Heute Buchmesse Leipzig. Dieses Gefühl heute ist eines zum Merken. Denn es war rundum gut, gelungen, gelöst. Gefreut habe ich mich über unsere Musik, das Publikum, die Leute vom Magdeburger Stand ... und die anschließenden Schlendereien über die Buchmesse waren ebenso beruhigt und ich hatte die ganze Zeit über ein schönes Empfinden.
So. Das geht also.
puppenversehrt
Gestern haben sich Mimo, Ingo + Annette und Anke samt mir bei Ingo getroffen. Für ein Puppenversehrtentreffen. Bis nach halb eins gabs zu erzählen vom üblichen Puppensalat, über Neuigkeiten bis hin zu allem möglichen Geplänkel. Aber weisste was: Es hat mir sehr gut getan. Ich bin plötzlich nicht mehr ganz so puppenverstört. Weil ich Gleichgesinnte getroffen habe und wir den ganzen Mist der vergangenen Jahre "wegreden" konnten. Sowas ist sehr hilfreich. Ingo hat man jetzt dort wohl auch bereits aufgegeben und ihm so unpersönlich wie möglich seinen Schlüssel abverlangt und Anke die Inspizientenstelle angeboten. Soweit zu den NEWS. Das Vergangene kann ich mittels solcher Abende viel besser verarbeiten, verkraften und zumindest für den Moment weiter wegstellen. Und im Englisch-Unterricht rede ich ja auch immer wieder darüber. Über mich, das Puppenzeug, die Zukunft. Insbesondere mit David Edgington geht sowas ziemlich gut.
Morgen spielen Jörg und ich auf der Buchmesse, Sonntag mach' ich einen Canapé Brunch mit der Familie. Und dann guck ich mal, ob ich mich im Wirtschaftsministerrium bewerbe. Ach Scheiss ... ich mach's einfach. Und dann sehen wir weiter.
Bis dahin hoffe ich mein Englisch auf die Reihe zu kriegen und habe am Dienstag ein Gespräch dazu. Das Berlitz-Büro erzählt von hoher Meinung seitens der Lehrer über mich, ich hingegen bin mir überhaupt nicht schlüssig. Aber wenn ich die letzten drei Wochen ernsthaft dranbleibe und endlich anfange, mein Hörverständnis zu schulen, klappts ja vielleicht mit dem TOEIC Test.
Und dann - sagt die bei der Arbeitsagentur arbeitende Annette - kann ich ja versuchen, ein 'Auslandssemester' anzufragen und ich spinne vor mich hin, ein paar Wochen in NYC verbringen zu wollen - für ein Praktikum beim DAAD oder so ...
P.S. Mein schlimmsten Eskapaden in Sachen Leben entstehen nachweislich durch meine unendlichen Reflektionen, sprunghaften Denkweisen ohne Handlung und damit ohne Ergebnisse samt meinem brach liegenden Selbstbewusstsein. Dazu scheinen irgendwelche Ängste zu gehören. Dass es sich manchmal zwischendurch kurz hell und besser anfühlt (so wie 'irgendwie' jetzt) , bleibt mein Grund, am Leben festzuhalten.
49
Nun ist es also gleich und wiedermal soweit: Geburtstag. Und noch'n Jahr. Kein Gedicht. Mein einziges Geschenk an mich selbst ist die sachte zurückkehrende Traurigkeit, insbesondere angesichts eines weiteren, jetzt anstehenden Geburtstages. Und wieder kann ich mich nicht erinnern, jemals großartig froh darüber gewesen zu sein. Vielleicht im Kindesalter. Der Geschenke wegen. Später wurde es schwieriger, aber ich kann es nicht genau in Erinnerung bringen.
Die Rückkehr der Traurigkeit würde immerhin bedeuten, dass mir am Leben liegt. Aber was? Nun, sei's drum, wir sind morgen Nachmittag bei meinen Eltern und damit bleibt es bei einer gewissen Normalität.
Englisch wird immer schwieriger (C1-2) und der einzige Weg ist das bedingungslose Trainieren. So wie die Wiederaufnahme meines Kiesertrainings gestern. Ansonsten scheint weiterhin alles Leben eine gewisse Last an mich heranzutragen. Oder ich kann's nicht verorten, erklären oder zumindest einstecken und einfach weitergehen. Der Rest ist ein relativ großer Haufen Bullshit und die vage Aussicht auf die jubilierende 50 im nächsten Jahr macht mich nicht sonderlich froh.
Und alles wird sich wieder wenden, wenn denn, ja wenn wieder ein selbst entzündetes Licht mich herausreisst aus meiner Lethargie. Bis zum nächsten großen Misthaufen des Selbstzweifels. Und. So. Weiter. Echt?
Quick notes und Aufbruch
... getippt in mein Handy während eines Ausfluges anlässlich 50 Jahre Bärbel & Uwe. Am Vorabend war ich vorsorglich sogar sehr alkoholarm, um es genießen zu können. Dennoch lähmte mich jener müde Sonntag am 10. März, aus dem heraus ich solche Quicknotes auf meinem Telefon verfasste:
"Aufmerksamkeit. Aufwändig. Desillusioniert. Müde. Unbestimmt. Lost. Stimmungsneutral. Langsam. Taub. Offmode. Aussichtslos. Einsichtsslos. Egal. Nichtegal. Satt. Alt. Dick. Ängstlich"
Da kommt und passt vieles zusammen. Meine Zwischen-Hochs wollen mir immer mal wieder im kleinen Ansatz weismachen, dass es aus Erfahrung möglich ist, mein Leben in den Griff zu bekommen. Diese Zwischen-Hochs resultieren natürlich aus meinem Verhalten und dem, was ich endlich und mühsam anpacke. Gleich nach so einem Start fühlt es sich merklich besser an, aber nur um kurz darauf wieder abzusacken und alles in Frage zu stellen. Eine endlose Litanei.
Der Tag heute begann erneut äußerst missmutig und müde. Kaum aufnahmefähig und mit dem weiter währenden Gefühl irgendeinen Verlustes. Dem Verlust des schönen Lebens beispielsweise. Es strengt mich so sehr an. Erklären könnte sich das aus dem Samstag Abend, den ich mit zwei Flaschen Wein beging, um den Sonntag mitsamt all seinen Möglichkeiten wieder im Dunst verschwinden zu lasse. Dabei lagen Englisch, ACT, OvG, Jeskom (...) griffbereit parat. Manchmal glaube ich, dass ich mir solche Dinge absichtlich zufüge, damit aus den genannten Konstrukten nichts werden kann. Weil ich Angst vor dem Anfangen habe. Bzw. noch mehr Angst, dass ich es dann auch durchziehen muss, weil ein Beginn und dessen Weiterführung mit erfolgreichem Ergebnis / Abschluss verbunden und mir das auch ziemlich klar sein sollte. Jedes Aufgeben, jeder Misserfolg machen mir noch mehr Unmut und schürt die Angst vor neuerlichem Beginn. Also lieber nicht anfangen? Hier beissen sich alle Katzen in die Schwänze und es sind so viele unsinnige Worte und Erklärungen und Deutungen und (...) in meinem Kopf und machen mich sehr mürbe. Und müde. Und noch missmutiger, etwas zu beginnen.
Warum kann ich eigentlich nicht mit Tobi darüber reden? Weil er solche "Allüren" (naja...) nicht kennt und sich wohl eher darüber wundert. Stattdessen fallen ihm prägnante und sehr logische Erklärungen ein wie: "Fast 50 Jahre und die meiste Zeit gesoffen." und bringt es damit ja auch auf den wesentlichen Punkt. Ich komme mir sehr kompliziert vor und traue mir weiterhin nichts zu.
Dabei habe ich die merkwürdig leichte Zwischenprüfung beim Englisch (Berlitz) am vergangenen Freitag mit 34 von 40 Punkten in der Hälfte der Zeit geschafft. Nanu? Mutmacherprüfung? Das war wirklich zu leicht. Und der TOEIC steht noch bevor und das neue Student Book Level C1/2 hat es sehr in sich. Aus einer Phase halbfrohen Mutes beginne ich jetzt solche waghalsigen Ideen wie Bertold für das OvG Projekt zu kontaktieren, damit ich mich endlich "binde" und es damit anfangen "muss". Am Samstag hab ich mich bei Tobi in die Kraftmaschine gehängt um zu sehen, ob ich es vertrage. Heute war ich erstmals wieder beim Kieser Training (nach über 330 Tagen!). Am Samstag sind wir auf der Buchmesse (Jörgeskom) und ich hoffe auf meine freie fließende Wortwahl beim Erzählen intelligenter wie auch schöner Dinge. Parallel dazu war ich bei Paganini, die mir eine Moderation für irgendwelche Bauhaus-Tage im Mai anbieten und ich bin geneigt, mitzumachen.
Und nun sitze ich hier und male mir die Gefahren aus, die sich aus meiner heiteren Attitüde verbindlich darstellen werden: Dann "muss" ich ran und all diese Dinge machen. Ich habe bereits solche Dinge böse versiegen lassen, wie die Möglichkeit, einen MDR Beitrag zu machen (Sandra Meyer Gespräch über die Dehnungsfuge), damit auch Torsten Sowada hängen lassen. Ich habe mich bei Freya Paschen (Kulturgutverluste) nicht mehr gemeldet und, etwas dämlicher noch: Kerstin Kinszorras Geburtstag geschwänzt und auch kein neues Mittagessen anberaumt. Auch mit Katrin Gellrich wollte ich mich längst schon getroffen haben. Das alles stellt mich in den Augen jener und anderer ganz sicher als sehr unzuverlässig dar. Kein gutes Bild. Allerdings bin ich leider auch nicht motiviert.
Und damit haben wir's auf den Punkt gebracht: Motivation. Hypnose bei Suse? Hmmm ... Oder einen Psychotherapeuten aufsuchen? Es handelt sich um eine unendliche Aufschieberei all jener Dinge, die möglich, nötig oder zumindest einen Versuch wert sind. Aus Angst. Wovor? Aus Antriebslosigkeit? Aus der Idee heraus, keine Idee zu haben.
Mannmannmann ...
Beklemmende Englisch-Erkenntnis
Tobi schafft es immer wieder, mit verblüffend einfacher Logik ein paar Dinge klarzustellen. Wie an diesem Sonntag, als ich ihm von meinen Komplikationen beim Business English erzählte: Es ist anstrengend, so viel zuzuhören und alles zu verstehen oder die mir gestellten Aufgaben überhaupt zu begreifen; manchmal habe ich 4 Sessions á 90 Minuten mit 15 Minuten Pause und mich erschleicht dabei das Gefühl, dem Ganzen nicht gewachsen und möglicherweise zu hoch eingestuft worden zu sein. Hinzu kommt komischerweise, dass ich in der Basis offensichtlich ganz gut gerüstet bin, und wenn so vor mich hin plaudere, sind meine Lehrer der Meinung, dass sowohl mein Grammar wie auch Wortschatz und meine Aussprache ziemlich gut sind, woraufhin sie natürlich ebenso agieren bzw. mit mir sprechen. Das überfordert mich und strengt mich sehr an. (Okay, ich bleibe trotzdem dran: denn es ist in diesem meinem Zustand immerhin eine feine und von anderen sehr gut bezahlte Möglichkeit, mir wenigstens die Idee eines Aufbruchs anheim zu stellen.)
Und nun zu Tobi: "Du darfst nicht vergessen, dass du fast 50 bist und dazu eine Menge Zeit deines Lebens damit verbracht hast, Alkohol in dich reinzutun." (oder so ähnlich). Tja, und mehr kann ich dazu nicht schreiben. Es passt perfekt. Und dieser Gedanke ist nicht neu. Muss ich mal zurückblättern und die Stelle finden, an der es damals darum ging, dass ich aufgrund von Alkohol und peinlicher Schwerhörigkeit sehr vieles verpasst und einen phantastisch großen Teil meines Wortschatzes und Wissens und Interesses (im Deutschen!) eingebüßt habe. Tadaaaa.
Erwartungslast und halbe Anläufe
"Ich will mich jetzt bessern", so lautete immer mein letzter Satz bei nahezu jeder der von mir ungeliebten Aussprachen innerhalb unserer kleinen Familie. Dem voraus gingen immer irgendwelche Querelen, die ich offensichtlich irgendwie absichtlich oder aus Dummheit verzapfte und die nun auf den Tisch kamen, um sie mit Kraft (und Macht) zu klären. Anschließend war die Erleichterung bei mir groß. Allerdings nur, weil dieses Gespräch endlich vorbei war. Und noch anschließender versuchte ich einen Prozess der neuen Herangehensweise in mir erwachen zu lassen: Jetzt werde ich mich bessern. Ich hab's ja versprochen. Und ich fange gleich damit an. Damit ich nich wieder zur Enttäuschung werde.
So also könnte sich das System und Dogma der Erwartungshaltungen anderer an mir festgesaugt haben, mit denen im Gepäck ich also durch das Leben zu schippern versuchte. Denke ich mir jedenfalls so. Denn wie ist es anders zu erklären, dass ich mich ständig unter Beobachtung wähne und mein Verhalten so ausrichte, als wäre es jederzeit durch andere einsehbar? Und dann dazu das Gegenteil, das sich in extreme Aktionen türmt, die bereits als Kind begannen: Nackt über die Insel, nackt um Hort aus der Toilette über die Flure. Oder hat das wiederum andere Hintergründe?
Dann vielleicht so hier: Ein stärkeres Selbstbewusstsein zu entwickeln war mir schwer möglich, weil es immer Auflagen von anderer Seite gab. Diese Auflagen waren nie meine, mir aber auferlegt. Mit dem Resultat, es ab jetzt besser zu machen. Vielleicht weil sich bestimmte Verhaltensweisen so gehörten und alle das so machen und nur ich immer aus der Reihe tanze. So also blieb ich unter ständiger Beobachtung meiner selbst, generiert aus der wahrscheinlichen Sicht der Anderen.
Was ich eigentlich hier verfassen wollte, hat mit einer gewissen Last zu tun, die ich nicht erklären kann. Es kommen mir weiterhin keine Ideen und Anläufe betreffs Zukunft in den Sinn (vielleicht weil ich sie gleich zu groß und langfristig anlegen will?). Und die kleinen Projekte (die durchaus das zeug zur Größe haben), lungern auf Tischen unberührt herum. What about JESKOM? Oder den Domsagen? Oder des OvG-Hörbuches? Moderator traue ich mir nicht zu, weil ich keine vernünftigen Worte mehr finde. Und das schon seit schleichend längerer Zeit. So zwei bis drei Jahre bestimmt. Das hat auch viel mit Alkohol und Hörverlust zu tun. Dazu gesellen sich soziale Unsicherheit und eine gewisse Menschenscheue die womöglich ebenso aus diesem Selbstwertniveau herrühren. Das Ganze scheint derzeit in das Business English zu kulminieren: Ich glaube, so gut wie nichts zu kapieren oder überhaupt nur inhaltlich zu verstehen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich doof bin (jedenfalls nicht so sehr), sondern eher mit meiner Konzentrationsfähigkeit, meinem Aufnahme- und Umsetzungsvermögen. Ich verstehe manche Worte und Sätze überhaupt nicht, trotz der Hörgeräte. Bei langsamer Wiederholung oder per Audioscript ist fast alles klar und logisch. Und dennoch nicke ich in den Konversationen immer so höflich, als hätte ich jeden Satz bzw. alles verstanden. Da sollte ich mal ein bisschen realer getten.
und. überhaupt.
... und noch'n März
Immer weiter, was sollst ... so oder ähnlich bleibt alles beim Alten, beim unwirtlichen und zugegeben gefährlichen Leben. Immerhin habe ich jetzt zwei Wochen Business English angepackt, so schwer es mir darin auch fällt, fällt mir dabei auf, dass ich mir wie immer wenig zutraue: Ich verstehe gerade die Hälfte und Abschlusstests im Level C1 und TOEFL scheinen mir sehr unrealistisch. "Dranbleiben" ist meine derzeit einige Aussicht.
Am letzten Februarwochenende muss ich mich vielleicht irgendwie dämlich, weil unzufrieden und wahrscheinlicherweise übertrunken unausgeglichen benommen haben. Jedenfalls waren wir beide nicht amused und meine Handlungen rund um den Kartoffelauflauf irgendwie allesamt falsch. Das hat sich bis in den Sonntag hingeschleppt und heute Abend soll es besser werden. Ich wiege 88 Kg. Alles klar. Aber ich sehe schlimmer aus. und es fühlt sich auch so an. "Du lässt dich gehen" hat Charles Aznavour mal gesungen und es stimmt.
Ich habe weiterhin keinen einzigen Plan, lasse mich also gehen und fürchte mich derweil über irgendetwas, das Leben betreffend und es vielleicht nicht hinzukriegen. Bis ein kleiner popeliger Umstand alles plötzlich in neues, wunderbares Licht rücken und es so merkwürdig einfach gewesen sein wird. Bis auch dieses Licht meiner sehr unbestimmten Rolle auf diesem Planeten der nächsten Dunkelheit weicht. Mit anderen Worten: Es ist sehr anstrengend und mir fallen tausend und null Gründe gleichzeitig ein, alles widerspricht sich und meine Träume machen keinen Spaß. Puppentheater hat darin immer noch Bestand. Ich brauche einen emotional Brain Manager oder sowas, der mir vereinfacht und deutlich mitteilt, was zu tun und was zu lassen ist. Dem ich widerstandslos glauben muss, will und werde, weil die Konsequenzen ebenso einfach wie klar sind. Oh, ich habe ein perfekt passendes Lied auf diese Situation der verwirrten Unfähigkeit geschrieben. Hier ist es.
[audio mp3="https://www.niesfisch.de/zehnsucht22/wp-content/uploads/bounce20190213a.mp3"][/audio]
Nächste Woche kommt wieder so ein Aschermittwoch, der anschließend wieder 40 läuternde Tage anbietet. Für den, der friedlich und selbstbestimmt mit sich und seinem Leben umgeht, macht es wenig Sinn. Für mich wäre der totale Alkoholentzug das für den Anfang Sinnvollste, was mir passieren kann. Dazu aber bitte jenen Manager, damit diese endlos unbestimmt-unsichere Müdigkeit aufhört.
Ich müsste meinen Bus mal durch die Waschanlage fahren. #erkenntnisdestages
Drömlingspalaver
Ein lange vor mich hin geschobener Drömlingsausflug zu Thomas brachte mir ein sonntäglich lecker-warmes Essen und ein paar laue sonnige Stunden im Garten ein. Mandy war auch da. Zu Beginn ärgerte ich mich sehr über meine übliche Herabgehensweise beim vorabendlichen Nicht-Trinken, das kurz vor 10 oder 11 dann plötzlich doch noch das ganze Bier nebst ganzer Flasche Wein ansetzte und erledigte. So also auch mein dumpfes Dasein an diesem Sonntag. Es ist zum "in die Erde versinken", die Mischung aus schlechtem Gefühl um den eigenen Zustand, dem Wirken gegenüber den anderen und der übermächtig wirkenden Flaute in Sachen Vorstellung über das, was überhaupt und noch kommen soll.
Und dann höre ich Mandy und Thomas und Birgit reden, plaudere ein bisschen mit und es strengt mich an, wie insbesondere Mandy permanent ihr Leben und ihren richtigen und guten Weg erklärt. So als müsse sie sich das immerzu vorsprechen, damit der Glaube daran auch hält. Und Thomas pflichtet ihr bei. Warum auch nicht, hört sich ja in der Teil-Quint-Essenz auch prima an. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich alle ihr Leben erklären und auseinandersetzen müssen. Also genau wie ich im Stillen. Das ist das nicht unendlich mürbe? Die ganzen Sprüche für die Wände, die es zu kaufen gibt, entstammen wohl der großen Abnehmerschaft. Muss man sich permanent versichern, dass das Leben so schon okay und man auf einem guten Weg sei? Sitzt tief in uns ein nörglerischer Unglaube, der das alles dementieren möchte? Und erklärt parallel dazu der ganz innen liegende Verstand, dass alles andere als Kompromiss den Tod bedeuten wird?
Ich vermute mich selbst in so einer Phase seit Anbeginn meiner Eigenständigkeit nach der Armee - also ab 1990 mit 20 Jahren. Mit 22 Jahren ausgezogen und versucht, das Leben einzubeziehen. Ich vermag das jetzt nicht alles herzuleiten und zu erinnern, aber mein immenses Denkaufkommen mit fadenscheinigem Ausgang hat mich an der Einfachheit des Daseins gehindert. Na hier beissen sich sich alle Katzen in die Schwänze. Mein Gefühl von "raus" und See und Wald und Allein und Heilung und Hoffnung und Interesse und Spontanität und angstfreiem Mut und allumfassender Reinigung bleibt Gefühl ohne Tat oder im Fall der Tat ohne Erinnerung.
Jetzt muss ich los, ich beginne eine Business-English-Course für sehr viel Geld, dass ich nicht bezahlen muss und ich benutze ihn als Wiederaufraffungsmaßnahme, um in Kommunikation, in Aktion, in Bewegung und best case: Training zu kommen. Ich wiege 88 Kilogramm und sehe aus wie ein unformfettiger Lappen nach dem Aufwischen. Keine weiteren Fragen.
Frühlingslampen
Manchmal seit neulich bin ich ein bisschen aufgeregt, wie eine Art Lampenfieber, das mich befällt, wenn es etwas Spannendes erwartungsvoll anzugehen gilt. Ein weiteres Stück auf der Bühne des Lebens. Das mag jetzt etwas heroisch klingen und noch messe ich dem nicht zu viel Bedeutung bei. Aber es lässt mich spüren, dass mit den aktuellen Avancen eines Einzug halten wollenden Frühlings bei mir so ein vages zaghaftes Lampenfieber an sich erinnert. Ein weiterer Grund dafür ist der deutlichere Versuch, den Alkohol im Zaum, Keller zu halten bzw. ihn für mich abzuschaffen. Wenigstens bis ich klar bin.
Ausstieg verpasst
Besttypische und perfekt erklärende Situation des Dienstag Abend: Sonntag nach einer Flasche Wein und Abstiegs-Aperol den Montag zum heiligen Einsteig in den Ausstieg vom Alkohol erklärt. Der Dienstag zeigte sich bereits erfreulich entgiftet, es entstand sogar ein Song (Wenn du da bist) und die Nachricht an Wein-Micha lautete sogar:"Heute kein BlueNote für mich". Was dann geschah: Die geplante Tüte (die ich einfach niemals planen, sondern entweder einfach rauchen oder sein lassen sollte), wollte mich nach 19:00 Uhr nicht mehr überzeugen und ich ließ sie sein. Derweil stolperten meine Gedanken um die so oft begonnenen Ausstiege mit völligem Alkoholverzicht und es wurde unsachlich in mir betreffs der radikalen Ausführungen. Sicher ist das gesunde Maß immer noch das Beste, aber wenn es sich nicht herstellen lässt, muss es auf NULL gesetzt werden.
Wurde es aber nicht. Unter Zuhilfenahme der Wein-Micha Aussage, aufgrund seiner Erkältung nur 2-3 Bier trinken zu wollen und meiner Ansicht, dass das ja eine gute Übung für mich sei, ließ ich mich also doch drauf ein und wir waren dienstagüblich pünktlich. Stef kam garnicht erst mit und Franzi lief auch lieber nach Hause. Was dann kam, gleicht einem Desaster: Da ich ja absichtlich keinen Alkohol zuhause habe und jener im BlueNote also folgerichtig der einzige des Abends sein würde, verschlang ich vorsichtshalber gleich ganze NEUN Bier und ZWEI Wodka. Der Zettel klebt im Flur als drohende Mahnung oder mahnende Drohung. Aber es ging mir recht gut dabei, außer dass sich mein Kopf wieder vollgeblutet und hochdrücklich anfühlte. Mit Jule an meiner Seite auf dem Heimweg begann ich sogar zu torkeln. Das ist grundpeinlich und sehr schlimm.
Vielleicht hoffte ich mich damit vollständig vom Alkohol lösen zu können. Wegen der schwerwiegenden Folgen. Und Stef erzählt mir im Weinladen noch von seinem Vater, der nach dem Tod der Mutter anfing, heimlich viele Schnäpse zu konsumieren, was seiner Einzug haltenden Demenz sehr nützlich war.
Nun ist also Mittwoch und ich habe den Einstieg in den Ausstieg gründlich vermasselt. Bleibt mir, es nochmal zu versuchen. Nächste Woche beginnt mein Aktivierungsversuch. Und wenn ich den nicht sauber sortiert und nüchtern angehe, kann ich es alles sein lassen. Dies' ist eine Zeigefingermeldung!
150-90
Wie sich das anfühlt ... alles hoch verdichtet, insbesondere am Kopf. Es drückt und färbt das Gesicht rot. Die erste Blutdruckmessung lag noch höher, die zweite besann sich auf 150/90. Aber wie kommt das? In den letzten Wochen habe ich das öfter beobachtet- insbesondere Abends und mehr noch auch im Bluenote, so dass es sogar anderen auffiel und ich mich nicht so richtig gut damit fühle. Bin ich zu weit unten, kommen Willensschwäche und Antriebslosigkeit auf den Plan, bin ich oben, zerreisst es mir Kopf und Oberkörper und es schreit nach Befreiung.
Wir waren in Leipzig heute und auf der Hinfahrt bin ich nach Zombi-Träumen und massenhaft weiterem Traumunsinn quengelig, nörglerisch und im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich unausstehlich gewesen. Tobi brachte es auf einen verständlichen Punkt: Ich bin unausgeglichen! Tadaa ... Endlich mal ein einfaches und erklärendes Wort. Schmeiss den Haufen tausender Erklärungen über Board, es lässt sich genau so zusammenfassen. In so einem Zustand ist alles und sind alle schuld und schlecht, die Welt ist nicht aushaltbar und muss gerächt werden. Aussichtslose Litanei. Zurück gings dann schon wieder viel besser. Und das merke ich auch an meinem Verhalten, meiner Kommunikation, meinen Ansichten.
Zuhause dann die unglaublichen Werte 150/90. Beim Terminator 2 die letzte Flasche Wein und das unglaubliche Abstiegsgesöff Aperol mit Wasser nebst 15(!) Zigaretten konsumiert. Für jemanden, der tagsüber selten bis garnicht raucht, ist das abnorm. Diese Episode befindet mich schon sehr deutlich nahe am Abhang. Danach etwas warmduschen mit der Entscheidung, auch den Kopf einzubeziehen. Dass die Hörgeräte noch drin waren, sorgte für den großen Schreck und eine halbe Stunde Föhnen und heimlich betteln, dass sie noch funktionieren. Taten sie. Sogar jetzt, 10 Stunden später noch.
Und jetzt ist es Montag. Und nächsten Montag beginnt mein Englisch - meine Doppelchance auf Vernunft und Leben. Diese Woche dient dem Alkoholabbau. Da kommt so eine Englisch-Acht-Wochen-Kur gerade recht. Hättewärekönnte cool. Und?
Zielwasser
Es ist schwer, ohne Ziel vor Augen irgendeinen beliebigen Weg entlang zu laufen. Aber ob es dennoch möglich ist? Muss ja, könnte man jetzt sagen. Doch ist das Freisein viel weniger frei, als ich es mir vorstellte. All jene unerfüllten oder in der Vorstellung existierenden Wunschgedanken über jene Dinge, die ich nun endlich in die Tat umsetzen kann, entlarven sich als wunschlose Gebilde. Da kracht es dann im Gebälk und das Konstrukt ist keines. Solche Wunschgedanken dienten vielleicht auch nur dazu, dem Umstand meiner Tätigkeit / Arbeit ein weiteres abträgliches Merkmal unterzujubeln.
Und die Zeit vergeht so schnell und die Wunden heilen so langsam und der Alkohol fließt so schnell und das unbestimmte Dahinvegetieren verschafft kein gutes Gefühl. Und die Schulter und die Hüfte und kein Training und kein nichts ... Jetzt beginnt gleich ein Business-English Kurs für viel Geld. Allein des Geldes wegen erkläre ich die 8 Wochen zu einem ersten Ziel. Da muss dann auch der Alkohol dran glauben, es wird nicht anders zu machen sein. Und das Wort Feierabend ist falsch besetzt bzw. fehlbewertet. Es wird schwer, ich weiss. An die Hörgeräte werde ich wiederum glauben, damit alle Potentiale voll zur Verfügung stehen.
Ein Ziel also? Oh! Na dann.
vom Ende der Schrift
Ja, ich bin mürrisch. Bisschen hümpelig, unaufgeräumt und unausgeruht. Und noch ehe in mir ein Gedanke reift, es aufzuschreiben, werde ich eher noch mürrischer, denn was gäbe es denn noch alles aufzuschreiben, was sich ja doch ewiglich wiederholt? Im Grunde bleibt es immer das Selbe: Die Verzweiflung, meine Unzufriedenheit über die (jeweiligen) Umstände und die schön formulierten Worte, die am Ende oft ein bisschen was von positiver Aussicht verkünden wollen oder sollen ... bis zum nächsten, ähnlichen Beitrag. Try to think positive!
Das macht mürbe und Lust auf das Ende der Worte, hin zu den Taten. Zu 'irgendwelchen' Taten. Das ist alles so müde und schlapp und ich bin bereits seit 6 Monaten offwork. Hätte wäre könnte ich sonstwas Schönes gemacht haben können. Was aber ist schön? Die Sicht auf die Dinge meines Lebens will nicht.
Analyse on demand
Ich scheine ja Freund von Aufstellungen zu sein, die mir zeigen sollen, wo meine Grundprobleme liegen könnten. Solche Ideen kommen ad hoc und bevor es ans Schreiben geht, sind sie bereits verifiziert bzw. vergessen. Wahrscheinlich auch hier und jetzt, wenn ich versuche, meine enorme Lethargie und meinen äußerst labilen Zustand zu beschreiben. Es sind immer wieder die kleinen Erfolgserlebnisse nach einer meiner Aktionen, die mir also beweisen, dass Freude möglich und nötig ist. Meine gefühlte teilweise Abschreibung meinerselbst ist wohl also nicht wahr.
Wohlan denn:
bei vielen Situationen, die Arbeit, das Tun betreffend, standen sehr oft die Gedanken an das hoffentlich jeweils baldige Ende an erster Stelle (Hoffentlich bald Feierabend; jetzt hab ich viele Stunden gespart und sogar dazu geschummelt, dass ich mehr Freizeit habe; wie lange muss ich das hier noch machen? ...) Das kann bedeuten, dass ich die Arbeit nur des Geldes und Anstands gemacht habe, ohne wirkliches Interesse daran zu haben? Bei Ferienlagern oder Urlauben oder Zählung von Lebensjahren war es anders: hier ermittelte ich, ob hoffentlich wohl noch nicht die Hälfte erreicht sei ... Aha!
Wo lagen denn meine Interessen, die dazu geführt haben könnten, nicht auf Zeit und Aufwand zu achten, sondern das Ergebnis vor Augen zu haben? Hatte ich keine?
Bei sehr vielen gemeinschaftlichen Aktionen (Job, Freunde, Familie) führte ab der Twen-Zeit nach und nach immer mehr der Alkohol Regie. Das muss daher gerührt haben, dass ich mich bei diesen Aktionen entweder nicht richtig wohl gefühlt habe oder ich schlicht mit zu wenig Intellekt ausgestattet war, um solchen Aktionen einen besseren Verlauf und damit Sinn zu geben. Hier spielt auch wieder die Sicht auf die Dinge eine Rolle. Andere Sicht ist, dass es grundsätzlich eben immer und bei allen Beteiligten so war (Siehe "Ecke" und derlei Aktionen ab 16). Sind wir dem "Geheimnis der schwimmenden Insel" nie im echten Leben auf den Grund gegangen? Und starb der kindliche Cowboy tausend Beinahe-Tode auf seinem Bett, weil er gerettet werden wollte?
Manchmal glaube ich tatsächlich, dass ich einfacher gestrickt bin, als man es mir zugestehen will. Aus Selbstwertgründen versuche ich dennoch der Anderen Auffassungen nicht zu enttäuschen. Diese Aufrechterhaltung macht manchmal ungeheuer Arbeit und lässt mich eine Vielzahl von zaghaften Versuchen garnicht erst angehen. Das betrifft auch meinen hoffentlichen Neustart.19 - auch der steht unter diesem Einfluß.
Hätte ich die Energie, welche ich in Reflektionen und meine enorm vielfältigen, flüchtigen Synapsen investiere, umleiten können auf ZIELE mit Wagemut und Freude, dürfte ich heute eine ganz andere Auffassung von mir haben. "Machen" heisst ja auch die Devise der Kulturhauptstadt. Und 'irgendwie' ist das eine gute Idee.
Ist meine grundsätzliche Intention das Vermeiden von Arbeit mit der Gewissheit, dass das so genannte Rumlungern ja auch nur destruktiv ist? Mit anderen Worten: Was will ich denn und wie stelle ich mir das vor?
Es scheint irgendeine Form von Angst / Ängsten bei mir vorzuliegen. Ich hatte sogar begonnen, mich im Zuge des ACT Projektes damit zu befassen, nur um es gleich darauf wieder liegen zu lassen. Naja, es liegt immerhin noch dort.
Soweit zu den schnellen Erinnerungsversatzstücken, aus denen zusammen mit einer IST-Analyse und einer möglichen ZIELformulierung ja vielleicht bald mal besseres Leben werden könnte. Insofern das mit 50 Jahren nicht längst schon so stark eingebrannt und verfurcht ist, dass eine Richtungsänderung nur noch mit Angst vor Mauern zu tun hat.
Schön schreiben kanner ja immerhin noch.
grauer Groll
Ach, es zieht mich hinunter ans Grau wie es draußen ebenso trübe zu keinem schöne Gedanken gereicht. Na klar haben wir gestern viel Bree gehabt; Tobi war 6 Tage 'trocken' - im Gegensatz zu mir. Ich bin diffus und grau. Die VS berichtet über Enrico Rößler und dazu eine ganze Seite über Johannes Richter. Alles ist Puppentheater und die Wunden wollen kläffend klaffen. Warum? Weil ich nicht mehr Teil einer Menge bin, die frohen Herzens etwas generiert. Vorsicht bei derlei Vergleichen ist geboten: ich war leider nie richtig Teil und auch ist es nur die Volksstimme mit Samstagsbeilagen.
Aber es sind "die anderen". Und ich gegenüber. Und ich kann mich nicht lösen. Die Autofahrer draußen sind allesamt schlecht wie das Wetter, wie meine Laune und Gems of War schafft absichtlich schlechte Spielgrundlagen, so dass ich kaum gewinnen kann. Alle Facebook Selbstdarsteller sind mir so gut es geht, ein Greuel. Grauer Groll und kein Interesse - kurzum, eine wirklich schlechte Konstellation. Aber Tobias scheint es auszuhalten.
Ich will Licht und Liebe und eine Idee.
Der Mann über mir
Der Mann über mit heisst Thomas Ratzka. Und hat unterschiedliche Dienste im Kaliwerk Zielitz. Seit einiger Zeit Nachtschicht. Das heisst, er kommt um 5 in der Früh nach Hause. Ich kann das leider sehr gut hören. Auch was er gegen 8 bis 9 macht. Insgesamt muss ich feststellen, ziemlich müde zu sein. Fast wie eine stummgeschaltete Parallelwelt fühlt es sich an, wenn es plötzlich irgendwo auch nur klickt und ich aus meinem Stummfilm gerissen werde. So wie die Rückfahrt aus Tirol, bei der ich dringend mit dem Fahren aufhören musste, weil dieses Schlafwandlerwelt keine Konzentration zuließ. Beängstigender Zustand
Vielleicht passen hier zwei Dinge zusammen: Meine eigene Lethargie, gepaart mit langem Schlafen und vielem Aufwachen. Oder Winterschlaf. Zumindest kommt in mir noch immer kein plausibler Grundgedanke (oder Gedanke mit Grund) auf, mein Ziel zu deklarieren. Oder wenigstens meine Ideen zu sortieren und davon wenigstens eine anzugehen.
Ich gehe gleich zur Arbeitsagentur und versuche, das 7.200-Euro-English zu bekommen. Dann habe ich immerhin festgelegte Zeiten, zu und bei denen ich mich konzentrieren, sammeln und fordern muss. Nachher fahre ich nach Berlin. Zu den Otcelots. Vorher aufm Kudamm vielleicht irgendwelche Klamotten kaufen. Und bei Justmusic mal nach einer guten Stomping-Box gucken. Jaaa- Haben ist besser als Brauchen und erst wenn JESKOM komplett technisch ausgestattet sind ... können wir mit der Musik aufhören. Sarkasmus ist immerhin eine Form von Originalität / Kreativität.
Haben vs. Brauchen und Schaffen vs. Genießen sind zwei meiner Themen, die ständig darüber Zeugnis ablegen, wie ich Dinge oder Zustände vorbereite in der bloßen und schönen Vorstellung darüber, wie es dann sein wird. Oder werden könnte. Aber nichts wird dann sein. Es haut nicht hin, allein und mit dem Bus durch die Länder zu streunern; es ist Unsinn, Dinge zu kaufen, von denen ich mir Ansporn verspreche. Das gabs auch schon früher, in den 90ern: Immer wenn ein neues Instrument auftauchte, schuf ich damit ein bisschen Musik. Bis es in wieder der Ecke landete. Das undefinierte Ziel und mein vor Äonen Synapsen platzen wollender Kopf machen alles zunichte. Vielleicht sollt eich mal eine Übung machen: Fahre nach Hannover, kauf dir 6 Brötchen und komm wieder zurück. Jut. Jetzt werde ich hier mal für heute aufhören, das führt ebenfalls zu nichts.
Und? Was krepelt noch so am Boden herum? Anstellung? Selbständig? Mix? Domsagen? OvG? Die Winter-Kiste mit den vergessenen Dingen? Ich bin doppelmüde. Oder sogar dreifach. Oder einfach nur lebensmüde.
Gedanken & Geduld
Der Wust an Gedanken ist noch immer paniklich zu groß. Mit der Blutmond Idee heute 5:21 Uhr aufgewacht und die Möglichkeit des Rausfahrens auf den Irxleber Hügel für irgendein Foto um Sechs sogleich fallen lassen. Arschkalt, dunstig und die Frage "Wofür"? standen im Raum. Klar, um "irgendwas" zu tun, um irgendetwas vorweisen zu können. Aber weshalb diese Treibjagd? Seit August bin ich jetzt raus aus dem Puppentheater und noch immer plagt es mich, so wie heute Nacht ab 5.21 Uhr mit den vollgestopftesten Träumen über Doppel-Hofspektakel, Kempchen, eine Gastrolle für mich als Helfer ... Diese endlose Litanei setzt sich dann im Wachzustand fort und suggeriert mir meine absolute Unfähigkeit ob dieser Zangen, die mich da zu halten scheinen.
Mein Blick auf eine Zukunft will sich nicht formen. Meine Gedanken daran sind kurz und zu knapp für eine wirkliche Idee. Angeschobene Dinge wie die Kurzreportage für MDR Kultur oder die Anfrage bei Freya betreffs "Kulturgutverluste" lagern peinlich auf der Halde der Unmöglichkeiten. Die abendliche Flasche Wein übernimmt gern die Schuld, dass 'wir' noch einen Tag warten, es dann aber! angehen.
Heute scheint nun bei ordentlichem Frost lautstark die Sonne, es ist sehr hell und ich mache das Bad sauber, die Wäsche und Schlager-CDs für die Eltern. Zwischendrin will mir immer mal wieder ein kleines, freundliches Licht der Leichtigkeit Trost zusprechen. Trost, dass er möglich sein wird, dass er kommen wird: der Zustand der Loslösung von meinen wichtigsten Hindernissen und Ängsten, mit einer ausreichenden Klarheit, die sich auch der Gedanken über Status, Ansehen, Beweislasten und eigener Unzurechnungsfähigkeit entledigt oder sie wenigstens weit beiseite schiebt, von wo aus sie keine Macht über mein Duckmäusertum haben.
Das alles könnte für später und den Fall, dass mir das Leben noch gelingt, durchaus für andere, ebenso Betroffene interessant sein. Kann ich ja dann ein Buch drüber schreiben. (Schön, dass er bereits lustig zu sein versucht)
Duckmäuser ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Menschen, der sich aus Angst oder Furcht, die Sympathie einer gesellschaftlichen Gruppe zu verlieren, deren Meinung anschließt, oder sich grundsätzlich anpasst und nie eine eigene Meinung äußert oder widerspricht.
Alles schreit Nein
Die Nacht sagt mir NEIN zum Schlaf, die Träum weigern sich, gut zu sein, die Schmerzen in Schulter und Hüfte sagen NEIN zum Leben, die Gedanken wollen weder auf die Sprünge, noch die Barrikaden, der Professor sieht Hüfte und Schulter als Abnutzungserscheinung und nicht unbedingt dem Bechterew zugehörig. Klingt wie NEIN, die Studie wird auch nichts ausrichten. Anschließende Schwimmversuche sagen NEIN, lass es lieber, es tut dir einfach zu weh.
NEIN aus mir heraus in so einem Zustand gegenüber allem Anderen. Unhöflich bin ich, grantig und aggressiv. Subversive Rachegelüste in Form von schwachsinnigen Vorstellungen gegenüber Puppentheater oder Menschen, die mir offensichtlich nicht gut getan haben. NEIN zum Fortschritt und zum positiven Denken. NEIN schreit es aus meiner Wut und Ohnmacht heraus, wohl wissend, dass ich lieber ein JA haben möchte, aber keinerlei Ideen und Ambitionen, daran zu arbeiten.
Kurzum: Negativ! Siehste, es geht auch ohne Alkohol. Es (das Alles) muss vorüber gehen, sonst gehe ich hinüber.
Schmerz Skala 1-10
Die auf den letzten Beitrag folgende Nacht war dermaßen schlecht, dass ich noch jetzt, 12:00 Uhr, teilweise sehr wütend werde, wenn sich Schulter und Hüfte im Wettbewerb der größtmöglichen Schmerzen messen wollen. Schon das Einschlafen wurde begleitet von tosenden gleichzeitigen Gedanken; allesamt ohne irgendeinen Sinn. Der Schlaf kam spät. Aber er kam. Und halb sechs war alles aus: Schulter und Hüfte arg grantig und ich immer auf de Suche nach einer schmerzfreien Position. Aufstehen ging ja auch bloß nicht, weil ich viel zu müde war. Und es war dunkel. Ich hangelte mich von Traum zu Traum und fühlte eine entsetzliche Starre. Selbst als sich mir ein vermutlich schwarzer Vogel auf die rechte Schulter setzte, konnte ich ihn weder sehen noch verscheuchen. Andere übernahmen das.
Und nun versuche ich ganz vorsichtig wenigstens ein bisschen Ordnung in die Bude zu bekommen. Schmerzen dieser Art können sehr wütend machen. Mein größtes Tagwerk wird wahrscheinlich das Wegbringen aller leeren und noch vorhandenen vollen Flaschen jedwelchen Alkoholes. Beinahe hätte ich gestern noch den Aperol versucht. Das war knapp und eine sehr hässliche Situation. So. Pullen weg und damit keinerlei Möglichkeit mehr, nach Bluenoten oder anderen Ausflügen zuhause noch was trinken zu können.
Und dann Schmerztagebuch. Täglich gegen Nachmittag auf einer Skala von 1-10 festhalten, ob und wie es schmerzt. Merkwürdigerweise ließen die Schmerzen gestern und komplett auf der Couch nach und korrigierten sich auf "2". Die Rache kam über Nacht und kreist sich nun bei "8" ein. Alles ein großes dämliches Konstrukt aus Aussichtslosigkeit und Schmerz. So sehr uncool und so sehr nicht neu.
Ich bin dagegen, das Leben so beizubehalten. Und wenn es sich nicht ändern lässt, dann muss es ganz enden. Huuu, der Sensenmann!
Richtung Null
Gestern Heinz Rudolf Kunze. Mit Wein Micha. Zweieinhalb Stunden Show. Danach in seinem Laden noch zwei Bier. Stadtfelds Saturday Night: mindestens so tot wie Reform. Also? Und dann zuhause noch 1,5 Flaschen Wein und dem Versuch, die Fotos von HRK schick zu machen. Halbherzig, Unklar über einen Stil bei den Fotos. Nahe am Aufgeben. Unklar, was ich damit machen will. Vier Fotos ins Facebook, um Aufmerksamkeit zu schaffen, Lebenszeichen setzen. Bullshit.
Heute = Sonntag, Tobi hat Dienst und ich verbringe ab 10:30 den Tag auf der Couch. Merkwürdigerweise geht es meiner Hüfte und den ordentlichen Schmerzen der letzten Tage immerhin etwas besser. Ansonsten aber die weiter währende Schmach über jedwelche Vorstellung betreffs meines Lebens. Ich habe garkeine Idee. Ich versuche zweidreimal die Gitarre: Bullshit. Nach dem Essen döse ich auf der Couch ein. Fernsehen. Ab Löwenzahn, über Sendung mit der Maus bis zu irgendwelchen Geschichten über die Entstehung der Erde. Nicht schlecht, aber eigentlich doch. Für mich. Ich bin im Delirium - in einer Wolke aus Dunst mit genau null Ideen. Sport machen! Das wäre doch was. Und es bleibt bei dem Gedanken.
Jetzt trinke ich die restliche Weinflasche und den Sambuco leer. Wahrscheinlich dann auch noch das letzte Bier. Als Idee, morgen nichts mehr im Haus zu haben. Es ist elendig. Tausend mal Facebook aufgemacht. Wofür? Warum? Auf der Suche nach Ideen? Ich bin quasi tot. Fühle mich tatsächlich sehr elend.
Aber wie komme ich da raus? Jaja, 'Alkohol stopp' ist Startnummer 1, das ist klar. Aber selbst da reicht es nicht bei mir. Könnte hier noch viel über Hintergründe und etwaige Möglichkeiten laberschreiben, aber ich will nicht. Ich kann nicht. Mal sehen, wie das morgen aussieht. Und welchen Wein ich mir dann kaufe.
um den Verstand ...
... säuft es sich schnell. Das hat bemerkenswerter Weise schon vor längerer Zeit begonnen, als ich feststellte, (wie ich später dann nochmal feststellte. Und dann nochmal) dass Hörverlust mit einhergehendem Alkoholkonsum eine brisante Mischung auf dem Weg des totalen Abstumpfens sind. Und es stimmt tatsächlich (nanu!): es mangelt nicht nur an der Worte Auswahl und Vielfalt, es zeichnen sich auch gewisse Komplikationen beim Erfassen von Inhalten wie denen aus Zeitungen, Filmen oder Radiobeiträgen ab; die Konzentration ist gering und der Willen zur Aufnahme und Verarbeitung von Informationen geringer ausgeprägt. Beim Lesen geht es noch, doch dabei werde ich schnell müde und sehr viel merke ich mir davon auch nicht.
Das ist es, was gemeinhin als "um den Verstand saufen" ausmacht. Und auch das Wiedergeben von Inhalten wird komplizierter. Ganze Sätze weigern sich, sich zusammenstellen zu lassen. Weil gleichzeitig ja auch das Interesse an nur irgendetwas zu schrumpfen droht (und es schon längst tut), entsteht hier eine Strudelwirkung: Keine Ahnung, kein Interesse. Noch mehr Alkohol, noch weniger Interesse. Am Ende garkeine Ahnung mehr und dann kommt der schwarze Tod. Tadaaa.
traumatisch
"Das wird dein Jahr" - sagte Jana Dorsch als Jana Perleberg damals in 2009 zu mir. Das war der Beginn von JESKOM und schon oft habe ich diesen Satz hier zitiert und zum Vergleich der Ist-Zustände hochgehalten. Bzw. vorgehalten. Meine Sicht auf die Dinge ist so verschroben und diffus, dass es zu keiner Zusammenfassung langt.
"Traumatisch" und spät fängt es an mit dem ersten Beitrag der Zehnsucht in 2019, auch für einen Ausblick in 2018 hat es nicht gereicht. Ich befand mich ab dem 19.12. bis zum 06.01. bei&mit Tobi und das war auch gut so. Zweimal Weihnachtssingen mit der Idee, es in 2019 mit der 20. Ausgabe auf sich beruhen zu lassen. Zuviel Alkohol. Wie immer. Wie seit Beginn meiner Aufzeichnungen in 1995. Noch ein Jahr und wir feiern Silberhochzeit- der Wein und ich. Falls ich es überlebe. Oh - so dramatisch?
Ein gesundheitlich und auch aus psychischer Sicht schlechter Einstieg ins 2019 mit gekonnten Schmerzen, besonders in der rechten Hüfte. Und ich suchte nach einem günstigen Tag für den ersten Beitrag, anstatt mit der labil endlosen Aussichtslosigkeit dem "neuen Heft" auf die erste Seite zu malen. Mittlerweile teilt sich der Alkohol meine Tage in JA oder NEIN ein. Das heisst, wenn es wie am Dienstag beim Weinmicha 6 kleine Bier gibt (weil das Bluenote noch geschlossen ist) und ich zuhause noch einen empfohlenen spanischen Rotwein verzehre, sind am darauf folgenden Tag weder Alkohol noch Zigaretten zu finden. Am übernächsten Tag fühlt es sich dann schon wieder besser an, damit am Abend .... Nunja, heute vielleicht nicht, denn die Nacht war grausig und heute gehe ich schwimmen und in die Sauna bis Mitternacht. Gestern halb11 mit Meister und Margarita ins Bett und 30 Minuten später gingen bereits die Lichter aus. Um heute um 4 laut polternd an Hüfte und Schulter massenweise Blitze zu verteilen, die sich bis in Hirn und Gemüt fressen, von wo aus sie jegliche Reste irgendwelchen Mutes betreffs schönen Lebens zu töten versuchen. Und das betrifft nicht nur die physische Abteilung.
Eine große Hilflosigkeit greift um mich und ich weiss mir keine Hilfe, auch nicht im Ansatz einer positiven Sichtweise, die sich einfach nicht per Klick oder Suggestion generieren lässt. Wer das behauptet, kriegt gescheuert. Schlimmer hingegen (noch schlimmer?) ist die Tatsache, dass mich solche Zustände früher sehr oft sehr traurig gemacht haben. Die Traurigkeit kommt nicht mehr. Und DAS halte ich für sehr problematisch. Resultiert daraus also eine Haltung, die sich keiner Werte mehr bedient? Der es egal ist? Die keine Angst vor einem schnellen, heftigen Tumor oder einem zu schnell fahrenden Auto hat?
Noch immer sehe ich selbst einfache Zeitungsmeldungen mit "Puppentheater" unmutig an und fühle mich arm und abgesetzt. Ich habe kein Ziele, ich habe keine Ideen. Ich habe nur Angst. Wovor, weiss ich nicht. Ich habe eine materielle Ausstattung inklusive Kontostände, die mir viele Realisationen innerhalb meines geistigen Horizontes erlauben würde. Oh- 'geistiger Horizont' - auch hier geht das Gefühl für meinen Selbstwert in die Knie.
So unausgeruht, depressiv und ziellos ziehe ich mit Schmerzen versehen in ein neues Jahr. "Das wird dein Jahr" feiert sein 10-jähriges Jubiläum und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als den ganzen zusammenreflektierten Müll auf die Halde meiner Vergangenheit schieben und mich in eine andere Richtung drehen und weiterlaufen zu können.
Sachliche Beobachtung von Auswirkungen
Die Auswirkungen im Sein, Fühlen, Denken und Handeln sind tatsächlich beträchtlich:
unausgeglichen bis wütend
missmutig, aggressiv
unkonzentriert, ungeduldig
unruhiger Schlaf mit Träumen fast immer inkl. Puppentheater
orientierungslos in mittel- und langfristiger Sicht
radikale, sehr kurzlebige Umwälzungsgedanken
Neidgefühle gegenüber anderen (Erfolgs?menschen)
merkwürdiger Verlust von Traurigkeit
weiterhin antriebslos
Vorstellung von plötzlichem Tod nicht mehr unheimlich* (egal-Stimmung)
ideenarm / aktionsarm
Gefühl von Leere
*dieses Argument wird wahrscheinlich gestützt von der Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit von 'Tod' nicht anders als sonst / bisher sein wird und mein Selbsterhaltungstrieb zwar unerkannt, aber dennoch stets im Hintergrund aktiv ist. Das ist meine einzige Erklärung, anderenfalls dürfte die Erschöpfung so groß sein, dass es dann tatsächlich .... naja, für eine mögliche Kurzschlussreaktion reichen könnte.
Der 'Ärger' mit resultierender Aggressivität spielt eine wesentliche Rolle. Die Ideen von Weltbild und Gerechtigkeit sind allesamt für die Tonne. Ein es sehr passend beschreibendes Beispiel ist der Blick ins Facebook und meine Reaktionen auf dortige Beiträge bzw. meine Einschätzungen und Bewertungen von Personen / Situationen. Und mein Wissen über diesen hyperglobalen Stuss. Und dass so eine Grundidee von Gemeinsamkeit, Frieden und Fortschritt nicht möglich sein kann, wenn ich mich selbst so betrachte. Die Sicht auf die Dinge, die eigene Einschätzung, das eigenverantwortliche und richtungsorientierte Handeln - alles Aspekte einer weiten Ferne.
Weihnachtssaufmarkt
Im Adelsstand des Personalpreises kosten mich die Getränke im Bluenote in dieser Woche nur etwas mehr als die Hälfte. Was ich offensichtlich auszunutzen gedenke. Denn ich bin oft da und klebe meine Getränkezettel an die Wand. Hierso: 11./13./14. mit 2große.7kleine/8kleine / 5kleine. Und heute ist Freitag, Samstag, Sonntag. Es ist ist grenzwertig, denn allein die Vorstellung von all diesen Zigaretten & Bieren (bei denen hier einige Tomaten- und Wodkaschnäpse unterschlagen wurden), macht so Bange wie am Ende ja doch nur so weiter. Tobi fährt Ski in Obertauern, ich hüte weiterhin die Fische. heute bin ich mal bei mir. Um das hier zu schreiben. Und um ... mal sehen. Immerhin waren die 5 Bier gestern nach Sauna und Schwimmen offensichtlich nicht ganz so verheerend.
Und dennoch: Morgens im Norma wegen Otto-Brötchen noch schnell zwei Flaschen Weisswein kaufen und ordentlich verquollen an der Kasse gute Laune spielen, ist einer der besten Anfänge des Abgrundes. Eben gerade war ich noch bei BB wegen der geänderten Honorarverträge, die mir neuerliche 2.4000 EUR für 2018 einbringen. Wao. Also ärmer werde ich irgendwie nicht. Dabei unterhielten wir uns kurz über das Wesen der Arbeit und ich erzählte ihr von dem kleinen Gespräch gestern in der Sauna, als Guido erklärte, dass man wegen Unstimmigkeiten und als letztes Mittel zur Beseitigung von Neid und Missgunst die Stechuhr einführte, woraufhin die Produktion um fast die Hälfte einbrach. Warum? Weil es Dienst nach Vorschrift wurde. Kawumm! Genau meine Empfindung aus dem Puppentheater (von dem ich noch immer fuck off! fast jede Nacht träume: Frank B. hat sich offensichtlich vom PT verabschiedet und fertigt jetzt Kontrabässe aus feinem Holz an und singt dabei ...)
Das es also schwierig ist, in einem Unternehmen alles auf gleichem Niveau zu halten und solche Befindlichkeiten garnicht erst aufkommen zu lassen. Und ich meinte, je kleiner der Personenkreis und je höher das Niveau und die Intelligenz an sich lägen, desto einfacher dürfte das gelingen. Denn es geht mir nicht (ACHTUNG: 1. Willensfindung) um Stunden und Abrechnung und Geld und Macht - sondern um Gemeinschaftlichkeit, Kommunikation auf Augenhöhe und ein gewisses förderndes Niveau, das in Weiterentwicklung, Inspiration und Freude am Gelingen mündet. Daraus gebiert sich auch jene Anerkennung, die ich halt benötige. Daraus resultiert der Willen zu Neuem, zu Unbekanntem.
Im Moment dümpele ich eher an den schmierigen Kurven der lähmenden Untätigkeit, die mir jedes noch so kleine Event als sehr lästige Störung erscheinen lässt. Wie bereits beschrieben, auch die mühselige Sache mit dem MDR: Nun habe ich schonmal die Chance, mich da reinzuorientieren und unkomplizierten Zugang zu bekommen. Und dennoch sehe ich es als fast schon schwere Aufgabe an. Weil bereits der Zustand eingetreten ist, dass ich mir nichts zutraue und vor allem für so eine Chance dann ja auch alkoholfrei und fit dafür sein müsste.
Mein Abstand zur Schlucht schluchzt letzte Tränen auf ein vergebliches Leben.
Rat-Lust-Ziel ... los.
Wie kann ich diese so merkwürdig bis desaströs zu bezeichnende Zustände festhalten? Sie flüchten allesamt und lassen sich schwerlich in Worte fassen. Aber sie bleiben allesamt ebenso negativ besetzt. Ich fürchte irgendetwas. Ich fürchte um mich, auch wenn es den Anschein hat, dass eine plötzliche Hiobsbotschaft vom nahen Tod sich nicht sonderlich schlimm anfühlen würde. Käme gerade pünktlich. Was wahrscheinlich von einer tief sitzenden eigentlichen Gier nach Leben heimlich entschärft wird.
Ziellos. Orientierungslos. Keiner sinnvollen Handlung fähig. Stattdessen überrumpelt und entmutigt von enorm vielen Träumen und immer mit etwas Puppentheater dabei und immer mit etwas Unklarem betreffs meiner Zukunft und meiner Umgebung. Jedabendlicher Alkoholkonsum. Ich müsste Sandra Meyer vom MDR anrufen. Für eine Möglichkeit. Freue mich heimlich, dass keiner abnimmt. Ich habe sogar Angst vor der Angst - was das Dämlichste von allem ist. Also die bereits hier beschriebene Angst, etwas zu unternehmen, was mir unbegründeterweise neue Angst verschaffen könnte. Was sie aber meist nicht tut. Ich bin noch immer auf dem Level "Heute ist nichts!" und ich hätte gern sogar noch weniger. Also noch weniger als Nichts. Ansonsten weiss ich nicht viel von dem, was ich möchte. Meine Vorstellungskräfte lassen ebenso nach. Wohl aber weiss ich, dass jede meiner mich aufraffen lassenden Aktionen bisher immer zu etwas Gutem geführt haben. Dennoch scheint es nicht zu gehen.
Die Zeit könnte jetzt still stehen oder die Tage könnten 100 Stunden haben. Vergehe langsam, Zeit, damit es am Ende nicht so viel von dir als verloren zu deklarieren gilt. Ich kann auch keine schlauen und freundlichen Worte für einen Aufbau annehmen. Ich brauche Fakten. Definiert, gesetzt, gezielt. Los! Jetzt!
Aber es bleiben immer nur kleine Ausflüge mit den kleinen Versuchen. Danach ist es wie vorher. Geh' doch Schwimmen. Laufen. Trainieren. Reise durch die Welt. Suche dir einen Psychologen ...
Große Ratlosigkeit paart sich mit Lustlosigkeit in einer großen Ziellosigkeit.
letzte Meldung vom NICHTS
Da ich weiss, dass es nicht förderlich ist beim positiven Denken und es sich dazu andauernd zu wiederholen scheint, hier hoffentlich letztmalst eine Zusammenfassung meines Befindens. Um es sich zu merken. Um es als Mahnung stehen zu lassen:
Dieses NICHTS besteht in einer gähnenden Leere, was meinen Antrieb und meine Motivationen angeht: Nichts will sich mir gefallen lassen, keine Aussicht schafft auch nur den Hauch einer Freude auf etwas, was ich tun könnte. Eine schwer zu ertragende Situation. Sicher lässt sich dieses Nichts durch spontane Motivationen und vor allem Aktionen meinerseits kurzzeitig besänftigen, aber die derzeit herrschende Ohnmacht hat tatsächlich die Chance, mich in den Wahnsinn zu treiben.
Alles stünde bereit: Die ganze Fotoausrüstung, die vielen Möglichkeiten zum Komponieren und Aufnehmen von Musik im großen Potential des Jeskom-Projekts, die Domsagen, das Otto von Guericke Audiobuch. Die Websachen, die es zu machen gilt. Auch weihnachtliche Ambitionen im Sinne des Freudebereitens liegen fernab jeder meiner Vorstellungen. Schwimmen, Laufen, Radfahren, vorsichtiges Kieser-Training, Leute besuchen oder mich gar auf den fernen Jakobsweg zu begeben ... das alles prallt gegen die Wand. Die große Frage nach dem "wie weiter" im Job oder in meinen allgemeinen Ambitionen das Leben betreffend ergeben immer nur 42, weil es keine formulierten sinnvollen Fragen dazu gibt. Eine Hilflosigkeit, die jede kleine Anforderung von außen zur unüberwindbar schweren Situation deklariert. (Wenn jetzt das Finanzamt anruft oder der Bus kaputt geht ...)
Sehr passend dazu ist der weiterhin massenhaft angewandte Alkoholismus, der jede noch so kleine Aussicht auf nur irgendwas im Keim erstickt. Das Wissen darum macht es nicht besser. Wenn ich doch wenigstens entspannt einem möglichen März mitsamt einer Idee für mich entgegensehen könnte ... NICHTs bestimmt mein aktuelles Dasein, Denken und Fühlen. So hangele ich mich durch immer schneller zu verstreichen scheinende Wochen und die Lebenszeit rast an mir vorbei.
Was also nun? Für den ganz großen Bruch irgendwohin bin ich weder bereit noch habe ich überhaupt irgendeine Vorstellung davon. Meine schon immer vage formulierten Wunschzustände betreffs meines Universums sind dermaßen unkonkret, dass sich folgerichtig nichts daraus ergeben kann und wird. Ich spiele bereits ernsthafter an dem Gedanken herum, zu Tobi zu ziehen und mit den restlichen 65.000 vor sich hin zu leben. Doch weiss ich auch, dass mich das so jedenfalls nicht weiter bringt in meinen Gedanken an die Zukunft.
Ein weiteres Ergebnis ist mein Selbstwertgefühl, dass sich gnadenlos nach unten korrigieren möchte, weil mein innerer Wächter keine Ergebnisse eines durchaus möglichen Denkens und Handelns zu sehen bekommt und mir daraufhin bescheinigt, nichts wert zu sein. Parallel residiert neben mir noch immer eine gewisse Fassade, die mir einreden will, dass ich meinen Status und mein Ansehen in der Stadt ja beibehalten muss, statt in der Bahnhofsmission Essen zu verteilen und Altstoffe zu sammeln ... (obwohl ersteres schon mehr wert und nobler wäre, als mein momentaner Zustand).
So siehts aus. Wahrscheinlich könnte ich diese Litanei noch mit vielen weiteren Beispielen auffüllen, aber es macht mir gewiss keine Freude. Ich werde mit ACT zumindest versuchen, meine Ängste zu bestimmen und sehen, ob dieses Buch freundlich ist. Münchhausen hat sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen und auch so war seine Phantasiewelt voller Märchen.
Na dann.
Conrads Tipp
Conrad Engelhardt: "Das ist doch so eine Zeit, in der man die Möglichkeit hat, sich auf den Weg zu machen. Sowas wie Jakobsweg oder irgendwas anderes ganz weit draußen. Um runterzukommen, alles wegzulassen und sich neu aufbauen zu können."
(am Telefon, wobei es eigentlich darum ging, dass er für den Fall meiner tatsächlichen Domsagen einen Zeichner an der Hand hätte, der für die Bebilderung eines Begleitbuches - natürlich bei seinem NordOst Verlag - gut passen könnte)
damals, jetzt und dann
Nach zwei sportlicheren Wochen nahm ich mir das Wetter zum Grund, es in der vergangenen Woche weniger sportlich anzugehen. Auch aus Angst vor nachtretenden Senioren im Schwimmbad. Stattdessen krochen die Tage eilig dahin auf dem Fließband meines wenig genutzten Lebens und ich nahm mir die beiden Mapplethorpe-Kalender als weiteres Vorbereitungsseminar der ACT zur Ermittlung spezifischer Ängste von damals und jetzt. Natürlich blieb sehr Vieles beim Alten. Aber es war erstaunlich interessant, 23 Jahre später trotz leichter Schreibwirrungen und Herleitungskomplikationen herauszulesen, wie es sich damals zugetragen hat.
Fakt ist, im Grunde unseres - insbesondere meines Wesens kann und wird sich da nicht Vieles ändern. So waren und sind hier die Leute. Insofern die noch leben. Und was an Alkohol damals konsumiert wurde, löste Erschrecken bei mir aus. Es begann also nicht erst mit Bach ab etwa 1998 mit den Saufereien, sondern bereits ab meinem Einstieg in die Welt derer, die ich noch heute oft noch neidvoll besehe. Warum neidvoll? Das lenkt hier zwar ab, meint aber, dass ich bei vielen meiner Bekannten und Freunden ein gewisses Intelligenzlevel vermute, welches das Aneignen von Wissen als neugierig machende, interessante Basis und nicht wie bei uns/mir als langweiliges Lernen sieht. Aus dieser Basis heraus entstehen jegliche weiteren Interessen und Aufgeschlossenheiten gegenüber dem Leben, während ich in einer Form von Angst gegenüber meinem Mittelmaß, das nicht mithalten kann, umher irre. Oh- das war eben wahrlich eine gute Erkenntnis. Und endlich mal eine einfache.
So also entwickelte sich die Woche weiterhin mehrfach alkoholisiert und entsprechend nachtäglich. Was mich auf das Wochenende freuen ließ. Und jetzt und hier denke ich an eine kommende Woche, in der ich vieles besser oder überhaupt machen möchte. Same procedure, aber zwischen "lass dir Zeit" und meiner Ungeduld verschwimmen die Grenzen. ACT und ein kleiner realistischer Plan zur Realisierung wenigstens einiger meiner Gedanken wäre ... müsste ... hätte gewesen gehabt haben sollen.
immer wieder neu
Nicht jetzt, sondern das Danach ist es, was mir oft so verheissungsvoll weismachen will, dass es dann aber wirklich los geht. Wie Gitte es meinte, wenn ich nicht im Jetzt, sondern immer bereits in der Zukunft lebe. Es fühlt sich immer ein bisschen nach Neuem, Möglichen an. Am Ende der Woche freue ich mich auf Tobi, am Ende des Wochenendes auf meine neue Woche. Ein etwas dämlicher Kreislauf, wenn all die jeweilige Vorfreude darauf zu doch wieder keinen Ergebnissen, sondern zu neuer Vorfreude zu führen scheint.
Immerhin schwingt das Wort "Freude" mit. Verheissung, Hoffnung, Aussicht, Mut. Oder Miau.
positive Positionsmeldung
Die zweite Woche mit einigermaßen vielen sportlichen Aktivitäten und sogar weniger Alkohol und am Donnerstag die anfängliche Beschäftigung mit ACT am Abend ein schmerzfreies Schwimmen mit einer guten Sauna danach und heute ein Mittagessen mit Kerstin Kinszorra und anschließend Kaffee und Kuchen mit Katrin Gellrich. Jetzt sitze ich hier bei Tob und bemerke, dass es mir im Moment bemerkenswert besser geht als im Vergleich zu alle den vielen Tagen zuvor.
Woran liegt es? Ich glaube, es könnte die Mischung aus all jenen oben genannten Positionen sein. Nochmal versuchen? Auf jeden Fall beobachten und in wieder nach unten abweichenden Fällen o.g. Positionen wiederholen. Oder gar ganz dranbleiben. Denn so kann ich es gut aushalten.
Blendwerk
Beinahe hätte ich die Einträge der Tagebücher 1995 / 96 hier nachgeschrieben. Vielleicht mache ich es ja noch. Wenigstens aber lese ich sie mir durch. Die Angst vor de Angst will mir bereits weis machen, dass es alles und immer wieder das Selbe sein wird. So wie auch das, was hier oben rechts unter "summary" und "tod" steht.
Ich kann nicht einen Meter weit denken, ohne zu stolpern. Ich kann nur meilenweit erinnern, was alles anders hätte gewesen sein können und wie meine kläglichen Versuche, mich den Reihen der Weiterdenkenden anzuschließen, aus weiterer Angst vor eben denselben nichts geworden sind; wie ich aber dennoch zu jemandem wurde, den man schätzt und mag und der jetzt überhaupt nichts mehr mit sich und der Welt anzufangen weiss.
Ein Blender, der nach außen hin so integer und fähig wirkt, während er innen nach einem Funken sucht, der vormals erst zu lodernden Feuern und dann zum Ausbrand geführt hat.
Unteres Viertel
Das ist ungefähr die Angabe über meine Befindlichkeit; Erträglichkeit mit eingerechnet. Ich benötige immer neue Worte, meinen unbefriedigenden Zustand zu beschreiben, damit es nicht so sehr nach Wiederholung aussieht, die es aber nunmal ist. Unteres Viertel mathematisiert also meine maximal 25%ige Lebensbejahung. Oder Überlebenschance, wenn das so weiter geht.
Nochmal zum Mitmerken über diesen Zustand: Es fühlt sich an wie eine bodenlose Unkonzentriertheit, fast ohne Möglichkeit, einen sinnvollen Gedanken zu fassen; eine große und sich gefährlich anfühlende Verwirrung mit großer Planlosigkeit ohne jede Orientierung. Einhergehend aussichtslos auch all jene früheren Pläne, die endlich umsetzbar wären, wenn doch 'die Zeit dafür vorhanden wäre'. Vergiss es! So wie auch ein VW Bus Ocean Blue T5 mit Hyper-Vollausstattung überhaupt nichts bewirkt, weil ich nicht losfahren kann. Weil es nicht geht. Weil ich nicht gehe.
Ich werde aggressiv. Besonders deutlich heute morgen auf der Schwimmbahn: Einer von jenen trotzigen Rentnern, die ich eher der Dynamohalle denn der Elbeschwimmhalle zugedachte, schwamm weit langsamer als meine Einschätzung über ihn und seine Entfernung zum Beckenrand. Und als ich rückenschwimmend ihn unbeabsichtigt dann schließlich doch ereilte, war es ihm offensichtlich ein Vergnügen, nochmal so richtig geradeheraus nachzutreten Richtung meiner Wirbelsäule. Entsetzt rief ich, dass man doch nicht noch extra nachtreten müsse, woraufhin mir die Damen der Nebenbahn nochmal deutlich machten, dass man sehen müsse, wohin man schwimmt und dass hier nicht jeder, wie er will ...
"Aggressiv" meint eine Mischung aus spontaner (Gesamt-)Wut und einer riesigen Traurigkeit. Aus ersterer heraus hätte ich die beiden Giftbratzen am liebsten samt ihrer parfümierten Hochglanzfrisur unter Wasser getaucht und den nachtretenden Rentner am Beckenboden festgekettet.
So. Und nun denke ich mir, dass hier so eine gegenseitige Aggressivität keine Chance auf ein besseres Miteinander bietet: Ich bin der Unzufriedene, der andere ist der Trotzige und die Nachbarn ergreifen Partei. Und schon steht die Welt im Kriegsstand. Ich habe meine restlichen drei Doppelbahnen irgendwie geschafft und bin wieder nach Hause gelaufen. Jetzt habe ich ein riesiges Frühstück hinter mir und bin traurig über das hier Geschriebene. Immerhin bin ich es jetzt los geworden, aber der ganze Rest hockt wie ein gemeiner Kobold in meinem Innersten und lässt alle früheren Erkenntnisse über meine vielen guten Eigenschaften, Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ansichten über das Leben zu Staub verfallen.
So fühlt sich das an. Wahrscheinlich aus Absicht kommt gerade die Sonne raus und ich gehe nochmal bisschen raus.
WirrWeiseWorte
Die Mandy und ich haben ja nun schon eine lange gemeinsame Zeit hinter uns. Seit 2006 lebt und entwickelt sich jeder für sich selbst weiter. Das ist gut so und bisher sieht es so aus, als hätten wir jeder unseren Weg zumindest weiter beschritten und ihn für möglich gehalten. Und tun es wohl auch weiterhin.
Gestern war Mandy bei mir und wir haben geschnattert. Das muss man genau so nennen, denn wir redeten uns beide in immer schneller rasende Wortfolgen hinein, in denen wir versuchten, das Leben zu erklären. Das läuft immer so ab: kurze gegenseitige Bestandsaufnahme der IST-Zustände mit kurz darauf einhergehender Erklärung derselben. Aus Mandy sprechen viele strukturierte und angelesene weise Worte, die allesamt irgendwie logisch und richtig erscheinen. Aus mir spricht wie so oft das Chaos, wonach meine Amplituden des Befindens wie auch jener der Lernkurven aus Erkenntnissen äußerst schwammig daher kommen.
Wir sitzen im selben Boot der anerworbenen Verhaltensmuster und versuchen permanent, uns davon zu emanzipieren. Sowas geht nur mit vielen Erklärungen. Ich kann mir trotz aller gut platzierten Logik all jener Worte immer nicht viel von denen merken. Übrig bleibt, dass es offensichtlich möglich ist, das Leben.
Aber eines hat mein 18 (achtzehn!) km langer Spaziergang durch MD gestern herausgestellt: mein Gehirn gehört ins Technikmuseum! Zu nahezu jedem Ort, den ich passierte, hatte ich Erinnerungen, Geschichten, Begebenheiten. Vom Carl-Miller-Bad über den Stadtpark oder die Elbe bis zum Herrenkrug ... überall steckt Erlebtes drin und ist komplett vorhanden. Dazu gesellen sich dann noch die ganzen anderen Gedanken und so ein langer Spaziergang hat dann auch nicht viel mit einer kopf-befreienden Aktion zu tun; eher mit einer Durchrüttelung Tausender Gedanken auf dem Schlachtfeld der Denk-Deponie.
Wir erklären uns die Welt, weil wir sie nicht stumpf so annehmen können, wie sie ist, weil sie uns bereits vor unserem Denkeinsatz zu erklären versucht wurde. Und selbst dieser Satz eben ist schon wieder ein Erklärungsversuch. Fuck it!
Jedoch das Koordinatensystem, welches mir gestern einfiel, kann ich visuell gut in ein Gefühl platzieren: Die Bergspitzen der Amplitude in der Sinuskurve sollten genauer beobachtet werden, während der Nulldurchgang als Skalenwert bereits als grundsätzliches Zufriedensein argumentieren sollte. Meint also: eine stabile, positive Basis als Grundeinstellung. Alles andere ist entsprechende Interpretation bzw. die Sicht auf die vergangenen, bestehenden und zukünftigen Episoden, die von einem positiven Standpunkt aus eine ganz sicher ganz andere Wirkung haben wird, als aus dem Müll der grauen Traurigkeit.
... und so geht das hier immer weiter ...
Gesundheit & Soziales
Ich lese von gesunder Lebensweise aus naturheilpraktischer Sicht, von Blutegeln, über die aktuellen und scheinbar irgendwie gar nicht so neuen Erkenntnisse im Bereich Ernährung (es ist im Grunde annähernd die Lebensmittelpyramide aus den 90ern). Und ich lese dabei endlich mal wieder etwas über den ganzheitlichen Ansatz, also die Fusion aus Einstellung zum Leben, den Möglichkeiten und den tatsächlichen Verhaltensweisen.
Und mir fällt das Thema "sozialer Umgang" wieder ein. Kommunikation und Austausch mit anderen sind dabei grundlegende Elemente. Insbesondere Familie, Gleichaltrige, Gleichgesinnte ... es gäbe viel aufzuzählen und meine Überlegungen dabei lassen sich die Frage aufdrängen, warum mir dieses Thema problematisch erscheint. Das war früher anders, oder? Da müsste ich ausholen und auf solche Geschichten wie 'auch wenn alle nackig sind, ich trage eine Badehose' in der Kinderkrippe oder später dann 'nackig während des Hortes durch die Schule rennen' oder das Selbe auf Kienwerder, wo es absolut normal gewesen wäre. (Das betrifft jetzt den präsexuellen Bereich). Doch auch war ich ziemlich auf mich allein gestellt auf Kienwerder. Und ich habe mich daran gewöhnt. Oder?
Der Familie gegenüber zeigte ich mich mit Anfang 20 skeptisch, weil in meinem Kopf ein 'bisschen mehr als das hier' herum spukte, sich aber nicht tatsächlich greifen liess. Meine Modelle in Bezug auf Sinn und Verstand wollten höher hinaus, schafften es aber nicht. Das war auch die Zeit in der Kutzstraße (in der Wohnung des von mir geliebten Nico) und den musizierenden Studenten im Hinterhof, was auf meine Vorstellung über solche Modelle passte. Oder das Kellertheater und die Band Shelta. Aber ich hab mich nicht hingetraut. Später dann Kuppeltheater oder Elbschuten - allein und völlig verunsichert war ich dort ... aber ich wollte irgendwie dabei sein und bestenfalls dazugehören. Ich habs wenigstens versucht, war aber so extrem verunsichert. Und allein.
Mich beschleicht so ein Gefühl, dass das nie ganz aufgehört hat. Ich solle die Zwischenzeiten und auch die Mapplethorpe Tagebücher aus 1995/96 ++ zu Rate ziehen. Am Ende war ich also im Puppentheater und mir wollte sich das Gefühl nicht einstellen, dazuzugehören. Ich konnte mich nicht darauf einlassen. Worauf? Auf die Spieler? Die Mitarbeiter? Die Vorgesetzten? Auf eine Art gemeinschaftlichen Gefühls für 'die Sache', die dann nicht meine wurde oder werden konnte.
Ich bin verwirrt beim Schreiben dieser Zeilen. Und werde traurig. Und wütend. Live sozusagen. Es ist Dienstag, die Sonne scheint und ich sollte mich jetzt auf einen Weg nach draußen machen. Frische Luft schnappen und zur Besinnung kommen.
Tschüss.
Diffuses Lichtfieber und die Feuer
Dieses diffuse Fieber des Lichts- wie es sich anfühlt- verschafft mir manches Mal sogar wackelige Beine. Und es ist sehr schwer zu greifen; es scheint flüchtig. Wohl aus der Annahme heraus, dass es nicht sein kann, sein darf oder: sein sollte. Ein Lampenfieber drückt die Angst vor dem Versagen aus. Und nichts anderes ist es. Eine Fülle von Informationen mit einer noch größeren Menge an Erklärungsversuchen; dem Versuch, es darzulegen, zu analysieren und es am Ende säuberlich sortiert einer Lösung zuzuführen ... all diese Dinge sind in solchen Zuständen noch weiter entfernt, als jemals angenommen. Und schaffen weitere Angst.
Das Resümee meiner Ideen bei meinem Arbeitsagenturbesuch heute war, dass ich es angehen muss. Im praktischen Sinne. Und ich glaube mittlerweile selbst daran: denn von allein wird sich nichts ändern. Alkoholresistenzen werden wieder in sich zusammenfallen. Sportliche Neuanfänge werden den Schmerzen weichen. Die Aussichten werden durch derlei Rückfälle immer trüber. Ein Kreislauf mit negativer Zentrifugalkraft, da die Geschwindigkeit nicht mehr relevant sein wird und alles in sich zusammenfällt.
Eigentlich gilt es, diese viele freie Zeit größtartigst zu geniessen. Aber es geht nicht. Das missfällt mir sehr. Warum bin ich nicht in Dänemark? Oder in einsamen Hütten in Wäldern? Oder im Ausland? Weil (mit Ausnahme von Dänemark) alles nur Vorstellungen und gedankliche Konstrukte von möglicher Schönheit und Sehnsucht sind. Am Ende wird nichts passieren.
Praktische Dinge müssen her. Die Reha letztes Jahr war so ein praktisches Ding. Gut - es hat bei mir eine große Hilflosigkeit aus einer dort entstandenen Traurigkeit generiert und die bildet noch und gerade heute die Grundlage meines diffusen Lichts. Aber es war greifbar, es war einfach, ich musste mich nirgends beweisen. Kurz: Ich war Ich.
Und um zu meinem Ich mit all den Stärken und belebten Hoffnungen und dem realistischen Einschätzungsvermögen zu gelangen, bedarf es keiner Gedankenkonstrukte mehr, sondern praktischem Learning by Burning. Eine lustige Redewendung aus Stoppoks Song, die hier meint, dass ich in Aktion treten muss, um meine Feuer wieder anzumachen.
Eine kleine Krux, wo ich doch meine freie Zeit so sehr genießen wollte. Nunja, aber es wurde bereits erklärt und hat außerdem einen ganz entscheidenden Kernpunkt: Die Arbeit in gewissem und positiven Sinne zum Leben und umgekehrt zu machen. Integration. Beides jeweils Bestandteil vom anderen. Und ich mit Freude daran dabei.
Da werde ich mich wohl nochmal zurücklesen müssen in die Phasen im PT, in der ich merkte, dass ich mich dort nicht aufgehoben fühlte. Mit wenig Selbstbewusstsein selten auf die mir gut gesonnenen Menschen traf und dauernd zweifelte, warum ich mich nicht einfach mitreissen lassen konnte von jenen Strömen, die zwischenzeitlich die Meute mit sich zog.
Fast liest es sich gefährlich aussichtslos, mich in eine Umgebung versetzen zu wollen, in welche ich mich aufgehoben fühle. Gibt es sowas denn? Womit ich mich schön hingeschrieben habe auf die beiden einzig möglichen Antworten: In Aktion treten. Und: 42.
Vielleicht macht so etwas ja auch den Psychologen überflüssig, nach welchem ich mich zuweilen ziemlich sehne.
von Feuern und Aschen
Wo sind Feuer und Begeisterung? Wo sind die Ideen, wo welche Ziele und Aussichten? Was ist bereits verbrannt und wie viele Funken der Glut sind noch in der Asche? Poetische Fragen. Was unbedingt und wie immer damit zu tun hat, dass ich sie nicht beantworten kann. Die JeskomShow ist geschafft (siehe eins vorher) und das unrühmliche "heute ist nichts" wird mir zur Falle. Weil ich Gefahr laufe, aus der Not meines immer etwas fordernden Antriebs "irgendwas" anzufangen. Das aber wird sich schnell wieder in Arbeit verlaufen, die mir nicht richtig zur Freude gereichen will. Eine Kausalkette ohne freundliche Glieder.
Es macht mich verrückt. Und ich weiss auch, dass irgendsoeine Glut womöglich wieder aufkommen will und wird und sich alles hauruck wieder viel besser anfühlt. Das kann nicht mein Leben sein, in welchem ich von einem wackligen Troststein zum nächsten balanciere. Denn die Ideen gehen aus bzw. sind viele bereits erlebt und verbrannt. Klingt trostlos, ich weiß. Fühle mich ja auch entsprechend.
Also wie nun? Ganz sicher jedenfalls ist, dass ich bei Weitem längst nicht alle Möglichkeiten kenne, in denen ich mich frisch entzünden (aaah, sehr doofes Wort und damit Grüße an meinen Bechterew) kann. Daher rühren vielleicht auch jene vagen Vorstellungen von Ferne, von ganz was Neuem / Anderen. Aus dem Gefühl heraus, hier soweit fertig zu sein. Aber das wird nichts. Es sei denn, es gäbe eine Idee, eine Vorstellung davon.
"Von Feuern & Aschen" ist eine Punktlandung in Sachen Überschrift und weniger poetisch gefasst, muss ich den Begriff "ausgebrannt" wohl sachte aber sicher annehmen. Jener Begriff, den ich eher belächelt habe, weil ich so eine Vorstellung, keine Ziele oder neuen Ideen mit Eifer angehen zu können, nicht akzeptieren konnte. Nun aber doch.
Es wäre gut, kurz herauszufinden, was mich so mürbe hat werden lassen, um gleich darauf sachlich klarzustellen, was es denn sein müsste, was mich zu neuen Zielen, Ideen ... kurz: zu neuen Feuern führen könnte. Da reicht ein Profiler in Sachen Berufswahl nicht mehr aus; da muss ein freundlicher Psychologe meine Partitionen mal ein paar Stunden auseinander nehmen und genau die selben wieder zusammensetzen. Nur besser sortiert, damit ich sie begreifen kann. Meine Basiskompositionen können gute Musik hervorbringen und eine Persönlichkeitsänderung wäre zudem weder möglich noch tatsächlich gewollt (auch wenn ich so oft nach anderen schiele und sie um deren Denken und Tun beneide, was hauptsächlich mit meiner Sicht auf mein Selbstwert zu tun hat, das gerade in solchen Situationen wie hier beschrieben, eine grandiose Talfahrt hinlegt. Und zwar eine schwarze.)
Mir wäre schon sehr geholfen, wenn ich wüsste, was ich will. So als erster Schritt. Ich übe mich derweil im Listenschreiben über solche möglichen Ziele. Die sind immerhin ... ziemlich dämlich, aber ebenso immerhin ein Versuch. Die Angst sitzt mir in Nacken (und Rücken) und schaut mir liebevoll dabei zu.
Ahoi Kapitän, bring das Schiff aus der Brandung, lösch' die Feuer am Steuer und entzünde neue. Solche, die hell und warm machen.
gute clubstories. und wie weiter?
Das war eine schwere Geburt. Mir wollte nicht recht etwas einfallen zu den JESKOMclubSTORIES, was mir gefällt, entspricht und zusagt und was mich ambitioniert schreiben und komponieren lässt. Immerhin zwei neue Songs habe ich geschafft. Und ich habe die gesamte Produktion im Selbstversuch realisiert. Vom Programm, den Songs, dem Film, der Werbung, dem Vorverkauf bis zum Aufbau im Oli und der Abrechnung. Aber es war schwer. Und ohne die Unterstützung zweier Musik-Mensch-Profis und vor allem Tobi hätte ich es nicht geschafft. Es war knapp.
Das Script las sich so "lala", aber am Ende war es wie immer die Art&Weise der Live-Performance, die das Oli zu tosendem Applausen für uns drei hinreissen ließ. Diesmal war es nicht ausverkauft, aber die Rechnung ging dennoch auf. Ich hab 'ne Menge Technik (Licht, Bogenlampe, Werbung) für 500,- eingekauft und das in die Endabrechnung einfließen lassen. Am Ende haben Jörg und Mohi je 200 EUR und ich etwa 350 und dazu die eingekaufte Technik.
Also hat es also doch wieder geklappt und ich war am Ende beruhigt und froh über den Zuspruch der vielen Leute. Es war ja auch ein bisschen provoziert. Die Thematik des Films habe ich unmerklich meiner Stimmung entnommen: Alles ist irgendwie 'vorbei' und ich werde überall rausgeschmissen, verleumdet und sonstwie negiert. Ein Automatismus, der meine innere Stimmung nach außen kehrt. Natürlich auf sehr belustigende Art. Nunja, ich hätte gern auch Mandy und Kubon und Heide und Jacqueline und Ronald (...) im Publikum gewusst. (Wahrscheinlich weil ich die Aufmerksamkeit und Fürsprache solcher Menschen benötige, was wiederum hübsch auf ein noch immer sehr kleines Selbstwertgefühl hinweist) (und noch ne Klammer: Was genau würde denn die Anwesenheit dieser Leute und so eine erhöhte Fürsprache bei mir bewirken? Dass ich mich für den Moment noch ein bisschen mehr bestätigt fühle? Und dann? Ach herrjeh.)
Und dennoch ist es noch immer so:
Jetzt ist alles und glücklich verlaufen vorbei. Ich wünsche mir mehr solche Konzerte, habe ansonsten aber einen weiterhin vorherrschenden Leerstand in mir in Bezug auf das, was ich zukünftig tun möchte. Angst vor 'irgendeiner' Anstellung nur um der Anstellung wegen (und wahrscheinlich für weniger Geld), Angst vor einer Selbständigkeit, von der ich nicht weiss, womit ich die ausfüllen / finanzieren soll und vor allem: keine Begeisterung. Selbst in diesen Wochen, in denen ich viel Zeit für mich habe und nirgends hin 'muss', mache ich nichts für mich, entwickle nur vage Interessen ohne Aussicht und Idee und die Zeit vergeht wahnsinnig schnell. Lebenszeit!
Stattdessen trinke ich wie immer zuviel. Mein Gesamtzustand gefällt mir nicht. Schon wieder nicht. Eine Lösung habe ich weder parat noch in Aussicht. Ich sollte die ACT (Akzeptanz-Commitment-Therapie) lesen. Vielleicht findet sich dort etwas. Immerhin habe ich mich nicht aufgegeben und mit dem Konzert wenigstens mal nachgesehen, ob ich zumindest in der Lage bin, derlei Dinge hinzukriegen.
Ja. Aber bitte mit mehr Freude und Ambition. Es darf nicht jedes noch so kleine Projekt zur gefühlt unendlich aufwändigen Prozedur werden mit der späteren Aussicht auf "heute ist endlich mal nichts." Das Leben sollte ein Fluss sein und keine Hinarbeit auf irgendetwas, was spätestens bei dessen Eintreffen ja dann auch bloß nicht schön ist. Oder wie ich vorhin Thomas Riedel auf seinen Dank für die Fotos ("Vielen Dank für deine Mühen") schrieb: Wenn es auf Sympathie beruht, ist es keine Mühe! Soweit zu meinen Statement für mein Leben.
Frühauf
Versuchen wir also das andere Extrem (weithin auch als Normalzustand betitelt) weiter zu treiben. Es funktioniert seit 4 Tagen. Genau genommen, seit 3 Abenden. Extrem fühlen sich dabei meine Machenschaften und Aktionen an. Und das sind sie auch: Letzte Woche schon fuhr ich morgens mit dem Rad zu meinen Eltern wegen der Post. In dieser Woche fuhr ich am Dienstag recht früh gut eingepackt in den Stadtpark und machte einige erstaunlich schöne Fotos. Der frühe Vogel. Natürlich fühlt sich das deswegen extrem und auch ein bisschen zwanghaft an, weil ich sowas normalerweise nicht mache; sowas nicht auf meinen Wunschlisten steht. Da ich aber auch keine Wunschlisten habe und ich sowieso nicht schlafen kann, mache ich eben sowas. Dieser Text hier taugt schon für die Jeskomclubstories, mit denen ich mich weiterhin schwer tue. Aber so sachte beginnt es.
Ich träume immer noch vom Puppentheater. Das sind recht deutliche Szenen; diesmal mit meiner Verabschiedung von Spielern und den ganzen Leuten, die sehr viel schöner und gefühlvoller ausfiel als die damalige reale.
So. Und gestern fahre ich mit dem Rad durch den sehr frühen (ach herrje ... "sehr" meint 7:30 Uhr), also frühen Nebel vorbei an meinen Eltern nach Ottersleben und von dort aus Richtung Sudenburg, um die Otto-Bäckerei zu finden, die so schöne Brötchen macht. Und das macht sie wirklich. Heute war ich wieder im Stadtpark, hatte allerdings schon ein bisschen Bedenken, meine wunderbaren Bilder vom Dienstag übertreffen zu müssen. Es ging dann aber und ich probierte die Hyparschale aussen wie innen aus. Und jetzt habe ich gefrühstückt und merke seit diesen Tagen, dass mir morgens 2 und abends 2 Brötchen mit etwas Obst dazwischen absolut ausreichen für den Tag.
"Zwanghaft" - das wird auch so ein Thema bzw. ist es schon immer, spätestens seit Oostende 1993 und der Frage im abendlich warmen Sand beim Sonnenuntergang, ob das denn nun schön sei. So oft thematisiert und genau so oft auf keine Idee zur Erklärung gekommen. Weil ich gleich wieder an irgendetwas anderes denke. So wie jetzt, als ich genau eben den Entschluss fasse:
Ich werde diese Bechterew Studie beginnen und sehen, wie es mir dabei geht. Und: ich werde das Angebot der Hypnose-Tests von Suse und ihrem Kollegen ausprobierend annehmen.
Aber erst müssen die neuen Songs und die Clubstories ... puuhh!
Lampenfieberwochen
Da habe ich also in der letzten Woche bereits mit dem Alkoholverzicht gebrochen (Dienstag und Donnerstag), habe deswegen am Freitag fast nichts getrunken, um am Samstag nach Nettis Abgrillparty vollends zuzuschlagen, sogar als Tobi bereits im Bett war. Da es ja immer irgendwie einen Grund gibt, nahm ich mir diesmal mein ungeheuerliches Lampenfieber zur Basis genommen und versucht, die JeskomClubStories weiter voran zu treiben. Mag ja sein, aber die klare Forderung, am Sonntag nach einem Übergangsbier etwas mehr Ernsthaftigkeit in meine so schwammige Struktur zu bringen, erging sich in 2 Bieren plus Wein plus Kräuter plus noch einem Bier. Und so sitze ich hier: Es ist Montag, 11 Uhr, ich habe die Wäsche gemacht und die Volksstimme voller Puppentheater gelesen und mich darin geübt, mich nicht zu schlecht dabei zu fühlen. Weil ich ja nichts mehr damit zu tun habe und jetzt hier rum hänge.
Wahrscheinlich wird das hier noch eine endlose, sich ständig wiederholende Litanei, aber meine wirre Hilflosigkeit betreffs der endlich zu schreibenden Jeskomstory und des nicht enden wollenden Alkoholkonsums machen mir nicht sonderlich viel Mut. Am Ende steht wieder die große Furcht, nichts auf die Reihe zu kriegen, insbesondere in diesem arbeitslosen und merkwürdigen Zustand und dem Gefühl eines irren Verlustes: nämlich dem von Zeit & mir.
Tagebuch eines Trinkers
Die Idee, meinen Alkoholkonsum einzuschränken bzw. klar zu reglementieren, macht nicht sonderlich Freude. Am Wochenende nach meiner ersten alkoholfreien Woche (von Sonntag bis Samstag nach Jeskom) gab's am Samstag viel Wein im Pool mit Tobi. Was ich in die Kategorie "OK" einstufte. Ich erinnere mich an den darauf folgenden Sonntag Abend zuhause, an dem ich die von von Tobi angemahnte Richtlinie (Alkohol nur an 2 Tagen in der Woche; also kannst du am Sonntag Abend noch was trinken) ausnutzte, um ziemlich viel Rum zu trinken. Dann kam wiedermal der kalte Entzug von Montag auf Dienstag. Geschafft. Um am Dienstag im Bluenote massenhaft Bier zu trinken. Mittwoch und Donnerstag hielt ich durch, Freitag mit Tobi wurden es 3 Flaschen Wein. Bereits zu viel. Und dann kam Samstag und Mannhausen. Bereits beim ersten Bier dort merkte ich, dass ich noch einigermaßen bedrängt vom Freitag war. Und es ging ziemlich flott voran. Ich hatte Durst. Allerdings merkte ich meinen Gesprächen mit Marcel, Christina und auch Kubon und sogar Mandy, (der ich auf unserer kurzen Begegnung auf der Treppe hoch zur Toilette einfach nichts Vernünftiges sagen konnte, sondern irgendwas von bestimmt tollen Fotos faselte) dass ich nicht fit war, nach Worten für etwas suchte, wovon ich nichtmal wusste, was ich wie erzählen wollte. Und beim Fotos machen im PferdHuhnKuhSchweinstall bei Pedro&Kubon und anschließend Hubsi&Band war ich zudem sogar körperlich unsicher. So wie es Betrunkene sind. Angst, daneben zu treten, etwas umzuwerfen, zu stolpern ... So ganz betrunken war ich ja noch nicht, aber ich spürte sehr wohl, dass ich ziemlich schlapp, unsicher und wackelig bin. Meine Gedanken im ersten Drittel des Abend richtete ich auf die Idee, dass es ja noch die Nachwirkungen von gestern seien und dass ich mit ein paar Konter-Bieren auf das richtige Level komme.
Tja, und jetzt kommts: Dieses Level war vielleicht sogar kurzzeitig vorhanden, allerdings hab ich das sofort 'übertrunken'. Okay, nur mit Bier (und das in schneller werdender Folge), aber das hat locker gereicht, um mich noch platter zu machen. Und unangenehm wird es, wenn ich merke, wie ich in meiner Konversation ziemlich versage. Und sogar anfange zu stammeln, zu nuscheln, zu säuseln und nicht ganz bei der Sache zu sein. Dazu und anschließend kommt die Vorstellung, wie andere mich dabei erlebt und möglicherweise eingeschätzt haben könnten. Ein ungutes Gefühl.
Warum schreibe ich das auf? Weil hier gerade noch so eine typische Situation stattfindet: ich sitze zuhause am Sonntag Abend und habe genau ein Bier. Was reichen sollte. Es gibt auch keinen Geschmack auf weitere Alkoholitäten. Aber ich mach's trotzdem: Um der üblichen schlaflosen Nacht nach solchen Eskapaden entgegenzuwirken. Mittendrin fällt mir ein: Es gibt wahrscheinlich keine "Mitte", mittels der ich den Zwischenweg und damit ins Bett finde, die mich schlafen lässt und morgen weder Unausgeruhtsein noch schweren Kater spüren lässt.
Und so wurde es (bis jetzt) Rest-Rum in 3 Gläsern und jetzt bin ich bei "Mümmelmann". Und beeile mich, das hier aufzuschreiben, damit ich das besser nachvollziehen kann.
Ich erlebe derzeit ein Konstrukt, dass aus mehreren problematischen Konstellationen besteht: Wohin und wie geht es weiter? Was traue ich mir zu? Wohin möchte ich? (Kubon sagt, es werden beim MDR dringend Autoren und Moderatoren gesucht). Und ich denke: Wao! Das wollte ich damals doch immer schon machen. Und die Chancen für meine Bewerbung jetzt stehen sogar gut. Ich habe eine Menge vorzuweisen - meine Vita liest sich auch für den journalistischen Einsatz ziemlich gut (Kulturserver, Medienverband, Werkleitz, Spiesser, Puppentheater, viele Hörbuchproduktionen ...)
Aber ich fühle mich so schwach, tumb, unfähig und so hilflos wie ängstlich, dass es sich (nicht nur betreffs MDR) so aussichtslos anfühlt. Und noch eins oben drauf: In der ersten, komplett alkoholfreien Woche war es nicht anders! Es ist ein grundlegendes Problem, dass ich meines Wissens in einem der vorherigen Beiträge hier bereits aufgeschrieben habe.
P.S.1: Habe mich in Mannhausen mit Martin unterhalten. Dem sind irgendwie Leute aus der Familie weggestorben und er selbst hat im Job fette Probleme bekommen. Er war jetzt 6 Wochen auf Reha und wir konnten uns darüber gut unterhalten. Burn out. Psycho. Und wieder hab ich dabei mein kleines Phänomen rausgelassen, wie ich durch den goldherbstlichen Wald lief und mein Innerstes sich mit Tränen den Weg nach Außen bahnte. Und ich war wieder selbst so ergriffen davon. Und dabei merke ich, dass sowas genau jetzt genau richtig für mich wäre.
P.S.2: Mit Tobi heute am verkaufsoffenen Sonntag bei Pflanzen-Richter. Au weia. Mit so einem Kater! Das ist Nah-Tod-Feeling. Nicht wegen Pflanzen-Richter, sondern wegen meines gefühlten Seins. Das war keines, ich hätte mich am liebsten in eine Ecke gelegt und darum gebeten, mich in Ruhe sterben zu lassen. So sieht's aus! DAS ist ein Gefühl, das ich bitte nie wieder haben möchte.
P.S.3: Es gibt zu tun: JESKOMclubSTORIES. Und? Wir ahnen es: Furcht & Angst schleichen sich ein, denn ich habe keinen Ansatz, keine Idee. Aber nicht mehr viel Zeit. Ui.
P.S.4: Es gibt diese SURPASS‐Studie (CAIN457K2340), die mir von Weimann empfohlen wurde und für die ich den Erstbesuch bei Prof. Dr. Möricke absolvierte und zuversichtlich ob derer Wirkung war. Tobi hat sich erkundigt über Secukinumab und Adalimumab Biosimiliar (GP2017) und es stellt sich heraus, dass die Nebenwirkungen zum Teil erheblich sein können. (hier die Basis zum Nachlesen). Mist! Ich werde Heide dazu konsultieren und dann sehen, ob ich es drauf ankommen lasse. Immerhin gibt es eine Menge kostenloser Untersuchungen und eine wissenschaftliche Betreuung dabei. Es kann mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit passieren, dass mein Bechterew verzögert wird oder sogar zum Stillstand kommt. Es kann aber auch passieren, dass dem nicht so ist und ich im Gegentum eine ganze Menge unschöner Begleiterscheinungen bis hin zum Krebs haben werde.
Tja! Was nun? Wenn alles längst egal ist (ist es das?), würde ich sagen: Druff wekke.
Mümmelmann Kräuter hat 35% Alkohol. Aha. Und das nächste Ziel lautet: Bis Freitag keinen Alkohol mehr. Ach.
Dumpf aus dem Beton
... dröhnt es immer wieder, wenn ich mich wie heute auf Baumarkt-Tour befinde, um Zeug für die Küche und die Wohnung im Allgemeinen befinde: Ich fühle mich fast orientierungslos, kann mich kaum konzentrieren und habe das lähmende Gefühl, nicht weiter zu kommen. Weder kann ich mich für etwas entscheiden noch mich an geradlinig auf etwas einzulassen, um es bis zu Ende zu denken. Nehme ich so eine Pflanze? Sind die Küchenarbeitsplatten nicht anderswo etwas preiswerter? Welche Lampe könnte im Schlafzimmer die gewünschte wohlige Atmosphäre schaffen? Was ist für mich überhaupt wohlig?
Fast schon ziellos vergehen Stunden und, auf die letzten drei Wochen bezogen, auch sehr viele Tage. Das wurmt mich. Woran liegt es? Ich bin weiterhin nicht ausgeruht, nicht richtig wach und vermute meinen Blutdruck auf unterstem Niveau. Ein Limiter scheint mir eingebaut, während das Gate alles hereinlässt und mich noch mehr verwirrt. Natürlich spielen solche Rum-Eskapaden wie die vom Sonntag oder die Biermassen vom Bluenote Dienstag mit hinein und ich schimpfe mich, weil ich die alkoholfreie vorletzte Woche nicht genau so weiter betrieben habe.
Zwischendrin gibt es dann immer wieder kleine Lichtblicke. Als ich mich endlich für die Küchenplatten entschieden hatte, auch wenn es über 80 EUR kostete, war mir schon ein bisschen leichter mit der Gewissheit, wenigstens ein bisschen vorangekommen zu sein.
Mein Alter Ego ist noch unterwegs und stellt mir deshalb hier keine Fragen. Und das Wetter ist goldwarm und ich wäre lieber jetzt ... NICHTS - ich kann nicht herausfinden, wo und was ich jetzt lieber wäre und gern hätte. So trolle ich mich wieder in die Küche und versuche, es dort fertig zu machen. (Sollte ich die Wand nicht besser streichen? Es täte not, so pattig wie die aussieht. Aber dann müsste ich wieder los und alles besorgen. Und das wird wieder ewig dauern und mich an den Rand der nächsten Verzweiflung bringen).
Dennoch bleibe ich so gut es geht dran und werde mich durchkämpfen bis zum Friseur, zum Kieser-Training, zum English-Level-Test und einem psychologisch geschulten Profiler.
Angst aus Blei
Irgendeine undefinierbare Angst legt sich derzeit auf alles. Bleiern und brutal liegt sie auf mir, bereit, mich festzuklammern. Einziger Lichtblick scheint sich aus meinen Erfahrungen zu generieren, wonach sich das alles ganz sicher irgendwie wieder lösen wird und das womöglich alles ja meiner neuen Situation geschuldet ist.
... was genau hat die Angst denn besetzt und wie wirkt sie sich aus?
Sie ist überall und ich fühle mich so ein bisschen allein. Bildlich stünde ich ganz allein auf der Erde und über mir brausen die Winde und werden zu Stürmen. Es fliegt Zeug durch die Luft und ich hab Angst, getroffen zu werden. Mir fehlt die Kraft zum Ausweichen. Die Erde ist dunkel, herbstlich und jedes kleine Element, jeder Gedanke will sich der Angst anschließen. Man hat sich verabredet und das Lager der Angst hat viele Freunde.
... sehr poetisch. Klartext?
Angst, es nicht denken zu können. Ich stumpfe ab und kann oft keinen klaren Gedanken fassen. Alle Ideen von Wegfahren, Leute besuchen oder Dinge tun, die sonst nicht oder zumindest gefühlt nicht möglich waren, sind es jetzt um so weniger. Keimzeit sang mal "und wenn ich überleg' was ich denn wirklich kann, seh' ich, dass ich zu nichts taug'." Genau so fühlt sich das an. Jede noch so kleine Aufgabe bläht sich zwischendrin wie riesig auf. No future!
... ist es möglich, dass nicht du die Angst hast, sondern die Angst dich? Dass du mit der freiheitlichen Stille nicht klar kommst und dein Selbstbewusstsein dir ein paar Schritte voraus und längst unterwegs ist?
Glaube ja, ich fühle mich hier zurückgelassen und merke es oft an meinen unausgeglichenen Reaktionen. Und natürlich den Reaktionen von Rücken und Schulter, die mich nicht in Ruhe lassen. Die Wohnung wird immer besser und sieht so aus, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber alles dauert lange und zwischendrin bemerke ich immer wieder eine taube Trübheit, die mir manchmal zu verstehen geben möchte, dass dies hier nicht das richtige Universum ist.
... es hat keinen Sinn, das hier auszuweiten. Bedenke: ich bin du und nicht immer gelingt mir die sachliche Abgrenzung. Wohl aber bemerke ich eine unausgeglichene Unruhe und ich empfehle vorerst sachliches Weitermachen: Klavier nachher verkaufen, die klinische Studie durchlesen und mitmachen, dem Puppentheater das letzte verbliebene Passwort geben (...) und dich weiter sachte und sicher voranzutasten. Und wenn die Butze schick ist, nimm' die English-Courses und das Profiling in Angriff.
Bis bald.
Fleissiger Nichttrinker
Schaffe ich es von selbst?
Was?
Na das alles!
Das alles? Wie meinst du das?
Naja, so hier:
Ich habe seit Sonntag keinen Alkohol mehr getrunken. Der "harte Entzug" dauerte bis mindestens Dienstag. Heute ist Donnerstag und ich bin immer noch platt. Rücken resp. rechte Schulter machen immer noch gemeinsame Sache und ärgern mich also seit Juli, lassen mich schlecht schlafen (mit Alkohol fühlte sich das vorerst besser an, aber nachher inkl. Hangover um so weniger). Und meine Aktionen hier in meiner Wohnung (das vollständige Entrümpeln und sauber machen) ziehen sich so dahin. Wie eine divergente Hyperbel liegt immer weniger und immer kleineres Zeug rum und lässt mich mit dem Zimmer einfach nicht fertig werden, um das nächste angehen zu können. Der Anfang war ja bereits fast eine Überforderung für mich! Ich wusste kaum, wie und womit ich anfangen sollte.
Die große Summe allens aber mutiert in einem fortwährenden Gefühl, nichts Neues für mein Leben anpacken, geschweige denn, jetzt irgendwo arbeiten gehen zu können. Ungeduld wegen eines sich einfach nicht einstellen wollenden Zustandes, der mir als gute Basis für die Zukunft erscheint. Auch fühle ich mich in kleinen Dingen manchmal sogar derart ungeschickt und denke dann, dass es mich derart erwischt haben muss, wonach es vorerst keine Aussicht, keine Idee, keine Spur einer solchen gibt. (Dabei formuliere ich wiedermal vorsichtig mit dem "vorerst" ... woher soll ich wissen, ob das wieder kommt? Aus Erfahrung? Aus Mut? Aus zu vielen Gedanken, die aus einem gewissen unbekannten Zwang heraus sprudeln?)
... oh, das hört sich ja mies an. Aber du hast nicht untätig rumgesessen und alles dem Strudel des Leids übergeben, oder?
Erfreulicherweise nicht. Nachdem ich das Bücherregal im Wohnzimmer angepackt habe, ging es sachte, aber mit Aussicht weiter. Jetzt hab ich fast das Arbeitszimmer fertig und sehr viel weggeworfen oder bei ebay eingestellt. Allerdings wird mir das sachte zu müßig ...
... dann schmeiss es doch weg. Oder brauchst du die 300++ EUR so unbedingt?
Nee, eigentlich nicht. Wahrscheinlich ist mir der ganze Trödel auch in Teilen zu schade oder es hängt zuviel Erinnerung dran. Na gut, immerhin verkaufe ich gerade das Klavier. Und zum Glück an Marcel Kabel. Da geht es nicht ganz verloren. Und es sind ja auch 300 EUR.
... wie wärs mit einer Deadline? Alles, was Montag nicht weg ist, schmeisst du weg oder begründest dir ausreichend, warum du es behalten möchtest. Behalten ist nicht schlimm. Aber mal zu deinem Rücken?
Tja, Voltaren hilft immer nur dann ein bisschen, wenn der Schmerz direkt an der Wirbelsäule - also dem Ursprung / Zentrum dieses dämlichen Bechterews liegt. (Nein! Ich werde mich nicht mit ihm versöhnen und liebevollen Frieden mit ihm schliessen, ich werde ihn allenfalls als dämliches Übel akzeptieren und sehen, wie ich am besten dabei rumkomme!)
... na ist doch ein guter Anfang für deine interne Kommunikation. Und wie geht es weiter?
Aber die Schulter rechts lässt sich durch nichts beruhigen. Sie nervt so sehr und manchmal wird es grenzwertig. Fast war ich versucht, bei einem solchen heftigen Impuls irgendwas an die Wand zu schmeissen und zu schreien.
... mach doch!
Ach, und schon wird es besser, ja? Heute war ich endlich beim Rheuma-Weimann. Spritze und neuen Stoff, diesmal als Diclac (kostet weniger, ist das Selbe). Neu dabei: Er wird mich in einer Studie für so einen neuen Wirkstoff -Cimzia-ähnlich - unterbringen. Die soll bisher recht erfreuliche Wirkung für Patienten mit solchen Gelenkentzündungen gezeigt haben. Naja, klingt auf jeden Fall erstmal gut. Außerdem zwinge ich mich zu geruhsamen 15 Minuten Morgens und manchmal Abends und mache die Übungen aus der Reha, die auf Beweglichkeit abzielen. Ach ... die Reha: Genau vor einem Jahr fing die Reha in Brandis an. Facebook erinnerte mich mit einem Bild daran:
Und dieses Gefühl von einem gewissen Frieden mitsamt dieser Ruhe und meinen plötzlichen vielen Tränen ist sofort wieder da. Mit den Leuten dort, den Übungen, meinen Laufeskapaden ... alles nichts Besonderes. Aber sehr bedeutsam für mich. Das ganz Kleine hat das ganz Große ausgelöst. Die berühmten Zünglein an den Waagen. Ich sollte meine Sachen packen und mir eine Sportpension in McPom suchen.
... und? Hast du?
Nunja, am Samstag spielen JESKOM und ich muss eine neue Show schreiben und konzipieren und ...
... und deshalb geht das alles natürlich nicht. Aber danach, gell? Danach fängst du bestimmt an ;-)
Du fängst gleich eine! Es wabert immer wieder in mir, wonach ich meinen Platz in der Welt einfach nicht zu finden scheine. Hochs & Tiefs, Veränderungen, Angleichungen ... alles okay. Aber bitte mit einer stabilen Basis. Vorhin habe ich eine Nuance davon gespürt, als ich im Kur-Brandis-Chat (in welchem oft solche billig kopierten, populistischen Meinungen über das Versagen der Politik und 'Merkel muss weg' und die blöden Ausländer verfasst werden und ich mich ebenso oft über solche Pauschalen ärgere) ... in welchem ich also schrieb:
"Vor einem Jahr kam ich etwas verunsichert in eine nie besuchte Gegend, traf auf sehr freundliche Menschen und hatte nach langer Zeit erstmals wieder Gelegenheit, mich sicher und ruhig zu fühlen. Der Wald wurde Gold und die Zeit langsamer. Es gab keine bösen Worte und alles war im Fluss. Und heute denke ich zurück an uns #29 mit einem wohligen Gefühl und der Gewissheit, dass uns solche Momente immer weiterhelfen werden. Uns allen ein schönes Leben. Und vergesst die Dehnübungen auf der Matte nicht! Sie helfen wirklich ..."
Als ich das geschrieben hatte, freute ich mich. Über mich selbst. Es war eben nicht jener Mix aus 'wie schön war das doch früher' und 'heute ist alles so viel schlechter' ... nein, es war eine einfache Beschreibung meines Gefühls über diese Zeit. Das war schön! Und nicht überheblich oder irgendwie 'etwas Besseres'. Und ausserdem: Die Übungen helfen wirklich!
... wäre ich Psychologe, würde ich mir jetzt auf die Schultern klopfen, wie prima ich dich gerade dazu gebracht habe, dich selbst zu befähigen und deine Schreibereien hier anfänglich auf eine positive Sicht zu lenken.
Stimmt. Nur kann ich mir das alles immer so schlecht merken. Vor Erschöpfung hat mein Verstand begonnen, mit dem Verdrängen der negativen Erlebnisse die positiven gleich mitzunehmen, weil das Sortieren so anstrengend ist.
... also alles in einem Topf und umgerührt? Aber du bist doch immer so schnell motivierbar? Hast du selbst geschrieben damals, wo du dir ein kleines Schulterklopfen mit Anerkennung gewünscht hattest, wonach es dir immer gleich sehr viel besser ging. Ach, die Schulter ...
Ich glaube, ich sollte mir wirklich Zeit lassen. Dann dauert das mit der Wohnung halt noch ein bisschen. Oder einfach nur länger. Es gibt ja keine Vorgabe dafür. Und Zeit habe ich doch zur Genüge. Auch wenn ich manchmal diese Angst habe, dass ich immer noch nicht so weit bin, wenn das Arbeitsamt zu drängeln anfängt.
... und du bis dahin ja noch all das machen möchtest, was dir vermeintlich durch das Puppentheater und deine Arbeit dort im richtigen Leben verwehrt blieb?
Genau, da sind noch so viele Ding ... oh. Ertappt. Hm. Stimmt. Wahrscheinlich ist das Aufräumen meiner Wohnung ein Gleichnis (oder eine Metapher? Frag Murakami) für das parallele Aufräumen in mir selbst. Und so wie ich mich selbst einschätze und beobachte, kann das nur mit Stolpern anfangen.
... ich freue mich sehr über dich! Würdest du mein Kompliment annehmen, wenn ich dir sage, dass du schon alles richtig machst und jetzt nur dranbleiben wirst, weil du das untrügliche Gefühl hast, dass es möglich wäre, dein Leben? Vielleicht als kleinen Motivationsschub?
huch.
Für das Gespräch bedanken sich beide Teilnehmer gegenseitig und versprechen, bald wieder auf eine Tasse Kaffee zusammenzukommen.
Fleissiger Trinker
Ich habe mir für jeden Tag eine Aufgabe gestellt, so dass ich am Ende eines jeden Tages von mir behaupten kann, dass ich ein Stück des großen wüsten Haufens fleissig abgetragen habe. Und es kann alles sein: Das Hörbuch Die Trommel fertig schneiden (am Sonntag nach dem JESKOMzert in der Weinhandlung), die komplette Grundreinigung meines Wohnzimmers und heute die Regalkonzeption mit anschließendem Umbau des Arbeitszimmers.
Es liest sich viel und es ist viel, was aber wie immer auch mit der Sichtweise darauf zu tun hat. Ich fühle mich permanent unsicher bei vielen Dingen. Wie das Wohnzimmer anzugehen sei (und warum) sollte schon zur Hürde werden. Was ich alles noch termingerecht machen muss; wie wir in Zukunft JESKOM abrechnen, wo ich doch nicht viel dazuverdienen darf, welche Maße das Regal denn nun haben und welchen Drucker ich kaufen soll. Entscheidungen sind hier Mangelware. Zumindest anfangs, denn ich entscheide mich ja dann doch noch - soviel Hoffnung sollte also sein.
Eine andere Form der Entscheidung ist die in Sachen Alkohol. Ich schiebe Abstinenz vor und versorge mich extra nicht mit Weinflaschen, nur um am Abend dann doch noch heimlich zum Russen zu gehen, damit ich eine Flasche Rotwein habe, die ich natürlich überhaupt nicht austrinken muss. Nö, nur für ein oder zwei Glä ... und schwupps ist sie geleert. Und so geht es weiter. Vielleicht versuche ich meine Schmerzen in der Schulter zu betäuben. Sie wollen nicht weggehen und Tabletten helfen nicht! Das ist so dämlich und nervend. Nur morgens überkommt mich dann die große Müdigkeit und lässt mich erst halb10 oder später aufstehen, nur um dann weiterhin müde zu sein.
Alles in allem fühlt sich das Leben also mal wieder sehr anstrengend an. Was mich wundert - denn gerade jetzt habe ich doch genügend Freiraum?! Denkste. Puppentheater ist jede Nacht Bestandteil meiner Träume und ich vermute eine leichte Psychose mit parallel akutem Alkoholmissbrauch. Manchmal schwingt in dieser Unsicherheit auch so ein vages Gefühl der Sinnlosigkeit mit, wenn ich sehe, wie andere ihrem Job nachgehen, Musiklehrer sind, die Fleischtheke bedienen, Busfahrer sind ... nunja, in deren Köpfe kann ich nicht reinsehen; wer weiss, wie es ihnen tatsächlich dabei geht.
Also weiterhin ein großer Wust und ungeordnetem Material im Denken und Tun. Von daher ist die Tagesaufgabenstellung schonmal ein guter Anfang. Auf jeden Fall ist so eine Gesamtsituation auch sehr bemerkenswert, denn ich habe erstmals keinen richtigen oder wenigstens weitsichtig erahnenden Plan und fühle mich ein wenig verloren zwischen den Welten von Realität, Traum und nicht erklärten Wünschen.
Bestandsaufgabe?
Zur Nacht folgendes: Den Beitrag vorher habe ich in guter Hoffnung verfasst und wusste fast im Voraus, dass bereits die eine Hürde zur Bewältigung der weiteren eine schwierige sein würde. Kurzum: Gestern, nach dem vorherigen Beitrag, war ich noch bisschen im Bluenote, um mit Wein-Micha die Konditionen für Samstag zu besprechen. Die zuvor gekaufte Bree-Weiss-Flasche gedachte ich (wie so oft schon) nur als Absacker im Haus zu haben. Ende vom Lied = Ende von Weinflasche = Ende der Illusionen.
Hab mich heute dennoch und immerhin zusammengerafft und das Hörbuch "Die geheimnisvolle Trommel" komplett eingelesen. Hey! Immerhin!
Und jetzt im Moment sehe ich mir den heutigen Abend an: Erste Zigarette auf dem Weg zum Russen, um drei Grevensteiner zu kaufen. Weil es 0.5er sind und die komischerweise besser schmecken als die 0.3er aus'm Kaufland. Und bereits gekühlt sind. Alles aber in Bedacht darauf, die nicht auszutrinken. Das hier ist ein Protokoll:
Ein Brausebier um Neun, dazu ein Joint (nach langer Zeit mal wieder), ein vorgeahnt wahnsinniges sexuelles Erlebnis während eines langen Hitler-Filmes auf 3sat aus 1955 (AUT), bei dem ich grandiose klassische Filmaufnahmen und Bildkompositionen bewunderte, die u.a. in meinen Werkleitz-Büchern über's Filmemachen von damals beschrieben sind. So. Dann doch ein Grevensteiner-Bier und die üblich späte Zigarette, die keine Lungenwirkung zu scheinen zeigt. Plötzlich die Idee, etwas Außergewöhnliches probieren zu wollen. Ja: der Rum. Der schmeckte ja irgendwie nicht. Oh! Nanu? Er schmeckt doch! Erst ein bisschen, dann immer ein bisschen mehr. Ich bin wie in einem mir irgendwie bekannten Rausch und hole mir noch 3 oder 4 mal nach. Und während ich das hier schreibe, habe ich den 5. oder 6. und verstehe allmählich, wie Alkoholismus funktioniert. Und wie ich mich morgen wieder fühlen werde, obwohl ich doch eben erst darüber geschrieben habe, dass nur STOPP ALKOHOL die Basis aller Möglichkeiten sein kann .
Aaaber: 'er kann es nicht'. Tja.
Bestandsaufnahme
Solche Titel setze ich gern an, wenn's mir nicht noch gut geht. Hier aber um so wichtiger, denn es treiben mich ein paar Dinge um, die ich jetzt zu sortieren habe; denn es beginnt ja etwas Neues mit einem Übergang, den ich dazu nutzen muss, mich aufzurichten. Und das in mehrfacher Hinsicht.
Über Kroatien hinweg und auch jetzt war es die rechte Schulter, die mich plagte. Das ist ein schwerer Einbruch in meine Lebensqualität. Natürlich ist alles konsequenzarm wieder vergessen, sobald der Schub sich legt. Weil es aber so akut ist und weil ich mich körperlich nicht wohl fühle und nicht gut schlafen kann, was ich gern auch mit Alkohol zu betäuben versuche (die Folgen sind bekannt) und weil dazu meine neue soziale Situation kommt, die eigentlich mehr Chance als Problem sein sollte (...) weil also alles zusammenspielt und ich den dringenden Wunsch verspüre, mich auf eine Basis zu bringen, von der aus ich leben kann. (Das ist alles mal wieder nichts Neues und es bangt sich mir die Frage, ob es das nicht vielleicht schon war ... das Leben, wen mir nichts mehr einfällt. Ach herrjeh.) Los gehts:
Eine Flasche Bier, eine große Flasche Wein und mehrere Absynthgläser zum Abschluss eines Urlaubes und auch so dürfen nie wieder vorkommen. Noch jetzt hängt es schwer in mir nach dem üblichem Verzicht einen Tag später und einer darauf folgenden schlechten Nacht mit einem sich anschließenden wehleidigen Tag. Also jetzt. Also sein lassen. Kompromisse haben es nie bis zu meiner Vernunft geschafft.
Ich hab 7.000 vor Steuer aufm Geschäftskonto, es liegen 60.000 auf meinem Giro, ich besitze eine vollständige Fotoausrüstung, eine PA samt Instrumenten für die Musik, bin ausgestattet mit bestem IT-Zeugs, Mikrophonen und allen erdenklichen Gütern und habe einen VW Bus (bei dem die Lenkung gemacht werden muss). Das sollte reichen. Und das wird es auch, denn mir fällt auch nichts mehr ein, was ich mir unbedingt kaufen muss. Sortieren wäre jetzt wohl angebrachter. So werde ich meine Bude also klar machen, entrümpeln und so wohlig wie möglich machen.
Ich werde meinen Körper sehr viel stärker mit meinem Geist zusammenbringen, Bewegung ist für Bechterew das A&O. Krafttraining, Schwimmen, Radfahren ... und das alles aber mit der gebotenen Sachlichkeit und Vorsicht. Aber Dranbleiben! Die Zeit lässt sich jetzt nicht mehr als Grund für Mangel davorschieben. Zeit ist vorhanden! Und davonschieben lässt sie sich ebenso nicht, denn das Alter greift ja außerdem zu. Wenn ich auf der Couch (!) meinen Bauch sehe, wird mir schlecht.
Ja- Puppentheater ist over. Und ja, ich sehe die aktuellen CLPs hängen und auch träume ich weiterhin von Kempchen & Konsorten. Ich muss mich mehr und mehr davon lösen. Auch sollte ich von den Massen an gesammelten Daten aus neun Jahren mir das Wichtigste für mein Portfolio (Fotos, Musik) behalten und den Rest weghauen. Wofür habe ich das eigentlich so präzise und aufwändig gesammelt? Wegen eine Hoffnung, man könnte mich seitens Puppentheater wegen dieser Daten nochmal um irgendwas bitten? Und dann?
Ich komme mir manchmal ziemlich blöde vor; denn ich merke ja diese latente Unsachlichkeit in meinen Vorstellungen und resultierenden Handlungen und ziehe trotzdem an den alten, längst verlorenen Strängen weiter. Beispielsweise würde ich zum PG gern einen Pressevertreter mit der Frage impfen, warum so viele Mitarbeiter das Theater verlassen haben. Warum? Tja, vielleicht um deren Version zu hören? Okay, es ist erst Tag 2 der neuen Spielzeit, es wird sich legen, wenn ich mich den wichtigeren Dingen endlich richtig widme. Also mir.
So ein Aufschreiben hier hat immer so'n bisschen heilenden Effekt, denn vieles wird klarer und übersichtlicher; es drängt den Wust an Quergedanken etwas zurück. Und um das hier nochmal zu beweisen, folgende Anweisungen mit Ausrufezeichen (aber nur EINEM Ausrufezeichen):
ALKOHOL STOP!
Körperaufbau & Bewegung! (fahr mipm Rad zu Mandy und gehe Mittags schwimmen und nachmittags zum Kieser)
tu das, was dir gut tut: frische deinen Geist auf, gehe ins Kino und Theater!
Suche dir Verbündete dazu und nutze deine Hörgeräte
mach Musik, schreib eine neue Show und übe wie verrückt
recherchiere mit Hilfe anderer über die Domsagen und das OvG-Hörbuch
geh' draußen fotografieren, schließe dich Gruppen oder Seminaren an ... wenn du merkst, das alles bringt nichts, verkaufe die Nikon-Flotte
werde dein bester Freund und gestehe dir ehrlich ein, worauf es dir ankommt und wo deine Sorgen liegen. (ACT!)
Das sollte wohl reichen.
(Zack! Ziel erreicht: ich werde gerade weinerlich ob der Möglichkeiten, die ich hier als durchaus möglich erachte)
Neuer Status, altes Leid
"Der Sommer ist rum", würde ich schreiben, wenn es morgen am Montag wieder ins Puppentheater ginge. Geht es aber nicht. Alles ab jetzt neu. Lange darauf hin gearbeitet und mich permanent unsicher gefühlt. Wegen des neuen Abschnittes, der jetzt für mich beginnt. Dabei wäre das alles kaum der Rede wert, wenn ich mich entschlossenermaßen auf neue Ideen und Herausforderungen einlassen hätte können. Nur sind hier aber keine neuen Ideen. Es herrscht weiterhin Leere im Blick auf meine Zukunft. Wirtschaftlich gesehen ist das unwesentlich und auch Jobs gibts überall zur Genüge. Aber WAS genau schwebt mir denn vor? Mein Lebensmodell ist eigentlich gar keines, ich stolpere unsicher ins Blaue. Auch meine Idee des Aufbaus neuer Aufstellung, Gedankenmodelle und entsprechenden Aktionen ab Reha per Oktober 2017 kam nicht in die Gänge. Ausgebrannt und ermüdet von mir selbst.
Kroatien ist warm gewesen. Und wiedermal recht schlaflos. Es sei denn, es war genügend Wein im Kühlschrank. Und das war es. Aber wir waren drei mal in den Bergen und in einmal shoppen. Keine Eile. Nur mein Bechterew hat eifrig auf meine Instabilität gewartet und greift jetzt immer mehr ins Geschehen ein. So schläft es sich schlecht und fühlt sich permanent schmerzlich schlecht an.
Meine Gedankenwelt ist sehr sprunghaft und immens befallen von tausenden Vorstellungen und Ideen, die mir gleichzeitig irgendetwas vermitteln wollen. Aber all jene Geistesaktionen vermögen es nicht einmal, ihre Inhalte im ganzen Satz an mich zu richten. Schon ebbt es ab oder es kommt etwas völlig anderes Belangloses. In der Summe verhält sich das analog zu meinem konfusen Konzept und meinen Vorstellungen von Leben und Welt, die sich nur "irgendwie" und vage umschreiben, aber keine konkreten Anhaltspunkte zulassen wollen. Immerhin fühlt es sich "möglich" an, das Leben. Je nach Gemütslage ändert sich allerdings die Stabilität solcher Gefühle bis hin zur Ablehnung.
Okay, das hier war die achtzehn-augustliche Zusammenfassung. Ich versuche den Blick nach vorn und habe mir bereits ein paar Dinge zurecht gelegt: Das bereits bezahlte Hörbuch "Geheimnis der Trommel" produzieren, mit Ilgenstein Bewerbungsfotos machen, JESKOM3 für Samstag schick machen und vorbereiten, JESKOM3 neue Clubstories entwickeln und eine neue Show am 26.10. auf die Bühnenbeine stellen. Nebenbei werden mir das komplette Entrümpeln meiner Wohnung und ein paar spontane Ausflüge nach Dänemark oder sonstwohin helfen. Am besten aber wäre jetzt nochmals so eine Reha über 3 oder 4 Wochen! Ehrlich! Das brächte mich ganz runter und schüfe Platz für klarere Gedanken. Beim letzten Mal hats immerhin zur Kündigung Puppentheater und damit zur Lösung von einer meiner problematischen Ursachen gereicht. Okay, nichts ist sicher, es kann immer noch sein, dass sich meine Entwicklung der letzten Jahre insgesamt (inkl. Alkohol und Verschleuderung meiner ureigenen Wünsche) so dramatisch verschlechtert hat, dass es mehr bedarf, als den Job zu schmeissen und die Bude aufzuräumen. Das wird jetzt wichtig, herauszufinden.
heissest und leerest
Okay, es ist warm. Sehr sehr warm. Dennoch hält es mich nicht davon ab, verrückt zu werden. Oder "krachen" zu gehen. Meine diffuse Wahrnehmung und mein noch konfuseres Weltbild helfen mir dabei. Und dazu dann noch ich, der ich keinen Gedanken logisch zu einem "überlegten" Ergebnis bringen kann. Guck mal zurück auf die vergangenen Spielzeitpausen. War das immer so? Viel Zeit, viel Alkohol, viel Nichts. Hier siehts trotz gelegentlicher Aufräumversuche aus wie bei den berühmten Hempels. Ich treffen Leute im Kaufland und fühle mich fast nackt und hilflos in meiner Darstellung über mich selbst. Ich lese mir die Infoblätter vom Arbeitsamt durch und glaube an unüberwindbare und sehr strenge Hürden. Ist ja alles noch nich eingetreten, aber es fühlt sich bereits so an.
Struktur, Ordnung oder wenigstens Leere wollen sich nicht einstellen. Es gibt auch irgendwie keine Ambitionen, aber es fühlt sich an wie bei großer Hitze wie dieser einen kratzigen Wollpullover tragen zu müssen und überall schmeckt es nach Staub und Dreck. Ich bewege mich nicht, der Rücken schmerzt und ich weiss, dass alles ganz schnell wieder Richtung "besser" kippen kann (und muss). Gerade eben habe ich den Mannhausener Ausflug so schön beschrieben, oder? (Nö, steht hier nicht)
Das nur mal am Rande, an dem ich mich mehr stolpern als tänzeln sehe.
Materialstatus Quo
Habe gerade mit Ronald am Bluenote ein gemeinsames Wortkonzert zelebriert, bei dem es um die vielen Erläuterungen des Lebens ging. Diesmal vornehmlich um seinen Ausflug in die 'in to the wild' Berge mit ungeahntem Ausgang, um Christina und seine Tochter und das ganze Dilemma dieser ehemaligen Beziehung; um Murakami, den 'unsichtbaren Apfel'; um mich und meine Neuordnung und um die "Kunst", die weniger auf Erkenntnis, Erklärung und Wissen, als um das Wirken auf den Betrachter / Hörer derselben herhalten sollte. Es fallen zwar bei unseren Treffen oft viele Worte, aber es fetzt auch. Ronald hat sehr viele und logisch klingende Erklärungen, das Leben und seine Wendungen betreffend. Insgesamt zeugt es aber auch von dem immerwährenden Kampf bei dem Versuch, es halbwegs zu begreifen und auf die Reihe zu bekommen.
Heute war mein erster (und heisser) Urlaubstag (01.08.18), noch viele werden folgen und anschliessend noch ein paar mehr. Im Gespräch mit Ronald inklusive sechs kleinen Bieren habe ich erneut festgestellt, dass ich mir aus all meinen vagen Interessensgebieten der zurück liegenden Zeiten mit Hoffnung auf "mehr" mittlerweile die entsprechenden materiellen Grundlagen geschaffen habe: Hochwertige Instrumente wie Gitarre und Piano-Masterleisten, Audio-Equipment mit sehr guten Mikros, Focusride, Macs, Maui Box, eine grandiose Nikon Fotostrecke samt vielem nützlichen Zubehörs wie Licht, Blitzen, Reflektoren, Studio-Equipment; einer großen Sammlung von Software, Grafiktemplates (...)
Und nicht zu vergessen: über 60.000 EUR auf der hohen Kante. Mehr geht immer, aber das muss es jetzt nicht mehr. Braucht es nicht. An fehlendem Material kann es also nicht mehr liegen. Ich möchte aufhören, zu sammeln. Mir ist eine Basis, eine Struktur, eine Idee und ein Wille zum Leben wichtiger. Vielleicht stellt sich ja auch heraus, das ich dieses ganze Equipment dafür garnicht brauche. Okay, dann weg damit.
Wenn das Puppentheater und meine Misere darin der Grund für den vielen Alkohol der letzten Jahre gewesen sein soll, wäre es doch jetzt der richtige Zeitpunkt, damit aufzuhören, um mir eine gute Grundlage für das renew meines Lebens zu machen, oder?
Der Sammler auf der Suche
Ich räume mein Büro aus und kann mich wie immer nicht entscheiden, was weg kann und was ich behalten möchte. Dabei bin ich schon recht diszipliniert; dennoch sieht es bei mir zuhause gerade aus wie bei einer Messi-Zentralstation. Und morgen kommen noch weitere zwei Kartons. (Immerhin habe ich heute noch ein Stativ und einen Nikon Ersatz-Akku "retten" können".) Aber eben auch ein großes Paket A3-Papier und die weissen und grauen Pappen und das Wacom-Brett. Zum Basteln für später, oder? Die beiden Retro-Stühle und meine Recamiere sind allesamt schön- doch was werde ich damit tun?
Auf der einen Seite bin ich bemüht, meinen ganzen Ramsch zuhause loszuwerden und die Wohnung schlank zu machen, auf der anderen kommen jetzt also wieder Dinge hinzu. (200 SlimCases fürs CDs. Und Colli-Stifte und Kugelschreiber. Ui ...) Besonders erwähnenswert sind all jene Inkjet Photopapers und Klebefolien, die ich in einem Karton damals in mein Büro schaffte, weil ich dachte, sie dort verbrauchen zu können. Tja, und jetzt sind sie wieder hier. Eigentlich müsste alles weg. Denn:
Ich bin und bleibe offensichtlich ein Sammler, der darauf hofft, irgendwann einen Stil bzw. eine Idee entwickelt zu haben, worin ich das alles benutzen kann. Haben und Brauchen. Aber gut, es kommen kühlere und freiere Zeiten (über 30 Grad noch am Abend um 21:00!) und dann kann ich hier weiter sortieren und entschlacken. "Macht ja nichts, ich hab ja Zeit."