Die letzten Wochen habe ich also damit zugebracht, die Puppendateien in eine ordentliche Struktur für die Übergabe zu bringen. Ich hab das schwer unterschätzt, es war sehr mühsam. Redundantens Zeug auf der einen, für immer verlorene Dateien auf der anderen Seite. Und wie schwer, das Wesentliche und Wichtige vom nicht mehr Benötigten zu unterscheiden. Und: wieviel will ich dem Puppentheater überlassen / preisgeben und was will ich unbedingt haben. Mittels mehrerer Festplatten gab es Copy & Pastes mit Sicherheitskopien und am Ende war alles so voll wie mein Kopf, der von all der Struktur garnichts mehr wissen wollte.
Tja, was für ein wunderbarer Vergleich zu meiner eigenen Struktur: Es herrscht Chaos, es gibt Versuche, dagegen anzugehen, die in ein neues Chaos münden. Und zum Sammler werde ich nebenbei auch: Ich sammle Grafik-Templates und Unmengen an Konatkt-Libraries zum Musikmachen. Natürlich sind auch hier die Strukturen schlimm. Und am Ende kann es sogar passieren, dass ich alles nicht nutze, weil ich diese Vorbereitungen ja nur für den Fall meines Interesses gesammelt habe. Als Grundlage für etwas, das noch garnicht richtig besteht. Haben ist besser als Brauchen? Egal, alles Materielle ist in Massen vorhanden, nichts ist richtig geordnet, sortiert und sinnvoll eingesetzt ... inklusive mir.
Ein schönes Gleichnis.
Puppenabschlussrede
Also trafen wir uns in der Datsche, um zweibiergefüllt zum Abschluss des Hofspektakels zu gehen. Alena, Mimo, Ralf und ich. Mir gings gut und es machte tatsächlich Spaß in der Runde, die sich dynamisch am Monaco bildetet und so überhaupt nicht nach Stimmung, Spaß und Fröhlichkeit aussah. Aber egal, ich beschönschreibe schon wieder, um meinem Gefühl Ausdruck zu geben. Denn als sich der üblich hustend ankündigende Intendant dort hin stellte, fing er an, den größten Langweilermist zusammenzufaseln. Von allen Besuchern, die das Hofspektakel gut fanden, von viel Arbeit und tollen Inszenierungen. Überhaupt war viel "toll". Und dann schaffte er es, nebenbei zu erwähnen, dass auch Leute in dieser Spielzeit weggehen. Und von denen die da sind, möchte er sich verabschieden. Das sind Alena Hertrtich, Jesko Döring und Michael Morche. Bei Jonathan ist es ja was anderes, er ist ja beim Weihnachtsmärchen bereits wieder dabei. So. Das wars. Komplett.
Ich hab glaubich dann noch zuviel Wein getrunken und bin jetzt noch Panne. Aber es hat sich heute tagsüber eine Wut aufgebaut. Auch weil ich immer wieder immer mehr zu tun bekomme in den letzten Stunden. Fuck you! Eine Wut über diesen Idioten von Intendanten, der nichtmal den Arsch in der Hose hat, über seinen Schatten zu springen und sich von seinen Leuten höflich oder zumindest ordentlich zu verabschieden. Er war es doch, der, wie er sagte, damals ans Theater ging, weil hier wirkliches Leben stattfand. Davon ist insbesondere bei ihm nicht viel übrig. Und sein linksschleimiger Gnom Bernhardt steht hinterm Baum und sagt ebenfalls genau kein Wort zu einem von uns. Wie war das bei den Simpsons?: "Wie ... nach so langer Zeit einfach nur So long und Viel Glück?" ... "von viel Glück hab ich nichts gesagt."
Kempchen hat versucht, in der Stadt klarzustellen, dass er es war, der die Leute entlassen hat; er war es auch, der Stephanie Preuss bezahlt freistellte, nachdem er sie vor allen Beteiligten runtergeputzt hat; und er hat es geschafft, sämtlichen Datenschutz auszuhebeln, indem er vor der gesamten versammelten Abteilung Dramturgie / Öffentlichkeitsarbeit die Inhalte aller persönlich geführten Gespräche offenlegte. Ich würde gern noch wissen, wie die Leiche Wehling in den Keller kam und warum sie ein Opfer werden musste. Und warum Bernhardt damals gehen sollte, und das nur verhindert wurde, weil Kempchen drohte, dann ebenfalls aufzuhören. Und überhaupt: was mit Meyke Tschirner damals abgelaufen ist, wobei Kempchen sogar handgreiflich wurde? Wie Katja und Olaf aus dem Villa-Projekt geschasst wurden (not t.b.c.)
Olroid, das wird Geschichte sein, alles wird irgendwann und -wie vorbei sein. Im Moment hätte ich nur übelst Lust, den beiden einen reinzuwürgen. Das ist enorm billig, so wie Rache dreimal süß ist und nichts bringt, aber bisschen Angst machen wäre schon cool. Doch dazu weiss ich zu wenig und es wird zu warm in den nächsten Tagen, sich darum zu kümmern.
Beweis für Gut und Böse
Unsinnig zu erwähnen, aber im ewigen Taumel ein viel schöneres Gefühl, als wenn es gewohnheitsmäßig immer so wär. (Das ist eine Falle). Nach einer üblich knappen Nacht mit enorm vielen Träumen aus Übergabe, Intendantenrede und all solch puppenendlichem Zeug ging es heute so viel besser. Sogar ein Zeitungsartikel erschien heute über mich. Sehr gute Werbung in diesem Jahr für meine Person. Mich nervt nichtmal der Dienst nachher, im Gegenteil: Kann ich noch was schaffen und dabei keinen Wein trinken.
Das lehrt mich wie immer das Selbe und ich bin sehr gespannt, ob ich mich denn nun fangen und stabilisieren kann. Der Sommer hält offensichtlich ewig und ich muss den Tobi anspornen, dass wir daraus neben der Faulenzerei auch was machen, wenn wir in den Ferien unterwegs sind.
VS_2018-07-20jeskonkret
Gut und Böse
Eine Feststellung, die sicher die hundertste Wiederholung der Wiederholung ist und mir das Grauen bereitet, weil es sich nicht ändert: Am Dienstag war ich bei Katrin Gellrich auf einen Plausch und sie bescheinigte mir Aufgeräumtheit und offensichtliches Wohlergehen. Und ich hatte dem tatsächlich nichts entgegenzusetzen. Nanu? Keine sinnvolle Argumentation über das große Leid in mir war vernehmbar. Was war passiert? Sehr einfach: Es war kein Alkohol im (Vor-)Spiel, ich war klar im Kopf und vor allem frei vom Schmerz, weil ich diesen ein 2-3 Tage mit Voltaren los wurde.
Scheinbar also die besten Voraussetzungen zum Leben. Am selben Abend wurde es dann doch wieder zuviel des Weines und gestern nach 5 Bluenote-Bieren noch mehr Wein. Die Ergebnisse sind klar absehbar. Die Schmerzen kommen wieder, ich fühle mich enorm matt und mein geruhsamer Ausstieg aus dem Puppentheater steht sehr auf der Kippe ob der vielen Dinge, die es noch zu tun gibt. Also das übliche böse Gefühl von Welt und schlechtem Leben. Und auch das lange geplante Treffen jeskom3 bei Mohi heute habe ich abgesagt. Klingelt's?
Muss eigentlich erst etwas passieren? Ein Schatten auf der Bauchspeicheldrüse? Ein kaputt rostender Bus? Mieterhöhung? Anklage wegen irgendwas? Einbruch? Gewalt? Tod? Zwischen Gut und Böse schwelt also die weiter währende Angst vor dem Nichtzustandebringen irgendeiner Idee für mein Leben ...
Fakt ist also, diese Zustände sind nicht neu, sondern waren schon seit ca. dem Jahr 2000 Tagesordnung. Was war also passiert? Dito. (oder Dieterloo...) Doch der ist nicht verantwortlich; ich habe es mir so ausgesucht.
Mir fällt nichts weiter ein, als dem Alkohol vollends zu entsagen. Aber das Lebensgefühl und so .... Welches? Das jetzt hier? Aha. Mein Leben langweilt mich.
erschreckende Erkenntnis
So nebenbei fiel mir heute nach einer enorm schlaflosen Nacht etwas ein, was den Gesamtzusammenhang meines Seins in Sachen Puppentheater fiaskal darstellen könnte: Kann es sein, dass ich aufgrund meiner bisherigen Lebensweise insbesondere des sorglosen Umgangs mit Alkohol so sehr daran gewöhnt bin, dass ich bei den kleinsten Ungereimtheiten oder sogar aus purer Gewohnheit vielen Situationen hier garnicht mehr gewachsen sein konnte, da ich ständig mich selbst durch die Sauferei handicapte? Meint also, dass ich garnicht in der Lage war, Situationen objektiv einzuschätzen und problematische Situationen zu lösen, weil die kraft- und oft haltlosen Bewertungen rein emotionaler Art waren? Großer Unmut erwuchs daraus. Lösungsansätze waren nicht in Sicht und diesen Umstand konnte ich auch nicht richtig erklären, nur vage Wünsche, die davon sprachen, dass alles ein bisschen friedlicher, besser und gemeinsamer sein müsste, woraus dann Motivation, Willen und Tatkraft entstehen können.
Eine weitere Folge ist dann natürlich der geringe Selbstwert, da ich mir in solchen Zuständen nichts mehr zutraute. Es gab ja auch nichts Handfestes zu deklarieren, außer unkonkret von irgendwelchen besseren Zuständen zu schwafeln. Das klingt jetzt sehr negativ, ist es auch. Weil ich immer wieder zurückdenke an viele Situationen, in denen ich so dermaßen oft mit einem Hangover versehen war und alle Mühe hatte, ein halbwegs stabiles Bild von mir nach außen aufrecht zu erhalten. Der "Blender" - da ist er wieder.
Das ist fürwahr eine erschreckende Erkenntnis und ganz sicher nicht das erste Mal. Ich muss anfügen, dass meine Idee, ab der Reha mich zu einem klareren Menschen mit Willen und Idee aufzubauen, ganz offensichtlich fehlgeschlagen ist. Ich pendele auf der immer selben Schiene hier aus und habe nicht umsonst ein bisschen Panik, was ich aus mir machen kann, wenn ich weitermache wie bisher.
leichtes Opfer
Das muss bereits eine Form von Psychose sein: Ich verspüre vor allen Dingen, die es anzupacken oder durchzustehen geht, Angst. Noch ist es nicht so, dass ich zittere, aber ich zeige die merkwürdigsten Muster: Beeile mich beim Frühstück, um mich frühzeitig im PT einzuloggen zu können (enormer Schwachsinn angesichts meines Endes hier), ich fürchte mich vor wütenden Intendanten, weil meine Daten nicht ausfindig zu machen waren, mich überkommt nahezu Brechreiz, wenn ich an FB denke. Das alles wird sich sofort umdrehen, sobald man einfach nur freundlich zu mir ist. Aber diese meine Erwartungshaltung hier kann nicht gesund sein. Was gibt es denn zu fürchten? Dass ich das 14-24mm Objektiv nicht behalten darf? Fuck off! Weg damit. Bist doch sowieso nie unterwegs damit. Und mit allem anderen auch nicht. Und wenn hier einer schreit und dich klein machen will, nimm dein Zeug und geh' einfach. Niemand hat das Recht noch irgendeine sinnvolle Aussicht darauf, mich anzugehen.
Aber die Angst ist selbstgemacht. Ich könnte es ausweiten auf eine allgemeine Angst vor dem Leben. Katrin meinte im Spaß, dann sei ich ja ein Blender. Und genau das macht mich etwas verlegen: Denn ich ich war schon immer sehr gut in der Lage, negative Umstände so wegzuschieben, dass man mir nichts anmerkt. Was meine persönliche Beschäftigung mit diesen negativen Umständen ebenfalls gar nicht erst zuließ. Übrig bleiben Blendwerk nach innen wie nach außen. Und irgendwann schnappt das mit Unmut vollgefressene Ungeheuer zu, weil es sic nicht mehr zu wehren weiß. Alle ist möglich: Angststörung, Kreislaufkollaps, Schlaganfall, andere psychosomatische Störungen, Psychose, Suizid (siehe Oli Rießler?).
Jetzt müsste jemand vorbei kommen und mir ein beschützendes Wort sagen. Das wäre was für den Anfang. Meine von Tobias monierte Lernkurve wird es zwar nicht lange aufrecht erhalten, aber den Moment retten. Wollte ich die ACT "Wortmaschine" nicht schon seit Anfang des Jahres angehen? "Dem, wonach man sucht, weicht man gerne aus."
Abgleich
Sicher ist ist nicht sehr hilfreich, sich auf Facebook Beiträge unter der Prämisse anzusehen, was ich im Vergleich zu jenen Beiträgen NICHT hingekommen habe. Das ist auch einigermaßen hanebüchen im Betrachten der realen Verhältnisse. Im Moment jedoch, in welchem ich sehr niedergeschlagen, permanent alkoholisiert und orientierungslos bin, erscheint mir alles, was ich von der Außenwelt wahrnehme, als sehr viel sinnvoller und lebensorientierter. Das ist wahrscheinlich auch sehr leicht
Kostprobe? Okay, ich mache Facebook auf. Jetzt. Und hier der live-Abgleich 08.07.2018 um 01:35 Uhr: [gelöscht!]
Ich wollte beschreiben, wie offensichtlich ALLES, was andere Leute machen, sehr viel mehr Inhalt, Sinn, Abenteuerlust oder überhaupt AKTION trägt, als ich es von mir behaupten kann.
Fehlversuch. Weil: erneut zu betrunken. War seit Dienstag, 03.07. krankgeschrieben und habe durchgängig alles zu ordnen versucht. Für eine ordentliche Übergabe. Weil 9 Jahre für mich nicht einfach so wegdrückbar sind und ich das wenigstens sauber zu Ende bringen will. Derweil habe ich tatsächlich "Rücken" und nichts für mich gemacht (Kieser, Schwimmen, Spazieren, Fahrrad ...) Nichts!
Ach menno, ich halte diesen Beitrag für nicht gelungen. Nur ein Impuls eines runtergekommenen deejays.
Angststörung
Zum wiederholten Male fühle ich mich sehr verloren. Das ist schwer zu beschreiben. Ich versuche, den Grund dafür ausfindig zu machen. Mein guter Wille und meine Anständigkeit zwingen mich dazu, eine saubere Übergabe an Anjelique oder Anjelik Conrad - meine Nachfolgerin - zu machen. Natürlich fällt dabei besonders auf, wie ic mich in meine Struktur eingelebt habe und wie schwer es ist, das alles jemand anderem erklären zu wollen, zu müssen. Derweil versuche ich also die ganzen Festplatten aufzuräumen, zu sortieren, zu ordnen und dabei zu überlegen, was ich für mich behalten will und wie viel ich dem Puppentheater überlasse. Allein diese Überlegung in Sachen Struktur und Herangehensweise machen mich fast verrückt. ich stand heute vor einer schier unlösbaren Aufgabe und wusste mir keinen Rat, ausser einfach anzufangen und eine fette 3GB HD sukzessive mit den relevanten Fotos und Inhalten meiner bisherigen Arbeit im PT zu füllen. Es fühlte sich an wie 100 Tage Arbeit.
Und wenn neue Mails auf dem Puppentheater-Account erscheinen, bekomme ich es mit der Angst. Aber wieso? Wovor? Es kann doch nichts passieren und ich hab doch auch nichts wesentlich falsch gemacht. Oder? Ich fühle mich sehr angreifbar und denke darüber nach, dass ich dachte, mit genügend Wassern gewaschen zu sein, um standhaft bestehen zu können. Dann stelle ich mir in einen Anflug von Wahn vor, wie bspw. nur 2-3 Leute einen theoretischen Plan gegen mich schmieden würden und ich würde zusammenbrechen. Auto geklaut, Miete erhöht, Nachforderungen seitens Puppentheater, merkwürdige Mails und Anrufe ... ich bemerke also, wie sehr dünnhäutig ich bin.
Das alles spielt natürlich mit meiner Situation zusammen, die sich jetzt, nach 9 Jahren, also grundlegend ändert. Zumindest im Job. Das Gewohnheitstier, das keines sein will, sieht sich auf dem Weg der Befreiung und fürchtet sich davor. Nachvollziehbar. Ich habe merkwürdig viel Angst, die wahrscheinlich aus meinem Inneren kommt und sich auf mein schwaches Selbstwertgefühl stützt. Keinerlei Angriff fühle ich mich gewachsen, keine meiner immerwährenden Ideen, die es endlich anzugehen gilt, rücken auch nur in die Nähe des Machbaren. Meine Zähne verbeissen sich ineinander, mein Rücken tut jetzt tatsächlich weh und wird meiner gefakten Krankschreibung gerecht.
Okay, es kommt der August, es kommt das eindeutige Puppen-Aus und es wird etwas Neues kommen. September. Oktober. Etwas, das ich mir keinesfalls überlegt oder auch nur in die Nähe einer Idee geschoben habe. Weil ich es nicht konnte; weil ich zu wenig Mut habe, mir meine Fähigkeiten einzugestehen. und wenn, kann ich daraus trotzdem keine Idee generieren, wo und wie ich mich denn nun am besten aufgehoben fühlen könnte.
Das ist wahrscheinlich alles nichts gegenüber viel prekäreren Aussichten anderer Menschen. Aber das tröstet mich wenig. Wahrscheinlich würde ich auch als Millionär mit zwei Inseln solche Probleme hegen. Ins Verhältnis gesetzt, ist es doch garnicht so aussichtslos, ich muss nur die Puppe ruhig ans Ufer legen, vielleicht das Weitwinkel-Objektiv retten (Tobi meint: vergiss es) und mir zugestehen, dass ich wie Rio Reiser alle sein kann, was ich will. Wenns geht, nur nicht ängstlich, panisch, mutlos oder endlos traurig.
Sonst noch einen Wunsch? Ach Babe ... Fuck off! Das ist einfach nur das Leben.
P.S.: Habe eben eines meiner wunderlichen Selbstgespräche geführt und hätte das Ganze gern mitgeschnitten. Denn es war gut, es war logisch, erkenntnisreich und sinnvoll. Wie ein ferner professioneller Profiler hab ich mir dargelegt, wo meine Ängste herkommen und warum ich in meiner Gefallsucht alles und jeden zu bedienen versuche und dabei kläglich scheitern muss. Und es waren ganze Sätze ohne Vokabularschwächen. Das heisst: ich bin intakt. Ich bin okay. Es gibt keine Deadline in diesem Urlaub. Ich bin frei. Und möchte mich lösen von Menschen, die mir nicht gut tun, mich orientieren auf das, was ich gerne mache / machen möchte (und automatisch in Ansätzen deshalb wahrscheinlich sogar schon relativ gut kann) und alles so einfach wie möglich zu machen. (aber nicht einfacher). Womit wir wieder bei den von Anke damals proklamierten / eingeforderten Handlungsanweisungen sind. Zwanghaft romantisches Dänemark oder Hütte am See ... das wird mir alles nicht gelingen. Wird aus Erfahrung knifflig werden. Aber vielleicht sind solche Aktionen im Zusammenhang mit anderen Menschen der richtige Ansatz. Aber eben Menschen, die mir gut tun. Bei denen ich keine Angst haben muss. Ansonsten bleibe ich mit meinen theoretischen Ansätzen, die aller erklären wollen und dabei im Wein ertrinken, wie immer allein.
krank & krank
Also hab ich jener neuer Anjelique oder Anjelika Conrad aus offensichtlich Russland am Montag versucht, ihr meine Strukturen der PR/ÖA kenntlich zu machen. Da merkt man erstmal, wie man sich ein System angeeignet hat und sich darin auskennt, während es übelst schwer ist, Aussenstehenden das zu erklären.
Ich hatte den Krankenschein von Heide für Dienstag bis jetzt Freitag ja bereits in der Tasche, so dass meine Nachfolgerin sich per Laptop und Telefonaten das System vorzustellen versucht. Vielleicht ist das ja auch ein bisschen unfair von mir. Es nagt natürlich, wenn Kempchen eine Mail schreibt und das Passwort für meinen Rechner und meine Festplatte haben will. Fühlt sich auch sehr nach Angst und solchen Vorstellungen an: Womöglich kommt jetzt sogar einer vorbei und holt die Platte ...
Dabei könnte es doch so sehr egal sein - es sind noch 3 Wochen, dann ist alles vorbei. Aber ich bin kompliziert. Ich überlege, was ich wie und in welcher Struktur übergeben sollte und mache mir das Leben schwer. Schieb doch einfach alles rüber ... Allein die ganzen Zugänge fürs Web, FB, KAS, Google etc. waren miteinander verknüpft und ich muss jetzt sorgsam alle Verbindungen auflösen und neue Passwörter einrichten. Dabei sollte ich bei diesen sommerlichen Temperaturen am See liegen.
Am Dienstag gabs 7 BN Bier und zuhause alle vorhandenen Reste von Sekt und Rosé. Der Mittwoch war entsprechend schlecht und heute, Donnerstag, kommt der übliche Nachruf. Meinem Rücken geht es tatsächlich jetzt ziemlich steif und ich fühle mich insgesamt in dieser beschriebenen Konstellation mal wieder absolut unfähig, überhaupt irgendwas in Sachen Zukunft zu sehen. Das fühlt sich sehr schlecht an und ich schaffe es nichtmal bis an die Gitarre. So als wäre ich dieser Gesellschaft nicht mehr gewachsen und ich sollte schnitzen lernen und mich südamerikanischen Völkern anschließen oder Eremit mit Aussicht auf Selbstmord werden.
final festival
Ich versuche, zu geniessen, was ich kann. Freue mich über solche Aktionen wie mit den Tiger Lillies und über ein paar Stücke, die mir gefallen. Müde bin ich dennoch. Abends ab 11 oder später zuhause (die Lanotte-Fotos gingen bis fast 4 Uhr morgens) - aber trotz und bei allem: Immer wieder fühle ich mich nur irgendwie dabei, aber nicht zuhause. Weil es für mich in solch spätabendlichen Situationen ja auch längst nichts mehr zu tun gibt, während die Technik noch Ein- und Ausbauten bespricht. Oder andere an Tischen sitzen, oder am Laberfeuer oder sonstwie ... ich bin nicht Bestandteil. Wahrscheinlich könnte ich, aber mir fehlt tatsächlich die Verbindung. Zum Haus, zur Kunst, zu Gesprächen.
Angst macht mir dabei nur die Vorstellung, dass nicht das Puppentheater ausschliesslich ursächlich dafür ist, sondern ich eher auf allgemeinem Rückzugskurs und auf kleiner Selbstwertspur bin. "Heute ist nichts" - der gefährliche Spruch. Zu Hause passiert dann auch nichts, jedenfalls nichts Schönes, Sinnvolles oder Zufriedenstellendes. Stattdessen werden Weine geköpft und dem nächsten schlechten Morgen entgegengetrunken, der mich wiederum auf einen Abend freuen lässt, an dem hoffentlich "heute nichts ist".
Ab kommendem Dienstag bin ich krankgeschrieben. Dank Heide. Wegen Abstand, wegen Übergabe meiner Arbeit. Für die Personalratsversammlung muss ich mir Protokollanten suchen. Friederike wahrscheinlich. Um wenigstens zu hören, wie der Intendant die Lage einschätzt (und sich fürs Festival wahrscheinlich bei allen ausser mir bedanken wird). Letztes Jahr war ich auch zu der Zeit offensichtlich krank bzw. nicht anwesend.
Mein Ziel der positiven An- und Aussichten mag sich nicht einstellen. Besonders, wenn mich Leute nach meinen Zukunftsplänen fragen und dass ich mir meinen Schritt ja bestimmt gut überlegt hab. Das nagt schon wieder an mir, statt mich einfach darauf einzulassen, dass irgendwann und mit festem Willen etwas kommen wird, worauf ich mich einlassen möchte. Im Moment fühlt es sich wie eine sich abzeichnende Gosse an, die auf mich wartet. "Nur eins hat sie nicht ... ein Ziel" (H.v.Veen).
Aber wenn schon Gosse, dann richtig. Naja.
Ich fühle mich sehr abgestumpft, leer, ideenlos, menschenmüde und derzeit ohne jede Aussicht auf Besserung eines Lebens, das ich offensichtlich bisher nur "irgendwie" und mit ausreichend Glück durchgebracht habe. Auf die Frage, was ich denn nun zu tun gedenke, habe ich überhaupt keine Antwort. Das macht es komplizierter, denn ohne eine Idee / Formulierung meiner eigenen Wünsche und Vorstellungen lässt sich rein garnichts aufbauen.
kurz vorm letzten Puppenfest
Dieses PT für mich zu beenden, sieht nach einer Herausforderung aus. Sicherlich liegt es auch daran, dass wir kurz vorm Festival stehen und alles etwas chaotisch wirkt. Aber insgesamt fühlt es sich doch merkwürdig an: Ich komme nicht richtig weiter und ein merkwürdiges Gefühl stellt sich ein. Die Taurus-Platten (Backup) hab ich offensichtlich gecrasht, welche Fotos, welche Daten will ich behalten, welche beim PT belassen? Was ist hier überhaupt noch wichtig? Warum stehe ich einer Übergabe an meine Nachfolgerin skeptisch gegenüber und willwerde mich ab der Hälfte der Woche krankmelden? Und warum beschleicht mich wieder und wie immer das Gefühl, wenn Festival und Hofspektakel laufen, dass ich hier zwischen all den Menschen erneut keinen rechten Platz haben werde und bei allem daneben stehe, daraufhin lieber nach Hause gehe und aus schwer erklärbaren Gründen zuviel Wein trinke?
Meine Initiative, mich ab der Reha zu sortieren und den Weg nach vorn anzutreten, ist in Teilen geglückt (Buchmesse, Kontakte), in anderen Teilen verunglückt. Das macht mir weiterhin Sorgen, weil es sich immer wieder so anfühlt, als wäre ich überhaupt keinen Anforderungen eines Berufslebens mehr gewachsen.
Schnell alle Sachen packen, das meiste davon wegwerfen, zu Tobi ziehen und von dort aus keine Welt bereisen, keine Aktionen beginnen, keine Entscheidungen treffen, weiterhin allein wollen und nicht können.
Ich bemerke eine klare Form von Schwarzseherei und leichter Panik. Das mit der Angst des Versagens, meine Labilität und die Darstellung meines Selbstwertes sind sehr problematisch. Und ich kann das gut vergleichen mit mir bekannten Menschen, die sich mit deutlicher, eigener Meinung sehr willensbetont und entscheidungsfreudig geben und dadurch den Eindruck erwecken, nichts an sich rankommen lassen zu müssen. Auch das kann Fassade sein, aber hier wird bereits deutlich, mit welchen Dämonen ich zu kämpfen habe, wenn ich alle denkbaren Möglichkeiten und darüber hinaus in Betracht ziehen möchte, wenn ich versuche, meinen Platz im Kosmos von Mensch & Möglichkeit auf der Balance von Leben & Tod suche.
unnütze Vergleiche
Auf meinen Wegen durchs Leben treffe ich ja immer wieder interessante, merkwürdige, langweilige, schwer einschätzbare, mutige, schöne (...) Menschen. Abhängig von meiner eigenen Sicht auf das Leben und insbesondere mich fallen mir in Zeiten besonders schweren Mutes solche wahrscheinlich unnützen Vergleiche ein, die mich immer ein bisschen unmutiger als notwendig machen wollen. Weil ich sie beneide? Oder in solchen Vergleichen befürchte, "irgendwas" in Sachen Leben nicht auf die Reihe bekommen zu haben?
Nicht nur ein unnützer Vergleich, es ist auch ein unnützer Eintrag.
Mein erster Eintrag vom Anfang des PTs 2009
Ich entsinne mich noch, wie 2009 das kleine Buch zur Hand nahm und darin eine Art Live-Log schrieb, während der Intendant eine Vollversammlung im Aufenthaltsraum zelebrierte. Ich beschrieb darin ein paar Merkwürdigkeiten, wonach ich zumal garnichts von dem Termin wusste und mich außerdem dann wunderte, warum Kempchen die Versammlung gleich wieder auflösen wollte, weil ja eh so wenig von der Hausleitung da wären. Und dass Kempchen aussah und auch ein bisschen so redete und sich benahm wie Loriot in seinen typischen Szenen. Nur dass Kempchen es ernst meinte.
Ich schreibe das hier auf, weil ich (hoffentlich) eben gerade meine letzte Show dieser Art im Puppentheater erlebt und dabei ein bisschen verglichen habe, was sich in den 9 Jahren verändert oder eben nicht verändert hatte. Ach herrjeh ... das, was eben alles passiert ist niederzuschreiben, wäre zu mühselig. Zusammenfassend: es ging glücklicherweise diesmal nicht um mich, sondern um Stephie, die eine ihrer emotional und etwas sich wichtig machenden Mails blöderweise auch noch an alle Mitglieder der Abteilung PR/ÖA sandte, wonach sie sich von Informationen, die für ihre Arbeit wichtig wären, für die letzten Wochen hier ausgeschlossen fühlt. Im Grunde weiß ich ja genau, was sie meint. Aber sie bauscht natürlich auch redegewandt auf und kommt auch nicht auf den eigentlichen Kern dieses Dramas (im wörtlichen Sinne). Nur diesmal gab es sogar hilflose Tränen. Und im weiteren Grunde zelebrierte Kempchen das übliche Gehabe mit systemkonformem Protokoll über einzelne Sätze aus den Mails und alles kam mir mal wiedermal äußerst armselig vor. (Nachtrag: ... und entschuldigt sich tags darauf aufm Flur bei ihr)
Diesem Theater wird die Kommunikation auf Augenhöhe und das Wesen eines freundlichen und echten Miteinanders samt dem daraus entstehenden Vertrauen immer fehlen. Vielleicht geht so etwas in unserer Gesellschaft mittlerweile ja auch nicht mehr. Regiert die Angst? Hat jeder zu hohe Ansprüche oder Meinungen von sich selbst und zu wenig Erfahrung im Kern des Umgangs miteinander? Kempchen beklagt auch, dass niemand auf die Befindlichkeiten der Leiter höre, aber sobald einer dieser Leiter schwach ist, sofort auf ihm herumgetreten würde. Kempchen ist allerdings auch jemand, der wohl nie etwas anderes war als misstrauisch, cholerisch bis hysterisch und in gewisser Weise mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet, dass ihm diese Handlungsweisen ermöglicht.
Was immer es sein mag: alles guten Gründe, hier wegzugehen, haben ihre Berechtigung. Oh - und Stephie wurde vom MK vorgeschlagen, dass sie zu einem von ihr bestimmten Zeitpunkt - also auch sofort - und bezahlt(!) hier aufhören kann. Fast hätte ich bittend meine Hand gehoben. Ach, und Stephanie ist jetzt dann doch nicht mehr Kempchens Liebling. Und ansonsten werden alle Kommunikationen betreffs einer Abteilungsleitung auf den Verdacht des Mobbings untersucht. Respekt: Frank Bernhardt fühlt sich also gemobbt. Oder sein Mann erklärt das für ihn. Überall Katzen mit Schwänzen, in die sich zu beißen versuchen.
Ich hätte gern etwas Abschließendes zu dieser eben vergangenen Stunde und damit vielleicht rückblickend auf die letzten 9 Jahre geschrieben. Aber das fällt mir schwer. Was mir aber tatsächlich zu gelingen scheint, ist die mir gestern aufgesetzte Idee: Keine Panik, keine Rechtfertigung, keine Beschwerden. Jedenfalls nicht, wofür es sich nicht lohnte. Jedenfalls nicht, wenn ich nicht angegriffen werde.
Und auch so verspüre ich einen Hauch meines professionellen Abganges hier, der weder lamentiert noch lästert. Das macht mich in den Augen Außenstehender dadurch ja auch nicht besser. Eher im Gegenteil. Aber es steht ein bisschen auf der Kippe. Vielleicht fällt mir ja noch eine Strategie ein, mittels derer ich gekonnt den Bogen spannend eine Kurve kriege.
Bestand Juni 2018 in voller Wortmaschine
Anschliessend an den vorherigen Beitrag hier mein diffuses Bild von mir, nachdem ich genau eben von Tobi wieder und wie üblich am Sonntag Abend heimkehrte und ich mir mal wieder und nicht nur diese Frage stellte, ob ich mich bei ihm nicht besser aufgehoben fühle. Was anderen meiner Gedanken vorher natürlich widerspräche.
Einheilloses Chaos tobt in mir. Das kann sich schwerlich legen, denn ich habe keine Handlungsstrategie oder wenigstens Ansätze dafür. Auslöser ist das Puppentheater morgen. Hintergrund ist alles andere. Vermutlich wird sich in 24 Stunden alles wieder etwas anders oder zumindest leichter darstellen. Es ist die Ungewissheit und die von mir wahrscheinlich selbst projizierte Allgegenmacht der Theaterleitung, die mir irgendwie die letzten 8 Wochen zu Last machen will, damit ich am Ende des Böse bin bzw. war. Das ist womöglich hanebüchenes Zeug, aber bis zur möglichen Entschärfung hier ein paar Begleitumstände meiner Gedanken um den Allgemeinzustand meiner selbst:
seit über zwei Wochen beisse ich an meinen Zähnen herum und die Kiefer schmerzen fast schon
mir fällt mal wieder auf, dass ich immer schon gesoffen habe (Guerickestraße, Bach usw.)
fast die gesamte letzte (Krank-)Woche habe ich gesoffen und mich nächsten Tags wie immer sehr sehr bekloppt gefühlt, weil es all diese hier genannten Zustände entweder verstärkt und/oder mich massivst weniger einer Lösung / Klärung annähern lässt
dabei fällt mir wiedermal ein, dass ich sehr oft in gesellschaftlichen Belangen fast ängstlich bin und lieber wieder nach Hause möchte. Wieso das denn?
"der allein will und nicht kann". Einer meiner besten Zeilen. Mittlerweile gesellt sich die Basis-Frage hinzu: "welcher Wille?"
Ich höre weiterhin nicht so sonderlich gut und empfinde das wie auch das Tragen der Hörgeräte als negativ
was möchte ich denn zu hause? Auf einen großen Urlaub warten? Oder auf ein ingesamt endlich besseres Leben?
ich mache gern meine Eltern für mich verantwortlich, die nicht erkennen konnten, was für ein kompliziertes Kind sie da in die Welt gesetzt haben. Meint:
es gibt immer wieder Mecker an vielen Positionen meines Lebens. Ich mache offensichtlich trotz meines Charmes viele Dinge falsch, sa daß in allen Bewertungen und Beurteilungen im zweiten Teil ein ABER steht.
ich bin bin selbstbewusst genug, da drüber stehen, denn ich habe keinen Weg, auf dem ich mich nicht beirren oder behelligen lasse. Meint:
ich bin immer anfällig für viel Formen der Schuldzuweisungen
ich glaube, ich reagiere sehr oft ungehalten andern gegenüber, weil ich so unzufrieden bin. Aber womit genau in diesem meinem Leben?
sehr oft empfinde ich Momente des Lebens als enorm aufwändig und mich dabei immer weniger in der Lage, das zu meistern; da reicht schon eine Fahrradfahrt bergab, der natürlich ein bergauf folgt. Die Antriebslosigkeit greift hier mehrfach
ich finde ad hoc keinerlei Ziele, auf die ich mich einlassen könnte oder sogar würde. Immer nur ausbrechende Ideen, um endlich aus meinem Mief rauszukommen. Diese Ziele sind dann entsprechend unrealistisch
so komme ich auch mit Tobias oft nicht weiter; kann aber selbst nicht formulieren, was ich denn bräuchte! Abends durch den Wald? Übernachten in der Weihnachtsboofe? Weltreisen? Anregende Gespräche und Weltrettungsversuche oder wenigstens die Ideenfindungen? (ziemlich
mir gehen weiterhin die Wörter aus. Zusammenhängende und schön gebaute Sätze werden schwieriger. Ich zerfalle oft in meiner geistigen Tätigkeit.
vielleicht hangele ich mich nur von einer Motivation zur nächsten; dazwischen tun sich sehr tiefe Abgründe auf und locken mich auf einen oder mehrere Sprünge hinab. Woher aber entsteht Motivation bei mir? Ich vermute stark, dass sie fast immer nur von außen kommt, ich also von ihr abhängig bin. Wenn ich aber nur schwer aufnahmefähig bin, ziehen also auch die Motivationen an mir vorbei und es bildet sich eine Art Strudel, an dessen Ende unweigerlich die ewige Forderung aus dem Reich des (jaaa, is ja gut)
mein Motor ist die Aufrechterhaltung meiner Selbstdarstellung von einem positiven und liebevollen, intelligenten und schöngeistigen Menschen; der Treibstoff geht allerdings zur Neige. Ich fühle mich sehr aufgebraucht
einhergehend dazu habe ich oft das Gefühl, den vielen Dingen um mich herum nicht mehr Herr zu werden (siehe eben: Puppentheater). Was passiert, wenn ich einen Platten habe? Überfallen werde? Meine Eltern sterben? Das Haus brennt? (was und warum sollte ich überhaupt retten?) Insbesondere, wenn ich einen der üblichen Hangover habe, scheint es nahezu aussichtslos, überhaupt irgendwas richtig zu machen
zusammenhängendes Denken mit empfehlenden bzw. selbst erstellten Aussichten wird knapper
ich kann mich wenigen Menschen mit der Tiefe meiner Ängste, Sorgen und Schmerzen anvertrauen, weil ich derlei Zustände entweder als merkwürdigerweise durchaus mich selbst lösbar ansehe oder mich ansonsten für schwach darstellen würde, was ich wahrscheinlich nicht sein will (oder mir so anerzogen wurde)
meine Reflektionen machen mich krank!
ich empfinde mich oft als ziemlich doof, kann oder konnte es bisher aber gut überspielen; (eine Packung Kopierpapier mitgehen zu lassen, empfinde ich als Geniestreich. Die Tausend Euro daneben lasse ich liegen)
mein Selbstwert ist am unteren Viertel angelangt
GET REAL hier seit 2010 (?) hat aus meiner und der Sicht meines momentanen Zustandes nichts gebracht. Ad hoc entsinne ich mich nur des positiven Beitrages "Die Welt ist schön, Milord" in 2011
nochmal: manchmal glaube ich, tatsächlich ein wenig dumm zu sein: Es gibt Situationen, bei denen ich durchaus bemerke, dass ich es anders angehen müsste. Und tendiere trotzdem in eine Richtung, die z.Teil katastrophale Folgen haben muss. Dazu:
ich glaube, ich lüge sehr oft. Oder: ich bin zumindest nicht vollständig ehrlich zu anderen. Was mit derselben Eigenschaft mir gegenüber zusammenhängt
Ich habe so viel Geld. Ich mache mir dennoch Sorgen um das, was in den nächsten Monaten passieren soll. Wirtschaftlich (obwohl ich mir diese dämlichen Denkweise durchaus bewusst bin) wie aber auch inhaltlich gesehen: Wenn ich nicht gleich wieder arbeiten, sondern erstmal wieder das Leben geniessen will ... das was? Leben? Geniessen? Oh, und wie gedenke ich das anzugehen? ergo:
ich habe weiterhin keine Vorstellung von einem aus meiner Sicht erfüllten Leben. Ich weiss aber immerhin, dass es so und hier und jetzt auf diesem Weg nicht weitergehen kann. (darf!)
ich bin seit langer Zeit irgendwie nicht richtig wach. Weil ich vielleicht nicht mehr offen genug für die Dinge um mich herum bin, derenthalben sich wachzubleiben lohnte (die Idee mit der weissen viktorianischen Villa zwischen Meer und Wald und meiner sanatorischen Behandlung ist längst schon wieder aktuell. Brandis würde dennoch, wenn dann aber sofort, reichen. Und schon stellt sich die Anschlussfrage: Nichts draus gezogen ausser ein paar Momenten tieftrauriger Ruhe?)
das alles hier so aufzuschreiben, empfinde ich bereits als Leistung. Die Gedanken an den Synapsen meines hilflos nach Rat suchenden Hirns hätten eigentlich hier noch viele Nebensätze zu füllen, an deren Abschluss ich vermutlich verrückt werden würde. Falls ich es nicht schon bin)
Ich werte zuviel. Aaah, Reflexion. Hier doppelt sich einiges. Aber damit werte ich ja schon wieder.
Ich bin und/oder denke oft sehr kompliziert. Und ehe es dann in mir ausreichend gereift ist, vergeht so viel Zeit. Mit allen Zweifeln, pro&contras. Und am Ende steht dann oft auch nur ein Kompromiss. Das fängt bei meiner ganzen (nicht benutzten) Fotoausrüstung an. Und dann sehe ich Tobi, der am Samstag erneut mit krummem Rücken aufwacht und kurzerhand beschliesst, ein Boxspringbett zu kaufen. Ja klar, 1100 EUR, aber am Abend stand es da und es ist fantastisch
Manche Menschen machen mich müde. Vor anderen fürchte ich mich manchmal ein bisschen. Mein Anstand gebietet mir freundliche Contenance, aber sie macht keinen Sinn.
Ich bin oder fühle mich sehr selten ausgeglichen. Immerhin weiss ich halbwegs, welche Zustände mir gut tun. Das gilt es, herauszustellen
Oft sehe ich , wer, oder besser, was ich gern wär. Oder beneide solche Leute, die ihr Leidenschaft haben und sie beharrlich nachverfolgen (Pady auf See). Auch nur für solche Momentaufnahmen der Vorstellbarkeit so einer Überlegung, reicht mein Mut nicht, überhaupt in dieser Richtung weiterzudenken. Glücklicherweise muss ich das jetzt aber bald machen. Sonst lande ich irgendwo und mache irgendwas. dazu:
oft glaube ich, dass ich es nie zu irgendeiner Profession gebracht habe. Das mache ich nicht an Geld oder vielleicht Status fest; es fällt mir nur immer wieder und besonders gerade jetzt auf, wenn es darum geht, was ich kann und/oder was ich will.
Das muss und wird ersteinmal reichen, auch wenn längst nicht alles gefunden wurde, was mich schwer beschäftigt. Auch geht es mir jetzt bereits besser, nachdem ich das aufgeschrieben habe. Und für die morgige letzte Puppenetappe von 8 Wochen habe ich mir vermerkt: Ruhig bleiben! Keine Panik! Keine Rechtfertigung. Keine persönlichen Statements. Keine Beschwerden. Lösungsorientierung und Klappe zu.
schlaflos
Mein merkwürdiger Zustand setzt sich fort: Ich bin unklar im Fühlen und Denken, alles kommt mir zuviel vor, aber auch meine Entnahme in irgendein Nichts könnte mir keine lindernde Ruhe verschaffen. Es sind - wie so oft - die übermächtigen Synapsen, die keine meiner Situationen einfach beschreiben, bedenken, bewerten und behandeln lassen wollen. Alles springt. Alles springt im Kreis. Die letzte Nacht im neuen BoxSpring wollte mir keinen Schlaf bringen. Aber auch keine konkreteren Gedanken oder Träume. Einfach nur Müdigkeit ohne die Fähigkeit, schlafen zu können.
Jetzt sitze ich ein wenig neben mir und schreibe dunstige Buchstaben inmitten eines übermächtig wirkenden Selbstzweifels, der im womöglich sachlichen Puppentheater morgen durchaus wieder gemildert werden könnte. Aber so geht es nicht. Auf keinen Fall! Alles ist schwammig, machtlos und "irgendwie".
Ich hätte Lust auf eine letzte, zusammenfassende Bestandsaufnahme; eine "Probe" vor dem großen Versuch des 'Abstands zur inneren Wortmaschine', der ganz sicher Arbeit im Sinne von Konzentration auf mich selbst mit vollständigster Ehrlichkeit bedeuten wird. Und muss. Denn dieses mein Leben wird mit Ausnahmen immer so weiter gehen, in immer gleicher oder gefühlt schlechter werdender Mittelmäßigkeit wabern und dabei weiterhin behaupten, die Möglichkeit eines Lebens gelangweilt und ohne Anspruch, Stil und Niveau verschwendet zu haben.
Die Reaktionen bleiben ebenso gleich und spielen sich eine Spirale von Tatenlosigkeit und Alkohol und einer immer negativer werdenden Sicht auf die Dinge. Auf alle Dinge. Wenn dann ein paar weitere, äußere Bedingungen hinzukommen, könnte es reichen.
Die Wortmaschine bzw. die ACT hat die ANGST im Zentrum und will versuchen, sich mit ihr anzufreunden. Das wäre gut, denn ich kann die Angst tatsächlich als zusammenfassendes Element für die Beschreibung meines Zustandes angeben, ohne konkret werden zu können. (weil ich es nicht schaffe, mich konkret damit zu beschäftigen und als besten Beweis hier gleich wieder die Synapsen beschuldigen kann, was ironischer fast nicht zu toppen ist).
also los: die Versuchsbeschreibung und der Beschreibungsversuch: (nee, jetzt nicht)
Krankwoche fatal
Wie ich es geahnt und immer wieder im Geiste unterdrückt habe: Die Woche habe ich durchgesoffen; das späteste Erwachen war Donnerstag irgendwann nach 13 Uhr. Ich habe zwar die Website FWA komplett geschafft (und das war viel!), aber es ist unglaublich: Bis 22 Uhr geht alles gut. Dann kommt ein Bier. Später vielleicht ein zweites. Und dann werden es bis 3:00 Uhr zwei ganze Flaschen Wein, wobei ich den letzten Schlucke zurückkippen muss, weil es nicht mehr ging.
Ich bin sehr verunsichert und habe vor Schreck gestern garnichts getrunken. Erstmals seit sehr langem. Ich glaube, seit der Reha. Nebenbei bekomme ich ja auch Mails aus dem Puppentheater und gestehe mir fast eine Angststörung deswegen ein:
Es fühlt sich an wie ein riesiger Berg von Aufgaben, die teilweise auch kleinlich wirken, aber um der Aufgabe als solche und der Menge dieser Aufgaben Wirkung zeigen. Dass kenne ich aus dem PT: Wer nicht da ist, wird besonders bedacht.
Ich habe wirklich die Panik vor dem Versagen beim bspw. Beantworten einer von vielen Fragen durchsetzten Intendantenmail; oder wie eben beim Durchlesen des Dienstberatungsprotokolles, oder wie eben, wonach die ersten Entwürfe für die Extra-Programmflyer von Bernhardt als billige Programmauszüge abgewertet werden ...
Ganz klar hat meine große Unsicherheit und meine gewisse Unbestimmtheit über die Jahre hinweg etwas in meinen Denk- und Handlungsweisen manifestiert und es fühlt sich schwer an, da wieder heraus zu kommen, um aus mir wieder etwas zu machen, worauf ich also voller Hoffnung und Aussicht bauen und nach vorne sehen und gehen kann.
Aber mir fällt nichts dazu ein. Zwischendrin wird mir sicherlich irgendeine dieser durchreisend guten Stimmungen wieder weismachen wollen, dass es schon werden würde. Aber nur irgendwie. Wenn das so weitergeht, werde ich Angst davor haben, den Müll runterzubringen.
Oh, ist das jetzt post-alk-traumatisch oder tatsächlich ein erklärtes Problem? Oder Beides? Ich zittere fast ein wenig. In dieser Woche habe ich auch den Radweg mit Handtuch, Buch und Badesee nicht auf die Reihe bekommen. Weil ich keine Lust drauf hatte, in der heissen Sonne rumzubrutzeln. Weil ich überhaupt auf nichts Lust habe. Heute Abend spielt Götz in Schönebeck Sax & Harfe. Hatte ich sogar Interesse bekundet. Jörg schreibt mich also eben an, ob und wann wir losfahren- aber ich sage ab. Mir fällt tatsächlich ad hoc nichts ein, worauf ich jetzt richtig Lust hätte. Fehlt noch die Atemdepression ...
Plan A: Alkohol weg und wenigstens den "Abstand zu inneren Wortmaschine" mal versuchen, zu lesen? Wie oft kommen solche Ideen noch? Sie sind bereits viele Jahre alt!
eine Woche scheinkrank
Ich hab's tatsächlich gewagt, bin zu Weimann am Montag und hab mich krankschreiben lassen. Bis Freitag. Das allein sollte nicht unbedingt bemerkenswert sein; etwas anderes ist es: Sobald ich meinen Mailkasten aufmache und die Mails aus dem Puppentheater lese, werde ich nervös und fürchte eine überwältigende Versagensangst. Alles fing an mit einer Mail von Kempchen, worin mir seine Nachfragen zu besprochenen Projekten sehr dringlich und unangenehm fordernd vorkamen. Oder liegt es daran, weil ich eine Woche krankfeiere und ich deswegen Gewissensbisse habe? Das sollte doch aber jetzt nicht mehr sein.
Ich arbeite am neuen Freiwilligenweb, es ist blödsinnig viel, die alten Inhalte ins neue System zu schiessen. Aber gut, dafür gibts ja auch weitere 2.000 EUR. Mein weiteres Problem ist, dass ich nach Katrin am Sonntag mir noch eine Flasche Wein einhalf. Und gestern sogar zwei. Das bereitet mir große Sorgen und ich fühle einen Punkt erreicht, ab dem sich alles sehr schwierig und kaum lösbar anfühlt.
Das wird nur wieder werden, wenn ich mich besinne. Jetzt ist es 0:00 Uhr und ich hab erst ein Glas Wein in der Zerre. Dazu ist es sehr heiss und das Konglomerat aus Allem möchte mir sagen, dass ich hier ganz deutlich und bestimmt handeln muss. So wie es Plan war ab der Reha: Alkohol weg, Kontakte schaffen, umsehen, Kopf frei kriegen. Das mit den Kontakten geht ja schon halbwegs, aber ich komme ja nichtmal los, um zum Jersleber See zu fahren und es mir wenigstens ein bisschen gut gehen zu lassen.
Pass bloß auf, du!
Katrin Gellrich und eine Begebenheit
Wir haben es endlich geschafft, uns zusammenzufinden. Ich war bei Katrin und wir saßen im abendlichen sehr warmen Garten, um über uns zu erzählen. Gleich vorneweg (und es geht hier vornehmlich mehr um mich als um Katrin): ich muss es aufschreiben, um es nicht zu vergessen: Im Vorfeld schrieb sie mir, dass sie mir über eine 'Begebenheit' berichten müsse. Und da ich ja wusste, dass sie mit dem OB Trümper und Puhle und Konsorten unterwegs im niederländischen Leeuwarden war, meinte ich vorher zu Tobi im Spaß, dass es bestimmt um mich in Bezug auf Puppentheater oder MDR Vorleser gehen könnte, was ich zwar für möglich, aber weniger wahrscheinlich hielt.
Aber genau so war es dann wohl doch. [Gedächtnisprotokoll]: Eine hochkarätig (im Magdeburger Sinne) besetzte Reisegesellschaft, bestehend aus dem Büro 2025, Trümper, Puhle, Nitzsche, Platz, Stieger-MMKT und weiteren Leuten verbrachte dort drei Tage. Auf dem Rückweg gab es kurz vor Magdeburg unfallbedingt einen längeren Stau (bei dem ein Motorradfahrer ums Leben kam; 26.05.18); der Reisebus hielt an und zufällig befand sich dort nebenan eine kleine Straße und die Leute (OB++) riefen kurzerhand ihre Fahrer zu dieser Stelle, damit sie schneller nach Hause kämen.
Und so also saß Katrin in einem Auto mit Trümper und Puhle und es kam zu einem kleinen Gespräch zwischen ihr und Puhle, worin es natürlich ums Puppentheater ging. Und: um mich! Und Puhle sagte, dass er davon weiß, dass Kempchen mir gekündigt bzw. die Nichtverlängerung ausgesprochen habe. Upps? Katrin entgegnete dann zwar sehr leise, aber in ihr Auffassung für Trümper wie auch Puhle deutlich vernehmbar: "Das stimmt nicht".
Der bis dahin schweigsame Trümper meldete sich dann zu Wort und meinte, dass er große Stücke auf mich halte und ich sehr gute Arbeit für das Puppentheater geleistet habe.
Wao! Ich glaube, ich sollte in meiner noch aktiven Puppenzeit dafür sorgen, dass es für den OB und andere wichtige Stellen in der Stadt klar wird, wie die Dinge wirklich verlaufen sind. Kerstin Kinszorra, Cornelia Muhl-Hünicke und sehr vielen anderen Leuten habe ich ja schon erzählt, wie und warum es um mich im Puppenhaus steht. Aber ich empfinde es als noch wichtiger, dass Kempchens verdrehte Aussagen für seinen Selbstschutz und seine Politik hier korrigiert und deutlich gemacht werden. Damit klar wird, wer hier wie manipuliert.
Und für den bösartigsten Fall der Schlacht blieben mir immer noch Alena und ihre Gedächtnisprotokolle und die Show von Kempchen, in welcher er alle Inhalte aller persönlichen Gespräche in großer Runde preisgab. (Aaaah, ich bin voll auf Rache!)
Tut mir leid, dass ich hier nicht mehr über Katrin schreiben kann, aber in diesem Thema bin ich schon sehr auf mich fixiert. Damit ich am Ende den reinen Tisch haben kann. (so. Das reicht erstmal. Zuviel Sekt!)
gefährliche Interpretationen
Wenn ich auf eine Person wie FB negativ eingestellt bin, ist so gut wie jede Aktion von ihm (eine Mail), auch wenn ich die Inhalte+Absichten noch nicht kenne, negativ und ich lehne es und ihn innerlich ab. Stellt sich dann heraus, dass diese Aktion nicht aggressiv / negativ behaftet war, stellt sich schnell eine Erleichterung mitsamt leichtem Schuldgefühl bei mir ein. Ein Chaos auf dem Versuchsweg des schwerlichen Friedens zum Ende.
Wenn ich, wie so oft, selbst nicht überzeugt sein kann von Dingen, die ich nicht versucht habe, ist jeder Blick in meine Umgebung ein neidvoller: denn alle anderen haben offensichtlich einen "normalen" Weg eingeschlagen. (Jabo und seine Familie und seine Wohnungen in Stadtfeld, die er vermietet). Dann also ist es meist immer egal, WAS diese Leute tun oder haben, es ist fast immer alles besser als das, was ich "vorzuweisen" habe. Meine große Dämlichkeit in solchen schwachen Momenten macht mir zu schaffen.
Diese beiden Anführungen hier zeugen sehr hübsch von meiner insgesamt sehr ungemütlichen Situation. Habe heute etwas von Gesprächstherapie gelesen. Aber ich hab ja noch nichtmal mit meinem Abstand zur inneren Wortmaschine angefangen. Warum dauert das so lange? Warum fällt mir jede Anfrage / Anforderung zur Last? Warum kann ich nicht 3 Tage durchschlafen, aufwachen und schwimmen gehen?
aus dem Taumel gerettet
... und dann kam der Hoflieferant mit JESKOM und ich immer noch müde. Und sogar ob Jörgs verspielter und Leute begrüßender Art etwas genervt. Ein guter Indikator für mich: denn Jörg hat und lässt sich geruhsam Zeit für die vielen kleinen Dinge im Leben, die ich lieber jetzt und gleich fertig haben möchte. (Soundcheck in diesem Fall). Nunja, Jörg ist ja auch ein verspielter Typ. Aber schreibe ich's mal so: Das wurde noch ein guter Abend mit sehr interessiertem Publikum. Mit Sandy. Und den beiden Theaterpädagoginnen und der Festival-Miriam. Und 180 EUR hat's noch für jeden eingebracht. Nun bin ich auch nicht mehr müde. Aber noch immer sitzen meine Kiefer zu fest aufeinander. Es herrscht eine beständige Unruhe und gehetzte Unzufriedenheit, die ich auch Sandy in der Kürze der Zeit auf ihre Frage meines Allgemeinbefindens außerhalb des PT nicht nicht erklären mochte. Dazu bedarf es mehr Zeit.
Eines noch: in der Runde der PR/ÖA Verantwortlichen der Stadt heute im Museum hab ich mich trotz Müdigkeit erstaunlich wohl gefühlt. Das hörte ich an meiner Freundlichkeit und meinen wohl aufgenommen Worten. Das war eine ganz andere Kommunikation als ich sie aus den Sitzungen im Puppentheater kenne.
Okay, der Abend hat sich ruhig ans Ufer gelegt, morgen ist Puppenausflug und anschliessend Pfingsten. Eine Woche später werde ich ein bisschen krank sein und mir hoffentlich ein paar gute Tage machen, die mich aufmuntern. Dazu brauche ich Menschen, die mir gut tun. Und mich, der sich besinnt und nicht sinnlos abschiesst.
im Taumel
Heute befinde ich mich mal wieder im Wachkoma. Dieses Mal ohne alkoholische Eskapaden des Vorabends. Beim Lesen mehrfach weggedriftet und am Morgen Träume voller Aussichtslosigkeit ob anstehender zu lösender Probleme. (es ging um irgendwelche PDF Dateien und dem totalen Chaos im Versuch, die zu ordnen). und genau so geht es mir bis jetzt. Ich taumele in Gedanken und Gefühlszuständen, fühle mich entrückt und sehr müde.
Wahrscheinlich ein Querschnitt aus meinem Hier & Jetzt. Und immer auch der Gedanke an Oli, wie er offensichtlich durchgedreht sein musste in 2016, woraufhin er sich das Leben nahm. Meine blitzartigen Denkversuche, mich aufzurappeln, hinzustellen, richtig nachzudenken und entsprechend etwas für mich zu tun, schwinden schnell unter der Last einer sich merkwürdig anfühlenden Hilflosigkeit. Die Langfristigkeit war schon immer mein Problem, nun verweigert sich die Mittelfrist und ich hoffe derweil, die nächsten Stunden halbwegs klarzukommen. Heute Abend gibts jeskom beim Hoflieferanten, da gesellt sich gleich ein bisschen Furcht hinzu.
Ich werde mich wohl von den Gedanken lösen müssen, alles aus selbstsicherer Sicht auf die Beine stellen zu können. Aus dem Anbieter der lebensbejahenden Strategien für andere (Studium) werde ich zu einem, der diese Strategien von anderen benötigt. Alkohol. Laufschule. Krafttraining. Psychologische Ermutigung.
Ich hätte gern eine Aussichtsbrille.
trunkener Mittwoch
Bevor es zu entschuldigenden Erklärungsversuchen kommt: Den ersten großen Wodka habe ich auch ohne die Nachricht vom Tode Olis durchaus generös angenommen. Glaube gerade im Puppentheater angekommen zu sein. Bier, Wodka und Rosé bis insgesamt halb 2. Und genau so sehe ich aus. Und genau im passenden Moment kommen die ersten Verhältnisgleichungen zur Story about Oli und dem direkten Vergleich zu mir. Ich hätte ebenfalls nicht übel Lust, mich nackt auf Balkone oder ganze Straßen zu stellen, gegen Busse zu kämpfen oder ohne Argumente gegen das System zu rebellieren ... mit anderen Worten: durchzudrehen wider besseren Wissens. Gewissermaßen ein gefundenes Fressen für mich.
Nundenn, es fühlt sich knapp an und nützt nichts, mich auf die noch relativ frische Reha verweisen zu wollen. Die nämlich war nur ein kalter Entzug und eine Chance für meine weggesperrte Wahrheit, die mir in dieser Zeit tränenprovozierend mitteilen wollte, dass es jetzt sehr dringend wird, etwas in meiner Welt klar zu stellen oder es wenigstens sein zu lassen.
Oliver Rießler
Heute (15.05.2018 im Bluenote) kam jemand auf mich zu, den ich ziemlich schnell als Camillo Rießler erkannte. Fast schon herzliches Umarmen. Nach all der Zeit ... Er fragte, ob er mich sprechen könne, es wäre wichtig. Mein erster Gedanke ging sofort an Oli und dass etwas passiert sein musste. Hier mein gleich nach dieser Unterhaltung aufgeschriebenes Gedächtnisprotokoll:
Seine erste Frage war, ob ich erst das Gute oder das Schlechte hören möchte. Ich entschied mich aus Gewohnheit für zuerst das Gute und wurde überrannt mit der Frage, ob ich noch arbeite. Hä? Also auch musikalisch arbeite? Und wenn ja, wäre er ein Hammer-Produzent für Foto und Video und könnte echt viel für mich machen. Upps. Ich erinnerte mich sofort an die "alten Zeiten" und wurde misstrauisch. Danach kam die Todesnachricht.
Oli Rießler hat sich am 30.12.2016 in seiner Wohnung erhängt. Seine Frau folgte ihm mit einem Sprung vom Balkon wenige Wochen später. Sie hinterlassen eine gemeinsame 14-jährige Tochter und einen ca. 26 Jahre alten Sohn von ihr, der (ebenfalls) psychisch krank gewesen sein soll. Oli soll laut Camillo 1,5 Jahre vorher in seinem Job in der IT-Branche ein Burnout gehabt, aber nicht ernst genommen haben und hat einfach weitergemacht. Er wurde dann psychotisch, rannte nachts durch die Straßen, 'machte sich zuhause nackig, rannte auf den Balkon, wieder zurück, zog sich an, zog sich aus' ... Er soll sich dann in eine geschlossene Anstalt begeben haben, später dann in die offene Psychiatrie und begann anschließend eine Wiedereingliederung in seinen Job. Als sein Chef ihm gesagt haben soll, er solle wieder Vollzeit arbeiten, läutete Oli quasi sein Ende ein....
Offensichtlich hatten Camillo und seine neue Frau (Ulrike?) in den letzten Jahren nicht viel Einsicht in das Leben von Oli, obwohl sie fast zusammen wohnten (Ebendorfer- / Albert-Vater-Straße über dem Penny Markt). Camillo erklärt seine Eltern als ebenfalls depressiv.
Camillo erklärt seine Liebe zu seiner neuen Frau so, dass sie sich kennenlernten und Hals über Kopf 10 Tage später (?) heirateten.
Camillo sei auch depressiv gewesen, ist aber seit gestern (!), als er aufwachte, geheilt. Er nimmt auch keine 80 ml, sondern nur noch 10 ml von irgendeiner Substanz, an die er sich erst erinnern musste.
Oh, das alles ist sehr diffus, wirkt sogar ein bisschen unheimlich und fast bedrohlich und erinnert mich außerdem an alte Zeiten mit unseren gemeinsamen manchmal ziemlich hanebüchenen, aber immerhin ambitionierten Aktionen und Ansichten. (Ojé, Big Basti ... )
Das war damals meine Umgebung, meine Welt. So waren wir. Oli und ich tranken in seinem Zimmer in der Hans-Grundig-Straße so oft den unedlen Apfelwein und versuchten uns die Welt zu erklären; wir durften damals sogar rauchen; ich war mit Oli viel unterwegs. In Hannover beim Friseur Kling mit Wao-Frisur und dem Wessi-Gehabe im Pferdestall am Abend; unserer Rückfahrt mit dem Zug, in welchem uns Engländer fragten, wann genau das Konzert "Pink Floyd" mit "the wall" heute Abend in Berlin beginnen würde und ich noch im Zug die Leute befragte und dann die Antwort "so ungefähr midnight" überbrachte. Mann, waren wir unwissend und doof. Und da gibt es noch so viel mehr Erinnerungen an Ojé, an die Spottniks, an Grünrot, an Kerstin ... (davon steht vieles geschrieben im Almanach von Ojè).
Und mir fällt dabei ein, dass ich damals (16 Jahre alt) Klamotten (Ballon-Hosen und eine weite Jacke) meiner Mom getragen habe: es muss schlimm ausgesehen haben, wie ich mein Outing einzuleiten versuchte. Und dann haben wir den Versuch gestartet, ins Fernsehen - die "Talentebude" zu kommen. Und es hat geklappt und wir waren die Größten. Das war wirklich groß. 1988. Obwohl mich nach der Sendung niemand auf der Straße erkannte. Naja.
Und auf meinem Holztisch im Wohnzimmer, den ich damals (2012?) bei den JeskomClubStories im Oli (!) zur Bemalung freigab und bei welcher Oli und sogar Kati anwesend waren, sehe ich eben gerade noch jenen grünen Schriftzug von ihm, den ich damals eher ein bisschen mau fand: "Hello Jesko alter Sack. Auf alte Zeiten. Oli."
Ich kann es natürlich nicht genau wissen, was und wie es da bei Oli tatsächlich abgelaufen ist, aber manchmal und derzeit habe ich das Gefühl, dass solche Umstände bei mir durchaus auch möglich wären.
Nörgeln, Schimpfen, Exodus
Ein gruseliger Bestandteil meiner Ausflüge in die Erinnerungen besteht in der Erkenntnis, dass ich sehr oft höchst unzufrieden war, viel geschimpft und mich aufgeregt habe über Dinge, die so quälend nichtig sind. Die zu lauten Werbedurchsagen im Supermarkt, die zu langsam fahrenden und mich damit in meinem Leben einschränkenden Autofahrer. Sogar denen gegenüber, die meckerten, brachte ich nur Gegenschimpfe auf. Jetzt muss ich überlegen, ob das Zustände in den Tagen meiner Hangovers oder an der normalen Tagesordnung waren. Meine Hangover waren ja aber auch normal. Das alles zeugt von großer Unzufriedenheit. Und es wird zu einem Teil meiner Angst, wenn ich mir Glauben machen will, dass nach meinem Ende im Puppentheater das alles viel besser werden würde. Dieser Grund allein dürfte keinesfalls reichen, mir auf ein Niveau der Lebensfreude zu verhelfen. Und es macht einen dicken Teil mancher meiner Verhaltensweisen im Puppentheater aus, denn ich glaube, das einige davon den anderen eher unverständlich vorgekommen sein müssen. Und negative Zustände lassen sich leicht verstärken. Da reicht ein schiefes Wort. (Allerdings war ich merkwürdigerweise auch schnell wieder motivierbar. Ja wie denn nun?)
Leider bin ich auch zu vergesslich. Es gibt zu wenig Klarheit (oder permanenttemporär in meinen Fähigkeiten dafür) in meinen Erinnerungen. Wohl aufgrund der besonders guten Übung in Sachen Verdrängung, die ich dabei hatte und habe. Mir fällt der Nachhauseweg von der Reha ein: Da war ich doch wohl erlöst und erholt (und sehr nüchtern) - und kaum auf der Autobahn war ich bereits der selbe Meckerkopp wie vorher und schimpfte auf die Leute.
Mein Problem der Versagensangst, meiner Angst vor Mittelmäßigkeit und der weniger werdenden Ideen mitsamt irgendeinen Mutes und dem einhergehenden kleinen Selbstwertgefühl lassen mich lieber Abstand nehmen vom Leben da draussen. Bluenote geht gut. Für einzwei Stunden. Das ist sicheres Terrain und übersichtlich und ich fühle mich nicht so sehr in der Pflicht, mich behaupten zu müssen. Krankes Dilemma. Und ein Teufelskreis: Denn diese Angst lässt mich mich weiter zurückziehen um daraufhin noch mehr Skepsis dem Draußen und mir darin zu entwickeln. Irgendwann bleib ich dann zuhause. Oder wo der Pfeffer wächst. Das wäre allerdings und wenigstens einen Versuch wert, denn wie ich gerade lese, wäre das in Madagaskar und in Indien, Indonesien und Malaysia.
Na dann los. Mal gucken, ob ich dort auch so ein Nörgelheini bin.
Der Montag danach
"Was zu erwarten war". Der Sonntag schleppte sich mit mir und meinem Hangover müde durch die tatenlos verbrachte Zeit. Die Nacht zum Montag ließ mich schwer nur schlafen und mein Montag selbst war anstrengend, warm und unausgeruht. Es fühlt sich wie immer sehr leer an und erste Psychosen machen sich breit, wonach ich im Puppentheater ganz sachte aber bestimmt den Löffel abgebe und dennoch so viel dabei zu tun habe. FB freut sich auch, dass er viele schöne Ausrufezeichen in seine Mails an mich tippen kann. Ich bin immer weniger Bestandteil des Theaters. Fühlte sich wie so oft schon an und macht traurig. Und vor allem Angst, ob ich jemals von diesem Karma loskommen oder anderswo immer dieselben Probleme haben werde.
Gesoffen habe ich immer schon und die Folgen waren immer schon dieselben. Das macht nicht sonderlich mutig in Richtung Zukunft. Die erste und sogar absolut unumgängliche Lösung kenne ich: Ich sollte überhaupt nichts mehr trinken. Bereits in diesem Satz liegt die labile Einsicht mit noch labilerer Konsequenz. Ich könnte mich fragen, wie es überhaupt (schon damals) dazu kam. Weil es ging? Weil ich das mit Bach wunderbar manifestieren konnte? Liesse sich leicht in anderer Leute Verantwortung schieben, aber es stimmt natürlich nicht. Ich bin für mich selbst verantwortlich, aber offensichtlich so wankelmütig, voller Selbstmitleid und Angst, dass jedes Unterfangen nach wenig Aussicht stinkt.
ESC II
Es ist zum Mäusemelken. Habe gerade und erneut festgestellt, dass mein Selbstbewusstsein im tiefsten Keller steckt. Angst. Wovor? Wahrscheinlich, weil ich gerade das Buch ACT "Im Abstand zur inneren Wortmaschine" kurz zur Hand nahm und im Einlegeblatt darüber las, dass es um Angst geht. Und sofort stellte sich ein Gefühl darüber ein. Es gibt meine Angst. Sie ist da. Und äussert sich auf verschiedenste Weise. Unter mir sitzt Volker auf dem Balkon und ich höre sie ein bisschen reden, vielleicht feiern. Ein kurzer Gedanke, sich ihnen anzuschliessen, verwerfe ich sofort. Naja, das ist alles ziemlich dünn gesät auf dem Feld der Erklärungsversuche.
Ich fühle mein Leben also weiterhin an mir vorbeiziehen. Wie besungen "Oh mein Herz, es ist hier so leer. Ich sehe den Sturm, doch ich höre nichts mehr ... und dein Leben zieht entspannt an die vorbei. Das leere Glas und alles das ... " WIND hat es schon sehr auf den Punkt gebracht. Ich sollte mir die Texte nochmals wie neu anhören, denn darin steckt enorm viel meiner Probleme. Auch die Angst. In der Legende vom Ende heisst es auch: "Hier kommt die Angst und die lässt dich allein mit dir."
Und allein fühle ich mich tatsächlich. Die Folgen fühlen sich fatal an: Angst vor vielen Situationen. Angst, darin nicht bestehen zu können, trotz meines offensichtlichen Charmes. Die Worte in Konversationen gehen mir aus, genau wie das Wissen und meine manchmal ins Bodenlose zu sinken scheinende Intelligenz - ich würde einen gut klingenden, aber nicht besonders gebildeten Moderator abgeben. Die Kosmetik, das CSS, die Stimme allein wird da nicht reichen. Immerhin weiss ich, dass es meiner Motivation bedarf. Dann wird es besser.
Okay. Wie also die Angst besiegen und Motivation wofür erreichen? Ich kann mich hier kaputt schreiben und bringe es ja doch nicht auf den tiefen Punkt, in welchem sich all das versammelt, was mich erfolgreich am guten Leben hindert.
Dreiviertel Elf. Im TV läuft weiterhin der ESC. Escape. Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas.
ESC
European Song Contest. Saturday Night fever? Da sitze ich in einem halbwegs aufgeräumten Wohnzimmer und habe keine Ambitionen auf Nichts. Was nicht schlimm sein muss. Fühlt sich aber so an. Gestern ging's nach'm Weinladen im BN und zuhause beim Rosè noch so alkoholisch zu, dass mein Tag heute entsprechend verlief. Ich komme auf keine schöne Idee und bin sehr platt. ESC steht eher für Escape. Quit. Renew. Aber was? Wie? Mit wem? Allein geht es doch nunmal erwiesenermaßen nicht.
Ich denke an die Leute um Gérard, die jetzt wahrscheinlich in der Männerbude den ESC zelebrieren, ich höre Fado-Gesang und wünsche mich an Orte, an denen sowas in echt zu erleben ist. Denke dabei auch an Jamaica. Oder an die FCM-Party, die jetzt im Moment am Stadion die Heimkehrer / Ligameister und Aufsteiger frenetisch feiern wird. Und fühle mich mal wieder sehr erlebnisarm. Das Leben plätschert so dahin, ohne richtig Freude zu machen.
Ich wünsche mir für sofort noch so eine Reha über 3-4 Wochen, in denen ich vom Alkohol weg- und zu besseren Gedanken (und vor allem Bewegung) komme. Seit 2-3 Wochen scheint mich ein bechterew'scher Schub heimzusuchen und ich fühle mich sehr gehandicapt.
Für heute hoffe ich, dass ich es nicht wieder übertreibe und für morgen wenigstens eine Idee habe. Sonst bleibe ich einfach im Bett.
Gesellschaftsfähig
Eine der letzten Premieren im PT: Schimmelreiter. Regie Leo. Dementsprechend viele Leute seiner Welt im Haus. Und die Intendantenrede mitsamt seiner berechnenden und zielgerichteten Worte. Insbesondere für die großartige Stephanie. Kempchen ist ein emphatisches Desaster. Beziehungsweise auch meine Auffassung und Interpretation solcher Situationen. Ich weiss, ich könnte, aber ich mag und trau mich nicht, mich ins Gemenge zu stürzen. Mein Selbstvertrauen reicht nicht. Ich bin gefühlt Rad am Wagen. Einer, den man nicht erwähnt, den man nicht wahrnimmt, ihm aber freundlich gesonnen ist. Selbst meine Hörgeräte verbessern nicht meine Aufmerksamkeit und mein Interesse.
Das wird eines meiner größten Probleme bleiben und werden: Die merkwürdige Furcht in einem Haufen, in welchem ich mich nicht aufgehoben fühle. Und jetzt brauchen wir die Gründe dafür. Denn dieses Symptom ist größer als ich dachte. Betrifft auch meine ganzen Unternehmungen im Bus in die Welt, auf Festivals für Fotos und die vielen anderen Versuche, die meinem Grundverlangen entspringen, die ich für mich allein aber nur sehr schwer umsetzen kann.
Alte Zeugnisse und Beurteilungen gefunden. Verglichen mit dem, was (vielleicht ja auch nur die falschen) Leute heute über mich sagen. Selbstwert abgeglichen. Gesellschaftsfähigkeit einbezogen. Schneller Schreck. Fluchtgedanken. Wie? Wohin? Zu wem?
Dem Abstand zur Wortmaschine muss ich mich sehr bald stellen. Nur Mut!
Chaos, Tod und Andersrum
Tobis Oma ist gestern Abend, am 25.04.2018 um 21:45 Uhr verstorben. Er war darauf eingestellt und gefasst. Ich bin beinahe trauriger als er. Jetzt gerade bin ich es wieder. Und ich bin sehr froh, dass seine Familie gestern noch den ganzen Nachmittag und Abend bei ihr war.
Gestern Abend habe ich mit Suse bei einem Vietnamesen (Coba) sehr gut gegessen und mich ebenso gut unterhalten. So etwas möchte ich viel mehr machen ... irgendwie legte sich dadurch mein ganzer Wust an Gefühlen und dem Chaos für einen Moment auf die ruhigere Seite. Im Puppenhaus geht es so sehr rauf und runter oder zumindest empfinde ich das so. Jetzt geht es gerade darum, ob ich am 5.5. für Fotos Schimmelreiter hier sein muss, statt bei Mandy aufm Hof zu spielen. Derweil "benutze" ich Tobis Oma und das halberfundene Thema Beerdigung für den 5.5., um an den Empfindsamkeiten von MK und FB zu kratzen, damit ich mich hier freikriege. Was für ein Müll. Und das Chaos schlägt Wellen, die offensichtlich mit meiner eigenen Versagensangst zu tun haben. Zwischendrin klärt sich das mit der Mieterhöhung einigend für beide Seiten und ich freue mich wieder. Dann sind die Tickets im PT fast alle (Aufschrei!) und ich werde wieder verrückt. Dann ist das FestWeb fertig und ich bin beruhigt. Woraufhin die Thematik 5.5. wieder zuschlägt.
Bin ich so aufgebraucht und dünnhäutig? Habe ich solche Versagens- oder andere Angst, dass es mich sofort von einem Gefühl in das nächste wirft? UND: Der Tod ist eben gerade wieder vorbei gekommen und hat gewunken. Mehr muss ich hierzu doch nicht schreiben oder? Los, heul' weiter!
Wertverlust & Lampenfieber
Okay, ich bin etwas müde und dunstig. Konnte bei Tobi nicht so gut schlafen. Und hier im PT fühlt es sich auch gerade sehr merkwürdig an, weil ich mich so unklar fühle. Einen kleinen Fehler wegen einer SWM Anzeige mit dem Motiv der Lanotte Ilotopie gemacht, korrigiert. Aber das ist es noch nicht: ein FB schafft es mit außergewöhnlichen Schmäh-Mails mir die einzureden, dass ich es einfach nicht gut kann. Solch merkwürdige Gefühle hatte ich schon öfters, als ich bspw. die CLP-Termine falsch eingeschätzt hatte und sich in mir so ein unglaubliches Sirren & Irren breitmachte. Fühlt sich an wie beim Lampenfieber - eine aufwühlende Stimmung, gepaart mit einer Versagensangst. In diesem Fall gegenüber Allens.
Hier kommt also alles zusammen: Meine vermeintliche Fehlerquote und der schleichend beginnende Abgesang im Puppenhaus, die Abneigung gegenüber FB und seiner dreckigen Art und Weise; dazu die ungewisse Mieterhöhung und das Einschalten eines Anwaltes (das sind Dinge der Veränderung, denen ich nicht entspannt gegenüber stehe.) Und dazu natürlich die große Frage nach der Zukunft. In solchen Momenten passt das alles sehr zusammen und ich beziehe natürlich all das mit ein. Da kann ich nichts mehr trennen und übrig bleibt ein dumpfes Gefühl von Wertverlust, von Ohnmacht, von Aufgeben und Seinlassen. Doch selbst wenn ich mich jetzt sofort von diesem Universum zurückziehen würde, bliebe ja diese Stimmung.
Immerhin weiß ich aus Erfahrung, dass sich das wieder ändern wird, aber ich musste hier unbedingt dieses Gefühl beschreiben, in welchem ich eine große Angst pflege und die einzig vorstellbare Lösung in so etwas wie einer tiefen, langen Narkose oder einer sonstigen Entnahme aus dieser meiner Welt bestünde. Ganz und gar kein gutes Gefühl. Das Dümmste wäre ein Sprung vom Balkon, aber gefühlt nachvollziehbar ist er.
Interpretation anderen Seins
Ich sehe ein Haus oder eine Wohnung von aussen und denke, "hier liesse sich schön wohnen"; ich sehe einen ollen Mercedes-Bus und schwärme in Gedanken, wie schön es sein muss, damit durch die Welt zu ziehen; ebenso lese ich Kommentare auf FB und denke: "Mensch, die machen was aus ihrem Leben, das will ich auch so". Allesamt also nur hineininterpretierte Vorstellungen. Das liesse sich noch weiter vereinfachen, so dass jede x-beliebige Situation in mir ein Interpretation hervorruft, die im Grunde meine vagen Wunschvorstellungen darstellt.
"get real" ist das leider nicht. Interessanter wäre es, herauszufinden, welche zum Teil verborgenen Wünsche dahinter stecken. Das gemeinschaftliche Patchwork-Haus - warum suche ich es mir nicht? Die Reisen mit meinem Bus habe ich immerhin mehrfach versucht- siehe Dänemark und insbesondere meine arge lost-situation in KBH damals, in der ich nahezu hilflos auf dem Parkplatz stand und mich aufgrund des Weines vom Vorabend auf dem Campingplatz und wohl der Situation so allein unterwegs beinahe nicht gewachsen fühlte. Erfahrung. Keine gute. Meine Interpretation der mich umgebenden Situationen sind wahrscheinlich oft haarsträubend, irreal und entspringen reinem Wunschdenken.
Nunja, dann kommen Fotorucksack und möglichst geiles Equipment dazu, um ... na? Schöne Fotos zu machen? War ich einmal draussen unterwegs, an lost places oder egal wo, um mich auszuprobieren? Minimale, sehr wenige und hilflose Versuche. Bisschen M'era Luna (das war noch gut) und bisschen Dänemark. Ansonsten keine Ambitionen. Stattdessen sitze ich auf der Couch und lese Magazine mit immer selbem Inhalt für "bessere Fotos". Wieder Wunschdenken, etwas gut können zu wollen. Tja.
Das ist auch Teil meiner Angst für September ++, wenn ich besehe, wie wenig Überzeugung ich für auch nur irgendwas entwickele. Keine Richtung. Keine Idee. Ich werde irgendwo einen gut bezahlten Halbtagsjob suchen und den Rest mit eigenen Projekten versuchen. Bis dahin werde ich immer betrunkener und damit unfähiger werden. So zumindest meine negative Seite der Vorstellung. Das wiederum könnte mich zum Bukowski machen. Nur ohne seine Sichtweise auf die Welt, von der ich merkwürdigerweise immer noch viel halte und wohl ebensoviel erwarte. Sei freundlich zu Leben und Welt und beide werden dir zurückgeben. Echt? Na mal sehen.
Nachtaktive Abrechnung
Es ist wie so oft: meine Gedanken lassen mich nicht los und im Laufe des Abends mitsamt der ganzen Getränke, die ich wie immer nicht sein lassen kann, bewegen sich in mir Gedanken über meinen Status Quo, die plötzlich ungeahnt kreativ und deutlich werden. Und ich räume dabei auf mit meinen wirtschaftlichen Verhältnissen. Und: Ich stelle dabei Erstaunliches und Beruhigendes fest. Die Nachfolgen dieser alkoholischen Eskapade sind für mich und morgen absehbar. Ich stelle fest: 0.5 Bier. Schnapsglas Rum. (naja). 0.3 Bier. 0.3 Bier. (Olsenbande im TV zu Ende, jetzt beginnt das nachtaktive Nachdenken:) Glas Rotwein. Glas Rotwein. (Rotwein alle). Glas Sekt. Glas Sekt. (wegen leichter Euphorie und damit typisch für mich).
Immerhin gibts ein Ergebnis. Pass auf, hier kommt es. Ich rechnete mir aus, wie mein Konstrukt ab September aussehen könnte:
1.250,- ALG (ab September 2018 für max. ein Jahr)
600,- Miete (in Annahme des worst case, sonst 575,- Einigungswert)
70,- SWM / DSL
30,- Parkplatz
50,- Versicherungen (Rente, Haft, Haus. Foto [Foto könnte durchaus einen Diebstahl / Einbruch mit D700 und 24-70 und 70-200 versuchen])
>>> gesamt -750 EUR
bleiben also 500,- zum Leben. Das heisst, wenn ich mit 500,- pro Monat für mein living as usual auskomme, bleibt mein Status Quo in Sachen Geld unberührt. Und der wird zum Zeitpunkt meines Puppenschlusses ordentliche 60.000,- EUR betragen. Oder sogar etwas mehr, weil wir weder N.Y.C. noch andere kostenintensivere Ausflüge bis September haben und weil vom Buttonwand-Projekt mit Ilgenstein noch 2.600,- (vor Steuer) und ca. 500,- (dito) von der FWA für die neue Website reinkommen. Alles, was ich ab September an Aufträgen annehme, muss ich mit dem Arbeitsamt abchecken, wie sich das auf mein ALG auswirkt.
Aber im Großen und Ganzen gibt es hier doch keine (wirtschaftlichen) Probleme, oder? Heißt aber auch: Jeder neue, mögliche Job, den ich annehmen könnte, muss weit über 1.250 EUR netto liegen - ansonsten wäre das zumindest bis August 2019 rein wirtschaftlich uncool.
So! Gute Arbeit! Gute Nacht und viel Spaß morgen mit einem beschissen endfertigen Befinden. Vielleicht wird es mich dabei trösten, mich mit einer kleinen Rettung versehen zu haben (auch wenn ich, na klar, sofort dabei daran denken werde, dass ich das durchaus auch nüchtern hinbekommen hätte wäre könnte haben können).
P.S.: Dazu fällt mir noch was ein: Ich scheine ja ordentlich Glück zu haben oder zumindest meinen Anspruch darauf zu pflegen, dass ich sowas wie das hier heute Nacht überhaupt machen kann. Meine Nachbarn neben und unter mir und Millionen andere Leute sind längst im Bett, weil sie morgen fit sein müssen und ansonsten Gefahr laufen, postbesoffen ihren Job zu verlieren. Na gut, mein Job geht zu Ende, aber ich habe es die ganze Zeit hinweg im Puppentheater und auch vorher trotzdem so gemacht. Ich weiss, das ist nicht sehr rühmlich, aber insgesamt betrachtet, habe ich es offensichtlich mein ganzes Leben irgendwie immer wieder geschafft, damit durchzukommen ... Nun stelle dir mal vor, du wärest dieses ganze Zeit deines Lebens nüchtern und klar im Sein gewesen: Wäre das ein mögliches Indiz dafür, mehr aus meinem Leben gemacht haben zu können? Hui. Stopp.
Wilde Zeiten
Nunja, vielleicht weniger wild, als "anders". Sehr viel anders als sonst. Die Mieterhöhung ist ein wesentlicher Bestandteil dessen und verschafft mir zusammen mit meinem Puppen-Ende eine Unsicherheit, die neu ist. Ja- das ist alles nur materiell, aber eben neu. Anders. Und ich muss zusehen, wie ich da raus kommen. Hab in Sachen Miete jetzt Jean Huthmann als anwaltliche Hilfe hinzugezogen, obwohl mir lieber wäre, wenn die Vermieter und ich das gemeinsam und friedlich klären könnten. Aber so friedlich ist diese Welt vielleicht nicht. Welcome get real. Mal sehen, wie es ausgeht. Alles.
Alternativen bestünden im Auszug. Hin zu Tobi. Falls das geht. Falls auch ich mich dazu durchringe. Natürlich muss ich mir die Frage stellen, was mich im Stadtfeld hält. Es sind die kleinen Dinge, die Tobi für weniger bedeutsam hält. Für mich ist es eine vertraute Umgebung mit Menschen, die ich kenne und schnell und einfach erreichen kann. Ja klar, Bluenote und Wein-Micha sind da wohl die vorderen Kandidaten. Offensichtlich nichts Bedeutsames? Wirklich? Und meine Unabhängigkeit in meiner Eigenständigkeit.
Es ist eine wilde Zeit, in der sich vielleicht vieles umbrechen wird. Andererseits ist es nur der Job und nur das Geld dabei. Ich bin unentschlossen und fühle mich ein bisschen hilflos, obwohl ich ja bereits Hilfe habe. Und mein Aufruf heute bei Facebook betreffs Hilfe in Sachen Mietrecht hat ja auch sofort Kreise aktiviert. Olroid. Gucken wir, was passiert.
Blues Jackets am Samstag waren cool. Hat gefetzt. Auch wenn es fast etwas nach verstaubter Reanimation aussah. Aber es war eine nicht-öffentliche Andrea-Party- und dafür wars sehr okay. Ein bisschen zu schnell zu viel getrunken danach. Auch so'n Ding, was mir nicht so gefällt. Hätte mich gern noch etwas mit Wolfgang (Krabbe) unterhalten, der mir Interna über Kempchen und sein Bauernopfer Wehling erzählte. Ob's wahr ist? Egal. Ich war viel zu aufgedreht und damit zu schnell bei allem, so dass nur ein insgesamt eiliges Gefühl übrig bleibt. Aber immerhin ein schönes. Gut. Jetzt weiter. Und mein Gedanke damals vor der Kur, mich "ab jetzt" aufzustellen und klar in Kopf & Körper zu machen, verschiebt sich sich weiterhin. Es ist bereits April und mein Alkohol ist auf weite Strecken noch immer zu immens vertreten. "Dann warte ich bis zu meiner Party." Aber dann! Letzte Instanz. Aha, die ist aber auch schon über eine Woche her ...
Lampenfieber
Nachher bei Andreas 60. eine Runde Good ol' Blues Jackets und ich bin tatsächlich lampengefiebert. Was für ein Gefühl. Dort hinein spielen auch die Ereignisse der letzten Tage, die sehr diffus waren. Zum einen hat der Intendant es ganz nebenbei doch deutlich gemacht, als er im Café mit Herrn Bandarau nebenbei fallen ließ, dass er es sehr schön fände, dass ich, auch wenn ich das Theater jetzt verlasse, vielleicht weiterhin freiberuflich für verschiedene Aufgaben zur Verfügung stände. Ah! Das war erstmal immerhin ein deutliches Signal, dass meine Nichtverlängerung akzeptiert ist. (auch wenn das wiederum blöd klingt; denn wenn ich gehen will, dann gehe ich einfach). Ich bin das wirklich sehr wackelig. Worauf habe ich denn gewartet? Dass doch noch ein super Angebot kommt und ich dann doch im Theater bleibe? Ist das noch 'get real'?
Und dann kam die etwas giftig klingende Antwort meiner Vermieter, wogegen ich in deren Vorfeld dachte, dass mein Widerspruch zur Mieterhöhung logisch klänge und alles gut wird. Ich mag so verfasste Briefe nicht, in denen immer so ein bisschen Anwalt und andere Drohung mitklingt. Hat ihre Wirkung ja auch nicht verfehlt: Denn ich denke sogleich an meinen wirtschaftlichen Untergang. Außerdem zum perfekten Zeitpunkt. Umziehen nach Reform (wohin mit all den Sachen? ... wie soll das jetzt werden? ...)
Fast schon ohnmächtig gestehe ich mir ein, solchen Situationen nicht besonders gut gewachsen zu sein. Und trinke vor Schreck einzwei Glas Wein mehr. Wir ahnen es: Nächsten Tags wird es natürlich noch wankelmütiger und damit aussichtsloser im Denken und Handeln.
Eines darf ich hier erneut festhalten: ich komme zu Tobi nach Reform, wir rechnen den Mietmist kurz durch, kommen auf 606,80 also ca. 70 EUR mehr. Das ist heftig, aber nur schwer zu ändern, zumal so ein Druck aufgebaut wird. Dennoch fühlt es sich hier mit Tobi wieder leichter und fassbarer an. Also: dann versuche ich eine versöhnliche Basis mit dem Vermieter oder willige einfach ein und lasse mir reparieren, was ich demnächst kaputt machen werde ... (wozu immer das gut sein soll)
Meine Großbaustellen zusammengefasst: Was kommt ab September und wie werde ich mich auf die (welche eigentlich?) Spur bekommen, werde ich meine Kohle halbwegs zusammenhalten können oder vielleicht garnicht müssen und kann ich mich meiner permanent nervenden Wortmaschine stellen, um meine Basis, mein 'get real' zu bekommen und zu halten?
Lampenfieber fetzt, weil es hier einen absehbaren Verlauf gibt. Aha! Sicherheit mit Dividende oder wie? Na dann mal los.
Gegendarstellung
Offensichtlich haben das Rauslassen der Gedanken zu meinem Thema der Zukunft und die Unmengen an Rotwein mitsamt einem Black Friday plötzlich und unerwartet bei Tobi dann zu einem weit wohligerem Gefühl geführt. Das verstehe einer. Aber so schnell geht es so einfach wieder so gut. Vielleicht helfen dabei zusätzlich auch solche eben in der Zeitung überflogenen Todesanzeigen, die ein bitterböses Ende androhen, wenn ich mich weiterhin von Angst und Unmut leiten lasse.
Ahoi.
Frühlingsabsturz
Ich bin zu platt, um überhaupt einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Eine bekannte Form von Absturz. Seit der prima Party vom 31.3. hier bei mir geht es alkoholisch immer so weiter. Jeden Tag. Heute ist Donnerstag. Geht gerade noch so, um mich über den nächsten Tag zu retten und nicht allzusehr im Puppentheater zu versagen; aber eben so sehr panne, müde, traurig, aussichtslos und ohne jede Idee für jetzt, nachher und meine Zukunft. Gefühlter Bluthochdruck. Heisses Gesicht. Nur für den Moment aufmerksam. Anschließend ein Gefühl von willentlichem Tod.
Warte ein Weilchen. Dies hier ist nur ein Halblebenszeichen. Ich muss sofort vom Alkohol weg. Und habe jeden Tag die Idee, wie ich es mache. Und mache es ... nicht.
Ich fühle keinerlei Interessen, ich weiss nicht, was ich machen, sein, werden möchte. Hat natürlich alles mit dem Ende meines Puppentheaterjobs zu tun. Ich würde mich gern auf die Idee einlassen (wie Gitte mich ermutigte:), dass ich alles machen und mich auf alles einlassen, alles auf mich zukommen lassen kann. Geld ist doch genug da.
Und es stimmt ja: Mir kann doch nichts passieren. Außer, dass ich weiterhin keine Idee entwickle und dass ich wie immer all die mir selbst gesetzten Deadlines (Alkoholstop sofort, Besinnung, Menschen meiner Umgebung aktivieren, Kommunikation und damit neue Aussichten, Denkweisen lernen, die Kreise erweitern) verstreichen lasse.
(ab hier betrunken weitergeschrieben:)
Ich hab immer wieder eine ordentliche Panik in mir. Gerade wenn ich darüber nachdenke, wie sich meine Verhaltens-, Denk- und Handlungsweisen VOR dem Puppentheater darstellten. Es war vorher ganz sicher nicht alles besser! Ich war eigenständiger und hatte Glück, mich irgendwie durchgeschlagen haben zu können. Aber ich war auch heilfroh, als sich der Festivaljob über 10.000 Euro (5 x 2000 EUR von Februar bis Juli 2009 [?|) im Puppentheater ergab.
Wenn es jetzt ums Geld geht: Tadaaa, ich hatte sogar vor dem Puppentheater bereits 30.000 auf'm Konto. Jetzt habe ich einen (in 2010 für 19.000 Eur gekauften) "neuen" Bus und enorm viel neues Equipment in Sachen Foto, Mac, Musik und sonstwas und dazu immerhin noch über 50.000 EUR - aber was will ich damit sagen? Das hier:
Ich hätte mich gern weg von all meinen Ängsten und lieber nach vorn gebracht. Wohin? Im Moment scheint es mir mal wieder so schwer zu sein. Was denn? Zuerst das Schöne: Ich kann reden. Ich kann singen. Ich kann gute Texte schreiben. Ich bin (wahrscheinlich ausreichend) intelligent, menschenfreundlich, kommunikativ und firm in so vielen Dingen. Aber: Ich habe die Panik vor meiner eigenen Mittelmäßigkeit, die damit zusammenhängt, dass ich zwar viele Dinge kann, aber in keiner dieser Abteilungen Profi bin: (Foto, Stimme, Grafik, Management, Komponist, Textdichter, Web ...).
Und noch: Ich bin halb taub. Das macht es ohne meine Hörgeräte (und mein oft fehlendes Interesse für die mir entgegengebrachten Inhalte oder Menschen) oft sehr kompliziert und peinlich. Ich bin labil in meiner Gedanken- und Gefühlswelt. Mein Selbstbewusstsein hat oft arge Nöte. Ich habe Angst vor Neuem und gravierender Veränderung. Ich habe Angst vor manchen Menschen, weil ich denen gegenüber oft der blöden Meinung bin, in diese Menschen eine gewisse Intelligenz und Stärke hinein interpretieren zu wollen, der ich nicht gewachsen bin.
Juut. Hier is' ers'ma Schluss.
Geburtstagssonne
Ja, sie war wieder da: Die Sonne zum Geburtstag. Zum Frühlingsanfang. Zum Tag des Glücks. Vielleicht eine merkwürdige Angewohnheit, an diesem Tag nach der Sonne Ausschau zu halten. Und sogar gefährlich für den Geburtstag, an dem sie mal nicht scheint. Und dann? Ach herrjeh. Im letzten Jahr mit Mandy bei Bäcker Ebel war es schon sehr knapp mit der Sonne und eine insgesamt so traurige Situation, die allerdings nicht der knappen Sonne, sondern meinen Umständen geschuldet war. Immerhin habe ich diese Umstände nun geändert.
Und immer bleibt der kleine aber starke Funken der Unsicherheit. Nicht, dass ich danach keinen neuen Job finden würde - das sehe ich angesichts der Arbeitsmarktlage weniger problematisch. Es ist eher die immer schon währende Ungewissheit über mich selbst und meine Ziele. Wenn ich ein Ziel hätte, wäre das schon großartig. Stattdessen hege ich immer nur das Ziel, mich in dem, was ich tue, wohlzufühlen. Könnte das dann auch Gurkenpflücken sein?
Vieles von dem, was ich bisher tat, trug nicht immer zu meinem guten Leben bei. Es ist verdammt knifflig. Elektromaschinenbauer ohne das richtige Händchen dafür? Doof. Die Vorstellung der tagtäglichen morgendlichen Werkstatt im Studentenjob bei Gündel? Never! Bereits damals Anfang der der 90er wollte ich studieren ob der studentischen Gemeinschaft wegen. Und stellte später (damals bei Uta und Jago in Berlin) mein Gefühl dar, dass ich sehr vieles kann und zu vielem in der Lage und sogar ein guter Mensch bin - doch nichts davon kann ich richtig. Keine Leidenschaft, keine Konzentration auf EIN Thema. Das wollte man mir damals wie heute widerlegen, aber das Gefühl bleibt immer ein bisschen bestehen und schafft mir in gewissen Zuständen ein großes Unwohlsein als Wanderer zwischen den Möglichkeiten. Eine Vorstellung von Mittelmaß, dem ich nicht entkomme. Das wird offensichtlich so bleiben, denn ich lege mich nur schwer fest.
Tja.
like a bridge ...
... over troubled water: Ich bin platt. Verrückt. In einer Mischung aus Lachen und Heulen. Letzteres wegen dieses unbeschreiblichen Gefühls, wenn mir etwas gelungen ist. Und das ist es: Ich bin seit vorhin Bester Vorleser Mitteldeutschlands. Kaum zu fassen. Wenn auch insgeheim ein bisschen mit gerechnet. Und natürlich so viele Leute aktiviert, dass sie um die Wette voten, mich zu dem Titel zu bringen, den ich jetzt habe.
Wie Katrin es auf die Punkte bringt, den ich mir unbedingt merken muss: "1. keine wirkliche Konkurrenz, 2. deine Stimme (no comment) und 3. die tausend Menschen, die dich gern haben. Dass du an letzterem zweifelst, ist mir, wie besprochen, nicht klar, da es so offensichtlich ist. Das Schöne an diesem Wettbewerbssieg ist doch, dass du einen Beweis in die Hand bekommen hast."
Und da sitze ich nun und fühle eine freudestrahlende Gewissheit, die ich mir immer und immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, wenn meine Zweifel mich zermürben wollen. Eddie Reader sang direkt vor meinem Live-Interview und auf meinem spontanen Weg ins Kaufland, um Bree-Wein für heute Abend zu kaufen, klang "Bridge over troubled water" aus benanntem MDR-Radio, stürzte mir die letzten heftigen Tränen ins Gesicht und jetzt fehlen mir hier die Worte.
Buchmesse. Sonntag. Ich. JA!
schön. traurig.
"Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet" - das wusste schon der Dichter Christian Morgenstern. Und dazu gehört auch die Liebe zu sich selbst. Denn: Schön ist vor allem, wer sich wohlfühlt in seiner Haut und in seinem Leben. Mysteries
God knows how I adore life
When the wind turns on the shores lies another day
I cannot ask for more
When the time bell blows my heart
And I have scored a better day
Well nobody made this war of mine
And the moments that I enjoy
A place of love and mystery
I'll be there anytime
Oh mysteries of love
Where war is no more
I'll be there anytime
drunken schnellschuss
... ich stelle betrunken fest, dass mein anerworbener Alkoholkonsum mich nicht zu dem werden lassen kann, wovon ich immer keine Ahnung bzw. wofür ich oft keine Idee hatte. Ui, das ist schwer aufzuschreiben, aber es geht natürlich nicht in solchem Zustand. Ich wollte nur bemerken, dass ich ... ach vergiss es. Oder hole nach, was du schreiben wolltest. #flucht #ausflucht #dummheit #lebengehtsonicht #angst ...
Nachholaktion: Es wurden Unmengen Zeit durch die Wirkung von Alkohol vergeudet. Einzige Ausrede scheint eine Art Gemeinsamkeit zu sein. Insofern kein Solobesäufnis stattfindet. Und falls doch, dann fühlt sich alles Komplizierte zumindest besser erklärbar und damit etwas optimistisch-lösbarer an. Vielleicht auch, weil ich dann etwas länger beim Thema bleibe.
Hieraus ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Die eigentliche Aussage möchte nur bekannt geben, dass ein undeutlich formulierter Lebenswunsch wenig andere Chancen hat, als permanent durch Alkohol an Klarheit, Struktur und Ausbruch gehindert zu werden. Da bin ich gut drin.
how to lethargy
Jetzt ist Katrin Gellrich fertig mit dem Puppentheater. Komisch, so ein Abschied. Sie sagt, ich solle mich melden, sobald ich wieder ins Zweifeln komme. Ich sage zurück, dass ich langsam aus der Grauzone der Verbitterung gegenüber diesen Zuständen im Puppenhaus rauskomme und den Blick Zukunft und positive Sichtweise lenken kann. Das hoffe ich in der Tat.
Und was ist los heute? Womit hat es angefangen mit dieser Grummelei? Beim jeskom record II. bei Jörg war es noch ganz ok, beim Einkaufen schwammig wie so oft und in Reform sank meine Laune. Wieso? Es begann mit dem Beitrag in der Zeit über Sam Vance Law. Schon wieder eine dieser coolen PR Aktionen. "ein blutjunger (30) blasierter Berliner Baritonschnösel mit feinen Zügen, feinen Nerven und noch feinerem Geschmack ..." - (Anhang) ... ah, ein vergleichender Rückblick auf mich und meine homotopische Entwicklung. Und die meiner Musik. Ich ahne, dass das kein guter Einstieg in die folgenden Stunden sein kann.
Jörg spielt heute in Schönebeck als Vorband einer Formation namens The Moonband. Schon gestern, nach unserem Besuch beim Hoflieferanten hätte ich mitgehen können ins Volksbad, um einem akustischen Duo zuzuhören. Und ich dachte wieder daran, dass ich mich manchmal so desinteressiert fühle oder einfach nicht das tue, wonach mir möglicherweise ist. (auf jeden Fall ist es kompliziert) Nun muss ich aber auch nicht zwingend jedes und irgend ein Event besuchen; aber heute Abend ist es ja wieder so: Wir werden nicht losgehen, weil Tobi And the golden Choir nicht interessant findet; ich könnte ja allein dorthin oder zur Moonband fahren, oder in die Feuerwache, ins Bluenote zu den Princes of Provinces oder 4steps im allards.
Ach herrjeh, stattdessen reimt sich all sowas in mir zusammen, das mich im Rückblick verkorkst bewerten möchte und lethargisch ziemlich genau NICHTS machen lassen wird, ausser das hier immerhin aufgeschrieben zu haben.
samvancelaw
Frauentag im Puppenhaus
... wenn der Herrscher laut hustend mit seinem Untertan fröhlich grinsend kleine Blumentöpfe an die Mitarbeiterinnen zum Frauentag verschenkt, schaudert's mich ein wenig ob dieses offensichtlichen Versuches, eine doch eigentlich freundliche Gemeinschaft in geglätteten Wogen vorzugaukeln. Aber ich bin ja auch recht negativ eingestellt und betrachte so etwas als geschmeidiges i-Tüpfelchen.
laute Puppen
Gestern wars etwas länger und Wodka und dem unvernünftigen Wein zuhause. Soviel Kommunikation, soviel Zuspruch so vieler Leute betreffs meines Vorlesers ... Heute entsprechend mau im Puppenhaus, aber es fühlt sich nicht so schlimm an. Warum? Weil ich sehr in Ruhe gelassen werde und ich stattdessen die anderen Orte im Puppentheater intensiver mitbekomme. Die Stimmung ist ordentlich im Keller bzw. miserabel. Heute muss wohl irgendwas wieder passiert sein wegen Krankheit und dem Ansetzen eines anderen Stücks, das die Technik an den Rand ihrer Kapazitäten bringt. Selbst Jana Schneider war recht ungehalten. Egal- dachte ich mir, wird schon irgendwas bei rauskommen. Eben am Ende des Arbeitstages bekam ich mit, dass kurz zuvor ein sehr lauter Intendant im Saal rumgeschrien haben muss. Es ging wohl um solche Absprachen beim Spielplanändern, wofür KBB zuständig sein soll und man mit ihm nicht darüber reden muss. Die Gesichter waren allesamt sehr lang und ich freute mich ein wenig, dass ich nicht in der Materie steckte, sondern "nur" mitbekam, wie das alte Problem dieses Hauses, nämlich der Art und Weise unbarmherzig aufblühte.
Wenn ein Intendant seine Leute anschreit und wenn alle immer unzufriedener werden und die Leitung nicht die geringste Neigung zeigt, sich mit ihren Mitarbeitern zusammenzusetzen, um wenigstens die wichtigsten Punkte freundlich und: auf Augenhöhe zu bereden, dann zeigt es mir klar und deutlich, dass hier nicht meine Zukunft sein kann.
Natürlich wird sich alles irgendwie wieder einrenken, aber der Weg eines aufgekommenen, dann existierenden bis zum gelösten Problem ist abscheulich. Und es ist natürlich auch etwas gemein von mir, zu hoffen, dass es so weiter geht: Erstens laufe ich somit nicht Gefahr, zurückzufallen in den Wackelkandidaten mit Angst vor meiner Zukunft und zweitens ist eine mögliche Revolte vielleicht ganz gut und reinigend für dieses Theater. Aber dazu wird es nicht kommen. Aber Katrin ist ab nächster Woche nicht mehr da. Das ist sehr schade, denn ich mag ihre sachliche und intelligente Art.
Cool- und dranbleiben! An mir und meinen Wegen, nicht an destruktiv verschwendeten Gedanken, die mich keinesfalls weiter bringen.
Nachtrag: Um es zu entschärfen: Der Intendant wollte Muck vorziehen, das war aber technisch zu schwierig, also gings ans Blaue Licht. Daraufhin schrieb Enrico, dass es für ihn lichttechnisch sehr schwierig und komplett neu werden würde, weil von kleinen auf großen Saal. Und dann ging die Chose los, dass der Intendant wütete, dass er immer nur zu hören bekomme, was nicht ginge. Nunja, es ändert aber nichts am desolaten Gesamtzustand dieses Systems.
Freude ist ganz schön schön.
Das war ein erstaunlich schönes Ding heute. Nachdem ich gestern nach dem Schwimmen mich fast übergeben hatte und wie so oft nach so einer offensichtlichen Überanstrengung blödsinnig schlecht geschlafen habe, ging's dann aber heute doch ganz flott von der Hand im Puppenhaus. Und dann kam der Punkt, an dem ich mich endlich durchrang, mein Foto mitsamt einem Werbetext für den besten Vorleser Mitteldeutschlands auf Facebook zu veröffentlichen. Die große Resonanz war zum Bersten schön. Ich habe das ja auch ganz gut gemacht mit dem Foto und dem Text. Das Ganze zusammen betrachtet, verlieh mir einen ungewohnt feinen Aufwind ... eine Freude. So eine Freude, die mir deutlich machen will, dass es durchaus möglich ist, solche Zustände meinerseits herbeizuführen bzw. wenigstens die Grundlagen dafür zu schaffen.
Es ist garnicht so sehr der in eine Möglichkeit gestellte Gewinn dieser Vorlese-Aktion, wichtiger ist, dass ich mich damit erneut und positiv in die Öffentlichkeit katapultiert habe. Womit ich mir selbst Mut gemacht habe. Und die Resonanz der Leute zeigt mir, was mit Freunde so oft klar machen wollen: "Man mag dich! Du hast ein ein freundliches, liebes Auftreten, du bist beliebt, dich kennt man hier und schätzt dich; dazu hast du eine sehr gute Stimme und zusammen mit deiner Musik ergibt sich ein Bild von dir, um das du dir absolut keine Gedanken machen musst." Das hier war also ein Beweis. Je nun, einer, der nur mittels Facebook angetreten wurde. Aber dahinter stehen allesamt die echten Menschen.
Dazu kommt noch ein weiteres Gefühl: Der mir damit weit leichter fallende Abschied vom Puppentheater. Meine Selbstzweifel an mir in diesem Gefüge ob meines eigenen Verschuldens an diesen Situationen dort sind enorm abgeklungen. Nicht, weil sie zum Teil (aufgrund meines Typus Mensch, der ich bin,) nicht auch wahr wären, aber ich stelle weit ermutigter fest, dass ich durchaus in der Lage bin, mir ein Umfeld zu suchen, dem ich mich aufgeschlossener und frei von Angst widmen kann. Und muss. Und werde.
Freude ist ganz schön schön und ich wäre sehr erfreut, mich ab und an daran zu erinnern, was kleine Dinge Großes bewirken können. Um Uli Vollands Worte damals in der Berliner Bar mit Kartoffelschnaps und dem dicken C. und meinem versuchten Interview für die puppe.x zu wiederholen: "Siehste, da ist die Tür kaum zu, geht schon die nächste auf." (Und dabei ist noch überhaupt garnichts passiert. Ausser, dass es mir gut geht. Und das ist bereits ein galaktisches Wunder.)
altid den samme med mig
In Reform träume ich oft sehr viel. So Vieles, dass ich mir das nicht merken kann. Und dann verschwimmt der Sonntag ins couchige Nichts. Doch die Gedanken an ein schönes, aber unbeschreibbares Leben stürmen weiterhin durch mein inneres Universum und können mir nichts vorschlagen, weil es keine Anleitungen dafür gibt. Es ist natürlich immer das Selbe: Draussen bestes Wetter, diesmal ist die Elbe ist halb zugefroren, es ist Trödelmarkt, "man könnte ja mal spazieren gehen - stattdessen sitzt man da ..."
Fast eine Woche hab ich krank gemacht, obwohl es mir bestens ging. Aber was ist daraus geworden? Drei Tage alkoholkrank und ohne jede Aktion. Weder Schwimmen noch Kieser. Mit der Ausrede der vielen aktuell herumschwirrenden Grippe-Viren. Das war leicht. Und was war nun mit Platten hören? Mit dem Ausmalen meiner dahingezeichneten Lebensskizzen? Mit all diesen Dingen, zu denen ich sonst nicht komme? Immer das Selbe mit mir. Das stumpft sehr ab und mir fällt nichts mehr ein. Wollte ich mich nach der Reha nicht aufrappeln, nüchtern werden und all meine Verbindungen aktivieren? Haben wir heute den 4. März? Habe ich schon wieder Geburtstag und keine Lust darauf, mich selbst zu feiern?
"Und das Leben zieht gekonnt an dir vorbei ..." Hör' ich mir nochmal an. Nochmal. Noch. No.
Der geringste Widerstand
Den Weg des geringsten Widerstandes habe ich Zeit meines Lebens immer wieder gesucht. Wenn keine richtige Idee, auf die ich mich festlegen oder zumindest ausrichten kann, die möglicherweise zu einer Leidenschaft führen könnte, besteht, ist bzw. wird alles immer nur "irgendwie". Soviele Ideen hatte ich schon. "Versucht und versagt" trifft es da ganz gut. (auch wenn ich ja nicht mehr so negativ denken will). Egal, worauf ich mich dann eingelassen habe - es endete bisher so oft im abendlichen Alkohol, dem nächstmorgendlichen Dunst und der "irgendwie"-Erkenntnis, dass es ja auch nichts für mich wäre. Dazu kommt die große Unsicherheit bei all diesen Versuchen des Neuen. (Schönes Beispiel ist Kulturserver und Hannover). Und dann habe ich mir bei all diesen Lebensabschnitten immer den Weg des geringsten Widerstandes gesucht, um trotzdem irgendwie (what a word!) durchzukommen.
Und so sind Studium, Kulturserver, 2und40 mit die saufenden Zeiten bei Dieterloo Bach, später dann Hörbücher bei TechniSat / RadioRopa und letztlich auch Puppentheater genau zu so einer Situation geworden. Nanu? Kann ich mich auf nichts einlassen? Muss ich noch mehr ausprobieren? Es fühlt sich müde an, nicht zuletzt wegen eben jenen Alkohols, der mir nicht nur jeweils signalisieren will, dass es nicht "meins" ist, sondern in all diesen Zeiten auch zur Gewohnheit geworden ist. Eine Gewohnheit, die beinahe nichts Anderes oder Neues mehr zulässt. Was die Aussichten etwas kompliziert macht.
So! Und nun? Was müsste es denn sein, was mich aus dem "Irgendwie" an eine Basis gelangen lässt, von der aus ich willentlich und quasi selbsterkenntlich und damit automatisch logisch agiere? Ohne Selbstverstümmelung oder den geringsten Widerstand? Oder ist das aufgrund meiner merkwürdigen Selbs(wert)betrachtung permanent ausgeschlossen?
Eine Frage noch: Geht das eigentlich immer so weiter? Guck mal die Tagebücher aus 1995 ff.. Fühlt sich so an, als könnte ich mich auf nichts so richtig einlassen - also auch auf das Leben, ohne aber bereit zu sein, es gänzlich sein zu lassen.
Mom 70, Passatwinde, Sonntag.
Mutters 70. Familienzusammenführung bei Mr. Pan - einem Discount-Chinesen, bei dem es sonntags voller ist als im größten FDGB-Hotel einer ehemaligen Republik. Ich hoffe mich daran zu erinnern, niemals dort ein Geburtstagsessen abhalten zu wollen. Da waren sie alle. Fast alle. Onkel Helmut zeigt sich seit Jahren nicht, die Prasnikars waren nicht da und die Leute von der Elbe sind leider auch seit Jahren passé und der Freundschaft meiner Eltern abhanden gekommen. Ines ist kränklich.
Anschliessend dann zuhause mit viel Kaffee, Kuchen und noch viel mehr und wie immer: LAUT. Ich bin müde und irgendwie gibt es trotz langer Wiedersehenspause nicht viel zu erzählen, wessen ich mich mühen könnte, davon zu berichten. Ich verstehe auch kaum etwas und Tobi sagt zu Recht, dass ich dringend die Hörgeräte benutzen solle, weil ich sehr oft sehr falsch reagiere. Das glaube ich auch.
Jetzt bin ich zuhause und habe keine Idee auf irgendkeine Lust und auf nichts. Mit dem Blick auf einen Mini-Rest an Rotwein gehe ich zum Spätrussen und hole mir eine Flasche Wein, während ich mir unmutig die Frage stelle, ob ich denn meine Leere damit aufzufüllen gedenke? Meine Wankelmütigkeit bringt mich noch an den Rand allens: Es ist wie so oft, wenn ich von anderen Menschen im Web oder die heimlich kopierte Bewerbung auf meine Stelle lese und feststelle, wie sehr die Leute unterwegs und aktiv sind und sich mir dabei das Gefühl aufdrängen will, dass ich lose durch die Zeit wanke und im Grunde nicht viel vorzuweisen habe. So spricht es immer aus mir, wenn ich so labildown bin. Dann sehe ich wenig Zukunft. Was grosser Unsinn ist. Ausser jetzt gerade.
Immerhin finde ich es großartig, dass es ein "weiter so" im Puppenhaus nicht geben kann, weil meine Stelle mit meinem Einverständnis bereits für / ab September gesplittet ist und ich maximal einen kleineren Vertrag bekommen würde, was wiederum nicht akzeptabel für mich und zum Glück selbst herbeigeführt ist. Aus dem einfachen Grund, dass ich in dieser Leitungskonstellation mit diesen Umgangsformen und der fehlenden Authentizität nicht arbeiten kann, will, werde. Eine Art Selbstrausschmiss also, damit ich aus dem endlosen Kompromissmüll rauskomme.
Nun muss ich nur klarkommen mit der Situation, dass ich erstmal keinen Plan habe. Das mit MDR Kultur ist super und beweist mir meine Fähigkeiten (ich hoffe mal, dass ich nicht einer der 5 Besten geworden bin, weil das irgendwie mit dem Puppentheater zu tun haben könnte.) So eine Situation fühlt sich sehr nach Aufbau und Möglichkeiten an. Das geöffnete Fenster, die aufgehende Tür ...
Heute habe ich wieder so einen 'blöden' Sinnspruch, diesmal von Mark Twain, gelesen, der mir allerdings gerade recht kommt: von späteren Enttäuschungen darüber, etwas nicht getan zu haben und dem Lösen der Schlingen. Die Passatwinde nutzen und los segeln. Alles nichts Neues, aber immer das Selbe. Und weiterhin mit maritimer Metapher:
Desaster & Wunder
Vergangene Woche: Tausend Trübsinn mit ebenso vielen Gedanken über das Nichts, das sich in mir ausbreitet ob meiner Zukunft. Oder mehr ob meiner Vorstellung darüber, was ich überhaupt machen, sein möchte. Verzweiflung. Mit immer neuen kleinen Ansätzen, die ich am liebsten schnell aufschreiben möchte. Für das weitere Nichts mitsamt dessen Leere. Und jedes Mal übermannt mich zudem die schier unendliche Wiederholung, diese Litanei des ewig Selben in und mit meinem Leben, das ich offensichtlich nicht bereit bin, einfach nur zu leben, statt mir enorme Gedanken über Mittelmaß, Unklarheit und meiner damit einhergehenden Angst zu machen.
Dann fahre ich Freitag zu Tobias und plötzlich, aus irgendeinem unbekannten Grund, ist dieses Dilemma für 2 Tage irgendwie nicht mehr so stark ausgeprägt und alles "nicht so schlimm". Verstehe ich zwar nicht, fühlt sich aber gut an. Sonntag Abend geht es aber sofort wieder los. Das Hauptargument meiner Gegentätigkeit zum Leben und Planen desselben besteht in meiner Erklärungsnot, warum ich das Puppentheater verlassen will. Wo es sich mittendrin doch plötzlich wieder merkwürdig gut anfühlt. Ich vergesse bzw. verdränge schnell. Zum Glück kam mir die Dienstberatung gestern wieder entgegen, um mir zu zeigen, was es ist: Ein Intendant, der sich über (s)eine Einrichtung beschwert, in der wohl jeder machen und tun könne, was ihm gefiele und dass er sachte (seitdem ich ihn kenne) keine Lust mehr drauf hat. Ich sprach Mimo später darauf an und er meint in sich ruhend und gelassen, dass der Intendant doch das Haus leitet, und wenn ihm das alles keinen Spaß macht, weil alles schlecht ist, dann liegt es doch wohl an ihm. Das sind alles solche belanglosen Kleinigkeiten, die ich aber (um derlei Beispiele nicht zu vergessen) schnell hier vermerken will: Kempchen herrscht mich an, dass ein Newsletter, den ich vorige Woche, nun aber doch erst in dieser Woche wegen des Fedora-Votings versenden wollte, eine Absprache war und er wenigstens in Kenntnis gesetzt zu werden habe. Newsletter haben ihn sonst nie groß tangiert- jetzt ist es plötzlich wichtig. Nach einem Gastspiel der Stuttgarter, die laut Bernhardt auch einen Hintergrund für die Zusammenarbeit beider Häuser haben sollte, sitzen sie zusammen mit Florian Kräuter anschliessend im café. Weil aber die Toiletten noch nicht fertig sind, wurde beschlossen, dass das casfé eine Stunde nach Vorstellungsende geschlossen wird. Florian äußert Unverständnis und möchte, dass an jenem Abend das café offen bleibt, damit die Stuttgarter nicht in der Theaterwohnung versauern und weil man sich unterhalten möchte und sogar sollte. Macht alles Sinn. Jetzt sollen dem Florian die Kosten für die längere Öffnungszeit des cafés in Rechnung gestellt werden. Dem vorausgegangen war, dass Stephanie Preuss jenen Abend so beschrieb, dass sie alles abschloss und das café ohne Toiletten den Angestellten dort überließ. So. Das ist wahnsinniger Kleinkram, der kindliche Attitüden bedient. Kempchen meinte auch in der DB, dass er damals deswegen ans Theater gekommen ist, weil Theater damals gemeinsamen Spaß bedeutete und es heute zu einem einzigen Ärgernis verkommen sei. Wao. Warum lässt er es dann nicht sein?
Bernhardt lässt mich gerade sehr und freundlich in Ruhe und ich dachte, er fährt sich gerade auf das Wesentliche runter und bleibt gelassen. Dann stelle ich fest, dass er sich parallele Opfer sucht, wie zum Beispiel Alena, die er fragt, ob die Theaterpädagogik denn überhaupt in den vergangenen Wochen irgendetwas geleistet habe. Wir sind beim alten Thema: Die Umgangsformen. Nicht Stress oder viel Arbeit sind das Problem, sondern die Authentizität, das wirkliche Miteinander. Und nicht diesen despotischen Intendanten mit seinem schwanzwedelnden hinterhältigen Hund. Jaaa, das ist alles sehr polemisch ausgedrückt und wahrscheinlich auch nicht immer die vollständige Wahrheit, aber mein negatives Gefühl sagt mir bei solchen Dingen immer wieder, dass ich eine freundliche Umgebung ohne Angst vor irgendjemanden brauche.Und Kempchen sagt selbst, dass die Leute vor ihm Angst hätten. So sieht es ja auch tatsächlich aus.
Doch dann: heute: passierte etwas gänzlich Neues: Ich hatte doch spaßenshalber und erst nach Aufrappeln meiner selbst an dem Vorleser-Wettbewerb von MDR Radio Kultur teilgenommen und ein Kapitel von "Jonathan im Leuchtturm" hingesendet und es mit der Zeit auch vergessen, weil ich nicht unbedingt daran glaubte. Obwohl ich an meine Stimme und meine gewisse Eleganz damit durchaus glaube. Und dann rief sie mich an: Yasmin Vorndran-Ahmadiar vom MDR und teilte mir freudestrahlend mit, dass ich im Kreis der 5 ausgesuchten besten Erzähler Mitteldeutschlands bin. (Wir kennen uns vom letzten Sommertheater und deren Dreh mit Lennart als Portrait eines Puppenspielers). Nanu!? Und so kommen am Freitag jener Hannes mit kleinem Team zu mir und ich werde in meiner Wohnung 1:30 lesen. Dann gehen wir an einen Ort meiner Wahl und erzählen 1:30 über mich. Und ganz plötzlich brennt ein kleiner Höhenflug in mir auf. So wie ein neu geöffnetes Fenster frischen Wind herein lässt. Ist das vielleicht mein Weg zur "Stimme"? Wenn ich denen erzähle, dass ich damals Moderator werden wollte? Wenn ich das Ding gewinne? In Radio und TV bin ich jetzt sowieso und zur Buchmesse bin ich auch eingeladen. Wenn sich jemand plötzlich für mich und meine Stimme interessiert? Und weiterhin plötzlich fühle ich mich so euphorisch. Vielleicht vielleicht ... aber was? Egal - es ist erstmal Was! Soviel plötzlicher Mut.
Das wars, was ich schreiben wollte, ohne das Vorher unerwähnt zu lassen. Ich möchte mehr über die Sicht nach vorn schreiben und nicht über kumulierten Unsinn aus Angst und vergeudeter Zeit. Nur das mit dem endlos Selben meiner negativen Sichtweisen aufs Leben, auf mich, möchte ich gern und sofort ändern. Wenigstens Halbe Halbe. Für eine bessere Zukunft.
Empfehlung
Der steten Gefahr endloser Wiederholungen zu entgegnen empfehle ich mir hier und mitten in der Reformer Nacht, das "summary t.b.c." öfter zu konsultieren wie auch zu aktualisieren. Denn es steht so vieles schon geschrieben und mein Bewusstsein für die Dinge ändert sich sich nicht durch erneutes Formulieren. Gerade jetzt, wo der Februar vorsichtig den sachten Frühling wittert und ich dieselbe Gefahr laufe, ihn irgend- und wie immer unzufrieden zu schnell verstreichen zu lassen; sich dazu eine Veränderung in meinem Leben bis spätestens August anbahnt [...] Nunja, der Wein drängt mich zur letzten Zigarette mit dem Glas im Stehen; aber ich wollte zumindest darauf hingewiesen haben, weil es mich tatsächlich jeden Tag beutelt mit den Fragen, was denn nun werden soll ... was ich denn sein oder werden möchte ... was denn genau meine Vorstellung von Leben und meine Ziele sind. Nix Neues, aber wenigstens gibts immerhin eine selbstgemachte Deadline betreffs Puppentheater. Um mich außerdem selbst herauszufordern. Die anderen Deadlines folgen schnell und der Tod himself ist ein spontaner Gast ...
aus dem Ruder
Sortieren? Schnell? Wie? Ein Wust an Gedanken und versuchten Erklärungen und Deutungen. Ich brauche einen Profiler, einen vertrauten Psychologen, jemanden aus dem Ordnungsamt der Gedanken.
Was geht? Salopp angefangen, ist es ein Desaster an Erklärungsnotstand, warum ich aus dem Puppentheater weg will. Ja, schon wieder. Wieso? Weil es es ganz plötzlich ganz einfach zu sein scheint und mein typisch-resultierender Motivationssprung die Schmach (welche jetzt?) der letzten Jahre vergessen lassen möchte. Wieviel von dem Vergangenen, den schlechten Gefühlen sind wahr und zulässig, welche sind eingeredet, überbewertet und selbstverstärkt? Was ist real? Für mich? Was wird anderswo und anderswie anders? Anders als vor dem Puppentheater, anders als während? Meine Verhaltensweisen werden offensichtlich immer nur durch Emotionen, also meine Gefühlslagen verstärkt- aber ihre Basis bleibt ja doch dieselbe. deshalb auch die Fragen nach meinem Mittelmaß.
Aus dem Ruder geraten diese für mich nicht einschätzbaren, erklärbaren Gedanken. Wahrscheinlich ist das leicht für einen Außenstehenden, der mich so mit ausreichend Wahrheit versorgen und damit ebenso motivieren könnte.
Dieser lang geplante und nun spontane Beitrag trägt den Impuls, dass in den Todesanzeigen heute die Frau von Torsten Fraß zu lesen war. Mit 37 und 2 Kindern und neuem Haus und dem wahrscheinlichen Glück der Welt. Und mit Brustkrebs. So.