Zehnsucht

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Ypsilon leicht negativ

Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor…
(Erich Kästner)

So durchschreite ich das Tal der Sinuskurve, den Y-Wert leicht im Minus. Noch bergab oder schon bergauf Richtung Nulldurchgang? Die X-Zeit wird es zeigen. Hoffentlich nur eine Art Dispo, aus welchem ich mich zu winden habe. Der leicht latenten Traurigkeit gesellt sich eine Form der temporären Ohnmacht und ich bin mir fast sicher, dass diese Ohnmacht zu großen Teilen aus Wein gemacht wurde und weiterhin wird.

"Das ist nicht schön, weisst du ja selber und doch nimmst du's in Kauf." (jeskom).

Alter!

In 15 Jahren soll ich das Rentenalter erreicht haben. Fünfzehn! Das ist gleich. Sitze in einer Veranstaltung zur betrieblichen Altersversorgung und kriege das kalte graue Grausen.
Jörg ist schon 60, Dorschi nächstes Jahr. Tja, was nun? Nichts. Weitersaufen? Ganz was Neues?

HaschenTassenNaschen

Was für 1 Titel. Schabernack und schwere Trunksucht treiben mich um, wobei der Schabernack so lustig garnicht ist. Ich habe beim hangovrigen Saubermachen und Zubereiten von Reis am vergangenen Sonntag das Glas Gemüsebrühe nicht folgerichtig kontrolliert, woraufhin es sich den Weg nicht aufs Board, sondern geradewegs in eine der beiden braunen Tassen suchte. Eklat! Bruchteile von Sekunden in höchster Aufregung. Jetzt passiert es! Das, was niemals passieren durfte: Die Tassen gehen kaputt. Genau 30 Jahre sind sie alt. Damals, 1993 mit Mandy in Warwick, England gekauft. Diesen beiden Tassen sind quasi das Denkmal unserer langen, gemeinsamen Zeit. Und oft dachte ich über den ideellen Wert dieser Dinger nach, zumal ich nahezu jeden Morgen aus ihnen meinen Kaffee trinke.

Beim Fallen des Gemüsebrühenglases also wollte sich anfangs all das Erlebte im SuperHighSpeed Schnelldurchlauf abspielen , aber es wurde dann doch nichts daraus. Stattdessen landete das Glas in der Tasse. Sie blieb also heile? Wirklich? Nachgesehen. Und? Ou-ha, ein Splitter oben am Rand ist abgeplatzt.

Und jetzt hole ich zum erwarteten, hoch-emotionalen TrauerAkt aus: "Es war überhaupt nicht schlimm."

Mini-Premiere

Bei Altes Land und Krabat nach einem Saubermach-Sonntag nach einem emotionalen Zweiflaschenwein-Samstag das Trinkgelände nach nur zwei Flaschen Jever pünktlich verlassen und nun nach einer massiven traumexplosiven Nacht ein wenig rammdösig, aber alkoholfrei einer mittleren Hoffnung gegenüber. Wohnzimmer, Küche, Bad glänzen - mir scheint's, als müsse ich aufräumen, sauber machen, ordnen, sortieren.

Der Winter klopft mit Herbstes Hilfe an die Türen, der Staub der heissen Tage ist gewischt und ich stelle fest, dass ich so wahnsinnig schlank und rank garnicht bin. Die Selbstüberschätzung lauert überall. Auch im Denken über das eigene Tun.

P.S.: auch das Foto lügt. Das war in Wanzleben bei einer DVK des Paritätischen. Aber so gefalle ich mir, auch wenn ich des schweren Weines vom Vorabend arg bedrängt bin.

Alkoholiker

Nach dem sehr weinreichen Filmabend gestern war heute nichts zu machen. Ich musste eine Erkältung vortäuschen und schaffte es mit Mühe, mit Jana für die IB Bank die Telefonansagen aufzunehmen. Dabei merkte ich mir selbst mein Aussehen an. Und unten schwatzten wir noch ein bisschen weiter, mir blieb weiterhin unwohl, und Jana erzählte von einem Besuch bei Kubon, der erstaunlich schön war. Und darin erzählte sie auch von der Passage, als Kubon sie fragte, warum sie denn nichtmal ein kleines Glas Wein trank und sie ließ beim Erzählen darüber kurz fallen, dass sie ihm erklärte, keinen Alkohol mehr zu trinken ... "ich hab' ihm halt erzählt, dass ich seit langem keinen Alkohol mehr trinke ... naja, ich bin Alkoholiker ..." usw.. Das fiel so nebenbei, ich registrierte das aber haargenau.

Jana bezeichnet sich selbst also als Alkoholiker. Das beschäftigte mich bis eben. Wann bezeichnet man sich als Alkoholiker? Wenn ich mich mit meinen Verhaltensweisen so betrachte, bin ich längst einer. Denn ich vermute, dass meine Schlüsselbein-OP der letzte längere Zeitraum war, in dem ich keinen Alkohol trank. Ich spreche dabei von zwei Tagen. Und der davor war meine Reha 2017 in Brandis - das waren immerhin drei Wochen ohne Alkohol mit sofortigem Rückfall danach.

Weil ich so übel Wein trinke und den Hangover von gestern jetzt bereits mit einer Flasche Wein zu trösten versuche, darf ich mir getrost sehr große Sorgen machen. Es wird Herbst und ein Jahr löst seit langem das andere in derselben Weise ab, dass ich meine Tage einfach nicht ausfüllen und mich richtig leben spüren kann. Bin ich aber klar und nüchtern, bin ich aktiv und interessiert und es freut mich so sehr. Je länger ich klar, aktiv, interessiert und erfreut bin, desto mehr ermüdet es mich und ich falle allzugern in das Desaster zurück. Die berühmte Spirale eines nahenden Unterganges.

Habe ich das schonmal hier vermerkt, dass ich dem Thema Alkohol mal einen ganzen großen Eintrag (oder eine Seite) widmen sollte? Um das mal aufzuräumen für klarere Erkenntnisse? Um es zu begreifen, woher und wie das kam, wie es sich entwickelte, was während dieser Zeit alles passierte und was daraus geworden ist?

This is going to hurt

Ich bin selten bis kein Freund von Staffeln, wie sie bspw. auf Netflix zu finden sind. Diese hier hat mich erstaunlich berührt, belustigt und mehrmals zu Tränen gerührt. Zufällig auf ZDF Neo fing an einem Sonntag Abend der erste Teil an und ich blieb hängen, weil mir der Schauspieler bekannt vorkam. Es war der neue "Q" aus den jüngeren James Bond Filmen (Ben Wishaw). In "This is going to hurt" spielt er einen schwulen Assistenzarzt auf der Kreißsaalstation eines staatlichen Londoner Krankenhauses mit permanenter Unterfinanzierung und einem meist handfesten Chaos mitsamt all der menschlichen Unzulänglichkeiten, was mich den bisher sieben Folgen ebenso angespannt folgen ließ. Am folgenden Sonntag sah ich mir die nächsten beiden Episoden an und heute die letzten drei in der Mediathek.

Kurzum: die Mischung aus Story samt Dramaturgie, hervorragenden Bildern und sehr guter Musik in der Melange aus neuem Leben (die Aufnahmen im Kreißsaal und bei den OPs sind sehr realistisch), Schuldgefühlen bei möglichem Versagen, der Umgang in der Kommunikation mit anderen Menschen (das erschien mir anfangs witzig, entpuppte sich aber als echtes Problem; denn solche, teils abwertenden und beleidigenden Alltagskommunikationen, die mehr als den Umständen der eigenen Persönlichkeit geschuldet sind, können auf Dauer nicht gut gehen) und der Liebe - in diesem Fall zu einem Mann - schaffte ein durchaus realistisches Abbild eines Lebenskonzeptes, das nicht gelingen will. Das Persönlichkeitsbild des Adam Kay (der Name der Hauptperson entspricht dem des Autors) wird zudem durch seine Eltern geprägt, die seine Art deutlich erklären.

Die imdb Beschreibung: "Die Show spielt auf der Kreißsaalstation mit all ihren lustigen und herzerfrischenden Höhepunkten, aber auch mit ihren herzzerreißenden Tiefpunkten und bietet eine brutal ehrliche Darstellung des Lebens als Assistenzarzt auf der Station." umschreibt es nur im Ansatz.

Am Ende ist ein wenig Kintopp dabei, aber das ist angesichts der gesamten Idee und filmischen Umsetzung nicht so schlimm. Und außerdem: Ben Wishaw sieht wahnsinnig gut aus. Wie überhaupt die Filmaufnahmen. Und nach der Filmmusik sollte ich mal suchen. "The Book of Love" (hier allerdings nicht von Peter Gabriel gesungen) macht am Ende den Deckel auf eine Serie, in der eigentlich alles gesagt, gezeigt und zum Schwärmen wie zum Nachdenken angeregt wurde. Fast wünschte ich mir, es gäbe keine Fortsetzung.

Komm zurecht

Sinnspruch an der Wand zur Bahnunterführung bei 176 Puls auf den letzten zwei Laufkilometern nach Hause, vorbei an der Broilerbude. Schnell noch nen halben Hahn, der Proteine wegen. Komm' zurecht. Manchmal gehts ganz gut. Dann ist es halbgewalkt und altbacken das irgendwie und ewig Selbe, das sich kaum in Worte fassen lässt. Vielleicht Lethargie, Lebenslust auf Level Null komma drei. Long Lustlos.

Seltener, aber zumindest gestern kommt er dann vorbei: der Freund von Traurigkeit. Nanu? Aber woher und warum? Aus dem Nichts, aus Allem, spontan hervorgerufen mit winzigem Auslöser. Sonntag, Tafelspitz, Eltern, laut, viel, müde aber okay. Mittwoch fahren sie zu einer Beerdigung eines Gerd, den ich wahrscheinlich nur einmal bisher gesehen habe. Am Abend dann "This is going to hurt" - eine Zufallsbekanntschaft im Fernsehen. Die ersten beiden Folgen vom letzten Sonntag waren interessant, die nächsten beiden von gestern fassten mich innerlich entweder grundlos oder aufbrechend an; es ist vage, weshalb und auch nicht wichtig. Vielleicht so:

Bei meinen Eltern wird es drumherum und überall leiser und weniger. Um mit Tante Inge ans Meer zu fahren, bräuchte man bereits einen Helfer, einen neuen Mercedes brauche man in dem Alter ja nicht mehr, von den ehemaligen Freunden von früher weiss man kaum noch etwas, auch wenn sie nichtmal gestorben sind. Es ist fast keiner mehr übrig aber alle sind lebendig.

Eine Mail. Paritätischer. Wir sollten mal einen neuen Slider ins Parität-Web einbauen und ich fühle mich ertappt, als hätte ich lange nichts getan für mein Geld, als schöbe ich alles auf lange Bänke und bekomme nichts auf die Reihe. Das entmutigt mich. Wichtig ist der Wein zum Abend. Das erschaudert mich. Politik & Gesellschaft entgleiten mir. Das ermuntert mich, nachzudenken, wohin meine Interessen geflüchtet sind.

Ein zufrühmorgendlicher Vierteltraum-Ausflug an den Rand des schwarzen tosenden Strudels, der in seiner Mitte eine große, tiefe Stille bewahrt.

Abbaden Teil II

Und gleich darauf der Sonntag nach nunmehr über zwei Flaschen weißen Weines am Abend zuvor. Zu fassen ist das kaum. Als Bestrafung gab es in Elbenau kein Eis. Dafür noch ein vorerst letztes Bad in einem See, dem ich seiner Bezeichnung zustimmen kann und mich nicht wie vor dem Neustädter fürchten muss. Sehr viel mehr bleibt mir hier nicht mehr, außer dass ich mich derzeit ziemlich langweile, das Leben betreffend. Samstag 00:30 ins Bett und 11:15 zur Sendung mit der Maus. Du meine Güte. Ein Versuch ist die unbedingte Aufgabe von Alkohol. Ganz was Neues. Die Nacht zum Montag glich einer Entgiftungsstation ohne Schlaf, aus der heraus sich jetzt aber immerhin eine sinnvolle Möglichkeit böte. Müde genug für das Unterlassen bin ich zumindest. Und ich sollte versuchen, nicht zum Zyniker zu werden. Hat Ferdinand von Schirach auch empfohlen.

Keiner da am FKK?

Die große Überlegung, an einem vollständig freien Wochenende bei schönem Wetter an den bspw. Dreetzssee zu fahren, kappte ich mit der Feststellung, dort am Abend ab 20 Uhr wohl nur den dunklen Bus samt Kerze und Wein zur Verfügung zu haben. Schlimmer noch aber war wie immer der dumpfe Beton, aus dem ich fortwährend dröhnte. So blieb ich also und fuhr radelnd durch das Land. Als Wiedergutmachung der Unmengen weißen Weines, den ich nach den Bluenoten konsumierte. Schwer angereichert mit großer sexueller Lust nebst der Gewissheit, dass sich nichts, aber auch wirklich nichts entwickeln wird, wagte ich den Blick vom Turm auf der Suche nach etwas, was sich nicht finden wird. Denn der Verstand stört dort hinein, dazu die Vernunft und auch die Erahrung, dass Sexeslust ein schlechter Begleiter ist; lässt sich doch unschwer und ungemein schnell die peinliche Gegenstimmung aufs Tableau bringen, wenn der Saft erst vergossen. Naja.

Körper, Geist und Gier und Tod

Nach dem Training gerate ich ja gern in eine Stimmung, die, hervorgerufen von den Endorphinen, eine gewisse Form von Glück generiert und suggeriert. So ein Tatendrangglück, gepaart mit euphorischen Zukunftsvisionen, die immerhin mindestens 30 Minuten andauern. So ähnlich auch heute. Aber anders: Nach drei Wochen Trainingspause hatte ich alle Gewichte um 10% reduziert - allein es half nicht viel: mein Körper rieb sich verwundert die Muskeln und ich überlegte mir den Wortwitz "Schwächeanfall beim Krafttraining", welcher bei der K2 - dem Klimmzug - dann beinahe auch eintrat, so dass ich mich ein bisschen hinsetzen musste. Mir war übel und es fühlte sich "knapp" an.

Nach dem Training also die berühmten Treppen hinunter, die es beim Einzug Halten in Doppelstufen hochzusprinten und auf der Flucht hinaus mit knapper Mühe zu bewältigen gilt. Und dann die emotionale Ausbeute. Welche halt in diesem Falle heute etwas anders war. Ich wurde ungemein friedlich, freundlich und besonnen, die Emotionen wussten nicht, ob sie Weinen oder Lachen produzieren sollten, Weinen war mir lieber. Aber nicht aus Traurigkeit, sondern an der Lust daran.

Im Ganzen war ich also schwach in den Muskeln, müde vom schweren Wein des Abends zuvor und voller sexueller Lust, die mich den ganzen Tag im Griff und Schritt hielt. (Und es ist noch nicht vorbei). Diese Mischung war es wohl, die mir den Gedanken an einen möglichen, genau jetzt eintretenden Tod sehr sympathisch machte. Wohlan denn: Den Körper ermüden, den Geist nach Liebeslust sehnen und das Herz das Projekt Leben beenden lassen. So machen wir es. (... wenn es soweit ist.)

Über die irrationalen Gedanken und Handlungen beim Auftreten von Wollust müsste ich unbedingt mal aufschreiben - insbesondere aus meiner Historie gibt es da die unglaublichsten Dinge zu berichten. Und welche Bereitschaften da plötzlich entstehen und wie ich bestimmte Andere ansehe und mir gedanklich einverleibe ...

Drei Tage am Meer und London

Sommerurlaub Teil II. Ach herrjeh. Das Boot in Kroatien wurde am Tag unserer umentschiedenen Reise auf den Darß bestätigt und kam damit zu spät. Bei Schimmels in Wustrow war's hübsch, die Ostsee nahm mich wohlig auf. Anbaden am 01. und Abbaden am 02. September. Das war die ganze Ausbeute in diesem Jahr? Schlimm. Außerdem saß ich auch nicht auf einer Bank und schrieb wenigstens ein Gedicht. Seit Sonntag sind wir wieder hier und ich jeweils spätbetrunken. Zumindest schlafe ich so vollständig durch, wohl wissend, dass das alles übel ist.

Übel ist auch, wenn ich in der Zehnsucht nach "London" oder nochmal "London" suche und entsprechende Einträge finde, aufgrund derer es hier nichts weiter zu vermerken gibt, ausser der wehleidigen Feststellung, dass sich irgendwie nichts daran geändert zu haben scheint. Oder?

Morgen fahren wir nach London und müssen gut aufpassen, genügend USB Stecker dabei zu haben. Und dann ist der Urlaub rum und ich denke an Dirk Wellborns FB Eintrag "Mein letzter Drink vor 15 Jahren" und in mir schreit alles laut "JA".

Was soll nur werden?

Morgen ist Urlaub. Aber wohin? Zwei Wochen voller Möglichkeiten und keiner Ideen. Vielleicht fällt uns noch was ein. Mir fällt im Moment garnichts ein. Mir fällt nur auf, dass ich platt bin. Vom Wein zu viel dem weissen, von heissen Sonnentagen, von Knäcke und Erdnüssen, von leicht latenter Elendigkeit gepaart mit der Angst vor gesundheitlichen Konsequenzen. Stille im Kopf und auf der Gitarre, ungeschriebene Songs, keine Neuigkeiten, keine Ideen, kein Interesse. Lesen könnte man stattdessen. Oder früh zu Bett gehen.

Müde, Geld und Herzinfarkt

Ich bin müde, weil ich um Sechs aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte. Ein Glück, denn kurz nach Sieben rasenmähte irgendwas mit Idiot auf dem Minigras im Hof gegenüber. Die Zeitung interviewte Stoppok, der einen Herzinfarkt hinter sich und Glück hatte, weil seine Frau ihn zum Arzt trieb. So wie Niedecken mit seinem Schlaganfall 2011. Seitdem trinkt Stoppok nur noch sehr wenig Alkohol und will sich dem Sport widmen. Und ich vergleiche mich und mein Konstrukt ständig mit solchen Leuten. Und kann nicht schlafen, wenn ich zu wenig Alkohol getrunken habe. Auch habe ich keine Leute um mich herum, die mich zur Notaufnahme brächten, wenn es denn zum Infarkt oder Schlaganfall oder Ähnlichem käme. Es sei denn, am Wochenende bei Tobi. So fürchte ich weiter um mein Alleinstellungsmerkmal und ärgere mich über's Geld. Ein Bier, dass ich gestern zu viel bezahlte und eine Steuererklärung, die sich mir wie im letzten Jahr nicht erklären lassen will. Wonach ich also 5.000 mit 2und40 einnahm, nach den Betriebsausgaben sogar einen Verlust von 2.400 EUR zu verzeichnen und daraufhin 1.100 EUR Steuern nachzuzahlen haben werde. Wo ist da der Sinn? Oder der Fehler? Der Steuerberater kostet auch nochmal 1.500. Keiner weiß es und ich bin betrübt dessenthalben, ebenso auch, dass ich es des schnöden Mammons wegen überhaupt bin. Es ist noch Geld da. Leben bislang auch. Trotz Müde und anderer Leute Herzinfarkte. Trägt Alkohol zur Gefäßverengung bei? Naja.

Offensichtlich fahren wir auf kroatischem Boot zum dritten Nochmal durch die Adria. Aller guten Dinge. Wäre ich auch gern wieder. Kommt bestimmt. Bald.

Kurzwelle und drei Sonnenblumen

Kurzwelle meint, ich kann und konnte es offensichtlich auch noch nie, das Konstrukt namens Leben, das mich umgibt, zu beschreiben. Selbst wenn ich es wollte und ich mich abmühte, es so weit wie möglich zu entschlacken und auf den Punkt zu bringen ... es führte selten ein Weg so weit nach draussen, um dort auf das blicken zu können, was ich bin und mich trägt. Oder weiter verwirrt. Dann bezeichne ich es als Ausrede, wenn ich mich der Mühe wegen nicht traue. Dann verloddere ich ziellos meine Zeit, weil es mich und mein Leben mehr und mehr ängstigt, zu sein. Und dann wird aus dem langen Arm der versuchten Denkansätze nur noch ein mittlerer, eine Mittelwelle - nicht wegen einer möglich stattgefunden habenden Entwirrung, eher einer gefühlten Aussichtslosigkeit wegen, dich mich wiederum weiter in den Strudel der Umnachtung treibt. Mittlerweile sind die Gedanken auf Kurzwelle, die einen Radiosender zwar weit senden, ansonsten aber unberechenbar labil werden und nicht viel übrig lassen. Das macht alles nicht nur schwer, sondern unmöglich.

Und die drei Sonnenblumen hätte ich pflücken sollen auf dem Weg nach Wolmirstedt zu den Geburtstagen von Steffen, Uwe und Elena. Als Zeichen der Freude, des Lichts, der Gesinnung. Tob sieht das anders - dass die nämlich allesamt verblüht waren und es sowieso Unsinn wäre. Meine Augen sahen aber durchaus einige der sonnigen Blumen, mit denen es möglich gewesen wäre und ich ärgere mich, es nicht einfach getan zu haben. Statt dessen bekommen die Kinder als Geschenk Geld aufs Konto und ein Großteil der Gespräche landet gefühlt zwischen Irgend und Etwas, bevor sie abrupt unterbrochen werden oder einfach enden.

Romantik Null Null. Wir fahren am Sonntag in irgendeinen Urlaub. Mal sehen. Dietmar Ex Hörold liegt auf dem Westfriedhof, ziemlich weit hinten auf einem Naturgrabfeld mit der Nummer 102, kurz vor einem Baum. Es war nicht leicht und ich betrunken vom Abend zuvor. Mit kleiner Angst, Dieterloo Bach wiederzusehen. Er ist enorm weiss im Gesicht. Mondmann. Wir alle altern. Unsere Blicke sind uns nichtmal begegnet. Gut und dann ist es so.

German Angst (Gastbeitrag)

Manchen Menschen fürchten sich vor Spinnen. Anderen wird schwindelig, wenn sie auf der Dachterrasse eines Hochhauses stehen und gen Straße blicken. Angst hat jeder Mensch, das ist ganz normal. Auch einschneidende politische oder gesellschaftliche Geschehnisse können Menschen ängstigen: Momentan zählen hierzu zum Beispiel der Krieg in der Ukraine, die Corona-Pandemie und der Klimawandel.

Den Deutschen wird nachgesagt, auf solche Ereignisse besonders furchtsam zu reagieren und nur zögerlich zu handeln. Im englischsprachigen Ausland existiert für diese angeblich typisch deutsche Eigenschaft ein eigener Begriff: die German Angst, also die deutsche Furcht. „Unter German Angst verstehen wir eine Mischung aus Mutlosigkeit und Zögerlichkeit, gepaart mit Zukunftsängsten und einem extremen Sicherheitsbedürfnis“, lautet die Definition der Journalistin Sabine Bode, Autorin des Buches „Kriegsspuren. Die Deutsche Krankheit German Angst“.

(Gastbeitrag Ende) Diese Definition trifft - mal ausgenommen der Kriegsspuren - auch sehr gut auf mich selbst in vielen meiner Ansichten zu. Mein "Get real" ist ganz sicher sehr davon beeinflusst. Und Angst war schon immer ein großes, latentes Thema für mich, ohne es genau benennen, beschreiben zu können. Was mich an Vielem, wenn nicht gar Allem gehindert hat.

Spontane Euphorie

Erstaunlich und sehr plötzlich ungefähr in der Mitte des Friedhofes beim Hören von Kunzes "Können vor Lachen" tat sich in mir ein Sanftmut auf, eine Form von Fröhlichkeit mitsamt eines allumfassenden Blickes auf mich und die restlichen Menschen. Ich war niemandem böse oder gram, nichtmal mir selbst; kein Vogel zu laut, kein Hund zu kläffend, kein Stein auf dem Weg, frischer Wind von vorn. Und das nach dem gestrig üblichen Unfug mit Weinladen und Restwein zuhause für schlimmen, stummen Tadel den ganzen Tag

Vielleicht war es das Laufen selbst, das mir gut von der Hand ging (jaja!), dazu die Musik, der ich sehr genau lauschte - ich war tatsächlich richtig aufmerksam und wollte wissen, wie es instrumentiert ist, was er wie singt. Womöglich auch, weil mir im Vorfeld selbst etwas Musikalisches gelungen ist, von dem ich glaube, dass so eine Richtung gut ist.

Und am Ende war es der erfrischende Wind von vorn und eine unerklärliche Hoffnung, dass so ein Zustand also möglich und wiederherstellbar ist. Genau das möchte ich, das ist ein erklärtes Ziel. Wichtig ist auch einen halben Broiler in Aussicht und Kuchen im Kühlschrank zu haben.

Herz zum Hals und Knick im Glück

In der Nacht unterm Dach klopfte mir das Herz bis zum Hals und ich wollte so breit wie möglich ausgestreckt liegen. Eine wahrscheinlich körperliche Reaktion auf die unsachliche Melange aus Saufen & Sport der letzten (vielen) Wochen. Und so war heute - wie gestern Abend - ein bisschen der Wurm in unserem Glücksgefüge. Diese Würmer mag ich nicht, denn sie verursachen langes Schweigen, aus welchem zaghafte Kommunikationsversuche schnell ins Leere oder gegen die Wand laufen und mich manchmal unsachlich aggressiv werden lassen.

Und nun muss ich mir Fragen stellen: Die Verhältnisse zwischen Ursache, Vermittlung und Wirkung sind mir aus dem Elektromaschinenbau bestens bekannt. Die Vermittlung ist der Wein, der leider nicht reiner Natur zum sinnvollen Einschenken geeignet ist; die Wirkung wurde eben beschrieben und äussert sich in Unmut, Ungeduld und Unwohlsein. Alles "un". Unmöglich kommt hinzu, denn ich warte dann auf irgendetwas, das von außen den Knoten löst und uns gemeinsam einer besseren Situation wie auch Zukunft zuführt. Ich vermute mich bei solchen Situationen oft als als Urheber, Verursacher solcher Stimmungen, bei der eine gelangweilte Gereiztheit in der Luft liegt und sich einfach nichts Schönes entwickeln will. WAS wäre denn schön? Und WAS bedarf es, das zu tun? WOOP! Das hatte ich bereits versucht, zusammenzufassen. Von allein kommt es nicht und das bringt mich auf die ganz nach hinten geschobene Frage nach der Ursache, die ebenfalls im zusammenfassenden Link zu beschreiben versucht wurde.

So! Da haste! Getrunken habe ich immer schon und fast immer zu viel. Und wenn ich auf mein Leben im Ganzen blicke, muss ich wiederholt feststellen, dass von 10 möglichen Punkten der Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Neugier auf das Jetzt und die Zukunft kaum mehr 5 erreicht sind. Diese Ansicht und Einschätzung ändert sich immer mal wieder; es ist ja auch viel zu komplex, alle Bestandteile einzuschätzen und während dieser Einschätzung objektiv zu bleiben. Naja, das erledigt sich ja dann fast von selbst.

Kurzum. UVW. Ursache = Unzufriedenheit, Ziellosigkeit, Langeweile. Vermittlung = viel Alkohol. Wirkung = widerlicher Hangover und Unlösbarkeit der Ursachen wegen Denk- und Tatenschwäche mit erneuter Unzufriedenheit. Nochmal: So!

Tobias arbeitet vollständig und manchmal auch heftig durch die Nacht und genießt dann gern seine "Ruhe" bei Netflix-Müll, während es mich, schwer ausgeruht, nach Taten drängt. Aber welche? Doch auch ausgeruht ist Tobi eher gemäßigt unterwegs, sieht keine Notwendigkeit, nachts am Meer zu sitzen, sich zu Anderen zu gesellen oder Unsinn zu machen. Kurze Wochenenden wie auch dieses hier sind wir zwar willkommen, aber viel besser kann ich es allein ja auch bloß nicht. "Der allein will und nicht kann"? Siehe diese romantischen Vorstellungen von Spielzeitpausen im Wald am See mit mir allein, um unbeobachtet das in mir finden, was ich zu meinem besten Kumpel erklären kann, um mich gut gewappnet in das Abenteuer namens Leben zu stürzen. Hach wie schön. Letztes Mal: So!

Nichts versucht und versagt

... und es tagt und kein Ziel weit und breit. Wohin auch? Es ist schwer, das alles, was mich derzeit umgibt, in Worte zu fassen. Es rast alles an mir vorbei, statt durch mich hindurch. In meinen Jeskom-Songs habe ich im Grunde alles erklärt, worum es bei mir geht. Oder was nicht geht. Mehr braucht es für meine Selbsterklärung nicht. Mein ganzes Gedankenkonstrukt ist unheimlich komplex, dabei aber nicht tief gehend. Es wabert alles an der Oberfläche herum. Nichts hat wirklich Bestand. Außer einer tief sitzenden Hoffnung, dass dieses mein Leben im Kontext zu dieser Welt, in der ich lebe, halbwegs vereinbar sein könnte. Muss.

Ich bin viel zu oft ab 21 Uhr++ betrunken, viel zu oft nächsten Tags desillusioniert, weil die logische Folge nichts anderes zulässt und fülle derweil meine To-Do-Listen mit verheissungsvollen Aufgaben, die zu lösen mir nur sehr langsam und ermüdend unbeholfen gelingen. Auch das ist ja nicht neu. Schönes Beispiel > und noch eins. (Mindestens)

Mir fehlen Ziele und damit die Ideen, etwas zu tun, was mich interessieren und im besseren Fall begeistern könnte. In solchen Stimmungen schweren Mutes bin ich sehr schnell unsachlich und (ab)wertend, bewundere und verfluche andere, denen ich beim Gestalten ihres Lebens zusehe. Mir scheint oft, dass ich über überhaupt kein richtiges Wissen verfüge; ich übe mich im Mitleid eines selbst deklarierten Mittelmaßes. So muss es vielen Trinkern gehen, die nicht dumm, aber verloren sind.

Mein erbärmliches Erscheinen beim Paritätischen heute hätte ich als Geschäftsführer zum Anlass genommen, mich ins Gebet zu nehmen und meine Ausrede, dass gestern ein Bandmitglied der Bluesjackets "Ex" gerade verstorben ist, woraufhin ich deshalb ein bisschen betrunken bin (was nicht so ganz stimmt, denn ich wäre auch so betrunken gewesen) nicht gelten lassen, sondern mir eine deutliche Handlungsanweisung auf den Weg gegeben. Das weiche Bett des Paritätischen (wie Mittel es ungefähr ausdrückte) ist sehr freundlich, höflich, tolerierend ...

Es ist wirklich sehr komplex, was meine Gedanken, Vorstellungen und merklich wachsenden Unfähigkeiten betrifft: Ich denke alles in kurzer Folge hintereinander, kann es kaum sortieren und hoffe, das hier mal genau so aufschreiben zu können, um ein bisschen später festzustellen, dass ich das womöglich längst getan habe. Da ich davon ausgehe, dass ich nach meinem Tod von diesen Aufzeichnungen der Zehnsucht nicht viel haben werde, wäre es vielleicht gut, mal einen psychologisch geschulten Ghostwriter dranzusetzen, der (die) das hier alles mal zusammenfasst. Habe ich ja selbst schon ein paar mal probiert. Im Falle größerer Angst vor Menschen wäre auch der Einsatz von Applikationen künstlicher Intelligenz überlegbar. Cool: Psycho-KI vs01. Oder es mal im Ganzen und in großer Ruhe fernab von Allem zu lesen. Inklusive der Mapplethorpe Bücher und der "Kreise".

Habe ich jetzt eigentlich aufgeschrieben, was ich sagen wollte, oder habe ich mich erneut verlaufen?

Ein halb gekochtes Ei

"Ich hätte gern für mich und meine Partnerin ein halb gekochtes Ei." So oder ähnlich drückte es Ex, aka Dietmar Hörold zur mitternächtlichen Stunde einer verblüfften Bedienung aus, als er mit Jana Perleberg während einer kurzen Rast der Bluesjackets aus wahrscheinlich Ribnitz-Damgarten heimwärts in einer Autobahn-Raststätte einkehrte. Vielleicht irgendwann 1995/96.

Am 20. Mai 2022 spielten wir ein letztes gemeinsames Set der (1) Bluesjackets (2) Blues Jackets mit Ex im Wasserturm in Magdeburg. An diesem Abend legte er nach der Show seinen roten Schal fein säuberlich zusammengelegt zwischen mir und Kubon auf den Tisch, um seinen deutlichen Abschied zu proklamieren.

Und jetzt ist er gestorben. Eingeschlafen im Hospiz in Magdeburg am 31. Juli 2023 kurz vor 15 Uhr an einem verregneten Montag. Seine Freundin per WhatsApp: "Dietmar ist heute kurz vor 15 Uhr eingeschlafen und dann schien die Sonne."

Das Foto mit dem ausgegrauten Dietmar ist nur der Anfang. Kawa war noch früher dran, auch wenn er lange nicht mehr dabei, so aber doch einer der ganz Großen in dieser Band (und mein ebenso großer Freund) war. Weitere werden folgen. Das ist immerhin sicher.

Adieu Dietmar "Ex" Hörold.

Schöner Ausflug

War kurz, war der Hammer, war bemerkenswert, war wichtig ... war schnell zu Ende. Noch am selben Abend und immer noch müde ein Großes und vier Kleine mit Daniel im Bluenote, anschließend zuhause ein fast volle Flasche des letzten leichten Weines geleert und weil es nicht genug war, die zwei kleinen sinnlosen Mini-Spaßmacher von Sigi geschossen, die sich als 40%-Dreck herausstellten und mir den heutigen Tag schwer machten. Und gerade zurück aus dem Sechs-Jever-Donnerstag mit Dampfer von Gerry Fuchs trinke ich den extra(!) vorher noch aus dem Naturata gekauften bioveganen Weißwein, während ich das hier schreibe.

Samstag bin ich wieder hier und wie in letzter Zeit oft stellt sich eine Art Vorfreude ein, von der ich realistisch betrachtet, nicht viel erwarte, weil ich am Sontag bestimmt dann wieder zu breit sein werde für alles, was "vielleicht" möglich gewesen hätte sein können. Und es macht mir Bedenken, dass ich mich auf "kurze" Wochenenden mit Tobi freue. Was ist da los? Was stimmt da nicht? Zwar ist Tobi derzeit ein wenig eingeschränkt wegen seiner Weisheitszahn-OP, aber das hat ja nichts mit uns beiden und unserer Liebe zu tun oder? Und das Gefühl ist ja nicht neu, mich über ein verkürztes oder gar freies Wochenende zu freuen. Es bedarf zumindest ersteinmal hier einer Erklärung. Es passiert alles in Allem zur Zeit nicht mehr so viel, zusammen wie auch allein und ich bin besorgt.

Nach all der Zeit

... ist es mir am Vorabend gelungen, nach einem Bier und einem kleinen, dünnen Wein mit insgesamt drei Zigaretten das Schlachtfeld zur richtigen Zeit zu verlassen. Um zu lesen, sehr müde zu werden und dann doch nicht sonderlich gut schlafen zu können. Ich nenne es Entgiftung. Sowas kennt mein Organismus seit vielen Wochen nicht mehr. Mit Ausnahme der Müdigkeit hat sich dieser Ausflug allerdings sehr gelohnt: Stimmung wie auch meine Sichtweisen auf alles mich Umgebende sind sofort durchweg positiv. Das ging ja schnell. Und so einfach.

Erst dachte ich, dass die Zeit der Corona das Ganze alkoholische Desaster seit 2020 mit auf den Weg gebracht hat. Dann aber fiel mir ein, dass es schon immer so und immer mal wieder so sehr grenzwertig war. Phasen vermehrten und stark übertriebenen Konsums teilten sich mein Leben mit den restlichen, freien und also nüchternen Zuständen (bzw. ohne Hangover - denn tasgüber betrunken ging bisher und zum Glück niemals). Auch körperlich fühlt sich alles gleich ein bisschen schöner an, was aber auch dem beibehaltenen Training zu verdanken ist.

Ich wünschte mir wieder viel mehr diesen viel freieren Raumes, um zu überlegen, was ich denn weiters mit meinem schönen Leben anzufangen gedenken. Vielleicht es es gerade die Angst vor genau dieser Überlegung. Vielleicht irgendwas anderes. Vielleicht belanglos oder höchst dramatisch. Zumindest nicht sonderlich stabil und damit wie immer. Nichts Neues.

Nur eine Phase, Hase

Der Film eben war einer von denen, die ein bisschen hanebüchen daherkommen, immerhin jedoch das Thema der 50jährigen angesprochen hat, wonach im Leben immer mal wieder so ein alles in Frage stellender Moment kommt. Eine jener Phasen, die mir nicht neu sind, jedoch ändert sich der Umgang mit solchen Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem Rest namens Mensch darin mit all seinen begrenzten Fähigkeiten.

Dass ich soviel trinke, ist jedenfalls ein deutlicher Hinweis darauf, dass irgendetwas nicht stimmt. Um "to get real", bedarf es wahrscheinlich garnicht mal so vieler Gedanken; allein ich werde es müde. Soll ich wieder nach Dänemark an den verlassenen Strand fahren und meine Ziele neu überlegen? Ich habe keine. Soll ich irgendwas Schönes kaputt machen, wovon ich weiß, dass es nicht helfen wird? Oder einen Psychologen aufsuchen? Hat schonmal überhaupt nicht geklappt. Mich in übermäßigen Sport stürzen? Beste Symptome für eine erneute Midlife-Crisis. Wahrscheinlich die Einundzwanzigste seitdem ich 16 Jahre alt wurde. Und 53 ist wie immer wahrscheinlich nicht der Punkt, eher meine Sicht auf die Dinge. Wie Stoppok bereits feststellte. Oder meine Intelligenz.

Am Samstag waren Tobi und ich auf dem Glacie-Festival und es fühlte sich oll für mich an. Lost. Ich kenne nahezu niemanden und frage mich, wo die alle herkommen. (hier: schönes Parallelbeispiel) Wo sind und was machen diese Leute sonst? Sie sehen entspannt aus, sind jung und frei. Und ich fühle mich verloren. Keinerlei Blick für irgendwas Schönes (mit Ausnahme von Nils Keppel, mir als very young & sexy New Nick Cave vorkam). Ansonsten nichts, was mich auch nur im Kleinsten begeistern oder wenigstens interessieren würde. So wie zwei (?) Jahre zuvor schon einmal. So wie auf Luhmühlens "A summer's Tale" Festival. Allein, unbeholfen, unsicher und nicht so richtig wissend, was ich da soll oder warum ich da hingefahren bin. Ein Experiment? Ein Versuch von Leben? Berühmte Stars fotografieren, deren Songs ich nichtmal kenne? Später mit diesen Fotos angeben? Versuchte Aufwertung?

Nach dem Glacie fuhr Tobi nach Hause und ich zu Heikos pre60. Auch dort war ich müde, still und nicht sonderlich interessiert an allem. So wie im Bluenote in der Woche zuvor (und der zuvor zuvor), als ich versuchte, dem Geschehen etwas abzugewinnen und die Zeit mit Alkohol zu überbrücken, währenddessen es wahrscheinlich um Salate, Eierlikör, Durchschlafen oder Blumen auf dem Balkon ging. Zwei Bier später fuhr ich zu Tobi und setzte mich zu ihm in den Pool. Der bereits halb leeren Flasche Bachus folgte noch ein Riesling, deren größeren Teil ich dann allein austrank und der Sonntag fühlte sich erneut wie ein Todesurteil an. Um am selben Abend die von Sigi und Michi geschenkte Flasche kroatischen Wein nebst dem "leichten" Gewürztraminer auszutrinken und heute = Montag MobileOffice aus Gründen zu begehen. Zum Glück kann ich das so deichseln (fragt sich, wie lange ich das so wie jetzt noch kaschieren kann - die Argumente werden sachte knapp und unwahrscheinlicher), aber von oben betrachtet ist es ein schwerer Schadensfall. Eine Phase? Bitte ja, denn die könnte ja auch wieder aufhören.

Und so ein etwas schwacher Film wie heute hat mich immerhin dazu gebracht, das hier aufzuschreiben. Denn es ist in Zuständen wie dem meinen aktuellen wirklich ziemlich schwierig, meine Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben. Weil mir die Worte fehlen, weil ich eine vage Form von Verlust begreife, an dessen Ursache durch die massiven Symptome schwerlich zu gelangen ist.

Röchelndes Rasseln

Des Menschen Selbsttäuschung muss für Aussenstehende ein allenfalls kurzzeitig amüsanter Zirkus sein. Dieser deutliche Unsinn, dessen zum Teil fatalen Auswirkungen mit fadenscheinigen Argumenten zu entgegnen versucht wird, schwebt so offensichtlich über allem, dass sich sehr schnell neue Ablenkung gesucht wird, damit für den Moment keine Zeit zum weiteren Darübernachdenken bleibt.

Mir kratzt die Zunge, wundgeschlagen von Rauch und Alkohol, mir rasselt die Lunge, mir beben die Hände - es wabert der Kreislauf, der Wein schmeckt nicht mehr. Halt! Stop! Was? Der Wein schmeckt nicht mehr? Dann nutzen Sie es weise aus, teurer Freund! Und zwar sofort. Nach einer unterzuckerndes Radtour gestern hielt ich an der Sternbrücke für ein großes und unbedingtes Eis an. Und in genau diesem Moment stellte ich mir vor, dass ich jetzt sofort und auf Zeit meines Lebens wählen müsste zwischen Eis und Bier. Das war leicht, aber auch einigermaßen Quatsch. Genau so einer, wie die obene beschriebene Selbsttäuschung, den selbstvergewaltigenden Umgang mit mir durch massiven Sport wieder ausgleichen zu können. Das sind enorme Doppelbelastungen fürs Herz. Und auch für's Gemüt.

Kurzum: es brennt, röchelt, wackelt und ich weiss noch nicht, ob sich erst die Speiseröhre, Zunge, Kehlkopf oder die Bauchspeicheldrüse oder ganz woanders die Prostata mit einem sehr unsachlichen Geschwür dessenthalben zu Wort melden wird. Diese Angst ist durchaus berechtigt.

Wein Micha Cohnert

Spätestens seit der Corona Pandemie ab Anfang 2020 und dem Zeitpunkt, an welchem wir bei Micha im Weinladen die Überwachungskameras installiert haben, verleitet es mich immer wieder mal, heimlich per App bei ihm nachzusehen. Sowas sollte man nicht tun und anfangs war es ja auch nur gedacht, um zu sehen, ob noch jemand da ist und ich eventuell auf einen Drink gehen könnte. Es wurde zur Gewohnheit (ohne dorthin zu gehen) und fast jedes Mal sehe ich Micha vor der Tür zum Garten allein sitzen um auf seinem Smartphone die Dinge der Welt zu besehen. Derzeit vornehmlich Nachrichten und Dokus über den Russlandkrieg und Putin. Vorher ging es um die Themen Corona, Querdenker, Politik.

Er tat mir fast leid, ihn dort nahezu immer allein die Stunden nach Schliessung des Ladens um 19 Uhr bis mindestens zur Mitternacht zu verbringen und meine Meinung über ihn wollte sich damit immer wieder bestätigen, wonach er einfach nicht der Typ ist, der einen Laden wie diesen zu einem lebendigen Ort werden zu lassen. Und es wunderte mich immer wieder, wie er diese Weinhandlung "wein39108" noch immer halten kann.

Unser Kennenlernen verorte ich auf einer Party in Menz, die schon sehr lange her sein muss und er sich als Techniker von Rendezvous No. 5 erklärte und mich fragte, ob ich wohl eine "Schaltberechtigung" für den Ton-Mixer hätte, als ich Haralds Piano beim Stadtgeflüster-Konzert aufpeppen wollte. Egal, das lässt sich rausfinden. Am nächsten Tag jedenfalls fuhr Mandy den Bus nach Hause, während ich hinten weiter schlief. Damals erschien er mir (wie heute) als verwässerter Typ, dem man keinen Charakter anheim legen kann.

So sitzt er also täglich dort vor seinem Handy, bis ihn die Nacht überfällt und kommt offensichtlich nicht weiter. Im Laden wie im Leben. Und jetzt aber kommt's: Aus meinem Mitleid wurde eine erschreckende Gewissheit: Ich mache es ja nicht anders. Nur dass ich zuhause und auf einer Couch so wie jetzt sitze, Wein in mich rein und den Fernseher laufen lasse. Und ich komme auch nicht weiter. So hat also jeder sein eigenes Dilemma.

Nur habe ich enormes Glück und muss mich nicht mehr ständig um meine Wirtschaftlichkeit kümmern. Es ist sogar enorm weich und nahezu unverantwortlich, wie ich meine Situation ausnutze. Das aber wird auch kein gutes Ende nehmen, wenn ich so weiter mache.

Standing

Nach sportlichem Tag und mehreren enormüberfüllten Nächten jetzt so hier: Halb Neun TV an, später "Der Rausch" auf arte bei gleichzeitiger Vorahnung und späterer Gewissheit, was die Dramaturgie dieses Filmes als Konsequenz folgerichtig vorgesehen hat. Derweil solidarisch mitgespielt, allerdings als Einzelsäufer. Sowas kann also nicht gut gehen. Dennoch einen Liter billigen Italoweines mit anschließender Beendigung des halbtrockenen Franzosen verkonsumiert. Was aber nicht ausreichte und der leichte, fast leere Riesling-Gewürztraminer meinem erstaunten Blick heute "früh" um 12:00 Uhr standhielt. Das mag ich nicht zusammenrechnen. Die IT im Parihaus ist heute auf Wanderschaft; so ist alles möglich. Und unmöglich zugleich.

Trip on Tour und Emo-Slots

Ich habe offensichtlich Bedarf an Trost und mehr noch an Bewegung, wenn im Fernsehen ein Hamburg Staffel-Triathlon läuft und ich beim Zieleinlauf der deutschen Läuferin so sehr voller Emotionen bin, dass es mich schier wegreisst. Das war neulich schon so, als der Baggerfahrer unten auf der Straße ein Kind vorbeilaufender Fußgänger auf seinen Schoß nahm, damit es mit der Schaufel ein paar Runde baggern konnte. "So sollten Menschen sein", durchfuhr es mich und ließ mich kurz sehr emotional werden. Das gestrige Konzert vom Boss (Springsteen) wurde vorhin kurz auf Facebook dokumentiert und als die Menge mitsang, erlag ich bereits wieder einem traurigen Moment, nicht dabei gewesen zu sein- auch weil ich die Musik garnicht so sehr kenne und schon deshalb nicht hingefahren wäre. Aber diese jeweiligen Momente machen mir sehr deutlich klar, dass hier weiterhin Defizite vorliegen. Das hatte ich gestern bereits erneut aufs Tableau gebracht und natürlich endete gestern so wie es nicht anders zu erwarten war.

Deshalb heute dennoch Aufbringen allen Willens und 30 km auf dem Rad mit anschließendem Krafttraining und zuhause einem großen analbegleiteten Orgasmus. Zum Radfahren: Mit Billie Eilish auf den letzten Kilometern an der Elbe lang mit hell-dunkel Wegen und gefühlt abfallendem Puls fühlte es sich an wie Wegtreten. Bei sowas leuchten immer ein paar kleine Alarmglocken, aber schön ist es dennoch. Wie bei einer zu wirken beginnenden Narkose. Propofol für alle! Kann ja nicht jedes Mal zwei Flaschen Wein trinken, um so drauf zu sein. Kann überhaupt keinen Wein mehr trinken, wenn ich meine Emotionen und Ziele ein bisschen dalli ein bisschen klarer haben möchte.

Saturday's Leid

Samstag. Allein zuhaus. Tobi hat morgen Dienst. Habe mich verproviantiert. Mir fällt nicht viel von dem ein, was ich heute vielleicht hätte machen können oder wollen. Stattdessen sehe ich den Wochenrückblick auf mdf1 und damit einen Bericht über das Hofspektakel Puppentheater im Kunstmuseum. Mit noch immer fast allen bekannten Gesichtern und damit der Erinnerung an das, was 2018 für mich endete. Und offensichtlich noch nicht ganz für mich zu Ende ist, wenn ich dir mir vertrauten Abläufe und die Art des Theaters erneut zu Gesicht bekomme. Und es macht also noch immer etwas mit mir. Und weiterhin kann ich es schwerlich erklären. Alles liegt in der Erinnerung begraben und versucht es an dieser Kempchen & Bernhardt Misere zu binden. Klar war es das Ausschlag gebende Element. Weil man so nicht mit Menschen umgeht. Aber es muss womöglich noch etwas anderes gewesen sein. Vielleicht weil es eine Bühne war (und ist), auf der nicht ich spielte. Ich bediente diese Kunst. Und wurde zum Teil böse zurechtgewiesen und fühlte mich nicht richtig wohl dort. Weil auch irgendeine Angst immer wieder zum treuen Begleiter wurde. Es wäre mir lieber, wenn ich ohne heimliche Rachegelüste und üble Nachrede aus- und klarkommen würde. Fuck you, Bernhardt! So. Prima. Endlich. Das war's jetzt. Ja?

Der heisseste Tag des Jahres und bestimmt wieder irgendein Rekordergebnis in Sachen Wetter. Jetzt wird es bereits sachte dunkel, halb Neun, der Sommer ist noch weit und Dietmar Ex Hörold sieht sich voll mit Schmerz und Krebs am Horizont und somit am Ende. Alles fühlt sich unwirklich an, auch in Bezug auf die nahenden bzw. bevorstehenden Tode anderer Menschen, inklusive meiner Vorstellung von Über-/ Weiter-/ Andersleben. (Schon wieder Puppentheater!)

Zwölf Jahre Tobias & me sind es gerade geworden. 53 sind es mit mir. Ich bin insgesamt ein bisschen müde ob des Gleichlaufs der Dinge, möchte aber keine zu ungestüme Änderung. Von allem ganz viel, zu wenig vom Ziel. Saturday's Leid ist ein bisschen lost und ich wüsste auch hier nicht, wohin ich jetzt gehen könnte. Außer Bluenote (das wären dann 5 Mal in dieser Woche: also besser nicht). Vielleicht kommt ja ein schöner Fil ... jaja.

Familienaufstellung

Insofern man einem nächtlichen iPhone Foto überhaupt irgendetwas Erkennbares entnehmen kann, so will ich die neun Bier und zwei Hirschkusse gestern weder beschönigen noch hinzufügen, dass ich danach noch über eine halbe Flasche Wein in mich hineinbrachte und Dietmar Ex Hörold in seinen letzten Zügen zu schweben und er also seinem Darmkrebs zu erliegen scheint. Und mir kommt das alles so unwirklich vor; noch während ich benommen bin vom Alkohol und der Angst, dass es mich aufgrund meiner Umstände bestrafend in Kürze ebenso erwischen müsse. Heikos Heidi hat nach ihrem Schlaganfall gleich noch einen Herzinfarkt draufgelegt und meine Sicht auf die Dinge des Lebens muss zwangsläufig unter meinen Zuständen leiden.

Hier die Familienaufstellung von links: Heiko ist der Vater; Zwiebel mein Sandkastenkumpel, aus dem später die große Liebe und mein Mann wurde, Susi aus dem Ferienlager, Doni meine Oma, Anja eine Nachbarin, Katrin aus fernen Ländern mit spannenden Geschichten aus Filmen und Abenteuern, Volker der kleine Bruder von Onkel Helmut und die neue Elke, die aus Volker den Helmut herausgestrieben hat.

Baustellentrinker

Ein weiterer Vorschlag zur Deutung meines ungeheuerlichen Verhaltens im Schindluderbereich lautet: Meine immerfort in mir sausenden Synapsen aus den Baustellen meines Lebens und weit darüber hinaus erkennen Autogenes Training oder andere entspannende Maßnahmen offensichtlich nicht an. So bleibt der Highway immer beleuchtet, es herrscht viel Verkehr und es ist eine Frage der Zeit, bis es zu Unfällen im Denkmuster kommt. Der Alkohol verschafft mir hier keine Entspannung, sehr wohl aber vermag er mein SynapsenChaos lahm und auf "unfähig" zu schalten wie eine Barriere, die sich quer über die Fahrbahn legt und sich nicht bewegen lässt.

Das schafft allenthalben Unbehagen und ich sehe mich wiederholt den Laptop öffnen und nicht zu wissen, weshalb - oder wonach ich suche, welche Webseite ich aufschlagen könnte, welche Informationen oder Unterhaltung ich anvisiere. Das ist schiere und verzweifelte Hilflosigkeit, die einer Panik gleicht. Anstatt die Hände in den Schoß zu legen, den Fernseher abzuschalten, den Wein wegzustellen. Aber was dann?

Die Gewöhnung an diese Muster macht das eigentliche Gift. So eines, das sich nicht mehr so leicht und also nur unter Aufbietung aller Kräfte und Reserven neutralisieren lässt. Das Bild beschreibt es: Die Piloten auf dem synaptischen Highway hüpfen von einer Baustelle, die zuweilen einer tiefen Grube gleicht, in die nächste. Der Mechanismus bleibt derselbe: Sie buddeln in irgendeiner Erwartungshaltung, bleiben dennoch gekonnt an allen Oberflächlichkeiten hängen und finden nicht, wovon sie nicht wissen, was sie suchen.

Irgendwann wird die Straße zu Ende oder der Kraftstoff aufgebraucht sein. Oh, eine Allegorie. Wie romantisch. Und so bedeutsam. So lange sich da nichts ändert, schreibe ich hier fleißig das ewig Selbe mit scheinbar neuen Erkenntissen, die allerdings längst schon erlangt, mir nur erneut in die Erinnerung katapultiert wurden. Auf einem flachen, aber riesigen DenkMusterTeppich, der einer Form von Demenz eine gewisse Aufwartung macht.

BangeAngstMacher

Zurück überlegt, wann die Misere des erst e- dann abnormen Alkoholdesaster begann, lässt sich kaum einkreisen, zu welchem Zeitpunkt es überhaupt eine vernünftige Phase gegeben haben soll. Rechnen wir Kindheit, Jugend, Ausbildung und Studium heraus, nähern wir uns schnell dem Zusteigebahnhof, der also ab Kulturserver samt Bach ab 2000 eröffnete. Das sind jetzt 23 Jahre. In Erinnerung meiner Selbständigkeit hat sich da nicht viel verändert - es sei denn, zum Schlechteren. Denke ich ans Puppenhaus, geh'n bei mir die Lichter aus. So lustig schreibt nur einer, der es heimlich mit der Angst bekommt.

Spätestens seit dem sicheren Job ab 03-2020 und dem Corona-Start mit all meinen freiheitlichen Möglichkeiten ging die Sause noch mehr los. Und heute komme ich nicht mehr davon los. Und Quarks beschreibt die Kombination aus Zigaretten und Alkohol als 36-faches Risiko für Speiseröhren- oder anderen Krebs in der HNO Gegend sowie bei der Bauchspeicheldrüse. Mario aus Mannhausen. Guten Tag! Und ich habe enorme Angst dessenthalben. Weil ich alle Voraussetzungen, wenn auch nur teilweise, erfülle.

Meine innere Vernunft droht mit dem Zeigefinger und deutet auf Bestrafung. So wie ich mein leben lang offensichtlich irgendwie immer mit dieser Verhältnisgleichung zu tun hatte. So erscheint es mir nur folgerichtig, dass ich die Zeche zahlen muss. Also zumindest bald, wenn es nicht sofort aufhört, zu hageln. Und wie es aussieht, gibt es kein Zwischen-Niveau. Auch wenn ich mich nicht zu den vollständigen Alkoholikern rechne, die zitternd bereits morgens dringenden Bedarf haben, so bin ich einer von denen, die, wenn es dunkel wird, zum Glas greifen und sich gut daran festhalten.

Bewusst los

Ich stehe, sitze, falle, bin neben mir. Hier in meinem Büro wie auch sonst und anderswo. Gestern in lauschigem Sommerabend Bier mit Leuten, später etwas Wein zuhause, bei dem ich bereits merkte, wie mir Gedanken und Worte entglitten. Nichtmal einen einfachen Technikrider für OK oder eine simple WhatsApp Antwort brachte ich zuwege, goß daraufhin den Wein wieder zurück in die Flasche und ging ins Bett. Laut Polar-Uhr war diese Nacht in Sachen Schlafmenge, Stabilität und Regeneration seit ziemlich langer Zeit erstmals wieder durchweg "gut", jedoch rissen erstaunlich viele Straßenbaustellen mich aus tiefen Traumphasen. Neue Dächer werden mit riesigen Kränen aufgesetzt, aufgebuddelte Straßen wieder zugeteert und Bäume werden beschnitten. Alles gleichzeitig um Sieben oder womöglich früher.

Hat aber alles nichts damit zu tun, dass ich vorher schon platt war. Und es jetzt hier weiterhin bin. Wie eine Art schleierhafter Nebel oder gar Bewusstlosigkeit, die sich mit einem Traum vergleichen lässt. Vielleicht ist das alles auch garnicht mehr real (couldn't get real) und ich bin längst in einem Delirium, liege verkabelt in einem Bett und besorgte Gesichter beugen sich über mich und hoffen, dass ich ins Leben zurückkehre.

Wie gedenke ich all dem denn nun zu entkommen? Die Auswirkung einer sehr langen Entwicklung zu bekämpfen, wird außer Vornehmen und Selbsbelobigung bei Erfolg nicht viel bringen; die Ursachen für all das zu finden würde sich in einen Jahrzehnt-Prozess ausweiten, für den ich weder Zeit noch Muße oder Aussicht habe. Und damit kann ich weiterhin nur vage vermuten, dass mein Mix aus Wesens- und Selbstwertschwäche, Angst, Euphorie, fehlenden Zielen und fehlendem Mut, Mittelmaß-Komplex, Bildung, Einbildung, depressiver Verstimmung, jahrelangem körperlichem Schmerz, unverdauten Traumatas aus Kindheit bis zum Coming-of-Age und weiteren Ein- wie Ausreden ewiger Bestandteil meines Daseins bleiben werden. Natürlich weiterhin mit diesen selben Folgen. Ein, zwei oder drei ... du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei. Was wäre denn das dritte bitte?

Down by me

(Wackelmeldung, diffus, widersprüchlich) Heute, eine Woche Erholung vom Urlaub, in welcher ich wieder und weiterhin zu viel Wein konsumierte, ist also wieder so einer dieser Sonntage, an dem ich mich unmutig fühle. Für das, was morgen, in der Woche und danach kommt. Tatsächlich fürchte ich mich davor, dem Wein keinen Einhalt gebieten und entsprechend nachfolgend meine öffentlichen Nachkampfattitüden nicht mehr lange aufrecht halten zu können. Dazu eine deutliche Wärme von draussen bis drinnen. Viel stärker als alles aber wiegt in solchen Momenten meine deutliche Ziellosigkeit. Sogar der nahende Samstag in OK mit ein paar wenigen Songeinlagen bereitet mir Sorgen.

Ich bin weiterhin müde, habe die ganze Wohnung am Freitag für ein besseres Gefühl sauber gemacht. Immerhin hilft es, mich nicht auch noch von einem weiteren Chaos umringt zu sehen. Jeskom hat noch garkeine Musik in 2023 gemacht, oder? Sonst noch was? Was Neues? Was Interessantes? Die Zeit vergeht sich. Alle Trainings immer noch auf Null.

Vielleicht stürze ich mich vorerst einfach in die Arbeit beim Paritätischen und erledige die vielen Dinge der langen Bänke. Das gewissenhafte Denken fällt mir gewissermaßen schwer und im Fernsehen gewinnen die AfD-Schergen in Sonneberg die Landratswahl.

Jetzt ein beherzter Sprung in einen erfrischenden Waldsee und schwimmen bis zur Erschöpfung, dann lange und durchschlafen und morgen mit neuen Ideen ins Abenteuer Leben. Sowas. Mach doch! Zu satt, was? 115k aufm Konto und einen seichten Job mit genügend Geld und sehr viel Freiraum machen's möglich, teureren Wein zu kaufen.

edit: Gerade gelesen: ZEITmagazin: Aus unserem Archiv: "Das passiert im Körper, wenn man keinen Alkohol mehr trinkt: Die Leber entfettet und der Schlaf wird besser, wenn man auf Wein und Bier verzichtet. Aber auch das Herz, die Psyche und das Immunsystem profitieren von weniger Alkohol." Noch Fragen, Kienzle?

Nordmänners End

So. (!) Mein Lieblingswort, wenn es mir zu bunt wird. Wobei "bunt" ja schön wäre. Die Nordreise ist beendet und ich benötige tatsächlich eine Nachfolgewoche mit dem Versuch, mich zu erholen. Schwierig. Es ist auch des Nächtens sehr warm geworden und mir fällt es seit Tagen schwer, hier aufzuschreiben, wie diffus sich das alles anfühlt. Dabei vermute ich nichts weiter als meine enorme Müdigkeit bzw. laut Uhr meine "Nightly Recharge", die sich erst jetzt wieder in den grünen Bereich zurück gekämpft hat.

Unausgeschlafen lässt sich nichts richtig bewerten, denn es obliegt einer dumpfen Grundstimmung, die sich über den Tag mühsam zu bessern versucht. Bis der Abend den Wein bringt, der jedoch die Nacht nicht rettet. Und das Spiel beginnt von vorn. Ein Wohnmobil wird daran auch nichts ändern und alle weiteren Versuche einer objektive Beschreibung dieses gemeinsamen Norwegens bleiben im SubjektivSumpf stecken. Dabei waren es durchweg schöne Orte, gute Touren, freundliche Menschen, unendliche Weiten und hellichte Nächte.

Jetzt ist Midsommar vorbei und die Tage werden kürzer. Kein sonderlich schlaues Schlusswort. Dann so hier:

Das eben beendete Gespräch in der Parität mit der Geschäftsführein hat mich heimlich ganz weit hinten links vorabendlich und nächtlich beschäftigt - es rührt aus dem alten Leiden der Verteidigung, die auf einen gefühlten Angriff reagiert; der so verhassten "Aussprache", dem ein unweigerliches "Ich will mich ja auch bessern" folgen musste. Dabei war es das ganz und garnicht - im Gegenteil. Und es fühlt sich gut an, nicht hangovert zu sein. Schlimme Feststellung, was? So. (!) 80,4 Kg. Muskelmasse schwindet wegen keinem Training. Zu warm. Egal. Kommt wieder. Lauf davon.

Nur die Ruhe: Nachtrag Tag 4

Mein Schlafindex kriecht sich weiter ins Negative. Sagt meine Uhr. Und meine Laune. Selbst in seidigen Betten in Bergen wurde es nicht besser und hier in Flåm im Bus auch nicht. Ich bin unausgeruht, gereizt bis zuweilen mürrisch. Und ich merke das. Wobei mir das ganze blöde Universum mal wieder ob dessen Sinn auf die Füße - und mir nichts Besseres einfällt. Dabei ist die norwegische Umgebung samt Wetter grandios. Ich nicht.

Tobi ist als schnarchender Schlafstörer nicht an erster Stelle dafür verantwortlich zu machen. Oder vielleicht doch. Jede Minute meines nächtlich zeternden Wachliegens bringt mich einen Kilometer weiter von der Idee eines gemeinsamen Wohnmobiles weg. Dazu gesellt sich der meist unsachliche, weil wenig gut erklärbare Gedanke, dass ich (wie im Brief an meinen Freund erwähnt … au warte, schon wieder) sehr sehr gerne bei uns beiden etwas mehr von dem hätte, was ich fürderhin als Schabernack, Unsinn, Drauflos und Bahne frei beschreiben möchte. Ich will nicht die Musik leiser drehen, mit dem Staubsauger alles permanent sauber halten und derweil darauf achten, dass all meine leblosen Ladegeräte parat stehen.

Ich, sarkastisch um halb eins auf einem Campingplatz in einer norwegischen Nacht, die sich weigert, dunkel zu werden. Was für ein Gleichnis!

Nur die Ruhe

(Auf dem Schiff von Hirtshals nach Bergen. Morgens.) Nur die Ruhe: Sie ist gewissermaßen Ausschlag gebend für den nachfolgenden Verlauf meines Tages. Wenn ich keine Möglichkeit auf ausreichenden, guten Schlaf hatte, wird alles danach zum Killer: Die lachenden Dänen auf dem Schiff, die quasselnden Japaner, die langsamen Menschen, die Fetten, die Lauten, die, die mit Papier knistern und nicht aufhören zu summen, zu poltern und Türen zuzuwerfen … kurzum: nahezu alles. Das tut mir sehr oft sehr leid, denn derdiedas einzige Negative bin dann ich. Und niemand kann es mir recht machen. Dennoch sind alle schuld an meiner Misere.

Nur die Ruhe … darauf kommt es tatsächlich an. Alkoholarm oder -frei im Bett ungestört durchschlafen und ich bin die unbändige Freundlichkeit und Liebe. Schon wieder nichts Neues, was?

Schiff ahoi, wir sind in Norwegen.

Herzlichen Glückwunsch

zum Kindertag. Gut sieht er ja zwar aus, doch scheint der Schein zu trügen. Hinter gewohnt lustiger Schreibe verstecke ich die Trauer über jene Attribute, die dem Kind längst abhanden gekommen sind. Der oft phlegmatische Blick auf die Umgebung samt der Dinge, die es zu tun gäbe oder geben könnte, der tägliche Alkohol, der nachtägliche Kampf mit den Folgen, die Angst vor manchen Menschen und Aufgaben, sogar vor dem Packen und Verreisen übermorgen (nach Norwegen), der Verlust von Neugier, Aufgeschlossenheit, Höflichkeit in größer werdenden Umfängen. Ich weiss um die Auslöser, nicht aber um die Ursachen. Wie konnte das Kind sich nur so ziellos gehen lassen. Ein Ziel ist das Ziel.

Was ich vermissen würde

Wenn ich nach meinem Tod befragt werden würde, was ich an meinem vergangenen Leben vermisse, fällt mir als erstes tatsächlich Sex ein. Damit hatte ich wohl am meisten zu tun. Vornehmlich der Sex mit mir. Wegen meiner vakanten und größtenteils unerfüllten Vorstellungen. Dieses Filmfoto aus 2015 und der Hitze des damaligen Spielzeitpausen-Sommers ist nur ein beispielhaftes Abbild einer großen Merkwürdigkeit, die bereits in Kindheitsjahren begann und sich seitdem bis heute in vielen Facetten entwickelte, von denen ich nicht weiss, wie ich das einschätzen oder bewerten sollte. Muss ich wahrscheinlich auch nicht, denn es war immer wahnsinnig schön.

On the bike road

Seitdem Tobi sein neues E-Bike hat und seit dem es Frühling ist, sind wir unterwegs. Das ist sehr gut, macht und hält uns fit, mindert mir den Gegenwind und lässt uns aktiver werden, der leichten Winterlethargie entfliehen und hilft uns zudem, ein bisschen mehr aus unseren Leben zu machen. In Kürze geht es nach Norwegen, eines der letzten Male mit dem T4-Bus, dem wir entwachsen sind. re:new. Neue Ideen. Vielleicht Luxusmüll mit Wohnmobil, vielleicht was ganz anderes. "Wir sind keine armen Schlucker." Vielleicht manchmal aber arm an unseren Ideen, was wir mit unserem schönen Leben anfangen können.

Weinsberg Traumata

Zuerst war es eine schöne Überlegung. Wegen der Möglichkeiten. Und der Annehmlichkeiten. Dann kamen die Zweifel. Zuerst wegen des immensen Geldaufwandes. 73.000 Euro. Geteilt durch zwei. Obwohl das Geld sogar vorhanden wäre. Die Pro & Contra Positionen duellieren sich fortlaufend, doch im Wesentlichen steht eine pure Form luxuriöser Leichtnutzbarkeit dem allem entgegen.

Mein erster VW-Bus wurde in 1993 (Europa-Tour) zur großartigen Idee für uns / mich und später in 1998 zum festen Bestandteil meiner Vorstellung von Auto, mittels dem mir alle Möglichkeiten der weltlichen Freiheit anheim gelegt werden sollten. Ein Auto, mit dem ich die Welt bereisen wie auch zum heimischen Aldi, zu Konzerten, Festivals oder spontan allein losfahren und alles Mögliche damit machen konnte. Die Weltbereisung habe ich mehrmals angetreten und bin seitdem unschlüssig über die ambivalente Schönheit dieser meiner Möglichkeiten. Darüber, wie ich (außer mit Mandy, Dorschi & Jana mit dem T3 "Munkhtenger") größtenteils allein und nicht immer so sehr sonderlich überglücklich mit dem Bus verreiste, gibt es hier in der Zehnsucht eine Reihe von Beiträgen. Hier ein paar schnell gefundene: (0) (1) (2) (3) (4) (5) (6)

Dennoch hielt ich diese Idee einer gewissen Freiheit und damit die Legitimation für einen Bus immer aufrecht. Das kam nicht von Ungefähr - schon als Kind war ich begeistert vom Barkas, den ich mir als mein eigenes kleines eigenes Universum vorstellte, das ich mir nach meinen Vorstellungen aus- und umbauen und damit unabhängig sein wollte.

Nun steht also bereits seit zweidrei Wochen diese Variante namens Weinsheim hier ins Denkhaus, wurde schon viel früher mal in der Idee überlegt und es spricht so vieles für den Moment dagegen. Dennoch können wir (Tobi und ich) von diesem Gedanken nicht lösen, auch wenn das Ding über 300 Tage im Jahr rumstehen und vergammeln wird, die Stellplätze teuer und alle anderen Urlaube (außer Ski) damit eher sogar hinfällig sein würden. Dazu kostet es die Jahresfixkosten plus Parkplatz, jeder von uns zahlt 36,5 Tausend Euro für die Anschaffung und Tobi wird immer mal wieder irgendwelche Dienste in die langen Wochenenden bekommen.

Der Mercedes hatte auch weit über 30k gekostet und steht fast immer in der Garage. So what?

P.S.: Wir haben einen "Pilote p 696 gj evidence" in Harsleben für 65.000 gefunden und uns darein verliebt; am nächsten Tag fuhren wir nochmals dorthin, um ihn genauer zu besehen und ihn vielleicht aus reinem Dunst heraus auch zu kaufen, aber da war er bereits verkauft, auch wenn uns versichert wurde, dass er: "wenn online, dann auch vorhanden", verfügbar wäre. Es stellte sich heraus, dass so ein Wohnmobil für weit über 70k verkauft werden könnte. Wurde es wahrscheinlich auch und wir hatten Pech. Naja, das ist alles wahnsinnig teuer und wir müssen uns überlegen, ob und was und wann und wie wirklich davon haben.

Und mein Herz, was dir gefällt.

Alles, alles darfst du lieben. Heinrich Heine hat's geschrieben und mir ist heute beim weiten Laufen im letzten Viertel in einem glücklichen Moment ein- und aufgefallen, dass mir alles zu Füßen liegt, ich alles für mich nutzen kann und darf. Das ist zwar nichts Neues, aber heute gab es diesen einen Moment, in welchem ich das mit felsenfester Überzeugung gespürt habe. Ein kleiner Moment des Wohlwollens, des Friedens in und mit mir. Immer ist es ist meine Konstellation und damit die Sicht auf die mich umgebenden Dinge. Nach fast 12 km langsamen Laufens lag es womöglich an dem von Ronald beschriebenen liebevollen Tunnel, der sich nach einer so langen Laufzeit auftut und die mittels ausgeschütteter Hormone die Gewissheit anheim legt, dass dieses Leben durchaus machbar ist. Und so war das heute. Und das war ziemlich gut.

Naked Bunch

Einen Haufen voller Merkwürdigkeiten habe ich tatsächlich vorzuweisen, wenn es um das Thema Sexualität geht. Womöglich hat da jede/r so seine Eigenheiten und betrachtet sie als sehr speziell, womit ich also alles als Gott- oder sonstwohergegeben nehmen könnte. Diese Amourösität entsteht manchmal in freier Natur - angefangen schon früh, damals auf Kienwerder, später mit ca. 13 dann im Boot auf der Müritz, noch später dann in Wäldern und Feldern wie heute in Hotels, auf Balkonen oder wo immer sich meine Lust ihren Weg bahnt. Und sie bahnt sich oft. Ist das was Schlimmes? Nein, sagt der Psychologe, nicht wenn es sich gut anfühlt. Besonders provozierbar aber ist sie im Hangover. Dann ist Vorsicht angeraten.

Finger am Hals

Oder: Das fortwährend merkwürdige Gespür eines unbeabsichtigten Wiesels. Eigentlich sollte heute ein Zielplanungsgespräch zwischen mir und der Geschäftsführerin stattfinden. Und auch eigentlich wusste ich nicht so recht, worüber genau. Und unsachlich, aber vorsichtig legte ich mir zuhause extra keinen Wein zu, sondern trank ausschließlich Bier in der Note, um nicht dumm zu werden und um gleich im Anschluss unter großer Anstrengung lesend im Bett zu sein.

Nach Sieben Bieren wurde und blieb ich allerdings dumm am nächsten Morgen und es fühlte sich erst so an, als wäre es besser und würde bis 14:00 Uhr im Wind verfliegen; allein das tat es nicht wie gehofft. Und allerhand Anstrengendes zu tun gab es bis dahin und noch immer wusste ich nicht, worüber wir gleich reden werden. Dann stellte sich heraus, dass es einer schriftlich verfassten Vorüberlegung bedarf, um eben jene Zielsetzungen besprechen und überlegen zu können und mir kam von schräg hinten in den Sinn, dass es so etwas schon einmal gegeben hatte: Die Anberaumung eines Gespräches ohne eben diese Grundlage, die man vergaß, mir zuzusenden. (Oder die ich kurzum übersehen oder vergessen habe.) Somit also hoben wir diesen Termin freundlich auf und ich bin mal wieder um eine unangenehme Situation herum gekommen - nämlich der, nicht ganz klar im Kopf oder bei Trost irgendetwas daherzuplaudern, was sich anfühlt wie ein Kopf-aus-der-Schlinge ziehen. Nun ist das hier kein führungsdämonisches Puppentheater, aber in aller Ehrlichkeit habe ich mir einzugestehen, dass ich durchaus auf dem kleinsten Wege des geringsten Widerstandes unterwegs bin.

Und wenn ich am Schreibtisch sitze und mit zweidrei Fingern an der linken Halsseite den Kopf aufstütze, entsteht mangels Sauerstoff superschnell ein kleines Delirium im Kopf und die rechten Fingerspitzen fangen an zu kribbeln. Hui, da kommt die kleine Panik, dass also ein x-beliebiger Verschluss in den Arterien so eine Situation ganz schnell herstellen und zum Schlaganfall führen kann. Und meine Voraussetzungen dafür sind ja nicht vollends von der Hand zu weisen.

Erster

Gegen 07:30 Uhr der Erste am Arbeitsplatz zu sein ist ein denkwürdiges Ereignis, reicht aber nur zurück bis auf die Erinnerung, dass Volker unter mir gehörigen Anteil an meiner Schlaflosigkeit hatte, wonach irgendwo vor Sechs die schwitzige Nacht endete. Es kommt wie so oft alles zusammen, wonach der Alkohol der letzten Wochen sich aus dem Körper zu schleichen versucht, während der Kopf grübelt, wie ich es beibe- und Maß halten könne. Laut Fortschrittsanzeiger und Erfahrungssensor dürfte nur totaler Verzicht wirksam sein und damit in Frage kommen.

Das "Kernstörgefühl" (hier ironisch bemüht) lungert nicht nur sehr tief sondern auch sehr lange schon verbuddelt in mir herum, so dass hier durchaus Verfärbungen in der Erinnerung zu einer noch diffuseren Sicht auf die Dinge meines Lebens führen könnten, was eine realistische Klärung unmög ... Ja. Ok. In Ordnung. Gut. Es würde schon reichen, mir mitsamt einer guten Idee etwas Sinnvolles vorzunehmen und es auch durchzuziehen. I want to kiss like lovers do. Zum Beispiel.

Im blühenden Mai

Ich warte auf den Weg hier raus. Was denn nun? Alle lächeln, einer nicht. Ich bin der eine und fahre durch die Landschaft. So wie gestern, auf dem Rad, nur nicht so weit und auf der Suche nach dem langen Deichpfad aus Richtung Plötzky bis nach Biederitz. Sogar gefunden. Sogar den Querweg zur Elbe Höhe Herrenkrug gefunden und sogar drei Kugeln Eis gegessen. Aber es wurde sogar noch schlechter mit meiner so sehr negativen Stimmung. Ich kann sogar Kieselsteine, Fliegen und jede Menge Menschen für mein Unglück verantwortlich machen.

Ursprünglich dachte ich, dass Tobi und ich losradeln, wenn Dienst, Wetter und Stimmung es zulassen und wartete auf Nachricht, die offenbar so nicht verabredet war. Erst gegen Mittag telefonierten wir und er musste auch nochmal schlafen. Also gut, dann allein los. Aber wohin? Nach links? Ich war völlig plan- und hilflos bis mir endlich dieser Deichpfad einfiel. Dennoch blieb es still in mir, auch David Grey und später Ellbow konnten nicht viel ausrichten. Auf der Herrenkrugbrücke beim Eis sah ich dann im Status von Kubon, dass Renne in Brandenburg/Plaue an der Marina war. Und Jürgen auch. Und dass gestern Abend auf dem Hof von Heiko in den Mai gefeuert wurde. Also am Feuer. Und plötzlich fühlte ich mich noch weit draußener als zuvor. Ganz allein gelassen warte ich auf die Abende mit den offenen Weinen.

Aber wie verhält es sich denn nun? Der allein will und nicht kann? Und zusammen aber auch nicht? Beim Geburtstag von Stefan Bauerschäfer kannte ich genau null Menschen außer ihn. Gut, da ist eine schnelle Flucht in Ordnung. Doch außerhalb des Bluenotebereiches wird es knapp. Oft bewundere ich das, was andere tun - ob geplant oder spontan; oftmals weiß ich nichts davon und wäre gern dabei, um nicht all zu weit danach wieder von dort weg zu wollen.

Sozialkompetenzen aufgebraucht? Immer noch Furcht betreffs vorbildlicher Selbstdarstellung nach meinen Maßgaben? Oder bin ich wahnsinnig schnell gelangweilt von, mit und bei anderen Menschen? Oder strengt es mich des Hörens wegen zu sehr an? Oder traue ich mir nichts mehr zu, weil ich dauernd mit dem Abbau von weinhaltigen Getränken beschäftigt und entsprechend platt wie wortverlegen bin? Ist es vielleicht eine Mischung aus allem? Oder einfach nur eine unkonkrete Form der Depression?

Im Mai. Im blühenden Mai. Es ist kalt und plötzlich hält die Zeit an. Ach herrjeh, ich bin zu viel von allem, was traurig macht.

27 Stunden wach

Ich möchte es noch erwähnen. Weil es speziell und ausufernd war. Zugetragen am Montag, 17. April. Nach kurzer (und unbetrunkener) Nacht morgens um Sechs raus und kurz nach Sieben im Büro. Verwunderung allenthalben. Und der große Schnupfen hielt mich im Schach. Nach einer Grundsatzkonferenz wurde mir nahe gelegt, mich zuhause auszukurieren. Mein merkwürdiges Verständnis von Auskurieren bestand in verdünntem Gewürztraminer am Abend, der mich bis zum nächsten Morgen 08:20 Uhr durch die pornografische Filmwelt begleitete. Schwer zu beschreiben und zu begreifen; der Schnupfen legte sich in der Nacht und es ging mir gut. Nach anfänglichem Nachdenken über irgendwelche Paritätischen Projekte und Kostenersparnisse begann zu der Zeit, die eigentlich das Zubettgehen einleiten sollte, der gigantische Goo, der mich also von ca. 23:00 Uhr bis zum hellerlichten Morgen bei drei Flaschen des dünnen Weines nebst 18 Zigartetten wachhalten sollte. Unklar wie das funktioniert. Die Schwulenpornos hielten mich bei Laune und erst als die Menschen zur Arbeit fuhren und es draussen leiser wurde, legte ich mich bis Mittag ins Bett. Der nächste Abend fühlte sich an wie eine permanente Einleitung von Betäubungsmnitteln, wonach ich bei den Simpsons fast im Sekundentakt wegdriftete. Um 22:00 war ich dann im Bett. Bis um Sieben. Erstaunlich, wie meine Uhr mir immer wieder vermitteln möchte, dass ich mit Alkohol viel besser und störunsgfreier zu schlafen scheine.

Die Biene II

Natürlich kehrte besagte Biene genau einen Tag später zurück, setzte sich auf die Fensterbank und versprach mir, dass ich drei Wünsche frei hätte, weil ich doch ein so guter, freundlicher und hilfsbereiter Mensch sei. Erst war ich verwundert und dachte an Märchen und Träume, aber da es wohl wahr war, dachte ich schnell nach und sprach: "Ich möchte mit meinem massiv übertriebenen Alkoholkonsum aufhören. Und dann möchte ich mich endlich den Dingen zuwenden, die ich mag und die mir gut liegen. Das wären u.a. Musik, Fotokunst, Sex. Zu guter Letzt ...", jetzt wurde es knapp, weil ich offensichtlich nie so richtig über meine Wünsche und Ziele nachgedacht hatte und wollte mir schon drei weitere Wünsche wünschen, weil wir uns das Kinder immer so zurechtgelegt hatten. Aber dann fiel es mir ein: "Ich möchte ein gutes Selbstbewusstsein haben und mein Wissen, meine Fähigkeiten, Ideen und damit mein Leben erweitern, womit ich weder Furcht noch Angst vor niemandem haben muss."

Die Biene meinte, dass ich das ja gerade noch so, aber immerhin hinbekommen habe, grinste so breit es einer Biene möglich ist, erhob sich in die Luft, sagte "Okay, es ist alles so, wie du willst. Viel Glück!" und surrte durch die nachmittägliche Sonne für immer davon.

Und da ging mir plötzlich einiges auf.

Die Biene

Eine Biene des frischen Frühlings hatte sich an meinen Oberschenkel geklammert, nachdem wir beide uns beim Fahrradfahren offensichtlich begegnet sind. Im Hausflur beim Abschliessen des Fahrrads wischte ich sie im Affekt schnell vom Bein und sie kroch auf dem Fußboden des Treppenhauses herum. Sekunden später stellte ich das Rad vorsichtig beiseite, holte eine Zeitung aus der Abfallbox, öffnete das Fenster, liess die Biene auf die Zeitung krabbeln und entließ sie in die Freiheit, in die sie sofort entflog und jetzt hoffentlich irgendwo ihr Leben lebt. Und mir kullerte eine Träne übers Gesicht. Vor Rührung und der Hoffnung, immer ein guter Mensch sein und im Frieden bleiben zu können.

Der Tod steht mir

... immer mal wieder des Nachts ins Traumhaus. Erst kokketiere ich ein wenig mit ihm, doch wenns an's Sterben geht, wird es plötzlich eng, wenn die unumkehrbare Endgültigkeit meine Angst mitsamt aller Zweifel schüren.

Mit Kubon rausche ich in großen, offenen Schüsseln rasend durch Kometennächte und fließende Landschaften und ich muss mich festhalten. Und ich muss die Jeskom-Gage (638 eur von Mandy) noch auszahlen und mich beeilen, bevor ich sterbe. Sollte ich vielleicht ein letztes Bild von mir posten, wie ich meine Einverständniserklärung für den Tod auf einer billigen Kladde unterschreibe? Die wird mir gerade auf die Rückbank irgendeinen Autos gereicht, auf welcher ich und noch weitere fröhliche Kandidaten für den Tod sitzen. Eine Art angenehme Reisegesellschaft ohne Rückkehr. (Oh, in der Zeile verrutscht. Nochmal. Meine Unterschrift sieht irgendwie anders aus. Ist das meine?) Kann ich meinen Tod vielleicht doch noch irgendwie rückgängig machen? Plötzlich - und wie in den bisherigen Träumen solcher Art auch - kommt die Panik. Das ist jetzt endgültig. Keine Erklärungen, Neuordnungen, Erklärungen mehr. Es ist fertig.

Ich schwitze sehr und gefühlt mehrere Stunden in dieser Nacht und schlafe sehr flach. Später denke ich, es wäre bald 08:00; es ist kaum 06:00 und sehr sonnig. Ich lebe. Wenn auch etwas dunstig. Aus dem Buch von Schierach von gestern Abend markierte ich einen winzigen Satz: "Sie lebte gern." Ah!

Out on a weekend

Und was für eines! Alles passte, alles war gut und ich bin eben zurück im Winckelpalais und muss es richtungsweisend vermerken. Am Freitag Rachmaninow im Opernhaus, am Samstag 56 km via Biederitz, Gerwisch, Möser und Trogbrücke bei allerbestem Frühling und einem mich weit tragenden Rückenwind. Der lange Rückweg mit einem Windschatten von Tobi und überall war es ein Leichtes für mich. Samt Sonne, samt Tobi. Abends der erste nutzlose, aber gut schmeckende Spargel. Sonntag wieder für über 50 km los auf die große Südkurve über die Dörfer bis nach Elbenau bei größtmöglichem Eis und weiterhin Sonne samt Windschatten zurück. Dann draussen sitzen, immer noch sehr angenehme Sonne, Duschen und Hühnerkeulen inklusive gesundem Reis und Linsen.

Das weissweinliche Verlangen an beiden Abenden hielt sich sogar ein wenig in Grenzen und meine jeweils besten Entscheidungen waren, zusammen ins Bett zu gehen. Ich muss das bemerken, denn allein die sonntägliche Rückfahrt hierher bei der üblichen Zigarette beließ alles in weiterhin sehr schöner, ruhiger Entspannung. Keine Schmerzen, kein Hangover, keine negativen Gedanken. So geht es sehr gut. Und das hier war schonmal eine in die Tat umgesetzte Idee, wie es gehen kann.

Frühling für alle!

Wundflucht

Ein Tag voller Erfolgserlebnisse, generiert aus der einfachen Nüchternheit (und dem, was ich bisher lieferte) - wenn auch unausgeschlafen und weiterhin ordentlich erkältet - hat mir mal wieder gezeigt, wie einfach es im Grunde ist: Alles passt, alles geht und ich gehe nach Hause mit der Gewissheit, mindestens den kommenden Tag (auch auf Anraten der Kollegen) zuhause zu verbringen. Ich kann also mehr als ausschlafen. Sagen wir (dato) bis wenigstens um 11.

Damit begann so gegen 22:00 die Wundflucht: Alkohol weitet die Gefäße, es geht mir sofort besser. Die nahezu rotzblutende Nase beruhigt sich endlich und die halbgeschlossenen Augen tränen nicht mehr. Habe noch ein wenig was in Sachen Presse vorbereitet und für morgen früh 07:30 zur (automatischen) Veröffentlichung eingeloggt, was mich also tätig erscheinen lassen wird. Und dazu über ein paar wirtschaftliche Optimierungen mit sehr schlüssigen Argumenten für den Paritätischen / die PSW nachgedacht und sie für sehr gut befunden.

Aus den wässrigen Weinauszügen sind jetzt allerdings vollständige Getränke geworden und die Zahl der Zigaretten liegt derzeit bei fast zehn. Plötzlich schaltet sich der gewohnte Goo ein und alles ist wie immer "ja nicht so schlimm". Fühlt sich genau so an wie bei meiner Corona Infektion, die ich ebenso medikamentierte, was blöderweise auch geklappt hat, auch wenn keiner weiss, ob das geholfen haben soll.

Jedoch: in Bezug auf das abzubrechende Experiment stellt das nur zwei Tage nach meinem Entschluss jedenfalls ein deutliches und vorhersehbares Versagen dar - einhergehend mit der erneut deutlichen Angst, es einfach nicht hinzubekommen. Erfolg muss belohnt werden, oder was? Wie wäre das ohne Erkältung und einzwei Tage frei? Und wie wäre es, diese einzwei möglichen freien Tage (gut bezahlt) für mich und meine Ideen zu nutzen? Ach ... gibt keine? Oh!

Im Fernsehen läuft SpaceNight. Nach und mit all der langen Zeit wie ein Garant für das ewig Gleiche.

#edit: Es ist 06:45 Uhr und ich habe mir die Nacht mit Schwulenpornos von Cadinet um die Ohren geschlagen. Merkwürdig, wie ich mit einem seltsamen Hintergrundrauschen (wie Meeresbrandung) so lange so wach bleiben und dabei Massen an enorm verdünntem Wein trinken und rauchen kann. Wüste Orgien mit Carsten und Anke habe ich mir vorgestellt und dazu noch einen Dritten, den ich nicht benennen konnte. Sex, Sex, Sex ... wenn es doch bitte nur nicht enden würde. Denn nach dem Schuss wäre alles ganz plötzlich wie immer vorbei und hätte keinen Bestand mehr. Ich bin noch nicht fertig und es ist wahnsinnig hell draussen. Keine Idee, wie ich meinen Rhythmus wiederfinden soll. Und ich bin perplex: Sowas kenne ich nur aus früheren Partys, als wir 30 oder so waren. Und ich will weiter ...

#edit2: Verdammt, es ist 08:00 Uhr, die Sonne scheint. Und nun?

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010