Aus gegebenem Anlass eines Karfreitagsmorgen, bei dem ich bereits zum Frühstück desillusioniert about alles war, eingeschlossen einer sinnhaften Beziehung zu Tob. Winziger Auslöser war eine willkürliche Beendigung der morgendlichen Umarmung (ich habe Kopfpschmerzen, Verspannung, muss gucken, was die Fische machen ...) und irgendwas mit Auftauen vom Suppenhuhn. Bude saubermachen hilft ein bisschen. Und Die Zeit lesen. Hierso.
"Sehr wirkungsvoll ist das Thema Dankbarkeit. Es gibt eine Forschungsarbeit von 2003 von Robert Emmons und Michael McCoullough, die große Wirkung hatte. Wenn man sich täglich nur drei positive Dinge notiert, dann hat das starke Effekte auf das Wohlbefinden, schon nach zwei Wochen. Viele der Dankbarkeits-Tagebücher, die wir heute in Buchläden sehen, sind wahrscheinlich durch diese Studie inspiriert worden. Und ich denke, jetzt ist eine gute Gelegenheit, unser Glück mehr wertzuschätzen. Hier in Dänemark war es heute sonnig, mein Sohn hat mich umarmt. Und ich konnte meinen Lieblingskaffee trinken, der immer noch im Supermarkt erhältlich ist."
subjektes Objektiv mit Prädikat
Ach ja, diese wortfinderischen Überschriftsspielereien sind schon doll. In diesem Fall versuche ich damit etwas ausdrücken zu wollen, was mir mittels meiner unterschiedlichen Konstellationen beim Schreiben der Einträge hier aufgefallen ist: Alles hängt von meiner Sicht auf die Dinge ab. Also meine subjektive Wahrnehmung. Jene Wahrnehmung, die sich oft konträr zur meiner ansonsten recht passablen Objektivität verhält. Wenn es mir gut geht, werde ich natürlich natürlicher, offenherziger, großzügiger, freundlicher und habe angesichts der guten wie schlechten Nuancen des Lebens eine aufgeschlosserene Haltung. Das kann sich allerdings fix ändern und wurmt mich dann um so mehr, wenn ich dabei im Grunde oft genug um meine Fehl-Einschätzungen und Handlungen weiss, wenn ich also schlecht aufgestellt bin. Meist passiert das, wenn ich schlecht geträumt unausgeruht oder verkatert bin. Dann müssen die Schuldigen unbedingt die anderen sein.
Die Bandbreite meiner Konstitution ist groß und es lässt sich quasi nie genau einschätzen, an welcher Stelle der Skala zwischen positiv und negativ ich mich gerade befinde. Das macht es um so komplizierter, herauszufinden, aus welchen Beweggründen ich wiewas hier aufschreibe. Kreiert aus Milliarden Gedanken eines Tages, die Spermien gleich nach Erfüllung suchen. Nunja- ein Stimmungsabbild eben. Das Universum ändert sich nur geringfügig, allerdings ist meine Einstellung dazu immer ein bisschen diffus, nicht greifbar, eben stimmungsabhängig, aber immerhin in zwei relativ weiträumige Lager von schwarz und weiss getrennt. Zweifelderball.
Hinzu kommt meine Überzeugung betreffs der totalen Unvereinbarkeit von Mensch, anderem Menschen und Meinung. Bestes Beispiel: Facebook. Mit meiner entsprechend schwachen oder negativen Sicht wird es mir zum Greuel und Beweis gleichzeitig dafür, dass die Menschen im Großen Ganzen es niemals zu- oder miteinander schaffen werden. Weil immer einer immer irgendwas dagegen zu setzen hat, ein bisschen schlauer oder besser oder wütender oder präsenter sein will. Unwissenheit spielt eine sehr große Rolle. Und eben auch jene subjektive, gefühlte Sicht auf das, worüber viele nichtmal richtig Bescheid wissen. Dazu agiert man oft auf eine - nennt man das populistische? - Art, bei der mir dann entsprechend übel wird. Und es handelt sich dabei nicht nur um einfach denkende Leute mit kleinerem Horizont, auch jene, die ich ein bisschen sinniger einschätze, haben dort ihre Probleme bzw. Defizite.
Entweder gibt es Verschwörungstheorien über Corona oder egalwas oder Impfstoffe und die Unfähigen da oben und alle Politiker absägen und dazu den "wütend"-Button anklicken ... Ich muss mich dann enorm zurückhalten, damit ich mich nicht selbst einreihe in dieses fade, sinnlose Diskussionsposting und damit dann akkreditierter Teil der Gemeinschaft werde. Ich hab zur Zeit viel Zeit, mir die Beiträge auf Facebook anzusehen. Interessant ist aber die Frage, warum ich voyeuristisch bleibe und mir den ganzen Unsinn immer wieder ansehe. Wegen der Hoffnung auf die paar Lichtblicke, die es darin ja tatsächlich auch gibt? Wahrscheinlich. Oder aus meiner eigenen Unfähigkeit heraus, dem Leben insgesamt nicht mehr Spaß, Freude und Sinn entlocken zu können? Das wiederum könnte Basis genug sein, mich einzureihen in die hier beschriebene Liga jenes Typus Mensch, der mir nicht sympathisch werden kann. Teufelskreis, Potz Blitz aber auch.
Die Welt geht ünner
Was für eine Vorstellung. Was für ein Wahnsinn. So ganz sachte beginnt sich das Schauspiel vorsichtig wieder abzuschwächen und die Menschen zu ermutigen. So wie in China weit vorher auch. Es bleibt weiterhin gefährlich. Der Mensch gewöhnt sich an fast jede Situation. Es herrschen Kontaktsperre und weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Nicht nur in MD, im Land, in Europa ... nein: weltweit! In NYC stehen flugs gebaute, mobile Leichentransporter auf den Straßen, welche menschenleer sind. Time Square: keiner da. Die Infektionszahlen allein in dieser Stadt entsprechen denen ganz Deutschlands. Ein Planspiel ließe auch den Schluss zu, dass diese weltweite Pandemie sich nicht nur rasend, sondern auch sehr wirksam verbreitet und Millionen, oder gar eine Milliarde++ Tote hinterlässt. Das Leben - so es weitergehen kann, würde nie wieder so sein, wie es vorher war. Wirklich nicht?
Nunja, es ist und bleibt ein riesiger Ausnahmezustand mitsamt den ganzen Vorstellungen über mögliche Szenarien der menschlichen Tragödie. Die russische Grippe 1890 raffte eine Million dahin, die Pest legte sich kurz danach ins Zeug und weltweit 12 Millionen Menschen um; die Spanische Grippe vor ganz genau 100 Jahren brachte es auf knapp 50 Millionen und seit den 60er Jahren hat die Cholera bisher mehrere Millionen ums Leben gebracht. Und dann war da noch so ein Virus, der unter dem Namen HIV bisher 36 Millionen Menschen dahin raffte.
Heute meint man sich weiter ob der medizinischen und technischen Entwicklungen und des ganzen Wissens wegen. Bis - tadaaa - ein ein altbekannter Corona-Virus ein bisschen mutiert, Leute lungentötet und weltweite Panik verursacht. Selbst in Deutschland hat es 2017/18 die Influenza (die gemeine Grippe) auf rekordhalterische 25.000 Tote gebracht.
Also was nun? Der Mensch - soviel ist sicher - ist keinesfalls gefeit vor den kleinen Abweichungen der Natur und es kann jederzeit wieder und vor allem anders auftreten. Was das Ganze wirtschaftlich für Ausmaße haben wird, vermag ich keinesfalls ein- oder abzuschätzen. Erst dachte ich über Massenhysterie und Börsencrahs mit Fenstersprüngen nach. Dann relativierte sich diese Denke bei mir. Jetzt fühlt es sich mir so an, als ob diese Zäsur nach ein paar Monaten sich als weniger brisant behaupten und dann später im Jahresrückblick zum Highlight des Jahres wird, um sich an die gefühlte Katastrophe und die große Solidarität unter uns Menschen erinnern zu können. Was die kleinen Läden, Einzelhändler und Künstler betrifft, müssen wir einfach abwarten. Keine Idee. Sterben wird am (fehlenden) Geld jedenfalls keiner.
Der Mensch gewöhnt sich an alles: Waren das Desinfizieren, massenhaftes Händewaschen, Mundschutz und penibles Abstandhalten anfangs sehr befremdliche Dinge, wird das jetzt zur Normalität. HomeOffice und Begegnungseinschränkungen fallen bei mir (traurigerweise) so gut wie garnicht ins Gewicht - das war irgendwie schon immer so. Bluenote fällt eine kleine Weile weg und ... tja, das war's schon. Die Tage verbringe ich vollbezahlt zuhause bei Tobi (den ich pflegen darf, weil er sich den Ellenbogen verknackbrochen hat), lasse ab und zu ein paar feine Dinge beim Paritätischen gucken, die mich dessenthalben und allgemein wegen mir als Freude verursachender Mensch zu lieben beginnen (dazu später nochmal mehr). Meine Fünfzigster ist ausgefallen. Das war angesichts meines allgemeinen Lebenszustandes sogar gut, nur den Urlaub in den Dolomiten hätte ich gern gemacht. Aber auch das habe ich bereits zu den Akten gelegt und vergessen.
Ich habe nichts dagegen, wenn die bisherigen quasi freien zwei Wochen und zwei Tage sich in der Menge der Zeit gesehen wiederholen. Ab Mai wieder dabei. Okay, ich war schon immer auf der Vermeiderseite, wenn es um geregelte Arbeit geht. Aber riesen Schwein habe ich gehabt, dass ich den Job Anfang Februar begonnen habe und ich derzeit mit einem Zehntel von dazu freudseliger Arbeitszeit weit mehr verdiene, als im Puppendings. Zur gefährlichen Gewohnheit wird's nicht reichen, denn alles wird sich im Mai eingerenkt und der Frühling so freundlich wie heute aufgestellt haben.
Mir gehts wahrlich nicht sonderlich schlecht. Und meine Tage hier bei Tobi, die ob seines ordentlich vergipsten Armes noch ein bisschen mehr werden, könnten mich vom Alkohol etwas fernhalteren als allein zu Haus. Nur was die Initiativen für ein erfülltes, aktives und interessiertes Leben in seinen vielen Facetten anbetrifft, muss ich selbst tätig werden. Das ist weiterhin doof. Die Welt geht ünner ... und wenn nicht, dann geht sie halt weiter.
Tanz des Teufels
Ich beabsichtige seit über 10 Tagen von meinem Gedanken und den Ereignissen in Sachen Pandemie Covid19 und Job und Tobi und 50 Jahre ich und Weltsicht zu berichten, was mir weiterhin nicht gelingt, weil ich permanent zu dröge und panne vom Alkohol des vorherigen Tages bin.
Und eben gerade hat sich etwas zugetragen, was mir schwerstens vor Augen führt, dass hier nicht nur etwas nicht stimmt, sondern eine ansonsten (eigentlich) positive Grundhaltung ins Wanken geraten ist und wieder hergestellt werden muss. Schon wieder.
Was ist passiert?: Wein-Micha wünschte sich eine wenigstens kleine Rückkehr sozialer Kontakte und ich folgte widerwillig, was dazu führte, dass wir drei Bier bei ihm im Laden auf gehörigen Abstand tranken. (Nicht den der Biere!) Zuhause trank ich noch ein Jever, ein Glas vom letzten verbliebenen Weisswein und ein weiteres letztes Glas vom verbliebenen Rotwein. Währenddessen schwelte in mir die Idee, vielleicht ja doch noch den "Russen" (der keiner ist) - also Spätshop aufzusuchen, um mir mehr Stoff zu besorgen. Und so tat ich es und eine weitere Flasche Rotwein kühlt sich jetzt im Moment auf Trinktemperatur. Die ganze Zeit bis hier hin spült sich mein Blut beängstigend behindert seinen Weg durch meine Gefäße und mein Kopf ist hochrot. High-pressure. Böses Zeichen. Und ich fühle sehr deutlich, dass der Tanz des Teufels Alkohol zu einer internen Party animiert und mutiert. Seit Sonntag. Heute ist Mittwoch. Vier Tage durchsaufen. Immer so ab 21:00 Uhr.
Bei diesem Tanz wird einer aus dem Tritt geraten, soviel steht fest.
P.S.: Möglicherweise hat sich unsere Winckelmann'sche Hausmikrotechnologie einen Virus eingefangen: Heizungen, Treppenlicht, Rauchabzugsanlage und Klingeln funktionieren nicht mehr und ich denke über das Wort Apokalypse nach. Aber um das, was ich hier noch immer nicht aufschreiben kann, kurz zusammenzufassen: Das alles macht mir merkwürdigerweise nichts aus. Nanu? Meine Gleichgültigkeit hat im Tanz mit dem Teufel die Oberhand gewonnen und der Untergang unseres Mini-Universums namens Erde macht mir wahrscheinlich erst dann etwas aus, wenn ich konkret betroffen bin. Aber das ist eine andere, weit diffusere Geschichte.
Geht grad nicht
Ich würde gern meine Situation hier zusammenfassen, aber es geht grad' nicht. Obwohl oder weil die Welt Kopf steht. Nicht meine, sondern die gesamte. Denn ich befinde mich im permanenten Wechselspiel von Betrunken und Kater. Beide Zustände schaffen es nicht, mir einen klaren Gedanken hierfür abzuringen. Und das ist - wie immer - keinesfalls gut.
wunschraum, 3651bis60
Fertig. Unauffällig und seicht schlich ich mich in die 50, Tobis und meine Eltern waren da und dann wars auch schon geschafft. Reingerutscht mit Wein und Sekt und fast weinerlicher Freude über einen Foto-Kuchen, so groß wie Mühlenstein und eine Blumenpracht. Beide von Tobi. Und dann seit sehr vielen Jahren tatsächlich ein Geburtstag ohne einen einzigen Sonnenschein. Huch! (Spoiler: Es war - nanu - garnicht schlimm und ich hab's beinahe nicht bemerkt)
Beim Ausrechnen der Tage bis 60 staune ich nicht schlecht, wie wenig sich das liest. Na mal gucken, ob und wie ich diese Tage verlebe. Derzeit beschäftigt sich die Menschheit mit dem Gedanken über das Überleben. Alles wird runtergefahren und die Zahlen sind noch garnicht so schlimm. Mit heute sind's 240.00 Infizierte und knapp 10.000 Tote. Weltweit! in Deutschland sind es 14.000 mit gerade mal 43 Toten. gegenüber normaler Grippe, Suizid oder Krebs ist das nahezu überhaupt nichts. Weil aber niemand den Verlauf wissen kann und "exponentiell" Erinnerungen an Mathe aufleben lässt und noch nichts zum Impfen dagegen gefunden wurde, besitzt Corona / Covid-19 noch ihre Brisanz. Und selbst, wenn man sich den Virus einfängt, wird es grippemäßig ablaufen. Nur eben auf Lunge. Für Vorbelastete, Herz-/Lungenkranke und alte Menschen halt gefährlich. Soweit dazu. Die Parität hat bis auf weiteres zu und ich damit frei und hoffe, dass mein zurückgezogener Urlaub tatsächlich raus ist. Obwohl das nicht meine grösste Sorge sein sollte.
Meine latent seichte Erkältung mit leichter Schwäche und sehr kleinem Hustschnupfen (kein Vergleich zu meinen sonstigen Erkältungen) lässt mich aber immer wieder ein "die Möglichkeit" des Virus denken. Nanu? Doch noch ausreichend genug am Leben interessiert? Ich glaube: ja. Weil:
Der Motivationsschwung kam mit der Arbeit: sehr sachte zwar, aber es gibt dann solche Momente, bei denen ich von der Geschäftsführung um meine "professionelle Meinung" gebeten werde; wenn Mitarbeiter mir sagen, wie angenehm sie es finden, mich mit so einem schönen frischen Wind dabei zu haben; wenn Birgit mir schreibt, wie sehr sie sich freut, mich bei der FWA dabei zu wissen ... dann kommen da so ein paar Dinge zusammen, die mich sehr aufbauen und mir das alte Lied meiner Motivationsfähigkeit singen. Ist schon eine starke Abhängigkeit, was?. Freude ist für jeden schön.
Wunschraum 3651: Lass es als Basis so bleiben, sich und mich weiter entwickeln und mir Sinn wie Kraft samt Mut verleihen. Das reicht schon.
wunschraum, 2bis50
"Das muss doch irgendwie geh'n" hiess es bei "weit draussen" und ich glaube, diese Zeilen in gewisser Vorahnung vor 11 Jahren verfasst zu haben. Irgendein merkwürdiges Gefühl, das verzweifelt von Hoffnung spricht. Von jener vagen und nie richtig erklärbaren Hoffnung, die sich in den darauf folgenden Jahren mehr und mehr verflüchtigt hat. Es geht um's Zusammensein, zusammen mit Menschen; über solche Menschen, von denen ich hier geschrieben habe; Menschen, die etwas zusammen tun, zusammen sind und sich damit gegenseitig ermutigen, motivieren, voneinander lernen und sich weiterentwickeln. "Der allein will und nicht kann" beschreibt es ebenso gut, nur andersrum. Ich kann in diesem Wunschraum nur nochmal darauf hoffen, dass sich mein Leben multiple, froher, gemeinsamer, abenteuerlicher, erfahrungsreicher gestaltet.
Nunja, aber wie machen, wenn ich aus welchem Grund auch immer, zeitgleich den menschlichen Abstand suche ? Da spielt wohl auch eine gewisse Unsicherheit und Angst mit. Einfaches Beispiel, als ich damals in Nico Röhls Butze 1990 die Leute im Hof der Kutzstraße Musik am Feuer machen sah und ich so gern dabei gewesen wäre, weil genau das meiner Idee von möglichem Leben entsprach. Hätte ich also ohne Weiteres machen und hingehen können, ohne jedes Problem, direkt drauf zu. Habe ich aber nicht. Warum nicht? Schönes Beispiel, auf viele andere adaptierbar. Die Ideen vom studentischen Leben in all seinen teils romantisch verklärten Vorstellungen - allesamt nur Modelle, weder mit Ereignis noch Ergebnis. Auswandern nach Dänemark. Und so weiter.
Vielleicht wollte ich deshalb auch von Tobi (siehe Brief an meinen Freund) die Ermutigung, Pferde stehlende Dinge zu tun, die vielleicht nicht der absoluten Norm entsprachen; nur um es zu wagen und dabei neues, mehr zu erleben. In der Aufholjagd jener vergangenen, oft tatenlosen Zeiten.
Corona macht eine drohende Sause und ich bleibe außer von Tobi zum 50. unumarmt. Muss er um so fester drücken! Schlimm? Nein- im Gegenteil: es rechtfertigt meine Partyverneinung und wird damit zum offiziellen Grund. Der wahre Grund ist nicht so schön, wessenthalben ich mir diese Dinge hier wünsche. Oder wenigstens den Ansporn, etwas dafür zu tun.
P.S.: Jetzt mal im Ernst- du glaubst doch nicht, dass du hier noch die große Drehung machst und plötzlich leidenschaftliche Ziele entwickelst und deine Persönlichkeit umstellst? (Is' nich' böse gemeint, aber du Schuster wirst deinen Leisten treu bleiben und musst nur zusehen, wie du dich damit arrangierst.) Meine Güte. Falls doch, dann aber sofort los!
wunschraum, 4bis50
"Wenn ich mir was wünschen sollte, käm' ich in Verlegenheit." Schlimme Zeiten gab es genug. Gute auch. Je nach Sichtweise. Zum Thema "Freunde" ist mir eingefallen, dass ein gewisser Anteil am Downfall der Intensitäten ja auch bei mir liegt. Viele Aktionen aus früheren Zeiten wurden meist von Anderen angeschoben, initiiert. Und wenn diese Leute jetzt nicht mehr schieben, bleibt nichts übrig, woher soll's denn kommen? Die alten Freunde wurden schlecht ...
Mir was wünschen? Was Praktisches: Ich möchte zu meiner Form zurück. Die 90 kg sind längst überschritten, die Kondition ist im Eimer, der Wille ist schwach, das Bier im Kühlschrank. In den längst vergangenen Jahren hielt ich eine gesunde Form auch für notwendig, um auf einem möglichen Markt der sexuellen Abenteuer eine gute Figur machen zu können. Die Figur war soweit okay, um den Rest wissen wir. Tja. Dafür hat ein erneuter Anlauf aber immerhin einen praktischen, gesunden, wohlfühlerischen Sinn.
Weniger denken müssen, mehr machen, mehr zutrauen, mehr geniessen ergibt mehr Basis fürs Freuen. Interesse(n), Neugier, Wille. Daraus entsteht Lust am Leben. Und nicht das permanente Gefühl zu erledigender Teilprojekte, bis endlich "heute mal nichts" ist, was ausser irgendwann zum Tod zu nichts weiter Erwähnenswerten führt.
Corona 2020
Das wollte ich festhalten. Für später. Denn es ist schon ein bisschen besonders. Ein Grippe Virus baut in China ein paar Friedhöfe aus und greift um sich, bis Europa, am Ende sogar bis Sachsen-Anhalt und Magdeburg. Die Leute drehen durch und kaufen seit drei Wochen wie wild Toilettenpapier. Und Nudeln. Also mit richtig ganz leeren Regalen. Wahrscheinlich gibt es Notlisten für Ausnahmesituationen, auf denen diese Dinge ganz oben stehen. Und dann? Leben diese Leute dann mit sauberen Hintern länger? Hamsterkäufe als erste Idee zur Rettung seiner selbst. Sogar mit Geschrei und körperlichem Einsatz.
Das brisante an dieser Situation ist die Unwissenheit der Welt. Da werden ganze Länder sicherheitshalber abgeriegelt. Wenn Geburtstags-Ski in den Dolomiten nicht geht, dann eben Tirol. Pardauz: Alles muss raus, alles nach Hause. Sofort! Die Grenzen werden jetzt nicht mehr nur kontrolliert- sie sind geschlossen. Richtig dicht. In Italien, Türkei, Schweiz, Dänemark, Luxemburg, Österreich ... auch die USA haben ein Einreiseverbot verhängt, Deutschland macht morgen die Grenzen dicht. Und dazu die Schulen und die Kindergärten. Und so ziemlich alles im öffentlichen Leben wie Theater, Veranstaltungen ... Krankenscheine gibts auf Anruf, Quarantänen werden verhängt. In Italien und Spanien dürfen die Leute ihr Haus nicht mehr verlassen. Die Nachrichten und Newsportale überschlagen sich mit Meldungen, Fieberzentren und Intensivstationen sind auf- und ausgebaut und in Bereitschaft und Tobi hat Corona-Rufdienst. Klingt alles (für mich erst jetzt) sinnvoll (und im Nachgang vielleicht sogar ein bisschen zu spät), aber es fühlt sich alles sehr merkwürdig an. Cooler Wahnsinn. Menschheit Ende. Apokalypse.
Richtig interessant wird es dann in den sozialen Medien. Beziehungsweise uninteressant. Es ist grausig, bei meinen "Freunden" mitzulesen. Ein paar Leute haben zwar kluge Gedanken, die aber werden gleich weggerotzt. Andere beschwören schwachsinnigste Theorien und Szenarien, die deutlich zeigen, wie es um die Menschen bestellt ist. Die Ausländer haben kurz Pause; aber immerhin kam das Virus auch aus dem Ausland. Die Entwicklungen der Meinungen und Einstellungen (inklusive meiner) sind überaus interessant zu beobachten. Insofern mein Interesse daran reicht.
25.000 in Italien und 5.460 Infizierte sind es mit Stand jetzt in Deutschland und ich denke an Albert Camus "Die Pest" oder an Sibylle Bergs "Ende gut". Bücher aus 1946 und 2004 und im Geschehen darin weit heftiger als das, was sich jetzt wahrscheinlich entwickeln und dann zu Ende gehen wird. Glaube ich. Sars, Ehec, Rinderwahn und Schweinegrippe, Nostradamus und Inka'sche Weltuntergangstheorien haben sich auch erledigt und in China gehts bereits wieder viel besser. Mal sehen, ob und was das Ganze wirtschaftlich und vor allem gesellschaftlich für Folgen haben wird und was daraus resultiert. Entschleunigung, Heimarbeit, Umweltentlastung, cool down, get calm ... ?
Was mein Leben betrifft, habe ich keine Angst, sogar egal, welchen Ausgang das nimmt. Für meine 50 wird's reichen.
ausnahmezustände, 5bis50
Das mit der Intelligenz ist tatsächlich und hiermit weiter bebeispielt, so eine Sache bei und mit mir. Mal unabhängig davon (aber deutlich aufgeschrieben), dass ich gestern beim God of War Playstationplay schon wieder und mindestens ganze zwei Flaschen Weisswein getrunken habe (!), was mein Wochenlevel auf eine mehr als beachtliche Menge füllt ... habe ich derzeit weitere merkwürdige Zustände zu verzeichnen:
Zum einen werde ich in 5 Tagen 50. Das grenzt an Jammerei, aber auch dieser Ausnahmezustand wird vorbei gehen. Ebenso wie der Ausnahmezustand der Corona Pandemie. Und damit komme ich auf den Punkt: Ich beobachte meine Gedankengänge dabei und ertappe mich, wie fürchterlich dämlich diese meine Gedanken dabei sind. Da geht es eher nur um's Nicht arbeiten gehen müssen, anstatt über die möglichen Folgen einer solch einschneidenden Situation zu denken. Ist mir das egal? Noch weiter runtergesponnen, kann ich ja noch mehr Wein trinken; es fällt ja nicht auf, wenn ich mich unwohl kränklich melde. Da hat jeder Verständnis und wünscht mir beste Gesundheit. Die einzige Krankheit ist meine Alkoholkrankheit. Du meine Güte.
Das war bei Kempchens Unfall damals nicht anders. An dem Tag selbst war ich verkatert (das weiss ich noch gut) und dann dachte ich, dass wir einfach das Festival und ganz viel andere Sachen einfach ausfallen lassen und alle sehr betroffen sind. Ich war Null betroffen und freute mich auf alle Ausfälle. Mir lag nichtmal Kempchens Gesundheit am Herzen, er hätte auch in Ruhe draufgehen können. Das sind schon ziemlich heftige Gedanken, und auch wenn deren Ursachen vielleicht nachvollziehbar gewesen waren, so doch aber niemals in solch schlechtem Denken. Oh ha.
Dass ich später mal meine nicht stattgefunden habende 50-Party mit dem Corona Virus begründen kann, ist auch so eine zufällig passende Gelegenheit. Ehrlicher aber wäre meine Aussage, dass mir nicht sehr feierlich zumute ist und ich zudem die Qualität meiner idealisierten Freundeskreiswelt als nicht ausreichend betrachte, um darin ausgelassen zu feiern. Diese Jahre sind gelutscht und reichen zum Nachtrauern über eine so schöne Zeit, die so schön auch überhaupt nicht war. Tadaaa.
intellekt level, 7bis50
Ist allein meine Motivation verantwortlich für meinen Intellekt, meine Einschätzungen, mein Fühlen und möglicherweise entsprechendes Handeln? Die Sicht auf die Dinge, die alles bestimmt? Das wäre eine Erklärung, wenn ich mir wie so oft die Frage stelle, ob ich womöglich ein bisschen blöd bin. Ein bisschen zu blöd, wichtige Zusammenhänge inklusive mir darin zu begreifen, ebenso blöd, mich hinreissen zu lassen zu banalen, (ab)wertenden Einschätzungen, die der Realität der Sache nicht gerecht werden können. Unausgeglichen, aber immer bestrebt, irgendwie zum Lager der 'Besseren' gehören zu wollen. Das Alter legitimiert so viele Dinge, die bei einem knapp 30jährigen einfach Stuss gewesen wären. Neulich von Homer Simpson sinngemäß gelesen: "Es ist aufwendig, jeden Tag freundlich und höflich zu sein, um geliebt zu werden. Wenn man das nicht möchte, braucht man garnichts zu tun."
'Du musst das Leben nicht verstehen' - keine Panik, da stehe ich weit draußen, 'dann wird es werden wie ein Fest' - oh bitte ja! Aber nicht Fest mit Zusaufen, sondern Fest von überzeugt. (Hach, ich kann manchmal so schöne Doppelpopel beschreiben). Das Leben ist keinesfalls zu begreifen, ich hätte nur gern einen stabilen und sachlich, emotional ausgeglichenen Standpunkt, von dem aus ich meine Liebe, Freundlichkeit, Güte, Milde, Höflichkeit, Gleichmut, Nachsicht, (Aus-)Gelassenheit (...) leben und sein kann. Womit ich mir tatsächlich fast selbst widerschrieben habe: Denn über all diese Eigenschaften verfüge ich ja bereits; ich bin nur zu müde, diese meine Grundeinstellungen zu bekräftigen, aufrecht zu halten, voran zu treiben.
Zur Zeit grassiert weltweit ein Grippe ähnliches Corona-Virus und legt das gesellschaftliche Leben teilweise lahm. In Italien müssen die Menschen bereits zuhause bleiben, alle Stores sind geschlossen. Ski & Rodel garnicht mehr gut. Hier geht es auch bereits Richtung Schulen schließen, Veranstaltungen absagen, Hamsterkäufe (Klopapier und Nudeln !?!), Desinfektionsmittel klauen ... die Börse erlebt einen echten (?) Crash, der die Wirtschaft nachhaltig beeinflussen wird usw. Ich vestehe von alle dem nichts und kann es überhaupt nicht einschätzen. Im Gegenteil bin ich sogar fasziniert von solchen Zuständen, Entwicklungen und menschlichen Verhaltensweisen, weil sie weder gesetzlich geregelt, noch aus irgendwelchen Erfahrungen heraus eingeschätzt werden können. Die USA machen die Grenzen für Europäer 30 Tage dicht. Wao. Läuft hier gerade ein Film oder bin ich über ein SF-Buch träumend eingeschlafen?
Um meine Lage aus diesen Zeilen verdichtend zusammenzuklären: Wenn es die Welt bzw. deren Bewohner in diesen Wochen komplett dahin raffen würde, hätte ich (momentan gefühlt) nicht einmal ein Problem damit. 7bis50. Intellekt fallend.
Teil tausend und eins
Das muss ich mir mal vor Augen halten: Noch am Sonntag, nach dieser Katastrophe mittels zweier Flaschen Wein und einem darauf folgenden nicht möglichen Montag habe ich mir das totale Versprechen, diese ewige Farce mit dem schrecklich hohen Alkoholkonsum wenigstens in dieser Woche auf Null zu reduzieren, abgerungen. Die Nacht vom Montag zum Dienstag wurde erfahrungsgemäß schlecht, der Dienstag wurde etwas lau und traurig, der Mittwoch ging dann wieder. Und ich ging auch: Ins Bluenote. Aber nur auf 2-3 Bier. Ja? Weil die eine Flasche zuhause irgendwie nicht ausreichte? Am Ende wurde es wie so oft viel viel mehr als erträglich, um zuhause dann die eine, nicht ausreichende Flasche Bier auch noch mitzunehmen.
Und jetzt sitze ich hier (zu Hause) und habe mir fadenscheinige Gründe für mein erst mittägliches Erscheinen aus den Fingern gesogen. Das ist eindeutig und krankhafter Alkoholismus und wird und muss auffliegen. Was ist denn hier los? Es klappt offensichtlich nicht mit mir und ich hab's nicht im Griff.
Absturz Teil Tausend
Alles schwirrt in mir wie blöd herum, will Bescheid wissen, mir erklären, mich fühlen und teilweise hoffen lassen. An dieser Stelle könnte alles mit einem Mal zu Ende sein. Tiefer Abgrund. So geht Totsaufen. Keinen Satz bekomme ich formuliert, kein Gefühl hält länger als ein paar Minuten, hallt aber unbestimmt nach. Gegen die Wand, aus dem Fenster, zurück ins Bett oder ein Raumschiff für eine neue Welt mit einem neuen Ich darin.
Ich schreibe, um mich entschuldigen zu wollen. Dabei schildere ich es besonders dramatisch, damit es sich wie eine Ausnahme liest. Sonntag Abend, eine Flasche Bier. Diese Woche kein Bier mehr. Eine Flasche Wein, jeden Abend ein kleines Glas. Das wird gut. So geht's. Sonntag Ende um Eins: Flasche Bier, Flasche Weißwein, Flasche Rotwein (Toscana). Leer! Komplett. Am selben Abend noch versucht, eine Mail vorzuverfassen, damit es sich am Montag früh professionell liest, wenn ich dem Paritätischen absage. Corona-Virus plausibilisiert die Erklärungen. Mich von der Straße und der Flasche mittels eines Jobs wegzukriegen, scheint in diesem Moment aufs Beste gescheitert. Alle Vorsätze sind mit solch einem Paukenschlag zunichte geschreddert.
Ich schliddere höchst unprofessionell Richtung Vollmond und Fünfzig und kann mir nur wünschen, mittels einer richtigen Zielformulierung zu einer Idee zu kommen, die radikal genug ist, mich nicht verrückt werden zu lassen.
zu fett fürs Ballett
Im Ernst, beim Bücken, beim Sitzen, beim Aufstehen, beim Rad fahren und beim Ansehen im Spiegel behindert mich: mein Bauch! Und beim Stillesteh'n treffen sich die inneren Teile der oberen Oberschenkel. Die Entwicklung meines Verfalls ist spätestens jetzt klar und deutlich zu beobachten, es gibt keine Kaschierungen oder Ausreden mehr. Und es ist auch weniger witzig, als ich es hier aufzuschreiben versuche.
Infohaufen: Die Schokolade ist weitestgehend verbannt: gut so. Die Mahlzeiten innerhalb der Woche sind auch nicht als üppig zu betrachten. Heute habe ich gelernt, dass Heisshunger oft auch aus einer gewissen Eintönigkeit der Ernährung rührt. Ich lebe quasi fast vom Brot allein. Bisschen Ei vielleicht, Montags der Rest vom Wochenende, ansonsten nichts Bedeutsames.
Alles Quatsch, die eigentlichen Gründe sind die hier: ich fühle mich noch immer irgendwie verzagt und unsicher (auch wenn es in der Gewöhnung an mein Tun sachte besser wird), die anerzogenen Gewohnheiten mitsamt Spätfolgen sind Alkohol, Bewegungsmangel, Kommunikations- und Erlebnisarmut. Das alles zusammen macht Bauch dick und essen Seele auf. Wenn ich dann an meine 50 und den Rest der ex-coolen (?) Gang um mich herum denke, fühlt sich das Leben ziemlich lahm an. Da haste! 751. Beitrag seit 2010.
Es fehlen drei Stimmungs-Kategorien zum Zusammenfassen: schlecht | mittel | gut. Aber wenn ich immer nur in Trübsalszeiten aufschreibe, was mich bewegt, bringt das ... jajajajaaa.
Verfahrensfehler
Nun ist es doch wieder passiert: Gestern, der Tag fing etwas dumpf an, wurde über das Training dann aber doch noch zu einem, der sich gut anfühlen wollte. Die Belobigung folgte auf dem Fuß im ... genau: Dienstag, Bluenote, übliche Versammlung. 9 Bier, 2 Wodka. Zuhause zwei weitere Biere. Das ist schwer zu beschreiben und noch weniger zu entschuldigen. Menno! Wollte ich nicht jetzt endlich mal ... ? Ja, wollte ich. Ein grober Fehler im Verfahren. Habe gestern Abend bereits beschlossen, heute der Öffentlichkeit fern zu bleiben. Was ja auch kein Problem für die Öffentlichkeit ist; allein ich hätte mir den freien Tag heute besser gestalten können. Wollte ich nicht schwimmen und Rad fahren, wenn ich nur Zeit und Wetter dafür hätte? Alles da heute. Ausser ich. Allerdings kann ich immerhin schreiben, dass ich zwar schweren Kopfes, aber nicht schweren Mutes bin. Fühlt sich an wie: Ist passiert und mit Musik und niederen Arbeiten ist es schon okay. Und für morgen habe ich mir extra gleich einen paritärischen Termin gemacht. Für die Gänge, in die ich zu kommen habe.
Ach so: Thema gestern an der Bar waren die Überlegungen betreffs 50 und Party und Sinn und die Entwicklungen im gewohnten Umfeld. Eine Feststellung meinerseits dabei war: Eine Umgebung, ein funktionierender, sich selbst generierender und sich entwickelnder Freundeskreis, wie ich ihn mir zumindest vorfühlen kann, werde ich hier und so nicht bekommen. Aber anderswo wahrscheinlich auch nicht, oder? Alles baut sich auf ein soziales Mini-Maß herunter; wir spielen kein Theater mehr, sind nicht mit Bands unterwegs, haben weder Muße noch Kraft für lange Nächte ... es läppert sich so dahin. Eine Ansicht, die gut abfärbend mit der Gestaltung meines eigenen Lebens zusammenpasst.
Streichelprovokation
Vorhin machte sich meine paritätische Nachbarin aus dem Rechtsreferat Kirstin Röhl für ein paar Tickets auf den Weg ins Puppentheater und ich gab ihr einen schönen Gruß an die Kasse mit. Das war eher lapsig lustig gemeint. Ich ging davon aus, dass Margrit oder Mandy dort sein werden. Kirstin traute sich den Gruß zu überbringen und die Reaktion bzw. die Rechnung ging streichelprovokativ auf: "Wir vermissen ihn hier so sehr. Alle vermissen ihn hier ..." und derlei Lobpreisungen wurden mir überbracht und Kristin selbst hatte schon Gänsehaut ob dieses emotionalen Erlebnisses.
Was war dass denn jetzt? Ein halbseidener Versuch, von irgendwoher ein bisschen Bestätigung zu ergattern oder mich hier im Paritätischen beliebt zu machen? Du meine Güte.
Narkolös
Dumpf aus dem Beton - nur in diesem Fall frei von alkoholischen Eskapaden. Das klappt jetzt auch so. Meine Nächte sind schwer zu beschlafen, der Morgen meint es noch relativ gut mit mir und die Kraft des Vormittags müht sich, mich aufzuwecken. Mir gegenüber pariliert meine Bürogenossin am Telefon und ich bin nicht mehr fähig, mich irgendwie zu konzentrieren. Deshalb schreibe ich wild drauf los, um meine Worte zu finden, zu ordnen, zu benutzen.
Einer der vielen Traumteile handelte von NYC. Weil wir last weekend darüber sprachen. Leaving New York never easy ... Bilder, Fotos, Nachfühlen. Schön? Ja / Nein. Der nächste Teil handelt vom endlich und friedlichen, schmerzfreien Sterben. Wegen der Lutz Seiler Geschichte vorm Einschlafen? Und wegen jetzt halbwegs erlaubten Freitodes. Blödsinn, Freitod ist immer erlaubt. Man muss es nur können. Und wollen.
Solche Nächte wirken wie betäubend auf mich; eine Art Abbild meines Zustandes, den ich als zu dumpf, zu fett und zu unfähig bezeichne. Desillusioniert über die (damals) nur fühlbaren (heute noch schlechter fassbaren) Vorstellungen eines Lebens, über das weniger gedacht, das mehr glebt wird. Diese Unfähigkeit, Wünsche, Hoffnungen, Vorstellungen, Situationen in mir beschreiben zu können, hinterlässt einen Friedhof der gefühlten Mittelmäßigkeit.
Kommt kurz was Gutes / Schönes, gehts dann wieder sehr schnell sehr gut und ich bin zuversichtlich. Bis kurz danach. BN Jule meinte neulich so ganz nebenbei: "Das Leben ist so schön" und in mir klopfte fast schon permanent der gegenteilige Hammer. Seit wann eigentlich? Seit Ende Puppenhaus? Es fällt mir leicht, über mich zu behaupten, das Leben nicht auf die Reihe zu kriegen. Mein damaliger kindlicher Optimismus fusste auf der vagen Vorstellung, dass es möglich sein kann, das friedvolle Miteinander. Mangels klarer substantieller Untermauerung dieser positiven Einstellung in meiner Entwicklung, scheint "desillusioniert" das richtige Wort; denn offensichtlich war alles irgendwie eine Illusion. Im Fühlen wie ium Denken. Nur das Handeln wurde mir dann zur Last gelegt. Was das weitere Fühlen und Denken entsprechend formte. Spirale des Todes. Ahoi.
meine Pläne
"Passt das denn noch in deine Pläne?", fragte gerade Pascal Begrich, den ich nach langer Zeit eben im paritätischen Büro von Nicole (jetzt Angerer) wiedertraf und ihm auf seine Frage, was ich hier täte, erklärte, was ich hier tue. Keine 100 Sekunden vergangen, macht mich diese Frage wie immer verrückt. Keine Pläne, keine Ziele, nur Schlupflochsucher und Bediener. Es ist nie zu spät, oder? Aber in gewisser Weise vielleicht doch. Zu spät für einen Rückblick auf ein selbstbestimmtes, so gewolltes und schönes Leben (die drei gehören zusammen!). Das hiesse aber in der Konsequenz auch, dass ich mich entweder jetzt sofort und voll und ganz damit arrangiere oder mit den Folgen und wie üblich weiterleben muss. Oder auch nicht mehr. Passt das denn in meine Pläne?
Wenn ich es genau jetzt für nachher und den Rest meines Lebens hinbekomme, kann ich morgen vielleicht ja schon besser zurückblicken. Oor.
50party
Weil ich hilflos in der Zehnsucht nach meinen Ambitionen vergangener Geburtstage suchte, schreibe ich "dieselben" des nun anstehenden auf: Die Zeit gewisser Gemeinsamkeiten innerhalb unseres Settings scheint sachte aber sicher vorüber. Damals, als sich Partys irgendwie ergaben, weil wir zusammen Theater spielten, eine BJ-Show hinter uns hatten oder uns zum Chor trafen; als die Wege noch länger und gemeinsamer waren, als wir gefühlt und gewollt mehr Zeit hatten ... gehörte Party machen dazu: in Kneipen oder zuhause, unterm Dachboden oder in gemeinsamen Urlauben. Ich muss das vorsichtig bewerten, denn gerne werden derlei Partys im Nachhinein als die besten der Welt angesehen, was sie auch bloß nicht immer waren. Aber es gab immerhin die Möglichkeiten dazu.
Wir merken es an meiner Stimmung machenden, holprigen Schreibweise: Ich möchte keine 50 Party zum Frühlingsanfang geben, weil mein Gefühl für Party, sogar für Kommunikation und aufrichtige Freude sich nicht einstellen will. Ich gehe ja nichtmal gern zu einer solchen hin. Das ist bedenklich und zeugt allenthalben von einer allgemeinen Auflösung der frischen Ideen hin zu jenen, die wir früher spießig und wenig erstrebenswert fanden.
Ich muss später weiter darüber sinnen, mir fehlt im Moment aufgrund latentpermanenter Müdigkeit das Gefühl des sicheren Schreibens und ich fühle mich zu dumpf. Je mehr ich mich an diesem Eintrag versuche, desto schlimmer wird es. Eine Form von Demenz, die nach aussen zu macht, um innen den Rummelplatz anzuzünden. Auweia.
Ein Wort noch: FlußFlußParty klingt gut. Aber warum wann mit wem?
nu komma
Jetzt nicht schlapp bleiben! Nicht die Chance verpassen! Nicht in alte Muster verfallen und dich "irgendwie" durchwinden! Das sind Befehle! Warum? Weil ein typisches Muster solches eines von gestern ist: Nach der Sauna ein Zischbier. Okay. Noch ein kleines dazu. Grenzwertig, denn während des zusätzlichen kleinen beginnt das große zu wirken. Das merke ich dann an der Heimfahrt. Knapp. Zuhause noch ein kleines. Naja, wenns sein muss. Für die letzte Zigarette dann vorsichtshalber noch ein kleines, das ich ja dann gleich wieder zumachen und in den Kühlschrank stellen kann. Natürlich nicht. Natürlich dann 02:00 Uhr. Dann noch lesen. Die Idee im Kopf, dass ich am Freitag nur ein bisschen und später zur Arbeit gehe ... zerschlug sich, weil ich automatisch wach wurde und mein Gewissen meint, es wäre schon okay, dorthin zu gehen. Das Gefühl vor Ort war zu erwarten: Müde und hangovrig.
Das fetzt nicht! Es rettet mich kein höheres Wesen, soviel ist klar. Also wäre das Ergreifen jedwelcher Möglichkeit (so wie jetzt mein Job in der Parität) sinnreich. Die Kurve bzw. Talsohle muss ich meistern. Die dumpfsinnige Annahme, dass ich nun, an einem tobilosen Wochenende ja viel Wein trinken kann, zeugt von meiner grundgefährlichen Einstellung. Die Idee, vom gekauften Wein ja auch nur ein bisschen trinken zu wollen ... ebenso aussichtslos. Die Idee, zu Mandy zu fahren (Trommeln oder sowas) und ja abends auch zurück fahren oder wenigstens nicht so viel trinken könnte ... same procedure. Ich will auch nicht mit Leuten lange reden. Daher auch meine Abneigung betreffs Geburtstagsparty. 50. Jaja, fuck you.
Was ist nur los, Babe? Denke ich zurück - sogar auch 10 Jahre und ... ach: 20! - bleibt es das selbe Muster. Ab dem Kulturserver ningele ich rum. Puppentheater hielt ein paar Jahre, wurde dann aber auch so. Überall wegen einer gewissen ziellosen Unzufriedenheit.
Naja. Nu komma!
Vergleichstraum
Ich bin wieder im Puppentheater. Als 30 Stunden irgendwer und irgendwie nicht im alten Job, sondern in irgendwas Parallelem. Schwer zu begreifen und es sieht auch alles anders dort aus. Irgendwann stelle ich mir dort die Frage, ob ich an der Zeiterfassung teilzunehmen habe ... Die Spieler freuen sich "Mensch, schön, dass du wieder da bist" und ich sehe die good ol' Nikon wieder. Meine Nachfolgerin allerdings nicht.
Aber gut, ich fasse zusammen: Alles passt auf meine aktuelle Situation: 30 Stunden, neue Umgebung, keinen konkreten Durch- und Überblick und ich lasse mich erst jetzt langsam auf das ein, worum es hier gehen könnte, habe aber nebenbei heimliche Bedenken betereffs der Arbeitszeit (Gottchen, wie billig). Einen ganzen Mittwoch schreibe ich an einem Artikel fürs jobfremde Müllermarketing, gleich fahre ich zu Jörg, morgen komme ich nur kurz und gehe zum Training. Alles Dinge, die mich im PT der letzten Tage dort den Kopf gekostet hätten. Jedoch könnte es meiner Vorstellung von Leben & Arbeit entsprechen. Die wiederum entspricht wahrscheinlich nicht der allgemeinen deutschlichen Auffassung über dieses Thema. Aber das muss es doch auch nicht, oder? Es sei denn, jemand hat herausgefunden, dass diese normalen Modelle die beste Art sind, durchs Leben zu kommen. Deshalb werde ich gern angelächelt, wenn ich meine Vorstellungen darüber äußere.
Aber ich wollte nur erwähnen, wie sehr ich mich beschäftige mit dem, was mich so umschwirrt. Und ich werde 50. Sehr bald. Sehr schlimm. Warum? Ich weiss nichtmal, ob ich k/eine Party machen soll / möchte. Meine Gedanken bleiben im Kurzwaschgang stecken, während die Maschine zu schleudern beginnt.
P.S.: Der Rückblick auf frühere Einträge betreffs meines Geburtstags sind allesamt nicht besser. Man feiert doch sich und seinen Geburtstag, weil man Freude daran und an sich und seinem Leben hat, oder? Also sollte ich entspannt bleiben und Party machen, wenn ich der Meinung bin, dass es mir gut tut und ich es will.
Simpsons hell
... meint: der Frühling kommt, was man sehr knapp daran erkennt, dass es noch nicht mehr ganz dunkel ist, wenn die Simpsons im TV beginnen. Is' ganz schön so. Aber warte nur; gleich heisst es wieder: Jetzt ist es dunkel, wenn die Simpsons beginnen. Zack & Zeit um. Dumm.
Schlafmatsch
Aber wieso? Was drängt denn in mir so grüblerisch, das mich schlecht schlafen lässt? An den Wochenenden hilft der Wein, aber zum Montag ist es die größte Gemeinheit. Eineinhalb Stunden Lesen über den Verfall der Menschheit von Sibylle Berg vermögen immerhin Anflüge von Müdigkeit zu erzeugen, doch kaum ist das Buch weggelegt, poltert es über mir und in meinem Kopf senden drei wenzelsche Radiosender. Immerzu. So fühlt sich dann auch die ganze Nacht an und der der Tag beginnt und bleibt vermatscht. So wie die Tage der letzten zwei Wochen, die meine ersten Angestelltenzeit bildeten. Aha! Zusammenhang! Die halbgewalkten Träume handeln natürlich von der Unbestimmtheit, die solche Oritentierungspasen mit sich bringen. Geduldig bleiben und ein bisschen warten, bis oder ob sich alles einrenkt. Die Erfahrung sagt ja, doch es fühlt sich wie übermächtiger Aufwand, wenn ich zermatscht zusammenfasse: Job. Fünfzigparty? Müllermarketing-Texte! Und weiter in die Zukunft: Jeskom? Domsagen?
Das Verhältnis von gefühltem Aufwand für etwas, von der Einsicht der Notwendigkeit bzw. eigene Überredungskunst zur Realisierung und dem dann für die Erfahrung archivierten Ergebnis ist unausgeglichen. Das färbt auf mein Verhältnis zum Leben ab. Rückwärts ginge die Gleichung vielleicht auf: Mit der abrufbaren Erfahrung, dass ich erfolgreich realiseren kann, was ich möchte, wird der Aufwand kleiner. Nun muss ich nur noch wissen, was ich möchte.
Das sind echt zu viele Gedanken. Und täglich kommen immer mehr. Und die drehen sich irgendwie immer um das Selbe. Nutzen sich ab. Daher auch meine Jahrzehnte währende Betäubungssucht, die mir jene komplizierten Fallstricke unaufknotbar hinterlässt, mir dabei aber die klare Aussage untermengt, meine Ansprüche und mein Leben mit meiner mir selbst aufbenannten Mittelmäßigkeit nicht hinzubekommen. So, jetzt ist genug.
nebenbeie Basis-Erkenntnisse
(1) Kaufhallen ermüden mich. Insbesondere Samstags, wenn ich für uns einkaufe und ich vom bis dahin halbwegs wachen Zustand einer Art Dämmerung anheim falle, die mich durchaus statt nach Käse zu Möhren greifen lässt.
(2) Weiters stelle ich fest, dass meine Attitüde, nichts richtig können zu zu können, nur aus meiner Beobachtung anderer resultiert, was dann mittels meiner oft so schlimm brach liegenden Selbstwertphasen mitsamt großer Unsicherheit in einer provisorischen und natürlich höherwertigen Einschätzung über deren Qualitäten und (anschließend nochmal merkwürdig geschlussfolgert:) gekonnten Leben kulminiert. Das mag vielleicht ja auch sein, aber was gänge es mich denn an? Derlei Vergleiche sind höchst hinderhaft.
(3) Noch weiters fiel mir ein, dass all jene nie realisierten Vorstellungen über solche Lebensmodelle wie die der Weltreisenden, der Generösen und Stilhabenden, der Sexisten und "wasduwillst" nur deshalb nichts wurden, weil es wieder nur meine Beobachtung von Leuten betrifft, die es einfach in sich tragen und weniger moral-, stand/es- oder sonstwiehaft zu sehr darüber nachdenken müssen, sondern in der Lage sind, es ihrem Drang nach einfach tun, während mein Gewissen, Verstand, Gefühl und Erfahrungen die für mich klassischen Barrieren bilden. Die Konjunktive sind unschuldig.
(4) Das letzte (was in meinen ad-hoc-Überlegungen heute an erster Stelle stand) sind meine primitiven, bemitleidenswerten ausgleichen sollenden Vorstellungen, wonach es also Menschen oder Projekten schlecht geht, die ich für meine Miseren gern verantwortlich machen möchte bzw. die Teil jener Prozesse waren (oder sind), die mir nicht gut getan haben. Auf den Punkt gebracht betrifft es natürlich das Puppentheater, deren Facebook oder zweiten Google-Account ich noch immer gern hacken möchte (und es ohne weiteres könnte). Da schreit eine Art Rachegefühl aus mir; nur kann mir niemand sagen, ob ich mich danach wegen womöglich ausgeglichener Gerechtigkeit oder so wirklich besser fühlen werde. Kapitän Ahab meinte vielleicht Nein, aber man konnte ihn ja eigentlich nicht mehr fragen.
Alles so Sachen, die es leichter nicht machen. Gut was? So einfach, so schnell, so klar.
in die Gänge
Ich bin sehr interessiert an meiner Restrukturierung in Sachen von mir anerkannten Aufwandes, Wachheit und willentlichem Interesse. Denn es mangelt mir oft noch an Verstand, Vorstellungsvermögen und vor allem an ausreichender Klarheit in Geist & Materie. Ok, ok, es sind heute erst zwei Wochen; es fühlt sich alles oft noch immer diffus und unerhört aufwendig an. Also alles, inklusive Leben. Und deswegen bin ich gespannt und erpicht darauf, mich auszuschlafen und aufzutanken (dieses mal aber mit Inspiration, Neugier und Tatendrang). Aber wie?
Muss meinem Gesamtwerk aus Körper & Geist Zeit geben und vor allem den Willen dabei zulassen, damit sich die entsprechende Kraft generieren und manifestieren kann. Sonst schleiche ich weiter durch die paritätischen und anderen Gänge und weiss nicht recht, wohin, wieso, wie lange und wer. Also in die eigenen und richtigen Gänge kommen, das wär schon mal ein Anfang.
Heute Abend Blueszeug im Turm? Einfach des Tuns und Erlebens wegen? Tobi wird nicht mitkommen, soviel scheint klar. Na mal sehen.
Mission Mut - get rhythm
Diese Dienstag Abende, die so oft so unvernünftig für mich werden, haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den "Barfly" Mittwochen im Exlibris. Zu Beginn JA, dann etwas weiter zeichnet sich ab, wohin die Reise gehen könnte. Im Fall NEIN kommt es dann auf den pünktlichen Absprung an. Und den vermassele ich immer wieder. Wie auch gestern, als mir auch an der Heizung nicht richtig warm werden wollte, die Gedanken, Ideen, Wille und Worte noch mehr Zeit als sonst schon brauchten.
Mögen andere das auch anders erleben (die ja die gleiche Menge Bier trinken), ich scheitere oft an der Mission, diese Situation verlassen zu wollen, weil es mir nicht behagt. Stattdessen wird nachgeordert. Wozu ist das gut und warum hört so ein Unsinn nicht auf? Am Ende sollen es unglaubliche neun Bier gewesen sein. Da nützt auch die pünktliche 00:00 Uhr Abreise nichts. Und hier sitze ich und schreibe immer das Selbe. Nur in neuer Umgebung. Die einen gewissen neuen Rythmus benötigt. Denn über die lange leere Zeit hat sich auch ein verändertes Lebens-/Zeitraster für mich ergeben. Vom Aufstehen über die wenig vorhandene Tagesplanung bis zum allabendlichen Wein in einer permanenten Schleife. Die gilt es jetzt zu unterbrechen und mich sachte einzupassen in eine progressivere und strukturiertere Form des Seins. Nur so können neue Ideen und womöglich sogar Ziele erwachsen. Das wär' ja mal was.
vom Wesen meiner neuen Arbeit
Die Zehnsucht behandelt dieses Thema bisher drei mal. Angefangen 2013 und dann zum Ende des PT. Worum geht es heute? Um die Zeit. Um das, was sein darf, könnte, für mich müsste. Im Grunde ist es klar: 30 Stunden Arbeitsvertrag bedeutet, 30 Stunden zu arbeiten. Egal, ob darin Kieser Training (wie eben) oder das frühe Nachhausegehen oder auch das Ausschlafen auftauchen - alles ohne Bedenken oder Reue. Nunja, meine Vorstellung von Arbeit hat tatsächlich nichts mit Zeit zu tun. Aber anders ist es wohl nicht messbar. Für einen Arbeitgeber.
Noch ist hier dessenthalben nichts passiert oder gesagt worden und Sabine hat auch von ganz Anfang an klar gemacht, dass ich hier nicht 30 Stunden anwesend sein oder absitzen werde; jedoch plagt mich bei meinen arbeitsfernen Ausflügen das Gewissen. Denn ich bin auch faul, das gebe ich unumwunden zu. Arbeit ist nicht meine Erfindung, so lange sie mich nicht packt und intensiv interessiert.
Ich denke mir, ich mach's einfach mal und versuche es für mich einzupegeln und auszuloten, wie es mir gereicht (da haben wir es wieder) und wie es für den Arbeitgeber aber gleichwertig und ebenso erfreuliche Ergebnisse bringt. Und das hier ist mein 7. Tag und weder Gott noch Teufel haben im Moment eine Meinung. Ich aber: Mach' es und sieh' zu, ob es deins wird!
Dickes Ende Teil 1
Ob es des Titels wegen je zum Teil 2 kommt, wage ich zu vergessen. Aber es passt gerade sehr gut. 2020 startete also in gekonnt-gewohnter Weicheimanier ob meiner Ideen, Ziele und Zukunft. Plötzlich dann gab es diese Ausschreibung, die ich nur besah, weil Sabines Name darunter stand. Da die Zeit sich die leichte Panik gab und mir unmissverständlich mit dem mittlerweile mittleren Finger betreffs meines Lebens drohte, nahm ich an, was möglich war. Und die Woche davor sollwollte ich nutzen, um runterzukommen. Von der Lotterei, dem Alkohol, dem Stumpfsinn. Und doch habe ich mich eher durchgemogelt.
Dann die erste Woche mit allen Facetten: Die Tage wurden plötzlich so lang, Schlaf war ein Wagnis, Alkoholgenuss immerhin stark eingeschränkt. Am Freitag dann die inhaltliche Übergabe mit den ersten 20 Minuten, bei denen ich am liebsten aufgestanden und für immer gegangen wäre. Weil ich keinen Zusammenhang, keine Idee und noch weniger Durchblick hatte. Sabine rettet mich und die Situation und lenkte die Aufgabenthematik auf zweidrei Hauptpunkte, die jetzt vorerst für mich festgelegt und verankert sind. Etwas zum Greifen, Festhalten, tätig werden.
Am Wochenende den ganzen Alkoholverzicht in je 1,5 Flaschen Wein nachgeholt. Nächsten Tags vor allem das Ausmaß der letzten 18 Monate seit Ende PT besehen: Ein nicht mehr einziehbarer Bauch, eine wabbelige Aura mitsamt einer Haltung, die eine gewisse Erbärmlichkeit einfordert. Schön geschrieben, sieht aber wirklich schlecht aus. Dann die 84 Stufen der Parität, oder zuhause, oder eine leichte Steigung, etwas Gegenwind ... alle Kondition ist dahin. Jetzt muss irgendwas passieren. Wie immer.
"Das dicke Ende Teil 1": Meine Notfall-Lösung für ein Jahr soll mich retten vor dem Untergang, soll mich aufrichten, wiederherstellen, bereit machen. Insbesondere im Kopf. Am Ende meines diffusen Lebens werde ich mich nichtmal für einen Friedhof entscheiden können. Das muss dann irgendwer anders machen. Aber wer dann noch eigentlich?
P.S.: Sybille Berg "Ende gut" fässt in fantastisch-fatale Worte, was wahrer nicht zu schreiben ist über die Menschen, deren Selbstbetrug, die ganze große Grütze des Lebens, die nur spürbar, aber wenig fassbar und damit noch weniger änderbar ist. Ich kann das sehr gut nachvollziehen und muss es bestimmt nochmal lesen. So boshaft wie des Menschen Mittelmaß selbst.
nervöse Zeitmaschine
Schlafen geht nicht ganz so gut. Vielleicht nicht ganz so schlimm. Aber dennoch. Trotz Müdigkeit. Lesen, absacken, Licht aus, Augen ... auf. Und dann stapft pünktlich gegen 07:15 über mir jemand herum und ich fühle den Vormittag dumpfer als notwendig. Gestern festgestellt, dass auf den Rechnern der Parität mittels ProCall dann ja doch irgendwie die Anwesenheit protolliert wird. Oder werden kann. Und schwups, mache ich mir Sorgen.
Warum? Weil es das tief verängstigende Puppenprinzig bedient und ich mir in aufrechter Ehrlichkeit eingestehe, überhaupt niemanden Kontrolle über mich geben zu wollen. Weil ich diesen Teil meines Gewissen gern ausschalten möchte, wenn es darum geht, auszuschlafen, zu schlendern, zu machen, wie wo wann ich gern will. Disziplinbefreit. Und keine 8 Stunden am Stück zu arbeiten. Klar steht das konträr gegenüber den "normalen" Modellen von Arbeit, aber muss ich das genau so machen wie die anderen? Meine Wege des geringsten Aufwandes sind legendär. Auf der Gegenseite lauern Gewissen und Unsicherheit über meine tatsächlichen Fähigkeiten. Verkaufen und glänzen kann ich immer erstmal gut. Und wie sieht es dann mit dem Eingemachten aus?
Auch wenn es in der Parität den Anschein hat, als könnten diese 14 Projekt-Monate nur ein Vorwand für mein Recruiting sein, so versuche ich dennoch mir ein Modell anzugewöhnen, das allen Beteiligten gerecht wird. Wao - habe ich so eben nebenbei den Begriff der Parität definiert? Gucke an ...
der Neue
Da bin ich also: Im Paritätischen gelandet. Mit Vorstellungsrunde bei den Regionalleitern und Referenten und Mitarbeitern. Neu neu neu. Nach 1,5 Jahren wahnsinniger Pause zurück in einem Arbeitsprozess. 30 Stunden. Stunden? Geld? Arbeitszeit? Urlaub? Woran denke ich zuerst? Dass es machbar sein könnte. Sein wird. Meine Aufgaben dort sind teilweise Neuland für mich, aber das weiss zum einen keiner und zum anderen kann ich mich da reinfuchsen. Und es sind vorerst auch nur 14 Monate. Keine Lebensgefahr ...
Woran denke ich noch? Dass ich jetzt all jene Dinge, die ich in meiner vielen freien Zeit hätte machen können (aber ja doch nicht tat), jetzt nicht mehr in dem Maße tun kann? Absurd, was? Get real, Darling! Noch realer benötige ich neue Hörgeräte. Das merke ich sehr deutlich.
Und ich denke daran, dass dies meine Chance ist, mich neu aufzustellen, zu gesunden. Strukturen sind dazu nötig, Zielübungen ebenso. Eine gewisse Disziplin, um aus meinem größtenteils traurigen Lotterleben etwas Stabileres zu bauen. Neue Denk- und Sichtweisen, Erfahrungen, Möglichkeiten.
Die Leute sind mir wohlgesonnen, auch wenn ich beim (spontan erbetenen) Vorstellen meiner Person wahrscheinlich eine Menge ungereimtes Zeug erzählt habe. Das kann man besser machen aber es entspricht auch meinem Naturell und lässt schöne Rückschlüsse auf mich zu. Nichts Schlimmes. Und wahrscheinlich auch nicht überheblich aus Unsicherheit. Und ich kenne tatsächlich viele Leute dort. Marcel, Sabine, Sylke, Nicole, Hanselmann ... das ist hilfreich. Dennoch war die vorige Nacht unruhiger als ich es mir wünschte. Also doch ein bisschen aufgeregt, was?
Zusammengefasst: Ich habe zwei Jobs: Parität und Freiwilligenagentur, dazu kleinere Projekte wie Müller-Marketing und 2und40. Das muss ich mir klar machen und professionell sein. Oder rauskürzen. Was ist wichtig? Anerkennung? Entwicklung? Lebenszeit? Motivation? Geld? Letzteres gibt es ab heute insgesamt mehr als im Puppenhaus. Was aus diesem Konstrukt wird und wohin ich eigentlich mit welchen Zielen und Absichten in meinem Leben möchte, lässt sich zumindest auf diese Weise leichter herausfinden, als die Zeit zu versaufen.
Na dann.
Flucht nach vorn
Aus Null mach' Hundertzehn? Ein Wagnis. Denn ich fühle mich weiterhin schwächlich und kann den bisher unausgesprochenen, aber bevorstehenden Aufgaben kaum weder folgen noch ihnen mit froher Erwartung entgegensehen. Der Stand der Dinge:
In 90 Minuten unterschreibe ich einen Arbeitsvertrag über 30 Stunden bis März 2021, worin ich bei derzeitigem Kenntnisstand eine Art Dispatcher oder Projektheiler zu sein habe. Also nichts, wovon ich genau wüsste, worauf ich mich einlassen kann. Warum mache ich es? Um mich zu aktivieren? Irgendwie? Hoffnung auf Durchmogeln?
In 3 Tagen entscheide ich mich für einen weiteren Artikel, den es fürs Müllermarketing und den Demografen zu schreiben gilt. Dabei hat mir Matthias Müller soeben nochmals seine drei für mich möglichen Modelle aufgezeigt, die von Freelance über Teilzeit bis Vollzeitanstellung gehen. Nanu! Ich fühle mich kaum fähig, überhaupt irgendetwas in die Denk- und Wagschale zu werfen, geschweige denn, zu entscheiden. Weil ich mich innen sehr platt anfühle. Nach außen eher rundlich.
Seit Anfang des Jahres steht fest, dass mich die Freiwilligenagentur weiterhin auf 10-Stunden Basis behalten möchte. Die Aufgaben sind verteilt auf Webserver und -redaktionen der einzelnen Projekte, Fotostrecken, Zeitungsbeiträge und sonstige Aktionen.
Und dann denke ich an Jeskom. Und an die Domsagen. Und überhaupt an irgendein Ziel und einen Willen. An Albert Camus und den "Glücklichen Tod". Quo Vadis? Aus Null mache ich gerade 110 und die mich latent begleitende Panik, das auch nur ansatzweise irgendwie auf die Reihe zu bekommen, könnte Anlass genug sein, mich drauf einzulassen. Alkoholfrei. Ambivalent genug? Aufstieg oder Untergang. De- oder Aktivierung? Ja oder Nein?
Das Beste daran ist, dass es passiert.
Neustart mit Hürdenlauf
Zwei Ski-Urlaube liegen hinter uns. Das ist das Eine. Ein Arbeitsvertrag für mindestens ein Jahr liegt vor mir. Das ist das andere. Dazwischen, genau jetzt liegt eine (letzte) Woche meiner lethargischen Unkontrolliertheit, die mich bangen lässt, ob ich es schaffe, mich zielgerichtet aufzustellen und es anzugehen. Eines dieser Ziele war, diese Woche zu nutzen, mich alkoholfrei zu säubern, aufzurichten, nach vorn zu blicken. Sonntag und Montag vermochte ich es nicht, heute ist der bisher traditionelle BN-Dienstag. Dabei denke ich, dass es auf einen harten Bruch ankommen wird, wenn ich am nächsten Montag klar, strukturiert und geradlinig einige Erwartungen zu erfüllen habe.
Ein Kuddelmuddel ist das also: Der Paritätische muss ein 3-Jahres-Projekt abrechnungsfähig zu Ende bringen, es geht um Digitalisierung von Kommunikationsstrukturen mit 'vorhandenen' Mitteln. Also Windows 95 ... Wahrscheinlich dient diese Stellenausschreibung tatsächlich nur der Idee des glimpflichen Projekt-Endes. Was theoretisch ein Leichtes für mich sein könnte. Hätte nicht "Sabine Mantei" unter der Ausschreibung gestanden, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich dafür zu interessieren. So aber bin ich also nun der Gewinner dieser Ausschreibung. Und es fängt Montag mit der Vorstellung im Kollegenkreis los und setzt sich erst Freitag mit der Arbeitsplanung fort ... Nunja.
Es soll ein Neustart für mich sein. Einer, der mich aus der steten Litanei der völligen Unsicherheit über meine Zukunft herausreissen soll, damit ich wenigstens 'etwas' beginne, woraus sich idealerweise mit der richtigen Sichtweise und Einstellung etwas Neues ergeben kann.
Was auch meiner labilen Stimmung und schwer fassbaren Aussichtslosigkeitsattitüde entgegenkommen soll. Womit ich wieder beim Ski-Urlaub bin: Zwischendrin gibt es solche Tage, an denen ich mich mit Tobi nicht wirklich gut verstehe. Ihm scheint es nicht aufzufallen oder sehr zu stören (sagt er, aber ich glaub's nicht). Und ich suche nach den Gründen für solche Kommunikationstäler. Dabei geht es nur um unterschiedliche Erinnerungen an damalige Pisten, dem unsachlichen Streiten darüber oder sonstwelchen lapidaren Kleinmist. Vielleicht bin ich unausgeglichen (ja), vielleicht melden sich meine Vorstellungen von romantischer, tieferer Liebe, die ein noch schöneres Bild von Gemeinsamkeit, Gemeinschaft, Liebe malen wollen. Vielleicht habe ich weiterhin Angst vor dem Leben. Vor dem ich mit anfangs vollen Flaschen davonlaufe.
Ich auch nicht!
Was für ein gelungener Einstieg in das neue Jahr dieser dubiosen Zehnsucht, die mir alles abnimmt und in sich hinein frisst. So, wie ich in mich hinein saufe. Nun denn: "Ich auch nicht!" lautete die direkte Antwort eines älteren Herrn beim ersten und schwersten Kiesertraining des Jahres in der Umkleide, der seine Sachen vor meinem Spind hatte ich nach der richtigen Tür suchend, meinte: "Ich weiss garnicht, wo ich bin."
Die Antwort verblüffte mich ob ihrer Spontaneität und ihrer Doppeldeutigkeit: Meine erste Interpretation auf der Suche nach verbrüderlichen Gleichgesinnten war die, dass auch er nicht wusste, wo er sich befindet, was er hier überhaupt macht und warum. Die Logik schloss aber gleich danach auf und stellte klar, dass es niemanden gibt, der wissen kann, wo in ich bin resp. was ich will. Also auch er nicht. Also niemand, der für mich verantwortlich ist bzw. den ich dazu erklären kann.
Wobei wir also beim Thema wären. Dem elenden, immer selben und in derlei Zuständen sich manifestierend, schlimmer werdend. Die Farben blassen sich aus und alles fühlt sich schlechter an. Und es hält auch länger. Mir fehlt weiterhin die Aussicht und mein gefühltes Halbwissen über Mensch und Revolte, über Camus oder K. Dick, über Sinn oder Unsinn, Leben oder Tod, Ying und Yang im nivellierenden Gleichklang ... im ewigen Strom der Versuche, mich zu erklären, macht mich weiter verrückt. Und verrückter. Und nicht nur das: Ich werde auch unfähiger, dümmer. Das sind direkte Auswirkungen von Ziellosigkeit, Lethargie und Alkohol. In dieser Reihenfolge als Dauerkreis. Bald werde ich nicht mehr wissen, wie Abwaschen geht oder wie man ein Raid1 installiert. Oder nur 5 Minuten geradeaus denkt.
Nimm hin! Und nimm Abschied. Oder die Beine in die Hand. Oder Vernunft an. Oder dir das Leben. Aber mach' endlich was!
Sterbling
Wie war das noch gestern mit meinem Beitrag über Krebs, Herzinfarkt und Tod und der schwindenden Angst in meiner Einstellung dazu? Heute war ich beim Schlagaderbeleuchter. Und siehe da: auf der linken Seite liegen Ablagerungen, die da nicht hingehören. Sagt er. Genaueres sagt er nicht, der Befund geht dann zu Heide. Erst passierte garnichts. Und dann, siehe nochmal da: Es macht mir doch wieder etwas aus und ich unterliege einer diffusen, leichten Panik. Es hört sich unumkehrbar an. Und erklärt auch einiges in Bezug auf meine Blutwerte in Sachen Fett, Cholesterin und Druck. Meiner Lebensweise nach war das sogar fällig. Und jetzt ist es komisch. Offenbar regt sich in diesem Wust von Unklarheit und Resignation ein kleines wehrhaftes Element.
Mal sehen, was daraus und mir und allem wird.
Jahresbilanz 1
Zusammengefasst bleibt und verstärkt sich ein ungutes Gefühl, wenn ich über mich nachdenke und es aufschreibe: Ich bin verunsichert, ziellos, antriebslos. Das dürfte die ganze Peripherie auf einen Punkt bringen. Die Folgen sind Alkoholismus und Aussichtslosigkeit, Unausgeglichenheit, sogar Wut, Infragestellen meiner Fähigkeiten bzw. das Relativieren derer, wonach ich also Vieles kann, aber nichts davon offensichtlich richtig. Die Verunsicherung besteht insbesondere im Rückblick auf die Festanstellung im Puppentheater, für welches sich ja nicht erst in den letzten Jahren irgendein ungutes Gefühl eingeschlichen hat. Das wird deutlich, wenn ich hier aufgeschriebene Texte oder Gedankenschnipsel aus 2012 und auch davor lese. Woran liegt das alles? Überall muss ich mich vor Kritik und Schimpfe ducken. Seit Anbeginn meines Denkens. Oh, das lässt tief blicken.
Vieles, wenn nicht gar alles hat mit meiner unklaren Vorstellung über ein mir gerechtes Leben zu tun. Wo und welches ist mein Modell?
Ich denke viel, ich denke schnell, ich denke aber nur bis 33%, Tendenz fallend, der Rest verliert sich in vagen Vorstellungen bzw. undefinierter Gefühlsduselei. Dabei kann ja nichts entstehen. Gegenstände dieser Denkerei sind vielfältig, am vehementesten sind jedoch die Ängste, dieses mein Leben nicht auf ein halbwegs verständliches Tableau zu bekommen. Mein Selbstwert fällt, meine Ziellosigkeit nimmt überhand und jeder mögliche Startblock schwindet in große Entfernung. Dem gegenüber stehen immerhin dann merkwürdig optimistische Gefühle, wenn mir mal etwas gelungen ist. Siehe jeskom oder Eisprinz oder Beethoven. Dieser Optimismus macht sich aber gern und schnell wieder aus dem Staub.
Die Leute sterben wie gehabt und die Einschläge kommen weiterhin näher. Aktuell waren es Heckmann und vorgestern Country Rudi. Ich habe mittlerweile weniger Panik vor Krebs, Herzinfarkt oder Tod. Ich sehe es fast sogar kommen. Oder es scheint nur so, und wenn es vor der Tür steht, kommt automatisch der klammernde Griff ans Leben, das mir aber doch garnicht so viel bedeutet? Was denn nun? Oh, ich werde traurig sein, wenn ich vom Sensenmann freundlich an die Hand genommen werde, weil ich dann ahnen werde, dass ich es es hätte packen können, das Leben. Versehen mit so vielen Fähigkeiten und Freundlichkeiten, aber mit irgendeiner tief verborgenen Depression (oder eines zu geringen Verstandes), sie entsprechend einzusetzen.
Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen, Seit Puppenende sind jetzt über 15 Monate vergangen.
Beethovens Best
The same procedure: Natürlich wurde alles am Ende wieder gut: Beethovens Conférencier hat es in die Herzen und das Wohlwollen des zwar spärlichen, aber umso erfreuteren Publikums und den Leuten vom Gesellschaftshaus Magdeburg geschafft. Nach einer eklatant schlaflosen Nacht, die ich mir nicht erklären kann, bin ich jetzt noch immer müde und garnicht so traurig, dass die Stadt voller Menschen und Autos ist, dass ich nicht zum anschließenden Training kann. Aber woher diese Schlaflosigkeit? Gefühlt habe ich garnicht geschlafen, dafür aber in Sequenzen die dollsten Dinge geträumt. Einer sogar mit Gruselattacke, als ich Katrin vom Bluenote irgendeine verbotene Hütte mit Bühne zeigte und wir an der Grenze zum erlaubten Terrain lagen, als sie mir einen Finger auf den Mund legte, damit ich leise bin und kurz darauf ein plötzlicher Schwall irgendetwas Kalten und Schaurigen von hinten kam. Huuu ... und der Rest der Träume bestand aus Clustern unsinniger Episoden. An der bevorstehenden Moderation kann es doch aber nicht gelegen haben: ich fühlte mich sicher und machte mir wenig Gedanken darüber.
Morgens 7:30 war ich lange vor dem Wecker wach und frühstückte und fuhr noch zu Tobi zu den Fischen. Netzt bin ich zuhause, mache mir eine Suppe warm und werde bestimmt einen Nachmittagsschlummer halten.
Und dann geht das lose Leben weiter. Nur wüsste ich gern: womit! Ich denke zuviel und immer nur ein kleines Stückchen. Nie weiter oder gar zu Ende. Und das hier fiel mir (sehr passend) in der Nacht ein:
Still klopft es nun, das Herz; das Licht im Zimmer,
Geborgt vom Vorderhaus, befällt das Bett.
Mein Kinn ist schwer, und doch flieht mich noch immer
Der Schlaf, erschreckt von einem Düsenjet.
Ich steh noch einmal auf, das Wasser schlag ich
Im Becken ab der Küche, doch die Ruh'
Sie will nicht kommen. Unterm Schädel trag ich
Drei Radiosender, senden immerzu.
Mensch, Wenzel, schlaf! Wie bist Du auf den Hund gekommen.
Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen.
Die Füße brennen. Die gebundnen Schuhe
Zerdrücken mir den Tag lang Zeh um Zeh.
Der Wecker klickt versteckt in einer Truhe,
Daß ich die Zeit nicht so vergehen seh.
Es kichert noch in mir, das sind die Biere,
Die langsam erst verbrennen im Gehirn,
Es sie zu gelben Gift in meiner Niere
Und kugeln Schweiß geworden auf der Stirn.
Mensch, Wenzel, schlaf! Hast keinen Schlag heut abbekommen.
Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen.
Platz ist genug. Ich drück die Schulterblätter
Ans zause Laken, keiner fragt mich was.
Ob ich noch etwas in den Büchern blätter?
Ob ich nach einer Zigarette faß?
Ich kann nichts tun, nicht einmal schlafen; lange
Zerreiß ich mir den Schlaf schon. Aus der Wand
Fällt etwas Feines, und mir wird so bange.
Mir zuckt zum Trommeln leise meine Hand.
Mensch, Wenzel, schlaf! Du bist durch alle Zeit gekommen.
Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen.
Ich liege schlecht und zähle, zähle, zähle.
Das Kissen nur im Arm gehört jetzt mir.
Es ist soviel zu mache noch. Ich quäle
Seit Jahren nur die Hälfte aufs Papier.
Es schmerzt zu schlafen. Bitter schmeckt die Spucke.
Ich ruh mich aus vom Lachen. Blassen Schein
Seh ich im Zimmer, wenn ich um mich gucke
Und kann nicht schlafen, schlafe nicht mehr ein.
Mensch, Wenzel, schlaf! Wie bist Du auf den Hund gekommen.
Ich habe mir für morgen soviel vorgenommen.
verlustig
Doppeldeutig ist das hier nicht gemeint, ich schreibe aus einem Verlustgefühl, einem unerhörten Alleinsein ohne jede Erklärungsmöglichkeit. Ich kann's kaum ausdrücken, es klingt alles so wahnsinnig depressiv und öde. Was ist passiert? Nunja, nach dem Biermanöver vorgestern und dem Ausnüchtern gestern folgt der dritte Tag meist in einer gewissen Traurigkeit. Vielleicht ist es ja das. Es schweben fadenscheinige Gedanken vorüber, denken an Shanty-Chor und Xmas Markt Bluenote und Video draus machen und Bertold und andere treffen ... ich weiss jedoch, wie es abliefe: Rumstehen ohne mich wirklich dabei zu fühlen und kurz vor einem vernünftigen Abhauen alles mit Alkohol kompensieren. Am Ende wars dann doch wieder ganz schön, nicht wahr? Heute geht das nun zum Glück nicht, denn ich muss für den schwach verkauften Beethoven morgen ziemlich früh raus: Um 9 Uhr morgens treffen die sich schon und ich muss vorher aber noch zu den Fischen und will Tobi die Suppe bringen.
Jetzt regnet's zum Glück draussen und es ist auch so ungemütlich. Ja. Aber eben nicht nur draussen. Auch in mir fühlt es sich oll an. Könnte mir sogar eine Erkältung im Anmarsch vorstellen. Das alles ist großer Mist und hängt mit weit mehr Dingen zusammen, die ich kaum fassen kann. Ich stelle mir zum Beispiel die Frage nach Weihnachten und meinem Gefühl für Gemeinsamkeit, Herzlichkeit, innerer Wärme. Schon möglich, dass gerade zu Weihnachten die Selbstmordrate steigt. Es fühlt sich wie immer so an: Alle anderen unterwegs, und ich hier, der allein will und nicht kann. Und andersrum auch nicht.
Ich bin mir überhaupt nicht klar über mich, meine Absichten und meine Gefühle. Zumindest jetzt und hier nicht. Aber ich kann auch nicht um 8 schon ins Bett gehen. Obwohl ... es könnte mich vom Rotwein abhalten.
11 plus 1
Die Weihnachtsmarktwoche. Wieder mit vergünstigten Preisen. Bier kostet nur 1,30. Die ganze Woche schon will ich runter vom Gas, Beethoven sauber fertig kriegen und die liebe lange gute Zeit nutzen. Für ... irgendwas. Der Hase im Pfeffer. Wie immer. Am Eröffnungssonntag u.a. auch P. getroffen und ich stelle fest, dass ich Fragen nach "Wie gehts dir denn" und "Was mach'ste denn so?" überhaupt nicht mehr mag. Ich könnte pausenlos heraus schreien, dass es enorm dämlich ist, seine Ziele und Wünsche nicht zu kennen und damit zu befürchten, auf irgendeinem Fuck Trip mit irgendeiner Arbeit und irgendwelchem Geld hängen zu bleiben, bis das Leben irgendwie vorbei ist.
So siehts aus. Aber ich bleibe wie immer ausweichend gelassen und trinke Bier. Gestern sollten es nur 2-3 werde, um dann mit einem finalen Russen-Bier vorm Fernseher den Tag zu Ende kriegen. Liest sich dämlich, was? Okay, deshalb wars wahrscheinlich auch gut und egal, dass die Konversation dann doch noch gut und mit Jule und Micha und einer unglaublich schlimmen Dame in schwarz (die jeskom club stories sagen Danke!) in Gang kam und ich aus irgendeinem Grund nicht richtig betrunken werden konnte. Es waren also am Ende 11 (elf) kleine Bier und ein Astra für Zuhause.
Jetzt warte ich, dass ich die Fische machen und mir wahrscheinlich einen Döner holen kann. Gestern gabs Roulade bei den Eltern und sie beide waren auf eine Art so beispielhaft drauf, dass ich darüber nachdachte, warum ich damals so oft ein so merkwürdiges, ablehnendes Gefühl hatte. Das begann irgendwann mit 16 oder 18 und ich wollte einfach nicht so werden wie meine Mutter. Oder mein Vater. Und merke aber sehr deutlich, wie viel von beiden in mir drin ist. Es hat nicht gereicht, mich aus jenen beengten Ansichten ihres Universums zu lösen, um freier und friedlicher im Kopf wie im Tun zu werden. Der Apfel und der Stamm. Womöglich hätte mir ein sanfter Umgang und zusätzlich mit anderen gebildeten Menschen, die mich ermutigen und mir Dinge von der Welt zeigen, gut getan. Statt mich Strafen fürchten zu lassen. Stattdessen ahne ich immer nur, wie wichtig Bildung und das Streben nach Neuem, Gutem ist, wie ich Interessen ausbilden, mich engagieren und weiter entwickeln kann. Das klingt jetzt so'n bisschen nach dem alten Schriftsteller mit Nickelbrille in der hölzernen Hütte am Rande des Dorfes, zu dem ich als Kind gegangen wäre und der mir die Welt gezeigt hätte. Deshalb werde ich immer so enorm traurig, wenn ich solche Dokus sehe, in welchem ein junger Typ "... sich aufmacht, die Welt zu entdecken, und sein alter Freund bringt ihn hin." Jules Sohn macht das gerade in Australien, verlängerte gerade um ein weiteres Jahr und für mich klingt alles, was andere machen, besser als ich & hier & jetzt. (Das ist keine Wertung meiner Qualitäten, sondern meines erbärmlich traurigen Zustandes)
Schwerhörigkeit erhöht Demenzrisiko
Ein Artikel der dpa, gelesen in der Volksstimme am 30.11.2019
"Wer im fortgeschrittenen mittleren Alter schwer hört, hat später ein höheres Risiko für Demenz. Hierfür gebe es handfeste neue Belege, sagte Robert Perneczky vom Klinikum der Ludwig-Maximilians- Universität beim Demenz- Kongress „ResDem“ in München mit rund 200 Wissenschaftlern aus aller Welt. „Wir wissen mittlerweile auch, dass der Einsatz von Hörhilfen eine günstige, wirksame Methode ist, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern und eventuell auch das Demenzrisiko zu senken“, sagte der Psychiater und Leiter des Alzheimer Therapieund Forschungszentrums an dem Klinikum. Menschen, die von Geburt an taub seien oder in jungen Jahren einen Gehörverlust erlitten, haben laut Perneczky aber eher kein generell erhöhtes Demenzrisiko. Eine relativ neue Studie aus Taiwan mit Gesundheitsdaten von rund 16 000 Menschen zeigt, dass insbesondere hörbeeinträchtigte Menschen, die zwischen 45 und 64 Jahren alt sind, ein höheres Demenzrisiko haben wie Gleichaltrige ohne Hörschwierigkeiten. (dpa)"
Aus meiner Sicht ist das sehr nachvollziehbar und macht mich ein bisschen ängstlich. Denn das Thema ist ja nicht neu für mich. Und ich habe es oft genug hier statiert. Wie war das? : "Alkohol weg, Hörgeräte benutzen". Guck mal nach, das war meine Empfehlung an mich selbst vor mehr als 5 Jahren!
unarbeitbar
Gestern nach der Premiere "Vom Eisprinzen und seiner Prinzessin" im Querstyle den üblich endlosen Abbau samt schmerzendem kleinen Zeh und halb12 zuhause mit schnell einem Bier und etwas Wein, der sich dann doch fast vollständig aus der Flasche begab ... heute morgen pünktlich aufgewacht und zur FWA gefahren, dennoch bemerkt, dass selbst so eine kleine Schnellbesohlung zu viel ist. Das Alter fordert Tribut, die jahrelangen Trainingseinheiten haben offensichtlich weniger beizusteuern als die Psyche. Gestern bei der Hinfahrt zum Querstyle Gotot im Auto kurz gesehen, und so erschien sofort der entsprechende Traum. Als sitzender Comic-Weihnachtsmann mit großen, grinsenden Augen, der meine Praktikantin im jugendlichen Leichtmut hänselte. Nix Schlimmes, aber: weil sowas geträumt: eben doch.
Nundenn, die ersten Stunden in der FWA waren nicht sehr 'bekömmlich' für mich, da sich die Nachwirkungen des Bree-Weines immer erst ein bisschen später bemerkbar machen. Also nicht direkt nach dem Aufstehen, sondern so 2-3 Stunden danach. Das ist gewohnt unschön und ich dachte voller Grausen an diesen Tag, der bis 18 Uhr gehen sollte.
Zum Kern des Titel: Unarbeitbar. So scheint es mir, wenn ich mir diesen Tag besehe: okay, es war zwar auch etwas Besonderes, Studiofotos zu machen, sowas strengt (auch aus der Erfahrung imPT an (inkl. Aufbau, Abbau)), dazu eine Menge Leute, immer jemand anderes, mit dem ich rede, den ich fotografiere. Aber außer einem kurzen Spaziergang kein Rückzug, keine Pause. Danke Birgit für die Suppe nach Omas Rezept, das war wahrscheinlich meine Rettung.
Es wurde dann ja auch alles besser und gut und ich gewann meine gewinnende Art samt Humor zurück und es war okay. Als ich aber dann abgebaut hatte und auf dem Rad nach Hause fuhr, dachte ich: Ich kann nie wieder 8+ Stunden so am Stück arbeiten gehen. Zumindest jetzt noch nicht. Die Vorstellung, dass morgen ja auch ein ganz normaler Arbeitstag ist, würde mich schreiend weglaufen lassen ...
Ich traf dort auch die neue Pressesprecherin (Steffi Möhle) des Malteser Hilfsdienstes. Das war die erste Stelle, auf die ich mich damals im Sommer beworben hatte und die mir (für mich damals leicht verwunderschmerzlich) ohne Gespräch abgesagt wurde. So. Das wars. Ich bin ziemlich geschafft. Und morgen soll ich den Weihnachtsmarkt Bluenote verkabeln - immerhin zum Glück nicht aufbauen. Und dann kommt die nächste Eisprinzessin im Gartenhaus im Stadtpark. Und dann kommt sehr bald Beethoven und der Text ist immerhin begonnen, doch längst nicht fertig. Vorsichtige Zuversicht mit Mahnung.
Und ich gehe jetzt Bier trinken. Hoffentlich nicht so viel.
Puppen-Alb
Schön, mal nicht abgeschossen vom Alkohol des dienstäglichen Bluenotes aufzuwachen und die Sonne den Tag anknipst. Ganz aufgeschlossen bin ich allerdings auch nicht; es hat gereicht das Mandy Bein von der Puppentheater-Kasse gestern im BN auftauchte und mir von der miserablen Stimmung im Haus erzählte, was mich eigentlich und immer wieder gern heimlich frohlocken lassen sollte. Stattdessen schiebt sich sofort ein entsprechender Traum in die Mitte meines möglichen Schlafes: Wieder eine "Aussprache" beim Intendanten. Nur weiss ich dieses Mal, dass es nichts zu befürchten gäbe; im Gegenteil, es wäre Zeit, zurückzugeben und meine Meinung kund zu tun, wie ich es am Desastertag von Stephi und dem Mobbing gegen FB hätte tun sollen. Denn der Traum beginnt mit der Gewissheit, dass ich bereits raus bin aus Vertrag und Theater. Warum ich also dennoch in dieser Runde dabei bin, ahne ich nicht. Was dann kommt, ist bezeichnend: Ich fühle mich erneut angegriffen und kann mich nicht wehren, nichts entgegnen, es fühlt sich an, als stünde ich unter schweren Drogen und kann mich, halb liegend nur ein bisschen auf links drehen und etwas murmeln, dass ich selbst nicht verstehe, vermutlich aber mit Verteidigung zu tun hat.
Das macht wahrscheinlich deutlich, dass ich noch immer in diesen Zwängen gefangen bin, es nicht verarbeiten kann und mir keine Strategie einfällt, mich davon zu lösen. Weil ich glaube, dass Derartiges mir immer wieder passieren wird, ich immer wieder der "Schuldige" sein werde und ich mir all das so sehr zu Herzen nehme, dass ich Zeit meines Lebens mehr oder weniger stark verunsichert allem misstraue und mich vorsichtshalber auf nichts mehr einlasse.
Der massiven H/albträumerei, meiner Müdigkeit und und unentschlossenen Ziellosigkeit muss ein Ende bereitet werden. Normale Arbeitstage traue ich mir kaum mehr zu, wenn ich nach 1-2 Stunden unendlicher Unruhe dann doch endlich gegen 08:30 aufstehe und ich mich erst durch den Wust der Sinnlosigkeit kämpfen muss, um (wie immer) daran zu glauben, dass es ja dann doch noch weitergehen könnte, sollte, muss. Merkwürdiges Borderline-Syndrom.
Unerklärt
Ich finde keine Überschriften mehr für die gleichbleibende Litanei. Das muss den eventuell zukünftigen Leser dieser zehnsucht seit geraumer Zeit entweder nerven oder amüsieren. Ich amüsiere zumindest nicht. Oder nicht mehr. Ich könnte wie immer versuchen, alle möglichen Ursachen und Hintergründe versammelnd auf einen Punkt zu bringen. Aber das geht nicht, es würde mehr als die Hälfte fehlen. Oder ich könnte versuchen, es auf den einfachen Nenner zu bringen. Was besser wäre. Dieser Nenner wurde hier mit Sicherheit oft genug genannt. Aber wo bleibt die Konsequenz? Und woraus? Dass ich ein selbstmitleidendes Zwiegeschöpf aus (ehemals) guter Laune und depressiver Verstimmung bin?
Was wäre wenn? Wenn es beispielsweise nicht das Geld wäre, das mich irgendwann zu irgendeiner Arbeit zwingen wird? Sagen wir, es wären noch 750.000 EUR da. Und? Was nun? Würde es etwas ändern? Ich komme immer auf solche kleinen lösungsumgehenden Anspielungen, wenn sich kurz zuvor in mir ein Gefühl der Aussichtslosigkeit breit gemacht hat. Also das Gefühl meines Verlustes, mich nicht aufraffen und mit einem ZIEL versehen, losgehen zu können. Wahrscheinlich ist DAS der totale Punkt im Zentrum meiner selbst: Ein ZIEL. Gegentümlich gefragt: Was willst du denn sonst noch hier? Es ist zum großen Teil alles erlebt und gefühlt, zum kleinsten Teil alles verstanden und verarbeitet und nun ist sie da: die Leere, die schon so lange nach einem Wende- oder Endepunkt der Geschichte giert. Als Zuschauer. Danach geht sie nach Hause oder macht mal Urlaub.
Wenn ich zwischenzeitlich nicht immer mal solche optimistischen Gedanken hätte, wäre die Leere mir eine Ehre. Seeeehr witzig! Vielleicht trägt ein Zehntel Negatives gegen neun Teile Positives mehr Gewicht in mir und zermürbt mich so sehr, dass ich es nicht ertrage. Während die anderen komisch gucken. Occh, echt? Nanuuu ...
Panik auf Entzug
Drei Tage aus meiner Sicht schweren Missbrauchs liegen hinter mir. Begonnen hat es am Sonntag mit zwei Flaschen Wein, weiter ging es am Montag mit jenem fadenscheinigen Hecki-Abschlussbier und am Dienstag zuhause mit dem Rest der Weinvorräte. 'Und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas.' Es ist immer die Phase zwischen 21 und 00 Uhr.
Gestern also sollte Schluss sein und ich versuchte Albert Camus ab 22:30 Uhr. Schon eine Nacht zuvor rumorte mein Herz gefühlt arrhythmisch und laut. Und liess mich sehr früh aufwachen und schwierig wieder einschlafen. So auch der letzte Schlaf, der gegen 0 Uhr beginnen wollte, es sich aber anders überlegt, so dass Camus und die Pest weiter herhalten mussten. Der ganze Rest besteht aus Träumen, die ich nicht will: Es sind fast ausschliesslich Träume in Verbindung / in Situationen mit dem Puppentheater. Fotostrecken, merkwürdige Allianzen und Situationen, scheinbare Festlichkeiten, die so nie stattgefunden haben.
Ich entwickle eine gewisse Panik im Blick auf meine interne Verarbeitungsstrategie. Das Puppentheater muss da unbedingt raus, es martert, zermürbt mich und ich weiss nicht, wie ich es ablegen und damit professionell ruhen lassen kann. Alles, was sich in mir mit Zukunft beschäftigen will, wird durch diesen jämmerlichen Umstand gehindert. Der Entzug ist willentlich festgelegt, weil es wie immer der allererste Schritt zu einer möglichen Besinnung sein muss. Und immer wieder aufs Neue ...
Weil ich mir nicht zu helfen weiss ...
... trinke ich enorm zu viel und zu oft, kann ebenso oft keine klaren Gedanken fassen und verfolgen, bin antriebslos, ohne Ziele, mit geringem Selbstwertgefühl ausgestattet und suche nach fadenscheinigen Gründen dafür, glaube an Depression, will es aber nicht; fürchte mich vor mir selbst wie auch vor anderen und wundere mich, wie ich es in all den vielen Jahren immer wieder geschafft habe, zu überleben. Merkwürdigerweise reicht manchmal ein kleiner unscheinbarer Moment für eine erstaunliche, aber flüchtige Motivation, mittels derer plötzlich alles wieder möglich scheint. Das Verhältnis von schlechten und guten Momenten scheint mir bei 70:30 zu liegen, was keinesfalls ausreicht für ein machbares Leben. Ich bin nicht fähig, halbwegs in Worte zu fassen, was ich von mir und diesem Leben überhaupt erwarte. Falls ich es mal versuche, klingt es immerhin sehr schön, aber das ist nur die Kosmetik, mit der mein schwacher Geist sich zu schmücken weiss. So siehts aus.
schwere Scham
"Aus dem Tagebuch eines Trinkers" - das letzte Jahr. So fühlt es sich an. Schwere Scham beim notwendigen Brötchenholen mit Hut und Sonnenbrille gegen Mittag. Nahezu unfassbar und vor allem scher zu erklären, wo das Problem liegt. Es scheint das immerwährend selbe zu sein. Sonntag nach der Eisprinzprobe 2 Flaschen Weisswein getrunken und mich währenddessen im Erinnern versucht, wann welche Wohnung, Freundin, Freund, Europareise etc. in meinem Leben auftauchten. Es ging mit ja gut dabei. Gut = goo. Weit überschritten. Montag schweres Leiden, abends dann der Aufruf zum Heckmann-Gedächtnis Bier. Der ist nämlich am 22.11. gestorben. Doch der ist natürlich nicht der Grund meiner Sauferei. Es wurden dann 5 Bier und zu Hause nochmal eine Flasche Wein, während ich mir alte Jeskom Videos im Netz ansehe. Was meine mittelschwere Lethargie zur professionellen werden lässt.
Jede kleine Aufgabe wird zur Last, meine Beethoven Mod schiebe ich seit vielen Wochen vor mir her, an die Weihnachtssingen Mod denke ich überhaupt nicht und die Premiere des Eisprinzen steht bevor und es gruselt mich. Jeskom macht überhaupt nichts und ich weiss nichts über jedwelche Absichten, meine Zukunft und mein Leben betreffend, zu berichten. Keine Ziele, keine Ideen, keine Aussichten. Wie so oft. Wie zu oft.
Mein rechter kleiner Zeh tut weh. Sehr. Wahrscheinlich angebrochen oder so und Sonntag Nacht bestimmt nochmal irgendwo lang geschrammt. Das fühlt sich alles mehr als no future an, Scheiss-egal-Aktionen sind dennoch nicht zu erwarten, weil ich mein Mittelmaß fürchte. Und mein Herz klopft manchmal langsam aber sehr laut, so als würde es für jeden Schlag Anlauf nehmen.
Ich gehe jetzt in die Wanne und hoffe, nicht oder doch zu ertrinken.
Geld
Montag zur unbelebtesten Zeit bringe ich solche Flaschen weg, die ich in den letzten Jahren eher wegwarf. Na gut, es war ein Bierkasten dabei, aber jedenfalls achte wieder mehr und deutlicher aufs Geld. Was nicht nötig wäre, denn (Moment ...) insgesamt sind 65k verfügbar. Das ist viel. Sogar ziemlich viel. Allerdings wähne ich jene Vorsicht aus meiner unsicheren Konstellation heraus, nichts mit mir anfangen zu können, zu wollen, zu wissen. Heute ist wieder so ein perfekter Tag dafür: Am Dienstag zu viel konstruktives Bier, am Mittwoch auskuriert und einen Tag später, also heute, kommt der Katzenjammer. Und grauer als jetzt geht es selbst draussen kaum. Zumindest gefällt mir sowas, wenn es ein bisschen einheitlich grau ist, dann muss ich nicht so weit denken, wie es wohl wäre, wenn sich bei schönem Wetter andere Menschen des Lebens freuen und drauf los leben.
Diese Art der unsicheren Konstellation ist gefährlich ermüdend und mündet in meiner Depression in eine gewisse Ausweglosigkeit. Denn ich fühle mich so allumfassend unfähig, bis ein kleiner Moment des Applauses oder sonstigen Zuspruches mir wieder weis machen möchte, dass alles möglich sei, bevor es wieder von vorn beginnt. Zusammengerechnet fühlen sich mehr als die Hälfte meiner Tage nicht so an, wie ich es bräuchte, um ihnen etwas abgewinnen zu können. Stattdessen versuche ich mir einzureden, dass es nicht schlimm ist, um Neun ins Bett zu gehen.
immer am Ende
Das wird am Ende wieder so eine Woche gewesen sein, in der vieles NICHT passiert ist, auch nicht der Verzicht auf Alkohol. Jener ist es, der mir das Ende eines wie auch immer gearteten Abend zum Desaster macht. Gestern also gabs Nachdenkers Open Mic Night, Abschied von Suzie Kristy Leis, die ich eigentlich überhaupt nicht richtig kannte, nur immer mal zwischendurch gesehen. Selbst Wein-Micha wusste mehr über sie zu erzählen als ich auch nur im Ansatz wissen konnte. Aber dem Aufruf John Batemans folgend gesellte ich mich zum Abschiedsfoto für sie auf die Bühne der vielen Leute. und gehörte dort garnicht hin. Wollte vielleicht aber Bestandteil sein? Egal. Es war laut und rauchig und voll, ich fühlte mich wie so oft nicht richtig dazugehörig, dazu verunsichert, stellte mir vor, ob ich wie Martin Rühmann jetzt einfach auch einzwei Songs spiele, konnte aber nicht, weil mir nichts einfiel. Und dabei wurde mir freundlich zugewunken und sich gefreut, ob ich auch wohl auch etwas spielen würde.
Ich hab mich nach zwei Bieren davon geschlichen. Um im BN zu landen für weitere drei kleine. Alles noch irgendwie okay, bis dann die üblich böse Flasche Wein im Kühlschrank, die ja nur zu Dekorations- bzw. Testzwecken dort liegt, vollends zu leeren. Mit den üblichen Folgen. Morgens halb 12 aufstehen. Jetzt ist es viertel Zwei und der Tag so gut wie rum. Heute Abend Ben Racken im BN? Wirklich? Und ich gebe viel zu viel Geld aus. Jeden Tag im Vorbei mindestens 10-20 EUR. Womöglich will ich meine wirtschaftliche Talfahrt beschleunigen, damit ich endlich Handlungsbedarf habe.
Ich habe die besten Voraussetzungen, verrückt zu werden.
weil er weder weiss noch will
Gestern bei Kubon Wohnzimmerkonzert mit JC & Angelina Grimshaw. Hab mich aufgerappelt, dort hin zu gehen. Das war wie immer nicht so leicht, mich irgendwie zu aktivieren. Er hatte mich im BN persönlich eingeladen und ich versuchte mich im "was kann schon passieren?" Das schwankende Schiff meiner Unsicherheit hat ja immer nasse Planken, auf denen ich mich ausrutschen sehe. Das aber sehe nur ich so, ich ganz allein.
Aber es war gut und die Leute kannte ich zum großen Teil. Im zweiten Teil der Grimshaws verlor ich mich ein wenig in Gedanken über das Übliche, gedachte dem "Land & the Sea" (das ich in diesem Augenblick tatsächlich höre, weil Kubon mir eine CD schenkte) und dem ganzen Wust von einer bedrohlichen Ausweglosigkeit mitsamt der Gegenüberstellung von Menschen wie an diesem Abend, die allesamt irgendwas sind. Dann bin ich selbst meist gefühlt nichts und versuche mich über Wasser zu halten. (was bei Fremden dann wahrscheinlich überheblich wirkt). Bilder von Land und See hingen an der Wand und ich dachte an Kubon und seinen Weg. Dachte an Marcel, Kristina, Beetzi und so Leute ... trank zwei Bier und ging nach Hause, nicht ohne einen Abstecher ins BN zu machen, um dort drei Bier zu trinken.
Nanu? Wollte ich nicht all das Gesaufe sein lassen und mich besinnen? Und heute am Mittwoch ein Bewerbungsgespräch bei der Kassenärztlichen Vereinigung als Pressesprecher durchziehen? Ich könnte es jetzt abtun als eine innerlich-automatische Gegenwehr, die mir zuhause sogar noch zwei kleine Whiskeys bescherte, nur um mich für heute bewerbungsunfähig zu machen, weil ich diesen Job im Grunde ja garnicht wollte. Auf der anderen Seite scheint ja alles, von dem ich nicht weiss, was oder ob ich es will, mit demselben Ausgang versehen zu werden. Jedenfalls bewerbe ich mich nachher nicht, gehe zum Training und kaufe mir danach bisschen Klamotten bei H&M. Oder irgendsowas.
Meine Findungsphase dauert nun schon soviele Jahre und ich werd's wohl nicht fertig kriegen. Und wie so oft passiert es mir auch im nüchternen Zustand wie dem gestrigen Abend, dass ich mir vorstellen könnte, ohne Angst und Schmerz und Wissen darüber aufwachlos einzuschlafen, damit ich auch diese Entscheidung nicht mir überlassen muss.
The weeping weeks
Der Titel hat eher damit zu tun, dass ich gerade und wieder einmal aus 20 km Radsport komme und der letzte Titel Nick Caves Weeping Song war (13 von 16). Das heisst, ich war gut unterwegs. Und ich musste fahren, weil ich kein vernünftiges Wort für den Beitrag Müller-Marketing (Demograf) zusammenbrachte. Schreiben geht also auch nur noch schwer. War ja beim DATEs für Oktober nicht anders.. Radfahren also. Noch auf dem Weg von Alt-Olvenstedt ins Ungewisse fasste ich die kluge Entscheidung, mich rechts durch das rechte Gebiet nach Hause zu schlagen und nicht über die Herrenkrugbrücke und den Stadtpark zu fahren. Warum? Weil Südostwind für diesen letzten Teil der Reise äußerst unangenehm sind. 4 Grad kalter steifer Wind direkt von vorn. Und so fühlte ich erneut, dass ich die Trainingsreife noch nicht habe und mich fürchterlich über diesen Wind aufrege. Das liegt ja nicht nur an der Trainingsreife, sondern derer im Gemüt. Gleichmut? Nö. Freude? Nö. Aussicht. Haltdiefresse. Derweil überfährt mich fast ein rüstiger Rentner und nimmt mir die Vorfahrt, ein anderer schert aus und es war bereits ein bisschen knapp; ein letzterer wusste sich mit rechts vor links nicht zu helfen und ... jedenfalls bin ich nun mit ausreichend Unmut, aber wenigstens schön fix & fertig hier und schreibe, bis ich runtergekühlt bin.
Tobi und ich trinken kaum mehr als eine Flasche des Abends. Was erfreulich, aber nicht ganz schlüssig erklärt ist: Denn ich erhebe die Wochenenden mittlerweile fast zur Reha, um dem Alkohol zu entkommen. Immer ist was und wenn nicht, erkläre ich es mir anders, bleibe aber beim selben Ergebnis. Diese Unvernunft mit absolut klarer Konsequenz, diese Unfähigkeit, wenigstens vor dem Goo halt zu machen ... alles scheint zwecklos. Weeping Weeks. Und immer so weiter.
Die Antwort
Das Leben ist unüberschaubar, schlecht einschätzbar und nur individuell für sich anzunehmen oder abzulehnen. Es besteht aus eigenen und entsprechend bewertenden Ansichten und dem Rüstzeug in Körper, Geist und irgendwie sogar Seele (Emotion) als Handwerk fürs Umsetzen dessen, was vorher zum Gegenstand des eigenen Interesses erklärt wurde.
Wo kein Interesse, da keine Entwicklung; ohne Entwicklung herrscht Stillstand; ohne Aussicht nur eine innere Ansicht, die sich stets wiederholen wird im mutlosen Dunstkreis der eng gesteckten Grenzen. Wer immer diese Grenzen geschaffen hat.
"Wozu warten" fragte sich damals jemand, der sein Leben als erfüllt ansah und sich dem sinnlosen Alter ausgesetzt fühlte. Die selbe Frage ließe sich auch bei den Unerfüllten anwenden, insofern sie nach jahrelangem Mühen nicht den berühmten grünen Zweig zu fassen bekamen, der ihnen zum Leben gereicht. Dann schwindet nämlich sachte aber sicher auch dieses Interesse aufgrund von permanent erfahrener Aussichts- und Mutlosigkeit.
Ich werde aller Voraussicht nach nicht verrückt werden, auch wenn alle Voraussetzungen (siehe oben) dafür erfüllt sind. Es gibt weder Rezept noch Handlungsanweisung, ebenso wenig wie Garantie oder künstliche und damit oft instabile Verhaltensweisen. Es bleibt die reine Natur des Willens mitsamt der Einstellung zum Leben übrig; als Basis eines Seins, das nicht dauernd in Frage gestellt werden muss.
Das war sehr gut geschrieben. Na dann.