... oder: Das Leben ist zum größten Teile zu viel Wein und Langeweile.
Damals hiess in einem Song "... der allein will und nicht kann". Das trifft noch immer zu. Schlimmer oder anders doof ist hingegen so ein Moment wie dieser, in welchem ich nun also hier allein vor mich hin sitze und durch die Vermeldungen "der anderen" von den dingen lese, die ich hättewärekönnte machen können. Canapé-Jule und ihre Mannschaft morgens um 7 mit Reisebus dem FCM auf Auswärtsspiel gefahren; Marcel selbst auch; Sebb ebenso. Jeweils in derer Clique. 4:5 gewonnen. Muss ein großes Ding gewesen sein bei 3000 Magdeburger Fans. Nanu- will ich jetzt zum Fußball? Nein. Nicht unbedingt. Aber da passiert was, da fahren Leute zusammen irgendwohin, erleben was. Und feiern jetzt wahrscheinlich irgendwo gemeinsam. Andere sitzen am Meer oder gehen wandern in den Harz oder essen gemeinsam in ... Beispiele gibt es zuhauf. Ich sage zu Tobi gern: Wir brauchen mehr Abenteuer!
Am liebsten schriebe ich hier und jetzt eine Art erbärmlichen Hilferuf: "Darf ich irgendwohin bitte mitkommen und mitmachen?". Das ziemlich Merkwürdige ist, dass, kaum bin ich da, nach einer gewissen Zeit mein Interesse schwindet. Das kennen wir von früher: Exlibris. Yeah - Barfly, cool! Nichts wie hin! Kaum eine Stunde später wurde es bereits langweilig und am liebsten wäre ich wieder nach Hause oder zumindest weggegangen.
Was für ein paradoxes Dilemma! Uns gehen die sozialen Kontakte verloren. Mir gehen sie verloren. Nahezu alle spontanen wie auch verabredbaren Aktionen sind vorbei. Ausser BlueNote gibts da nichts mehr. Kein oder wenig Interesse, keine Aktion und oft erfundene Ausreden, aber ordentlich Nachwehmut. Der Bluesjackets re:union für eine Nacht am 20. Mai 22 stehe ich sehr ablehnend, geradezu schrullig gegenüber. Die damals fortwährenden Versuche von Thomas Lange, mich zu besuchen, um was Essen zu gehen oder sowas, schlug ich permanent aus. Es langweilte mich. Oder wollte ich keine Termine und andere Leute? Jörg & Jana laden uns dauernd zum Frühstück ein - es hat tatsächlich noch nie geklappt, weil ich/wir nicht wollten!? Was ist davon zu halten bzw. daraus zu schließen? Ich möchte gemeinsam mit anderen Menschen neue oder überhaupt Dinge erleben; aber wenn möglich, nur kurz?
Die Kehrseite waren meine eigenen Erkundungen am dänischen Meer, in der Harzer Hütte, im Bus durch das Land, Dreetzsee, Kopenhagen ... im Resümee auch nicht gerade das großartigste Unterfangen. Okay, meine Abende mit Wein, Sex, Gesang, Kerzen und stiller Einkehr in die Welt meiner Gedanken waren da noch ziemlich gut, die jeweils folgenden Tage im Hangover weniger. Lost in Space. Der allein will und nicht kann. Und der Brief an meinen Freund. Hat so nicht geklappt, oder?
Flashback: Unsere gemeinsamen Schwedenreisen war noch gut, ja! Das hat gefetzt. Oder mit Dorschi und Jana bis nach Frankreich oder paarmal Prag und sogar Polen und Jamaica. (Dabei fällt mir auf, dass Mandy und ich immer bei den beiden eingeklagt haben, dass wir solche Touren so selten machen. Ich kann mir aus heutiger Draufsicht ganz gut vorstellen, dass sie uns nicht bei allem dabei haben wollten.) Oder auch die Touren mit solchen gemischten Haufen aus Stef, Wuschel, Katrin, Käse, Wuselers, Wuschel-Eltern, Suse, Jana, Dorschi, Mario, den Franzosen, Glenn auf Besuch (...) nach Frankreich oder in die Schweiz in die Chalets von Frosch-Reisen. (Schönes Beispiel: Chez la Tante).
Synapsencollaps. Jetzt und hier: Kinderlose Spinner, keinen Antrieb, keine Ideen, alles schon erlebt, reich an Material - arm an Idealen, Enttäuschungen versus verklärtem Blick auf "früher", Jugend ist vorbei - Körper & Geist setzen sich zur Ruhe, was "soll" ich jetzt noch machen bzw. habe ich noch Ziele? Wenn ja, welche? Sich manifestierender Altersstarrsinn, allgemeine Müdigkeit, körperlicher Verfall (zum Teil selbst forciert), Alkohol und Unfähigkeit, Wortschatz im Keller
Status quo mit Tucholsky in neu: "Das Leben ist zum größten Teile zu viel Wein und Langeweile." (Die Ehe war zum jrößten Teile vabrühte Milch un Langeweile. Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.)
P.S.: Gegen halb10 wurde ich dann bei Rene´und Michi auf Whisky & Wein eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mittels eines Bieres und zweier Gläser Wein schon etwas angegangen, gegen halb2 dafür dann vollständig zu. Immerhin blieb ich also gestern nicht allein. Und eben bemerkte ich, wie meine starken Abneigungen mittels Hangover gegenüber so vielem anderen die besten Aussichten haben, all meine Sichtweisen und Einstellungen ins schwer negative Abseits zu stellen: Facebook Kubon mit einem nächtlichen Eintrag über sein Bluesfestival, den man schlechter nicht formulieren kann: "Unser Blues am Turm Open Air am 20.5/21.05 rückt immer näher mit dabei am 21.5. Die Pretty Things Legende Dick Taylor mit ..." und dazu das hier: "Sag niemals Nie ! In den späten 90er und frühen 2000er waren die Blues Jackets die Rhythmen Blues and Soul Show in Deutschland. Festivals, unzählige Straßenkilometer und eine Unzahl an gefeierten Auftritten in der ganzen Republik ..."
So, und nun? Nun lese ich das und rege mich furchtbar drüber auf. Kann der nichtmal einen Satz vernünftig schreiben? Und was soll Rhytmen Blues sein? ... Warum rege ich mich drüber auf? Weil ich leider im Moment zu nichts anderem in der Lage bin. Das erklärt einiges in meiner Problemzone. Und das ist mehr als schrullig und sogar vergleichbar mit Montags-Spaziergängern und anderen Idioten.