Zehnsucht

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Herz zum Hals und Knick im Glück

In der Nacht unterm Dach klopfte mir das Herz bis zum Hals und ich wollte so breit wie möglich ausgestreckt liegen. Eine wahrscheinlich körperliche Reaktion auf die unsachliche Melange aus Saufen & Sport der letzten (vielen) Wochen. Und so war heute - wie gestern Abend - ein bisschen der Wurm in unserem Glücksgefüge. Diese Würmer mag ich nicht, denn sie verursachen langes Schweigen, aus welchem zaghafte Kommunikationsversuche schnell ins Leere oder gegen die Wand laufen und mich manchmal unsachlich aggressiv werden lassen.

Und nun muss ich mir Fragen stellen: Die Verhältnisse zwischen Ursache, Vermittlung und Wirkung sind mir aus dem Elektromaschinenbau bestens bekannt. Die Vermittlung ist der Wein, der leider nicht reiner Natur zum sinnvollen Einschenken geeignet ist; die Wirkung wurde eben beschrieben und äussert sich in Unmut, Ungeduld und Unwohlsein. Alles "un". Unmöglich kommt hinzu, denn ich warte dann auf irgendetwas, das von außen den Knoten löst und uns gemeinsam einer besseren Situation wie auch Zukunft zuführt. Ich vermute mich bei solchen Situationen oft als als Urheber, Verursacher solcher Stimmungen, bei der eine gelangweilte Gereiztheit in der Luft liegt und sich einfach nichts Schönes entwickeln will. WAS wäre denn schön? Und WAS bedarf es, das zu tun? WOOP! Das hatte ich bereits versucht, zusammenzufassen. Von allein kommt es nicht und das bringt mich auf die ganz nach hinten geschobene Frage nach der Ursache, die ebenfalls im zusammenfassenden Link zu beschreiben versucht wurde.

So! Da haste! Getrunken habe ich immer schon und fast immer zu viel. Und wenn ich auf mein Leben im Ganzen blicke, muss ich wiederholt feststellen, dass von 10 möglichen Punkten der Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Neugier auf das Jetzt und die Zukunft kaum mehr 5 erreicht sind. Diese Ansicht und Einschätzung ändert sich immer mal wieder; es ist ja auch viel zu komplex, alle Bestandteile einzuschätzen und während dieser Einschätzung objektiv zu bleiben. Naja, das erledigt sich ja dann fast von selbst.

Kurzum. UVW. Ursache = Unzufriedenheit, Ziellosigkeit, Langeweile. Vermittlung = viel Alkohol. Wirkung = widerlicher Hangover und Unlösbarkeit der Ursachen wegen Denk- und Tatenschwäche mit erneuter Unzufriedenheit. Nochmal: So!

Tobias arbeitet vollständig und manchmal auch heftig durch die Nacht und genießt dann gern seine "Ruhe" bei Netflix-Müll, während es mich, schwer ausgeruht, nach Taten drängt. Aber welche? Doch auch ausgeruht ist Tobi eher gemäßigt unterwegs, sieht keine Notwendigkeit, nachts am Meer zu sitzen, sich zu Anderen zu gesellen oder Unsinn zu machen. Kurze Wochenenden wie auch dieses hier sind wir zwar willkommen, aber viel besser kann ich es allein ja auch bloß nicht. "Der allein will und nicht kann"? Siehe diese romantischen Vorstellungen von Spielzeitpausen im Wald am See mit mir allein, um unbeobachtet das in mir finden, was ich zu meinem besten Kumpel erklären kann, um mich gut gewappnet in das Abenteuer namens Leben zu stürzen. Hach wie schön. Letztes Mal: So!

Nichts versucht und versagt

... und es tagt und kein Ziel weit und breit. Wohin auch? Es ist schwer, das alles, was mich derzeit umgibt, in Worte zu fassen. Es rast alles an mir vorbei, statt durch mich hindurch. In meinen Jeskom-Songs habe ich im Grunde alles erklärt, worum es bei mir geht. Oder was nicht geht. Mehr braucht es für meine Selbsterklärung nicht. Mein ganzes Gedankenkonstrukt ist unheimlich komplex, dabei aber nicht tief gehend. Es wabert alles an der Oberfläche herum. Nichts hat wirklich Bestand. Außer einer tief sitzenden Hoffnung, dass dieses mein Leben im Kontext zu dieser Welt, in der ich lebe, halbwegs vereinbar sein könnte. Muss.

Ich bin viel zu oft ab 21 Uhr++ betrunken, viel zu oft nächsten Tags desillusioniert, weil die logische Folge nichts anderes zulässt und fülle derweil meine To-Do-Listen mit verheissungsvollen Aufgaben, die zu lösen mir nur sehr langsam und ermüdend unbeholfen gelingen. Auch das ist ja nicht neu. Schönes Beispiel > und noch eins. (Mindestens)

Mir fehlen Ziele und damit die Ideen, etwas zu tun, was mich interessieren und im besseren Fall begeistern könnte. In solchen Stimmungen schweren Mutes bin ich sehr schnell unsachlich und (ab)wertend, bewundere und verfluche andere, denen ich beim Gestalten ihres Lebens zusehe. Mir scheint oft, dass ich über überhaupt kein richtiges Wissen verfüge; ich übe mich im Mitleid eines selbst deklarierten Mittelmaßes. So muss es vielen Trinkern gehen, die nicht dumm, aber verloren sind.

Mein erbärmliches Erscheinen beim Paritätischen heute hätte ich als Geschäftsführer zum Anlass genommen, mich ins Gebet zu nehmen und meine Ausrede, dass gestern ein Bandmitglied der Bluesjackets "Ex" gerade verstorben ist, woraufhin ich deshalb ein bisschen betrunken bin (was nicht so ganz stimmt, denn ich wäre auch so betrunken gewesen) nicht gelten lassen, sondern mir eine deutliche Handlungsanweisung auf den Weg gegeben. Das weiche Bett des Paritätischen (wie Mittel es ungefähr ausdrückte) ist sehr freundlich, höflich, tolerierend ...

Es ist wirklich sehr komplex, was meine Gedanken, Vorstellungen und merklich wachsenden Unfähigkeiten betrifft: Ich denke alles in kurzer Folge hintereinander, kann es kaum sortieren und hoffe, das hier mal genau so aufschreiben zu können, um ein bisschen später festzustellen, dass ich das womöglich längst getan habe. Da ich davon ausgehe, dass ich nach meinem Tod von diesen Aufzeichnungen der Zehnsucht nicht viel haben werde, wäre es vielleicht gut, mal einen psychologisch geschulten Ghostwriter dranzusetzen, der (die) das hier alles mal zusammenfasst. Habe ich ja selbst schon ein paar mal probiert. Im Falle größerer Angst vor Menschen wäre auch der Einsatz von Applikationen künstlicher Intelligenz überlegbar. Cool: Psycho-KI vs01. Oder es mal im Ganzen und in großer Ruhe fernab von Allem zu lesen. Inklusive der Mapplethorpe Bücher und der "Kreise".

Habe ich jetzt eigentlich aufgeschrieben, was ich sagen wollte, oder habe ich mich erneut verlaufen?

Ein halb gekochtes Ei

"Ich hätte gern für mich und meine Partnerin ein halb gekochtes Ei." So oder ähnlich drückte es Ex, aka Dietmar Hörold zur mitternächtlichen Stunde einer verblüfften Bedienung aus, als er mit Jana Perleberg während einer kurzen Rast der Bluesjackets aus wahrscheinlich Ribnitz-Damgarten heimwärts in einer Autobahn-Raststätte einkehrte. Vielleicht irgendwann 1995/96.

Am 20. Mai 2022 spielten wir ein letztes gemeinsames Set der (1) Bluesjackets (2) Blues Jackets mit Ex im Wasserturm in Magdeburg. An diesem Abend legte er nach der Show seinen roten Schal fein säuberlich zusammengelegt zwischen mir und Kubon auf den Tisch, um seinen deutlichen Abschied zu proklamieren.

Und jetzt ist er gestorben. Eingeschlafen im Hospiz in Magdeburg am 31. Juli 2023 kurz vor 15 Uhr an einem verregneten Montag. Seine Freundin per WhatsApp: "Dietmar ist heute kurz vor 15 Uhr eingeschlafen und dann schien die Sonne."

Das Foto mit dem ausgegrauten Dietmar ist nur der Anfang. Kawa war noch früher dran, auch wenn er lange nicht mehr dabei, so aber doch einer der ganz Großen in dieser Band (und mein ebenso großer Freund) war. Weitere werden folgen. Das ist immerhin sicher.

Adieu Dietmar "Ex" Hörold.

Schöner Ausflug

War kurz, war der Hammer, war bemerkenswert, war wichtig ... war schnell zu Ende. Noch am selben Abend und immer noch müde ein Großes und vier Kleine mit Daniel im Bluenote, anschließend zuhause ein fast volle Flasche des letzten leichten Weines geleert und weil es nicht genug war, die zwei kleinen sinnlosen Mini-Spaßmacher von Sigi geschossen, die sich als 40%-Dreck herausstellten und mir den heutigen Tag schwer machten. Und gerade zurück aus dem Sechs-Jever-Donnerstag mit Dampfer von Gerry Fuchs trinke ich den extra(!) vorher noch aus dem Naturata gekauften bioveganen Weißwein, während ich das hier schreibe.

Samstag bin ich wieder hier und wie in letzter Zeit oft stellt sich eine Art Vorfreude ein, von der ich realistisch betrachtet, nicht viel erwarte, weil ich am Sontag bestimmt dann wieder zu breit sein werde für alles, was "vielleicht" möglich gewesen hätte sein können. Und es macht mir Bedenken, dass ich mich auf "kurze" Wochenenden mit Tobi freue. Was ist da los? Was stimmt da nicht? Zwar ist Tobi derzeit ein wenig eingeschränkt wegen seiner Weisheitszahn-OP, aber das hat ja nichts mit uns beiden und unserer Liebe zu tun oder? Und das Gefühl ist ja nicht neu, mich über ein verkürztes oder gar freies Wochenende zu freuen. Es bedarf zumindest ersteinmal hier einer Erklärung. Es passiert alles in Allem zur Zeit nicht mehr so viel, zusammen wie auch allein und ich bin besorgt.

Nach all der Zeit

... ist es mir am Vorabend gelungen, nach einem Bier und einem kleinen, dünnen Wein mit insgesamt drei Zigaretten das Schlachtfeld zur richtigen Zeit zu verlassen. Um zu lesen, sehr müde zu werden und dann doch nicht sonderlich gut schlafen zu können. Ich nenne es Entgiftung. Sowas kennt mein Organismus seit vielen Wochen nicht mehr. Mit Ausnahme der Müdigkeit hat sich dieser Ausflug allerdings sehr gelohnt: Stimmung wie auch meine Sichtweisen auf alles mich Umgebende sind sofort durchweg positiv. Das ging ja schnell. Und so einfach.

Erst dachte ich, dass die Zeit der Corona das Ganze alkoholische Desaster seit 2020 mit auf den Weg gebracht hat. Dann aber fiel mir ein, dass es schon immer so und immer mal wieder so sehr grenzwertig war. Phasen vermehrten und stark übertriebenen Konsums teilten sich mein Leben mit den restlichen, freien und also nüchternen Zuständen (bzw. ohne Hangover - denn tasgüber betrunken ging bisher und zum Glück niemals). Auch körperlich fühlt sich alles gleich ein bisschen schöner an, was aber auch dem beibehaltenen Training zu verdanken ist.

Ich wünschte mir wieder viel mehr diesen viel freieren Raumes, um zu überlegen, was ich denn weiters mit meinem schönen Leben anzufangen gedenken. Vielleicht es es gerade die Angst vor genau dieser Überlegung. Vielleicht irgendwas anderes. Vielleicht belanglos oder höchst dramatisch. Zumindest nicht sonderlich stabil und damit wie immer. Nichts Neues.

Nur eine Phase, Hase

Der Film eben war einer von denen, die ein bisschen hanebüchen daherkommen, immerhin jedoch das Thema der 50jährigen angesprochen hat, wonach im Leben immer mal wieder so ein alles in Frage stellender Moment kommt. Eine jener Phasen, die mir nicht neu sind, jedoch ändert sich der Umgang mit solchen Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem Rest namens Mensch darin mit all seinen begrenzten Fähigkeiten.

Dass ich soviel trinke, ist jedenfalls ein deutlicher Hinweis darauf, dass irgendetwas nicht stimmt. Um "to get real", bedarf es wahrscheinlich garnicht mal so vieler Gedanken; allein ich werde es müde. Soll ich wieder nach Dänemark an den verlassenen Strand fahren und meine Ziele neu überlegen? Ich habe keine. Soll ich irgendwas Schönes kaputt machen, wovon ich weiß, dass es nicht helfen wird? Oder einen Psychologen aufsuchen? Hat schonmal überhaupt nicht geklappt. Mich in übermäßigen Sport stürzen? Beste Symptome für eine erneute Midlife-Crisis. Wahrscheinlich die Einundzwanzigste seitdem ich 16 Jahre alt wurde. Und 53 ist wie immer wahrscheinlich nicht der Punkt, eher meine Sicht auf die Dinge. Wie Stoppok bereits feststellte. Oder meine Intelligenz.

Am Samstag waren Tobi und ich auf dem Glacie-Festival und es fühlte sich oll für mich an. Lost. Ich kenne nahezu niemanden und frage mich, wo die alle herkommen. (hier: schönes Parallelbeispiel) Wo sind und was machen diese Leute sonst? Sie sehen entspannt aus, sind jung und frei. Und ich fühle mich verloren. Keinerlei Blick für irgendwas Schönes (mit Ausnahme von Nils Keppel, mir als very young & sexy New Nick Cave vorkam). Ansonsten nichts, was mich auch nur im Kleinsten begeistern oder wenigstens interessieren würde. So wie zwei (?) Jahre zuvor schon einmal. So wie auf Luhmühlens "A summer's Tale" Festival. Allein, unbeholfen, unsicher und nicht so richtig wissend, was ich da soll oder warum ich da hingefahren bin. Ein Experiment? Ein Versuch von Leben? Berühmte Stars fotografieren, deren Songs ich nichtmal kenne? Später mit diesen Fotos angeben? Versuchte Aufwertung?

Nach dem Glacie fuhr Tobi nach Hause und ich zu Heikos pre60. Auch dort war ich müde, still und nicht sonderlich interessiert an allem. So wie im Bluenote in der Woche zuvor (und der zuvor zuvor), als ich versuchte, dem Geschehen etwas abzugewinnen und die Zeit mit Alkohol zu überbrücken, währenddessen es wahrscheinlich um Salate, Eierlikör, Durchschlafen oder Blumen auf dem Balkon ging. Zwei Bier später fuhr ich zu Tobi und setzte mich zu ihm in den Pool. Der bereits halb leeren Flasche Bachus folgte noch ein Riesling, deren größeren Teil ich dann allein austrank und der Sonntag fühlte sich erneut wie ein Todesurteil an. Um am selben Abend die von Sigi und Michi geschenkte Flasche kroatischen Wein nebst dem "leichten" Gewürztraminer auszutrinken und heute = Montag MobileOffice aus Gründen zu begehen. Zum Glück kann ich das so deichseln (fragt sich, wie lange ich das so wie jetzt noch kaschieren kann - die Argumente werden sachte knapp und unwahrscheinlicher), aber von oben betrachtet ist es ein schwerer Schadensfall. Eine Phase? Bitte ja, denn die könnte ja auch wieder aufhören.

Und so ein etwas schwacher Film wie heute hat mich immerhin dazu gebracht, das hier aufzuschreiben. Denn es ist in Zuständen wie dem meinen aktuellen wirklich ziemlich schwierig, meine Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben. Weil mir die Worte fehlen, weil ich eine vage Form von Verlust begreife, an dessen Ursache durch die massiven Symptome schwerlich zu gelangen ist.

Röchelndes Rasseln

Des Menschen Selbsttäuschung muss für Aussenstehende ein allenfalls kurzzeitig amüsanter Zirkus sein. Dieser deutliche Unsinn, dessen zum Teil fatalen Auswirkungen mit fadenscheinigen Argumenten zu entgegnen versucht wird, schwebt so offensichtlich über allem, dass sich sehr schnell neue Ablenkung gesucht wird, damit für den Moment keine Zeit zum weiteren Darübernachdenken bleibt.

Mir kratzt die Zunge, wundgeschlagen von Rauch und Alkohol, mir rasselt die Lunge, mir beben die Hände - es wabert der Kreislauf, der Wein schmeckt nicht mehr. Halt! Stop! Was? Der Wein schmeckt nicht mehr? Dann nutzen Sie es weise aus, teurer Freund! Und zwar sofort. Nach einer unterzuckerndes Radtour gestern hielt ich an der Sternbrücke für ein großes und unbedingtes Eis an. Und in genau diesem Moment stellte ich mir vor, dass ich jetzt sofort und auf Zeit meines Lebens wählen müsste zwischen Eis und Bier. Das war leicht, aber auch einigermaßen Quatsch. Genau so einer, wie die obene beschriebene Selbsttäuschung, den selbstvergewaltigenden Umgang mit mir durch massiven Sport wieder ausgleichen zu können. Das sind enorme Doppelbelastungen fürs Herz. Und auch für's Gemüt.

Kurzum: es brennt, röchelt, wackelt und ich weiss noch nicht, ob sich erst die Speiseröhre, Zunge, Kehlkopf oder die Bauchspeicheldrüse oder ganz woanders die Prostata mit einem sehr unsachlichen Geschwür dessenthalben zu Wort melden wird. Diese Angst ist durchaus berechtigt.

Wein Micha Cohnert

Spätestens seit der Corona Pandemie ab Anfang 2020 und dem Zeitpunkt, an welchem wir bei Micha im Weinladen die Überwachungskameras installiert haben, verleitet es mich immer wieder mal, heimlich per App bei ihm nachzusehen. Sowas sollte man nicht tun und anfangs war es ja auch nur gedacht, um zu sehen, ob noch jemand da ist und ich eventuell auf einen Drink gehen könnte. Es wurde zur Gewohnheit (ohne dorthin zu gehen) und fast jedes Mal sehe ich Micha vor der Tür zum Garten allein sitzen um auf seinem Smartphone die Dinge der Welt zu besehen. Derzeit vornehmlich Nachrichten und Dokus über den Russlandkrieg und Putin. Vorher ging es um die Themen Corona, Querdenker, Politik.

Er tat mir fast leid, ihn dort nahezu immer allein die Stunden nach Schliessung des Ladens um 19 Uhr bis mindestens zur Mitternacht zu verbringen und meine Meinung über ihn wollte sich damit immer wieder bestätigen, wonach er einfach nicht der Typ ist, der einen Laden wie diesen zu einem lebendigen Ort werden zu lassen. Und es wunderte mich immer wieder, wie er diese Weinhandlung "wein39108" noch immer halten kann.

Unser Kennenlernen verorte ich auf einer Party in Menz, die schon sehr lange her sein muss und er sich als Techniker von Rendezvous No. 5 erklärte und mich fragte, ob ich wohl eine "Schaltberechtigung" für den Ton-Mixer hätte, als ich Haralds Piano beim Stadtgeflüster-Konzert aufpeppen wollte. Egal, das lässt sich rausfinden. Am nächsten Tag jedenfalls fuhr Mandy den Bus nach Hause, während ich hinten weiter schlief. Damals erschien er mir (wie heute) als verwässerter Typ, dem man keinen Charakter anheim legen kann.

So sitzt er also täglich dort vor seinem Handy, bis ihn die Nacht überfällt und kommt offensichtlich nicht weiter. Im Laden wie im Leben. Und jetzt aber kommt's: Aus meinem Mitleid wurde eine erschreckende Gewissheit: Ich mache es ja nicht anders. Nur dass ich zuhause und auf einer Couch so wie jetzt sitze, Wein in mich rein und den Fernseher laufen lasse. Und ich komme auch nicht weiter. So hat also jeder sein eigenes Dilemma.

Nur habe ich enormes Glück und muss mich nicht mehr ständig um meine Wirtschaftlichkeit kümmern. Es ist sogar enorm weich und nahezu unverantwortlich, wie ich meine Situation ausnutze. Das aber wird auch kein gutes Ende nehmen, wenn ich so weiter mache.

Standing

Nach sportlichem Tag und mehreren enormüberfüllten Nächten jetzt so hier: Halb Neun TV an, später "Der Rausch" auf arte bei gleichzeitiger Vorahnung und späterer Gewissheit, was die Dramaturgie dieses Filmes als Konsequenz folgerichtig vorgesehen hat. Derweil solidarisch mitgespielt, allerdings als Einzelsäufer. Sowas kann also nicht gut gehen. Dennoch einen Liter billigen Italoweines mit anschließender Beendigung des halbtrockenen Franzosen verkonsumiert. Was aber nicht ausreichte und der leichte, fast leere Riesling-Gewürztraminer meinem erstaunten Blick heute "früh" um 12:00 Uhr standhielt. Das mag ich nicht zusammenrechnen. Die IT im Parihaus ist heute auf Wanderschaft; so ist alles möglich. Und unmöglich zugleich.

Trip on Tour und Emo-Slots

Ich habe offensichtlich Bedarf an Trost und mehr noch an Bewegung, wenn im Fernsehen ein Hamburg Staffel-Triathlon läuft und ich beim Zieleinlauf der deutschen Läuferin so sehr voller Emotionen bin, dass es mich schier wegreisst. Das war neulich schon so, als der Baggerfahrer unten auf der Straße ein Kind vorbeilaufender Fußgänger auf seinen Schoß nahm, damit es mit der Schaufel ein paar Runde baggern konnte. "So sollten Menschen sein", durchfuhr es mich und ließ mich kurz sehr emotional werden. Das gestrige Konzert vom Boss (Springsteen) wurde vorhin kurz auf Facebook dokumentiert und als die Menge mitsang, erlag ich bereits wieder einem traurigen Moment, nicht dabei gewesen zu sein- auch weil ich die Musik garnicht so sehr kenne und schon deshalb nicht hingefahren wäre. Aber diese jeweiligen Momente machen mir sehr deutlich klar, dass hier weiterhin Defizite vorliegen. Das hatte ich gestern bereits erneut aufs Tableau gebracht und natürlich endete gestern so wie es nicht anders zu erwarten war.

Deshalb heute dennoch Aufbringen allen Willens und 30 km auf dem Rad mit anschließendem Krafttraining und zuhause einem großen analbegleiteten Orgasmus. Zum Radfahren: Mit Billie Eilish auf den letzten Kilometern an der Elbe lang mit hell-dunkel Wegen und gefühlt abfallendem Puls fühlte es sich an wie Wegtreten. Bei sowas leuchten immer ein paar kleine Alarmglocken, aber schön ist es dennoch. Wie bei einer zu wirken beginnenden Narkose. Propofol für alle! Kann ja nicht jedes Mal zwei Flaschen Wein trinken, um so drauf zu sein. Kann überhaupt keinen Wein mehr trinken, wenn ich meine Emotionen und Ziele ein bisschen dalli ein bisschen klarer haben möchte.

Saturday's Leid

Samstag. Allein zuhaus. Tobi hat morgen Dienst. Habe mich verproviantiert. Mir fällt nicht viel von dem ein, was ich heute vielleicht hätte machen können oder wollen. Stattdessen sehe ich den Wochenrückblick auf mdf1 und damit einen Bericht über das Hofspektakel Puppentheater im Kunstmuseum. Mit noch immer fast allen bekannten Gesichtern und damit der Erinnerung an das, was 2018 für mich endete. Und offensichtlich noch nicht ganz für mich zu Ende ist, wenn ich dir mir vertrauten Abläufe und die Art des Theaters erneut zu Gesicht bekomme. Und es macht also noch immer etwas mit mir. Und weiterhin kann ich es schwerlich erklären. Alles liegt in der Erinnerung begraben und versucht es an dieser Kempchen & Bernhardt Misere zu binden. Klar war es das Ausschlag gebende Element. Weil man so nicht mit Menschen umgeht. Aber es muss womöglich noch etwas anderes gewesen sein. Vielleicht weil es eine Bühne war (und ist), auf der nicht ich spielte. Ich bediente diese Kunst. Und wurde zum Teil böse zurechtgewiesen und fühlte mich nicht richtig wohl dort. Weil auch irgendeine Angst immer wieder zum treuen Begleiter wurde. Es wäre mir lieber, wenn ich ohne heimliche Rachegelüste und üble Nachrede aus- und klarkommen würde. Fuck you, Bernhardt! So. Prima. Endlich. Das war's jetzt. Ja?

Der heisseste Tag des Jahres und bestimmt wieder irgendein Rekordergebnis in Sachen Wetter. Jetzt wird es bereits sachte dunkel, halb Neun, der Sommer ist noch weit und Dietmar Ex Hörold sieht sich voll mit Schmerz und Krebs am Horizont und somit am Ende. Alles fühlt sich unwirklich an, auch in Bezug auf die nahenden bzw. bevorstehenden Tode anderer Menschen, inklusive meiner Vorstellung von Über-/ Weiter-/ Andersleben. (Schon wieder Puppentheater!)

Zwölf Jahre Tobias & me sind es gerade geworden. 53 sind es mit mir. Ich bin insgesamt ein bisschen müde ob des Gleichlaufs der Dinge, möchte aber keine zu ungestüme Änderung. Von allem ganz viel, zu wenig vom Ziel. Saturday's Leid ist ein bisschen lost und ich wüsste auch hier nicht, wohin ich jetzt gehen könnte. Außer Bluenote (das wären dann 5 Mal in dieser Woche: also besser nicht). Vielleicht kommt ja ein schöner Fil ... jaja.

Familienaufstellung

Insofern man einem nächtlichen iPhone Foto überhaupt irgendetwas Erkennbares entnehmen kann, so will ich die neun Bier und zwei Hirschkusse gestern weder beschönigen noch hinzufügen, dass ich danach noch über eine halbe Flasche Wein in mich hineinbrachte und Dietmar Ex Hörold in seinen letzten Zügen zu schweben und er also seinem Darmkrebs zu erliegen scheint. Und mir kommt das alles so unwirklich vor; noch während ich benommen bin vom Alkohol und der Angst, dass es mich aufgrund meiner Umstände bestrafend in Kürze ebenso erwischen müsse. Heikos Heidi hat nach ihrem Schlaganfall gleich noch einen Herzinfarkt draufgelegt und meine Sicht auf die Dinge des Lebens muss zwangsläufig unter meinen Zuständen leiden.

Hier die Familienaufstellung von links: Heiko ist der Vater; Zwiebel mein Sandkastenkumpel, aus dem später die große Liebe und mein Mann wurde, Susi aus dem Ferienlager, Doni meine Oma, Anja eine Nachbarin, Katrin aus fernen Ländern mit spannenden Geschichten aus Filmen und Abenteuern, Volker der kleine Bruder von Onkel Helmut und die neue Elke, die aus Volker den Helmut herausgestrieben hat.

Baustellentrinker

Ein weiterer Vorschlag zur Deutung meines ungeheuerlichen Verhaltens im Schindluderbereich lautet: Meine immerfort in mir sausenden Synapsen aus den Baustellen meines Lebens und weit darüber hinaus erkennen Autogenes Training oder andere entspannende Maßnahmen offensichtlich nicht an. So bleibt der Highway immer beleuchtet, es herrscht viel Verkehr und es ist eine Frage der Zeit, bis es zu Unfällen im Denkmuster kommt. Der Alkohol verschafft mir hier keine Entspannung, sehr wohl aber vermag er mein SynapsenChaos lahm und auf "unfähig" zu schalten wie eine Barriere, die sich quer über die Fahrbahn legt und sich nicht bewegen lässt.

Das schafft allenthalben Unbehagen und ich sehe mich wiederholt den Laptop öffnen und nicht zu wissen, weshalb - oder wonach ich suche, welche Webseite ich aufschlagen könnte, welche Informationen oder Unterhaltung ich anvisiere. Das ist schiere und verzweifelte Hilflosigkeit, die einer Panik gleicht. Anstatt die Hände in den Schoß zu legen, den Fernseher abzuschalten, den Wein wegzustellen. Aber was dann?

Die Gewöhnung an diese Muster macht das eigentliche Gift. So eines, das sich nicht mehr so leicht und also nur unter Aufbietung aller Kräfte und Reserven neutralisieren lässt. Das Bild beschreibt es: Die Piloten auf dem synaptischen Highway hüpfen von einer Baustelle, die zuweilen einer tiefen Grube gleicht, in die nächste. Der Mechanismus bleibt derselbe: Sie buddeln in irgendeiner Erwartungshaltung, bleiben dennoch gekonnt an allen Oberflächlichkeiten hängen und finden nicht, wovon sie nicht wissen, was sie suchen.

Irgendwann wird die Straße zu Ende oder der Kraftstoff aufgebraucht sein. Oh, eine Allegorie. Wie romantisch. Und so bedeutsam. So lange sich da nichts ändert, schreibe ich hier fleißig das ewig Selbe mit scheinbar neuen Erkenntissen, die allerdings längst schon erlangt, mir nur erneut in die Erinnerung katapultiert wurden. Auf einem flachen, aber riesigen DenkMusterTeppich, der einer Form von Demenz eine gewisse Aufwartung macht.

BangeAngstMacher

Zurück überlegt, wann die Misere des erst e- dann abnormen Alkoholdesaster begann, lässt sich kaum einkreisen, zu welchem Zeitpunkt es überhaupt eine vernünftige Phase gegeben haben soll. Rechnen wir Kindheit, Jugend, Ausbildung und Studium heraus, nähern wir uns schnell dem Zusteigebahnhof, der also ab Kulturserver samt Bach ab 2000 eröffnete. Das sind jetzt 23 Jahre. In Erinnerung meiner Selbständigkeit hat sich da nicht viel verändert - es sei denn, zum Schlechteren. Denke ich ans Puppenhaus, geh'n bei mir die Lichter aus. So lustig schreibt nur einer, der es heimlich mit der Angst bekommt.

Spätestens seit dem sicheren Job ab 03-2020 und dem Corona-Start mit all meinen freiheitlichen Möglichkeiten ging die Sause noch mehr los. Und heute komme ich nicht mehr davon los. Und Quarks beschreibt die Kombination aus Zigaretten und Alkohol als 36-faches Risiko für Speiseröhren- oder anderen Krebs in der HNO Gegend sowie bei der Bauchspeicheldrüse. Mario aus Mannhausen. Guten Tag! Und ich habe enorme Angst dessenthalben. Weil ich alle Voraussetzungen, wenn auch nur teilweise, erfülle.

Meine innere Vernunft droht mit dem Zeigefinger und deutet auf Bestrafung. So wie ich mein leben lang offensichtlich irgendwie immer mit dieser Verhältnisgleichung zu tun hatte. So erscheint es mir nur folgerichtig, dass ich die Zeche zahlen muss. Also zumindest bald, wenn es nicht sofort aufhört, zu hageln. Und wie es aussieht, gibt es kein Zwischen-Niveau. Auch wenn ich mich nicht zu den vollständigen Alkoholikern rechne, die zitternd bereits morgens dringenden Bedarf haben, so bin ich einer von denen, die, wenn es dunkel wird, zum Glas greifen und sich gut daran festhalten.

Bewusst los

Ich stehe, sitze, falle, bin neben mir. Hier in meinem Büro wie auch sonst und anderswo. Gestern in lauschigem Sommerabend Bier mit Leuten, später etwas Wein zuhause, bei dem ich bereits merkte, wie mir Gedanken und Worte entglitten. Nichtmal einen einfachen Technikrider für OK oder eine simple WhatsApp Antwort brachte ich zuwege, goß daraufhin den Wein wieder zurück in die Flasche und ging ins Bett. Laut Polar-Uhr war diese Nacht in Sachen Schlafmenge, Stabilität und Regeneration seit ziemlich langer Zeit erstmals wieder durchweg "gut", jedoch rissen erstaunlich viele Straßenbaustellen mich aus tiefen Traumphasen. Neue Dächer werden mit riesigen Kränen aufgesetzt, aufgebuddelte Straßen wieder zugeteert und Bäume werden beschnitten. Alles gleichzeitig um Sieben oder womöglich früher.

Hat aber alles nichts damit zu tun, dass ich vorher schon platt war. Und es jetzt hier weiterhin bin. Wie eine Art schleierhafter Nebel oder gar Bewusstlosigkeit, die sich mit einem Traum vergleichen lässt. Vielleicht ist das alles auch garnicht mehr real (couldn't get real) und ich bin längst in einem Delirium, liege verkabelt in einem Bett und besorgte Gesichter beugen sich über mich und hoffen, dass ich ins Leben zurückkehre.

Wie gedenke ich all dem denn nun zu entkommen? Die Auswirkung einer sehr langen Entwicklung zu bekämpfen, wird außer Vornehmen und Selbsbelobigung bei Erfolg nicht viel bringen; die Ursachen für all das zu finden würde sich in einen Jahrzehnt-Prozess ausweiten, für den ich weder Zeit noch Muße oder Aussicht habe. Und damit kann ich weiterhin nur vage vermuten, dass mein Mix aus Wesens- und Selbstwertschwäche, Angst, Euphorie, fehlenden Zielen und fehlendem Mut, Mittelmaß-Komplex, Bildung, Einbildung, depressiver Verstimmung, jahrelangem körperlichem Schmerz, unverdauten Traumatas aus Kindheit bis zum Coming-of-Age und weiteren Ein- wie Ausreden ewiger Bestandteil meines Daseins bleiben werden. Natürlich weiterhin mit diesen selben Folgen. Ein, zwei oder drei ... du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei. Was wäre denn das dritte bitte?

Down by me

(Wackelmeldung, diffus, widersprüchlich) Heute, eine Woche Erholung vom Urlaub, in welcher ich wieder und weiterhin zu viel Wein konsumierte, ist also wieder so einer dieser Sonntage, an dem ich mich unmutig fühle. Für das, was morgen, in der Woche und danach kommt. Tatsächlich fürchte ich mich davor, dem Wein keinen Einhalt gebieten und entsprechend nachfolgend meine öffentlichen Nachkampfattitüden nicht mehr lange aufrecht halten zu können. Dazu eine deutliche Wärme von draussen bis drinnen. Viel stärker als alles aber wiegt in solchen Momenten meine deutliche Ziellosigkeit. Sogar der nahende Samstag in OK mit ein paar wenigen Songeinlagen bereitet mir Sorgen.

Ich bin weiterhin müde, habe die ganze Wohnung am Freitag für ein besseres Gefühl sauber gemacht. Immerhin hilft es, mich nicht auch noch von einem weiteren Chaos umringt zu sehen. Jeskom hat noch garkeine Musik in 2023 gemacht, oder? Sonst noch was? Was Neues? Was Interessantes? Die Zeit vergeht sich. Alle Trainings immer noch auf Null.

Vielleicht stürze ich mich vorerst einfach in die Arbeit beim Paritätischen und erledige die vielen Dinge der langen Bänke. Das gewissenhafte Denken fällt mir gewissermaßen schwer und im Fernsehen gewinnen die AfD-Schergen in Sonneberg die Landratswahl.

Jetzt ein beherzter Sprung in einen erfrischenden Waldsee und schwimmen bis zur Erschöpfung, dann lange und durchschlafen und morgen mit neuen Ideen ins Abenteuer Leben. Sowas. Mach doch! Zu satt, was? 115k aufm Konto und einen seichten Job mit genügend Geld und sehr viel Freiraum machen's möglich, teureren Wein zu kaufen.

edit: Gerade gelesen: ZEITmagazin: Aus unserem Archiv: "Das passiert im Körper, wenn man keinen Alkohol mehr trinkt: Die Leber entfettet und der Schlaf wird besser, wenn man auf Wein und Bier verzichtet. Aber auch das Herz, die Psyche und das Immunsystem profitieren von weniger Alkohol." Noch Fragen, Kienzle?

Nordmänners End

So. (!) Mein Lieblingswort, wenn es mir zu bunt wird. Wobei "bunt" ja schön wäre. Die Nordreise ist beendet und ich benötige tatsächlich eine Nachfolgewoche mit dem Versuch, mich zu erholen. Schwierig. Es ist auch des Nächtens sehr warm geworden und mir fällt es seit Tagen schwer, hier aufzuschreiben, wie diffus sich das alles anfühlt. Dabei vermute ich nichts weiter als meine enorme Müdigkeit bzw. laut Uhr meine "Nightly Recharge", die sich erst jetzt wieder in den grünen Bereich zurück gekämpft hat.

Unausgeschlafen lässt sich nichts richtig bewerten, denn es obliegt einer dumpfen Grundstimmung, die sich über den Tag mühsam zu bessern versucht. Bis der Abend den Wein bringt, der jedoch die Nacht nicht rettet. Und das Spiel beginnt von vorn. Ein Wohnmobil wird daran auch nichts ändern und alle weiteren Versuche einer objektive Beschreibung dieses gemeinsamen Norwegens bleiben im SubjektivSumpf stecken. Dabei waren es durchweg schöne Orte, gute Touren, freundliche Menschen, unendliche Weiten und hellichte Nächte.

Jetzt ist Midsommar vorbei und die Tage werden kürzer. Kein sonderlich schlaues Schlusswort. Dann so hier:

Das eben beendete Gespräch in der Parität mit der Geschäftsführein hat mich heimlich ganz weit hinten links vorabendlich und nächtlich beschäftigt - es rührt aus dem alten Leiden der Verteidigung, die auf einen gefühlten Angriff reagiert; der so verhassten "Aussprache", dem ein unweigerliches "Ich will mich ja auch bessern" folgen musste. Dabei war es das ganz und garnicht - im Gegenteil. Und es fühlt sich gut an, nicht hangovert zu sein. Schlimme Feststellung, was? So. (!) 80,4 Kg. Muskelmasse schwindet wegen keinem Training. Zu warm. Egal. Kommt wieder. Lauf davon.

Nur die Ruhe: Nachtrag Tag 4

Mein Schlafindex kriecht sich weiter ins Negative. Sagt meine Uhr. Und meine Laune. Selbst in seidigen Betten in Bergen wurde es nicht besser und hier in Flåm im Bus auch nicht. Ich bin unausgeruht, gereizt bis zuweilen mürrisch. Und ich merke das. Wobei mir das ganze blöde Universum mal wieder ob dessen Sinn auf die Füße - und mir nichts Besseres einfällt. Dabei ist die norwegische Umgebung samt Wetter grandios. Ich nicht.

Tobi ist als schnarchender Schlafstörer nicht an erster Stelle dafür verantwortlich zu machen. Oder vielleicht doch. Jede Minute meines nächtlich zeternden Wachliegens bringt mich einen Kilometer weiter von der Idee eines gemeinsamen Wohnmobiles weg. Dazu gesellt sich der meist unsachliche, weil wenig gut erklärbare Gedanke, dass ich (wie im Brief an meinen Freund erwähnt … au warte, schon wieder) sehr sehr gerne bei uns beiden etwas mehr von dem hätte, was ich fürderhin als Schabernack, Unsinn, Drauflos und Bahne frei beschreiben möchte. Ich will nicht die Musik leiser drehen, mit dem Staubsauger alles permanent sauber halten und derweil darauf achten, dass all meine leblosen Ladegeräte parat stehen.

Ich, sarkastisch um halb eins auf einem Campingplatz in einer norwegischen Nacht, die sich weigert, dunkel zu werden. Was für ein Gleichnis!

Nur die Ruhe

(Auf dem Schiff von Hirtshals nach Bergen. Morgens.) Nur die Ruhe: Sie ist gewissermaßen Ausschlag gebend für den nachfolgenden Verlauf meines Tages. Wenn ich keine Möglichkeit auf ausreichenden, guten Schlaf hatte, wird alles danach zum Killer: Die lachenden Dänen auf dem Schiff, die quasselnden Japaner, die langsamen Menschen, die Fetten, die Lauten, die, die mit Papier knistern und nicht aufhören zu summen, zu poltern und Türen zuzuwerfen … kurzum: nahezu alles. Das tut mir sehr oft sehr leid, denn derdiedas einzige Negative bin dann ich. Und niemand kann es mir recht machen. Dennoch sind alle schuld an meiner Misere.

Nur die Ruhe … darauf kommt es tatsächlich an. Alkoholarm oder -frei im Bett ungestört durchschlafen und ich bin die unbändige Freundlichkeit und Liebe. Schon wieder nichts Neues, was?

Schiff ahoi, wir sind in Norwegen.

Herzlichen Glückwunsch

zum Kindertag. Gut sieht er ja zwar aus, doch scheint der Schein zu trügen. Hinter gewohnt lustiger Schreibe verstecke ich die Trauer über jene Attribute, die dem Kind längst abhanden gekommen sind. Der oft phlegmatische Blick auf die Umgebung samt der Dinge, die es zu tun gäbe oder geben könnte, der tägliche Alkohol, der nachtägliche Kampf mit den Folgen, die Angst vor manchen Menschen und Aufgaben, sogar vor dem Packen und Verreisen übermorgen (nach Norwegen), der Verlust von Neugier, Aufgeschlossenheit, Höflichkeit in größer werdenden Umfängen. Ich weiss um die Auslöser, nicht aber um die Ursachen. Wie konnte das Kind sich nur so ziellos gehen lassen. Ein Ziel ist das Ziel.

Was ich vermissen würde

Wenn ich nach meinem Tod befragt werden würde, was ich an meinem vergangenen Leben vermisse, fällt mir als erstes tatsächlich Sex ein. Damit hatte ich wohl am meisten zu tun. Vornehmlich der Sex mit mir. Wegen meiner vakanten und größtenteils unerfüllten Vorstellungen. Dieses Filmfoto aus 2015 und der Hitze des damaligen Spielzeitpausen-Sommers ist nur ein beispielhaftes Abbild einer großen Merkwürdigkeit, die bereits in Kindheitsjahren begann und sich seitdem bis heute in vielen Facetten entwickelte, von denen ich nicht weiss, wie ich das einschätzen oder bewerten sollte. Muss ich wahrscheinlich auch nicht, denn es war immer wahnsinnig schön.

On the bike road

Seitdem Tobi sein neues E-Bike hat und seit dem es Frühling ist, sind wir unterwegs. Das ist sehr gut, macht und hält uns fit, mindert mir den Gegenwind und lässt uns aktiver werden, der leichten Winterlethargie entfliehen und hilft uns zudem, ein bisschen mehr aus unseren Leben zu machen. In Kürze geht es nach Norwegen, eines der letzten Male mit dem T4-Bus, dem wir entwachsen sind. re:new. Neue Ideen. Vielleicht Luxusmüll mit Wohnmobil, vielleicht was ganz anderes. "Wir sind keine armen Schlucker." Vielleicht manchmal aber arm an unseren Ideen, was wir mit unserem schönen Leben anfangen können.

Weinsberg Traumata

Zuerst war es eine schöne Überlegung. Wegen der Möglichkeiten. Und der Annehmlichkeiten. Dann kamen die Zweifel. Zuerst wegen des immensen Geldaufwandes. 73.000 Euro. Geteilt durch zwei. Obwohl das Geld sogar vorhanden wäre. Die Pro & Contra Positionen duellieren sich fortlaufend, doch im Wesentlichen steht eine pure Form luxuriöser Leichtnutzbarkeit dem allem entgegen.

Mein erster VW-Bus wurde in 1993 (Europa-Tour) zur großartigen Idee für uns / mich und später in 1998 zum festen Bestandteil meiner Vorstellung von Auto, mittels dem mir alle Möglichkeiten der weltlichen Freiheit anheim gelegt werden sollten. Ein Auto, mit dem ich die Welt bereisen wie auch zum heimischen Aldi, zu Konzerten, Festivals oder spontan allein losfahren und alles Mögliche damit machen konnte. Die Weltbereisung habe ich mehrmals angetreten und bin seitdem unschlüssig über die ambivalente Schönheit dieser meiner Möglichkeiten. Darüber, wie ich (außer mit Mandy, Dorschi & Jana mit dem T3 "Munkhtenger") größtenteils allein und nicht immer so sehr sonderlich überglücklich mit dem Bus verreiste, gibt es hier in der Zehnsucht eine Reihe von Beiträgen. Hier ein paar schnell gefundene: (0) (1) (2) (3) (4) (5) (6)

Dennoch hielt ich diese Idee einer gewissen Freiheit und damit die Legitimation für einen Bus immer aufrecht. Das kam nicht von Ungefähr - schon als Kind war ich begeistert vom Barkas, den ich mir als mein eigenes kleines eigenes Universum vorstellte, das ich mir nach meinen Vorstellungen aus- und umbauen und damit unabhängig sein wollte.

Nun steht also bereits seit zweidrei Wochen diese Variante namens Weinsheim hier ins Denkhaus, wurde schon viel früher mal in der Idee überlegt und es spricht so vieles für den Moment dagegen. Dennoch können wir (Tobi und ich) von diesem Gedanken nicht lösen, auch wenn das Ding über 300 Tage im Jahr rumstehen und vergammeln wird, die Stellplätze teuer und alle anderen Urlaube (außer Ski) damit eher sogar hinfällig sein würden. Dazu kostet es die Jahresfixkosten plus Parkplatz, jeder von uns zahlt 36,5 Tausend Euro für die Anschaffung und Tobi wird immer mal wieder irgendwelche Dienste in die langen Wochenenden bekommen.

Der Mercedes hatte auch weit über 30k gekostet und steht fast immer in der Garage. So what?

P.S.: Wir haben einen "Pilote p 696 gj evidence" in Harsleben für 65.000 gefunden und uns darein verliebt; am nächsten Tag fuhren wir nochmals dorthin, um ihn genauer zu besehen und ihn vielleicht aus reinem Dunst heraus auch zu kaufen, aber da war er bereits verkauft, auch wenn uns versichert wurde, dass er: "wenn online, dann auch vorhanden", verfügbar wäre. Es stellte sich heraus, dass so ein Wohnmobil für weit über 70k verkauft werden könnte. Wurde es wahrscheinlich auch und wir hatten Pech. Naja, das ist alles wahnsinnig teuer und wir müssen uns überlegen, ob und was und wann und wie wirklich davon haben.

Und mein Herz, was dir gefällt.

Alles, alles darfst du lieben. Heinrich Heine hat's geschrieben und mir ist heute beim weiten Laufen im letzten Viertel in einem glücklichen Moment ein- und aufgefallen, dass mir alles zu Füßen liegt, ich alles für mich nutzen kann und darf. Das ist zwar nichts Neues, aber heute gab es diesen einen Moment, in welchem ich das mit felsenfester Überzeugung gespürt habe. Ein kleiner Moment des Wohlwollens, des Friedens in und mit mir. Immer ist es ist meine Konstellation und damit die Sicht auf die mich umgebenden Dinge. Nach fast 12 km langsamen Laufens lag es womöglich an dem von Ronald beschriebenen liebevollen Tunnel, der sich nach einer so langen Laufzeit auftut und die mittels ausgeschütteter Hormone die Gewissheit anheim legt, dass dieses Leben durchaus machbar ist. Und so war das heute. Und das war ziemlich gut.

Naked Bunch

Einen Haufen voller Merkwürdigkeiten habe ich tatsächlich vorzuweisen, wenn es um das Thema Sexualität geht. Womöglich hat da jede/r so seine Eigenheiten und betrachtet sie als sehr speziell, womit ich also alles als Gott- oder sonstwohergegeben nehmen könnte. Diese Amourösität entsteht manchmal in freier Natur - angefangen schon früh, damals auf Kienwerder, später mit ca. 13 dann im Boot auf der Müritz, noch später dann in Wäldern und Feldern wie heute in Hotels, auf Balkonen oder wo immer sich meine Lust ihren Weg bahnt. Und sie bahnt sich oft. Ist das was Schlimmes? Nein, sagt der Psychologe, nicht wenn es sich gut anfühlt. Besonders provozierbar aber ist sie im Hangover. Dann ist Vorsicht angeraten.

Finger am Hals

Oder: Das fortwährend merkwürdige Gespür eines unbeabsichtigten Wiesels. Eigentlich sollte heute ein Zielplanungsgespräch zwischen mir und der Geschäftsführerin stattfinden. Und auch eigentlich wusste ich nicht so recht, worüber genau. Und unsachlich, aber vorsichtig legte ich mir zuhause extra keinen Wein zu, sondern trank ausschließlich Bier in der Note, um nicht dumm zu werden und um gleich im Anschluss unter großer Anstrengung lesend im Bett zu sein.

Nach Sieben Bieren wurde und blieb ich allerdings dumm am nächsten Morgen und es fühlte sich erst so an, als wäre es besser und würde bis 14:00 Uhr im Wind verfliegen; allein das tat es nicht wie gehofft. Und allerhand Anstrengendes zu tun gab es bis dahin und noch immer wusste ich nicht, worüber wir gleich reden werden. Dann stellte sich heraus, dass es einer schriftlich verfassten Vorüberlegung bedarf, um eben jene Zielsetzungen besprechen und überlegen zu können und mir kam von schräg hinten in den Sinn, dass es so etwas schon einmal gegeben hatte: Die Anberaumung eines Gespräches ohne eben diese Grundlage, die man vergaß, mir zuzusenden. (Oder die ich kurzum übersehen oder vergessen habe.) Somit also hoben wir diesen Termin freundlich auf und ich bin mal wieder um eine unangenehme Situation herum gekommen - nämlich der, nicht ganz klar im Kopf oder bei Trost irgendetwas daherzuplaudern, was sich anfühlt wie ein Kopf-aus-der-Schlinge ziehen. Nun ist das hier kein führungsdämonisches Puppentheater, aber in aller Ehrlichkeit habe ich mir einzugestehen, dass ich durchaus auf dem kleinsten Wege des geringsten Widerstandes unterwegs bin.

Und wenn ich am Schreibtisch sitze und mit zweidrei Fingern an der linken Halsseite den Kopf aufstütze, entsteht mangels Sauerstoff superschnell ein kleines Delirium im Kopf und die rechten Fingerspitzen fangen an zu kribbeln. Hui, da kommt die kleine Panik, dass also ein x-beliebiger Verschluss in den Arterien so eine Situation ganz schnell herstellen und zum Schlaganfall führen kann. Und meine Voraussetzungen dafür sind ja nicht vollends von der Hand zu weisen.

Erster

Gegen 07:30 Uhr der Erste am Arbeitsplatz zu sein ist ein denkwürdiges Ereignis, reicht aber nur zurück bis auf die Erinnerung, dass Volker unter mir gehörigen Anteil an meiner Schlaflosigkeit hatte, wonach irgendwo vor Sechs die schwitzige Nacht endete. Es kommt wie so oft alles zusammen, wonach der Alkohol der letzten Wochen sich aus dem Körper zu schleichen versucht, während der Kopf grübelt, wie ich es beibe- und Maß halten könne. Laut Fortschrittsanzeiger und Erfahrungssensor dürfte nur totaler Verzicht wirksam sein und damit in Frage kommen.

Das "Kernstörgefühl" (hier ironisch bemüht) lungert nicht nur sehr tief sondern auch sehr lange schon verbuddelt in mir herum, so dass hier durchaus Verfärbungen in der Erinnerung zu einer noch diffuseren Sicht auf die Dinge meines Lebens führen könnten, was eine realistische Klärung unmög ... Ja. Ok. In Ordnung. Gut. Es würde schon reichen, mir mitsamt einer guten Idee etwas Sinnvolles vorzunehmen und es auch durchzuziehen. I want to kiss like lovers do. Zum Beispiel.

Im blühenden Mai

Ich warte auf den Weg hier raus. Was denn nun? Alle lächeln, einer nicht. Ich bin der eine und fahre durch die Landschaft. So wie gestern, auf dem Rad, nur nicht so weit und auf der Suche nach dem langen Deichpfad aus Richtung Plötzky bis nach Biederitz. Sogar gefunden. Sogar den Querweg zur Elbe Höhe Herrenkrug gefunden und sogar drei Kugeln Eis gegessen. Aber es wurde sogar noch schlechter mit meiner so sehr negativen Stimmung. Ich kann sogar Kieselsteine, Fliegen und jede Menge Menschen für mein Unglück verantwortlich machen.

Ursprünglich dachte ich, dass Tobi und ich losradeln, wenn Dienst, Wetter und Stimmung es zulassen und wartete auf Nachricht, die offenbar so nicht verabredet war. Erst gegen Mittag telefonierten wir und er musste auch nochmal schlafen. Also gut, dann allein los. Aber wohin? Nach links? Ich war völlig plan- und hilflos bis mir endlich dieser Deichpfad einfiel. Dennoch blieb es still in mir, auch David Grey und später Ellbow konnten nicht viel ausrichten. Auf der Herrenkrugbrücke beim Eis sah ich dann im Status von Kubon, dass Renne in Brandenburg/Plaue an der Marina war. Und Jürgen auch. Und dass gestern Abend auf dem Hof von Heiko in den Mai gefeuert wurde. Also am Feuer. Und plötzlich fühlte ich mich noch weit draußener als zuvor. Ganz allein gelassen warte ich auf die Abende mit den offenen Weinen.

Aber wie verhält es sich denn nun? Der allein will und nicht kann? Und zusammen aber auch nicht? Beim Geburtstag von Stefan Bauerschäfer kannte ich genau null Menschen außer ihn. Gut, da ist eine schnelle Flucht in Ordnung. Doch außerhalb des Bluenotebereiches wird es knapp. Oft bewundere ich das, was andere tun - ob geplant oder spontan; oftmals weiß ich nichts davon und wäre gern dabei, um nicht all zu weit danach wieder von dort weg zu wollen.

Sozialkompetenzen aufgebraucht? Immer noch Furcht betreffs vorbildlicher Selbstdarstellung nach meinen Maßgaben? Oder bin ich wahnsinnig schnell gelangweilt von, mit und bei anderen Menschen? Oder strengt es mich des Hörens wegen zu sehr an? Oder traue ich mir nichts mehr zu, weil ich dauernd mit dem Abbau von weinhaltigen Getränken beschäftigt und entsprechend platt wie wortverlegen bin? Ist es vielleicht eine Mischung aus allem? Oder einfach nur eine unkonkrete Form der Depression?

Im Mai. Im blühenden Mai. Es ist kalt und plötzlich hält die Zeit an. Ach herrjeh, ich bin zu viel von allem, was traurig macht.

27 Stunden wach

Ich möchte es noch erwähnen. Weil es speziell und ausufernd war. Zugetragen am Montag, 17. April. Nach kurzer (und unbetrunkener) Nacht morgens um Sechs raus und kurz nach Sieben im Büro. Verwunderung allenthalben. Und der große Schnupfen hielt mich im Schach. Nach einer Grundsatzkonferenz wurde mir nahe gelegt, mich zuhause auszukurieren. Mein merkwürdiges Verständnis von Auskurieren bestand in verdünntem Gewürztraminer am Abend, der mich bis zum nächsten Morgen 08:20 Uhr durch die pornografische Filmwelt begleitete. Schwer zu beschreiben und zu begreifen; der Schnupfen legte sich in der Nacht und es ging mir gut. Nach anfänglichem Nachdenken über irgendwelche Paritätischen Projekte und Kostenersparnisse begann zu der Zeit, die eigentlich das Zubettgehen einleiten sollte, der gigantische Goo, der mich also von ca. 23:00 Uhr bis zum hellerlichten Morgen bei drei Flaschen des dünnen Weines nebst 18 Zigartetten wachhalten sollte. Unklar wie das funktioniert. Die Schwulenpornos hielten mich bei Laune und erst als die Menschen zur Arbeit fuhren und es draussen leiser wurde, legte ich mich bis Mittag ins Bett. Der nächste Abend fühlte sich an wie eine permanente Einleitung von Betäubungsmnitteln, wonach ich bei den Simpsons fast im Sekundentakt wegdriftete. Um 22:00 war ich dann im Bett. Bis um Sieben. Erstaunlich, wie meine Uhr mir immer wieder vermitteln möchte, dass ich mit Alkohol viel besser und störunsgfreier zu schlafen scheine.

Die Biene II

Natürlich kehrte besagte Biene genau einen Tag später zurück, setzte sich auf die Fensterbank und versprach mir, dass ich drei Wünsche frei hätte, weil ich doch ein so guter, freundlicher und hilfsbereiter Mensch sei. Erst war ich verwundert und dachte an Märchen und Träume, aber da es wohl wahr war, dachte ich schnell nach und sprach: "Ich möchte mit meinem massiv übertriebenen Alkoholkonsum aufhören. Und dann möchte ich mich endlich den Dingen zuwenden, die ich mag und die mir gut liegen. Das wären u.a. Musik, Fotokunst, Sex. Zu guter Letzt ...", jetzt wurde es knapp, weil ich offensichtlich nie so richtig über meine Wünsche und Ziele nachgedacht hatte und wollte mir schon drei weitere Wünsche wünschen, weil wir uns das Kinder immer so zurechtgelegt hatten. Aber dann fiel es mir ein: "Ich möchte ein gutes Selbstbewusstsein haben und mein Wissen, meine Fähigkeiten, Ideen und damit mein Leben erweitern, womit ich weder Furcht noch Angst vor niemandem haben muss."

Die Biene meinte, dass ich das ja gerade noch so, aber immerhin hinbekommen habe, grinste so breit es einer Biene möglich ist, erhob sich in die Luft, sagte "Okay, es ist alles so, wie du willst. Viel Glück!" und surrte durch die nachmittägliche Sonne für immer davon.

Und da ging mir plötzlich einiges auf.

Die Biene

Eine Biene des frischen Frühlings hatte sich an meinen Oberschenkel geklammert, nachdem wir beide uns beim Fahrradfahren offensichtlich begegnet sind. Im Hausflur beim Abschliessen des Fahrrads wischte ich sie im Affekt schnell vom Bein und sie kroch auf dem Fußboden des Treppenhauses herum. Sekunden später stellte ich das Rad vorsichtig beiseite, holte eine Zeitung aus der Abfallbox, öffnete das Fenster, liess die Biene auf die Zeitung krabbeln und entließ sie in die Freiheit, in die sie sofort entflog und jetzt hoffentlich irgendwo ihr Leben lebt. Und mir kullerte eine Träne übers Gesicht. Vor Rührung und der Hoffnung, immer ein guter Mensch sein und im Frieden bleiben zu können.

Der Tod steht mir

... immer mal wieder des Nachts ins Traumhaus. Erst kokketiere ich ein wenig mit ihm, doch wenns an's Sterben geht, wird es plötzlich eng, wenn die unumkehrbare Endgültigkeit meine Angst mitsamt aller Zweifel schüren.

Mit Kubon rausche ich in großen, offenen Schüsseln rasend durch Kometennächte und fließende Landschaften und ich muss mich festhalten. Und ich muss die Jeskom-Gage (638 eur von Mandy) noch auszahlen und mich beeilen, bevor ich sterbe. Sollte ich vielleicht ein letztes Bild von mir posten, wie ich meine Einverständniserklärung für den Tod auf einer billigen Kladde unterschreibe? Die wird mir gerade auf die Rückbank irgendeinen Autos gereicht, auf welcher ich und noch weitere fröhliche Kandidaten für den Tod sitzen. Eine Art angenehme Reisegesellschaft ohne Rückkehr. (Oh, in der Zeile verrutscht. Nochmal. Meine Unterschrift sieht irgendwie anders aus. Ist das meine?) Kann ich meinen Tod vielleicht doch noch irgendwie rückgängig machen? Plötzlich - und wie in den bisherigen Träumen solcher Art auch - kommt die Panik. Das ist jetzt endgültig. Keine Erklärungen, Neuordnungen, Erklärungen mehr. Es ist fertig.

Ich schwitze sehr und gefühlt mehrere Stunden in dieser Nacht und schlafe sehr flach. Später denke ich, es wäre bald 08:00; es ist kaum 06:00 und sehr sonnig. Ich lebe. Wenn auch etwas dunstig. Aus dem Buch von Schierach von gestern Abend markierte ich einen winzigen Satz: "Sie lebte gern." Ah!

Out on a weekend

Und was für eines! Alles passte, alles war gut und ich bin eben zurück im Winckelpalais und muss es richtungsweisend vermerken. Am Freitag Rachmaninow im Opernhaus, am Samstag 56 km via Biederitz, Gerwisch, Möser und Trogbrücke bei allerbestem Frühling und einem mich weit tragenden Rückenwind. Der lange Rückweg mit einem Windschatten von Tobi und überall war es ein Leichtes für mich. Samt Sonne, samt Tobi. Abends der erste nutzlose, aber gut schmeckende Spargel. Sonntag wieder für über 50 km los auf die große Südkurve über die Dörfer bis nach Elbenau bei größtmöglichem Eis und weiterhin Sonne samt Windschatten zurück. Dann draussen sitzen, immer noch sehr angenehme Sonne, Duschen und Hühnerkeulen inklusive gesundem Reis und Linsen.

Das weissweinliche Verlangen an beiden Abenden hielt sich sogar ein wenig in Grenzen und meine jeweils besten Entscheidungen waren, zusammen ins Bett zu gehen. Ich muss das bemerken, denn allein die sonntägliche Rückfahrt hierher bei der üblichen Zigarette beließ alles in weiterhin sehr schöner, ruhiger Entspannung. Keine Schmerzen, kein Hangover, keine negativen Gedanken. So geht es sehr gut. Und das hier war schonmal eine in die Tat umgesetzte Idee, wie es gehen kann.

Frühling für alle!

Wundflucht

Ein Tag voller Erfolgserlebnisse, generiert aus der einfachen Nüchternheit (und dem, was ich bisher lieferte) - wenn auch unausgeschlafen und weiterhin ordentlich erkältet - hat mir mal wieder gezeigt, wie einfach es im Grunde ist: Alles passt, alles geht und ich gehe nach Hause mit der Gewissheit, mindestens den kommenden Tag (auch auf Anraten der Kollegen) zuhause zu verbringen. Ich kann also mehr als ausschlafen. Sagen wir (dato) bis wenigstens um 11.

Damit begann so gegen 22:00 die Wundflucht: Alkohol weitet die Gefäße, es geht mir sofort besser. Die nahezu rotzblutende Nase beruhigt sich endlich und die halbgeschlossenen Augen tränen nicht mehr. Habe noch ein wenig was in Sachen Presse vorbereitet und für morgen früh 07:30 zur (automatischen) Veröffentlichung eingeloggt, was mich also tätig erscheinen lassen wird. Und dazu über ein paar wirtschaftliche Optimierungen mit sehr schlüssigen Argumenten für den Paritätischen / die PSW nachgedacht und sie für sehr gut befunden.

Aus den wässrigen Weinauszügen sind jetzt allerdings vollständige Getränke geworden und die Zahl der Zigaretten liegt derzeit bei fast zehn. Plötzlich schaltet sich der gewohnte Goo ein und alles ist wie immer "ja nicht so schlimm". Fühlt sich genau so an wie bei meiner Corona Infektion, die ich ebenso medikamentierte, was blöderweise auch geklappt hat, auch wenn keiner weiss, ob das geholfen haben soll.

Jedoch: in Bezug auf das abzubrechende Experiment stellt das nur zwei Tage nach meinem Entschluss jedenfalls ein deutliches und vorhersehbares Versagen dar - einhergehend mit der erneut deutlichen Angst, es einfach nicht hinzubekommen. Erfolg muss belohnt werden, oder was? Wie wäre das ohne Erkältung und einzwei Tage frei? Und wie wäre es, diese einzwei möglichen freien Tage (gut bezahlt) für mich und meine Ideen zu nutzen? Ach ... gibt keine? Oh!

Im Fernsehen läuft SpaceNight. Nach und mit all der langen Zeit wie ein Garant für das ewig Gleiche.

#edit: Es ist 06:45 Uhr und ich habe mir die Nacht mit Schwulenpornos von Cadinet um die Ohren geschlagen. Merkwürdig, wie ich mit einem seltsamen Hintergrundrauschen (wie Meeresbrandung) so lange so wach bleiben und dabei Massen an enorm verdünntem Wein trinken und rauchen kann. Wüste Orgien mit Carsten und Anke habe ich mir vorgestellt und dazu noch einen Dritten, den ich nicht benennen konnte. Sex, Sex, Sex ... wenn es doch bitte nur nicht enden würde. Denn nach dem Schuss wäre alles ganz plötzlich wie immer vorbei und hätte keinen Bestand mehr. Ich bin noch nicht fertig und es ist wahnsinnig hell draussen. Keine Idee, wie ich meinen Rhythmus wiederfinden soll. Und ich bin perplex: Sowas kenne ich nur aus früheren Partys, als wir 30 oder so waren. Und ich will weiter ...

#edit2: Verdammt, es ist 08:00 Uhr, die Sonne scheint. Und nun?

Wundversorgung

Zur Ruhigstellung und Entgiftung lohnt es sich, eine periphere Versorgung sicherzustellen, die wiederum sicher stellt, dass die guten Absichten nicht gleich wieder den schlechten Eigenschaften anheim fallen. Das geht ganz gut mit einer ordentlichen Erkältung, die seit Freitag schwelt, Samstag ausbrach, über den Sonntag erstreckte und die sich nur durch den Schnupfen vom üblichen Hangover zu unterscheiden scheint. Die Nacht zum Montag erbärmlich und traumreich, die Coronatests negativ und nun sitze ich als einer der ersten des Tages kurz nach 07:00 im Büro und alle so: Nanu!

Ich versuche es also auf die belustigende Art, um dem Ganzen den Schrecken zu nehmen; wohl wissend, dass es nach all den missbräuchlichen Jahrzehnten nur den kompletten Verzicht geben kann. Ein schwer wiegendes Eingeständnis, das besonders in den Hangovern als einzige Ausfahrt mehr als deutlich wird.

Sport unfrei! Wenigstens, bis es wieder besser geht. Und noch ein wahrscheinlich nicht besonders schlauer Tipp, wenn es im Eigentlichen um die vollständige Entsagung geht: Jener leichte, feinherbe Riesling Gewürztraminer lässt sich prima mit mind 1/3 Soda versehen, bleibt somit nahezu unschädlich und schmeckt sogar ganz hilfreich gut.

Wir müssen das Experiment abbrechen

Es läuft aus dem Ruder, wir verlieren die Kontrolle, am Ende verlieren wir ihn! Weg vom Tisch, weg vom Wein, weg vom Muster, das sich eingebrannt, manifestiert hat, das aber möglich war und keine Konsequenzen zu haben schien. (Letzteres ist vage und sehr vakant.) Die allerdings stehen nun kurz bevor. Es lässt sich mit dem Klimawandel vergleichen: Seit Jahrzehnten ist es kurz immer vor 12 und dann, eines unbeholfenen Tages ist plötzlich die Zeit um und alles vorbei.

Das Experiment widmete sich der Frage, wie lange so ein Verhalten auszuhalten ist, das sich ständig intensiviert, das permanent wachsende Ausmaße annimmt und die Abstände der alkoholischen Eskapaden immer kürzer werden lässt. Der Zeitraum der Beobachtung zog sich enorm in die Länge und begann sicher nicht erst mit einer Flasche Sekt zur Fußballweltmeisterschaft 1990.

Es ist aber leider nicht mehr zu kontrollieren und selbst der Versuch, die eigens angeschafften Getränke nicht anzufassen, taugen nichts mehr. Stattdessen knüpft sich jedes mal die Angst auf die Kalendereinträge, bei denen Nüchternheit durchaus gegeben ist. Wären diese Termine nicht, könnte es längst ganz vorbei sein.

Wir müssen das Experiment abbrechen.

Immerhin

Ein auf einem Zettel aufgeschriebener Satz nach dem letzten Eintrag lautete: "Versprechen an mich: Ich werde mich nur dann selbstmorden, wenn ich vollkommen klar und nüchtern bin." Immerhin.

Sturz aus halber Höhe

Klingt wie Halt auf freier Strecke - was ein Film von Andreas Dresen ist, in dessen Verlauf ein ganz normaler Mann langsam an seinem Hirntumor verstirbt. Ein unaufhaltsames, deutlich tödliches Leiden, zu welchem ich keine bedeutungsvollen Parallelstricke knüpfen möchte. Doch mein Sturz aus halber Höhe ist typisch und ich muss es beschreiben:

Ein frühlingliches Oster-Wochenende samt Freitagsfisch und einer sonntäglichen Radtour ohne Wind aber mit Hangover, der sich so gewohnt so nach Desaster anfühlt. Immer wieder erholt es sich und mich, doch ist der Weg so weit und beschwerlich. Tobi hat ein neues E-Bike und ich gelegentlich hilfreichen Windschatten. 60 KM und die Überraschungsparty bei Norbi in Königsborn, Schnurstracksfahrt nach Reform zum Pflichtfilm "Das Leben des Brian". Immer noch hervorragend, dennoch ein wenig nachlassend, wenn man ihn mehr als zehn mal gesehen hat. Montag Osterlamm bei den Eltern und da irgendwo mittendrin muss etwas passiert sein. Ein fast unmerklicher Stimmungsknick, als ich beim Thema Handy und DSL und Vertraglichkeiten mein Wissen preisgab, dem jedoch widersprochen werden wollte. Später stellte sich heraus, dass ich richtig lag - aber das ist so hanebüchen wie sinnlos. Allein die Radfahrt zurück beim starkem Gegenwind, bergauf mit vollem Bauch und einem Tobi, der mehrfach davonstob und mich zurück ließ. Und plötzlich fiel mir Sabine ein, die mir damals erzählte, wie Marcel in derer beiden Kommunikationsackgasse mit Rad voraus ihr einfach davon fuhr und sie hinterherstrampeln ließ. Genau das Selbe passierte also gestern am Ostermontag: Ein leichte Irritation im Kommunikationsgefüge mit anschließendem "Rachefeldzug".

Am Ende lag ich am frühen Abend müde auf der Fernsehcouch und versuchte, etwas Sinnvolles zu denken, zu tun oder wenigstens im TV zu finden. Beim MDR und dem Schlager-Abschied für Jürgen Drews überkam mich fast das große Erbrechen, dem ich mit einer Dusche zu entgegnen versuchte. Es wurde schlimmer, ich begann weissen Wein zu trinken und gelangte nach sinnlosem Zappen zu Fabian und dem Gang vor die Hunde von Erich Kästner. Jetzt im Nachhinein passt der Titel perfekt. Der Gläser weissen Weines Zahl ließ sich später kaum mehr zählen, dem Film selbst konnte ich (akustisch und daraufhin inhaltlich) wenig folgen und ich verlor mich also seit frühem Abend in der mir sehr bekannten Ohnmacht: Einer Melange aus Müdigkeit, Müßigkeit, absolut keinem Plan und keiner Idee, aber zu früh und noch hell draussen, um ins Bett zu gehen. Und dann kam irgendwann die übliche Gewissheit, dass der Goo längst überschritten und jegliche andere Idee, ausser der, sofort abzubrechen und ins Bett zu gehen, sinn- und aussichtslos ist. Inklusive der absehbaren Folgen für den nächsten Tag. Und der findet gerade statt: Ich sitze in meinem Büro und überlege mir aus einem Zehnsuchtsentwurf vom Samstag, was außer dem totalen Verzicht auf Alkoholitäten zu tun sei. Hier der lose Entwurf dieser diversen Worte:

Einmal alles bitte ... meine ziellose, ewige Suche nach irgendetwas Unbekanntem wie der Glückseligkeit. Ich habe so Vieles zwar probiert und war anfangs immer sehr motiviert und kreativ, nichts davon aber schöpfte ich bis zum Ende aus, es blieben wie immer nur Versuche aus Neugier und initialisierendem Interesse. Über die Jahre hinweg wurden die Ansätze dafür allerdings schwächer. Viele mich möglicherweise interessierendeThemen scheinen probiert, für die weiteren bin ich entweder zu müde oder zu hangover oder zu beides.

Diese Haltung überträgt, integriert und manifestiert sich in meine Lebensweise - in viele meiner Aktivitäten. Die Ergebnisse sind oft schwach, oft nichtmal befriedigend; andere wiederum dann großartig und wenn's am Schönsten ist ... Es folgen Erschöpfung und Müdigkeit; im weiteren Sinn eine Art Aussichtslosigkeit, wenn ich die Theorie zugrunde lege, alle möglichen Bereiche so lange auszuprobieren, bis ich das Richtige für mich gefunden habe. Wenn Zeit, Raum und Geist zufällig zueinander passen.

"Einmal alles bitte" sollte womöglich auch als Ansatz und Aufruf dienen, wenigstens die extrem banalen Dinge der Steuererklärung und Sortierung meiner Bettwäschen als auch die möglicherweise profund wichtigen Dinge wie JESKOM endlich anzugehen und - zumindest im banalen Bereich - einmal im Ganzen und damit fertig zu machen.

Alles zuviel und nur im Ansatz hier dokumentierbar. Die massive Fülle von flüchtigen, aber sehr bedeutsam erscheinenden Gedanken hat sich noch nie bezwingen lassen, der Exorzismus namens Wein lähmt immerhin, schafft aber daraufhin um so heftiger wiederkehrende Dämonen. Die Worte werden knapp, Shane MacGowan hat sich von Johnny Depp filmportraitieren lassen: Deutlicher kann man nicht darstellen, was massiver Alkohol anzurichten in der Lage ist. Die Vorboten machen sich bei mir bereits durchaus bemerkbar.

Das ganze Desaster hat sich über Jahre generiert aus einem Kreis, der sich anfangs aus Angst vor meiner Mittelmäßigkeit, fehlendem Sebstvertrauen mit folgendem Orientierungs-, Motivations- und Handlungsverlust gebildet und den Alkohol als Medikament für den Kontrollverlust eingeladen hat. Auf den Punkt gebracht.

Dranbleiben

In dieser Woche haben meine sportlichen Ambitionen etwas gelitten. Gelaufen bin ich garnicht. Heute wäre eine gute Möglichkeit gewesen, von der mich der Dunst des gestrigen Bierweines (siehe Beispielfoto) und ein vorhergesagter Regen, der so garnicht eintraf, schändlich abhielten. Und im großen Ganzen muss ich eingestehen, dass mich eine große Furcht umgarnt, dem abendlichen Alkohol nicht richtig widerstehen zu können. Es wird knapp. Ich werde knapp.

Sozialgeplapper

Böse Headline. Bin aber auch nicht ganz so wach, wie es sich nach dieser weichen Nacht im paradiesischen Bett mit Blick auf Ruhe angefühlt hatte. Die Träume waren spezifisch und hatten allesamt mit der Gay-Massage, die mir nachher um 14:00 angedeihen wird, zu tun. Demnach war ich einen Tag zu früh und sollte in derer beiden Wohnung (Guido, André) erstmal ins Bett gehen und irgendwann morgens kam dann einer von beiden und ich dachte, das jetzt die Massage beginne. Aber es war verworren und ich immernoch einen Tag zu früh. Stattdessen klingelte Tobi irgendwann an der Tür mit der Frage, wann wir denn aus NYC(?) abreisen und ob er dann jetzt allein fahren soll. Dystopische Szenen aus Schirachs "Verbrechen", mein Schamgefühl der eingekauften "Zärtlichen Massage" wegen, die Flucht aus der Gefahr und irgendwas mit Geld.

Ein heilloses Durcheinander, in das sich noch viele weitere Szenerien einwoben. Und immer wenn ich aufwachte, war es warm und sehr weich und ich fuhr sanft an meinem Körper entlang und alles fühlte sich sehr schön an. Das unterbrach das zwar immer meinen Schlaf der ganzen Nacht, doch der Blick durch die feingewobenen Gardinen in einen dunstigen Mini-Innenhof hüllte alles in eine wohlfühlige Ruhe.

Nun sitze ich hier am zweiten Tag des Workshops der Landesverbände in Berlin Oranienburger Straße mit Leuten, die sich über die Umsetzung eines bereits beschlossenen, leicht geänderten grafischen Erscheinungsbild des Paritätischen in Sachen Logo und Schrift und Briefpapier unterhalten. Gestern waren mir die Leute alle so neu und fremd und meine Unsicherheit spielte mir gemeine Ängste zu - heute ist alles kategorisiert: Das hier ist Berlin, die Leute sind mir jetzt auch bekannter, die Angst gewichen und das ganze Unternehmen dient wahrscheinlich eher einer gemeinsamschaftlichen An- und Aussicht in Präsenz. Alle plappern irgendwas mit Komma, Kunst und Kernstörgefühl und das Ganze durcheinander, was mich ein bisschen nervt. Scheint auch alles nur teilscheinweise wichtig zu sein. Jedoch ist so ein Zustand immer noch besser als der vorherige und ich sollte nicht überheblich werden, sondern eher bedenken, auf welch schmalem Grat ich insgesamt unterwegs bin.

Hilflos ein Vogel im Wind

… der spürt, dass kein Sturm beginnt. Die Orientierungslosigkeit und Unsicherheit sind enorm. Auf dem Weg nach Berlin zu Menschen, die ich nicht kenne mit Themen, von denen ich knapp die Hälfte verstehe. Das wäre nicht das Schlimmste und eher sogar interessant, jedoch ist mein Zustand so Panne, dass ich mich vor allem und jedem fürchte. Jedes Geräusch schreckt mich halbdämmernd auf und stört, jeder Gedanke an das Leben kommt mit dem an den Tod daher. An den meinen, den meiner Eltern und den von anderen.

Mein Zustand ist mit dem von Kopenhagen in 2010 vergleichbar, als ich im Bus auf dem Parkplatz saß und mir einen „Entnehmer“ wünschte, der mich jetzt von hier hoch hinaus aus der Welt nehmen und in irgendein Zuhause schlafen legen würde. Und wenn ich aufwache, werde ich getröstet und ermutigt, motiviert und erneut auf einen diesmal besseren Weg geschickt.

Am Ende ging damals alles gut und wird es wahrscheinlich auch heute, in Allem aber steckt ein parasitärer Wurm, der mir mittlerweile die Worte stiehlt, die guten Gedanken, den Sinn und die Sicht für das Schöne nimmt und mich mit Ärger, Angst und Ziellosigkeit füttert. Sogar der Sarkasmus mag nicht mehr, wenn‘s immer das Selbe ist. Jedoch der Zug, in dem ich sitze, ist nagelneu.

edit / P.S.: Es wurde am Ende dann doch und wie immer wieder gut. Auch wenn mir in Berlin anfangs noch immer der Wind der unbeholfenen Unsicherheit ins Gesicht wehte und ich erst nach und nach wach wurde, dann aber gewissermaßen Oberhand gewann und nun im geräumigen Hotelzimmer Wein aus dem Spätverkauf trinke und mich sehr urban fühle, weil ich mich und die Stadt gemeistert habe. Naja.

B52 is over

Oft bis immer, je nach Jahreszahl bedenklich häufiger, das Gefühl eines kleinen besonderen Momentes, der nicht frei von Traurigkeit ist. Mir wäre Sentimentalität lieber. Oder Romantik. Oder reine Rührung. Silvester macht das auch oft so. Hier scheint eine Art heimlicher, interner Zähler am Werk. Dreiundfünfzig ist eine Primazahl. Und die Sonne guckt zuweilen vorbei. Gut.

Verstehen

Nja, hilft jetzt auch nicht so richtig weiter, hat aber was. Genau. Gerne.

Siehste-Tagebücher entdeckt

Dem Argwohn und der Missgunst, dem Neid, was andere besitzen oder können und der Eifersucht, dass ich nicht das mache, was andere nicht besser können und noch so vielem mehr lässt sich nicht nur nach und nach immer leichter anheim fallen, ich kann es sogar intensivieren, wenn die Stellschreckschraube des Bewusstseins sich tiefer und tiefer eingräbt, während das erschreckte Kind verwirrt diesem Unsinn zusieht und wahrscheinlich bis zum Ende dagegen ankämpfen würde, wenn es wüsste, wie.

(Shane MacGowan Doku auf arte gesehen.)

Aua

Im Bauch. Unten rechts. Es drückt. Unbekannt. Beim Trinken von Wein. Lamberti. Kam mittendrin. Beim Trinken von zuviel Wein. Den ich in dieser Menge nicht getrunken haben wollte. Zwei Flaschen. Warum? Zu spät, es zu erklären. Es tut weh. Unten rechts. Google spricht von Blind- oder anderem Darmsachen. Beim Aufschreiben wird's sachte etwas besser. Ich bin verängstigt. Zu Recht. In Allem.

deejay, deo und panik

Deejay braucht Deo. Es geht nicht mit SoCal only. Das duftet, aber schützt nicht vor old spice from Achselhöhle. Und dagegen bin ich nicht gefeit in einem Noch-Winter, in welchem ich fast immer beharrlich Fahrrad fahre ... und schwitze. Und dann schwitze ich ein bisschen wegen eines paritätischen Pressegespräches, das auf einen Tag festgelegt wurde, an dem ich bereits Urlaub hatte. Unschöne Parallelerinnerungen ans Puppenhaus. (remember: "Das sind deine Presseleute, dann sage ich dir den Urlaub ab." Und NYC hätte nie stattgefunden und ich hätte den Intendanten am liebsten getötet.) Nunja, es ist also noch immer in mir drin - das mit der Panik, etwas falsch gemacht, unterlassen oder vergessen oder schlichtweg versoffen zu haben. Das ist ja auch nicht unbelegt. Danke für meine Offenheit.

Und es klärt sich ja gerade alles und die Arbeit ist professionell. Und sehr höflich. Na bitte.

Viertelmarathon

Knapp 11 Kilometer komplett am Stück gelaufen. Ein viertel Marathon! Und alles im gelben Bereich. Ein Viertel Wein wäre auch ziemlich hilfreich. Roter Bereich! Jetzt ist es Abend und ein bisschen Erschöpfung macht sich breit. Es gibt einiges zu tun und ich muss mich sputen. Ich empfehle mir Schonung in Sachen Selbstmißbrauch. Das Wochenende steht mir vollends zur Verfügung und ich will mal sehen, ob die Vorfreude hoffentlich nicht doch wieder ein drei Tage Hangover umschlägt. Fest steht, dass es geht! In beide Richtungen. Aber nur eine ist die gute. Grüner Bereich.

Zahnbürstenglück

Es ist so einfach. Meine HappyBrush Zahnbürste verweigerte unglücklich ihren Dienst, ich aber hatte noch sieben Aufsteckbürsten übrig und wollte als sparerprobter Messi nicht alles wegwerfen, was dereinst teuer war, zumal die Bürsten nicht auf ein neueres Modell passten. Die eBay Kleinanzeigen brachten mir eine unbenutzte Version aus 2020 oder so, über die ich mich sehr freute.

Am nächsten Abend war sie kaputt und ein allgemeines Ärgernis (am besten gleich über alles) machte sich unbehaglich breit. Und blieb beharrlich heimtückisch lauernd. Dann las ich etwas über Tiefenentladung nach langem Rumliegen, wonach man sowas mindestens 48h lang aufladen sollte. Nach 24h blieb sie weiterhin stumm. Ach so, das sind keine 48h? Nach 48h ging sie plötzlich. Bis heute. Und ich war getröstet, beruhigt, fast schon glücklich. Das Leben hatte einfach wieder Sinn und alles schien möglich. 48 Stunden. Genau so lange hielt das bei mir. Die HappyBrush macht seitdem einfach ohne mich glücklich weiter.

#edit (April): Ein paar Tage später war sie plötzlich wieder kaputt. Und ich dachte über das hier Geschriebene nach und wusste nicht so recht, es einzuordnen, weil mal wieder alles zu diffus wurde. Bis ich auf die Idee kam, am Schaft der Bürste zu wackeln und zu ziehen. Tadaa: Und da ging sie wieder und mir wurde erneut klar, dass mit dem Universum etwas nicht stimmen kann. Mir inklusive.

dünn & drunk

Mein undefinierter und rein auf Gefühl basierender Trainings- und Ernährungsplan vermisst Früchte, trägt sie aber immerhin. Ich bin jetzt bei morgendlichen 81,5 Kg, bin sehr beweglich und fühle mich in meinem Körper sehr wohl. Die Hauptsache. Dann bin ich mir nicht sicher, inwiefern das Verhältnis von Laufen und Kraftsport und baldigem wieder Radfahren und der entsprechend notwendigen Nahrung ausgewogen oder überhaupt richtig ist. Anstatt mich konkret damit zu befassen, überlasse ich alles meinem Gefühl. Die Einrede besteht im Verbrennen von Fett mit gleichzeitiger Umwandlung bzw. Aufbau von Muskelmasse, wessenthalben ich also garnicht zunehmen, sondern nur "umwandeln" muss. Ob das klappt oder stimmt, weiss ich nicht. Wenigstens führe ich mir vor und nach einem Krafttraining wieder deutlich mehr Proteine und Kohlehydrate zu.

Alles in allem zwar gut für mich, aber ansonsten weiterhin sehr peinlich: Genau diese Typen habe ich verlacht und bemitleidet, wie sie schnaufend und keuchend einem drohenden Infarkt oder einsetzenden Alter zu entfliehen versuchen. Deshalb meide ich öffentliche Wege und verziehe mich an den Stadtrand, wo ich nicht gesehen werden oder von anderen Joggern gegrüßt werden muss.

Beim Lebens-Experiment Alkohol bin ich weiterhin nicht weiter. Vier kleinen Bluenote-Bieren folgen zwei kleine Rotwein zuhause und der nächste Tag ist immer noch schlimm. Ich hoffe insgeheim auf eine gewisse Altersschwäche, wonach - wie übrigens bei der Schokolade (!) - der Suchtfaktor abnimmt und der Stoff keine große Rolle mehr spielt. Bei der damaligen Schokolade, die sehr zu 95 Kg beigetragen haben dürfte, hat das aus freiem Willen geklappt. Und wenn keine da ist, macht es nichts aus. Anders beim Alkohol. Wenn mir aber 4+2 schon nicht mehr bekömmlich sind, könnte das ja auch darauf hinweisen, dass der Kopfkörper auf Reduzierung aus ist. Was mir alles in allem sehr behilflich sein dürfte. Ich träume noch ein bisschen weiter und finde wahrscheinlich heimlich die Balance, derer es bedarf, mich an der Lust zum Leben zu halten.

Aschermittwoch

Naja. Das kennen und suchen wir hier in der Zehnsucht gern. 40 Tage Wüste oder 7 Wochen ohne. Wie immer alles unbedeutend in Bezug auf das gesamte Leben, mittlerweile aber erscheint es medizinisch sinnvoll, wenigstens den kalten Entzug mal probiert zu haben.

Die Frage nach dem, was ich mir noch / weiterhin / hoffentlich / nie wieder zutraue, bedrängt mich ein etwas. So oft so viel und instabil, verunsichert und desillusioniert wabere ich schon zu lange auf flachen Wellen ohne Ufersicht. Das Universum bzw. eigentlich nur der Mensch und sein Gebaren darin sind mir zu komplex; ich fühle mich angesichts meiner unprofunden Wissens- und oft überschätzten Gefühlslage kaum in der Lage, sinnvolle Zusammenhänge oder Konstrukte herzustellen, mit und in denen ich gut leben kann. Die Vorstellung über dieses Unvermögen trinke ich vorsichtshalber beiseite, um per Teil-Ohnmacht zumindest die Gefühlswüste zu halten. Aber auch das ist lösungsverhindernder Unsinn.

So. Naja. Alle TÜVs sind erteilt - jetzt auch beim Bus. Und nun? Wenn man Zeit seines Lebens nie so recht gelernt hat, wie oder was man mittels selbst gesteckter Teilziele entdecken, entwickeln und werden möchte, weil vielleicht zudem der Mut dazu fehlte, dann kann das irgendwann eng werden. Zumindest in den vielen Vergleichen, die man besser von vornherein ausschließen sollte.

Das Leben wird beliebig. Dann wird es sentimental beim Zusehen, wie einer dem anderen über die Rolltreppe hilft, wie Kinder aus tiefster Emphatie und ohne Vorbehalt reagieren; wenn mich emotional überrumpeln lasse und dazu Nick Cave's Ghosteen spielt und mir alles in Allem klar wird, dass ich weder am Ende noch zu doof für das Leben bin. Dafür wahrscheinlich aber irgendetwas anderes. Und dann, dann wird es plötzlich doch zu Ende sein. Huch.

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010