Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
Bücher
Es ist verdammt schwer, ein gutes Buch zu finden. Ich suche überall im Internet herum auf der Suche nach einem guten Buch. Allerdings weiß ich nicht genau, wonach ich suche. Also schlendere ich durch die Webseiten und Suche nach einem Buch das mir gefallen könnte. Aber es will sich mir nichts erschließen. Selbst die Bestsellerlisten oder auch die Buchlisten vom NDR bringen mich nicht weiter. Nach zehn Seiten voller Buchempfehlungen gebe ich auf. Verdammt.
Nachschlag
Morgen werde ich wieder eine im wahrsten Sinne des Wortes kränkliche Aussage darüber erfinden müssen, warum ich in der Parität nicht anwesend sein kann. Die Wahrheit ist der fehlgeschlagene Versuch, den kleinen kranken Spiegel zu erreichen, um die Auswirkungen des gestrigen weinreichen Abends bei PS4 Resident Evil II kompensieren zu können und damit besser einschlafen zu können, als in entgiftungswürdigem Zustand schlaflos dahin zu siechen. Nachschlag. Der Spiegel war nach einer halben Flasche Rotwein erreicht, allein der Absprung gelang, wie so oft, nicht. Jetzt bin ich bei Flasche 2, die bereits zur Hälfte geleert ist.
Sehr lange werde ich das nicht aufrecht erhalten können und ich denke schon wieder an Matte Märtens, den ich neulich hier erst erwähnte. Gefährdung - Sucht - Abhängigkeit. Na? Soll ich nochmal raten, an welcher Position ich zwischen Sucht und Abhängigkeit bin?
Und jedes Mal, wenn ich zu Tobi fahre, denke ich mir, was ich übers Wochenende alles machen kann - besser machen kann, als nur auf der Couch zu lümmeln und mir Black Friday Produkte anzusehen, auf der Suche nach Dingen, die ich auf keinen Fall brauche, von denen ich mir aber verspreche, dass sie mein Leben bereichern könnten.
Und jedes Mal, wenn ich dann am Sonntag nach Hause fahre, denke ich mir, was ich in dieser Woche angehen, es endlich fertig und damit alles ein bisschen besser machen kann. Ein bisschen davon klappt immer und hilft, mir einzugestehen, dass ich es kann.
Nunja, die zweite Flasche ist bestimmt auch gleich leer. Und wie erwähnt: So geht das nicht, wenn ich über meine Zukunft nachdenke. Auf diese Art wird alles fehlschlagen. Und die Chance ist beiderseitig groß: Ich könnte womöglich einen guten Job bekommen oder ich kann mich und mein Leben total verkacken. Weil ich nicht weiss, was ich will.
Huch! Ganz was Neues.
Nachtrag 20 Minuten später: Wao, es ist echt heftig, was ich hier so mit mir veranstalte. Warum denn aber? Woher kommt das, wieso mache ich das? Es ist leicht, so ein Verhalten auf Kindheit, Entwicklung, soziale Umgebung, ungestärktes Selbstbewusstsein und möglicherweise sogar Traumata zu schieben, doch allein mir fehlt das Beispiel dazu. Vielleicht ist es die Ambivalenz dessen, was ich erlebe, mir dabei zutraue und rückblicke und mich vergleiche.
Und ... tja, da hört die Weisheit auf.
kalt grau mies und weiter
Vielleicht ist es das graue Grau draussen, das ungemütliche Kalt der Novembertristesse ... ich bin ein bisschen oll, immerhin aber zumindest unverkatert. Komme gerade von einem Gespräch in der Parität über mein Tun und meine Zukunft dort. Stabsmäßige Einrichtung einer PR/ÖA und man möchte mich gern. Ich bin wankelig. Stabsmäßig heisst dann auch, Präsenz & Prozedur, Aushängeschild, Aktivist, Macher. Dabei fühle ich mich so ein- und schlecht ausgeschlafen. Und nicht nur heute. Die Pandemie kann doch dafür nicht verantwortlich sein? Gleich habe ich ein Interview der Studiosessions mit Kubon für dem MDR, doch ich bin noch nicht so richtig drauf.
Zusammengefasst: Ich kann mir "richtiges" Arbeiten fast schon nicht mehr vorstellen; ich hab zu viel zu tun und unerledigte Baustellen, die an mir nagen; Kaufland ist Donnerstag halb12 proppenvoll, also fahre ich zu Rewe, um meinen peinlichen Leerflaschennotstand zu entsorgen. Komme raus und hab ein Knöllchen über 25 EUR dran. Könnte ernsthaft ausrasten. Kurz danach zuhause zwei semisynchrone Laubbläser und die Welt kann von mir aus genau jetzt explodieren.
So siehts doch aus hier. Mistscheiss alles.
vom schweren Wein
Meine Minderungsversuche in Sachen Alkohol klappten in der ersten Lockdownwoche ganz gut, in der zweiten gabs statt einem ab und an mal zwei Biere, in der dritten - also jetzt - gabs bereits Wein ab Mittwoch. War zu erwarten, oder? Und dann das Wochenende. Tobi macht es richtig, er ist müde und geht halb eins ins Bett. Ich bleibe noch "kurz", ohne zu wissen, was es denn zu tun, zu sehen, zu machen gebe. Natürlich: Es muss noch mehr Wein sein. Dabei wird der Wein immer schwerer. Wir sind bei witterungsbedingtem Rotwein. Allerdings kein Nebenbeiwein, sondern ab 13,5%++. Die Menge hat sich allerdings nicht geändert. Heute, Sonntag, hatte ich Mühe, am Leben zu bleiben. So fühlte sich das an. Kurz vor Vier (! - na gut, ich hab am Waldhausstudio-Web noch was machen können) ins Bett unterm Dach und halb 10 wieder raus.
Fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie blinde Zerstörungswut an. Und es gibt keine Ausreden wegen Corona oder Lockdown. Oh nein, auch ohne diesen ganzen Schlamassel wäre es dazu gekommen. Meine Aufgabenliste füllt sich, weil immer Neues hinzu kommt und ich es nicht fertig kriege, die Dinge nun anzugehen.
Tipp an mich: Es gibt da die lange Liste aufm Handy. Jeden Tag EINE Aufgabe davon lösen. Und sei es, den Zahnarzttermin zu machen. Los jetzt. Prioritata. Alles nix Neues. Erfolg und Freude sind für jeden schön. Am Donnerstag bin ich zum Vorgespräch geladen, ob ich mir (vorerst unverbindlich) die Stelle ÖA/PR der Parität vorstellen könne. Kann ich? Nicht dass ich dort wie Matte Märtens ende, der sich durchalkoholisiert über die Jahre schleppte, bis der Sauf?Krebs ihn übermannte. Is' nich' witzich.
schwachmüde Mittelmaßdemenz
Das bringt es so etwa zusammen. Seit 2 über Wochen sind Kraft & Rad so gut wie zum Stillstand gekommen. Das ist nicht so schlimm. Ich fühle mich den Dingen, die sich mir gegenüber zu Anforderungen entwickeln, nur schwer gewachsen und muss mich sehr bemühen. Obgleich all diese Anforderungen doch dem Bereich meiner Interessen entspringen. Und dennoch: Ich habe kein Gefühl für eine gute Grafik - es dauert ewig. Ich kann mir keine schönen Foto-Motive fürs Gesellschaftshaus ausdenken - ich bin seit Juli nicht (mehr) fähig dazu. Die Websites zu bauen, fällt mir schwer. Mich in der Parität aufzustellen und die grandiose Vorlage, die sich mir bietet, zu nutzen und mich damit zu einem nahezu zunverzichtbaren und gut bezahlten Mitarbeiter zu machen, schleppt und verzögert und verliert sich im Dunst. Das ist jammerschade, denn es entginge mir eine gute Chance.
Nichtmal zum Hose- oder Fahrradkaufen fühle ich mich animiert oder überhaupt fähig, weil ich mich auch in der Erfahrung / Erinnerung da stehen sehe und mich nicht entscheiden kann; am Ende womöglich ein Damenfahrrad oder schlecht sitzende Jeans kaufe. Und dann gibts neue Song-Arrangements. Allerdings und wie immer mit nur sehr langsam enstehen wollenden Texten.
Irgendwo hier vor langer Zeit steht: "Was traue ich mir eigentlich noch zu?". Vermutlich so eine typische Neujahrsansprache an mich. Diese Ansicht ist über die Jahre wiederkehrend gleich geblieben. Es wankt in mir zwischen Vernunft, Erkenntnis, Verstand, eigenem Willen und dem, was ich angesichts dieser Defizite tatsächlich mache.
Immerhin spare ich jetzt über 2 Wochen am Alkohol; dennoch reichen 2 Bier wie gestern nach dem jeskom-Mixing bei Mohi, das bis 22:00 andauerte und mich zuhause sachte runterbringen sollte. Die Träume werden diffus, aber immerhin vielschichtig und mit großen Stories versehen. Der nächste Tag fühlt sich immer ein bisschen verkatert an.
Ich bin nicht cool, nicht entspannt, nichtmal gemütlich, aber gefühltgedrängt, vernünftig zu bleiben. Und manchmal habe ich Lust, für eine Weile eine unifarbene Wand anzustarren, bis sich irgendwelche Muster ergeben.
Ganz kurz
"ganz kurz" - eine neue Kategorie, die unreflektiert das in sich aufsaugen soll, was ich aus dem Affekt heraus - ob positiv oder negativ - wenigstens mal notiert haben will. Weil Vieles hier sich in Ansätzen versuchten Erklärertums zersetzt, kann eine Momentaufnahme ohne Wertung hilfreich sein. Ich beginne heute und mit dem hier:
Bereits zwei Flaschen abendlichen Bieres verschaffen mir einen gefühlten Hangover. Jana drängelt mich wegen Termin Filmtrailer Eisprinz (meine Überzeugung ist nicht sonderlich groß), ich muss meinen ganzen Scheiss endlich fertig kriegen ... ich fühle mich ohne sonderlich viel Arbeit überlastet und inspirationsarm. Meine Hosen passen mir allesamt fuck off nicht mehr und ich habe Lampenfieber vor 2x10 Minuten bezahlte SWM Trailer.
Das war fast zu lang.
Toding und Projektion
Hoffentlich sterbe ich nicht in Kürze, so dass dieser Eintrag als übersinnliches Zeichen für mein bevorstehendes Ableben gedeutet wird. Es geht wie so oft nur um eine kleine Bestandsaufnahme. Dafür ist sie ja da, die Zehnsucht. Es herrscht ein zweiter Lockdown wegen Corona und noch immer macht mir das alles furchtbar garnichts zu schaffen, was mich wiederum irritiert. Also seit März nichts vermisst? Tatsächlich & Unglaublich. Bin ich schon so im gesellschaftlichen Abseits bzw. dazu in glücklichen Beschäftigungsumständen, dass ich voll durch das Raster rutsche, vor dem so viel beinahe zu kapitulieren scheinen? Ein Aspekt kommt mir sogar zugute: Seit über einer Woche ist das Bluenote damit also auch geschlossen und ich muss endlich nicht mehr dreiviermal die Woche un- und doch freiwillig dorthin. Das klingt vielleicht bescheuert und ist es auch: Mein einziges gesellschaftliches und kulturelles Interesse besteht also im Besuch einer Kneipe mit Zugabe von Finalwein zuhause? Auweia. Jetzt geht es also nicht mehr und ich bleibe entschlossen bei einem Bier mit 2-3 Zigaretten pro Tag bzw. Abend. Das ist hilfreich.
Training geht aber auch nicht und für Radsport beginnt es jetzt sehr kühl zu werden. Schwimmen geht (und will ja) auch nicht. Es sind nur 4 Wochen und immerhin fehlt mir ein bisschen was. Derweil sitze ich hier bezahlt bei der Parität, schreibe clubstories für einen Kurztrailer, mache meine Steuererklärungen und versuche, aufrecht zu denken und zu handeln. Und dabei entsteht sie- die Müdigkeit, die Abgeschlagenheit, das Gefühl von "you're expired", die 50, die ausfallenden Haare, die Hämorrhoiden, die unförmige Fettheit, die Schwäche, die Desorientiertheit, das Rechnen von mir aus bis zu den mir bekannten Todesfällen, die allgemeine Angst vor meinem Tod. Oma Hilde wurde 65 mit ihrem Blutkrebs - ok, das sind dann noch 15 Jahre. Meine Eltern sind Mitte 70- ich fühle mich jetzt schon hilflos, sollten einer oder beide demnächst sterben oder umziehen oder ins Heim ... oder aber alternativ hoffentlich auch 90+ werden! Vielleicht lese ich nicht die richtigen Bücher, wenn ich abends spätestens um 10 ins Bett gehe und oft gegen 12 ein- aber selten gut und zu Ende schlafe.
Derzeit ist es Sibylle Berg mit "Vielen Dank für das Leben". Zwar eindringlich, doch auch aus- und abschweifend und damit manchmal schwierig und wortkunstverwirrend wie immer, ist es dennoch ein Buch über die Unwegsamkeit menschlicher Ab- und anderer Gründe. Es geht um den Hermaphroditen Toto mit seinem unglücklichen Einstieg ins daraufhin jedoch relativ unberührte Leben und seiner naiven, sehr abgesteckten Neugier, seines tieftraurigen und seltsamen Gesanges, seiner Unbedarftheit und damit unberührbaren Freiheit. Er hat keine dieser Reflektionen, die ich zu Tausenden pro Stunde bei mir feststelle. Berg zeigt und zieht die Welt durch den Dreck ... das alles kenne ich doch von damals Bach, seinem ewigen Abgesang auf die Menschheit mit parallel dazu entsprechenden Alkoholmengen. Ich habe damals wider besseren Wissens mitgemacht, ohne aber wirklich alles davon zu kapieren. Immerhin aber ein bisschen zu spüren, was es sein könnte. Dabei war doch meine Basis immer im Positiven beheimatet. Desillusionierung? Erfahrung? Erkanntes Mittelmaß? Selbstwertstörung?
Projektion ist das, was ich seit langem mit mir herumschleppe. Es sind tatsächlich billige Ansichten und Denkmuster, basierend auf einem ohnmächtigen Gefühl. Was es übrigens auf den wichtigen Beweis bringt, dass "Macht" tatsächlich hochgefährlich sein kann. Da ist noch immer eine herbeigesehnte Irgendwie-Rache am Puppentheater (jetzt habe ich den PT Facebook-Account tatsächlich doch inmitten von Wein komplett an mich genommen. Und eine wahrscheinlich dumme [zum Glück Inkognito-] Lesermeinung auf ein Statement von Kempchen losgeschickt.) Das ist alles so dumpf und sinnlos. Und meine Projektion besteht darin, mich anderen gegenüber gefährlich negativ zu verhalten und sogar das Fernsehen und seine Werbung zu beschimpfen, der Corona-Leugner-Beutetochter das Fahrrad zersägen zu wollen, weil sie schließlich hier nicht mehr wohnt und ihr Fahrrad gefälligst mitnehmen soll ... da gibt es sehr viele dumme und gefährliche Beispiele, die mich u.a. an Kawa erinnern, der anderen das Auto zerkratzt, weil sie irgendwie aus seiner Sicht im Unrecht sind. Projektion entsteht aus der eigenen Unzufriedenheit über einen oder mehrere persönliche Zustände. Wie eineOhnmacht gegenüber dem vermeintlichen eigenen Scherbenhaufen meines Lebens. Dass das so nicht stimmt, mag realistisch sein, irgendein überreflektierender Störenfried in mir will mir immer weismachen, dass alles Mist ist. Und vermittelt mir Ohnmacht ohne Aussicht, mich mit mir verbünden zu können. Der Auspuff ist dann diese Projektion.
Der innerwöchliche Alkoholentzug war der letzte Ausweg, hier nicht noch aussichtloser zu werden. Lieber wieder stabiler. Zumindest ein bisschen. Das ist alles besser als von Sommer bis Hier. Die Ursachen meiner Projektionen mögen im Groben erkannt, aber nicht ausreichend definiert und beschlussfolgert sein, woraus sich also eine Idee der Gegenwehr oder der Neuausrichtung entwickeln könnte. Ich bin weiterhin zu kompliziert und ahne oder fühle zuviele Lösungen bei selbst einfachen Aufgaben, weil ich die einfache Geradeaus-Linie nicht finde ode rimstande bin, sie zu benutzen.
Synapsenkollapse mögen für Kreatives hilfreich sein- für Lösungen negativer Um- und Zustände taugen sie genau Null. Und beim Masturbieren sollte es nicht über der rechten Augenbraue pochen.
lock down chance
Jetzt ist es also soweit: die zweite Welle macht alles dicht. Und damit auch das Kiesertraining und das Bluenote. Zwei wichtige Instanzen. Gestern im Bluenote "saufaus" in unvernünftigstem Maß nach unvernünftigem Samstag nach unvernünftigen mindestens zwei Jahren. Ich kann immer noch nicht richtig gucken und sitze mit der Parität in einer Grundsatzkonferenz, während ich befürchte, mich übergeben oder wenigstens ohnmächtig vom Stuhl fallen zu müssen. Das muss muss doch fürchterlich nach Alkohol stinken. Lass mich bloß die Maske aufbehalten. Dazu fühle ich mich gezwängt gedrängt fett in meinem engen Hemd und so sachte wird mir mein Verfall bewusst.
Die Idee, bei geschlossenem Bluenote ja jetzt gute Chancen auf Entzug zu haben, stehen viele Sonntagsbeispiele der vergangenen Wochen entgegen, die mir auch ohne Tresenbier deutlich machten, wozu ich tatsächlich in der Lage, bzw. nicht in der Lage bin.
Was macht es eigentlich möglich, dieses grausige Kater-Gefühl solch schlimmer Zustände des folgenden Tages dann doch wieder umzudrehen in die Idee eines Konterbier/weins mitsamt der ersten und bei weitem nicht letzten Zigarette desselben Tages? Drei Begriffe dazu:
Missbrauch- Sucht- Abhängigkeit. Ich bin beim "ht". Anders ist das nicht zu erklären. Die Grade der Abhängigkeit unterteilen sich dann wohl nur noch in Uhrzeiten, ab wann Alkohol benötigt wird. Jetzt muss irgendwas passieren. Aber sofort.
help Nachtrag
Mir gelang es, an jenem beschriebenen Sonntag Abend sogar noch die dritte Flasche fast zur Hälfte zu leeren. "Ist ja ein Saufwein", so die offizielle Beschreibung des Rieslings namens "Sophie". Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll: ich sitze in der Parität, ohne wirklich etwas tun zu wollen, wahrscheinlich aber müssen, es größtenteils aber als harmlos einstufen und ignorieren zu können. Ein Buch habe ich angefangen zu lesen. Es heisst "Nüchtern" und wurde in 2014 von Daniel Schreiber geschrieben. Am Freitag hatte ich es im Bett nach einigen Bluenote Bieren begonnen und es als nur teiltrefflich oder unglücklich terrorisierend angesehen; gestern ging es nach der Einführung allerdings ins Detail und machte mir sehr sehr unbehaglich einige Dinge klar, die ich längst schon wusste und die mir in Phasen wie diesen immer bewusster und zeitgleich mit derselben Energie verdrängt werden.
missbrauch ++ abhängigkeit ++ sucht. Eins, zwei oder drei, du musst dich entscheiden, vier Felder sind frei. Ja, genau! Vier.
Ich weiß noch immer nicht, wie ich es anfangen soll. Meine Träume sprechen oft eine so harmonische Sprache in diversen Settings, in denen ich immer schon aufgehoben sein wollte. Asylträume. Da geht es um viel Miteinander, um gemeinsames Leben, da decke ich eigene Schwächen auf, da spielt die Liebe zu der Zeit, an der ich sie in meinem coming-of-age am meisten benötigt hätte, eine immense Rolle, aktuelle Situationen träume ich interpretiert und sie sind oft diffus und fühlen sich unverwirklicht an.
Das hier wird ab jetzt eine neue Kategorie (alc) in der zehnsucht über eine seit wenigstens 20 Jahren währende und damit die Hälfte meines bisherigen Lebens betreffende Abteilung.
help!
Sonntag. Nach einer durchzechten Woche und einem bierseligen Freitag im Bluenote mit Handy am Bett, wartend auf Tobis Nachricht, dass er wach und fürs Frühstück bereit ist ... und ich also im Halbdunst los und furchtbar müde bin, nur um am Abend eines nicht weiter denkwürdigen Tages weiterhin Wein zu trinken und wie üblich zu übertreiben, statt mit Tobi (naja, bisschen früh:) halb 12 ins Bett zu gehen; und am Sonntag sehr müde zu sein ... sitze ich also wieder hier zuhause und gedenke, um 10 ins Bett zu gehen. Dummerweise gabs Wein aus dem elterlich befahrenen Südwesten und ich bin mittlerweile bei der zweiten Flasche und überlege, wie ich morgen (mal wieder) der Parität erkläre, aus welch wichtigem Grund ich nicht erscheinen kann.
Kurzum: DAS ist schon ziemlich krank. Während ich hier so saß (und noch sitze) an diesem Sonntag und nichts mit mir anzufangen wusste und zum Glück auf arte "Spy Games" mit Robert Redford und Brad Pitt zu sehen bzw. begreifen versuchte und jetzt mittlerweile zwei Stunden weiter bin, wurde mir erneut klar, dass ich seit sehr geraumer Zeit aus dem Ruder laufe. Ich wollte das gern aufschreiben, fühlte mich aber zu "doof" dafür, dennoch habe ich das jetzt und hier also doch noch gemacht.
Was ich sage/n & schreiben will: Ich wünsche mir eine ruhige, freundliche (am besten unbekannte und übersinnliche) Stimme mitsamt einer Hand, die mich aus all dem hier herauszieht, mich sachte an irgendein sonniges, warmes Ufer legt, ausruhen, heilen lässt und mich anschließend in einem tiefen, inniglichen Gefühl spüren und erkennen lässt, wozu ich in der Welt und in der Lage bin; aus welchem ich die Kraft generieren kann, derer es bedarf, mich (wieder) auf- und hinzustellen als jemanden, der ohne Angst und Zweifel all seine Fähigkeiten ausleben und ... naja, den Satz kannste dir ja selber zu Ende malen. Jedenfalls sowas wäre gut. Gibts aber nicht automatisch.
Sonntags-Desaster
Als einen anbetrunkenen Selbstversuch drücke ich mir diesen Beitrag drauf, denn ich muss beschreiben, wie es um mich bestellt ist. Für später. Für wen auch immer. Kurzum: Natürlich im bereits betrunkenen Zustand. Sonntag Abend. Mit der Idee, es (wie immer) ab morgen besser zu machen. Ich habe den ganzen Sonntag auf der Couch verbracht, weil der gestrige Abend im Bluenote nicht nur sehr lange andauerte, sondern auch mit Mixes aus Bier und Cuba Libre mit zuhauslicher Rotweinflasche erst gegen 04:00 endete. Ich habe so viele Gedanken in mir, die ich nicht imstande bin, hier zu dokumentieren, zumal die Flasche Rotwein mich bereits erneut drängt.
Dabei war ich gestern bei Daniels 50' Party der Meinung, dass es "heute nicht läuft". Aber komischerweise läufts dann ja trotzdem irgendwie. Was wie üblich mit Alkohol zusammenhängt. Ansonsten hätte ich auch dreivier Stunden nach der 19Uhr30 begonnenen Party nach Hause gehen können, um meine vorsichtige Idee von Fahrrad oder Musik oder Projekten angehen am Sonntag ermöglicht hätte haben zu können. (Cool geschrieben, wa?)
In der gestrigen Nacht also trank ich nach geschätzten 10 Bieren und eben so vielen Cuba Libre daheim noch eine Flasche Rotwein und sah mir mein Konzert JESKOM aus 2009 an und war sehr begeistert. Und dachte dabei und wie immer darüber nach, dass ich aus meiner Musik, aus mir ... einfach nicht imstande bin, etwas zu machen. Schlimm. Und heute bestand der Tag nur aus Schlummern und Fernsehen und Sehen von Dokumentationen, die mir allesamt vor Augen hielten, dass es um diese merkwürdige Welt samt derer Menschen nicht gut bestellt ist. Diese Dimensionen von Armut, Reichtum, Macht, Dummheit, Politik, Kriegen und den ganzen Zuständen, die ich wahrscheinlich aufgrund meines nicht ausreichenden Bildungsinteresses oder Verstandes, meines teilweise fehlenden Wissens nicht einordnen, verstehen kann, lassen mich oft kapitulieren in meinem Verständnis von der Welt und mir mit meinem Leben darin.
Nunja, ich habe mir gegen 21:30 die erste Conter-Zigarette angesteckt, bin mittlerweile bei neun, habe mir zudem ein Bier aufgemacht und zum Zeitpunkt dieses Aufschreiben eine Flasche Rotwein getrunken, während genau jetzt das erste Glas der zweiten Flasche auf mich lauert.
Die Ursprungsidee dieses Wochenendes, an dem Tobi Samstag-Dienst hat und wir uns also nicht sehen (und ich dabei dachte, dass mir alle Zeit, alle Welt nun offen stehen würde [wieso eigentlich nur dann?]), war, dass ich zur Party gehe, nicht übertreibe und mir eine Umgebung schaffe, in welcher ich was Gutes für mich tun kann. Das Ende vom Lied ist so üblich wie stumpf und dumm: Spät. Sehr betrunken. Handlungsunfähig für mindestens 24 Stunden. Wenn ich nicht, wie jetzt, schon wieder Massen an Wein zu mir nehmen würde.
Morgen wird sich in der Parität etwas ändern: Anja Naumann wird als Geschäftsführerin abgewählt und ihren Posten zum Ende des Jahres verlassen. Dann kommt was oder wer Neues. Und ihre Bitte, mich nach dem TRES Projekt weiterhin behalten zu wollen, wird andere Sichtweisen annehmen müssen. Na gut, wahrscheinlich habe ich noch bis Juli 2021 Zeit, mich zu positionieren und mir zu überlegen, was ich denn dort in welcher Funktion machen möchte; aber aus Sicht meines momentanen Zustandes und in Betrachtung dessen, was ich hier gerade mit meiner zweiten Flasche Rotwein nach all der gesamten Zeit mit schwerem Alkoholmissbrauch veranstalte und weiterhin veranstalten werde, sehe ich wenig Zukunftsaussichten. Das betrifft nicht nur einen möglichen Job in der Parität - das betrifft mein ganzes Leben!
Soweit mein Wort zum Sonntag. Ihnen noch einen schönen Abend und: machen Sie's gut!
Abstiegsgefahr
Die Erfahrung lehrt mich, dass ich immer mal wieder Phasen durchlebe, in denen der Alkohol eine große Rolle spielt. Wie diese Phasen begründet sind, erklärt sich mir nicht richtig. Vermuten kann ich, dass es mit einer Art "Weltschmerz" zusammenhängen könnte, was aber wie eine Ausrede klingt. Auf jeden Fall aber muss es eine Art Hilflosigkeit sein, eine Art gefühlte Mittelmäßigkeit, der ich mich ungern anheim geben möchte. Ändern kann ich sie durch Alkohol natürlich nicht, jedoch fühlt es sich an, es nüchtern auch nicht bessern zu können. Was mich also immer wieder auf den selben Punkt der Schwäche führt, den ich in solchen Phasen dem Alkohol widme.
Auf den Punkt gebracht, befinde ich mich in einer solchen Phase seit gefühlt 3 Jahren. Zurückgedacht an die letzten Puppenmonate, der Arbeitslosigkeit, der Suche nach dem, was ich für mich möchte und der gleichzeitigen Überlegung, so viel Zeit mit Nichts bzw. wenig und dafür viel Müßigkeit samt Alkohol verbracht zu haben. Entwicklung fand in dieser Zeit (abgesehen von der Entscheidung, mich vom PT zu trennen) nicht sonderlich statt.
Und jetzt stelle ich erschreckt fest, dass definitiv zu viel Alkohol im Spiel ist. Begünstigt durch den glücklichen Umstand zweier Jobs, die aufgrund Corona weiter bezahlt werden und mich durch gelegentliches Blickenlassen mit para-schlauen Worten interessant erscheinen lassen. Immer ist der Wein im Haus, das Bier im Bluenote und immer habe ich tagsüber die Überlegung, ob ich wohl genug Stoff im Haus habe.
Nicht verwunderlich, dass dadurch meine Unzufriedenheit wächst und aus 45 ganz schnell 50 und sehr bald 55 bzw. 60 wird. Es wäre gut, sehr bald eine Entscheidung treffen zu können, der ich mich nicht nur gewachsen, sondern der gegenüber ich mich auch wach, entschlossen und mit kribbelnd-neugierigem Lampenfieber versehen fühlen könnte. Aber welche Entscheidung - ausser dem Alkohol zu entsagen - wäre das? Klar, das ist der erste Schritt, aber wie weiter? Wenn Ziellose reisen ...
Aua zur Nacht
Michas Weinladen hatte heute seinen 10. Jahrestag. Freitag. Ich mipm Rad von Reform und Tobi ins Stadtfeld. 19 Uhr. Wir hatten alles vorbereitet: Foto-Bob, Livemugge mit Conny und Antje ("Noch ist Zeit"), den Aufkleber für das Fenster ... alles glory, alles in allem ein schöne Party mit Leuten, die mir allesamt bekannt sind. Wär' gut, die hier mal alle aufzuzählen; allein mir fehlt die Nüchternheit. Aber sehr okay. Es gab Bier und Wein und bekannte und neue Leute und (re:new) Pucki und alles wurde immer schöner.
Jedenfalls so: Ich radele zurück nach Reform, es ist 23:30 Uhr, als ich ankomme. Tobi guckt noch seine Serie, ich schreibe ein bisschen WhatsApp und gucke die Fotos vom Abend durch. Kurz darauf will Tobi ins Bett.
Ich gehe noch mit ihm hoch, will ihn ins Bett begleiten, sitze am Badewannenrand und warte, bis er mit Zähneputzen fertig ist. Weil ich ihm noch Gute Nacht sagen und ihn umarmen und küssen möchte. Geht aber nicht: "Ich bin müde, war ich vorhin schon und habe außerdem Kopfschmerzen. Gute Nacht. Und mach' das Licht noch aus." Kawumm! Da stehe ich im Nichts. Was ist los? Was nun? Geht kein kurzer Gute-Nacht-Kuss, keine kurze, kleine Umarmung? Wieso?
Ich bin einigermaßen verwirrt. Und ja: ich bin von der Party weiterhin mit Weißwein angefüllt, war ich ja schon, als ich aus dem Stadtfeld mit einiger mit Anstrengung hier angeraldet kam. Und es fällt mir auch einigermaßen schwer, das hier aufzuschreiben, eben weil ich mittelschwer betrunken bin. Aber dieser Moment vorhin hat mich perplex zurück gelassen und ich habe keine Idee ...
(STOPP hier, ich bin durch, und bevor ich mir dumme Gedanken in dummen Zuständen mache und mir was ausmale, dass sich Tobi betreffs solcher Feierlichkeiten mit meinen 'Freunden', die er so nicht hat, irgendwie zurückgesetzt fühlen könnte ... okay, stopp: wegen betrunken.)
Nachtrag am Montag: Nunja, das ganze Gefühlte rührte ganz sicher aus der Mischung von Alkohol und der aber auch meiner weiterhin bestehenden Sehnsucht nach gelebter Liebe und dass Tobi sich ein bisschen mehr öffnen bzw. auch fallenlassen könnte. Was an diesem Abend nicht ging mit seinen Kopfschmerzen und Müdigkeit. Und dieses Konglomerat hat mich nach diesem Abend im Weinladen mit meinem Gefühl von Gemeinschaft, Freude und Liebe einmal mehr unschön erwischt. Ist trotzdem alles wieder gut.
Killerstudie mit Aussicht
Auf der einen Seite werfe ich mich an montags die Kieser-Maschinen, fahre dienstags 55 km Rad mittlerweile auch gegen den Wind, weil es sachte besser wird, mache donnerstags eine Kombination aus beiden und fühle mich sehr verantwortlich sportlich. Um im Nachgang jeder dieser Aktionen im Bluenote oder an der eigenen Weinflasche hängen zu bleiben. Wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas. Volle Einsicht, null Verständnis. Überhaupt hat sich dieses Verhalten über die mittlerweile als Jahrzehnte zu benennenden Zeiträume erstreckt und systematisch auf- und ausgebaut. Schleichend, heimlich, permanent. Das Problem sind weiterhin nicht die 5 Bier, das Problem sind die 10 Bier und die aufatmende Gewissheit, dass zuhause noch ein bisschen Wein als Absacker herhalten kann… DAS ist nicht gut. Auch nicht gut ist die jederzeit bedachte Vorratshaltung. Und selbst wenn ich es aus Absicht vermeide, bleibt immernoch der Weg zum Russen für drei abendliche Bier. Was immerhin gerade noch so geht.
Corona kann zwar nicht als Ursache oder Schuldige für solche Zustände herhalten, macht mir selbst aber sehr deutlich, wie ich mich wieselgleich "... um jede Ecke winde und sofort ein Schlupfloch finde auf dem kleinsten Wege des geringsten Widerstands." Herman van Veen kennt sich aus. Ich auch. Nur bin ich das Selbstbeobachtungsobjekt in dieser Killerstudie.
Die Parität ist noch immer eine weiche Welle ohne wirkliche Führung, allerdings scheint sich da etwas zu bewegen, wenn ich aus den letzten Tagen herausfühle, dass die Landesgeschäftsführerin vielleicht bald keine mehr sein will. Immerhin wurde ich nach einem Angebotskatalog gefragt, um von paritätischer Seite erfüllen zu können, was man "... tun müsste, um mich behalten zu können." Das klingt verlockend, schmeichelnd und vorweg positiv. Nun weiss ich natürlich und wie immer nicht, was ich denn eigentlich dort oder sonstwo machen will; ich weiss nur, was ich alles vieles könnte. Also habe ich quasi einen Katalog vor mir, aus dem ich wählen kann: Parität, Freiwilligenagentur, jeskom, 2und40 ... wie so oft alles noch immer möglich.
But: quo vadis, Towarisch? Wahrscheinlich bleibt es immerwährend ein bisschen das Selbe. Wenn ich doch nur selbstbewusst zufrieden genug damit wäre oder es wissentlich ändern könnte. Der Konjunktiv bricht allen Mut. Mein Missverständnis um die Menschheit und mein nun doch nicht alles umfassender und resorbierender Verstand bleibt das bis zum Ende ungelöste Rätsel meines Seins.
Zwei hellschwarze Nächte
Was ist los? So übel habe ich selten geschlafen. Und das in zwei aufeinander folgenden Nächten. Ich vermute, dass mich die Vorstellungen über das üble, permanente Saufen einigermaßen nachdenklich zurückliessen. Sonntag eine Flasche schwerer Rotwein, Montag zwei Flaschen schweres Rot, Dienstag Bluenote mit Massen Bier und zuhause noch einen halben oben drauf. Mit Aussicht auf den Donnerstag und Jeskom musste ich die Notbremse ziehen. Mittels zweier Biere gedachte ich eine Besänftigung herbeizuführen. Doch die Nacht wurde grauslich. Permanent wiederkehrende Träume im Halbwachzustand. Das ist neu. Und die Träume zum Donnerstag waren erbärmlich: Kempchen, der von mir Sex verlangte (und ein bisschen ähnlich wie Tobi auf Funktion pochte), was ich energisch und abstoßend zurückwies; daraufhin Flucht über irgendein dunkles, winterlich mit Straßenlaternen erhelltes Stadtgelände. Später dann immer gleiche Sequenzen irgendeinen Blödsinnes, den ich im Halbschlaf als offensichtlichen Stuss erkenne und mich auffordere, etwas anderes zu denken, oder es ganz sein zu lassen und bitte einfach nur zu schlafen. So verging Stunde um Stunde. Der Nacken steif, die Müdigkeit groß.
Donnerstag Tetanus, Cosentyx und Blut bei Weimann, JESKOm mit Bravour und großartigem Gören (geile Band jetzt!), aber anschließend gefühlt schwer geschafft. Abbau war Arbeit, dann gabs ein sehr feines Essen- allerdings für meine Gewohnheiten zu spät (22+); zuhause dann alles hochtragen. Mit Maui und Amp und ... Der Versuch, bei Bier und Fernsehen runterzukommen, fruchtete nicht und ich brach stolz über diese Entscheidung den Abend nach einem Bier gegen 00:00 ab. Doch bereits beim Lesen von Stolz & Vorurteil bemerkte ich die weiter bestehende Unruhe in mir, die sich nach Löschen des Lichts folgerichtig fortsetzte.
Und so wurde diese Nacht wie die zuvor. Zum Glück ohne Kempchen. Was also ist los? Könnte es auch eine Art Entgiftungserscheinung sein beim Rückbau der alkoholischen Eskapaden? Morgen früh um 08 an der Bühne! Wieder so'n Ding, was mich vom Schnaps fern hält. Ein Glück. Aber zu früh. Dafür gut bezahlt. Naja.
Die Sucht der Gewohnheit bzw. die Gewohnheit der Sucht zu beschreiben, ist nahezu böswillig: Der gesamte Tag besteht aus Verneinung und dringenden Änderungsabsichten ... der Abend bringt die Überlegung auf ein Konterbier, damit die erste Zigarette erträglich wird. Und weil auch sonst nichts los ist und Wasser nicht mehr schmeckt. Der Kreislauf ist beschlossene Sache und der nächste Morgen erbärmlich. So gerne bekäme ich es auf ein erträgliches Maß gebracht, so aber läuft es nur auf null oder eins hin, während ich mir beim Schreiben schon überlege, ob nicht wenigstens ein Limit festlegbar ist. Was die Sucht erneut bestens dokumentiert. Gute Nacht.
Das Trinken der anderen
Solidarisch anmutende Gleichschaltung, was das Trinken betrifft, soll ja trösten beim Besehen des eigenen, schädlichen Umgangs mit Alkohol. Was aber, wenn es um das Trinken der Anderen ganz anders bestellt ist als angenommen? So geschehen gestern, als ich mich gerade so zum Konterbier nebst Zigarette uns Bluenote aufmachte. Das Ergebnis war abzusehen. Zwischendrin gab's eine enorme Talsohle, als Frau Doktor Ulrike mich mit enormen Langweiligkeiten folterte und ich fast fliehen wollte. Wäre ich mal ... dann könnte ich mich heute ja doch zum Kieser und vielleicht etwas Radfahren überreden. (Wir erahnen meinen Zustand).
Und dann solche Aussagen hier: Während der Wein-Micha in seine Plötzky Urlaub so gut wie keinen Alkohol (trotz Vorrat) getrunken hatte und Ulli erzählt, dass wenn sie in der Heimat ist, über lange Strecken keinen Alkohol zu sich nimmt, dann stehe ich plötzlich allein auf weiter Flur und erkläre mich mit Blick auf die zurückliegenden Jahrzehnte als schwerer Missbraucher.
Und dann immer wieder das hoch heilige Versprechen aufgrund des erbärmlichen Zustandes, es jetzt aber endlich sein zu lassen. Das kann doch angesichts meiner aktuell desolaten Lage nicht schwer sein. Es nervt also offensichtlich. Immerhin ist die Einsicht sehr deutlich vorhanden. So viel verschenkte Zeit. Ich weiss offensichtlich nichts anzufangen mit mir und meinen Möglichkeiten. Wie auch, wenn ich so drauf bin! Heute muss ich, weil jeskom morgen spielen. Und am Samstag in aller Frühe auch. Wenn das kein Anreiz ist ...
Chronik eines Sturzes
"Jetzt müsste mein Herz aussetzen." So fühlt es sich an. Ich bin wehrlos, anfällig, alarmiert. Erneut. Nicht nur, dass ich am Wochenende sowohl Freitag als auch Samstag spätabends freiwillig und unvermittelt sofort ins Bett musste, weil es nicht mehr ging und ich schwer betrunken war; auch am Sonntag schwor ich Reue & Frieden angesichts der bevorstehenden Dachverbandskonferenz des Paritätischen am Montag. Der Frieden hielt nicht recht, weil mich eine Flasche roten, schweren Weines in Besitz nahm, um mich ihrer vollständig widmen zu lassen. Die Konferenz fiel wegen Krankmeldungen aus und ich hatte das Gefühl, mal wieder enorm Schwein gehabt zu haben. So blieb es bei einer Fahrt nach Burg mit ein paar Fotos bei der Lebenshilfe wegen Maskenanlieferungen.
Der Rest war Couch bis zum Aufraffen gegen drei und dem Angriff auf tatsächliche 54 km Radfahren bei gefühlt vollständigem Gegenwind. Was für meine Anfänge zuviel ist, um mich hochzupäppeln; das ist nicht gut und ich komme gegen sechs enorm kaputt nach Hause, nicht ohne vorher bei Norma auf der Suche nach einem Toskana-Wein nochmal zwei jener blau etikettierten Schwerweine mitzunehmen ... für den ganzen Rest der Woche. (Es war Montag). Jetzt kommt, worauf wir warten: Ich war einigermaßen erschöpft und verspürte weder Lust auf Rauchen noch auf Alkohol. So. Ok. Und ab 21:15 wurde dann dennoch zurückgeschossen. Aber warum? Das wäre doch die beste Gelegenheit gewesen, mich rauch- und alkfrei rechtzeitig zu Bett zu begeben, um heute fit & frisch Anlauf auf die schönen Dinge des Lebens zu nehmen!? Die zwei Flaschen sind leer und ich noch immer sehr voll. Voll von Ärger, Selbstbeleidigung, Aussichtslosigkeit, argem Unverständnis. Und heute Abend soll ich im Bluenote Leute auf Bier treffen. Vielleicht ja auch einen Notarzt? Oder einen Therapeuten?
Thomas Lange möchte gern und "bitte" mit "uns" heute Mittag essen, weil er in MD ist. Ich habe aus nicht erwähntem Desinteresse abgesagt. Allerdings war es kurzfristig genug, es begründen zu können. Zudem bin ich also mal wieder und genau so so nachbetrunken wie das letzte Mal vor langer Zeit, als Thomas mich im Puppenhaus besuchte.
Mir scheint hier ein ärger werdendes Ärgernis vorzuliegen: Denn selbst wenn ich keinen Drang, keine Lust auf Alkohol verspüre, kontere ich diesem Gefühl und zwinge ihn in mich hinein. Das nenne ich deutlich krank und es verdeutlicht mir, warum Alkoholiker nur mit einem Vollstopp da raus kommen. Dosierung ist nicht mehr machbar, obwohl ich mir die Flasche(n) beim Eingießen genau besehe und sage, dass ich genau jetzt aufhören könnte, müsste, sollte, um alles gut bleiben zu lassen. Mit dieser tröstenden Gewissheit trinke ich dann weiter.
Schön beschrieben. Und jetzt?
Ärger zum Ärgern
Fuck the hard wind, fuck the Berge rauf nach Hohendodeleben, nach Niederndodeleben, fuck the wind again, der seine Richtung beibehält: nämlich die von VORN. Ich bin noch längst nicht trainiert genug, um diesen Gewalten freundlich entgegenzufahren. Jeder andere Radfahrer, dieder sich dumpfdämlich verhält und sich mir in den Weg stellt oder entgegenkommt, setzt noch eins oben drauf. Und am meisten ärgert es mich, dass es mich ärgert. Dumpfbacke.
Und merke: Untrainiert 30 km voll gegen den Wind gefühlt 1000 Grad bergauf geht nicht anschließend noch zum Kieser Training, das er auch erst das 2. Mal nach der langen Pause angeht. So! Da haste!
Immerhin gehts mit Tobi & mir bergauf und die Stimmung ist nicht mehr mies. Es ist die selbe alte Aus- und Aufbruchsleier, die mich immer wieder überkommt, wenn ich merke, dass da noch so viel mehr im Leben gehen müsste und sollte, welche die Rückblicke schlecht macht, das Aktuelle vermiest und die Zukunft durch die dumpfe Brühe der Aussichtslosigkeit zieht. Das alte öde Rezept, dem ich mich selbst verschrieben habe (Wortfindung heute auf'm Rad).
Es ist halb Neun und bereits fast dunkel. Weisste Bescheid.
Mach Mach Mach
... die Welt und mich wieder so weit so gut, dass am Leben ich mich / wir uns erfreuen können. Die große Hitze ist weg. Jetzt kommt noch die Nachhut der covid-Show und dann ist der September auch bald rum. Seit März ausser Spesen nichts gewesen. Aber mit Geld. Aber mit Alkohol ... viel Alkohol. Sehr wahnsinnig zuviel immer Alkohol. Montag ist immer Besserungsversprechungstag. Gestern habe ich einen Anlauf genommen und bin mit dem Rad zu Susi & Norbert und zurück bei starkem Gegenwind. Fast nichtmal schlimm.
Heute konnte ich nicht ausschlafen, weil es halb6 klingelte, was ich ein bisschen gruselig fand. Es stellte sich heraus, dass Ute meinen Bus offen stehen sah und meine erste Idee war die richtige: Gucken, ob wieviel % Abzug es bei der Fotoversicherung gibt, wenn der Schadensfall zwischen 22:00 und 06:00 lag. Nunja, 20%. Vielleicht werden es ja trotzdem noch knapp 3.000. Immerhin habe ich ja das komplette Equipment noch. Versicherungsbetrug. Au ha. So einer bist du also. Die Polizei war jung und etwas doof: Ließ die Kladde mit ihren Unterlagen (und meinem Ausweis) auf ihrem Autodach liegen. Mir fiel nur mein fehlender Ausweis auf und ich rief nochmal die 110. Dann kamen die beiden wieder und er meinte ein bisschen nervös, dass er meinen Ausweis ganz bestimmt nicht in der Kladde hatte, während seine Kollegin die Straße absuchend, ihn plötzlich 100 Meter weiter fand. Wao, waren die nervös. Sie mussten beide ganz schnell sogar öffentlich rauchen. Nachvollziehbar, denn da haben Sie Mist gemacht, wenn des Bürgers Dokument verlustig geht. Dann kam ein Anruf für die beiden, man hätte die Kladde irgendwo in Stadtfeld gefunden. Im waghalsigen Vergleich kennte ich Leute, die in so einer Situation wahrscheinlich in Rage über das alles geraten wären. Aber ich fühlte mit den beiden mit und am Ende war ja alles auch okay. Oder? Und dass ich im FaceBook nun doch nicht ausfällig gegen die Dummheit von Ute und Sabrina geworden bin, hat zumindest für diesen Moment ja auch sein Gutes gehabt - es hätte ihr auch scheissegal sein (und ich ausschlafen) können. Rum wie num:
Ich hab' mir vorgenommen ... artig zu sein, gut zu schlafen, nur ganz wenig oder vielleicht sogar garkeinen Alkohol zu trinken, zum Kieser zu gehen, Rad zu fahren, Jeskom zu machen ... nicht zuviel, aber so, dass es mich voran bringt, dass ich mich besser fühle als in den letzten Wochen. Mach Mach Mach, das Erreichen mancher Ziele wird im Alter immer schwerer ... so wie ich selbst bei bereits mindestens 92 Kg bin.
1 grosses 11 kleine
Und dazu ein Tomatenschnaps. Heute ist Freitag und die Woche habe ich vollständig durchgetrunken. Und immer nächsten Tags mit schlimmem Kater, keinem Rauchen und noch weniger Aussicht, wie ich das zu ändern gedenke. Stattdessen kommt die Tagesschau und ich gehe los. Zum erneuten Trinken. Und dann auch Rauchen. Weil es so sehr warm ist. Das soll der Grund sein? Jetzt sitze ich in der Küche, weil es überall weit über 30 Grad sind und dünste, mich furchtbar fühlend, die vielen Biere aus mir heraus. Manchmal kommt es mir so vor, als könne mein Herz jeden Moment stehen bleiben. Desaster und kein bisschen lustig oder zerredbar.
Ich verloddere, muss nicht unbedingt arbeiten, will aber, will Freunde generieren, um neben dem Saufen auch andere, vernünftigere Dinge zu tun, will wieder erleben und den ganzen Apparat anwerfen, mich aus dem Desolaten und Phlegmatischen befreien und wieder das verkörpern, was ich bin: neugierig, freundlich, schlank, fröhlich, sportlich, höflich, optimistisch. Es sei denn, die falsche Seite meiner Ambivalenz hat bereits die Oberhand gewonnen.
Aber ab Montag ...
Wusste ich schon ...
... dass es in Fällen meiner eigenen Unzufriedenheit mitsamt Untätigkeit nur ein ganz kleiner Schritt zu sein scheint, alle und alles andere sehr sehr doof zu finden? Irgendwelche Werbemails verlangen mir große Beherrschung ab, damit ich die nicht verklage; Kubon soll nicht mit seinem Boot auf den Gewässern meiner Kindheit fahren, Michme soll nicht so angeben mit seinem Konzertbesuch in Glasgow und wieso fühlt sich Viktoria Kühne beim Jazzfest Jerichow gesegnet, hä? Facebook hilft beim Ärgern sehr. Denn es zeigt, was andere tun, während ich mit Ärgern beschäftigt bin.
Woher kommt eigentlich immer dieses leichte Lampenfieber samt Vorfreude auf den Montag, ab dem doch endlich alles besser werden wird? Weil ich es so sehr möchte, oder? Raus aus dem versoffenen Sumpf, vorwärts, fit werden in Kopf, Herz und Leibesumfang. Der Wille ist vernehmlich vorhanden, der Geist wird ihn mit Bier auffüllen und verstummen lassen. Wetten?
Als sie einander 9 Jahre kannten
Zum einen habe ich mich die letzten zwei Wochen quasi durchgesoffen. Es sind immer so mindestens 10 kleine Bier im Bluenote, was im Ganzen 3 Liter macht. Viel trinken soll bei der Hitze ja gut sein. Ist es aber nicht. Verständlich. Weiterhin keine Konsequenzen. Wirklich nicht? Ich verblöde und vereinsame, lasse mich treiben ohne es zu geniessen. Ich werde fetter mitsamt einer kleinen Arteriosklerose am Hals links, wessenthalben ich seit geraumer Zeit jeden Tag eine Tablette nehme. Eine gute, wie Heide meint. Heide meint beim ersten Anblick meinerselbst sofort und ohne Umschweife: Sport! Jetzt! Sofort! ... Wie recht sie hat. Ich fühle mich selbst seit langem nicht mehr wohl in meinem behäbigen Körper. "Das dünne Jüngelchen", mein Ideal von Boy & me hat sich über die Jahre mit geringer werdenden Ansprüchen müde verschleppt.
Genau das könnte aus einer jener Punkte sein, die zwischen Tobi und mir ein merkwürdig gespanntes Verhältnis entstehen lassen hat. Das war hier schon einmal Thema: Seit April waren wir bis Anfang Juli jeden Tag zusammen, seit ca. 3-4 Wochen wieder wie gewohnt nur am Wochenende. Aber es hat sich etwas verschoben. Ich kann es nicht genau beschreiben, es fühlt sich nicht schön an.
Tucholsky schwingt da ein wenig mit: "Als sie einander acht Jahre kannten - und man kann sagen, sie kannten sich gut - kam ihre Liebe plötzlich abhanden, wie anderen Leuten ein Stock oder Hut." Wir kennen uns (ausgenommen die Zeit von 2000/2001) jetzt neun Jahre, sind seitdem zusammen. Zwischendrin gab's immer mal - wenn auch selten - solche merkwürdig stillen, unbesprochenen, aber am Ende aufgelösten Momente, in denen sich Zweifel breit machten. Weil irgendwas nicht stimmte. So ist es jetzt auch wieder.
"Freuste dich, wieder hier zu sein, was?" ... "Na ist doch schön, nicht?" ... "Naja, so war's". Die Langeweile hat Einzug gehalten. Ich trinke zuviel, nicht aus Frust, sondern aus Gewohnheit. Und aus ...Langeweile. Weil ich den Eindruck habe, dass nicht viel passiert und es sich deshalb auch nicht lohne, frühmorgens aufzustehen. Es passiert seit März gesamtgesellschaftlich und auch in meinen Jobs nicht allzuviel und ich habe bemerkt, dass hier sehr viel Zeit den Bach runter geflossen ist, die ich so gut hätte nutzen können: Sport, Rad, Schwimmen, Musik machen, Domsagen, Clubstories schreiben ... nichts von all dem ist passiert. Das muss sich irgendwie übertragen haben und Tobi sieht mich als einen eher gelangweilten Menschen, dem es offensichtlich zu nichts gereicht und dem es wahrscheinlich auch egal ist, ob er nun hier in Reform oder zuhause mit Nichts rumhängt.
Tobi mag das einfache, planbare Leben ohne besondere Vorkommnisse; ich will immer irgendwie ausbrechen, irgendwas Schönes machen, "irgend ...", nachts am Strand mit ner Buddel und / oder Gitarre sitzen, schwelgen, romantisch sein, Unsinn machen, küssen, lieben, spinnen und die Anderen ... (siehe übrigens: Jeskom: "Dünen")
Tobis Plan ist klar - meiner ist diffus, insofern ich überhaupt einen habe. Ich hege romantisch verklärte Ideale, die ich nicht in der Lage bin, umzusetzen. Und nun also hat sich das Kontingent unserer gemeinsamen Ideen etwas erschöpft. Immerhin waren und sind wir gut unterwegs: Balearen, New York, London, Dänemark, Barcelona, Ski-Urlaube, Toskana, Kroatien ... waren damals neu und besonders. Jetzt ist das alles natürlich nicht mehr ganz so frisch. Und uns fehlen Ideen, das Leben zu verbringen.
Tobi mag seinen Job, aber er mag nicht so viel arbeiten, wie er es muss. Das kann ich sehr nachvollziehen: Während ich in meinen zwei Jobs nur ein bisschen was gucken lassen muss und insbesondere seit Covid-19 sehr frei und ausreichend bezahlt bin, arbeitet er mit seinen Diensten statt der Vollzeit anderer von 160 Stunden ca. 200+ Stunden im Monat. Okay, er hat damit auch 3000++ netto im Monat, aber zu welchem Preis? Er hat sich daran gewöhnt. Vielleicht hat sich so über seine bisherigen 23 Arbeitsjahre auch sein Leben ausgerichtet: Es ist nicht viel Zeit und Platz für irgendwelche Spinnereien: Das Haus muss sauber sein, Zeug muss weggeräumt, der Garten gepflegt & gegossen und der Rasen gesprengt werden. In der Garage darf nichts rumliegen, es muss Ordnung herrschen und schlafen muss er zudem auch.
Viel "muss" dabei, aber das macht jeder mit sich selbst aus, solange der andere nicht dafür aufkommen "muss". Nunja. Jetzt langweilen wir uns ein ums andere Mal und immer ein bisschen mehr. Alles gesagt, alles erlebt? Fertig?
Geld versus Gelingen
Vorweg: Heute bin ich bei heissestem Wetter mit dem Rad zum Paritätischen gefahren. Um zu zeigen, dass ich da bin, um mich aktiv zu geben. Was zwar so nicht ganz stimmt, aber es ist okay, denn ich bin tatsächlich gern dort. Könnte was werden in Sachen Zukunft. Danach zur Tränsberg Apotheke zu Constanze Krüger, die ein Foto und ein Layout für ein CLP braucht. Und ich konnte nicht Nein sagen. Also auch mit dem Rad durch die glühende Stadt. Ganz langsam. Und es ging, trotz der Umstände. Von dort aus sachte durch die sengenden Straßen, wobei ich mir ein paar Dinge der Stadt ansah. Habe ich bisher sehr selten gemacht. Entschleunigt und merkwürdig entspannt. Weiter geradelt bis hin zu meinen Eltern, Bohnen holen, bisschen quatschen. Dann zurück nach Hause. Wao! Das war gut. Weil es ging. Trotz der Hitze.
Und dann kam mir nochmals die Frage in den Sinn: Meine Basis, mein Gefühl für mögliches Leben mache ich schon sehr davon abhängig, wie ich wirtschaftlich aufgestellt bin. Diese Aufstellung kann zwar nur auf Vergleichen beruhen, denn ganz nüchtern betrachtet, habe ich seit über 10 Jahren gegenüber Verhältnissen Anderer überhaupt keine finanziellen Sorgen. Weil ich zudem ein Sparkind bin. Aber weil ich jetzt zwei Jobs habe, mit denen ich ganz gut klar komme und dazu die Nebenjobs habe, kann ich meine Finanzbilanz als sehr gut bezeichnen. Vergleiche nach oben sind immer möglich, aber wenig zielführend. Es sind zudem merkwürdige Zeiten und es ist mein großes Glück, dass die Pandemie meinem Einkommen rein garnicht abträglich ist. Eher im Gegenteil. (Willstes genauer? Gut: 1.830 netto Parität, 600 netto FWA, ca. 200 nebenbei vor Steuer monatlich. Sind so 2.500 monatlich. Und auf den Konten lauern derzeit knapp 80.000)
Konkret: Meine unerklärten Ideale, die ich bereit bin, auf das Optimale zu korrigieren, sind dennoch längst nicht erreicht oder wenigstens angebahnt. Wie auch, wenn sie unerklärt sind? Aber mit dem Background meiner wirtschaftlichen Sicherheit lebt es sich viel leichter, unbeschwerter, aussichtsreicher als noch vor einem knappen Jahr. Was will ich damit sagen? Es ist nun eine Basis vorhanden, mittels derer ich gelassener leben und mir im besten Fall eine Idee schaffen kann, das zu realisieren, wovon ich Zeit meines Lebens immer nur eine vage Vorstellung hatte.
Und dann fiel mir auf, dass ich, wenn ich um meine Ideale / Optimale mal wieder nichts zu sagen weiss, mir einfach mal mein WIND Album und ein paar der anderen Songs deutlich anhören sollte: da steht bereits alles drin!
zwei Jahre raus
Am 31.7.2018 war ich das letzte Mal im Puppentheater Magdeburg. Nicht mit Vorsatz, aber dem Ergebnis, bis heute dort nicht wieder erschienen zu sein. Manifestierte Engstirnigkeit gegenüber der Theaterleitung. Aber auch nur der. Und bis heute hadere ich mit dem offensichtlich unsinnigen, aber in einer Verletztheit begründete Gedanken, den stillgelegten Facebook-Account des Hauses zu löschen. Nur weil ich es kann und weil es mir irgendwas mit Macht oder Vergeltung vorgaukelt.
Zwei Jahre sind also bereits vorbei und die Wunden heilen zu langsam. Ich muss mich bei zukünftigen Projekten besonders vorsehen; also bei den Dingen, die länger dauern könnten, weil es genau so lange dauert, davon wieder loszukommen.
Was ist geschehen? Eben sehe ich einen FB Eintrag, wonach ich ab Sommer 2018 versuchte, meine freie Zeit mit Aktionen anderer zu kombinieren (Ella Osterhase und Bus und Hund und Meer). Ist mir aber nicht gelungen. Das hier aufzuschreiben, hat unbedingt mit meinen aktuellen Gedanken eines gefühlten Stillstandes zu tun, den ich leider nicht Corona zuschreiben kann, weil die entstandenen Einschränkungen uns bzw. mich garnicht so sehr tangieren. Es wäre auch so nicht viel passiert. Oder? Knifflig.
Es ist dolle heiss draussen, ich habe gut bezahlt wenig zu tun und alle Freiheiten; ein von aussen gesehen, wunderbares Leben mit allen erdenklichen Möglichkeiten. Dann schiebe ich meinen gefühlten Stillstand eben auf die Hitze und gehe wenigstens nicht baden. (!)
Ronald'sche Fürsorge
Bier. Gestern. Ronald. Blue Note. Nach so langer Abstinenz ... naja. Aber es bewährt sich auf's Neu: Wissens- und Erkenntniserweiterung durch Kontakte, durch Neugier, durch Offenheit, durch Aktion - raus aus der dunklen Kammer, gemeinsam ... usw.. Worauf ich hinaus will: eine Erkenntnis in Sachen Beutetochter mitsamt ihrem offensichtlichen Stuss trotz möglicher Intelligenz; eine Erkenntnis, die sich ausweiten lässt auf solche Systeme wie Pegida, Volksbegehren, AfD und derlei gesellschaftliche Einrichtungen, für deren Ablehnung ich so wenige Argumente habe. Hier also endlich das Ergebnis: Es ist nicht so sehr das Virus oder die Maske, es ist nicht so sehr die zu stürzende Regierung oder der notwenige Umbruch des Systems ... es ist mehr die Gemeinschaft, nach der sich solche Menschen sehnen, die in ihrem eigentlichen Umfeld keine oder nur geringe Aufmerksamkeit haben; keine Errungenschaften oder Erfolge aufgrund mangelnder Aktivität zu verzeichnen haben; die nach einer Idee für sich, einem Ziel ... irgendetwas suchen, ohne zu wissen, wonach genau. Da schließe ich mich nichtmal aus, muss mir dennoch mitten in der Schreibe widersprechen, denn meine ganzen bisher erreichten Dinge in den Bereichen Musik, Theater, Foto, Job (...) haben unter dem Teppich nichts verloren.
Keine Interessen, keine Aktionen, keine Engagements ... keine Ergebnisse. Da kommt eine Gemeinschaft, die vage und vorbehaltlos "irgendetwas" einfordert, gerade recht. Um sich hervorzuheben, um endlich wieder jemand zu sein, werden aus 20.000 Demonstranten ganz leicht 1.5 Mio - weil der Zusammenhalt sich so noch viel besser anfühlt. Plötzlich ist man wieder wer und zugleich bestärkt in der revolutionären Idee, ohne Maske in den Supermarkt zu gehen ... weil man ja nicht allein ist.
Früher musste man sich um Essen und Wohnen oder schlimmstenfalls um's Überleben sorgen; da bricht heute vieles weg und manchen Erfüllung generiert sich ärgerlicherweise nicht automatisch im stupiden Job ohne Anerkennung, in der abgebrochenen Ausbildung, den fehlenden Freunden oder dem Privatfernsehen. Da käme ein Führer gerade recht, der uns mitnimmt und ein Leben in Gemeinschaft mit erfolgreichen Farben verspricht.
Das hiesse ja, man müsste solchen Menschen etwas Sinnvolles zu tun und zu denken geben, was ihnen das Gefühl gibt, dieser Sinn selbst zu sein. Gut, jetzt kann ich Sabrinas Posts weit milder betrachten und nur hoffen, dass sie in ihrem eigenen Kampf nicht dummerweise noch ihren Stiefvater Volker oder den mehrfach behinderten Peter ansteckt.
Synapsschnaps
Weil ich mir die oder meine Welt nicht erklären kann und dadurch oft nur einem Gefühl für mein Universum mitsamt mir nachhänge, ohne es tatsächlich begreifen oder wenigstens ein bisschen einschätzen zu können ... weil ich mich immer wieder fürchte vor den menschlichen Gebaren und der Kompliziertheit meiner Gedanken ... weil meine Stimmungen nach offensichtlich eigener Lust & Laune wie mit einem eigenen Bewusstsein an die Planken willkürlicher Stimmungen prallen ... und weil ich oft genug fürchte, all diesem nicht gewachsen zu sein, kapituliere ich gern und verhelfe mir mit Alkohol zur wehrlosen Müdigkeit. Zum Einen, weil die Synapsen den rasenden Gedanken mittels Sackgassen Einhalt gebieten, zum Anderen, weil die erweiterten Gefäße mir ein etwas wohligeres Empfinden verschaffen und ich anschließend gut (zumindest:) einschlafen kann.
Das klingt etwas vage, nach Ausrede, nach großer Müdigkeit. Seit zwei Tragen trocken, halte ich für einen Bruchteil einer kleinen Sekunde große Stücke auf mich deswegen. Bedingt durch die Angst, zu verblöden, meinen Husten nicht loszuwerden, den Teil Sachlichkeit zurückzugewinnen, mit ich wenigstens Aussicht auf erfreuliches Leben habe ... entschloss ich mich zum Vernunftsversuch.
Ich versuche ausserdem zu begreifen, warum ich Puppentheaters stillgelegten Facebook-Account gern ganz löschen bzw. an mich reissen möchte; warum ich tatsächlich wütend auf die Beutetochter unter mir bin, die trotz einer ehemals möglichen Intelligenz ins Lager der verschwörenden Dummschwätzer gelangt ist und entsprechend propagiert; warum ich bestöhnte Angst vor mehr als 30 Grad draussen habe und mir damit außerdem klar wird, dass nahezu jedes Ding zum Zünglein an den Waagen werden kann, die meine Stabilität gefährden. Ausgeglichen bin ich offensichtlich schon lange nicht mehr und versuche, mit aller Kraft die Balance irgendwie innerhalb der lebensmöglichen Parameter zu halten.
Es ist Sommer, ich habe zwei bezahlte Jobs, bei denen ich derzeit nicht nur freie Hand, sondern auch sehr viel freie Zeit habe; ein paar Aufträge eröffnen mir weitere Möglichkeiten, es ist genügend Geld da und ich könnte tun und lassen ... und verlege mich auf's Lassen. So betrachtet, habe ich eine Unmenge Glück auf einen Haufen. Ich würde den Haufen wie das Glück nur gern mehr nutzen und mir zu eigen machen können.
Von -5 bis +5 selbsteinschätze ich das Level meiner Lebensqualität nach diesen Tagen an diesem Morgen auf -2. Damit ich optimistisch bleibe.
... geht die Sonne auf.
Und immer immer wieder ... heute erst halb 11. Am Montag im BN hängengeblieben. Mit Wodka, mit absolut wissentlicher Unvernunft, mit weiteren zwei Bieren zuhause. Volltrunken. Da gibt es nichts mehr zu beschreiben. Nur, dass es alle zwei Tage stattfinden wird - soviel ist aus der Erfahrung abzusehen. Mein Blick bleibt stehen, damit mir nicht schwindlig wird, meine Gesundheit schreit nach Wundern, meine Seele kauert still in Ketten an Wänden. Also wie so oft. Carsten hat sich als passiv geoutet und mir im Chat den Schwanz wässrig gemacht. Da komme ich drauf zurück.
Der Husten ist noch nicht ganz fertig. Wird aber bestimmt bald. Eine schöne Übung ist, den Gebaren der Volkerschen Stief- Beutetochter Sabrina Gleisberg auf Facebook zu folgen, ohne wahnsinnig oder wenigstens barsch ausfällig zu werden. Sie ist eines der besten Beispiele dafür, dass diese Gesellschaft nicht oder nur sehr schwer in der Lage sein wird, gemeinsam, auf einem stabilen Niveau zusammen leben zu können. Vielleicht vermag richtig gute Politik oder ein noch viel heftigerer Virus sowas zu forcieren - allein ich glaub's nicht. Die Übung, mich bei diesen mir vollends unverständlichen Meinungen und - dooferweise- Handlungen im Zaum zu halten, ist keine leichte. Die Aluhüte waren tatsächlich kein Scherz; aus 17tausend Demonstranten für Freiheit und gegen Maskenpflicht und Impfungen in Berlin wurden bezifferte 1,5 Mio; ich kapiere nicht, gegen wen man dort demonstriert? Gegen das Virus? Das wird sich fürchten. Gegen die Politik? Weil man auf den kleinstmöglichen, festgestellten gemeinsamen Nenner gekommen ist, im Markt und in der Bahn kurz die Masken zu tragen, um eine rasante Ausbreitung zu verhindern? Etwas Abstand einzuhalten? Für eine Zeit keine Festivals, Fussballstadien und Saufpartys zu füllen?
Nunja, das wird sich alles irgendwannwie legen; aber ein bitterer Geschmack bleibt, wie grundintelligente Menschen so plötzlich so dumm sein können. Und damit sind wir wieder bei mir. Ha!
Siehste?!
Ground control to major Tom
Ich bin tatsächlich übelst kaputt im Fühlen, Verstehen, Deutern, Denken und Handeln. Nicht zu fassen, was ich alles (nicht) mache, nur weil es geht ... weil es möglich ist. Das sind allesamt keine fortschrittlichen Dinge sondern haben eher damit zu tun, wie ich den nächsten Tag überlebe. Oder überhaupt in den Schlaf auf den Weg dahin gelange, ohne mordsmässig (!) betrunken genug zu sein. Alles spicke ich dann mit erfundenen, aber wohlformulierten Ausreden und die restliche Aussenwelt glaubt mir alles und mag mich. Wahnsinn. Und ich kann es machen, weil es geht. Mal gucken, wie lange noch, bevor Organversagen oder sowas Schönes ins Haus steht. Ich könnte mir vorstellen, dass das Herz vielleicht mal ein zwischendrin stehenbleibt und zeitgleich mein Gehirn explodiert, weil es mit der Mischung aus Einzug haltender Demenz und massiver Selbstreflexion nicht klar kommt.
Das ist wirklich ganz schön doll schon. Dazu trotz ordentlich Sarkaamus ziemlich echt. Nachher ist Splashdown der Crew von SpaceX auf dem Weg von der ISS zur Erde. Und wir überlegen, uns ein Boot zu kaufen, den Führerschein zu machen und nächsten Sommer auf den Flüssen der Erde zu schippern. Ma gucken.
trunkene Nacht-Schreibe
Hier schreibt die Realität: Es ist 02:00 Uhr. Ich hab eben gerade Literweise Zeugs aus dem Hintern gedünnpfifft, weil zwei Flaschen Rotwein raus wollten. Das letzte Glas war schon schwer; allein um das hier aufzuschreiben, habe ich ich mir aber die letzte verbliebene Flasche Bier dazugeholt. Ich muss mich beeilen, das hier aufzuschreiben: Wie dämlich kann man sein, im Zustand einer Erkältung oder schlimmererweise Corona sich wiederholt einen reinzupfeifen? Mit anderen Worten: seit drei Tagen gibt es mindestens zweidrei Flaschen Bier und eine Flasche Rotwein; heute waren es zwei Flaschen schweren Weines und jetzt eine Pulle Bier.
Hab währenddessen ein bisschen jeskom web zu korrigieren versucht und wie so oft in solchen Zuständen nach "Jesko Döring" im Web gesucht. Was will ich denn finden? So viele Einträge wie möglich? Heroe? Ruhm? Glückseligkeit? Naja, es ist typisch für mich. Und genau so unsinnig.
Ich bin oll erkältet oder coronaisiert ... jedenfalls haben Tobi und ich vorhin beschlossen, dass ich in diesem Zustand an diesem Wochenende nicht zu ihm fahren werde. Weil es zu gefährlich ist. Für ihn und seinen Job. Und für uns.
Na denn ... und nu guck ich mal. Nochmal: 2 Flaschen Wein und hier beim Schreiben noch eine Nachflasche Bier. Naja, meine Gefäße sind aufgrund der Massen an Alkohol ordentlich geweitet und ich fühle mich ziemlich gut. Aber doch sehr betrunken. Ich sterbe gerade ein bisschen. Und morgen kommt der Rest,
So. Reicht jetze. Ergibt ja doch keinen Sinn ... für nachher, für morgen, für alles.
Aloha.
Sommerhusten
Nanu? Ist es Corona? Oder nur eine sommerlich bakterielle Infektion? Für letzteres sprechen die wetterwechselhaften Tage der letzten Woche mitsamt meiner fahrradlichen Überanstrengungen und als i-Tüpfelchen mein Schlafen am Montag bei offenem Fenster mit steter Brise, die mir Dienstag früh ein ordentliches Kratzen in den Hals brachte. Das wurde Mittwoch dann oller und heute, Donnerstag ist es ein amtlicher Husten mit laufender Niesnase. Und da mach' ich mir also jetzt so'n paar Gedanken. Meine selbst verschriebene Arznei heisst Bier und Rotwein, was am späten Abend für körperliches Wohlergehen aufgrund von Gefäßerweiterungen - nächsten Tags aber für die übliche Verkaterung sorgt.
Dort hinein spielt ein mal wieder meine Unzufriedenheit, die sich wie folgt zusammensetzt: Angefangen hat das mit Tobi und mir am Wochenende, an dem wir (oder ich allein?) nicht so gut drauf waren und nebenbei bemerkten, dass es fast ausreichen würde, wenn ich nur noch Samstags Mittags nach Reform komme. Huuu ... was geht denn da ab? Wir sind seit dem 2. April jeden Tag zusammen gewesen, inklusive Kroatien also bis zum 5. Juli. Das sind also 3 Monate. Was ist los? Ich vermute, mir wurde wieder langweilig, weil ich selbst (allein) nichts so richtig auf die Reihe kriege und uns dann dafür verantwortlich mache, dass irgendwie nichts passiert. Und damit komme ich auf den nächsten Punkt:
Am heutigen Tag der Freundschaft denke ich über Freunde nach. Huch - da passiert nicht viel. Die üblichen Kurzbesuche bei Tobis mittlerweile entfernteren Freunden (seit dem Ende des Mädchenabends reduzieren sich die Zusammenkünfte auf gelegentliche Geburtstage) sind fast nebensächlicher Natur und meine Freunde wiederum existieren nur an Dienstagen im Bluenote oder gelegentlich projektbezogen mal bei jeskom oder mit Ronald. Das gibt mir schon seit längerem zu denken, denn es "passiert" tatsächlich nichts und ich fühle mich so dahin gelebt ohne besondere Vorkommnisse. Die Familie gibts auch nicht her und ich selbst traue mich weiterhin nicht, neue Bekanntschaften zu intensivieren. Obwohl es logisch und richtig klingt, überwiegt noch immer das projektierende Denken, so schnell wie möglich nach einem "Job" nach Hause zu kommen. Hallo leere Wohnung!
Der Rest ist halt unprofessionelles Trinken mit nachtäglichem Nichtvertragen und keinen weiteren Einträgen im Tagebuch der erlebten schönen Dinge. So. Und nun? Immer das Selbe, oder? Und manchmal fliegt so ganz nebenbei eine hässlich schimmernde Zahl 50 vorbei, die in ihrem Schweif so viel nicht gelebte Zeit grinsend hinter sich her zieht. Und ich sehe ihr verdattert nach und wage mich nicht umzudrehen, weil sich da hinten am Horizont schon die nächste Zahl auf den Weg macht.
Was oder wie hätten's denn gern? Auch in dieser Grube liegen schon so lange so viele Hunde lang begraben.
zwischen Nichts und Etwas
Ein merkwürdig- und jetzt trauriger Sonntag. Ich wollte vielleicht zu Tobi fahren, damit wir gemeinsam was essen. Jetzt ist mir garnicht danach, habe aber das Gefühl, mich wenigstens mal melden zu sollen. Die Traurigkeit kam mit dem Durchforsten der "Winterkiste"-Festplatte, auf der ich meine Recherchen zum Film Papa-60 fand. Das waren viele Bilder von unseren Familien-Alben und denen aus Brandenburg und auch von Ebbe & Renate. Und beim Besehen dieser Bilder werde ich irgendwie depressiv. Nur weiss ich nicht, warum. Besser wärs doch, mich daran zu erinnern und zu erfreuen. Aber es hinterlässt ein mulmiges Gefühl, welches aus Erinnerungen, meiner Geschichte, drohendem Verlust und unklarer Einschätzung besteht. Ich vermute, dass ich ein sehr unbestimmtes und diffuses Bild von mir auf diesen Bildern erkenne.
Nun ist es Sonntag, 15:00 Uhr und ich bin ziemlich unten in meiner Einschätzung, mein Leben betreffend. Aber warum? Das Gefühl von Familie, von Freunden und Gemeinsamkeit, wenn ich jetzt aus dem Fenster nach draussen sehe. Die aber scheinen allesamt irgendwie nicht vorhanden zu sein und ich stelle alles wie so oft in Frage. Weil ich nicht formulieren kann, was ich denn wie und mit wem gerne hätte.
Ich erinnere mich, hier oft über meine Antriebslosigkeit, fehlende Motivation und den Drang, mich dem Nichts anheim geben zu wollen (zu müssen), geschrieben zu haben. Immer begleitet von einem schwachen, diffus-traurigen Gefühl. Ich bin mittlerweile von einer Form der Depression überzeugt. Was sollte es sonst sein, wenn es sich einfach nicht erklären lassen will? Psyche & Ratio fechten Kämpfe in mir aus und lassen mich einsam zurück.
Das NICHTS wird im Laufe des Tages gehen müssen und morgen wird ETWAS auf mich zukommen. So viele aussichtsreiche Möglichkeiten liegen scheinbar brach vor meinen Füßen und in drei Jahren schreibe ich hier bestimmt das selbe nochmal. So wie schon drei Jahre zuvor. Ich wäre lieber melancholisch als depressiv.
Und im Fernsehen laufen Dokus über Falco und Romy Schneider. Alkohol und Tabletten. Typische Muster, typische Enden. Überall ähnliche Desaster.
das Nichts auf Besuch
Das Nichts ist mich besuchen gekommen. Es ist Samstag, warm und Nachmittag. Tobi hat Dienst, ich war zum Frühstück auf Marthas Geburtstag. Danach wusste ich plötzlich nicht weiter. Das Nichts hat sich so breit gemacht, dass ich es gerade noch zu diesem Artikel hier schaffe. Erstidee war eine große Runde mit dem Rad. Naja, fast 30 Grad und ich fühle, mir keinen Gefallen damit zu tun. Na dann den Kids hinterher ins Carl-Miller-Bad. Aber ich bin so schrecklich fett. Okay, selber irgendwo wenigstens Schwimmen fahren? Einmal hin und zurück vielleicht? Am Web von Diana Franke versuche und langweile ich mich sehr schnell. Eine Stunde auf der Couch im Halbschlaf. Ja. Naja. Eben zwei Schnitten. Und was ist mit dem Fisch und dem Gemüse? Ja. Naja. Na dann Musik. Los! Gitarre, Samplezeug und rumprobieren, Neues Mikro! Und die Jeskomclubstories konzipieren, die der MDR in großer Serie senden will. Ja. Naja.
Also alles, was möglich wäre, fällt dem Nichts zum Opfer. Die Woche resümierend betrachte ich mich als erledigt. Nochmal: Nach zwei Tagen jeweils morgens um 5 aufstehen, gehe ich zum Gegenangriff über und am dritten Tag morgens um 8 erst ins Bett. Nur um mich bis dahin stundenlang mit mir selbst zu amüsieren. Immerhin. Das Nichts hat es leicht, denn ich bin mürbe und schwach.
Und werde das Gefühl nicht los, dass sehr viele meiner Sicht- und Denkweisen so gut wie immer wieder die selben - und zwar die negativen - sind. (Au-ha!) 2015 waren es bspw. diese Gedanken über Tobi (link), die ich hier und heute genau so wiederholen muss. Meinem Brief an meinen Freund aus 2010 sollte ich die Realität gewordenen Zustände einmal gegenüber stellen und wissen wollen, ob das Jetzt als Kompromiss herhalten kann. Vielleicht blende ich das tatsächlich gemeinsam Erlebte aber auch aus, weil ich es im Ganzen noch nicht als die Form von Leben & Lieben empfinde, die ich sowieso offensichtlich weder in Worte fassen noch beschreiben kann.
Es macht das Aufschreiben auch deswegen schwieriger, weil es oft nur um neue Worte für den alten Müll geht. "Der allein will und nicht kann" und der auch so immer mal das Nichts oder den Freund von Traurigkeit zu Besuch oder bzw. und jede Menge Wein dazu hat.
Es ist wahnsinnig anstrengend, das Nichts auszuhalten. Und es macht mir ein wenig Angst, nichts mit mir anzufangen zu wissen. Alles entsteht aus Motivation; also ist bereits diese verlustig gegangen in solchen Momenten, die ich nicht anders als mit einer gewissen depressiven Verstimmung zu beschreiben wage. Wenn mir das Aufraffen aus einer unbenötigten Langeweile nicht gelingt, trotz aller Erfahrungen, sogar in nüchternem, unverkatertem Zustand ... dann muss ich sie wohl einfach aushalten.
Grosse Hofpause bis hier und jetzt
Seit Ende April ist so viel Zeit vergangen und ich bin bemüht, eine Zusammenfassung zu generieren. Dabei zeigt sich erneut die Hast der Tage mitsamt der Flucht vieler Empfindungen. Vieles, was für den Moment Bestand hatte und wichtig war, ist jetzt bereits vergessen. "Dann war es nicht wichtig", hiess es immer. Dann sind viele Teile meines Lebens bestimmt auch nicht wichtig, sondern oft nur für den Moment emotional ein bisschen zu hoch bewertet. Oder im Falle negativer Hintergründlichkeiten verdrängt. Das haben wir also nun von der ganzen Achtsamkeit.
Wie also zusammenfassen? Vorneweg: ich habe riesiges Glück gehabt, zur richtigen Zeit zwei Jobs geangelt, bei denen Willkür und Angst keine, Höflichkeit und Wertschätzung allerdings eine große Rolle spielen. Diese Jobs sind haben sich bis heute trotz aller pandemischer Panik gehalten, mir viel Zeit und durch meine gelegentlichen Aktionen wie Videozeug oder Chat-Programmierungen oder Foto noch mehr Anerkennung nebst Geld gebracht. Meine Sicht aufs Leben wäre vielleicht eine andere gewesen. So aber lässt sich in der Volksstimme vom 22.07.2020 im Wirtschaftsteil sehr gut nachlesen, wie es mir ergangen ist und wie ich mich fühle. Das scheint also sehr aussichtsreich zu sein. Dennoch bleibe ich ein Aufwandsvermeider, der mittels wenig Arbeit die für mich richtige Menge an Ergebnis zu erreichen versucht. Und dabei manchmal das Gefühl der Überladung mit zu vielen Projekten hat. Im Vergleich zu "richtig" arbeitenden Leuten wie Tobi oder Sabine Mantei oder Volker oder Siggi (...) sehr ich mich weit später aufstehen und noch viel früher zuhause auf der Couch sitzen und am nächsten Tag nicht hinzugehen.
Und doch: ... "rangetrunken", habe ich mich an diesen Beitrag und es ist immer das Selbe mit Ausnahme von Menge und Häufigkeit. Mehr und viel häufiger ist es geworden und der Verstand freut sich heimlich und wie immer auf "nächsten Montag", wenn der Alkohol verschwinden und alles richtig angegangen und besser wird. Wird es aber nicht; es ist eine seit spätestens 2000 anhaltende Erfahrung. Jetzt kommen die ersten Rechnungen rein: Meine Oberschenkel reiben sich aneinander. Das gab's noch nie und ist erschreckend. Und ich habe über 92Kg. Meine Spiegel zeigen mir keine so schönen Landschaften mehr.
Tobi meint, er kenne viele, bei denen das 'Alter' so plötzlich wie heftig eingetreten ist und der Zerfall quasi über Nacht kam; ein Boxer der wie Zeitlupe voll ausholt und dann alles mit einem Mal auf dich einprasseln lässt: Die Haare werden oll, das Gesicht will sich falten, auf der Treppe geht die Puste aus, Gelenke verstauchen schnell und lange und eine allgemeine Müdigkeit besteht. Das Interesse am visionären Denken schwindet und die Menschheit scheint sowieso verloren. Desillusion und schlechtes Schlafen. Für letzteres habe ich das hier: Montag um 5 aufgestanden, Dienstag kurz nach 5 aufgestanden, Mittwoch um 8 ... ins Bett gegangen! Und alle so: "Hä?".
Auf dem Dashboard hier habe ich eine Notiz hinterlassen und die geht so hier:
In Fällen größerer Geilheit
In Fällen größerer Geilheit erscheint alles ganz einfach: Kontakt, Agreement, los! Perfekt. Ganz einfach. Warum nicht? Die Bilder im Kopf versprechen Verheissung, Genuss, Genugtuung. Die innere Stimme sagt: Lieber doch nicht. Dann, nach dem Solokonzert, dreht sich die Vorstellung ins Gegenteil und die vorgemalte Stimmung wird schäbig. Ha!
Zu dieser Notiz gibt es eine Anmerkung. Sie heisst Carsten und ich habe es gewagt, den Kontakt wieder zu aktivieren. Und ja: Sex. In Burg. Alles wie früher. Nur 8 Jahre später. Es ist geil, ungezweifelt. Es reicht bis zum zweiten Splash und dann kommt es wie immer zum Fluchtreflex. Weil er ausser in Sachsen Sex nicht meinen Interessen und meiner Intelligenz (hui!) entspricht. Dennoch wird es wahrscheinlich noch ein paar weitere Male passieren. Mal sehen. Wenn, dann fahre ich zu ihm, um wieder wegzukommen, wann immer ich es möchte.
Eine Zusammenfassung sollte es werden und es hat mich in den letzten vielen Wochen in Vorbereitung darauf immer wieder hinausschieben lassen. Weil ich nicht mehr alles zusammenbekomme bzw. anders werte und es nicht mehr so wichtig erscheint. Was diffus, nicht greifbar, womöglich Quatsch ist. Also los, ich ermutige mich an dieser Stelle, die kleinen Erlebnisse meines Daseins weiterhin zu dokumentieren.
Die Angst der Schuld
Ein sehr unangenehmes Gefühl: Da ruft mich die Müller Werbeagentur an und berichtet von einer Beschwerde einer Hochschullehrerin über meinen Artikel im Newsletter Demografen, wonach ich also einige Fehler drin und ihre Änderungswünsche nicht übernommen habe. Das Ministerium soll sich bereits entschuldigt haben; Müller-Marketing ist in Erklärungsnot und fragt bei mir an. Anfang war ich mir keiner Schuld bewusst, dann aber stieg irgendeine merkwürdig heftige Angst in mir hoch. Das kannte ich aus Puppentheaters Zeiten, als eine CLP Produktion etwas fehl lief oder ich zum Mitarbeitergespräch zitiert wurde. Genau so. Angst und Schuldgefühle steigen auf. Das ist ziemlich heftig und tatsächlich verursacht es Ohnmacht, Bedrängnis, Starre, Wehrlosigkeit und Fluchtgedanken. (Nachtrag: Dieses Gefühl wird aber auch stark vom Alkohol des vorherigen Abends beeinflusst, wenn ich es nicht auf klare, zusammenhängende Gedanken bringe und nur aus einem bereits vorhandenen negativen Gefühl heraus zu taktieren versuche.)
Ein bisschen später legte sich das, weil mir nichts einfiel, was mir denn nun passieren könne? Das wäre im Puppenhaus auch die richtige Einstellung gewesen, fuck off Kündigung oder was soll passieren? Ich habs vor mir her geschoben, aber eben eine recht ausführlich erklärende Mail an Müller-Marketing verfasst. Eine Rechtfertigung, eine versuchte Milderung, eine blödsinnige Situation. Ich verzichte ggf. auch aufs Honorar für diesen Artikel (so weit bin ich vor Angst schon gesunken, nur weil ich spüre, einen gewissen Anteil an der Beschwerde erfüllt zu haben).
Das fetzt so nicht. Habe ich ein Schuldproblem, weil Fehler meinerseits nicht auftauchen dürfen? Warum entsteht daraus Angst? Ab wann sind solche Fehler denn relevant für meine Angst? Welchen Ausmaßes bedarf es? Oder sind die darin verbundenen Personen Ausschlag gebend? In diesem Fall irgendeine Professorin einer Hochschule Harz, das Wirtschaftsministerium, die Agentur Müller-Marketing? Archive der Enttäuschungsformulare ... irgendwas von früher? Lässt sich immer leicht vermuten. Jetzt ist die Mail raus, der Agenturmann wird wohl nochmal langschweifig anrufen, aber es ist doch nichts Schlimmes passiert. Oder?
Zeitumstellung in der zehnsucht
Ich habe gerade festgestellt, dass dieser Zehnsucht-Blog eine wahrscheinlich falsche Zeiteinstellung hatte (UTC+1). Habe ihn soeben auf "Berlin" eingestellt, gehe aber davon aus, dass die bisherigen Beiträge in der "Sommerzeit" um eine Stunde zu früh angegeben wurden. Das heisst, alle Beiträge von Anbeginn bis genau hier im Zeitraum Ende März bis irgendwann Oktober sind in echt eine Stunde später verfasst worden.
Dieser Beitrag hier ist (sommer-)zeitlich korrekt.
coronaler Dazwischenstand mit Unfall
Das zusammenfassende Denken fällt mir nicht leicht. Wir haben noch immer die Corona am Hacken und es zieht sich hin. Es wirkt sich allerdings bei mir weiterhin garnicht so sehr aus im Vergleich zu meinem bisherigen Lebensstil. Der Unterschied besteht darin, dass ich mein Lotterleben bezahlt bekomme und es um meine Jobs merkwürdig günstig bestellt ist. Der Rest besteht in weiterhin und definitiv zu vielem Alkohol, den ich dummerweise nicht mehr kaschieren muss, weil ich ja fast nirgends hin muss. Nur bei den Videokonferenzen mit der FWA sehe ich mein Antlitz im Videofenster deutlich angequollen und übersäht mit Spuren der letzten Nacht. Der Ablauf ist immer der selbe: Ein bisschen an Tobis Bier mitnippen. Pause. Dann gegen 21:30 Uhr etwas Wein. Sachte, beständig, dann beständiger und schließlich unsachtlich. Am Ende des Tages geht Tobi gegen 0:00 ins Bett und ich denke an einzwei Gläser Wein, um es ihm dann gleich zu tun. Genau dann passiert irgendwas: die Kippgeschwindigkeit erhöht sich enorm, die Flasche ist schnell alle, die nächste wird angerissen und dann merke ich irgendwann, dass es es jetzt genug sei. Nicht aus Vernunft, sondern aus alkoholischer Erschöpfung. Der nächste Tag beginnt dennoch immer gegen 8:00 Uhr. Vielleicht wegen irgendeines Gewissens? Egal. Er wird dennoch nicht sonderlich gut, sondern müde, mürrisch und sehr platt.
Wir haben die Küche renoviert. Natürlich enorm zu früh: Sonntag war alles fertig, heute klebten wir noch bisschen Folie auf die Fiesen und die Küchenjungs kommen dann ... am Donnerstag. Tja. Aber nu isses auch egal; aber Tobi und ich streiten oft und ich habe ein wiederkehrendes flaues Gefühl deswegen. Weil das nicht gut ist. Das kann und wird viele Gründe haben: Tobi ist erstmals seit über 10 Jahren mit seinem linken Ellenbogen krankgeschrieben und permanent für länger zuhause. Ich kenne so ein o.g. Lotterleben ganz gut und gehe anders damit um. Und so treffen wir aufeinander: Tobi der Rastlose, der etwas tun, zu etwas gut und nicht tatenlos sein möchte und ich, der bisschen zuviel getrunken hat und allgemein verneinend ist. Immer auf Konfrontation, Gegenrede. Was bei mir wiederum nicht nur was mit dem Wein des letzten Abends zu tun hat. Denn das ist nicht die Ursache, auch wenn es aufgrund der aktuellen Welt-Lage so scheinen mag. Zusammengefasst ist es die Urangst, die ich bei unserer Beziehung sehe. In meinem Brief an meinen zukünftigen Freund in 2010 schrieb ich davon, dass ich meine Lethargie gern aufbrechen möchte, es aber nicht alleine kann: ich brauche jemanden, der mich wachrüttelt, mitzieht, fordert, fördert. Der mich seine Liebe auch körperlich spüren lässt. Tobi lässt mir alle Freiheiten, was sehr cool ist, 'allein' ich weiss damit nichts anzufangen. Damit wird er - wenn überhaupt - nur zum Kumpel. Für einen Urlaub im Schnee und den anderen in der Sonne. Also Ausnahmen. Und nun? Diese Situation ist nicht nur dem aktuellen Ausnahmezustand geschuldet, der Kern ist der selbe.
Was ist noch passiert? Heute hatte ich einen Unfall. Meinem Bus wurde durch einen Audi fahrenden Arzt auf der Kreuzung Dodendorfer Straße / Salbker Straße ein neues Design verpasst. Schiebetür vollständig verknorkelt. Ich bei Grün, er bei Rot. Keine Schuld-Diskussion, keine Verletzten. Soweit alles okay. Die Sekunden vom Bemerken, über den Crash selbst bis zum ersten Handeln danach sind die besten: Was sich in diesen ersten Sekunden alles im HirnHerz abspielt, ist sagenhaft. Der Rumms des Crashs selbst war wie im Auto-Scooter auf dem Rummel. Nichts Besonderes, vorhersehbar, unabwendbar. Ich war sehr gefasst und ruhig, fast gelangweilt. Der Herr Dr. Karsten Hellwig ebenso. Aber uns beiden ging anschließend doch ein bisschen nebenbei die Muffe (was'n das?) ob des außergewöhnlichen Ereignisses. Keine Bullen, freundliche Hilfsangebote von Umstehenden, Adressen, Fotos, Versicherungen ... alles okay. Ich wollte Döner aus der Raiffeisen holen, das war das merkwürdig wichtigere Ziel. Psychologische Ausblendung. Bisschen später kam dann die Überlegung: Huch! Mein Bus!? Kann man das reparieren? Zum Glück traf es fast perfekt die Schiebetür, welche die Problemstelle des Busses in Sachen Rost und Quietschen betraf. Aber auch ein bisschen dahinter beult sich etwas. Aber der Bus ist damit nicht tot. Und wir zwei Unfallbeteiligten auch nicht.
Nach dem Döner wurde mir heimlich ein klein bisschen flapperig (neues Wort!) und Tobi und ich waren auf einem neuen, anderen Level. Es gab ein fassbares, anderes Problem. Und so saßen wir da und guckten nach neuen Bussen und überlegten die Möglichkeiten. Tobi will Hochdach und Markise und Küche und Automatic. Und ich will für ein Auto keine 40.000 Euro ausgeben. Auch wenn ich sie habe. Nunja, das wird sich alles finden und zurecht rücken. Ich hänge mal ein Bild dran.
Und dann noch was Neues und ziemlich Interessantes: Mathias Gotot hat wahrscheinlich seinen Job im Puppentheater behende und mit Krach geschmissen. Diese Meldung kam heute von Katrin Gellrich, nachdem sie ihn heute im Zoo traf:
"Wundersame Dinge geschehen. Der Untertan hat einen 33seitigen Beschwerdebrief über die Machenschaften seines Chefs an den OB geschrieben, sich krankschreiben lassen und ist gewillt, nie mehr zurück zu kommen. Fast ist man versucht, Mitleid zu haben, denn er ist naturgemäss Opfer derselben Mechanismen wie ehedem wir. Nur scheint er keinerlei Gefühl dafür zu haben, dass er diese einst selbst potenziert hat. Spannend."
Ich bin tatsächlich beinahe drauf und dran, ihn zu kontaktieren. Oder ihn unpersönlich als unkenntlicher Journalist per Mail konspirativ zu befragen. Oder via Kerstin Kinszorra ... ich würde diesen Brief gern lesen.
Nundenn, es ist viel passiert heute und wurde hier trotz meiner mir schwer fallenden Denke dennoch ganz gut zusammengefasst. Und ganz am Ende stelle ich fest, dass ich den Wein der letzten Stunde genau so schnell ausgetrunken habe wie in den Tagen zuvor.
Sport hätte ich machen sollen. Und sogar können. Massenhaft. Und alles andere auch. Und nichts von allem ist geschehen. Das geht gefühlt ein ganzes Leben schon so. Und ich bin schon 34! oder ... 43? Oder 66? Macht das einen Unterschied?
Kurzabriss
Ich bin fett, ich bin betrunken, ich bin lethargisch, ziel- und willenlos und vollgefüllt mit tausenden flüchtigen Gedanken über eine bessere Zukunft. Was für eine? Ich weiss nicht, ob ich Tobi jemals in den Dünen seine Lieblingslieder vorsingen kann oder werde. Und ich bin desillusioniert betreffs meiner Aussichten insgesamt. Nichts Neues?
Ich komme zu keinem Ent|Schluss, ich bin unausgeschlafen gnatzig, gemein, planlos und schwebe im Fett zweier bezahlter Jobs, die mir die Wirtschaft sichern. Prima. Geld, Geld, Geld.
Ich, ich, ich ... ja wer denn sonst? Soweit, so ... Fuck, ich brauche noch weiteren Wein. Für morgen. Um das Prozedere aufrecht erhalten zu können.
Ha! Betrunken schreibt es sich immer gut, dass es so nicht weitergehen kann und sich jetzt aber sehr etwas ändern muss. Olroid, ich mache jetzt das Licht aus und schleiche mich zu Tobi ins Bett. Und morgen werde ich entweder wie so oft missverstimmt oder hoffentlich aufwachen und versuchen ... nö, für diesen Gedanken bin ich zu betrunken.
Zeit. Positiv.
Aus gegebenem Anlass eines Karfreitagsmorgen, bei dem ich bereits zum Frühstück desillusioniert about alles war, eingeschlossen einer sinnhaften Beziehung zu Tob. Winziger Auslöser war eine willkürliche Beendigung der morgendlichen Umarmung (ich habe Kopfpschmerzen, Verspannung, muss gucken, was die Fische machen ...) und irgendwas mit Auftauen vom Suppenhuhn. Bude saubermachen hilft ein bisschen. Und Die Zeit lesen. Hierso.
"Sehr wirkungsvoll ist das Thema Dankbarkeit. Es gibt eine Forschungsarbeit von 2003 von Robert Emmons und Michael McCoullough, die große Wirkung hatte. Wenn man sich täglich nur drei positive Dinge notiert, dann hat das starke Effekte auf das Wohlbefinden, schon nach zwei Wochen. Viele der Dankbarkeits-Tagebücher, die wir heute in Buchläden sehen, sind wahrscheinlich durch diese Studie inspiriert worden. Und ich denke, jetzt ist eine gute Gelegenheit, unser Glück mehr wertzuschätzen. Hier in Dänemark war es heute sonnig, mein Sohn hat mich umarmt. Und ich konnte meinen Lieblingskaffee trinken, der immer noch im Supermarkt erhältlich ist."
subjektes Objektiv mit Prädikat
Ach ja, diese wortfinderischen Überschriftsspielereien sind schon doll. In diesem Fall versuche ich damit etwas ausdrücken zu wollen, was mir mittels meiner unterschiedlichen Konstellationen beim Schreiben der Einträge hier aufgefallen ist: Alles hängt von meiner Sicht auf die Dinge ab. Also meine subjektive Wahrnehmung. Jene Wahrnehmung, die sich oft konträr zur meiner ansonsten recht passablen Objektivität verhält. Wenn es mir gut geht, werde ich natürlich natürlicher, offenherziger, großzügiger, freundlicher und habe angesichts der guten wie schlechten Nuancen des Lebens eine aufgeschlosserene Haltung. Das kann sich allerdings fix ändern und wurmt mich dann um so mehr, wenn ich dabei im Grunde oft genug um meine Fehl-Einschätzungen und Handlungen weiss, wenn ich also schlecht aufgestellt bin. Meist passiert das, wenn ich schlecht geträumt unausgeruht oder verkatert bin. Dann müssen die Schuldigen unbedingt die anderen sein.
Die Bandbreite meiner Konstitution ist groß und es lässt sich quasi nie genau einschätzen, an welcher Stelle der Skala zwischen positiv und negativ ich mich gerade befinde. Das macht es um so komplizierter, herauszufinden, aus welchen Beweggründen ich wiewas hier aufschreibe. Kreiert aus Milliarden Gedanken eines Tages, die Spermien gleich nach Erfüllung suchen. Nunja- ein Stimmungsabbild eben. Das Universum ändert sich nur geringfügig, allerdings ist meine Einstellung dazu immer ein bisschen diffus, nicht greifbar, eben stimmungsabhängig, aber immerhin in zwei relativ weiträumige Lager von schwarz und weiss getrennt. Zweifelderball.
Hinzu kommt meine Überzeugung betreffs der totalen Unvereinbarkeit von Mensch, anderem Menschen und Meinung. Bestes Beispiel: Facebook. Mit meiner entsprechend schwachen oder negativen Sicht wird es mir zum Greuel und Beweis gleichzeitig dafür, dass die Menschen im Großen Ganzen es niemals zu- oder miteinander schaffen werden. Weil immer einer immer irgendwas dagegen zu setzen hat, ein bisschen schlauer oder besser oder wütender oder präsenter sein will. Unwissenheit spielt eine sehr große Rolle. Und eben auch jene subjektive, gefühlte Sicht auf das, worüber viele nichtmal richtig Bescheid wissen. Dazu agiert man oft auf eine - nennt man das populistische? - Art, bei der mir dann entsprechend übel wird. Und es handelt sich dabei nicht nur um einfach denkende Leute mit kleinerem Horizont, auch jene, die ich ein bisschen sinniger einschätze, haben dort ihre Probleme bzw. Defizite.
Entweder gibt es Verschwörungstheorien über Corona oder egalwas oder Impfstoffe und die Unfähigen da oben und alle Politiker absägen und dazu den "wütend"-Button anklicken ... Ich muss mich dann enorm zurückhalten, damit ich mich nicht selbst einreihe in dieses fade, sinnlose Diskussionsposting und damit dann akkreditierter Teil der Gemeinschaft werde. Ich hab zur Zeit viel Zeit, mir die Beiträge auf Facebook anzusehen. Interessant ist aber die Frage, warum ich voyeuristisch bleibe und mir den ganzen Unsinn immer wieder ansehe. Wegen der Hoffnung auf die paar Lichtblicke, die es darin ja tatsächlich auch gibt? Wahrscheinlich. Oder aus meiner eigenen Unfähigkeit heraus, dem Leben insgesamt nicht mehr Spaß, Freude und Sinn entlocken zu können? Das wiederum könnte Basis genug sein, mich einzureihen in die hier beschriebene Liga jenes Typus Mensch, der mir nicht sympathisch werden kann. Teufelskreis, Potz Blitz aber auch.
Die Welt geht ünner
Was für eine Vorstellung. Was für ein Wahnsinn. So ganz sachte beginnt sich das Schauspiel vorsichtig wieder abzuschwächen und die Menschen zu ermutigen. So wie in China weit vorher auch. Es bleibt weiterhin gefährlich. Der Mensch gewöhnt sich an fast jede Situation. Es herrschen Kontaktsperre und weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Nicht nur in MD, im Land, in Europa ... nein: weltweit! In NYC stehen flugs gebaute, mobile Leichentransporter auf den Straßen, welche menschenleer sind. Time Square: keiner da. Die Infektionszahlen allein in dieser Stadt entsprechen denen ganz Deutschlands. Ein Planspiel ließe auch den Schluss zu, dass diese weltweite Pandemie sich nicht nur rasend, sondern auch sehr wirksam verbreitet und Millionen, oder gar eine Milliarde++ Tote hinterlässt. Das Leben - so es weitergehen kann, würde nie wieder so sein, wie es vorher war. Wirklich nicht?
Nunja, es ist und bleibt ein riesiger Ausnahmezustand mitsamt den ganzen Vorstellungen über mögliche Szenarien der menschlichen Tragödie. Die russische Grippe 1890 raffte eine Million dahin, die Pest legte sich kurz danach ins Zeug und weltweit 12 Millionen Menschen um; die Spanische Grippe vor ganz genau 100 Jahren brachte es auf knapp 50 Millionen und seit den 60er Jahren hat die Cholera bisher mehrere Millionen ums Leben gebracht. Und dann war da noch so ein Virus, der unter dem Namen HIV bisher 36 Millionen Menschen dahin raffte.
Heute meint man sich weiter ob der medizinischen und technischen Entwicklungen und des ganzen Wissens wegen. Bis - tadaaa - ein ein altbekannter Corona-Virus ein bisschen mutiert, Leute lungentötet und weltweite Panik verursacht. Selbst in Deutschland hat es 2017/18 die Influenza (die gemeine Grippe) auf rekordhalterische 25.000 Tote gebracht.
Also was nun? Der Mensch - soviel ist sicher - ist keinesfalls gefeit vor den kleinen Abweichungen der Natur und es kann jederzeit wieder und vor allem anders auftreten. Was das Ganze wirtschaftlich für Ausmaße haben wird, vermag ich keinesfalls ein- oder abzuschätzen. Erst dachte ich über Massenhysterie und Börsencrahs mit Fenstersprüngen nach. Dann relativierte sich diese Denke bei mir. Jetzt fühlt es sich mir so an, als ob diese Zäsur nach ein paar Monaten sich als weniger brisant behaupten und dann später im Jahresrückblick zum Highlight des Jahres wird, um sich an die gefühlte Katastrophe und die große Solidarität unter uns Menschen erinnern zu können. Was die kleinen Läden, Einzelhändler und Künstler betrifft, müssen wir einfach abwarten. Keine Idee. Sterben wird am (fehlenden) Geld jedenfalls keiner.
Der Mensch gewöhnt sich an alles: Waren das Desinfizieren, massenhaftes Händewaschen, Mundschutz und penibles Abstandhalten anfangs sehr befremdliche Dinge, wird das jetzt zur Normalität. HomeOffice und Begegnungseinschränkungen fallen bei mir (traurigerweise) so gut wie garnicht ins Gewicht - das war irgendwie schon immer so. Bluenote fällt eine kleine Weile weg und ... tja, das war's schon. Die Tage verbringe ich vollbezahlt zuhause bei Tobi (den ich pflegen darf, weil er sich den Ellenbogen verknackbrochen hat), lasse ab und zu ein paar feine Dinge beim Paritätischen gucken, die mich dessenthalben und allgemein wegen mir als Freude verursachender Mensch zu lieben beginnen (dazu später nochmal mehr). Meine Fünfzigster ist ausgefallen. Das war angesichts meines allgemeinen Lebenszustandes sogar gut, nur den Urlaub in den Dolomiten hätte ich gern gemacht. Aber auch das habe ich bereits zu den Akten gelegt und vergessen.
Ich habe nichts dagegen, wenn die bisherigen quasi freien zwei Wochen und zwei Tage sich in der Menge der Zeit gesehen wiederholen. Ab Mai wieder dabei. Okay, ich war schon immer auf der Vermeiderseite, wenn es um geregelte Arbeit geht. Aber riesen Schwein habe ich gehabt, dass ich den Job Anfang Februar begonnen habe und ich derzeit mit einem Zehntel von dazu freudseliger Arbeitszeit weit mehr verdiene, als im Puppendings. Zur gefährlichen Gewohnheit wird's nicht reichen, denn alles wird sich im Mai eingerenkt und der Frühling so freundlich wie heute aufgestellt haben.
Mir gehts wahrlich nicht sonderlich schlecht. Und meine Tage hier bei Tobi, die ob seines ordentlich vergipsten Armes noch ein bisschen mehr werden, könnten mich vom Alkohol etwas fernhalteren als allein zu Haus. Nur was die Initiativen für ein erfülltes, aktives und interessiertes Leben in seinen vielen Facetten anbetrifft, muss ich selbst tätig werden. Das ist weiterhin doof. Die Welt geht ünner ... und wenn nicht, dann geht sie halt weiter.
Tanz des Teufels
Ich beabsichtige seit über 10 Tagen von meinem Gedanken und den Ereignissen in Sachen Pandemie Covid19 und Job und Tobi und 50 Jahre ich und Weltsicht zu berichten, was mir weiterhin nicht gelingt, weil ich permanent zu dröge und panne vom Alkohol des vorherigen Tages bin.
Und eben gerade hat sich etwas zugetragen, was mir schwerstens vor Augen führt, dass hier nicht nur etwas nicht stimmt, sondern eine ansonsten (eigentlich) positive Grundhaltung ins Wanken geraten ist und wieder hergestellt werden muss. Schon wieder.
Was ist passiert?: Wein-Micha wünschte sich eine wenigstens kleine Rückkehr sozialer Kontakte und ich folgte widerwillig, was dazu führte, dass wir drei Bier bei ihm im Laden auf gehörigen Abstand tranken. (Nicht den der Biere!) Zuhause trank ich noch ein Jever, ein Glas vom letzten verbliebenen Weisswein und ein weiteres letztes Glas vom verbliebenen Rotwein. Währenddessen schwelte in mir die Idee, vielleicht ja doch noch den "Russen" (der keiner ist) - also Spätshop aufzusuchen, um mir mehr Stoff zu besorgen. Und so tat ich es und eine weitere Flasche Rotwein kühlt sich jetzt im Moment auf Trinktemperatur. Die ganze Zeit bis hier hin spült sich mein Blut beängstigend behindert seinen Weg durch meine Gefäße und mein Kopf ist hochrot. High-pressure. Böses Zeichen. Und ich fühle sehr deutlich, dass der Tanz des Teufels Alkohol zu einer internen Party animiert und mutiert. Seit Sonntag. Heute ist Mittwoch. Vier Tage durchsaufen. Immer so ab 21:00 Uhr.
Bei diesem Tanz wird einer aus dem Tritt geraten, soviel steht fest.
P.S.: Möglicherweise hat sich unsere Winckelmann'sche Hausmikrotechnologie einen Virus eingefangen: Heizungen, Treppenlicht, Rauchabzugsanlage und Klingeln funktionieren nicht mehr und ich denke über das Wort Apokalypse nach. Aber um das, was ich hier noch immer nicht aufschreiben kann, kurz zusammenzufassen: Das alles macht mir merkwürdigerweise nichts aus. Nanu? Meine Gleichgültigkeit hat im Tanz mit dem Teufel die Oberhand gewonnen und der Untergang unseres Mini-Universums namens Erde macht mir wahrscheinlich erst dann etwas aus, wenn ich konkret betroffen bin. Aber das ist eine andere, weit diffusere Geschichte.
Geht grad nicht
Ich würde gern meine Situation hier zusammenfassen, aber es geht grad' nicht. Obwohl oder weil die Welt Kopf steht. Nicht meine, sondern die gesamte. Denn ich befinde mich im permanenten Wechselspiel von Betrunken und Kater. Beide Zustände schaffen es nicht, mir einen klaren Gedanken hierfür abzuringen. Und das ist - wie immer - keinesfalls gut.
wunschraum, 3651bis60
Fertig. Unauffällig und seicht schlich ich mich in die 50, Tobis und meine Eltern waren da und dann wars auch schon geschafft. Reingerutscht mit Wein und Sekt und fast weinerlicher Freude über einen Foto-Kuchen, so groß wie Mühlenstein und eine Blumenpracht. Beide von Tobi. Und dann seit sehr vielen Jahren tatsächlich ein Geburtstag ohne einen einzigen Sonnenschein. Huch! (Spoiler: Es war - nanu - garnicht schlimm und ich hab's beinahe nicht bemerkt)
Beim Ausrechnen der Tage bis 60 staune ich nicht schlecht, wie wenig sich das liest. Na mal gucken, ob und wie ich diese Tage verlebe. Derzeit beschäftigt sich die Menschheit mit dem Gedanken über das Überleben. Alles wird runtergefahren und die Zahlen sind noch garnicht so schlimm. Mit heute sind's 240.00 Infizierte und knapp 10.000 Tote. Weltweit! in Deutschland sind es 14.000 mit gerade mal 43 Toten. gegenüber normaler Grippe, Suizid oder Krebs ist das nahezu überhaupt nichts. Weil aber niemand den Verlauf wissen kann und "exponentiell" Erinnerungen an Mathe aufleben lässt und noch nichts zum Impfen dagegen gefunden wurde, besitzt Corona / Covid-19 noch ihre Brisanz. Und selbst, wenn man sich den Virus einfängt, wird es grippemäßig ablaufen. Nur eben auf Lunge. Für Vorbelastete, Herz-/Lungenkranke und alte Menschen halt gefährlich. Soweit dazu. Die Parität hat bis auf weiteres zu und ich damit frei und hoffe, dass mein zurückgezogener Urlaub tatsächlich raus ist. Obwohl das nicht meine grösste Sorge sein sollte.
Meine latent seichte Erkältung mit leichter Schwäche und sehr kleinem Hustschnupfen (kein Vergleich zu meinen sonstigen Erkältungen) lässt mich aber immer wieder ein "die Möglichkeit" des Virus denken. Nanu? Doch noch ausreichend genug am Leben interessiert? Ich glaube: ja. Weil:
Der Motivationsschwung kam mit der Arbeit: sehr sachte zwar, aber es gibt dann solche Momente, bei denen ich von der Geschäftsführung um meine "professionelle Meinung" gebeten werde; wenn Mitarbeiter mir sagen, wie angenehm sie es finden, mich mit so einem schönen frischen Wind dabei zu haben; wenn Birgit mir schreibt, wie sehr sie sich freut, mich bei der FWA dabei zu wissen ... dann kommen da so ein paar Dinge zusammen, die mich sehr aufbauen und mir das alte Lied meiner Motivationsfähigkeit singen. Ist schon eine starke Abhängigkeit, was?. Freude ist für jeden schön.
Wunschraum 3651: Lass es als Basis so bleiben, sich und mich weiter entwickeln und mir Sinn wie Kraft samt Mut verleihen. Das reicht schon.
wunschraum, 2bis50
"Das muss doch irgendwie geh'n" hiess es bei "weit draussen" und ich glaube, diese Zeilen in gewisser Vorahnung vor 11 Jahren verfasst zu haben. Irgendein merkwürdiges Gefühl, das verzweifelt von Hoffnung spricht. Von jener vagen und nie richtig erklärbaren Hoffnung, die sich in den darauf folgenden Jahren mehr und mehr verflüchtigt hat. Es geht um's Zusammensein, zusammen mit Menschen; über solche Menschen, von denen ich hier geschrieben habe; Menschen, die etwas zusammen tun, zusammen sind und sich damit gegenseitig ermutigen, motivieren, voneinander lernen und sich weiterentwickeln. "Der allein will und nicht kann" beschreibt es ebenso gut, nur andersrum. Ich kann in diesem Wunschraum nur nochmal darauf hoffen, dass sich mein Leben multiple, froher, gemeinsamer, abenteuerlicher, erfahrungsreicher gestaltet.
Nunja, aber wie machen, wenn ich aus welchem Grund auch immer, zeitgleich den menschlichen Abstand suche ? Da spielt wohl auch eine gewisse Unsicherheit und Angst mit. Einfaches Beispiel, als ich damals in Nico Röhls Butze 1990 die Leute im Hof der Kutzstraße Musik am Feuer machen sah und ich so gern dabei gewesen wäre, weil genau das meiner Idee von möglichem Leben entsprach. Hätte ich also ohne Weiteres machen und hingehen können, ohne jedes Problem, direkt drauf zu. Habe ich aber nicht. Warum nicht? Schönes Beispiel, auf viele andere adaptierbar. Die Ideen vom studentischen Leben in all seinen teils romantisch verklärten Vorstellungen - allesamt nur Modelle, weder mit Ereignis noch Ergebnis. Auswandern nach Dänemark. Und so weiter.
Vielleicht wollte ich deshalb auch von Tobi (siehe Brief an meinen Freund) die Ermutigung, Pferde stehlende Dinge zu tun, die vielleicht nicht der absoluten Norm entsprachen; nur um es zu wagen und dabei neues, mehr zu erleben. In der Aufholjagd jener vergangenen, oft tatenlosen Zeiten.
Corona macht eine drohende Sause und ich bleibe außer von Tobi zum 50. unumarmt. Muss er um so fester drücken! Schlimm? Nein- im Gegenteil: es rechtfertigt meine Partyverneinung und wird damit zum offiziellen Grund. Der wahre Grund ist nicht so schön, wessenthalben ich mir diese Dinge hier wünsche. Oder wenigstens den Ansporn, etwas dafür zu tun.
P.S.: Jetzt mal im Ernst- du glaubst doch nicht, dass du hier noch die große Drehung machst und plötzlich leidenschaftliche Ziele entwickelst und deine Persönlichkeit umstellst? (Is' nich' böse gemeint, aber du Schuster wirst deinen Leisten treu bleiben und musst nur zusehen, wie du dich damit arrangierst.) Meine Güte. Falls doch, dann aber sofort los!
wunschraum, 4bis50
"Wenn ich mir was wünschen sollte, käm' ich in Verlegenheit." Schlimme Zeiten gab es genug. Gute auch. Je nach Sichtweise. Zum Thema "Freunde" ist mir eingefallen, dass ein gewisser Anteil am Downfall der Intensitäten ja auch bei mir liegt. Viele Aktionen aus früheren Zeiten wurden meist von Anderen angeschoben, initiiert. Und wenn diese Leute jetzt nicht mehr schieben, bleibt nichts übrig, woher soll's denn kommen? Die alten Freunde wurden schlecht ...
Mir was wünschen? Was Praktisches: Ich möchte zu meiner Form zurück. Die 90 kg sind längst überschritten, die Kondition ist im Eimer, der Wille ist schwach, das Bier im Kühlschrank. In den längst vergangenen Jahren hielt ich eine gesunde Form auch für notwendig, um auf einem möglichen Markt der sexuellen Abenteuer eine gute Figur machen zu können. Die Figur war soweit okay, um den Rest wissen wir. Tja. Dafür hat ein erneuter Anlauf aber immerhin einen praktischen, gesunden, wohlfühlerischen Sinn.
Weniger denken müssen, mehr machen, mehr zutrauen, mehr geniessen ergibt mehr Basis fürs Freuen. Interesse(n), Neugier, Wille. Daraus entsteht Lust am Leben. Und nicht das permanente Gefühl zu erledigender Teilprojekte, bis endlich "heute mal nichts" ist, was ausser irgendwann zum Tod zu nichts weiter Erwähnenswerten führt.
Corona 2020
Das wollte ich festhalten. Für später. Denn es ist schon ein bisschen besonders. Ein Grippe Virus baut in China ein paar Friedhöfe aus und greift um sich, bis Europa, am Ende sogar bis Sachsen-Anhalt und Magdeburg. Die Leute drehen durch und kaufen seit drei Wochen wie wild Toilettenpapier. Und Nudeln. Also mit richtig ganz leeren Regalen. Wahrscheinlich gibt es Notlisten für Ausnahmesituationen, auf denen diese Dinge ganz oben stehen. Und dann? Leben diese Leute dann mit sauberen Hintern länger? Hamsterkäufe als erste Idee zur Rettung seiner selbst. Sogar mit Geschrei und körperlichem Einsatz.
Das brisante an dieser Situation ist die Unwissenheit der Welt. Da werden ganze Länder sicherheitshalber abgeriegelt. Wenn Geburtstags-Ski in den Dolomiten nicht geht, dann eben Tirol. Pardauz: Alles muss raus, alles nach Hause. Sofort! Die Grenzen werden jetzt nicht mehr nur kontrolliert- sie sind geschlossen. Richtig dicht. In Italien, Türkei, Schweiz, Dänemark, Luxemburg, Österreich ... auch die USA haben ein Einreiseverbot verhängt, Deutschland macht morgen die Grenzen dicht. Und dazu die Schulen und die Kindergärten. Und so ziemlich alles im öffentlichen Leben wie Theater, Veranstaltungen ... Krankenscheine gibts auf Anruf, Quarantänen werden verhängt. In Italien und Spanien dürfen die Leute ihr Haus nicht mehr verlassen. Die Nachrichten und Newsportale überschlagen sich mit Meldungen, Fieberzentren und Intensivstationen sind auf- und ausgebaut und in Bereitschaft und Tobi hat Corona-Rufdienst. Klingt alles (für mich erst jetzt) sinnvoll (und im Nachgang vielleicht sogar ein bisschen zu spät), aber es fühlt sich alles sehr merkwürdig an. Cooler Wahnsinn. Menschheit Ende. Apokalypse.
Richtig interessant wird es dann in den sozialen Medien. Beziehungsweise uninteressant. Es ist grausig, bei meinen "Freunden" mitzulesen. Ein paar Leute haben zwar kluge Gedanken, die aber werden gleich weggerotzt. Andere beschwören schwachsinnigste Theorien und Szenarien, die deutlich zeigen, wie es um die Menschen bestellt ist. Die Ausländer haben kurz Pause; aber immerhin kam das Virus auch aus dem Ausland. Die Entwicklungen der Meinungen und Einstellungen (inklusive meiner) sind überaus interessant zu beobachten. Insofern mein Interesse daran reicht.
25.000 in Italien und 5.460 Infizierte sind es mit Stand jetzt in Deutschland und ich denke an Albert Camus "Die Pest" oder an Sibylle Bergs "Ende gut". Bücher aus 1946 und 2004 und im Geschehen darin weit heftiger als das, was sich jetzt wahrscheinlich entwickeln und dann zu Ende gehen wird. Glaube ich. Sars, Ehec, Rinderwahn und Schweinegrippe, Nostradamus und Inka'sche Weltuntergangstheorien haben sich auch erledigt und in China gehts bereits wieder viel besser. Mal sehen, ob und was das Ganze wirtschaftlich und vor allem gesellschaftlich für Folgen haben wird und was daraus resultiert. Entschleunigung, Heimarbeit, Umweltentlastung, cool down, get calm ... ?
Was mein Leben betrifft, habe ich keine Angst, sogar egal, welchen Ausgang das nimmt. Für meine 50 wird's reichen.
ausnahmezustände, 5bis50
Das mit der Intelligenz ist tatsächlich und hiermit weiter bebeispielt, so eine Sache bei und mit mir. Mal unabhängig davon (aber deutlich aufgeschrieben), dass ich gestern beim God of War Playstationplay schon wieder und mindestens ganze zwei Flaschen Weisswein getrunken habe (!), was mein Wochenlevel auf eine mehr als beachtliche Menge füllt ... habe ich derzeit weitere merkwürdige Zustände zu verzeichnen:
Zum einen werde ich in 5 Tagen 50. Das grenzt an Jammerei, aber auch dieser Ausnahmezustand wird vorbei gehen. Ebenso wie der Ausnahmezustand der Corona Pandemie. Und damit komme ich auf den Punkt: Ich beobachte meine Gedankengänge dabei und ertappe mich, wie fürchterlich dämlich diese meine Gedanken dabei sind. Da geht es eher nur um's Nicht arbeiten gehen müssen, anstatt über die möglichen Folgen einer solch einschneidenden Situation zu denken. Ist mir das egal? Noch weiter runtergesponnen, kann ich ja noch mehr Wein trinken; es fällt ja nicht auf, wenn ich mich unwohl kränklich melde. Da hat jeder Verständnis und wünscht mir beste Gesundheit. Die einzige Krankheit ist meine Alkoholkrankheit. Du meine Güte.
Das war bei Kempchens Unfall damals nicht anders. An dem Tag selbst war ich verkatert (das weiss ich noch gut) und dann dachte ich, dass wir einfach das Festival und ganz viel andere Sachen einfach ausfallen lassen und alle sehr betroffen sind. Ich war Null betroffen und freute mich auf alle Ausfälle. Mir lag nichtmal Kempchens Gesundheit am Herzen, er hätte auch in Ruhe draufgehen können. Das sind schon ziemlich heftige Gedanken, und auch wenn deren Ursachen vielleicht nachvollziehbar gewesen waren, so doch aber niemals in solch schlechtem Denken. Oh ha.
Dass ich später mal meine nicht stattgefunden habende 50-Party mit dem Corona Virus begründen kann, ist auch so eine zufällig passende Gelegenheit. Ehrlicher aber wäre meine Aussage, dass mir nicht sehr feierlich zumute ist und ich zudem die Qualität meiner idealisierten Freundeskreiswelt als nicht ausreichend betrachte, um darin ausgelassen zu feiern. Diese Jahre sind gelutscht und reichen zum Nachtrauern über eine so schöne Zeit, die so schön auch überhaupt nicht war. Tadaaa.
intellekt level, 7bis50
Ist allein meine Motivation verantwortlich für meinen Intellekt, meine Einschätzungen, mein Fühlen und möglicherweise entsprechendes Handeln? Die Sicht auf die Dinge, die alles bestimmt? Das wäre eine Erklärung, wenn ich mir wie so oft die Frage stelle, ob ich womöglich ein bisschen blöd bin. Ein bisschen zu blöd, wichtige Zusammenhänge inklusive mir darin zu begreifen, ebenso blöd, mich hinreissen zu lassen zu banalen, (ab)wertenden Einschätzungen, die der Realität der Sache nicht gerecht werden können. Unausgeglichen, aber immer bestrebt, irgendwie zum Lager der 'Besseren' gehören zu wollen. Das Alter legitimiert so viele Dinge, die bei einem knapp 30jährigen einfach Stuss gewesen wären. Neulich von Homer Simpson sinngemäß gelesen: "Es ist aufwendig, jeden Tag freundlich und höflich zu sein, um geliebt zu werden. Wenn man das nicht möchte, braucht man garnichts zu tun."
'Du musst das Leben nicht verstehen' - keine Panik, da stehe ich weit draußen, 'dann wird es werden wie ein Fest' - oh bitte ja! Aber nicht Fest mit Zusaufen, sondern Fest von überzeugt. (Hach, ich kann manchmal so schöne Doppelpopel beschreiben). Das Leben ist keinesfalls zu begreifen, ich hätte nur gern einen stabilen und sachlich, emotional ausgeglichenen Standpunkt, von dem aus ich meine Liebe, Freundlichkeit, Güte, Milde, Höflichkeit, Gleichmut, Nachsicht, (Aus-)Gelassenheit (...) leben und sein kann. Womit ich mir tatsächlich fast selbst widerschrieben habe: Denn über all diese Eigenschaften verfüge ich ja bereits; ich bin nur zu müde, diese meine Grundeinstellungen zu bekräftigen, aufrecht zu halten, voran zu treiben.
Zur Zeit grassiert weltweit ein Grippe ähnliches Corona-Virus und legt das gesellschaftliche Leben teilweise lahm. In Italien müssen die Menschen bereits zuhause bleiben, alle Stores sind geschlossen. Ski & Rodel garnicht mehr gut. Hier geht es auch bereits Richtung Schulen schließen, Veranstaltungen absagen, Hamsterkäufe (Klopapier und Nudeln !?!), Desinfektionsmittel klauen ... die Börse erlebt einen echten (?) Crash, der die Wirtschaft nachhaltig beeinflussen wird usw. Ich vestehe von alle dem nichts und kann es überhaupt nicht einschätzen. Im Gegenteil bin ich sogar fasziniert von solchen Zuständen, Entwicklungen und menschlichen Verhaltensweisen, weil sie weder gesetzlich geregelt, noch aus irgendwelchen Erfahrungen heraus eingeschätzt werden können. Die USA machen die Grenzen für Europäer 30 Tage dicht. Wao. Läuft hier gerade ein Film oder bin ich über ein SF-Buch träumend eingeschlafen?
Um meine Lage aus diesen Zeilen verdichtend zusammenzuklären: Wenn es die Welt bzw. deren Bewohner in diesen Wochen komplett dahin raffen würde, hätte ich (momentan gefühlt) nicht einmal ein Problem damit. 7bis50. Intellekt fallend.
Teil tausend und eins
Das muss ich mir mal vor Augen halten: Noch am Sonntag, nach dieser Katastrophe mittels zweier Flaschen Wein und einem darauf folgenden nicht möglichen Montag habe ich mir das totale Versprechen, diese ewige Farce mit dem schrecklich hohen Alkoholkonsum wenigstens in dieser Woche auf Null zu reduzieren, abgerungen. Die Nacht vom Montag zum Dienstag wurde erfahrungsgemäß schlecht, der Dienstag wurde etwas lau und traurig, der Mittwoch ging dann wieder. Und ich ging auch: Ins Bluenote. Aber nur auf 2-3 Bier. Ja? Weil die eine Flasche zuhause irgendwie nicht ausreichte? Am Ende wurde es wie so oft viel viel mehr als erträglich, um zuhause dann die eine, nicht ausreichende Flasche Bier auch noch mitzunehmen.
Und jetzt sitze ich hier (zu Hause) und habe mir fadenscheinige Gründe für mein erst mittägliches Erscheinen aus den Fingern gesogen. Das ist eindeutig und krankhafter Alkoholismus und wird und muss auffliegen. Was ist denn hier los? Es klappt offensichtlich nicht mit mir und ich hab's nicht im Griff.