Und dann war da vorher das Redaktionsteam, das sich heute erstmals wieder traf und welches ich erneut erstaunlich cool an- und durchführte. Was mir aber dennoch eine Form von Schweiss bereitete, der sich bereits zuvor in der Nacht / am Morgen im Bett ein wenig andeutete. Es ist dieser Schweiss, den ich sofort wahrnehme und der so gut wie nicht abwendbar ist.

Und dann war da die kleine Redaktion, die sich nun um eine Art "Pressehintergrundgespräch" bemühen muss, was ich als kompliziert betrachte. Es bedarf also sehr genauer Arbeit und Cleverness. Das alles im Vergleich meiner Arbeitsmenge der letzten zwei Jahre (!) rückt den plötzlichen Schweiss in eine erklärbare Position.

Und beim Kiesertraining hat mich dieser Schweiss dann vollends durchwirkt. Dazu fällt mir der Mann ein, der immer stinkt. Jetzt habe ich eine etwas andere Sicht auf den Mann, der wahrscheinlich garnichts dafür kann. Ich habe mich kaum selbst ausgehalten und insgesamt war es nicht sonderlich erfreulich mit neuem Plan II und Beta-Version einer Kbuddy-App, die mir immer unsympathischer wird. Alles zu komplex, zu umständlich.

Alles zusammen aber auch eine neue Situation, deren Wucht sich erstmal setzen wird und deren Ausmaße ich mir dann besehen muss. Eine Herausforderung ist es allemal. Und wie immer ist es ebenso auch als Chance begreifbar.

Notwein Teil Tausend

Samstag Nacht und du hast ... nichtmal mehr deine Lieder. Dabei ist das Kribbeln über die Vorfreude auf irgendetwas, das ich unternehmen würde, noch nicht ganz verklungen. Doch das tiefe Tal des Nichts lässt tatsächlich nichts entstehen oder vernünftig bedenken oder träumen. Seit 20 Uhr war nichts mehr passiert; das Samstag-Abend Fernsehprogramm ist der Hammer, ich überlege eine Fastenzeit von TV, Facebook & Co. Muss nur noch eine Substitution finden. Das Gleiche gilt für den vielen Wein, für den ich eine Ersatzdroge von maximal 20 bis 23 Uhr brauche, eigentlich reicht sogar halb neun bis halb elf.

Über die Jahre habe ich alles hingenommen, was wahrscheinlich nicht zu ändern war oder sich mir nicht erklären wollte. Meine Übersicht ging mir ebenso verloren wie meine Überlegungen für ein Leben nach meinen Vorstellungen. Weil ich wohl auch keine hatte: die Überlegungen waren vage, die Vorstellungen lose. So also pendelte ich offensichtlich immer irgendwie durch die Zeiten, zerwühlt von Angst und Zuversicht. Und nun bin ich 52. Und größtenteils in Ruhe gelassen worden. Zumindest bis jetzt.

Ein sich nicht legen wollender Umstand sind meine negativen Anmaßungen, das Leben bzw. die Menschen betreffend. Schnell gefasste Vorurteile und tief sitzende Argwohn haben mir bestimmt schon viele schöne Begegnungen und Erlebnisse erspart. Nach aussen wirkt das eher so wie diese teils lustig verfassten Zeilen. Ein Wanderer zwischen den Zuständen bin ich. Und ich möchte so viel mehr positive Sicht in mir und um mich haben. Es ist so'n bisschen dröge im Moment.

Lass es laufen

Den Berg hinunter. Bis ins Tal. Poetisch. Die Realität hat auch mit Talfahrten zu tun. Die eine war im Januar, im März soll vielleicht noch eine folgen. Das ist gut. Laufen lassen habe ich gestern meinen schier unstillbaren Schmack auf Schokolade. Den ganzen Bruch von Schocolat vollständig verzehrt und bereits im hinteren Drittel gemerkt, dass das nicht gut ausgeht. Also nicht ganz so gut. Es ging noch ganz anders aus, indem ich den weissen Grauburgunderwein testete, obwohl mir bereits schlecht genug war. Lass es laufen. Bis die zweite Flasche leer ist. Das ist garnicht gut. Und nicht neu. Es ist sogar sehr gefährlich. Und indem ich es aufschreibe, entledige ich mich gefühlt jeder Schuld. Ausserdem lasse ich mich ja auch laufen. Immer so 8 km lang. Und ich werde immer besser dabei. Das lässt sich aber nicht gegenrechnen.

Lass es laufen. Warum? Weil es geht? Das wird ganz abrupt aufhören, wenn ich damit nicht aufhöre. Lass mich laufen, mehr nicht.

Sportbericht

Zwei Trainingsbeschreibungen aus dem gestrigen Tag, die ich für bemerkenswert halte:

1 (Laufen): Polarisationslauf: vom Sprühregen in die bereits wärmende Sonne; vom hupenden Ermahner, auf dem Fußweg zu laufen die Idee, dass er bis 10 zählen müsse und bei Neun küsse ich ihn, woraufhin wir beide lachen müssen. Bereits Grund genug, der Sonne noch ein Stück weiter entgegen zu laufen. 8 km jetzt. Und guck mal, wie schnell! So weiter - weiter so!

2 (Schwimmen): Geht noch gut. Erst schnell, dann schwer, dann besonnen - weil auch sehr voll. Besonnen geht gut und wird nur geringfügig langsamer, die letzten beiden sogar schneller. Siehste! Aber Schwimmen wie Sauna proppenvoll. Getzt nicht. Ich blieb erstaunlich entspannt. Wie habe ich das gemacht?

Ich habe zwei Vermutungen dafür: Zum einen die Auswirkungen einer gut verlaufenden Sportaktion selbst und zum anderen die trübe Tatsache, nicht mit Restalkohol angefüllt zu sein. Immerhin plausibel, wahrscheinlich aber kein Garant. Jedoch immer Bestandteil der Voraussetzung.

Temporärer Sexschwund

Nanu? Die Lust ist auf Urlaub? Meine morgendlichen Streicheleinheiten während des frühsportlichen "Yogas" finden weiterhin statt, jedoch sind die dabei anrüchigen Reisen in die Vorstellung Sexes dabei seit ein paar Tagen nicht mehr zugegen. Vielleicht eine Episode, vielleicht eine temporäre Menopause (oder Andropause), vielleicht garnicht bedeutsam. Dabei bin ich doch gerade jetzt in einer körperlichen Konstellation, die beispielsweise sinnliche Fotosessions wieder zulassen würde. Ich empfehle mir Gaymassagen Berlin. Oder wo anders. Und es fällt mir schwer, Dokumentationen über Alkohol-Abhängige und deren Heilung im Fernsehen anzusehen. Ah ja. Weil damit deutlich wird, dass sich meine Grenze zwischen Klarkommen und Notwendigkeit absoluten Alkoholverzichts deutlich in Richtung letzteren verschiebt. Und das würde ich gern bitte irgendwie nicht wollen müssen.

Von der Panik not to get it

Bisweilen beschleicht mich ein unwohles Gefühl, wonach ich mich nicht in der Lage sehe, standhaft zu sein oder es wieder zu werden. Das sind Momente, bei denen ich eine Form von Gewalt mit zugehöriger Angst verspüre. Womöglich ist es auch ein internes Warnsignal, das mir den Handlungsbedarf verdeutlichen möchte. Der Begriff Ohnmacht passt auch ganz gut dazu, obgleich es sich hier sehr wohl um meine eigenen Möglichkeiten und Mächte handelt, die einzusetzen ich mich jedoch oft nicht in der Lage sehe, um meine Potentiale ausschöpfen zu können.

Doch was nützen Potentiale ohne Ziele? Sehr gemeiner Beitrag, aber durchaus angemessen.

StimmunGsschWankUNG3n?

STIMMungsSCHWANkung3n?

Depression. Demenz. Dekonstruktion. I have a premonation. Jedem und Allem und jeder Situation ist Interpretation und Bedeutung beimessbar; alles beruht auf meiner eigenen Befindlichkeit, also meinem Setting und damit meiner Laune. Und die ist labil. Abhängig von mich umgebenden und damit stimulierenden Kleinigkeiten. Hervorgerufen in diesem Fall und in unserem gemeinsamen Urlaub in Alta Badia. Es gibt nur vage Einschätzungen meiner Gefühlslage: Weiter- oder gar zu Ende denken geht (wie auch bei vielen, ganz anderen Situationen) nicht. Alles schwebt, während sich weitere Impressionen hinzugesellen. Keine Struktur mehr, keine richtigen Informationen, die ich verarbeiten könnte. Nahezu alle Erwiderungen / Reaktionen sind gefärbt von Atterei (persönliches Fürwort, generiert aus "at at at!"). Alles scheint gegen die Wand geschmissen zu werden. Ebenso schnell kann sich alles wieder auflösen und auf die gute und damit einfachere Seite des Daseins schlagen.

Dann, nach einer Pause generieren sich manchmal zur Wiedergutmachung kleine aufgeregte Kribbeleien mit der Aussicht, was ich für ich und grundsätzlich tun könnte. Songheld werden, Storyschreiber, Sexanbieter, Fotomacher, Drohnenflieger, Wändeanmaler, Busbekleber, Leutebesucher, Testamentschreiber (!). Bei diesen Kribbeleien bleibt es dann oder erschöpft sich schnell noch während der Introsequenz.

I want to kiss like Lovers do. Das ist mindestens eine fehlende Basis, die das Voraufgeführte in seiner Bedeutung stark dezimieren dürfte. Das alles ist hier mit heisser Taste getippt und so nicht richtig rekonstruierbar und haltloses Geschwafel des ewig Selben. Ich bitte mich dabei gleich selbst um Verzeihung und begründe das mit den multikomplexen, sich rasend ändernden Zuständen, die ich nicht in der Lage bin, zu sortieren, zu gewichten, einzuordnen und entsprechend zu bewerten, damit mindestens die Hälfte davon getrost auf den Müllhaufen der SideShows meines Bewusstseins geworfen werden kann.

Es sind dazu nämlich eine ganze Menge "Alles Lüge" und unbezogene Traumschlösser dabei, an denen ich aus irgendeinem Grund für's gefüllte Restebecken der Illusionen festzuhalten scheine. Das Imperium 2und40, welches nie eines war und wohl kaum eins werden wird, spricht immer noch im Plural seines Mitarbeiterstammes. Mein geschäftiges Treiben, scheinbares Erfahrungswissen und weit verzweigtes Netzwerk sieht nach außen hin womöglich vielversprechend aus; inside me aber winde ich mich in schweren Hangovers und versuche den Tag zu überstehen, wohl wissend, wie ich nach aussen aussehe.
Es wird und muss immer ein VW Bus bleiben - für die gloriose, allumfassende Freiheit. Diese Freiheit, die fast immer am teuren Parkplatz in Stadtfeld endet.
Noch mehr Kameras und besseres Equipment machen mich zu einem immer besser werdenden Fotografen. Aha.
Und ich bin immer noch Bester Vorleser Mitteldeutschlands, zu welchem ich bei einem kleinen Kulturradio in 2018 gekürt wurde, weil ich mich meines tatsächlichen Netzwerkes bediente und per vielfacher Mille-Klicks zum Gewinner pushte. Macht 'ne schöne Reputation, hat aber sonst nicht viel zu bieten.

Das ginge hier noch weiter. Nützt aber nichts, denn es ist das alte leiernde Lied, das jeden Balladen-Charakter längst verloren und es nichtmal in den traurigsten Sumpf dumpfdämlicher Schlager geschafft hat. "Es tut mir leid, dass ich riesengroße Fehler habe, an denen ich nicht arbeite." (H.Simpson). Hört zum Glück auch keiner zu. Das wäre ja auch sehr peinlich. Für den, der allein will und nicht kann. Und der es, weiter gedacht, mit anderen auch nicht hinbekommt. Da sind die zukünftigen Möglichkeiten schnell erschöpft.

Into the great white open

Ich hänge ein klein bisschen an der Zipperleine. Schlafarm zum Sonntag, müde auf der Fahrt (tapferer Tob fuhr das ganze Ding), Traummüll in zu warmer Nacht zum Montag und gelegentliches Blasenbrennen. Ich habe endlich herausgefunden, was es seit je her sein muss, wenn es etwas brennt und mich zum Wasserlassen nötigt, auch wenn kaum was geht. Verstimmte Blase in möglicher Gefahrennähe zur Prostata nervt sehr selten, aber dann um so sehr. Als Jugendlicher kam das oft nach Alkoholgenuss im Bett nach Samenerguss. Das hielt sich schmerzhaft. Beste Rettung: erneutes Masturbieren ohne Abschuss. Dazu gesellt sich erstmal der rechte Hoden, der sich anfühlt, als läge er in der Running-Hose unter der Skihose zu eng und will sich bemerkbar machen. Das geht wieder weg, kommt aber mit dem nächsten Skitag (17.1.) etwas schwächer, aber wieder. Wir sind im weiten Schneebergland Italiens und ich wehleide über die Dinge, die sich aller Voraussicht nach häufen werden. Eine Melange aus großer Welt und kleinem Tod samt leichter Furcht.

Recherche I

machen!

Stoffwechseltest

Interessante Beobachtung bei meiner Annahme, dass ich gegessenes Zeug wahrscheinlich ziemlich schnell verstoffwechsele. Dem war nach meiner Koloskopie nämlich nicht ganz so. Nun kann das bei bei einem "gestörten" Fluss nach einer 24 Stunden Diät ein bisschen anders sein. Hier das Procedere:

Nach Darmentleerung bzw. Null-Diät über gesamt 28 Stunden vom 02.01. um 10 Uhr bis zum ersten Essen am 03.01. um 14 Uhr (nach der Koloskopie) nahm ich also 14 Uhr drei (wahnsinnig gut schmeckende frische) Brötchen mit Hackepeter und Schinken und Käse zu mir, gegen 18 Uhr dann eine Bockwurst + 2 Knäcke mit Hackepeter und Käse, und nächsten Morgen (04.01.) zwei Brötchen und am Mittag ein Brötchen jeweils mit Hackepeter und Käse, gegen 18 Uhr dann Kichererbsen mit Reis.

Nehmen wir also an, der letzte Stuhlgang war am 02.01. gegen 23 Uhr (am nächsten Morgen nur noch Urin, was anzeigte, dass die enorme zu mir genommene Flüssigkeit nicht mehr wie gewollt den Darm ausspülte, sondern direkt durch ging und der Darm deshalb nicht ganz sauber war. (soll an allgemein insgesamt zu wenig Flüssigkeitszufuhr liegen). Nach der Koloskopie habe ich um 14 Uhr wieder gegessen. Das ist der Messpunkt. Vom 03.01. um 14 Uhr (leer) bis zum ersten wieder festen Stuhlgang nach dem Procedere am 04.01 um 23 Uhr. Das sind 33 Stunden. So lange dauert das also, bis sich mein leerer Darm mittels zugeführtem Essen zum Kacken entschliesst.

Hätte nie gedacht, dass ich über sowas mal was in der Zehnsucht schreibe. Es wirkt alt, zerbrechlich, ängstlich. Ja: und uncool.

Koloskopie Ergebnis

Vielleicht kann das hier zum vorherigen Beitrag angefügt werden. Ist ja auch ein Test, ob Posti Plugin mit Bild funktioniert. Nachtrag: Funktioniert. Und so belassen wir's dabei.

Heisser Hunger

Der zweite war bereits der erste ohne Alkohol in diesem Jahr. An Tage wie diesen sich im letzten Jahr zu erinnern, fällt mir sehr schwer. Womöglich gab es keinen (!). Dennoch vorgesorgt, war der zweite noch vom ersten mit seinen beiden Doppio Passo entsprechend vorbereitet. Was für ein Schindluder. Nun ging es aber nicht anders, als 24 Stunden totale Diät zu halten, um heute herauszufinden, dass meinem Darm nichts fehlt oder zusetzt, er dafür aber ein paar Ausbuchtungen (linksseitige Divertikulose) aufweist. Endverdauende Brackwasserdepots in den Mäandern der Neuordnung auf dem Weg in die Freiheit bzw. direkt in die Kanalisation. Gemeines Gleichnis.

A pro "po" Kanal: Hier zeigen sich noch Hämorrhoidne Grad II, von denen ich dachte, sie wären erfolgreich verödet. Und in drei Jahren machen wir das Ganze nochmal. Und ich bin gehalten, mehr Wasser zu trinken, weil die vorbereitende Darmreinigung offensichtlich nicht ganz so gut funktioniert hatte, was mit dem Gesamtniveau des Wasserkonsums der ganzen letzten Zeit zu tun hat. Das wiederum kann ich mir nur so erklären, dass Alkohol dem Körper Wasser entzieht, so dass ich selbstredend sofort in den Negativbereich der Wassermenge abrutsche. Und zwar täglich.

Nüchtern am dritten Tag. Und Propofol-Fan. 260mg und ich kann Michael Jackson sehr gut verstehen. Und hungrig. Fleischer, Bäcker: Drei wahnsinnsfrische Brötchen mit Hackepeter, Leberwurst und Schinken und Käse! Bis eben etwas aufgeräumt, alle Weinflaschen weg (dreimal gehen!) und so voller Hoffnung, dass ich standhaft bin und es richtig mache. Mit mir, den anderen, dem ganzen Rest von Leben mit und nach 52 Jahren, die mir auf dem Weg zur Koloskopie heute unfassbar und ernüchternd alt vorkamen.

Was jetzt nicht kommt, das kommt nicht mehr.

Das Spiel ist aus

Das Dreiundfünfzigste Spiel meiner Liga. Es gibt weder zu vergeben, noch zu vergessen, es wird nicht vorgenommen, was nicht in jeder anderen Sekunde des Lebens gemacht werden kann, es werden keine haltlosen Sprüche geklopft oder skandiert. Tobias muss morgen arbeiten und ich komme mir vor, als muss ich in ein kaltes, dunkles, verlassenes und freudloses Stadtfeld zurück. Das stimmt zwar nicht, aber irgendwie schafft es so ein Jahresende mit bedeutsamem Krach draussen etwas Besonderes anheimeln zu lassen. Und ich muss also hinfortziehen und er bleibt seelenallein zurück. Ein Jammer. Komisches Gefühl.

Wenn wir uns wiedersehen, ist der Weihnachtsbaum fort, beginnt die Geschäftigkeit in der Umgebung wieder und wir haben noch eine Woche bis zum Schnee in Italiens Dolomiten. Und dann geht alles irgendwie weiter. Es wird Tote geben im kommenden Jahr. Wie auch im letzten, aber ich fürchte Einbußen im näheren Umfeld. Der Papst ist heute um 09:34 Uhr verstorben. Genau um die selbe Zeit habe ich im Bett liegend auf die Uhr gesehen - bin also quasi erwacht. Ein übersinnliches Zeichen und es fürchtet mich. Allerdings vor mir selbst. Mitsamt dem Wein von gestern, den Weinen eines ganzen Jahres, die Auswirkungen und die unsachliche Fortführung dieses ausserordentlich ungebührlichen Verhaltens ... verknoten sich in ein Strickmuster, aus welchem mir meinen Strick zu drehen ich mich durchaus in der Lage sehe.

Die ziemlich vage Vorstellung, mein Leben betreffend, meines Seins ... vielleicht garnicht nötig. Aber ohne Ziele gibt es halt so viele verschobene, verschrobene, verdrehte, unsachliche, teils schlimm- wie schlechte Gedanken und Gebilde im Denkmuster, das nicht richtig denken will oder kann. Es gibt nichts zu tun garnichts mehr. Der Wind wirft die Toten derweil über Deck, es duftet nach Licht von weit her.

Dann wird es Zeit für die Ewigkeit. Und die Freude schöner Götterfunken aus dem Radio.

Nachtrag des Captains: Jetzt nicht traurig werden! Der Freund von Traurigkeit winkt irgendwo da hinten. Aus der Gegenrichtung winken Freunde am Feuer und verlangen nach mir. Das ist gut, aber auch früh. Ich fürchte mich zu langweilen. Vier Stunden sind viel Zeit. Aber 16 Grad sind auch viel warm. Ich bin satt vom Gulasch und fahrig schwach des letzten Weines wegen. Was also nun? Eine schöne Frage am Ende eines Jahres.

Zwischen den Jahren

Mein Freund von Traurigkeit ist zu Besuch. Gewesen. Gestern kam er. So gegen Nachmittag. Und blieb über Nacht mit zwei tiefen Flaschen roten Weines. Bis heute zum Training. Jetzt bin ich erschöpft genug, um keine Zeit mehr für ihn zu haben. Oder die Endorphine haben sich vor Lachen ausgeschüttet und Traurigkeit ging davon.

Da reichte schon der Weihnachtsbaum vorm Büro. Der vermutlich einzige in den letzten Jahren, der nach Weihnachtsbaum duftete. Alle Erinnerungen an Zuhause, Oma, Eisenbahn, Gleitschuhe ... kommen mit einem Schlag und werfen mich fast um. Oder eine bestimmte Sekunde Peter Alexander im Fernsehen. Scheint immer so eine Art Flashback zu sein, ausgelöst durch eine Situation samt der daraus entstehenden Stimmung. Und dann ist garnichts mehr: Kein Traum, keine Idee, keine Tat und sehr viel Zeit.

Weihnachten war weniger sensationell, dafür aber laut. Oder ich bin insgesamt zu müde. Alles ist so beliebig und gleich und macht nicht so richtig Freude. Und meine Eltern reden so oft so negativ über andere Menschen oder Situationen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es Stefanie Hertels Tochter oder Marlis ist, die sich ja sowieso nie von allein meldet. Vielleicht gehen alle Familien ja immer mal wieder andere Beziehungswege; ich habe allerdings keine Freude bei der Draufsicht. Das Thema gabs hier bereits: Kluges sind nicht mehr dabei, Ingo & Marlis kommen auch nicht, Tante Inge nörgelt ja sowieso immer nur und braucht deshalb nicht unbedingt zu kommen. Geblieben sind die Rostocker, die Haberlands, die ehemalige Arbeitsskollegin Ansorge und ein bisschen Brandenburg.

Das sehe wahrscheinlich nur ich so, der ich mich allerdings auch lieber zurückhalten würde, wenn so Vieles, über das geredet wird, sofort negativ besetzt und mitten im Satz reingegrätscht wird. Macht es denn Freude, sich über alle und Alles aufzuregen und sich damit ein vages Gefühl zu vermitteln, dierdie Einzige zu sein, dem man schrecklich zusetzt? Ich beobachte mich mittlerweile selbst bei der schleichenden Übernahme dieser schlechten Gewohnheiten, setze negative Attitüden auf und verstreue Bitterness, die mir mögliche neue Freundschaften, Lieben oder andere schöne Aussichten von vornherein vereiteln.

Manchmal fühle ich alles so mühselig und langweilig, so aussichtslos gleichbleibend. Den Rest versaufe ich. Und leider werde ich hernach sagen müssen, dass ich nicht mutig genug war, mich den Dingen zu stellen, weil ich mir kaum mehr etwas zutraute, das zu machen ich den eigentlichen Grund- das Ziel dafür ja auch nicht wusste. Was offensichtlich mein ureigenes und immerwährendes Problem zu sein scheint. Also, was willst du hier?

Samstagsbestand I+I

Samstag-Nacht und du hast ... mal wieder keinen richtigen Plan. Was in Wein münden wird. Zuviel Wein. So wie gestern. Heute bin ich dagegen angelaufen und morgen werde ich die Gewichte stemmen. Nun bin ich genau so einer, über die ich mich vor zehn Jahren lustig gemacht habe und laufe meinem Untergang flehentlich davon. Pozor Flak im Bluenote, da werden viele Leute sein. Wieviele davon sind eigentlich Freunde? Oder ist das egal? Ich habe nichtmal Lust drauf. Für Fotos ja, aber sie wollen nicht. Also bleibe ich hier. Gäbe es Alternativen? Per Grindr ein adHoc Date? Die Erfahrung sagt Nein, ein Zwischenerlebnis vor zwei Jahren mit dem damals noch lebendigen Carstens sagt ja. Aber geht ja nicht. Alles Andere ist so lala.

Sehr oft überschlagen sich meine Gedanken. Besonders in schlechter Stimmung / Verfassung. Da reicht ein Wort im Fernsehen und ich habe eine eigene Show der trüben Unzusammenhänge. Die Zusammenhanglosigkeit ist dann aber garkeine, denn es klingt alles so logisch und herleitbar; allein mein Universum füllt sich dann randvoll mit Episoden aus Möglichkeiten, vertanen Chancen aufgrund von fehlender Einstellung dazu und weiterhin fehlender Willenskraft der Bündelung ebendieser meiner Willen (plural). Dann fliegen die Fetzen von Songtexten vorbei, die ich für gut halte, die ich aber nicht weiter verfolge. "Man muss es doch wachsen und gedeihen lassen." Ganz schlechte Einstellung. Es wachsen nur noch der Krebs und die Zahl der Jahre, auf die ich aufgrund derer Zahl erstaunt zurückblicke; mich fragend, was ich denn bisher hier überhaupt so bezweckt, gewollt und gemacht habe.

Samstag Nacht. Nachher werde ich das hier bestimmt nochmal aufmachen, um etwas sagenhaft W/Richtiges hier hineinzuschreiben. Ich will dem nichts vorwegnehmen und wünsche mir viel Spaß und gute Gedanken dabei. Ich sollte mich bis dahin sexuell betätigen und an mir entsprechend herum-manipulieren. Das schafft wahrscheinlich bereits eine vorübergehende Drittel-Lösung der Befindlichkeiten.

00:42 Uhr: Stimmt. Fast. Noch mitten im Manipulieren stelle ich erneut fest, dass ich spätestens seit Matthias "Otschi" Otte und Thomas Sohr so sehr auf männliche Körper samt deren mir im Geiste zugewandte Wesen (ohne das es nicht geht) fixiert bin. Sehr sogar. Das fabulierte sich anfangs in weiter Ferne sehr unscharf mit 10, ahnte ich ab 12, begann ab 14, steigerte sich enorm mit 16 und wusste ab 18 nicht, wie weiter. Das dürfte das vorhin benannte Drittel ausmachen. Oder sogar noch etwas mehr.

Samstagsbestand I

Samstag. Tobi hat Corona und wir sind getrennt. Oh. Bis zu seinem Geburtstag auf jeden Fall. Und er "braucht nichts bis Freitag". Obwohl er Nasentropfen braucht. Und Desinfektionsmittel. Oder ich könnte ihm eine Suppe machen. Oder ... nunja, das ist gespielte Autonomie. Ich hielte es für romantisch. Gibt nicht so viel zu sagen per Facetime. Na dann, bis bald.

Und da ist er wieder: dieser schwer zu beschreibende Zustand der relativen Leere. Wir beide handeln mehr zweckmäßig als romantisch, mehr schwarz oder weiss, mehr folgerichtig als waghalsig. Das ist das London ohne Küssen, Bornholm ohne nachts am Strand, Kroatien ohne Schwimmen bei Vollmond, Barcelona ohne verliebt in der Bar oder Paris ohne Liebe. Das wird oft langweilig und in mir regt sich Aufbruch samt der Hoffnung, Tobias mitziehen und zum Quatsch machen (da gibts bessere Worte für) überreden zu können. Ich kann allein nichts dagegen oder anderes tun. Hier nun endlich meine Gedanken vom Sommer aus dem "Tun & Lassen" Archiv:

Es sind die vielen kleinen Episoden, Bestandteile einer heftigen Bergtalfahrt, die es am Ende zu beschwichtigen versuchen um es schön aussehen zu lassen, aber tiefe Narben aus diesen Episoden und damit im Ganzen mit sich ziehen. Es wird schwer, die Anteile auszuloten. Ich vermute viele davon auf meiner Seite, deren Ursprung sich mir nur vage, aber immerhin etwas erschließen lassen wollen. Es hat mit dem Brief an meinen Freund zu tun, wonach ich noch nicht das bzw. den fand, den ich suchte. Und im Player laufen fast wie durch Zufall „Du machst mir noch mein Herz kaputt“ und „ein Schritt vor und zwei zurück“. In Momenten der Entspannung ist es manchmal kaum rekonstruierbar, aber derlei Situationen mitsamt der tiefen Gram sind schnell wieder da.

Paris. Ich wünsche mir die entspannte Leichtigkeit der Franzosen. Oder auch der Italiener. Notiz an mich: „was ich mir wünsche“ diesbezüglich und auch so. Bezogen auf meine Erinnerungen an diesen Urlaub. Denn daraus lassen sich die meisten Rückschlüsse ziehen.

Kommunikationsgau an der Mosel. Wenn er nichts sagt, dann mache ich halt Vorschläge. Die werden manchmal sogar vollends negiert. Je weniger er, desto mehr ich. Ich brauche Kommunikation. Vor uns geht ein älteres jung gebliebenes Paar den Berg hoch, neckt und küsst sich und kneift sich gegenseitig in Schultern und Po. „So“, sage ich, „sehen Liebende aus“. Wir müssen doch reden, oder nicht? Wegen Essen. Oder Wein. Oder ein Eis. „Waaas? Nein. Eis hatten wir schon.“ Und ich unsachlich und gereizt „mähähä“. Passiert mir öfter. Böse Stimmung. Und wenn wir tausende Eis am Tag essen, was soll's? Aber mehr kommt nicht. Jetzt ist er von seiner Currywurst nicht richtig satt und Wein haben wir auch keinen neuen. Morgen gehts nach Hause und es bleibt weiterhin schwer, das alles auszuloten. Aber es beschreibt das Gefühl, dass ich in Amsterdam, vor allem in Brügge und naja, immer wieder und damit zu oft habe. Habe fertig.

Was ist nun der Unterschied zwischen Bekanntschaft, Freundschaft, Freundschaft+ und Liebe? Und wo befinden wir uns?

Ich weiss nicht, wie ich denken soll und mich in den Griff kriegen kann. Get real- ja, aber wie? Konfus, kaputt, unausgeschlafen, unausgewogen, launisch, gelangweilt, desillusioniert, Lippe kaputt, Liebe kaputt, heiss draußen. Urlaub sollte doch jeden Tag ein schönes Erlebnis bereiten. Ich bin bereit zu glauben, dass es alles nur an mir liegt; der allein will und nicht kann, der zusammen es ebensowenig vermag. Das, was mir zum Leben gereicht: mal wieder nicht klar. Ich brauche ein neues oder anderes Universum. Am besten ohne Wein und Bier und viel Platz für meine Möglichkeiten.

(Das waren die Gedanken, die ich im Sommer 22 direkt nach manchen Situationen und recht schnell aufschrieb, um es nicht zu vergessen und irgendwann mal zu begreifen. Es ist ein häufiges Auf und Ab aus Aktionen und (Über-)Reaktionen, aus Stimmungen und Langeweile und ich fasse zusammen, dass ich mir mehr von uns beiden gemeinsam wünsche: tiefer, intensiver, lebendiger.)

Kein Titel möglich

Mir fällt dazu nichts ein. Eben noch habe ich geschrieben, wie böse es um mich in Sachen Alkohol steht. Am selben Abend habe ich mir eine ganze und noch eine halbe Flasche Doppio Passo reingeholfen. Der Schlaf begann um 02:00 und endete gegen 08:00 mit enorm sexuellen Gedanken und meinen Händen zwischen Schwanz und Hintern. Um 10:00 aufgestanden und von da an nur an mir "manipuliert" mit der Idee, das Studio für die IB Telefonaufnahmen einzurichten. Völlig platt, kaum eines logischen Gedankens fähig, habe ich das immerhin noch realisieren können, aber der Weg war weit und schwer. Ich war kaum fähig, einen einfachen Gedanken zu verfolgen; alles war unglaublich kompliziert. Ich wollte eigentlich laufen, hatte aber erstmals das deutliche Gefühl, dass ich das lieber sein lassen sollte, weil ich sicher war, dass ich mittendrin umkippen würde. Selbst von er Hocke in den Stand wurde mir so schwindlig, dass ich das als Vorstufe eines nahenden Todes ansah.

Abends dann zum Weihnachtsmarkt Lessingplatz Bluenote, ein paar Fotos und Videos machen. Mit zwei Glühwein ging's dann wieder, aber ich bemerkte, wie meine Worte schal wurden. Ich konnte mich kaum noch ausdrücken, die richtigen Worte finden. Jetzt hier zuhause habe ich die Fotos gebaut und dabei weiteren Rotwein konsumiert. Bisher ungefähr eine Flasche.

Ich komme hier nicht weiter. Es scheint keine andere Lösung in Sicht, außer dem vollständigen Verzicht. Und das für immer. Anderenfalls wird das immer so weiter gehen. Bis jetzt hatte ich das viertelwegs im Griff, aber es scheint mir zu entgleiten. Fehlt nur noch der morgendliche Griff zur Flasche. Dann wäre ich vollends bereit.

Und die Leute beim Paritätischen werden das bereits durchaus registriert haben. Jetzt wird's nicht nur nur deshalb außerdem gefährlich.

Jörg Stübing schreibt gerade in seinem Buchhandlungs-Newsletter in einer Veranstaltungsankündigung sowas hier:

Das Jahr - es neigt sich. Mit Glanz und auch mit Gloria vielleicht, mit Ruß und Scherben für manche aber auch. Denen ist wieder weniger gelungen als sie dachten. Wie eine störrische Geliebte schiebt sich Frau Welt beharrlich zwischen Traum und Tat und fordert Eigenes. Oder wie es John Lennon sang: "Leben ist das, was passiert, während wir dabei sind, andere Pläne zu machen." Die Schatten der Erde ziehen schnell, das wissen wir. Sic transit gloria mundi. Und langsam dämmert uns, das auch die berühmten langen Winterabende vielleicht doch nur ein Wunschgebilde, gar eine Erfindung unserer konsumistischen Warengesellschaft sein könnten. Von Einkehr, Ruhe und Besinnung ist oft wenig zu spüren und doch liegt der Glanz der Weihnacht für alle, die Gewinner und die Geschlagenen in den stillen Wäldern da draußen. Wunderweisse Nächte für alle, die noch imstande sind aufmerksam zu lauschen ... (Hier kommt dann die Ankündigung eines Liederabends & Rezitation)

Donnersdesaster

Der Donnerstag (bis nachts um Vier) wirkt noch immer nach und ich bin geneigt, eine Entschuldigung, eine Erklärung von mir zu verlangen. Das Happening selbst ist immer nur die Basis dessen, was dann zuhause folgt. Das ist eine Form von Gewalt, Selbstvergewaltigung. Und die Folgen sind nicht mehr so leicht verarbeitbar wie noch zehn oder mehr Jahre zuvor. Sich mit 52 wie mit 22 gehen zu lassen, geht eben nicht.

Jetzt häuft sich die Aufmerksamkeit für sterbende Leute in der Umgebung (Göki ist top-aktuell der Nächste mit wahrscheinlich Darmkrebs, Ex wartet weiterhin auf seinen Tod) und mein rechter Hoden tut weh.

Meine Erklärung sollte beinhalten, wie es über die Jahrzehnte dazu kommen konnte, dass meine Phasen des Missbrauchs so ausarten konnten und die Abstände sich verkürzen bzw. garnicht mehr existieren zu scheinen. Die Angst der Mittelmäßigkeit, des (immer noch und wieder) schwachen Selbstwertgefühls, meine unklaren Verhältnisse in Sachen Sex ... allesamt Allzeit-Gedanken, die sich zu entfernen versuchen durch eine gewisse Ansicht über das Egalsein, das durch eben jene körperliche Gewalt verursacht in geistige Umnachtung verdriftet. Also doch: Alkohol zum Verdrängen von irgendwas. Ist das noch nötig?

Zur pragmatischen Handlungsanweisung: Es ist die Zeit von 20:30 bis 22:30 Uhr - nur zwei Stunden! Wenn ich da durch bin, kann ich beruhigt ins Bett und entspannt aufwachen. Vorausgesetzt, ich gehe nicht ins Bluenote oder zum Weinmicha. Andere Gefahrenherde sind ja eher selten. Es gilt weiterhin die Direktive, nicht unbedingt etwas machen zu müssen, sondern etwas sein zu lassen. Daraus gebieren sich dann womöglich schneller die positiveren Einstellungen. (ok- ich bin im Ganzen sogar nicht negativ eingestellt, nur nimmt meine Hilflosigkeit aufgrund meines Verhaltens zu.)

Und ich habe unglaubliches Glück (noch), in meinem Job gut zu verdienen (jetzt keine Vergleiche!) und im Grunde alles, was ich anbiete und mache mit großer Anerkennung überschüttet zu sehen. Großes Gegenteil zum Puppentheater. Erinnert mich an Kulturserver: Geld ist da und schon ist alles irgendwie egal und ich kann mich gehen lassen. Das kann es doch nicht sein, was ich will, oder?

Ist so'n bisschen wie Songs schreiben: Ich weiss, dass ich das kann, aber es fällt mir immer wieder unglaublich schwer. Etwas Leichtigkeit im Besehen des Hier & Jetzt wäre gut. Kommt vielleicht auch im Verlauf des Alterns. Vielleicht entsteht sowas ja durch solche Phasen, aus denen ich lerne, dass mir im Grunde nichts passieren kann, sofern ich mich weiterhin benehme, ich mich selbst sein lassen und mich dadurch immer wieder aufrichten kann. Mein Sport in den letzten 20 Wochen hat mich immerhin zu einem mittlerweile wieder ansehnlichen Mann gemacht. Gut, das reicht jetzt erstmal.

Der Tag geht, Johnny Walker kommt

Das war von meinem Büronachbarn Martin Jahn ganz sicher nur witzig und keineswegs ironisch gemeint, doch ich weiss es zu sehr deutlich zu registrieren. So betrunken bin ich noch nie irgendwohin gefahren - erst recht nicht zur Arbeit. Es ist jetzt 13:00 Uhr, ich bin gerade angekommen und nicht sicher, ob das alles hier real ist. Wenn ich meine vermutete Selbstdisziplin subtrahiere, wäre das hier der perfekte Zustand eines damaligen Stübings, der sich hilflos selbst in die Notaufnahme einlieferte, weil er keinen weiteren Weg mehr sah. Es ist auch nicht sonderlich hilfreich, mich hier im Büro aufzuhalten, um den anderen zu zeigen, dass ich arbeite. Ganz im Gegenteil biete ich hier gerade kein gutes Bild. Aber eines, das man sich merkt und im Wiederholungsfall noch viel deutlicher wird.

"Wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas." Genau das ist meine Anamnese. Gestern gabs Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt mit der Winckelgasse. Dazu und danach Bier und ganz danach auf dem Sofa einen Liter Müller-Thurgau mit der rechten Hand an der Geilheit größter Instanz. Das dauerte bis kurz vor Vier und verlor sich am Ende im letzten Glas Rotwein. Keine weiteren Fragen.

Ausser vielleicht die nach dem Ursprung, nach der Ursache, der (Fehl-)Entwicklung, der aktuellen Sichtweise und Frage danach, wie ich es mir vorstelle, so oder wie? weiter zu leben. Für den Fall der hilflosen Selbstaufgabe empfehle ich mir schnellstmögliche Auskostung aller zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Im Grunde geht es - glaube ich - hier nur um Sex. Komisch.

Laute und andere Menschen

Wenn ich müde bin und wie jetzt in einer kleinen Konferenz in Haldensleben den leisen Worten Anderer zu folgen versuche, stelle ich erneut fest, wie laut Menschen sind. Natürlich ist das meinem Hörverlust mitsamt der künstlichen Verstärkung geschuldet, aber es nervt tatsächlich, wie gehustet, geräuspert, stuhlverrückt, papiergeknistert und allgemein gepoltert wird. Tja, das wars eigentlich schon.

Viel schlimmer hingegen ist die Beobachtung eines Soges, der mit dem Missbrauch des Alkohols einhergeht: Die Abstumpfung ist erstaunlich enorm: die eigene Meinung hält sich beunruhigend zurück, übrig bleibt eine vage Hoffnung darauf, dass alles irgendwie gut werden würde. Also mit der ganzen Welt oder zumindest dem Teil des Lebens, dem ich angehöre. Logische Argumente oder Stellungnahmen gibt es für keine der Seiten.

Im Kleinen bleiben die Dinge liegen, für die es zumindest eines kleinen Mutes oder Anspornes bedarf. "Weisst ja selber: hinterher ...". So füllen sich die kleinen losen Zettel, die "immer is' was" anmahnen und nerven; auf der anderen Seite wäre es ohne diese Mahnungen wahrscheinlich noch viel stiller. Vielleicht mache ich das ja unbewusst selbst, um mich am Leben zu halten.

Ein weiterer Aspekt meines Lebens ist der stets ungeklärte Punkt nach Erfüllung von Sehnsucht in Sachen Wärme, Liebe, Mensch, gemeinsame Erlebnisse, Berührung, Sex und ob das alles Eins ist oder getrennt / parallel bedient werden kann, soll, muss. Meine Basis schreit: "Allesammen!", meine Realität macht es aber nicht. Aus früheren Erfahrungen war Sex nur bedingt die Erfüllung meiner Sehnsucht. Carsten war fast ein Versuch und aus heutiger Sicht noch immer in sehr amouröser Erinnerung, aber es war's halt nicht. Und zudem ist er nun tot. Jetzt aber sind da zwei Typen im Grindr-Chat, die sich sehr vernünftig lesen und ich bin wieder in der Bredoullie der Auswahl von Möglichkeiten, während die Zeit vergeht.

Münzfernsprecher

Dinge verschwinden im Laufe meine Lebens. Ganze Ideologien und Staaten sogar. Natürlich auch Menschen. Das wird bis zum Schluss so sein. Heute verabschiede ich mich von Münzfernsprechern - also Telefonhäuschen, die ich bestimmt schon fünfzehn Jahre nicht mehr benutzt habe. Diese Meldung war deshalb wichtig, weil sie weder von Krieg noch von Alkohol handelt. Immerhin.

Fahne

"Du hast ja ne ordentliche Fahne". Sagt Siggi am Sonntag morgens um halb Zehn, als wir unten den angelieferten Wein von Rauschkolb in unsere Keller und Küchen schaffen. Großartiges Bild. Zwölf Stunden später sind ein Bier, eine Flasche Gewürztraminer und aktuell ein Glas Dornfelder Geschichte. Keine gute.

1und1und1

1 Bier, 1 Rotwein, 1 Weisswein. Ich schreibe von Flaschen. Dazu 1 Wetten dass ... Versuch, der leider sehr fehlschlug. Doch das gereicht nicht zur Ausrede der maßlosen Trinkerei. Ich muss es mit Gewalt beenden.

Derdiedesaster

Superlative sind ja auch schon seit geraumer Zeit aufs Schärfste überbewertet, immerhin aber genügen sie, um zu beschreiben, welch ungeheures Schindluder ich mit mir betreibe. Das merke ich immer an solchen Morgenden wie diesem, wenn ich die menschlichen Machenschaften in der Zeitung lese, wonach es acht Millarden Menschen nicht schaffen, klar zu kommen, wonach russische Bomeben versehentlich bereits auf polnischem Boden landen, man auf einem G20 Gipfel gemeinsam herausfindet, dass der Einsatz von Atomwaffen nicht gut wäre, wonach die Inflation in panikliche Höhen schiesst und das Wetter deutlich abkühlt.

Das sind aber alles keine Gründe, die mich morgens so Panne sein lassen, weil ich am Abend den Wein nicht hab' stehen lassen (können!). Eine Hilflosigkeit breitet sich in solchen Momenten in mir aus und wenn ich bedenke, wie lange ich mich schon so defizitär treiben lasse, wird mir weiterhin Bange. Es ist kaum zu glauben, wie der Mensch in der Lage ist, die an sich beobachteten Dinge mit dem Wunsch nach Korrektur vor sich auf die lange Bank zu schieben. "Man kann sich dran gewöhnen" (Frank Schöbel) - das führt zu großer Unübersicht, Verstimmtheit, Unwissen und bei vielen Leuten mit ungefähr ähnlichen Defiziten letztlich sowas wie Montagsdemos mitsamt Rechtsruck, damit ich wenigstens andere für mich und mein Verhalten verantwortlich machen kann.

Das war ein super lativer Brandbrief. Feuer frei. Und Holle W. ist gestern gestorben. Der Nächste. Und ebenso an Krebs. Und Ex Dietmar Hörold wird es denen demnächst gleichtun. Das Abbild jedwelcher Zukunft. Auch meiner. Fragt sich nur, wann, wo und wie. Mein Hörgerät links tutet genau in diesem Moment: die Batterie ist fast alle.

White Owl

Ein Lied von David Gray, das mich tief rührt. Und ich weiss nicht, woher das kommt. Es ist fast eine Art Mantra, Wiederholungen, tiefe Stille in all seinen Songs des Albums "Skellig", sehr poetisch in den Texten und damit kaum zu greifen. Ich habe das Lied während meines Gehens / Laufens immer mal wieder gehört und mich bei "White Owl" tief im Innern angefasst gefühlt. Womöglich entsteht diese Stimmung nur, wenn man das ganze Album hört. Oder dabei läuft.

Sebastian Böhm - der bunte Vogel Magdeburgs - ist mit 36 an Leukämie gestorben. Birgit Bursees Mutter ist am Alter gestorben. Ich trainiere wieder bei Kieser und reduziere Rad und Laufen. Obwohl Laufen heute (7Km) erstaunlich gut gut - den roten Bereich der Uhr habe ich vermeiden können und bin fast nur gelaufen. Fitness. Das ist gut.

Nicht gut hingegen sind die Unmengen an Alkohol, die ich weiterhin konsumiere. Immer wenn es dunkel wird. Sport versus Alkohol. Habe heute im Norma vorsichtshalber nochmal 8 Flaschen sanften (10,5% Vol) Riesling Gewürztraminer gekauft. (Natürlich nur, um zu beweisen, dass ich das nicht unbedingt trinken, nur da haben muss).

Seit eben heize ich mein Wohn- und Schlafzimmer. Ab morgen wird es erstmals kalt. Mit Regen. In den nächsten Tagen noch kälter. Geht auf 2° tagsüber runter. Habe viele kleine Projekte wie Ombud-lsa, Weihnachtsvideo für die IB, Herzgut-Beratung Foto & Web, Bluenote Weihnachtsmarkt Grafik & Druck. Und ich kann das alles machen, weil mir mein Job im Paritätischen das ermöglicht. Wao! Aber ständig verkatert ist das sehr anstrengend. Wie schön müsste das alles komplett nüchtern sein?

Heute am Morgen nach dem Yoga: Sex. Heute Abend nach dem Laufen: Sex. Sport macht sexy.

Zwei Leute also gestorben. Wenn ich mich besinne und alles "ordentlich & richtig" mache, werden mich die vor den Toren lauernden Armeen von Viren, Krebsgeschwüren und anderen Gebrechen überfallen und entsprechend richten.

https://www.youtube.com/watch?v=oHdVopjAfa0

reKieser

Sportumstellung: Seit dem 11.11.22 kann ich endlich wieder zum Krafttraining. Jetzt kommt's drauf an, ob und wie ich es richtig mache. Tobi mag ich nicht ganz glauben schenken, nachdem ich also jetzt aufhören muss mit Schonkost und Laufen, sondern zunehmen und damit Muskeln aufbauen kann. Mit scheint das nicht klar, es sei denn, ich hätte Ambitionen, so einen Kraftsport wie er damals zu machen. Aber das ist nicht meine Absicht. Lieber würde ich die (von früher mal 96 Kg!) heruntergesporteten 81,5 Kg behalten und dafür nun solche Eiweisse und Kalorien im gesunden Maß zum normalen Krafttraining anvisieren, damit ich weiterhin in meine fast schon weggeworfenen Sachen passe, mich körperlich sehr wohl fühle und meiner Vorstellung von schönem Körper entsprechen kann.

Vergleiche auch Sexambitionen: Die strotzenden Muskelmänner mag ich nicht - es sind weiterhin die schlanken, jungenhaften. Aaah: Und? Wie weiter? Das passiert alles im Kopf und ich muss manchmal ein wenig über mich lächeln, wenn ich an meinen satirischen Spott gegenüber jenen Menschen denke, die ihrem Tod durch massive Ernährungskontrolle und heftiges Laufschnauftraining davonzurennen versuchen. Jetzt bin ich selbst dort angekommen, nur 10 Jahre später. Ist ja normal bei mir, dass alles immer ein "bisschen" länger dauert. Deshalb muss ich ja auch 105 Jahre alt werden.

So. Sei's drum: Nicht immer nur aufschreiben, was ich mir wünsche (immerhin: es scheint ein Wille vorhanden), sondern die Ideen in die Tat umsetzen. Also: Ich brauche jetzt sowas wie einen Personal Trainer, der mir zusammenstellt, was für mich und meine Vorstellungen in Sachen Kraft & Laufen und gelegentliches Rad & Schwimmen versus entsprechender Ernährung gut geeignet ist. Und der mir bestenfalls beim Besehen der nackten Ergebnisse dessenthalben gelegentlich um den Hals und mit mir ins Bett fällt.

Gegenwehr Alkohol

Naja, das ist ein eher blöder Titel, weil er mit Herpes weniger zu tun hat. Ich versteige mich auf's sonntägliche Frühtrinken, damit ich früh genug im Bett bin, um den Rausch lange genug ausschlafen zu können. Was für ein Bullshit. Vorher (so gegen 18:00) habe ich mir noch Gedanken über mein Thema Website Parität für die Dachverbandskonferenz im Kloster Drübeck am Mittwoch und Donnerstag gemacht (remember last year: Da habe ich am selben Ort mich gedanklich im Bett noch geohrfeigt, dass ich zu viel Wein gesoffen habe, was mich nächsten Tags bestimmt wahnsinnig anstrengen wird. Was es auch wurde. Und wiedermal mein sehr großes Problem in Sachen Alkohol klarstellt) und nun habe ich ein Glas Rotwein, bereits eine Flasche Marke Mädchenabendwein geleert und bin bereits an der nächsten. Und suche bereits nach Ausreden für morgen.

Jeder Freitag verheisst mir Zuversicht, weil ich dann immer die Möglichkeit habe, zusammen mit Tobi halbwegs weniger betrunken ins Bett gehen. Nahezu jedes Mal wird es dann doch anders. Dann der Sonntag: Jeder Sonntag verheisst mir Zuversicht, die neue Woche endlich richtig anzugehen und nicht so dermaßen rumzusaufen. Und bereits Sonntags Abend selbst mache ich mir das alles zunichte. Und ich denke dabei immer an Stü, der sich vor über 11 Jahren einliefern ließ, um mit seinem und offensichtlich auch meinem Problem in Sachen Alkohol fertig zu werden. So. Und jetzt du. Oder ich. Oder beide.

Nachtrag: An. diesem Abend und beim Gucken von "Der Pianist" ein Glas Rotwein und zwei Flaschen Riesling Gewürztraminer gesoffen. Holla!

Großangriff Herpes

Nach einem Wochenende mitsamt Bärbels Geburtstagsessen heute im Griechen Wolmirstedt schlich sich seit Samstag ein scheinbarer Großangriff meiner Herpes-Fraktion ein. Woher? Idee: Zu viel für mich immensen Sport in den letzten Wochen (Uwe erklärte mir heute, dass Sportler grundsätzlich ein geschwächtes Immunsystem haben sollen), dazu Cosentyx vor drei Tagen. Dann die intensive Zahnreinigung am Mittwoch, seit der sich meine Lippen etwas wund und kaputt anfühlen. Das wars wahrscheinlich. Sonne? Gab's immerhin viel in den letzten Tagen. Jetzt brennt alles. Und klebt. Oben links ging es los, die untere Lippe fühlt sich durchweg im Desaster. Naja, wird schon wieder. Wahrscheinlich. Denn ein klein bisschen kränklich fühle ich mich auch. Auch ohne Corona. Long-Time-Covid scheint ein Thema zu werden. Uwe und ich haben die gleichen Symptome betreffs schneller Erschöpfung und verminderter Leistung. Mal gucken, was das wird.

Beim Blättern in den Bildern meiner Zehnsucht

... seh' ich Vieles vergilbt in all den Jahr'n. (in etwa: Reinhard Mey) ... seh' ich immer das selbe Dilemma: Es geht um Mut- und Planlosigkeit, Ängste - kurzum: Negatives. Vielleicht schreibe ich immer nur dann in die Zehnsucht, wenn mich irgendetwas umtreibt, was an meinem schönen Leben zu nagen versucht. Und seit langem ist der Alkohol im Spiel: Ob in den letzten Jahren meiner Arbeit im Puppentheater, in der eineinhalb Jahren währenden Arbeits- und Ziellosigkeit oder dem Neuanfang beim Paritätischen, von dem ich mir zuversichtlich einen positiv behafteten Aufbruch versprach. Der wurde es zwar auch, allerdings blieb die Sucht (Ha! Jetzt hab ich es mir eingestanden!) nach dem seit Jahren währenden Alkohol-Dilemma bestehen.

Habe gestern 20 Jahre Tagesschau gesehen und bemerkt, dass das gefühlt noch garnicht so lange her ist und dass das meine Zeit des Kulturservers war, in der ich - ausgestattet mit genügend Geld - mit Dieterloo Bach mindestens jeden Dienstag enorm gesoffen habe, was ich bis heute als meinen persönlichen Einstand in die Welt des überheblichen Alkoholmissbrauches betrachte.

Nun kann ich ihn dafür natürlich nicht verantwortlich machen; es zeugt eher von meiner eigenen Unfähigkeit, mein Leben in den "Griff" zu kriegen. Es ist allerdings beispielhaft für das, was sich seitdem auf welche Weise für mich entwickelt hat. Das alles steht hier jetzt nicht vor Gericht und ich darf immerhin von mir behaupten, auch nach unserem Bruch in 2008/9 Einiges zustande gebracht zu haben - aber das Thema Alkohol mitsamt seinen Folgen und meinen dementsprechenden Zehnsuchtsbeiträgen hat deutliche Spuren hinterlassen.

Nun mag sich die Frage stellen, was sich in einer so langen Zeit ab ca. dem Jahr 2000 ohne Alkohol anders entwickelt hätte. #selbstmord #unendlichgluecklich #genausowiejetzt (...) - ich weiss es nicht und kann es aufgrund der nur einspurigen Erfahrung nicht beweisen. Fakt ist immerhin, dass es ohne Alkohol zumindest klarer sein dürfte. Der Rest ist Flucht.

Und ich habe eine neue (etwas törichte, aber immerhin mögliche) Theorie: Sobald ich mich besinne und in Sachen Leben und Vernunft eine gewisse gesunde Geradlinigkeit entwickle, wird mich eine unheilbare Krankheit ermatten, ermüden und ersterben lassen.

Alles ist möglich!

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010