Zähl‘ mal bis 52. So viel Zeit. Mein Foto sieht anders aus als das von 40 oder 42. Geradezu erbärmlich. Meine Corona Infektion trägt hier eine Mitschuld, die aber kaum mehr als 10% ausmachen dürfte. Obwohl: guck mal hier. Dennoch ich bin gealtert in einem sichtbaren Maß, das mir keine schönen Augen macht. Tobias und ich haben eben über eine Stunde via Facetime meinen Geburtstag 'gefeiert'. „Dior Sport“ heisst mein neuer Duft, meine Polar-Uhr hat ein neues Armband und zwei AirTags mitsamt Schlüsselring werden meinen Bus im Auge behalten, während ein lilaweisser Blumenstrauß heute meinen Tisch schmückt.
Ich fühle mich alt, aber im Moment immerhin nicht verloren. Denn ich habe meinen Tobias. Und die Idee zu mehr gemeinsamen Abenteuern mit uns und Freunden. Alles längst schonmal dagewesen, hat es sich verändert in den Jahren. Mal sehen, wie es weitergeht.
Be fifty two
Also gut, dann in krank. Und in traurig. Aber nicht des Virusses wegen, eher in der Vorstellung dessen, was ich im gegensätzlichen Fall auch bloß NICHT getan hätte. Das kann schnell voreilig und hanebüchen dahingeschrieben sein. Es bleibt das mulmige Gefühl der Mittelmäßigkeit mitsamt dem vagen Erkennen von nicht so guten Situationen, um allerdings keinen weisen Schluss daraus ziehen und entsprechend handeln zu können.
Vor zwölf Jahren stand ich mit Ines in der Küche und kochte Chili. Um die Mitternachtsstunde machte ich ein sogar schönes Foto von mir und schrieb in die Zehnsucht. "Keine Angst, keine Schmerzen" hieß es darin. Heute? Angst ist schon manchmal dabei, es nicht hinzukriegen, nicht zu begreifen, das Leben. Aber das ist auch nichts Neues. Damit mache ich es mir zu einfach, wenn ich mein ungünstiges Verhalten begründen will. Und in der Tat, ich muss mehr als sehr gut aufpassen; es droht die beliebige Belanglosigkeit mit heruntergelassenen Jalousien und einem dahinplätschernden Leben, dessen Wave-Sound vom Wein verursacht wird
Der traurige Saubermann
Weiterhin positiv. Die Idee des Freitestens nach 7 Tagen schwindet. Sebb hatte bereits nach drei Tagen nichts mehr gemerkt und sich freigeschossen. Mir geht es wie am ersten Tag. Abends manchmal oller. Habe den Wein wieder für mich entdeckt. Wein-Micha schickte Dirk los und ich trank zwei Flaschen. Was für ein Mist. Aber vielleicht hilft's ja. Dachte ich. Und so stehen nun also mein Geburtstag und bisschen was Paritätisches auf der Kippe. Versuchen wir es morgen früh nochmal.
Womöglich hätte mir mehr Ruhe gut getan? Wie läuft das bei einer Viruserkrankung? Wie bei einer Erkältung? Ich habe seit genau einer Woche genau das gleiche Gefühl: Brust etwas eingeengt, ab und zu etwas Husten, leichte Schlaffheit und hoffentlich nur eingebildete Atemnot, wenn ich voll in Aktion oder auf der Treppe bin. Derweil rumpeln die polnischen Handwerker auf ihre arbeitsame Art die Wohnung in der Parterre vollständig auf neu. Von 06:15 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends. Das geht auf's Gemüt, denn es ist mitunter sehr laut.
Ich habe meine Wohnung aufgeräumt und sauber gemacht. Alle Zimmer (ausser Studio) sind in Topform. Ich bin schon mit dem Rad durch die Bude geradelt. Geht prima. Bereits gestern Abend wurde ich merkwürdig traurig. Aber warum? Ein Trauerschauerschub, der vielleicht vorausahnte, dass es länger dauert mit einer Quarantäne, die wirklich merkwürdig ist. Ich vermisse nicht das BlueNote oder so, aber vielleicht das Bewegen draussen in der frühlinglichen Sonne? Das Eingesperrtsein? (Ich war heimlich bereits zweimal beim Bäcker und heute früh im Naturata.) Wahrscheinlich ist es eher das Große Ganze, was mir immer wieder mein totales Versagen weismachen möchte, wonach ich meinen Träumen weder getraut noch meinen Wünschen gefolgt bin und nun so da stehe und diese Attacken aushalten und hoffentlich nicht zu viel trinken muss.
So. Das fühlt sich also nicht so an, als wäre morgen alles gut. Okay, dann lassen wir den 52. > be52! eben sausen und verlegen ihn in die Urlaubswoche. Oder ins Weltall.
Corona positiv Tag 2
Klingt je heroisch hier, die einzelnen Tage bis zum hoffentlichen Freitesten aufzuschreiben. So wild scheint das alles nicht zu sein und wahrscheinlich wird's am Ende sehr viele Leute einmal erwischt haben. Vielleicht aber bietet mir die Woche Gelegenheit zur inneren Einkehr. Ich darf ja nichtmal raus. Also keine weitere Ausrede beim Versuch, mein derzeitiges Leben ein bisschen zu sortieren. "Denn ich spüre immer stärker, dass ich mich verlier'" (van Veen).
Alles ist laut, oft unbeherrscht, es herrscht (wiedermal) Krieg, diesmal nur näher ran mit spürbaren Folgen; Social Media erscheint mir seit mindestens zwei Jahren (also seit Corona) dermaßen dummgepusht, keine Meinung hat wirklich Bestand, alle mit allen gegen alles. Menschen entlarven sich, andere hypersensibilisieren ihr Universum als Selbstdarsteller, jede Behauptung scheint entweder zum Krieg oder zu plötzlicher Gemeinschaftsbetroffenheit zu führen; man versucht sich durch Applaudieren auf Balkonen zu trösten, schreibt schwelgerische Beiträge in der Hoffnung, damit irgendetwas zu ändern und von weiter oben sehe ich einen Planeten, auf dem sehr merkwürdige Dinge mit sehr verkleideten Menschen geschehen.
Und ich kann es nicht für mich sortieren und substituiere die Zeit mit dem Vertrinken von alkoholischen Getränken.
(P.S.: PCR Test Brandenburger Straße gemacht. Meine Güte, war das voll da.)
Corona positiv Tag 1
Nun hat es mich also auch erwischt: Der nach der Mitternachtssauna vom Donnerstag und dem anschließenden Bier zuhause bemerkte kleine Pieks im Hals entwickelte sich am Freitag zum Husten mit Druck auf den Bronchien. Der trug sich am Freitag weiter, ein Antigentest blieb negativ; die Nacht zum Samstag war okay und der Samstag führte so weiter. Beim Kaffee vorhin dann ein erneuter Test mit dem Schreck eines hauchdünnen roten Streifens beim "T". Der sofort folgende Test mit Tobis professionellerem Test erbrachte noch vor dem obligatorischen "C" das "T", womit es also sehr deutlich wurde.
Kleine plötzliche Panik. Huch? Was nun? Alles zusammengeräumt und Essen aufgeteilt, zum Bördepark für einen erneuten Test und wieder positiv. Jetzt bin ich zuhause und muss das erstmal kapieren: Es ist ja "nur" ein schmaler Husten. Aber kein üblicher, grippaler Infekt, wie Tobi mir gerade erklärte, sondern ein viraler Befall. So wie bei einer Virus-Grippe. Kein Spaß also.
Dann lasse ich das über meine persönliche Saturday-Night mal wirken und hoffe, dass es sich morgen eher wie ein abklingender Husten anfühlt, statt in die Vollen vorzupreschen und mich flach zu legen mit allen möglichen Long-Covid-Konsequenzen. Die nämlich sind es, die mir im Moment ein bisschen Panik verschaffen.
Na dann gucken wir uns das mal an. Und warten darauf, dass Tobi sich hoffentlich nicht mit angesteckt hat.
Deejay-Hack
Hackepeter war da und hat sich über ein Plugin oder sonstwie in die Zehnsucht hineingeschmuggelt, um dort gemeine Dinge zu tun. leider bin ich insgesamt ein bisschen zu doof, das ganze Konstrukt zu durchschauen. Deshalb muss ich die Zehnsucht nochmal bauen. Bis bald also
Halfway
Kurz besonnen, (gestern) nicht betrunken, dafür müde. Einen guten Tag erlebt. Mein Büro zum kleinen Studio um/aufgeräumt, mit den Leuten gesprochen und mich trotz Müdigkeit (06:45 Uhr) erstaunlich fähig gefühlt. Und mein neues Equipment ausprobiert. Siehe Foto. Scheint tatsächlich so, als dass ich Wochen lang im Hangover so einen Tag ohne Hangover als etwas Großartiges empfinde. Ich kann es allerdings nicht länger beschreiben, denn am selben Tag (also jetzt) sitze ich bei Tobi (der ist schon im Bett) und hab genügend Weißwein in mir. Wollte es immerhin bemerkt haben, dass sowas vielleicht ein ... ach komm, das ist doch Bullshit. Weisste selber, oder?
Die Litanei der Lethargie
So sieht sie sie aus - meine Lethargie. Immer wieder. Abends. Immer abends. Der kritische Zeitpunkt liegt immer zwischen 20:30 und 22:00 Uhr. Das Foto ist gestellt, trifft es aber.
Fotest aus Protest
Glaubst du, die Russen wollen Krieg? Vielleicht ist es ja nur einer, der den Krieg will. Ich bin heute ein bisschen willenlos. Obwohl die Sonne scheint. Eine Flasche Weißwein ist immer zu viel.
Zehnsucht goes Niesfisch
Die Zehnsucht ist zum Niesfisch umgezogen und letztere gilt ab jetzt als das neue Zuhause. Womit die zehnsucht.de vollständig an Mandy abgegeben wird und ich unter niesfisch.de/zehnsucht22 all das Bisherige umgezogen und in ein neues, schmuckes Layout mit frischem Design eingebaut habe. Dennoch trägt die Zehnsucht weiterhin ihren Titel. Letztlich macht es ja nichts aus und ich bin froh, dass ich trotz anfänglicher Skepsis "meine" zehnsucht.de Domain nun doch aufgebe. Wahrscheinlich wäre es für Mandy zu aufwändig, all ihre Accounts und Anmeldungen nun auf eine andere E-Mail ziehen zu müssen. Und Frauke will ich mit ihrer coalmineranch.de und Thomas mit seinem wegenstedt.de gleich mit versorgen und ich bin das los.
NEU in der Zehnsucht ist der Magazin-Look auf der Startseite. Erst wenn ich direkt auf einen Artikel gehe, kann ich Beiträge und Inhalte suchen oder nach Kategorien sortieren. Gewöhnungssache. Das Theme gibt es in dieser Hive-Lite-Version mit nachträglichen PHP-/und CSS-Anpassungen nicht anders her. Die Vollversion kostet 100 EUR und kann nicht sonderlich viel mehr. Für mich ein Training, aber begreifen tu ich es ja doch nicht.
NEU ausserdem (naja, nicht ganz so neu) sei hiermit empfohlen, jeweils Beitragsbilder einzubauen. Da lässt sich mein Verfall auch besser verfolgen. Und auch das Benutzen von Schlagworten wären noch eine Idee. Dazu sieht das Druckbild eines Beitrages ziemlich schick aus und der Rest wird sich über die nächste Zeit finden.
Welcome.
95,7 kg
Oder waren es gar 97,5? Was rum wie num ein Desaster ist. 10kg runter, dann nochmal 5kg. Gesamtpaket schnüren oder Testament schreiben.
Wintersimpsonssonnenwende
Es ist soweit: am Horizont zeigt sich ein Silberstreif um 18:00 Uhr, der davon kündet dass es ab jetzt mit dem Beginn der alltäglichen Simpsons Folge draussen nicht dunkel ist. Das ist der von mir erklärte Frühlingsbeginn in gewisser Weise. Und schon stellt sich wieder die Frage: was werde ich in diesem Jahr mit dieser heller, wärmer werdenden Zeit anfangen? Das erste zarte Grün zeigt sich an den Zweigen; die ersten Knospen wollen aufspringen und es wird wärmer draußen. Das zarte Grün wird sich dann entwickeln und später zu einem tief dunklen Grün werden, bevor es dann zu Boden fällt und Herbstlaub wird. Es ist und bleibt das alte System. Schöner wär nur, es schöner empfinden zu können.
Das Braun meiner Augen
Nach Unvernunftsabenden mit anschließender Sicherungsrotweinverwahrung ist es am folgenden Tag nicht nur immer und immer wieder das Selbe dumpfe gefühl der Unfähigkeit, richtig zu leben. Nein, dazu kommt, dass das Braun in meinen Augen merkwürdig blass erscheint. Es geht fast in ein milchiges Grau über. Es beraubt mich meiner Farben. In allerlei Hinsicht.
Es scheint übrigens mittlerweile schlimmer als angenommen zu sein. Die Entschlusskraft, es jetzt endlich und mal wieder für mich richten zu wollen, scheint nicht mehr über ausreichende Energie zu verfügen. Denn es klappt einfach nicht. Ein Lauf übers Land gestzern kostete mich den Rest meiner Reserven. (Nunja, mit Zeckenimpfung und nach alkoholischer Nacht am nächsten Morgen Cosentyx Impfung sollte ich nicht zuviel erwarten). Das eigentliche Desaster besteht im moorgendlichen Spiegel: mein Fettbauch ist unterhalb jeden vorstellbaren Designs, meine Haare fallen weiterhin aus und ich komme nur mit letzter Mühe die Treppe beim Paritätischen hoch. Dazu kommt eine merkwürdige Dummheit beim Bedenken von Dingen. Ich traue mich aus Angst vor Absage nicht, einen Steuerberater zu finden; ich komme mit den kleinsten Dingen nicht klar, weiss nicht, wie man eine Struktur in ein mögliches Redaktionssystem bringt, schreibe wenige und nicht gerade sinnvolle Zeilen für die auf Halde liegenden Songs und hoffe auf jedes Wochenende bei Tobi, von dem aus ich dann auf jeden Wochenstart bei mir hoffe. Circle of fuck. Dabei scheint es einfach zu bewerkstelligen zu sein: Ein Ziel - und sei es der regelmäßige Sport bis zum erklärten Trainingsplan - und dazu Finger weg vom Alkohol. Lauf davon, lauf davon ... hier macht es Sinn, vor diesen meinen Gebahren davon zu laufen. Macht gleichzeitig auch fitter.
Negatiefen
(auf der Autofahrt zurück vom Skiurlaub in Ellmau per Mail)
seit mind. 2018 kaue ich an meinen Zähnen vornrechts herum
seit mind. 2016 trinke ich über die Maßen zuviel und kann es nicht lassen
oft sehe ich die Menschen von einer Position ober-/ außerhalb des gesellschaftlichen Gefüges und fühle mich erschreckt
Meine Verhaltensmuster „Was du nicht willst, das man dir tu“ funktioniert immer weniger. Das merke ich meist ziemlich schnell und es ist mir peinlich.
Ich be- und verurteile Menschen oder Situationen sehr und zu schnell und glaube die Ausbildung dafür von meinen Eltern erhalten zu haben
Ich provoziere andere und leugne es anschließend (Tobi)
Oft reagiere ich aggressiv und glaube meine Argumentation unbedingt verteidigen zu müssen
Eine Ohnmacht, wonach an nichts mehr aufrichtig zu glauben sei - meist in den allen Medien, macht sich in mir breit.
Immer wieder verachte ich die mir bekannten, sich oft verherrlichenden Social-Media Selbstdarsteller, muss aber einräumen, dass es mich zumindest immer wieder grämt, weil sie wenigstens etwas tun, worum ich sie beneiden muss. (ungeachtet derer Armut, sich durch Facebook in ihrem Tun bestätigen lassen zu müssen. Offensichtlich eine Schreckschraube,)
Ich leide an meinem fürchterlich Säbel rasselnden Synapsenkrieg.
Mein Selbstvertrauen stellt sich und mich oft selbst auf harte Proben.
Mir fällt sehr oft und einfach nichts ein, was mit meinem Leben anzustellen sei: ich finde keine klar definierten Ziele oder habe Bedenken derenthalben
Ich bin fürchterlich fett, übergewichtig, behäbig, unförmig und haarverlustig
Seit Langem schreibe ich keine Songs mehr
Ich werde sentimental, wenn es in Büchern oder Filmen um Freundschaft, Zusammenhalt, Coming of Age, Entwicklung, Liebe, Abenteuer, Gemeinschaften … geht.
Mein Grundverständnis von Leben, das meiner Meinung nach offenbar so nicht (mehr?) stattfindet, ist gestört. Manchmal fühlt mein Leben sich an wie ein Blick auf die Uhr, um den Rest der Zeit verstreichen zu sehen.
Alles zusammengenommen also ein massives (und bestimmt nicht vollständiges) Aufkommen ungünstiger Umstände, die sich bestimmt sortieren, ordnen und erklären und damit ändern lassen. Je länger die Umstände währen, desto schwerer fällt der Abschied. Sowas hier lässt sich nach bzw. mit dem Lesen der Anhalter- Bücher von Douglas Adams viel leichter formulieren, entbehrt nicht einer gewissen Selbstironie und macht es damit erträglicher. Außerdem stellt sich dabei heraus, dass diese meine Probleme ganz und gar nicht einzigartig sind.
Gnatzkopf
Ich überlegte mal am Beispiel Micha Homi Homann, ob sich mit fortschreitendem Alter eine Form von Gnatz bzw. globaler Unzufriedenheit einschleicht. Wonach also vieles von den umgebenden Dingen entweder nicht tatsächlich neu oder aus Erfahrung keine Aussichten zu haben scheinen. Schlagworte wie Innovation, Kreativität, Nachhaltigkeit scheinen aufgesetztes und belanglos beschwichtigendes Zeug zu sein. Unzulässiger Trost. Wonach also vieles als sehr negativ aufgefasst wird und damit automatisch keine Zukunft für hat.
Wenn es irgendwie geht, möchte ich dieser Entwicklung nicht anheim fallen … so ich es nicht längst schon bin. Denn ich fühle immer stärker, an jenen oben genannten Dingen zu kränkeln. In der Abwägung der guten zu den schlechten gefühlten Situationen gilt Augenmerk! 50:50 wären schon nicht gut, allenfalls ausreichend. Note 2 ist das Ziel. A propos „Ziel“. Was denn nun? Geht das immer so weiter und am Ende stirbt vergnatzt ein einst so froher Geist als Greis an Gram und Langeweile? Das liesse sich abkürzen. Oder ändern.
Potenzial- und andere Verluste
Beiträge wie diese sind nicht sonderlich hilfreich, wenn sie ein einem so hilflosen (alkoholisierten) Zustand geschrieben werden. Aber vielleicht macht es ja die Menge am hoffentlichen Ende der Litanei und dem Beginn des ebenso hoffentlich erneuten Erwachens. Während ich mit genügend Wein so viel von dem erkenne, wozu ich aufgrund dessen nicht in der Lage sein werde, macht mir der nächste Tag mehr als deutlich, dass diese Reise keine gute ist. Und der Katzenjammer entlockt mir Beschwörungsformeln, es denn nun endlich sein zu lassen und mich zu besinnen. Besinnen auf das, was ich in nüchternen Lebenslagen nicht wunschkonform für mich hinbekommen habe. Zumal allein die Wünsche und Ziele schon sehr knapp bemessen waren und sind. Da wiederholt sich viel.
Das Experiment lautet: Mach dich fit in Geist und Körper, lese weiterhin Bücher, mache Musik, triff dich mit solchen Leuten, die dich wirklich voranbringen, laufe übers Land, trainiere deinen Körper und mit all diesem zusammen dein Selbstbewusstsein. Und stelle dich hin, bau dich vor dir auf und vergewissere dich eines einfachen Zieles: Dein Leben so lebenswert zu machen, dass du nicht mehr darüber nachdenken musst, sondern unbeschwert all deiner möglichen Wege gehst.
Nichts Neues, klar. Und der selbsternannte Fluch, meine Potenziale nicht ausreizen, mich nicht an den "Großen" messen zu können (weil: zu müssen?) und am Ende immer an diesem Gefühl des unsäglichen Mittelmaßes zu leiden ... verdirbt mir jede noch so nüchterne Aussicht. Beides hat keine Aussicht. Betrunkener natürlich noch weniger.
Nunja, hab' ich immerhin mal wieder Bescheid gesagt. Und was besonders fetzt: Ich sehe mir meine Mattlethorpe Tagebücher aus 1995/96 und meine Einträge in der Zehnsucht ab 2010 an und schreibe jetzt und hier in 2022 noch immer das Selbe. Lustig, nicht?
(Flashback: Das betrifft derzeit tatsächlich einen Zeitraum von 27 Jahren - einem nachgeordneten "Klub27", dem Alter, an welchem merkwürdigerweise so viele gute Leute wie Joplin, Morrison, Hendrix, Cobain, Whinehouse ... starben. Ich werde demnächst 52 und habe es wahrscheinlich meinem gefühlten Mittelmaß samt Intelligenz zu verdanken, dass ich noch nicht ... naja, das mag ein lustiger Zufall sein, ist aber einigermaßen dämlich.)
Jedenfalls klingt es oft wie eine jeweilige Beichte, wenn ich hier meine Erlebnisse, Empfindungen, Deutungen, Aussichten und Vorhaben reinschreibe, die sich über die Jahre dann doch nur hier wiederholen. Ich habe mich hier sozusagen entschuldigt oder was? Per Homer Simpson wurde sowas mal auf einen schönen Punkt gebracht:"Es tut mir schrecklich leid, dass ich riesengroße Fehler habe, an denen ich nicht arbeite."
11.01.1995
Ich habe meine Mattlethorpe Tagebücher aus 1995/96 seit geraumer Zeit auf meinem Tisch zu liegen. Weil ich deren Inhalt hier reinschreiben möchte. Um die Zehnsucht aufzufüllen, meine aufgeschriebenen Gedanken zusammenzutragen. Bevor das los geht, hier der dritte Satz aus meinem ersten Eintrag vom 11.01.1995: "Erster Tag ohne Alkohol".
Wenn ich das richtig deute, saufe ich seit mindestens 25 Jahren und habe es bereits im Alter von 25 Jahren zum Problem erklärt. So. Und jetzt du!
25.09.2021
An diesem Tag hat für 2021 alles Angefangene aufgehört. Und selbst da waren die Ambitionen schon knapp bemessen. Gilt bis heute. Und „Is‘ nich‘ schön.“ Kennste, wa?
(Am Morgen des 26.09.2021 gegen 03:30 Uhr fuhr ich mit Marcel Kabel per Fahrrad von der Kubons50-Nachholparty vom Wasserturm nach Hause und stürzte dann am Buckauer Bahnhof sehr betrunken vom Fahrrad und brach mir das rechte Schlüsselbein)
Alles klar
Im betrunkenen Zustand, also in einem wie wiedermal jetzt, ist mir alles völlig klar. Dass es so auf keinen Fall weitergehen kann, dass ich die Möglichkeiten, die ich derzeit in meinem Job habe, verlieren werde, wenn ich so weiter mache. Dass ich nichts Sinnvolles, Aussichtsreiches, Schönes erleben werde. Dass es dunkel wird. Die Vernunft hält mich auf Abstand. Weil ich fürchte, dass ich mich im klaren Zustand zwar sehr viel besser fühlen, aber langfristig nichts ausrichten könne. Der Rest ist Romantik und nichts Bestimmtes. Gepaart mit materieller Angst, der Folgen wegen, die sehr sicher eintreten werden, wenn ich den kleinen grünen Zweig nicht zu fassen kriege. Nicht zu fassen.
Abschiedsbevollmächtigter
Wie schön - ein Wort, das mir heute früh eingefallen ist. Abschied. Vollmacht. Zwischen all den Wirren der Realität, die ich entweder immer weniger oder nur umstandsbedingt zu entknoten in der Lage bin. Es fühlt sich an wie verrückt werden. Oder baldiges Sterben. Etwas, was wahrscheinlich unter dem Label Burn-Out geführt werden würde. Daran glaube ich allerdings nicht. Denn es ist mein Setting. Jenes Setting, das beeinflusst von äußeren wie inneren Faktoren bestimmt wird.
Kurzum - mir fehlen Ziele und das Kribbeln im Bauch, wenn ich darauf zugehe. Ich erkläre mich zum Abschiedsbevollmächtigten über diejenigen Umstände, die mich daran hindern.
Geiz der Gewohnheit
Mein vorsichtiger Versuch heute bei Marcel, meine Nebentätigkeit bei der Freiwilligenagentur ja vielleicht doch durchzukriegen, schlug natürlich fehl, was mir jetzt auch logisch vorkommt. Immerhin hatte man bei meinen Gehaltsverhandlungen im letzten Jahr den Stopp und einergehenden Geldverlust einbezogen. Aber eben unter der Voraussetzung, die FWA sausen zu lassen. Und ich dachte tatsächlich, wenn ich die Logik erkläre, dass ich egal in welchem Bezahlungsverhältnis ja dennoch für die Agentur ein wenig tätig sein werde und ein Angestelltenverhältnis für mich besser und für alle anderen egal sein könnte, würde man sich einverstanden erklären.
Aber es ist nachvollziehbar - vor allem für den Paritätischen - der solche Konstellationen vermeiden möchte. Zum einen aus reinwestlicher Beschäftigungssicht, zum anderen, mich ganz für sich zu haben. Ich sehe ein wenig wehmütig den 600 zusätzlichen Netto-Euros samt Rentenversicherung hinterher und ertappe mich in einer Situation, nicht genug kriegen zu können. Wer weiss, woher das rührt. Mal zwei Jahre zurückgedacht waren wir genau jetzt in den Dolomiten und ich telefonierte mit Sabine, ob und wie ich wohl an diesen ausgeschriebenen TRES-Job kommen könnte. Da waren die 1.400,- vom Arbeitsamt längst vorbei und ich hatte mit 20 Sunden bei der Freiwilligenagentur als Auffanggesellschaft irgendwas mit 720,- zur Verfügung. Und da war ich schon dankbar, das Birgit mich aufnahm und dass Sabine mir ab 02/20 den 30-Stunden Job verschaffte. Da war ich also mit 600 und 1.830 netto plötzlich sehr gut dran. Das sollte sich ab August 2021 dann sogar noch erhöhen auf 620 und 2.500, was gesamt über 3.100 ausmachte. Netto! Daran lässt sich heftig gewöhnen.
Ab jetzt also sind es wieder ca. 2.600 und betrachtet auf meine Vergangenheit war es nie jemals so viel. Und doch scheint mir der Geiz im Nacken; jener Geiz, der so gerne sparen will, sogar im Kleinsten, wo es am peinlichsten ist. Nun wissen wir nur noch nicht, wofür. Neuen Bus kaufen? Das alte Dilemma ... wozu soll der gut sein? Der "richtige" Bus ist der, den wir uns selbst zusammen ausbauen und mit dem wir gemeinsam durch die Welt ... ach, das klingt alles so dramatisch zynisch.
Dieser Beitrag hier war nicht sonderlich schön. Aber es musste mal geschrieben werden.
Immer noch nicht bereit
Nach all den vielen Wochen seit meinem Schultersturz Ende September, den damit einhergegangenen Einschränkungen und der gewissen Trostlosigkeit in Sachen "Vorwärts" ist nun das neue Jahr angebrochen, was gewissermaßen oft (und auch von mir) für Neuanfänge genutzt wird, um die Dinge, meine Dinge besser zu machen. Vornehmlich handelt es sich hier um den Verzicht auf Alkohol, um die Wiederaufnahme meiner sportlichen Betätigungen, um die Klarsicht auf das, was mir immerhin ermöglicht wurde. (das meint u.a. auch meinen Job in der Parität).
Aber ich "lauf davon, lauf davon" bin immer nur irgendwie besoffen oder faul und kriege nichts auf die Reihe. Nichtmal einen Zahnarzt oder Steuerberater wage ich mir zuzulegen. Bin heute mit Katrin Gellrich (als neue Geschäftsführerin Moritzhof) nach unserem Essen auf dem Weg zurück an einem Balkon vorbei gelaufen, unter dem zwei Männer standen, die einigermaßen verloren bzw. kaputt aussahen. Und die Frau auf dem eineinhalb Meter darüber Balkon stand dabei und hatte genau jenen versoffenen Gesichtsausdruck mit verlassenen Lidern unter den versoffenen Augen, den ich sehr gut kenne. Das war gegen 14:00 Uhr. Kaputte Menschen. Ich habe sowas nur morgens, aber was heisst "nur"?
Ich habe offensichtlich noch immer nicht den "Kick" der mich loslaufen, real werden (get real?) und das machen lässt, was wie so oft dringend nötig ist: Sammeln, klar werden, raus aus dem Mief ... ooh, es ist irgendwie immer das Selbe, oder?
Naja. Ich bin weiterhin betrunken, hab mir nach den Restweinen noch ein und noch ein Bier aufgemacht und bin nun wie so oft nicht mehr in der Lage, das, was ich mir für morgen vorgenommen habe, zu machen. Lauf davon, lauf davon ... hallt es in mir nach.
Vermeidung vs. Fortschritt
Die schlechten Dinge zu vermeiden ist die eine Seite. Die bessere ist die Bestärkung derjenigen Dinge, die voran bringen. Denn deren Resultate werden automatisch die schlechten Dinge vermeiden. Oder?
Ode to freedom
[audio mp3="https://www.niesfisch.de/zehnsucht22/wp-content/uploads/10.-Ode-To-Freedom.mp3"][/audio]
"Ode to freedom" von Abba kurz vor Zwölf. Punktgenau gehen wir über in den obligatorischen Strauß-Walzer "An der schönen blauen Donau". Und siehste: Dieser Moment ist es dann doch, der uns küssen und sogar ein wenig tanzen lässt inmitten einer kleinen silvestrigen Glückseligkeit. Emotionen sind schon bisschen was Besonderes.
Und damit wir nicht jedes Jahr danach suchen müssen (und ich es hoffentlich nicht vergesse, dass ich das hier geparkt habe), hier der Strauß-Walzer, der wirklich sehr gut klingt.
(Suche nach: "Johann Strauss - An der schönen blauen Donau - Donauwalzer")
[video width="640" height="480" mp4="https://www.niesfisch.de/zehnsucht22/wp-content/uploads/Johann-Strauss-II-An-der-schönen-blauen-Donau-Walzer-Op-314.mp4"][/video]
Ultimo
Wir warten. Irgendwie. Gelangweilt. Auf etwas Neues. Weil nichts anderes da ist und wir im Moment nichts anderes sein können. Vielleicht nicht schlimm, aber doch ein bisschen. Wir sind zu leer. Oder ich. Aber im dann umgekehrten Fall möchte ich (aus Erfahrung) recht bald wieder nach Hause. Wie denn nun? Gute Frage an das neue Jahr, das in Kürze und meiner Nähe seine Zelte aufschlägt. Ich sollte mal hingehen.
An dieser Stelle vorerst Ahoi und bis bald.
forever21
[audio mp3="https://www.niesfisch.de/zehnsucht22/wp-content/uploads/09-Once-Upon-A-Time-In-The-West.mp3"][/audio]
For never 21. Davon blieb nichts übrig. So gut wie garnichts. Weil es nichts zu erleben gab. Deshalb ging es auch so schnell. Und nun ist es vorbei. Ich bin emotional instabil. Seit gestern, als sich Claus Kleber vom Heute Journal verabschiedete. Seltsam. Was hat das mit mir zu tun? Abschiedsgedanken? Dann wurde ich sehr müde. Heute beim Zeitungsrausholen im elterlichen Anwesen ließ ich meinen Blick über Interieur und das Haus selbst schweifen. Wem wird das alles einmal gehören? Dem Staat? Wie wird das hier in Zukunft aussehen? Endzeitstimmung machte sich breit in mir. Dazu Ennio Morricones "Once upon a time in the West". Und zeitgleich spürte ich den unheimlichen Druck, den das Leben auf mich ausübt. Mal drückt das Gewissen, dann das Lampenfieber und ich schiesse motiviert nach vorn; dann drückt der Schuh, der mich vollständig bekleidet und nichts geht mehr. Dann lasse ich mir Dinge aufdrücken, die mangels eigenem Willen folgerichtig erscheinen. Ganz nebenbei verdrückt sich so viel Zeit und ein ganzes Jahr komprimiert sich in etwa fünf Wochen. Noch eben hatte ich die Weihnachtssingen-Filme als Erinnerung gebaut und wollte fast weitermachen, als mir auffiel, dass die kurze Pause von eben bis jetzt ein ganzes Jahr andauerte.
Jetzt bin ich nicht mehr ganz so sehr emotional. Vielleicht zur Mitternacht wieder, falls ich dann noch dazu fähig bin. Eine Information muss ich mir auf alle Fahnen schreiben: Rückblicke, Bewertungen und Erklärungsversuche sind zwar nicht unwichtig, aber zielführend ist und bleibt die Formulierung dessen, was ich möchte. Was logisch klingt, mir aber so oft so schwer fällt. Weil es keine Ziele für mich gibt? Oder all jene halbseidenen zeitgleich? Oder das eine mit dem anderen zusammenhängt? Oder ich überhaupt nichts will vom Leben?
#: unbeherscht, genervt, aufbrausend, ungerecht, ablehnend, unentspannt ... geht alles hilflos gegen die Wand und führt letztlich zu einem Panzer der Verbitterung.
#: freundlich, entspannt, liebevoll, besonnen, höflich, glücklich ... sind zwar die richtigen Schlagworte, die sich allerdings nur aus gewissen ambitionierten Aktionen bzw. Handlungen herstellen lassen. Das ist keine Einstellungssache, das sind Dinge, die daraus entstehen. Natürlich ist ein Basisbudget vorgenannter Attribute sehr hilfreich, aber da mache ich mir weniger Sorgen. Viel komplizierter machen es mir meine Synapsen, auf die ich mein Ungemach zu schieben immer gerne nur allzu bereit bin.
Und vor allem dauert das alles so lang. Ein Leben lang. Gefühlt habe ich irgendwann in meinen späten 20ern vorsichtshalber aufgehört, mutig an meinem Leben, das ich mir noch nicht erklären konnte, weiter zu arbeiten. Angst vor der eigenen Erkenntnis, Unfähigkeit, einem gefühlten Mittelmaß, Angst vor der Entscheidung, Konsequenz und Angst vor den Umständen, die mir eine Welt zeig(t)en, die weder mit Sachverstand noch Emotion zu begreifen, im besten Fall als Mitläufer irgendwie zu tolerieren ist.
Es bleibt ein steter Prozess der Balance. Ich wünsche mir freien Mut & klare Sicht.
Mit schwerer Fracht.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Jahr geht fort. Und mit wieder- und weiterhin genügend Wein intus wird mir hier kein Jahresrückblick gelingen. Was für die Dinge, die es für mich zu tun gilt, deutliche Hinweise hat. Permanent panne, ohne Ziele, jedoch gut versorgt mit materiellen, geistigen (abnehmend) und körperlichen (ebenfalls abnehmend) Möglichkeiten. Und wie immer und immer wieder das selbe vage Gefühl, mein Leben betreffend; dass irgendwas nicht hinhaut, irgendwas nicht stimmt. Und dazu keine Erklärung, WAS genau es denn sein könnte. Luxusproblem? Materiell gesehen war das damals nicht unbedingt so; das Thema war allerdings das selbe. Womit sich also die Frage geklärt hätte, ob extremer Reichtum an diesem vagen Gefühl und meinem Leben etwas ändern würde.
Synapsenchaos - das wird es besser treffen. Und das existiert schon seit ich denken(!) kann. Eines weiß ich wie immer: Alkohol und Müßiggang müssen einer (mir nicht unbekannten) progressiven Aufgeschlossenheit und einem schlussfolgerndem Tatendrang weichen, um mein Leben zu gestalten. Das habe ich schon so oft probiert - es ändert blöderweise nicht viel. Mir geht's besser, ja, das ist immerhin das beste Argument. Aber wie weiter?
Sehen wir uns mal eine Zwickmühle auf dem Spielfeld an: Sogar eine Dreier-Zwickmühle lässt mir immer nur drei mögliche Felder bzw. Mühlen, die mir jeweils nicht genügen ... verstehste? Brauch' ich garnicht weiterschreiben. Ist auch nicht das beste Beispiel. Und es ist jetzt genau so spät wie ich es bin.
Synonyme der Rechthaberei
"Stur, unbelehrbar, auf der eigenen Meinung beharren, unartig, widersetzlich, naseweis, eigensinnig, unnachgiebig ... und: rechthaberisch." Das kann sich fortsetzen und verschlimmern in "arrogant, überheblich". Spätestens dann wird es noch gefährlicher.
Passiert mir immer wieder. Passiert mir oft bei Tobi. Und im Nachgang ist es peinlich. Warum glaube ich immer wieder, es besser zu wissen? Oder wissen zu wollen? Ein paar solcher Situationen sind mir im Gedächtnis geblieben. Das erste Mal beim Tanztherapie-Workshop beim Studium.. An einem Samstag, damals noch im Verwaltungsgebäude der Fachhochschule. Es ging in einem Versuch um nonverbale Kommunikation zwischen jeweils zwei Menschen und in der Auswertung stellte ich betrübt fest, wie sehr ich der anderen Person meine Aussage aufdrückte. Es gab nur meine Aussage und die nonverbalen Erklärungsversuche. Über die Ansichten oder Ideen von ihr (der zweiten? Person) haben wir garnicht erst kommuniziert. (Na gut, es war eine kurze kleine Übung, um zu sehen, ob und wie es funktioniert, aber es hatte mich damals im Anschluss schon ein bisschen sehr betroffen gemacht.)
Eben gerade ist es wieder passiert: Es ging um die Uhr-Würfel an Tobis Wand, von denen ich der Meinung war, dass er die Würfel, ohne sie kaputt zu machen, von der Grundplatte hätte lösen können. (Es war nur einer.) Weil es nach meiner Logik unsinnig war, sie so zu konstruieren wie sie aussehen, als dass das nicht möglich wäre. Am Ende war es aber dann doch so, wie Tobi es schilderte. Und ich war wieder so vehement und rechthaberisch in meinen Argumentationen ... um so schlimmer war die Erkenntnis, wie sehr ich mich getäuscht hatte. Nicht nur des tatsächlichen Faktes wegen; eher wegen meiner vehementen Argumentation und meines Unverständnisses und dass ich (s)eine andere Erklärung nicht gelten lassen wollte. Tiefe Scham.
Solche unschönen Situationen gab es in meinem Leben wahrscheinlich schon sehr oft. Und sie erinnern mich wieder einmal an meine Mama, die ganz genau so ihre fixe Meinung verteidigt, bis es den Leuten entweder zu viel und damit egal wird, oder meine Mama es plötzlich - so wie ich eben - einsehen und um Vergebung bitten muss. Falls sie (oder ich) es macht.
Du meine Güte, das ist nicht schön. Sowas rührt wahrscheinlich aus meinem intuitiv schmalen Versuch, mein Selbstbewusstsein zu steigern: "Ich weiss das. Ich habe Recht. Ihr müsst mir glauben." Wehe, es geht dann schief ... Geht es aber oft. Dann hilft nur noch, die anderen für verrückt zu erklären oder im Falle der Selbsteinsicht die tatsächlichen Fakten ein wenig zu verschleiern. Bis es passt. Au Backe.
So. Das Jahr geht zu Ende. Schon eine Idee für nächste?
Stille Nacht
Heilig Abend 2021. Bei meinen Eltern. Grandioses Essen, sehr satt. Ein bisschen Fernsehen und Gespräche über alles, was so passiert und viel auch darüber, was bemängelbar ist. Mamas Ansichten über Politik, Preise und Gesellschaft; Papa über die Durchsetzung von ausländischen Kulturen, wonach wir in einigen Jahrzehnten nichts mehr zu sagen hätten. Nichts Schlimmes, nichts Neues. Aber gut, dass sie noch da sind und dass wir uns sehen können. Auch wenn es besonders mit der nach dem reichhaltigen Essen Einzug haltenden Müdigkeit immer mal ein bisschen schwierig ist, den Themen mitsamt ihren Lautstärken zu folgen. So war es immer und so wird es noch ein bisschen bleiben. Ich hoffe, sehr lange, denn ich habe keine Vorstellung davon, wie es mit nur einem von beiden (insbesondere Papa) allein weiter gehen könnte. Bei solchen Vorstellungen packt mich die Panik.
Derweil schaffen wir es wahrscheinlich nicht, Ski fahren zu fahren. Wetter, Pandemie, Hotels ... alles vage. Die Skier habe ich heute bereits abgesagt, Testtermin und mögliche plötzliche Hotelverfügbarkeit wegen diverser Stornierungen stehen noch an und das Wetter kann sich nicht festlegen. Doofe Situation. Dazu habe ich noch Angst meiner Schulter wegen. Ob sie halten würde. Wahrscheinlich ja, aber eine kleine Physio per Dezember wäre vielleicht doch hilfreich gewesen.
Das Alter schleicht sich ein: Früher wären wir sofort und egal wie und wohin losgezogen; ins Piz Da L'ander oder sonstwo. Hauptsache los, nicht zu teuer und rauf auf die Piste. Heute haben wir viel mehr Geld zur Verfügung und insbesondere ich bin der zögernde Teil. Weil mir 1.200 + 150 Skier + 300 Pass = um die 2.000 (für mich) für ein paar Tage über Weihnachten / Silvester zu viel erscheinen. Und es wahrscheinlich auch sind. Damit könnten wir im Sommer auch eine Woche auf dem Boot durch die Adria und noch weitere Zeit dort verbringen. Aber das ist alles doofes Gerechne. Und dem zweiten Anlauf Ende Januar dürfte die Omikron-Variante von Covid-19 einen weiteren Strich durch die nächste 'Rechnung' ein Ende setzen.
So bleibt die Nacht still, wenn auch nicht heilig und ich denke darüber nach, ob es zu viel des Kitsches und der Klischees wäre, wenn ich mir solche Momente wie damals in der Harzhütte vorstelle, als wir zusammen in einer kleinen ollen Hütte einen halbwegsen Baum gebaut haben und hernach durchs Dorf gewandert und nach einem Krippenspiel in einer kleinen kalten Kirche einem Weihnachtsmann begegnet sind ... naja, ob das vermessen klingt, wenn ich mir vorstelle, wie Menschen zu Hause ihre Bescherungen machen und sich danach irgendwo draussen, vielleicvht an einem Feuer treffen und Weihnachtslieder singen.
Was mich zu der Frage bringt, ob wir möglicherweise nichts mehr erleben ausser den geplanten wenigen Höhepunkten eines Jahres? In meinem gerade zu Ende gelesenen, mich etwas misslaunig machenden Buch (Hans-Ulrich Treichel "Schöner denn je") geht es um das schöne Wort "Erlebnisfähigkeit". Das drückt bereits alles aus und bedarf keiner Erklärungen. Also: sind wir noch oder wenigstens möglicherweise wieder in der Lage, zu erleben? Oder habe ich da unrealistische Vorstellungen, die ich selbst nicht erfüllen kann, wenn ich von 'Leute in Cafés beobachten' oder 'Am Strand sitzen und den Wellen lauschen' oder Nacht- und anderen Wanderungen oder überhaupt Aktionen zusammen zu zweit und mit anderen "... da lieg’n wir beide Hand in Hand und starren blauen Himmel an und gehen dahin, wo die anderen sind." schreibe? Vieles klingt romantisch verklärt, aber "Erleben" bringt es auf den Punkt. Sowas bringt Erfahrungen, Neues, Interessantes und möglicherweise auch Schönes, Rührendes, Lustiges, Helfendes (...) auf den Plan.
Die Nacht ist still und heilig ist sie auch. Genau 00:00 Uhr. Und wahrscheinlich geht jetzt irgendwo ein Stern auf.
go 2022
"Was hast du dir vorgenommen?" oder "Ab jetzt mache ich alles anders. Oder wenigstens besser" ... sind die üblichen Phrasen, die wie immer nichts am üblichen Modell ändern und am Ende kläglich versagen werden. Ich versuche es positiv, um in meiner Selbsttäuschung wenigsten das wieder aufzunehmen, was schon mal ganz gut geklappt hat. Auf den Punkt: Ich habe im Juni 2021 festgestellt, dass ich völlig versumpft, stumpf, fett, behäbig, alkoholan-/ und abhängig, lethargisch, antriebslos, lasch (usw.) bin und wollte das ändern, indem ich loslief. #laufdavon.
Das ist mir ab Ende Juli auch ganz gut gelungen, bis meine üblichen Verhaltensmuster (kein Alkohol ohne Sport; dann aber doch) Ende September wieder die Oberhand gewannen. Das mündete dann im Highlight des 26. September, bei dem ich auf der Rücktour der Kubon-Wasserturmparty auf dem Fahrrad so grandios stürzte resp. scheiterte, um mir nicht nur das Schlüsselbein, sondern auch gleich den Willen und die Möglichkeit der Weiterführung meines Vorhabens zu brechen.
Das ist fast drei Monate her, die Schulter ist okay, wenn auch noch ohne Physiotherapie, die ich selbst einfach nicht auf die Reihe bekomme, obwohl alle Voraussetzungen dafür vorhanden sind. (Gewichte, Bänder, Laufschuhe). Und ich muss da was tun; denn es fühlt sich so an, als wäre die Schulter schmerzfrei, aber dennoch eingesperrt.
Auf den konkreten Punkt: Ich muss wieder los. So wie im Juli. Bewegung, Kopf und Körper frei, Alkohol deutlich nach unten (ich wage also noch immer nicht zu schreiben: Alkohol gänzlich sein lassen). Und dabei mich im Job wie in meiner Musik und dem, was ich außerdem gerne machen möchte, zu positionieren.
Ich bin planlos und bediene alles "irgendwie" und aufwandsreich. Ich sollte mich an mir bedienen. An mir und meinen Möglichkeiten. (Nein, das kommentiere ich jetzt nicht, aber trotzdem hab ich's schön zu Ende geschrieben. Nach einem Liter Rotwein.)
Beerdigung Musik Nachtrag
Vor geraumer Zeit (2015) hatte ich eine Überlegung betreffs meiner Beerdigungsmusik. Was insofern doof ist, weil ich sie selbst nicht mehr hören, sondern nur Freunden mit auf den Weg zu meinem Abschied geben kann. Vielleicht, dass ich sie damit tröste, vielleicht, dass sie ein bisschen mehr von mir erfahren, was vorher so sehr viel sinnvoller gewesen wäre. Aber gut: Abschied tut weh und jeder braucht eine Form der Erinnerung, eine Hilfe zum Abschied, zum Loslassen. Die meisten Leute werden ihre eigene Erinnerung an mich haben. Für eben jene, aber auch die anderen, die weniger über mich wissen, könnten diese Songs hilfreich sein:
Beth Gibbons & Rustin Man: MYSTERIES
Ane Bruns: LITTLE LIGHTS
neu dazu:
Abba: ODE TO FREEDOM
Okay, wir haben drei Songs. Ist das auszuhalten? Oder zuviel? Zu lang? Macht was draus! Wichtig ist, dass die Soundqualität stimmt. Es ist immer wichtig, die Qualität aufrecht zu halten.
An allem selbst verantwortlich
Für meinen Stress, meine Getriebenheit, meine Instabilität, meine Vergesslichkeiten, mein Annähern an Verhaltensmuster meiner älter werdenden Eltern ... für alle bin ich selbst verantwortlich. Was sehr gemein klingt, ist reine Realität und wie immer nichts Neues. Die Biologie hilft ein bisschen mit und die Psychose raunt, dass soweit alles gesagt und erlebt und es damit doch sachte genug wäre.
Auf jeden Fall immerhin wird alles immer schwerer und aussichtsloser, je mehr und länger ich mich dem Wein widme. Er wird nicht unbedingt mehr, aber er wird öfter, bzw. immer. Und die Verarbeitungsmöglichkeiten ändern sich mit zunehmendem Alter sehr deutlich mit. Gegensteuern. Mit Bewegung und der richtigen Ausrichtung. Da. Nimm' hin und mach ...
Konsequenz
Die braucht es. Die brauche ich. Reduziert auf's Wesentliche. Mehr nicht.
Madame Nachsatz
Tja, ich bin offensichtlich ein bisschen geflasht von dieser meiner neuerlichen Beschäftigung mit einem uralten Thema. Und währenddessen altere ich beständig mit, ohne des Prozess des bloßen Daseins zu begreifen. Stattdessen schaffe ich mir mit dem Ärger über all jene verlorene bzw. unzufriedene Zeit Freiraum für den totalen Müssiggang in bezahltem Nichtstun mit enorm zu viel Alkohol. Gründe gibts immer und überall.
Ich muss aus diesem Loch wieder raus. So wie ich am 26. Juli einen Aufbruch wagte, der mir gut stand und der in den Morgenstunden des 26.09.21 sein jähes Ende fand. Doch auch in dieser Neun-Wochen-Periode begann ich zu betrügen, wonach es kein Bier ohne Sport geben sollte. Überhaupt tut mir so ein ewig gleiches Gefühle und Gelabere in wabernden Zuständen immer wieder immer weniger gut.
Raus jetzt! Aber wie? Wohin? Warum? Ach so.
Madame
Eine anrührende Dokumentation auf 3sat. "Madame" schildert im Selbstversuch mit vielen Film- und Fotoaufnahmen den Werdegang eines anfangs kleinen Jungen, der einen langen und schweren Weg vor sich hatte, bis er endlich mit sich im Reinen ist und in Kopf und Herz endlich frei ist und seine Homosexualität annimmt und lebt. Im Wechselspiel zu seiner Großmutter zeichnet er zwei Leben auf, eines von jetzt und eines von 80 Jahren zuvor. Seine Großmutter ist zum Zeitpunkt des Films 94 Jahre alt.
Oh verdammt, da tun sich so viele Parallelen im Vergleich zu mir auf - das Leugnen der eigenen Homosexualität, das sehr langsame Zulassen, das nicht-mehr-verhindern können. Und es begann nicht erst in der Jugend; nein, schon sehr früh - bereits im Ferienlageralter zeichnete sich das ab. Und es hat so verdammt lange gedauert. Aus Angst vor den Reaktionen all der Anderen um mich herum. Und selbst bei den Menschen, denen ich es zugetraut hätte, mich gefahrlos offenbaren zu können, fehlte der Mut und ich bediente weiterhin irgendwelche blöden Klischees. In der Clique, der Klasse, im Studium, im Freundeskreis, in der Band .... überall.
Das hat mich sehr viele wertvolle Jahre gekostet und mitten im Ansehen dieser Doku tue ich mir tatsächlich leid. Weil ich begreife, was und wie das in diesen Zeiten für mich war. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und meine Erlebnisse mit so vielen Menschen, die oberflächlich so tough und klar schienen, rückten mich zurück in das große Feld der Unsicherheit. Dummerweise ist das bis heute so geblieben, denn es waren prägende Jahre, in denen ich alle Kraft aufwenden musste, mich so im gesellschaftlichen Normativ zu halten, wie ich glaubte bzw. spürte, dass es von mir erwartet wurde.
Mein spätes Outing in 2009 mit 39 Jahren war sehr befreiend, jedoch sind die Spuren, die ich auf dem Weg dahin bei mir hinterlassen habe, die Narben jener unerfüllten Wünsche und Vorstellungen nicht so einfach wegzuwischen. Eine lange und sehr wichtige Zeit im Reifungs- und Entwicklungsprozess mitsamt meiner angelernten Verhaltensmuster waren so intensiv und prägend, dass ich sie offensichtlich nie wieder los werde.
Vorhin auf meiner Wanderung übers Land fiel mir eine Frage von Mandy damals in Oberkossa (2018?) ein, als sie mich betreffs Glück fragte, was ich denn tun würde, wenn ich plötzlich wahnsinnig reich wäre und frei entscheiden könne, was ich tun möchte. Und erst heute fiel mir auch die Antwort dazu ein: Es liegt nicht am Material - es ist das Ideal. Mit Millionen an Geld lassen sich die wirbelnden Untoten in mir nicht besänftigen.
Und wenn ich nicht bald aufhöre, Massen an Wein in mich hinein zu tun, wird sich an meinem schwebenden Dauer-Dilemma auch nichts ändern.
......................
Filmtext: Caroline lebte in den 20er Jahren und es abgelehnt, sich ihrer vermeintlichen Geschlechterrolle hinzugeben. Sie hat sich aus einer arrangierten Ehe befreit und wird eine erfolgreiche Geschäftsfrau. 50 Jahre später hat ihr Enkelsohn Stèphane mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Der homosexuelle Mann muss sich in eine heterosexuelle Rolle zwängen lassen. Nur seine Großmutter ermutigt ihn, der zu sein, der er ist. Er widmet ihr aus Dank diesen Film und nimmt die Zuschauer mit auf eine intime Reise.Mit Aufrichtigkeit und Humor dekonstruiert der Dokumentarfilm von Stéphane Riethauser tiefgründig und mit subversiver Kraft Geschlechterklischees und zeichnet mit bezaubernden Archivbildern eine Familiensaga aus der bürgerlichen Gesellschaft nach.
Suchtberatungstag
"Bundesweiter Aktionstag Suchtberatung 10.11.. Suchtberatung ist für das Wohl und die Gesundheit des Gemeinwesens unerlässlich, anspruchsvoll und erfordert hochqualifizierte Fachkräfte. Dem fühlt sich der Paritätische verpflichtet."
Das war meine Pressemeldung von gestern. Von mir als Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation beim Paritätischen Sachsen-Anhalt. Ein Aufruf an mich selbst. Denn seit meinem Schlüsselbeinerlebnis trinke ich vermehrt und unsachlich viel. Immer im selben Kostüm, in welchem ich den Goo-Point verpasse. Frage ich mich beim Wandern durch die Felder nach dem Grund, fällt mir nur ein: "Weil es geht." Dabei geht es schon lange nicht mehr. Alles schiebe ich vor mir her, nichts kriege ich gebacken. Die Projekte bleiben liegen, der Paritätische lässt mich gewähren. Der Morgen verspricht mir, dass es ab jetzt und also sofort geändert werden muss; der Abend lässt mich in das alte Muster verfallen.
Besonderes special heute: Ich bitte Wein-Micha, mir eine Flasche etwas besseren Rotweines mitzubringen (wir gehen vom Bluenote nochmal extra deswegen in seinen Laden) und ich lüge ihm was vor, dass ich für morgen ein Geschenk brauche. Du meine Güte, ist das peinlich. Niemand weiss darum, ausser ich. Und so sitze ich hier und trinke jetzt diese Flasche. Deutlicher geht's nicht, oder? Es fehlt eigentlich nur noch der Schritt, dass ich Mittags bereits mindestens ein Bier brauche. Aber dazu scheint es nicht reichen zu wollen. Egal, das hole ich alles Abends nach.
Ich bin mir ein wenig peinlich. Auf die mir bei meiner Wanderung selbst gestellten Frage, was es denn bräuchte, um mich aus dieser Lethargie, diesen so unschönen Mustern zu lösen, fällt mir keine Antwort ein; nur die Idee, dass ich so eine Idee bräuchte, wessenthalben es sich lohnen würde, mit meinem Leben besser umzugehen als jetzt. Sackgassentaktik.
Eine Woche in Flaschen
Aus dem Tagebuch eines Trinkers
Um es mal klar zu stellen, worüber ich hier zum Thema Alkohol schreibe, dachte ich mir: ich stelle mein Wochenprogramm mal zusammen. Vorweg: Ich habe derzeit mit dem Paritätischen und der Freiwilligenagentur eine dermaßen hilfreiche Konstellation in Sachen Arbeit und Geld. Hier ist etwas völlig Neues entstanden, was ich gerne so beibehalten würde, was aber nicht geht. Weil 50 Stunden sieht das Arbeitsgesetz nicht vor. Egal, das versuche ich, irgendwie zu lösen. Denn 2.557 und 620 Euro netto im Monat sind eine fantastische Basis.
Nun aber zum Problem:
Sonntag (24.10.2021)
komme ich von Tobi zurück nach Hause und trinke ein Bier. Anschliessend stelle ich fest, dass ich von der übrig gebliebenen Flasche Rotwein (weil es am Donnerstag zuvor einfach zu viel war und ich den Rest des Glases zurück kippte) nur noch ein halbes Glas habe und mache mir eine weitere Flasche Rotwein auf. Natürlich mit der Idee, davon nur ein oder zwei Gläser zu "kosten". Selbstverständlich war die Flasche dann leer. Und am darauf folgenden Montag hatte ich um 13 Uhr ein Gespräch mit der Geschäftsführerin des Paritätischen, Antje Ludwig. Es ging erstaunlich gut. Vielleicht, weil ich dorthin gelaufen bin. Egal.
Montag (25.10.2021)
habe ich mir aus der von mir bestellten Weinlieferung (die bei Tobi lagert und von der ich mir zwei Flaschen mitgenommen habe), die 1-Literflasche Bachus aufgemacht. Vorher noch ein Bier. Und nachher auch. Ui.
Dienstag (26.10,2021)
war ich im Bluenote und habe mit dem Wein-Micha wahrscheinlich 8 kleine Biere und immerhin keinen Schnaps getrunken (der hat gerade mal wieder ein Beziehungsproblem - diesmal mit 'Mela' seiner längst verflossenen Liebe, mit der er 8 Jahre zusammen war und die er seit 11 Jahren nicht gesehen hat ... es ist langweilig). Zuhause dann eine Doppelflasche Rotwein "Chianti" aus'm Lidl aufgemacht und nur noch ein Glas geschafft.
Mittwoch (27.10.2021)
Hab mich seit langem mal wieder mit Ronald ins Rayonhaus verabredet. Viel und schnell geredet. Kubon und Beetzi und Heiko und Wulff draussen beim Rauchen getroffen. Viel Zeugs, aber egal - es geht ja um den Alkohol: Drei große Treibgut-Biere und dann noch zwei kleine. 00:15 Uhr nach Hause. Dort noch drei schnelle Rotwein-Gläser aus vorgenannter 1,5-Liter Flasche. Nächsten Morgen (wie auch bei allen anderen zuvor gegen Acht erwacht und schwer träumend im Halbschlaf bis Zehn dahingedöst).
Donnerstag (28.10.2021)
"Heute ist nichts". Dachte ich. Bin erstmals wieder losgelaufen (gegangen), weil mir viereinhalb Wochen der Unbeweglichkeit das Gefühl vermittelten, es jetzt sachte wieder wieder zu müssen und auch zu können. Ging auch ganz gut, Aber erschöpft. Immerhin. Auf die Nachfrage an Micha, wie denn nun seine unsägliche Liebesbeziehungs ,,, ach mann, das ist mir so egal ,,, haben wir uns also im Bluenote auf einzwei Bier verabredet. Dann waren Josi da und Heiko und Wulf und dann Thorben ... was solls: ich bin kurz vor Zwölf nach Hause und trinke hier die Rotweinflasche leer und habe Schwierigkeiten, da hier aufzuschreiben.
Weil ich die ganze Zeit meist jeweils ab ca. 23:00 Uhr zu betrunken bin. Eine Woche lang. Fünf Wochen lang. Ein Leben lang.
P.S.: Das hier aufzuschreiben war eine Tortour, weil ich die ganze Zeit immer betrunkener wurde. Aber ich wollte das mal aufschreiben. Jetzt ist 29.10.2021 um 01:50 Uhr, ich kann kaum noch geradeaus laufen oder zum Klo gehen und ich versuche, mich bei einem finalen Weisswein zu vergewissern, dass ich bis hierhin ziemlich Schwein gehabt habe; in allem.
Wozu die Eile, Idiota?
Bin mal gespannt, wie oft ich derlei Missmut hier noch hineinschreiben muss, ehe ich mich eines Besseren besinne. Genau das wird wohl nie passieren und ich gelange in meiner Mischung aus knapp einer Flasche zu schweren Weines, eines zu leichten Schlafes und einer wahrscheinlich vererbten Ungeduld mit entsprechenden Folgen an immer wieder die selben Blockpfeiler der Idiotie.
Freitag kurz vor Mittag. Kaufland des Grauens. Wozu die Eile? Ich habe Zeit und zweidrei Minuten mehr oder weniger an welcher Kasse auch immer bedeuten reine garnichts! Zur Tankstelle. Jetzt aber schnell, bevor die hochkanten Preise ins noch Unermesslichere steigen. Tangente: Blitz! Zack! Knapp 100! Tja, da hätte der Diesel auch zwei Euro kosten können, oder? Wenn ich Glück habe, bleibe ich bei 35 Euro ohne Punkte. An der Tankstelle selber fahre ich an die falsche Seite, um dann zu bemerken, dass der Schlauch nicht reicht. Und meine Hände stinken bereits nach übertropfendem Diesel. Alles furchtbar peinlich.
Unentspannt und irgendwie nicht ganz bei mir, mache ich mir weiterhin Sorgen über soviel Idiotie. Und die Tastatur meines Macs ist auch nicht mehr zu gebrauchen. Und das sogar gekaufte Buch "Die Überlebenden" versucht, mich zu erwärmen, aber es ist knapp. Und meine Schulter bessert sich von Tag zu Tag, sagt aber auch deutlich, dass es sich hier um Millimeter-Schritte handelt und ich Geduld brauche. Und ich weiss nicht mehr, was ich downloaden, noch was ich mir ansehen soll. Und ich träume in merkwürdigen Formationen und Konstellationen von allem, was sich in mir aufzuräumen gedenkt, es aber unmöglich hinbekommt. Es ist Sex, es ist Bühne, es ist Angst & Eile. Zumindest wurde ich seit jenem Morgen nach dem Weihnachtssingen nicht mehr erschossen. Das ist schonmal ziemlich gut.
Und ich weiss: die kurzfristige Lösung ist immerzu die selbe: Stopp Alkohol; die mittelfristige Lösung braucht einen Plan, der das kompensieren kann; die langfristige sieht ein Leben für mich vor, welches mir - und dem ich gerecht werden kann. Insofern ich zu definieren in der Lage bin, worin und woraus das bestehen soll.
Allerdings sind die Voraussetzungen derzeit für ein solches Unterfangen sehr gut. Soviel Freundlichkeit, Miteinander, Wertschätzung (immer noch schwieriges Wort) in einem Feld, in welchem ich aufblühen und dabei durchaus weiterhin mit meinem Wissen und meinen Fähigkeiten (habe gerade Fahrigkeiten geschrieben) Everybody's Darling sein kann. Ich habe in der Parität bis heute nicht ein einziges böses Wort gehört. Tja.
Gesundschreibung
Es fühlt sich zwar irgendwie noch längst nicht so an und die Schulter ist auch erst seit 3 Wochen kaputt, aber ich hatte mich entschlossen, es nun anzugehen. Ausgerechnet mit einer Fotosession, was sehr anstrengend für mich sein kann und wird. Der weitere Grund ist mein Siechtum hier allein zuhause, worin mir weder Idee noch Lust zu irgendetwas die Aussichten verschönern. Geduld ist gefragt. Aber die bekomme ich nur mit meiner Reaktivierung wieder hin. Und: Es ist "nur" ein Fahrradunfall mit gebrochenem Schlüsselbein. In diversen Foren unter Radfahrern preist man sich mit der Anzahl solcher Unfälle. Daraus erschliesst sich mir ein gewisser Routinefall, der vielleicht nicht ganz so besonders ist, wie es sich mir derzeit noch anfühlt. Vorwärts. Und nicht vertrinken!
Gesundheitsakte Deejay
Ein gemeines Unterfangen, mittels der Überschriften später herausfinden zu wollen, worum es sich inhaltlich handelt. Die Akte, um die es hier gehen soll, beschreibt meinen Verfall. Das fiel mir auf dem mittäglichen Spaziergang vom Bäcker zur Tankstelle ein. Noch bis morgen bin ich mit meiner Schulter krankgeschrieben; dann versuche ich es auf gut Glück und vornehmer Distanz. Vornehmliches Ziel ist es, dem Alkohol samt Müßiggang zu entfliehen. Doch jetzt zum Verfall. Ich darf folgende Punkte anführen:
Schlüsselbein mit derzeit starker (und langer) Einschränkung. Aber das geht ja vorbei.
Bechterew: seit 2011 habe ich darüber Gewissheit, mit Ausnahme meiner Jugend war es aber ein halbwegs glücklicher - oder zumindest jetzt ausgeblendeter Verlauf
Alkoholismus - es wird einige Gründe dafür geben, die eigene Verunsicherung führt sie an
Schwerhörigkeit - viele Tests mit unterschiedlichen Ergebnissen. Aber 50% im relevanten Bereich dürften es bereits sein.
Sehstärke - sie lässt insgesamt nach, besonders am Tag nach dem Saufen
Hämorrhoiden - das erste Blut im Stuhl hatte ich bereits in den 90ern, es manifestierte sich über die Jahre und jetzt wird es Zeit, etwas tun zu lassen
Bluthochdruck - ist noch nicht so schlimm, aber es gibt eine deutliche Tendenz, die auch mit leichtem Übergewicht und Alkoholismus sowie dem Rauchen zu tun hat (dem ich ja entgegenwirken wollte; doch der alte Verbündete Alkohol setzte seine Mittel ein, um mich vordererst von körperlichen Aktivitäten abzuhalten)
Haarausfall - mag kosmetischer Art, dennoch unangenehm sein
Ich glaube, das wars ersteinmal. Ich melde mich bei weiteren Gebrechen, um auszurechnen, ab welchem Grad ich das Experiment Leben abbrechen müsste, um nicht dem aussichts- und sinnlosen Siechtum zu verfallen.
P.S.: Ab und zu präsentiert mir Fotos von vor 10 Jahren. Promi-TT und derlei Aufnahmen. Hier ist ein deutlicher Verfall meinerseits im Vergleich zu heute anzumerken. Bedauerlich.
Moby
Facebook Post Moby 17.10.2021
aus gegebenem Anlass
Heute vor 13 Jahren hatte ich meinen letzten Drink/Medikament. Ich erwähne dies nur in der Hoffnung, dass ich jedem da draußen helfen könnte, der mit Sucht und/oder Nüchternheit zu kämpfen hat. Vor 13 Jahren konnte ich mir absolut keine Welt ohne Alkohol und Drogen vorstellen. Und alles aufzugeben, wonach wir süchtig sind, kann unglaublich schwierig und erschreckend sein, aber letztendlich führt es zu einem Leben jenseits unserer wildesten Erwartungen. Es kostet Zeit und erfordert Arbeit, aber es ist sowohl möglich als auch notwendig. Und das „Leben jenseits unserer wildesten Erwartungen“ wird wahrscheinlich ganz anders aussehen als das, was wir uns vorgestellt hatten ...
It was 13 years ago today that I had my last drink/drug. I only mention this in the hope that I might be of service to anyone out there who is struggling with addiction and/or sobriety. 13 years ago I absolutely could not imagine a world without alcohol and drugs. And giving up whatever we are addicted to can be incredibly difficult and terrifying, but ultimately it leads to a life beyond our wildest expectations. It takes time, and requires work, but it’s both possible and necessary. And the “life beyond our wildest expectations“ will probably look a lot different then what we had imagined …
Guter Beitrag zur richtigen Zeit.
Tausend Biere tief
Das geht hier nur ganz kurz: Es ist unglaublich, in welcher Geschwindigkeit ich hier zwei kleine Veltins, eine fast vollständige Flasche Weißwein und weitere etwa 6 oder 7 oder 8 solcher Biere in mich reinschütte. Aus welchem Grund? Ah - weil es geht. Verstehe. Wie oft habe ich mir hier und anderswo schon geschworen, dass es jetzt, mit Blick auf all den jeweiligen Alkoholkonsum der letzten Jahre bis hierhin, Zeit ist, es wirklich sein zu lassen? Es hat übrigens genau so oft nicht geklappt.
Tadaa. Aber in echt: Der Alkoholiker denkt sich immer neue Szenarien aus, von denen aus er sehr gewillt und aus gutem Grund sehr entschlossen ist, es jetzt endlich anzugehen. Und mal ehrlich: Wie oft gab es diese Erkenntnis hier in dieser Zehnsucht? Etwa 6 oder 7 oder 8? Reicht nicht, wa?
Kurzentschluss
Die dritte Woche des Desasters geht sachte zu Ende und nach dem Fädenziehen am Mittwoch und der (endlich nüchternen, aber müden) Aussicht auf eine schrittweise Verbesserung meines Zustandes sowohl in der Schulter wie auch im Inneren, fasste ich einen spontanen Plan: Die Familie muss sich endlich wiedersehen und ich schlug vor, dass ich alle in die Tanne nach Ranies zum Essen einlade. Ohne speziellen Grund. Wer einen braucht, der nehme all die Geburtstage oder anderen Ereignisse, die wir nicht gemeinsam begangen haben. Seit eineinhalb Jahren. Auch seit Bärbel und Uwe ihr Haus aufgegeben und somit in ihrer Wohnung für ein gemeinsames Sonntagsessen nicht genügend Platz haben, sind solche Ereignisse sehr selten geworden.
Weil das nicht gut ist und weil ich durch meinen Unfall mal wieder gemerkt habe, wie schnell etwas (im schlimmsten und auch absehbaren Fall sogar für immer) kaputt und zu Ende gehen kann (und wird), empfand ich bei diesem Entschluss eine heroische Freude. Und das fucking Geld spielt dabei noch weniger eine Rolle, als dass ich es zum einen habe und zum anderen mir diese ganzen Menschen so viel auf meinen Wegen mitgegeben haben, dass keine Aufrechnung der Welt hier Bestand hat.
Also fahren wir am Sonntag in die Tanne nach Ranies und besuchen danach entweder das Pretziener Wehr oder das Ringheiligtum Pömmelte auf einen Spaziergang. Und ja: Natürlich kommt hier ein kleiner bitterer Beifuß - ein Wermutstropfen - ins Spiel: Tobi ist nicht ganz so sonderlich erbaut. Und ich weiss auch, warum: Weil seine Türen jetzt da sind und er die natürlich sofort einbauen will. Was nicht das Problem dieses Sonntags, sondern ein allgemeines ist. Es ist seine Art, immer alles sofort zu machen. Weil es "gemacht werden muss", wie er immer sagt. Auch wenn er keinen Gefallen daran findet, die Hecke zu schneiden, zur Arbeit zu gehen, den Rasen zu machen, auf die Kippe zu fahren, die Blumen zu pflanzen, aufzuräumen ... komme ich jedes Mal in eine merkwürdige Bedrängnis, bei der ich mich zwingen muss, ihn nicht zu schelten oder nörglerisch zu werden. Letzteres kommt dann blöderweise bei mir oft automatisch, auch wenn ich es nicht will, was dann leider meist unschön wird. Weil ich es nicht kapiere. Wenn's dir nicht gefällt oder keinen Spaß macht, dann lass es doch! (Hatten wir gerade erst im Sommer mit Maja und Vinko auf Camp Stine bei Weißwein & Co: If you don't like it - let it be! Change it!) Okay, solche Übel wie arbeiten gehen und Geld verdienen müssen sind wichtig und richtig - aber auch hier; wenn dir das nicht gefällt, kannst du es zu ändern versuchen. (Ist leicht gesagt. Aber dennoch möglich.)
Manno. Tobi findet das mit dem Sonntag also oll, weil ihm "wertvolle Zeit" für den Einbau seiner sechs Türen verloren geht. Aus meiner Sicht hat so eine, wann auch immer eingebaute Tür weit weniger Wert als solche Möglichkeiten, mit unseren und auch anderen Leuten wenigstens mal ein bisschen was gemeinsam zu machen, zu erleben. Tobi hat ja auch gleich wieder eingelenkt, aber ich würde ihn gern von diesem Gedöns wegbekommen.
Ich glaube leider, wir werden nie einfach so nachts auf einer Düne sitzen und mit den Wellen einvernehmlich den Duft unseres Lebens atmen. Pferde stehlen wahrscheinlich auch nicht. Äpfel schälen geht womöglich noch. (Das erinnert mich wieder an meinen in Dänemark geschriebenen Brief an meinen zukünftigen Freund aus 2010. Ich kann's halt nicht allein und muss nun sehen, ob und wie ich uns auf so einen Weg bringen könnte. Kommt ein Mammut vorbei und sagt: "Ich hätte da eine Aufgabe.")
Entsetzliche Leere
Natürlich hat es mit dem Unfall zu tun und natürlich auch mit einer kompletten Woche des Alkoholmissbrauches, die auf eine ebenso komplette Alkohol- und rauchfreie Woche direkt nach dem Unfall folgte. Als Wiedergutmachung? Gegenmaßnahme? Oder einfach, weil es geht? Jedenfalls ist eine Folge dieser letzten Woche eine entsetzliche Leere. Ich bin für nichts zu begeistern. Songs schreiben? Komponieren? Platten hören? Bücher lesen? Schlafen, so lange es geht? Für all das war und ist die Zeit reichlich vorhanden. Aber nichts - rein garnichts will mir in den Sinn. Einzig der Papa60Film, den ich erfreulicherweise wiedergefunden habe, entlockte mir noch eine Spur Aktionismus. Der Rest ergab sich samt mir dem Wein. Dann mache ich den Mac auf und weiss bereits beim Aufklappen nicht, was ich da soll. Das ist frustrierend. Ich googele meinen und andere Namen, nur um irgendein Ereignis zu fühlen. Aber es passiert nichts.
Wie bereits beschrieben, gehen Körper und Geist hier offensichtlich einen gemeinsamen Weg. Leider wird dem Verstand dabei kein Gehör geschenkt. Missmut, noch mehr Wein und eben diese schlussfolgernde entsetzliche Leere. Das wirkt sich auch auf mein Verhalten gegenüber Tobi aus. Ich sollte vermutlich froh sein, dass er mir nicht empfiehlt, nach Hause zu fahren. Alles weiss ich besser, alles ist Aufwand, alles ist oll. Ungeduld spielt meinerseits wohl auch da rein. Und eine fast weinerliche Sicht auf die Dinge, die das Leben bedeuten könnten.
Hoher und dabei schmaler Grat. Ich empfehle mir selbst den Alkoholentzug. Und weiss um die Ambivalenz, die ich diesbezüglich seit sehr vielen Jahren mit mir herumtrage. Saturday Night vorm Fernseher mit ... tja: mit Nichts. Und Rotwein.
Angstperspektive
Wir solchen Momenten, in denen ich also quasi angeknackst und leicht hilflos bin, stelle ich mir gern Angst machende Situationen vor. Beispielsweise einen auf mich zukommenden LKW, der ganz kurz die Konzentration verliert und direkt in mich und meinen Bus hinein rast. Oder wie damals an der Ampel der Arzt mit seinem Wagen in meine Seitentür krachte. Es reicht bereits die Vorstellung, dass ich ausrutsche und auf meine rechte Schulter falle. Das sind alles merkwürdige Formen von Angst. Ansonsten hat dieser Beitrag keine große Relevanz. Mit dem letzten Hinweis, dass ich eine Woche lang durchgesoffen habe. Schocksaufen oder so. Dringende Umkehrung ist angemahnt. Denn gerade solche Zustände tragen zur Angst wesentlich bei.
Matt in drei Wochen
Vor genau einer Woche bin ich aus dem OP geschoben worden. Seitdem harre ich hier und hoffe auf Besserung. Aber das physische nimmt das psychische mit auf die Reise. Eben war ich in Leipzig und habe mir Stahlfelgen für meinen Bus gekauft. Bei eBay Kleinanzeigen. Ein ziemlich dummes Unterfangen, denn diese Felgen waren wirklich schlecht und der Kauf umsonst. Wahrscheinlich wollte ich unnützer Weise wieder Geld sparen. Zwischendurch ging ich, um Wechselgeld zu haben, in den Penny: Drei Flaschen Bier, zwei Flaschen Wein, eine Tüte Erdnüsse, eine Packung Würstchen. Du meine Güte, das ist ja schon beim Aufschreiben peinlich.
Mein Unfall ist also nun eineinhalb Wochen her. Weitere eineinhalb Wochen wird es brauchen, um mich halbwegs beweglich zu machen. Da ist von Training noch lange nicht die Rede. In der letzten Woche habe ich weder geraucht, noch Alkohol getrunken. Mir scheint es, als würde ich das in dieser Woche wieder nachholen wollen. Dummer Junge.
Ich bin matt. Und ich pendle zwischen Aussichtslosigkeit und Zuversicht. Also so wie immer.
Die Stille danach
Zusammenfassung? Muss das sein? Es ist nämlich nicht so leicht? Fange ich an mit der Bestätigung, dass es absolut unnötiger Bullshit war, mich in so eine Situation überhaupt gebracht zu haben. Aber das wissen wir alles schon. Auch, dass ich dabei offensichtlich mal wieder eine ordentliche Portion Glück gehabt habe. Die emotionalen Kurven sind steil und interessant: Zuerst kommt die Demut. In der Notaufnahme. Drei Stunden Warten. Egal. Meine Schuld. Dann nächster Tag nächste Untersuchung und Bescheid, dass hier was Ärgeres vorliegt. Tränengefahr. Großes Trostkontingent benötigt. Dann Gewissheit: Aufnahme zur OP. Darin lag bereits etwas Kraft. Progressiv. Wir machen das jetzt. Darin kurz die Idee, eine Videonachricht auf dem Handy zu hinterlassen, falls was schief geht und ich tot neben oder bedeutungslos im Rollstuhl liege. Großer Sehnsuchtsschmerz nach Leben, Weiterleben, Wollen.
Am Mittwoch, bereits an der Fensterseite liegend und auf das Kreuz sehend, außerordentliche Ruhe. Nanu. Normalerweise bedarf es hier einer Beruhigungstablette für den Patienten. Wurde bei mir vergessen. Merkwürdig - und ich bin die Ruhe selbst bei 48 Puls und einem unterem Blutdruck. Im Vorbereitungsraum sehr interessiert. Das erste Schmerzmittel kommt und mir wird prophezeit, das ... da ist es schon. Oh du schöne Schummrigkeit. Dann noch ein bisschen Liegenwechsel und Füße einpacken und stabilsie ... Schluss. Fast an selber Stelle wieder aufgewacht, als wäre nichts gewesen. "jaja, und hinterher erzählen die denn, sie wären während der OP aufgewacht ...". Schwester Heidi im Aufwachraum - ich bin die ganze Zeit wach. Alles sehr okay, wenn auch nicht ganz so romantisch wie 2006 bei der Nase.
Im Zimmer neuer Nachbar. Einer von denen, die eigentlich (!) okay sind, aber viel viertelwissend davon erzählen, wie die Welt - wie ihre Welt funktioniert. "Is' so!". Man kennt Chefärzte an der Charité und die gute Kumpels sind und eigentlich darf ich das nur hinter vorgehaltener Hand sagen und die E-Auto-Industrie wird in Kürze den Bach runtergehen und das deutsche Gesundheitssystem komplett versagen. "Na is' doch so! Die müsste man alle ...".
Eigentlich ist er lieb und lacht auch oft. Aber bereits die Schwestern können ihn nicht richtig leiden. Dieser stumpfe Typus mit seinen schmalen Sprüchen und dem abschliessenden, alles wieder einebnen wollenden Lachen. Nicht schlimm. Aber Aushängeschild. Und ich lese Juli Zeh "Über Menschen". Passt perfekt.
Die emotionalen Kurven schlängeln sich nicht mehr, seit feststeht, dass ich erneut überlebt habe. Naja, vielleicht reichen drei Thrombose-Spritzen am Ende ja doch nicht ... Es schummert noch in mir, sogar als ich heute hier bei mir zuhause ankomme. Nur ein kleines bisschen, wie ein bevorstehender 12 Stunden-Schlaf, der jetzt fällig ist.
Meine Eltern fahren mich also von den Pfeifferschen nach Hause und es herrscht wie so oft ein merkwürdiges Rechthabespiel um Steuern aus Badrechnungen oder Tobi ohne Steuererklärung? - das geht doch überhaupt garnicht - doch, geht, hatter schließlich noch nie gemacht ... Jedenfalls ist alles so ein bisschen unterschwellige Konfrontation. Aber wieso und woher? Wir sind uns immer mal wieder bei der gelassenen, einfachen und persönlichen Kommunikation im Wege. Eine Art Automatismus. Ich wüsste gern, warum und woher das kommt.
Das Verlassen des Krankenzimmers und die letzten Minuten allein am Fenster mit Blick nach draußen, wo geistig Behinderte lauthals lamentieren, Johanniter rauchend auf ihren nächsten Einsatz warten und Pflegepersonal eilig vorbei huscht, kommt nochmal so eine emotionale Wendung mit liebevollen Gedanken an die ganzen Leute hier, die mir geholfen und mich wieder aufgestellt haben; vom Blutdruck-Azubi bis zur Visiten- Doktorin ... für alle habe ich in diesem Moment ein sehr zärtliches Gefühl. Genau auch jetzt, wo ich es hier aufschreibe. Danke, Leute! (Sturzbach)
Jetzt lass ich mir die Haare arg kürzen und dann fahre ich zu Tobi. Und? Was gelernt?
Ja. Das ist das Leben. Mein Leben.
Und noch etwas: Liebe aufrichtig die Menschen die du liebst, sei freundlich zu den Menschen die du magst, aber sei auch freundlich oder wenigstens neutral zu den Menschen die du vielleicht nicht so sehr magst. Denn oft trifft sich alles irgendwann irgendwo wieder. (Gerade am Beispiel Anselm erfahren. Ich konnte ihn lange Zeit nicht leiden, doch weil es meinem Wesen entspricht, hatte ich meinen Frieden mit ihm geschlossen. Und das kam mir tatsächlich jetzt zu Gute.)
Die Stille davor
Jetzt geht es los. Es sind noch genau 2 Stunden bis zu meiner Operation. Ich liege hier im Krankenhaus in einem leeren Zweibettzimmer, vor mir an der gelben Wand hängt ein Kreuz, rechts daneben ein Fernseher. Es ist 10:00 Uhr und wenn ich aus dem Fenster schaue, macht sich der Herbst breit. Alles in allem ein recht wohliges und angenehmes Gefühl. Aber von ganz hinten herum schleicht sich doch ein wenig Angst. Das sollte vielleicht auch so sein.
Schulter-Schluss-Akkord
Und wieder eine lange Party, diesmal am Wasserturm in Salbke. Die Kubons feiern ihre 50. Und wieder betrunken Fahrrad gefahren nach Hause. Und wieder gehofft, es bis zum Ende zu schaffen. Und natürlich, am Buckauer Bahnhof war es dann soweit und ich fiel einfach um und auf das rechte Schlüsselbein. Marcel war eben so betrunken, aber er hatte es zum Glück noch geschafft. Die Nacht war dann wie immer schlimm, bevor ich am nächsten Tag in die Notaufnahme fuhr. Das witzige daran war, dass Tobi bereits im Vorfeld sagte: "wenn du wieder besoffen Fahrrad fährst und umfällst und in die Notaufnahme musst, dann fährst du zu den Pfeifferschen und nicht in die Uniklinik denn da ist es immer so voll." Das war eigentlich ein Spaß. Der Witz war: genau so ist es eingetroffen.
Und so werde ich morgen früh also operiert an der rechten Schulter. Und wie so oft in solchen Momenten schleichen sich ganz merkwürdige Gefühle in mich hinein. Da geht es um möglichen Tod, da geht es um Vergebung, da geht es an die Substanz. Und natürlich schwingt dort das große Versprechen mit, dass, wenn ich alles gut überstehe, ich es ab dann auf jeden Fall besser machen werde. Was natürlich wie immer gelogen sein wird, denn sobald es sich gebessert hat, geht alles seinen gewohnten Gang. Und was ist außerdem mit "es" gemeint? Das- dieses mein Leben? Wenn es an die Substanz geht, ist mir jedes Mittel recht und ich bin auf Knien und voller großer Versprechen an die Welt und an mich. Bis ich geheilt bin. Anschließend ist dann doch alles wieder so wie früher.
So! Und hier die kleine Werbepause: Wir gehen mal zwei Jahre zurück. Zuerst hier, dann hier. Na?
Eine ausgesprochene Dummheit bleibt das ganze sowieso. Nicht nur der Samstag und mein Unfall, sondern möglicherweise auch meine gesamte Aufstellung samt der nicht vorhandenen Ziele und meiner Unsicherheit, mein "sich durchs Leben schlängeln" und dabei massiv dumm und zuviel trinken. Das ist jetzt ein bisschen überspitzt, aber am Ende bleibe ich ja doch so unstet wie zuvor.
Ein bisschen besser fühlt es sich jetzt nach der Aufnahme Untersuchung bereits an und ich blicke dem Morgen relativ entspannt entgegen. Okay, wenn Sie die Arterie oder die Vene durchschneiden, hat es sich wahrscheinlich sowieso erledigt. Wichtig wäre nur dass ich nicht halb gelähmt oder im Rollstuhl oder permanent von Medikamenten abhängig durch den Rest meines Lebens schlittern muss.
Eines noch zum Schluss: die Spracherkennung vom MacBook funktioniert ausgezeichnet. Na dann macht's gut, danke für den ganzen Fisch und hoffentlich bis bald.
Auf noch ein Wohl.
(13.09.) Jeskom am 11.09.21 im Weinhandlungsgarten. Ausverkauft. Trotz der üblichen Ängste des Michas, der anfangs am liebsten absagen wollte. Am Ende jubelten 70 Leute (Heimspiel: fast alle kannte ich) zu einem Konzert, dass ich als beinahe Rockmusik bezeichnen würde: Aus der damals vorsichtigen Annäherung an die jeskom'sche Musik mit Jörg & Jesko mit dem darauf eingesetztem Bass (und Cello) und nun dem Schlagzeug ist ein richtig fettes Werk geworden, das nach vorne geht. Ich bin selbst ein wenig überrascht, wie sich das - vor allem live - entwickelt hat. Sehr gut so.
Ich möchte mehr davon. Und am besten ohne den ganzen Auf- und Abbau: Check-in, Check-sound und los wären mir am liebsten. Aber naja, wahrscheinlich trägt so ein Aufwand ja auch zum Allgemeinverständnis unseres Handwerks bei. Am Ende dieses Abends haben alle gewonnen. Wirtschaftlich vor allem der Wein-Micha, die Band mit je 180 EUR auch und das Publikum.
"Auf noch ein Wohl" hat hier eine weitere Bedeutung: Nämlich, dass ich seit 7 Wochen offensichtlich ernsthaft Training betreibe und den Alkohol zu reduzieren versuche. Was ja auch ganz gut geklappt hat. Körperlich merke ich sehr wohl den Fortschritt. Ich fühle mich gut an. Und alle flehen: "Weiter so!"
Das unausweichliche 'Aber' ... hier ist es: Ohne Training kein Bier. Nunja, es hat sich allerdings so entwickelt, dass mittlerweile auch wieder Wein inmitten der Woche dabei ist. Und auch Bier ohne Training. Der alte Dämon mit seinen modischen Mustern, 30 Jahre gereift, will sich nicht unterbuttern lassen. Dafür ist er zu stark geworden. Sucht ist der Hammer.