Die Gewichtung von Positivem und Negativem scheint mir eine außerordentliche Schieflage aufzuweisen, indem ich das jeweilige Element zu Gunsten oder Ungunsten für mich auslege. Vereinfacht geschrieben sah ich mich immer als den positiven Menschen. In den letzten Jahren des Puppentheaters (so ab 2016? - ich weiss es nicht mehr genau) überwog ein negatives Gefühl, das sich entsprechend in Nicht-Aktionismus, Lethargie und Alkoholismus übertrug.
Manifestation heisst das wohl, wenn ich jetzt vom Ende dieser Jahre aus (hoffentlich!) darauf zurückblicke und nur noch Negatives verspüre. Da gab es ganz sicher ganz viel Positives, aber Mister Sadman hat alle Erinnerung getilgt.
Und genau so stehe ich also jetzt hier an einem typischen Sonntag Abend kurz vor Abfahrt aus Reform und glaube fast fest daran, dass NICHTS möglich ist und ich mich in allem sehr sehr verloren fühle.
Zusammenaugustet
Trotz allen Wissens um meine möglichen, spontanen Sichtweisenverbesserungen stelle ich mir weiterhin die Frage, warum mein Leben so kompliziert sein muss, warum ich mich immer wieder mit diesen zermürbenden Fragen nach dem Sinn und meinem Lebensmodell herumschlage bzw. herumschlagen muss. Wieso kann oder muss ein in seiner Basis so positiv eingestellter Mensch wie ich so viele negative Denkmuster mit sich herumschleppen?
Im Moment fällt diese Frage deutlich ins Gewicht; die Voraussetzungen dafür sind zusammengefasst: das böse, selbst verschuldete Aua im rechten Arm, die gefühlte Hilflosigkeit in Sachen Wille, Job und Zukunft und der damit einhergehende bzw. aus diesen Fragen resultierende Alkoholismus.
Mein Unvermögen, mich sachlich und konkret auf mich und meine Wünsche zu besinnen, schleudern mich weiterhin durch mein Leben mitsamt seiner Umstände, die mir keinen Spaß bereiten, mich aber auch nicht zum Seinlassen desselben bewegen wollen. Eine Krux, der ich nur mit Veränderung begegnen kann. Aber welcher?
Eigentorvorwurf
Die richtigen Gedanken und Sichtweisen für die jeweilige Situation bereit zu haben, ist nicht leicht. Montag vormittag, M'era Luna ist armschmerzend und anstrengend vorüber, ich bin immer noch müde und habe immer noch keinen Plan. Für nichts. Das zermürbt. Nichtmal die Domsagen, die ich ab dem 04.07. mit Bertold angehen wollte ... sie liegen brach. Übrigens seit 2008. Ich habe wieder vom PT geträumt und es war wieder negativ. Vielleicht ist es das, was mich so runterzieht.
Der Rest sind eindimensionierte Kurzansichten wie: Training, Aufbau, Vorwärts... ging nicht, weil Arm. Arm kaputt weil: gesoffen und verkantet. Übermäßige Vollschuld. Insbesondere an den Schmerzen, denen mit Geduld zu begegnen ich mich schwerlich in der Lage sehe. Jeskom Probe diese und Show nächste Woche. Wirklich? Aussicht auf Job, der "irgendwas" sein wird, weil die eigene Sicht auf meine eigenen Interessen fehlt?
Erbärmlich hinke ich dem Sein hinterher. Irgendwie. Und dumpf dröhnt es aus dem Beton.
So, das sollte reichen für die Halde. Es rettet mich kein höh'res Wesen.
Empfehlungen gegen Negativ
Ein wesentliches Grundmerkmal, um Situationen mit anderen Menschen in Zusammenhang mit mir besser einschätzen, bewerten und mich entsprechend positionieren zu können, bestünde meiner Meinung nach bestenfalls in einer gewissen Bedächtigkeit, einer Gelassenheit, einem möglichst objektiven Abwägen der Argumente und meinen eigenen Interessen in einer relativ kurzen Zeitspanne. (Situation, Reaktion, Anforderung, E-/Affekt, Lösung) Das können Langsamfahrer, Falschabbieger oder Ampelranroller sein, verstellte Parkplatzzufahrten, mich nervende Menschen vom Kind bis zum Greis, Wind, der beim Radfahren immer von vorn kommt, Werbeansagen in Supermärkten ... also (in diesem Fall für mich typische und oft sehr negative) Situationen, die mich zu überfordern drohen. Einer solchen negativen Erwartung voraus geht fast immer eine eigene angespannte negative Situation meinerseits. Diese Definition schrieb ich vor den nun folgenden Zeilen, die sich mir zu merken durchaus lohnen und helfen könnten.
Gleichmut: ausgeglichene Gelassenheit
Gelassenheit: (Angst?): Was kann dir denn passieren?
Gelassenheit: (Ärger?): Was hilft es dir, wütend zu werden?
Wut: Wer ist tatsächlich für deine Wut verantwortlich?
Verantwortung: hast du vorrangig für dich.
(woraus sich ergibt, dass man durchaus wütend auf etwas oder jemanden sein darf)
Vorrang: Hat immer die Basis; das, was du bist
Basis: Was ist deine Orientierung, dein Ziel?
Zielorientierung: Zu erkennen, was das Wesentliche ist. Und darauf hinwirkend zu handeln
Handeln: Was du tust, tu mit Bedacht und bedenke das Ende
Ende: kommt immer und sowieso, also: Gleichmut!
Gleichmut ...
SollStauchStelle
Samstag, 03.08.: Jana Dorsch, Geburtstagsparty. Bisschen Bier, bisschen Wein, heftiger Joint. Gegen 02:00 Flucht nach vorn bzw. nach Hause. Aufsitzen aufs Rad und sofort auf der anderen Seite wieder runtergefallen. Gut abgefangen. Dann tatsächlich nach Hause geradelt. In vollem Bewusstsein, dass etwas passiert und das Radfahren hier gerade unmöglich war. Dennoch angekommen, Bett und der Schreck weicht dem bewussten Schmerz, der sich sofort den Schreck wieder dazu holt. An Schlaf kaum zu denken, mittags dann Notaufnahme wegen enormer Schmerzen. Tobi hatte Dienst.
Am Ende alles auf Entwarnung: Kein Bruch, kein Auskugeln. Es ist eine heftige Verstauchung, die mehr weh tut als ein Bruch und deren Heilungsprozess sich hin zieht. JeskomRecords heute: Ausfall. M'era Luna am Wochenende wackelt. Meine ganzen Ideen von Radfahren, Kieser und Schwimmen ... allesamt vorerst dahin. Zumindest für zwei Wochen. Einzige positiver Nebeneffekt ist die voraussichtliche Verlängerung des ALGs um diese Zeit. Aber das eigentliche Dilemma:
Ich denke seit geraumer Zeit wieder darüber nach, warum es mir nicht möglich schien und scheint, bei solch niederen Ereignissen wie Alkoholmissbrauch ein gewisses Maß einzuhalten. Und das war schon immer so. Ab dem Goo bis zum heftigen Ende durch. Wir haben das Jugendliche "ausprobiert" und sind dabei geblieben. Warum? Weil der Verstand fehlte? Oder die Vernunft? Oder die eigenen Möglichkeiten für alternative Sichtweisen? Letzteres verdeutlicht sich, wenn ich hier zurück blättere auf die Zeit des Tibia Unfalles um 2014 und stelle wie immer, nur resignierter fest, dass sich nichts geändert hat in meinen Ansichten über Wille, Ziel, Leidenschaft, Leben. Leere bestimmt mein Sein und äußert sich dann in solchen Eskapaden.
Das ist schwerer Unsinn und grober Unfug in Bezug auf meinen Umgang mit meinem Leben. Habe ich schön geschrieben, klingt jedes Mal super, ist aber immer das Selbe. Keine Verantwortung, keine Entscheidung, keine Pflicht, keine Ideen, keine Ziele ... ich schlängele mich ein Leben lang durchs Universum und fühle mich immer ein bisschen fehl am Platz.
Hinzu kommt jetzt auch sachte aber bedrohlich merklich ein gewisses Unvermögen, die richtigen Worte im mündlichen Satzbau während der Kommunikation zu finden, thematisch vor- oder weiterzudenken und mir überhaupt ein klares Bild von gegenwärtigen oder zukünftigen Situationen zu verschaffen. Auch scheint mein Allgemeinwissen zu schrumpfen. Oder es zieht sich beleidigt zurück.
Das ist Zerfall! Was noch merkwürdig ist: In solchen Momenten schweren Schmerzes erscheint eine gewisse Hilflosigkeit, gepaart mit einer Art Reue und dem fast heimlichen, internen Versprechen, jetzt aber mal die Zügel zu straffen. Ich habe flüchtige Anleihen, die Dinge um mich herum zu ändern, zu Tobi zu ziehen und mich der Geldbeschaffungsnotwendigkeit zu entziehen, bis ich wenigstens eine Form von Bestimmung gefunden habe, die mir gerecht wird bzw. umgekehrt.
Und gestern ging in einer Mail von Birgit Bursee plötzlich ein Fenster auf, wonach ich ab November eine viertel Stelle und ab Januar eine knappe halbe in der FWA haben könnte, möglicherweise auch gepaart mit einer freien Tätigkeit bei Sandy Gärtners Utopolis (eine Idee von Axel Schneider). Die Dinge kommen zusammen, ich sollte Vertrauen haben. In mich. Und einfach nur aufhören, zu saufen. Doch! Das geht: Seit meinem Party-Ende bei Jana Samstag Nacht bis jetzt habe ich weder Alkohol getrunken noch geraucht. So! Kalter Entzug geschafft.
Hier kommt die Angst nochmal
Das ist eine merkwürdige Feststellung mit dieser Form von Angst. Hier schonmal erwähnt >>> Wie ein bevorstehender erster Schultag, auf den ich mich nicht freue. Oder eine neue Arbeitsstelle, bei der ich niemanden kenne. Angst vor Neuem. Angst vor meiner Rolle dort. Ich bewerbe mich wahllos bei Fraunhofer und ähnlichen Stellenausschreibungen, ohne es recht zu überlegen, was ich denn da soll oder will. Warum mache ich das dann? Weil ich schließlich 'irgendwas' tun muss? Unklar.
Mittlerweile entwickele ich schon ein vages Gefühl von merkwürdiger Stimmung, wenn ich heute Abend zu Jana Dorschs Geburtstag gehe. Nein - da kann überhaupt nichts passieren, aber es fühlt sich alles in allem so unklar an. Wie im anderen Artikel beschrieben, wollen die Beine fast schlackern und ich verspüre einen deutlichen Drang nach Schutz und Geborgenheit, ein Ort, ein Mensch, ein Zustand, in dem mir niemand etwas tun kann. Und ich nichts tun muss.
Das hat irgendeinen psychischen Hintergrund. Dass ich etwas 'tun muss'. Torschlusspanik? Ach herrjeh. Hier kommt die Angst und die lässt dich allein mit dir. Nochmal: Was kann den passieren? Merksatz #1.
Wille, Weg und Wabbelig
Ist es mir möglich, mich stumpf auf einen Stuhl zu setzen, um herauszufinden, was ich zumindest beruflich zu tun gedenke? Also jetzt?!
Ich rutschte Zeit meines Lebens "irgendwie" so durch. Damit wurde alles also letztendlich auch "irgendwie". Wo Wille und Weg fehlen, wird dir nahe- oder auferlegt, was zu tun sei. Bis die Zeit kommt, in der ich erwachsen genug selbst entscheiden kann, was ich NICHT will. Unproduktives Geseiere und lamentierendes Beschwerdetum. Der Rest war immer schon Alkohol. Bei uns damals in der Schule, dann an der 'Ecke', im Insleber, im AMO und bei eigentlich nahezu allen Anlässen, die sich uns oft genug boten. Es war anfangs zwar nicht so viel, aber immer Bestandteil. Schleichender Feind nähert sich einem ganzen Leben.
Weil wir Durchrutscher waren. Wellenlängliche Langweiler. Oder zumindest ich. Irgendwas mit Elektrik. Machen doch alle. Dann plötzliche Überredung zum Wehrdienst 3 Jahre. Labil und leicht beeinflussbar. Man muss nur die richtigen Knöpfe bei mir finden. Abi und Studium mehr um des Status' willen? Der erste Blendmechanismus? Denn inhaltlich war dem Sozial- und Gesundheitswesen nicht unbedingt viel abzugewinnen, die Hochschule war noch billig und das Ergebnis wiedermal 'irgendwie'. Dabei wollte ich das gemeinsame Erlebnis. Am Forsche, Studieren, Musizieren ... Ich wollte so gern dazugehören zu einem Kreis, an den ich mich heranzutreten kaum traute.
Anschließend gabs noch immer keine Richtung, bis der Kulturserver mich rettete. Anschließend die LKJ. Dann die Hörbuch-Bude. Dann das Puppentheater. Tür zu, neue Tür auf. Aber ohne selbstbestimmte Richtung. Das was kommt, nehme ich. Beliebig. Und beneide dann immer die vielen anderen, bei denen ich davon ausgehe, dass sie wissen, was sie tun, tun wollen und tun werden.
Ist es mir nach all diesen Jahren meiner unaufgeregten aber immerhin stattgefunden habenden Entwicklung dennoch möglich, JETZT herauszufinden, wohin ich mich gern von mir und den Möglichkeiten treiben lassen will? Ein ganzes Jahr ist fast rum, ohne die Spur irgendeiner Idee. Schön zu beobachten sind die weiterhin bestehenden Überlegungen, jetzt etwas Besonderes zu machen, für eine Weile ins Ausland zu gehen oder dergleichen. Gerade jetzt, wo es doch so prima möglich ist. Vergiss es: diese Dinge sind dazu da, um mich später zu ärgern, es nicht getan zu haben. Aber es ist Bullshit. Auch das Losfahren an irgendeinen See oder ans Meer ... alles Dinge, die ich in Vorjahren immer wieder gewollt, getan und mich letztlich nicht sonderlich und wirklich drüber gefreut habe. Was ist das bloß für ein merkwürdiges Verhalten?
Ich glaube, der Laboransatz im Fach Chemie wäre hier wirklich angebracht: Die Dinge / Ideen zu überlegen hinsichtlich Erwartung, Realisation, Konsequenz und Ergebnis. Get real. Get einfach. So einfach wie möglich. Und langsam. Und aus möglichst positiver Sicht. Alles andere kann keinen Bestand haben.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Adorno. Angeber. Aber langsam bin ich tatsächlich. Meine rasenden Gedanken und mein oft vorschnelles und übereiltes Handeln sollten doch nach 50 Jahren eine Unmenge an Erlebnissen, Entwicklungen, Erfahrungen und Ein- wie Aussichten vorzuweisen haben. Haben sie aber nicht. Zumindest gefühlt. Denn ich bin ein Vergesser. Vergaser. Versager?
Sichtweitengefühl
So ein Samstag wie der gestrige ist bemerkenswert und wichtig. Durchweg positiv besetzt, zeigte ich mir, wie es also auch funktionieren kann: das Leben. Und vor allem die Sicht auf all jene Dinge meines Lebens, die vornehmlich hier und leider meist aus negativer Motivation beschrieben sind (und sich zum Teil immens oft wiederholen).
Die Wahrnehmung des Positiven ist offensichtlich spontaner Natur. Oder es liegt aus meiner Erinnerung daran, dass es im Falle eines für mich enger werdenden Universums (Ziele, Zukunft, Pläne, Liebe, Geld ...) einen Automatismus in mir auslöst, der mich bereit erklärt, sich den Dingen konkreter und sachlicher zu stellen. So fühlte es sich nämlich am Samstag an. Ebenso automatisch ändern sich dann auch die Sichtweisen auf die Planung des anstehenden Weiterlebens ins Positive und vieles erscheint merkwürdig leichter als im dead-end-Kosmos eines dahintreibenden Trübseefischers.
Okay, wie ist also so ein positiver Zustand herstellbar? Eingeredet positive Gedanken reichen dafür offensichtlich nicht aus. Braucht es zusätzlich den wirklichen Glauben daran? Oder muss es ein Engpass sein, der diesen Zustand notwendig macht? Mit der Schlinge um den Hals und der Flutwelle voraus entwickeln sich andere Prioritäten. So war es bei mir schon sehr oft. Ich hoffe, die momentane Konstellation beibehalten zu können.
Was ist denn wichtig? Freundlichkeit. Offenheit. Gelassenheit. Anerkennung. Mut. Teilt man solche positiven Merkmale mit anderen verdoppelt sich der Effekt. (siehe das Lächeln an die Kassiererin etc.)
Es lohnt sich doch, ein wenig lieb zu sein
Und alles auf das Einfachste zu schrauben,
Und es ist gar nicht Großmut zu verzeihn,
Daß andere ganz anders als wir glauben.
Und stimmte es, daß Leidenschaft Natur
bedeutete - im guten und im bösen,
ist doch ein Knoten in dem Schuhband nur
Mit Ruhe und mit Liebe aufzulösen.
(Ringelnatz)
Dann bedarf es eines oder mehrerer Ziele, einer realistischen Einschätzung und schließlich der konsequenten Umsetzung mitsamt einer Beharrlichkeit, die ich im Beispiel des Mathe-Abis sehr wohl bewiesen habe. Meine erklärten Problemzonen liegen in meiner Angst, Mittelmaß zu sein, in der Ziellosigkeit und in einem Selbstwertgefühl, das mich "da draussen" nicht bestehen lassen kann. Deutlich ins Gegenteil ändern sich plötzlich diese vermuteten Eigenschaften, wenn ich in meinen Elementen und dabei von guten Situationen / Menschen umgeben bin. Daraus ziehe ich Freundlichkeit und Anerkennung als Treibstoff für weitere gute Überlegungen und Taten.
Woher die Angst? Nochmal: Was kann denn passieren? Manchmal habe ich hier das Gefühl, permanent von vorn anzufangen. Vom Urschleim der Basis dessen, was ich möchte und wie ich es angehe. Beziehungsweise warum nicht. Die Zitate aus der ZEIT eines 20jährigen gestern über die permanenten Neuordnungsanläufe auch 50jähriger sind mit Sicherheit sehr realistisch in dieser mich umgebenden Gesellschaft. Und vielleicht auch anderswo. Das macht zwar Mut, sollte aber nicht unbedingt Basis meiner Ansichten sein.
Der immer selbe gähnende Fakt ist bleibt der Alkohol, mit dem es grundsätzlich aussichtslos ist, über das Leben nachzudenken und get real zu werden. Ein verlorenes Match gegen den Wein mit meiner Ziellosigkeit und der damit ausbleibenden Motivation zu begründen, ist Trugschluss und spiralsogender Natur. Mittelwege sind rar gesät und nur was für Profis. Das Maß der Dinge wie der Ansichten ist entscheidend. Ebenso wie das Herunterbrechen der Millionen angerissdachten Gedanken, die bei solchen Vorstellungen über mein reales Lebens keine 10cm weit helfen.
Handlungsanweisungen sind für mich dann zweckfrei, wenn sie esoterischer oder anderer imperativer Natur sein wollen. Entspann' dich! Sieh die Welt mit freundlichen Augen! Sorge dich nicht! Hab' Mut und Zuversicht! Oder male ein fucking Mandala. Jedenfalls haut sowas einfach nicht hin.
Naturwissenschaftlich gesehen, wäre das leicht modifizierte Prinzip des Protokolls im Chemieunterricht bei Laborversuchen sinnvoll:
Vorbetrachtungen
Aufgabe
Hypothese
Vorbereitung und Hilfsmittel (inkl.: Was kann denn passieren?)
Durchführung und Beobachtung
Auswertung und Vergleiche zu den Vorbetrachtungen = Evaluation für weitere Fälle gewollten Lebens
Das wäre mal eine sachliche Übung wert. Los! Mach' ma'!
Was soll schon passieren?
Schade, dass es wie so oft nicht einfangbar ist- dieser Wust an so vielen Gedanken. Dieses Mal war es nach dem Lesen der ZEIT in einer irgendwie besseren Laune als in den vergangenen heissen Tagen. Und da ist der Schriebs von einem jetzt 20jährigen, der als 15jähriger Praktikant der ZEIT von seiner damaligen Sicht auf die Dinge im Erwachsenensein, als alter Mann geschrieben und nun die ersten Vergleiche gezogen hatte.
Beim Lesen dieser Seiten schreien meine Synapsen nach Vergleichen, Erklärungen und nach unbedingtem Festhalten dieser Gedanken, zumal sie positiver angehaucht sind als sonst. Er schreibt also von der Übernahme einer Verantwortlichkeit gegenüber sich selbst und seinen Gefühlen. und dass man sie ändern muss, wenn sie einem nicht behagen. (Das Wort Verantwortung ist bei mir irgendwie negativ besetzt. Alle scheinen sagen zu dürfen, was ich tun oder lassen soll. Nur will ich doch nichts von denen, also warum wollen die was von mir?). Und von seinen Selbstzweifeln gegenüber gemeinsamen Momenten in der Studiengruppe. Unter Menschen. Gemeinsam. Alles vergleichbar. Ich kann zurück bis in mein Studium (und weiter) gehen, von dessen Einrichtung ich nicht überzeugt war. Allerdings hatte ich auch keinen konkreten Willen und liess mich also mittreiben. Aufsässig revolutionärer Studienabbruch kam wegen der mahnenden (und aus heutiger Sicht richtigen) Worte dann doch nicht in Frage. Und so war es "irgendwie" mit einem Diplom am Ende, aber keinerlei Vorstellung davon, was ich denn nun gelernt haben oder sein möge.
Er studiert Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, weil er kreativ ist, dafür aber einen Rahmen, eine Struktur benötigt. Tja, wieder vergleichbar. Und er spricht von "I am a Rock" von Simon&Garfunkel, wonach es darum geht, dass jeder Mensch eigentlich immer einsam ist. Oder allein. oder beides (sic!). Sich überwinden, sich auf andere einlassen, sich durcheinander bringen zu lassen als Herausforderung. Mittlerweile geniesst er es sogar.
Meine Konzentration auf die Dinge ist ziemlich gestört, möchte ich meinen. "Impulsivität, leicht abzulenken und schwatzhaft, oberflächlich und unaufmerksam" ... so stand es in vielen meiner Zeugnisse. Und genau so geht es mir nach dem Lesen solcher treffsicheren Artikel. Und ich werde oft so müde bei allem. Ich kann keine Mandalas ausmalen ohne sie (kreativ) zu entstellen oder mich lange auf ein Thema konzentrieren, um wenigstens einen Gedanken zu Ende zu bringen. Da bleibt meist kein Raum für die Frage nach Sinn, Realisierung oder Konsequenzen einer Frage oder angestrebten Überlegung. Und dann kommt der Alkohol dazu, der mir vielleicht rechtfertigen soll, dass ich Gedanken und mögliche Ideen (vielleicht auch für meine nahe oder weitere Zukunft) verwehrt. Verwehren muss. Das macht unzufrieden. Und wird schlimmer, je mehr ich mich auf diese passive Form des Seins einlasse. Ohne Ziel ist es wirklich etwas dämlich.
Er schreibt (jetzt 20jährig) von seiner früheren Zwangshaltung, etwas sein oder darstellen zu müssen, die er nicht mehr als so wichtig ansieht und fand heraus: "Stress dich nicht so hart mit der Zukunft! Sieh auf die nächsten 5 Jahre. Du musst noch nicht wissen, was du später machen willst. Selbst ich - als der alte Mann der Zukunft - hab keine Ahnung."
Die alte und immer wieder gern vergessene Frage:"Was soll (schon) passieren?" (von der ich in letzter Zeit häufiger gelesen und gehört habe) sollte ich für all meine Gedankenstürme auf jeder Reise griffbereit im Handgepäck haben. Denn im Ernst: was ausser dem Tod hätte derartige Konsequenzen, dass sie nicht überlebbar wären? Das Absetzen der Simpsons?
Und er stellt fest, dass er mit seinem Bild über die Erwachsenen, bei denen wahrscheinlich alles klar ist, daneben lag. "Auch 27- oder 50-jährige haben oft immer noch kein Ziel und müssen sich immer wieder neu erfinden." Danke fürs Erwähnen. Ich bin also nicht allein. Sehr schön auch: "Ich war so ein bisschen wie ein Hund, der dem Stöckchen hinterherjagt, und wenn er das Stöckchen hat, dann weiß er auch nicht, warum er es unbedingt wollte."
So. Das hier habe ich unter Aufbietung fast all meiner Kräfte aus meinen Synapsen halbwegs ordentlich zusammengetragen und bin sogar bisschen stolz drauf. Nicht schlecht. Es sind die Einstellung und die Sicht auf die Singe, die, insofern positiv und fordernd, sehr viel mehr Motivation für derlei Leistungen zu produzieren vermögen.
Juliduster und die Viertelfeststellung
Es ist wie es ist und es ist so wie immer: So viel Zeit. Und so viel Glück. Zieht wie weisse Wolken dahin. Ich weiss weiterhin nicht, wohin es mich zieht. Es ist Sonntag, möglich wären Dreetzsee bei Stü's mit Köhli, oder Buhnenhaus Brandenburg mit Option auf Kienwerder. Auch wäre Tobi möglich, der hatte gestern Dienst und ist jetzt zuhause.
NICHTS. Zu nichts dergleichen zieht's mich hin. Und das fühlt sich gewohnheitsmäßig enorm schlecht an. Ich bin platt und leer. Ich schlafe schlecht und träume Bullshit. Ich will nicht allein sein, aber auch nicht mit anderen zusammen. Weil? Weil es rückblickend immer merkwürdig ist: Entweder gab es meist und viel Alkohol oder es gab nach einiger Zeit Fluchtgedanken (bluenote, café monaco, irgendwelche Partys, Oberkossa und aktuell sogar eine Spur dessen bei Vinko & Maja beim Quatschen am letzten Abend). Das ist merkwürdig. Entweder langweilt es mich vielleicht oder ich fühle mich aus Selbstwertgründen nicht so gut aufgehoben, habe nichts beizusteuern trotz meines immensen Spektrums, schaffe es nicht auf die Smalltalkebene oder weiss grundsätzlich nicht, was hier soll oder will. Bei solchen Begegnungen bleiben meist nur Flucht oder mehr Alkohol. Zwickgasse. Sackmühle. Lustig.
Und dann denke ich an eine mögliche Bewerbung bei den Kulturgutverlusten, ohne zu wissen, ob ich das will, kann, sollte. Freya Paschen. Offensichtlich ist ihr Krebs zurückgekehrt und ich lese nebenbei was über Krebs aus der Zeit. Was wäre wenn? Das Leben klammert sich weiterhin an mich oder ich ans Leben. Symbiose. Aber so?
Ja, auch das geht wahrscheinlich irgendwie zu Gunsten der 25% guten Lebensgefühls irgendwann weg oder relativiert sich. Ein latenter Dauerzustand ist es damit dennoch. Bis es sich wieder besser anfühlt, dann geht alles wieder. Im Moment geht also nichts. Ich bin weder betrunken noch verkatert oder berauscht. Ein Anlauf, um wenigstens diese Faktoren als Gründe auszuschalten. Ich bin weder aktiv noch kann ich Gedanken sortieren und sachte zu Ende denken. Denken färbt sich negativ. "After Life" war ein sehr schöner sechsteiliger Film auf Netflix. Sehr einfach, sehr realistisch und sehr gut. Trifft oft ins tiefe Schwarze und ermöglicht Filmdudelheulen. Und ich hänge hier mit meiner soeben getätigten Feststellung, dass ich also ein Viertel meines Lebens als "gut" einstufen würde. Aha.
So. Und jetzt ist es weiterhin Sonntag. Diesmal um 12 und ich mache irgendwas. Vielleicht. Auf jeden Fall aber nicht wie gestern einen langatmigweiligen Elizabeth George Roman zu Ende lesen. Aber auch nicht anfangen. Wie geht echtes Meditieren? Wie komme ich hier raus und wie komme ich auf eine Möglichkeit, mein (eben gelesen:) Wertesystem zu kalibrieren? Ein Viertel! Das ist zu wenig.
Hier kommt die Angst
Offensichtlich sind mir meine Songs voraus. Das war schon bei WIND in 2009 so und fuhr über die weiteren Jahre jenen Kurs, der mir aus heutiger Sicht verblüffend erscheint: In meinen Texten behandelte ich sehr oft das, was tatsächlich bereits in mir lauerte und sich später dann manifestierte bzw. auch zum Ausbruch kam. So wie eben im Kaufland. Die fahrt auf dem Rad war schon komisch, das Anschließen unter Beobachtung zweier Buletten kauender Menschen war mir sehr unangenehm und beim schnellen Einkauf im Markt fühlte ich mich irgendwie hilflos. Zum Glück wusste ich, was ich wollte (Ha! ...), also einkaufen wollte und war schnell an der Kasse. Beim Warten dort tippte ich, nachdem ich endlich das Wort in meinem Kopf fand, "Psychose" ins Google ein. Dann dachte ich an Angststörung. Dann kaufte ich Tabak, war wieder raus und schreibe es schnell auf.
Die Wirkung ist vergleichbar mit dem beim Weed-Rauchen. Der Musekelapparat lockert sich parkinsonisch, so dass es sich anfühlt, als schlabbert und wackelt alles. Das ist nicht so sehr angenehm. Geistig verliere ich schnell den Anschluss, der sich wie eine Demenz anfühlt. Also eine parkinson'sche Demenz. Oder anders: Eine Angst. Vor der Hilflosigkeit. Vor dem Leben.
Sehr merkwürdig.
Und dazu: Das Knackspiel in meinen Zähnen will einfach nicht aufhören. Auf der rechten Seite spielt jeweils ein Zahn der unteren Leiste mit einem der oberen. Es knackt so schön und nervt mich, weil ich einen Tick darin vermute. Die Alternative dazu spielt sich zwischen unterer Zahnreihe und Unterlippe ab. Das begann irgendwann 2018 und hat seitdem nicht aufgehört.
Julifragen
Warum fällt es mir so schwer:
mich zu positionieren?
mein gewünschtes Lebensmodell zu erklären?
meine Interessen herauszufinden?
Mut aufzubringen, um (was?) anzugehen?
mich aufzuraffen, diese lebensunwerten Zustände zu ändern?
Weil meine Bereitschaft etwas zu tun, mit anderen (unterstützenden) Menschen zusammenhängt. Allein scheint es zu schwer. (Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer). Psychologen haben weit entfernte Termine, was bereits wieder zum Seinlassen führt. Die spontane Entscheidung, JETZT aufzustehen, reicht vielleicht nicht aus, wenn die Grundlage nur pures Leiden ist. Oh, das sollte aber schon ausreichen. Gut, dann: wenn das Leiden also ausreicht, aber keine handfesten Vorschläge oder Ideen vorliegen, wie ich es ab jetzt und sofort angehen kann, wird erfahrungsgemäß jede Aktion belang- und ergebnislos. So wie ich jetzt gerade an irgendwelchen Seen nach einsamen Blockhütten suche, um morgens um Sieben schwimmen zu gehen, den Tag über zu wandern und mich ganz auf mich selbst einlassen zu können ... das kennen wir schon: Am Ende habe ich sehr viel Wein getrunken oder Weed geraucht, bin weder geschwommen noch gewandert und habe mir bestenfalls träumend in den Dünen Orgasmen zubereitet und am Ende das ganze Projekt für gescheitert erklärt.
Jetzt sitze ich ahnungslos hier und überlege, wie ich ein realistisches Portfolio über mich erstellen und präsentieren kann. Damit ich vielleicht ja doch irgendwie oder -wo arbeiten gehen kann. Dabei kann ich ja kaum meinen Namen schreiben ...
Ich stöbere manchmal hier in der Zehnsucht und stelle dabei fest, dass ich aufhören sollte, von meinen Leiden und Lösungsansätzen zu schreiben, denn sie sind allesamt und immer die selben und oft sehr gut beobachtet zusammengefasst auf den Punkt gebracht. Vergesse ich diese Ansätze immer gleich wieder und erfinde sie quasi jedes Mal neu? Oder muss ich es 10 mal aufschreiben, bis ich es mir merke? Lässt (m)eine Depression nicht zu, dass ich mich mit Lösungen beschäftige, die gegen (m)eine Depression arbeiten? Fakt ist, dass mir jede noch so kleine Aktivität im Sinne meines Voran immer sehr zuträglich war, wenn nicht gar Euphorien verursachte.
Unsere Urlaubsreise - erstmals in einem Juni - ist jetzt zu Ende, kaum dass der Juli Einzug hielt. Vorneweg zum Anschluss an den vorherigen Beitrag: Mir tut NICHTS weh! Das ist umso erstaunlicher, als dass mein massives Kurzkleindenken und das Herumpoltern auf einem ausserordentlich unaufgeräumten Schlachthof meines Lebens dafür durchaus als Gründe gedient hätten haben können. Diese Unordnung besteht ja nun schon seit langem und auch eine Reise in ferne warme Länder ändert ja nichts an diesen Zuständen. Und 'wearing the inside out' lässt sich nicht auf Dauer vermeiden. Tobi und ich hatten immer mal wieder mittendrin ein bisschen Zoff, wo niemals Zoff nötig gewesen wäre. Beim Einkaufen oder anderen nebensächlichen Situationen. Höchste Alarmstufe seinerseits lautet: "Ich warne dich!".
Ich führe das zum größeren Teile auf mich zurück, weil ich in meinem Wahn der Unvorstellbarkeit sinnvollen Lebens dann auch noch Tobi einbeziehe und mit Bezug auf meinen "Brief an meinen Freund" damals in 2010 jetzt jene schlechten Vergleiche anstelle. Vergleiche, die verdeutlichen, was dabei nicht geklappt hat. Dass er mich eben nicht mitnimmt und es keine Pferde zu stehlen gibt. Und dass ich Zärtlichkeiten nahezu höchstrichterlich einklagen muss ... dass er nicht der Typ ist, dem ich damals meinen Brief geschrieben habe.
Dieser Umstand gepaart mit meinen unsachlichen Unzufriedenheiten gebieren meine unentspannte Haltung, dazu meine Blickwürfe nach links und rechts, wo alle immer alles besser machen als ich und mir am Ende nur der wüste Haufen Unzufriedenheit bleibt, den wegzuschaufeln ich mich nicht imstande sehe.
Alles ganz anders machen; alles ganz neu beginnen; alles sein lassen. Das Problem besteht weiterhin in meiner nicht vorhandenen Vorstellung, wie ich das Leben denn nun gerne hätte. Wo kein Wille, da kein Ziel (!). Da wird mitgelaufen, da wird geschangelt. Und so suche ich mir dann wohl irgendwie irgendeinen Job, denn das Geld vom Amt ist am 31. August alle. Dann kann ich immerhin noch von 40k leben, aber wozu der Aufschub?
Der vorherige Beitrag fässt es ganz gut zusammen und ich wollte hier nur Bescheid geben, dass wir knappe drei Wochen unterwegs waren: Bis Achensee, Milano, Cipollatico, Firenze, San Gimignano, Volterra, Lucca, Pisa, White Beach, Siena, irgendso'n See, Pienza, Montepulciano im Val D' Orcia via Ancona nach Split, Hvar und am Ende zu Maja ins Camp Stine.
"Viiieertausend Kilometer weit hab'n wir gesucht ..." Ich habe den Verdacht, dass wahnsinnig werden garnicht so schwer ist, wenn ich bedenke, wie viel ich denke. Und welch' miese Qualität diese Gedanken haben. Und wie ich kreuz und quer und ohne einen einzigen Strohhalm der Erkenntnis zum nächsten Gedanken überschallverschwinde, der dann auch kein klares Bild schafft. So bin ich den ganzen Tag vollbeschäftigt ohne eine einzige plausible Erklärung. Doll.
Wir hatten jeden Tag Wein, manche Abend blieb ich länger dabei. Und wie so oft denke ich, es jetzt sofort und ganz sein lassen zu müssen. Wie seit ungefähr sehr vielen Jahren.
Anamnese Neunzehn
Ich bin seit jeher verwirrt in Bezug auf mein Fühlen, Denken, Handeln
Wir haben es über die Jahre nicht geschafft, mich zu ermutigen, zu stabilisieren und zu einem selbstbewussten Menschen zu formen
Meine Freundlichkeit, Höflichkeit und mein mir zumindest aus früheren Tagen bekanntes zuvorkommendes Verhalten ist ein schönes Wesensmerkmal; vermutlich stell(t)e ich mir auf diese Weise die Welt vor, die frei von Gewalt, Häme und anderen Gemeinheiten sein müsste
Es scheint keine innere Struktur zu geben, wohl aber die aufbegehrende Vorstellung, jenseits vorherrschender Konventionen mein Leben so bunt und unabhängig wie möglich zu machen; diese Vorstellung scheitert an ungenügendem Wissen, Mut und dem Glauben an mich selbst
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: ich bin in vielerlei Hinsicht Abbild meiner Eltern im Sein wie im Denken und Handeln. Vielleicht wollte der revolutionäre 16-jährige diesem Umstand bereits frühzeitig entgegenwirken; allein ihm fehlten damals wie heute erneut der Mut, der Glaube und die Menschen, die auf diesem Weg hätten helfen können. Das Um- und Sichtfeld war begrenzt. (Jetzt ist es Stadtfeld)
Anamnese 19: ich fühle ich mich auf keinem grünen Zweig; die sinnvollste, wenn auch folgenreichste Aktion 2018 war, mich vom PT zu trennen. Es rumorte ja schon so lange und immer mal wieder und zuletzt am deutlichsten in 2016/17, dass irgendetwas nicht stimmt: Entweder mit dem PT oder mit mir. Ich fürchte ja letzteres, was bedeutet, dass es nicht gut aussieht. (Aber Halt: Es gibt Menschen, die mit mir die Flucht ergriffen und mir verdeutlicht haben, dass es durchaus weit besser ist als dort.) Auf dem Weg bis zum endgültigen Entschluss kamen vermehrt der Alkohol und die damit verbundene Unfähigkeit und Lethargie ins Spiel
Anamnese 19: Mein Umgang mit dem Alkohol füllt ein Verließ und ich möchte es gern aufschließen, da es bereits früh begonnen und nie richtig aufgehört bzw. sich manifestiert und zur Normalität entwickelt hat. Ein wahres Dilemma, das allerdings nur eine Folge- und Begleiterscheinung eines unerklärlichen Daseins ist. Aber immerhin auch zu dessen traurigen Ende führen kann.
Anamnese 19: Alles tut weh.
Himmelfahrt
Es kann nur irgendeine beschissene Form der Depression sein, die mich Zeit meines Lebens begleitet. Aus Untiefen klettert des Öfteren eine unergründliche Einsamkeit, Traurigkeit, die sich mit Unwillen und Aussichtslosigkeit schmückt und mir weismachen möchte, dass mein Leben im Grunde nur mit ... tja, womit denn? ... möglich ist.
Berg- und Talfahrten, ganz wie auf einer richtigen Achterbahn. Zu begreifen ist wenig, nur der Fahrpreis suggeriert mir, dass ich es wenigstens deswegen durchhalten sollte. Bullshit. Immerhin fühle ich wieder Traurigkeit, das ist ein großer Anfang.
Himmelfahrt. Kommando.
vom Wunder der Wertung
Genau jetzt und hier, an einem Sonntag Mittag in Reform zwischen Pool und Couch, scheint alles für einen ganz kleinen Moment gut. Ja - es wird sich ein Job finden, auf den ich mich einlassen kann. Ja - auch wenn alles schief läuft, könnten Birgit und die FWA mich erstmal auffangen und absichern, Geld habe ich genug und die Aussichten sind je nach den Ansichten immerhin möglich. Es wird immer irgendwo ein Fenster oder eine Tür aufgehen und ich muss mir keine Gedanken über Wertigkeiten, meinen Status und irgendwelches Ansehen von außen machen. Ansehen von innen ist besser. Und etwas unkompliziertere Sichtweisen bitte. Ich kann machen, was ich will. Wenn ich denn weiss, was ich will. Irgendwer sagte mal, dass man bei allen Auf- und Umbrüchen radikal oder sonstwiewas sein kann, wenn man es nur nicht vergisst, seinen Verstand mit einzupacken.
Und ja - wir werden eine schöne Reise durch Italien und Kroatien machen. Und dann geht der Sommer noch viel weiter.
Es ist tatsächlich und wie immer merkwürdig: Vollgepackt mit Geständnissen, Zerwürfnissen und großer Orientierungslosigkeit komme ich nach Reform und nach kurzer Zeit fühlt sich das alles garnicht mehr so schlimm an. Aber wieso? Wir haben hier ein etwas unkomplizierteres Niveau; es ist wie es ist und 'so wars' und fertig. Ich fühle mich gut mit / bei etwas gesenkter Aktivität im großen Denken. Einziger Plan besteht im Zusammenstellen einer möglichen Route durch die Toskana. Und die Sonne scheint, es ist alles frühlinglich und besteht im Werden. Auch auf diesen Zug sollte ich aufspringen.
Aktionstalfahrten
Meine Vorstellung von Welt und Reise, erleben, kennen- und dazulernen, Schönheit im Geiste wie im Sein ... die ich oft schon mittels spontanem Losfahren in Angriff nahm, um es zu realisieren, haben im Nachhinein oft einen bitteren Beigeschmack. Oder? Ich denke an die Hütte im Harz, die statt dem Beginn meiner Diplomarbeit alkoholiertem Autosex diente. Dann meine Solo-Touren mit dem VW Bus, als ich das erste Mal in Tönder verängstigt auf dem Parkplatz stand oder alte Plätze meiner Kindheit und Jugend besuchte und mit Ausnahme der Ferienlager keine besonders schönen Erinnerungen daran hatte. Dass auch Brandenburg vorbei war. Dann Dänemark 2010 und meine innere Trostlosigkeit in Kopenhagen und auf den Campingplätzen ... Alles war irgendwie nicht real, nicht wahr, nicht das, was ich mir erhoffte. Ich versuchte, es als schön einzustufen.
Später auf den Festivals in Tönder oder Luhmühlen mit Pressepass ... im Grunde war ich allein, unsicher und immer ein wenig trostlos. Aber ich wollte es wenigstens probiert haben. Und will es komischerweise noch immer. Was mich noch immer sehr berührt, ist mein heftiger Heulanfall in Tönder bei The Great Malarkey, als das Universum sich zu einem groben, schweren Klumpen formte und mir ins Herz stieß mit all meinen Phantasmen über Gemeinsamkeit, Freundschaft, Frieden und ... natürlich Liebe und ich mich nach dem Konzert kaum mehr halten konnte. Das war einer der leibhaftigsten und ehrlichsten Gefühlsausbrüche, die ich je hatte. Nur weil über Tische und Bänke alle zusammen sungen "I thank you my friend, you are amazing ..."
Gesprochen hatte ich mit den wenigsten. Es gab nicht viele Kontakte. Obwohl genau das meine Intention war: Land & Leute kennenlernen. Offenbar kann ich das nicht gut. Warum aber versuche ich es dann immer wieder? Weil das Gefühl von 'endlos großer Freiheit' anfangs so schön anmutet und verheissungsvoll seine Fahnen der Erfüllung schwenkt?
Ich stelle mir diese Fragen jetzt, weil ich durchaus jetzt und hier und Frühling losfahren könnte, alles zu sehen und kennenzulernen und zu erleben, was ich möchte. Und da liegt bereits der Hase im Pfeffer, direkt über dem begrabenen Hund: 'was ich möchte ...'
Und nun?
Und jetzt? Was nun? Was tun? Was denken? Was glauben? Wohin? Mir fällt immer weniger ein, ich traue mir immer weniger zu. Ich weiss nicht, warum ich aufstehen sollte. Alle Gedanken an eine ganze Welt voller Möglichkeiten - besonders jetzt, wo ich alle Zeit der Welt habe - liegen brach. Sehr brach. Und ich muss das hier schnell aufschreiben, weil vielleicht später alles wieder halb so schlimm aussieht. Für den Moment ist es abnorm schlimm: Ich habe noch weniger Antriebe als zuvor, noch mehr Träume merkwürdigster Art, als dass ich mir einen Reim drauf machen kann.
Am Samstag hatte ich eine Moderation zu 100 Jahre Bauhaus, die ich am Freitag zuvor gerade so noch fertig bekam. Auf den letzten Drücker. Nicht gut. Samstag war dann gut. Wenn es nicht so sehr verregnet gewesen und meine Hüfte rechts etwas freundlicher zu mir gewesen wäre. 11 bis 16 Uhr (schon eine Stunde verkürzt wegen Regen)
Jeskom aufm Straßenfest abgesagt wegen Dauerregen. Badewanne, eine Stunde ruhen. Weinhandlung beim Abbau helfen, Nach Hause, letztes Glas Weisswein noch austrinken. Ach, was soll's: eine Flasche Rotwein hinterher. Um 10 im Bett oder so.
Sonntag so lala, aber weiterhin ohne Idee. Tobi hat Dienst, ich warte auf den Gottesdienst und die Sendung mit der Maus. Dann weiss ich nicht mehr viel mehr über den Sonntag. Er verging wie er kam, verflog einfach so. Kiesertraining. Immerhin. Am frühen Abend eine Doku über Weed, Grass, Hemp ... auf Netflix gesehen. Gleich bisschen Gras geraucht und daraufhin weitere geguckt: Being Elmo und dann noch Joe Cocker. Dazu Flasche Weisswein. Danach Flasche Rotwein. Gerade so geschafft, aber noch bei Sinnen. Dann früh ins Bett.
Das ist sehr krank. Ich bin sehr krank. Im emotionalen Zentrum meines Daseins. Im Zutrauen und Vertrauen auf meine Möglichkeiten und Fähigkeiten, die ich zwar oft schon unter Beweis gestellt, aber für den Fall des dringenden Erinnerungsbedarfs immer erfolgreich negiert habe. Weil Emo es nicht will, weil Emo leiden will. Oder mich nicht leiden kann. Bullshit.
Aber wie? Woran liegt denn dieser grobe Unfug? Eine Mischung aus Orientierungslosigkeit, schwachem Selbstwertgefühl und teilweise ausgeprägter realer Dummheit? Letztere gelang mir, immer wieder charmant zu übertünchen. Wenn jedoch die eröffnete Spirale von Denk- und Tatenlosigkeit in Verbindung mit immer weiterem Alkohol zu einer vollständigen Lethargie führt, wäre es jetzt an der Zeit, einen kleinen Abschiedsbrief zu schreiben. Denn eine schwache Nuance in meiner Vorstellung des Ablebens verrät mir, dass dafür dann keine Zeit mehr sein wird.
Cafe am Rand der Welt
Ein facebooklicher Literaturtipp von Sabrina Gleisberg, von Volker unter mir auch Beutetochter genannt. Es passte gestern Abend ganz gut, dass ihr heroischer Post auf meiner Suche nach geeigneten Büchern für mich gerade recht kam - ging es doch um eine Erzählung über den Sinn des Lebens. Hurra! Es stellte sich jedoch heraus, dass die Schreibweise der von Guidos "Geheimnisvoller Trommel" sehr ähnelt und so flach wie holprig ist. Die Möwe Jonathan hatte mehr Stil und Der kleine Prinz die besseren Bilder. Aber nun denn:
Die Geschichte fasst immerhin zusammen, dass es wie immer und weiterhin wichtig ist, den "Zweck deiner Existenz (ZDE)" zu erkennen und so zu handeln, dass du dir in deinem Leben, deiner eigenen Bestimmung gerecht wirst. Die aufgeführten Beispiele klingen für mich sogar plausibel, wenn es darum geht, JETZT ein Universum für mich zu finden, das zu mir passt, in welchem ich leben und mich daran und darin erfreuen kann. Motivation. Wille. Positive Verstärkung. Und dass es eben NICHT darum geht, alles im blühenden Arbeitsleben so zu investieren, damit ich im Rentenalter dann endlich tun kann, was ich will. Es macht Sinn, gleich zu tun, was ich will. Wenn ich denn weiß, was ich will. WAS genau ist es denn, was den Zweck meiner Existenz bzw. meinen Willen ausmacht? Und: Auch wenn im Falle der Übereinbarkeit von Wunsch, Wille und entsprechenden Handlungen mein Lebensmodell nicht unbedingt von Geld und Ruhm abhängt, so ist es dennoch von Belang, irgendwie materiell zu überleben. Oder wenigstens befreut sinnerfüllt unterzugehen? Knifflig. Solche Bücher haben entsprechende Erfolge, weil offensichtlich sehr viele Menschen in einem unerklärlichen Dilemma leben bzw. sich erleben, wie sie es so nicht wollen, aber auch keinen Ausweg finden und solche Bücher sich genau wie Sprüche an den Wänden irgendwie schön lesen, ohne dass sie damit tatsächlich etwas anfangen bzw. ihr Leben entsprechend ändern können.
Ich könnte hier ewig über dieses Buch referieren und es würde weiterhin so schwierig wie ich bleiben. Immerhin aber hat es ein paar Dinge zusammengefasst, die mich schon immer verfolgen (so schreibt auch das Buch, dass manche derlei Fragen bereits als Kind, andere später und ganz andere garnicht klären. Und ich möchte dazu fragen, ob es Menschen gibt, denen sowas vollständig egal ist, weil es nunmal so ist, wie es ist?) Eine Zusammenfassung = Handlungsanweisung bestünde also darin, herauszufinden, was mir gut tut und dass ich mich genau diesen Dingen von Tag zu Tag etwas mehr widme. Ob Bücher lesen oder Karussell fahren oder Wandern oder Sport, anderen helfen, Musik machen, im Meer schwimmen, andere Menschen und Länder kennenlernen ... darin besteht tatsächlich die größte Herausforderung: Weil ich auch in solchen Situationen gerne schon wieder darüber nachdenke, ob das nun gut ist oder Sinn macht. Siehe Sonnenuntergang Niederlande 1993. Ich glaube an fast Nichts. Aber ich glaube immerhin daran, dass es helfen und Sichtweisen verbessern wird, indem ich meinen Horizont erweitere, andere Kulturen, Menschen, Lebensmodelle kennenlerne. Dänemark 1992 war damals so ein Erlebnis. Dänemark 2010 das ganze Gegenteil. Nanu!?
Dennoch: Wenn es möglich ist, diese positiven Situationen zu sammeln, zu vereinen in einer Tätigkeit, die mir gerecht wird, wird sich dafür ein Weg finden, egal wo, egal mit wem. Und alles, was positiv verstärkt und motiviert, wird zu einem guten Leben mit weniger Fragen darüber führen. Und das würde mir bereits reichen.
Was das Buch ebenfalls ein bisschen wackeln lässt, ist eine schön gemeinte Geschichte über den Geschäftsmann auf Urlaub, der einen alten Fischer (aaah!) kennenlernt und ihn nach seiner Zufriedenheit fragt. Der wiederum sagt ihn, dass er morgens aufs Meer zum Fischen fährt, dann mit genügend Fisch heimkehrt, ein Nickerchen macht und abends mit seiner Frau am Meer spazieren geht, während die Kinder im Meer baden. Und dass er diesem Leben so wie es ist, durchaus zustimmt. Der Geschäftsmann erkennt ein Modell und fragt ihn nach Erweiterung dieses Konstruktes: Mitarbeiter anstellen, mehr Fische fangen, verkaufen, reicher werden mit Büro in der Stadt ... Fischer wiederum fragt, ob er dann trotzdem noch rausfahren, Fische fangen, ein Nickerchen machen und mit seiner Frau am Meer spazieren gehen kann ... Geschäftsmann sagt "ja", Falle schnappt zu: "Aber dann mache ich das doch jetzt schon alles, so wie ich es will. Warum sollte ich das dann ändern?" ... Uuuh, Geschäftsmann ist platt und gibt dem alten Fischer Recht. Im Epilog wird dann ironischerweise erklärt, dass Strelecky nach diesem 25-Mio-Bestseller zertifizierte Ausbildungsprogramme vertreibt und seine Lehren nun weltweit verkauft werden und er Seminare für 'führende Unternehmen' gibt. Hat ihm also offensichtlich nicht gereicht.
Aber egal. Immerhin versuche ich mich weiter an meiner Tragödie, es einfacher und auf den Punkt zu bringen. Und heraus zu finden, was ich zu mir passt. Zumal mein Versuch, heute einen Termin bei einer Psychologin für ein beratendes Gespräch auf August hinausliefe und also damit im Sande versob.
Strelecky: „Sobald jemand weiß, warum er hier ist, tut er, was immer er möchte und was dem Zweck seines Daseins dient.“
Feist: "Es ist gut, wenn du weißt, was du willst, wenn du nicht weißt, was du willst, ist das nicht so gut."
Gestern erster Tag ohne Alkohol aus freiwilligen Stücken seit ... tja, seit sehr langem. Geht natürlich gleich bisschen besser alles.
Tod & Gundermann
Wenn ich so traurig werde, dass es mir zum Freitod gereicht, gibt es dazu und für diesen Moment nichts mehr aufzuschreiben für die Nachwelt, die es sich daraufhin natürlich nicht erklären, sondern nur mutmaßen kann. Obwohl ich mir das immer vorgestellt hatte: (Auf dem Dach des Centrum Warenhauses mit einer Gitarre stehen und lauthals verkünden, was ich alles nicht weiss, aber wenigstens deswegen jetzt sterben will.) Habe gerade den Film Gundermann gesehen, kann ihn mir nicht ganz zusammenreimen, nehme aber ein unglaubliches Gefühl aus meiner Erinnerung mit. Insbesondere beim Song "Jetzt kommen die fetten Jahre, Linda" (ich kann wieder heulen!) und meine Erinnerungen an Kutzstraße und die Fleischerhemdenfraktion und die ganzen Leute, die ich in meinen Teens und Twens bewundert, aber oft nicht verstanden habe. Weil ich mir nur vorstellte, was 'die da tun'. Doch wäre ich so gern dabei gewesen bspw. am Innenhoffeuer mit den Leuten, die da Musik mit Gitarre und Kontrabass gemacht haben. Ich fühlte mich nicht zugehörig, nicht gewachsen dem Gefüge, von dem ich nichtmal wusste, was es überhaupt für eines war. Wahrscheinlich ein gar nicht kompliziertes. Nur waren mein Mut und meine Zuversicht nicht ausreichend, um mich einfach mit dazuzusetzen.
Das hat sich fortgesetzt über die Jahre hinweg und aus der heroisierenden und wahrscheinlich verklärt-romantischen Vorstellung über das Sein & Tun jener, die ich damals beobachtete und damit auch bewunderte, hat sich blöderweise eine Haltung manifestiert, die mir weiterhin nicht gestattete, mich an die Lagerfeuer jener Menschen zu setzen, um wenigstens mal zu gucken.
Das hat sich später Dank Kawa ein bisschen geändert, als ich erstmals in Oberkossa dabei war und feststellte, dass das alles garnicht so kompliziert ist und die Shell-Parka Typen ebenso normale Menschen sind wie ich. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich ihres Lebens insofern bewusst schienen, als dass sie einfach das taten, wonach ihnen war. Ganz einfach.
Während ich noch immer und wie immer und wie heute alles in Frage stellte. Fuck off.
Und das hier geht an Tobi:
https://www.youtube.com/watch?v=TyeXtOvGP-g
Linda
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[ Gerhard Gundermann, Album: Der 7. Samurai, 1993]
Du bist in mein Herz gefallen
wie in ein verlassenes Haus
hast die Türen und Fenster weit aufgerissen
das Licht kann rein und raus
ich hatte doch schon meinen Frieden
aber du bist so ne laute Braut
Du hast mich wieder ausgeschnitten
aus meiner dicken Haut
Jetzt kommen die fetten Tage, Linda
wir haben so lang auf dich gespart
was sollen wir euch sagen, Kinder
die Alten sind noch mal am Start
Ich wusste wie die Kugel rollt
und war nicht mehr interessiert
wenn der Sensenmann mich abgeholt
hätte ich mich nicht geziert
meine Pistole war geladen
mit dem allerletzten Schuss
ich hab sie unterm Kirschenbaum vergraben
weil ich doch hier bleiben muss
Jetzt kommen die fetten tage, Linda ...
Mandy 50 unter Menschen
Also waren wir in Mannhausen. Die Nacht zum Samstag glich einer üblichen Entgiftungsnacht ohne Alkohol am Freitag. Selbst am Samstag in Mannhausen fast nichts und zu Hause mit Tobi gesamt eine Flasche Wein. Aber wieder eine gefühlt sehr schlechte Nacht. So, als hätte und hat mich das leiseste Schnarchen Tobis immer wieder aus dem Beinahe-Schlaf gerissen. Das macht ziemlich mürbe. Ein treffendes Wort. Und ein neues von mir vom Samstag dazu: "idiotär". So fühlt sich das alles für mich an. Und es war eine riesige wie erwartete Zwickmühle für mich auf Mandys Party. Auch Mandys Eltern waren da und so viele andere Leute auf einen Haufen, die mir allesamt sympathisch sind. Doch ich brachte es zu nichts, stand bei den Leuten so mit rum bis wir auf der Bühne bisschen gemeinsam Musik machten. Für jeskom hats nach einer Stunde 'Show' dann nicht mehr gereicht - und es war egal. Und bald danach gings nach Hause.
Das eigentliche Dilemma dieser großen Zwickmühle: Mir war klar, dass Tobi dort nicht lange bleiben wollte. Und mir war auch klar, dass ich so schlecht drauf war, dass es ja eigentlich sogar passte. Oder was erwartete ich sonst? Was auch immer, aber ich hatte wieder das doofe Gefühl, dass mit Tobi bei solchen Gelegenheiten kein Staat zu machen ist. Das ärgerte mich sehr, obgleich es natürlich auch für mich besser war, die Party zu verlassen. Aber das Dilemma wird klar: Das eine geht nicht, während das andere auch nicht ging. Wäre ich da geblieben, weiss ich genau, dass ich jetzt noch sehr betrunken und mindestens ebenso unzufrieden wäre. Au weia.
Die ganze Rückfahrt war ich maulig. Über meinen Zustand, über Tobis Attitüde fehlenden Interesses an smalltalklichen bis hin zu intensiven Feten und Kommunikationen, die man einfach so plätschern lassen und gemeinsam erleben kann. Quatschen. Lachen. Wandern. Tanzen. Zeit baumeln und gut gehen lassen. Und maulig darüber, dass ich sowas also mehrfach bewiesenermaßen alleine machen und mich anderen gegenüber dann zwar ehrlich, aber dennoch rechtfertigen muss, dass mein Freund an solchen Dingen nicht interessiert ist.
Ich bin da ja selbst kompliziert genug, insbesondere, wenn ich so schlecht drauf bin wie an diesem Wochenende. Und auch so bin ich so oft so ängstlich, was mir eigentlich garnicht entspricht. Insbesondere in Kreisen, in denen ich mich sicher fühle.
Eine Handlungsanweisung für solche Momente hätte ich gern. Denn Tobi kann nichts dafür. Er ist nunmal so. Und ich kann mich entscheiden, wie ich will, er würde es mir nicht besonders übel nehmen. Aber ich kriegs ja nicht selbst hin und brauche also noch immer jemanden, der mich mitnimmt, mich einem interessanten, interessierten und intensiveren Leben zuführt oder mich zumindest auf diesem Weg hin ermutigt. Eine Handlungsanweisung, die mich von meiner stummen Wut über diese undefinierten und teilweise unlogischen Denk- und Handlungsweisen trennt, die mich für den Moment beruhigt oder .... ach das ist alles Bullshit. Ich fühle mich immer noch sehr dunstig und meine Hüfte piekst im Takt dazu.
Neue Woche mit Moderation und Straßenmusik am Ende. So. Mach was!
Vergiftungen
Ich glaube, es handelt sich tatsächlich um deutliche Vergiftungen und um ein fortgeschrittenes Mißbrauchsstadium mit Richtung deutlicher Abhängigkeit, wenn ich mir die letzte Woche besehe. Das ist definitiv zu viel. Und die nächsten Tage beginnen manchmal erst um 12! Und sind auch keine Tage, sondern reines Dahinvegetieren ohne Meinung und Tat. Aber mit einer enormen Leere in Hirn & Herz. Es findet nichts mehr statt. Oder nicht sehr viel.
Dazu gesellt sich ein weiterhin sehr diffuses Bild über mich / von mir, so dass ich nichtmal eine schöne Vorstellung von Mandys Party habe, die nachher in Mannhausen steigt. Da wollte ich schon seit gestern sein, aber ich traue mir keine Kälte im Bus mehr zu oder überhaupt die so sehr ersehnten Menschen um mich herum, denen gegenüber ich allerdings ein Verteidigunssyndrom entwickle. Ich möchte garnicht die Frage gestellt bekommen, wie es mir geht und was ich jetzt so tue. Kurze Antwort: Es geht mir ziemlich beschissen und ich tue eigentlich nichts, daran etwas zu ändern. Der Rest des Abends wäre dann bestimmt ganz viel Bier und Wein, um dann besinnungslos im Bus die Heizung versuchen, anzuwerfen.
Wir fahren also nachher raus und abends dann auch wieder zurück. Aber vergiftet bin ich allemal. Und die Hüfte rechts macht sich eine Freude draus und schikaniert mich gleich noch'n bisschen in dieser Abteilung.
zwölf42 abgrundtief
Wenn man mich so und jetzt sehen würde, müsste man mir professionelle Hilfe ... (irgendein Wort). Ich bin quasi verwahrlost. Und um 12:42 aufgestanden, weil das Rumpeln über mir meine Vergiftung übertönte. Angefangen hat alles vor vielen Jahren ... nein vorgestern am Freitag: in dem ich ab 22:00 Uhr 2 Flaschen Weißwein leerte und am Samstag entsprechend knülle war. Was mich nicht davon abhielt, schnell noch bei Norma vorbeizugucken, um zwei weitere dieser Weißweinflaschen zu kaufen. Jedoch nur, falls ich ein kleines Gläschen am Abend ... So. Dann ging ich endlich die Winterkiste an, um die restlichen DVDs und CDs zu sichten und entsprechend wegzuschmeissen. Dazu gabs eine 50 Jahre Hitparade Sendung im Fernsehen und ich war sehr oft sehr merkwürdig berührt von dem, was ich da sah: Das sind alles Erinnerungen aus meiner Kindheit. Und manche von denen fühlten sich an wie erst kürzlich erlebt. Einen Grund für diese Melancholie kann ich mir nicht erklären, fand aber beim Sichten und Archivieren der alten DVDs / CDs gar manche Aufnahmen, die ich mir unbedingt behalten wollte, weil ich dort zu sehen war. Hä? Was soll das denn? Vielleicht habe ich zu wenige Fotos / Filme aus meiner Kindheit / Jugend und will das jetzt wenigstens mit dem Lebensabschnitt 20/30 auffüllen? Oder ich hänge grundsätzlich am Vergangenen, von dem ich jedoch weiss, dass es auch keineswegs besser war, sich vielleicht nur 'möglicher' anfühlte, etwas mit meinem Leben besser zu machen, als es jetzt der Fall zu sein scheint.
Jetzt eben rief Tobi an (Facetime) und ich glaube, schlimm ausgesehen haben zu müssen. Weil ich mich entsprechend fühle. Und dabei feststelle, dass er zwar eine felsenfest verlässliche Stütze für das einfache, alltägliche Leben ist, aber an solch komplizierten Fällen wie mir scheitern muss. Ich weiss ja auch nicht, was ich in meinem Fall mit mir tun soll.
Warum habe ich eigentlich noch keine messbaren Schäden wie Fenstersprung, Leber- oder anderen Krebs oder Kreislaufversagen und Schlaganfall und Infarkte? Ich erfülle doch alle Voraussetzungen dafür?! Immer wieder muss ich in solchen Situationen an Stübing denken, da war er noch nichtmal 40 und brach mit sich und seinen Konventionen, liess sich einliefern und helfen. Ich bin gleich 50. Noch ist es nicht zu spät dafür. Einzweidrei Gespräche mit einem wildfremden Psychologen für den Anfang? Ich brauche dafür eine klare Aussage über mich, eine Beschreibung meines Zustandes und der Gefahr, in der ich mich sehe. Und dann brauche ich ein Ziel oder zumindest eine Idee, was ich will und was nicht. Habe ich ja alles schonmal irgendwannwo angefangen. Und wieder sein lassen.
Das ist mir alles zu anstrengend. Beziehungsweise ICH.
500 km landwärts
"Viel leichter ist es immer hinterher" ... was habe ich ausgestanden, um mich mit dem Gedanken anzufreunden, einfach mal loszufahren. Die Gelegenheit bestand darin, dass Siggi (mein Nachbar) mit Frau und Tochter irgendwo im Spreewald campierte und er mir ein Foto schickte und meinte, dass dies doch mal ein schönes Ausflugsziel für mich wäre. Während des Reifeprozesses meiner hyperreflektierten Überlegungen riss ich mich einfach von mir los und nutzte Wetter wie den neu gemachten Bus und den vollen Tank und wagte es. Am Ende war der Campingplatz voll und ich erinnerte mich dort in Lübbenau wieder ein bisschen an Kopenhagen damals. Zwar war ich diesmal nicht übertrunken vom Vortag (sondern hatte gerade noch den Absprung im BN mit 3 Bieren und zuhause einer weiteren Flasche Bier geschafft [ja, ich fürchte, ich muss meinen Konsum hier mittlerweile dokumentieren]), aber mir war wieder und weiterhin so schwirrig im Kopf (interessantes Wort), was sich wie eine sehr blöde Desorientierung anfühlt, ein schwindliges, benommenes Unterfangen, bei dem ich mir in nichts sicher bin, aber für den Moment auch nichts ändern kann, weil ich ja nun mal vor Ort bin. Alles weitere scheint eine riesige Anstrengung und der Wunsch nach "nimm mich bitte hier raus und bring mich an einen sicheren Ort"
Nunja. Wir fanden uns also in Hafen von Lübbenau, erzählten bisschen und ich mutmaßte, meinen Weg nach Dresden fortsetzen zu wollen. Bis mir auf dem kurzen Weg zur Autobahn einfach nicht einfallen wollte, was ich da sollte. "Hey Stü!" in seinem Laden rufen. Ja. Und dann? Kein Ziel, keine Idee, keine Ahnung. Fotos machen! Hey- und wovon? Und warum? Und was soll das alles überhaupt? Ich entschloss mich auf dem Weg, den ich kam, in Brandenburg/Wollin abzufahren, zur Malge hin. Das war kein großer Umweg und damit auch nicht so belastend für meine zu vielen Gedanken. Einfach gucken. Und so war es dann auch. Alles wieder erkannt, fast alles beim Alten geblieben. Sogar die Baumwurzeln von der Malge-Terasse zum Strand. Vieles so wie vor über 40 Jahren. Vierzig!
Bin wie vor ?x? Jahren die Malge entlang gelaufen mitsamt dem Blick nach Kiehnwerder und der Frage, ob ich da rüber kann. Oder möchte. Und dann verspürte ich ein irre Lust nach Baden. Und hab die kleine FKK Bucht dafür genutzt. War eh' fast keiner am Strand. Und dort gar niemand. Und also sprang ich rein. Großartig. Anbaden am 25. April. Nass zurück in die Klamotten mit Sand in der Hose wurde mir um Einiges leichter. Es war vertraut dort. Wahrscheinlich deswegen. Ich fuhr entspannt und durch die Sonne nach Hause und bin abends in die Sauna und zum Schwimmen. Einer von den Typen, die da auch sonst immer da sind, erzählte mir aus seiner Kindheit an der Malge und ich stellte mal wieder fest, wie klein doch unsere Universen manchmal sind.
Jetzt sitze ich hier, trinke Entrecóte und frage mich, warum ich und meine Gedanken so unnötig kompliziert sind. Ich hätte mir auch sagen können, dass das heute unnötige knappe 500 km waren. Jetzt, ganz am Ende dieses Tages, waren sie es aber dann doch nicht. Nur die ganzen aufwändigen Gedanken und mein blödes "Down-Syndrom" (ich weiss, ganz schlechtes Wort, aber es fässt es ganz gut zusammen) möchte ich gern loswerden. Es fühlt sich oft an wie Blutdruck 90:60 und im Kopf noch etwas weniger.
Es sind jetzt noch 20 Grad draußen - ein Vorgeschmack von Sommer, der sich zum Glück wieder zurückziehen wird, um es spannender zu machen. Ich habe soviel Zeit. So dolle viel. Mindestens bis September. Und Geld genug. Und so viele Möglichkeiten, das zu tun, was ich in Zeiten meiner Vollbeschäftigung immer als Manko bzw. als Grund wegen eben dieser (nicht zufrieden stellenden) Beschäftigung angesehen habe. Pardauz! Und nun habe ich nicht den Schneid einer Idee, mit der ich mich anfreunden könnte. Ein allgemeiner und bitterböser Trugschluss also.
Mein Leben mach ich mir, widewidewitt, eben NICHT, wie es mir gefällt. Weil ich nicht weiss, was mir gefällt, was ich will, was und warum ich etwas nicht will, wovor ich Angst habe, was mein Problem ist ... und wie das Wetter morgen wird.
Ahoi.
Hingabe
Ist das also weiterhin so, dass nach alkoholisch zu intensiven und aktionistisch zu unbedeutenden Wochenendtagen (resp. Ostern von Donnerstag bis Montag) Körper & Geist in einer Art dumpfer Zeitschleife gefangen sind, aus der sie nur mittels konkretem Verzicht entfliehen und sich mich wieder normal anfühlen lassen zu können? Das Training hat mich ein wenig erweckt, aber ich wähne mich weiterhin auf einem schwankenden Eiland: Das Gehirn (Set) ist dumpf und träge, während die Umgebung (das Setting) zufällig extra seinen entsprechenden Teil beisteuert. Wie eben an der Kasse im Edeka wie auch bei Bäcker Ebel. Alle nicht so richtig klar bei Verstand und langsam und fehlerhaft. Passt perfekt zu mir. Und ich versuche der vielen abwägenden Worte Einhalt zu gebieten, rauche jetzt (ermutigt durch T.C. Boyle's "Das Licht") am hellerlichten Tag eine Tüte und werde damit ganz sicher weiter wanken, weiss dann aber wenigstens, warum ich nicht bei Verstand bin. Und morgen ... morgen wird alles besser. Irgendwie.
und wie weiter?
Böse Frage zum postösterlichen Start in die neue Woche, in welcher es tatsächlich so gut wie keine Termine gibt. Eine Ausstellung von Beetzi, einmal Fahrraddurchsicht, Tobi hat Samstag Dienst. Vor mir liegen sieben vollständig freie Tage, wenn ich das mal so bezeichnen sollte. Ich mache damit nur deutlich, wie wenig ich mir, meinen Gedanken und Ideen, meinem Leben und meinem Horizont zutraue.
Klar könnte ich das geniale Wetter nutzen, um irgendwohin zu fahren, um mich dort ebenso nicht wohl zu fühlen. Oder mit der Kamera Zeugs machen, oder Jeskom, oder Domsagen, oder Otto-von-Guericke, oder den Arbeitsmarkt durchforsten, oder für MD-Kompakt schreiben oder ein MDR Interview machen oder Leute besuchen, oder meinetwegen die Wohnung lila anstreichen und aufräumen oder mir auf Gayromeo ein Sexdate besorgen, oder den ganzen Tag lesen oder so verrückt wie verzweifelt die Zehnsucht hier vollschreiben ... alles bzw. das Nichts wiederholt sich.
Ein ungreifbarer, seltener Hauch von Möglichkeit will mir weiter- und immerhin weismachen, dass es bedeutungsvolle oder wenigstens irgendwelche Dinge zu erwarten und schließlich auch zu tun gäbe. Aber im Moment lethargiere ich jedoch vor mich hin und beziehe wenigstens die Betten neu.
Wie aber soll es denn nun weitergehen? Und womit? Und warum? Ich schlafe weiterhin nur halbwegs gut, wenn ich genügend Wein getrunken habe, was mir den nächsten Tag vergällt und mich immer fetter werden lässt. 10 Uhr, 14 Grad, volle Sonne. Das ist draußen. Ich würde gern ALLES mal erklärend zusammenfassen. Nicht im Detail, wie ich es schon so oft versucht habe (Summary, Stand der Dinge, der Tod, ACT [obwohl ACT relativ konkret ist] ...), sondern in einer Kurzbeschreibung, in einem Essay, einem Buchklappentext ...
"Fast 50jährig hatte er immer das Gefühl, seinem für ihn unerklärlichen Leben hinterherzujagen, statt sich mit ihm anfreunden zu können. Seine Denkmuster, Interpretationsansätze und emotionalen Motivationen erlaubten ihm nicht, seine vielfachen Reflexionen und Zweifel zu verstehen, zu akzeptieren. Stattdessen balancierte sein Willen gegen seine Zweifel in einem immer ungleicher werdenden Kampf, so dass er am Ende nicht mehr wusste, was er eigentlich wollte. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Übrig blieben die Zweifel, die auf nahezu alles ihn Umgebende, ob beginnen oder bestehen wollend, einen Schatten warfen. Sein Rüstzeug bestand in vielen bewundernswerten Fähigkeiten, die mangels einer professionellen, lenkenden Ordnung per Selbstwert und Ermutigung weit unter den Möglichkeiten blieb. Was ihn zu der Auffassung brachte, dass sein Leben womöglich möglich sei, er es aber nur unter permanenter Aufbietung all seiner Kräfte zuwege bringen könnte. Bis ihm eines Tages ein Gedanke kam, der hier leider nicht aufgeschrieben werden konnte."
Er vermisste Freunde, Freude und 'echte' Erlebnisse jenseits von Kneipentischen; er formulierte ein vages Gefühl über jene Erlebnisse, die den Horizont erweitern, sein Wissen mehren und Lust auf weitere Länder, Menschen, Abenteuer machen. Machen könnten. Machen sollten. Stattdessen freute er sich immer nur über das kleine, seltene, unbestimmte Kribbeln am Sonntag mancher Wochenenden, das ihm weismachen wollte, dass es JETZT losgehen kann. Oder gleich danach.
ab jetzt alles
Alles ist möglich. Insbesondere jetzt, in diesen frühlinglichen Momenten. Keine Arbeit, keine Verpflichtungen, keine laufenden Projekte. Allerdings auch keine Ahnung, was ich damit und mit mir anfangen soll. Und mit meinem Leben. Schlimm, was? Ordentlich doof ist das sogar. Ein kurzweilig körperweites Kribbeln lässt erahnen, welche Ausmaße zur Verfügung stehen. Zur Verfügung standen, die ganze Zeit schon. Nun ist es nur deutlicher. Ich könnte los. Heute Abend schon. Ach was, nachher. Nach links oder rechts oder geradeaus? Zurück hört sich doof an, geht aber genau so. Auf der vertrauten Stelle tritt's sich noch am besten, oder? Bringt aber keinen Schritt ... ja, is' klar.
Und wieder also fühlt es sich an, als dass ein langer tiefer Schlaf es richten könne und ich nach dem besonnenen Aufwachen in Ruhe meine Sachen packe und auf irgendwelchen oder -wes' gedanklichen Flügeln davonschwebe.
von der Freiheit im Kopf
Es ist Ostern. Seit Tagen präsentiert sich schönstes Frühlingswetter und müht sich, die Menschen aus ihren winterlichen Höhlen zu locken. Morgendlich frische klare Luft wird zu sonnenwarmen Oasen mit leichter Brise aus dem Osten und kühlt sich abends wieder ab. Die Natur treibt jung und hellgrün aus, stark, frisch und bereit, ihre Knospen zu bunten Blüten zu entfalten.
... überall regt sich Bildung und Streben ... doch an Blumen fehlt's im Revier. Die geputzten Menschen tun es der Natur gleich, zünden Feuer an und putzen sich und ihre Häuser im Versuch, den Winter zu vertreiben. Ein weiterer Neubeginn also, mein fünfzigster, normalerweise begleitet von einem leichten Beben in Voraussicht auf das, was jetzt zu erwarten, zu tun, zu erreichen sei.
Meine Sichtweisen bleiben weiterhin kompliziert, schnellstumstößlich, aber meistens negativ behaftet. Die beschwichtigenden und aufmunternden Worte anderer und meiner selbst verhallen so schnell, als dass ich sie halten und nutzen könnte; die Wertigkeit allens flieht flüchtig in die Schleifen jener permanenten Wiederholung derselben Litaneien. <-- kurze Pause, ich bin zu diffus, um hier weiter zu schreiben -->
Jetzt ist es Abends und wir kommen gerade aus dem Pool nach zwei Stunden nebst einer Flasche Wein. Der Pool mit seinem 37 Grad Wasser macht müde und mir schiessen Millionen Gedanken durch den Kopf. Bereits im Pool wie auch den ganzen Tag durchwischten mich haltlose Fetzen von irrsinnigen Gedanken, die irgendwie damit zu tun haben, dass ich in jederlei Hinsicht Bewegung brauche, aber nicht imstande bin, auch nur irgendetwas aufzugreifen, um es zu tun.
Das geht hier heute erstmal nicht weiter, ich bin dumpfmüde und ... und das wars.
eine Fallstunde später
... entschloss ich mich, zum Weinladen zu gehen. Und es waren Stef und Frau Doktor Ulrike da. Und Wein-Micha. Genau wie 48 Stunden zuvor. Und so plötzlich wie oft drehte sich meine Stimmung und mir ging es wesentlich besser. Vielleicht waren es die bekannten und vertrauten Gesichter. Bisschen später stieg Andy aus einem Taxi aus, zurück vom Flug aus Birmingham via Frankfurt und Hannover und berichtete von seinen Erlebnissen auf dem Airport Frankfurt, wonach ihm sämtliche DutyFree Flaschen in einer Personenkontrolle entzogen wurden, weil sein Gate (2) offensichtlich nicht für den Transit gerüstet war und er damit keine Flüssigkeiten in dieser Menge in den nächsten Flug per Handgepäck mitnehmen durfte.
Egal. Aber interessant. Im Bluenote traf ich dann Tino / Tilo? und Ronald. Und alles passte ganz gut zusammen. Jetzt probiere ich zuhause eine Flasche Wein und überfliege kurz den Tag, an dem mir tatsächlich mehr gelungen ist, als es mir meine Stimmung vorhin zugestehen wollte: Ich war bei Nowak- Steuerberaterin, im Anwesen meiner Eltern, hab dort bisschen gegossen, hab einen Termin bei einer Thai Massage morgen (nachher) klar gemacht und bringe mein Fahrrad am Mittwoch zur Durchsicht. Und ich habe meinen Bus durch die Waschstraße gebracht und saubergesaugt. Einzig die Websachen beim Migrationsführer habe ich nicht hinbekommen: Keine Ahnung = Kein Interesse. Von solchen Dingen sollte ich mich trennen.
Mach das, was du kannst und bestenfalls: was du willst. Nunja, zumindest wollte ich hier nicht unerwähnt lassen, dass meine Stimmung und die Sicht auf die Dinge also auch sehr schnell umschlagen können und ich mir damit weiterhin völlig im Unklaren darüber bin, wie und auf welchen Wegen ich mir denn diese besseren Zustände zulegen kann. Es bleibt kompliziert und diesen Blog hier werde ich wohl weiterhin mit meinen sehr spontanen, akuten Stimmungsschwankungen füttern.
P.S.1: ein vibrierender Dildo mit Prostata-Massage führt tatsächlich zum Orgasmus. Eine gewisse Einstellung dazu und Erregung vorausgesetzt, bedarf es nichtmal Gras oder besonders inszenierter Stimmungen / Situationen. Es scheint einen Zusammenhang zu geben.
P.S.2: Wuseler hatte kürzlich einen Herzinfarkt und dabei Glück gehabt, dass er noch in der Bank weilte, in welcher seine Kollegin folgerichtig handelte, die Ambulanz ihn schnell nach Olvenstedt brachte, wo ihm ein Stent gesetzt wurde und er - diese Katastrophe überlebt habend - nächste Woche eine Reha beginnt. Es gab keine Vorzeichen ... es passierte einfach. Tadaaa!
Denke ich oft drüber nach. Und leider nicht mit besonderer Besorgnis. Nur in der Hoffnung, dass es schnell und schmerzlos vorbei wäre. Wirklich? Na? Wie egal ist dir dein Leben?
P.S.3: ab morgen ist Ostern. Bei allerbestem, sonnigen Wetter um 20 Grad und darüber hinaus bis in die nächste Woche. Beste Voraussetzungen für ... ? Für was? Es tut mir so leid, so viel Zeit meines Lebens offensichtlich zu verschenken, weil ich nichts damit anzufangen weiss. Vielleicht schaffen wir's nach Potsdam Sanssousie auf einen Ausflug.
Fallstudie
Bestimmt mal wieder nicht schön, sowas hier lesen zu müssen. Vielleicht kann ich mich dadurch aber besser beschreiben. Um zu erkennen, was so lange schon und immer währt, sich aufbäumt, sich plötzlich zur positiven Sicht wendet und wieder in sich zerfällt. Eine Fallstudie ist das hier, bei der ich mich frage, ob mein gefühltes Gesamtniveau eigentlich fällt und die Bewertungsskalen sich im Kombinat abwärts bewegen.
London begann in freudestrahlender Absicht, mein frisches Englisch einzusetzen, Klamotten zu kaufen und mit schönen und gelebten Eindrücken zurückzukehren. Wie beschreibe ich das jetzt? Sehr oft habe ich so ein gesamtes Lebensgefühl inmitten irgendwelcher Situationen, auf einem wankenden Turm zu stehen und in vielen solcher Situationen oft nicht weiss, was ich jetzt hier eigentlich tun oder lassen soll oder warum ich überhaupt da bin. Und wohin ich gucken soll. Geschweige denn gehen soll.
Zurück aus London stelle ich fest, fast gar kein Englisch gesprochen zu haben und die gelebten Erlebnisse in Ermangelung einer Vorstellung derselben garnicht habe leben können. Weil ich und mein Universum viel zu kompliziert, depressiv und müde sind.
So sitze ich hier, versuche irgendwelche Websachen zu erledigen und komme alles in allem auf keinen Punkt, obgleich es derzeit zumindest ausreichend Zeit für alles gäbe, was ich zu tun gedächte, wenn ich denn wüsste, was ich tun wöllte. Dieses Thema ist so alt wie ich und ich schreibe es nur schnell auf, um die unerklärbare Tragweite weiter zu dokumentieren. Es bleibt der dumpfdröhnende Beton, der einer schwer zugemauerten Festung gleich mich an allem hindert. Außer am Weintrinken. Was einige Folgeerscheinungen, aber nicht die Ursache erklärt.
Zerfall und Frühjahrsputz
Je nach Stimmung und Sichtweise betrachte ich den Zerfall meiner Hülle in jenem relativen Maß, mit welchem diese Erkenntnis greift. Die Haare gehen mir aus, die Zähne sehen nicht gut aus, ich bin jetzt bei 90 Kilogramm wabernder Masse angekommen und zum Dessert gibts zu oft jene unerklärlich müden Momente, die häufig in Tatenlosigkeit, Wortschwund und einer gewissen Traurigkeit münden, die solche An- und deren Aussichten nicht gerade positiv beeinflussen.
Eine kleine Zwischenerkenntnis dazu stammt aus meiner Englisch-Einstufung, wonach man mich bei Berlitz reden hört und der Meinung ist, dass ich ziemlich aufgestellt sei. Was sich leider nicht so anfühlt und oft habe ich den Verdacht, dass diese irgendwie selbst geschaffenen Lorbeeren meine eigentliche Leere in weiteren Bereichen des Lebens übertünchen. Ich kann schlau anmutende und zur Konversation passende Worte beisteuern und hinterlasse bei meinen Gegenübern das Gefühl, dass ich vermutlich gut über das jeweilige Thema Bescheid weiß. Weiss ich aber nicht, ich benutze nur solche flüchtigen Oberflächlichkeiten mit einem gut passenden gewissen Witz und Esprit. Das scheint mir mein Blendwerk zu bestätigen. Vielleicht ist das ja auch wieder nur Ansichtssache und stimmt bestimmt nicht, aber es fühlt sich oft und sehr so an.
Jeder Frühling versucht mich immer wieder, in zumindest mir möglich erscheinenden Bereichen etwas zu ändern. Und dafür wird es jetzt Zeit. Immerhin habe ich es zwei Wochen lang geschafft, je drei mal zu trainieren und Donnerstags zu schwimmen.
The Ballad of Buster Scruggs
"The Ballad of Buster Scruggs" der Coen-Brüder ist ein so bildgewaltiger Film und mit einem erzählerischen Minimaltempo versehen, welches Zeit ließ zum Wirkenlassen, zum Verstehen. So waren dann auch meine Träume der kommenden Nacht gespickt mit unendlich vielen Geschichten, Episoden und theoretischen Erlebnissen. Eine sehr bemerkenswerte Szene (so kommt es mir zumindest jetzt, kurz nach dem Aufstehen nach dem Frühstück vor) war ich in irgendwelche Glitzerwellen schaute und mir in diesem einen, kurzen Moment bewusst wurde, wie es sich anfühlen muss, wenn ich völlig frei von allem bin: von allen echten oder eingebildeten Beobachtern um mich herum, von allen eigenen Zwängen, von allem Welt- und eigenen Schmerz ... es war ein unglaublich großer und sehr erleichternder Moment und so voller Klarheit, als sollte mir damit gezeigt werden, wie es sein könnte. Und dass es folglich also möglich ist.
hang over and over and ...
Samstag wirkte der Wein schneller als gewohnt und am Ende war ich breitest, nachdem Tobi bereits im Bett und ich noch beim Lesen eines InterVista Artikels über Roland Bach war. Der Sonntag wurde zu einem der üblich- blühenden HangOverDays und der Sonntag Abend hing entsprechend zwischen allen Seilen, was die Nacht trotz großer Müdigkeit des Sonntags kurz und übermäßig traumbefüllt werden ließ. Also der Hang-Over-Over, der es immer wieder schafft, meine Sichtweise auf mein Leben so extrem zu verunstalten, dass es zum Grauen wird.
Denn es sind ja (wie sicherlich hundert mal bemerkt) nicht der Wein und der Hangover, sondern die Gründe dafür. Das war die bisher deutlichste Aussage. Und in diesem Fall vollbeladen mit: Was soll ich hier? Was soll ich arbeiten? Und warum? Für wen? Für Geld? Für etwas Ruhm oder gesellschaftliche Anerkennung? Weil es sein muss und es 'nunmal so ist'? Was kann ich denn und wichtiger noch: Was will ich denn? Gähnende Leere und ein unglaubliches Unbehagen.
Dazu das immer wieder als von mir knapp eingestufte Englisch (nächste Woche ist es mit dem TOEIC Test geschafft) und dann dazu die immer währenden Fragen, was denn anschließend mit mir zu tun sei. NYC? DK? Oder eine der favorisierten Rundreisen voller Zweifel und letzten Endes mit noch größerer Unzufriedenheit? Bestes Beispiel dafür war damals Kopenhagen in 2010. Oder 'irgendeinen' Job annehmen?
Aus purer Aussichtslosigkeit und dem Rückgang der Schmerzen habe ich in der letzten Woche wieder mit dem Training angefangen. Wenn schon Scheisse drauf, dann muss ich nicht auch noch so aussehen. Das ist mittelfristig sogar klug gedacht, denn es hilft im Falle von spontaner Reaktivierung.
Ich fürchte nur - und die gesamte Zehnsucht hier macht das sehr deutlich - dass es und ich und Überich immer so bleiben werden. Ein deutliches Update steht dringlichst bevor. Aber welches? Und wie? Immer das Selbe, Baby.
... vergiss ma nicht.
Heute Buchmesse Leipzig. Dieses Gefühl heute ist eines zum Merken. Denn es war rundum gut, gelungen, gelöst. Gefreut habe ich mich über unsere Musik, das Publikum, die Leute vom Magdeburger Stand ... und die anschließenden Schlendereien über die Buchmesse waren ebenso beruhigt und ich hatte die ganze Zeit über ein schönes Empfinden.
So. Das geht also.
puppenversehrt
Gestern haben sich Mimo, Ingo + Annette und Anke samt mir bei Ingo getroffen. Für ein Puppenversehrtentreffen. Bis nach halb eins gabs zu erzählen vom üblichen Puppensalat, über Neuigkeiten bis hin zu allem möglichen Geplänkel. Aber weisste was: Es hat mir sehr gut getan. Ich bin plötzlich nicht mehr ganz so puppenverstört. Weil ich Gleichgesinnte getroffen habe und wir den ganzen Mist der vergangenen Jahre "wegreden" konnten. Sowas ist sehr hilfreich. Ingo hat man jetzt dort wohl auch bereits aufgegeben und ihm so unpersönlich wie möglich seinen Schlüssel abverlangt und Anke die Inspizientenstelle angeboten. Soweit zu den NEWS. Das Vergangene kann ich mittels solcher Abende viel besser verarbeiten, verkraften und zumindest für den Moment weiter wegstellen. Und im Englisch-Unterricht rede ich ja auch immer wieder darüber. Über mich, das Puppenzeug, die Zukunft. Insbesondere mit David Edgington geht sowas ziemlich gut.
Morgen spielen Jörg und ich auf der Buchmesse, Sonntag mach' ich einen Canapé Brunch mit der Familie. Und dann guck ich mal, ob ich mich im Wirtschaftsministerrium bewerbe. Ach Scheiss ... ich mach's einfach. Und dann sehen wir weiter.
Bis dahin hoffe ich mein Englisch auf die Reihe zu kriegen und habe am Dienstag ein Gespräch dazu. Das Berlitz-Büro erzählt von hoher Meinung seitens der Lehrer über mich, ich hingegen bin mir überhaupt nicht schlüssig. Aber wenn ich die letzten drei Wochen ernsthaft dranbleibe und endlich anfange, mein Hörverständnis zu schulen, klappts ja vielleicht mit dem TOEIC Test.
Und dann - sagt die bei der Arbeitsagentur arbeitende Annette - kann ich ja versuchen, ein 'Auslandssemester' anzufragen und ich spinne vor mich hin, ein paar Wochen in NYC verbringen zu wollen - für ein Praktikum beim DAAD oder so ...
P.S. Mein schlimmsten Eskapaden in Sachen Leben entstehen nachweislich durch meine unendlichen Reflektionen, sprunghaften Denkweisen ohne Handlung und damit ohne Ergebnisse samt meinem brach liegenden Selbstbewusstsein. Dazu scheinen irgendwelche Ängste zu gehören. Dass es sich manchmal zwischendurch kurz hell und besser anfühlt (so wie 'irgendwie' jetzt) , bleibt mein Grund, am Leben festzuhalten.
49
Nun ist es also gleich und wiedermal soweit: Geburtstag. Und noch'n Jahr. Kein Gedicht. Mein einziges Geschenk an mich selbst ist die sachte zurückkehrende Traurigkeit, insbesondere angesichts eines weiteren, jetzt anstehenden Geburtstages. Und wieder kann ich mich nicht erinnern, jemals großartig froh darüber gewesen zu sein. Vielleicht im Kindesalter. Der Geschenke wegen. Später wurde es schwieriger, aber ich kann es nicht genau in Erinnerung bringen.
Die Rückkehr der Traurigkeit würde immerhin bedeuten, dass mir am Leben liegt. Aber was? Nun, sei's drum, wir sind morgen Nachmittag bei meinen Eltern und damit bleibt es bei einer gewissen Normalität.
Englisch wird immer schwieriger (C1-2) und der einzige Weg ist das bedingungslose Trainieren. So wie die Wiederaufnahme meines Kiesertrainings gestern. Ansonsten scheint weiterhin alles Leben eine gewisse Last an mich heranzutragen. Oder ich kann's nicht verorten, erklären oder zumindest einstecken und einfach weitergehen. Der Rest ist ein relativ großer Haufen Bullshit und die vage Aussicht auf die jubilierende 50 im nächsten Jahr macht mich nicht sonderlich froh.
Und alles wird sich wieder wenden, wenn denn, ja wenn wieder ein selbst entzündetes Licht mich herausreisst aus meiner Lethargie. Bis zum nächsten großen Misthaufen des Selbstzweifels. Und. So. Weiter. Echt?
Quick notes und Aufbruch
... getippt in mein Handy während eines Ausfluges anlässlich 50 Jahre Bärbel & Uwe. Am Vorabend war ich vorsorglich sogar sehr alkoholarm, um es genießen zu können. Dennoch lähmte mich jener müde Sonntag am 10. März, aus dem heraus ich solche Quicknotes auf meinem Telefon verfasste:
"Aufmerksamkeit. Aufwändig. Desillusioniert. Müde. Unbestimmt. Lost. Stimmungsneutral. Langsam. Taub. Offmode. Aussichtslos. Einsichtsslos. Egal. Nichtegal. Satt. Alt. Dick. Ängstlich"
Da kommt und passt vieles zusammen. Meine Zwischen-Hochs wollen mir immer mal wieder im kleinen Ansatz weismachen, dass es aus Erfahrung möglich ist, mein Leben in den Griff zu bekommen. Diese Zwischen-Hochs resultieren natürlich aus meinem Verhalten und dem, was ich endlich und mühsam anpacke. Gleich nach so einem Start fühlt es sich merklich besser an, aber nur um kurz darauf wieder abzusacken und alles in Frage zu stellen. Eine endlose Litanei.
Der Tag heute begann erneut äußerst missmutig und müde. Kaum aufnahmefähig und mit dem weiter währenden Gefühl irgendeinen Verlustes. Dem Verlust des schönen Lebens beispielsweise. Es strengt mich so sehr an. Erklären könnte sich das aus dem Samstag Abend, den ich mit zwei Flaschen Wein beging, um den Sonntag mitsamt all seinen Möglichkeiten wieder im Dunst verschwinden zu lasse. Dabei lagen Englisch, ACT, OvG, Jeskom (...) griffbereit parat. Manchmal glaube ich, dass ich mir solche Dinge absichtlich zufüge, damit aus den genannten Konstrukten nichts werden kann. Weil ich Angst vor dem Anfangen habe. Bzw. noch mehr Angst, dass ich es dann auch durchziehen muss, weil ein Beginn und dessen Weiterführung mit erfolgreichem Ergebnis / Abschluss verbunden und mir das auch ziemlich klar sein sollte. Jedes Aufgeben, jeder Misserfolg machen mir noch mehr Unmut und schürt die Angst vor neuerlichem Beginn. Also lieber nicht anfangen? Hier beissen sich alle Katzen in die Schwänze und es sind so viele unsinnige Worte und Erklärungen und Deutungen und (...) in meinem Kopf und machen mich sehr mürbe. Und müde. Und noch missmutiger, etwas zu beginnen.
Warum kann ich eigentlich nicht mit Tobi darüber reden? Weil er solche "Allüren" (naja...) nicht kennt und sich wohl eher darüber wundert. Stattdessen fallen ihm prägnante und sehr logische Erklärungen ein wie: "Fast 50 Jahre und die meiste Zeit gesoffen." und bringt es damit ja auch auf den wesentlichen Punkt. Ich komme mir sehr kompliziert vor und traue mir weiterhin nichts zu.
Dabei habe ich die merkwürdig leichte Zwischenprüfung beim Englisch (Berlitz) am vergangenen Freitag mit 34 von 40 Punkten in der Hälfte der Zeit geschafft. Nanu? Mutmacherprüfung? Das war wirklich zu leicht. Und der TOEIC steht noch bevor und das neue Student Book Level C1/2 hat es sehr in sich. Aus einer Phase halbfrohen Mutes beginne ich jetzt solche waghalsigen Ideen wie Bertold für das OvG Projekt zu kontaktieren, damit ich mich endlich "binde" und es damit anfangen "muss". Am Samstag hab ich mich bei Tobi in die Kraftmaschine gehängt um zu sehen, ob ich es vertrage. Heute war ich erstmals wieder beim Kieser Training (nach über 330 Tagen!). Am Samstag sind wir auf der Buchmesse (Jörgeskom) und ich hoffe auf meine freie fließende Wortwahl beim Erzählen intelligenter wie auch schöner Dinge. Parallel dazu war ich bei Paganini, die mir eine Moderation für irgendwelche Bauhaus-Tage im Mai anbieten und ich bin geneigt, mitzumachen.
Und nun sitze ich hier und male mir die Gefahren aus, die sich aus meiner heiteren Attitüde verbindlich darstellen werden: Dann "muss" ich ran und all diese Dinge machen. Ich habe bereits solche Dinge böse versiegen lassen, wie die Möglichkeit, einen MDR Beitrag zu machen (Sandra Meyer Gespräch über die Dehnungsfuge), damit auch Torsten Sowada hängen lassen. Ich habe mich bei Freya Paschen (Kulturgutverluste) nicht mehr gemeldet und, etwas dämlicher noch: Kerstin Kinszorras Geburtstag geschwänzt und auch kein neues Mittagessen anberaumt. Auch mit Katrin Gellrich wollte ich mich längst schon getroffen haben. Das alles stellt mich in den Augen jener und anderer ganz sicher als sehr unzuverlässig dar. Kein gutes Bild. Allerdings bin ich leider auch nicht motiviert.
Und damit haben wir's auf den Punkt gebracht: Motivation. Hypnose bei Suse? Hmmm ... Oder einen Psychotherapeuten aufsuchen? Es handelt sich um eine unendliche Aufschieberei all jener Dinge, die möglich, nötig oder zumindest einen Versuch wert sind. Aus Angst. Wovor? Aus Antriebslosigkeit? Aus der Idee heraus, keine Idee zu haben.
Mannmannmann ...
Beklemmende Englisch-Erkenntnis
Tobi schafft es immer wieder, mit verblüffend einfacher Logik ein paar Dinge klarzustellen. Wie an diesem Sonntag, als ich ihm von meinen Komplikationen beim Business English erzählte: Es ist anstrengend, so viel zuzuhören und alles zu verstehen oder die mir gestellten Aufgaben überhaupt zu begreifen; manchmal habe ich 4 Sessions á 90 Minuten mit 15 Minuten Pause und mich erschleicht dabei das Gefühl, dem Ganzen nicht gewachsen und möglicherweise zu hoch eingestuft worden zu sein. Hinzu kommt komischerweise, dass ich in der Basis offensichtlich ganz gut gerüstet bin, und wenn so vor mich hin plaudere, sind meine Lehrer der Meinung, dass sowohl mein Grammar wie auch Wortschatz und meine Aussprache ziemlich gut sind, woraufhin sie natürlich ebenso agieren bzw. mit mir sprechen. Das überfordert mich und strengt mich sehr an. (Okay, ich bleibe trotzdem dran: denn es ist in diesem meinem Zustand immerhin eine feine und von anderen sehr gut bezahlte Möglichkeit, mir wenigstens die Idee eines Aufbruchs anheim zu stellen.)
Und nun zu Tobi: "Du darfst nicht vergessen, dass du fast 50 bist und dazu eine Menge Zeit deines Lebens damit verbracht hast, Alkohol in dich reinzutun." (oder so ähnlich). Tja, und mehr kann ich dazu nicht schreiben. Es passt perfekt. Und dieser Gedanke ist nicht neu. Muss ich mal zurückblättern und die Stelle finden, an der es damals darum ging, dass ich aufgrund von Alkohol und peinlicher Schwerhörigkeit sehr vieles verpasst und einen phantastisch großen Teil meines Wortschatzes und Wissens und Interesses (im Deutschen!) eingebüßt habe. Tadaaaa.
Erwartungslast und halbe Anläufe
"Ich will mich jetzt bessern", so lautete immer mein letzter Satz bei nahezu jeder der von mir ungeliebten Aussprachen innerhalb unserer kleinen Familie. Dem voraus gingen immer irgendwelche Querelen, die ich offensichtlich irgendwie absichtlich oder aus Dummheit verzapfte und die nun auf den Tisch kamen, um sie mit Kraft (und Macht) zu klären. Anschließend war die Erleichterung bei mir groß. Allerdings nur, weil dieses Gespräch endlich vorbei war. Und noch anschließender versuchte ich einen Prozess der neuen Herangehensweise in mir erwachen zu lassen: Jetzt werde ich mich bessern. Ich hab's ja versprochen. Und ich fange gleich damit an. Damit ich nich wieder zur Enttäuschung werde.
So also könnte sich das System und Dogma der Erwartungshaltungen anderer an mir festgesaugt haben, mit denen im Gepäck ich also durch das Leben zu schippern versuchte. Denke ich mir jedenfalls so. Denn wie ist es anders zu erklären, dass ich mich ständig unter Beobachtung wähne und mein Verhalten so ausrichte, als wäre es jederzeit durch andere einsehbar? Und dann dazu das Gegenteil, das sich in extreme Aktionen türmt, die bereits als Kind begannen: Nackt über die Insel, nackt um Hort aus der Toilette über die Flure. Oder hat das wiederum andere Hintergründe?
Dann vielleicht so hier: Ein stärkeres Selbstbewusstsein zu entwickeln war mir schwer möglich, weil es immer Auflagen von anderer Seite gab. Diese Auflagen waren nie meine, mir aber auferlegt. Mit dem Resultat, es ab jetzt besser zu machen. Vielleicht weil sich bestimmte Verhaltensweisen so gehörten und alle das so machen und nur ich immer aus der Reihe tanze. So also blieb ich unter ständiger Beobachtung meiner selbst, generiert aus der wahrscheinlichen Sicht der Anderen.
Was ich eigentlich hier verfassen wollte, hat mit einer gewissen Last zu tun, die ich nicht erklären kann. Es kommen mir weiterhin keine Ideen und Anläufe betreffs Zukunft in den Sinn (vielleicht weil ich sie gleich zu groß und langfristig anlegen will?). Und die kleinen Projekte (die durchaus das zeug zur Größe haben), lungern auf Tischen unberührt herum. What about JESKOM? Oder den Domsagen? Oder des OvG-Hörbuches? Moderator traue ich mir nicht zu, weil ich keine vernünftigen Worte mehr finde. Und das schon seit schleichend längerer Zeit. So zwei bis drei Jahre bestimmt. Das hat auch viel mit Alkohol und Hörverlust zu tun. Dazu gesellen sich soziale Unsicherheit und eine gewisse Menschenscheue die womöglich ebenso aus diesem Selbstwertniveau herrühren. Das Ganze scheint derzeit in das Business English zu kulminieren: Ich glaube, so gut wie nichts zu kapieren oder überhaupt nur inhaltlich zu verstehen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich doof bin (jedenfalls nicht so sehr), sondern eher mit meiner Konzentrationsfähigkeit, meinem Aufnahme- und Umsetzungsvermögen. Ich verstehe manche Worte und Sätze überhaupt nicht, trotz der Hörgeräte. Bei langsamer Wiederholung oder per Audioscript ist fast alles klar und logisch. Und dennoch nicke ich in den Konversationen immer so höflich, als hätte ich jeden Satz bzw. alles verstanden. Da sollte ich mal ein bisschen realer getten.
und. überhaupt.
... und noch'n März
Immer weiter, was sollst ... so oder ähnlich bleibt alles beim Alten, beim unwirtlichen und zugegeben gefährlichen Leben. Immerhin habe ich jetzt zwei Wochen Business English angepackt, so schwer es mir darin auch fällt, fällt mir dabei auf, dass ich mir wie immer wenig zutraue: Ich verstehe gerade die Hälfte und Abschlusstests im Level C1 und TOEFL scheinen mir sehr unrealistisch. "Dranbleiben" ist meine derzeit einige Aussicht.
Am letzten Februarwochenende muss ich mich vielleicht irgendwie dämlich, weil unzufrieden und wahrscheinlicherweise übertrunken unausgeglichen benommen haben. Jedenfalls waren wir beide nicht amused und meine Handlungen rund um den Kartoffelauflauf irgendwie allesamt falsch. Das hat sich bis in den Sonntag hingeschleppt und heute Abend soll es besser werden. Ich wiege 88 Kg. Alles klar. Aber ich sehe schlimmer aus. und es fühlt sich auch so an. "Du lässt dich gehen" hat Charles Aznavour mal gesungen und es stimmt.
Ich habe weiterhin keinen einzigen Plan, lasse mich also gehen und fürchte mich derweil über irgendetwas, das Leben betreffend und es vielleicht nicht hinzukriegen. Bis ein kleiner popeliger Umstand alles plötzlich in neues, wunderbares Licht rücken und es so merkwürdig einfach gewesen sein wird. Bis auch dieses Licht meiner sehr unbestimmten Rolle auf diesem Planeten der nächsten Dunkelheit weicht. Mit anderen Worten: Es ist sehr anstrengend und mir fallen tausend und null Gründe gleichzeitig ein, alles widerspricht sich und meine Träume machen keinen Spaß. Puppentheater hat darin immer noch Bestand. Ich brauche einen emotional Brain Manager oder sowas, der mir vereinfacht und deutlich mitteilt, was zu tun und was zu lassen ist. Dem ich widerstandslos glauben muss, will und werde, weil die Konsequenzen ebenso einfach wie klar sind. Oh, ich habe ein perfekt passendes Lied auf diese Situation der verwirrten Unfähigkeit geschrieben. Hier ist es.
[audio mp3="https://www.niesfisch.de/zehnsucht22/wp-content/uploads/bounce20190213a.mp3"][/audio]
Nächste Woche kommt wieder so ein Aschermittwoch, der anschließend wieder 40 läuternde Tage anbietet. Für den, der friedlich und selbstbestimmt mit sich und seinem Leben umgeht, macht es wenig Sinn. Für mich wäre der totale Alkoholentzug das für den Anfang Sinnvollste, was mir passieren kann. Dazu aber bitte jenen Manager, damit diese endlos unbestimmt-unsichere Müdigkeit aufhört.
Ich müsste meinen Bus mal durch die Waschanlage fahren. #erkenntnisdestages
Drömlingspalaver
Ein lange vor mich hin geschobener Drömlingsausflug zu Thomas brachte mir ein sonntäglich lecker-warmes Essen und ein paar laue sonnige Stunden im Garten ein. Mandy war auch da. Zu Beginn ärgerte ich mich sehr über meine übliche Herabgehensweise beim vorabendlichen Nicht-Trinken, das kurz vor 10 oder 11 dann plötzlich doch noch das ganze Bier nebst ganzer Flasche Wein ansetzte und erledigte. So also auch mein dumpfes Dasein an diesem Sonntag. Es ist zum "in die Erde versinken", die Mischung aus schlechtem Gefühl um den eigenen Zustand, dem Wirken gegenüber den anderen und der übermächtig wirkenden Flaute in Sachen Vorstellung über das, was überhaupt und noch kommen soll.
Und dann höre ich Mandy und Thomas und Birgit reden, plaudere ein bisschen mit und es strengt mich an, wie insbesondere Mandy permanent ihr Leben und ihren richtigen und guten Weg erklärt. So als müsse sie sich das immerzu vorsprechen, damit der Glaube daran auch hält. Und Thomas pflichtet ihr bei. Warum auch nicht, hört sich ja in der Teil-Quint-Essenz auch prima an. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich alle ihr Leben erklären und auseinandersetzen müssen. Also genau wie ich im Stillen. Das ist das nicht unendlich mürbe? Die ganzen Sprüche für die Wände, die es zu kaufen gibt, entstammen wohl der großen Abnehmerschaft. Muss man sich permanent versichern, dass das Leben so schon okay und man auf einem guten Weg sei? Sitzt tief in uns ein nörglerischer Unglaube, der das alles dementieren möchte? Und erklärt parallel dazu der ganz innen liegende Verstand, dass alles andere als Kompromiss den Tod bedeuten wird?
Ich vermute mich selbst in so einer Phase seit Anbeginn meiner Eigenständigkeit nach der Armee - also ab 1990 mit 20 Jahren. Mit 22 Jahren ausgezogen und versucht, das Leben einzubeziehen. Ich vermag das jetzt nicht alles herzuleiten und zu erinnern, aber mein immenses Denkaufkommen mit fadenscheinigem Ausgang hat mich an der Einfachheit des Daseins gehindert. Na hier beissen sich sich alle Katzen in die Schwänze. Mein Gefühl von "raus" und See und Wald und Allein und Heilung und Hoffnung und Interesse und Spontanität und angstfreiem Mut und allumfassender Reinigung bleibt Gefühl ohne Tat oder im Fall der Tat ohne Erinnerung.
Jetzt muss ich los, ich beginne eine Business-English-Course für sehr viel Geld, dass ich nicht bezahlen muss und ich benutze ihn als Wiederaufraffungsmaßnahme, um in Kommunikation, in Aktion, in Bewegung und best case: Training zu kommen. Ich wiege 88 Kilogramm und sehe aus wie ein unformfettiger Lappen nach dem Aufwischen. Keine weiteren Fragen.
Frühlingslampen
Manchmal seit neulich bin ich ein bisschen aufgeregt, wie eine Art Lampenfieber, das mich befällt, wenn es etwas Spannendes erwartungsvoll anzugehen gilt. Ein weiteres Stück auf der Bühne des Lebens. Das mag jetzt etwas heroisch klingen und noch messe ich dem nicht zu viel Bedeutung bei. Aber es lässt mich spüren, dass mit den aktuellen Avancen eines Einzug halten wollenden Frühlings bei mir so ein vages zaghaftes Lampenfieber an sich erinnert. Ein weiterer Grund dafür ist der deutlichere Versuch, den Alkohol im Zaum, Keller zu halten bzw. ihn für mich abzuschaffen. Wenigstens bis ich klar bin.
Ausstieg verpasst
Besttypische und perfekt erklärende Situation des Dienstag Abend: Sonntag nach einer Flasche Wein und Abstiegs-Aperol den Montag zum heiligen Einsteig in den Ausstieg vom Alkohol erklärt. Der Dienstag zeigte sich bereits erfreulich entgiftet, es entstand sogar ein Song (Wenn du da bist) und die Nachricht an Wein-Micha lautete sogar:"Heute kein BlueNote für mich". Was dann geschah: Die geplante Tüte (die ich einfach niemals planen, sondern entweder einfach rauchen oder sein lassen sollte), wollte mich nach 19:00 Uhr nicht mehr überzeugen und ich ließ sie sein. Derweil stolperten meine Gedanken um die so oft begonnenen Ausstiege mit völligem Alkoholverzicht und es wurde unsachlich in mir betreffs der radikalen Ausführungen. Sicher ist das gesunde Maß immer noch das Beste, aber wenn es sich nicht herstellen lässt, muss es auf NULL gesetzt werden.
Wurde es aber nicht. Unter Zuhilfenahme der Wein-Micha Aussage, aufgrund seiner Erkältung nur 2-3 Bier trinken zu wollen und meiner Ansicht, dass das ja eine gute Übung für mich sei, ließ ich mich also doch drauf ein und wir waren dienstagüblich pünktlich. Stef kam garnicht erst mit und Franzi lief auch lieber nach Hause. Was dann kam, gleicht einem Desaster: Da ich ja absichtlich keinen Alkohol zuhause habe und jener im BlueNote also folgerichtig der einzige des Abends sein würde, verschlang ich vorsichtshalber gleich ganze NEUN Bier und ZWEI Wodka. Der Zettel klebt im Flur als drohende Mahnung oder mahnende Drohung. Aber es ging mir recht gut dabei, außer dass sich mein Kopf wieder vollgeblutet und hochdrücklich anfühlte. Mit Jule an meiner Seite auf dem Heimweg begann ich sogar zu torkeln. Das ist grundpeinlich und sehr schlimm.
Vielleicht hoffte ich mich damit vollständig vom Alkohol lösen zu können. Wegen der schwerwiegenden Folgen. Und Stef erzählt mir im Weinladen noch von seinem Vater, der nach dem Tod der Mutter anfing, heimlich viele Schnäpse zu konsumieren, was seiner Einzug haltenden Demenz sehr nützlich war.
Nun ist also Mittwoch und ich habe den Einstieg in den Ausstieg gründlich vermasselt. Bleibt mir, es nochmal zu versuchen. Nächste Woche beginnt mein Aktivierungsversuch. Und wenn ich den nicht sauber sortiert und nüchtern angehe, kann ich es alles sein lassen. Dies' ist eine Zeigefingermeldung!
150-90
Wie sich das anfühlt ... alles hoch verdichtet, insbesondere am Kopf. Es drückt und färbt das Gesicht rot. Die erste Blutdruckmessung lag noch höher, die zweite besann sich auf 150/90. Aber wie kommt das? In den letzten Wochen habe ich das öfter beobachtet- insbesondere Abends und mehr noch auch im Bluenote, so dass es sogar anderen auffiel und ich mich nicht so richtig gut damit fühle. Bin ich zu weit unten, kommen Willensschwäche und Antriebslosigkeit auf den Plan, bin ich oben, zerreisst es mir Kopf und Oberkörper und es schreit nach Befreiung.
Wir waren in Leipzig heute und auf der Hinfahrt bin ich nach Zombi-Träumen und massenhaft weiterem Traumunsinn quengelig, nörglerisch und im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich unausstehlich gewesen. Tobi brachte es auf einen verständlichen Punkt: Ich bin unausgeglichen! Tadaa ... Endlich mal ein einfaches und erklärendes Wort. Schmeiss den Haufen tausender Erklärungen über Board, es lässt sich genau so zusammenfassen. In so einem Zustand ist alles und sind alle schuld und schlecht, die Welt ist nicht aushaltbar und muss gerächt werden. Aussichtslose Litanei. Zurück gings dann schon wieder viel besser. Und das merke ich auch an meinem Verhalten, meiner Kommunikation, meinen Ansichten.
Zuhause dann die unglaublichen Werte 150/90. Beim Terminator 2 die letzte Flasche Wein und das unglaubliche Abstiegsgesöff Aperol mit Wasser nebst 15(!) Zigaretten konsumiert. Für jemanden, der tagsüber selten bis garnicht raucht, ist das abnorm. Diese Episode befindet mich schon sehr deutlich nahe am Abhang. Danach etwas warmduschen mit der Entscheidung, auch den Kopf einzubeziehen. Dass die Hörgeräte noch drin waren, sorgte für den großen Schreck und eine halbe Stunde Föhnen und heimlich betteln, dass sie noch funktionieren. Taten sie. Sogar jetzt, 10 Stunden später noch.
Und jetzt ist es Montag. Und nächsten Montag beginnt mein Englisch - meine Doppelchance auf Vernunft und Leben. Diese Woche dient dem Alkoholabbau. Da kommt so eine Englisch-Acht-Wochen-Kur gerade recht. Hättewärekönnte cool. Und?
Zielwasser
Es ist schwer, ohne Ziel vor Augen irgendeinen beliebigen Weg entlang zu laufen. Aber ob es dennoch möglich ist? Muss ja, könnte man jetzt sagen. Doch ist das Freisein viel weniger frei, als ich es mir vorstellte. All jene unerfüllten oder in der Vorstellung existierenden Wunschgedanken über jene Dinge, die ich nun endlich in die Tat umsetzen kann, entlarven sich als wunschlose Gebilde. Da kracht es dann im Gebälk und das Konstrukt ist keines. Solche Wunschgedanken dienten vielleicht auch nur dazu, dem Umstand meiner Tätigkeit / Arbeit ein weiteres abträgliches Merkmal unterzujubeln.
Und die Zeit vergeht so schnell und die Wunden heilen so langsam und der Alkohol fließt so schnell und das unbestimmte Dahinvegetieren verschafft kein gutes Gefühl. Und die Schulter und die Hüfte und kein Training und kein nichts ... Jetzt beginnt gleich ein Business-English Kurs für viel Geld. Allein des Geldes wegen erkläre ich die 8 Wochen zu einem ersten Ziel. Da muss dann auch der Alkohol dran glauben, es wird nicht anders zu machen sein. Und das Wort Feierabend ist falsch besetzt bzw. fehlbewertet. Es wird schwer, ich weiss. An die Hörgeräte werde ich wiederum glauben, damit alle Potentiale voll zur Verfügung stehen.
Ein Ziel also? Oh! Na dann.
vom Ende der Schrift
Ja, ich bin mürrisch. Bisschen hümpelig, unaufgeräumt und unausgeruht. Und noch ehe in mir ein Gedanke reift, es aufzuschreiben, werde ich eher noch mürrischer, denn was gäbe es denn noch alles aufzuschreiben, was sich ja doch ewiglich wiederholt? Im Grunde bleibt es immer das Selbe: Die Verzweiflung, meine Unzufriedenheit über die (jeweiligen) Umstände und die schön formulierten Worte, die am Ende oft ein bisschen was von positiver Aussicht verkünden wollen oder sollen ... bis zum nächsten, ähnlichen Beitrag. Try to think positive!
Das macht mürbe und Lust auf das Ende der Worte, hin zu den Taten. Zu 'irgendwelchen' Taten. Das ist alles so müde und schlapp und ich bin bereits seit 6 Monaten offwork. Hätte wäre könnte ich sonstwas Schönes gemacht haben können. Was aber ist schön? Die Sicht auf die Dinge meines Lebens will nicht.
Analyse on demand
Ich scheine ja Freund von Aufstellungen zu sein, die mir zeigen sollen, wo meine Grundprobleme liegen könnten. Solche Ideen kommen ad hoc und bevor es ans Schreiben geht, sind sie bereits verifiziert bzw. vergessen. Wahrscheinlich auch hier und jetzt, wenn ich versuche, meine enorme Lethargie und meinen äußerst labilen Zustand zu beschreiben. Es sind immer wieder die kleinen Erfolgserlebnisse nach einer meiner Aktionen, die mir also beweisen, dass Freude möglich und nötig ist. Meine gefühlte teilweise Abschreibung meinerselbst ist wohl also nicht wahr.
Wohlan denn:
bei vielen Situationen, die Arbeit, das Tun betreffend, standen sehr oft die Gedanken an das hoffentlich jeweils baldige Ende an erster Stelle (Hoffentlich bald Feierabend; jetzt hab ich viele Stunden gespart und sogar dazu geschummelt, dass ich mehr Freizeit habe; wie lange muss ich das hier noch machen? ...) Das kann bedeuten, dass ich die Arbeit nur des Geldes und Anstands gemacht habe, ohne wirkliches Interesse daran zu haben? Bei Ferienlagern oder Urlauben oder Zählung von Lebensjahren war es anders: hier ermittelte ich, ob hoffentlich wohl noch nicht die Hälfte erreicht sei ... Aha!
Wo lagen denn meine Interessen, die dazu geführt haben könnten, nicht auf Zeit und Aufwand zu achten, sondern das Ergebnis vor Augen zu haben? Hatte ich keine?
Bei sehr vielen gemeinschaftlichen Aktionen (Job, Freunde, Familie) führte ab der Twen-Zeit nach und nach immer mehr der Alkohol Regie. Das muss daher gerührt haben, dass ich mich bei diesen Aktionen entweder nicht richtig wohl gefühlt habe oder ich schlicht mit zu wenig Intellekt ausgestattet war, um solchen Aktionen einen besseren Verlauf und damit Sinn zu geben. Hier spielt auch wieder die Sicht auf die Dinge eine Rolle. Andere Sicht ist, dass es grundsätzlich eben immer und bei allen Beteiligten so war (Siehe "Ecke" und derlei Aktionen ab 16). Sind wir dem "Geheimnis der schwimmenden Insel" nie im echten Leben auf den Grund gegangen? Und starb der kindliche Cowboy tausend Beinahe-Tode auf seinem Bett, weil er gerettet werden wollte?
Manchmal glaube ich tatsächlich, dass ich einfacher gestrickt bin, als man es mir zugestehen will. Aus Selbstwertgründen versuche ich dennoch der Anderen Auffassungen nicht zu enttäuschen. Diese Aufrechterhaltung macht manchmal ungeheuer Arbeit und lässt mich eine Vielzahl von zaghaften Versuchen garnicht erst angehen. Das betrifft auch meinen hoffentlichen Neustart.19 - auch der steht unter diesem Einfluß.
Hätte ich die Energie, welche ich in Reflektionen und meine enorm vielfältigen, flüchtigen Synapsen investiere, umleiten können auf ZIELE mit Wagemut und Freude, dürfte ich heute eine ganz andere Auffassung von mir haben. "Machen" heisst ja auch die Devise der Kulturhauptstadt. Und 'irgendwie' ist das eine gute Idee.
Ist meine grundsätzliche Intention das Vermeiden von Arbeit mit der Gewissheit, dass das so genannte Rumlungern ja auch nur destruktiv ist? Mit anderen Worten: Was will ich denn und wie stelle ich mir das vor?
Es scheint irgendeine Form von Angst / Ängsten bei mir vorzuliegen. Ich hatte sogar begonnen, mich im Zuge des ACT Projektes damit zu befassen, nur um es gleich darauf wieder liegen zu lassen. Naja, es liegt immerhin noch dort.
Soweit zu den schnellen Erinnerungsversatzstücken, aus denen zusammen mit einer IST-Analyse und einer möglichen ZIELformulierung ja vielleicht bald mal besseres Leben werden könnte. Insofern das mit 50 Jahren nicht längst schon so stark eingebrannt und verfurcht ist, dass eine Richtungsänderung nur noch mit Angst vor Mauern zu tun hat.
Schön schreiben kanner ja immerhin noch.
grauer Groll
Ach, es zieht mich hinunter ans Grau wie es draußen ebenso trübe zu keinem schöne Gedanken gereicht. Na klar haben wir gestern viel Bree gehabt; Tobi war 6 Tage 'trocken' - im Gegensatz zu mir. Ich bin diffus und grau. Die VS berichtet über Enrico Rößler und dazu eine ganze Seite über Johannes Richter. Alles ist Puppentheater und die Wunden wollen kläffend klaffen. Warum? Weil ich nicht mehr Teil einer Menge bin, die frohen Herzens etwas generiert. Vorsicht bei derlei Vergleichen ist geboten: ich war leider nie richtig Teil und auch ist es nur die Volksstimme mit Samstagsbeilagen.
Aber es sind "die anderen". Und ich gegenüber. Und ich kann mich nicht lösen. Die Autofahrer draußen sind allesamt schlecht wie das Wetter, wie meine Laune und Gems of War schafft absichtlich schlechte Spielgrundlagen, so dass ich kaum gewinnen kann. Alle Facebook Selbstdarsteller sind mir so gut es geht, ein Greuel. Grauer Groll und kein Interesse - kurzum, eine wirklich schlechte Konstellation. Aber Tobias scheint es auszuhalten.
Ich will Licht und Liebe und eine Idee.
Der Mann über mir
Der Mann über mit heisst Thomas Ratzka. Und hat unterschiedliche Dienste im Kaliwerk Zielitz. Seit einiger Zeit Nachtschicht. Das heisst, er kommt um 5 in der Früh nach Hause. Ich kann das leider sehr gut hören. Auch was er gegen 8 bis 9 macht. Insgesamt muss ich feststellen, ziemlich müde zu sein. Fast wie eine stummgeschaltete Parallelwelt fühlt es sich an, wenn es plötzlich irgendwo auch nur klickt und ich aus meinem Stummfilm gerissen werde. So wie die Rückfahrt aus Tirol, bei der ich dringend mit dem Fahren aufhören musste, weil dieses Schlafwandlerwelt keine Konzentration zuließ. Beängstigender Zustand
Vielleicht passen hier zwei Dinge zusammen: Meine eigene Lethargie, gepaart mit langem Schlafen und vielem Aufwachen. Oder Winterschlaf. Zumindest kommt in mir noch immer kein plausibler Grundgedanke (oder Gedanke mit Grund) auf, mein Ziel zu deklarieren. Oder wenigstens meine Ideen zu sortieren und davon wenigstens eine anzugehen.
Ich gehe gleich zur Arbeitsagentur und versuche, das 7.200-Euro-English zu bekommen. Dann habe ich immerhin festgelegte Zeiten, zu und bei denen ich mich konzentrieren, sammeln und fordern muss. Nachher fahre ich nach Berlin. Zu den Otcelots. Vorher aufm Kudamm vielleicht irgendwelche Klamotten kaufen. Und bei Justmusic mal nach einer guten Stomping-Box gucken. Jaaa- Haben ist besser als Brauchen und erst wenn JESKOM komplett technisch ausgestattet sind ... können wir mit der Musik aufhören. Sarkasmus ist immerhin eine Form von Originalität / Kreativität.
Haben vs. Brauchen und Schaffen vs. Genießen sind zwei meiner Themen, die ständig darüber Zeugnis ablegen, wie ich Dinge oder Zustände vorbereite in der bloßen und schönen Vorstellung darüber, wie es dann sein wird. Oder werden könnte. Aber nichts wird dann sein. Es haut nicht hin, allein und mit dem Bus durch die Länder zu streunern; es ist Unsinn, Dinge zu kaufen, von denen ich mir Ansporn verspreche. Das gabs auch schon früher, in den 90ern: Immer wenn ein neues Instrument auftauchte, schuf ich damit ein bisschen Musik. Bis es in wieder der Ecke landete. Das undefinierte Ziel und mein vor Äonen Synapsen platzen wollender Kopf machen alles zunichte. Vielleicht sollt eich mal eine Übung machen: Fahre nach Hannover, kauf dir 6 Brötchen und komm wieder zurück. Jut. Jetzt werde ich hier mal für heute aufhören, das führt ebenfalls zu nichts.
Und? Was krepelt noch so am Boden herum? Anstellung? Selbständig? Mix? Domsagen? OvG? Die Winter-Kiste mit den vergessenen Dingen? Ich bin doppelmüde. Oder sogar dreifach. Oder einfach nur lebensmüde.
Gedanken & Geduld
Der Wust an Gedanken ist noch immer paniklich zu groß. Mit der Blutmond Idee heute 5:21 Uhr aufgewacht und die Möglichkeit des Rausfahrens auf den Irxleber Hügel für irgendein Foto um Sechs sogleich fallen lassen. Arschkalt, dunstig und die Frage "Wofür"? standen im Raum. Klar, um "irgendwas" zu tun, um irgendetwas vorweisen zu können. Aber weshalb diese Treibjagd? Seit August bin ich jetzt raus aus dem Puppentheater und noch immer plagt es mich, so wie heute Nacht ab 5.21 Uhr mit den vollgestopftesten Träumen über Doppel-Hofspektakel, Kempchen, eine Gastrolle für mich als Helfer ... Diese endlose Litanei setzt sich dann im Wachzustand fort und suggeriert mir meine absolute Unfähigkeit ob dieser Zangen, die mich da zu halten scheinen.
Mein Blick auf eine Zukunft will sich nicht formen. Meine Gedanken daran sind kurz und zu knapp für eine wirkliche Idee. Angeschobene Dinge wie die Kurzreportage für MDR Kultur oder die Anfrage bei Freya betreffs "Kulturgutverluste" lagern peinlich auf der Halde der Unmöglichkeiten. Die abendliche Flasche Wein übernimmt gern die Schuld, dass 'wir' noch einen Tag warten, es dann aber! angehen.
Heute scheint nun bei ordentlichem Frost lautstark die Sonne, es ist sehr hell und ich mache das Bad sauber, die Wäsche und Schlager-CDs für die Eltern. Zwischendrin will mir immer mal wieder ein kleines, freundliches Licht der Leichtigkeit Trost zusprechen. Trost, dass er möglich sein wird, dass er kommen wird: der Zustand der Loslösung von meinen wichtigsten Hindernissen und Ängsten, mit einer ausreichenden Klarheit, die sich auch der Gedanken über Status, Ansehen, Beweislasten und eigener Unzurechnungsfähigkeit entledigt oder sie wenigstens weit beiseite schiebt, von wo aus sie keine Macht über mein Duckmäusertum haben.
Das alles könnte für später und den Fall, dass mir das Leben noch gelingt, durchaus für andere, ebenso Betroffene interessant sein. Kann ich ja dann ein Buch drüber schreiben. (Schön, dass er bereits lustig zu sein versucht)
Duckmäuser ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Menschen, der sich aus Angst oder Furcht, die Sympathie einer gesellschaftlichen Gruppe zu verlieren, deren Meinung anschließt, oder sich grundsätzlich anpasst und nie eine eigene Meinung äußert oder widerspricht.