Was immer es wird mit mir und meiner Zukunft, meinen Ängsten darüber und vagen Vorstellungen in Bezug auf mich selbst wird ... eines weiß ich sehr genau: ich möchte solche angsterfüllten, aufwühlenden Zustände wie sie seit gestern erneut aufgetretenen sind, ganz einfach nicht mehr haben. Soviel ist sehr sicher. Auch wenn sich dieses Gefühl wahrscheinlich in Kürze und nach Klärungen wieder legen wird und ich ein Meister im Verdrängen bin und mich wieder meinen persönlichen Problemen widme, so muss ich es doch und wieder hier festhalten. Es zehrt mittlerweile an meiner Gesundheit und es fühlt sich an, als liegt ein schwerer Druck auf meiner Brust, ein tosendes Durcheinander in tausenden Gedanken über Wahrnehmung, Schuld und Verantwortung. Mein Kopf brennt und mein Herz findet keine Ruhe.
(zur Erklärung des Vorfalls: Intendant meint, ich veröffentliche betriebsinterne Informationen. Und er meint vermutlich mein Facebook-Posting über die Stellenausschreibungen mitsamt eines mehrdeutigen Kommentares. Dazu kommt eine Hofspektakel-Karte zur Bewerbung vor Weihnachten, bei der ich offensichtlich alles falsch gemacht habe. Weil es keine klaren Motivansagen dafür gab, weil ich es eigenverantwortlich in bester Absicht angegangen bin und die Dramaturgen mich sogar noch ermutigt haben. Weil keine sich zudem zeitlich nicht in der Lage sehenden Agentur aus Nichts nichts besseres machen kann. Weil mir der Intendant insgesamt damit droht, meinen Vertrag sofort zu lösen ... und weil ich insgesamt nicht weiß, was dieser ganze Mist hier soll und wird, wenn man nicht in der Lage ist, auf Augenhöhe und im Sinne eines gemeinschaftlich- freundlichen Ansatzes mit Würde und Akzeptanz zu kommunizieren.)
Also: Was auch immer werden wird - diese erschreckenden Gefühle möchte ich nie wieder haben! Und die Leute, die dazu beitragen, muss und werde ich ernsthaft meiden.
Nachtrag 16:50 die Hitze legt sich. Geschafft Es ging tatsächlich nur um meinen zwiedeutigen Kommentar beim Posten der Stellenausschreibungen. Nicht um "Zeugenaussagen" von Leuten, denen ich möglicherweise zuviel erzählt habe. Das sei für einen Beschäftigten in meiner Position nicht zulässig. Immerhin reichte es zu einer Abmahnung. Heyhey - meine erste. Und letzte? Egal, Geld hält also voraussichtlich bis August und gibt mir Zeit, ganz ganz ruhig zu werden und mich dabei aufzubauen. Euphorisch ...
hot head
Da ist er wieder, der heiße Kopf: Vor Minuten kam der Intendant in mein Büro und erkundigte sich nochmal nach unserer Vereinbarung, nach der ich im Theater bleiben wollte, nur mit einem anderen Vertrag. Womit sich die Gelegenheit ergab, es ihm nochmal ganz deutlich zu machen, dass vorrangig der 31.08. mein Finale ist und wir bis dahin sehen, auf welchen Wegen wir weiterhin zusammenarbeiten können oder wollen. Und dann kippte die Stimmung, als er meinte, wenn ich weiterhin innerbetriebliche Dinge öffentliche "posten" würde, wir diesen meinen jetzigen Vertrag noch sehr viel schneller beenden werden.
Was war passiert? Ich habe, nachdem mich gestern gegen 10:00 eine Frau anrief und sich über die ausgeschriebenen Stellen erkundigte, erstmals herausgefunden, dass es 5 Puppen-Stellenausschreibungen bei indeed und buehnenjobs gibt. Die habe ich dann ins Facebook geteilt mit der Angabe: "... richtig was los hier. Und damit: Viel Glück & Augen auf bei der Berufswahl." Das liest sich natürlich mehrdeutig, ich würde aber bestreiten, hier innerbetriebliche Informationen veröffentlicht zu haben.
Und von wem kommt es? Natürlich. Er hat Zeugen, sagt er. Und ich habe mehr Gewissheit denn Verdacht und sollte Gotot und Pohl besser auf Facebook entfreunden. Aber das nützt letztlich auch nichts, denn ich müsste alle Seitenverbindungen dann auch kappen. Also vollständig die Klappe halten? Zu spät- das Thema ist bereits seit längerem in der Stadt unterwegs. (update Intendantgespräch 30.11. um 16:30: Auf meine Nachfrage an Gotot antwortet MK, er hätte es von einem seiner Freunde weitergeteilt bekommen. Das muss ich mal checken, falls es mich noch interessieren sollte.)
Morgen kommt mehr, denn es ist eine Besprechung dazu anberaumt. Au warte. Mein heißer Kopf spürt, dass meine Aktion durchaus Ambivalenz in sich trägt und dass es hier mal wieder brennt, aber nun ist die Kuh aufm Eis. Na dann.
hustensuffpuppe
Am besoffendsten bin ich immer am schlauesten. Das ist merkwürdig. Dabei stellt sich dann immer alles ziemlich logisch und deutlich dar. Und die Essenz aus allem bleibt, es JETZT und ohne Alkohol genau so hinbekommen zu wollen. Bin heute auf dem Weg zum Kulturbüro an der Ecke Jakobstraße / Bremerstraße vorbei gefahren und hab mich erinnert, dass ich mal vorm Exlibris nach irgendeiner Session dort im Bus gepennt hab und vorher noch mit einem Glas Weißwein in Unterhose und sehr betrunken genau dort war und den Bauarbeitern beim Arbeiten zugesehen habe. Au warte.
Ich hab mich erkältet, habe einen sich anbahnenden dicken Husten, hab mein Schwimmen zugunsten einer erholsamen Nacht geopfert und finde mich im Gegenteil wieder: Mit 2 Flaschen Bier und einer Flasche Wein. Und rauche ordentlich, nachdem ich den ganzen Tag nicht rauchen konnte und wollte.
Und dann denke ich in Abwesenheit der beiden Gründe für mein Puppentheater-Ausscheiden daran, dass ich es hinbekommen muss, nicht mehr an diese blöde Zeituhr zu denken. Ronald sagte das schon vor 2 Jahren ('dann mach doch aus deinen 60 Überstunden einfach 60 Minusstunden und guck, was passiert!') und Katrin und Mahatma (...) sagen es ebenso; nur ich kann mich nicht davon lösen und bekomme es aber auch irgendwie nicht hin, es als problemlos zu befinden. Das ist komisch und ich weiss nicht, woran das liegt. Aber ich werde es wagen.
Jo. Und das ganze Konglomerat meiner Gedanken, warum ich aus meiner anfänglichen Euphorie meines Cut-Offs jetzt eine gewisse Unsicherheit spüre, wird hier das nächste Thema.
die große Unsiche.
Also wie war das jetzt? Reha, Puppen-EnD-Schluss, Fitmachen, Alkohol runterraus, Kontakte beleben und mir bis August etwas aufbauen, worauf ich nicht nur giere und mich freue, sondern auch zumindest ahne, dass es gut für mich ist. Okay, nichts ist vorherbestimmt, aber Stolpersteine gibt es viele: Zwar mache ich mich fit, trinke aber am selben Abend gleich eine Flasche Wein dazu; zwar genieße ich die angstärmer werdenden Zustände im Puppenhaus, gleichzeitig aber gesellt sich eine sehr vage Stimmung und Unsicherheit ein, ob mir mein Vorhaben gelingt. Denn: ich weiss wie immer nicht, was ich will. Nur so halbwegs, was ich nicht will. Und dann sehe ich mir die anderen Leute an - was immer davon stimmt; aber ich sehe sie mir an und erahne, dass sie sich jeweils auf den Weg zu einem ihrer Ziele gemacht haben und offensichtlich angekommen sind. Natürlich tappe ich hier möglicherweise wieder in die Facebook-Falle, wonach ein Kubon beim MDR angekommen ist, Michme sein Ding inkl. Musik und Band macht und so viele andere, die aus meiner neidvollen Sicht ihr Leben offensichtlich im Griff haben, während meine septembrige Entschlussfreudigkeit einer wachsenden Unruhe weicht. Vielleicht auch, weil mich immer alle fragen, was ich dann mache oder vorhabe. Und mir fällt nichts ein. Und weil ich immer noch und wieder zuviel saufe. Wenn es mir wenigstens nichts ausmachen würde. Macht es aber. (ein Glück!)
Gibts hier irgendwo einen Schalter?
P.S.: Und besser trifft es sich kaum: Gerade eben im FB entdeckt, wie Katrin und Corina sich einen Foto-Workshop gebucht hatten. Was mich interessiert. Was ich selbst vielleicht durchführen wöllte. Und genau da trifft sich meine Stimmung: Interessen entwickeln, schlau machen, raus- und losgehen. Ich kann es nicht dauerhaft bei einem Burn-Out belassen und es verantwortlich machen. Wo ist die Literaturliste aus der Reha?
Augen- und anderes Licht
Mal ein Beitrag aus der Lebensschublade. Seit Mittwoch hatte ich irgendwas im piekenden rechten Auge, das nicht weggehen wollte. Heute ist Dienstag. Also zum Augenarzt. dort warf man mir zahlen an die Wand, die ich fast nicht erkennen konnte. Großer Schreck und viele Gedanken, bis ich wieder ins Behandlungszimmer kam. Währenddessen rollten alte Menschen, ohne Beine, mit Schlaganfall, mit schlechten Augen und Rollatoren an mir vorbei. Und gestern erzählt mir ein offenhörlich leicht geschockter Tobi am Telefon, dass sein übernächster Nachbar mit 56 Jahren gestorben sei.
Und so ist sie plötzlich wieder da: die Überlegung betreffs des Lebens und allem, was damit zu tun hat. Wie damals beim Tibia-Anriss 2014, als nicht der Schreck über die Verletzung, sondern über die Verletzlichkeit des Lebens allgemein und das Gefühl dazu, wie schnell sich alles komplett wenden kann. Ein Ausrufezeichen der Vergänglichkeit. Memento mori - gedenke des Todes.
Meine Überlegungen hinsichtlich einer Erblindung haben sich also nicht bestätigt. Es war nichtmal was im Auge. Trockenheit ist der Verursacher. Wie bei meinem Vater. Und eine Brille wird es über kurz oder bald auch geben müssen. hier die Werte:
li -0.50 / -0.75 / 99% 1.0
re +-0.00 / -1.00 / 82% / 1.0
Das liest sich garnicht mal so wild, wie es beim Zahlenraten den Anschein hatte. Und Tobi besorgt mit jetzt Flüssigkeit und solch Zeugs, das Abhilfe schafft. Und wieder ist es da: Das Gefühl großer Dankbarkeit, dass es nichts weiter Schlimmes ist und dass außerdem jemand da ist, der mir hilft.
Ein schönes Beispiel meiner offensichtlich doch vorhandenen Lebenssucht.
puppen's rattenschwanz
Das Puppendilemma fühlt sich ungefährlich für mich an, weil ich es offensichtlich mit mir klargemacht habe. Insgesamt ist meine Stimmung weit besser als die, die mich vor meiner Reha permanent heimsuchten. Obwohl auch jetzt wieder zuviel Alkohol im Spiel ist. Auf dem Absprung sind also aktuell: Stephanie, Katrin, Jesko, Mimo, Jonathan. Es ist natürlich noch genügend Zeit für den Intendanten und seinen Verbündeten, entsprechende Notreissleinen zu ziehen und Angebote zu machen. Auch meine Gespräche verliefen ja wundersamst freundlich und friedlich. Am Freitag (27.10.) gab es dann eine Abteilungsversammlung, in welche der Intendant sämtliche Inhalte aller Personalgespräche offenlegte, um einem Gerede oder Gerüchten entegenzuwirken. Das Ende des Datenschutzes, aber egal. Für mich egal. Interessant fand ich, wie Katrin wieder einknickte, wie Alena erpresst wurde und wie redegewandt und sehr selbstbestimmt Stephanie sein kann und es auch deutlich macht.
Aber nunrum, es wird sich einiges sicher noch richten oder lichten; ich für meinen Teil hege immer noch den Solidaritätsgedanken, mittels dem deutlich wird, dass, wenn so viele Ratten das nichtsinkende Schiff verlassen, offensichtlich etwas in Schieflage sein muss. Ich hoffe also, dass die "Abtrünnigen" (welche auch nicht mehr bei Zukunftsgesprächen eingeladen sind - die es aber auch vorher nicht gab) stark und konsequent bleiben. Das ist hier doch alles aber auch Murks & Egal, alle diese geschriebenen Informationen hier werden hinfällig sein. Übrig wird ein mulmiges Gefühl bleiben, wenn es darum geht, wie Menschen miteinander umgehen und wozu sie (/nicht) in der Lage sind.
Es bleibt schade, wenn ein guter Ruf eines Hauses mit der Seele von Mitarbeitern bezahlt werden muss. "Das Krematorium der Seele?". Schwammig bleibt alles allemal Ähnlich dem Waldbewohner im Tal, dem irgendwie klargemacht wird, dass die verfeindeten Truppen der umliegenden Berge sich genau in seinem Tal Schlachten liefern müssen, er es natürlich nicht kapiert, aber den am Ende dennoch das doofe Gefühl beschleicht, dass alles seine Richtigkeit hätte.
Demenz und Hörgeräte
Mal nur ganz kurz etwas, das mich kurz streifte und im Gesamten zu einem neuerlichen Bild führen könnte: In einer Anzeige irgendeines Hörgeräteherstellers stand geschrieben, dass schlechtes Hören zu gesellschaftlicher Isolation und durchaus auch zu Demenz führen kann. Was mich wiederum zu der Annahme führt, dass meine frühen Gedanken über das Abwählen von Alkohol und Einsatz meiner Hörgeräte durchaus richtig waren und es immer noch sind. Vielleicht ist es ja nur Panikmache, aber ich finde das ziemlich logisch.
Dass mein Wortschatz bzw. mein Abrufen von richtigen Informationen / Fakten zur richtigen Zeit in Konversationen offensichtlich zu schrumpfen scheint, hatte ich bisher einem gewissen Desinteresse, einer Erschöpfung und dem begleitend zu hohem Alkoholgenuss zugeschrieben. Diese Anzeige aber brachte mich auf die erweiterte Idee, dass ein eingeschränktes Hörvermögen eine wichtige Rolle dazu spielt, indem ich mir in den Konversationen nicht immer alles zusammenreimen kann und aufgrund fehlender (peinlicher) Nachfragen bzw. nicht eingesetzten Hörgeräten Informationsverluste habe und darüber hinweg spiele. Das Resultat über diese lange so zugebrachte Zeit hinweg dürfte bestimmt dazu beigetragen haben, dass ich in einigen Fällen bereits deutliche Anzeichen von Wort- und Satzbildungsschwächen zeige. Die manchmal schwer abrufbaren Fakten schreibe ich allerdings der Idee fehlenden Selbstvertrauens, Erschöpfung mit einhergehendem Desinteresse und dem Alkohol zu.
Was sagt mir das? Weiterhin die Idee der Einschränkung oder Seinlassens des Alkoholgenusses und den Einsatz meiner (oder neuer) Hörgeräte zu verfolgen. Nichts Neues oder? Aber jetzt gibts immerhin eine handfestere Hintergundlage dafür.
Gleichmut I
Das Wort "Gleichmut" sandte Michel Redlich erstmals an mich und durchs Telefon, als meinem Bus die Zufahrt auf meinen Parkplatz nahezu verstellt und ich des Ärgers voll war. Seitdem hängt es irgendwie immer mit mir rum und entfaltet sich schwer. Im Nachhall der Reha begreife ich allerdings mehr vom Gewicht dieses Wortes. Es hängt enorm viel Wohlfühlsubstanz an seinen Rändern; denn wenn ich ohne es absichtlich herbeiführen zu müssen, gelassen und damit besonnen, wahrscheinlich automatisch freundlich und entspannt bin, merke ich sofort, dass da etwas stimmt. Es fühlt sich phantastisch an. Und stellt gleichzeitig die ganzen kleingeistigen Allüren ins billige Abseits: Da rollen Autos sehr langsam an rote Ampeln, da stehen Fahrräder im Flur, wo meines eigentlich immer steht, da dauert die Bedienung ewig, zuviele Schwimmer auf der Bahn, da störnervt die von sich eingenommene Dramaturgin schon wieder bei mir rum ... von diesen Situationen gibt es unendlich viele.
Wie also kann es mir gelingen, die offensichtlich noch aus der Reha stammende Ruhe und Gelassenheit beizubehalten? Die Logik spräche dafür: denn solche Situationen ändern sich durch solchen Ärger nicht (19-jähriger löst durch mehrfaches Hupen Autobahnstau auf), im Unbemerken solcher Situationen gibt es sie quasi nicht (Schrödinger), Gedanken & Gemüt gehen Arm in Arm verliebt ihres Lebensweges, alles Folgende hat große Chancen, gut zu sein.
Puppen's gefühlte Einschätzung
Jedenfalls fühlt sich das auf einmal wieder ganz schön prima an im Puppentheater. Wieso? Nunja, es ist zum einen "egal" was andere denken; Bernhardt nimmt sich einfach nur zurück und verbleibt höflich; die beiden Gespräche waren sehr aufgeschlossen und auf sommerliche Sicht kann mir tatsächlich alles egal sein. Was es mir natürlich ein bisschen später als jetzt wieder nicht sein wird, aber das temporäre Gefühl hier ist ein gutes. Jetzt kam eben noch hinzu, dass ich am 23.12. meinen letzten Dienst habe und nicht weiter belangt werde, so dass wir in die Skihöhen fahren und machen können, was wir wollen. Na hoffentlich tun wir auch, was wir wollen.
So. Und nun? Diese Amplitude der Gefühle im oberen Bereich war lange Zeit nicht da. Was mag das bedeuten? Dass man mich behalten will? Hört sich ja so an. Dass diese Melange aus freundlichem, quasi-persönlichem Gespräch und meiner sogar noch gewachsenen Auswahlmöglichkeit trügerisch ist, muss ich mir merken. Denn gesetzt den Fall, ich bliebe dort: Weniger Stunden. Weniger Aufgaben. Weniger Verantwortung. Weniger Geld. Aber auch weniger bad feelings? Das System bleibt das Selbe. Get real, gerade in solchen Momenten, an denen es sich so gut anfühlt. Es ist eine bessere Basis.
Puppen's Nachtrag
Man bemüht sich um Haltearbeit. Also um mich. Tatsächlich. Und es gibt weiterhin sehr deutliche Kommunikationskanäle hier im haus: Ein Kurzgespräch mit Sandra Lichner (Personaldingens) aufm Flur über meine Frage der Paragraphensicherheit betreffs Ausstieg zum 31.08.2018 landete innerhalb von Minuten beim Intendanten, bei dem ich eben gerade ein kleines Nachgespräch eben deswegen hatte. Das Miefige dabei ist, dass ich der Lichner auch ein wenig angedeutet hatte, dass Katrin Gellrich z.Bsp. mündlich mal 30 Stunden angeboten bekam, was dann aber (heute) keine Relevanz mehr hat. Umkehrschluss: Kempchen fragt mich, ob man ihm als Intendanten bzw. seinem Wort eigentlich traut. Au warrte, das war ja ein enormer Nachweis kompletter Nachrichtenübermittlung
Aber schnell noch superfrisch zusammengefasst: Ich solle mir also um den 31.10.2017 betreffs Nichtverlängerung von welcher Seite auch immer garkeine Gedanken machen. Die Theaterleitung wird keine Nichtverlängerung aussprechen und ich kann das auch noch Anfang des Jahres bzw. frühzeitig genug tun. Die Idee mit dem Splitting meiner Stelle wird jetzt in Kürze Form annehmen, so dass ich bereits Mitte November über einen möglichen neuen Vertrag nachdenken kann, soll, darf, werde. Das betrifft Umfang der Arbeitsinhalte und dann auch die Stundenzahl, die intern vereinbart werden könnte.
Kempchen mag mich als Mensch. "Du bist ein Guter." Damit hat er Recht. Aber ich bin auch gut beeinflussbar, sobald jemand mit mir offene Worte spricht, die sich allesamt so samt und sonders wahr anhören. Und es stimme ja nicht, dass ich mich nicht im gesellschaftlichen Kontext bewege; wenn man allein nur meine Liedtexte höre, wäre das sogar eine sehr intensive Beschäftigung. Meine weitere und damit jetzt öffentliche Aussage war, dass ich Zeit meines Lebens so das Gefühl habe, als es doch gut meinender Mensch am Ende immer wieder vor irgendwelchen Tribunalen stehen zu müssen und das aber nicht mehr zu wollen. (Du meine Güte, ich hab da eben wohl richtig ausgepackt). Kempchen empfindet Ehrlichkeit als die Basis / Grundlage allens. Damit hat er auf jeden Fall Recht, doch da kommt ja noch so viel mehr im Leben auf den Wegen dahergeschlendert und gibt uns zu denken.
Alles in allem war es also sehr viel privater und persönlicher eben. Weil und damit es sich für mich gut anfühlt. Nur muss ich jetzt sehr gut aufpassen, was ich mit mir, meinem Leben und by the way mit dem Puppentheater noch vorhabe, bzw. mit mir vorhaben lassen will.
Puppen's Finale und Angebot
Ich fasse mich und die eben sehr positiv und anständig geführte Anhörung beim Intendanten zusammen: Anfangs ging es seitens der Intendanz nicht darum, mir eine Nichtverlängerung auszusprechen. Das habe ich dann erst im Laufe des Gespräches so gedreht, dass ich damit das aber durchaus vorstellen könnte.
Meine sehr deutliche Interessenlosigkeit hinsichtlich Politik / Kulturpolitik und damit einhergehende Interessenlosigkeit hinsichtlich der Belange des Puppentheaters machen sich eindeutig bemerkbar und ich konnte dem nur zustimmen. Des weiteren ging's um die Erfüllung meiner Aufgaben und dem Fehlen des Entwickelns neuer Ideen / Projekte für das Haus. Alles richtig. Mir ging es gut dabei, zu erklären, was mich umtreibt und dass ich weder politische noch insbesondere kulturpolitische Interessen verfolge, sondern vielmehr mit mir selbst beschäftigt bin und dass auch die Belange des Hauses in Sachen Positionierung im gesellschaftlichen Kontext dabei auf der Strecke bleiben. Dazu meine jahrelang getätigten Überlegungen jedes Mal zur neuen Spielzeit, ob ich nun weitermache oder nicht. Der Rest ist Business as usual mit immer weniger Motivation, was man meinen Presseplänen / -Konzepten auch ansieht. Und dabei fehlten eigentlich sogar noch Festival und 60 Jahre Puppentheater.
Summe: Ich wurde gebeten, diese Spielzeit bis zum Ende sauber durchzuziehen. Währenddessen wird man mich und meine Arbeit beobachten. Am Ende der Spielzeit soll es eine Art Ausschreibung meiner Stelle als Split-Stelle, also zwei Stellen, geben. Die eine befässt sich mit dem Presse / Werbung, die andere mit den eigentlichen Aufgaben des Marketings im Interesse des Hauses, auch und insbesondere politisch und überregional. Anfang des Jahres 2018 stünde mir dann zu, mich auf die erstere, einfachere Stelle mit durchaus auch weniger Stunden und weniger Honorar zu bewerben.
Mir ist nicht ganz klar, ob das vertragsrechtlich alles im Lot und damit möglich ist, im August 2018 komplett raus zu sein, bzw. die Option zu haben, mich im Frühjahr 2018 auf eine kleinere Stelle zu bewerben. Aber Kempchen meinte, dass ein Mitarbeiter, der nicht mehr will, dem Haus nichts nützt. Ich weiss, dass ich ich trotz allem und auf jeden Fall das mündliche Zugeständnis von Kempchen noch wenigstens per Mail verschriftlichen muss. Denn so eine Zusage kann auch ganz schnell mal wieder weggezogen werden. Also: der Plan: 31.08.2018 Ende des Vertrages = Nichtverlängerung (beidseitig). Im Frühjahr des Jahres 2018 ggf. Bewerbung auf die reine Presse-/Öffentlichkeitsarbeit, losgelöst von Marketing und politischen wie künstlerischen Ausrichtungen. Mit weniger Stunden und weniger Geld.
P.S.: Das Gespräch fühlte sich so offen und frei an, dass es mich ein wenig wunderte. Außer natürlich Frank Bernhardt, der jetzt von mir sicherlich sehr enttäuscht sein dürfte. Ach so ja, und dann hat heute Stephanie Preuß ihre Nichtverlängerung klargemacht und Katrin Gellrich hat dem Intendanten eine Mail geschrieben. Deren Inhalt wie Ausgang ist mit aber noch unklar. Auf keinen Fall aber kann sie auf 30 Stunden runter und sich auf reine Projektarbeit beziehen. Aber das ist im Moment nicht so wichtig. Interessant ist aber, dass Matthias Gotot sich eben gleich nochmal per Telefon meldete, um sich zu erkundigen, ob alles soweit okay bei mir sei, wo ich doch am ersten Tag meiner Rückkehr gleich mit so einem Batzen konfrontiert werde.
Nun isses also raus, alles ist gesagt und wir machen es bis 31.10. noch dingfest. Der Rest besteht auf offenen Augen für was Neues.
down by now
Ich darf die wabernde grautraurige Masse in mir nicht nähren mit verstärkenden Gedanken, die mir weismachen wollen, dass ich mich in einer psycholaten Lage befinde. Denn es ist tatsächlich merkwürdig: Kaum zurück aus der Reha, sind die ersten beiden Abende schwerbetrunken und der dritte jointprovoziert. Und ich habe offensichtlich dabei Angst vor dem Puppentheater und dem Anhörungsgespräch. Auch wenn mir ja überhaupt garnichts passieren können sollte, fühlt es sich mies an und ich möchte nicht dorthin. Ich möchte allerdings auch nirgend wo anders hin, dafür bin ich viel zu unentschlossen, unerklärt und leer.
Wenn man mich morgen fragt, wie ich mir eine Zusammenarbeit vorstelle? Wenn man mic fragt, warum ich dort aufhören möchte? Wenn ich in mich hineinfrage, wie groß eigentlich meine Angst vor meinem offensichtlich gleichbleibenden und öfter mal Schaden anrichtenden Charakter ist. Drauf gekommen bin ich via Frau Scholdra, die mich damals schon vor mir selbst als bösem Buben "retten" wollte; später dann die vielen Aussprachen zuhause, weiterhin in der Lehre ... Das einzige, wo ich wirklich in Ruhe gelassen wurde, waren Abi und Studium. Entweder habe ich da keinen Unsinn verzapft oder die freiheitlich vermittelnde und zeitlich begrenzte Einstellung dort sah Schimpfe nicht vor.
Im Puppentheater waren es dann erst die Briefe von Bernhardt mit "das Problem mit dir" und den möglicherweise sogar liebevoll verfassten Ideen über den Wust von Arbeit, den ich vor mir herschiebe. Und dann die ganzen Gespräche beim Intendanten, die mir immer wieder suggerierten, dass ich in einigen Einstellungen echt fehlerhaft sei.
Ich möchte da morgen entspannt rein- und wieder rausgehen und mir bitte nicht so viele Gedanken und Sorgen über mich und mein Selbstwertgefühl und die "richtigen" Gedanken machen müssen. Am einfachsten wäre wohl: "Hallo Leute, ich steige Ende der Spielzeit aus- bis dahin aber werde ich einen guten Job tun. Alles Andere überlasst bitte mir."
Wahrscheinlich musste es so kommen und ich beuge mich unwissentlich einer Idee, dass so eine Veränderung ja doch was ganz ganz Großes wäre und ich immer wieder auf dem selben Hintern lande. Eine ziemlich depressive Verstimmung hier das alles.
Porno pervers
Ich hole offensichtlich in zwei und hoffentlich nicht mehr Tagen nach, was ich in drei Wochen an Alkohol und Nikotin und Nicht-Bewegung seinlassen hab. Nicht so schön. Und dann kommt etwas merkwürdig hinzu dass ich mir die üblichen amourös-schwulen Webseiten ansehe und es als beinahe schändlich und oll statt anregend empfinde. Libido und so?
Und dann Katrin Gellrich: Auf meine WhatsApp, dass ich mich nur "ungern" zurückmelde, reagiert sie offensichtlich sehr empfindlich verstimmt und lässt mich lange auf eine klärende Antworten warten. Das hat womöglich auch damit zu tun, dass ich ihr auf ihre Frage am 06.10., ob mich (im Gewandhaus) "die Musik denn irgendwie berührt" hat und ich ihr kurz angebunden "merkwürdigerweise nicht" antwortete. Das ist wahrscheinlich so ein typischer Moment, in welchem manche Männer manche Frauen nicht verstehen können. Nunja, sie schreibt auch, dass sich in den letzten Tagen so viel ereignet hat, dass sie erst wieder mit mir darüber reden möchte, wenn ich wieder da bin. Sei's drum. Abwarten.
Nachts nach der Reha
2 kleine Bier im Bluenote
eine Flasche Weisswein zuhaus
2 Flaschen Veltins zuhaus
und ordentlich durch.
die ganze Zehnsucht?
Würde es Sinn machen, meine ganzen Tagebücher (Mapplethorpe 1995/96 und die vielen "Kreise") mal hier rein abzutippen und mit einem ungefähren Datum zu versehen? Es würde meine Gedanken über eine sehr lange Zeit seit meiner Jugend (so ab 24 bis heute) hier dokumentieren. Natürlich sind handgeschriebene Aufzeichnungen immer besser, aber sie verschwinden ja nicht, indem ich sie hier hinzufüge. Und beim Abschreiben ergeben sich vielleicht die Chance weiterer Reflexionen und womöglich Erkenntnisse aus längst zurück liegenden Zeiträumen, die ich zwar wahrscheinlich auch nicht zu einem verstehenden Ganzen zusammenfassen in der Lage wäre (noch nicht); dennoch wäre es eine Art zusammenhängender Autobiografie. Warum? Naja, für mich zum Lesen und vielleicht begreifen. Und wenn nicht, dann für womöglich andere, sie sich nach meinem Ableben oder so daran erfreuen und herzliche Tränen dabei vergiessen können.
Au warrrte, ich bin vielleicht ganz schön selbstverliebt verloren, romantisch, versucht sachlich und dennoch dumm und irgendwie ein bisschen gefühlt nicht so richtig lebensfähig. Ach ja: und dazu nach drei Wochen Reha mit nahezu vollständiger Abstinenz in Sachen Alkohol und Rauchen in genau diesem Moment das konkrete Gegenteil davon. Ahoi.
homecoming
Was für ein Gewirr von Gefühlen: Am Frühstückstisch noch voller Witze und Gelächter (übrigens interessant zu beobachten, wie insbesondere beim Abschied praktisch alle nochmal auf kommunikative Touren kommen; selbst die, mit denen wir bisher kaum ein Wort sprachen); dann die Fahrt über die Autobahn und nach garnicht allzu langer Zeit die erste negative Welle durch Ausbremser. Nanu, jetzt schon solche ungemochten Zustände und Reaktionen bei mir? Zuhause im Kaufland überkam mich wie eine Art Ohnmacht gegenüber der realen Welt, in der ich plötzlich nicht sein wollte. Alles war drei Wochen lang behütet vertraut und nun stehe ich hier und muss mir mein Zeug zusammensuchen. Später bei Heide wurde ich sogar noch weinerlicher und fühlte mich wie ein Outsider, der für diese Welt hier nicht geschaffen ist bzw. hier nicht hingehört. Es gibt so wenige Worte oder keine sinnvollen, die es bin die GoPro schaffen, weshalb ich dort nur vages Zeug draufsprach bisher und wenigstens froh bin, hier in der Zehnsucht ein paar Dinge loszuwerden.
Also bin ich bis Sonntag krank geschrieben, um mich wieder zurechtzufinden. Und am Montag gibt es ein Anhörungsgespräch im Puppentheater um 15:30 Uhr, was wahrscheinlich entweder direkt dort oder ein bisschen später per Einschreiben eine sehr deutliche Klarheit schaffen wird.
Bei meinen Eltern gings dann wieder - die sind ja auch und tatsächlich meine Heimat und wir haben das Ende des Puppentheaters nochmal besprochen und dass Heide meint, insbesondere mit Ende 40 oder spätestens Anfang 50 ist ein Angestelltenverhältnis durchaus sinnvoll.
Was für später. Aber erstmal bin ich zuhause und habe mir meine 2. FotoWand vorgenommen. Und etwas Wein gekauft. Ich werde mich fangen, das weiss ich. Aber die Rubrik "kill me" muss ich scharf im Auge behalten und damit herausfinden, was oder welche Situationen mich so abgrundtief traurig werden lassen, dass ich einem spontanen Angebot seitens TOD nichts entgegenzusetzen hätte. Oder ob es an der Intensität mancher Gedanken liegt, die es so hoffnungslos erscheinen lassen. Mir fällt sehr oft kein kill-me Effekt haargenau und reproduzierbar ein - aber es gibt sie. Viele. Und sie sind heftig.
Abends: Bluenote, zwei Bier. Reicht bereits. Hab vorher im Puppentheater meine Krankmeldung, Reha-Bescheinigung und Zusage fürs Anhörungsgespräch eingeworfen, damit ich es los bin, morgen keinem dort begegnen muss und bis zum Wochenende mit Ausnahme der unweigerlichen Gedanken über meine Nichtverlängerung und dieses Gespräch am Montag nicht so viele Gedanken machen muss.
Ich fühlte mich ein bisschen still und noch zurückgenommen im Bluenote; jetzt ist es 22:00 Uhr und damit längst Bett-Zeit für mich - nach dem System der letzten drei Wochen. Schon bisschen seltsam, aber ok. Auf dem Nachhauseweg fiel mir wie so oft ein, dass ein paar weniger Gedanken oder wenigstens einfachere mit positiverer Grundeinstellung schon die halbe Miete für eine entspanntere Herangehensweise an mein Leben wäre. Nunja, sowas wie langjähriges Grübeln übers PT mit mir, die langen Entscheidungsphasen mit all den Wackelargumenten, die wirkliche Entscheidung, die Reha und jetzt die anstehende Klärung mit einer fast noch vollständigen Spielzeit samt meiner Neuorientierung auf meine Zukunft (die ich keinesfalls auf lange und alkoholgeschwängerte Bänke schieben darf) ... sind schon eine Menge Zeugs, die mit meinem Leben viel zu tun haben.
Noch was zur Nacht? Mein erstmals gemessener Blutzuckerwert vor dem Essen liegt bei 5,1. Das sei nach Elterns Angaben okay (Mamas Auslegung: fast schon unterzuckert!), nach meinen Recherchen und nach einem Frühstück, dass 5 Stunden zurück lag, allerdings etwas viel weiter oben als die Mitte. Und das nach drei sehr gesunden Wochen.
Oh Tobias, wie gerne hätte ich manchmal deine einfachen Denk- und Herangehensweisen an die Dinge des Lebens. Oder wie gern würde ich die vielfachen Parallelgedanken auf meinen Synapsen ausschalten. Oder zum Pot rauchenden Aussteiger werden und das Leben auf mich zukommen lassen. Too much Input for too less Output.
Eins noch: Die dreiwöchigen und jetzt finalen Kommunikationen mit Annette, Gabi, Barbara, Maritta und Birgit machen mir sehr deutlich, dass ich offensichtlich ein liebenswerter und geschätzter Mensch bin (hat auch keiner das Gegenteil behauptet, es gibt halt nur reale Situationen im Berufs- und anderem Leben, bei denen das offensichtlich nicht ausreicht), der auch nur deswegen so wirken und sich ausleben kann, weil er sich aufgehoben und dabei gut fühlt, weil es friedlich ist und- nunja - diese Reha in einer Art geschützten Konklave jenseits der als verbindlich statuierten Realität stattfand.
der Rückbau
08:30 Von der „inneren Einkehr zur äußeren Abkehr“ - so schrieb ich es dem Jörg eben gerade und fand es sehr gut getroffen. Die vorletzte Nacht meiner Reha wurde schwierig, auch wenn beim Lesen des neuen Buches „Stoner“ wieder die Augen zufielen und ich quasi schon auf der anderen Seite war: Als das Licht ausging, war ich wach. Aber unschön wach mit Gedanken ans Puppentheater, meiner Nichtverlängerung, der Anhörung seitens des Arbeitgebers … Ich hatte am Abend noch über die Modalitäten jenes §61 gelesen und dabei festgestellt, dass es nichts gäbe, worüber ich mir Gedanken machen sollte. Ob meine „Anhörung“ pünktlich einberufen wurde, ob ich die schriftliche Nichtverlängerung per Einschreiben oder Übergabe oder Briefkasten realisiere; ob nach 8 Dienstjahren eigentlich der frühere 31.7. für eine „Kündigung“ notwendig gewesen wäre … das sind alles Dinge, die hinsichtlich einer klaren Entscheidung meinerseits und der Haltung seitens der PT-Leitung keinen streitbaren Bestand haben sollten. In meinem Unterbewusstsein haben sie es aber. Und beim verfrühten Aufwachen fand ich mich wieder im unlauteren Feld der Rache für den Fall, dass es irgendwelche Schwierigkeiten geben sollte. Das ist so merkwürdig wie billig: Solche Vorstellung darüber, dass Anke Hansen die Schmach des Intendanten nach der Froschkönig-Premiere nicht auf sich sitzen lässt und kündigt; dass Katrin Gellrich vielleicht nicht ihre 30 Stunden Woche bekommt und in ihrem Anhörungsgespräch dann die Notbremse zieht und kündigt und MiMo sich bereits nach einem neuen Job umsieht… solche parallelen Gedanken wollen mir solidarisch und unterstützend beistehen - aber es ist alles Mist, denn darauf kommt es bekanntlich nicht an. Fragt sich, warum ich mir sowas vorstelle: Damit mir beschwichtigenderweise erklärt werden kann, dass ich nicht allein so denke und fühle und mein Handeln damit „richtig“ ist? Wie gemein und billig das ist und gleichzeitig davon zeugt, dass ich mir nicht sonderlich viel zutraue.
Letzter Tag der Anwendungen: Birgit sagt wegen Infekt ihre PMR ab und ich übernehme sie galant, um nochmal in Richtung Ruhe zu driften, meinen seit letzter Nacht wieder fester gewordenen Kiefer zu lockern und mir nochmal den übelst teueren „stressless“ Sessel zu besehen. Dann gehe ich schwimmen, nach dem Mittag nochmal Krafttraining (t.b.c.) und ein letzter Vortrag über „Wohlbefinden und Stress“. Das trifft vom Titel her schonmal sehr den Kern dessen, was ich von hier mitnehme in die Welt da draussen. Bis nachher.
13:00 Habe eben mal den Befund aus 2011 des MRT gelesen. Au weia. Demnach bin ich im ISG fast vollständig in den Sakralen „knöchern verbaut“ und eine Menge Wirbel der BWS zeigen deutliche und aktivierte Arthriden oder sowas. Eine Bandscheibe war oder ist ebenfalls dehydriert und ein CT wurde damals empfohlen. Deutliche Spuren einer fortgeschrittenen Ankylosans. Oh, das klingt im ersten Moment, verbunden mit meinen innerblutend seelischen Problemen nach Schweiz & Freitod. Aber auch nach „mach was du willst, es kommt eh’ nicht mehr drauf an!“
16:00 Aufnahme am 19.09. um 12:30 mit 142:90 @ 64 und 89,1 Kg. Abnahme am 09.10. um 16:00 mit 122:60 @ 60 und 87,8 Kg. Wahrscheinlich also nichts passiert und alles so geblieben. Der hohe Blutdruck anfangs könnte der Aufregung geschuldet sein, obgleich ich glaube, dass ich insgesamt ziemlich on high pressure level war.
Diestelfink
Der Diestelfink ging nach 1.000 Doppelseiten gerade zu Ende. Ein so dickes Buch habe ich besonders in der Kürze der Zeit sehr lange nicht mehr gelesen. Aber ich hatte ja genügend Freiraum dafür. Da es viel um zerstörerische Momente im Leben und auch um Drogen und Wahnsinn des Lebens als Kloake geht, schwirrte mir immer mal wieder eine Spur gewisser Leichtigkeiten ins Licht, die mich wissen ließen, dass ich tun und lassen kann, was ich will. Und das auch sollte. Das reicht bis zum freiwilligen Sterben. So viele kleine und für den Moment passend grandiose Textpassagen:
(vedische Gelassenheit) "Sorge - was für eine Zeitverschwendung ... offensichtlich das Kennzeichen einer primitiven und spirituell unterentwickelten Persönlichkeit."
"... zu erkennen, welches Bild er von sich projizieren wollte. Es ging nicht so sehr darum, wer er wirklich war (Innenarchitekt, Hausfrau, gehemmter Schwuler), sondern, wer er oder sie sein wollte. Selbst auf höchstem Niveau reine Verschleierungstaktik. Jeder möblierte eine Kulisse."
"... und überall die plumpe Traurigkeit von Geschöpfen, die sich schubsend abmühten, ihr Leben zu leben."
"Niemand wird mir jemals einreden können, das Leben sei ein fantastisches, lohnendes Geschenk. Denn dies ist die Wahrheit: Leben ist Katastrophe ... eine Jauchegrube aus Krankenhausbetten, Särgen und gebrochenen Herzen. Keine Erlösung, keine Berufung, kein Neustart. Kein Weg voran außer Alter und Verlust, kein Weg hinaus außer dem Tod."
Nun, das waren eher so die letzten Markierungen in diesem Buch und Donna Tartt verliert sich noch sehr in nebulösen Erklärungen und transzendenten Zwischenmarkierungen, denen es mir nicht immer leicht fällt, zu folgen. Aber insgesamt dachte ich tatsächlich daran, nächstes Jahr mal für ein paar Wochen nach NYC zum Michl oder anderen, neuen Leuten zu reisen. Das hat sich dann auf Dänemark umgepolt. Dann denke ich an Joints, die ich in der kommenden Woche rauchen sollte ... das Buch hat mich ein bisschen in eine Richtung fühlen lassen, die mir klar macht, dass einfach alles möglich ist, solange ich es wenigstens im Grunde mit mir vereinbaren und den Rest als willkommene Neuerung / Erweiterung meiner Erlebnisse einrichten kann.
(Oh - meine Ausdrucksweise imponiert mir. Lesen und nicht Alkohol bringt zurück Worte vielleicht?)
Empfehlungsschreiben aus einer ReHa
Erfahrungs- und Empfehlungsschreiben an mich selbst. Sicher nichts unbedingt Neues, aber mal auf ein paar Punkte gebracht:
das hier war / ist ein klares BurnOut (alle Faktoren sprechen dafür), es ist ein Warnschuss, der noch viel schlimmer hätte ausfallen können (Doku „gegen die wand“, Handouts der Reha insb. Stressoren, alleszuviel.at, Cortisol ...)
meine Basis ist grundgut, Vertrauen und Aufbau darauf sind absolut möglich
mein Selbstwertgefühl ist stark angenagt, die Unsicherheiten und Zweifel oft groß (nicht erst seit jetzt)
diesen Punkt überspiele ich allerdings gern und gekonnt (was in Zeiten permanenter Kompensation sehr ermüdet, demoralisiert und alles noch mehr in Frage stellt)
ich bin stark abhängig von Motivation, Anerkennung, Freundlichkeit
meine Reflexionen / Grübeleien sind ein klares Zeichen dieser Zweifel und Unsicherheiten im Gefüge schwachen Selbstwertgefühls; Hinterfragungen bei besonderen Situationen sind gut und wichtig, sollten aber nicht permanenter Bestandteil meines Denken, Fühlens und Handelns sein
Konkret:
bei Beginn von Neuem: langsam und überlegt (insbesondere und aktuell: Sport)
psychotherapeutische Gespräche zum Aufbau Persönlichkeit / Selbstwert empfehlenswert
Bewusstmachung des Grundgerüstes meiner Stärken : Vermeidung von Überspielung und Unsicherheit
ich sollte mich auf meine konkreten Stärken besinnen und dort anknüpfen, der Rest kann trainiert nachkommen
Alkohol runter bzw. raus
Hörgeräte benutzen, erneuern
immer wieder Situationen des Friedens und der Erholung, Ruhe schaffen (notfalls Jointversuche)
die richtigen Schritte habe ich bereits selbst eingeleitet: Reha (10/2017) & Kündigung (zum 08/2018) (entspricht 1. Wiederaufbau und 2. vorbereitetem Neuanfang = sehr gute Ausgangslage)
keine Reaktionen aus dem Affekt; Besonnenheit und notfalls Zurückhaltung
Menschen, die mir nicht gut tun, meiden
dies alles betrifft auch meine restliche Zeit im Puppentheater (professionell bleiben)
Interessen entwickeln, Freundschaften pflegen und erweitern
betreffs Bechterew Aufzeichnungen ansehen und wichtige Items betreffs Jeskosystem, Bewegung, Sport und Ernährung zusammenstellen. (die sind allesamt im Übrigen sehr gesundheitsförderlich)
psych-out burn
Es geht in die finalen Runden und die Gedanken stellen sich innerlich sachte um auf Zuhause. Hinzugekommen sind ein paar Faktoren aus der Denkfabrik, oder mit neuestem Begriff: der inneren Wortmaschine. Wahrscheinlich kam mir die knapp errungene psychologische Beratung gerade recht, um mir über solche Themen und wie so oft Gedanken zu machen. Worum geht es also?
Es geht um den permanenten Wahnsinn meiner Reflexionen, meinen Erklärungsversuchen und deren Unvermögen, es in eine einfach strukturierte Form zu bringen ("Um nicht dumm zu bleiben, interessiere dich für etwas und lerne!" - das wäre wunderbar einfach.) Wissend, dass es mich auf diesem Pfad immer nicht weiter als bis zur Weinflasche bringen wird, bleibt die eigentliche Realität, die ebenso versuchter Bestandteil meiner Überlegungen ist, letztlich auf den Abstellgleisen meines Lebens zurück und verschafft mir Probleme. Probleme mit anderen, die dann zu meinen eigenen werden.
Der neue Begriff (empfohlene Literatur der Psychologin Frau Maul) lautet ACT = Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Hier beginnt es ein wenig knifflig zu werden, denn es kommen solche Modebegriffe und wenig versprechende Kleinteilmechanismen wie "Achtsamkeit / buddhistische Meditation / Hypnose" auf, allerdings auch "Überbewertung gedanklicher Prozesse" sowie Rückzug, Flucht, Betäubung. Ich habe etwas Skrupel damit, mich auf solche Dinge einzulassen, die mittels enorm kleiner Schritte und Mini-Erfolgen auf dem Weg zum Glauben an die Stärken des eigenen Ichs ... nunja ... ich bin es eher gewöhnt, mit mehr Kraft, Motivation und ergebnisorientiertem Handeln zu verblüffend messbaren Erfolgen zu gelangen. Bestes und immer wieder gern bemühtes Beispiel: Abi-Mathe (Note von POS:3 auf Abi:1).
Aber damit ist meinem Selbstwertgefühl noch nicht geholfen. Und es lässt sich sehr schnell einschüchtern. Mini-Beispiel gestern in der Reha-Disko (du meine Güte), als hinter mit die 'doofen' Mädchen saßen und lauthals lachten und ich das alles sofort und sehr auf mich projizierte und mich auch beim Tanzen enorm beobachtet fühlte. Eine Situation mit großer Fluchtattitüde.
Manchmal ist meine Haut sehr dünn und da reicht es, wenn eine Katrin Gellrich schreibfragt, ob mich die Musik (Gewandhaus) irgendwie berührt hat und ich schreibe knapp zurück "merkwürdigerweise nicht" und sie beantwortet es mit "Komisch. Sehr komisch". Und wieder weiss ich nicht, was ich davon halten soll. Es war ehrlich. Und nun? Nichts und nun. Übrig bleibt ein Gefühl, dass ich mit Katrin Zeit unserer Kommunikation immer ein Einschätzungsproblem ihrer Reaktionen hab. Vielleicht auch wie sie mit meinen, wenn sie meint, ich hätte deutliche Anzeichen an die Tage gelegt, um mehr als eine kleine Arbeitsfreundschaft mit ihr anfangen zu wollen. Ich glaube, so war das mit Mandy auch - ich mochte sie als 'Kumpel und gute Freundin', allerdings wird so ein Verhalten offensichtlich bei Frauen ganz anders aufgefasst. Es bleibt dabei: ich habe mich einfach zu spät als schwul geoutet. Obwohl im Gellrichen Fall die Dinge ja eigentlich geklärt waren. Und trotzdem? Aber ich wollte wirklich nichts von ihr - im Gegenteil: eine zu intensive gemeinsame Zeit oder gar Sex wären nicht in Frage gekommen.
So, da haben wir's also wieder: Das viele Denken über alles. Soll ja auch nicht aufhören; es sollte mich nur nicht zu sehr in Beschlag nehmen und endlos beschäftigen, sondern mehr die Freude wecken, damit klarzukommen.
Also los, beseh' ich mir, was es mit ACT auf sich hat und verknüpfe diesen Post hier mit den Reha-auswertenden "Empfehlungsschreiben von mir an mich"
nüscht but Hüfte
Mein Thema heute war die Hüfte und das Abschlussgespräch. Bei letzterem gabs nichts zu bemängeln und meine Frage nach dem Ruhe-EKG und der Herztätigkeit erbrachte die frohe Kunde, dass mein Puls auch nach Belastung schnell sehr ruhig werde, was für ein trainiertes Herz spräche. Ah, ok.
Aber die Hüftmuskulatur: Es gibt ganz kurze Muskeln und Sehnen in der Verbindung zwischen Oberschenkel und Hüfte. Und wenn es die mal so richtig aufreizend erwischt hat, dann schlagen die nicht nur Alarm, sondern verharren böswillig in ihrer Position. So ungefähr die Aussage des Arztes. Und das sei in 3-5 Tagen auch nicht erledigt. Das merke ich sehrst und es nervt extrem. Ich hab's mir selbst zuzuschreiben und auf die anfänglichen merkwürdigen Schmerzen links nichts gegeben. So fallen also alle Touren durchs herbstliche Land in den letzten acht Tagen komplett aus. Tja. Und ich kann es für eine Vorstellung dafür nehmen, wie es sein würde, wenn ich wie Tante Monika oder viele andere auch Hüftprobleme bis hin zu einer OP hätte. Okay, das möchte ich mir bitte sehr merken. Und niemals wieder haben. Schönen Abend noch. Diestelfink!
Hüftgefecht und Reflexion
Kältekammer und MTT waren noch möglich, die 100-Watt-Wanderung musste ich bereits absagen. So doll wars noch nie- und das seid Tagen: die (hoffentlich) Hüftmuskulatur macht solchen Lärm, dass ich kaum ins Bett oder in die Hosen komme, ich auf den Gängen schleichhumpele, dass man mir bescheinigt: "Du bist aber auch schonmal besser gelaufen". Die Schwester gibt mir IBU400 und eine Dose Voltareneinreibe. Natürlich wird es sofort besser, sagt mein System, weil es ja jetzt behandelt wird. Heute um 13 Uhr möchte ich versuchen, bei der Psychologin Frau Maul drei Dinge anzureissen: Wie bekomme ich meine Selbstreflexion auf ein gesundes Maß; warum sind die EMO Schübe hier so extrem gewesen und wie bekomme ich die Srresssprünge aus dem Gebiss? Das wars eigentlich, spielt alles im Grunde zusammen und bedarf bestimmt nur einer einzigen einfachen Antwort. Sowas wie 42?
(Das hier ist ein loser, aber guter Haufen, der durchaus sortierbar ist)
Mein erstes, etwas ängstlich erwartetes und deshalb auch vorbereitetes Gespräch mit einer Psychologin. Natürlich hektisch, natürlich unsicher, natürlich mit ein paar Handlungsansätzen seitens einer Psychologin, die mir tatsächlich gut getan hat, meinen Redeschwall aushalten und die Thematik einer Stunde trotzdem gut ordnen konnte. Sehr viel konnte ich mir tatsächlich jetzt im Nachgang nicht merken, dafür waren wir beide zu schnell und meine Kapazität ist erwiesenermaßen aktuell ein bisschen knapp.
Reflexion: Wegen Unsicherheit und Zweifeln, die mich bzw. mich in Situationen betreffen. Das ständige Abwägen meiner Verhaltensmuster vergangener, aktueller oder anstehender Art zeugt von solchen Zweifeln darüber, ob ich mir und meinen Wünschen und Anforderungen gerecht werde bzw. auch das Verhältnis meiner Reaktionen gegenüber anderen im Zusammenhang mit mir.
Meine unbeabsichtigten Fehler, Unaufmerksamkeiten und Defizite - meine gesamte Erschöpfung - beschreibt sie mit dem klassischen Begriff BurnOut mit geringem Selbstwertgefühl, weiteres ergibt sich aus meiner Hyperaktivität und den vielen parallelen Denkansätzen, die wiederum ebenfalls meinem gering ausgeprägten Selbstwertgefühl und der Sucht nach Anerkennung, Harmonie, Aufmerksamkeit zugeschrieben werden können.
(siehe Doku „gegen die wand“): Außerdem bei Burnout: manche Nervenverbindungen im Gehirn werden dauerhaft getrennt, Fehleranfälligkeit, Störungen, Vergesslichkeit treten auf … (ui!) weiter: Trotz langen Durchschlafens kein Erholungseffekt; außerdem: Antrieb, Motivation, Sex down
Emo-Schub: oh, hab ich vergessen? Wahrscheinlich so, wie ich es mir bereits dachte: Raus aus den Verantwortlichkeiten, rein in eine schützende Atmosphäre unter Gleichgesinnten,Besinnung auf mich selbst. Erschöpfung, die erst jetzt ihre Aufmerksamkeit bekommt. Ausschlag gebend: Beglückt darüber, dass ich es selbst erkannt und entsprechend gehandelt habe. Hat also sehr damit zu tun, dass ich gewillt bin, mein Leben zu behalten und es zu einem schöneren zu machen.
>>> Cortisol schützt den Körper vor den negativen Folgen von starkem Stress und sorgt für eine sinnvolle Anpassung an aktuelle Umweltbedingungen. Ohne Cortisol wäre der Mensch nicht lebensfähig. Es gibt eine Vielzahl an Stressoren für den Körper: es bedeutet z.B. Stress für Ihren Körper, wenn Sie Ihr Chef anschreit, wenn sie ausgiebig feiern, aber auch ständiger Zeitdruck oder akute und chronische Infektionen stellen Stress für den Stoffwechsel dar. Cortisol ist eng mit dem Immunsystem verknüpft. Seine Aufgabe besteht darin, überschießende Reaktionen des Immunsystems zu bremsen. Menschen mit einem hohen Cortisol- Spiegel haben eine schwächere Immunabwehr. Cortisol trägt zusammen mit Insulin zur Regulierung des Blutzuckerspiegels bei. Stress verbraucht viel Energie und diese wird durch die Mobilisation von Zucker gewährleistet. Durch seine Blutzucker anhebende Wirkung sorgt Cortisol dafür, dass im Körper bei Bedarf schnell genug Energie bereitgestellt wird. Das war vor Urzeiten ein sehr sinnvoller Mechanismus, um einer gefährlichen Situation gerecht werden zu können und löst eine „Kampf oder Flucht“- Reaktion aus. Heutzutage stehen wir als Ergebnis „unter Strom“, aber es fehlt die anschließende nötige Bewegung, die den Körper wieder auf ein „normales Betriebsniveau“ herunter fährt.
Cortisol ist ein Stresshormon, das katabole Stoffwechselvorgänge aktiviert und so dem Körper energiereiche Verbindungen zur Verfügung stellt. Wird auch bei Unfällen automatisch gebildet. Zu Urzeiten wurde es benutzt um bspw. vor wilden Tieren wegzulaufen oder sich bereit für den Kampf zu machen (Herzschlag, Hormonausschüttung) - nur gibt es heute nach Dauerbeschuss durch Cortisol (Stress, Angst) diese physischen Aktionen nicht mehr und das Cortisol wird nicht mehr abgebaut.
Die Überlegungen der eingeleiteten Kündigung und der Reha sind bereits eigenständige Rettungsansätze, mich aus einer mir unzuträglichen Situation zu befreien. Also bin ich durchaus in der Lage, für mich selbst zu entscheiden und es auch zu tun. Ebenso meine entspannte Haltung gegenüber dem, was nach dem August 2018 kommen wird - was wiederum tatsächlich von Selbstvertrauen zeugt; von Vertrauen in mich, dass es immer etwas geben wird, womit ich weiter machen kann und auch will.
Sie wird mir aus ihrerseits empfehlbarer Literatur eine Liste zusammenstellen und ins Fach legen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf psychische Erschöpfung, rasselnde Gedanken (Reflexion), Sortierung.
Empfehlungen:
Literaturliste (sobald da, hier nachgetragen)
langsamer sprechen wäre schonmal ganz gut
Psychologe zum Sortieren, Gedanken ordnen überlegen (keine Tiefenpsychologen, ich bräuchte vorerst etwas Schnelleres)
aus der DOKU „Gegen die Wand“ (eben zufällig auf meinem USB Stick gefunden:)
Bedürfnisse herausstellen, Überlegungen anstellen, was ich wie mit meinem Leben vorhabe,
was mir wichtig ist, nicht verbiegen, bei mir sein, bewusst mit mir umgehen, Empfindungen ernst nehmen
Äusserlichkeiten unwichtig
Wie geht mehr Leben weiter? Will ich das tagtäglich machen?
BurnOut als Warnschuss
Schmerzhafte Erfahrung aber zugleich große Chance
Ende der Einheit, Positivesko
Weil ich so viele Dinge so schnell vergesse, verdränge oder sie aufgrund von Desinteresse in den Hintergrund geraten, ist es garnicht doof, ein paar Erlebkenntnisse hier festzuhalten. Wie zum Beispiel unser letzter gemeinsamer Abend der Six Ladies, an dem alle nochmal ein bisschen mehr Haut zeigten. Annette aus Steinach (!-kennt Steinheid und den Hirsch) war vorher mind. 5 mal dicker und der Bauch hing bis zu den Knien. Ihr Mann brachte ihr damals in die Tagesklinik extra weite Sachen, die sie aber kaum bis an die Oberschenkel bekam. Und sie hätte wenigstens gern auch Kinder gehabt.
Barbara fehlte über 22 Jahre lang nicht einen Tag in der Radiologie, in der sie arbeitete. Als sie ihren Morbus Meniere mit Tinnitus bekam, 8 Kg abnahm und deshalb eine Weile fehlte, wurde ihr das von den Chefs aufs Brot geschmiert, was sie noch weiter verunsicherte und einigermaßen hilflos machte. Birgit als Straßenbahnfahrerin bekam starke Gelenkschmerzen in den Händen und niemand konnte helfen, bis eine psychosomatische Behandlung ihr wieder halbwegs auf die Finger half.
Warum möchte ich mir das merken? Weil nahezu alle Patienten hier verdeutlichen, welchen Lauf das Leben nehmen kann, wenn man nicht auf sich achtgibt oder es einfach nicht anders gelernt hat, seinen eigenen Lebensmodellen und Verlangen nachzugehen, sondern sich auf das einzulassen, was von anderen als gesetzmäßig festgelegt wurde. Woraus sich also eine Abhängigkeit von diesem Systemmit all den eigenen und manchmal einfach klingenden, aber offensichtlich unabänderbaren Unzufriedenheiten ergibt.
Mir bescheinigten die Damen gestern Abend eine unbedingt positive Grundhaltung und Einstellung zum Leben und bezeichneten mich als einen Menschen, den man gern um sich hat, weil er eine positive, freundliche und charmant-witzige Aura hätte. Das ist großartig, oder? Ich hätte gern, dass eine meiner vielen Stimmen in mir auch soviel Gewicht hätte. Barbara ist nun nach 6 Wochen fort. Die, die uns Neulingen half, hier zurechtzukommen.
Es ist Feiertag der Einheit, das Wetter ist sehr grau und ich kann keine Runde mehr laufen, da meine linke Hüftmuskulatur einen Generalstreik eingelegt hat. Von Null auf 5-10 km jeden Tag per Run, Walk oder Fahrrad. Alles extra ganz langsam angegangen und konditionsarm versucht aufzubauen, tjahaaa, aber ohne einen einzigen Tag Pause - genau das wurde mir zum Verhängnis. So wird’s ein beruhigter Lesetag.
Meine offensichtliche Enttäuschung beim Stationsarzt muss Wirkung gezeigt haben: am Mittwoch habe ich jetzt doch wieder einen Termin bei der Psychologin. Wenigstens dieser eine und ich kann versuchen, ihn dafür zu benutzen, um herauszufinden, wie stark oder notwendig der Hintergrund / die Absicht meines „renew“ zu sein scheint, wenn ich solchen Emotions-Schüben hier unterliege.
Wir sind die Großen - Woche 3
get real & simplify your life and thinking
Ab morgen sind wir die Großen, die EKs, die Profis, die Bescheid wissen. Dennoch scheint es ewig lange her zu sein, als wir hier desorientiert und verunsichert ankamen, als ich lieber ein helleres Zimmer haben wollte, als ich die Wildgänse hörte, am Steinbruch an der Klippe stand und nach unten sah, meine Aufnahmeuntersuchung verpasste, als meine ersten Emo-Schübe kamen und mich überwältigten, wie ich mich auf mich und meine Umgebung immer weiter einlassen konnte und begriff, dass ich lebensmotivierbar bin, wenn ich mich in einer entsprechenden Umgebung aufgehoben fühle.
Heute kam nun ein etwas kälterer Wind vom Arztzimmer, der mir verdeutlichte, dass ich eigentlich auch garnicht für eine Verlängerung vorgesehen war und dass ein Anderer meinen Termin beim Psychologen dringender bräuchte als ich. Ehrlich gesagt empfand ich das als frech. Allerdings gelingt es mir auch nicht, so einen Termin einzufordern, indem ich heulend und innerlich schwer zerrüttet um so einen Termin bettele. (Meiner leicht vergnatzten Lüge, dass ich eine Psychologin in der Heimat hätte und ich dann wohl eher zwischendrin deswegen nach Hause fahren müsste, wurde wohlwollend zugestimmt! In einer Fachklinik für Psychosomatik!) Das ist schade und passt auch ein bisschen auf diesen Montag, der sich mit Träumen im Puppentheater ankündigte, in welchen ich regimentgleich in Reihen mit anderen PT-Beschäftigten stand, um mir Schelte oder Tadel, Verweise oder Verwarnungen abzuholen. Merkwürdigerweise erhielt ich dann doch nichts dergleichen und mein Telefonwecker musste mich erstmals in dieser Reha wecken.
Nunja, letzteres ist halb so wild. "simplify your thinking" meint im Übrigen auch, dass der erste Schluck Alkohol oder die 3. Zigarette des Tages nach dieser Zeit hier nicht auf die goldene Waage gelegt werden sollte. Eine einfache Grundausstattung auf Basis meiner Vorstellungen und Wünsche und deren realistische, konsequente Verfolgung sind absolut in Ordnung. Ich habe Heide angetickert, dass ich nächsten Dienstag bei ihr vorstellig werde; ich hoffe, sie geht darauf ein, dass ich einen Auslauf inform einer 4. Woche anderswo benötige, bevor ich wieder einsteige.
Meine Hüftmuskulatur benötigt tatsächlich eine richtige Pause. Selbst das Streunen in Leipzig gestern hat mir zugesetzt. Laufen ist erstmal ganz raus.
rainy sunday, self service
Der Radausflug nach L war großartig. Hinfahren, bisschen umgucken, Kaffee trinken und wieder zurück. 40 Kilometer und laut App 1000 Kalorien. Ich hab Fotos und bisschen Film gemacht. Wieso? Weil ich mich automatisch und sachte reaktiviere. Wieso? Weil abzusehen ist, dass ich nicht verlängern kann und weil meine Intention einer psychologischen Betreuung während meiner Zeit hier offensichtlich fehlschlägt. Das finde ich sehr sehr schade, denn ich hätte mich und meine so intensive Emotionalität gern jemandem mitgeteilt, der mir dazu etwas sagen kann. Und weil das nun also eher nicht möglich ist, verfalle ich wie so oft in Selbstrettung- in eine Art SelfService. Das bedeutet, meine Sichtweisen ganz langsam wieder in Richtung Realität zu lenken und nicht mehr lose in der Zeit alles friedvoll zu geniessen. Eigentlich doof. Vielleicht kann ich anschließend ein paar Tage an der Ostsee diese Zeit noch ein bisschen SelfService verlängern.
Bevor es ins "Video"-Schwimmbecken, anschliessend aufs Lesebett und dann nach Leipzig geht, hier meine frühmorgendlichen ersten und schnellen Gedanken, an mich gerichtet und zu verfeinern:
Alkohol weg (die ewige Forderung ...)
Hörgeräte checken und nutzen (dito)
Tage früh beginnen
zu mir passende/r Bewegung /Sport
fließender Arbeits- und Lebensprozess / "heute ist nichts" vermeiden
Entspannungstechniken vs. Stresssprünge und Kieferwut
SelfService ... Nunja. Bis nachher. Wir riechen uns später.
...
Später: Keine Video-Schwimmbecken - zu voll. Jetzt wieder hier nach Bruckners Messe Te Deum in f-moll im Gewandhaus. Mit Katrin und ihrer Mutter nebst der restlichen Familie wie mir als Gast. Es ging mir weniger zu Herzen als hinsichtlich Sinfonie-Orchester und 355-Leute-Chor vermutet. Eigentlich sogar garnicht. Vorher war ich Zeitgeschichtlichen Forum - einer grandiosen Ausstellung. Kurz davor genoss ich auf der Straße einen Cappuccino und hatte schon wieder merkwürdige Gedanken darüber, wie ich dasitze, wie ich mich hier allein verhalte und was ich derzeit denke. Auch über oben Aufgezähltes. Und ich erdachte mir eine Vorabzeile, die mir nahelegen soll, "herauszufinden, was ich möchte und was nicht. Denn es ist zermürbend, mich auf zufällig-spontane Wahrscheinlichkeiten einzulassen und mich dabei immer ein bisschen unwohl zu fühlen." Das verstehe, wer will. Während dieser Überlegung schrumpften auch die ganzen emotionalen Empfindungen und etwas in mir versuchte mich auf eine "normale Denke" zu bringen, die weniger mit Deutungen und den besonderen Augenblicken meiner inneren Einkehr während der Reha gewidmet ist. Also nicht so aufbauschen und zu etwas Besonderem machen, nur weil ich hier die besondere Chance dazu habe? Analog zu meinen doch voreiligen und damit heftigen Bemühungen um Kondition und Kraft, die mir derzeit ordentliche Muskelschmerzen bereiten.
Es ist wahrlich vertrackt. Außerdem baue ich mir vorsorglich wie parallel ins Gefühl mit ein, dass ich keine Verlängerung bekomme und mich entsprechend zurückbaue, und dazu (wie Katrin Gellrich) jetzt einen ordentlichen Brief vom Puppentheater im Kasten haben müsste, wonach mir ein Anhörungsgespräch betreffs §61 (Nichtverlängerung) beschieden wird. Womit ich also auch in dieser Richtung wieder gedanklich zu tun habe, auch wenn mein Entschluss bereits fest steht. Derweil fange ich an, im Geiste Abschiedsreden zu verfassen ...
Morgen, Montag, muss ich vom Stationsarzt einen Psychologentermin und von mir ein paar Ideen dafür einfordern.
Katerstimmung und Ausflug
Katerstimmung? Ein insofern passendes Wort, als dass wir Six Ladies heute ein klein bisschen ermattet zum Frühstück erschienen. Gestern Abend haben wir wieder am kleinen Teich ein bisschen palavert, heimlich geraucht und Alkohol gebraucht. Dieses Mal sollten es zwei große Flaschen Jever Fun für mich werden. So richtig gut schmeckt das tatsächlich nicht.
Vielleicht täte ich insgesamt gut daran, meine ganzen Denkmengen ein wenig zu verringern, denn ich beginne, das Gespräch mit der Psychologin am Mittwoch gedanklich vorzubereiten (was natürlich neben einer echten Einschätzung meiner Lage auch auf eine mögliche Empfehlung für eine Verlängerung abzielt). Das Denken über das Denken war schon immer unproduktiv und zermürbend. Doch zurück zum Kater: ich hab mir am Frühstückstisch vorgestellt, dass meine leichte Ermüdung nach vielverträumter Nacht und leichter Appetit- wie auch allgemein körperlicher Schwäche aus einem vorgetäuschten Kater herrührt. Wie würde sich das jetzt anfühlen? Ich konnte dieses Gefühl sofort herleiten und generierte daraus nicht übel Lust, dem Alkohol mit seinen selbstverantwortlich provozierten Auswirkungen vollends abzuschwören. Das halte ich zwar für sehr schwierig- denn selbst mit den Six Ladies gedachte ich ab und an eines Glases Wein, das ja nicht schaden könnte. Zum Glück blieb ich prinzipientreu, wenigstens diese drei Wochen clean zu bleiben. Aber was wird sein, wenn ich mich wieder inmitten gewohnter Strukturen befinde und es weiterhin nicht schaffe, ein gesundes Maß an Alkohol einzuhalten? Dann vielleicht doch besser ganz und gar sein lassen? Werden dann Bluenote oder Weinladen eigentlich noch relevant sein? Das könnte knapp werden. (siehe "Nüchtern am Weltnichtrauchertag"). Sollte ich dann nach Reform ziehen und nur noch Sport und Vernunft auf meinem Plan haben - so wie Steffen, Tobias' Bruder?
Mal eine ganz neue Frage: Was will ich eigentlich? Heute einen Ausflug auf dem Rad nach Leipzig machen. Das ist ein Anfang.
zweiter Freitag
Das war ein kleiner lustiger Brigadeausflug gestern. Wein, Bier und Sekt wurden restlos entsorgt und wir hatten eine schnatterhaft schöne Zeit auf konspirativ grüner Wiese nach einem Wunschabendbrot. Warum ich das alles gemacht habe, bleibt mir etwas schleierhaft. Es gibt solche Ansätze wie: "beliebt sein und dafür gemocht werden" genau so wie "mit kleinem Aufwand große Freude erzeugen" oder "mir war einfach so". Schwer zu erklären. ich muss jetzt erstmal der Schwester erklären, dass ich unbedingt eine weitere Woche benötige und damit auf Listenplatz 1 gesetzt werde.
Und um 15:00 kommt Katrin Gellrich zu mir.
...
Und da war sie auch schon. Ein Spaziergang am anfänglichen Steinbruch und drumherum, weiter bis zum Eiscafé. So eine Eisbecher schmeckt nach einer gewissen Abstinenz gleich um einiges besser. Wir haben wenig übers Theater, mehr über den Chor und die Kur geredet. Es erscheint mir dabei immer wieder eine gewisse merkwürdige Unvereinbarkeit in Teilen unserer Gespräche zu bestehen. Das war schon immer so und hängt mit Dingen zusammen, aus unterschiedlichen Sichtweisen oder Wertigkeiten entstammen müssen. Ich kann ihr zum Beispiel nicht exakt darstellen, was da bei mir emotional passiert, seit dem ich hier bin- meine Angaben klingen so halbgewaschen und färben leicht aus esoterischen Winkeln. Sie wiederum belächelt anfangs solche Aktionen wie meine App "runtastic" zum Mitschneiden meiner Aktivitäten. Weil sie es nicht es nicht kennt oder mag ... allerdings erkundigt sie sich ein wenig später, worum es dabei eigentlich geht. Aber manches fühlt sich immer manchmal ein wenig kommunikationsgehindert an.
Dennoch eine gute Aktion von uns beiden, ein bisschen Puppentheater war am Ende dann doch noch mit dabei, aber nichts Besonderes. Auch weil ich die kleineren oder mittleren Stories von dort garnicht hören wollte - wir hatten dieses Ausklammern gleich zu Anfang vereinbart. Am Sonntag sehen bzw. hören wir uns wieder, wenn 500 Stimmen Bruckners im Gewandhaus ertönen.
Gründonnerstag mit Party
Morgens: Bitte schickt mich hier noch nicht weg! Es beginnt, in mir zu wirken, ich brauche all das hier noch ein bisschen. Die Kältekammer, das Yoga, die viele Bewegung, den Wald, den Herbst, die Ladies, die Leute, die beschützende Ruhe und die gewisse Anonymität. Ich kann mich beobachten, sehe, wie ich bin, wie ich mich verhalte, spüre, wie eine große Last aus mir heraus will, ich in all diesen Gedanken dabei ein tiefes inneres Bedürfnis habe, mich zu sortieren und wieder auf die Beine zu stellen.
Parallel dazu bin ich geneigt, mir diese Emotionalität mitsamt aller Tränen als forcierende Übertreibung andichten zu wollen. Ein Dilemma, wenn ich bedenke, dass somit eigentlich nichts von meinen Zustandsbeschreibungen Bestand hätte. (Bin eben von Kältekammer und Stationsschwester gekommen; letztere bat ich um Mithilfe in Sachen Psycho, Massage und Verlängerung. Gleich gibts Yoga und für heute Abend hab ich uns Six Ladies eine kleine Party versprochen.)
...
Mittags: Schwere Not. Es ist kein Platz mehr für eine Verlängerung! Hätte ich das gestern ... aber der Arzt fragte nicht danach. Jetzt kann ich nur darauf hoffen, dass jemand abspringt. Im ersten Moment war das ein Schock. Ich kann hier nicht so sehr bald weg. Massagen gibt es auch nicht, weil Bechterew Patienten da nicht gut drauf reagierten. Ich muss den Arzt daraufhin nochmal genauer informieren. Aber gut, der Schock löste sich gegeninitiierend schnell zugunsten einer Alternative: Wenn es wirklich nicht geht, lasse ich mich von Heide für den restlichen Zeitraum krankschreiben und fahre ans Meer in irgendeine Pension mit Gitarre und Essen.
Ansonsten fällt mir etwas auf: Ich habe irgendwie nichts zu meckern. Normalerweise gibt es doch immer etwas, das nervt oder doof ist und anders sein könnte. Das gilt für mich, für andere Menschen wie für allgemeine Situationen. Aber Nichts - selbst anstrengende Übungen sind eben anstrengend. Ok. Weitermachen und gut. Das ist sehr erholsam für den Geist, weil es nichts zu bekämpfdenken gibt und sich alles im Fluss befindet.
EMO-Ende (nein, doch nicht) / Entgiftet
Eine Woche alles neu. Tagesabläufe, die Menschen um mich herum, die Orte, mein Zimmer, die Anwendungen, die Gedanken. Eine erste Woche voller großer Emotionen. Beim Yoga,beim PMR, beim Nachdenken über all das. Die Gewöhnung kommt schnell, nicht aber die Müdigkeit. Eben beim PMR erinnerte ich mich daran, wie mir beim ersten Mal die Tränen liefen. Ebenso wie nach dem Yoga oder meinen ersten Geh- und Laufversuchen im Wald. Alles war emotional stark besetzt. Das ändert sich ganz langsam. Das Gefühl für die Wichtigkeit und Schönheit dieser Umstände bleibt, aber die Gewöhnung daran tritt ein. Zeit, mich für entgiftet und auf eine gesunde erste Basis gebracht zu erklären, von der aus ich jetzt konstruktiv werden kann. Dazu bedarf es weiterer Unterstützung. Ich bin mir nicht sicher, wie ich einem Psychologen hier begegnen und was er/sie ausrichten kann, aber den Versuch muss ich unbedingt starten. Denn auch vier Wochen im schönsten Wiesengrunde sind nur eine kleine Auszeit, wenn der Effekt danach in rasantem Tempo schwindet und ich wieder auf demselben Niveau dahinsterbe. Aber, aber, ich habe aus meiner Sicht große Dinge vor; es gilt, mein Leben und Universum wenigstens ein bisschen zu stabilisieren, mich gesund zu machen und besser aufzustellen, keine Angst vor Macht und Niemand haben zu müssen, um jeskogerecht leben zu können. Dabei helfen mir solche Ansätze wie dieser hier und die Gewissheit, dass sich bis zum nächsten Sommer eine entspanntere Haltung und neue Aussichten einstellen dürften. Was sie nur tun, wenn ich das entsprechend forciere. Dazu bedarf es eines verdeutlichten Lebensmodells, einer bzw. mehrerer Ideen und eines entsprechend beigeordneten Willens.
Seit 30 Jahren betreibe ich die Berg- und Talfahrten und ich kenne meine Labilität, meine kleinen halbseidenen Rettungsanker und jene Verhaltensweisen, die mich nur von einem unsicheren Hügel zum nächsten springen lassen, ohne je festen Stand unter den Füßen zu haben. Diese Bildsprache hier ist mir zu anstrengend; ich seh’ mal zu, was die Zwischenvisite sagt. Bis dann.
…
bzw. bis jetzt: Die Visite bei einem Dr. Matthäus ging rasend schnell. Zu schnell. Und beim reinen Erwähnen meiner Emo-Schubs gings fast schon wieder los. Das ist glaubich doch nichts für die leichte Schulter und am nächsten Mittwoch ist jemand für mich im Einzelgespräch vorgesehen. Wo ist jene Frau Dr. Werner, die meine Aufnahmeuntersuchung hatte? Darf ich die einfordern für eine weitere Zwischenvisite? Denn ich möchte länger hierbleiben und ich möchte ein paar Dinge loswerden. Und ordnen. Ans Ufer legen und damit leben können. Bis dahin setze ich mich in den Wald und heule so viel ich kann wenn ich muss. Bisschen Gras dazu? Du meine Güte.
…
Mitteilungswahn: Sonographie an Schilddrüsen und Leiste für etwaigen Verdacht bei leicht geschwollenen Lymphdrüsen. Sowas sind Anhaltspunkte u.a. für möglichen Krebs. Ich liege da und geniesse die gleitbegelte Halbkugel, die samt Draht leicht an meinem Körper kitzelt. Und währenddessen denke ich kurz daran, was jetzt wäre, wenn sich ein bspw. Krebs-Verdacht herausstellen bzw. erhärten würde. Merkwürdig: Keine Reaktion. Es ist mir egal. Ist das Urvertrauen oder tatsächlich schon nicht mehr wichtig? Oder eine Schutzhaltung? Schon wieder soviel Gedachtes um etwas, das übrigens keinerlei Bestand hatte.
…
Das hier ist mein Sanatorium, an welches ich schon so oft dachte. Das Meer fehlt vielleicht noch, aber vielleicht beim nächsten Mal. Sagen wir: Mai?
…
Vergiss das EMO-Ende. Der erneute Ausbruch liegt im unglaublich stark wirkenden Yoga, es sind dabei viele Gedanken und alles schwingt so zwischen „alt“, „neu“ und „geht nicht“ und "geht doch". Das scheint die normale Angst vor Neuanfängen, das ist die alte Angst aus dem Bisherigen, das ist der Moment, in welchem ich ganz für mich und sehr traurig bin. So ist es nunmal.
eine Woche Kur, acht Uhr
… mit einer Tüte voller guter Nachrichten:
es war die beste Entscheidung zum gerade noch richtigen Zeitpunkt, aus dem mir unentschlossenen und damit gefährlichen Grau zu entkommen. Sämtliche Atem- oder Aufrichtungsversuche zuhause hätten so nicht stattfinden können.
Alkohol auf exakt null
sieben gerauchte Zigaretten in acht Tagen (an zweien garkeine)
Bewegung, Bewegung und immer neue Anwendungen für alle Bereiche des Körpers
Wald, Natur, frische Luft und der Herbst macht bunt statt traurig
traurigschön ist es dennoch: entweder löst sich etwas in mir oder die Erkenntnis, mich auf mein Leben wieder einlassen zu wollen, wiegt so schwer, dass es mich oft beutelt. Was auf eine gewisse Ernsthaftigkeit dieses Unternehmens hinweist.
ich schlafe gut, zwar mit vielem Aufwachen und auch Träumen, aber insgesamt passt es perfekt, auch wenn die Uhrzeigerverhältnisse jetzt 22:00 zu 06:30 heissen - ich bin mein eigener, wunderbarer Wecker
meine körperlichen Ambitionen bedürfen sogar kleiner Bremsen: ich gehe, laufe, radfahre übermütig durchs Gelände und bin anschließend doch noch sehr erschöpft
meine geistigen Ambitionen sind nicht übermütig, aber sehr intensiv. Ich fühle mich nicht negativ beeinflusst bzw. schwierigen Umgebungen ausgesetzt. Das hier ist geschütztes Land: mir kann und will keiner was tun und ich bin frei im Denken und Fühlen. Und wir sechs Ladies am Tisch bilden ja eine kleine Solidargemeinschaft
ich war lange nicht so klar im Kopf und müsste diesen Zustand also als möglichste bzw. optimale Basis annehmen. Was die ideale Basis wäre, käme einer Aufzählung meiner Lebensvorstellungen und -wünsche gleich. Ein Versuch?
Dazu habe ich derzeit keinerlei Gefühl, nach Hause zu wollen. Vielleicht auf einen Sonntag, aber nicht für länger. Es sind viele Gedanken in mir unterwegs, ich kann merkwürdig schnell schöne Texte schreiben und widme mich immer wieder meinen alten "üblichen" Themen. Eines der wohl wichtigsten scheint mir die Frage nach meinen permanenten Reflexionen, meiner empfundenen Mittelmäßigkeit samt analogem Selbstbewusstsein und meines sich daraus generierenden immer bisschen schwer anfühlenden Lebens. Ich glaube an die Richtigkeit dieser Denkrichtung, weil ich weiß, wie Motivation bei mir funktioniert und welche positiven Auswirkungen sie haben kann.
Ich bin sehr froh über mich.
…
Genug gefreuheult. Mittag. Die Sache mit der vielen Denke gibt mir … na? zu denken. Genau. Mindestens die Hälfte davon ist doch sicherlich überboardendes Zeug, was aus einem kleinen bloßen Gefühl heraus entsteht und sofort durch mich versucht wird, interpretiert und eingeordnet zu werden. Hier wäre eine Sortierung sehr angebracht. Schönes Beispiel nach Ernährung / Kraft / LWS-Kraft: Sowas müsste ich zuhause immer machen. Und laufen. Am besten morgens. Und so einen Schaumstoffball brauche ich dann. Und eine Matte … Das ist wie mit dem Wein aus der Toskana, der zuhause einfach nicht mehr so schmeckt wie am Originalschauplatz.
Und das ist noch nicht alles. Hölderlin hat’s ja in meinen Song „Hello die Nacht“ geschafft mit dem Zitat „Glück wird gedankenvoll und tatenarm zerredet.“ Weil die Grenzen zwischen Gedanke, Erkenntnis, Optimierung und praktischer Umsetzung so dermaßen zerfließen, das am Ende nie klar wird, wann und ob es denn überhaupt noch lohnt „es“ zu machen. Und natürlich strengt es an. Und na klar gibt der Alkohol am Abend seinen Senf dazu und das ganze Gewirr ist zum Scheitern verurteilt, wofür die anderen an die Frontseite der dafür Schuldigen rekrutiert werden müssen. Gute Erkenntnis. Weitermachen!
(es werden über 20 Grad mit sehr viel Sonne in den nächsten Tagen. Oberdeck!)
Diagnosys & Yogajesko
„Das HLA-B27 wegen Bechterew haben wir jetzt nachgewiesen, aber Rheuma haben Sie nicht.“ So oder ähnlich formulierte es Carlo Weimann. Wie ich aus meinem ersten Fachvortrag entnehme, ist alles, was damit zu tun hat, Rheuma mit entsprechenden Faktoren und Auswirkungen, welche es bereits bei Skeletten aus 7.000 v.Chr. zu finden gab. Ich darf mir an dieser Stelle mal selbst einen Fachvortrag liefern und mich dabei parallel zuordnen:
Rheuma ist eine Störung des Immunsystems, also eine Systemerkrankung. Man unterscheidet Rheuma in degenerative, entzündliche und weichteilrheumatische Erkrankungen. Das Immunsystem versucht wie immer gegen Eindringlinge, Schädlinge, Bakterien … vorzugehen und entsendet seine Schutztruppen, die entweder unspezifischer (groß = Makrophagen, Phagozyten = Fresszellen) oder spezifischer Natur sind (T+B Lymphozyten als anfangs Rohlinge ohne besondere Aufgabe auf ihrem Weg zum Krisenherd „gebrieft“ werden) Eiter im Gelenk, also eitrige Arthritis hat bereits Hippokrates neben der einfachen Arthritis nachgewiesen. Paracelsus beschrieb es als tartarische Krankheit und später fand man heraus, dass es sich um eine Entzündung des Blutes als eigentliche Ursache handele (Thomas Sydenham). Seit 1899 gibts Aspirin zur Verhinderung der Verklebung der Trombozyten = roten Blutplättchen, was den Schmerz reguliert. Und heute spricht man von Spondylitis.
Dieser versuchte man entgegenzuwirken, in dem man sie erstmals ab 1937 bis 1948 überhaupt als Rheumafaktor nachwies, 1948 mit Kortison dagegen anging, 1961 mit Gold und Chloroquin und erst 1974 mit Diclophenac. In den 90ern gabs CDX-II-Hemmer und 1998 CCP-Antikörper. Und erst im Jahr 2000 wurde das erste Biologikum zugelassen. (Kann es sich dabei um das wahnsinnig teure Cerzyci… handeln? Der Zettel dazu liegt auf meinem Schreibtisch)
Zurück zu den Formen des Rheumas: Degenerativ und Weichteilrheumatisch lassen wir hier raus und widmen uns der „entzündlichen“ Seite. Die unterscheidet sich also in Arthritis, in Spondylitis Ankylosans (tadaaa!), Kollagenosen und Vaskulitiden. Auch hier wird schnell verständlich, was wir weglassen und kommen zum Thema:
Nahezu alles, was die Bechterew Geschichte betrifft, kann ich mit mir vergleichen. Vorab was Statistisches: 70-90% sind Männer. Bei denen wiederum haben 90-95% ein HLA-B27 positiv. Insgesamt betrifft das nur 0,9% der Bevölkerung (europäisch oder weltweit?)… Man geht von einer Vererbung über jeweils 2 Generationen aus, ganz sicher ist das nicht. Es beginnt im Alter zwischen 15 und 40, meist bei 25. Das ist extrem exakt mein Zeitraum.
Beginnen wird es mit Ischias-artigen Beschwerden, die ich allerdings noch als lustiges Kitzeln über meinem Hintern in der „neuen“ Pettenkofer Straße wahrnahm. Der Nachweis ist über ein MRT zu erbringen: Dort wird man eine meist beidseitige Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke mit einem Grad von 2-4 feststellen. Ich musste folgerichtig feststellen, dass ich tiefsitzende und vor allem schleichend fortschreitende Kreuzschmerzen hatte, dass in der zweiten Hälfte der Nacht und insbesondere morgens die Steifigkeit und der Schmerz zunahmen, die meinen Schlaf also verkürzten. (Das wird sich später noch als ungesund und lebensverkürzend herausstellen.) Gerne kommen auch stechende Schmerzen hinter dem Brustbein (siehe Umarmung Jago, Berlin) und eine zunehmende Verkrümmung der Brustwirbelsäule.
Mit Bewegung lindern sich die Symptome. Stimmt. ich erinnere mich an die Bluesjackets oder meinen Sprung von den Dünen in Dänemark, weil ich fuck-off endlich wieder so beweglich und agil sein wollte, wie ich es von mir kannte. Den Sprung habe ich damals nicht besonders gut überstanden. Und überhaupt kann ich sagen, dass es mich sehr wurmte, ich aber nicht allzuviel Aufhebens davon machen wollte. „Herrjeh, Rückenschmerzen haben wir ja alle mal“. Aber wenn sie nicht aufhören, sondern schlimmer werden und wenn du mit deinem Schmerz allein bist, nicht richtig schlafen kannst und kein Arzt dich auf die richtige Idee bringt (…) dann wird es schwierig. Womöglich kann das auch dazu beigetragen haben, dass ich das Leben als schmerzlich und irgendwie anstrengend empfand, insbesondere, weil die Zeit des Mittzwanzigers nach der politischen Wende eine durchaus prägende war. Wie aber war es denn vorher? So zwischen 6 und 20?
So. Jetzt haben wir alles beisammen? Ach, noch was neuerliches: Die Symptome Fersenschmerz waren ja Anfang des Jahres ziemlich akut und Tobi meinte noch, dass sowas beim Bechterew vorkommt. Okay. Aber ich darf auch dazu sagen, dass in 2011 etwas Wunderbares passierte: Mit dem MRT und Weimanns Befund des deutlich nachweisbaren HLA-B27 war erstmals Klarheit geschaffen. Hinzu kam Tobias, der wieder in mein Leben trat und dann? Dann war alles plötzlich weg. Für sehr lange Zeit. Zwischenzeitlich erinnere ich mich an das Promi-TT, bei dem ich immer mal mit der Kelle hinten an der BWS schubbelte, in der Hoffnung, dieses blöde Ziehen ginge weg, aber einen richtigen Schub gab es nicht mehr. Erst wieder, als ich nach dem Sommer 2016 beim Kieser Training wie gewohnt weitermachen wollte. Da gabs einen bösen Krach im Gefüge und mein Körper, regiert vom HLA-B27, war mächtig und sauer auf mich. Hinzu käme vielleicht auch mein Unmut im Puppentheater, der sich aber nicht so richtig für mich klären ließ, es sei denn mit den üblichen Vorsätzen, es ab jetzt besser zu machen. Was es nicht wurde.
Was es insgesamt wurde, sehen wir jetzt hier: Ich hab den mir einzig sinnvollen Strohhalm ergriffen und bestimme dieses mein Handeln und Denken als letzte Instanz, es für mich richtig zu machen. Komisch, das gereicht nichtmal zur Heulerei (nur'n bisschen), es steht so felsenfest als Entschluss im Raum, dass ich mir zugestehe, dieses Leben noch nicht aufgeben zu wollen. In Verbindung mit dem frisch gelesenen Buch Mr. Alex Woods und dem Mr. Peterson macht es mir noch mehr deutlich, dass ich nicht nur tun kann, was ich will, dass mir (außer einem bösen B-Schub) nichts passieren kann, sondern dass ich auch in der Lage sein sollte, über dieses mein Leben frei zu bestimmen - ausserhalb jeglicher Konventionen und guter Ratschläge, wie man dieses oder jenes macht.
Zitat: „Es ist immer leichter, sich dem anzupassen, was andere denken. Aber Prinzipien zu haben bedeutet, das zu tun, was richtig ist, nicht das, was leicht ist. Es bedeutet, eine gewisse Integrität zu haben, und das ist etwas, das man nur selbst kontrollieren kann. Niemand sonst kann sich daran vergreifen.“ Und weiter (hier im Sinne der Sterbehilfe und des Wortes LIBERAL): „Liberal bedeutet, dass ich der Meinung bin, jedem Menschen sollte gestattet sein, seine eigenen Entscheidungen zu treffen - ohne dass ihm andere Leute vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat. Die einzige Einschränkung dabei ist, dass man niemandem schaden und niemanden ausbeuten darf.“
DAS ist meine Maxime! Jetzt kommt es nur darauf an, mich von den Prinzipien anderer zu lösen und meinen eigenen Willen klarzustellen. Das geht schon seit Jahrzehnten so, gell? Wie lange dauert das noch, bis ich verinnerliche, was mein Innerstes mir sagen will?
YOGA: hier habe ich eben eines erkannt: Es beginnt fast immer in Rückenlage und es ist für mich ein enormer Graus, so zu liegen. Sehr sehr unbequem und es macht griesgrämig. Die Übungen sind anstrengend, aber ja doch wirksam. Am Ende der 30 Minuten liegen wir wieder so da und es ist mir sogar angenehm, so zu liegen. Großartig. Und damit wird's wieder weinerlich in mir. Fazit: Zum einen dehnt und löst sich muskulär was in mir, das das Stück Gummiseele offensichtlich gleich mitnimmt, weil diese zum anderen nämlich merkt, dass Missstände durchaus und selbst lösbar sind, wenn man denn weiss, wie es geht. Das ist so einfach und so machbar, dass ich mir im Vergleich mit dem Leben da draussen die Frage stellen muss, wieviel ich bereit bin, zu meinem Leben selbst hinzuzugeben, um in so einem Subsidiaritätsprinzip bestehen zu können.
Ich merke schon, die erkenntnisgeschwängerten Fragen und Bemerkungen häufen sich; hoffentlich wird's am Ende nicht diffus. Von daher gehe ich erstmal wieder durch den duftenden Wald rennen. Langsam, Junge, langsam!
Tischgespräche I und Leipzig I
Ein vorfrühstücklicher 3200 Meter Lauf durch den trübdunkel duftenden Wald. Noch zu früh für Behauptungen, meine Kondition bahne sich einen Weg durch das bisherige Nichts. Aber der Anfang fühlt sich gemacht. Langes Frühstück. Langes Lesen mit Pictures Within von John Lord. Zwischendrin Blicke nach draussen- ich habe so viel schöne Zeit nur für mich und es gibt keine Alternative dazu. Großartig. Und ich kann es so sehr geniessen.
Ein langes Mittagessen mit den diesmal nur drei Damen Birgit, Annette und Barbara. Es wurde intimer. Jeder erzählt ein bisschen was von sich. Und jeder ist sehr ehrlich. Warum auch nicht, es gibt nichts zu befürchten. Selbst ich lasse es aus mir heraus, dass ich 47 bin, schmerzfrei hier meine körperliche und geistige Motivation wiederfinden will. Sogar, dass ich meinen Job kündigen werde, um mich neu umzusehen. Bin wiedermal erstaunt, dass ich so offen bin. Weil ich es loswerden will? Weil ich es für mich festigen und damit offiziell machen will? "In einem gesunden Körper wächst ein gesunder Geist" - mit dieser Grundlage fange ich die Damen zu informieren an und bemerke sofort, wie es sich wieder in mir zusammenbraut und heraus will. Es scheint wirklich meine letzte Instanz, mein Rettungsanker oder immerhin mein Notfallset hier zu sein, dem ich sehr aufrichtig gegenüber stehe. Bravo und weiter so.
Barbara war diejenige, die uns durch den Erstlingsdschungel verholfen hat. Tinnitus auf Basis einer ordentlichen Depression. Und so nachvollziehbar wie unlösbar. Birgit hatte mal mit ihrer Straßenbahn ein Kind überfahren. Oh, es geht ans Eingemachte. Wir sind sinnigermaßen Outlaws im Sinne einer funktionsorientierten Gesellschaft.
Es ist weiterhin gut und ich fahre jetzt zu Mario, Gardis und Frieda nach Leipzig auf'n Stück Torte. Jawollja. Und rückwärts werde ich bestimmt mal eine rauchen. Was ich ja insgesamt für ein Phänomen halte: Alkohol ist komplett raus und selbst die obligatorische eine Zigarette am Tag hab ich gestern sein lassen.
P.S: MarioGardisFrieda: Na die haben's sich fein gemacht mit einem Häuschen im Grünen - Stadtrand Connewitz. Es ist alles irgendwie schwedisch und einfach gehalten. Und selbst gemacht. Sehr sympathisch. So wie die drei selbst. Viel geredet, vielleicht sogar zu viel, mir wurde 2-3 mal schwindlig dabei. Wie hier miteinander umgegangen und den Tatsachen ins Gesicht gesehen und den Möglichkeiten entgegengelacht wird, ist großartig; dass und wie die beiden zum Swing gefunden haben, bewundernswert und mit welcher Weitsicht gemeinsam auf die durchaus streitbaren Dinge dieses Universums geguckt wird ... was ich meine, ist: hier findet ein intensiveres Leben statt, als ich es bisher betrieben habe. Das soll keine Abrede meiner Umstände sein, aber ich spüre, dass es weit mehr vom Leben abzurufen gilt als die üblichen kleinen, einschätz- und überschaubaren Abläufe. Für später zum Mitdenken.
Mensch
08:30 PMR: Der kurze Moment einer erneut beginnen wollenden Traurigkeit. Wegen tatsächlicher Gelöstheit? Oder wegen Erinnerung an die Zeiten des Studiums, als wir solche „Reisen“ erstmals erlernten und die damit einhergehende Erinnerung an frühere Zeiten? Ich glaube, darauf zielt es auch ein wenig ab und ich bin mir nicht immer sicher, ob ich einfach nur traurig oder sagen wir, weinerlich sein möchte, weil es mir sonst selten gelingt, ob es damit also aufgesetzt und beabsichtig ist. Oder weiterhin ob meiner Vorstellung, mit all dem Ganzen hier mich endlich wieder einkriegen und ausrichten zu können.
Das Problem der großen Reflexion. So viele Möglichkeiten, so viele Fragen, so unklare und ich glaube auch unnötige Antworten bzw. deren Versuche. Mein Wesen in all seinen für mich spürbaren Vor- und Nachteilen wird niemals zu ändern sein, wohl aber der Umgang damit, das Einverständnis mit mir, das Vertrauen in mich und die bitte weniger werdenden Worte zugunsten der einfachen Taten. Ohne Angst, aber mit Zuversicht.
Und damit sind wir wieder beim Vergießen bitterer Zähren … die jedoch nicht ohne Hoffnung den Staub meiner Gedanken mit sich nehmen.
09:30 Krafttraining. Vielleicht provoziere und unterstütze ich tatsächlich meine kleinen aufkommen wollenden Weinattacken. Wenn ich nur wüsste, warum. Vielleicht dient dieses Beispiel: Eben beim Krafttraining wurde einer Frau auf dem Hometrainer übel und sie musste sich hinlegen. Die Trainerin hockte beruhigend neben ihr, eine Schwester kam hinzu und am Ende wurde sie stabil aber dennoch mit dem Rollstuhl herausgebracht. Mir schien, dass die Frau wegen ihres Zustandes ein bisschen weinen musste. Ich war sofort mit von der Partie. Die Ruderin tröstete sie noch beim Rausrollen und alle wünschten ihr gute Besserung. DAS ist die Form von Menschlichkeit, von Gemeinsamkeit, von Schutz und Geborgenheit, wie ich mir das Leben vorstelle. Nebenbei bemerkt stelle ich dabei fest, wie zerbrechlich so ein Leben sein kann. Und wie schnell möglicherweise zu Ende.
Wahrscheinlich ist das alles Eiapopeia und wer in normal gesellschaftlichen Umgebungen nicht stark genug ist, muss halt untergehen. Oder wenigstens zum Säufer mit Selbstmordabsichten werden.
Es bleibt also dabei: Entweder arrangiere ich mich mit meinen Ansprüchen in meinen Umgebungen oder ich muss das Universum bzw. jene Ansprüche wechseln.
Oh, und schon wieder ein neuer Text:
Das erste Mal
23.09.2017
11:00
Alles was du sagst, ist nicht verbindlich
alles was ich fühl, ist Unsinn pur
so sagen die erachs’nen großen Leute
zu denen ich seit vielen Jahr’n gehör’.
Ich darf jetzt über Rasenkanten springen,
darf mich benehmen wie’s mir grade passt.
Lautstark solche Deutschlandlieder singen
wofür man früher abging in den Knast.
Die triste Litanei der Pädagogik endete genau in jenem Jahr _ als wir das erste mal uns liebten und ich wahrscheinlich sehr betrunken war.
Bloß keine Angst vor deinen Fragen
die Antwort behalte ich mir vor
Ich kann ja was ich will egal wie sagen
die Wahrheit flüstr’ich dir ins rechte Ohr.
Wir wechselten die Jahre und die Liebe
entschieden erst nach Logik, dann nach Bauch.
Dass du ein Mann warst, kam mir sehr entgegen,
ich hätt’ wohl sonst zu lang dafür gebraucht.
Autosuggestionen war’n vergeblich und endeten genau in jenem Jahr _ als wir das erste mal uns liebten und ich wahrscheinlich erstmals glücklich war
instr.
Das Ganze hier ist schwerlich zu begreifen der frohe König kommt am besten klar: _ seit wir das erste mal LEBTEN und ich wahrscheinlich einverstanden war. und ich wahrscheinlich einverstanden war.
die Tage lang
09:00 - this fucking yoga
draussen. Leibesübungen, die bis in den kleinsten gemeinen Winkel ziehen und Unbehagen mitsamt Unmut verschaffen. „Wieso darf der das?“. Mittendrin gehts schon wieder los. Die Tränen schiessen sich den Weg frei. Ist das normal? Danach in kurzer, aber voller Breitseite. Ganz ehrlich hätte ich nichts dagegen, mich mindestens noch eine ganze Woche auf diese Weise leerzuheulen. Fühlt sich wie eine Reinigung an, alles muss raus, damit Gutes einziehen kann. Hoffentlich passt diese Erklärung und ist nicht der Ausbruch irgend(m)einer Depression.
# weil ich mich wieder zu spüren beginne?
# weil die Abstinenz vom Alkohol mich wieder klarer werden lässt?
# weil ich irgendwiewarum Mut fasse?
19:00 - Annäherung
Sehr interessant zu beobachten, wie sich die Dinge so fügen. Anfangs war alles so extrem neu und unbekannt und unsicher. Man flüchtigte Blicke zu den Tischgesellinnen, schob kurze vorsichtige Sätze mit ein. Und Barbara samt ihrem Gegenüber war natürlich die Heldin - weil schon zweidrei Wochen da und damit die Informationsperson unseres Vertrauens. Selbiges schöpft sich jetzt nach und nach immer mehr mit und füreinander. Es wird geredet über den jeweiligen individuellen Tag, was am Abend noch und am nächsten Tag Weiteres passieren soll. Man wird vertrauter, solidarisiert sich, gibt mehr und mehr von sich preis. Eben saßen wir über eine Stunde beim Abendbrot und erzählten. Meistens darüber, wie der Frauen Männer zuhause so hilflos sind. Und ein bisschen freuen sie sich natürlich darüber, denn es bedeutet eine Bestätigung ihrer selbst. Seltsam, dass dieses Rollenbild noch immer so verbreitet ist. Barbara ist 57, wenn ich es richtig verstanden hab. Also 10 Jahre nur älter als ich.
In 10 Minuten beginnt ein Tanzabend bei alkoholfreiem Sekt. Indirekt wurde mir bedeutet, das ich durchaus dabei sein sollte. Oh.
Die Tage sind voll mit Aktionen und ich weiss am Ende eines solchen fast nicht mehr, was am Morgen war, weil es mir vorkommt, als wäre das gestern oder noch weiter davor gewesen. Das ist gut, denn die Zeit hat hier (ausser bei den Anwendungen) nicht das Sagen. Allerdings einen Song, den ich heute vormittag an Jörg geschrieben habe "Die Zeit":
22.09.2017 / 11:00
DIE ZEIT
Hier ganz in der Nähe, von früher verwaist
verwilderte Ufer, ein Junge als Greis
tauscht die Rollen, was sollen sie hier sonst (auch) tun?
Das Dorf liegt im Sterben, der Fluss zum See
versiegt und verloren, dort, wo niemand geht
vermoderte Asche, ein Friedhof - die letzte Instanz.
Still ruht die Zeit, der letzte Tanz gehört dir.
Die Blüte der Jahre, der Herbst und das Gold.
Er weint um sich selber, still und gewollt,
Endlich was Endliches, da führt kein Weg zurück.
Still ruht die Zeit, das letzte Glück gehört dir.
Keiner hat hier ein mutiges Wort
verloren, verlogen, vergeigt.
Es herrscht das Gesetz der Realität
am Ende bleibt nichtmal die Zeit.
Die wurde erfunden, damit parallel
nicht alles auf einmal passiert.
Die heilt keine Wunden, die kann man nicht stehlen
mit ihr wird gern paraphrasiert.
Sie schreit ihr Elend - in sich hinein
das Echo gewaltig, damit bleibt sie allein
im Notstand des Lebens, das längst nicht mehr will.
Hier ganz in der Nähe, Revolte, Radau
sie geben sich nicht mehr zufrieden mit dem - was sie
sind, was sie werden und bleiben und was sie verflucht.
Still ruht die Zeit, der letzte Versuch gehört dir.
Still ruht die Zeit, der letzte Versuch gehört dir.
Agro-Yoga meets Emo-Jesko
Unvorstellbar, aber tatsächlich: Bewegungen, die beim Yoga eher Unbehagen mit nahendem Unmut veranlassen, bei dem es nur noch fehlt, dass der Oberyogist mahnt, die Schultern auf dem Boden und die Knie bitteschön endlich zusammenzulassen (was er natürlich nicht tut, aber es würde prima passen und für mich ausreichen, stampfend den Saal Leipzig zu verlassen) ...
Kehrtwende Yoga Teil II. Same procedure, aber plötzlich die Einsicht, dass mir niemand Böses will und mich so machen lässt, wie ich es mir selbst eingestehe. Und plötzlich ist er wieder da: der großartige ehrliche EmoSchub, der mir verheisst, dass es möglich ist, dass es geht. Und es geht tatsächlich. Langsam annähernd, aber machbar. Motiviert. Das sind die Momente, bei denen es wie jetzt mit mir durchgeht und ich die Tränen nicht halten mag. Wahrscheinlich liest sich das hier merkwürdig einfach. Und ich kann's ja auch nicht erklären, aber hier erklärt sich gerade mein unbedingter Wille zu Leben, weil ich weiss, das es möglich ist.
Buuuh, ich seh hier nix mehr und gehe wegen der ganzen Heulerei jetzt ma'n bisschen durch'n Wald laufen.
.... abends ...
wusstest du,
dass beim Rückwärtsgehen im Schwimmbecken der Hintern sehr schwabbert?
dass es zur Konditionsrückgewinnung mehr als einen Waldlauf braucht?
dass Kondition und Kraft trotzdem möglich sind?
dass Yoga sich anfangs fies anfühlt, es aber bald eine positive Wirkung hat?
dass alles zusammen hier das Beste ist, was mir im Hinblick auf meine kläglichen Kleinversuche Zuhause passieren konnte?
Ich bin gespannt, wie es sich nach der Einfahrphase anfühlt. Im Moment überheult es mich noch immer sehr, wenn ich bedenke, mich auf diesem Wege als guten Freund zurückgewinnen zu können. Natürlich heisst es währenddessen und noch mehr danach: Dranbleiben. Soviel hab ich glaubich noch nie am Tag gegessen. Soviel hab ich glaubich noch nie am Tag für meinen Körper getan.
Sport frei. Die Seele kommt ganz sicher nach.
eins, zwei, Emoschub
Tag 1: Angekommen, alles neu, alles fremd, bisschen komisch, aber nun gut. Immerhin die Aufnahmeuntersuchung 13 Uhr wandernd versäumt, weil ich mir so viele neue Dinge auf einmal tatsächlich nicht merken konnte. Ich wurde sogar aus- und dann angerufen, während ich im Restpostenmarkt Brandis nach Strümpfen suchte. Meine ersten Wanderungen brachten mich an einen Steinbruch, bisschen ums Land und damit dürfte ich bereits alles von Wald, Berg, Feld und Ort gesehen haben. Aber egal. In mir keimte am ersten Tag bereits eine sehr emotional gefärbte Freude darüber, dass ich es jetzt endlich angehe und mein Leben rette.
Tag 2: Die erste Therapie- ein aus meiner unsportlichen Sicht sportlicher Waldspaziergang über 3 km in 30 Minuten, der mir mühelos gelang. Nur manchmal konnte ich mich fast nicht im Zaume halten und hätte am liebsten drauf losgeheult. So wie jetzt beim Schreiben hier. Was ist das? Die Freude über das Ergreifen lebensbejahender Maßnahmen? Der Erfolg sachten Beginnens ohne müde machende Übertreibung aus falschem Ehrgeiz? Oder einfach nur durch den morgendlich feuchttriefenden Wald dampfen? Wahrscheinlich alles zusammen.
Ich fühle mich gut aufgehoben und denke dennoch soviel (Reflektion as usual), begebe mich gleich in ein EKG, gehe dann Rückenschwimmen und freue mich auf meinen ersten Einsatz an den Kraftmaschinen, womit anschließend atmendes Yoga den ersten Therapietag beschließen wird. In wie immer überschneller Denke möchte ich weiterhin jetzt schon verlängern.
Kurtag 0
Alles ist gepackt, alles vorbereitet, alles wichtige erledigt. Ready to get off it all. Mir entging fast, dass ich mir schon so lange eine viktorianische Villa mitsamt mir in einer Art Sanatorium vorstellte, in welchem ich großen Abstand nehmen könne, Kopf und Seele freibekomme und mich in einer heilenden Umgebung finde. Genau das habe ich jetzt vor mir (nur ohne Villa) und ich sollte nicht vergessen, dass dies eine seltene Chance ist, von Allem Abstand zu nehmen. Und mir gleichzeitig nicht zu viel von alldem versprechen. Denn in 3-4 Wochen werde ich meine Persönlichkeit nicht dahingehend umstellen können, um mit dem Leben zurecht zu kommen. Aber ich kann immerhin in diese Richtung sehen. Und Alkoholstopp mitsamt sehr viel Bewegung draussen wie drinnen und Zeit für mich - was will ich mehr?! Nichts anderes hat Bestand und ich werde mich hoffentlich in und mit mir wiedersehen.
"Captain, wir fahren die rasselnden Maschinen jetzt langsam herunter und treiben aufs offene Meer."
Kurruhe
Gerade mit Vicky Kühne telefoniert, damit sie mir aushilft bei den PuppeFotos Moskau. Auch sie hat so eine psychosomatische Kur vor einigen Jahren gemacht - es ging ums Burnout. Sie war in Bad Liebenstein in Thüringen am Wald. Kleiner Tipp: Handy, Laptop und solche Zeugs hatte sie alles mit und hätte es fast bereut: Lass alles fallen und lass dich nur auf dich ein. Denn um nichts anderes gehts hier.
Nun hoffe ich sehr, dass auf Grund meines Antrages von damals und Fragebogens zur Aufnahme dort in Brandis die psychologische Unterstützung auch tatsächlich größerer Bestandteil meiner Kur sein wird, damit Körper und Geist zusammenfinden und bei der Seele einen schönen 5 Uhr Nachmittagstee trinken.
Aufbruch
Puppentheater Pressegespräch. Prima gelaufen. Erfolg. Sitze draußen in der Sonne bei Lennart und so Leuten und sehe dem Fotoshooting bei Suse entgegen. Für den Moment alles gut. In genau solchen Momenten gedenke ich der Zeit, in der das dann nicht mehr so sein wird und die Leute hier im Puppentheater zu fremderen Leuten als vorher werden.
Und ich muss mir in solchen Momenten auch im Klaren darüber sein, was ich mir von dieser Kur erhoffe. Es droht nämlich ein bisschen wegzudriften, so, als wäre es nur eine kleine Auszeit. Es weniger eine Auszeit als ein Versuch des klaren Bekenntnisses zu mir. Und ich hoffe, dass ich die Unterstützung dort bekomme, die mir gut tut. Ein Tagebuch im Tagebuch mit der Kategorie "kur" habe ich hiermit begonnen. Um mich zu beobachten. Noch 7 Tage bis Start.
Reformhaus 1
Heute beim Abschied aus Reform war mir ein bisschen sonderlich zumute. So als ob ich garnicht gehen möchte. Ein Anflug von Gewöhnung an uns beide und Reform. Natürlich mit der Vorstellung, Stadtfeld und die Leute dort nur ungern ziehen zu lassen. Und ich überlegte, ob es mit meinem persönlichen Aufbruch, mit meinem re:new zu tun hat und ich deshalb Unterstützung bzw. Beistand benötige. Das war schon ein paar mal so: Geht es ans Eingemachte, ist Tobias mein verlässlicher Fels in der Brandung. Was aber passiert, wenn ich meine größten Schritte größtenteils hinter mir habe: Drängelt sich dann wieder mein Murren nach vorn, das mehr "Leben" und Aktion und Interessen einfordert und Tobias für das Fehlen dessen verantwortlich macht?
Ich formuliere es mal so: Wenn ich es schaffen sollte, mich aufzubauen und zu stabilisieren, mir wieder mehr kreativen Freiraum und Antrieb zu verschaffen, dürfte so ein Zustand ja garnicht erst entstehen. Denn dann hab ich viel mehr Kraft und Sinn nach den schönen Dingen des Lebens und ich muss Tobias nur noch ebenso davon überzeugen.
Entzug 1
... oder Das Geheimnis meines Misserfolges. Das ist eine hoffentlich im Spaß gemeinte Headline. Also: Erste Woche Puppentheater mit dem gleichzeitigen Versuch, den Alkohol stark einzudämmen. Auch in Vorbereitung auf die Kur, die dann vollends alkoholfrei sein muss. Sonntag, Montag klappte es ganz gut mit jeweils 2 kleinen Gläsern Wein oder Dienstag mit 3 od. 4 kleinen Bieren im Bluenote und nichts weiter zuhause. Das funktioniert. Mittwoch im Aldi mit der Idee erwischt, eine Flasche Wein zu kaufen, die sich bis Wochenende durchschlängelt. Nach 2 Gläsern wurden es dann doch 4 einhalb. Das schlug über die Strenge, ging aber gerade noch so. Donnerstag die Entgleisung: 3 Bier mit Jörg und Frank Schöpke und drei weitere im Bluenote. Zuhause ein halbes restliches Glas Wein von o.g. Weinflasche. Und damit heute das gewohnte leicht elendige Sausen. Mag auch gerade noch als möglich gelten, tut es aber nicht. Dabei habe ich beobachtet, dass die Abneigung, weiter im Theater beschäftigt zu sein, stark steigt. War ich Anfang der Woche wieder etwas skeptisch und argumentationsarm, war ich heute felsenfest überzeugt, keine Argumente brauchen zu müssen.
Nun gut, wie weiter? Das mit den 2 (kleinen) Gläsern Wein am Abend mag okay sein, aber ich fürchte eine nahezu aussichtslose Herausforderung des kontrollierten Trinkens. Vor allem der Mittwoch mit der Idee der Flasche Wein und nur 2 Gläsern, die dann doch fast zur vollständigen Flaschenleerung führte. Was wars? Nicht betrunken genug? Noch zu früh am Abend? Interessantes im TV gabs nicht wirklich und auch sonst hatte ich nichts sonderliches zu tun oder zu denken. Alles sprach für ein gutes Ende des Abends. Womit es bereits gedanklich wieder losgeht mit der Frage, was einen guten Abend eigentlich ausmacht ...
Dennoch: Ich bin immerhin von 87,1 auf 85,3 Kg gerutscht. Sparsames Essen im Kontrapunkt mit Bier, das ja hoffentlich reinigt und spült und natürlich viel Fett mit sich reisst. Get bloß bald real, Darling!
vom Wesen meiner Arbeit III
Die bisherige Form meiner Arbeit bestand größtenteils in der Verrichtung von Tätigkeiten für andere mit dem Ziel, damit Geld zu verdienen und nicht all zu lange oder intensiv damit beschäftigt sein zu müssen. Zumindest kann ich das für einen Teil der Hörbuchproduktionen und dann natürlich die komplette Zeit im Puppentheater behaupten. Weil ich bei letzterem nicht "drin", sondern nur "dabei" war - der Erfüllungsgehilfe. Und ich fand mich immer neben der Bühne vor, leicht desillusioniert und verstimmt. Das klingt etwas dramatisch, kann aber für die meisten völlig normaler Alltag sein. Arbeit, Freizeit, Urlaub, Rente. Von dieser Lebensweise weiß ich immerhin schon, dass ich sie so nicht haben möchte. Das ahnte ich schon bei den Semesterferienjobs beim Technikhaus Gündel.
Mir schwebt eine ineinandergreifende sozusagen interdisziplinäre Tätigkeit vor, in der ich aufgehen kann, die nicht von Zeit oder Tag abhängig ist und somit das Leben einteilt in Arbeit und Freizeit. Das ist als Selbständiger natürlich auch gefährlich, aber machbar. Und auch als Angestellter: Das war meine Intention betreffs Puppentheater. Und manchmal fühlte sich das fast auch so an. Dann aber wurde es restriktiver und komplizierter, es kamen Zeiterfassung und andere rückschrittlich gefühlte Maßnahmen. Doch dies ist nicht die Geschichte dieses Mädchens.
Um herauszufinden, WAS ich in meinem Leben möchte, macht es Sinn, zusammenzuschreiben, was dazugehört und wie das realisierbar ist. Anlauf. Geruhsamer. Im Einvernehmen mit mir selbst. Selbstbewusst und entspannt. Alles andere wie freundlich, optimistisch, höflich ... ist seit Anbeginn eingebaut.
Forumlierung
Ich benötige Hilfe bei der Formulierung eines für mich guten Lebens!
Das ist die Essenz aus meinem kleinen Spaziergang eben an der Elbe. Ich dachte daran, das man mich bei der Kur fragt, was ich von dieser Kur erwarte. Und ich brachte auf den Punkt: "ein gesunder Geist in einem gesunden Körper (Mens sana in corpore sano). Beides bedingt sich also. Körper und Geist verlangen nach einem update, einem renew. Auf die mir selbst gestellte Frage, wie ich das wohl anzustellen gedenke, gedachte ich der Sachlichkeit mancher Leute, die mich inbesondere im Puppentheater umgeben. Da wird wahrscheinlich ungedenk solchere weiteren Umstände wie Geld, Familie, Soziales ... auf folgendes Raster gesetzt: Ist dies dein Leben, mit dem zufrieden bist? Wenn nein, wo liegt das Problem und dessen Ursachen? Weiter: Kannst du das Problem lösen und zum Positiven wenden? Wenn nein, warum nicht? ...
Spätestens dann kommt die Frage, ob es an den Verhältnissen liegt und welche Verhältnisse du dir für dein Leben überhaupt vorstellst. Wenn du letzteres nicht beantworten kannst, wird es aussichtslos sein. Falls es aber die äußeren Umstände sind, brauchst du sie nur zu wechseln. (und gib' nicht zuviele dauernde Zweifel in diese Überlegungen; diese Abwägung kann nützlich sein, aber nur, wenn sie mit kurzem, klaren Blick betrachtet wird).
Nunja, ich bin in Schreibwutlaune und habe das Gefühl, immer alles gleich aufschreiben zu wollen, weil es gut und vor allem logisch klingt. Da muss ich ein bisschen aufpassen, denn zum Sortieren reicht das hier nicht. Nur zum Erinnern. Und erneut: Ich benötige Hilfe bei dieser Sortierung.
Start puppen's final
Tja, fühlt sich schon komisch an, so ein Wiedereinstieg, von dem ich weiß, es soll der letzte sein. Und es ist komisch, wenn Kempchen sich erkundigt, wie der Urlaub war. Und Bernhardt einen Scherz versucht "bevor du reinkamst, war's noch schön". Vermutlich sehe ich alles Kommende mit etwas anderen Augen. Das wird nochmal anders, wenn ich meine Kündigung durch hab. Und natürlich fühlt es sich doof an, wenn ich mir die Kollegen ansehe, das Haus betrachte, mein cooles Büro (ja- ich werte bereits), mit Leuten hier spreche ... das werden alles noch sehr wankelmütige und inkonsequent-gefährliche Situationen, wenn es darum, mich und meine Gründe für meinen Ausstieg erklären zu müssen, bzw. auch zu wollen. Das sollte ich hier mal klar darlegen. Und Katrin mit einbeziehen; denn es ist weiterhin merkwürdig: Wir waren beide auf demselben Weg, ich borge mir von ihr Mut, An- und Einsichten und Argumente und am Ende dreht sich alles etwas um: bei Katrin bleibt's wohl, so wie es war und ich muss es jetzt allein durchziehen. Und ich verdränge die negativen Situationen so schnell und kehre sie in meine eigene Verantwortung = Schuld(!) um. Und dann wackelt alles.
Und mal sehen, ob die Gerüchteküche sich nicht bis Mitte Oktober bereits etwas vorerarbeitet hat. Es wird spannend und eines dabei klar: Es kann mir nichts passieren, außer dass ich nach möglicher kleiner Durststrecke etwas Neues, für mich Schöneres, Lebenswerteres beginne. Mich in ein Leben bringe, in welchem die Verbindung von Arbeit, Freizeit, Liebe, Leben eine fließende ist- die nicht alles strikt trennt und mich nur nach Hause zu den Simpsons bringen möchte. Es wäre gut, herauszufinden, welch Typ ich eigentlich bin und warum es mir so schwer fällt, meine ureigensten Intentionen herauszustellen (bevor ich mich überhaupt an die Herbeiführung machen kann). Na denn mal los.
amplitude peak
Heute, Samstag, nachher werden jeskom im gestern sehr schick illuminierten Garten spielen. Das wird gut, glaube ich. Alles andere allerdings liegt brach. Es fühlt sich an, wie weggesoffen oder einfach aus mir entnommen. Ich habe weder Anreiz noch, Idee, noch irgendein Gefühl für irgendetwas, das ich aus mir machen könnte. An meinen Träumen merke ich das ebenso, an meinen verspannten Kiefern und dem pünktlich antretenden Herpes auch. Ich würde es fast als aussichtslos bezeichnen. Fast? Weil ich mir noch eine gemäßigte Hintertür sichern will, bevor ich vollends den Dienst am Leben versage?
Die peaks der Amplituden sind stark und werden sich wieder einordnen, denn ich habe mir doch deutlich etwas vorgenommen, oder nicht?
Status Finale August
Was war der August? Hier die Kurzfassung: Ein Besuch mit fehlgeschlagenem Zwischenversuch Dresden und Ronald dann in Zittau bei Katrin und Eltern und Schwester. Sehr ruhig, sehr bedacht, genau, sehr schlecht geschlafen.
Anschließend Sehrkurzbesuch Görlitz und dann auf einem leeren Campingplatz bei Niesky, Talsperre Quitzdorf mit anrührendem Ost-Charme von Ferienlager und Armee-Camp und irgendwie rechter Gesinnung in der Luft. Gitarre mit Rotwein und Regen. Tags darauf viel Fahrrad mit Seeumrundung und Gedenke auf der Suche nach einer Flasche Wein für den nächsten und damit letzten Abend dort.
Kurzvisite zuhause. Wahrscheinlich viel Alkohol und Bluenote und Vergessen. Dann A summers tale Festival in Luhmühlen. Dank Presseausweis und frühem Eintreffen irgendwie auf dem Staff-Platz gelandet, statt den weit entfernten Camps für Presse oder Womo. Viele Fotos, Jacqueline und Heide gelegentlich und abends getroffen. Sehr angenehme Treffen. Ansonsten irgendwie immer bisschen verloren und unklar, warum ich hier bin. Zwiespältiges Gefühl zwischen Aktion und Sinn. Begemann fetzt. Get well soon auch. Und Pixies und PJ Harvey - aber die Musik habe ich bereits wieder vergessen. Ich war wohl nur da, statt dabei.
Freitag homewards, Tobi und die Überlegung, wohin denn nun? Kurz-Ent-schluss gegen 22:00 wegen Wetters für Kroatien. Nächsten tags alles Restliche von zuhause geholt und 14:00 los. Bis zur Tauernautobahn und einem Camper-Rastplatz. Zum Glück, denn es gab nichts zu sehen auf der Autobahn. Dann schlug der Versuch fehl, auf KRK was Schönes zu finden - das war wohl das Mallorca Kroatiens. Also Camping Nähe Senj mit Bora. Aber schon mit Adria und warm. Nächsten Tag Camp Stine. Alle anderen Vorhaben wie KRK und HVAR also abgeblasen. Heiss. sehr heiss. 43 Grad im Schatten. Bewegungslosigkeit, Aussichtslosigkeit und unklar, ob ich das bewältige. Irgendwie gings dann und zum Wochenende kam eine Bora vorbei und brachte mich erstmals unter die warme Dusche, weil 23 Grad sehr kalt waren. Zweite Woche nur etwas weniger heiss, aber besser. Ich gewöhne mich dran. Siehe Jamaica-Hitze.
Es wurde eng für die JESKOM Texte. Zu heiss, zu untätig. Ab und an ein paar Fetzen, jetzt aber schnell aufschreiben! So sachte nimmt es Form an, aber geprobt und auswendig sollte das auch noch kommen ... Leaving Croatia an einem Donnerstag bis zur Raste Bayrischer Wald, Schnellbesohlung und erster wohltemperierter Schlaf. Allerdings zu kurz und somit müde Restheimfahrt. Aber geschafft und 13:00 Uhr zuhause.
Probe Sonntag. Von 11:30 bis 18:00 im Thiem. Die letzten Zeilen der Jeskom Texte kamen anschliessend. Dann das Konzert am Mittwoch im Gartenhaus im Stadtpark. Aufbau und alles zusammen ab 14:00, Ende und im Bluenote dann ab 23:30. Vier Bier, zwei Wodka, zuhause fast eine Flasche Wein (!).
Das Konzert war erfolgreich und gut besucht, wenn auch musikalisch und insgesamt etwas wackelig. Ist aber stabilisierbar. Auf die spätere Frage Katrins, ob es gut und erfreulich für mich war, antwortete ich: "DIE Freude hab ich. Das war sogar ziemlich wichtig: Spurensicherung, Beweislast, Aufklärung." Morgen (Samstag 26.8.) ist die nächste Show im Weinladengarten. Immer noch leichtes Lampenfieber. Schlimmer aber noch:
Schweres Unbehagen. Aber wieso? Schwer zu erklären, ich vermute eine dolle Depression, denn mir fällt nicht viel dazu ein, außer: Der Urlaub ist schon vorbei? Mist! Puppentheater Montag? Oh bitte nicht! Aber was würde ich denn lieber machen? Keine Idee! Stattdessen muss ich Zwangskürzungen vornehmen, damit mich der Alkohol nicht vollends fertig machen kann. Ich schwebe total im Nichts und probe ab und an die Songs für morgen, aber mehr ist nicht drin. Laptop an, Facebook auf, alles wieder zu, TV an, Radio an, Rumgucken, Nichtstun. Unwohl fühlen, bisschen panische Traurigkeit.
Ich setze all meine Hoffnung in:
sachlichen Einstieg Puppentheater mit klarer Linie und entspr. Umsetzung
Kurbeginn am 19.9. und der großen Hoffnung der drei Dinge: Alkohol weg, psychische Stabilisierung, neues Körpergefühl mit Dranbleibeffekt
Rückkehr Puppentheater nach 3 oder 4 Wochen und: Vertragskündigung
... für alles danach wünsche ich mir Kraft und Stabilität, Unterstützung durch mir wohl gesonnene Menschen, eigene Ideen für mein Leben ab August 2018 und die konsequente Umsetzung. Dazu gehören neben Körper & Geist auch die realistische Einschätzung über manche meiner Wunschsituationen und Vorstellungen über das Leben, die ich aus Beobachtungen generiere, aber selten selbst für mich hinbekomme. Deshalb "realistisch", denn all jene hier im Vielfachen genannten Faktoren, die zu meinem Un- / Wohlsein bisher führten, sind ordentlich abgegriffen. Da hilft dann auch keine Erkenntnis, dass jedwelche kleine Motivation zu größeren Sprüngen in Sachen positiver Sichtweise verhelfen könnte. Tut sie nämlich immer seltener.
Ich beisse sehr an meinen Zähnen rum und bin einigermaßen verspannt. Jetzt muss irgendwas passieren.
Erholung?
Auch dieses Thema gab's bestimmt schon mal: Wie nutze ich die mir zur Verfügung stehende Zeit, um das Beste für mich herauszuholen? "Kommt drauf an, was man will", lautet hier eine gute These. Im Sinne der Erholung jetzt in meinem langen Urlaub: Was könnte ich tun? Was tut mir gut? Den ganzen Tag am See liegen. Kann ich machen, wird mir aber nicht gefallen. Irgendwohin reisen, nach Berlin fahren, Leute besuchen? Den ganzen Tag verschlafen? Einsiedelei: Morgens nen Joint und gucken, was passiert? Sex am See? Nachtwanderung? Die ganze Bude umräumen? Tun, was ich schon immer mal ... und wieder vergessen hab.
Das ist alles Mist und verständlich, wenn ich so leer wie zuvor beschrieben bin. Und es gibt solche Wiederholungen wie nach Dänemark fahren und "sich wohlfühlen" wollen. Zu verkopft klingt das alles. Und damit aussichtslos. Ich hab leider auch keine guten Gedanken an Liedtexte, die es noch zu schreiben gilt. Worüber denn? Dass mein Leben mal wieder so schön so aussichtslos scheint? Das hörste dir zweidrei Songs an und freust dich über die letzte Strophe, die von Zuversicht singt. Alles Quatsch.
Also wie jetzt? Keine Idee erstmal. Obwohl: die alte Vorstellung: drei Tage entgiftend und entspannt durchschlafen, aufwachen, sachte zu mir kommen, plötzlich eine Idee haben, Kaffee trinken, klar werden, die Idee für gut befinden und alles dran setzen. Gut, das reicht dann hier erstmal.
P.S.: Mir würde es schonmal reichen, wenn ich aufhören könnte, an und mit den Zähnen zu nagen und zu klappern.
level near zero
In der Tat sind nicht nur meine Antriebe und Interessen stark abgeflacht, damit einhergehend macht sich auch eine gewisse Dummheit bei mir breit. Denn wo kein Feld der Be(s)tätigung, da keine Erkenntnisse oder vertiefende Einsichten. Und noch ein bisschen tiefer gegraben, sind meine Urlaubsziele nahezu bedeutungslos, bzw. es gibt garkeine. Tobi und ich haben festgestellt und wussten es natürlich schon früher, dass wir wenig Interessen haben, zeigen, nachgehen. Statt weit weg an bedeutsam klingenden Länder- oder Städtenamen zu verweilen, dürfte uns auch locker der Dreetzsee oder weniger reichen.
Das darf ich keinesfalls hinnehmen und setze sehr viel Hoffnung in meinen angekündigten Wandel. Denn wenn in mir nichts passiert (und die Komplettierung JESKOMs bereitet mir derzeit große Mühe), dann werde ich weiter nach unten, hinten abdriften und alles verliert an Bedeutung, letztlich an überhaupt irgendeinem Sinn am Leben. Das klingt grauslich, dennoch denke ich immer nur an "morgen, wenn alles besser wird". Wird es aber irgendwie nicht. Im Umkehrschluss fühlt sich mein Aufhören im Puppentheater nichtmal gut an. Aber es ist immer noch besser, als mich ständig den Gefahren durch meine Unfähigkeiten und den entsprechenden Reaktionen der anderen ausgesetzt zu sehen. Und ich glaube dazu, dass ich es gerade in solchem Zustand sogar noch ein bisschen schwerer mit anderen Menschen hab und lieber allein bleibe. Allein mit mir, mit dem ich mich auch nicht wohl fühle.
Nun, es ist ein sehr heisser und past Hiccups-Ouzo Tag gewesen. Level near Zero könnte vielleicht auch helfen beim Leermachen, aber so ganz scheint das nicht der richtige Weg zu sein.
das leere Reiseschiff
Vorweg ein "ooh!" Das ist die Zusammenfassung meines aktuellen Fühlens. Dienstag nach Zittau zu Katrin, Schwester und Eltern: okay, wenn auch ein klein bisschen anstrengend für mich wegen der permanenten Aufmerksamkeit auf ungewohntem Terrain (und vergleichbar mit den Anfängen in Steinheid). Mittwoch irgendwo bei Niesky am See ganz allein auf einem Ferienlagercampingplatz. Große Freude zu Beginn, nach sehr viel Gitarre zwei Flaschen Rotwein im plätschernden Busdachregen halb Neun in den See und weitergeschlafen bis 13:00 Uhr. Dann Stauseeumrundung ca. 20 km mipm Rad. Währenddessen viel und gut denken können. Abends Sülze & Bratkartoffeln, wieder Gitarre und nur eine Flasche Wein. Heute morgen nach Bus-Start-Problemen irgendwie aggressiv hektisch über die Autobahn, bis sich das zum Glück legte. Es ging mir postalkoholisch nicht unbedingt schlecht. Als Magdeburg näher kam, wurde es immer leerer in mir. Es war keine gute Leere, sondern eine, die mir partout nichts einfallen lassen will, was ich mit mir anfange. Wo ich doch jetzt alle Zeit und Möglichkeiten habe. Irgendwohin weitercampen an irgendeinen See - ja, und dann? Irgendwas Besonderes tun nur um des Tun willens? Es reicht nichtmal zum Schwimmenfahren an den Barleber. Totenstille in Herz und Seele. Die Legende vom Ende? (siehe Anhang)
Ich fürchte mich sehr vor dem Gedanken, dass mein Ende im Puppentheater nicht viel an meinem eigentlichen Zustand ändern wird. Ein psychoemotionaler belasteter Zustand, in dem ich mich nicht festlegen kann, nicht geniessen und weniger denken kann um mich einem Projekt oder einer neuen Arbeit mit Tatendrang und Lustgewinn zu widmen. Meine einzige Hoffnung liegt im konsequenten Vermeiden von Alkohol, einer guten und aufbauenden Kur für Körper und Geist und der Generierung neuer Kräfte und Ansichten. Diese immer wieder auftauchende gähnende Leere wird mir noch zum Verhängnis, dessen bin ich mir schon sehr sicher. Und die Notfallnummer für Suizidgefährdete sollte ich mir sachte ins Telefonbuch legen.
dates2017-08jeskom
Katrin und ich aus Katrins Sicht
Nachdem wir gestern (Sonntag, 16.7.) also nach Puppens Ende an der Elbe entlangspaziert sind und so geredet wie geschwiegen haben, während ich mich immer wieder sehr unwohl vor allem während der Schweigepausen fühlte, weil ich tatsächlich gern mehr für Katrin empfinden möchte, als ich es (derzeit) tue; und dieser Abend ein angestrengtes und unklares Gefühl hinterließ; und ich heute immerhin auf ihre gestrige Frage, was ich jenseits aller Biologie und Schleimerei für sie sei, antworten konnte, dass sie keinesfalls nur mein Zug aus dem Weg hier (Puppentheater) raus ist. Aber so richtig erklären konnte ich mich ihr gegenüber auch nicht. Nur soviel, dass ich ihr gegenüber sehr viel mehr über das Erleben denn über (geschriebene) Worte spüren, werten, oder notfalls erklären kann.
Ich bin im Moment ziemlich durch, erneut betrunken genug, um mich zwar über so viele meiner Aktivitäten heute wie den Besuch bei Peter Bruckner nebst Lebensgefährten Werner mitsamt einiger Einsichten ins Puppentheater seit den Mitte 60er Jahren bis ca. 2006, den Besuch der Finissage Jonathan Gentilhomme im Buckauer Engpass und das abschliessende Dings beim Wein-Micha und anschliessend Bluenote mit Micha und Jörg Bay zu freuen, aber ansonsten nur noch Katrins Mail hier rein posten zu können, die mich einigermaßen ergriffen hat.
Katrin hat eine sehr scharfe und sortierte Sicht auf die Menschen und Situationen, die sie jeweils umgeben. Ich bin derzeit eine/r davon und das hier ist ihr Resümee auf uns, unsere letzten Jahre und gestern. Ein Resümee, das mich sehr berührt hat.
................
Lieber Jesko.
Ich habe das Gefühl, dass es gut wäre, dem gestern schlussendlich also doch stattgefundenen Gespräch, das für mich an zu früher Stelle endete, klare Worte hinzuzufügen. Dass wir beide bestens poetisch, ironisch, wortspielerisch schreiben können, haben wir zur Genüge bewiesen. Klarheit ist unsere Stärke dabei manchmal nicht. Macht ja auch weniger Spaß. Ich will mich nun einmal darin üben. Sicher ist das ein Akt der Selbsttherapie - aber genauso wichtig wäre mir, dass du weißt, woran du mit mir bist. Und, dass wir das Thema damit ad acta legen können.
Vielleicht wirst du mir hin und wieder Reflektiertheit und Logik nachsagen. Sei aber gewiss, dass ich in diesem Belang weder reflektiert, noch logisch bin, noch es überhaupt sein will - sondern ganz und gar Emotion, eine Freude, die ich mir aber nicht mehr leisten darf.
Als ich die (undeutlich formulierte) Frage fragte, ob eine Klärung vor der Zäsur gut wäre, oder ob der Schwebezustand besser sei, da ging es mir natürlich um dich. Die Klärung kam und sicher ist das richtig so. Ich würde die Frage aber auch jetzt nicht zu beantworten wissen. Es war schon auch sehr schön, sich Gedankenträumereien hinzugeben. Habe das sozusagen bewusst selbst kultiviert und, wie man so blöd sagt, mit dem Feuer gespielt. Hätte das vielleicht auch noch ein Weilchen weiter getan. Aber bringt ja nix. Muss man mal irgendwann aufwachen.
Dass wir in diesem Jahr über die Brücke des Anti-Theaters (hey, hat doch was Gutes, das Ganze!) zusammengewachsen sind, hat den Illusionsofen ordentlich angeheizt und ich habe mich gern daran gewärmt. - Halt, ich werde schon wieder malerisch. - Rein objektiv und psychologisch betrachtet, hast du eben alles, was mir in meiner unzulänglichen Beziehung fehlt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn anziehend in verschiedensten Punkten warst du für mich von Anfang an. Sowas gibt's eben manchmal. Und dann muss man dazu stehen und es zulassen ;-)
Grundsätzlich begleitet mich der Hang zu dir, glaube ich, seit ich deine Lieder zum ersten Mal hörte. Es kam mir damals unmöglich vor, an so einen wie dich "ranzukommen". Freundschaftlich jetzt. Ich war überaus überrascht, wie schnell das doch ging. Da müssen wir uns also doch recht bald als irgendwie Gleichgesinnte erkannt haben. Freilich ging die Initiative zur Freundschaftsbefestigung lange, lange maßgeblich von mir aus - war's mir aber wert. Ich zehrte und zehre sehr an den Gesprächen, Schreibereien und Thesen mit dir. Deine queren Gedanken und noch verquereren Formulierungen mag ich nicht mehr hergeben. Kenne da nichts Vergleichbares. Und wenn du von Pferde stehlen, Dünen wandern, Liedern am Lagerfeuer, endlos lieben... sprichst, kann ich nur innerlich JA schreien. JA und JA. Und wenn ich einmal so vorbehaltlos JA sage (was selten genug geschieht), dann bin ich auch radikal bereit für alles, was dazu gehört.
(Wie ich leben möchte, hast du gefragt. Meine Vorstellungen sind so klar wie unkonkret: intensiv, leidenschaftlich und mit aller Konsequenz. Dass man mir das meist nicht anmerkt, liegt vermutlich daran, dass ich die JA-Stellen eben nicht so leicht finde. Aber wenn ich sie habe, dann kämpfe ich dafür.)
Im Übrigen muss dir das alles gar nicht unangenehm sein. Du kannst ja nichts für deine schöne Stimme, dein merkwürdiges Denken, deine große Emotionalität, dein ganzes offensichtliches Versteckspiel der Unsicherheit, deine Intelligenz - ach, was solls: dein ganzes Du. Ich kann aber auch nichts dafür, dass es mit mir macht, was es macht.
Bin dann sehr glücklich gewesen, vor allem im letzten Jahr zu sehen, dass unser Zusammenhang nicht mehr so derart einseitig war. (By the way: Was ist eigentlich aus meinen polnischen Postkarten geworden?) In meiner Wahrnehmung hast du zunehmend Signale ausgesendet, die mir nahelegten, dass du mich in gewisser Weise "brauchst". Vermutlich vor allem als Zug aus dem Puppentheater (besser als nix, wenn auch mir nicht entsprechend). Und, um noch ehrlicher zu sein, ging das bisweilen so weit, vor allem in deinen Schreibereien, dass es (sicherlich ungewollt) mehrdeutig wurde. Ein gefundenes Fressen für meine tendenziöse Interpretationslust. Übertrieben formuliert: Wärest du nicht du gewesen, sondern ein "normaler" und heterosexueller Mann, dann hätte ich die Lage als (fast) eindeutig eingeschätzt. Da ich aber wusste, dass du eben du bist und das gut so ist, weil ich genau das liebe, kam Eindeutigkeit gar nicht in Frage (wohl aber Interpretation). Ein schöner Zustand. Solange er nicht zu tiefgehend wird, denn dann kannste zusehen, wie de dich aus dem Sumpf ziehst.
Übrigens ist es kein Selbstschutz, wenn ich sage, dass ich ziemlich sicher keine Beziehung mit dir führen könnte. Ich kenne mich und weiß, dass ich von einer Beziehung meinen Teil fordere. Und glaube ernstlich - vielleicht ist das eine Unterstellung - dass du das nicht geben könntest (ja, ich glaube, du brauchst deine ganze Kraft für dich und zeigst geradezu allergische Reaktionen auf Einschränkungen). Darum denke ich ja, dass der Tobi ein sehr guter Partner für dich ist. Abgesehen davon gibt's ja aber noch tausend Varianten jenseits der Konvention. Na, ich habe mir da keine konkreten Vorstellungen gemacht - wäre einfach mit Kopfsprung ins Wasser gesprungen und eingetaucht.
Es bliebe übrigens zu spekulieren, warum ich zum zweiten Mal in eine so intensive, aussichtslose und dennoch nicht änderbare Gefühlslage geraten bin und was ihr Schwulen wohl an euch habt. Jedenfalls bin ich dem Schicksal da ernstlich böse. Ich hoffe sehr, es revanchiert sich eines Tages und schick mir eine große Liebe, für die ich ebenso vorbehaltlos alles auf den Kopf stellen würde, wie für euch. Und die das dann auch tut, versteht sich.
Es bleibt ein allumfassendes Gefühl von Einsamkeit. Weil ich an euch beiden Lieben sehe, wie sonderbar ich bin. Und nicht weiß, ob es jemanden gibt, der diese Sonderbarkeit mit mir teilt. Nunja, ich bin noch nicht so alt, dass ich hier aufgeben sollte. Nur ist Abwarten nicht immer die leichteste Übung.
Bleibt zu fragen, wie weiter. Ganz einfach: genauso wie bisher. Glaube mir, der Albrecht, mein bester Freund, hat keinen Schaden an mir genommen und ich nicht an ihm. Ich werde mich auch bei dir wieder einkriegen. Wie gesagt - ich muss nur meine Gedankenspiele beenden und wieder aufs vorherige Level kommen. Das war doch ein ganz gutes, oder? (Freilich kannst du davon ausgehen, dass ich dich noch lange, lange lieben werde - denn was 4? 5? Jahre dauert, dauert sicher noch weitere. Aber eben nicht so akut, sondern mehr so grundsätzlich.) Ich würde dich nach wie vor sehr gern immer mal wieder umarmen, denn das gibt mir ein Gefühl von großer Geborgenheit. Wenn dir das zu weit geht, sagste's. Und auch sonst sagste, was zu sagen ist, OK? Vielleicht sollte man sich manchmal um klarere Worte bemühen. Wobei die Poetik so viiiiiel schöner ist. Na, da haben wir's wieder.
Lass uns einen guten Sommer haben. Lass uns positive Thesen verfassen. Lass uns im See baden. Und, bitte, bleib mein Freund.