Zehnsucht

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Absturz Teil Tausend

Alles schwirrt in mir wie blöd herum, will Bescheid wissen, mir erklären, mich fühlen und teilweise hoffen lassen. An dieser Stelle könnte alles mit einem Mal zu Ende sein. Tiefer Abgrund. So geht Totsaufen. Keinen Satz bekomme ich formuliert, kein Gefühl hält länger als ein paar Minuten, hallt aber unbestimmt nach. Gegen die Wand, aus dem Fenster, zurück ins Bett oder ein Raumschiff für eine neue Welt mit einem neuen Ich darin. Ich schreibe, um mich entschuldigen zu wollen. Dabei schildere ich es besonders dramatisch, damit es sich wie eine Ausnahme liest. Sonntag Abend, eine Flasche Bier. Diese Woche kein Bier mehr. Eine Flasche Wein, jeden Abend ein kleines Glas. Das wird gut. So geht's. Sonntag Ende um Eins: Flasche Bier, Flasche Weißwein, Flasche Rotwein (Toscana). Leer! Komplett. Am selben Abend noch versucht, eine Mail vorzuverfassen, damit es sich am Montag früh professionell liest, wenn ich dem Paritätischen absage. Corona-Virus plausibilisiert die Erklärungen. Mich von der Straße und der Flasche mittels eines Jobs wegzukriegen, scheint in diesem Moment aufs Beste gescheitert. Alle Vorsätze sind mit solch einem Paukenschlag zunichte geschreddert. Ich schliddere höchst unprofessionell Richtung Vollmond und Fünfzig und kann mir nur wünschen, mittels einer richtigen Zielformulierung zu einer Idee zu kommen, die radikal genug ist, mich nicht verrückt werden zu lassen.

zu fett fürs Ballett

Im Ernst, beim Bücken, beim Sitzen, beim Aufstehen, beim Rad fahren und beim Ansehen im Spiegel behindert mich: mein Bauch! Und beim Stillesteh'n treffen sich die inneren Teile der oberen Oberschenkel. Die Entwicklung meines Verfalls ist spätestens jetzt klar und deutlich zu beobachten, es gibt keine Kaschierungen oder Ausreden mehr. Und es ist auch weniger witzig, als ich es hier aufzuschreiben versuche. Infohaufen: Die Schokolade ist weitestgehend verbannt: gut so. Die Mahlzeiten innerhalb der Woche sind auch nicht als üppig zu betrachten. Heute habe ich gelernt, dass Heisshunger oft auch aus einer gewissen Eintönigkeit der Ernährung rührt. Ich lebe quasi fast vom Brot allein. Bisschen Ei vielleicht, Montags der Rest vom Wochenende, ansonsten nichts Bedeutsames. Alles Quatsch, die eigentlichen Gründe sind die hier: ich fühle mich noch immer irgendwie verzagt und unsicher (auch wenn es in der Gewöhnung an mein Tun sachte besser wird), die anerzogenen Gewohnheiten mitsamt Spätfolgen sind Alkohol, Bewegungsmangel, Kommunikations- und Erlebnisarmut. Das alles zusammen macht Bauch dick und essen Seele auf. Wenn ich dann an meine 50 und den Rest der ex-coolen (?) Gang um mich herum denke, fühlt sich das Leben ziemlich lahm an. Da haste! 751. Beitrag seit 2010.
Es fehlen drei Stimmungs-Kategorien zum Zusammenfassen: schlecht | mittel | gut. Aber wenn ich immer nur in Trübsalszeiten aufschreibe, was mich bewegt, bringt das ... jajajajaaa.

Verfahrensfehler

Nun ist es doch wieder passiert: Gestern, der Tag fing etwas dumpf an, wurde über das Training dann aber doch noch zu einem, der sich gut anfühlen wollte. Die Belobigung folgte auf dem Fuß im ... genau: Dienstag, Bluenote, übliche Versammlung. 9 Bier, 2 Wodka. Zuhause zwei weitere Biere. Das ist schwer zu beschreiben und noch weniger zu entschuldigen. Menno! Wollte ich nicht jetzt endlich mal ... ? Ja, wollte ich. Ein grober Fehler im Verfahren. Habe gestern Abend bereits beschlossen, heute der Öffentlichkeit fern zu bleiben. Was ja auch kein Problem für die Öffentlichkeit ist; allein ich hätte mir den freien Tag heute besser gestalten können. Wollte ich nicht schwimmen und Rad fahren, wenn ich nur Zeit und Wetter dafür hätte? Alles da heute. Ausser ich. Allerdings kann ich immerhin schreiben, dass ich zwar schweren Kopfes, aber nicht schweren Mutes bin. Fühlt sich an wie: Ist passiert und mit Musik und niederen Arbeiten ist es schon okay. Und für morgen habe ich mir extra gleich einen paritärischen Termin gemacht. Für die Gänge, in die ich zu kommen habe. Ach so: Thema gestern an der Bar waren die Überlegungen betreffs 50 und Party und Sinn und die Entwicklungen im gewohnten Umfeld. Eine Feststellung meinerseits dabei war: Eine Umgebung, ein funktionierender, sich selbst generierender und sich entwickelnder Freundeskreis, wie ich ihn mir zumindest vorfühlen kann, werde ich hier und so nicht bekommen. Aber anderswo wahrscheinlich auch nicht, oder? Alles baut sich auf ein soziales Mini-Maß herunter; wir spielen kein Theater mehr, sind nicht mit Bands unterwegs, haben weder Muße noch Kraft für lange Nächte ... es läppert sich so dahin. Eine Ansicht, die gut abfärbend mit der Gestaltung meines eigenen Lebens zusammenpasst.

Streichelprovokation

Vorhin machte sich meine paritätische Nachbarin aus dem Rechtsreferat Kirstin Röhl für ein paar Tickets auf den Weg ins Puppentheater und ich gab ihr einen schönen Gruß an die Kasse mit. Das war eher lapsig lustig gemeint. Ich ging davon aus, dass Margrit oder Mandy dort sein werden. Kirstin traute sich den Gruß zu überbringen und die Reaktion bzw. die Rechnung ging streichelprovokativ auf: "Wir vermissen ihn hier so sehr. Alle vermissen ihn hier ..." und derlei Lobpreisungen wurden mir überbracht und Kristin selbst hatte schon Gänsehaut ob dieses emotionalen Erlebnisses. Was war dass denn jetzt? Ein halbseidener Versuch, von irgendwoher ein bisschen Bestätigung zu ergattern oder mich hier im Paritätischen beliebt zu machen? Du meine Güte.

Narkolös

Dumpf aus dem Beton - nur in diesem Fall frei von alkoholischen Eskapaden. Das klappt jetzt auch so. Meine Nächte sind schwer zu beschlafen, der Morgen meint es noch relativ gut mit mir und die Kraft des Vormittags müht sich, mich aufzuwecken. Mir gegenüber pariliert meine Bürogenossin am Telefon und ich bin nicht mehr fähig, mich irgendwie zu  konzentrieren. Deshalb schreibe ich wild drauf los, um meine Worte zu finden, zu ordnen, zu benutzen. Einer der vielen Traumteile handelte von NYC. Weil wir last weekend darüber sprachen. Leaving New York never easy ... Bilder, Fotos, Nachfühlen. Schön? Ja / Nein. Der nächste Teil handelt vom endlich und friedlichen, schmerzfreien Sterben. Wegen der Lutz Seiler Geschichte vorm Einschlafen? Und wegen jetzt halbwegs erlaubten Freitodes. Blödsinn, Freitod ist immer erlaubt. Man muss es nur können. Und wollen. Solche Nächte wirken wie betäubend auf mich; eine Art Abbild meines Zustandes, den ich als zu dumpf, zu fett und zu unfähig bezeichne. Desillusioniert über die (damals) nur fühlbaren (heute noch schlechter fassbaren) Vorstellungen eines Lebens, über das weniger gedacht, das mehr glebt wird. Diese Unfähigkeit, Wünsche, Hoffnungen, Vorstellungen, Situationen in mir beschreiben zu können, hinterlässt einen Friedhof der gefühlten Mittelmäßigkeit. Kommt kurz was Gutes / Schönes, gehts dann wieder sehr schnell sehr gut und ich bin zuversichtlich. Bis kurz danach. BN Jule meinte neulich so ganz nebenbei: "Das Leben ist so schön" und in mir klopfte fast schon permanent der gegenteilige Hammer. Seit wann eigentlich? Seit Ende Puppenhaus? Es fällt mir leicht, über mich zu behaupten, das Leben nicht auf die Reihe zu kriegen. Mein damaliger kindlicher Optimismus fusste auf der vagen Vorstellung, dass es möglich sein kann, das friedvolle Miteinander. Mangels klarer substantieller Untermauerung dieser positiven Einstellung in meiner Entwicklung, scheint "desillusioniert" das richtige Wort; denn offensichtlich war alles irgendwie eine Illusion. Im Fühlen wie ium Denken. Nur das Handeln wurde mir dann zur Last gelegt. Was das weitere Fühlen und Denken entsprechend formte. Spirale des Todes. Ahoi.

meine Pläne

"Passt das denn noch in deine Pläne?", fragte gerade Pascal Begrich, den ich nach langer Zeit eben im paritätischen Büro von Nicole (jetzt Angerer) wiedertraf und ihm auf seine Frage, was ich hier täte, erklärte, was ich hier tue. Keine 100 Sekunden vergangen, macht mich diese Frage wie immer verrückt. Keine Pläne, keine Ziele, nur Schlupflochsucher und Bediener. Es ist nie zu spät, oder? Aber in gewisser Weise vielleicht doch. Zu spät für einen Rückblick auf ein selbstbestimmtes, so gewolltes und schönes Leben (die drei gehören zusammen!). Das hiesse aber in der Konsequenz auch, dass ich mich entweder jetzt sofort und voll und ganz damit arrangiere oder mit den Folgen und wie üblich weiterleben muss. Oder auch nicht mehr. Passt das denn in meine Pläne? Wenn ich es genau jetzt für nachher und den Rest meines Lebens hinbekomme, kann ich morgen vielleicht ja schon besser zurückblicken. Oor.

50party

Weil ich hilflos in der Zehnsucht nach meinen Ambitionen vergangener Geburtstage suchte, schreibe ich "dieselben" des nun anstehenden auf: Die Zeit gewisser Gemeinsamkeiten innerhalb unseres Settings scheint sachte aber sicher vorüber. Damals, als sich Partys irgendwie ergaben, weil wir zusammen Theater spielten, eine BJ-Show hinter uns hatten oder uns zum Chor trafen; als die Wege noch länger und gemeinsamer waren, als wir gefühlt und gewollt mehr Zeit hatten ... gehörte Party machen dazu: in Kneipen oder zuhause, unterm Dachboden oder in gemeinsamen Urlauben. Ich muss das vorsichtig bewerten, denn gerne werden derlei Partys im Nachhinein als die besten der Welt angesehen, was sie auch bloß nicht immer waren. Aber es gab immerhin die Möglichkeiten dazu. Wir merken es an meiner Stimmung machenden, holprigen Schreibweise: Ich möchte keine 50 Party zum Frühlingsanfang geben, weil mein Gefühl für Party, sogar für Kommunikation und aufrichtige Freude sich nicht einstellen will. Ich gehe ja nichtmal gern zu einer solchen hin. Das ist bedenklich und zeugt allenthalben von einer allgemeinen Auflösung der frischen Ideen hin zu jenen, die wir früher spießig und wenig erstrebenswert fanden. Ich muss später weiter darüber sinnen, mir fehlt im Moment aufgrund latentpermanenter Müdigkeit das Gefühl des sicheren Schreibens und ich fühle mich zu dumpf. Je mehr ich mich an diesem Eintrag versuche, desto schlimmer wird es. Eine Form von Demenz, die nach aussen zu macht, um innen den Rummelplatz anzuzünden. Auweia. Ein Wort noch: FlußFlußParty klingt gut. Aber warum wann mit wem?  

nu komma

Jetzt nicht schlapp bleiben! Nicht die Chance verpassen! Nicht in alte Muster verfallen und dich "irgendwie" durchwinden! Das sind Befehle! Warum? Weil ein  typisches Muster solches eines von gestern ist: Nach der Sauna ein Zischbier. Okay. Noch ein kleines dazu. Grenzwertig, denn während des zusätzlichen kleinen beginnt das große zu wirken. Das merke ich dann an der Heimfahrt. Knapp. Zuhause noch ein kleines. Naja, wenns sein muss. Für die letzte Zigarette dann vorsichtshalber noch ein kleines, das ich ja dann gleich wieder zumachen und in den Kühlschrank stellen kann. Natürlich nicht. Natürlich dann 02:00 Uhr. Dann noch lesen. Die Idee im Kopf, dass ich am Freitag nur ein bisschen und später zur Arbeit gehe ... zerschlug sich, weil ich automatisch wach wurde und mein Gewissen meint, es wäre schon okay, dorthin zu gehen. Das Gefühl vor Ort war zu erwarten: Müde und hangovrig. Das fetzt nicht! Es rettet mich kein höheres Wesen, soviel ist klar. Also wäre das Ergreifen jedwelcher Möglichkeit (so wie jetzt mein Job in der Parität) sinnreich. Die Kurve bzw. Talsohle muss ich meistern. Die dumpfsinnige Annahme, dass ich nun, an einem tobilosen Wochenende ja viel Wein trinken kann, zeugt von meiner grundgefährlichen Einstellung. Die Idee, vom gekauften Wein ja auch nur ein bisschen trinken zu wollen ... ebenso aussichtslos. Die Idee, zu Mandy zu fahren (Trommeln oder sowas) und ja abends auch zurück fahren oder wenigstens nicht so viel trinken könnte ... same procedure. Ich will auch nicht mit Leuten lange reden. Daher auch meine Abneigung betreffs Geburtstagsparty. 50. Jaja, fuck you. Was ist nur los, Babe? Denke ich zurück - sogar auch 10 Jahre und ... ach: 20! - bleibt es das selbe Muster. Ab dem Kulturserver ningele ich rum. Puppentheater hielt ein paar Jahre, wurde dann aber auch so. Überall wegen einer gewissen ziellosen Unzufriedenheit. Naja. Nu komma!

Vergleichstraum

Ich bin wieder im Puppentheater. Als 30 Stunden irgendwer und irgendwie nicht im alten Job, sondern in irgendwas Parallelem. Schwer zu begreifen und es sieht auch alles anders dort aus. Irgendwann stelle ich mir dort die Frage, ob ich an der Zeiterfassung teilzunehmen habe ... Die Spieler freuen sich "Mensch, schön, dass du wieder da bist" und ich sehe die good ol' Nikon wieder. Meine Nachfolgerin allerdings nicht. Aber gut, ich fasse zusammen: Alles passt auf meine aktuelle Situation: 30 Stunden, neue Umgebung, keinen konkreten Durch- und Überblick und ich lasse mich erst jetzt langsam auf das ein, worum es hier gehen könnte, habe aber nebenbei heimliche Bedenken betereffs der Arbeitszeit (Gottchen, wie billig). Einen ganzen Mittwoch schreibe ich an einem Artikel fürs jobfremde Müllermarketing, gleich fahre ich zu Jörg, morgen komme ich nur kurz und gehe zum Training. Alles Dinge, die mich im PT der letzten Tage dort den Kopf gekostet hätten. Jedoch könnte es meiner Vorstellung von Leben & Arbeit entsprechen. Die wiederum entspricht wahrscheinlich nicht der allgemeinen deutschlichen Auffassung über dieses Thema. Aber das muss es doch auch nicht, oder? Es sei denn, jemand hat herausgefunden, dass diese normalen Modelle die beste Art sind, durchs Leben zu kommen. Deshalb werde ich gern angelächelt, wenn ich meine Vorstellungen darüber äußere. Aber ich wollte nur erwähnen, wie sehr ich mich beschäftige mit dem, was mich so umschwirrt. Und ich werde 50. Sehr bald. Sehr schlimm. Warum? Ich weiss nichtmal, ob ich k/eine Party machen soll / möchte. Meine Gedanken bleiben im Kurzwaschgang stecken, während die Maschine zu schleudern beginnt. P.S.: Der Rückblick auf frühere Einträge betreffs meines Geburtstags sind allesamt nicht besser. Man feiert doch sich und seinen Geburtstag, weil man Freude daran und an sich und seinem Leben hat, oder? Also sollte ich entspannt bleiben und Party machen, wenn ich der Meinung bin, dass es mir gut tut und ich es will.

Simpsons hell

... meint: der Frühling kommt, was man sehr knapp daran erkennt, dass es noch nicht mehr ganz dunkel ist, wenn die Simpsons im TV beginnen. Is' ganz schön so. Aber warte nur; gleich heisst es wieder: Jetzt ist es dunkel, wenn die Simpsons beginnen. Zack & Zeit um. Dumm.

Schlafmatsch

Aber wieso? Was drängt denn in mir so grüblerisch, das mich schlecht schlafen lässt? An den Wochenenden hilft der Wein, aber zum Montag ist es die größte Gemeinheit. Eineinhalb Stunden Lesen über den Verfall der Menschheit von Sibylle Berg vermögen immerhin Anflüge von Müdigkeit zu erzeugen, doch kaum ist das Buch weggelegt, poltert es über mir und in meinem Kopf senden drei wenzelsche Radiosender. Immerzu. So fühlt sich dann auch die ganze Nacht an und der der Tag beginnt und bleibt vermatscht. So wie die Tage der letzten zwei Wochen, die meine ersten Angestelltenzeit bildeten. Aha! Zusammenhang! Die halbgewalkten Träume handeln natürlich von der Unbestimmtheit, die solche Oritentierungspasen mit sich bringen. Geduldig bleiben und ein bisschen warten, bis oder ob sich alles einrenkt. Die Erfahrung sagt ja, doch es fühlt sich wie übermächtiger Aufwand, wenn ich zermatscht zusammenfasse: Job. Fünfzigparty? Müllermarketing-Texte! Und weiter in die Zukunft: Jeskom? Domsagen? Das Verhältnis von gefühltem Aufwand für etwas, von der Einsicht der Notwendigkeit bzw. eigene Überredungskunst zur Realisierung und dem dann für die Erfahrung archivierten Ergebnis ist unausgeglichen. Das färbt auf mein Verhältnis zum Leben ab. Rückwärts ginge die Gleichung vielleicht auf: Mit der abrufbaren Erfahrung, dass ich erfolgreich realiseren kann, was ich möchte, wird der Aufwand kleiner. Nun muss ich nur noch wissen, was ich möchte. Das sind echt zu viele Gedanken. Und täglich kommen immer mehr. Und die drehen sich irgendwie immer um das Selbe. Nutzen sich ab. Daher auch meine Jahrzehnte währende Betäubungssucht, die mir jene komplizierten Fallstricke unaufknotbar hinterlässt, mir dabei aber die klare Aussage untermengt, meine Ansprüche und mein Leben mit meiner mir selbst aufbenannten Mittelmäßigkeit nicht hinzubekommen. So, jetzt ist genug.

nebenbeie Basis-Erkenntnisse

(1) Kaufhallen ermüden mich. Insbesondere Samstags, wenn ich für uns einkaufe und ich vom bis dahin halbwegs wachen Zustand einer Art Dämmerung anheim falle, die mich durchaus statt nach Käse zu Möhren greifen lässt. (2) Weiters stelle ich fest, dass meine Attitüde, nichts richtig können zu zu können, nur aus meiner Beobachtung anderer resultiert, was dann mittels meiner oft so schlimm brach liegenden Selbstwertphasen mitsamt großer Unsicherheit in einer provisorischen und natürlich höherwertigen Einschätzung über deren Qualitäten und (anschließend nochmal merkwürdig geschlussfolgert:) gekonnten Leben kulminiert. Das mag vielleicht ja auch sein, aber was gänge es mich denn an? Derlei Vergleiche sind höchst hinderhaft. (3) Noch weiters fiel mir ein, dass all jene nie realisierten Vorstellungen über solche Lebensmodelle wie die der Weltreisenden, der Generösen und Stilhabenden, der Sexisten und "wasduwillst" nur deshalb nichts wurden, weil es wieder nur meine Beobachtung von Leuten betrifft, die es einfach in sich tragen und weniger moral-, stand/es- oder sonstwiehaft zu sehr darüber nachdenken müssen, sondern in der Lage sind, es ihrem Drang nach einfach tun, während mein Gewissen, Verstand, Gefühl und Erfahrungen die für mich klassischen Barrieren bilden. Die Konjunktive sind unschuldig. (4) Das letzte (was in meinen ad-hoc-Überlegungen heute an erster Stelle stand) sind meine primitiven, bemitleidenswerten ausgleichen sollenden Vorstellungen, wonach es also Menschen oder Projekten schlecht geht, die ich für meine Miseren gern verantwortlich machen möchte bzw. die Teil jener Prozesse waren (oder sind), die mir nicht gut getan haben. Auf den Punkt gebracht betrifft es natürlich das Puppentheater, deren Facebook oder zweiten Google-Account ich noch immer gern hacken möchte (und es ohne weiteres könnte). Da schreit eine Art  Rachegefühl aus mir; nur kann mir niemand sagen, ob ich mich danach wegen womöglich ausgeglichener Gerechtigkeit oder so wirklich besser fühlen werde. Kapitän Ahab meinte vielleicht Nein, aber man konnte ihn ja eigentlich nicht mehr fragen.

Alles so Sachen, die es leichter nicht machen. Gut was? So einfach, so schnell, so klar.

in die Gänge

Ich bin sehr interessiert an meiner Restrukturierung in Sachen von mir anerkannten Aufwandes, Wachheit und willentlichem Interesse. Denn es mangelt mir oft noch an Verstand, Vorstellungsvermögen und vor allem an ausreichender Klarheit in Geist & Materie. Ok, ok, es sind heute erst zwei Wochen; es fühlt sich alles oft noch immer diffus und unerhört aufwendig an. Also alles, inklusive Leben. Und deswegen bin ich gespannt und erpicht darauf, mich auszuschlafen und aufzutanken (dieses mal aber mit Inspiration, Neugier und Tatendrang). Aber wie? Muss meinem Gesamtwerk aus Körper & Geist Zeit geben und vor allem den Willen dabei zulassen, damit sich die entsprechende Kraft  generieren und manifestieren kann. Sonst schleiche ich weiter durch die paritätischen und anderen Gänge und weiss nicht recht, wohin, wieso, wie lange und wer. Also in die eigenen und richtigen Gänge kommen, das wär schon mal ein Anfang. Heute Abend Blueszeug im Turm? Einfach des Tuns und Erlebens wegen? Tobi wird nicht mitkommen, soviel scheint klar. Na mal sehen.

Mission Mut - get rhythm

Diese Dienstag Abende, die so oft so unvernünftig für mich werden, haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den "Barfly" Mittwochen im Exlibris. Zu Beginn JA, dann etwas weiter zeichnet sich ab, wohin die Reise gehen könnte. Im Fall NEIN kommt es dann auf den pünktlichen Absprung an. Und den vermassele ich immer wieder. Wie auch gestern, als mir auch an der Heizung nicht richtig warm werden wollte, die Gedanken, Ideen, Wille und Worte noch mehr Zeit als sonst schon brauchten. Mögen andere das auch anders erleben (die ja die gleiche Menge Bier trinken), ich scheitere oft an der Mission, diese Situation verlassen zu wollen, weil es mir nicht behagt. Stattdessen wird nachgeordert. Wozu ist das gut und warum hört so ein Unsinn nicht auf? Am Ende sollen es unglaubliche neun Bier gewesen sein. Da nützt auch die pünktliche 00:00 Uhr Abreise nichts. Und hier sitze ich und schreibe immer das Selbe. Nur in neuer Umgebung. Die einen gewissen neuen Rythmus benötigt. Denn über die lange leere Zeit hat sich auch ein verändertes Lebens-/Zeitraster für mich ergeben. Vom Aufstehen über die wenig vorhandene Tagesplanung bis zum allabendlichen Wein in einer permanenten Schleife. Die gilt es jetzt zu unterbrechen und mich sachte einzupassen in eine progressivere und strukturiertere Form des Seins. Nur so können neue Ideen und womöglich sogar Ziele erwachsen. Das wär' ja mal was.

vom Wesen meiner neuen Arbeit

Die Zehnsucht behandelt dieses Thema bisher drei mal. Angefangen 2013 und dann zum Ende des PT. Worum geht es heute? Um die Zeit. Um das, was sein darf, könnte, für mich müsste. Im Grunde ist es klar: 30 Stunden Arbeitsvertrag bedeutet, 30 Stunden zu arbeiten. Egal, ob darin Kieser Training (wie eben) oder das frühe Nachhausegehen oder auch das Ausschlafen auftauchen - alles ohne Bedenken oder Reue. Nunja, meine Vorstellung von Arbeit hat tatsächlich nichts mit Zeit zu tun. Aber anders ist es wohl nicht messbar. Für einen Arbeitgeber. Noch ist hier dessenthalben nichts passiert oder gesagt worden und Sabine hat auch von ganz Anfang an klar gemacht, dass ich hier nicht 30 Stunden anwesend sein oder absitzen werde; jedoch plagt mich bei meinen arbeitsfernen Ausflügen das Gewissen. Denn ich bin auch faul, das gebe ich unumwunden zu. Arbeit ist nicht meine Erfindung, so lange sie mich nicht packt und intensiv interessiert. Ich denke mir, ich mach's einfach mal und versuche es für mich einzupegeln und auszuloten, wie es mir gereicht (da haben wir es wieder) und wie es für den Arbeitgeber aber gleichwertig und ebenso erfreuliche Ergebnisse bringt. Und das hier ist mein 7. Tag und weder Gott noch Teufel haben im Moment eine Meinung. Ich aber: Mach' es und sieh' zu, ob es deins wird!

Dickes Ende Teil 1

Ob es des Titels wegen je zum Teil 2 kommt, wage ich zu vergessen. Aber es passt gerade sehr gut. 2020 startete also in gekonnt-gewohnter Weicheimanier ob meiner Ideen, Ziele und Zukunft. Plötzlich dann gab es diese Ausschreibung, die ich nur besah, weil Sabines Name darunter stand. Da die Zeit sich die leichte Panik gab und mir unmissverständlich mit dem mittlerweile mittleren Finger betreffs meines Lebens drohte, nahm ich an, was möglich war. Und die Woche davor sollwollte ich nutzen, um runterzukommen. Von der Lotterei, dem Alkohol, dem Stumpfsinn. Und doch habe ich mich eher durchgemogelt. Dann die erste Woche mit allen Facetten: Die Tage wurden plötzlich so lang, Schlaf war ein Wagnis, Alkoholgenuss immerhin stark eingeschränkt. Am Freitag dann die inhaltliche Übergabe mit den ersten 20 Minuten, bei denen ich am liebsten aufgestanden und für immer gegangen wäre. Weil ich keinen Zusammenhang, keine Idee und noch weniger Durchblick hatte. Sabine rettet mich und die Situation und lenkte die Aufgabenthematik auf zweidrei Hauptpunkte, die jetzt vorerst für mich festgelegt und verankert sind. Etwas zum Greifen, Festhalten, tätig werden. Am Wochenende den ganzen Alkoholverzicht in je 1,5 Flaschen Wein nachgeholt. Nächsten Tags vor allem das Ausmaß der letzten 18 Monate seit Ende PT besehen: Ein nicht mehr einziehbarer Bauch, eine wabbelige Aura mitsamt einer Haltung, die eine gewisse Erbärmlichkeit einfordert. Schön geschrieben, sieht aber wirklich schlecht aus. Dann die 84 Stufen der Parität, oder zuhause, oder eine leichte Steigung, etwas Gegenwind ... alle Kondition ist dahin. Jetzt muss irgendwas passieren. Wie immer. "Das dicke Ende Teil 1": Meine Notfall-Lösung für ein Jahr soll mich retten vor dem Untergang, soll mich aufrichten, wiederherstellen, bereit machen. Insbesondere im Kopf. Am Ende meines diffusen Lebens werde ich mich nichtmal für einen Friedhof entscheiden können. Das muss dann irgendwer anders machen. Aber wer dann noch eigentlich? P.S.: Sybille Berg "Ende gut" fässt in fantastisch-fatale Worte, was wahrer nicht zu schreiben ist über die Menschen, deren Selbstbetrug, die ganze große Grütze des Lebens, die nur spürbar, aber wenig fassbar und damit noch weniger änderbar ist. Ich kann das sehr gut nachvollziehen und muss es bestimmt nochmal lesen. So boshaft wie des Menschen Mittelmaß selbst.

nervöse Zeitmaschine

Schlafen geht nicht ganz so gut. Vielleicht nicht ganz so schlimm. Aber dennoch. Trotz Müdigkeit. Lesen, absacken, Licht aus, Augen ... auf. Und dann stapft pünktlich gegen 07:15 über mir jemand herum und ich fühle den Vormittag dumpfer als notwendig. Gestern festgestellt, dass auf den Rechnern der Parität mittels ProCall dann ja doch irgendwie die Anwesenheit protolliert wird. Oder werden kann. Und schwups, mache ich mir Sorgen. Warum? Weil es das tief verängstigende Puppenprinzig bedient und ich mir in aufrechter Ehrlichkeit eingestehe, überhaupt niemanden Kontrolle über mich geben zu wollen. Weil ich diesen Teil meines Gewissen gern ausschalten möchte, wenn es darum geht, auszuschlafen, zu schlendern, zu machen, wie wo wann ich gern will. Disziplinbefreit. Und keine 8 Stunden am Stück zu arbeiten. Klar steht das konträr gegenüber den "normalen" Modellen von Arbeit, aber muss ich das genau so machen wie die anderen? Meine Wege des geringsten Aufwandes sind legendär. Auf der Gegenseite lauern Gewissen und Unsicherheit über meine tatsächlichen Fähigkeiten. Verkaufen und glänzen kann ich immer erstmal gut. Und wie sieht es dann mit dem Eingemachten aus? Auch wenn es in der Parität den Anschein hat, als könnten diese 14 Projekt-Monate nur ein Vorwand für mein Recruiting sein, so versuche ich dennoch mir ein Modell anzugewöhnen, das allen Beteiligten gerecht wird. Wao - habe ich so eben nebenbei den Begriff der Parität definiert? Gucke an ...

der Neue

Da bin ich also: Im Paritätischen gelandet. Mit Vorstellungsrunde bei den Regionalleitern und Referenten und Mitarbeitern. Neu neu neu. Nach 1,5 Jahren wahnsinniger Pause zurück in einem Arbeitsprozess. 30 Stunden. Stunden?  Geld? Arbeitszeit? Urlaub? Woran denke ich zuerst? Dass es machbar sein könnte. Sein wird. Meine Aufgaben dort sind teilweise Neuland für mich, aber das weiss zum einen keiner und zum anderen kann ich mich da reinfuchsen. Und es sind vorerst auch nur 14 Monate. Keine Lebensgefahr ... Woran denke ich noch? Dass ich jetzt all jene Dinge, die ich in meiner vielen freien Zeit hätte machen können (aber ja doch nicht tat), jetzt nicht mehr in dem Maße tun kann? Absurd, was? Get real, Darling! Noch realer benötige ich neue Hörgeräte. Das merke ich sehr deutlich. Und ich denke daran, dass dies meine Chance ist, mich neu aufzustellen, zu gesunden. Strukturen sind dazu nötig, Zielübungen ebenso. Eine gewisse Disziplin, um aus meinem größtenteils traurigen Lotterleben etwas Stabileres zu bauen. Neue Denk- und Sichtweisen, Erfahrungen, Möglichkeiten. Die Leute sind mir wohlgesonnen, auch wenn ich beim (spontan erbetenen) Vorstellen meiner Person wahrscheinlich eine Menge ungereimtes Zeug erzählt habe. Das kann man besser machen aber es entspricht auch meinem Naturell und lässt schöne Rückschlüsse auf mich zu. Nichts Schlimmes. Und wahrscheinlich auch nicht überheblich aus Unsicherheit. Und ich kenne tatsächlich viele Leute dort. Marcel, Sabine, Sylke, Nicole, Hanselmann ... das ist hilfreich. Dennoch war die vorige Nacht unruhiger als ich es mir wünschte. Also doch ein bisschen aufgeregt, was? Zusammengefasst: Ich habe zwei Jobs: Parität und Freiwilligenagentur, dazu kleinere Projekte wie Müller-Marketing und 2und40. Das muss ich mir klar machen und professionell sein. Oder rauskürzen. Was ist wichtig? Anerkennung? Entwicklung? Lebenszeit? Motivation? Geld?  Letzteres gibt es ab heute insgesamt mehr als im Puppenhaus. Was aus diesem Konstrukt wird und wohin ich eigentlich mit welchen Zielen und Absichten in meinem Leben möchte, lässt sich zumindest auf diese Weise leichter herausfinden, als die Zeit zu versaufen. Na dann.

Flucht nach vorn

Aus Null mach' Hundertzehn? Ein Wagnis. Denn ich fühle mich weiterhin schwächlich und kann den bisher unausgesprochenen, aber bevorstehenden Aufgaben kaum weder folgen noch ihnen mit froher Erwartung entgegensehen. Der Stand der Dinge: In 90 Minuten unterschreibe ich einen Arbeitsvertrag über 30 Stunden bis März 2021, worin ich bei derzeitigem Kenntnisstand eine Art Dispatcher oder Projektheiler zu sein habe. Also nichts, wovon ich genau wüsste, worauf ich mich einlassen kann. Warum mache ich es? Um mich zu aktivieren? Irgendwie? Hoffnung auf Durchmogeln? In 3 Tagen entscheide ich mich für einen weiteren Artikel, den es fürs Müllermarketing und den Demografen zu schreiben gilt. Dabei hat mir Matthias Müller soeben nochmals seine drei für mich möglichen Modelle aufgezeigt, die von Freelance über Teilzeit bis Vollzeitanstellung gehen. Nanu! Ich fühle mich kaum fähig, überhaupt irgendetwas in die Denk- und Wagschale zu werfen, geschweige denn, zu entscheiden. Weil ich mich innen sehr platt anfühle. Nach außen eher rundlich. Seit Anfang des Jahres steht fest, dass mich die Freiwilligenagentur weiterhin auf 10-Stunden Basis behalten möchte. Die Aufgaben sind verteilt auf Webserver und -redaktionen der einzelnen Projekte, Fotostrecken, Zeitungsbeiträge und sonstige Aktionen. Und dann denke ich an Jeskom. Und an die Domsagen. Und überhaupt an irgendein Ziel und einen Willen. An Albert Camus und den "Glücklichen Tod". Quo Vadis? Aus Null mache ich gerade 110 und die mich latent begleitende Panik, das auch nur ansatzweise irgendwie auf die Reihe zu bekommen, könnte Anlass genug sein, mich drauf einzulassen. Alkoholfrei. Ambivalent genug? Aufstieg oder Untergang. De- oder Aktivierung? Ja oder Nein? Das Beste daran ist, dass es passiert.

Neustart mit Hürdenlauf

Zwei Ski-Urlaube liegen hinter uns. Das ist das Eine. Ein Arbeitsvertrag für mindestens ein Jahr liegt vor mir. Das ist das andere. Dazwischen, genau jetzt liegt eine (letzte) Woche meiner lethargischen Unkontrolliertheit, die mich bangen lässt, ob ich es schaffe, mich zielgerichtet aufzustellen und es anzugehen. Eines dieser Ziele war, diese Woche zu nutzen, mich alkoholfrei zu säubern, aufzurichten, nach vorn zu blicken. Sonntag und Montag vermochte ich es nicht, heute ist der bisher traditionelle BN-Dienstag. Dabei denke ich, dass es auf einen harten Bruch ankommen wird, wenn ich am nächsten Montag klar, strukturiert und geradlinig einige Erwartungen zu erfüllen habe. Ein Kuddelmuddel ist das also: Der Paritätische muss ein 3-Jahres-Projekt abrechnungsfähig zu Ende bringen, es geht um Digitalisierung von Kommunikationsstrukturen mit 'vorhandenen' Mitteln. Also Windows 95 ... Wahrscheinlich dient diese Stellenausschreibung tatsächlich nur der Idee des glimpflichen Projekt-Endes. Was theoretisch ein Leichtes für mich sein könnte. Hätte nicht "Sabine Mantei" unter der Ausschreibung gestanden, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich dafür zu interessieren. So aber bin ich also nun der Gewinner dieser Ausschreibung. Und es fängt Montag mit der Vorstellung im Kollegenkreis los und setzt sich erst Freitag mit der Arbeitsplanung fort ... Nunja. Es soll ein Neustart für mich sein. Einer, der mich aus der steten Litanei der völligen Unsicherheit über meine Zukunft  herausreissen soll, damit ich wenigstens 'etwas' beginne, woraus sich idealerweise mit der richtigen Sichtweise und Einstellung etwas Neues ergeben kann. Was auch meiner labilen Stimmung und schwer fassbaren Aussichtslosigkeitsattitüde entgegenkommen soll. Womit ich wieder beim Ski-Urlaub bin: Zwischendrin gibt es solche Tage, an denen ich mich mit Tobi nicht wirklich gut verstehe. Ihm scheint es nicht aufzufallen oder sehr zu stören (sagt er, aber ich glaub's nicht). Und ich suche nach den Gründen für solche Kommunikationstäler. Dabei geht es nur um unterschiedliche Erinnerungen an damalige Pisten, dem unsachlichen Streiten darüber oder sonstwelchen lapidaren Kleinmist. Vielleicht bin ich unausgeglichen (ja), vielleicht melden sich  meine Vorstellungen von romantischer, tieferer Liebe, die ein noch schöneres Bild von Gemeinsamkeit, Gemeinschaft, Liebe malen wollen. Vielleicht habe ich weiterhin Angst vor dem Leben. Vor dem ich mit anfangs vollen Flaschen davonlaufe.

Ich auch nicht!

Was für ein gelungener Einstieg in das neue Jahr dieser dubiosen Zehnsucht, die mir alles abnimmt und in sich hinein frisst. So, wie ich in mich hinein saufe. Nun denn: "Ich auch nicht!" lautete die direkte Antwort eines älteren Herrn beim ersten und schwersten Kiesertraining des Jahres in der Umkleide, der seine Sachen vor meinem Spind hatte ich nach der richtigen Tür suchend, meinte: "Ich weiss garnicht, wo ich bin." Die Antwort verblüffte mich ob ihrer Spontaneität und ihrer Doppeldeutigkeit: Meine erste Interpretation auf der Suche nach verbrüderlichen Gleichgesinnten war die, dass auch er nicht wusste, wo er sich befindet, was er hier überhaupt macht und warum. Die Logik schloss aber gleich danach auf und stellte klar, dass es niemanden gibt, der wissen kann, wo in ich bin resp. was ich will. Also auch er nicht. Also niemand, der für mich verantwortlich ist bzw. den ich dazu erklären kann. Wobei wir also beim Thema wären. Dem elenden, immer selben und in derlei Zuständen sich manifestierend, schlimmer werdend. Die Farben blassen sich aus und alles fühlt sich schlechter an. Und es hält auch länger. Mir fehlt weiterhin die Aussicht und mein gefühltes Halbwissen über Mensch und Revolte, über Camus oder K. Dick, über Sinn oder Unsinn, Leben oder Tod, Ying und Yang im nivellierenden Gleichklang ... im ewigen Strom der Versuche, mich zu erklären, macht mich weiter verrückt. Und verrückter. Und nicht nur das: Ich werde auch unfähiger, dümmer. Das sind direkte Auswirkungen von Ziellosigkeit, Lethargie und Alkohol. In dieser Reihenfolge als Dauerkreis. Bald werde ich nicht mehr wissen, wie Abwaschen geht oder wie man ein Raid1 installiert. Oder nur 5 Minuten geradeaus denkt. Nimm hin! Und nimm Abschied. Oder die Beine in die Hand. Oder Vernunft an. Oder dir das Leben. Aber mach' endlich was!

Sterbling

Wie war das noch gestern mit meinem Beitrag über Krebs, Herzinfarkt und Tod und der schwindenden Angst in meiner Einstellung dazu? Heute war ich beim Schlagaderbeleuchter. Und siehe da: auf der linken Seite liegen Ablagerungen, die da nicht hingehören. Sagt er. Genaueres sagt er nicht, der Befund geht dann zu Heide. Erst passierte garnichts. Und dann, siehe nochmal da: Es macht mir doch wieder etwas aus und ich unterliege einer diffusen, leichten Panik. Es hört sich unumkehrbar an. Und erklärt auch einiges in Bezug auf meine Blutwerte in Sachen Fett, Cholesterin und Druck. Meiner Lebensweise nach war das sogar fällig. Und jetzt ist es komisch. Offenbar regt sich in diesem Wust von Unklarheit und Resignation ein kleines wehrhaftes Element. Mal sehen, was daraus und mir und allem wird.

Jahresbilanz 1

Zusammengefasst bleibt und verstärkt sich ein ungutes Gefühl, wenn ich über mich nachdenke und es aufschreibe: Ich bin verunsichert, ziellos, antriebslos. Das dürfte die ganze Peripherie auf einen Punkt bringen. Die Folgen sind Alkoholismus und Aussichtslosigkeit, Unausgeglichenheit, sogar Wut, Infragestellen meiner Fähigkeiten bzw. das Relativieren derer, wonach ich also Vieles kann, aber nichts davon offensichtlich richtig. Die Verunsicherung besteht insbesondere im Rückblick auf die Festanstellung im Puppentheater, für welches sich ja nicht erst in den letzten Jahren irgendein ungutes Gefühl eingeschlichen hat. Das wird deutlich, wenn ich hier aufgeschriebene Texte oder Gedankenschnipsel aus 2012 und auch davor lese. Woran liegt das alles? Überall muss ich mich vor Kritik und Schimpfe ducken. Seit Anbeginn meines Denkens. Oh, das lässt tief blicken. Vieles, wenn nicht gar alles hat mit meiner unklaren Vorstellung über ein mir gerechtes Leben zu tun. Wo und welches ist mein Modell? Ich denke viel, ich denke schnell, ich denke aber nur bis 33%, Tendenz fallend, der Rest verliert sich in vagen Vorstellungen bzw. undefinierter Gefühlsduselei. Dabei kann ja nichts entstehen. Gegenstände dieser Denkerei sind vielfältig, am vehementesten sind jedoch die Ängste, dieses mein Leben nicht auf ein halbwegs verständliches Tableau zu bekommen. Mein Selbstwert fällt, meine Ziellosigkeit nimmt überhand und jeder mögliche Startblock schwindet in große Entfernung. Dem gegenüber stehen immerhin dann merkwürdig optimistische Gefühle, wenn mir mal etwas gelungen ist. Siehe jeskom oder Eisprinz oder Beethoven. Dieser Optimismus macht sich aber gern und schnell wieder aus dem Staub. Die Leute sterben wie gehabt und die Einschläge kommen weiterhin näher. Aktuell waren es Heckmann und vorgestern Country Rudi. Ich habe mittlerweile weniger Panik vor Krebs, Herzinfarkt oder Tod. Ich sehe es fast sogar kommen. Oder es scheint nur so, und wenn es vor der Tür steht, kommt automatisch der klammernde Griff ans Leben, das mir aber doch garnicht so viel bedeutet? Was denn nun? Oh, ich werde traurig sein, wenn ich vom Sensenmann freundlich an die Hand genommen werde, weil ich dann ahnen werde, dass ich es es hätte packen können, das Leben. Versehen mit so vielen Fähigkeiten und Freundlichkeiten, aber mit irgendeiner tief verborgenen Depression (oder eines zu geringen Verstandes), sie entsprechend einzusetzen. Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen, Seit Puppenende sind jetzt über 15 Monate vergangen.

Beethovens Best

The same procedure: Natürlich wurde alles am Ende wieder gut: Beethovens Conférencier hat es in die Herzen und das Wohlwollen des zwar spärlichen, aber umso erfreuteren Publikums und den Leuten vom Gesellschaftshaus Magdeburg geschafft. Nach einer eklatant schlaflosen Nacht, die ich mir nicht erklären kann, bin ich jetzt noch immer müde und garnicht so traurig, dass die Stadt voller Menschen und Autos ist, dass ich nicht zum anschließenden Training kann. Aber woher diese Schlaflosigkeit? Gefühlt habe ich garnicht geschlafen, dafür aber in Sequenzen die dollsten Dinge geträumt. Einer sogar mit Gruselattacke, als ich Katrin vom Bluenote irgendeine verbotene Hütte mit Bühne zeigte und wir an der Grenze zum erlaubten Terrain lagen, als sie mir einen Finger auf den Mund legte, damit ich leise bin und kurz darauf ein plötzlicher Schwall irgendetwas Kalten und Schaurigen von hinten kam. Huuu ... und der Rest der Träume bestand aus Clustern unsinniger Episoden. An der bevorstehenden Moderation kann es doch aber nicht gelegen haben: ich fühlte mich sicher und machte mir wenig Gedanken darüber. Morgens 7:30 war ich lange vor dem Wecker wach und frühstückte und fuhr noch zu Tobi zu den Fischen. Netzt bin ich zuhause, mache mir eine Suppe warm und werde bestimmt einen Nachmittagsschlummer halten. Und dann geht das lose Leben weiter. Nur wüsste ich gern: womit! Ich denke zuviel und immer nur ein kleines Stückchen. Nie weiter oder gar zu Ende. Und das hier fiel mir (sehr passend) in der Nacht ein: Still klopft es nun, das Herz; das Licht im Zimmer, Geborgt vom Vorderhaus, befällt das Bett. Mein Kinn ist schwer, und doch flieht mich noch immer Der Schlaf, erschreckt von einem Düsenjet. Ich steh noch einmal auf, das Wasser schlag ich Im Becken ab der Küche, doch die Ruh' Sie will nicht kommen. Unterm Schädel trag ich Drei Radiosender, senden immerzu. Mensch, Wenzel, schlaf! Wie bist Du auf den Hund gekommen. Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen. Die Füße brennen. Die gebundnen Schuhe Zerdrücken mir den Tag lang Zeh um Zeh. Der Wecker klickt versteckt in einer Truhe, Daß ich die Zeit nicht so vergehen seh. Es kichert noch in mir, das sind die Biere, Die langsam erst verbrennen im Gehirn, Es sie zu gelben Gift in meiner Niere Und kugeln Schweiß geworden auf der Stirn. Mensch, Wenzel, schlaf! Hast keinen Schlag heut abbekommen. Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen. Platz ist genug. Ich drück die Schulterblätter Ans zause Laken, keiner fragt mich was. Ob ich noch etwas in den Büchern blätter? Ob ich nach einer Zigarette faß? Ich kann nichts tun, nicht einmal schlafen; lange Zerreiß ich mir den Schlaf schon. Aus der Wand Fällt etwas Feines, und mir wird so bange. Mir zuckt zum Trommeln leise meine Hand. Mensch, Wenzel, schlaf! Du bist durch alle Zeit gekommen. Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen. Ich liege schlecht und zähle, zähle, zähle. Das Kissen nur im Arm gehört jetzt mir. Es ist soviel zu mache noch. Ich quäle Seit Jahren nur die Hälfte aufs Papier. Es schmerzt zu schlafen. Bitter schmeckt die Spucke. Ich ruh mich aus vom Lachen. Blassen Schein Seh ich im Zimmer, wenn ich um mich gucke Und kann nicht schlafen, schlafe nicht mehr ein. Mensch, Wenzel, schlaf! Wie bist Du auf den Hund gekommen. Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen.  

verlustig

Doppeldeutig ist das hier nicht gemeint, ich schreibe aus einem Verlustgefühl, einem unerhörten Alleinsein ohne jede Erklärungsmöglichkeit. Ich kann's kaum ausdrücken, es klingt alles so wahnsinnig depressiv und öde. Was ist passiert? Nunja, nach dem Biermanöver vorgestern und dem Ausnüchtern gestern folgt der dritte Tag meist in einer gewissen Traurigkeit. Vielleicht ist es ja das. Es schweben fadenscheinige Gedanken vorüber, denken an Shanty-Chor und Xmas Markt Bluenote und Video draus machen und Bertold und andere treffen ... ich weiss jedoch, wie es abliefe: Rumstehen ohne mich wirklich dabei zu fühlen und kurz vor einem vernünftigen Abhauen alles mit Alkohol kompensieren. Am Ende wars dann doch wieder ganz schön, nicht wahr? Heute geht das nun zum Glück nicht, denn ich muss für den schwach verkauften Beethoven morgen ziemlich früh raus: Um 9 Uhr morgens treffen die sich schon und ich muss vorher aber noch zu den Fischen und will Tobi die Suppe bringen. Jetzt regnet's zum Glück draussen und es ist auch so ungemütlich. Ja. Aber eben nicht nur draussen. Auch in mir fühlt es sich oll an. Könnte mir sogar eine Erkältung im Anmarsch vorstellen. Das alles ist großer Mist und hängt mit weit mehr Dingen zusammen, die ich kaum fassen kann. Ich stelle mir zum Beispiel die Frage nach Weihnachten und meinem Gefühl für Gemeinsamkeit, Herzlichkeit, innerer Wärme. Schon möglich, dass gerade zu Weihnachten die Selbstmordrate steigt. Es fühlt sich wie immer so an: Alle anderen unterwegs, und ich hier, der allein will und nicht kann. Und andersrum auch nicht. Ich bin mir überhaupt nicht klar über mich, meine Absichten und meine Gefühle. Zumindest jetzt und hier nicht. Aber ich kann auch nicht um 8 schon ins Bett gehen. Obwohl ... es könnte mich vom Rotwein abhalten.

11 plus 1

Die Weihnachtsmarktwoche. Wieder mit vergünstigten Preisen. Bier kostet nur 1,30. Die ganze Woche schon will ich runter vom Gas, Beethoven sauber fertig kriegen und die liebe lange gute Zeit nutzen. Für ... irgendwas. Der Hase im Pfeffer. Wie immer. Am Eröffnungssonntag u.a. auch P. getroffen und ich stelle fest, dass ich Fragen nach "Wie gehts dir denn" und "Was mach'ste denn so?" überhaupt nicht mehr mag. Ich könnte pausenlos heraus schreien, dass es enorm dämlich ist, seine Ziele und Wünsche nicht zu kennen und damit zu befürchten, auf irgendeinem Fuck Trip mit irgendeiner Arbeit und irgendwelchem Geld hängen zu bleiben, bis das Leben irgendwie vorbei ist. So siehts aus. Aber ich bleibe wie immer ausweichend gelassen und trinke Bier. Gestern sollten es nur 2-3 werde, um dann mit einem finalen Russen-Bier vorm Fernseher den Tag zu Ende kriegen. Liest sich dämlich, was? Okay, deshalb wars wahrscheinlich auch gut und egal, dass die Konversation dann doch noch gut und mit Jule und Micha und einer unglaublich schlimmen Dame in schwarz (die jeskom club stories sagen Danke!) in Gang kam und ich aus irgendeinem Grund nicht richtig betrunken werden konnte. Es waren also am Ende 11 (elf) kleine Bier und ein Astra für Zuhause. Jetzt warte ich, dass ich die Fische machen und mir wahrscheinlich einen Döner holen kann. Gestern gabs Roulade bei den Eltern und sie beide waren auf eine Art so beispielhaft drauf, dass ich darüber nachdachte, warum ich damals so oft ein so merkwürdiges, ablehnendes Gefühl hatte. Das begann irgendwann mit 16 oder 18 und ich wollte einfach nicht so werden wie meine Mutter. Oder mein Vater. Und merke aber sehr deutlich, wie viel von beiden in mir drin ist. Es hat nicht gereicht, mich aus jenen beengten  Ansichten ihres Universums zu lösen, um freier und friedlicher im Kopf wie im Tun zu werden. Der Apfel und der Stamm. Womöglich hätte mir ein sanfter Umgang und zusätzlich mit anderen gebildeten Menschen, die mich ermutigen und mir Dinge von der Welt zeigen, gut getan. Statt mich Strafen fürchten zu lassen. Stattdessen ahne ich immer nur, wie wichtig Bildung und das Streben nach Neuem, Gutem ist, wie ich Interessen ausbilden, mich engagieren und weiter entwickeln kann. Das klingt jetzt so'n bisschen nach dem alten Schriftsteller mit Nickelbrille in der hölzernen Hütte am Rande des Dorfes, zu dem ich als Kind gegangen wäre und der mir die Welt gezeigt hätte. Deshalb werde ich immer so enorm traurig, wenn ich solche Dokus  sehe, in welchem ein junger Typ "... sich aufmacht, die Welt zu entdecken, und sein alter Freund bringt ihn hin." Jules Sohn macht das gerade in Australien, verlängerte gerade um ein weiteres Jahr und für mich klingt alles, was andere machen, besser als ich & hier & jetzt. (Das ist keine Wertung meiner Qualitäten, sondern meines erbärmlich traurigen Zustandes)

Schwerhörigkeit erhöht Demenzrisiko

Ein Artikel der dpa, gelesen in der Volksstimme am 30.11.2019 "Wer im fortgeschrittenen mittleren Alter schwer hört, hat später ein höheres Risiko für Demenz. Hierfür gebe es handfeste neue Belege, sagte Robert Perneczky vom Klinikum der Ludwig-Maximilians- Universität beim Demenz- Kongress „ResDem“ in München mit rund 200 Wissenschaftlern aus aller Welt. „Wir wissen mittlerweile auch, dass der Einsatz von Hörhilfen eine günstige, wirksame Methode ist, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern und eventuell auch das Demenzrisiko zu senken“, sagte der Psychiater und Leiter des Alzheimer Therapieund Forschungszentrums an dem Klinikum. Menschen, die von Geburt an taub seien oder in jungen Jahren einen Gehörverlust erlitten, haben laut Perneczky aber eher kein generell erhöhtes Demenzrisiko. Eine relativ neue Studie aus Taiwan mit Gesundheitsdaten von rund 16 000 Menschen zeigt, dass insbesondere hörbeeinträchtigte Menschen, die zwischen 45 und 64 Jahren alt sind, ein höheres Demenzrisiko haben wie Gleichaltrige ohne Hörschwierigkeiten. (dpa)" Aus meiner Sicht ist das sehr nachvollziehbar und macht mich ein bisschen ängstlich. Denn das Thema ist ja nicht neu für mich. Und ich habe es oft genug hier statiert. Wie war das? : "Alkohol weg, Hörgeräte benutzen". Guck mal nach, das war meine Empfehlung an mich selbst vor mehr als 5 Jahren!

unarbeitbar

Gestern nach der Premiere "Vom Eisprinzen und seiner Prinzessin" im Querstyle den üblich endlosen Abbau samt schmerzendem kleinen Zeh und halb12 zuhause mit schnell einem Bier und etwas Wein, der sich dann doch fast vollständig aus der Flasche begab ... heute morgen pünktlich aufgewacht und zur FWA gefahren, dennoch bemerkt, dass selbst so eine kleine Schnellbesohlung zu viel ist. Das Alter fordert Tribut, die jahrelangen Trainingseinheiten haben offensichtlich weniger beizusteuern als die Psyche. Gestern bei der Hinfahrt zum Querstyle Gotot im Auto kurz gesehen, und so erschien sofort der entsprechende Traum. Als sitzender Comic-Weihnachtsmann mit großen, grinsenden Augen, der meine Praktikantin im jugendlichen Leichtmut hänselte. Nix Schlimmes, aber: weil sowas geträumt: eben doch. Nundenn, die ersten Stunden in der FWA waren nicht sehr 'bekömmlich' für mich, da sich die Nachwirkungen des Bree-Weines immer erst ein bisschen später bemerkbar machen. Also nicht direkt nach dem Aufstehen, sondern so 2-3 Stunden danach. Das ist gewohnt unschön und ich dachte voller Grausen an diesen Tag, der bis 18 Uhr gehen sollte. Zum Kern des Titel: Unarbeitbar. So scheint es mir, wenn ich mir diesen Tag besehe: okay, es war zwar auch etwas Besonderes, Studiofotos zu machen, sowas strengt (auch aus der Erfahrung imPT an (inkl. Aufbau, Abbau)), dazu eine Menge Leute, immer jemand anderes, mit dem ich rede, den ich fotografiere. Aber außer einem kurzen Spaziergang kein Rückzug, keine Pause. Danke Birgit für die Suppe nach Omas Rezept, das war wahrscheinlich meine Rettung. Es wurde dann ja auch alles besser und gut und ich gewann meine gewinnende Art samt Humor zurück und es war okay. Als ich aber dann abgebaut hatte und auf dem Rad nach Hause fuhr, dachte ich: Ich kann nie wieder 8+ Stunden so am Stück arbeiten gehen. Zumindest jetzt noch nicht. Die Vorstellung, dass morgen ja auch ein ganz normaler Arbeitstag ist, würde mich schreiend weglaufen lassen ... Ich traf dort auch die neue Pressesprecherin (Steffi Möhle) des Malteser Hilfsdienstes. Das war die erste Stelle, auf die ich mich damals im Sommer beworben hatte und die mir (für mich damals leicht verwunderschmerzlich) ohne Gespräch abgesagt wurde. So. Das wars. Ich bin ziemlich geschafft. Und morgen soll ich den Weihnachtsmarkt Bluenote verkabeln - immerhin zum Glück nicht aufbauen. Und dann kommt die nächste Eisprinzessin im Gartenhaus im Stadtpark. Und dann kommt sehr bald Beethoven und der Text ist immerhin begonnen, doch längst nicht fertig. Vorsichtige Zuversicht mit Mahnung. Und ich gehe jetzt Bier trinken. Hoffentlich nicht so viel.  

Puppen-Alb

Schön, mal nicht abgeschossen vom Alkohol des dienstäglichen Bluenotes aufzuwachen und die Sonne den Tag anknipst. Ganz aufgeschlossen bin ich allerdings auch nicht; es hat gereicht das Mandy Bein von der Puppentheater-Kasse gestern im BN auftauchte und mir von der miserablen Stimmung im Haus erzählte, was mich eigentlich und immer wieder gern heimlich frohlocken lassen sollte. Stattdessen schiebt sich sofort ein entsprechender Traum in die Mitte meines möglichen Schlafes: Wieder eine "Aussprache" beim Intendanten. Nur weiss ich dieses Mal, dass es nichts zu befürchten gäbe; im Gegenteil, es wäre Zeit, zurückzugeben und meine Meinung kund zu tun, wie ich es am Desastertag von Stephi und dem Mobbing gegen FB hätte tun sollen. Denn der Traum beginnt mit der Gewissheit, dass ich bereits raus bin aus Vertrag und Theater. Warum ich also dennoch in dieser Runde dabei bin, ahne ich nicht. Was dann kommt, ist bezeichnend: Ich fühle mich erneut angegriffen und kann mich nicht wehren, nichts entgegnen, es fühlt sich an, als stünde ich unter schweren Drogen und kann mich, halb liegend nur ein bisschen auf links drehen und etwas murmeln, dass ich selbst nicht verstehe, vermutlich aber mit Verteidigung zu tun hat. Das macht wahrscheinlich deutlich, dass ich noch immer in diesen Zwängen gefangen bin, es nicht verarbeiten kann und mir keine Strategie einfällt, mich davon zu lösen. Weil ich glaube, dass Derartiges mir immer wieder passieren wird, ich immer wieder der "Schuldige" sein werde und ich mir all das so sehr zu Herzen nehme, dass ich Zeit meines Lebens mehr oder weniger stark verunsichert allem misstraue und mich vorsichtshalber auf nichts mehr einlasse. Der massiven H/albträumerei, meiner Müdigkeit und und unentschlossenen Ziellosigkeit muss ein Ende bereitet werden. Normale Arbeitstage traue ich mir kaum mehr zu, wenn ich nach 1-2 Stunden unendlicher Unruhe dann doch endlich gegen 08:30 aufstehe und ich mich erst durch den Wust der Sinnlosigkeit kämpfen muss, um (wie immer) daran zu glauben, dass es ja dann doch noch weitergehen könnte, sollte, muss. Merkwürdiges Borderline-Syndrom.

Unerklärt

Ich finde keine Überschriften mehr für die gleichbleibende Litanei. Das muss den eventuell zukünftigen Leser dieser zehnsucht seit geraumer Zeit entweder nerven oder amüsieren. Ich amüsiere zumindest nicht. Oder nicht mehr. Ich könnte wie immer versuchen, alle möglichen Ursachen und Hintergründe versammelnd auf einen Punkt zu bringen. Aber das geht nicht, es würde mehr als die Hälfte fehlen. Oder ich könnte versuchen, es auf den einfachen Nenner zu bringen. Was besser wäre. Dieser Nenner wurde hier mit Sicherheit oft genug genannt. Aber wo bleibt die Konsequenz? Und woraus? Dass ich ein selbstmitleidendes Zwiegeschöpf aus (ehemals) guter Laune und depressiver Verstimmung bin? Was wäre wenn? Wenn es beispielsweise nicht das Geld wäre, das mich irgendwann zu irgendeiner Arbeit zwingen wird? Sagen wir, es wären noch 750.000 EUR da. Und? Was nun? Würde es etwas ändern? Ich komme immer auf solche kleinen lösungsumgehenden Anspielungen, wenn sich kurz zuvor in mir ein Gefühl der Aussichtslosigkeit breit gemacht hat. Also das Gefühl meines Verlustes, mich nicht aufraffen und mit einem ZIEL versehen, losgehen zu können. Wahrscheinlich ist DAS der totale Punkt im Zentrum meiner selbst: Ein ZIEL. Gegentümlich gefragt: Was willst du denn sonst noch hier? Es ist zum großen Teil alles erlebt und gefühlt, zum kleinsten Teil alles verstanden und verarbeitet und nun ist sie da: die Leere, die schon so lange nach einem Wende- oder Endepunkt der Geschichte giert. Als Zuschauer. Danach geht sie nach Hause oder macht mal Urlaub. Wenn ich zwischenzeitlich nicht immer mal solche optimistischen Gedanken hätte, wäre die Leere mir eine Ehre. Seeeehr witzig! Vielleicht trägt ein Zehntel Negatives gegen neun Teile Positives mehr Gewicht in mir und zermürbt mich so sehr, dass ich es nicht ertrage. Während die anderen komisch gucken. Occh, echt? Nanuuu ...

Panik auf Entzug

Drei Tage aus meiner Sicht schweren Missbrauchs liegen hinter mir. Begonnen hat es am Sonntag mit zwei Flaschen Wein, weiter ging es am Montag mit jenem fadenscheinigen Hecki-Abschlussbier und am Dienstag zuhause mit dem Rest der Weinvorräte. 'Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas.' Es ist immer die Phase zwischen 21 und 00 Uhr. Gestern also sollte Schluss sein und ich versuchte Albert Camus ab 22:30 Uhr. Schon eine Nacht zuvor rumorte mein Herz gefühlt arrhythmisch und laut. Und liess mich sehr früh aufwachen und schwierig wieder einschlafen. So auch der letzte Schlaf, der gegen 0 Uhr beginnen wollte, es sich aber anders überlegt, so dass Camus und die Pest weiter herhalten mussten. Der ganze Rest besteht aus Träumen, die ich nicht will: Es sind fast ausschliesslich Träume in Verbindung / in Situationen mit dem Puppentheater. Fotostrecken, merkwürdige Allianzen und Situationen, scheinbare Festlichkeiten, die so nie stattgefunden haben. Ich entwickle eine gewisse Panik im Blick auf meine interne Verarbeitungsstrategie. Das Puppentheater muss da unbedingt raus, es martert, zermürbt mich und ich weiss nicht, wie ich es ablegen und damit professionell ruhen lassen kann. Alles, was sich in mir mit Zukunft beschäftigen will, wird durch diesen jämmerlichen Umstand gehindert. Der Entzug ist willentlich festgelegt, weil es wie immer der allererste Schritt zu einer möglichen Besinnung sein muss. Und immer wieder aufs Neue ...

Weil ich mir nicht zu helfen weiss ...

... trinke ich enorm zu viel und zu oft, kann ebenso oft keine klaren Gedanken fassen und verfolgen, bin antriebslos, ohne Ziele, mit geringem Selbstwertgefühl ausgestattet und suche nach fadenscheinigen Gründen dafür, glaube an Depression, will es aber nicht; fürchte mich vor mir selbst wie auch vor anderen und wundere mich, wie ich es in all den vielen Jahren immer wieder geschafft habe, zu überleben. Merkwürdigerweise reicht manchmal ein kleiner unscheinbarer Moment für eine erstaunliche, aber flüchtige Motivation, mittels derer plötzlich alles wieder möglich scheint. Das Verhältnis von schlechten und guten Momenten scheint mir bei 70:30 zu liegen, was keinesfalls ausreicht für ein machbares Leben. Ich bin nicht fähig, halbwegs in Worte zu fassen, was ich von mir und diesem Leben überhaupt erwarte. Falls ich es mal versuche, klingt es immerhin sehr schön, aber das ist nur die Kosmetik, mit der mein schwacher Geist sich zu schmücken weiss. So siehts aus.

schwere Scham

"Aus dem Tagebuch eines Trinkers" - das letzte Jahr. So fühlt es sich an. Schwere Scham beim notwendigen Brötchenholen mit Hut und Sonnenbrille gegen Mittag. Nahezu unfassbar und vor allem scher zu erklären, wo das Problem liegt. Es scheint das immerwährend selbe zu sein. Sonntag nach der Eisprinzprobe 2 Flaschen Weisswein getrunken und mich währenddessen im Erinnern versucht, wann welche Wohnung, Freundin, Freund, Europareise etc. in meinem Leben auftauchten. Es ging mit ja gut dabei. Gut = goo. Weit überschritten. Montag schweres Leiden, abends dann der Aufruf zum Heckmann-Gedächtnis Bier. Der ist nämlich am 22.11. gestorben. Doch der ist natürlich nicht der Grund meiner Sauferei. Es wurden dann 5 Bier und zu Hause nochmal eine Flasche Wein, während ich mir alte Jeskom Videos im Netz ansehe. Was meine mittelschwere Lethargie zur professionellen werden lässt. Jede kleine Aufgabe wird zur Last, meine Beethoven Mod schiebe ich seit vielen Wochen vor mir her, an die Weihnachtssingen Mod denke ich überhaupt nicht und die Premiere des Eisprinzen steht bevor und es gruselt mich. Jeskom macht überhaupt nichts und ich weiss nichts über jedwelche Absichten, meine Zukunft und mein Leben betreffend, zu berichten. Keine Ziele, keine Ideen, keine Aussichten. Wie so oft. Wie zu oft. Mein rechter kleiner Zeh tut weh. Sehr. Wahrscheinlich angebrochen oder so und Sonntag Nacht bestimmt nochmal irgendwo lang geschrammt. Das fühlt sich alles mehr als no future an, Scheiss-egal-Aktionen sind dennoch nicht zu erwarten, weil ich mein Mittelmaß fürchte. Und mein Herz klopft manchmal langsam aber sehr laut, so als würde es für jeden Schlag Anlauf nehmen. Ich gehe jetzt in die Wanne und hoffe, nicht oder doch zu ertrinken.

Geld

Montag zur unbelebtesten Zeit bringe ich solche Flaschen weg, die ich in den letzten Jahren eher wegwarf.  Na gut, es war ein Bierkasten dabei, aber jedenfalls achte wieder mehr und deutlicher aufs Geld. Was nicht nötig wäre, denn (Moment ...) insgesamt sind 65k verfügbar. Das ist viel. Sogar ziemlich viel. Allerdings wähne ich jene Vorsicht aus meiner unsicheren Konstellation heraus, nichts mit mir anfangen zu können, zu wollen, zu wissen. Heute ist wieder so ein perfekter Tag dafür: Am Dienstag zu viel konstruktives Bier, am Mittwoch auskuriert und einen Tag später, also heute, kommt der Katzenjammer. Und grauer als jetzt geht es selbst draussen kaum. Zumindest gefällt mir sowas, wenn es ein bisschen einheitlich grau ist, dann muss ich nicht so weit denken, wie es wohl wäre, wenn sich bei schönem Wetter andere Menschen des Lebens freuen und drauf los leben. Diese Art der unsicheren Konstellation ist gefährlich ermüdend und mündet in meiner Depression in eine gewisse Ausweglosigkeit. Denn ich fühle mich so allumfassend unfähig, bis ein kleiner Moment des Applauses oder sonstigen Zuspruches mir wieder weis machen möchte, dass alles möglich sei, bevor es wieder von vorn beginnt. Zusammengerechnet fühlen sich mehr als die Hälfte meiner Tage nicht so an, wie ich es bräuchte, um ihnen etwas abgewinnen zu können. Stattdessen versuche ich mir einzureden, dass es nicht schlimm ist, um Neun ins Bett zu gehen.

immer am Ende

Das wird am Ende wieder so eine Woche gewesen sein, in der vieles NICHT passiert ist, auch nicht der Verzicht auf Alkohol. Jener ist es, der mir das Ende eines wie auch immer gearteten Abend zum Desaster macht. Gestern also gabs Nachdenkers Open Mic Night, Abschied von Suzie Kristy Leis, die ich eigentlich überhaupt nicht richtig kannte, nur immer mal zwischendurch gesehen. Selbst Wein-Micha wusste mehr über sie zu erzählen als ich auch nur im Ansatz wissen konnte. Aber dem Aufruf John Batemans folgend gesellte ich mich zum Abschiedsfoto für sie auf die Bühne der vielen Leute. und gehörte dort garnicht hin. Wollte vielleicht aber Bestandteil sein? Egal. Es war laut und rauchig und voll, ich fühlte mich wie so oft nicht richtig dazugehörig, dazu verunsichert, stellte mir vor, ob ich wie Martin Rühmann jetzt einfach auch einzwei Songs spiele, konnte aber nicht, weil mir nichts einfiel. Und dabei wurde mir freundlich zugewunken und sich gefreut, ob ich auch wohl auch etwas spielen würde. Ich hab mich nach zwei Bieren davon geschlichen. Um im BN zu landen für weitere drei kleine. Alles noch irgendwie okay, bis dann die üblich böse Flasche Wein im Kühlschrank, die ja nur zu Dekorations- bzw. Testzwecken dort liegt, vollends zu leeren. Mit den üblichen Folgen. Morgens halb 12 aufstehen. Jetzt ist es viertel Zwei und der Tag so gut wie rum. Heute Abend Ben Racken im BN? Wirklich? Und ich gebe viel zu viel Geld aus. Jeden Tag im Vorbei mindestens 10-20 EUR. Womöglich will ich meine wirtschaftliche Talfahrt beschleunigen, damit ich endlich Handlungsbedarf habe. Ich habe die besten Voraussetzungen, verrückt zu werden.

weil er weder weiss noch will

Gestern bei Kubon Wohnzimmerkonzert mit JC & Angelina Grimshaw. Hab mich aufgerappelt, dort hin zu gehen. Das war wie immer nicht so leicht, mich irgendwie zu aktivieren. Er hatte mich im BN persönlich eingeladen und ich versuchte mich im "was kann schon passieren?" Das schwankende Schiff meiner Unsicherheit hat ja immer nasse Planken, auf denen ich mich ausrutschen sehe. Das aber sehe nur ich so, ich ganz allein. Aber es war gut und die Leute kannte ich zum großen Teil. Im zweiten Teil der Grimshaws verlor ich mich ein wenig in Gedanken über das Übliche, gedachte dem "Land & the Sea" (das ich in diesem Augenblick tatsächlich höre, weil Kubon mir eine CD schenkte) und dem ganzen Wust von einer bedrohlichen Ausweglosigkeit mitsamt der Gegenüberstellung von Menschen wie an diesem Abend, die allesamt irgendwas sind. Dann bin ich selbst meist gefühlt nichts und versuche mich über Wasser zu halten. (was bei Fremden dann wahrscheinlich überheblich wirkt). Bilder von Land und See hingen an der Wand und ich dachte an Kubon und seinen Weg. Dachte an Marcel, Kristina, Beetzi und so Leute ... trank zwei Bier und ging nach Hause, nicht ohne einen Abstecher ins BN zu machen, um dort drei Bier zu trinken. Nanu? Wollte ich nicht all das Gesaufe sein lassen und mich besinnen? Und heute am Mittwoch ein Bewerbungsgespräch bei der Kassenärztlichen Vereinigung als Pressesprecher durchziehen? Ich könnte es jetzt abtun als eine innerlich-automatische Gegenwehr, die mir zuhause sogar noch zwei kleine Whiskeys bescherte, nur um mich für heute bewerbungsunfähig zu machen, weil ich diesen Job im Grunde ja garnicht wollte. Auf der anderen Seite scheint ja alles, von dem ich nicht weiss, was oder ob ich es will, mit demselben Ausgang versehen zu werden. Jedenfalls bewerbe ich mich nachher nicht, gehe zum Training und kaufe mir danach bisschen Klamotten bei H&M. Oder irgendsowas. Meine Findungsphase dauert nun schon soviele Jahre und ich werd's wohl nicht fertig kriegen. Und wie so oft passiert es mir auch im nüchternen Zustand wie dem gestrigen Abend, dass ich mir vorstellen könnte, ohne Angst und Schmerz und Wissen darüber aufwachlos einzuschlafen, damit ich auch diese Entscheidung nicht mir überlassen muss.

The weeping weeks

Der Titel hat eher damit zu tun, dass ich gerade und wieder einmal aus 20 km Radsport komme und der letzte Titel Nick Caves Weeping Song war (13 von 16). Das heisst, ich war gut unterwegs. Und ich musste fahren, weil ich kein vernünftiges Wort für den Beitrag Müller-Marketing (Demograf) zusammenbrachte. Schreiben geht also auch nur noch schwer. War ja beim DATEs für Oktober nicht anders.. Radfahren also. Noch auf dem Weg von Alt-Olvenstedt ins Ungewisse fasste ich die kluge Entscheidung, mich rechts durch das rechte Gebiet nach Hause zu schlagen und nicht über die Herrenkrugbrücke und den Stadtpark zu fahren. Warum? Weil Südostwind für diesen letzten Teil der Reise äußerst unangenehm sind. 4 Grad kalter steifer Wind direkt von vorn. Und so  fühlte ich erneut, dass ich die Trainingsreife noch nicht habe und mich fürchterlich über diesen Wind aufrege. Das liegt ja nicht nur an der Trainingsreife, sondern derer im Gemüt. Gleichmut? Nö. Freude? Nö. Aussicht. Haltdiefresse. Derweil überfährt mich fast ein rüstiger Rentner und nimmt mir die Vorfahrt, ein anderer schert aus und es war bereits ein bisschen knapp; ein letzterer wusste sich mit rechts vor links nicht zu helfen und ... jedenfalls bin ich nun mit ausreichend Unmut, aber wenigstens schön fix & fertig hier und schreibe, bis ich runtergekühlt bin. Tobi und ich trinken kaum mehr als eine Flasche des Abends. Was erfreulich, aber nicht ganz schlüssig erklärt ist: Denn ich erhebe die Wochenenden mittlerweile fast zur Reha, um dem Alkohol zu entkommen. Immer ist was und wenn nicht, erkläre ich es mir anders, bleibe aber beim selben Ergebnis. Diese Unvernunft mit absolut klarer Konsequenz, diese Unfähigkeit, wenigstens vor dem Goo halt zu machen ... alles scheint zwecklos. Weeping Weeks. Und immer so weiter.

Die Antwort

Das Leben ist unüberschaubar, schlecht einschätzbar und nur individuell für sich anzunehmen oder abzulehnen. Es besteht aus eigenen und entsprechend bewertenden Ansichten und dem Rüstzeug in Körper, Geist und irgendwie sogar Seele (Emotion) als Handwerk fürs Umsetzen dessen, was vorher zum Gegenstand des eigenen Interesses erklärt wurde. Wo kein Interesse, da keine Entwicklung; ohne Entwicklung herrscht Stillstand; ohne Aussicht nur eine innere Ansicht, die sich stets wiederholen wird im mutlosen Dunstkreis der eng gesteckten Grenzen. Wer immer diese Grenzen geschaffen hat. "Wozu warten" fragte sich damals jemand, der sein Leben als erfüllt ansah und sich dem sinnlosen Alter ausgesetzt fühlte. Die selbe Frage ließe sich auch bei den Unerfüllten anwenden, insofern sie nach jahrelangem Mühen nicht den berühmten grünen Zweig zu fassen bekamen, der ihnen zum Leben gereicht. Dann schwindet nämlich sachte aber sicher auch dieses Interesse aufgrund von permanent erfahrener Aussichts- und Mutlosigkeit. Ich werde aller Voraussicht nach nicht verrückt werden, auch wenn alle Voraussetzungen (siehe oben) dafür erfüllt sind. Es gibt weder Rezept noch Handlungsanweisung, ebenso wenig wie Garantie oder künstliche und damit oft instabile  Verhaltensweisen. Es bleibt die reine Natur des Willens mitsamt der Einstellung zum Leben übrig; als Basis eines Seins, das nicht dauernd in Frage gestellt werden muss. Das war sehr gut geschrieben. Na dann.

authentisch betrunken

Dieser Beitrag ist frei aller Form. Denn ich bin betrunken nach dem Bluenote und tausender Biers nebst zweier Wodkas und versuche, es schnell und kurz zu beschreiben: Am Sonntag gabs für meine Mühen, meine Eltern aus Braunschweig abzuholen, 3 Flaschen köstlichen Müller-Thurgaus in jeweils 1-Liter Menge. Heute ist Dienstag und ich hab die dritte Flasche eben aufgemacht, nachdem ich aus dem BN kam und bereits ordentlich durch bin. Das Ganze ist Wahnsinn. Es ist ist der nahe Tod oder das Aufgeben jeglichen Lebensmutes in mir. Oooh, wie schlimm. Aber in echt: So geht das keinesfalls weiter. So gibt es keine Aussicht auf jedwelche Idee, mein Leben zu gestalten. "Morgen ist nichts" - juchhu. NICHTS ist der treffende Ausdruck: Kein Ziel, keine Idee, eine diffuse Form von ... ja man, screw you. Sowas hier aufzuschreiben, ist Blödsinn. Reflektiert garnix und liebt nicht. Weiss nix. Will nix. Kann nix. Du meine Fresse, das ist ... so wie immer. Tschüs. Nachtrag nächster "Morgen" um 11:00. Das ist unglaublich, mit welch einer Vehemenz und Aufrichtigkeit ich mich allabendlich zugrunde- bzw. hinrichte. Große Bitternis schwingt darin und es scheint eine nahezu ausweglose Situation zu sein. Suche ich nach einem noch tiefer liegenden Endpunkt, der mir erst mit einem Knalleffekt verdeutlichen muss, dass es JETZT an der Zeit ist, mich zu entscheiden, ob ich zum Leben oder dem Tod gehören möchte? Ich bin offensichtlich ausserordentlich entmutigt und freue mich über jeden Tag, den ich verloren und versoffen ohne Termine aussichtslos verschenken kann. Mit kürzeren Worten: (nee, dafür finde ich keine)

polemisches Schwarzlicht

Die Sicht auf das Leben, das Universum und den Rest will und kann nicht positiv und leicht sein, wenn es an der Wurzel übel wütet. Und ich begreife, wie ungestüm sich schwarze Meinung auf falsche Meinung stapeln lassen, wie sich Ansichten grob unprofessionell und rein aus dem Gefühl abgeleitet, generieren lassen, die alles und jeden in Frage stellen. Es gibt täglich so viele Nachrichten, Informationen und Meinungen um mich herum, dass sie schier unverarbeitbar erscheinen, wenn ich sie nicht sortiere und das Wesentliche, das für mich Interessante herauspolke. Vielleicht macht es Sinn, in Fällen größerer Abneigung gegenüber meines Zustandes alle Nachrichten und Informationen auszublenden und mich vergleichsbefreit und isoliert auf meine eigene Sicht auf mich zu beschränken, um nicht dem Wahn anheim zu fallen. Das Isolieren von Informationen hingegen ist leichter gesagt als getan, denn mit einem negativen Gesamtgefühl ist alles andere - so positiv dessen Grundabsichten auch sind - dem polemischen Dauerfeuer ausgesetzt. Um bei mir anzufangen reicht es bereits, mir den Newsfeed auf Facebook oder die WhatsApp Gruppe der Brandis Kur anzusehen: Auf der einen Seite hat jeder etwas zu sagen, jeder hat irgendeine Meinung und die tatsächliche Wahrheit scheint es ohnehin nicht zu geben. Dafür wird der Ton scharf. Und teilweise böse. Und ignorant. Und macht klar, dass es so etwas wie eine solidarische, demokratische Gemeinschaft niemals bzw. nur in knappen Auszügen geben kann, denen in regelmäßigen Abständen Kriege folgen. Der Rest ist Selbstdarstellung und eine merkwürdige Dummheit, die ich selbst nicht verstehe. Was es einfacher machen sollte, es aber nicht tut. Eine gedankliche Anpassung der Realität an das eigene Verständnis über die Vorstellung vom Sein? Und vieles wirkt so dümmlich dazu. Und ich bin im Ver- und Abgleichen im Verhältnis zu mir selbst besonders gut, um einen Standpunkt zu beziehen, eine Position zu finden. Und weil ich merke, wie wahnsinnig kompliziert und abhängig vom eigenen Zustand so etwas ist, versuche ich mich lieber von der Veröffentlichung meiner Meinung fern- bzw. abzuhalten. Ansonsten kann es nämlich passieren, dass ich den Beiträgen entgegenschrei(b)e, dass ihr allesamt doof und dem Untergang geweiht seid. Wobei ich wahrscheinlich mich selbst meine.

Probantproviant

Fast fühlt es sich an wie ein Tierversuch, bei dem ich der Probant bin, um herauszufinden, wie viel Alkohol gepaart mit grober Unfähigkeit / Unwissenheit in Bezug auf eigene Ziele und Absichten im Sinne einer Lebensplanung notwendig ist, um aus einer lebensgefährdenden Spirale eine todsichere Angelegenheit werden zu lassen. Der Proviant geht dabei nicht aus- im Gegenteil vermag ich es nun, unter ächzendem Hangover am frühen Abend vorsichtshalber etwas Wein zu kaufen. Weil ja keiner mehr da ist. Auch wenn ich den natürlich nicht trinke. Oder halt ... vielleicht doch. Ja. Doch. Wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas. Die Mechanismen sind beachtlich: Selbst nachdem ich meine Eltern nachts aus Braunschweig abgeholt hatte, damit sie schneller von ihrer langen Reise zuhause sind, gelangen mir noch 1,5 Flaschen Weisswein nachts um halb drei. Aber warum? Und es hat nichtmal sonderlich geschmeckt. Weil es sein MUSSTE? Au-ha! In den sich jeweils anschließenden Tagen fühle ich manchmal eine Art Ohnmacht auf mich zukommen. Panikähnlich. Das gabs doch schonmal: Das mich umgebende Niveau sinkt, ich fühle mich fast der Welt enthoben. Dazu gesellen sich Wortfindungsstörungen und eine große Schlappheit, gepaart mit nicht nur sozialer Verlustangst. Später versuche ich dem entgegenzuwirken bzw. eine Wiedergutmachung, indem ich Sport treibe. Verhältnismäßig viel sogar. Radfahren über 20 oder 40 Km, dazu Krafttraining. Demnächst wird Schwimmen dazu kommen. Was soll ich weiters schreiben - es ist weiterhin ganz und garnicht gut. Und ich weiss aus jahrelanger Erfahrung, dass ich den Alkohol nicht handhaben kann; ich müsste ihn wohl ganz absetzen. Dann wäre zumindest der Sport wieder sinnvoll. Sinn. Tja.

ganz kurz sehr schlecht

Es gibt solche Momente wie jetzt, die alles hoffnungs- / aussichts- / sinnlos erscheinen lassen. Ich weiß nichtmal genau warum,  ich bin (alkoholfrei) vom Weltschmerz geplagt und verspüre dazu eine große Ohnmacht gegenüber meiner Willenskraft, meiner Vorstellungskraft über mich und mein Leben. Ich muss irgendwas machen. Irgendwas. Planlos, haltlos und nicht die Spur einer Möglichkeit, die ich wie einen Strohhalm greifen könnte. Alles andere, alternative fühlt sich genau so null an. So eine unbarmherzige Leere ist in der Tat überhaupt nicht schön. Es fühlt sich so an: Ich mach' die 50 noch voll und setze mein Ultimatum: Wenn binnen dieser Tage ich nicht komm' um mich zu sehen, dann zahle ich das letzte Lösegeld. Derweil habe ich überlegt, ob eine Kategorisierung helfen könnte, die ewig selbe Litanei zu sortieren. Wie eine Art Abteilungsliste, in der ich über Kindheit, Eltern, Jugend, Sex, Alkohol, Schule, Studium, Homosexualität, Freunde, Selbständigkeit,  ... referieren kann. Was soll das bringen? Erkenntnisgewinn? Sortierung? Und wenn, wie gehe ich mit den massiv vorhandenen Schnittstellen um? Eins greift doch ins andere. Ach, es ist Freitag Mittag und ich werde trainieren, die FWA besuchen, um Geld zu machen und dann nach Reform fahren. Und dann sehe ich weiter.

Wimmerbys Alkoholkonsum

Ich schreibe, wie so oft, aus aktuellem Anlass. Die 6 Bier und dazugehörigen Zigaretten im BN bei bestem Husten waren inklusive der leicht labilen Stimmung des sich immer Wiederholenden offensichtlich nicht genug. Und so musste zuhause noch eine halbe Flasche Wein helfen. Gestern. Vorgestern. Vorvor ... Es wird (abgesehen von gelegentlichen Eskapaden) nicht unbedingt immer mehr, aber es wird immer öfter. Selbst das ist untertrieben, es gibt fast keine alkoholfreien Abende mehr. Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas. So. Den Grund kenne ich: Selbstzweifel und Antriebslosigkeit, interessenloses Dahinvegetieren, Warten auf den Knall, der mir Beine macht. Wie leben? Wie lieben? Was tun? Alkoholfreiheit ist die erste aller Basen, überhaupt irgendetwas anfangen zu können. Irgendetwas ist aber zu wenig, zu unklar, zu ziellos. So wird es zum Kreislauf. Und die Gefährdung lag in hohem Maße schon immer vor. Das kann ich zurückerinnern bis an die Anfänge bei der "Ecke", ebenso auf Partys und viele weitere Anlässe wie Arbeiterfestspiele 1986, die Abende mit Oli = Oje, die gerne auch die Grenze des Verträglichen übertraten. Das passierte noch selten. Aber Alkohol war immer Begleiter vieler Aktionen. In Berufsausbildung und Armee und Abi war alles noch im halbwegs normalen Maß, im Studium und mit den Bluesjackets wurde es dann deutlich mehr und öfter und wir waren fast immer fast volltrunken. Weitere Beispiele sind alle möglichen Barflys im Exlibris (wöchentlich!), oder in der Feuerwache, oder in Oberkossa und bei vielen weiteren, privaten Partys ... Dann und dazu kamen der Kulturserver und das Manifestationsmoment mit Bach (Dieterloo), bei dem wir jeden Dienstag heftigst soffen. Drei oder vier Jahre mindestens. Dann kam die weitere Selbständigkeit mit LKJ, Spiesser, Hörbücher ... und da war es schon sehr deutlich. Wie oft sind wir in die Redaktion nach Dresden gefahren und ich dachte, die Fahrt vollverkatert kaum bewältigen zu können. Und es gab so viele Situationen, bei denen ich mich so arg gebeutelt fühlte, dass ich jedes Mal eine Art Versprechen an mich versuchte, um es genau zwei Tage später wieder zu brechen. Im Puppentheater war es anfangs noch ganz gut, allerdings stieg mit meiner eigenen wachsenden Unzufriedenheit dort auch wieder der Alkoholkonsum. Und das fühlte sich nächsten Tags sehr grenzwertig an. Mittlerweile befürchte ich, dass mein Körper immer weniger in der Lage sein wird, solche Frevel abzufangen und es mir Tags darauf so schlecht werden kann, dass ich kollabiere und mir eine Fettleber mit Hypertonie samt handfestem Krebs des Pankreas ins Haus steht. Dieses "schlecht" steht dazu in eindeutiger Verbindung zu meiner Psyche. Körper & Geist melden sich ab. Und damit ich mich im Ganzen auch. Schön, das mal aufgeschrieben zu haben, denn es ist deutlich zu erkennen, wie so ein Kreislauf seine Schlingen enger zu ziehen weiss. Und ich erinnere mich immer und immer wieder an Stübing, dem es nur mit großer Anstrengung und vor allem mit Hilfe von Freunden gelang, sich vollständig wieder aufzurichten und seinen 40. bereits stocknüchtern beging. Und es schürt die Angst vor all dem Zukünftigen: Wenn ich nun also eine halbe Selbständigkeit angehe oder mich ganz anstellen lasse ... es ist alles im Grunde Wurscht, wenn ich nicht einen Sinn finde, das mich das ganze Saufen sein lassen lässt und ich wieder Freude und Lampenfieber und Liebe und Neugier und Mut (...) als Mittelpunkt meines Lebens begreife. Irgendwann ist das Geld zu Ende, viellicht wohne ich dann bei Tobi, vielleicht wird alles ganz anderes. Dann muss etwas passieren bzw. ich etwas tun. Etwas. Es wäre nur gut, JETZT etwas was zu finden, was mich mit dem Leben versöhnt. Ach ja, kluge Sprüche. Ansonsten muss ich es wohl mit Oscar Wilde halten: "Die meisten Menschen existieren bloß, sonst nichts."

Trilemma

Da ich nicht unbedingt mit deutlicher Meinung und klarem Willen ausgestattet bin, ziehe ich gern den Rat Anderer hinzu, um mir aus dieser Melange eine Erklärung zu machen. Ich vertraue Anderen oft mehr als mir. Das Thema, worauf es sich bezieht, ist seit Monaten ein Trilemma und das Selbe: Was will ich denn nun? PRO <-> CONTRA Einen möglicherweise festen Arbeitsplatz mit festen Zeiten und sicherem wie "erfreulichem" Gehalt? Oder die halbe Stelle in der Agentur mit leichter Geldnot der anderen Hälfte wegen, die ich aber mit freien Aufträgen kompensieren kann? Kann ich das? Der dritte Teil dieses Trilemmas bezieht sich auf die weitläufige Unklarheit und Selbsteinschätzung meines Lebens, die solche typischen Fragen wir die hier Aufgeführten nur Teil eines Großen Ganzen Dilemmas sein lassen. Ich habe sehr oft nur sehr wenige oder blasse Erinnerungen an meine bisherigen Entscheidungsverfahren und -/kriterien, die zu einem Entschluss führten. Warum habe ich denn damals im PT angefangen? Ah- weil man mich mochte und wolllte. Und weil es endlich! monatliche, gesicherte Bezüge gab. Aha. Bis es dann erst merkwürdig, dann komisch, dann schlimmer und letzten Endes Schluss war. Also vorher doof, mittendrin doof und jetzt doof. Alles doof. Ebenso schwachblasse Erinnerungen an Erfolge, an Erlebtes, an Gefühltes wollen mich entweder vor irgendetwas beschützen, mich ärgern oder mich zurückhalten, damit ich nicht genial werde. Als "Emotionale Demenz" hatte ich das mal bezeichnet. Alles mischt sich unter einen diffusen Nebel voller wabernden Kombinationen aus Erinnerung und Gefühl und oft sind es die Anderen, die mich letztlich auf meine Tatsachen hinweisen, die ich selbst hätte wissen müssen. Und so sind es auch die Anderen, die mir bei dieser Entscheidung raten, die halbe Stelle anzunehmen, da sie geradezu optimal für mich ist. Was ist denn optimal? Jedenfalls nicht diese Schwebe, in welcher ich den Boden unter meinen Füßen schmerzlich vermisse. Ich weiss nicht, ob meine Lethargie erst im PT in meiner wachsenden Unzufriedenheit entstanden ist, oder ob sie schon immer latent auf mich lauerte? Mit diesem ständig proportional wachsenden Unmut eines von Erfahrungen und Sichtweisen geräderten Gefühls vermindert sich die Qualität der Aussicht auf das Modell namens "Leben", dessen wahrem Gehalt und der Konstellation Realität versus Ich versus Zukunft. Das ist alles so schön und halbschlau geschrieben; ich blende mit Worten und mache die Mäuse zu Elefanten und diese  dann zu rosa Elefanten und der Weg des geringsten Widerstandes führt geradewegs ins Nichts.

Deejay Dörians Selbstbildnis I

Es ist an der Zeit, der Lethargie zu entkommen. Es bedarf deutlicherer Gedanken, die weiterführen und bestenfalls bis zu einem Entschluss  samt Aktion denken. Die Reanimation gesunden Gefühls und Logik muss sich verschärfen. Mein  selbstzerstörerisches Sein & Tun muss (wie immer) aufhören. Es fühlt sich erfahrungsgemäß mit einer unverkaterten Sicht auf die Dinge so viel besser an, auch wenn meine ungeordnete, ziellose Basis den größten Risikofaktor darstellt. Mich mit Mandy darüber zu unterhalten, ist immer etwas unbequem und durchsetzt von meiner Skepsis über ihre gesteigerten Ambitionen der Mensch-Welten-Selber-Rettung. Aber im Nachhinein hat sie auch die Gabe der Langzeit-Beobachtung und vor allem Erinnerung an und über mich. Und das gibt mir Gelegenheit zum Innehalten, wenn sie darüber spricht, auf welch sicherem Terrain ich mich vorsichtshalber und lieber aufhalte, als "draußen" auf meine Fähigkeiten zu vertrauen. Denn ich glaube tatsächlich, dass ich oft Blendwerk betreibe und die mich kennenden Leute in der Vermutung lasse, dass ich reich ausgestattet mit Intelligenz, Esprit und Schönheit bin. Und womöglich stimmt das ja auch; es fühlt sich nur für mich sehr oft nicht so an, wenn ich enorm verunsichert Rückzugsambitionen bzw. Fluchtgedanken hege. Und das hat es sehr oft gegeben. Meine Verunsicherung führte in einigen Fällen gegenüber mir weniger bekannten Leuten auch zu einer üblen Überheblichkeit aus purer Angst. Deshalb ziehe ich wahrscheinlich auch die "einfachen" Situationen mit entsprechenden Leuten bspw. im Bluenote vor: das strengt nicht an, das ist sogar oft sehr simpel und nicht unbedingt produktiv oder aufbauend. Und es macht betrunken. Anschließend gebe ich mir zuhause gern den obligatorischen Wein-Rest und der Kreis schliesst sich. Und das seit vielen, vielen, vielen Jahren schon. Ronald meinte damals Ähnliches, wenn er mit Mandy über mich sprach und meinte, dass ich aus meinem Schneckenhaus einfach nicht rauskäme und meine Fähigkeiten weit unter meinen Möglichkeiten verkümmern lasse und mich statt in der inspirierenden Welt lieber im halbwegs sicheren Magdeburg in einer schwachen Sonne gehen lasse. (Das hat's jetzt aber sehr genau auf den Punkt getroffen!) Und diese Angst vor Neuem, Anderen, Eigenem spüre, ahne und vermute ich sehr wohl und immer mehr. Sprachschwierigkeiten, Interessen- und Ziellosigkeit sind die Folge. Verwirrung, weitere Antriebs- und Ideenlosigkeit, kein Lampenfieber vor möglichen neuen Taten. Und im besonderen Fall des JETZT geht es darum, was ich mit meinem Leben also nun vor habe. Festanstellung irgendwo mit irgendwas? Sicherheit? (ganz großes Thema!) Diese Lethargie entwickelte sich schon früh, es ging ja bereits damit los, dass ich lieber im Puppentheater eine feste Stelle anfing, als mit meiner Musik loszuziehen (die Gespräche mit Ronald finden sich hier garantiert auch irgendwo um 2011). Und es wurde schlimmer. Ich vermute, irgendwann nach der Olsenbande 2012. Einem kleinen Aufschwung danach folgte noch weiter danach ein um so größerer Abstieg in vermutlich 2016. Und dabei hab ich noch großes Glück gehabt und konnte meine Zustände wahrscheinlich gut überspielen, während ich pausenlos an den Tod dachte. Freiheit versus Sicherheit. Aber wenn ich mit der Freiheit nichts anfangen kann, nehme ich den einfachen Weg der Sicherheit. Wahrscheinlich wie so Viele. Der noch unzufriedener macht und nebenbei dann auch diese Sicherheit in Frage stellt.

emotionale Demenz

Der September bluest mich vor sich hin, meinem rechten Arm geht es sehr sachte, aber immerhin immer besser. Ich habe quasi den gesamten August wegen dieses blöden, besoffenen Umfalles in den Sand gesetzt. Und wie so oft in vielen meiner Ansichten mich und das Leben betreffend, fühle ich eine emotionale Demenz. Neues Wort. Dass ich nicht an Erfahrungen von früher zurückgreifen kann. Vielleicht aus Angst, dabei schlechte Erfahrungen wiederzutreffen. Oder ich bin tatsächlich so oberflächlich, dass ich vieles erst mehrmals durchleben muss, um es zu begreifen. Heute waren es un ich (und Überich?) wieder ziemlich dämlich in meinen Versuchen von Entscheidungen. Es war vorerst nur ein Friseurbesuch. Das klappte noch. Dann die Entscheidung, ob ich mit dem Rad zum Hassel fahre, Geld hole und auf dem Rückweg einen Döner hole, auf den ich Appetit hatte. Und ob ich also jetzt / nachher ins Bluenote zu einer Band namens Lowry gehen sollte oder nicht. All diese Entscheidungen wogen sehr schwer und ich kann es nur einem Umstand zuschreiben: Die Uniklinik lädt mich für morgen zu einem Vorstellungsgespräch für eine Stellenausschreibung, auf die ich mich irgendwann August beworben hatte. Huch! Wieso Huch? Naja, hier erklärt sich mein Dilemma: ich weiss immer noch nicht genau, warum ich mich auf diese Stelle beworben habe. Pro forma. Mit der FWA habe ich soweit alles ganz gut im Rettungsgriff: 10 Stunden ab November und 20 ab Januar. Wieso also dennoch diese Bewerbung? Naja, vielleicht pro forma und aus der diffusen Ansicht, wenigstens 'irgendwas anderes' probieren zu müssen. Aber betreffs einer solchen Einladung hatte ich die ganze Zeit Bedenken, weil sich die Frage stellte, was ich denn nun eigentlich tun möchte? Festanstellung Uniklinik? Halbe Stelle und halbe Selbständigkeit FWA? Auswandern? Ableben? Das ist insgesamt ein ziemlich dämliches Konstrukt. Aber ich werde versuchen, dort morgen so aufgeschlossen und unvoreingenommen wie möglich aufzutreten, auch wenn ich nichtmal genau weiss, ob und was ich da will. Merkwürdige Voraussetzungen für ein Vorstellungsgespräch, die sicherlich auch mit einer gewissen Angst vor Ablehnung (was durchaus passieren kann und eigentlich auch muss - denn so eine Unsicherheit / Unklarheit riecht doch meilenweit gegen den Wind) zusammenhängt. Und so also transportiert sich meine allgemeine Unklarheit bis in die kleinsten Entscheidungsebenen, ob ich mir einen Döner kaufe oder nicht. Wahnsinn. Ok, bei Friseur und Hassel und Döner war ich, das Bluenote werde ich sausen lassen. Weil ich für 12 Euro Eintritt bei einer Musik, die ich nicht kenne (naja! schwaches Argument) garantiert zuviel Bier trinke und mich morgen sehr darüber ärgern werde (starkes Argument) Noch was: Ich bin nicht auf dem Weg. Ich bin nicht unterwegs. Ich fühle mich nur so nebenher und selbstisoliert. Ich habe auch keine Freunde, wie sie in meiner Vorstellung nur vage existieren. Das ganze Dasein scheint mir durchsetzt mit unklaren Vorstellungen über mein mich immer wieder verunsicherndes Leben.

Morgengedicht ohne Reim

Diese unglaubliche, schwer vorstellbare, kompliziert nachvollziehbare Panik vor den Anforderungen des Lebens, mit den Barrikaden in Kopf und Herz, mit einer Aussichtslosigkeit, Hilflosigkeit und Unvorstellbarkeit ... alles Dinge, die vielleicht dazu da sind, mich zu Entscheidungen zu drängen. Oder gar gänzlich zu entmutigen. Vielleicht komme ich so ja aus dem Kommastellenbereich zu den Ganzzahlen Eins oder Null und damit raus aus dem dazwischen wabernden Graubereich. Das wär gut.

zwei ganze Jahre

Jetzt gehts an's Rechnen: ich hatte nach Abgabe meiner Nichtverlängerung bis heute quasi zwei Jahre Zeit, mich zu besinnen, zu finden, mich herauszufordern und die Frage zu stellen, wonach mir Sinn und Leben stehen. Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit brauste diese eigentlich lange Zeit mit Nichts im Gepäck vorbei und nun stehe ich gewissermaßen vor einem handfesten Dilemma. Und dieses Dilemma ergibt sich zum einen aus der Tatsache, dass ich offensichtlich nichts mit mir anzufangen weiss und ich daraus folgernd auch sehr müßig war und zum anderen, dass die leichte Sparhaltung, mit knapp 1.400 im Monat auskommen zu müssen, jetzt ins brutale Gegenteil umschlägt: Es fehlen nicht nur die 1.400, sondern ich muss bspw. die Kranken- und Pflegeversicherung jetzt selbst zahlen. Alles andere um mich herum wie Parkplatz, Strom ... wird automatisch teurer und es es zeichnet sich deutlich eine Richtung ab, bei der der so genannte Arsch sich dem Grundeis nähert. Sei's drum, ich kann es nur als Initialzündung nehmen, trotz alle Panik, wieder "irgendwas" zu machen. Wegen des Geldes und des Weiterlebens willen. Will ich denn? Viele Zeit, es herauszufinden, bleibt jetzt nicht mehr. Obwohl, ich kann immerhin noch meine gesamte Kohle alle und mich damit blank machen. Damit wären sogar zwei (!) weitere Jahre drin. Zwei ganze Jahre. Und die nächsten zwei werden sich wie zwei Monate anfühlen. Und immer so kürzer ...

Immerhin

... immerhin weiss ich jetzt, wie das bei den Unzufriedenen funktioniert. Nämlich genau wie bei mir. Der Supermarkt ist zu laut, die Werbung ist schwachsinnig, die anderen Autofahrer sollte man verbieten, die Zeit ist zu knapp und man hat sich nicht in der Beherrschung ... und keine Chance der Welt gibt es, die es ihnen recht machen kann. Weil die eigene Unzufriedenheit es niemals zulassen kann. Und wird. Das war jetzt sehr schlau von mir herausgefunden, gell? Ich schreibe hier redundant dahin, weil ich ja Zeit habe. Und einen Mini-Klick gab es. Gestern im Bett habe ich überlegt, warum mein ALG wegen Krankheit verlängert werden soll. Und heute weiss ich: wird es auch nicht. Und damit bin ich ab Sonntag ohne jedes Einkommen. DAS gab mir unerfindlicherweise einen kleinen Knacks und ich fühlte mich fast und kurz bereit, mich jetzt aufzurappeln und etwas zu tun. Denn (siehe oben) geht es nur durch mich selbst und andererseits scheine ich hier eine leichte Bedrohlichkeit zu sehen, die ich vorher mittels möglicher 20 weiterer bezahlter Tage noch hinausgeschoben hätte. Bedarf es also immer eines Kowalski, der meine Motivation weckt? Und sollte der schnöde Mammon dieser Kowalski jetzt sein? Naja. Aber immerhin ist da ein Lebenszeichen von ganz tief, um kurz an der Oberfläche zu kratzen. P.S. Ich habe heimlich überschlagen, wie ein Geschäft mit den Magdeburger Domsagen wohl laufen könnte. Aha?

Aufbruch, Aufgabe, Aufschub

Hier liegen sie um mich verstreut- all jene losen Dinge, Kisten mit Archiven, Taschen voller Fototechnik, lange wartende Projekte, Lernziele, Bücher, Spiele, Filme und weitere solche Möglichkeiten, über die ich mir immer sagte, sie endlich zu realisieren, wenn ich ebenso endlich die Zeit dazu haben sollte. Bisher lag die "Schuld" bei den anderen, die mir meine Zeit vorenthielten. Was für ein teilbewusster Unfug. Nun ist das zu erwartende Ergebnis nicht verwunderlich und alles liegt also noch immer so rum. Genau wie ich, der ich tatsächlich nichts zu tun habe. Aber hätte. Aber nicht kann. Oder will? Ich weiss es nicht, wo kein Interesse, da kein Ziel. Dort wo keine Leidenschaft, da kein Ergebnis, keine Erfahrung. "Jetzt gut aufpassen" bleibt der Slogan, um nicht nach hinten wegzufallen. Ich bin wehleidig. Der Arm macht heute (über 3 Wochen nach dem Sturz!) wieder Sperenzien und lässt mich nicht richtig schlafen. Das ganze Leben mit s/meinem Tun und Tun müssen fühlt sich noch immer so "schwer" an. Ebenso schwer zu beschreiben, was da los war und ist. Das kann ja nicht eben erst entstanden sein. Im Vergleich zu vielen anderen bin ich offensichtlich immer den Weg des geringsten Aufwandes gegangen. (Hier muss ich eine Lanze für Frank B. brechen, der mir einmal seine Beobachtung über mich  schrieb und so ziemlich das Selbe meint.) "Heute ist nichts" erfreute mich immer am meisten. Um gleichzeitig damit unzufrieden zu sein, dass nichts passiert. Weil nicht das Richtige passiert? Oder mir der Glaube daran fehlt? Ein Paradoxum besten Beispiels. Eine fette und lang bestehende Erschöpfung. Aber wovon? Vom vielen Leben? Luft holen? Von den Dingen, die ich nicht hinkriege und dem gleichzeitigen Unwillen, mich anderen Dingen zu widmen, die in meiner Wahrnehmung längst nicht jenen Stellenwert haben wie die, die ich nicht hingekriegt habe? Es gibt einen Stellenwert in meinem Leben? ... wenn der Geist hadert und ich mich emotional und in meiner Selbstwahrnehmung nicht in der Lage sehe, das Leben anzunehmen, wie es ist, dann wird sich nichts ändern. Auch nicht mit Hilfe eines tiefen 48-Stunden Schlafes, der mich leeren, reinigen und bereit machen soll fürs neue frische Leben. Macht er nicht. Ich benötige einen Kopfschuss. Und einen Herzschlag. Einen wahrlichen. Das alles hier in der Zehnsucht ordnet und erklärt mir keiner, oder? Vielleicht ist das alles aber auch ziemlich einfach und lässt sich in ein paar Keywords oder Hashtags zusammenfassen, die meiner (und anderer) Aufmerksamkeit bedürfen.

🔒 Nur für Claude | Zehnsucht seit 1995 | 2010