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authentisch betrunken
Dieser Beitrag ist frei aller Form. Denn ich bin betrunken nach dem Bluenote und tausender Biers nebst zweier Wodkas und versuche, es schnell und kurz zu beschreiben: Am Sonntag gabs fĂŒr meine MĂŒhen, meine Eltern aus Braunschweig abzuholen, 3 Flaschen köstlichen MĂŒller-Thurgaus in jeweils 1-Liter Menge. Heute ist Dienstag und ich hab die dritte Flasche eben aufgemacht, nachdem ich aus dem BN kam und bereits ordentlich durch bin. Das Ganze ist Wahnsinn. Es ist ist der nahe Tod oder das Aufgeben jeglichen Lebensmutes in mir. Oooh, wie schlimm. Aber in echt: So geht das keinesfalls weiter. So gibt es keine Aussicht auf jedwelche Idee, mein Leben zu gestalten.
"Morgen ist nichts" - juchhu. NICHTS ist der treffende Ausdruck: Kein Ziel, keine Idee, eine diffuse Form von ... ja man, screw you. Sowas hier aufzuschreiben, ist Blödsinn. Reflektiert garnix und liebt nicht. Weiss nix. Will nix. Kann nix.
Du meine Fresse, das ist ... so wie immer. TschĂŒs.
Nachtrag nĂ€chster "Morgen" um 11:00. Das ist unglaublich, mit welch einer Vehemenz und Aufrichtigkeit ich mich allabendlich zugrunde- bzw. hinrichte. GroĂe Bitternis schwingt darin und es scheint eine nahezu ausweglose Situation zu sein. Suche ich nach einem noch tiefer liegenden Endpunkt, der mir erst mit einem Knalleffekt verdeutlichen muss, dass es JETZT an der Zeit ist, mich zu entscheiden, ob ich zum Leben oder dem Tod gehören möchte? Ich bin offensichtlich ausserordentlich entmutigt und freue michÂ ĂŒber jeden Tag, den ich verloren und versoffen ohne Termine aussichtslos verschenken kann. Mit kĂŒrzeren Worten: (nee, dafĂŒr finde ich keine)
polemisches Schwarzlicht
Die Sicht auf das Leben, das Universum und den Rest will und kann nicht positiv und leicht sein, wenn es an der Wurzel ĂŒbel wĂŒtet. Und ich begreife, wie ungestĂŒm sich schwarze Meinung auf falsche Meinung stapeln lassen, wie sich Ansichten grob unprofessionell und rein aus dem GefĂŒhl abgeleitet, generieren lassen, die alles und jeden in Frage stellen. Es gibt tĂ€glich so viele Nachrichten, Informationen und Meinungen um mich herum, dass sie schier unverarbeitbar erscheinen, wenn ich sie nicht sortiere und das Wesentliche, das fĂŒr mich Interessante herauspolke. Vielleicht macht es Sinn, in FĂ€llen gröĂerer Abneigung gegenĂŒber meines Zustandes alle Nachrichten und Informationen auszublenden und mich vergleichsbefreit und isoliert auf meine eigene Sicht auf mich zu beschrĂ€nken, um nicht dem Wahn anheim zu fallen.
Das Isolieren von Informationen hingegen ist leichter gesagt als getan, denn mit einem negativen GesamtgefĂŒhl ist alles andere - so positiv dessen Grundabsichten auch sind - dem polemischen Dauerfeuer ausgesetzt. Um bei mir anzufangen reicht es bereits, mir den Newsfeed auf Facebook oder die WhatsApp Gruppe der Brandis Kur anzusehen: Auf der einen Seite hat jeder etwas zu sagen, jeder hat irgendeine Meinung und die tatsĂ€chliche Wahrheit scheint es ohnehin nicht zu geben. DafĂŒr wird der Ton scharf. Und teilweise böse. Und ignorant. Und macht klar, dass es so etwas wie eine solidarische, demokratische Gemeinschaft niemals bzw. nur in knappen AuszĂŒgen geben kann, denen in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden Kriege folgen. Der Rest ist Selbstdarstellung und eine merkwĂŒrdige Dummheit, die ich selbst nicht verstehe. Was es einfacher machen sollte, es aber nicht tut. Eine gedankliche Anpassung der RealitĂ€t an das eigene VerstĂ€ndnis ĂŒber die Vorstellung vom Sein? Und vieles wirkt so dĂŒmmlich dazu.
Und ich bin im Ver- und Abgleichen im VerhÀltnis zu mir selbst besonders gut, um einen Standpunkt zu beziehen, eine Position zu finden. Und weil ich merke, wie wahnsinnig kompliziert und abhÀngig vom eigenen Zustand so etwas ist, versuche ich mich lieber von der Veröffentlichung meiner Meinung fern- bzw. abzuhalten. Ansonsten kann es nÀmlich passieren, dass ich den BeitrÀgen entgegenschrei(b)e, dass ihr allesamt doof und dem Untergang geweiht seid. Wobei ich wahrscheinlich mich selbst meine.
Probantproviant
Fast fĂŒhlt es sich an wie ein Tierversuch, bei dem ich der Probant bin, um herauszufinden, wie viel Alkohol gepaart mit grober UnfĂ€higkeit / Unwissenheit in Bezug auf eigene Ziele und Absichten im Sinne einer Lebensplanung notwendig ist, um aus einer lebensgefĂ€hrdenden Spirale eine todsichere Angelegenheit werden zu lassen. Der Proviant geht dabei nicht aus- im Gegenteil vermag ich es nun, unter Ă€chzendem Hangover am frĂŒhen Abend vorsichtshalber etwas Wein zu kaufen. Weil ja keiner mehr da ist. Auch wenn ich den natĂŒrlich nicht trinke. Oder halt ... vielleicht doch. Ja. Doch.
Wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas. Die Mechanismen sind beachtlich: Selbst nachdem ich meine Eltern nachts aus Braunschweig abgeholt hatte, damit sie schneller von ihrer langen Reise zuhause sind, gelangen mir noch 1,5 Flaschen Weisswein nachts um halb drei. Aber warum? Und es hat nichtmal sonderlich geschmeckt. Weil es sein MUSSTE? Au-ha!
In den sich jeweils anschlieĂenden Tagen fĂŒhle ich manchmal eine Art Ohnmacht auf mich zukommen. PanikĂ€hnlich. Das gabs doch schonmal: Das mich umgebende Niveau sinkt, ich fĂŒhle mich fast der Welt enthoben. Dazu gesellen sich Wortfindungsstörungen und eine groĂe Schlappheit, gepaart mit nicht nur sozialer Verlustangst. SpĂ€ter versuche ich dem entgegenzuwirken bzw. eine Wiedergutmachung, indem ich Sport treibe. VerhĂ€ltnismĂ€Ăig viel sogar. Radfahren ĂŒber 20 oder 40 Km, dazu Krafttraining. DemnĂ€chst wird Schwimmen dazu kommen.
Was soll ich weiters schreiben - es ist weiterhin ganz und garnicht gut. Und ich weiss aus jahrelanger Erfahrung, dass ich den Alkohol nicht handhaben kann; ich mĂŒsste ihn wohl ganz absetzen. Dann wĂ€re zumindest der Sport wieder sinnvoll. Sinn. Tja.
ganz kurz sehr schlecht
Es gibt solche Momente wie jetzt, die alles hoffnungs- / aussichts- / sinnlos erscheinen lassen. Ich weiĂ nichtmal genau warum, ich bin (alkoholfrei) vom Weltschmerz geplagt und verspĂŒre dazu eine groĂe Ohnmacht gegenĂŒber meiner Willenskraft, meiner Vorstellungskraft ĂŒber mich und mein Leben. Ich muss irgendwas machen. Irgendwas. Planlos, haltlos und nicht die Spur einer Möglichkeit, die ich wie einen Strohhalm greifen könnte. Alles andere, alternative fĂŒhlt sich genau so null an. So eine unbarmherzige Leere ist in der Tat ĂŒberhaupt nicht schön. Es fĂŒhlt sich so an: Ich mach' die 50 noch voll und setze mein Ultimatum: Wenn binnen dieser Tage ich nicht komm' um mich zu sehen, dann zahle ich das letzte Lösegeld.
Derweil habe ich ĂŒberlegt, ob eine Kategorisierung helfen könnte, die ewig selbe Litanei zu sortieren. Wie eine Art Abteilungsliste, in der ich ĂŒber Kindheit, Eltern, Jugend, Sex, Alkohol, Schule, Studium, HomosexualitĂ€t, Freunde, SelbstĂ€ndigkeit, ... referieren kann. Was soll das bringen? Erkenntnisgewinn? Sortierung? Und wenn, wie gehe ich mit den massiv vorhandenen Schnittstellen um? Eins greift doch ins andere.
Ach, es ist Freitag Mittag und ich werde trainieren, die FWA besuchen, um Geld zu machen und dann nach Reform fahren. Und dann sehe ich weiter.
Wimmerbys Alkoholkonsum
Ich schreibe, wie so oft, aus aktuellem Anlass. Die 6 Bier und dazugehörigen Zigaretten im BN bei bestem Husten waren inklusive der leicht labilen Stimmung des sich immer Wiederholenden offensichtlich nicht genug. Und so musste zuhause noch eine halbe Flasche Wein helfen. Gestern. Vorgestern. Vorvor ... Es wird (abgesehen von gelegentlichen Eskapaden) nicht unbedingt immer mehr, aber es wird immer öfter. Selbst das ist untertrieben, es gibt fast keine alkoholfreien Abende mehr. Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas.
So. Den Grund kenne ich: Selbstzweifel und Antriebslosigkeit, interessenloses Dahinvegetieren, Warten auf den Knall, der mir Beine macht. Wie leben? Wie lieben? Was tun?
Alkoholfreiheit ist die erste aller Basen, ĂŒberhaupt irgendetwas anfangen zu können. Irgendetwas ist aber zu wenig, zu unklar, zu ziellos. So wird es zum Kreislauf. Und die GefĂ€hrdung lag in hohem MaĂe schon immer vor. Das kann ich zurĂŒckerinnern bis an die AnfĂ€nge bei der "Ecke", ebenso auf Partys und viele weitere AnlĂ€sse wie Arbeiterfestspiele 1986, die Abende mit Oli = Oje, die gerne auch die Grenze des VertrĂ€glichen ĂŒbertraten. Das passierte noch selten. Aber Alkohol war immer Begleiter vieler Aktionen. In Berufsausbildung und Armee und Abi war alles noch im halbwegs normalen MaĂ, im Studium und mit den Bluesjackets wurde es dann deutlich mehr und öfter und wir waren fast immer fast volltrunken. Weitere Beispiele sind alle möglichen Barflys im Exlibris (wöchentlich!), oder in der Feuerwache, oder in Oberkossa und bei vielen weiteren, privaten Partys ...
Dann und dazu kamen der Kulturserver und das Manifestationsmoment mit Bach (Dieterloo), bei dem wir jeden Dienstag heftigst soffen. Drei oder vier Jahre mindestens. Dann kam die weitere SelbstĂ€ndigkeit mit LKJ, Spiesser, HörbĂŒcher ... und da war es schon sehr deutlich. Wie oft sind wir in die Redaktion nach Dresden gefahren und ich dachte, die Fahrt vollverkatert kaum bewĂ€ltigen zu können. Und es gab so viele Situationen, bei denen ich mich so arg gebeutelt fĂŒhlte, dass ich jedes Mal eine Art Versprechen an mich versuchte, um es genau zwei Tage spĂ€ter wieder zu brechen. Im Puppentheater war es anfangs noch ganz gut, allerdings stieg mit meiner eigenen wachsenden Unzufriedenheit dort auch wieder der Alkoholkonsum. Und das fĂŒhlte sich nĂ€chsten Tags sehr grenzwertig an. Mittlerweile befĂŒrchte ich, dass mein Körper immer weniger in der Lage sein wird, solche Frevel abzufangen und es mir Tags darauf so schlecht werden kann, dass ich kollabiere und mir eine Fettleber mit Hypertonie samt handfestem Krebs des Pankreas ins Haus steht. Dieses "schlecht" steht dazu in eindeutiger Verbindung zu meiner Psyche. Körper & Geist melden sich ab. Und damit ich mich im Ganzen auch.
Schön, das mal aufgeschrieben zu haben, denn es ist deutlich zu erkennen, wie so ein Kreislauf seine Schlingen enger zu ziehen weiss. Und ich erinnere mich immer und immer wieder an StĂŒbing, dem es nur mit groĂer Anstrengung und vor allem mit Hilfe von Freunden gelang, sich vollstĂ€ndig wieder aufzurichten und seinen 40. bereits stocknĂŒchtern beging.
Und es schĂŒrt die Angst vor all dem ZukĂŒnftigen: Wenn ich nun also eine halbe SelbstĂ€ndigkeit angehe oder mich ganz anstellen lasse ... es ist alles im Grunde Wurscht, wenn ich nicht einen Sinn finde, das mich das ganze Saufen sein lassen lĂ€sst und ich wieder Freude und Lampenfieber und Liebe und Neugier und Mut (...) als Mittelpunkt meines Lebens begreife. Irgendwann ist das Geld zu Ende, viellicht wohne ich dann bei Tobi, vielleicht wird alles ganz anderes. Dann muss etwas passieren bzw. ich etwas tun. Etwas. Es wĂ€re nur gut, JETZT etwas was zu finden, was mich mit dem Leben versöhnt. Ach ja, kluge SprĂŒche.
Ansonsten muss ich es wohl mit Oscar Wilde halten: "Die meisten Menschen existieren bloĂ, sonst nichts."
Trilemma
Da ich nicht unbedingt mit deutlicher Meinung und klarem Willen ausgestattet bin, ziehe ich gern den Rat Anderer hinzu, um mir aus dieser Melange eine ErklÀrung zu machen. Ich vertraue Anderen oft mehr als mir. Das Thema, worauf es sich bezieht, ist seit Monaten ein Trilemma und das Selbe:
Was will ich denn nun? PROÂ <-> CONTRA
Einen möglicherweise festen Arbeitsplatz mit festen Zeiten und sicherem wie "erfreulichem" Gehalt? Oder die halbe Stelle in der Agentur mit leichter Geldnot der anderen HĂ€lfte wegen, die ich aber mit freien AuftrĂ€gen kompensieren kann? Kann ich das? Der dritte Teil dieses Trilemmas bezieht sich auf die weitlĂ€ufige Unklarheit und SelbsteinschĂ€tzung meines Lebens, die solche typischen Fragen wir die hier AufgefĂŒhrten nur Teil eines GroĂen Ganzen Dilemmas sein lassen.
Ich habe sehr oft nur sehr wenige oder blasse Erinnerungen an meine bisherigen Entscheidungsverfahren und -/kriterien, die zu einem Entschluss fĂŒhrten. Warum habe ich denn damals im PT angefangen? Ah- weil man mich mochte und wolllte. Und weil es endlich! monatliche, gesicherte BezĂŒge gab. Aha. Bis es dann erst merkwĂŒrdig, dann komisch, dann schlimmer und letzten Endes Schluss war. Also vorher doof, mittendrin doof und jetzt doof. Alles doof.
Ebenso schwachblasse Erinnerungen an Erfolge, an Erlebtes, an GefĂŒhltes wollen mich entweder vor irgendetwas beschĂŒtzen, mich Ă€rgern oder mich zurĂŒckhalten, damit ich nicht genial werde. Als "Emotionale Demenz" hatte ich das mal bezeichnet. Alles mischt sich unter einen diffusen Nebel voller wabernden Kombinationen aus Erinnerung und GefĂŒhl und oft sind es die Anderen, die mich letztlich auf meine Tatsachen hinweisen, die ich selbst hĂ€tte wissen mĂŒssen. Und so sind es auch die Anderen, die mir bei dieser Entscheidung raten, die halbe Stelle anzunehmen, da sie geradezu optimal fĂŒr mich ist. Was ist denn optimal? Jedenfalls nicht diese Schwebe, in welcher ich den Boden unter meinen FĂŒĂen schmerzlich vermisse.
Ich weiss nicht, ob meine Lethargie erst im PT in meiner wachsenden Unzufriedenheit entstanden ist, oder ob sie schon immer latent auf mich lauerte? Mit diesem stĂ€ndig proportional wachsenden Unmut eines von Erfahrungen und Sichtweisen gerĂ€derten GefĂŒhls vermindert sich die QualitĂ€t der Aussicht auf das Modell namens "Leben", dessen wahrem Gehalt und der Konstellation RealitĂ€t versus Ich versus Zukunft.
Das ist alles so schön und halbschlau geschrieben; ich blende mit Worten und mache die MĂ€use zu Elefanten und diese dann zu rosa Elefanten und der Weg des geringsten Widerstandes fĂŒhrt geradewegs ins Nichts.
Deejay Dörians Selbstbildnis I
Es ist an der Zeit, der Lethargie zu entkommen. Es bedarf deutlicherer Gedanken, die weiterfĂŒhren und bestenfalls bis zu einem Entschluss samt Aktion denken. Die Reanimation gesunden GefĂŒhls und Logik muss sich verschĂ€rfen. Mein selbstzerstörerisches Sein & Tun muss (wie immer) aufhören. Es fĂŒhlt sich erfahrungsgemÀà mit einer unverkaterten Sicht auf die Dinge so viel besser an, auch wenn meine ungeordnete, ziellose Basis den gröĂten Risikofaktor darstellt.
Mich mit Mandy darĂŒber zu unterhalten, ist immer etwas unbequem und durchsetzt von meiner Skepsis ĂŒber ihre gesteigerten Ambitionen der Mensch-Welten-Selber-Rettung. Aber im Nachhinein hat sie auch die Gabe der Langzeit-Beobachtung und vor allem Erinnerung an und ĂŒber mich. Und das gibt mir Gelegenheit zum Innehalten, wenn sie darĂŒber spricht, auf welch sicherem Terrain ich mich vorsichtshalber und lieber aufhalte, als "drauĂen" auf meine FĂ€higkeiten zu vertrauen. Denn ich glaube tatsĂ€chlich, dass ich oft Blendwerk betreibe und die mich kennenden Leute in der Vermutung lasse, dass ich reich ausgestattet mit Intelligenz, Esprit und Schönheit bin. Und womöglich stimmt das ja auch; es fĂŒhlt sich nur fĂŒr mich sehr oft nicht so an, wenn ich enorm verunsichert RĂŒckzugsambitionen bzw. Fluchtgedanken hege. Und das hat es sehr oft gegeben. Meine Verunsicherung fĂŒhrte in einigen FĂ€llen gegenĂŒber mir weniger bekannten Leuten auch zu einerÂ ĂŒblen Ăberheblichkeit aus purer Angst.
Deshalb ziehe ich wahrscheinlich auch die "einfachen" Situationen mit entsprechenden Leuten bspw. im Bluenote vor: das strengt nicht an, das ist sogar oft sehr simpel und nicht unbedingt produktiv oder aufbauend. Und es macht betrunken. AnschlieĂend gebe ich mir zuhause gern den obligatorischen Wein-Rest und der Kreis schliesst sich. Und das seit vielen, vielen, vielen Jahren schon.
Ronald meinte damals Ăhnliches, wenn er mit Mandy ĂŒber mich sprach und meinte, dass ich aus meinem Schneckenhaus einfach nicht rauskĂ€me und meine FĂ€higkeiten weit unter meinen Möglichkeiten verkĂŒmmern lasse und mich statt in der inspirierenden Welt lieber im halbwegs sicheren Magdeburg in einer schwachen Sonne gehen lasse. (Das hat's jetzt aber sehr genau auf den Punkt getroffen!)
Und diese Angst vor Neuem, Anderen, Eigenem spĂŒre, ahne und vermute ich sehr wohl und immer mehr. Sprachschwierigkeiten, Interessen- und Ziellosigkeit sind die Folge. Verwirrung, weitere Antriebs- und Ideenlosigkeit, kein Lampenfieber vor möglichen neuen Taten. Und im besonderen Fall des JETZT geht es darum, was ich mit meinem Leben also nun vor habe. Festanstellung irgendwo mit irgendwas? Sicherheit? (ganz groĂes Thema!)
Diese Lethargie entwickelte sich schon frĂŒh, es ging ja bereits damit los, dass ich lieber im Puppentheater eine feste Stelle anfing, als mit meiner Musik loszuziehen (die GesprĂ€che mit Ronald finden sich hier garantiert auch irgendwo um 2011). Und es wurde schlimmer. Ich vermute, irgendwann nach der Olsenbande 2012. Einem kleinen Aufschwung danach folgte noch weiter danach ein um so gröĂerer Abstieg in vermutlich 2016. Und dabei hab ich noch groĂes GlĂŒck gehabt und konnte meine ZustĂ€nde wahrscheinlich gut ĂŒberspielen, wĂ€hrend ich pausenlos an den Tod dachte.
Freiheit versus Sicherheit. Aber wenn ich mit der Freiheit nichts anfangen kann, nehme ich den einfachen Weg der Sicherheit. Wahrscheinlich wie so Viele. Der noch unzufriedener macht und nebenbei dann auch diese Sicherheit in Frage stellt.
emotionale Demenz
Der September bluest mich vor sich hin, meinem rechten Arm geht es sehr sachte, aber immerhin immer besser. Ich habe quasi den gesamten August wegen dieses blöden, besoffenen Umfalles in den Sand gesetzt. Und wie so oft in vielen meiner Ansichten mich und das Leben betreffend, fĂŒhle ich eine emotionale Demenz. Neues Wort. Dass ich nicht an Erfahrungen von frĂŒher zurĂŒckgreifen kann. Vielleicht aus Angst, dabei schlechte Erfahrungen wiederzutreffen. Oder ich bin tatsĂ€chlich so oberflĂ€chlich, dass ich vieles erst mehrmals durchleben muss, um es zu begreifen.
Heute waren es un ich (und Ăberich?) wieder ziemlich dĂ€mlich in meinen Versuchen von Entscheidungen. Es war vorerst nur ein Friseurbesuch. Das klappte noch. Dann die Entscheidung, ob ich mit dem Rad zum Hassel fahre, Geld hole und auf dem RĂŒckweg einen Döner hole, auf den ich Appetit hatte. Und ob ich also jetzt / nachher ins Bluenote zu einer Band namens Lowry gehen sollte oder nicht. All diese Entscheidungen wogen sehr schwer und ich kann es nur einem Umstand zuschreiben:
Die Uniklinik lĂ€dt mich fĂŒr morgen zu einem VorstellungsgesprĂ€ch fĂŒr eine Stellenausschreibung, auf die ich mich irgendwann August beworben hatte. Huch! Wieso Huch? Naja, hier erklĂ€rt sich mein Dilemma: ich weiss immer noch nicht genau, warum ich mich auf diese Stelle beworben habe. Pro forma. Mit der FWA habe ich soweit alles ganz gut im Rettungsgriff: 10 Stunden ab November und 20 ab Januar. Wieso also dennoch diese Bewerbung? Naja, vielleicht pro forma und aus der diffusen Ansicht, wenigstens 'irgendwas anderes' probieren zu mĂŒssen. Aber betreffs einer solchen Einladung hatte ich die ganze Zeit Bedenken, weil sich die Frage stellte, was ich denn nun eigentlich tun möchte? Festanstellung Uniklinik? Halbe Stelle und halbe SelbstĂ€ndigkeit FWA? Auswandern? Ableben? Das ist insgesamt ein ziemlich dĂ€mliches Konstrukt.
Aber ich werde versuchen, dort morgen so aufgeschlossen und unvoreingenommen wie möglich aufzutreten, auch wenn ich nichtmal genau weiss, ob und was ich da will. MerkwĂŒrdige Voraussetzungen fĂŒr ein VorstellungsgesprĂ€ch, die sicherlich auch mit einer gewissen Angst vor Ablehnung (was durchaus passieren kann und eigentlich auch muss - denn so eine Unsicherheit / Unklarheit riecht doch meilenweit gegen den Wind) zusammenhĂ€ngt. Und so also transportiert sich meine allgemeine Unklarheit bis in die kleinsten Entscheidungsebenen, ob ich mir einen Döner kaufe oder nicht. Wahnsinn.
Ok, bei Friseur und Hassel und Döner war ich, das Bluenote werde ich sausen lassen. Weil ich fĂŒr 12 Euro Eintritt bei einer Musik, die ich nicht kenne (naja! schwaches Argument) garantiert zuviel Bier trinke und mich morgen sehr darĂŒber Ă€rgern werde (starkes Argument)
Noch was: Ich bin nicht auf dem Weg. Ich bin nicht unterwegs. Ich fĂŒhle mich nur so nebenher und selbstisoliert. Ich habe auch keine Freunde, wie sie in meiner Vorstellung nur vage existieren. Das ganze Dasein scheint mir durchsetzt mit unklaren Vorstellungen ĂŒber mein mich immer wieder verunsicherndes Leben.
Morgengedicht ohne Reim
Diese unglaubliche, schwer vorstellbare, kompliziert nachvollziehbare Panik vor den Anforderungen des Lebens, mit den Barrikaden in Kopf und Herz, mit einer Aussichtslosigkeit, Hilflosigkeit und Unvorstellbarkeit ... alles Dinge, die vielleicht dazu da sind, mich zu Entscheidungen zu drÀngen. Oder gar gÀnzlich zu entmutigen. Vielleicht komme ich so ja aus dem Kommastellenbereich zu den Ganzzahlen Eins oder Null und damit raus aus dem dazwischen wabernden Graubereich. Das wÀr gut.
zwei ganze Jahre
Jetzt gehts an's Rechnen: ich hatte nach Abgabe meiner NichtverlĂ€ngerung bis heute quasi zwei Jahre Zeit, mich zu besinnen, zu finden, mich herauszufordern und die Frage zu stellen, wonach mir Sinn und Leben stehen. Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit brauste diese eigentlich lange Zeit mit Nichts im GepĂ€ck vorbei und nun stehe ich gewissermaĂen vor einem handfesten Dilemma. Und dieses Dilemma ergibt sich zum einen aus der Tatsache, dass ich offensichtlich nichts mit mir anzufangen weiss und ich daraus folgernd auch sehr mĂŒĂig war und zum anderen, dass die leichte Sparhaltung, mit knapp 1.400 im Monat auskommen zu mĂŒssen, jetzt ins brutale Gegenteil umschlĂ€gt: Es fehlen nicht nur die 1.400, sondern ich muss bspw. die Kranken- und Pflegeversicherung jetzt selbst zahlen. Alles andere um mich herum wie Parkplatz, Strom ... wird automatisch teurer und es es zeichnet sich deutlich eine Richtung ab, bei der der so genannte Arsch sich dem Grundeis nĂ€hert.
Sei's drum, ich kann es nur als InitialzĂŒndung nehmen, trotz alle Panik, wieder "irgendwas" zu machen. Wegen des Geldes und des Weiterlebens willen. Will ich denn? Viele Zeit, es herauszufinden, bleibt jetzt nicht mehr. Obwohl, ich kann immerhin noch meine gesamte Kohle alle und mich damit blank machen. Damit wĂ€ren sogar zwei (!) weitere Jahre drin.
Zwei ganze Jahre. Und die nĂ€chsten zwei werden sich wie zwei Monate anfĂŒhlen. Und immer so kĂŒrzer ...
Immerhin
... immerhin weiss ich jetzt, wie das bei den Unzufriedenen funktioniert. NĂ€mlich genau wie bei mir. Der Supermarkt ist zu laut, die Werbung ist schwachsinnig, die anderen Autofahrer sollte man verbieten, die Zeit ist zu knapp und man hat sich nicht in der Beherrschung ... und keine Chance der Welt gibt es, die es ihnen recht machen kann. Weil die eigene Unzufriedenheit es niemals zulassen kann. Und wird. Das war jetzt sehr schlau von mir herausgefunden, gell?
Ich schreibe hier redundant dahin, weil ich ja Zeit habe. Und einen Mini-Klick gab es. Gestern im Bett habe ich ĂŒberlegt, warum mein ALG wegen Krankheit verlĂ€ngert werden soll. Und heute weiss ich: wird es auch nicht. Und damit bin ich ab Sonntag ohne jedes Einkommen. DAS gab mir unerfindlicherweise einen kleinen Knacks und ich fĂŒhlte mich fast und kurz bereit, mich jetzt aufzurappeln und etwas zu tun. Denn (siehe oben) geht es nur durch mich selbst und andererseits scheine ich hier eine leichte Bedrohlichkeit zu sehen, die ich vorher mittels möglicher 20 weiterer bezahlter Tage noch hinausgeschoben hĂ€tte. Bedarf es also immer eines Kowalski, der meine Motivation weckt? Und sollte der schnöde Mammon dieser Kowalski jetzt sein? Naja. Aber immerhin ist da ein Lebenszeichen von ganz tief, um kurz an der OberflĂ€che zu kratzen.
P.S. Ich habe heimlich ĂŒberschlagen, wie ein GeschĂ€ft mit den Magdeburger Domsagen wohl laufen könnte. Aha?
Aufbruch, Aufgabe, Aufschub
Hier liegen sie um mich verstreut- all jene losen Dinge, Kisten mit Archiven, Taschen voller Fototechnik, lange wartende Projekte, Lernziele, BĂŒcher, Spiele, Filme und weitere solche Möglichkeiten,Â ĂŒber die ich mir immer sagte, sie endlich zu realisieren, wenn ich ebenso endlich die Zeit dazu haben sollte. Bisher lag die "Schuld" bei den anderen, die mir meine Zeit vorenthielten. Was fĂŒr ein teilbewusster Unfug.
Nun ist das zu erwartende Ergebnis nicht verwunderlich und alles liegt also noch immer so rum. Genau wie ich, der ich tatsĂ€chlich nichts zu tun habe. Aber hĂ€tte. Aber nicht kann. Oder will? Ich weiss es nicht, wo kein Interesse, da kein Ziel. Dort wo keine Leidenschaft, da kein Ergebnis, keine Erfahrung. "Jetzt gut aufpassen" bleibt der Slogan, um nicht nach hinten wegzufallen. Ich bin wehleidig. Der Arm macht heute (ĂŒber 3 Wochen nach dem Sturz!) wieder Sperenzien und lĂ€sst mich nicht richtig schlafen.
Das ganze Leben mit s/meinem Tun und Tun mĂŒssen fĂŒhlt sich noch immer so "schwer" an. Ebenso schwer zu beschreiben, was da los war und ist. Das kann ja nicht eben erst entstanden sein. Im Vergleich zu vielen anderen bin ich offensichtlich immer den Weg des geringsten Aufwandes gegangen. (Hier muss ich eine Lanze fĂŒr Frank B. brechen, der mir einmal seine Beobachtung ĂŒber mich schrieb und so ziemlich das Selbe meint.) "Heute ist nichts" erfreute mich immer am meisten. Um gleichzeitig damit unzufrieden zu sein, dass nichts passiert. Weil nicht das Richtige passiert? Oder mir der Glaube daran fehlt? Ein Paradoxum besten Beispiels. Eine fette und lang bestehende Erschöpfung. Aber wovon? Vom vielen Leben? Luft holen? Von den Dingen, die ich nicht hinkriege und dem gleichzeitigen Unwillen, mich anderen Dingen zu widmen, die in meiner Wahrnehmung lĂ€ngst nicht jenen Stellenwert haben wie die, die ich nicht hingekriegt habe? Es gibt einen Stellenwert in meinem Leben?
... wenn der Geist hadert und ich mich emotional und in meiner Selbstwahrnehmung nicht in der Lage sehe, das Leben anzunehmen, wie es ist, dann wird sich nichts Ă€ndern. Auch nicht mit Hilfe eines tiefen 48-Stunden Schlafes, der mich leeren, reinigen und bereit machen soll fĂŒrs neue frische Leben. Macht er nicht. Ich benötige einen Kopfschuss. Und einen Herzschlag. Einen wahrlichen.
Das alles hier in der Zehnsucht ordnet und erklĂ€rt mir keiner, oder? Vielleicht ist das alles aber auch ziemlich einfach und lĂ€sst sich in ein paar Keywords oder Hashtags zusammenfassen, die meiner (und anderer) Aufmerksamkeit bedĂŒrfen.
Gut aufpassen jetzt
Körper & Geist als untrennbare Einheit: mein Arm dauert von nun an bis mindestens zum 06.09. um in Ganzen hat es mir immerhin eine Weile Agenturleistungen / VerlÀngerungen i.H.v. mind. 1.500 EUR eingebracht. (Hat es nicht, der Leistungszeitraum verlÀngert sich nicht um die Zeit der Krankschreibung)
Aber eben die einhergehende Unsachlichkeit in meinem Denken ... es ist zum verrĂŒckt werden. Haben sich ĂŒber Jahrtausende die Menschen ans LĂ€ngerleben gewöhnt und daraufhin versucht, dem Ganzen einen Sinn zu geben? Also sich eine eigene Kultur geschaffen? Und wurden dann solche Standards wie Arbeit, Leben, Geld und Urlaub erschaffen? Und dann Fernseher und Kreuzfahrtschiffe? Und Uhren und Kalender, um die Restzeit anzuzeigen? Um sich zurechtzufinden?
Das geht jetzt etwas zu weit, ich weiss, nur ist es sehr schwierig fĂŒr mich, aus diesen Standards etwas Passendes fĂŒr mich heraus zu suchen. Es ist alles so sehr aberbehaftet. Ăber ein ganzes Jahr schon. "Jetzt gut aufpassen" steht an meiner Wand und meint, nicht durchzudrehen, nicht abzusaufen, nicht aufzugeben. Was leichter gesagt als getan ist.
Ich möchte mal wissen, woher sowas wie gestern entsteht: Wir fahren nach Leipzig zu den Eels, was mir Freude bereiten sollte. Stattdessen denke ich heimlich, dass es nicht 'ganz so schlimm' wĂ€re, wenn wir nicht fĂŒhren. Noch vor Ort bin ich wie benommen, nicht richtig da und hĂ€tte ohne Tobi das Weite gesucht. Dann ist es warm, es dauert, bis es los geht und der Typ vor mir nervt mich ein bisschen und ich denke mir haarstrĂ€ubende Stories ĂŒber ihn als stillen Terroristen aus. 'Was fĂŒr ein sinnloser Blödsinn, mich darĂŒber aufzuregen', denke ich direkt beim Aufregen. Ich lebe voll neben der Spur und bin so unecht wie verstört. Dabei waren die Eels groĂartig. HĂ€tte ich fast vergessen, zu erwĂ€hnen, was?
Diese Ziellosigkeit ist gruselig. Der Sommer baut sich gerade nochmal richtig auf und auch ohne Aua-Arm oder sonstwas wĂ€re ich keinen Meter irgendwohin gefahren, um meinem GefĂŒhl von diffusem Carpe Diem Raum zu geben. Kein Ziel hier, keines woanders. Und draussen an den BĂ€umen werden die ersten BlĂ€tter gelblich. Eben kam noch die Absage vom Malteser (Job) und ich weiss nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Egal ist es nie, weil ich IMMER denke. Zuviel denke. Planlos und ohne jedes Ergebnis.
Manchmal kommt so ein Hauch von "alles ist möglich und kann sogar gut werden" vorbei und noch manchmal habe ich das GefĂŒhl, dass ich dauernd an einer profanen Schalterstellung vorbei grĂ€tsche, die eine einfache und gesunde Sicht auf meine Dinge des Seins zulassen wĂŒrde. Es gibt noch weitere 4tausend ErklĂ€rungen, die ich hier bestimmt noch aufschreibe. Falls es dazu kommt. Oder anders. Aber gut aufpassen jetzt sollte ich tatsĂ€chlich.
Versprechung
Wenn die Hilflosigkeit ob der immer noch wĂ€hrenden und wiederholt aufflammenden Schmerzen im Arm ĂŒberhand nimmt und sich schwer intensive TrĂ€ume aus Unmengen PuppentheatermĂŒll in meinen Morgen mischen und mich immer weiter verunsichern in Bezug auf das, was jetztÂ ĂŒberhaupt noch kommen soll ... dann ist es leicht, mit Versprechen um mich zu werfen, die davon kĂŒnden, wie sehr ich auf mich aufpassen werde, sobald es wenigstens der Arm wieder zulĂ€sst. Ich werde Radfahren und Schwimmen und Krafttraining machen, ich werde mich auf Klippen setzen und singen, ich werde Menschen suchen und besuchen ... kurzum: ich werde mich aufraffen, das Leben angehen, MĂŒĂigkeit und Alkohol umgehen und dann ... dann wird es doch nicht so sein.
Spurensuche
Wie kam ich an diesen Punkt meines Empfindens, meines Seins, meiner Sichtweise, meines Handelns? Das ist ja sicherlich nicht neu und nicht nur dem Puppentheater geschuldet (auch wenn diese gesonderte Abteilung meines Lebens einen wesentlichen und vor allem aktuellen Punkt bildet). SelbstwertgefĂŒhl, SelbsteinschĂ€tzung ĂŒber mein Dasein, meine Ansichten, meine GefĂŒhle und mein Tun unter welchen PrĂ€missen ich das Ganze bis hier ĂŒber-/ erlebt habe, spielen da rein. Einer der letzten Punkte, an die ich mich erinnere, sind die Erkenntnisse ĂŒber schlechtes Hören und Alkohol. (HörgerĂ€te benutzen und aufhören zu saufen war damals die Ansage an mich) Sozialer Verlust und AntriebsschwĂ€che werden sonst daraus entstehen. HörgerĂ€te selten benutzt, weil: Dysfunktion? SchwĂ€che? Selbst- / WertschmĂ€lerung. Also sozialen Verlust in Kauf genommen. Der Alkoholkonsum passt ganz gut dazu, lag allerdings als eine Art Fluchtgedanke schon viel frĂŒher vor. Kompensation gefĂŒhlter Blödheit. Aber saufen tun auch die "GroĂen" und Schlauen, also kann ich mich wenigstens damit auf deren Ebene / Niveau begeben
Spurensuche im Versuch, es kurz und klar zu beschreiben. Meine Tante Monika sagte mal ĂŒber ihren Sohn, meinen Cousin: Helge ist noch nicht fertig, noch nicht angekommen, gesetzt und klar. Ich tat damals wissend und weiss jetzt: Ich bin es noch viel weniger. Aber was weiss schon Tante Monika?
Und das hier fĂŒhrt auch irgendwie zu nichts. Ich versuche dauernd, mir meine gefĂŒhlte Misere zu erklĂ€ren. Warum? Um einen Schuldigen zu finden? Und dann? Um verursachende Verhaltensmuster zu erkennen, um sie dann auch bloĂ nicht Ă€ndern zu können? Geht das hier eigentlich jedem so oder sind da eine riesen Menge Ignoranz und Hirn runterschraubende Elemente im Spiel?
Wunschliste
Immer wieder ertappe ich mich dabei, die richtige Herangehensweise finden zu wollen, indem ich meine Ziele oder zumindest mein GefĂŒhl von Leben zu formulieren versuche. Das passiert immer wieder mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen. Diese hier versucht, es noch weiter runterzubrechen als bisher. Am besten gleich mit Beispielen:
mist-alles weg [Tja, das hier musste ich dann nochmal ĂŒberlegen und ist nun weniger emotional:] Ich möchte ausgeglichen und mit einer gewissen Gelassenheit den Dingen des Seins gegenĂŒberstehen. Ich möchte mich auf mich verlassen und mich sortieren, einordnen können. Ich möchte wissen, was ich will und es dann auch tun. Ich möchte wieder an mich glauben und vor allem meinen Optimismus, meine Fröhlichkeit und Freundlichkeit wiederhaben; eine weiche Sicht auf das Leben mit all meinem Mut und meinen schönen Gedanken. Dazu muss ich den ganzen unnötigen Ballast im Kopf loswerden.
Das reicht fĂŒrs Erste. Schönes Beispiel dafĂŒr ist Mohi - der sehr entspannt durchs Leben geht und dabei weiss, was er möchte und was nicht und in dessen Leben immer wieder neue Menschen, Ideen und Begegnungen eine Rolle spielen. Der nie laut oder böse wird, sondern in der Lage ist, abzuwĂ€gen. Und der ziemlich sicher keine Angst hat.
Weiteres Beispiel ist Jörg, der einfach und fast ein bisschen kindlich die Dinge angeht, sich nach Gaby neu aufgestellt und sichtlich verbessert hat, mit Freundin und Vespa durch Italien fÀhrt, an Klippen Gitarre spielt und ganz einfach freundlich und liebevoll ist.
Und Tobi, der in vielen Bereichen seines Lebens offensichtlich mit stoischer Gelassenheit die Dinge kurz besieht, ĂŒberlegt und es dann einfach macht. Nach dem Motto 'worauf warten?'. Und der sich sehr wenig Sinn um die Firlefanzen und Sideshows macht. FĂŒr mich manchmal zu einfach im Anspruch, im Denken & Sein, aber eben auch hafentauglich, brandungsfelsend, bodenstĂ€ndig, zuverlĂ€ssig.
Letztlich gibt es dann ja noch mich, der mit seiner wuseligen Weltanschauung naiv und hoffnungsvoll alle ihn interessierenden Dinge impulsiv und auch ein bisschen halbherzig und damit oberflĂ€chlich angegangen ist. Der sich selten positioniert hat und nur Frieden wollte. Das ging eine Weile ganz gut, bis die Interessen knapp und die Tage gefĂŒhlt kĂŒrzer wurden. Mit 30 hatte er finanziell GlĂŒck, mit 40 war er Alkoholiker und mit 50 wusste er nicht mehr weiter.
1000 TrÀnen tief
Oh weh. Eine Nacht voll von Traum, Schlaf und vielen Stunden. 23:00 ins Bett, 9:30 raus. So viel Zeit. Und so viel Traum dabei. Inklusive eines elektrischen Stromschlages im rechten Arm. Als Erinnerung und AufrĂŒttelung. Der macht mir wegen heute Abend mit jeskom am meisten Sorgen, aber jetzt ist es egal - wir ziehen das durch und es wird gut sein.
Aber die TrĂ€ume ... einer von denen erkor eine unfassbar groĂe und tiefe Traurigkeit in mir. Vergleichbar mit meiner Reha in 2017. Hab lange drĂŒber nachgedacht, aber es ergab sich kein plausibles Bild auĂer einem tiefgrĂŒnen Rasen mit Wald und schummrigem Licht, Stille, Leere. Ein junger, leicht bekleideter Typ auf der Waldwiese sitzend, wahrscheinlich irgendwelche Ăbungen machend. Ich mit bewunderndem Blick, an seinem (?) Zimmer mit offener TĂŒr vorbei und bin in einem gerade anhaltenden Zug. Steige aus und gehe eine Rampe hoch, bemerke Stephan Groth vom PT weiter hinter mir, will ihn aber nicht sehen, denn jetzt bricht es aus mir heraus. BĂ€che von TrĂ€nen und unstillbaren Leids. Es bedarf keinen Plans, so traurig zu sein. Und vielleicht ist alles auch nur eine perfekte Melange aus dem lonely Tuesday, den ich weinverkatert hinter geschlossener TĂŒr verbrachte:
#vietnamkrieg@arte-tv #orientierungs- und ziellosigkeit #aussichtslosigkeit #ideenlosigkeit #mein gefĂŒhlt vergeigtes Leben #alkoholismus
Ich kann alles alles tun, alles, was ich will. Hab nur leider leider leider ... keine Idee. Allein das ist traurig genug. Mit anderen Worten: Der Leidensdruck steigt und es kotzt mich zunehmend an.
Emobatzen
Die Gewichtung von Positivem und Negativem scheint mir eine auĂerordentliche Schieflage aufzuweisen, indem ich das jeweilige Element zu Gunsten oder Ungunsten fĂŒr mich auslege. Vereinfacht geschrieben sah ich mich immer als den positiven Menschen. In den letzten Jahren des Puppentheaters (so ab 2016? - ich weiss es nicht mehr genau) ĂŒberwog ein negatives GefĂŒhl, das sich entsprechend in Nicht-Aktionismus, Lethargie und Alkoholismus ĂŒbertrug.
Manifestation heisst das wohl, wenn ich jetzt vom Ende dieser Jahre aus (hoffentlich!) darauf zurĂŒckblicke und nur noch Negatives verspĂŒre. Da gab es ganz sicher ganz viel Positives, aber Mister Sadman hat alle Erinnerung getilgt.
Und genau so stehe ich also jetzt hier an einem typischen Sonntag Abend kurz vor Abfahrt aus Reform und glaube fast fest daran, dass NICHTS möglich ist und ich mich in allem sehr sehr verloren fĂŒhle.
Zusammenaugustet
Trotz allen Wissens um meine möglichen, spontanen Sichtweisenverbesserungen stelle ich mir weiterhin die Frage, warum mein Leben so kompliziert sein muss, warum ich mich immer wieder mit diesen zermĂŒrbenden Fragen nach dem Sinn und meinem Lebensmodell herumschlage bzw. herumschlagen muss. Wieso kann oder muss ein in seiner Basis so positiv eingestellter Mensch wie ich so viele negative Denkmuster mit sich herumschleppen?
Im Moment fĂ€llt diese Frage deutlich ins Gewicht; die Voraussetzungen dafĂŒr sind zusammengefasst: das böse, selbst verschuldete Aua im rechten Arm, die gefĂŒhlte Hilflosigkeit in Sachen Wille, Job und Zukunft und der damit einhergehende bzw. aus diesen Fragen resultierende Alkoholismus.
Mein Unvermögen, mich sachlich und konkret auf mich und meine WĂŒnsche zu besinnen, schleudern mich weiterhin durch mein Leben mitsamt seiner UmstĂ€nde, die mir keinen SpaĂ bereiten, mich aber auch nicht zum Seinlassen desselben bewegen wollen. Eine Krux, der ich nur mit VerĂ€nderung begegnen kann. Aber welcher?
Eigentorvorwurf
Die richtigen Gedanken und Sichtweisen fĂŒr die jeweilige Situation bereit zu haben, ist nicht leicht. Montag vormittag, M'era Luna ist armschmerzend und anstrengend vorĂŒber, ich bin immer noch mĂŒde und habe immer noch keinen Plan. FĂŒr nichts. Das zermĂŒrbt. Nichtmal die Domsagen, die ich ab dem 04.07. mit Bertold angehen wollte ... sie liegen brach. Ăbrigens seit 2008. Ich habe wieder vom PT getrĂ€umt und es war wieder negativ. Vielleicht ist es das, was mich so runterzieht.
Der Rest sind eindimensionierte Kurzansichten wie: Training, Aufbau, VorwĂ€rts... ging nicht, weil Arm. Arm kaputt weil: gesoffen und verkantet. ĂbermĂ€Ăige Vollschuld. Insbesondere an den Schmerzen, denen mit Geduld zu begegnen ich mich schwerlich in der Lage sehe. Jeskom Probe diese und Show nĂ€chste Woche. Wirklich? Aussicht auf Job, der "irgendwas" sein wird, weil die eigene Sicht auf meine eigenen Interessen fehlt?
ErbÀrmlich hinke ich dem Sein hinterher. Irgendwie. Und dumpf dröhnt es aus dem Beton.
So, das sollte reichen fĂŒr die Halde. Es rettet mich kein höh'res Wesen.
Empfehlungen gegen Negativ
Ein wesentliches Grundmerkmal, um Situationen mit anderen Menschen in Zusammenhang mit mir besser einschĂ€tzen, bewerten und mich entsprechend positionieren zu können, bestĂŒnde meiner Meinung nach bestenfalls in einer gewissen BedĂ€chtigkeit, einer Gelassenheit, einem möglichst objektiven AbwĂ€gen der Argumente und meinen eigenen Interessen in einer relativ kurzen Zeitspanne. (Situation, Reaktion, Anforderung, E-/Affekt, Lösung) Das können Langsamfahrer, Falschabbieger oder Ampelranroller sein, verstellte Parkplatzzufahrten, mich nervende Menschen vom Kind bis zum Greis, Wind, der beim Radfahren immer von vorn kommt, Werbeansagen in SupermĂ€rkten ... also (in diesem Fall fĂŒr mich typische und oft sehr negative) Situationen, die mich zu ĂŒberfordern drohen. Einer solchen negativen Erwartung voraus geht fast immer eine eigene angespannte negative Situation meinerseits. Diese Definition schrieb ich vor den nun folgenden Zeilen, die sich mir zu merken durchaus lohnen und helfen könnten.
Gleichmut: ausgeglichene Gelassenheit
Gelassenheit: (Angst?): Was kann dir denn passieren?
Gelassenheit: (Ărger?): Was hilft es dir, wĂŒtend zu werden?
Wut: Wer ist tatsĂ€chlich fĂŒr deine Wut verantwortlich?
Verantwortung: hast du vorrangig fĂŒr dich.
(woraus sich ergibt, dass man durchaus wĂŒtend auf etwas oder jemanden sein darf)
Vorrang: Hat immer die Basis; das, was du bist
Basis: Was ist deine Orientierung, dein Ziel?
Zielorientierung: Zu erkennen, was das Wesentliche ist. Und darauf hinwirkend zu  handeln
Handeln: Was du tust, tu mit Bedacht und bedenke das Ende
Ende: kommt immer und sowieso, also: Gleichmut!
Gleichmut ...
SollStauchStelle
Samstag, 03.08.: Jana Dorsch, Geburtstagsparty. Bisschen Bier, bisschen Wein, heftiger Joint. Gegen 02:00 Flucht nach vorn bzw. nach Hause. Aufsitzen aufs Rad und sofort auf der anderen Seite wieder runtergefallen. Gut abgefangen. Dann tatsÀchlich nach Hause geradelt. In vollem Bewusstsein, dass etwas passiert und das Radfahren hier gerade unmöglich war. Dennoch angekommen, Bett und der Schreck weicht dem bewussten Schmerz, der sich sofort den Schreck wieder dazu holt. An Schlaf kaum zu denken, mittags dann Notaufnahme wegen enormer Schmerzen. Tobi hatte Dienst.
Am Ende alles auf Entwarnung: Kein Bruch, kein Auskugeln. Es ist eine heftige Verstauchung, die mehr weh tut als ein Bruch und deren Heilungsprozess sich hin zieht. JeskomRecords heute: Ausfall. M'era Luna am Wochenende wackelt. Meine ganzen Ideen von Radfahren, Kieser und Schwimmen ... allesamt vorerst dahin. Zumindest fĂŒr zwei Wochen. Einzige positiver Nebeneffekt ist die voraussichtliche VerlĂ€ngerung des ALGs um diese Zeit. Aber das eigentliche Dilemma:
Ich denke seit geraumer Zeit wieder darĂŒber nach, warum es mir nicht möglich schien und scheint, bei solch niederen Ereignissen wie Alkoholmissbrauch ein gewisses MaĂ einzuhalten. Und das war schon immer so. Ab dem Goo bis zum heftigen Ende durch. Wir haben das Jugendliche "ausprobiert" und sind dabei geblieben. Warum? Weil der Verstand fehlte? Oder die Vernunft? Oder die eigenen Möglichkeiten fĂŒr alternative Sichtweisen? Letzteres verdeutlicht sich, wenn ich hier zurĂŒck blĂ€ttere auf die Zeit des Tibia Unfalles um 2014 und stelle wie immer, nur resignierter fest, dass sich nichts geĂ€ndert hat in meinen AnsichtenÂ ĂŒber Wille, Ziel, Leidenschaft, Leben. Leere bestimmt mein Sein und Ă€uĂert sich dann in solchen Eskapaden.
Das ist schwerer Unsinn und grober Unfug in Bezug auf meinen Umgang mit meinem Leben. Habe ich schön geschrieben, klingt jedes Mal super, ist aber immer das Selbe. Keine Verantwortung, keine Entscheidung, keine Pflicht, keine Ideen, keine Ziele ... ich schlĂ€ngele mich ein Leben lang durchs Universum und fĂŒhle mich immer ein bisschen fehl am Platz.
Hinzu kommt jetzt auch sachte aber bedrohlich merklich ein gewisses Unvermögen, die richtigen Worte im mĂŒndlichen Satzbau wĂ€hrend der Kommunikation zu finden, thematisch vor- oder weiterzudenken und mir ĂŒberhaupt ein klares Bild von gegenwĂ€rtigen oder zukĂŒnftigen Situationen zu verschaffen. Auch scheint mein Allgemeinwissen zu schrumpfen. Oder es zieht sich beleidigt zurĂŒck.
Das ist Zerfall! Was noch merkwĂŒrdig ist: In solchen Momenten schweren Schmerzes erscheint eine gewisse Hilflosigkeit, gepaart mit einer Art Reue und dem fast heimlichen, internen Versprechen, jetzt aber mal die ZĂŒgel zu straffen. Ich habe flĂŒchtige Anleihen, die Dinge um mich herum zu Ă€ndern, zu Tobi zu ziehen und mich der Geldbeschaffungsnotwendigkeit zu entziehen, bis ich wenigstens eine Form von Bestimmung gefunden habe, die mir gerecht wird bzw. umgekehrt.
Und gestern ging in einer Mail von Birgit Bursee plötzlich ein Fenster auf, wonach ich ab November eine viertel Stelle und ab Januar eine knappe halbe in der FWA haben könnte, möglicherweise auch gepaart mit einer freien TÀtigkeit bei Sandy GÀrtners Utopolis (eine Idee von Axel Schneider). Die Dinge kommen zusammen, ich sollte Vertrauen haben. In mich. Und einfach nur aufhören, zu saufen. Doch! Das geht: Seit meinem Party-Ende bei Jana Samstag Nacht bis jetzt habe ich weder Alkohol getrunken noch geraucht. So! Kalter Entzug geschafft.
Hier kommt die Angst nochmal
Das ist eine merkwĂŒrdige Feststellung mit dieser Form von Angst. Hier schonmal erwĂ€hnt >>> Wie ein bevorstehender erster Schultag, auf den ich mich nicht freue. Oder eine neue Arbeitsstelle, bei der ich niemanden kenne. Angst vor Neuem. Angst vor meiner Rolle dort. Ich bewerbe mich wahllos bei Fraunhofer und Ă€hnlichen Stellenausschreibungen, ohne es recht zu ĂŒberlegen, was ich denn da soll oder will. Warum mache ich das dann? Weil ich schlieĂlich 'irgendwas' tun muss? Unklar.
Mittlerweile entwickele ich schon ein vages GefĂŒhl von merkwĂŒrdiger Stimmung, wenn ich heute Abend zu Jana Dorschs Geburtstag gehe. Nein - da kann ĂŒberhaupt nichts passieren, aber es fĂŒhlt sich alles in allem so unklar an. Wie im anderen Artikel beschrieben, wollen die Beine fast schlackern und ich verspĂŒre einen deutlichen Drang nach Schutz und Geborgenheit, ein Ort, ein Mensch, ein Zustand, in dem mir niemand etwas tun kann. Und ich nichts tun muss.
Das hat irgendeinen psychischen Hintergrund. Dass ich etwas 'tun muss'. Torschlusspanik? Ach herrjeh. Hier kommt die Angst und die lÀsst dich allein mit dir. Nochmal: Was kann den passieren? Merksatz #1.
Wille, Weg und Wabbelig
Ist es mir möglich, mich stumpf auf einen Stuhl zu setzen, um herauszufinden, was ich zumindest beruflich zu tun gedenke? Also jetzt?!
Ich rutschte Zeit meines Lebens "irgendwie" so durch. Damit wurde alles also letztendlich auch "irgendwie". Wo Wille und Weg fehlen, wird dir nahe- oder auferlegt, was zu tun sei. Bis die Zeit kommt, in der ich erwachsen genug selbst entscheiden kann, was ich NICHT will. Unproduktives Geseiere und lamentierendes Beschwerdetum. Der Rest war immer schon Alkohol. Bei uns damals in der Schule, dann an der 'Ecke', im Insleber, im AMO und bei eigentlich nahezu allen AnlÀssen, die sich uns oft genug boten. Es war anfangs zwar nicht so viel, aber immer Bestandteil. Schleichender Feind nÀhert sich einem ganzen Leben.
Weil wir Durchrutscher waren. WellenlĂ€ngliche Langweiler. Oder zumindest ich. Irgendwas mit Elektrik. Machen doch alle. Dann plötzliche Ăberredung zum Wehrdienst 3 Jahre. Labil und leicht beeinflussbar. Man muss nur die richtigen Knöpfe bei mir finden. Abi und Studium mehr um des Status' willen? Der erste Blendmechanismus? Denn inhaltlich war dem Sozial- und Gesundheitswesen nicht unbedingt viel abzugewinnen, die Hochschule war noch billig und das Ergebnis wiedermal 'irgendwie'. Dabei wollte ich das gemeinsame Erlebnis. Am Forsche, Studieren, Musizieren ... Ich wollte so gern dazugehören zu einem Kreis, an den ich mich heranzutreten kaum traute.
AnschlieĂend gabs noch immer keine Richtung, bis der Kulturserver mich rettete. AnschlieĂend die LKJ. Dann die Hörbuch-Bude. Dann das Puppentheater. TĂŒr zu, neue TĂŒr auf. Aber ohne selbstbestimmte Richtung. Das was kommt, nehme ich. Beliebig. Und beneide dann immer die vielen anderen, bei denen ich davon ausgehe, dass sie wissen, was sie tun, tun wollen und tun werden.
Ist es mir nach all diesen Jahren meiner unaufgeregten aber immerhin stattgefunden habenden Entwicklung dennoch möglich, JETZT herauszufinden, wohin ich mich gern von mir und den Möglichkeiten treiben lassen will? Ein ganzes Jahr ist fast rum, ohne die Spur irgendeiner Idee. Schön zu beobachten sind die weiterhin bestehenden Ăberlegungen, jetzt etwas Besonderes zu machen, fĂŒr eine Weile ins Ausland zu gehen oder dergleichen. Gerade jetzt, wo es doch so prima möglich ist. Vergiss es: diese Dinge sind dazu da, um mich spĂ€ter zu Ă€rgern, es nicht getan zu haben. Aber es ist Bullshit. Auch das Losfahren an irgendeinen See oder ans Meer ... alles Dinge, die ich in Vorjahren immer wieder gewollt, getan und mich letztlich nicht sonderlich und wirklich drĂŒber gefreut habe. Was ist das bloĂ fĂŒr ein merkwĂŒrdiges Verhalten?
Ich glaube, der Laboransatz im Fach Chemie wĂ€re hier wirklich angebracht: Die Dinge / Ideen zu ĂŒberlegen hinsichtlich Erwartung, Realisation, Konsequenz und Ergebnis. Get real. Get einfach. So einfach wie möglich. Und langsam. Und aus möglichst positiver Sicht. Alles andere kann keinen Bestand haben.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Adorno. Angeber. Aber langsam bin ich tatsĂ€chlich. Meine rasenden Gedanken und mein oft vorschnelles und ĂŒbereiltes Handeln sollten doch nach 50 Jahren eine Unmenge an Erlebnissen, Entwicklungen, Erfahrungen und Ein- wie Aussichten vorzuweisen haben. Haben sie aber nicht. Zumindest gefĂŒhlt. Denn ich bin ein Vergesser. Vergaser. Versager?
SichtweitengefĂŒhl
So ein Samstag wie der gestrige ist bemerkenswert und wichtig. Durchweg positiv besetzt, zeigte ich mir, wie es also auch funktionieren kann: das Leben. Und vor allem die Sicht auf all jene Dinge meines Lebens, die vornehmlich hier und leider meist aus negativer Motivation beschrieben sind (und sich zum Teil immens oft wiederholen).
Die Wahrnehmung des Positiven ist offensichtlich spontaner Natur. Oder es liegt aus meiner Erinnerung daran, dass es im Falle eines fĂŒr mich enger werdenden Universums (Ziele, Zukunft, PlĂ€ne, Liebe, Geld ...) einen Automatismus in mir auslöst, der mich bereit erklĂ€rt, sich den Dingen konkreter und sachlicher zu stellen. So fĂŒhlte es sich nĂ€mlich am Samstag an. Ebenso automatisch Ă€ndern sich dann auch die Sichtweisen auf die Planung des anstehenden Weiterlebens ins Positive und vieles erscheint merkwĂŒrdig leichter als im dead-end-Kosmos eines dahintreibenden TrĂŒbseefischers.
Okay, wie ist also so ein positiver Zustand herstellbar? Eingeredet positive Gedanken reichen dafĂŒr offensichtlich nicht aus. Braucht es zusĂ€tzlich den wirklichen Glauben daran? Oder muss es ein Engpass sein, der diesen Zustand notwendig macht? Mit der Schlinge um den Hals und der Flutwelle voraus entwickeln sich andere PrioritĂ€ten. So war es bei mir schon sehr oft. Ich hoffe, die momentane Konstellation beibehalten zu können.
Was ist denn wichtig? Freundlichkeit. Offenheit. Gelassenheit. Anerkennung. Mut. Teilt man solche positiven Merkmale mit anderen verdoppelt sich der Effekt. (siehe das LĂ€cheln an die Kassiererin etc.)
Es lohnt sich doch, ein wenig lieb zu sein
Und alles auf das Einfachste zu schrauben,
Und es ist gar nicht GroĂmut zu verzeihn,
DaĂ andere ganz anders als wir glauben.
Und stimmte es, daĂ Leidenschaft Natur
bedeutete - im guten und im bösen,
ist doch ein Knoten in dem Schuhband nur
Mit Ruhe und mit Liebe aufzulösen.
(Ringelnatz)
Dann bedarf es eines oder mehrerer Ziele, einer realistischen EinschĂ€tzung und schlieĂlich der konsequenten Umsetzung mitsamt einer Beharrlichkeit, die ich im Beispiel des Mathe-Abis sehr wohl bewiesen habe. Meine erklĂ€rten Problemzonen liegen in meiner Angst, MittelmaĂ zu sein, in der Ziellosigkeit und in einem SelbstwertgefĂŒhl, das mich "da draussen" nicht bestehen lassen kann. Deutlich ins Gegenteil Ă€ndern sich plötzlich diese vermuteten Eigenschaften, wenn ich in meinen Elementen und dabei von guten Situationen / Menschen umgeben bin. Daraus ziehe ich Freundlichkeit und Anerkennung als Treibstoff fĂŒr weitere gute Ăberlegungen und Taten.
Woher die Angst? Nochmal: Was kann denn passieren? Manchmal habe ich hier das GefĂŒhl, permanent von vorn anzufangen. Vom Urschleim der Basis dessen, was ich möchte und wie ich es angehe. Beziehungsweise warum nicht. Die Zitate aus der ZEIT eines 20jĂ€hrigen gestern ĂŒber die permanenten NeuordnungsanlĂ€ufe auch 50jĂ€hriger sind mit Sicherheit sehr realistisch in dieser mich umgebenden Gesellschaft. Und vielleicht auch anderswo. Das macht zwar Mut, sollte aber nicht unbedingt Basis meiner Ansichten sein.
Der immer selbe gĂ€hnende Fakt ist bleibt der Alkohol, mit dem es grundsĂ€tzlich aussichtslos ist, ĂŒber das Leben nachzudenken und get real zu werden. Ein verlorenes Match gegen den Wein mit meiner Ziellosigkeit und der damit ausbleibenden Motivation zu begrĂŒnden, ist Trugschluss und spiralsogender Natur. Mittelwege sind rar gesĂ€t und nur was fĂŒr Profis. Das MaĂ der Dinge wie der Ansichten ist entscheidend. Ebenso wie das Herunterbrechen der Millionen angerissdachten Gedanken, die bei solchen Vorstellungen ĂŒber mein reales Lebens keine 10cm weit helfen.
Handlungsanweisungen sind fĂŒr mich dann zweckfrei, wenn sie esoterischer oder anderer imperativer Natur sein wollen. Entspann' dich! Sieh die Welt mit freundlichen Augen! Sorge dich nicht! Hab' Mut und Zuversicht! Oder male ein fucking Mandala. Jedenfalls haut sowas einfach nicht hin.
Naturwissenschaftlich gesehen, wÀre das leicht modifizierte Prinzip des Protokolls im Chemieunterricht bei Laborversuchen sinnvoll:
Vorbetrachtungen
Aufgabe
Hypothese
Vorbereitung und Hilfsmittel (inkl.: Was kann denn passieren?)
DurchfĂŒhrung und Beobachtung
Auswertung und Vergleiche zu den Vorbetrachtungen = Evaluation fĂŒr weitere FĂ€lle gewollten Lebens
Das wĂ€re mal eine sachliche Ăbung wert. Los! Mach' ma'!
Was soll schon passieren?
Schade, dass es wie so oft nicht einfangbar ist- dieser Wust an so vielen Gedanken. Dieses Mal war es nach dem Lesen der ZEIT in einer irgendwie besseren Laune als in den vergangenen heissen Tagen. Und da ist der Schriebs von einem jetzt 20jÀhrigen, der als 15jÀhriger Praktikant der ZEIT von seiner damaligen Sicht auf die Dinge im Erwachsenensein, als alter Mann geschrieben und nun die ersten Vergleiche gezogen hatte.
Beim Lesen dieser Seiten schreien meine Synapsen nach Vergleichen, ErklĂ€rungen und nach unbedingtem Festhalten dieser Gedanken, zumal sie positiver angehaucht sind als sonst. Er schreibt also von der Ăbernahme einer Verantwortlichkeit gegenĂŒber sich selbst und seinen GefĂŒhlen. und dass man sie Ă€ndern muss, wenn sie einem nicht behagen. (Das Wort Verantwortung ist bei mir irgendwie negativ besetzt. Alle scheinen sagen zu dĂŒrfen, was ich tun oder lassen soll. Nur will ich doch nichts von denen, also warum wollen die was von mir?). Und von seinen Selbstzweifeln gegenĂŒber gemeinsamen Momenten in der Studiengruppe. Unter Menschen. Gemeinsam. Alles vergleichbar. Ich kann zurĂŒck bis in mein Studium (und weiter) gehen, von dessen Einrichtung ich nicht ĂŒberzeugt war. Allerdings hatte ich auch keinen konkreten Willen und liess mich also mittreiben. AufsĂ€ssig revolutionĂ€rer Studienabbruch kam wegen der mahnenden (und aus heutiger Sicht richtigen) Worte dann doch nicht in Frage. Und so war es "irgendwie" mit einem Diplom am Ende, aber keinerlei Vorstellung davon, was ich denn nun gelernt haben oder sein möge.
Er studiert Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, weil er kreativ ist, dafĂŒr aber einen Rahmen, eine Struktur benötigt. Tja, wieder vergleichbar. Und er spricht von "I am a Rock" von Simon&Garfunkel, wonach es darum geht, dass jeder Mensch eigentlich immer einsam ist. Oder allein. oder beides (sic!). Sich ĂŒberwinden, sich auf andere einlassen, sich durcheinander bringen zu lassen als Herausforderung. Mittlerweile geniesst er es sogar.
Meine Konzentration auf die Dinge ist ziemlich gestört, möchte ich meinen. "ImpulsivitĂ€t, leicht abzulenken und schwatzhaft, oberflĂ€chlich und unaufmerksam" ... so stand es in vielen meiner Zeugnisse. Und genau so geht es mir nach dem Lesen solcher treffsicheren Artikel. Und ich werde oft so mĂŒde bei allem. Ich kann keine Mandalas ausmalen ohne sie (kreativ) zu entstellen oder mich lange auf ein Thema konzentrieren, um wenigstens einen Gedanken zu Ende zu bringen. Da bleibt meist kein Raum fĂŒr die Frage nach Sinn, Realisierung oder Konsequenzen einer Frage oder angestrebten Ăberlegung. Und dann kommt der Alkohol dazu, der mir vielleicht rechtfertigen soll, dass ich Gedanken und mögliche Ideen (vielleicht auch fĂŒr meine nahe oder weitere Zukunft) verwehrt. Verwehren muss. Das macht unzufrieden. Und wird schlimmer, je mehr ich mich auf diese passive Form des Seins einlasse. Ohne Ziel ist es wirklich etwas dĂ€mlich.
Er schreibt (jetzt 20jĂ€hrig) von seiner frĂŒheren Zwangshaltung, etwas sein oder darstellen zu mĂŒssen, die er nicht mehr als so wichtig ansieht und fand heraus: "Stress dich nicht so hart mit der Zukunft! Sieh auf die nĂ€chsten 5 Jahre. Du musst noch nicht wissen, was du spĂ€ter machen willst. Selbst ich - als der alte Mann der Zukunft - hab keine Ahnung."
Die alte und immer wieder gern vergessene Frage:"Was soll (schon) passieren?" (von der ich in letzter Zeit hĂ€ufiger gelesen und gehört habe) sollte ich fĂŒr all meine GedankenstĂŒrme auf jeder Reise griffbereit im HandgepĂ€ck haben. Denn im Ernst: was ausser dem Tod hĂ€tte derartige Konsequenzen, dass sie nicht ĂŒberlebbar wĂ€ren? Das Absetzen der Simpsons?
Und er stellt fest, dass er mit seinem BildÂ ĂŒber die Erwachsenen, bei denen wahrscheinlich alles klar ist, daneben lag. "Auch 27- oder 50-jĂ€hrige haben oft immer noch kein Ziel und mĂŒssen sich immer wieder neu erfinden." Danke fĂŒrs ErwĂ€hnen. Ich bin also nicht allein. Sehr schön auch: "Ich war so ein bisschen wie ein Hund, der dem Stöckchen hinterherjagt, und wenn er das Stöckchen hat, dann weiĂ er auch nicht, warum er es unbedingt wollte."
So. Das hier habe ich unter Aufbietung fast all meiner KrĂ€fte aus meinen Synapsen halbwegs ordentlich zusammengetragen und bin sogar bisschen stolz drauf. Nicht schlecht. Es sind die Einstellung und die Sicht auf die Singe, die, insofern positiv und fordernd, sehr viel mehr Motivation fĂŒr derlei Leistungen zu produzieren vermögen.
Offensichtlich sind mir meine Songs voraus. Das war schon bei WIND in 2009 so und fuhr ĂŒber die weiteren Jahre jenen Kurs, der mir aus heutiger Sicht verblĂŒffend erscheint: In meinen Texten behandelte ich sehr oft das, was tatsĂ€chlich bereits in mir lauerte und sich spĂ€ter dann manifestierte bzw. auch zum Ausbruch kam. So wie eben im Kaufland. Die fahrt auf dem Rad war schon komisch, das AnschlieĂen unter Beobachtung zweier Buletten kauender Menschen war mir sehr unangenehm und beim schnellen Einkauf im Markt fĂŒhlte ich mich irgendwie hilflos. Zum GlĂŒck wusste ich, was ich wollte (Ha! ...), also einkaufen wollte und war schnell an der Kasse. Beim Warten dort tippte ich, nachdem ich endlich das Wort in meinem Kopf fand, "Psychose" ins Google ein. Dann dachte ich an Angststörung. Dann kaufte ich Tabak, war wieder raus und schreibe es schnell auf.
Die Wirkung ist vergleichbar mit dem beim Weed-Rauchen. Der Musekelapparat lockert sich parkinsonisch, so dass es sich anfĂŒhlt, als schlabbert und wackelt alles. Das ist nicht so sehr angenehm. Geistig verliere ich schnell den Anschluss, der sich wie eine Demenz anfĂŒhlt. Also eine parkinson'sche Demenz. Oder anders: Eine Angst. Vor der Hilflosigkeit. Vor dem Leben.
Sehr merkwĂŒrdig.
Und dazu: Das Knackspiel in meinen ZÀhnen will einfach nicht aufhören. Auf der rechten Seite spielt jeweils ein Zahn der unteren Leiste mit einem der oberen. Es knackt so schön und nervt mich, weil ich einen Tick darin vermute. Die Alternative dazu spielt sich zwischen unterer Zahnreihe und Unterlippe ab. Das begann irgendwann 2018 und hat seitdem nicht aufgehört.
Julifragen
Warum fÀllt es mir so schwer:
mich zu positionieren?
mein gewĂŒnschtes Lebensmodell zu erklĂ€ren?
meine Interessen herauszufinden?
Mut aufzubringen, um (was?) anzugehen?
mich aufzuraffen, diese lebensunwerten ZustÀnde zu Àndern?
Weil meine Bereitschaft etwas zu tun, mit anderen (unterstĂŒtzenden) Menschen zusammenhĂ€ngt. Allein scheint es zu schwer. (Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer). Psychologen haben weit entfernte Termine, was bereits wieder zum Seinlassen fĂŒhrt. Die spontane Entscheidung, JETZT aufzustehen, reicht vielleicht nicht aus, wenn die Grundlage nur pures Leiden ist. Oh, das sollte aber schon ausreichen. Gut, dann: wenn das Leiden also ausreicht, aber keine handfesten VorschlĂ€ge oder Ideen vorliegen, wie ich es ab jetzt und sofort angehen kann, wird erfahrungsgemÀà jede Aktion belang- und ergebnislos. So wie ich jetzt gerade an irgendwelchen Seen nach einsamen BlockhĂŒtten suche, um morgens um Sieben schwimmen zu gehen, den Tag ĂŒber zu wandern und mich ganz auf mich selbst einlassen zu können ... das kennen wir schon: Am Ende habe ich sehr viel Wein getrunken oder Weed geraucht, bin weder geschwommen noch gewandert und habe mir bestenfalls trĂ€umend in den DĂŒnen Orgasmen zubereitet und am Ende das ganze Projekt fĂŒr gescheitert erklĂ€rt.
Jetzt sitze ich ahnungslos hier und ĂŒberlege, wie ich ein realistisches Portfolio ĂŒber mich erstellen und prĂ€sentieren kann. Damit ich vielleicht ja doch irgendwie oder -wo arbeiten gehen kann. Dabei kann ich ja kaum meinen Namen schreiben ...
Ich stöbere manchmal hier in der Zehnsucht und stelle dabei fest, dass ich aufhören sollte, von meinen Leiden und LösungsansÀtzen zu schreiben, denn sie sind allesamt und immer die selben und oft sehr gut beobachtet zusammengefasst auf den Punkt gebracht. Vergesse ich diese AnsÀtze immer gleich wieder und erfinde sie quasi jedes Mal neu? Oder muss ich es 10 mal aufschreiben, bis ich es mir merke? LÀsst (m)eine Depression nicht zu, dass ich mich mit Lösungen beschÀftige, die gegen (m)eine Depression arbeiten? Fakt ist, dass mir jede noch so kleine AktivitÀt im Sinne meines Voran immer sehr zutrÀglich war, wenn nicht gar Euphorien verursachte.
Unsere Urlaubsreise - erstmals in einem Juni - ist jetzt zu Ende, kaum dass der Juli Einzug hielt. Vorneweg zum Anschluss an den vorherigen Beitrag: Mir tut NICHTS weh! Das ist umso erstaunlicher, als dass mein massives Kurzkleindenken und das Herumpoltern auf einem ausserordentlich unaufgerĂ€umten Schlachthof meines Lebens dafĂŒr durchaus als GrĂŒnde gedient hĂ€tten haben können. Diese Unordnung besteht ja nun schon seit langem und auch eine Reise in ferne warme LĂ€nder Ă€ndert ja nichts an diesen ZustĂ€nden. Und 'wearing the inside out' lĂ€sst sich nicht auf Dauer vermeiden. Tobi und ich hatten immer mal wieder mittendrin ein bisschen Zoff, wo niemals Zoff nötig gewesen wĂ€re. Beim Einkaufen oder anderen nebensĂ€chlichen Situationen. Höchste Alarmstufe seinerseits lautet: "Ich warne dich!".
Ich fĂŒhre das zum gröĂeren Teile auf mich zurĂŒck, weil ich in meinem Wahn der Unvorstellbarkeit sinnvollen Lebens dann auch noch Tobi einbeziehe und mit Bezug auf meinen "Brief an meinen Freund" damals in 2010 jetzt jene schlechten Vergleiche anstelle. Vergleiche, die verdeutlichen, was dabei nicht geklappt hat. Dass er mich eben nicht mitnimmt und es keine Pferde zu stehlen gibt. Und dass ich ZĂ€rtlichkeiten nahezu höchstrichterlich einklagen muss ... dass er nicht der Typ ist, dem ich damals meinen Brief geschrieben habe.
Dieser Umstand gepaart mit meinen unsachlichen Unzufriedenheiten gebieren meine unentspannte Haltung, dazu meine BlickwĂŒrfe nach links und rechts, wo alle immer alles besser machen als ich und mir am Ende nur der wĂŒste Haufen Unzufriedenheit bleibt, den wegzuschaufeln ich mich nicht imstande sehe.
Alles ganz anders machen; alles ganz neu beginnen; alles sein lassen. Das Problem besteht weiterhin in meiner nicht vorhandenen Vorstellung, wie ich das Leben denn nun gerne hÀtte. Wo kein Wille, da kein Ziel (!). Da wird mitgelaufen, da wird geschangelt. Und so suche ich mir dann wohl irgendwie irgendeinen Job, denn das Geld vom Amt ist am 31. August alle. Dann kann ich immerhin noch von 40k leben, aber wozu der Aufschub?
Der vorherige Beitrag fÀsst es ganz gut zusammen und ich wollte hier nur Bescheid geben, dass wir knappe drei Wochen unterwegs waren: Bis Achensee, Milano, Cipollatico, Firenze, San Gimignano, Volterra, Lucca, Pisa, White Beach, Siena, irgendso'n See, Pienza, Montepulciano im Val D' Orcia via Ancona nach Split, Hvar und am Ende zu Maja ins Camp Stine.
"Viiieertausend Kilometer weit hab'n wir gesucht ..." Ich habe den Verdacht, dass wahnsinnig werden garnicht so schwer ist, wenn ich bedenke, wie viel ich denke. Und welch' miese QualitĂ€t diese Gedanken haben. Und wie ich kreuz und quer und ohne einen einzigen Strohhalm der Erkenntnis zum nĂ€chsten Gedanken ĂŒberschallverschwinde, der dann auch kein klares Bild schafft. So bin ich den ganzen Tag vollbeschĂ€ftigt ohne eine einzige plausible ErklĂ€rung. Doll.
Wir hatten jeden Tag Wein, manche Abend blieb ich lĂ€nger dabei. Und wie so oft denke ich, es jetzt sofort und ganz sein lassen zu mĂŒssen. Wie seit ungefĂ€hr sehr vielen Jahren.
Anamnese Neunzehn
Ich bin seit jeher verwirrt in Bezug auf mein FĂŒhlen, Denken, Handeln
Wir haben es ĂŒber die Jahre nicht geschafft, mich zu ermutigen, zu stabilisieren und zu einem selbstbewussten Menschen zu formen
Meine Freundlichkeit, Höflichkeit und mein mir zumindest aus frĂŒheren Tagen bekanntes zuvorkommendes Verhalten ist ein schönes Wesensmerkmal; vermutlich stell(t)e ich mir auf diese Weise die Welt vor, die frei von Gewalt, HĂ€me und anderen Gemeinheiten sein mĂŒsste
Es scheint keine innere Struktur zu geben, wohl aber die aufbegehrende Vorstellung, jenseits vorherrschender Konventionen mein Leben so bunt und unabhĂ€ngig wie möglich zu machen; diese Vorstellung scheitert an ungenĂŒgendem Wissen, Mut und dem Glauben an mich selbst
Der Apfel fĂ€llt nicht weit vom Stamm: ich bin in vielerlei Hinsicht Abbild meiner Eltern im Sein wie im Denken und Handeln. Vielleicht wollte der revolutionĂ€re 16-jĂ€hrige diesem Umstand bereits frĂŒhzeitig entgegenwirken; allein ihm fehlten damals wie heute erneut der Mut, der Glaube und die Menschen, die auf diesem Weg hĂ€tten helfen können. Das Um- und Sichtfeld war begrenzt. (Jetzt ist es Stadtfeld)
Anamnese 19: ich fĂŒhle ich mich auf keinem grĂŒnen Zweig; die sinnvollste, wenn auch folgenreichste Aktion 2018 war, mich vom PT zu trennen. Es rumorte ja schon so lange und immer mal wieder und zuletzt am deutlichsten in 2016/17, dass irgendetwas nicht stimmt: Entweder mit dem PT oder mit mir. Ich fĂŒrchte ja letzteres, was bedeutet, dass es nicht gut aussieht. (Aber Halt: Es gibt Menschen, die mit mir die Flucht ergriffen und mir verdeutlicht haben, dass es durchaus weit besser ist als dort.) Auf dem Weg bis zum endgĂŒltigen Entschluss kamen vermehrt der Alkohol und die damit verbundene UnfĂ€higkeit und Lethargie ins Spiel
Anamnese 19: Mein Umgang mit dem Alkohol fĂŒllt ein VerlieĂ und ich möchte es gern aufschlieĂen, da es bereits frĂŒh begonnen und nie richtig aufgehört bzw. sich manifestiert und zur NormalitĂ€t entwickelt hat. Ein wahres Dilemma, das allerdings nur eine Folge- und Begleiterscheinung eines unerklĂ€rlichen Daseins ist. Aber immerhin auch zu dessen traurigen Ende fĂŒhren kann.
Anamnese 19: Alles tut weh.
Himmelfahrt
Es kann nur irgendeine beschissene Form der Depression sein, die mich Zeit meines Lebens begleitet. Aus Untiefen klettert des Ăfteren eine unergrĂŒndliche Einsamkeit, Traurigkeit, die sich mit Unwillen und Aussichtslosigkeit schmĂŒckt und mir weismachen möchte, dass mein Leben im Grunde nur mit ... tja, womit denn? ... möglich ist.
Berg- und Talfahrten, ganz wie auf einer richtigen Achterbahn. Zu begreifen ist wenig, nur der Fahrpreis suggeriert mir, dass ich es wenigstens deswegen durchhalten sollte. Bullshit. Immerhin fĂŒhle ich wieder Traurigkeit, das ist ein groĂer Anfang.
Himmelfahrt. Kommando.
vom Wunder der Wertung
Genau jetzt und hier, an einem Sonntag Mittag in Reform zwischen Pool und Couch, scheint alles fĂŒr einen ganz kleinen Moment gut. Ja - es wird sich ein Job finden, auf den ich mich einlassen kann. Ja - auch wenn alles schief lĂ€uft, könnten Birgit und die FWA mich erstmal auffangen und absichern, Geld habe ich genug und die Aussichten sind je nach den Ansichten immerhin möglich. Es wird immer irgendwo ein Fenster oder eine TĂŒr aufgehen und ich muss mir keine Gedanken ĂŒber Wertigkeiten, meinen Status und irgendwelches Ansehen von auĂen machen. Ansehen von innen ist besser. Und etwas unkompliziertere Sichtweisen bitte. Ich kann machen, was ich will. Wenn ich denn weiss, was ich will. Irgendwer sagte mal, dass man bei allen Auf- und UmbrĂŒchen radikal oder sonstwiewas sein kann, wenn man es nur nicht vergisst, seinen Verstand mit einzupacken.
Und ja - wir werden eine schöne Reise durch Italien und Kroatien machen. Und dann geht der Sommer noch viel weiter.
Es ist tatsĂ€chlich und wie immer merkwĂŒrdig: Vollgepackt mit GestĂ€ndnissen, ZerwĂŒrfnissen und groĂer Orientierungslosigkeit komme ich nach Reform und nach kurzer Zeit fĂŒhlt sich das alles garnicht mehr so schlimm an. Aber wieso? Wir haben hier ein etwas unkomplizierteres Niveau; es ist wie es ist und 'so wars' und fertig. Ich fĂŒhle mich gut mit / bei etwas gesenkter AktivitĂ€t im groĂen Denken. Einziger Plan besteht im Zusammenstellen einer möglichen Route durch die Toskana. Und die Sonne scheint, es ist alles frĂŒhlinglich und besteht im Werden. Auch auf diesen Zug sollte ich aufspringen.
Aktionstalfahrten
Meine Vorstellung von Welt und Reise, erleben, kennen- und dazulernen, Schönheit im Geiste wie im Sein ... die ich oft schon mittels spontanem Losfahren in Angriff nahm, um es zu realisieren, haben im Nachhinein oft einen bitteren Beigeschmack. Oder? Ich denke an die HĂŒtte im Harz, die statt dem Beginn meiner Diplomarbeit alkoholiertem Autosex diente. Dann meine Solo-Touren mit dem VW Bus, als ich das erste Mal in Tönder verĂ€ngstigt auf dem Parkplatz stand oder alte PlĂ€tze meiner Kindheit und Jugend besuchte und mit Ausnahme der Ferienlager keine besonders schönen Erinnerungen daran hatte. Dass auch Brandenburg vorbei war. Dann DĂ€nemark 2010 und meine innere Trostlosigkeit in Kopenhagen und auf den CampingplĂ€tzen ... Alles war irgendwie nicht real, nicht wahr, nicht das, was ich mir erhoffte. Ich versuchte, es als schön einzustufen.
SpĂ€ter auf den Festivals in Tönder oder LuhmĂŒhlen mit Pressepass ... im Grunde war ich allein, unsicher und immer ein wenig trostlos. Aber ich wollte es wenigstens probiert haben. Und will es komischerweise noch immer. Was mich noch immer sehr berĂŒhrt, ist mein heftiger Heulanfall in Tönder bei The Great Malarkey, als das Universum sich zu einem groben, schweren Klumpen formte und mir ins Herz stieĂ mit all meinen Phantasmen ĂŒber Gemeinsamkeit, Freundschaft, Frieden und ... natĂŒrlich Liebe und ich mich nach dem Konzert kaum mehr halten konnte. Das war einer der leibhaftigsten und ehrlichsten GefĂŒhlsausbrĂŒche, die ich je hatte. Nur weil ĂŒber Tische und BĂ€nke alle zusammen sungen "I thank you my friend, you are amazing ..."
Gesprochen hatte ich mit den wenigsten. Es gab nicht viele Kontakte. Obwohl genau das meine Intention war: Land & Leute kennenlernen. Offenbar kann ich das nicht gut. Warum aber versuche ich es dann immer wieder? Weil das GefĂŒhl von 'endlos groĂer Freiheit' anfangs so schön anmutet und verheissungsvoll seine Fahnen der ErfĂŒllung schwenkt?
Ich stelle mir diese Fragen jetzt, weil ich durchaus jetzt und hier und FrĂŒhling losfahren könnte, alles zu sehen und kennenzulernen und zu erleben, was ich möchte. Und da liegt bereits der Hase im Pfeffer, direkt ĂŒber dem begrabenen Hund: 'was ich möchte ...'
Und nun?
Und jetzt? Was nun? Was tun? Was denken? Was glauben? Wohin? Mir fĂ€llt immer weniger ein, ich traue mir immer weniger zu. Ich weiss nicht, warum ich aufstehen sollte. Alle Gedanken an eine ganze Welt voller Möglichkeiten - besonders jetzt, wo ich alle Zeit der Welt habe - liegen brach. Sehr brach. Und ich muss das hier schnell aufschreiben, weil vielleicht spĂ€ter alles wieder halb so schlimm aussieht. FĂŒr den Moment ist es abnorm schlimm: Ich habe noch weniger Antriebe als zuvor, noch mehr TrĂ€ume merkwĂŒrdigster Art, als dass ich mir einen Reim drauf machen kann.
Am Samstag hatte ich eine Moderation zu 100 Jahre Bauhaus, die ich am Freitag zuvor gerade so noch fertig bekam. Auf den letzten DrĂŒcker. Nicht gut. Samstag war dann gut. Wenn es nicht so sehr verregnet gewesen und meine HĂŒfte rechts etwas freundlicher zu mir gewesen wĂ€re. 11 bis 16 Uhr (schon eine Stunde verkĂŒrzt wegen Regen)
Jeskom aufm StraĂenfest abgesagt wegen Dauerregen. Badewanne, eine Stunde ruhen. Weinhandlung beim Abbau helfen, Nach Hause, letztes Glas Weisswein noch austrinken. Ach, was soll's: eine Flasche Rotwein hinterher. Um 10 im Bett oder so.
Sonntag so lala, aber weiterhin ohne Idee. Tobi hat Dienst, ich warte auf den Gottesdienst und die Sendung mit der Maus. Dann weiss ich nicht mehr viel mehr ĂŒber den Sonntag. Er verging wie er kam, verflog einfach so. Kiesertraining. Immerhin. Am frĂŒhen Abend eine Doku ĂŒber Weed, Grass, Hemp ... auf Netflix gesehen. Gleich bisschen Gras geraucht und daraufhin weitere geguckt: Being Elmo und dann noch Joe Cocker. Dazu Flasche Weisswein. Danach Flasche Rotwein. Gerade so geschafft, aber noch bei Sinnen. Dann frĂŒh ins Bett.
Das ist sehr krank. Ich bin sehr krank. Im emotionalen Zentrum meines Daseins. Im Zutrauen und Vertrauen auf meine Möglichkeiten und FĂ€higkeiten, die ich zwar oft schon unter Beweis gestellt, aber fĂŒr den Fall des dringenden Erinnerungsbedarfs immer erfolgreich negiert habe. Weil Emo es nicht will, weil Emo leiden will. Oder mich nicht leiden kann. Bullshit.
Aber wie? Woran liegt denn dieser grobe Unfug? Eine Mischung aus Orientierungslosigkeit, schwachem SelbstwertgefĂŒhl und teilweise ausgeprĂ€gter realer Dummheit? Letztere gelang mir, immer wieder charmant zu ĂŒbertĂŒnchen. Wenn jedoch die eröffnete Spirale von Denk- und Tatenlosigkeit in Verbindung mit immer weiterem Alkohol zu einer vollstĂ€ndigen Lethargie fĂŒhrt, wĂ€re es jetzt an der Zeit, einen kleinen Abschiedsbrief zu schreiben. Denn eine schwache Nuance in meiner Vorstellung des Ablebens verrĂ€t mir, dass dafĂŒr dann keine Zeit mehr sein wird.
Cafe am Rand der Welt
Ein facebooklicher Literaturtipp von Sabrina Gleisberg, von Volker unter mir auch Beutetochter genannt. Es passte gestern Abend ganz gut, dass ihr heroischer Post auf meiner Suche nach geeigneten BĂŒchern fĂŒr mich gerade recht kam - ging es doch um eine ErzĂ€hlung ĂŒber den Sinn des Lebens. Hurra! Es stellte sich jedoch heraus, dass die Schreibweise der von Guidos "Geheimnisvoller Trommel" sehr Ă€hnelt und so flach wie holprig ist. Die Möwe Jonathan hatte mehr Stil und Der kleine Prinz die besseren Bilder. Aber nun denn:
Die Geschichte fasst immerhin zusammen, dass es wie immer und weiterhin wichtig ist, den "Zweck deiner Existenz (ZDE)" zu erkennen und so zu handeln, dass du dir in deinem Leben, deiner eigenen Bestimmung gerecht wirst. Die aufgefĂŒhrten Beispiele klingen fĂŒr mich sogar plausibel, wenn es darum geht, JETZT ein Universum fĂŒr mich zu finden, das zu mir passt, in welchem ich leben und mich daran und darin erfreuen kann. Motivation. Wille. Positive VerstĂ€rkung. Und dass es eben NICHT darum geht, alles im blĂŒhenden Arbeitsleben so zu investieren, damit ich im Rentenalter dann endlich tun kann, was ich will. Es macht Sinn, gleich zu tun, was ich will. Wenn ich denn weiĂ, was ich will. WAS genau ist es denn, was den Zweck meiner Existenz bzw. meinen Willen ausmacht? Und: Auch wenn im Falle der Ăbereinbarkeit von Wunsch, Wille und entsprechenden Handlungen mein Lebensmodell nicht unbedingt von Geld und Ruhm abhĂ€ngt, so ist es dennoch von Belang, irgendwie materiell zu ĂŒberleben. Oder wenigstens befreut sinnerfĂŒllt unterzugehen? Knifflig. Solche BĂŒcher haben entsprechende Erfolge, weil offensichtlich sehr viele Menschen in einem unerklĂ€rlichen Dilemma leben bzw. sich erleben, wie sie es so nicht wollen, aber auch keinen Ausweg finden und solche BĂŒcher sich genau wie SprĂŒche an den WĂ€nden irgendwie schön lesen, ohne dass sie damit tatsĂ€chlich etwas anfangen bzw. ihr Leben entsprechend Ă€ndern können.
Ich könnte hier ewigÂ ĂŒber dieses Buch referieren und es wĂŒrde weiterhin so schwierig wie ich bleiben. Immerhin aber hat es ein paar Dinge zusammengefasst, die mich schon immer verfolgen (so schreibt auch das Buch, dass manche derlei Fragen bereits als Kind, andere spĂ€ter und ganz andere garnicht klĂ€ren. Und ich möchte dazu fragen, ob es Menschen gibt, denen sowas vollstĂ€ndig egal ist, weil es nunmal so ist, wie es ist?) Eine Zusammenfassung = Handlungsanweisung bestĂŒnde also darin, herauszufinden, was mir gut tut und dass ich mich genau diesen Dingen von Tag zu Tag etwas mehr widme. Ob BĂŒcher lesen oder Karussell fahren oder Wandern oder Sport, anderen helfen, Musik machen, im Meer schwimmen, andere Menschen und LĂ€nder kennenlernen ... darin besteht tatsĂ€chlich die gröĂte Herausforderung: Weil ich auch in solchen Situationen gerne schon wieder darĂŒber nachdenke, ob das nun gut ist oder Sinn macht. Siehe Sonnenuntergang Niederlande 1993. Ich glaube an fast Nichts. Aber ich glaube immerhin daran, dass es helfen und Sichtweisen verbessern wird, indem ich meinen Horizont erweitere, andere Kulturen, Menschen, Lebensmodelle kennenlerne. DĂ€nemark 1992 war damals so ein Erlebnis. DĂ€nemark 2010 das ganze Gegenteil. Nanu!?
Dennoch: Wenn es möglich ist, diese positiven Situationen zu sammeln, zu vereinen in einer TĂ€tigkeit, die mir gerecht wird, wird sich dafĂŒr ein Weg finden, egal wo, egal mit wem. Und alles, was positiv verstĂ€rkt und motiviert, wird zu einem guten Leben mit weniger Fragen darĂŒber fĂŒhren. Und das wĂŒrde mir bereits reichen.
Was das Buch ebenfalls ein bisschen wackeln lĂ€sst, ist eine schön gemeinte Geschichte ĂŒber den GeschĂ€ftsmann auf Urlaub, der einen alten Fischer (aaah!) kennenlernt und ihn nach seiner Zufriedenheit fragt. Der wiederum sagt ihn, dass er morgens aufs Meer zum Fischen fĂ€hrt, dann mit genĂŒgend Fisch heimkehrt, ein Nickerchen macht und abends mit seiner Frau am Meer spazieren geht, wĂ€hrend die Kinder im Meer baden. Und dass er diesem Leben so wie es ist, durchaus zustimmt. Der GeschĂ€ftsmann erkennt ein Modell und fragt ihn nach Erweiterung dieses Konstruktes: Mitarbeiter anstellen, mehr Fische fangen, verkaufen, reicher werden mit BĂŒro in der Stadt ... Fischer wiederum fragt, ob er dann trotzdem noch rausfahren, Fische fangen, ein Nickerchen machen und mit seiner Frau am Meer spazieren gehen kann ... GeschĂ€ftsmann sagt "ja", Falle schnappt zu: "Aber dann mache ich das doch jetzt schon alles, so wie ich es will. Warum sollte ich das dann Ă€ndern?" ... Uuuh, GeschĂ€ftsmann ist platt und gibt dem alten Fischer Recht. Im Epilog wird dann ironischerweise erklĂ€rt, dass Strelecky nach diesem 25-Mio-Bestseller zertifizierte Ausbildungsprogramme vertreibt und seine Lehren nun weltweit verkauft werden und er Seminare fĂŒr 'fĂŒhrende Unternehmen' gibt. Hat ihm also offensichtlich nicht gereicht.
Aber egal. Immerhin versuche ich mich weiter an meiner Tragödie, es einfacher und auf den Punkt zu bringen. Und heraus zu finden, was ich zu mir passt. Zumal mein Versuch, heute einen Termin bei einer Psychologin fĂŒr ein beratendes GesprĂ€ch auf August hinausliefe und also damit im Sande versob.
Strelecky: âSobald jemand weiĂ, warum er hier ist, tut er, was immer er möchte und was dem Zweck seines Daseins dient.â
Feist: "Es ist gut, wenn du weiĂt, was du willst, wenn du nicht weiĂt, was du willst, ist das nicht so gut."
Gestern erster Tag ohne Alkohol aus freiwilligen StĂŒcken seit ... tja, seit sehr langem. Geht natĂŒrlich gleich bisschen besser alles.
Tod & Gundermann
Wenn ich so traurig werde, dass es mir zum Freitod gereicht, gibt es dazu und fĂŒr diesen Moment nichts mehr aufzuschreiben fĂŒr die Nachwelt, die es sich daraufhin natĂŒrlich nicht erklĂ€ren, sondern nur mutmaĂen kann. Obwohl ich mir das immer vorgestellt hatte: (Auf dem Dach des Centrum Warenhauses mit einer Gitarre stehen und lauthals verkĂŒnden, was ich alles nicht weiss, aber wenigstens deswegen jetzt sterben will.) Habe gerade den Film Gundermann gesehen, kann ihn mir nicht ganz zusammenreimen, nehme aber ein unglaubliches GefĂŒhl aus meiner Erinnerung mit. Insbesondere beim Song "Jetzt kommen die fetten Jahre, Linda" (ich kann wieder heulen!) und meine Erinnerungen an KutzstraĂe und die Fleischerhemdenfraktion und die ganzen Leute, die ich in meinen Teens und Twens bewundert, aber oft nicht verstanden habe. Weil ich mir nur vorstellte, was 'die da tun'. Doch wĂ€re ich so gern dabei gewesen bspw. am Innenhoffeuer mit den Leuten, die da Musik mit Gitarre und Kontrabass gemacht haben. Ich fĂŒhlte mich nicht zugehörig, nicht gewachsen dem GefĂŒge, von dem ich nichtmal wusste, was es ĂŒberhaupt fĂŒr eines war. Wahrscheinlich ein gar nicht kompliziertes. Nur waren mein Mut und meine Zuversicht nicht ausreichend, um mich einfach mit dazuzusetzen.
Das hat sich fortgesetzt ĂŒber die Jahre hinweg und aus der heroisierenden und wahrscheinlich verklĂ€rt-romantischen Vorstellung ĂŒber das Sein & Tun jener, die ich damals beobachtete und damit auch bewunderte, hat sich blöderweise eine Haltung manifestiert, die mir weiterhin nicht gestattete, mich an die Lagerfeuer jener Menschen zu setzen, um wenigstens mal zu gucken.
Das hat sich spÀter Dank Kawa ein bisschen geÀndert, als ich erstmals in Oberkossa dabei war und feststellte, dass das alles garnicht so kompliziert ist und die Shell-Parka Typen ebenso normale Menschen sind wie ich. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich ihres Lebens insofern bewusst schienen, als dass sie einfach das taten, wonach ihnen war. Ganz einfach.
WĂ€hrend ich noch immer und wie immer und wie heute alles in Frage stellte. Fuck off.
Und das hier geht an Tobi:
https://www.youtube.com/watch?v=TyeXtOvGP-g
Linda
----------
[ Gerhard Gundermann, Album: Der 7. Samurai, 1993]
Du bist in mein Herz gefallen
wie in ein verlassenes Haus
hast die TĂŒren und Fenster weit aufgerissen
das Licht kann rein und raus
ich hatte doch schon meinen Frieden
aber du bist so ne laute Braut
Du hast mich wieder ausgeschnitten
aus meiner dicken Haut
Jetzt kommen die fetten Tage, Linda
wir haben so lang auf dich gespart
was sollen wir euch sagen, Kinder
die Alten sind noch mal am Start
Ich wusste wie die Kugel rollt
und war nicht mehr interessiert
wenn der Sensenmann mich abgeholt
hÀtte ich mich nicht geziert
meine Pistole war geladen
mit dem allerletzten Schuss
ich hab sie unterm Kirschenbaum vergraben
weil ich doch hier bleiben muss
Jetzt kommen die fetten tage, Linda ...
Mandy 50 unter Menschen
Also waren wir in Mannhausen. Die Nacht zum Samstag glich einer ĂŒblichen Entgiftungsnacht ohne Alkohol am Freitag. Selbst am Samstag in Mannhausen fast nichts und zu Hause mit Tobi gesamt eine Flasche Wein. Aber wieder eine gefĂŒhlt sehr schlechte Nacht. So, als hĂ€tte und hat mich das leiseste Schnarchen Tobis immer wieder aus dem Beinahe-Schlaf gerissen. Das macht ziemlich mĂŒrbe. Ein treffendes Wort. Und ein neues von mir vom Samstag dazu: "idiotĂ€r". So fĂŒhlt sich das alles fĂŒr mich an. Und es war eine riesige wie erwartete ZwickmĂŒhle fĂŒr mich auf Mandys Party. Auch Mandys Eltern waren da und so viele andere Leute auf einen Haufen, die mir allesamt sympathisch sind. Doch ich brachte es zu nichts, stand bei den Leuten so mit rum bis wir auf der BĂŒhne bisschen gemeinsam Musik machten. FĂŒr jeskom hats nach einer Stunde 'Show' dann nicht mehr gereicht - und es war egal. Und bald danach gings nach Hause.
Das eigentliche Dilemma dieser groĂen ZwickmĂŒhle: Mir war klar, dass Tobi dort nicht lange bleiben wollte. Und mir war auch klar, dass ich so schlecht drauf war, dass es ja eigentlich sogar passte. Oder was erwartete ich sonst? Was auch immer, aber ich hatte wieder das doofe GefĂŒhl, dass mit Tobi bei solchen Gelegenheiten kein Staat zu machen ist. Das Ă€rgerte mich sehr, obgleich es natĂŒrlich auch fĂŒr mich besser war, die Party zu verlassen. Aber das Dilemma wird klar: Das eine geht nicht, wĂ€hrend das andere auch nicht ging. WĂ€re ich da geblieben, weiss ich genau, dass ich jetzt noch sehr betrunken und mindestens ebenso unzufrieden wĂ€re. Au weia.
Die ganze RĂŒckfahrt war ich maulig. Ăber meinen Zustand, ĂŒber Tobis AttitĂŒde fehlenden Interesses an smalltalklichen bis hin zu intensiven Feten und Kommunikationen, die man einfach so plĂ€tschern lassen und gemeinsam erleben kann. Quatschen. Lachen. Wandern. Tanzen. Zeit baumeln und gut gehen lassen. Und maulig darĂŒber, dass ich sowas also mehrfach bewiesenermaĂen alleine machen und mich anderen gegenĂŒber dann zwar ehrlich, aber dennoch rechtfertigen muss, dass mein Freund an solchen Dingen nicht interessiert ist.
Ich bin da ja selbst kompliziert genug, insbesondere, wenn ich so schlecht drauf bin wie an diesem Wochenende. Und auch so bin ich so oft so Ă€ngstlich, was mir eigentlich garnicht entspricht. Insbesondere in Kreisen, in denen ich mich sicher fĂŒhle.
Eine Handlungsanweisung fĂŒr solche Momente hĂ€tte ich gern. Denn Tobi kann nichts dafĂŒr. Er ist nunmal so. Und ich kann mich entscheiden, wie ich will, er wĂŒrde es mir nicht besonders ĂŒbel nehmen. Aber ich kriegs ja nicht selbst hin und brauche also noch immer jemanden, der mich mitnimmt, mich einem interessanten, interessierten und intensiveren Leben zufĂŒhrt oder mich zumindest auf diesem Weg hin ermutigt. Eine Handlungsanweisung, die mich von meiner stummen Wut ĂŒber diese undefinierten und teilweise unlogischen Denk- und Handlungsweisen trennt, die mich fĂŒr den Moment beruhigt oder .... ach das ist alles Bullshit. Ich fĂŒhle mich immer noch sehr dunstig und meine HĂŒfte piekst im Takt dazu.
Neue Woche mit Moderation und StraĂenmusik am Ende. So. Mach was!
Vergiftungen
Ich glaube, es handelt sich tatsĂ€chlich um deutliche Vergiftungen und um ein fortgeschrittenes MiĂbrauchsstadium mit Richtung deutlicher AbhĂ€ngigkeit, wenn ich mir die letzte Woche besehe. Das ist definitiv zu viel. Und die nĂ€chsten Tage beginnen manchmal erst um 12! Und sind auch keine Tage, sondern reines Dahinvegetieren ohne Meinung und Tat. Aber mit einer enormen Leere in Hirn & Herz. Es findet nichts mehr statt. Oder nicht sehr viel.
Dazu gesellt sich ein weiterhin sehr diffuses Bild ĂŒber mich / von mir, so dass ich nichtmal eine schöne Vorstellung von Mandys Party habe, die nachher in Mannhausen steigt. Da wollte ich schon seit gestern sein, aber ich traue mir keine KĂ€lte im Bus mehr zu oder ĂŒberhaupt die so sehr ersehnten Menschen um mich herum, denen gegenĂŒber ich allerdings ein Verteidigunssyndrom entwickle. Ich möchte garnicht die Frage gestellt bekommen, wie es mir geht und was ich jetzt so tue. Kurze Antwort: Es geht mir ziemlich beschissen und ich tue eigentlich nichts, daran etwas zu Ă€ndern. Der Rest des Abends wĂ€re dann bestimmt ganz viel Bier und Wein, um dann besinnungslos im Bus die Heizung versuchen, anzuwerfen.
Wir fahren also nachher raus und abends dann auch wieder zurĂŒck. Aber vergiftet bin ich allemal. Und die HĂŒfte rechts macht sich eine Freude draus und schikaniert mich gleich noch'n bisschen in dieser Abteilung.
zwölf42 abgrundtief
Wenn man mich so und jetzt sehen wĂŒrde, mĂŒsste man mir professionelle Hilfe ... (irgendein Wort). Ich bin quasi verwahrlost. Und um 12:42 aufgestanden, weil das Rumpeln ĂŒber mir meine Vergiftung ĂŒbertönte. Angefangen hat alles vor vielen Jahren ... nein vorgestern am Freitag: in dem ich ab 22:00 Uhr 2 Flaschen WeiĂwein leerte und am Samstag entsprechend knĂŒlle war. Was mich nicht davon abhielt, schnell noch bei Norma vorbeizugucken, um zwei weitere dieser WeiĂweinflaschen zu kaufen. Jedoch nur, falls ich ein kleines GlĂ€schen am Abend ... So. Dann ging ich endlich die Winterkiste an, um die restlichen DVDs und CDs zu sichten und entsprechend wegzuschmeissen. Dazu gabs eine 50 Jahre Hitparade Sendung im Fernsehen und ich war sehr oft sehr merkwĂŒrdig berĂŒhrt von dem, was ich da sah: Das sind alles Erinnerungen aus meiner Kindheit. Und manche von denen fĂŒhlten sich an wie erst kĂŒrzlich erlebt. Einen Grund fĂŒr diese Melancholie kann ich mir nicht erklĂ€ren, fand aber beim Sichten und Archivieren der alten DVDs / CDs gar manche Aufnahmen, die ich mir unbedingt behalten wollte, weil ich dort zu sehen war. HĂ€? Was soll das denn? Vielleicht habe ich zu wenige Fotos / Filme aus meiner Kindheit / Jugend und will das jetzt wenigstens mit dem Lebensabschnitt 20/30 auffĂŒllen? Oder ich hĂ€nge grundsĂ€tzlich am Vergangenen, von dem ich jedoch weiss, dass es auch keineswegs besser war, sich vielleicht nur 'möglicher' anfĂŒhlte, etwas mit meinem Leben besser zu machen, als es jetzt der Fall zu sein scheint.
Jetzt eben rief Tobi an (Facetime) und ich glaube, schlimm ausgesehen haben zu mĂŒssen. Weil ich mich entsprechend fĂŒhle. Und dabei feststelle, dass er zwar eine felsenfest verlĂ€ssliche StĂŒtze fĂŒr das einfache, alltĂ€gliche Leben ist, aber an solch komplizierten FĂ€llen wie mir scheitern muss. Ich weiss ja auch nicht, was ich in meinem Fall mit mir tun soll.
Warum habe ich eigentlich noch keine messbaren SchĂ€den wie Fenstersprung, Leber- oder anderen Krebs oder Kreislaufversagen und Schlaganfall und Infarkte? Ich erfĂŒlle doch alle Voraussetzungen dafĂŒr?! Immer wieder muss ich in solchen Situationen an StĂŒbing denken, da war er noch nichtmal 40 und brach mit sich und seinen Konventionen, liess sich einliefern und helfen. Ich bin gleich 50. Noch ist es nicht zu spĂ€t dafĂŒr. Einzweidrei GesprĂ€che mit einem wildfremden Psychologen fĂŒr den Anfang? Ich brauche dafĂŒr eine klare Aussage ĂŒber mich, eine Beschreibung meines Zustandes und der Gefahr, in der ich mich sehe. Und dann brauche ich ein Ziel oder zumindest eine Idee, was ich will und was nicht. Habe ich ja alles schonmal irgendwannwo angefangen. Und wieder sein lassen.
Das ist mir alles zu anstrengend. Beziehungsweise ICH.
500 km landwÀrts
"Viel leichter ist es immer hinterher" ... was habe ich ausgestanden, um mich mit dem Gedanken anzufreunden, einfach mal loszufahren. Die Gelegenheit bestand darin, dass Siggi (mein Nachbar) mit Frau und Tochter irgendwo im Spreewald campierte und er mir ein Foto schickte und meinte, dass dies doch mal ein schönes Ausflugsziel fĂŒr mich wĂ€re. WĂ€hrend des Reifeprozesses meiner hyperreflektierten Ăberlegungen riss ich mich einfach von mir los und nutzte Wetter wie den neu gemachten Bus und den vollen Tank und wagte es. Am Ende war der Campingplatz voll und ich erinnerte mich dort in LĂŒbbenau wieder ein bisschen an Kopenhagen damals. Zwar war ich diesmal nicht ĂŒbertrunken vom Vortag (sondern hatte gerade noch den Absprung im BN mit 3 Bieren und zuhause einer weiteren Flasche Bier geschafft [ja, ich fĂŒrchte, ich muss meinen Konsum hier mittlerweile dokumentieren]), aber mir war wieder und weiterhin so schwirrig im Kopf (interessantes Wort), was sich wie eine sehr blöde Desorientierung anfĂŒhlt, ein schwindliges, benommenes Unterfangen, bei dem ich mir in nichts sicher bin, aber fĂŒr den Moment auch nichts Ă€ndern kann, weil ich ja nun mal vor Ort bin. Alles weitere scheint eine riesige Anstrengung und der Wunsch nach "nimm mich bitte hier raus und bring mich an einen sicheren Ort"
Nunja. Wir fanden uns also in Hafen von LĂŒbbenau, erzĂ€hlten bisschen und ich mutmaĂte, meinen Weg nach Dresden fortsetzen zu wollen. Bis mir auf dem kurzen Weg zur Autobahn einfach nicht einfallen wollte, was ich da sollte. "Hey StĂŒ!" in seinem Laden rufen. Ja. Und dann? Kein Ziel, keine Idee, keine Ahnung. Fotos machen! Hey- und wovon? Und warum? Und was soll das alles ĂŒberhaupt? Ich entschloss mich auf dem Weg, den ich kam, in Brandenburg/Wollin abzufahren, zur Malge hin. Das war kein groĂer Umweg und damit auch nicht so belastend fĂŒr meine zu vielen Gedanken. Einfach gucken. Und so war es dann auch. Alles wieder erkannt, fast alles beim Alten geblieben. Sogar die Baumwurzeln von der Malge-Terasse zum Strand. Vieles so wie vor ĂŒber 40 Jahren. Vierzig!
Bin wie vor ?x? Jahren die Malge entlang gelaufen mitsamt dem Blick nach Kiehnwerder und der Frage, ob ich da rĂŒber kann. Oder möchte. Und dann verspĂŒrte ich ein irre Lust nach Baden. Und hab die kleine FKK Bucht dafĂŒr genutzt. War eh' fast keiner am Strand. Und dort gar niemand. Und also sprang ich rein. GroĂartig. Anbaden am 25. April. Nass zurĂŒck in die Klamotten mit Sand in der Hose wurde mir um Einiges leichter. Es war vertraut dort. Wahrscheinlich deswegen. Ich fuhr entspannt und durch die Sonne nach Hause und bin abends in die Sauna und zum Schwimmen. Einer von den Typen, die da auch sonst immer da sind, erzĂ€hlte mir aus seiner Kindheit an der Malge und ich stellte mal wieder fest, wie klein doch unsere Universen manchmal sind.
Jetzt sitze ich hier, trinke EntrecĂłte und frage mich, warum ich und meine Gedanken so unnötig kompliziert sind. Ich hĂ€tte mir auch sagen können, dass das heute unnötige knappe 500 km waren. Jetzt, ganz am Ende dieses Tages, waren sie es aber dann doch nicht. Nur die ganzen aufwĂ€ndigen Gedanken und mein blödes "Down-Syndrom" (ich weiss, ganz schlechtes Wort, aber es fĂ€sst es ganz gut zusammen) möchte ich gern loswerden. Es fĂŒhlt sich oft an wie Blutdruck 90:60 und im Kopf noch etwas weniger.
Es sind jetzt noch 20 Grad drauĂen - ein Vorgeschmack von Sommer, der sich zum GlĂŒck wieder zurĂŒckziehen wird, um es spannender zu machen. Ich habe soviel Zeit. So dolle viel. Mindestens bis September. Und Geld genug. Und so viele Möglichkeiten, das zu tun, was ich in Zeiten meiner VollbeschĂ€ftigung immer als Manko bzw. als Grund wegen eben dieser (nicht zufrieden stellenden) BeschĂ€ftigung angesehen habe. Pardauz! Und nun habe ich nicht den Schneid einer Idee, mit der ich mich anfreunden könnte. Ein allgemeiner und bitterböser Trugschluss also.
Mein Leben mach ich mir, widewidewitt, eben NICHT, wie es mir gefÀllt. Weil ich nicht weiss, was mir gefÀllt, was ich will, was und warum ich etwas nicht will, wovor ich Angst habe, was mein Problem ist ... und wie das Wetter morgen wird.
Ahoi.
Hingabe
Ist das also weiterhin so, dass nach alkoholisch zu intensiven und aktionistisch zu unbedeutenden Wochenendtagen (resp. Ostern von Donnerstag bis Montag) Körper & Geist in einer Art dumpfer Zeitschleife gefangen sind, aus der sie nur mittels konkretem Verzicht entfliehen und sich mich wieder normal anfĂŒhlen lassen zu können? Das Training hat mich ein wenig erweckt, aber ich wĂ€hne mich weiterhin auf einem schwankenden Eiland: Das Gehirn (Set) ist dumpf und trĂ€ge, wĂ€hrend die Umgebung (das Setting) zufĂ€llig extra seinen entsprechenden Teil beisteuert. Wie eben an der Kasse im Edeka wie auch bei BĂ€cker Ebel. Alle nicht so richtig klar bei Verstand und langsam und fehlerhaft. Passt perfekt zu mir. Und ich versuche der vielen abwĂ€genden Worte Einhalt zu gebieten, rauche jetzt (ermutigt durch T.C. Boyle's "Das Licht") am hellerlichten Tag eine TĂŒte und werde damit ganz sicher weiter wanken, weiss dann aber wenigstens, warum ich nicht bei Verstand bin. Und morgen ... morgen wird alles besser. Irgendwie.
und wie weiter?
Böse Frage zum postösterlichen Start in die neue Woche, in welcher es tatsÀchlich so gut wie keine Termine gibt. Eine Ausstellung von Beetzi, einmal Fahrraddurchsicht, Tobi hat Samstag Dienst. Vor mir liegen sieben vollstÀndig freie Tage, wenn ich das mal so bezeichnen sollte. Ich mache damit nur deutlich, wie wenig ich mir, meinen Gedanken und Ideen, meinem Leben und meinem Horizont zutraue.
Klar könnte ich das geniale Wetter nutzen, um irgendwohin zu fahren, um mich dort ebenso nicht wohl zu fĂŒhlen. Oder mit der Kamera Zeugs machen, oder Jeskom, oder Domsagen, oder Otto-von-Guericke, oder den Arbeitsmarkt durchforsten, oder fĂŒr MD-Kompakt schreiben oder ein MDR Interview machen oder Leute besuchen, oder meinetwegen die Wohnung lila anstreichen und aufrĂ€umen oder mir auf Gayromeo ein Sexdate besorgen, oder den ganzen Tag lesen oder so verrĂŒckt wie verzweifelt die Zehnsucht hier vollschreiben ... alles bzw. das Nichts wiederholt sich.
Ein ungreifbarer, seltener Hauch von Möglichkeit will mir weiter- und immerhin weismachen, dass es bedeutungsvolle oder wenigstens irgendwelche Dinge zu erwarten und schlieĂlich auch zu tun gĂ€be. Aber im Moment lethargiere ich jedoch vor mich hin und beziehe wenigstens die Betten neu.
Wie aber soll es denn nun weitergehen? Und womit? Und warum? Ich schlafe weiterhin nur halbwegs gut, wenn ich genĂŒgend Wein getrunken habe, was mir den nĂ€chsten Tag vergĂ€llt und mich immer fetter werden lĂ€sst. 10 Uhr, 14 Grad, volle Sonne. Das ist drauĂen. Ich wĂŒrde gern ALLES mal erklĂ€rend zusammenfassen. Nicht im Detail, wie ich es schon so oft versucht habe (Summary, Stand der Dinge, der Tod, ACT [obwohl ACT relativ konkret ist] ...), sondern in einer Kurzbeschreibung, in einem Essay, einem Buchklappentext ...
"Fast 50jĂ€hrig hatte er immer das GefĂŒhl, seinem fĂŒr ihn unerklĂ€rlichen Leben hinterherzujagen, statt sich mit ihm anfreunden zu können. Seine Denkmuster, InterpretationsansĂ€tze und emotionalen Motivationen erlaubten ihm nicht, seine vielfachen Reflexionen und Zweifel zu verstehen, zu akzeptieren. Stattdessen balancierte sein Willen gegen seine Zweifel in einem immer ungleicher werdenden Kampf, so dass er am Ende nicht mehr wusste, was er eigentlich wollte. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Ăbrig blieben die Zweifel, die auf nahezu alles ihn Umgebende, ob beginnen oder bestehen wollend, einen Schatten warfen. Sein RĂŒstzeug bestand in vielen bewundernswerten FĂ€higkeiten, die mangels einer professionellen, lenkenden Ordnung per Selbstwert und Ermutigung weit unter den Möglichkeiten blieb. Was ihn zu der Auffassung brachte, dass sein Leben womöglich möglich sei, er es aber nur unter permanenter Aufbietung all seiner KrĂ€fte zuwege bringen könnte. Bis ihm eines Tages ein Gedanke kam, der hier leider nicht aufgeschrieben werden konnte."
Er vermisste Freunde, Freude und 'echte' Erlebnisse jenseits von Kneipentischen; er formulierte ein vages GefĂŒhl ĂŒber jene Erlebnisse, die den Horizont erweitern, sein Wissen mehren und Lust auf weitere LĂ€nder, Menschen, Abenteuer machen. Machen könnten. Machen sollten. Stattdessen freute er sich immer nur ĂŒber das kleine, seltene, unbestimmte Kribbeln am Sonntag mancher Wochenenden, das ihm weismachen wollte, dass es JETZT losgehen kann. Oder gleich danach.
ab jetzt alles
Alles ist möglich. Insbesondere jetzt, in diesen frĂŒhlinglichen Momenten. Keine Arbeit, keine Verpflichtungen, keine laufenden Projekte. Allerdings auch keine Ahnung, was ich damit und mit mir anfangen soll. Und mit meinem Leben. Schlimm, was? Ordentlich doof ist das sogar. Ein kurzweilig körperweites Kribbeln lĂ€sst erahnen, welche AusmaĂe zur VerfĂŒgung stehen. Zur VerfĂŒgung standen, die ganze Zeit schon. Nun ist es nur deutlicher. Ich könnte los. Heute Abend schon. Ach was, nachher. Nach links oder rechts oder geradeaus? ZurĂŒck hört sich doof an, geht aber genau so. Auf der vertrauten Stelle tritt's sich noch am besten, oder? Bringt aber keinen Schritt ... ja, is' klar.
Und wieder also fĂŒhlt es sich an, als dass ein langer tiefer Schlaf es richten könne und ich nach dem besonnenen Aufwachen in Ruhe meine Sachen packe und auf irgendwelchen oder -wes' gedanklichen FlĂŒgeln davonschwebe.
von der Freiheit im Kopf
Es ist Ostern. Seit Tagen prĂ€sentiert sich schönstes FrĂŒhlingswetter und mĂŒht sich, die Menschen aus ihren winterlichen Höhlen zu locken. Morgendlich frische klare Luft wird zu sonnenwarmen Oasen mit leichter Brise aus dem Osten und kĂŒhlt sich abends wieder ab. Die Natur treibt jung und hellgrĂŒn aus, stark, frisch und bereit, ihre Knospen zu bunten BlĂŒten zu entfalten.
... ĂŒberall regt sich Bildung und Streben ... doch an Blumen fehlt's im Revier. Die geputzten Menschen tun es der Natur gleich, zĂŒnden Feuer an und putzen sich und ihre HĂ€user im Versuch, den Winter zu vertreiben. Ein weiterer Neubeginn also, mein fĂŒnfzigster, normalerweise begleitet von einem leichten Beben in Voraussicht auf das, was jetzt zu erwarten, zu tun, zu erreichen sei.
Meine Sichtweisen bleiben weiterhin kompliziert, schnellstumstöĂlich, aber meistens negativ behaftet. Die beschwichtigenden und aufmunternden Worte anderer und meiner selbst verhallen so schnell, als dass ich sie halten und nutzen könnte; die Wertigkeit allens flieht flĂŒchtig in die Schleifen jener permanenten Wiederholung derselben Litaneien. <-- kurze Pause, ich bin zu diffus, um hier weiter zu schreiben -->
Jetzt ist es Abends und wir kommen gerade aus dem Pool nach zwei Stunden nebst einer Flasche Wein. Der Pool mit seinem 37 Grad Wasser macht mĂŒde und mir schiessen Millionen Gedanken durch den Kopf. Bereits im Pool wie auch den ganzen Tag durchwischten mich haltlose Fetzen von irrsinnigen Gedanken, die irgendwie damit zu tun haben, dass ich in jederlei Hinsicht Bewegung brauche, aber nicht imstande bin, auch nur irgendetwas aufzugreifen, um es zu tun.
Das geht hier heute erstmal nicht weiter, ich bin dumpfmĂŒde und ... und das wars.
eine Fallstunde spÀter
... entschloss ich mich, zum Weinladen zu gehen. Und es waren Stef und Frau Doktor Ulrike da. Und Wein-Micha. Genau wie 48 Stunden zuvor. Und so plötzlich wie oft drehte sich meine Stimmung und mir ging es wesentlich besser. Vielleicht waren es die bekannten und vertrauten Gesichter. Bisschen spĂ€ter stieg Andy aus einem Taxi aus, zurĂŒck vom Flug aus Birmingham via Frankfurt und Hannover und berichtete von seinen Erlebnissen auf dem Airport Frankfurt, wonach ihm sĂ€mtliche DutyFree Flaschen in einer Personenkontrolle entzogen wurden, weil sein Gate (2) offensichtlich nicht fĂŒr den Transit gerĂŒstet war und er damit keine FlĂŒssigkeiten in dieser Menge in den nĂ€chsten Flug per HandgepĂ€ck mitnehmen durfte.
Egal. Aber interessant. Im Bluenote traf ich dann Tino / Tilo? und Ronald. Und alles passte ganz gut zusammen. Jetzt probiere ich zuhause eine Flasche Wein und ĂŒberfliege kurz den Tag, an dem mir tatsĂ€chlich mehr gelungen ist, als es mir meine Stimmung vorhin zugestehen wollte: Ich war bei Nowak- Steuerberaterin, im Anwesen meiner Eltern, hab dort bisschen gegossen, hab einen Termin bei einer Thai Massage morgen (nachher) klar gemacht und bringe mein Fahrrad am Mittwoch zur Durchsicht. Und ich habe meinen Bus durch die WaschstraĂe gebracht und saubergesaugt. Einzig die Websachen beim MigrationsfĂŒhrer habe ich nicht hinbekommen: Keine Ahnung = Kein Interesse. Von solchen Dingen sollte ich mich trennen.
Mach das, was du kannst und bestenfalls: was du willst. Nunja, zumindest wollte ich hier nicht unerwĂ€hnt lassen, dass meine Stimmung und die Sicht auf die Dinge also auch sehr schnell umschlagen können und ich mir damit weiterhin völlig im Unklaren darĂŒber bin, wie und auf welchen Wegen ich mir denn diese besseren ZustĂ€nde zulegen kann. Es bleibt kompliziert und diesen Blog hier werde ich wohl weiterhin mit meinen sehr spontanen, akuten Stimmungsschwankungen fĂŒttern.
P.S.1: ein vibrierender Dildo mit Prostata-Massage fĂŒhrt tatsĂ€chlich zum Orgasmus. Eine gewisse Einstellung dazu und Erregung vorausgesetzt, bedarf es nichtmal Gras oder besonders inszenierter Stimmungen / Situationen. Es scheint einen Zusammenhang zu geben.
P.S.2: Wuseler hatte kĂŒrzlich einen Herzinfarkt und dabei GlĂŒck gehabt, dass er noch in der Bank weilte, in welcher seine Kollegin folgerichtig handelte, die Ambulanz ihn schnell nach Olvenstedt brachte, wo ihm ein Stent gesetzt wurde und er - diese Katastrophe ĂŒberlebt habend - nĂ€chste Woche eine Reha beginnt. Es gab keine Vorzeichen ... es passierte einfach. Tadaaa!
Denke ich oft drĂŒber nach. Und leider nicht mit besonderer Besorgnis. Nur in der Hoffnung, dass es schnell und schmerzlos vorbei wĂ€re. Wirklich? Na? Wie egal ist dir dein Leben?
P.S.3: ab morgen ist Ostern. Bei allerbestem, sonnigen Wetter um 20 Grad und darĂŒber hinaus bis in die nĂ€chste Woche. Beste Voraussetzungen fĂŒr ... ? FĂŒr was? Es tut mir so leid, so viel Zeit meines Lebens offensichtlich zu verschenken, weil ich nichts damit anzufangen weiss. Vielleicht schaffen wir's nach Potsdam Sanssousie auf einen Ausflug.
Fallstudie
Bestimmt mal wieder nicht schön, sowas hier lesen zu mĂŒssen. Vielleicht kann ich mich dadurch aber besser beschreiben. Um zu erkennen, was so lange schon und immer wĂ€hrt, sich aufbĂ€umt, sich plötzlich zur positiven Sicht wendet und wieder in sich zerfĂ€llt. Eine Fallstudie ist das hier, bei der ich mich frage, ob mein gefĂŒhltes Gesamtniveau eigentlich fĂ€llt und die Bewertungsskalen sich im Kombinat abwĂ€rts bewegen.
London begann in freudestrahlender Absicht, mein frisches Englisch einzusetzen, Klamotten zu kaufen und mit schönen und gelebten EindrĂŒcken zurĂŒckzukehren. Wie beschreibe ich das jetzt? Sehr oft habe ich so ein gesamtes LebensgefĂŒhl inmitten irgendwelcher Situationen, auf einem wankenden Turm zu stehen und in vielen solcher Situationen oft nicht weiss, was ich jetzt hier eigentlich tun oder lassen soll oder warum ich ĂŒberhaupt da bin. Und wohin ich gucken soll. Geschweige denn gehen soll.
ZurĂŒck aus London stelle ich fest, fast gar kein Englisch gesprochen zu haben und die gelebten Erlebnisse in Ermangelung einer Vorstellung derselben garnicht habe leben können. Weil ich und mein Universum viel zu kompliziert, depressiv und mĂŒde sind.
So sitze ich hier, versuche irgendwelche Websachen zu erledigen und komme alles in allem auf keinen Punkt, obgleich es derzeit zumindest ausreichend Zeit fĂŒr alles gĂ€be, was ich zu tun gedĂ€chte, wenn ich denn wĂŒsste, was ich tun wöllte. Dieses Thema ist so alt wie ich und ich schreibe es nur schnell auf, um die unerklĂ€rbare Tragweite weiter zu dokumentieren. Es bleibt der dumpfdröhnende Beton, der einer schwer zugemauerten Festung gleich mich an allem hindert. AuĂer am Weintrinken. Was einige Folgeerscheinungen, aber nicht die Ursache erklĂ€rt.
Zerfall und FrĂŒhjahrsputz
Je nach Stimmung und Sichtweise betrachte ich den Zerfall meiner HĂŒlle in jenem relativen MaĂ, mit welchem diese Erkenntnis greift. Die Haare gehen mir aus, die ZĂ€hne sehen nicht gut aus, ich bin jetzt bei 90 Kilogramm wabernder Masse angekommen und zum Dessert gibts zu oft jene unerklĂ€rlich mĂŒden Momente, die hĂ€ufig in Tatenlosigkeit, Wortschwund und einer gewissen Traurigkeit mĂŒnden, die solche An- und deren Aussichten nicht gerade positiv beeinflussen.
Eine kleine Zwischenerkenntnis dazu stammt aus meiner Englisch-Einstufung, wonach man mich bei Berlitz reden hört und der Meinung ist, dass ich ziemlich aufgestellt sei. Was sich leider nicht so anfĂŒhlt und oft habe ich den Verdacht, dass diese irgendwie selbst geschaffenen Lorbeeren meine eigentliche Leere in weiteren Bereichen des Lebens ĂŒbertĂŒnchen. Ich kann schlau anmutende und zur Konversation passende Worte beisteuern und hinterlasse bei meinen GegenĂŒbern das GefĂŒhl, dass ich vermutlich gutÂ ĂŒber das jeweilige Thema Bescheid weiĂ. Weiss ich aber nicht, ich benutze nur solche flĂŒchtigen OberflĂ€chlichkeiten mit einem gut passenden gewissen Witz und Esprit. Das scheint mir mein Blendwerk zu bestĂ€tigen. Vielleicht ist das ja auch wieder nur Ansichtssache und stimmt bestimmt nicht, aber es fĂŒhlt sich oft und sehr so an.
Jeder FrĂŒhling versucht mich immer wieder, in zumindest mir möglich erscheinenden Bereichen etwas zu Ă€ndern. Und dafĂŒr wird es jetzt Zeit. Immerhin habe ich es zwei Wochen lang geschafft, je drei mal zu trainieren und Donnerstags zu schwimmen.
The Ballad of Buster Scruggs
"The Ballad of Buster Scruggs" der Coen-BrĂŒder ist ein so bildgewaltiger Film und mit einem erzĂ€hlerischen Minimaltempo versehen, welches Zeit lieĂ zum Wirkenlassen, zum Verstehen. So waren dann auch meine TrĂ€ume der kommenden Nacht gespickt mit unendlich vielen Geschichten, Episoden und theoretischen Erlebnissen. Eine sehr bemerkenswerte Szene (so kommt es mir zumindest jetzt, kurz nach dem Aufstehen nach dem FrĂŒhstĂŒck vor) war ich in irgendwelche Glitzerwellen schaute und mir in diesem einen, kurzen Moment bewusst wurde, wie es sich anfĂŒhlen muss, wenn ich völlig frei von allem bin: von allen echten oder eingebildeten Beobachtern um mich herum, von allen eigenen ZwĂ€ngen, von allem Welt- und eigenen Schmerz ... es war ein unglaublich groĂer und sehr erleichternder Moment und so voller Klarheit, als sollte mir damit gezeigt werden, wie es sein könnte. Und dass es folglich also möglich ist.
hang over and over and ...
Samstag wirkte der Wein schneller als gewohnt und am Ende war ich breitest, nachdem Tobi bereits im Bett und ich noch beim Lesen eines InterVista Artikels ĂŒber Roland Bach war. Der Sonntag wurde zu einem der ĂŒblich- blĂŒhenden HangOverDays und der Sonntag Abend hing entsprechend zwischen allen Seilen, was die Nacht trotz groĂer MĂŒdigkeit des Sonntags kurz und ĂŒbermĂ€Ăig traumbefĂŒllt werden lieĂ. Also der Hang-Over-Over, der es immer wieder schafft, meine Sichtweise auf mein Leben so extrem zu verunstalten, dass es zum Grauen wird.
Denn es sind ja (wie sicherlich hundert mal bemerkt) nicht der Wein und der Hangover, sondern die GrĂŒnde dafĂŒr. Das war die bisher deutlichste Aussage. Und in diesem Fall vollbeladen mit: Was soll ich hier? Was soll ich arbeiten? Und warum? FĂŒr wen? FĂŒr Geld? FĂŒr etwas Ruhm oder gesellschaftliche Anerkennung? Weil es sein muss und es 'nunmal so ist'? Was kann ich denn und wichtiger noch: Was will ich denn? GĂ€hnende Leere und ein unglaubliches Unbehagen.
Dazu das immer wieder als von mir knapp eingestufte Englisch (nĂ€chste Woche ist es mit dem TOEIC Test geschafft) und dann dazu die immer wĂ€hrenden Fragen, was denn anschlieĂend mit mir zu tun sei. NYC? DK? Oder eine der favorisierten Rundreisen voller Zweifel und letzten Endes mit noch gröĂerer Unzufriedenheit? Bestes Beispiel dafĂŒr war damals Kopenhagen in 2010. Oder 'irgendeinen' Job annehmen?
Aus purer Aussichtslosigkeit und dem RĂŒckgang der Schmerzen habe ich in der letzten Woche wieder mit dem Training angefangen. Wenn schon Scheisse drauf, dann muss ich nicht auch noch so aussehen. Das ist mittelfristig sogar klug gedacht, denn es hilft im Falle von spontaner Reaktivierung.
Ich fĂŒrchte nur - und die gesamte Zehnsucht hier macht das sehr deutlich - dass es und ich und Ăberich immer so bleiben werden. Ein deutliches Update steht dringlichst bevor. Aber welches? Und wie? Immer das Selbe, Baby.