Es ist nie der richtige Zeitpunkt, alles so aufzuschreiben, dass es sinnreich zu lesen und zu verstehen ist; dass ich mich (oder sonstwem) als späterem Leser in die Stories nachvollziehend einklinken kann. So kommt es manchmal, dass mir der Flow fehlt und die Worte um Deutlichkeit ringen. Kurz: Es gab wieder Kroatien (vom 29.06. - 14.07.) mit CampStine und Maja und Vinko und Toni und Dino und Tino UND: einem Schiff. Mit Roko und Spiro und 30 anderen Leuten, ein paar davon aus Weißenfels. Ein Feldversuch, denn so etwas haben wir noch nie gemacht. Allein die kleine Zahl der Mitreisenden und die von Maja weitergegebenen Rezensionen erlaubten den Mut. Ja, es ist teuer, aber es ist gut. Manchmal fällt es mir zugegebenermaßen schwer, höflich zu bleiben, wenn ich manche Attitüde als aufgesetzt, unecht und dumm bewerte, was mir eigentlich garnicht zusteht. Aber was soll ich machen? Die Weißenfelser waren mir am liebsten, die Schweizer ebenso, von den Exilrussen nur Alexej und von den restlichen Leuten waren mir dreivier Leute ein bisschen unsympatisch. Aber egal. Es ging ganz gut und war recht warm. Aber auch klimatisiert. Verstehe! Und wir machen das nochmal.
Auch nochmal gabs einer Dreier-Geburtstagsparty von Jabo-Käse-Stoffi. Das hatten sie zum 42. schonmal und an der Elbe gemacht und diesmal zum 50.- allerdings in einem Mehrzweck-Saal in Alt-Olvenstedt. Das sind solche Partys, nach welchen ich mir sage, dass es gut war, Mario, Gardis und auch Mandy oder Wolfram mal wieder gesehen zu haben ... und dann hört es bereits auf. Ich fürchte mich so sehr vor den längst in Büchern beschriebenen Situationen, in welchen ziemlich deutlich gemacht wird, wie es einige es 'nochmal wissen wollen', andere resigniert hätten, der Rest sich irgendwie zu Ende lebt oder man nur noch über Damals oder eben die aktuellen Kinder redet. Und was man zurzeit beruflich denn so mache. Danach ist schnell Schluss mit Inhalt.
Sommerpartys gehören an einen See! Nicht in ein Bürgerhaus, in welchem um 22:00 die hinteren Türen geschlossen werden müssen und die Leute in Stuhlgruppen vor dem Eingang sitzen, schwitzen und die Turntables im Mehrzwecksaal unbeachtet vor sich hindudeln. Keine Gitarren, kein Tanz, keine guten Gespräche - wozu auch. Wahrscheinlich ist das alle normal und üblich oder sowas - allein mich rührt es nicht einen Deut.
Horst Mannewitz ist tot. Diagnose Lungenkrebs im Oktober. Diagnose Schluss mit Lustig im Juli. Beigesetzt auf dem Westfriedhof. So sieht man wenigstens die Leute mal wieder (!). Immerhin fühlte ich mich anschließend auf dem Nachhauseweg sehr entspannt, ruhig und tatsächlich ausgeglichen. Das reichte bis zur "Taschenuhr" die ich zuhause speziell für Horst zum Abschied sang. Schönes Gefühl. Zum Merken, zum Weiterverfolgen. mehr davon. Vielleicht auch ohne dass jemand dafür hersterben muss.
Kein Kredit, keine Nachnahme
Endlich eine leicht begreifende und sinnvolle Vorgabe betreffs des Müßigganges und des zu vielen Alkohols. Die erste gute Idee:
one day a week
one week a month
one month a year
war zu weit gefasst und ließ mir zuviel Zeit- und Spielräume bis zum bitteren Redaktionsschluss und damit dem Handlungszwang. Erinnerte mich an viele meiner nach hinten verschobenen Projekte und Vorhaben. Aber jetzt habe ich was Neues und selbst Erdachtes: Es gibt am Abend nur dann Bier (und auch nur Bier- keinen Wein), wenn ich am selben Tag mindestens 7 km gegangen oder 15 km Rad gefahren oder 1000m geschwommen bin. Dazu zählt kein Radeln zur Arbeit oder der Gang zur Kaufhalle ;-) Die Menge des daraufhin erlaubten Bieres ist nicht festgelegt, unterliegt aber einem gesunden Maß, was also über drei nicht hinausgeht und tatsächlich bisher auch nicht ging. Denn die erste Woche habe ich bereits absolviert.
Und so lief ich am Montag 10km, fuhr am Mittwoch 20 und am Donnerstag 21km und trainierte endlich wieder Kieserzeug am Dienstag und Freitag. Es ist nicht leicht, mich zurück zu halten, wenn ich erstmal angefangen habe: Ein bisschen zu schnell und ein bisschen zu viel - aber der Erfolg ist bereits deutlich. Zwei Bier machen nicht kaputt und wenn es erst mit dem Schlaf noch besser wird, gebe ich meinem gesunden und damit positiven Blick auf die kommenden Tage gute Chancen.
Und ja: Freitag & Samstag ist derzeit noch alles sportfrei erlaubt, Sonntag Neigentrinken ebenso. Sachte ... nicht alles auf einmal. Und Kredit gibt es nicht: Heute Sport für morgen Bier = no! Ich besorge mir derzeit so eine Uhr, auf der ich nachsehen kann, ob ich mich überbelaste, damit es nicht ins Gegentum umschlägt.
Was ich noch zu sagen hätte ...
Beim Durchstöbern meiner vielen Erinnerungen hier in der Zehnsucht dürfte diese hier angesichts meines erneuten Versuches, mich als mittlerweile 51-jähriger auf die Reihe zu kriegen, lächeln oder heulen lassen. 03.10.2010.Und der hier vom 07.10.2010 ...
Und was den Audioguide MMKT betrifft, hier der Vergleich zum Audioguide "Straße der Romanik" (06.10.2010), bei dem es offensichtlich auch nicht anders lief. >>>
Und dann noch: Ich möchte mal einen Eintrag über all meine Peinlichkeiten machen; alles, worüber ich aus heutiger Sicht schrecklich peinlich berührt bin. Beispiel: Taxi nach dem letzten Weihnachtssingen. Und da gibts noch so viel mehr ...
Angst Teil Tausend
Es lässt sich in dieser Zehnsucht gut nach dem Thema Angst suchen. Und alle Ängste ähneln sich auf eine bestimmte Weise. Der Angst, dass man mich aus irgendeinem Grund zur Verantwortung ziehen wird für etwas, das ich nicht richtig gemacht haben könne, gesellt sich nun so sachte eine körperliche Angst. Das ist reine Psychosomatik, wenn sich die Angst einen Weg aus der inneren Stille raus ans Licht sucht. Da klopft das Herz und lässt mich, müde wie ich bin, nicht einschlafen; da werden Bewegungen fahrig und viele Situationen sehen aus wie ein bevorstehender Unfall. Das alles ist auch Folge des steten Alkoholmissbrauches, dessen Auswirkungen krankhaften Charakter tragen. Tragen werden und müssen. Denn wer sich permanent ständig schadet, dem wird der stete Tropfen aushöhlend zum Verhängnis.
Wessen Ursprungs ist die aktuelle Angst? Der Audioguide. Ja. Dabei handelt es sich nur um Geld, dass ich zurückgeben muss und ein halbes Jahr wachsende Unlust und blödsinnig viel Arbeit am Projekt. Warum? Ich hatte das Texteschreiben sogar schon an Sandy delegiert, weil es mir nicht behagte - sei es aus Desinteresse oder wohl mehr wegen der Hangover, die zur Gewohnheit wurden. Dazu wurde es inhaltlich immer fader aufgrund der Einwände der MMKT-Frau, die den Kinderguide zu einem mut- und belanglosen Ding werden zu lassen drohten. "So ist Magdeburg" - möchte man meinen, aber ich war auch Panne genug, es als egal abzutun und eine weitere Flasche Wein zu öffnen.
Deutlicher Alarm an dieser Stelle. Denn auch in der Parität habe ich gestern einen abgesprochenen Termin (mit der Verbandsleitung) vollständig verpasst und einen anderen mit mir als Redaktionsleitung als Heuschnupfen-Ausreden-Variante online verlegt ... das kann auf sehr nahe Sicht bereits so keinesfalls gut gehen. Alarmwiederholung! Dienstag fahren wir am Nachmittag los mit dem Bus Richtung Süden. Im Moment bin ich weder hoch erfreut noch stark genug dafür. Der Bus wird an der ersten Ecke zerschellen. Oder gestohlen. Jemand ruft an und fordert etwas. Jemand stirbt. Etwas greift mich an und findet sämtliche wehrlosen Stellen. DAS ist Teil meiner Angst. Vergeht auch; kommt aber auch wieder.
In solchen Momenten scheint das Leben viel zu anstrengend und gefährlich.
Junimond
... nein, vorbei, bye bye ist es nicht. Aber es ist Juni. Corona verliert massiv an Substanz, die Litanei der Lethargie behält die Oberhand und fühlt sich gut begleitet vom vielen Alkohol. Was wiederum überhaupt garnicht mehr witzig ist. Seit dem 03. Juni und dem mit Pollen und Restalkohol Rad-Desaster bin ich nicht mehr gefahren, bin ich längst nicht mehr geschwommen oder gelaufen noch war ich beim Training. Alles liegt brach. Und wenn mal nicht, wird es vollgetrunken. Um daraufhin wieder brach zu liegen.
Wir ahnen es: Soviel tote Zeit und keiner kann was tun und keiner stirbt so schön wie du ... Alle meine Songtexte müssen an meine Wände gepinnt werden: sie sind nahezu allesamt mein einzig wahres, ehrliches Abbild. Neben dieser Zehnsucht hier, versteht sich.
Ich habe Sorgen mit einhergehender Angst mit dem fucking Audioguide, (Sandys Stimme wollten sie nicht und daraufhin die fertigen Aufnahmen mit Emily auch nicht) - obgleich es mir egal sein sollte- das Geld habe ich bereits. Und selbst wenn die es drauf anlegen, zahle ich halt freundlich die Hälfte zurück - was soll's? Es kann doch nichts passieren. Aber es wurmt mich sehr. Ein schlecht gelaufenes Projekt. Ab jetzt nur noch klare, übersichtliche und solche Dinge, die mir Spaß machen - es wird nicht mehr aufs Geld geguckt!
Wir fahren nach Kroatien und dann auf ein Boot und ich fühle mich für alles zu dick, zu träge, zu selbstpeinlich. Ich brauche mehr Self-Empowerment. Und ein schönes Ziel. Ach was, überhaupt irgend ein Ziel, vor dem ich keine Angst haben muss.
Vaters Geburtstag 2021
(Monika, Inge, Haberlands, Strohbachs, Eltern und wir beide) Laut war es. Und wie immer viel. Und ich dabei etwas zu müde, den Lärmpegel zum Einen und die wie immer nicht leicht erklärbare, oft negativ behaftete Diskussionswut ertragen zu wollen. Es fehlt mir darin oft an Konstruktivität, an einer gewissen Kultiviertheit. Darf ich das so sagen? Die Themen sind überschaubar gleichbleibend; Mutter weiss alles am besten, Vater wird zwischendrin auch gern mal laut. Alles ab einem gewissen Pegel. Heute war ich der Fahrer. Die Romantik ist dahin. War ja auch nicht sehr oft vorhanden bei solchen Feiern.
Ich erinnere mich an die Zeit als Gitarre spielender Jugendlicher, bei der mein vorgetragener Song Herman van Veens "Du bist wie sie" heftige Kritik seitens meines Vaters auslöste. Weil mir solche Texte und vor allem in meinem Alter nicht zustehen. Damals gab's noch Rückhalt von Marlis und Ingo, doch die kommen nicht mehr. Heute gab es als Auslöser die Idee, dass die Jugend immer flegelhafter und schlimmer würde. Ich erinnerte mich und die Umsitzenden an die Spottniks mit dem Spruch von Sokrates, dass die Jugend nichts tauge. Sie steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten, hat keinen Anstand und ist faul. Meine These, dass, wenn es schon vor Jahrhunderten so war, es ja heute die schlimmst anzunehmende und kaum zu ertragende Jugend sein müsse und dass womöglich die jeweils Älteren die Jugend immer so einschätzen. Generationsübergreifend also. Das gab den Kick, den mein Vater brauchte, um laut zu werden und um mir darzustellen, wie ich mich wohl fühlen würde, wenn ich mal als alter Mann die Straßenbahn benutzen müsste und mir irgend so ein dahergelaufener Ausländer den Mittelfinger zeigen würde, wenn ich um einen Sitzplatz bitten würde. Auf meinen Versuch einer Antwort wurde er sehr laut und ich daraufhin allerdings auch, indem ich ihm sagte, dass wir uns hier nicht anschreien sollten, weil ich sonst lieber gehen würde. (So laut war ich gegenüber meinem Vater bisher noch nie. Es passte ganz einfach alles zusammen: Ich war müde, gereizt und genervt von diesen blöden Diskussionen und der Erinnerung aus früheren Jahren, die allesamt nicht besser waren.)
Ich muss es thematisch nicht weiter ausführen, die Problematik ist deutlich. Es reisst alte Wunden auf, wonach ich mich Zeit meines Heranwachsens nicht in der Lage sah, das Ganze zu begreifen, zu akzeptieren und mich 'irgendwie' immer von dieser Art, von diesen Denk-/Sichtweisen distanzieren wollte. Ich hatte nur nicht die richtigen Argumente, um meine Vorstellung von einer freundlichen, friedlichen und gemeinsamen Welt darzulegen. Zu erklären, dass eben solche negativen Grundhaltungen, die damals wie (insbesondere auch und wiedermal:) heute bestanden, nicht dazu beitragen können, unser und anderer Leben im positiven Licht zu verorten. Was im Kleinen schon nicht funktioniert, muss im Großen ebenso scheitern.
Es scheint mir alles so schmal im umfassenden Denken, in der Weitsicht, im Großmut, kurz: im Positiven, obwohl wir doch allesamt schlaue Leute sind. Vielleicht wurde sich mit einer Aussichtslosigkeit in Bezug auf positive Denk- und Sichtweisen abgefunden und zur Bekräftigung des gemeinsamen Scheiterns solidarisch mitargumentiert auf dem Feld der persönlichen, kleinkreislichen Sichtweisen.
Naja, das ist nicht leicht zu begreifen und noch schwerer zu beschreiben; Soziologen könnten das vielleicht konkreter darstellen. Ist wahrscheinlich sogar relativ leicht. Aber mich dauert es, weil uns der eigene Teller sehr viel näher scheint, als dessen gefährlich wirkender Rand, über welchen hinaus uns der objektive Blick nicht gelingt. Wir sind eben einfache Leute. Was okay - allerdings dann schlimm ist, wenn wir uns so unsachlich und gefühlt laut wie heute darüber erheben und die Welt folgerichtig zu erklären versuchen.
Und das Doofe ist: Ich bin Teil dessen und werde als fauler Apfel womöglich auch nicht viel weiter vom Stamm fallen. Vielleicht bedarf es ja nur eines Einbruchs in meine Wohnung von nachweislich Ausländern; einem erneuten Busklau von - sagen wir - Türken und einer schlimmen Schlägerei, bei der mir ein paar Syrer die Fresse polieren. (Oi, jetzt werde ich unsachlich, oder?) Es ging ja nicht den ganzen Abend um politische Themen. Da ging es auch um ganz normale Dinge, Erinnerungen von früher, Geschichten und sowas ... aber wie erwähnt: Ich war einfach zu müde dafür. Tut mir fast schon wieder leid.
Sehr wahrscheinlich ist also meine eigene Konstitution auch schuld an dieser etwas unschönen Situation. Eine Unzufriedenheit, die nicht nur mit dem hier Beschriebenen, sondern eher mit mir insgesamt zu tun hat.
Abschliessend: ich mag solche Konflikte nicht.
re:open
Die Lage zeigt sich entspannt. Ich zuweilen und im Moment noch nicht so richtig. Fing genau mit dem Eröffnungsdienstag im Bluenote an. Natürlich Hundert Bier und vier mal Schnaps. Mittwoch Radversuch Runde 4 Südostwind. Was bis Barleben gut ging und dann fast zum Desaster wurde: Körper und Geist waren beide hinüber; sogar die Beine versagten und der typische Ohrverschluss der Überlastung gab sich die Ehre. Dazu wahrscheinlich zuviel direkte Sonne und einen Haufen Pollen. Auch die nachfolgende Nacht wollte nicht so richtig und heute machen mir kleinste Misserfolge zu schaffen; wonach das ESI U24XL weiterhin nicht richtig läuft, wonach etwa Ivonne Löffler bei der Parität die nunmehr vierten Angebote von CubeOffice für die Teams-Schulungen so nicht abrechnen kann ... oder die MMKT noch weitere Änderungen am Audioguide hat und meint, Emily müsste dann aber deutlicher sprechen ... meine Fresse ... glauben die, wir hätten's nicht drauf? Und so ärgere ich mich entlang des Tages und werde dabei natürlich unsachlich.
Aber mir fällt nichts ein, womit ich es hinkriegen könnte. Kieser wollte ich versuchen - zu müde, zu warm (29), zu Angst, dass die gleich wieder 600+ Jahresbeitrag haben wollen und ich mich noch eins drauf ärgere. Fahrrad lassen wir mal heute und Schwimmen geht noch nicht.
So. Alles klar. Immerhin kann ich die jeskom Songs auswendig und am 12.6. spielen wir für gesunde 53 Minuten bei den Songtagen. Is' ja immerhin schon um drei, kann ich Fernsehen gucken und Salat und frische Brötchen essen und nachher Bluenote und am Ende Weisswein und morgen aufräumen - innen wie aussen. Mal sehen, ob's klappt und wenn ja, womit.
Schiss
Wieder so ein halber Beitrag, der nur etwas anreisst, was diese Zehnsucht in Teilen auch ein bisschen belanglos erscheinen lassen könnte, anstatt ihr genau bedachte und damit mich deutlich beschreibende Züge zu verleihen. Sei's drum, vielleicht wird's ja doch was: Es geht um denn "Schiss" - die Angst, die mich offensichtlich seit meiner Kindheit begleitet. Wie komme ich darauf?
Also: ich bin ja immer wieder auf der Suche nach den Gründen, warum ich meine offensichtlichen Talente nicht ausbaue und meinen tief in mir wabernden Gefühlen, mein Leben betreffend, nicht richtig nachzugehen in der Lage zu sein scheine. (edit:) Und warum mich aktuelle Projekte, Aufträge (2und40), Jeskom, Job, Englisch verfestigen ... ängstigen ob ihrer Erfüllung.
Woraus sich also ein permanentes Dilemma in Sachen eigenes Lebensmodell entwickelt hat, wonach ich wiederum oftmals nicht in der Lage zu sein scheine, aus meinem Wust an Erlebnissen, Wahrnehmungen, Empfindungen, Reflexionen und vagen Deutungen ein halbwegs stabilvernünftiges Konstrukt zu schaffen, das es mir ein bisschen leichter auf meinem Weg macht. Um aus diesen Ideen und Vorstellungen etwas Konstruktives für mich und mein Leben zu erschaffen. "Etwas Richtiges".
Stattdessen scheint mich immer wieder eine Form von Angst zu begleiten. Wovor genau, weiss ich noch nicht. Aber sie lauert im Hintergrund, um in den ungünstigsten Momenten hervorzubrechen und zu schreien: "Hab' ich dich!". Diese Form von Angst ist sehr niederschmetternd. Ich kenne sie aus dem Puppentheater (auch schon davor?) und auch jetzt immer wieder. Aktuelle Beispiele sind Audioguide und Fotoserie Gesellschaftshaus. Eigentlich nichts sonderlich Bedeutsames; aber meine Angst, es nicht zu packen, schwingt mit. Weil ich mich aber auch nahezu permanent mittels vorabendlichen Alkohol ausser Betrieb gesetzt habe. Was aktuell Einiges erklärt. Aber eben nur aktuell. Denn aus irgendeinem Grund muss ich ja zu diesem Verhalten gekommen sein.
Das vorhin erwähnte "etwas Richtiges" lenkt dabei schon in die Richtung, die mich vermuten lässt, dass ich von ziemlich früh auf sehr oft so eine gewisse Angst davor gehabt haben muss, etwas eben "nicht richtig" zu machen. Was also von Anderen definiert wird. Ich bin derjenige, der "es" falsch macht oder machen könnte. Eine Frage des Selbstvertrauens. Manchmal überboardend vorhanden, kurz danach am Nullpunkt. Schwarzweiss und im besseren Zustand Grautöne. Im Dazwischenfall mit 16,7 Mio Farben.
Woran es insgesamt zu hapern scheint, ist meine nicht ausreichend angelernte Ermutigung für die Realisierung meiner Wünsche, Vorstellungen und Ideen; sondern meine Fokussierung darauf, hoffentlich keine Fehler zu machen. Vermeidung statt Entwicklung. Nicht einpullern! In der Schule keine Faxen machen! Nicht lügen! Lieb sein! ...
Das ist ein deutliches und (hier) oft erklärtes Defizit und ich fühle mich fast zu alt, um ein offensichtlich 50 Jahre altes Dilemma noch klar zu kriegen. (Tipp am Rande: Lass' den Alkohol weg! Das ändert nichts an der Vergangenheit, sehr wohl aber an der Zukunft.)
P.S.: Immerhin ist es doch mehr als ein halber Beitrag geworden; im thematisch Gesamten betrachtet jedoch wahrscheinlich kaum mehr als ein Hundertstel. (Na prima, das macht die ANGST vor einer sachlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema gleich wieder ein Stückchen größer.) Okay, ich korrigiere: Es ist nur ein Viertel. Echt? Ja! Oh. Cool.
quo jobbis2
Jetzt ist es also vom Tisch: der Paritätische stimmt meinen Vorstellungen voll und ganz zu. Das heisst für mich Stufe 11/3 (die 3 steht steht nun doch nicht für Betriebszugehörigkeit, sondern für Kenntnis-Level, das aber eben doch nach einer bestimmten Zahl von Jahren eintritt).
Wie dem auch sei: Ab 01. August bin ich 100% Paritäter bei 4.000 EUR Gehalt. Dieser Umstand ist rein geldwertlich schonmal gut und lässt sich am Ende bis zu 5.000 ausbauen; inhaltlich und motivatorisch lässt es sich auch gut an, weil alles dort auf dem Gebiet von Presse und Media so unbedarft scheint und die Menschen freundlich sind. Damit sind schonmal zwei Voraussetzungen erfüllt. Und da ich sowieso keinen echten Plan für mich und meine nicht weiter erkannten und ausgebauten Fähigkeiten habe, sollte ich mich dahinein finden und mich vor allem nicht beschweren.
Falls doch, bitte ich hier um eine entsprechende Änderungsmeldung oder das freundliche Halten meiner Klappe. Ich entsinne mich manch entmutigter Vorbeifahrt am großen gelben Haus auf dem Weg zum Puppentheater und meiner Überlegung, ob ich dort nicht bspw. mit Matte Märtens zusammenarbeiten könnte - oder sogar nach seinem Tod Marcel gefragt zu haben, ob die Stelle wieder besetzt wird ... Das ähnliche Prinzip wie 11 Jahre zuvor beim Puppentheater: das auf dem Gipfel französischer Winteralpen von Simone Riedl bestätigte Glück, für 5 Monate á 2.000 EUR ein Festival in Sachen Presse für Geld zu betreuen. Um am Ende 9 Jahre dort zu bleiben. Und so ähnlich wars auch jetzt: Nur diesmal in Italien auf'm schneeverwehten Berg, als ich Sabine anrief und sie mir anbot, das TRES Projekt für 10 Monate fort- und zu Ende zu führen. Und wieder wurde ich gebeten, zu bleiben. Nanu. Ich bin jetzt 51 Jahre alt und so planlos wie zu Beginn. Bin ich also wieder irgendwie irgendwo durchgekommen?
Gute Frage.
Alkoholische Anweisung
Olroid, Baby, weil ich es weiter- und immerhin nicht hinbekomme, hier eine Anweisung, eine diplomatische Empfehlung kurz vor dem bösen Krieg, den ich ich deutlich vor mir sehe. Ich versuche es wie beim Sport: Nicht zu viel auf einmal, sondern sachte von "bad" zu "better". Tagesration:
1 Liter Bier > Zwei Flaschen zum Abend oder drei Kleine im Bluenote
oder:
2 Gläser Wein > also nicht mehr als 0,5 Liter
Komm' schon, mehr ist es nicht. Mach' es! Besser als jetzt.
Es kotzt mich an, dass es mich ankotzt
Ein Test. Der im Moment ganz gut passt. Ich fühle mich dermaßen low, dass ich nicht in der Lage bin, es auszudrücken. „Damals war‘s“ gesehen und wiederholt festgestellt, dass ich in der Mittelmäßigkeit schwebe; irgendwas zwischen Anspruch und kargem Gemüt. Und natürlich dem Wissen darüber. Sonntag.
sent by 2und40 mobile home
Fifty facts of fucking fuck
Fuck the fucking fuck! So. Damit ist das schonmal raus. War nötig. Ich komme soeben aus der Dusche nach einem 50-km-Trip über die gewohnte Strecke IV mit einem Nordwestwind, der ... naja, das Übliche halt: fast immer und fast vollständig von vorn kam. Fuck the fucking fuck. Blieb mir nur übrig, mich dagegen zu stemmen und mir wenigstens eine gute Gesamtzeit rauszuholen. Aber warum? Wozu? Irgendwas mit Erfolgserlebnis? Oder Überhaupt-Ergebnis?
Natürlich piepten die Messenger perfekt mehrmals mitten im Song, natürlich rief MMKT Franzi mich an (die jetzt nochmals eine Rundfahrt mit mir für den Fucking Fuck-Audioguide machen und wahrscheinlich noch vieles verschlimmbessern wollen) und natürlich versuchte ich das ganze aktuelle Konstrukt um mich herum zu kompensieren, zu dämpfen, herunterzuspielen ... es versuchen, von oben oder wenigstens aussen zu betrachten.
Es wurde zum Ende natürlich schlimmer. Analog zu Kraft und Kondition einhergehend mit allgemeiner Miesepetrigkeit. Mitsamt meiner Eindrücke, die ich den vorbeihuschenden Konstellationen entnahm. Und dann kam das ganze Desaster zusammen: Wir sitzen nicht gemeinsam am Wasserfall und gucken der Strömung zu; wir treffen uns nicht im Stadtpark und beobachten Leute, wir gehen nicht auf Sternbrücken und singen Songs und auch auf ein Eis tut es nicht not. Wir fahren nicht baden oder treffen uns mit anderen Leuten. Und wenn, versaufen wir diese Zeit. Das ist nichtmal neu, aber immer wieder so so beschissener Fucking FuckFuck ohne große Aussicht. Weiterhin ziellos.
Nun bin ich jetzt und hier in dieser Küche in einem jämmerlichen Zustand und beklage mich und meine Umgebung. Dazu passend ein Facebook-Michme, völlig erschöpft in seinem Hausflur lehnend als großer Held, der es gerade noch so geschafft hat, ein schönes Selfie von sich zu machen und seinen ersten Sommerlauf in fuckinger fuck-Selbstdarsteller-Manier zu posten, was normalerweise kein Fuckschwein interessieren sollte; wonach Kubon gleich kollegial arschkriechend meint, er solle bitte immer so gut bleiben. Und ich denke mir: Das kann nur Ironie sein, oder? Was für ein Selbstbeweihräucherungs- Fucking Fuckscheisse soll denn das sein? Was wird denn hier gespielt?
50 Km reichten heute nicht aus für all meine fifty Fucks of sucking life. Verantwortlich bin ich selbst. Die meisten meiner Gegenanläufe und Versuche schlugen fehl, knapp vorbei oder fanden schlichtweg nicht statt. Siehe Kutzstraße, Dänemarks, Hannover, Harzhütte, Studium, Radiomoderator ... aus Unmut, aus Angst, einem fucking Fuck des kleinen Wertgefühls.
Jetzt hätte ich beinahe Tobias genannt. Doch der kann nichts dafür. Doch, ein bisschen. Weil er den Ideen meines Briefes an meinen Freund aus 2010 tatsächlich nur wenig entspricht. Nicht im Pferdestehlen noch in der Romantik, weder im Wagnis noch im Unsinn. Es ist funktional. Und so bleibt es. Ich kaufe mir einen 100.000 EUR Bus mit Hubdach, unter dem wir dann klimatisiert zwei Wochen auf unsere Handys gucken. DAS ist jetzt arg böse und gemein, aber dieser Eintrag hat eine thematische Position, welche selbsterbrechend vor sich hinskandiert: Fuck the fucking Fuck.
Vielen Dank.
Selbstschuldstress
Achterbahn durch schwarzweisse Landschaften, Unüberwindbarkeiten mit Zwischen-Hochs und Aussichtsreichtümern ... alles wechselt vor sich hin, abhängig von meinem Zustand und Gleichgewicht. Gestern Abend noch die unleidlichen Korrekturen beim komplizierten und mittlerweile mir unbeliebten Kinder-Audioguide der MMKT gelesen und das Projekt am liebsten abgesagt und die 5.700 zurückgegeben; heute nach einer unruhig-kurzen, jedenfalls aber alkoholfreien Nacht alles ins Reine bringen können. Ebenfalls heute an einem Zoom Meeting der paritätischen Dach- und Landesverbände inkl. Ulrich Schneider teilgenommen und nach seinem Impulsreferat, nach welchem niemand von den 120 Leuten sich traute, das Wort ergriffen und in hoch professioneller Darstellung unsere Aktionen für die Landtagswahl beworben. Der nickende Schneider war mir Beweis genug dafür. Anschließend so überzeugt von mir, dass ich meine Gehaltsvorstellung ab August gleich nochmal bekräftigte und ein gutes Konstrukt vorschlug, wonach sich der Paritätische aussuchen kann, was er haben will und ich bei meinen 2.500 netto bleibe. Sauber gelöst, möchte ich meinen. (Kurzinfo: derzeit 2.7k Pari und 0.9k FWA ergeben 2,5k netto gesamt. Pari will mir 3.7 für fulltime anbieten, ich aber will die nächste Stufe mit 4k, um die 2,5k netto zu erreichen. Ansonsten bleibts erstmal so wie jetzt)
Das war also ein typisches Zwischenhoch. Alles scheint wieder möglich und wenn alles geschafft und ich endlich in sauberen Tüchern bin, gelobe ich Zurückhaltung bei der Auftragsannahme und gebe nur nach, wenn das Ausschlagen eines übersthohen Gebotes ein Frevel wäre.
So. Und nun zum Russen und Wein kaufen, oder? So fühlt sich das jedes Mal an, sobald sich auch nur kurzzeitig die Strohhalmspitze zwischen den Wolken zeigte.
Meinungsfreiheit
Ab und an beschleichen mich vage Gefühle, es nicht auf die Reihe zu kriegen. Das alles. Hat bestimmt mit aktuellen Anlässen zu tun und ist meist auch schnell wieder gut, wenn ich mit den Problemlösungen angefangen habe, bzw. mich dafür besser aufgestellt fühle. Derzeit sind es diese Anlässe: Ich muss mich beruflich einordnen und nach meinem Willen, meinen Zielen suchen. Dazu gesellt sich die Frage nach dem Geld. Seit geraumer Zeit scheine ich Geld zu sammeln und möchte immer mehr davon. Ich weiss nur noch nicht, wofür, es fühlt sich nur besser an. Parität? Freiwilligenagentur? 2und40? Jeskom? Schwebt alles nur so rum. Dazu die vielen Projekte wie Audioguide MMKT, Fotos Gesellschaftshaus (Ja! Immer noch.), Webprojekte, Filmauftrag der FWA Halle. Abnehmen, gesünder werden, Sport lieben. Und bei all dem: tunlichst Aufwand vermeiden! DAS ist die problematische Zusammenfassung vieler einzelner, teils unbekannter Summanden. (Keep the pandemie alive & me stay home)
Da rein spielt mein Alkoholismus, der sich zwar etwas bessert, was aber längst nicht ausreicht. Die Pandemie verdeckt das alles, weil ich nicht täglich präsent sein muss - so lässt sich das prima vertuschen. Ich bin mir dabei selbst ein wenig peinlich. Heute habe ich nach Bussen gesucht und war zwischenzeitlich bereit, 40.000+ dafür auszugeben. Damit irgendwas passiert? re:new? Update? Jedoch scheint mir das etwas ziellos. Hauruck.
Zum Thema Meinungsfreiheit: Das ist nur ein Wortspiel und bedeutet, dass ich mir keine Meinung zutraue, wenn ich Facebook oder Twitter durchlese. Jeder hat eine Meinung, jeder irgendwie Recht, jeder passt seine Meinung auch gerne um ... ich stehe diesen Dingen ratlos gegenüber, würde manchmal sowas wie "mähähäää" dazuschreiben, lasse es dann zum Glück aber. Und dann: Man gendert bspw. die deutsche Sprache in einen europaweit einzigartigen Irrsinn, auch wenn der eigentliche Hintergrund der Gleichberechtigung klar und wichtig ist. Aber macht die Sprache das wett? Man schimpft gegen einen letzten harten Lockdown, wettert gegen Politik, Impfstoffe und unwichtige Kanzlerkandidaten, die Nachbarn oder und ... ach, einer gegen den anderen. Vielleicht haben die Leute insgesamt in diesen merkwürdigen letzten 14 Monaten auch irgendwelche Kratzer in ihrem emotionalen Gefüge abbekommen und das kommunikative Miteinander erschöpft sich deutlich. Ich mag kein Online-Theater und keine Aufrufe, keine Songs fürs gemeinsame Aufstehen; ich mag keine Abstimmungen und keine halbfertigen Neuanfänge mehr. Auch wenn das alles womöglich richtig und sinnvoll ist ... ich bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt, ohne aber zu so einem Selbstdarsteller zu werden, wie ich sie insbesondere auf Facebook sehe. Gerne würde ich da nicht dauern nachgucken. Was suche ich denn da? Was verspreche ich mir denn?
"Das Leben ist hart. Ich sehen mich so nach einem positiven Geräusch."
quo jobbis?
Jetzt ist es also raus: Ich habe dem Paritätischen meine Zusage gegeben, bleiben zu wollen. Mein gesamter Leistungskatalog ist "eingekauft" worden. Eher weniger eingekauft als gewollt, denn die Paritätsinterne Gehaltsliste sieht nach einem Jahr Zugehörigkeit ganze 3.700 vor, was also bei 2.300 EUR netto liegt. Derzeit habe ich fast 2.500 in der Konstellation 30h Parität und 10h FWA. Beide wollen mich haben und halten, was sich zwar gut anfühlt, dennoch ist heute so einer dieser Tage, an welchen ich mir die grundsätzliche Frage stelle, warum ich schon immer so ohne Ziel und Plan durchs Leben laufe? Immer auf der Suche nach dem besten Deal mit dem wenigsten Aufwand. Dagegen spricht ja nichts, aber manchmal paralliert sich zur Ziel- auch die Hilflosigkeit und dann setzt sich mein Selbstvertrauen gern mal eine Weile in den Sand und wartet auf die nächste Welle.
Wohlan, es ist noch Zeit: Am 01.08. ist Start der neuen Job-Saison; bis dahin muss ich mich aufgestellt und wenigstens 100 mal gefreut haben. Wehe nicht.
Das Arbeitsmaß
Nach einem Jahr der Pandemie und im ehrlichsten Sinne für mich recht angenehmen Folgen daraus, hat sich heute ein bisschen abgezeichnet, wie es wohl sein könnte, wenn alles irgendwann wieder so wird, wie es einst war. Mit der heutigen Eindämmungsverordnung bis zum 15. Mai ergibt sich erfreulicherweise ein weiterer Schludrian-Modus, dennoch stelle ich eine gewisse Verwahrlosung in nahezu allen Belangen bei mir fest. Die Vorstellung eines 8-Stunden Jobs mitsamt aller einhergehenden Aufgaben macht mich nervös.
Auch habe ich gelernt, vieles hinauszuschieben oder es verkatert sein zu lassen. Das rächt sich dann irgendwann. Heute war so ein Tag. Der bereits bezahlte Audioguide hatte heute Text-Abgabetermin und ich hab es in letzter Minute irgendwie geschafft; allerdings bin ich schwer hinüber dessenthalben und wage die Qualität kaum zu beurteilen. Bei der Parität war die Teams-Schulung eher ein Flop, was gewissermaßen auch mit mir zu tun hat und Sabine fordert einen TRES Sachbericht, von dem ich nicht weiss, was darin zu schreiben ist, weil einfach auch nichts passiert ist. Also irgendwas erfinden. Unangenehm. Jetzt steht noch eine Video-Botschaft an und im Geheimen denke ich darüber nach, dass das Gesellschaftshaus unlängst die Fotos benötigt, während sich mind. 2 weitere Webprojekte andeuten.
Flucht! Der erste Gedanke. Nie wieder hinausschieben und nie wieder Alkohol - der zweite. Dass es mir immer schwerer fällt, aus der Verlodderung rauszukommen und mich wieder aufzurichten - der dritte. Da wiegt der Vierte, dass ich es durchaus kann, schon weit weniger.
Deliert
Das ist mal wieder schlimm: Ich sitze nach einem Montag Abend mit zu viel Wein, einem Dienstag Abend beim Wein Micha mit dito hier jetzt und hier zuhause am Mittwoch mit der selbst gestellten Vorgabe, artig zu sein. Stattdessen trinke ich weiter den weissen Wein, obwohl er nichtmal schmeckt und ich zudem nichtmal eine Idee habe, was ich in diesen Browser eingeben soll, um irgendein Interesse in mir zu wecken. Es ist beides leer.
Ich habe es heute immerhin vollbracht, meinem Plattenspieler eine Schublade anzubauen, so dass ich ihn jetzt rausziehen und mir Schallplatten anhören kann. Anhören könnte. Also kaufe ich lieber solche Reinigungsmittel wie Isopropanol, um die Platten mal zu reinigen. Aber hören werde ich dann wohl doch eher nicht. Oder vielleicht mal in einem Anflug von Nostalgie, um dann womöglich wiedermal festzustellen, dass es doch nicht so fetzt. Weil Damals eben Damals war und sich alles ein bisschen irgendwohin verschoben hat.
Wie dem auch sei, es ist diese Situation hier und jetzt, die mir sehr missfällt, weil ich nicht in der Lage zu sein scheine, einfach ins Bett zu gehen, um ein bisschen zu lesen, zu schlafen und mir morgen einen guten Tag zu machen. Um den längst bezahlten und damit mühseligen Audioguide fertig zu schreiben, Rad zu fahren oder zu laufen ... wir wissen um die Konsequenz: morgen wieder viel zu Panne zu sein, um endlich das zu machen, von dem ich nicht weiss, ob es mir gefällt. (Ha! Der war gut.) Wo doch die Voraussetzungen besser nicht sein können: Corona, dritte Welle. Home-Office. Gut bezahlt. So viele Möglichkeiten, so viele Freiheiten. Hab' mich auf 100.000 hochgespart. Wao. Wofür?
Das ewig zährende Dilemma mit meinen undefinierten Zielen rückt deutlicher in den Fokus. Und das ist verdammt nochmal nichts Neues. Immer das Selbe. Nur mittlerweile mit viel mehr Alkohol. Die Schreckschraube dreht sich scheinbar unaufhaltsam ins Holz, bis sie ihr Ziel erreicht hat und sie fest sitzt und von wo aus es nicht mehr weiter geht.
Es sei denn, ich schraube sie wieder raus. Schöner sinnbildlicher Abschluss eines Beitrags der selben Art.
GooPoint Trigger
Eine Aushilfserfindung, weilwenn ich es nicht selbst hinkriege: Es müsste einen Goopoint Trigger geben, der mich an Wochentagen, zweidreivier kleine Bier trinken lassen würde, beim spätestens fünften aber sofort schwere Bauch-, Kopf- oder andere Schmerzen hervorrufen würde. Für den Lerneffekt. Am Wochenende wird er freundlicherweise ausgeschaltet. Das wäre dann vergleichbar mit einer Erkrankung oder einer Situation, bei der ich mir inmitten des Wehleids vornehme, alles sofort besser zu machen, wenn ich bitte nur diese Krankheit überstehen kann. Während einer Krankheit ist die Wertschätzung für das Leben immer größer als danach. Wenn also der Leidensdruck hoch genug ist. Aber das Ende vom Lied kennen wir aus der Erfahrung: Kaum ist das Leid vorbei, sind alle Vorsätze meist dahin. Übrig bleibt das dumpfe Gefühl, irgendetwas mal wieder verpasst bzw. nicht richtig eingeordnet zu haben.
Schönes Beispiel dafür ist meine dreiwöchige Reha aus 2017, nach welcher ich bereits auf der Rückfahrt auf der Autobahn genervt und verärgert über die Verkehrsteilnehmer wütend wurde und mir am selben Abend ordentlich einen eintankte. (siehe hier) (Spoiler: vielleicht lags auch daran, dass ich bereits wusste, dass mir diese Reha bei meinem Problem mit dem Puppentheater auch nicht helfen kann.) Dazu alle anderen, längst vergessenen Zustände meiner diversen Leidensstationen von Grippe bis Beinbruch, in welchen ich Blut und Tränen darauf schwörte, es anschließend besser machen zu wollen.
Vom Wollen und Können, vom Erinnern und Wissen ... eine große und laaange Story.
Falschrumfasten
Es ist Ramadan. Ab morgen, 13.04. bis 12.05.2021. Die Muslime essen und trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts. Nichtmal Wasser. Außerdem: Unbedingt zu vermeiden sind üble Nachrede, Verleumdung, Lügen und Beleidigungen aller Art. Es wird sicherlich viel gebetet, hauptsächlich aber auch über das Leben und Verhalten nachgedacht und dass es nicht selbstverständlich ist, in welchem Überfluss wir teilweise leben.
Ich finde die Idee ziemlich gut. Nunja, Wasser trinken über den Tag sollte man schon. Und dass dann abends nach Einbruch der Dunkelheit alle Tische und Fässer aufgemacht werden, schmälert die mögliche Wirkung beim Fettabbau, um den es hier offensichtlich aber garnicht geht. Vielmehr aber habe ich die Idee, das Fasten für mich umzukehren:
Essen und Trinken nur im Hellen, sobald es dunkel wird, ist der Wein vom Tisch! Das wäre eine goo-point-control erster Klasse. Ich darf nochmal darauf hinweisen: 95,6 Kilo und in Körper wie auch Geist einigermaßen heruntergewirtschaftet. So.
Das samstäglich Reformer Nörgeltier
Welche Unausgeschlafenheit oder Unzufriedenheit oder Ungereimtheit des Universums macht mich eigentlich immer wieder so nörglerisch, so negativ, so ablehnend, verneinend, unausgeglichen, ungemütlich, stänkerisch, streitsüchtig ... kurz: unausstehlich? So richtig prima stellen sich solche Veranlagungen heraus, wenn ich im Rewe-Markt in Reform den samstäglichen Einkauf mache. Das war sogar schon damals - im alten Markt - der Fall. Vielleicht, weil ich nicht gleich alles auf Anhieb fand oder mich irgendetwas daran und darin nervte? Das ist noch heute so und spätestens, wenn ich zwei Paprikas für 5 EUR sehe und alles zu laut und zu langsam, zu doof ist ... beginne ich, mich darüber zu ärgern, dass es mich ärgert. Der Todesstrudel ohne Rettung.
Es lassen sich Parallelen zu anderen, ebensolchen Situationen insbesondere im Umgang mit anderen, sogar befreundeten Menschen ausfindig machen. Und spätestens dann sollte ich mich zurückziehen und meinen Groll an irgendeiner grauen Wand austoben. Und gleichzeitig versuchen, herauszufinden, warum das alles und immer wieder so ist. Und derweil all jene begünstigenden Situationen meiden und als Zwischenlösung eine spontane "Draufsicht" versuchen.
Ansonsten wird das hier zum Trainingslager für mein Alter. Einen Stock sollte ich mir schonmal besorgen. Und einen Hut.
Draufsicht
Draufsicht. Das war mal so ein Projekt, von Mario Sack ins Leben gerufen und beschäftigte sich mit der Draufsicht auf die Dinge. Also mit dem Versuch, sich seiner Physis zu entheben und die Dinge des eigenen Lebens für einen Moment von oben zu beobachten - eben draufzugucken. Im Grunde meint das, sich für den unsäglichen Moment, gefüllt mit Trauer oder Wut, Ärger oder sonstigen negativen Zuständen, irrsinnig einfach zu befreien und ein Stück nach oben zu schweben, um sich die Sache von oben und damit etwas umsichtiger und vor dem eigenen Sein beschützt, ansehen, einschätzen und neu bewerten zu können.
Ich komme darauf, weil ich selbstverständlich vollständig eigenverantwortlich derlei negative Schwingungen zuhauf verspüre. Und mich daraufhin in einer Windungsvielfalt der Erklärungswut wiederfinde, welche mir verdeutlicht, dass die mannigfachen Gründe für diese negativen Schwingungen ja auch ohne Alkohol vorhanden sind - wenn nicht gar erst zu ihm geführt haben. Ober ob ich - ganz einfach - grundsätzlich nur ein bisschen zu doof bin - und mich dem billigen Fusel anheim gegeben habe, weil ich mir grundsätzlich nicht besser zu helfen, bzw. mir ein paar oder wenigstens ein Ziel aufzustellen und zu verfolgen wusste.
Konkretes? Gut: Facebook. Es macht mich verrückt! Weil ich so vieles so langweilig und, schlimmer noch: abstoßend finde, nur um 30 Minuten später gleich wieder nachzusehen. Es ist oder war schon immer ein Portal der Selbstdarstellung größeren wie manchmal ja auch gesunden, informierendes Ausmaßes. Aber: jetzt verfeinert sich meine Ekeleskapade: Indem ich solche Leute wie Michme in tausenden Posen mit ach so pathetischen Worten sehe; wenn Kubon gesichtsverzerrt von einem seiner weiteren Quality Runs und weltbestem Radio mit all den guten Journalisten schreibt; wenn weitere Menschen einfach nur dummes, verwirrtes Zeug schreiben ...
Ach, es ist so mühselig. Und hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass ich deren Aktionen, von denen sie schreiben, auch ein bisschen zu neiden versucht bin. Was damit zu tun hat, dass ich mich als so untätig einschätze, so Leben vergeudend. Und dass sich das auch nach Corona womöglich nicht ändert, weil es ja bereits vorher bei mir schon so war.
Jetzt käme die Draufsicht ins Spiel! Die wäre nämlich so sehr hilfreich, wenn ich mich aus diesem Stimmungsschlamassel kurz mal rausnehmen könnte und mich von oben so realistisch wie möglich draufgucken liesse. Dann würde ich nämlich merken, dass es nicht die anderen sind, sondern meine Sicht auf die Dinge meines Lebens. Die Draufsicht. Naja, das war jetzt vielleicht kein Quality Beitrag, aber ich musste es mal versuchen.
P.S. & Fazit: Hinz & Kunz sind immer dann bessere Leute, wenn ich mich schwach, hilf- und vor allem ziellos fühle. Ansonsten wüsste ich es zu übersehen oder einfach abzuschalten. Das betrifft alle Lebenslagen. Wie sang es van Veen: "Ich sehne mich so nach einem positiven Geräusch." Ganz besonders jetzt, wenn ich die ganzen Dummgeschwätzdenker und Meckerer und Dagegner einfach nicht gebrauchen kann. Weil ich sonst möglicherweise sogar einer von denen werden könnte und den Rest meines Lebens schimpfend, tiradisierend und immer alle anderen für mein Unglück verantwortlich mache.
Wechselvorfreude
Neigt die Woche sich dem Ende, freue ich mich auf Tobi und Reform in der Hoffnung auf Rehabilitation. Auf was Neues, das allerdings wenig stattfindet. Na gut, ja, es ist Ende Winter und wir haben eine Pandemie. Aber bleiben wir ehrlich: Was, außer Ski und Sommerurlaub kriegen wir auf die Reihe? Ich bin gut im Vergessen bzw. Übersehen von all den Dingen, die wir durchaus unternommen haben; aber sobald meine verkaterten Couchtage an Menge zunehmen, überwiegt die negative Sicht auf die Dinge.
Und dann, am Sonntag (bzw. heute Ostermontag) freue ich mich erneut. Dieses Mal auf meine Wohnung und eine neue Woche, in der ich mir fast lampenfieberlich viele schöne Dinge vorstelle, um sie mir vorzunehmen. Das mündet oft in der selben halbherzigen Lethargie. Wenn ich doch wenigstens bis um 12 liegenbleiben könnte. Geht aber auch nicht - das Gewissen ist zum Glück noch vorhanden.
Ansonsten könnte ich mit vorstellen, bereits viele Grundlagen geschaffen zu haben, die einen handfesten Alkoholiker aus mir machen dürften. Immer wieder bin ich um peinliche Momente drumherum gekommen, aber eines Tages wird die Kraft nicht mehr reichen. Aus Erfahrung anderer und aus Büchern müsste ich dann den Freund, dann den Job (oder andersrum) verlieren, die Band und meine Kunst wird's dann auch nicht mehr geben; ich fliege aus der Wohnung und ... uiuiui. Aaah- jetzt weiss ich, warum ich soviel Geld gespart habe. Das wird dann auch ereignislos alle sein.
Klingt arg, hat aber durchaus Potential.
Drüber- und Drunterleute
Das hier wird merkwürdig: Ich habe eben gerade beim Rauchen draußen (eine Woche Tobi Urlaub ohne Urlaub, ohne Ski, dafür mit Geburtstag) über meine "Bewertung" der mich umgebenden Menschen nachgedacht. Mag sein, dass der Wein sein Übriges dazu steuert und diesen Beitrag krude macht. Aber ich versuche es: Die Zahl derer, mit denen ich Umgang habe, ist in den Jahren geschrumpft bzw. hat sich verändert.. Ich fasse zusammen: Im Bluenote (das seit November 2020 erneut schliessen musste), treffe ich noch die meisten. Die anderen, aus Bluesjackets- oder ähnlichen Zeiten und Projekten haben sich über die Jahre entfernt. Zugegebenermaßen trauere ich jenen Zeiten ein bisschen nach, als wir gemeinsame lange Nächte verbrachten, mit den Bussen durch die Welt reisten, auf Konzerten waren oder selbst welche gegeben haben ... wir waren irgendwas in den 20er / 30er Jahren und hatten merkwürdigerweise Zeit für durchtriebene Nächte und Unternehmungen (die letzten waren die Weihnachtssingen in unseren End40ern), die heute - bis auf wenige Bluenote-Eskapaden - undenkbar sind. Das liegt nicht daran, dass die Leute nun Jobs haben - die hatten sie früher auch - aber: wir alle sind älter geworden. Viel älter. Aus 32 wird 52. Kawumm!
Doch zum Thema: Drüber- und Drunterleute. Die meisten Menschen kommen mit solchen, die sich im Abgleich ihrer Ansichten und Fähigkeiten als relativ gleich und ebenbürtig erweisen, am besten klar. Sie werden oft zu Freunden. Weil sie den halbwegs gleichen Ansatz einer Denk- und Lebensauffassung und die gleichen Interessen haben. Und weil dazu die Chemie stimmt.
So. Okay. Wie sieht das heute bei mir aus? Es sind (mit Datum heute, außer Tom Kawa) alle noch da. Aber nicht mehr hier. Man sieht sich. Gelegentlich. Die Leute heute, die ich zu meiner Gesellschaft zählen kann, treffen sich tatsächlich meist im Bluenote. Ohne Bluenote findet (auch im Sinne der Corona Epidemie) nichts statt und die Schar derer, mit denen ich mich umgab, wird dünn.
Aber ich schreibe um den heissen Brei: Bei den mich umgebenden Menschen scheine ich zu kategorisieren: Da sind die, zu denen ich eher aufsehe und sie bewundere; und da sind die Anderen, die ich brauche, um auf sie herab zu sehen, selbstverständlich ohne sie das spüren zu lassen. Das hat unbedingt mit meinem Selbstbewusstsein zu tun: Im Kreis der Drüberleuten versuche ich, zu bestehen, auch wenn ich Vieles nicht verstehe. Das mache ich durch meine schauspielerisch vieldeutende Art wett, was allerdings anstrengend ist (und überhaupt nicht sein muss! Manno!). Und bei den Drunterleuten fühlt es sich dann so wohlig an, weil ich mich nicht anstrengen muss; weil sie mir nahezu bedingungslos alles abnehmen, egal, welchen Bullshit ich von mir lasse.
Und wen würde ich in die Mitte nehmen? Also die Person, mit der ich auf gleichem Niveau, auf gleicher Ebene im Wissen wie im Fühlen bin? Und mein Freund ist? Und wieso habe ich das hier geschrieben? Wer genau sind denn die Drüberleute und wer gehört zu den Drunterleuten? Und wieso fällt mir niemand ad hoc ein, den ich zu "meinesgleichen" zählen kann, möchte, darf?
Wer ist noch da? Wer tut mir gut? Wer ist gefährlich? Bei wem kann ich lernen? Mit wem möchte ich engeren Kontakt haben?
Mist, ich bin in der Nacht der Zeitumstellung von 2 auf 3 bereits bei 01:55 in der Winterzeit nach einer Flasche Weißwein beim Ende des schweren Toskana Rotweines und hätte diesen Artikel hier gern richtig samt meiner Überlegung zu Ende gebracht, weil das Thema gut ist. Ich mach schnell ein paar Tags für die Basis meiner Drüberdrunter-Überlegungen:
#daniel #weinmicha #sepp #ali #ulrike #thorben #dorschi #jana #kubon #stef #doni #tobi #volker #siggi #memmler #michme #mariosack #mandy #hannes #schröder #ronald #noch?
Na? Möchtest du eine Bewertung vornehmen? Komm schon ... Nun ist es 03:14 Uhr. Tadaaa ... heller, länger, wärmer, besoffener, sarkastischer.
11 Jahre, 2 Monate und 27 Tage
So alt ist diese Zehnsucht mittlerweile schon. Der Idee, mich zu beobachten, zu erkennen, zu bewerten und das zu dokumentieren, bin ich treu geblieben. Doch mich beschleicht das Gefühl, dass ich seit sehr geraumer Zeit das selbe Problem beschreibe. Was ich auch hier schon oft genug beschrieben habe. Eine Tautologie? Womöglich kommt mir das in meinen besonders abschlägig beschriebenen Zuständen intensiver vor. So kann es zu einer Art Litanei werden, die immer wieder und damit ein bisschen zu oft das beschreibt, was wir alle längst schon wissen. Einen x-beliebigen Beitrag hier aufzurufen ist der beste Beweis dafür. Versuch's mal.
Kurzum: ich hätte es gern ein bisschen fortschrittlicher, progressiver; ich möchte Entwicklung aufschreiben, Erkenntnisse, Neues und daraus resultierend auch Schönes. Wenn es keine Entwicklung gegeben haben sollte bzw. gibt, lohnt es der Worte hier kaum mehr.
Es ist ja nicht so, dass ich hier eine Prosa á la "Spannend erzählt" oder besondere Memoiren verfassen möchte; allerdings wäre mir eine Linie der nachvollziehbaren Entwicklung lieber. (P.S.: Auch das ist das Wesen dieser Zehnsucht: genau soetwas zu erkennen!) Was es natürlich wieder auf den selben und im Grunde furchtbar einfachen Punkt 'get real' bringt:
Wie ist mein Stand der Dinge? Wie bewerte ich den? Im (bewiesenen) Falle größeren Unwohlseins: Worin bestehen die problematischen Umstände? Und: Was ist wie zu tun, diese Umstände zu meiner Zufriedenheit zu ändern? Und dann kommt die Zehnsucht ins Spiel, in welcher ich dokumentiere, wie ich es angegangen bin, was ich also unternommen und dabei wie erlebt habe. Das ist wars eigentlich schon. (Tja- und genau das habe ich hier in dieser Zehnsucht in so vielen Beiträgen und Seiten schon so oft versucht. Aber es hat irgendwie nie so richtig geklappt, oder? Was'n nun?)
Selbstverständlich ist der Verzicht auf Alkohol mit einhergehend /folglich fehlender Bereitschaft für Entwicklung, Bildung, Schönheit und Erleben ein wichtiger Punkt; jedoch müssen die ursächlichen Gründe dafür ja sehr sicher irgendwo liegen. Aber was nun? Mein eigener Psychologe sein? Ein bisschen vielleicht. Es liegt weiterhin und nur an mir, zu ändern, was ich mir nicht gefällt. Und genau das muss ich in Worte fassen, kapieren, verinnerlichen. Und einen Plan schmieden. Realistisch, liebevoll, zielstrebig und zukunftsgewandt. Und den dann konsequent auf den Weg bringen, ihn beschreiten, gestalten und weiterverfolgen. (Die hier in Klammern gesetzten Kommentare schreibe ich beim nochmaligen Lesen dieser Zeilen. Wie dieser hier: Es ist erbärmlich, es ist so einfach und liest sich so hilflos. Meine Güte, sowas macht man, wenn man 20 ist!)
Anderenfalls bleibt und manifestiert sich nur das, was ich jetzt in mir beschreibe: Einen gefühlt ausgebrannten Typen ohne konkretes Ziel, der immer fetter, antriebsloser und müder wird. Dem jedes neue Projekt zur Last wird. Dem das Kribbeln für Neues, Spannendes, Ungewisses, Abenteuerliches ... kurz: Schönes im Bauch abhanden gekommen ist.
Möglicherweise haben meine dauerdurchbrennenden Synapsen im D-Zug meiner Reflexionen seit mindestens 40 Jahren die innere Semantik ermüdet und dann selbstunsicher und erschöpft meine Abteilung für Erbarmen um ein Mittel angefleht, welches in Form von leicht zugänglichem, gesellschaftlich toleriertem Alkohol sein Rezept ohne Lösung fand.
Ich schlage vor, mich nicht auf- und damit dem weiteren Verfall anheim zu geben, sondern für mich (und damit auch für die Ästhetik dieser Zehnsucht mit besseren Worten) Sorge zu tragen.
Wir alle hier in dir glauben an dich!
Empfehlung zur Zehnsucht
Ich halte es für gut, diese Zehnsucht um die handschriftlichen Aufzeichnungen meiner Mapplethorpe Tagebücher aus 1995/96 und die Aufzeichnungen aus meinen "Kreisen" und ggf. Kalendern aus den Jahren 1989++ zu erweitern. Das Datum dieser Einträge kann ja ungefähr hier angegeben werden und liegt ja auch weit vor dem Start der Zehnsucht in 2010.
Das habe ich bestimmt schonmal erwähnt und ich möchte es nochmals tun, um zum einen meine Zehnsucht - meine Geschichte - zu erweitern, zu vervollständigen, und zum anderen, um mir gerade jetzt- in diesen betrunken grenzwertigen Zuständen mit 51 Jahren zu vergegenwärtigen, wie mein Lebensmodell bisher aussah, jetzt aussieht und aussehen könnte.
Und als Versuch, die bisherigen 50 oder zumindest 30 Jahre zusammenzufassen, zu erinnern, was ich bisher wie erlebt habe und ob ich mögliche Erkenntnisse samt meiner permanenten, unsäglich massiven Reflexionen in mein Leben ab heute vernünftig einbauen kann.
Warum? Oh, tja ... nunja: Weil es weiterhin und wie immer um mich zu tun gibt; weil ich als Permanentzweifler nie & nicht so richtig zufrieden bin mit meinem Leben ... weil ... weil ich fürchte, dass ich mich in irgendeine halbwegs angenehme Lebensweise hineinakzeptiere, die nicht meinem tatsächlichen Metier entspricht.
Das reicht erstmal. An dieser Stelle also die Ermutigung an mich, meine Kalender und Mapplethorpes zu greifen und das hier zu dokumentieren. Mach's!
P.S.: Falls es nochmal so eine Druckerei geben sollte, die einen Blog wie die Zehnsucht mit Hard- oder Softcover drucken würde, empfehle ich ein Backup der Datenbank (als Original), dann eine Korrekturlesung der zu druckenden Zehnsucht und los ...
out of control
Au weia. Gestern bei Wein Micha: alles wie immer, nur doller. Micha musste mich auf dem Nachhauseweg zwischenzeitlich stützen. Es gab Bier. Vier oder fünf. Dann Rotwein, Wahrscheinlich Hundert Gläser. Heute war nichts mit mir anzufangen, ausser die erneut gehackte wein39108.de Webpräsentation neu zu bauen, weil die bisherige mit einer ordentlichen Malware zerschossen war. Schon wieder. Ich habe im Grunde nicht viel Ahnung von dem ganzen Zeug und wühle mich durch die Möglichkeiten. Wie dem auch sei, es war ein Tag, den ich beinahe nicht in der Lage war, zu überstehen. Konter-Bier und eine Flasche Chianti sind die Nachwehen.
Sowas geht garnicht. In der Parität hat man mich gebeten, dabei zu bleiben. Sowas muss ich mir wirklich mal merken: Man mag mich nahezu allenortens und möchte mich behalten. Und ich bin damit in einer sehr guten Position. Und muss jetzt aufpassen, dass ich es im Sinne von Arbeit, Leistung, Wohlfühlen und Geld richtig hinbekomme. Und noch vor über einem Jahr sah das ganz anders aus: ich hätte nahezu alles angenommen, aus bloßer Furcht vor meiner wirtschaftlichen und vor allem inhaltlichen beruflichen Zukunft.
Ich bin nur Spezialist im Verbreiten positiver Stimmungen, Motivationen und habe dazu ein paar Fähigkeiten, die offensichtlich nicht zu unterschätzen sind - so wie ich mich also selbst niemals unterschätzen sollte. Denn ich bin offensichtlich zu Dingen fähig, die von anderen sehr wohlwollend auf- und angenommen werden.
Aber ich saufe mehr als zuviel. Was ist da los? Das geht schon seit (jetzt kommts:) Jahrzehnten so und wird mich ganz sicher in den Tod oder wenigstens die Demenz treiben. Erste Anzeichen sind bereits zu sehen, zu spüren. Ist alles Mist oder sind bereits bereits Grenzen überschritten und ich bin ein Alkoholiker?
Ich sag mal: Ja! Und: Nein. Na bitte.
Worauf warte ich?
Na? Worauf? Was muss passieren, welcher Initialzündung bedarf es, mich aufrecht hinzustellen, und zu sagen: So! Jetzt! ? Ich hätte gern eine Antwort. Wie kriege ich mein Feuer für diese meine Antwort entfacht? Wo ist die Glut? Verloschen ist sie nicht, das weiss ich; sie lauert. Aber sie scheint wählerisch.
Ich sollte mir die Zeit nehmen, diese ZEHNSUCHT mit über 850 Beiträgen durchzulesen, oder mit Suchbegriffen zu selektieren, oder von vorn bis hinten: Es ist erschreckend, wie sehr bereits lange Zeit vor dem Anfang dieser Zehnsucht in 2010 alles immer das Selbe ist. Guter Anfang: Summary t.b.c.
Pandemische Ausrede
Mit der Idee, dass mit Corona und derer einhergehenden Zäsur in vielen Bereichen meines und des allgemeinen beruflichen, kulturellen, künstlerischen und aktiven, sozialen Lebens ... mein weiterhin unguter Alkoholmengenkonsum und mein laues Erlebnisleben begründet werden könnte, würde ich mich ja gern und bequemerweise anfreunden; allein es stimmt nicht. Ich betrachte diese Pandemie als nahezu glücklichen und legitimierten Umstand, dass ich weiterhin genau das machen kann, was mir offensichtlich gut liegt: nämlich Aufwandsvermeidung.
Die Wahrheit ist, dass sowohl mein Antrieb als auch meine Sicht auf die Dinge des Lebens weiterhin - und auch bei plötzlichem Abhandenkommens dieser Pandemie - geschädigt sind (und es zu bleiben drohen), weil es eben keine wirklichen Ziele, sondern nur zu erledigende Projekte gibt, die mir in dieser Antriebslosigkeit eher zu schaffen machen, als mich mit Neugier und Tatendrang und Schönheit zu erfüllen. Parallel dazu schwingt dennoch immer meine vage Vorstellung von einem favorisierten "Leben" mit, die ich seit Anbeginn meiner Tage nicht greifen konnte. Und es in Anbetracht der sich manifestierenden Zustände immer weniger kann. "Wissentliches Abstumpfen" kann ich das nennen.
Also: Diese Pandemie hat die Gefahr meiner Demaskierung aufgeschoben. Was ja nicht aufgehoben ist. Wenn ich es nicht in den Griff bekomme. Von oben draufgeguckt darf ich auch behaupten: Ein ganzes, (gut) bezahltes Jahr hab ich sausen lassen. Aus Bequemlichkeit, aus Angst, aus Ziel- und Ideenlosigkeit.
Juut durchjekomm' und Glück jehabt, wa? Nix für die Zukunft? Na dann: Bis zum nächsten Schlupfloch, Mister Wiesel.Beispiele:
Die Fotoserie fürs Gesellschaftshaus [seit Frühjahr 2020] hätte ich trotz oder sogar gerade wegen der Pandemie sehr gut komplett realisieren können: Keine Zuversicht, keine Ideen. Auch jetzt noch - für die letzten 5 Motive
>>> Den Audioguide für Kinder auf dem Doppeldeckerbus der Stadt Magdeburg habe ich im Oktober 2020 zugesagt und eingeloggt: jetzt wird's knapp bis zum 01.04.
>>> in der Parität mag man mich und ich hatte ein Jahr Zeit, [seit 02/20] mich dort aufzubauen, mich schlau zu machen und herauszufinden, ob das was für mich wäre. Okay, man kennt und mag mich dort - (Everybody's Darling?) es wird wahrscheinlich auch ein Leichtes sein, dort 'unterzukommen' - doch steht die Frage: Ist es ein Job? Eine Berufung? Eine Leidenschaft? Eine Profession? ...
Mit etwas Glück viel Geld für wenig Aufwand, eben weil die Parität so relativ unbedarft im Bereich PR / Foto / Grafik / Web / Socialmedia ++ ist? Und: kann ich das wirklich gut? Will ich das?
Sarkasmusmeldung: "Hello Mister Wiesel, nimm', was du kriegen kannst, winde dich mit deinem Charme weiterhin um jede Ecke und durch jedes Schlupfloch auf dem Weg des geringsten Widerstandes und suche dir einen Platz, an welchem du halbwegs froh sein und leben / arbeiten kannst, wenn du schon keine deiner vielen undurchdenkbaren Emo-Intentionen für ein klares, selbstbestimmtes und erfülltes Leben fassen kannst."
"Armutszeugnis" benenne ich es deshalb, weil ich schon zu betrunken bin, es deutlicher und tiefer zu beschreiben. Hinten dran käme noch die böse Frage nach meinem "Mittelmaß" und die unwahrscheinliche Flucht daraus bzw. die Selbsterkenntnis. Käme auf den Teufel an ...
50 Jahre Sendung mit der Maus
Heute wurde die Sendung mit der Maus 50 Jahre alt. Natürlich musste ich das sehen und mir war ein wenig melancholisch zumute. Es steckte wie immer diese neugierige und freundliche Art in der anlässlich längeren Sendung und all meine Bekannten waren dabei. Ich weiss nicht, ob es Melancholie oder Traurigkeit war; es hing alles mit allem zusammen: Mein Blick auf die vielen Jahre bis hierhin und wie ich diese Sendungen erlebte: Früher als Kind gebannt vorm Fernseher, später dann mit Mandy beim Frühstück oder noch später allein und oftmals zum Katerfrühstück ... die Mausausstellung in Magdeburg und der grüne Pullover mit den vielen Geschichten und vertrauten Charakteren ... insbesondere der Maus, die dem Elefanten, der immer keine Post im Kasten hatte, heimlich einen Brief schrieb. Unvergessliche Szenen von Freundschaft, von meiner Vorstellung, wie das Leben genau so sein müsste. (Was es wahrscheinlich auch ist; nur scheinen mir meine Wahrnehmung und übermäßigen Reflektionen immer wieder mal dazwischenzufunken.)
Und heute war es das Gefühl über die Zeit inklusive derer Endlichkeit. Mir schien es wie ein kleiner Lebensrückblick, während die Leute im Fernseher einen Blick in die Zukunft richteten. Eine feine Mixtur aus Freude und einer kleinen Träne im Knopfloch.
Sportsfreund
Seit dem 27.01.2021 also versuche ich (nach Ende November 2020), unterwegs zu sein. Zu Fuß oder mit dem Rad. Um mich und meine Fitness auf den Weg zu bringen. Wahrscheinlich bin ich zu ungeduldig. Oder zu alt. Oder beides. Ich entschloss mich heute in Alt-Olvenstedt dann doch die "4" zu fahren und habe mich ordentlich damit übernommen. Meine Basis war nicht die beste, denn gestern war ich seit vielen Wochen mal wieder beim Wein-Micha. Und es ging aus wie üblich. Das ist nochmal eine andere Geschichte - denn cool ist das nicht unbedingt. Aber vielleicht hilfreich.
Auf dem Weg nach der Trogbrücke ging's wurde es dann knifflig: Erst Sattel & Hintern, dann die starke Ermüdung mitsamt einem zwischenzeitlichen Husten. Alles zusammen nicht so besonders gut. Ich nehme mir wohl etwas zu viel vor. Und jedes Mal sage ich mir vorher: "Sachte! Mach' eine Spazierfahrt!" Und dennoch lockt die mitzeichnende App und das möglicherweise gute Ergebnis von Strecke, Dauer und Durchschnittsgeschwindigkeit. Tja, ich muss mich an mich anpassen. Sonst werde ich zu einem dieser von mir belächelten Selbstoptimierer, die sich einmal im Jahr auf Mallorca die Rad-Kante durch die Berge geben und hochrot einem Herzinfarkt nahe sind.
Na gut. Aufpassen also. Ich wollte es mal bemerkt haben und die Gelegenheit nutzen, meine aktuellen Strecken 1-4 aufzuschreiben:
(1) Bis zurMoto-Cross Strecke und Schießstand (das ist die Basis) und danach gleich rechts bis Diesdorf und auf dem 'Achtsamkeitsweg' (entlang der Schrote, wo sehr viel Optimierungsverkehr herrscht) nach Hause. Knapp 13 km (das geht auch zu Fuß)
(2) Bis zurMoto-Cross Strecke und Schießstand (Basis) und weiter übers Feld bis nach Niederndodeleben und auf der Straße von dort direkt nach Diesdorf und 'Achtsamkeitsweg'. 18 km
(3) Basis und am Ende Niederndodelebens nach links über die Felder und Biogasanlagen nach Alt-Olvenstedt. Von dort aus:
(3a) rechts Weizengrund hoch oder irgendwo nachm Klinikum rechts via Neu-Olvenstedt über Nachdenker nach Hause. 21 Km. Oder:
(3b) Von Alt-Olvenstedt geradeaus durch bis Neustadt, Kaffeewerk Röstfein, Pylonbrücke, Herrenkrug und bis Pylon Cracau durch Stadtpark über Sternbrücke nach Hause; 35 Km
(4) wie (3) bis Alt-Olvenstedt: Dort nach Norden nach Ebendorf, Barleben, Mittellandkanal und nach Trogbrücke über die Felder und Herrenkrug (dann wie 3b) zurück; 53 Km (Für den Fall der Selbstgeißelung zum Bäcker Otto = 57 Km)
So siehts aus. Weitere mögliche Route ist
Richtung Cracau über Randau und Elbenau via Schönebeck zurück zum Gröninger Bad und dann nach Reform und nach Hause.
Der Weg ist auch beliebig ausbaubar. Ich muss allerdings, wie geschrieben, aufpassen, mich nicht zu übernehmen. Die 3b scheint mir derzeit am besten geeignet für eine gesunde Mischung.
Eltern
Immer wieder auf der Suche nach möglichen Szenarien meiner frühen, mittelzeitigen und weiteren Entwicklung habe ich heute eine altbekannnte Situation erlebt. Nichts sonderlich Neues, dennoch Bemerkenswertes: Mutter weiss wie immer alles besser und verteidigt diese Meinung lautstark und teilweise so offensichtlich daneben, dass es fast schlimm, zumindest aber ermüdend ist. Und das betrifft ja nicht nur die Corona- bzw. Impfsituation; auch gesellschaftspolitische Meinungsfluten aus dem Fernseher weiss sie gekonnt zu kommentieren. Dass sie zudem Florian Silbereisen samt seiner greisverblödenden Sippe gut findet, ist natürlich ihr überlassen; aber wenn ich zusammenfassend zurückblicke, könnte das ein Indiz für meine ungerichteten Orientierungen geben, die mich mit viel Meinung, gefährlichem Viertelwissen und und einer gewissen Oberflächlichkeit gespickt einen Weg durch den Dschungel des Lebens zu schlagen versuchen.
Vater kann es auf andere Art, der die Frage stellt, warum Nachbars Frau mit ihren zwei Kindern nicht vor ihrem statt unserem Grundstück auf dem Feld spazieren gehen und stattdessen hinter den nicht vorhandenen Gardinen weiter ausspäht, was ihn nerven oder schlimmstenfalls erzürnen könnte. Das ist alles kleiner Kram, zeugt aber vom großen Ganzen.
Und das ist hier auch kein Verriss und auch längst keine Erklärung für meine unsteten Empfindungen. Klar ist nur, dass ich seit meiner Jugend so ab die 16 herum immer irgendwie gegen viele Einstellungen meiner Eltern war - was zu diesem Alter zwar auch gehört, sich aber über die Jahre nicht änderte, sondern sogar dazu führte, dass wie uns Mitte der 90er bis Mitte 2000 teilweise sehr wenig gesehen haben. Ich fand in unseren Begegnungen nichts Fruchtbares, Erhellendes, Zukunftsweisendes; vieles hatte mehr Negatives und Wertendes als Förderliches und Ermutigendes.
Nun fällt der Apfel nicht weit vom Stamm und manchmal habe ich das Gefühl, mit diesem Aufbegehren nicht unbedingt sehr weit gekommen zu sein - viele meiner Filter und Methoden haben mich meinen damals bereits unerklärlichen, 'anderen' Weg nicht einschlagen lassen. Na gut - zumindest auf meine Weise, die ich mir immerhin zutraute.
Und ich habs mal aufgeschrieben, weil diese Zeit noch weit vor dem Beginn der Zehnsucht in 2010 liegt und wenig beschrieben wurde. Ab er da sind ja noch die Mapplethorpe Tagebücher 95/96 und meine "Kreise". Wollte ich das hier nicht mal in eine neue Kategorie übertragen? Und versuchen, das Ganze zu begreifen?
Oder fürchte ich mich vor meinem persönlichen Mittelmaß, dem ich zu entfliehen versuche? Oder davor, herauszufinden, warum ich immer so viel Alkohol trinke?
Ha!
Sporttrinker
Seit 2 Wochen bin ich aus sportlicher Sicht gut unterwegs. Weit gehen und neues Stevens-Rad fahren. Es gilt nun, diese Aktivität beizubehalten und ein weiteres, großes Unterfangen zu meistern: Meine Talsohle riecht bereits nach Lehm und ich bin nicht sicher, wie ich dem Unsinn des permanenten Alkoholkonsums entkommen kann. Dabei sind es nur die Stunden zwischen 21 Uhr und dem Zubettgehen, die ich mir irgendwie in meinen Aktivitäten so umbauen muss, dass es nicht passiert: Die erste Zigarette beim ersten Bier - okay, das geht. Die nächste beim zweiten - nunja, das ginge auch noch. Es sind jedoch die Goo-Points, dich damit überschreite, ein bisschen vom Wein kosten zu wollen; wohl wissend, dass die Flasche damit so gut wie geleert und im schlimmsten Fall die zweite angerissen wird.
Der folgende Tag ist wie üblich grauslich und meine eigene Unzulänglichkeit wird mir schwer bewusst. Da fehlen Worte, fehlen Zusammenhänge und Pläne, die am Abend zuvor mitsamt dem Wein noch heroisch klangen. Mein Wissen über die Folgen spielt da immer eine planlose Rolle. Fragen über schleichende Demenz und "Leute, die sich totgesoffen haben" scheinen mir ziemlich realistisch. Und es ist nicht neu, sondern war schon immer so. Mandy hatte mal gemeint, dass ich solche typischen Phasen habe, in denen ich mich fallen lasse und mich dem Alkohol anheim gebe. Aus aktueller Sicht wüsste ich gern um die anderen Phasen, an die ich mich kaum erinnere.
Es gibt zu tun, weiterhin, und ich fürchte mich dabei vor meiner Unfähigkeit, den Audioguide Magdeburg für Kinder und die Fotos fürs Gesellschaftshaus und meine möglichen Zukünfte bei Parität und Freiwilligenagentur und mein Ansinnen betreffs jeskom zu begreifen, zu fassen, zu planen, anzugehen.
Seit 2 Wochen also bin ich immerhin in Bewegung. Das ist gut. Ich muss es beibehalten und mir etwas suchen, was mich abends vom Pfad der Selbstzerstörung fern hält. Aber womit? Schwimmen und Mitternachts-Sauna waren immerhin mal ein möglicher Abend in der Woche. Geht gerade nicht. Noch? Ich kann doch nicht 21:00 ins Bett gehen!?
Zum Erklären meiner prekären Lage: Gestern hatte ich nach einem Bier keinen Geschmack auf die verbliebenen eineinhalb Gläser restlichen Rotwein, die noch in der Küche nach mir schrien. Dennoch hab ich sie eingelassen. Wohl wissend, dass nichts mehr im Haus ist. Oh- ausser dem neuerlich erhältlichen Bree-Wein in der 1,5 Liter Ausführung, die ich Tobias zeigen wollte. Aus einem Ankosten wurde eine Dreiviertellehrung und nun sitze ich nach dem heutigen (außerdem in den Videokonferenzen) deutlich sichtbaren Zerfalldilemma hier bei Tobi, der bereits ins Bett gegangen ist, und stelle dabei erneut fest, dass mich nach der ersten Zigarette kurz vor Zehn der zögerliche, neue Bree-Massenwein bereits vollständig in der Zerre hat und ich erneut bereit bin, die ganze Welt auszusaufen.
Tag ein. Tag aus. Alles andere bleibt liegen.
P.S.: Und ja: ich mache auch diese Flasche alle (1,5 Liter!) , weil sie schon so erschreckend leer aussieht. Dann werde ich heimlich leise mein Bettzeug schnappen und nach oben ziehen, weil ich Angst habe, Tobi mit meinem wahrscheinlichen Schnarchen zu stören.
P.P.S.: Das Übliche, diesmal aber schon vor dem Hangover: FUCK OFF. LASS DAS SEIN! Wenn's nicht anders geht, dann ganz!
Kompensation
Der merkwürdige Temperatursprung von -15° auf + 20° gibt mir also die Möglichkeit, mein neues Fahrrad auszuprobieren. Habe ich heute wieder getan. Von 20 Kilometern gestern auf heute 35. Ging schon viel besser. Stevens und ich nähern sich an. Was ich eigentlich schreiben will: Den Aufwand an Anstrengung mit anschliessender Genugtuung mache ich mit Alkohol am Abend gleichsam wieder wett. Das sind zusammen zwei Anstrengungen für den Körper: Eine, die meinen Körper samt Kreislauf auf wörtliche Touren bringt. Und die andere, die meinem Körper samt Geist große Anstrengungen abverlangt, das zu überstehen.
Das, was nach Kompensation klingt, ist letzten Endes doppelte Anstrengung: Die eine ist immerhin positiv und förderlich und die andere ... kennen wir bereits zur Genüge. Das Selbe lässt sich auf das Kiesertraining anwenden.
Mach' kaputt, was dich gesund macht.
96null und Was wäre Wenn
Mit "Du schaffst" schaffte ich es es genau 4 Tage. Am 5. - dem Donnerstag gelang es mir, bei zwei Gläsern Rotwein zu bleiben. Um Freitag und Samstag dann alles nachzuholen. In der folgenden Woche gelang es dann nicht so gut und die hier beschriebene drittfolgende ... ach, was schreibe ich da.
Am vergangenen Wochenende gab es eine "Was wäre Wenn" Situation mit sehr lauem Gefühl, weil die mögliche Konstellation nicht unrealistisch war. Spät am Abend klingt mein Handy. Eltern. Aber nur einmal. Aaah- hat sie sich verdrückt? Ich schreibe sofort: "Was'n?". Nichts. Keine Antwort. Ich rufe an: Nichts. Keine Antwort. Ganz dumme Situation, vielleicht erklärbar mit Alter und Ton aus. Aber eben unschön. Nächsten Tags dauerte es auch nochmal, bis sie endlich ranging und sich alles aufklärte. Dass sie mit Haberlands eine Party gemacht und dabei am Handy was eingestellt und es dann weggelegt hatten.
So. Aber jetzt: Ich habe abendlich zwei Flaschen weissen Weines geleert und stelle mir nun vor, wie das wohl wäre, wenn der Ernstfall eingetreten wäre? Ganz schlechte Vorstellung. Das geht alles den Bach runter, wenn ich aus dieser Kurve oder Sohle nicht rauskomme. Mister Bechterew meldet sich sogar persönlich und droht mit dem kleinen Finger. Dazu habe ich dicke Finger, die seit gestern mit meinem neuen Fahrrad gern anfangen zu kribbeln. Herzinsuffizienz bei Gewebedurchwirkung von Blutflüssigkeit.
Es handelt sich doch um ein temporäres Tal, das mit Corona und der allgemeinen Antriebsschwäche zu erklären ist, oder? Und 96null sind 4 Kilo vor Hundert. Das nur am Rande. Ich bin mein eigener Tagebau, entziehe mir nach und nach die Substanz und fülle sie mit Fett.
Hanz kurz Test
Du hast den Betreff leider falsch geschrieben. Aber das sollte insofern nichts machen, als dass wir das noch einmal ausdiskutieren können. Wenn sie aus dem Fenster sehen, sehen Sie einige Wolken und die Sonne versteckt sich dort hin da
................................................ sent by 2und40 mobile home
95zwei
Aus der gestrigen Laune heraus befinde ich mich also nun im Status Null. Was für ein Gezeter um ein Thema, das sich über die Jahre seinen Weg gebahnt hat. Kaum ist es Tag 1, will ich es mich gleich nochmals wissen lassen. Wie ein Kubon, der erstmals in seinem Leben ein paar Schritte selbst geht und es die ganze Welt in Bild und Text wissen lassen möchte. Immerhin kaschiere ich es in eine weitere Bestandsaufnahme:
Erstmals seit vielen Monaten habe ich es gewagt, die Waage zu befragen. 95,2 Kg sind es. Soviel wie noch niemals jemals unglaublich ever zuvor. Immerhin sind es keine Hundert, doch es wären nur wenige Tage bis dahin.
Derweil die nächste Abteilung: der Paritätische. Sicherlich ist es der fehlenden, gemeinsamen Präsenzen geschuldet, dass ich nicht nach und nach reinschnuppern und das Wesen des Paritätischen begreifen kann. Ein mir so merkwürdig entrücktes und sich selbst bestätigendes Gebilde lässt mich an der Idee, die Position der Verbandskommunikation sowie Presse-/Öffentlichkeitsarbeit zu beziehen, schier verzweifeln. Erste Annahme: Der Landesverband des Paritätischen ist der Anwalt der sozial Benachteiligten, tritt also für sie ein und fordert sozial- und gesellschaftspolitische Gerechtigkeit, derweil die Sozialwerke mehrere wirtschaftlich arbeitende GmbHs betreiben, in denen Menschen anderen Menschen direkt helfen. Gegen Geld vom Staat und den Kassen. Das könnte eine Erklärung sein und stellt derweil dazu die Frage, ob so eine Information nicht auch wesentlicher Bestandteil meines Studiums war?
Bestimmt haben die permanenten Mengen Alkohols und meine allgemeine Defensive ihr Übriges getan, meine Auffassungsgaben und Interessen über die Zeit hinweg zu verringern und im Gegenteil meine Unzufriedenheit über das Unvermögen der Welt (inklusive meines) zu vervielfachen. Was im Grunde keine Spirale, sondern eher einer Abfahrt der Farbe Schwarz entspricht. Oder besser: einer sehr sehr lange Blauen.
Der Entschlossene, auch aus Angst
How to get away with Murder ... netverflixtes Serienzeug am Samstag Abend. Guck ich halt ein bisschen mit und denke an Denver Clan oder Dallas hoch 10. Annalise Keating ist eine der Hauptpersonen und wahrscheinlich auch irgendwie traumatisiert, denn sie trinkt heimlich Wodka. Und irgendwer mittendrin sagt ihr, dass sie damit aufhören solle und ermutigt sie. Thematisch wie inhaltlich sehr amerikanisch.
Und Tobi wiederholte die Worte und sagt: "Du schaffst das! Ich glaube an dich!" Und wie wir alle wissen, steckt in den Kernen der Witzigkeiten die heimlich eigentliche Wahrheit. Es ist unverbindlich genug, um nicht zwanghaft zu wirken und der Januar ist jetzt vorbei und meine vielen, angestauten Aufgaben sind weder gelöst, noch tatsächlich angefangen und es wird nicht sachte sondern sehr deutlich eng und draussen scheint bei weissestem Schnee die helle Sonne und das alles zusammen sollte Ansporn und Hauruck genug genug sein, es jetzt anzugehen. Bzw. wenigstens erstmal den Wein bis Freitag stehen zu lassen. Dazu gesellt sich die allgemeine Angst meiner sich manifestierenden Taten- und Aussichtslosigkeit, weder Wille noch Vorstellung generieren oder mein Leben überhaupt erfassen zu können. Die Zukunft steht nichtmal in den Sternen. Daneben steht jedoch das Maß meines Unvermögens und meiner Konzeptionslosigkeit und Ziellosigkeit. Das muss ich jetzt klären, ich kann es nicht mehr verbergen. Und wer weiss, wer mir das alles oder wenigstens den Alkoholkonsum ansieht. Auch Corona hält nicht mehr als Grund dafür her. Für die allgemeine Lethargie vielleicht, aber ich kann ohne Weiteres einen Dauerzustand daraus machen, wenn er es nicht längst schon ist. Ja. Ist es.
Gesundheitlich ist das Alles überlängst schon mehr als bedenklich. So manches Mal dachte ich, dass jetzt folgerichtig wenigstens ein kleiner Herzinfarkt oder Schlaganfall oder wenigstens ein Kreislaufkollaps mit Panikattacke fällig sein sollte. Sobald ich es gedanklich wie auch körperlich überstanden hatte, geht der Wein sofort wieder auf. Mit dem selben Ablauf. Und das seit ... ? Ich muss es zurückdatieren in die Entscheidungsphase beim Puppentheater. Was dann so 2016 wäre. Den Alkoholmissbrauch an sich bis an den Anfang des Jahrtausends.
Eine Challenge. Mal sehen, was passiert.
Die Empfehlung
Ich habe eben mal rumprobiert, nach bestimmten Stichworten in der Zehnsucht zu suchen. Allein "Alkohol" (auch als es diese Kategorie noch nicht gab) taucht zurück bis an den Anfang dieser meiner Zehnsucht. Das war 2010. Also 20 Jahre. Und dabei gibt es sehr viel Interessantes und meist nicht immer Schönes zu lesen. Vieles davon habe ich vergessen. Kurzum, meine Empfehlung an mich selbst lautet:
Finde eine Zeit, einen Platz, ein unbetrunkenes Setting. Lies' die Zehnsucht online oder besser noch ausgedruckt von vorne bis hinten durch. Das sind bis jetzt 815 Einträge seit dem 01.01.2010. Da ist sicher viel Krams dabei, aber es könnte sehr hilfreich sein ...
Das Schindluder
Ich erreiche meine Grenzkontrollen, in meinen Träume rase ich mit dem Bus unfallunvermeidlich gegen Wände und komme dennoch kurz davor unversehrt zum Stehen; ich esse und trinke und wiege wahrscheinlich wieterhin zuviel, sehe auch so aus, fühle mich auch so und bewege mich zuwenig. Ich bin mein eigenes Schindluder. Mit Kraftanstrengung gestern 12 km gegangen. Gefreut, fast bereut: es ist vermutlich zu viel zu schnell gewesen. Und dann: Keine richtige Vorstellungskraft über die Parität und Zukunft, alles wirkt so dumpf, Sylke irgendwie fast abweisend, kaum jemand will mehr was von mir. Die Welt steht still und ich denke mir ein Konstrukt:
Wenn ich also dem Alkohol enteile, mich körperlich und geistig erhole und also wieder fit mache für das Leben: Was genau werde ich dann in diesem Leben leben wollen? Aus irgendeinem Grund muss ja entstanden sein, was ich heute bin: behäbig, dick, unzutraulich gegenüber mir selbst und vielleicht auch anderen, entscheidungsarm, abwartend, nicht inspiriert, platt, ängstlich, mittlerweile unglaublich geldreich aber ohne Ideen, Ideale, Interessen. Wenn ich also wieder an einem meiner Anfänge stehe und sehe, wohin die Reise gehen kann ... was dann?
Zwischen Feld und Diesdorf spazierten gestern zufällig 5 Leute in verschiedene Richtungen und aus meinen Kunzekopfhörern "wie der Name schon sagt" singt es ... eigene Wege sind schwer zu beschreiben, sie entstehen ja erst beim Gehen. Das war rührend, ein Bild von Menschen, die ihren Weg gehen bzw. suchen. Fanden wir schon 1990 gut, aber was sind schon 30 Jahre?
Der Trinker
Kleine Wochen-Rückschau Anfang 2021. Im betrunkenen Zustand. Peinlich, aber nötig.
Vergangenen Sonntag ... wie so oft, von Tobi zu mir nach Hause. Drei Bier an der Tanke. Für den Abend bzw. die Idee, nur einzwei Bier zu trinken. Was dann doch drei Bier wurden. Dann los in die Woche. Ging ganz gut. Montag nach 5 Stunden Arbeit in der Parität: Absichtlich nichts im Haus. Also dann doch noch zum "Russen", der keiner ist, aber Greevensteiner hat. Vermutlich nur für mich. Dienstag ging dann ebenso halbwegs gut: 11:00 Uhr Untersuchung beim Rheumatologen Carlo Weimann: Nieren, Milz, Leber und Bauchspeicheldrüse (soweit einsehbar) ohne Mecker, Leber altersbedingt leicht eingefettet; Blutauswertung später. Okay. Home-Office. Insofern ich das so nennen darf. Abends dann eine Flasche Bier. Dann eine Flasche Wein. (Bree, weiss, 10,5 % Alc). In der Überlegung des ja so geringen Alkoholanteiles: zweite Flasche desselben Weines. Hui! Dann eine weitere Flasche Jever. What?! Mittwoch = Totentanz. Am Abend desselben Tages eine vorsichtige Flasche Jever. Konterbier. Spiegeltrinker. Daraufhin doch nochmal Bree. Eine Flasche. Dann noch eine. Schon wieder. Is' nich' wahr, oder? Donnerstag im nächsten Totentanz und in der Gewissheit, dem Paritätischen = in diesem Fall Marcel, endlich die Office365-Suite zu erklären und meinem eigentlichen Job gerecht zu werden, nur eine Flasche Jever. Ach ja, und dann noch die letzte, fünfte Flasche Bree.
Freitag ging dann doch halbwegs gut und ich war Donnerstag wie Freitag unerklärlicher guter Laune. Freitag bei Tobi 2 Flaschen Wein. Genau jetzt ist Samstag Abend, eigentlich Sonntag, 02:24 Uhr und ich habe die dritte Flasche "leichten" Weissweines zur Hälfte leer. Und versuche zu rauchen und gleich danach im Bett nicht zu schnarchen.
Meine Güte. Das war nur eine Woche. Lies' das nochmal. Und dann nochmal.
Der Hunderttausend Dollar Man
100.000 Euro hab ich also erstmals und seit heute auf der hohen Kante. Aha. "Geld macht nicht glücklich, es beruhigt nur die Nerven. Und man muss es schon besitzen, um's zum Fenster rauszuwerfen." (Rio Reiser). Andere haben, wenn überhaupt, knapp eintausend, wiederum andere eintausend Millionen. Was ist der Unterschied?
Ich bin im Moment leider ein bisschen zu lasch (Wein), um die Unbedeutung dieser Nachricht in gewichtige Worte zu fassen. Eben schrieb ich noch über den Sammler, was im Grunde genau dasselbe beschreibt. Aber hier sind es keine bereits gekauften Sammlungsbestandteile, sondern Moneten, mit denen ich noch etwas machen, bzw. im schlechtesten Fall noch irgendwelche weiteren Dinge sammeln könnte, von denen ich mir nicht sicher bin, ob ich damit kompensieren kann, was mir an der Basis fehlt. Und so sachte fällt mir auch ausser den Dingen, die ich als zu teuer betrachte, nichts mehr ein.
Wir könnten 1st-class-Reisen nach New York City in feine Luxus-Suiten für 10.000 buchen; ich könnte mir einen T6 Campingbus für 70.000 kaufen, mit dem sich die verklärte Vorstellung von Freiheit bloß auch nicht herstellen liesse; ich kaufe mir ein Martin D-28 Gitarre für 3.000, die ich auch nur nicht besser spielen kann. Die Beispielliste ist lang. Gerade jetzt denke ich an Marcel Kabel, der sich einen Volvo SUV für wahrscheinlich sehr viel Geld gekauft hatte. Anderes Thema. Oder doch nicht?
Und dann denke ich an Menschen, die berühmt und reich geworden und dann aus diesen oder völlig anderen Gründen überfordert gestorben sind. Na gut, andere wiederum nicht. Das ist alles zu viel verwirrender Denkescheiss, ohne hier auf den Punkt zu kommen, ob nun meine 100.000 Euro jetzt und hier einen gewichtigen Eintrag wert sind oder nicht.
Ich werde übermorgen im Penny-Markt gucken, ob ich eine Packung Jacobs-Kaffee für unter 4 Euro bekomme. Dann geht's wieder.
Der Sammler
Über die Jahre bis heute war und bin ich ein Sammler von Dingen, von denen ich mir mein Weiterkommen und entsprechende Aktion verspreche. Das betrifft bspw. meine Fotoausrüstung, damit ich endlich losgehe und mich ausprobiere, darin reife, mich also verbessere und es zu einer wenigstens ausreichenden Qualität, besser noch: Professionalität zu bringen. Zwar mögen meine Fotos zum Teil und mit großem Aufwand und Glück ja auch gut aussehen, aber (siehe auch: der Fotograf), aber es stellt mich nicht zufrieden.
Weiteres Beispiel sind die massiven Downloads: Ob Programme, Designs, Tutorials, Musikalben, Filme, Kunstfotos, Gaypics- und videos ... alles hat mit "Haben ist besser als Brauchen" zu tun. Weil ich das alles in der Vorstellung über meine mögliche Professionalisierung, die Erfüllung meiner vagen, größtenteils undefinierten Vorstellungen und Wünsche, meine Aktionen (+ gemeinsam mit anderen) mache. Aber machen ... tu ich selbst nicht viel damit. Nun ist das nicht unbedingt schlimm für die Dinge, die ich gesammelt habe.
Aber es ist größtenteils umsonst.
Der Fotograf
Da stehe ich also am 16. Januar wieder auf dem Alten Markt und fotografiere. Dieses Mal unter anderen Bedingungen: kein Publikum, bzw. nur sehr wenige Leute und weit auseinander stehende Sänger und Instrumentalisten. Und wie immer suche ich wie blöd nach den richtigen Kompositionen, den richtigen Blickführungen, der richtigen Stimmung. Und es ist wie immer schwer. Ich drehe an den Reglern, besinne mich der schärfsten Blende, ziehe aus der Erinnerung des letzten Jahres (Uli Lücke) die ISO hoch und schiesse gefühlt tausend teilweise hektische und nur halb überlegte Fotos in der Hoffnung, dass ein paar gute darunter zu finden sein werden.
Aber das fetzt doch nicht. Warum habe ich denn nicht die vielen leeren Zeiten und Möglichkeiten genutzt und wenigstens ein paar Kurse dazu belegt? Ich bin mir sicher, dass Wenzel mit wenigen Aufnahmen eine weit bessere Ausbeute haben wird. Ich bin kein Fotograf, wenn ich nicht den Blick, das Handwerk, den Schneid und das Selbstbewusstsein dafür habe.
Ein gutes Beispiel auch für so einige andere Dinge der selben Art. Es wäre gut, ein bisschen zu sortieren und aus dem Pool meiner Möglichkeiten das herauszustellen, was mir Freude und Gewissheit darüber schafft. Fotografie könnte durchaus eine davon sein.
P.S.: Ein wichtiger Hinweis: Es ist gut, Menschen zu treffen, die ich kenne oder dabei kennenlernen kann. Und es ist förderlich für mein Wohlbefinden. Zumindest hier und heute war das so.
Die dünne Haut
"Was traue ich mir eigentlich noch zu?" ... war mal ein Eintrag vor ziemlich langer Zeit. Einhergehend mit einer gefühlten Verlangsamung meines logischen Denkens, der Vorstellungskraft darüber, was richtig oder falsch ist, der teilweisen Unfähigkeiten des Durch- und bis-zu-Ende-Denkens, die realistischen, wertungsfreien Erinnerungen für Schlussfolgerungen, die sich androhende Verblödung, was in einem Alter von jetzt bis in 20 Jahren zu einem Manifest gedeihen könnte ... eine wunderliche Aufreihung von Möglichkeiten.
Ich beobachte bei unseren Eltern auch so manche Denkmuster und Entscheidungen, die bisher ungefährlich, aber doch in Richtung Erschöpfung zeigen. Wenn ich bei mir diese Entwicklung mit Alkohol und schlechtem Schlaf in meiner ansonsten theoretisch und von aussen betrachtet doch so gloriosen Lage dennoch beschleunige oder die ersten Anzeichen bereits jetzt mit mir ins Gericht gehen ... dann aber schnell jetzt noch das tun und geniessen, wovon ich Zeit meines Lebens nicht wusste, was es ist.
Oh, darf ich den ersten Beitrag des Jahres so zynisch gestalten? Schon wieder eine Frage, deren Klärung mir unendlich viel Aufwand bereitet.
zum Ende hin
Zum Ende hin noch ein fast beliebiger Beitrag, der sich dem Datum geschuldet in gebildet klingende Worte ... siehste: zu Ende kriegste den Satz auch bloß nicht. Aber dann wenigstens das hier:
"Lass' mich mit Worten preisen, was mit Taten nicht vollbracht." Erfunden beim Reformer Saubermachen. Aber auch nicht neu. Worte können lügen ... und sowas. Ich trinke immer und dabei dauernd zuviel. Dessenthalben bedarf es eines Planes. Eines Zieles. Geboren aus einem Wunsch, einem Verlangen, einem Gefühl. Zumindest das Ziel wäre wichtig, damit es sich lohnt, an etwas zu arbeiten, was mir zur Freude gereicht.
Mach mal was, was du hier besonders aufschreiben kannst, weil es das in den 10 Jahren in der Zehnsucht in den Worten noch nicht gab. Und damit auf Wiedersehen.
Komm mit mir nach Georgia
Nun also scheint er da, der Impfstoff, der den Menschen einen weiteren Aufschub gewähren wird. Die ersten 50.000 sind geimpft und ich stelle erschreckt fest, dass ich mich sehr an die Faulerei gewöhnt habe. Es kam mir nahezu gelegen. Denn viel geändert hatte sich merkwürdigerweise nicht. Weniger bzw. keine Bluenotes mehr, was ich mit heimischem Wein kompensiert habe. Kein Skiurlaub, was ich ohne Probleme verschmerzen kann. Und sehr viel weniger Anwesenheit auf einer Arbeit, die ich irgendwie machen kann und gut bezahlt bekomme. Dennoch Stress in der Vorstellungen jener 2und40er Projekte, die endlich zu erledigen ich mich nur schwer in der Lage sehe.
Dennoch & Kurzum: Schwein gehabt. Das dicke Aber dahinter verbirgt die eigentliche listige Last: Es gibt immer weniger Menschen, mit denen ich ich umgebe; ergo weniger gemeinsame Projekte, Ideen, Urlaube, Bands, Theater, Treffen, Reisen, Besuche, Essen, Partys ... und dieser Trend war bereits vorher deutlich vorhanden. Und auch bei einigen anderen zu beobachten. Dorschs beispielsweise. Von den anderen weiss ich garnicht oder nicht mehr so viel. Für Tobi absolut normal, für mich bedenklich.
Ist das alles der Moll's Laden des Älter werdens? Ich muss los, neue Freunde, neue Ideen besorgen. Komm' mit mir nach Georgia ...
(Zwei Tage rauch- und alkfrei. Ein Test.)
Negationskataster
Schönes Wort, 2x Google. Ich will meine negativen Vor- und Einstellungen und Bewertungen loswerden, die allesamt nur von meinem eigenen Zustand künden. Also will ich meinen eigenen Zustand verbessern. Besser draufgucken. Mehr Freude. Positiver. Die Welt wird kein besserer Ort, erst recht nicht, wenn es keine Definition dafür gibt, was gut und was schlecht ist. Wer soll das bestimmen? Es ist und bleibt immer meine eigene Aufstellung und meine Sicht auf die mich umgebenden Dinge. Schlechtes Beispiel gefällig? Nie wieder werde ich bei Rewe einkaufen, weil dir mir 25 EUR Parkstrafe abgeknapst haben. Und alles was ich jetzt an Werbung oder Beiträgen in Bezug auf Rewe lese oder höre, ist natürlich grundsätzlich schlecht. Das ist mein persönlich hoher Aufwand für etwas, was niemanden interessiert. Eigentlich sogar nichtmal mich selbst. In Dänemark kostet sowas weit über 120 EUR. Es geht nur um eine Parkscheibe. Mehr nicht.
An den kleinen Dingen lässt sich für mich ablesen, wie ich aufgestellt bin, wenn ich Um- und Zustände zu bewerten versuche. Ich komme deswegen darauf, weil ich gerade die nachweihnachtliche Volksstimme lese. Und mich postkaterlich unausgeschlafen fühle. Und auch ein bisschen ziellos, aber mit guten Möglichkeiten versehen bin. Uneins mit sich selbst zu sein ist anstrengend und macht mürbe. Erst mich, dann andere.
... geht leise die Säge. 50 Jahre Weihnachten.
50 Jahre Weihnachten. Viele ähnlich, spätere anders, noch spätere immer irgendwie weniger. Vielleicht geht das nur mit Kindern. Seit Jahren ist es gleich geblieben. In diesem Jahr ist es zudem sogar ein bisschen oller. Wegen Corona? Ich weiss es nicht, aus der Draufsicht ergibt sich ja kein anderes Bild als sonst. Heilig bei meinen, Ersten bei Tobis, Zweiten ggf. bei meinen oder andersrum ... diesmal erstmals seit 2007 kein Weihnachtssingen. Ändert aber nichts an den Zusammenkünften der Familie. Bei meinen Eltern wie üblich: erst alles schön, dann schön satt, dann Stefanie Fuck Hertel und dann hat irgendwann jeder recht, der eine wird laut, die andere ist eingeschnappt und ich möchte gerne nach Hause. Heute nicht viel besser: Tobi findet seine Ex-Nichte schlimm, obwohl sie ihm im September noch so gescheit und klug vorkam. Dann macht er seine Mutter mit Gemeinheiten über dreckige Küchen und zu kurz geratenes Einpackpapier madig und sagt: "Das ist Scheisse." Hatte er gestern auch gesagt, als es um das Videomachen für die Kids ging (Weihnachtsbote Willibald) ... mir fehlt der gemeinsame und geruhsame Gedanke dabei. Alles ist schnell, bzw. Scheisse und was für ein Aufwand und mach doch so und nicht so und nochmal Scheisse. Und ich möchte da schnell durch bzw. besser noch raus. Ganz weit raus.
Das hat wahrscheinlich nicht nur mit Weihnachten zu tun, sondern ist grundsätzlich ein Dilemma. Um diese Zeit fällt es jedoch mehr auf und führt mir vor Augen, wie es ist: Nämlich tatsächlich Scheisse. Eiapopeia & Etepetete im wahnromantischen Kostüm setzten mir aber wahrscheinlich ebenso zu. Also nehmen wir's, wie es ist? Damit wäre ich also schon zwei.
Naja, vielleicht nicht so schlimm, allerdings hab ich bessere Vorstellungen darüber, wie man zumindest miteinander umgehen sollte. Während der Hase im Pfeffer liegt und ich auch nicht weit vom Stamm falle, wünschte ich mir, ich würde das alles nicht so stark reflektieren. Genau das ist nämlich mein Problem: zu registrieren, wie manche Verhaltensweisen so abstoßend auf mich wirken und ich niemals so werden oder sein möchte ... und mich dann oft ziemlich ganz genau so verhalte. Tadaa. Selber doof.
Angepasst
In meiner Stimmung und Weltwahrnehmung und /-bewertung bin ich, sporadisch betrachtet, nun einer von denen, zu denen ich früher niemals habe gehören wollen. Ich reflektiere zwar immer noch alles, schaffe es aber nicht (oder habe es nie tatsächlich geschafft), dass alles richtig und wahrhaftig aufzunehmen, zu sortieren, anzunehmen und mir eine eigene Meinung daraus zu stricken. Das Ergebnis ist, dass ich mich in dieser Dunstglocke der kleinen Leute befinde, die über alles nörgeln, unzufrieden und im Grunde gelangweilt sind, weil sie sich selbst nicht gerecht werden. Übrig bleibt der schmale Dunst einer "eigentlichen" Ahnung, die - sich an den letzten kleinen Verstand klammernd - siegreich dem Alkohol übergeben wird. Ja, natürlich von mir selbst. Von wem reden wir denn hier? Gut.
Wackelangstpudding
Es sammelte sich und wird nun zu einem Gefühl des Schlodderns, einer merkwürdigen Form von Angst. So eine, die ich kenne aus den Situationen im PT, wenn ich mal bitte zum "Mitarbeitergespräch zum Chef kommen möchte." Einer leichten Ohnmacht gleich fühlt sich nichts richtig an. Ich fasse zusammen: In der Uniklinik haben sie eine "Jerusalema-Challenge" gemacht, ich sollte das schneiden und wir haben es per WhatsApp verteilt und es wurde kurzzeitig auch auf Youtube veröffentlicht. Jetzt gibts Mecker, vielleicht sogar bis in die Klinikleitung hoch. Brisant. Das war der Auslöser, zu dem sich gleich die nächsten Punkte gesellen:
Oft habe ich das bedrohliche Gefühl, nichts richtig einschätzen, durchdenken, realisieren zu können. Möchte mich dabei dennoch gern behaupten. Eine Ohnmacht voll Unwissen und unklaren Profiles gegenüber Untergangsphantasien. Und viele unerledigte Projekte. Ich bin so selten in der Parität, dass es den Anschein erwecken könnte, ich arbeite dort garnicht. Zählt die Präsenz mehr als das Ergebnis? Aber es ist meine eigene Einschätzung, wonach ich tatsächlich ziemlich müßig und es gewohnt bin. Und zudem nicht weiss, ob ein Referat Presse, ÖA + Verbandskommunikation unter diesen Umständen überhaupt etwas für mich ist. Es herrscht Chaos, unprofessionelles Gewusel, keine klare Struktur, aber eine gewisse hyperdemokratische Wichtigkeitsattitüde voller Politik und Wertschätzung.
Und dann noch kommt so ein Miniding dazu, als ich meinen Rewe-Parkplatz-Ärger verfacebooke. Dorschi geht nahezu boshaft dagegen, schreibt was von "Krone richten und dann gehts wieder". Ich kann's fast nachvollziehen und denke, ob solche Postings wirklich nötig sind. Wahrscheinlich nur, um den im Grunde ja kleinen, aber dennoch Ärger irgendwie u kompensieren, loszuwerden.
Aus alle dem generiert sich jedoch die Frage, ob ich all meine Verhältnismäßigkeiten noch zu überblicken in der Lage bin. (Ja. Das hat es jetzt gut zusammengefasst). Daraus erwächst Wackelangstpudding in den Beinen dünner Haut. Mit der weiterhinnen Frage: Was traue ich mir (noch) zu? Er weiss - er weiss, er weiss, er kann. Könnte.